What Hurts The Most
Meine Antwort bestand vorerst nur aus sprachlosem Starren. Oh mein Gott. Hatte er das gerade wirklich gefragt? Wollte er mich wirklich gleich heiraten? Ich meinte … Was meinte ich eigentlich? Er sah erwartungsvoll zu mir auf. Okay, er meinte es wohl ernst. Er wollte es wirklich. Aber wollte ich das? Ehe … ich ließ das Wort in meinem Kopf klingen. Es klang komisch. Seltsam. Unnatürlich. Da wurde mir eins klar. Ich wollte ihn nicht heiraten. Noch nicht. Nicht sofort. Ich musste erst nachdenken. „Sayuna, was sagst du dazu?" Ich schreckte auf. „Ich … ich … ich weiß nicht, was … findest du das nicht ein bisschen früh? Ich meine, wir kennen uns erst ein paar Monate und …" „Nein. Ich werde dich nicht ziehen lassen. Diesen Fehler habe ich schon einmal begangen. Aber ich werde es nicht wieder tun." „Aber … Nein, Ben. Es tut mir leid. Ich muss nachdenken. Ich werde jetzt Beru besuchen gehen." Mit einem Ruck stand ich vom Küchenstuhl auf, warf das Handtuch auf die Anrichte und ging ins Schlafzimmer, um ein paar Klamotten einzupacken. Ich hatte keine Ahnung, wie lange ich weg bleiben würde.
Obi-Wan
Ich kniete wie erstarrt auf dem harten Küchenboden. Sie hatte nein gesagt. Sie hatte NEIN gesagt! Moment, was machte sie da gerade? Ich stürzte ihr hinterher, gerade rechtzeitig, um zu sehen, wie sie ihren Rucksack schloss. „Sayuna, was machst du da?" „Ich gehe Beru besuchen. Kann sein, dass ich eine Weile weg bin." „Aber …" Sie drängte sich an mir vorbei und marschierte die Treppe ins Oberhaus hinauf. Wieder lief ich ihr hinterher. An der Tür holte ich sie ein. „Bitte, verlass mich nicht!" Ich griff nach ihrer Hand. Sie machte sich los und ich spürte, wie etwas in meiner Hand zurückblieb. „Ich muss. Es tut mir leid." Und damit verschwand sie in den Staubwolken, die der Wind aufwirbelte.
Ich hörte Keuchen neben mir. Ahsoka. „Ich fasse es nicht. Sie hat es tatsächlich getan." Pause. „Soll ich sie zurückholen, Meister?" Eine Träne rann aus meinem Augenwinkel und ich wischte sie schnell weg. „Nein. Sie muss tun, was sie für richtig hält." Meine Finger schlossen sich fester um den Gegenstand. Ich wusste, was es war. Trotzdem sah ich ihn mir an. Es war die Halskette mit dem blauen Anhänger, die ich ihr geschenkt hatte.
Sayuna
Halb blind stürmte ich durch den aufgewirbelten Sand. Ich musste weg von hier, einfach nur weg. In meinem Kopf herrschte Verwirrung. Meine Gedanken wirbelten genau so herum wie die Sandkörner, die in meine Wangen stachen. Der Weg zu Beru war länger, als ich gedacht hatte. Sapienzia leitete mich. Sie versuchte, mich zu trösten – gut gemeint und willkommen, aber leider erfolglos. Es kam mir vor wie eine Ewigkeit, bis endlich das Halbkugeldach der Lars-Farm vor mir auftauchte. Am Ende meiner Kräfte klopfte ich an die Tür. Und wartete. Aber niemand öffnete. Ich klopfte nochmal. Und nochmal. Und nochmal. Nichts. Sie hörten mich nicht. Und der Sturm begann gerade erst. Ich sank vor der Tür zusammen, zerrte ein Top aus meinem Rucksack und versuchte, mein Gesicht so gut wie möglich zu schützen. Es war alles viel zu schnell gegangen, ich war viel zu überstürzt aufgebrochen. Es wäre klüger gewesen, auf das Ende des Sturmes zu warten. Aber ich hätte auch nicht bleiben können. Was hätte Ahsoka getan? Sie hatte mir Vorwürfe gemacht und versucht, mich umzustimmen. Und Ben? Er hätte es akzeptiert. Es entsprach seiner Einstellung, jedem den freien Willen zu lassen. Das war seine Art. Er hätte auch versucht, seinen Kummer zu verbergen. Aber ich hätte es trotzdem gefühlt. All diese Gefühle, das Leid und die Verwirrung, hätten zwischen uns gestanden. Ich konnte jetzt nicht in seiner Nähe sein. Ich konnte nicht. Er fehlte mir. Fürchterlich. Es war, als ob mir plötzlich ein lebenswichtiges Körperteil fehlen würde. Ich hatte mein Herz hoffnungslos an ihn verloren. Der Sand blieb an den Tränen kleben, die meine Wangen herunter rannen. In einem letzten verzweifelten Versuch hämmerte ich gegen die Tür. Und hatte tatsächlich Glück. Sie öffnete sich. Owen stand im Türrahmen. Als er mich erkannte, packte er eilig meinen Arm und zog mich ins Innere des Hauses. Ich konnte nur ein paar Schritte laufen, bevor ich schluchzend zusammenbrach.
