Abschied
Sechzehn Jahre später
Ich seufzte zufrieden, während ich im Suppentopf rührte. Im Zimmer nebenan hörte ich Sara und Lynn, eine junge Erwachsene, die seit acht Jahren von Ben ausgebildet wurde. Inzischen war sie bereits wie eine zweite Tochter, auch, wenn sie älter als Sara war. Die Bewegung des Löffels in der Suppe hatte etwas hypnotisierendes und ich starrte wie betäubt in den Topf, bis Sara mich aus meinen Gedanken riss: „Mama, wann gibt's Essen?" Ich sah kurz auf den Chrono, dann zu meiner Tochter, die im Türrahmen stand und antwortete: „In etwa zehn Minuten. Wenn wir Glück haben, ist dein Vater dann auch schon wieder da." Sie verdrehte die blauen Augen, die sie von mir geerbt hatte, und sagte: „Ach komm, du glaubst doch selbst nicht, dass er pünktlich ist." Ich grinste. „Deswegen sagte ich, dass wir vielleicht Glück haben." „Wofür braucht ihr denn Glück?", ertönte da eine Stimme hinter Sara. Sie fuhr herum und schlang die Arme um Bens Hals. „Papa!" Er lachte und strich über ihr hellbraunes Haar. „Hallo, meine Kleine." Sie ließ ihn wieder los und er kam zu mir an den Herd, um mich mit einem Kuss zu begrüßen. „Hallo, Meister." Er drehte sich um, einen Arm auf meiner Schulter und begrüßte seine Schülerin. „Suppe ist fertig!" Ich stellte den Topf auf den Tisch und sah Sara missbilligend an. „Kleine, warum ist der Tisch noch nicht gedeckt?" „Ups!" Ben lachte und ließ Teller und Besteck aus Schränken und Schubladen auf den Tisch fliegen. Ich drohte ihm scherzhaft mit dem Zeigefinger, was uns alle zum Kichern brachte. Dann konnten wir endlich anfangen, zu essen. Er muss heute nochmal seinen Rundgang machen. Okay. Warum? Das werdet ihr schon merken. Ich zuckte mit den Schultern. Sapienzia erklärte sich so gut wie nie, aber ich vertraute ihr bedingungslos. „Sapienzia sagt, du sollst deine Runde heute nochmal machen." Ich warf Ben einen vielsagenden Blick zu. „Okay. Hat sie auch gesagt, warum?" Bedauernd schüttelte ich den Kopf, während Sara einwarf: „Papa, wir reden hier von Sapienzia. Sie erklärt nie irgendwas!" Er grinste. „Stimmt auch wieder." Ich sah ihn Gedankenverloren an. Wir kannten uns jetzt schon etwa neunzehn Jahre, aber in meinen Augen hatte er sich kaum verändert. Jetzt seufzte er. „Ich war auf der Lars-Farm. Luke wird ungeduldig, er will unbedingt auf die Akademie und lässt sich kaum noch zurückhalten." „Natürlich nicht, er ist erwachsen, niemand verrät ihm, was los ist und warum er nicht bei seinen Eltern lebt. Er wird ungeduldig." Ben rieb sich müde das Gesicht. „Ja, die Dinge werden immer komplizierter."
Nachdem Ben zu seinem Rundgang aufgebrochen war („Schade. Ich wollte endlich mal wieder ein gutes Buch lesen!"), unterrichtete ich Sara und Lynn in der Geschichte des Jedi-Ordens. Plötzlich hörten wir, wie sich die Tür des Oberhauses öffnete. Sapienzia übernahm blitzschnell meinen Körper und sagte: „Still. Er ist nicht allein." Wir lauschten und hörten Ben, der mit jemandem redete. Die Worte konnte ich nicht verstehen, aber er war nicht angespannt. Also keine Sturmtruppen. Ich stieß einen leisen, erleichterten Seufzer aus. Dann erkannte ich die andere Stimme. Luke! Sie sprachen eine ganze Weile miteinander, dann verließen sie das Haus wieder. Sara stieß laut den Atem aus. „Was war das denn?" Ich strich mir eine ergrauende Haarsträhne hinters Ohr. „Ich habe keine Ahnung. Wir werden es wohl später erfahren." Und so war es auch.
