Die Zeit ist gekommen: Heute gibt es das letzte Kapitel zu dieser Geschichte... Ich hoffe, es gefällt!


Damon strich mir eine blutige Haarsträhne aus dem Gesicht und lächelte dabei selig.

Ich genoss das Gefühl seiner Finger auf meiner Haut und fragte mich, was ich wohl tun würde, wenn er ‚Nein.' Sagen würde, obwohl das eigentlich klar war.

Wahrscheinlich würde ich sofort abreisen, bloß weg von hier, und mich töten.

Danach war nichts weiter zu tun, als abzuwarten, bis ich sterben würde, weil ich kein Blut getrunken hatte.

Aber noch stand gar nichts fest.

„Was glaubst du denn, warum ich zurückgekommen bin, Elena?

Um dir beim Sterben zuzusehen?

Um meine Wut darüber, dass du deine Gefühle verleugnet hast, an dir auszulassen?

Nein, ganz sicher nicht.", flüsterte er, noch immer lächelnd.

Die Unumstößlichkeit in seinem Blick brachte meine Lippen dazu, sich aufzuspalten.

Verwirrt murmelte ich: „N-Nicht…?!"

Er schüttelte ganz leicht den Kopf.

Meine Augen blieben an seinem vollkommenen Mund hängen, egal was ich tat, sie wollten sich einfach nicht mehr davon lösen.

„Elena, ich kann verstehen, dass du gerade nichts mehr willst, als dass ich dir antworte, aber ich kann dir schon jetzt sagen, dass es nicht besonders ausführlich ausfallen wird.

Ja, ich vergebe dir.

Und ja, ich nehme dich zurück, genauso wie du bist."

Dem war wohl nichts mehr hinzu zu fügen.

Und doch warf mich diese Antwort aus der Bahn.

Er vergab mir einfach so all das, wofür ich mich hatte umbringen wollen?

Oh ja, ich hatte vergessen, dass er für mich ein Engel war.

Und was war ich für ihn?

Verdutzt nahm ich daraufhin meine ganze wieder gewonnene Kraft zusammen: „Aber wie – "

„Ich sagte doch, es wird nichts Ausführliches sein!

Wie soll ich begründen, dass ich ein derart verkorkstes Mädchen über alles liebe?"

Ich warf ihm empörte Blicke zu, woraufhin er nur lachte.

Es war kein künstliches, sarkastisches Lachen, wie sonst in letzter Zeit, es klang irgendwie…befreit.

Und es gefiel mir.

„Jetzt tu nicht so, wir wissen beide, dass ich Recht habe!

Was hast du nicht alles getan, um Stefans kranken Vorstellungen gerecht zu werden?

Und jetzt liegst du hier in meinen Armen, bist gerade noch dem Tod von der Schippe gesprungen und sagst mir, dass du mich liebst.

Und das war nur ein kleiner Teil der Geschichte!

Ist das nicht verkorkst genug?

Also für meinen Geschmack schon."

Ja, verdammt, das war es!

Und ich war an allem Schuld.

Aber wenn ich so darüber nachdachte…

„Immerhin, all diese verkorksten Entscheidungen haben mich hierher, in diese Situation geführt.

Nur deshalb liege ich jetzt in deinen Armen und lebe, ist es nicht so?

Letztendlich führen doch viele Wege nach oben.", erwiderte ich mit neu erlangtem Selbstvertrauen und schaffte es, ihm mit einem ebenso strahlenden Lächeln entgegen zu blicken.

Was taten wir hier eigentlich?

Das war einfach nur…komisch.

„So gefällt mir mein Mädchen.", kam es jetzt von Damon und ich fühlte mich auf der Stelle geschmeichelt.

Sein Mädchen…?

Mein Herz beschleunigte willkürlich auf doppelte Geschwindigkeit, als ich darüber nachdachte.

Aber bevor ich den Gedankengang zu Ende denken konnte, musste ich ihn abbrechen, da Damon Anstalten machte, mich auf seine Arme zu heben.

Sofort stoppte ich ihn in seinem Vorhaben: „Nein!

Ich…

Warte, Damon."

Verwundert verharrte er neben mir, jederzeit bereit, seine Arbeit wieder aufzunehmen.

„Wenn wir das hier durchziehen, wenn wir es miteinander versuchen wollen…

Damon, ich will dich entweder ganz oder gar nicht.

Nach diesem Reinfall mit Stefan…ich habe ihn geliebt, wirklich, meine ich, und er hat – das kann ich nicht noch mal durchmachen.

Du siehst ja, wohin das geführt hat."

„Vertraust du mir, wenn ich dir sage, dass ich dich mehr liebe, als jede andere vor dir?

Mehr als mein Leben?

Mehr als alles andere dieser Welt?"

Ob er wusste, wie sehr ich ihn liebte, für das, was er gerade gesagt hatte?

Er würde es erfahren.

„Dann lass es uns richtig machen, von Anfang an, nicht nur so halb.", sagte ich sicher: „Ich habe lang genug gewartet, ich kann mich nicht länger zurückhalten und das will ich auch gar nicht."

Damon war wie erstarrt, er schien noch nicht ganz zu wissen, worauf ich hinauswollte.

