Forschend blickte ich ihn an, wartete darauf, dass er antwortete, überlegte es mir dann aber anders.
„Womit habe ich solche Gnade verdient?
Ich meine, ich war kurz davor, mich selbst hinzurichten.
Ich lag im Sterben.
Ich war tot!", ich atmete zitternd ein, als mich erneut ein Tränenschwall überrollte: „Es hätte so einfach sein können, Damon.
Ich hätte das selbst erledig, du müsstest nicht noch mehr Schmerz und Leid ertragen!
Aber anstatt dir die Chance zu geben, ein Leben ohne mich zu führen, kommst du her.
Ich hätte friedlich sterben können, jetzt muss ich all meine Taten noch einmal vor mir sehen, wie sie in deinen Augen aufblitzen, als wollten sie mich noch einmal bestrafen, obwohl ich dachte, das schon selbst getan zu haben.
Aber dabei hätte mir klar sein müssen, dass ich niemals fähig wäre, so viel Schmerz zu ertragen, wie du ihn ertragen musstest.
Eher würde ich wahrscheinlich…sterben."
„Verdammt, noch mal, Elena!", fuhr er mich an und ich erstarrte, als ich die Wut in seinem Ausdruck sag.
Unmittelbar zuckte ich zusammen und entzog ihm meine Hand.
Sein Gesicht war mir mit einem Ruck um einiges näher gekommen und er beugte sich schützend über mich, als wollte er mich vor weiterer Nässe schützen, auch wenn das kaum noch Sinn hatte.
Sein Blick allein sprach Bände, jedoch wagte ich nicht, sie zu entziffern.
Mit heiserer Stimme flüsterte e kurz vor meinem Gesicht, sodass ich seinen Atem deutlich spüren konnte, der so heiß war, dass mir gleich mehrere Schauer über den Rücken liefen: „Wie kommst du darauf, dass es mir möglich wäre, ohne dich zu leben?
Wäre ich zu spät gekommen; hätte ich deine Qualen nicht am eigenen Leib erfahren, wodurch ich auf dich aufmerksam wurde, dann…"
Die Verwirrung in seinen Augen lichtete sich für einen kurzen Moment.
Offenbart wurde tiefste Betroffenheit, noch immer ein wenig Angst und…unstillbare Gier.
„Wärst du tot, wäre ich dir in den Tod gefolgt."
Mir stockte der Atem, als ich begriff, wie sehr er mich eigentlich liebte und wie dumm ich gewesen war, zu glauben, dass niemand mehr leiden müsste, wenn ich endlich gestorben war.
Damons Gesicht war nur noch ganz knapp von meinem entfernt und mein Verlangen, ihn endlich küssen zu können, stieg von Sekunde zu Sekunde.
So lange hatte ich gewartet, meinen Willen zu Gunsten von Stefan immer wieder unterdrückt, weil ich der Meinung gewesen war, es würde besser so sein.
Und jetzt?
Jetzt wollte ich nichts mehr, als meine Gefühle für Damon zuzulassen.
Aber wollte er es noch, nach all dem Hin und Her?
Oder war er es leid, sich von mir durch die Gegend schubsen zu lassen?
Das galt es, herauszufinden.
„Damon?", kam es unsicher von mir und sein Blick, der fest an meinen Lippen gehangen hatte, flog zu meinen Augen auf.
„Nach allem, was passiert ist…
Kannst du mir verzeihen?"
Augenblicklich hielt er inne.
Also nicht?
War er doch nur hier, um mich zu retten?
Gut, was ich da forderte, war ziemlich viel und ich wusste nicht einmal, ob ich mir selbst verzeihen konnte.
Als ich dann bemerkte, dass er langsam von mir abließ, musste ich deshalb sofort handeln:
Ich nahm eine seiner Hände, die an meiner Taille lagen, an mich und hielt sie an mein klopfendes Herz.
Damons riss vor Verwunderung die Augen auf, verharrte aber in derselben Position.
„Ich weiß, ich verlange eine Menge von dir, wenn ich das frage, aber ich kann nicht anders.
Diese Antwort bedeutet mir wirklich sehr viel, weißt du?
Weil, wenn du mir nicht verzeihen kannst, heißt das…dass es keinen Weg mehr für uns gibt, zusammen zu sein.
Und gerade weil ich dich so sehr verletzt habe…
Ich möchte nur, dass du weißt, dass ich deine Entscheidung, egal wie sie fallen wird, akzeptieren werde.
Ich…
Ich liebe dich, Damon.
Ich tue es schon so lange, länger als du vielleicht glaubst, aber immer war ich entweder zu feige oder zu egoistisch, um es zuzugeben.
Und ich schäme mich zutiefst dafür, aber ich kann es nicht rückgängig machen, das gehört jetzt zu unserer Geschichte.
Ich kann dich nur bitten, mir zu vergeben, der Rest liegt bei dir.
Also, Damon…nimmst du mich zurück?"
Ironischer Weise erinnerte mich das gerade an eine mir nur allzu bekannte Szene:
Damon, wie er vor mir stand und mich um Vergebung dafür bat, dass er mir sein Blut gegeben und mir damit die Entscheidung, zum Vampir zu werden, voreilig und eigenständig abgenommen hatte.
„Ich weiß, ich verdiene deine Vergebung nicht…aber ich brauche sie."
Damals hatte ich Zeit von Damon gefordert, die er nicht besaß.
Und mein Herz schmerzte schwer, wenn ich daran dachte, wie es für ihn gewesen sein musste, eine Absage und die törichte Frage nach Zeit von mir zu hören, wo er doch nicht mehr lange zu leben hatte.
Ich hätte mir sofort noch einmal das Messer in den Körper gerammt, bei der Vorstellung, wie er sich umdrehte und allen Ernstes mit dem Wissen ging, dass er ohne meine Vergebung sterben würde und ohne mir noch einmal in die Augen gesehen zu haben, ohne das Wissen, dass ich ihn liebte.
Niemals könnte ich so stark sein, wie er es in diesem Moment gewesen war…
Ich hoffte, er erinnerte sich daran.