Nach einiger Zeit tauchte Ben wieder auf und fasste die Ereignisse kurz zusammen: Owen und Beru waren tot und er würde mit Luke zwei Droiden nach Alderaan bringen. Ich verbiss mir die Tränen. „Ich muss gehen." „Ich weiß. Komm zu mir zurück!" „Immer." Und da traf mich die Erkenntnis. Aber weder Ben noch Sara oder Lynn merkten etwas, weil sie viel zu sehr mit dem Abschied beschäftigt waren. Ben gab mir einen letzten Kuss auf die Stirn und war verschwunden. Ich sah ihm nach, wie er die Treppe zum versteckten Eingang ins Oberhaus hinaufstieg. Er war alt geworden. Wir beide waren alt geworden. Ein Bild von einem jüngeren Ben, der die Treppe hinab auf mich zustürmte und sich in seiner Eile beinahe ein Bein brach, trieb mir die Tränen wieder in die Augen. Ich schlang meine Arme um mich selbst. Wir hörten oben, wie Luke eine Frage stellte und dann schloss sich die Haustür. Sara sah mich an. „Er kommt nicht zurück, stimmts?" Ich antwortete nicht. „Mama?" „Nein. Er kommt nicht zurück." Sie nickte und begann mit dem Kopf an meiner Schulter zu weinen. Ich wollte sie trösten, aber alles, was ich tun konnte, war ihr hellbraunes Haar zu streicheln.
Mitten in der Nacht fuhr ich mit einem Schrei aus dem Schlaf und saß senkrecht im Bett. Es war vorbei. Wie in Trance schlug ich meine Bettdecke zurück und ging los. Ich nahm meine Umgebung kaum wahr. In der Höhle mit dem See suchte ich einen Stein und stellte ihn zu den anderen. Betäubt begann ich zu arbeiten. Erst, als ich fertig war, merkte ich, was ich da geschrieben hatte.
Obi-Wan „Ben" Kenobi.
Ich war unfähig, mich zu rühren. Deshalb kniete ich noch immer vor dem Grabstein, als Sara und Lynn mich fanden. Sara legte ihren Kopf auf meine Schulter und ich schlang den Arm um sie. Beide hatten die Situation sofort verstanden. Lynn blinzelte heftig und stumme Tränen strömten Saras Wangen hinunter.
Ich verbrachte den Tag in völliger Lethargie. Mein geliebter Ehemann, der Vater meiner Tochter, die Liebe meines Lebens … Er war weg. Tot. Für immer fort. Ich weinte nicht. Keine Ahnung, warum. Vermutlich stand ich zu sehr unter Schock. Lynn brachte mir Essen, aber ich ließ es unberührt stehen. Ich hatte nicht einmal genug Energie, um Sara zu trösten. Im Gegenteil, sie war die Starke von uns beiden, die mich in den Arm nahm und mich abends ins Bett schickte. Wenn ich geistig auf der Höhe gewesen wäre, hätte ich auf dem Sofa geschlafen, weil das Bett ohne Ben kalt, leer und viel zu groß war. Trotzdem schlief ich ein.
„Sayuna. Sayuna, wach auf!" „Lass mich schlafen, Ben.", knurrte ich unwirsch. „Nein, das geht nicht, Liebling. Du musst aufstehen." Ich vergrub den Kopf in meinem Kissen und schlug nach ihm, damit er mich in Ruhe ließ. Aber meine Hand traf nur eine leere, kalte Matratze. Plötzlich saß ich kerzengerade im Bett. „Moment." Ich sah mich um. „Du bist doch tot!" Super, jetzt redete ich schon mit der Luft. Da bemerkte ich im Augenwinkel ein Schimmern. Ich drehte den Kopf und sah eine Gestalt. Es war Ben, aber gleichzeitig war er es auch nicht. Er sah durchscheinend aus und war von einer blauen Aura umgeben. Ich zuckte zurück. „Du lieber Himmel!" Er lächelte traurig. „Ja, ich bin tot. Tut mir übrigens leid, aber es war notwendig, um Luke die Flucht zu ermöglichen. Und da wir schon beim Thema sind, ihr müsst hier weg. Die Sturmtruppen sind auf dem Weg." Ich seufzte. „Wir werden nicht zurückkommen, stimmts?" Er schüttelte den Kopf. „Höchstwahrscheinlich nicht, nein." „Na gut." Ich stand auf und zog mich schnell an, bevor ich Lynn und Sara weckte. Sie verstanden zum Glück schnell und beeilten sich. Keine zwanzig Minuten, nachdem Ben mich gewarnt hatte, verschwand die alte Hütte am Horizont, während wir im Gleiter nach Mos Eisley rasten. Das Eopie war schon vor drei Jahren gestorben. Während Lynn steuerte, kämpfte ich mit dem alten Kommunikator. Endlich hatte ich eine Verbindung. „Kuhn? Wir brauchen deine Hilfe!"
