Hallo an alle! Nach einer sehr langen Zeit bin ich mit dem zweiten Kapitel von der französischen FF von Dragonwing4 Changer le passé wieder zurück. Viel Spaß beim Lesen. Vielen Dank an LadyAdamas, meine Betaleserin.

Disclaimer: Alle bekannten Charaktere und Orte gehören zu Mrs. Rowling und die Geschichte und die anderen Charaktere gehören zu Dragonwing4. Ich habe nur übersetzt.

Spoiler: Die ersten fünf Bände.

Anmerkungen: Ich muss euch warnen, dass diese Geschichte leider nie zu Ende von Dragonwing geschrieben wurde. Sie hat aber ein 18. und allerletztes Kapitel veröffentlicht, wo sie das Ende ihrer Geschichte zusammen gefasst hat, so dass ihr wissen könnt, wie sie sich das Ende vorstellte.

Und jetzt, genießt und reviewt!

Eine zweite Chance

Die Vergangenheit verändern

Kapitel 2: Wo Wurmschwanz den Jungfernflug besteht:

„Ich schwöre es dir, Remus. Dieser Auror war echt klasse! Die Art und Weise, wie er meine Mum geblufft hat! Und außerdem sah er ganz jung aus..."

„Sirius!", rief der junge Werwolf. „Ich glaube, dass ich dich nach dem zwanzigsten Mal bereits verstanden hatte, du brauchst dich nicht stets zu wiederholen! Als wüssten wir nicht, dass du davon träumst, Auror zu werden... Und warum darf James nicht das Gleiche hören?"

„Weil ich es während der letzten drei Tage schon gehört habe", erwiderte James, bevor sein Freund den Mund aufmachen konnte.

„Hey!"

Die drei Jugendlichen waren damit beschäftigt, in einen Wagen des Hogwarts Express' zu steigen und ihre Koffer in einem leeren Zugabteil zu lagern. Freundlich streitend legten sie sie ins Gepäcknetz und stiegen mit den anderen Jugendlichen, die sich von ihren Eltern verabschiedeten, wieder aus. James blickte zum Bahnsteig und zerzauste dabei gedankenlos sein Haar.

„Ich frage mich, wo Peter steckt?"

„Tja, du kennst ihn ja", antwortete Sirius mit seiner gewöhnlichen entspannten Miene. „Er wird zweifellos wie immer im letzten Augenblick ankommen."

„Ja, du hast wahrscheinlich recht."

Eine Hand legte sich auf seine Schulter und er drehte sich um zu seinem Vater. George Potter, ein sehr berühmter Heiler des St Mungo, war einer der seltenen Potters, deren schwarzes Haar nicht zerzaust war. Er wusste übrigens nie, ob er sich darüber freuen sollte oder nicht. Sein schmales Gesicht näherte sich dem seines Sohnes und er lächelte ihn an:

„So wie ich sehe, ist Peter noch nicht angekommen?"

„Nein, Dad, noch nicht", erwiderte der Jugendliche und lächelte zurück.

„Na ja, ich muss gleich gehen. Grüßt ihn von mir."

„Natürlich, Mr. Potter", nickte Remus höflich. „Und noch Mal danke, dass Sie mich mitgenommen haben."

„Das ist selbstverständlich", antwortete George lächelnd und er wandte sich an Sirius: „Wir hoffen, wir sehen dich an Weihnachten wieder, Sirius."

„Ist das eine Einladung, Sir?", sagte der Jugendliche mit schelmischem Blick.

„Nimm es so, wie du willst, aber bleibe nicht allein", antwortete der Heiler, indem er ihm die Hand schüttelte. „Das ist schlecht für die Gesundheit!"

Sirius lächelte ihm breit zu und entfernte sich mit Remus, um die Potters sich verabschieden zu lassen.

„Das ist schade, dass deine Mum nicht kommen konnte."

„Tja, das ist wegen ihrer Arbeit", sagte James und zuckte mit den Schultern. „Ich sehe euch beide an Weihnachten wieder."

„Ja. Und lade Remus und Peter ein zu kommen, wenn sie wollen."

„Alles klar. Auf Wiedersehen, Dad."

„Bis bald, James", antwortete er und umarmte seinen Sohn.

Dann entfernte er sich, grüßte ihn mit der Hand und ging zum Bahnsteigende. James sah, wie er unter dem Bogen ging und er traf seine Freunde wieder. Als sie sich anschickten in den Zug einzusteigen, bemerkte Remus:

„Ei! Jetzt sind Auroren da auf Gleis Neundreiviertel."

„Was?"