Voller Inbrunst nahm ich daraufhin das Messer wieder in meine Hand; es musste mir wohl während meines beinahigen Ablebens entwichen sein.

Sofort hielt mich Damon, als ich es mir an die Brust hielt, auf.

Ich sah ihn ruhig an: „Ich sagte, entweder ganz oder gar nicht.

Wenn, dann für immer."

Zweifelnd starrte er mich aus seinen blauen Augen an, als würde er an irgendetwas in mir appellieren.

Als wollte er mich manipulieren.

„Elena – "

Ich unterbrach ihn, indem ich meinen Zeigefinger auf seine wichen Lippen legte.

„Ich bin bereit dafür, wenn du es bist.

Ich wünsche mir nichts mehr, als bei dir zu sein!

Ach, wenn ich dafür etwas opfern muss…

Aber ich habe ein gutes Gefühl dabei und solange du an meiner Seite bist, habe ich keine Angst davor!

Bitte, Damon…", redete ich auf ihn ein, doch in seinem Gesicht veränderte sich gar nichts.

Wollte er etwa nicht?

Wo lag das Problem?

War ‚für immer' zu viel für ihn?

Ich würde ihn genauso lieben, wie er es tat.

Ich würde nicht länger leugnen und lügen.

Es gab keinen Grund mehr dazu, bei Damon fühlte ich mich sicher und verstanden und einfach nur…richtig.

Damon schluckte: „Wenn es das ist, was du willst.", meinte er trocken, nachdem ich meine Hand von seinem Mund zu seiner Wange hatte wandern lassen.

„Ich will dich.", beteuerte ich erneut.

Er nickte und schmunzelte kurt, dann wich jegliches Lächeln einem konzentrierten Ausdruck.

Langsam und vorsichtig beugte er sich zu mir vor und presste seine Lippen endlich auf meine.

Nie hatte ich ihn so sehr gewollt!

Und am liebsten hätte ich ihn jetzt ganz ohne Zurückhaltung geküsst, aber bevor es auch nur annähernd dazu kommen konnte, entzog er sich mir schon wieder.

Unmittelbar öffnete ich die Augen und…sah, was passiert war.

Deutliche Adern zeichneten sich unter seinen Augen ab und jegliches Weiß um das eisige Blau war vollkommen verschwunden.

Erschrocken darüber, dass ich ihn ansah, wollte Damon sich noch weiter zurückziehen, aber ich hielt ihn auf.

Natürlich, ich hätte wissen müssen, dass das viele Blut eine Schwierigkeit darstellen könnte…

Aber ich hatte das Gefühl, dass das gar nicht das Problem gewesen war, denn vorher hatte er auch nicht derart darauf reagiert.

DA entdeckte ich das frische Blut an seinem Mund, das er wohl abbekommen hatte.

Ohne zu Zögern kam ich ihm wieder entgegen und – anstatt ihn erneut zu küssen, leckte vorsichtig über seine Lippen.

Sofort war der starke Geschmack nach Eisen in meinem Mund allgegenwärtig.

Aber als ich wieder aufsah, hatten sich sämtliche Anzeichen von Blutdurst auf seinem Gesicht verflüchtigt.

Unwillkürlich lächelte ich.

Jetzt war ich bereit, um mein Menschenleben loszulassen.

Mit dem Wissen, zurück zu kehren und Damon die Gier nach meinem Blut vollends genommen zu haben.

…und ihn für immer halten zu können.

Diese Gedanken in meinem Kopf festhaltend, legte ich das Messer zurück an meine Brust.

Es wird alles gut werden, fürchte dich nicht!

Damon ist immer bei dir, er wird dich davor bewahren, falsche Dinge zu tun.

Vertraue ihm!

„Das tue ich.", sagte ich zu mir selbst und stach mir mitten ins Herz.

Das Lächeln unverändert auf den Lippen tragend, zog ich es wieder heraus und war es achtlos auf den feuchten Boden neben mir.

Damon hielt meinen Kopf in einer Hand und stützte ihn, da mein Hals immer mehr erschlaffte.

Wortlos, aber nicht wirklich ersichtlich zufrieden mit der Situation, sah er auf mich herab.

Dann beugte er sich zu mir herunter und küsste mich erneut.

Ich erwiderte den Kuss nicht, ich hatte einfach nicht die Kraft dazu, aber er wusste, dass ich es genoss.

Erfüllt von seiner Liebe schloss ich die Augen, auf dass dieser Kuss das letzte sein würde, was ich spürte und hoffentlich auch das erste.

Gerade eben hatte ich für mich selbst entschieden, dass ich niemals Kinder haben würde und für den Rest meines vielleicht unendlichen Lebens mit dem wohl unstillbaren Blutdurst leben musste.

Aber all das war nebensächlich geworden, innerhalb der letzten Wochen.

Das Schicksal hatte entschieden, dass Damon zurückkommen würde, um ihm eine neue Chance zu geben, mein Herz zu erobern, auch wenn er es längst erobert hatte.

Mir wurde klar, dass es niemals um die Wahl zwischen Damon und Stefan gegangen war, sondern darum, ob ich zu Gunsten meines Herzens oder meines Verstandes handeln würde.

Schließlich starb ich in Damons Armen, dort, wo ich hingehörte.


ENDE