Nach einer gefühlten Ewigkeit spürte ich eine Hand auf meiner Schulter. Durch den Tränenschleier blinzelnd erkannte ich Beru. Sie strich mir beruhigend über den Arm und fragte: „Was ist denn los?" „Ben-Ben-Ben ha-hat mir einen Hei-Hei-Heiratsantrag gemacht!" „Ja, aber das ist doch wunderbar. Wieso weinst du dann? Oder willst du ihn etwa nicht heiraten?" „Ja. Nein. Ich weiß nicht. Ich weiß es einfach nicht." Beru wusste wohl nicht, was sie sagen sollte, denn sie nahm mich einfach nur in den Arm. Da hörte ich eine Stimme aus dem anderen Zimmer. „Leute, der Kleine hört nicht auf, zu schreien! Was soll ich machen?" Ich kannte diese Stimme. Ich hatte ihr oft genug gelauscht. Früher hatte ihr Klang mich immer mit Bewunderung erfüllt. Jetzt reagierte ich mit Abscheu und zischte: „Eliondo!" Beru hatte mich nicht gehört, sie war aufgesprungen und lief zu dem weinenden Luke, aber Owen fragte: „Du kennst ihn?" „Besser als es mir lieb ist." „Die Galaxie ist erstaunlich klein!" Owen half mir vom Boden hoch, reichte mir ein dringend notwendiges Taschentuch und führte mich am Arm in das andere Zimmer, ein Wohnzimmer. Beru stand vor der Babywiege in der Ecke des Zimmers und fütterte Luke. Dann fiel mein Blick auf den blauhäutigen Twi'lek neben ihr und mein Herz blieb stehen. Er drehte sich um, die Hände in den Hosentaschen, ein Lächeln auf dem Gesicht. Als er mich sah, erstarrte er ebenfalls. Als wir uns in die Augen sahen, seine gelb, meine blau, zog ein Strom an Erinnerungen an mir vorbei. Es waren Erinnerungen, die mit so viel Glück und Schmerz verbunden waren, dass ich sie so tief wie möglich vergraben hatte. Aber jetzt brachen sie wieder hervor, so präsent, als wäre es erst gestern gewesen, dass ich im Senat alle Getränke auf meinem Tablett über dem neuen Senatsgehilfen von Ryloth ausgekippt hatte. Jetzt verzogen sich seine blauen Lippen – ich wusste genau, wie weich sie waren – zu einem zaghaften Lächeln. „Hey, Tänzerin." Ich liebte diesen Spitznamen. Und hasste ihn. Trotzdem hatte ich ihn vermisst. „Eliondo. Was machst du hier?" Meine Stimme klang wie splitterndes Eis. Er zuckte nur mit den Schultern. „Arbeiten. Owen braucht etwas Hilfe." „Vom Senatsgehilfen zum Feuchtfarmer? Das nenne ich mal einen Karrieresprung." Ich hatte gehofft, ihn damit zu beleidigen, aber er lachte nur. „Reizend wie eh und je, ich sehe schon." Zur Antwort funkelte ich ihn nur wütend an. Aber meine Ablehnung ließ ihn völlig unbekümmert. Er stand nur da, die Hände in den Hosentaschen, das mir nur zu vertraute Grinsen im Gesicht als wäre es aufgeklebt. Widerwillig bewunderte ich ihn, wie ich es schon immer getan hatte. Seine Haut schimmerte wie das Wasser der Ozeane von Naboo, seine Augen glänzten wie Gold und überstrahlten sogar seine geraden, ebenmäßigen Gesichtszüge. Ich hatte ihn wirklich vermisst. Aber unsere Trennung war nicht meine Schuld gewesen. Er war nach Ryloth zurückgekehrt während ich auf Coruscant geblieben war. „Was machst du hier?", unterbrach er meine Gedanken und sah mich nachdenklich an. „Ich? Ich bin versklavt