Sirius zog den Kopf wieder aus dem Zug, schaute in die Richtung, die ihm sein Freund zeigte und erblickte einen Mann mit einem purpurnen Umhang, auf dessen Brust das Symbol seines Amts silbern gestickt war. Der Mann mittleren Alters hatte mit grauen Strähnen durchzogene braune Haare und einen stechenden Blick unter seinen dichten Augenbrauen. An seiner Seite ging eine etwas jüngere Frau, deren kastanienbraunes Haar kurz geschnitten war und die einen langen Mantel trug. Dieser hatte ihr wahrscheinlich genutzt, die Neugier der Muggel zu vermeiden, die im Bahnhof überall standen. Sie zog ihn bald aus und enthüllte damit einen Umhang, der dem ihres Kollegen ähnelte.

Das Paar sprach mit einem besorgten Ausdruck miteinander und schien die neugierigen Blicke, die sie überall erregten, nicht zu bemerken.

„Ach, ja!", erinnerte sich James und schlug sich auf die Stirn. „Das ist diese Sache mit den Auroren, die das Ministerium Dumbledore als Wächter vorgeschlagen hat."

„Was?", rief Sirius aus. „Woher weißt du das? Ich wusste es nicht!"

„Dad hatte mir davon erzählt, das stand im Tagespropheten", antwortete der Jugendliche nachlässig.

„Schaut mal!", sagte Remus, um ihre Aufmerksamkeit zu erregen. „Da kommt ein anderer."

„Wo denn?", fragte Sirius und stieg aus dem Wagen aus.

Da näherte sich nämlich ein dritter Mensch den zwei anderen, die die Augenbrauen runzelten, als sie ihn ankommen sahen. James musterte den dritten Wächter: er war mittlerer Größe, sein sehr langes schwarzes Haar war in seinem Rücken zusammengebunden und er zog seinen Muggelmantel aus, als er zu seinen Kollegen ging, die er offenbar noch nicht gesehen hatte.

James spürte einen Luftzug neben sich, dann sah er seinen besten Freund zum Neuankömmling laufen.

„Sirius? Was machst du?", schrie er ihm überrascht nach.

„Er ist's!", antwortete der andere und lief weiter. „Er ist der Auror vom anderen Tag! Sir! Eh, Sir!"

James und Remus sahen einander an, zuckten mit den Schultern und liefen dann Tatze nach.

Harry hörte Schreie und stoppte plötzlich, als er sah, wie ein junger Mann sehr schnell zu ihm zwischen seinen Mitschüler lief, die zusahen, wie er sich ihm näherte, als wäre er verrückt. Harry behielt den Vornamen seines Patenonkels im allerletzten Augenblick ein und empfing ihn dagegen mit einem:

„Mr Black! Was für eine Freude, Sie wiederzusehen. Haben Sie andere schlechte Begegnungen gehabt?"

Sirius lachte und sagte:

„Sie haben mir nicht gesagt, dass Sie das Jahr in Hogwarts verbringen!"

„Sie haben mich nicht danach gefragt, Mr Black", antwortete Harry mit einem schelmischen Lächeln.

Sirius grinste und wollte erwidern, als ihn eine Stimme unterbrach:

„Harry Davies?"

Harry drehte sich zu den zwei anderen Auroren.

„Das stimmt. Und Sie sind sicher Edouard Thomson und Samantha O'Brien?"

Die beiden Auroren, die von seinem Selbstbewusstsein ein wenig verwirrt waren, sahen einander an.

„Ja", antwortete O'Brien, während Thomson lang und drängend zu Sirius blickte.

Da er den Blick verstand, trat der junge Mann zurück.

„Hm... Ich werde Sie alleine lassen."

„Wie Sie wollen, Mr Black", sagte Harry. „Wir werden im Laufe des Jahres die Gelegenheit haben miteinander zu reden, da bin ich sicher."

„Ja. Auf Wiedersehen!"

Nachdem er zu den beiden anderen Auroren noch ein Mal geblickt hatte, drehte sich Sirius um und ging zu seinen Freunden, die nicht weit entfernt auf ihn warteten.

„Die beiden anderen sehen nicht so freundlich aus", bemerkte Remus.

„Klar. Offenbar haben sie sich gegen deinen Lieblingsauror verbündet, Sirius", fügte James hinzu.

Ohne den spöttischen Ton zu bemerken, blickte Sirius besorgt hinter sich. Thomson schien, in einer langen strengen Schmährede vertieft, O'Brien stand neben ihm und half ihm dabei. Dennoch schien Davies gleichgültig, ja sogar leicht verachtend. Als er Sirius' Blick bemerkte, lächelte er ihm diskret zu. Sirius lächelte zurück und drehte sich zu den beiden anderen.

„Vielleicht, aber sie werden es bereuen!", versprach er.

Und daraufhin ging er mit großen Schritten zu ihrem Abteil zurück.

Harry hörte der Rede seines Kollegen mit tiefer Langeweile zu. Grob zusammengefasst ging es darum, dass Harry, da er jünger war als die beiden anderen, ihren Ratschlägen zuhören müsse und nicht den Hitzkopf spielen solle und auch darauf aufpassen solle, kein Wichtigtuer zu sein.

Harry wusste sehr wohl, dass manche neuen Auroren, die auf ihr neues Amt stolz waren, wegen ihres Mangels an Aufmerksamkeit und Erfahrung viele Fehler begingen, also war das normal, dass seine beiden Kollegen, die es für ärgerlich hielten, dass man ihnen einen Neuling aufgebürdet hatte, den Wunsch hatten, ihm „seine Verantwortungen beizubringen". Pech für sie, wenn jemand es nicht brauchte, verantwortlich gemacht zu werden, war das ja der Junge, der lebt.

„Ich danke Ihnen für all diese wertvollen Ratschläge, lieber Kollege", unterbrach er mit eisiger Stimme. „Aber ich glaube, dass ich alleine mir werde heraushelfen können. Ich glaube", fügte er hinzu, da Thomson den Mund aufmachte, „dass Sie sich eine falsche Idee von mir gemacht haben."

„Ach so?", konnte Thomson spöttisch sagen. „Und inwiefern liegen wir falsch?"

„Insofern als ich kein vom Leben verwöhnter Bengel bin, der sich möglichst bald bewähren möchte. Ich habe viel Erfahrung, die andere ältere Auroren sicher noch nicht erreicht haben und ich wünsche denen nicht, das zu erleben, was ich erlebt habe. Trotz meiner Jugend habe ich genug Prüfungen für ein ganzes Leben erlebt. Manchmal, sogar oft habe ich mir gewünscht, ich könnte aufgeben und anderen die Last übergeben, die mir auferlegt worden war, aber es war niemand dafür da. Niemand bis auf mich. Also habe ich weitergemacht.

Jetzt bin ich einundzwanzig und ich habe genug schmerzhafte Erinnerungen, die einen erfahrenen Menschen würden heulen lassen. Aber ich bin immer noch da und noch ein Mal habe ich den Willen, das Amt, das auf meinen Schultern liegt, am besten zu erfüllen. Wenn Sie meinen, dass ich es nicht wert bin, mit Ihnen zu arbeiten, steht es Ihnen frei, unseren Vorsitzenden oder wem Sie wollen davon zu berichten, aber warten Sie zumindest ab, bis sie meine Arbeitsweise erlebt haben, bevor Sie darüber urteilen.

Jetzt bitte ich Sie um Verzeihung, ich glaube, dass der Zug gleich abfahren wird."

Harry ließ sie dort stehen, wo sie waren, und sein Gesicht war hart und entschlossen, seine Augen kalt und er stieg in den Zug ein, dessen Lokomotive gerade gepfiffen hatte, um die Abfahrt anzukündigen. Er hatte die Leute, die über ihn urteilten, ohne ihn zu kennen, immer verabscheut und der Mangel an Erfahrung war ja die letzte Sache, die man ihm vorwerfen konnte. Aber so wie er aus ihrem verblüfften Ausdruck schließen konnte, hatte er ihnen das Maul wunderbar gestopft.

An einem Fenster, das einige Wagen weiter offen stand, rief eine enthusiastische Stimme aus:

„Ich hatte euch gesagt, dass dieser Kerl klasse war!"

James und Remus mussten zusammen handeln, um Sirius vom Fenster zu ziehen.

„Du bist wirklich durchgedreht, mein armer Tatze", seufzte Remus und setzte sich, während der Zug abfuhr.

„Aber findet ihr nicht, dass er klasse ist?", rief Sirius aus, indem er sich neben ihn fallen ließ.

Doch Remus hörte ihm nicht mehr zu. Er runzelte die Augenbrauen und sein Blick traf James'.

„Wo ist Peter?", fragte jener.

Harry ging den Gang des Wagens entlang, in dem er sich befand. Nach den wenigen Informationen, die er aus Thomsons Schmährede hatte verstehen können, war er damit beauftragt, den mittleren Teil des Zugs während der Fahrt zu bewachen, falls es einen unerwarteten Angriff gäbe. Während er bedenkenlos durch die Glasscheiben der Abteilungstüre sah, bedauerte er, dass sein Vater und seine Freunde die gute Idee nicht gehabt hatten, in der Nähe zu sitzen. Eine Abteilung, die etwas weniger gefüllt war als die anderen, erregte seine Aufmerksamkeit.