worden." „WAS?" Er versuchte gar nicht erst, seine Wut zu unterdrücken. Luke hatte beim Klang seiner Stimme angefangen, zu weinen. „Ja, aber..." Der Gedanke an Ben schnürte mir die Kehle zu. Ich konnte ihm nicht sagen, dass ich jetzt wieder frei war. Und das Wissen, dass der Hass in Eliondos Augen sich gegen Ben richtete, war mehr, als ich ertragen konnte. Ich brach wieder in Tränen aus. Eliondo kam rasch auf mich zu und nahm mich tröstend in den Arm. Meine Versuche, ihn wegzudrücken, ignorierte er. „Wer tut denn so etwas? Wer versklavt einfach ein freies Wesen?" Wie aufs Stichwort ertönte der Türsummer, den ich vorher in meinem Tränenwahn wohl übersehen hatte. Owen öffnete die Tür und trat mit dem neuen Gast durch den Türrahmen. Es war Ben. Verdammt. Er hatte gerade über einen Witz von Owen gelacht, doch sein Lächeln erstarrte, als er mich in Eliondos Armen sah. Durch meinen Schreck brachte ich endlich genug Kraft auf, um mich zu befreien. Eliondo hielt meine Hand fest, doch ich wand sie aus seinem Griff. Bens Kiefer wurde hart. „Geht es dem Jungen gut? Braucht ihr etwas?", wandte er sich kurz angebunden an Beru. „Alles in Ordnung. Wir brauchen nichts." „Gut." Er wandte sich zum Gehen. „Ben!", rief ich. Er blieb stehen, drehte sich aber nicht um. „Es... es tut mir-" „Nein, Sayuna. Ich verstehe schon. Du brauchst nichts zu sagen. Es ist nur nicht so einfach für mich, dich in den Armen eines Anderen zu sehen. Deshalb gehe ich jetzt." Er verschwand durch die Wohnzimmertür. „Nein, Ben, warte..." Ich wollte hinter ihm her stürmen, hatte meine Rechnung aber ohne Eliondo gemacht. Beru musste ihm verraten haben, dass Ben mich gekauft hatte, denn er hielt mich zurück und sagte: „Lass ihn doch. Ohne deinen Sklavenhalter bist du ohnehin besser dran." „Lass mich los. Und wage es bloß nicht, dich in meine Angelegenheiten einzumischen!" Meine Stimme war noch eisiger als Hoth. Eliondo ließ mich tatsächlich los. Und ich lief Ben hinterher. „BEN!" „Lass mich in Ruhe, Sayuna. Du weißt genau, was ich für dich empfinde. Und keine drei Stunden, nachdem du meinen Heiratsantrag ablehnst, hast du schon den nächsten Mann gefunden." „Nein, Ben, das stimmt nicht, Eliondo ist nur-" „LASS ES!", brüllte er. Ich schreckte zurück. Und lief direkt in Eliondo, der schon wieder hinter mir stand und jetzt auf Ben losging. „Du hast sie versklavt? Bist du von allen guten Geistern verlassen? Das kannst du meiner Tänzerin doch nicht antun!" „Eliondo...", warf ich drohend ein. Ben schnaubte. „Deine Tänzerin? Mit dieser Bezeichnung versklavst du sie mehr, als ich es je getan habe." „Du hast sie verdammt noch mal gekauft!" „UND DANN HAT ER MICH FREI GELASSEN!" Aber das war für Eliondo ein gefundenes Fressen. „Damit sie so tut, als würde sie dich lieben?" Ben musterte mich kalt. „Scheinbar war das der Preis." Dann war er verschwunden. „Nein, Ben, warte auf mich!" Ich wollte ihm nachlaufen, aber wieder war es Eliondo, der mich festhielt. „Spinnst du, du kannst doch bei dem Sturm nicht raus!" Ich ignorierte ihn. „Ben..." Aber er war schon verschwunden.