Sein Herz hörte einige Augenblicke lang auf zu schlagen. Sie war da! Das kastanienbraune Haar von Lily Evans, seiner Mutter, leuchtete neben dem Fenster, während sie mit einer Freundin redete. Zitternd zwang er sich mehrmals zu atmen. Es konnte nicht schlimmer sein als mit Sirius, oder? Langsam schob er die Tür auf. Vier Augenpaare drehten sich ihm zu, doch Harry sah nur zwei grüne Augen, die den Seinigen so sehr ähnelten. Er bemühte sich darum, seinen Blick davon abzuwenden.

„Stört es Sie, wenn ich hier sitze?", fragte er und zeigte auf den Teil der Bank neben der Tür.

„Nein, natürlich nicht", antwortete ein ziemlich kleines Mädchen, deren blondes Haar in einem Pferdeschwanz gebunden war, mit einem nervösen Ton.

Harry fragte sich vage, warum sie sich sehr unwohl fühlte, bevor er sich daran erinnerte, dass seine Uniform die Jugendlichen manchmal Unbehagen bereitete. Er lächelte dem Mädchen freundlich zu und setzte sich weit von ihnen, um ihnen Raum zu lassen. Er hatte erwartet, dass das Gespräch nach einigen Augenblicken wieder anfangen würde, aber seine Mutter – Lily – fragte ihn:

„Sind Sie einer der Auroren, die vom Ministerium geschickt worden sind?"

Harry drehte sich ihr zu und erinnerte sich daran, dass er sie nicht anstarren sollte.

„Das stimmt."

„Sie sind... ähm..."

Harry sah das Mädchen an, das mit Lily geredet hatte, als er angekommen war. Ihr langes lockiges braunes Haar versteckte halb die großen goldenen Ringe, die an ihren Ohren hingen. Sie errötete heftig unter seinem Blick.

„Entschuldigen Sie, wenn ich unhöflich bin, aber Sie sehen ein bisschen..."

„Jung aus?", endete Harry lächelnd.

Das Mädchen senkte den Kopf und versteckte die Röte ihrer Wangen unter ihrem Haar wie unter einem Schleier. Harry brach in lautes herzliches Gelächter aus.

„Machen Sie sich keine Sorgen darüber, ich bin nicht gekränkt! Sie haben völlig Recht."

Jetzt starrten ihn alle Mädchen an.

„Ich habe die Prüfung gerade bestanden", erklärte er immer noch lächelnd.

„Warum schickt das Ministerium einen Neuling?", fragte das vierte Mädchen ganz einfach.

Sie hatte große blaue Augen und dunkelblonde Haare und ihre Nase war mit Sommersprossen bedeckt. Sie hielt ein noch aufgeschlagenes Buch in der Hand und sah ihn mit einem herausfordernden Blick an.

„Anna!", flüsterte das Mädchen mit den goldenen Ohrringen vorwurfsvoll.

„Das macht nichts", behauptete Harry und erhob die Hand.

Er wandte sich an seine Fragerin, die auf seine Antwort immer noch wartete.

„Sie haben völlig Recht, das hätte nie geschehen dürfen. Aber ich habe den vagen Eindruck, dass unser Minister die Wichtigkeit der Schule für die Zaubererbevölkerung unterschätzt. Jedenfalls ist diese ganze Operation eine reine Täuschung, drei Auroren wären nicht genug, um ganz Hogwarts vor einem Angriff zu verteidigen."

Mit einem bitteren Ausdruck machte es sich Harry auf seiner Bank bequemer. „Anna" starrte ihn immer noch an.

„Meinen Sie, dass Sie den Minister missbilligen?"

Die anderen Mädchen sahen so aus, als schickten sie sich gerade an, ihr einen Fußtritt zu geben, um ihr beizubringen, was „taktvoll sein" heißt, aber sie schien dem gar keine Aufmerksamkeit zu schenken. Da Harry von ihrer Frechheit amüsiert war, entschied er sich, ehrlich zu antworten.

„Um ganz genau zu sein, würde ich sagen, dass ich seine Dummheit verabscheue."

Seine Ehrlichkeit brachte ihm viermal erstaunte Blicke ein. Er tat, als hätte er es nicht bemerkt und wendete den Blick ab. Es herrschte wieder Stille. Lily durchbrach sie noch einmal.

„Oh! Entschuldigen Sie uns, wir haben uns nicht vorgestellt. Ich heiße Lily Evans", sagte sie und legte die Hand auf ihre Brust, „und hier sind Anna Anderson, July Backson und Eloise McDonald", sprach sie weiter, während sie nacheinander auf Miss Frech, das Mädchen mit dem blonden Haar und das mit den goldenen Ohrringen zeigte.

Harry grüßte sie alle, indem er den Kopf neigte, und sagte dann:

„Harry Davies."

„Ich habe Ihren Namen im Tagespropheten nicht gelesen. Sind Sie es, der den Auror ersetzt, der vor kurzem getötet worden ist?"

„Ja, das stimmt."

„Ich hätte geglaubt, Lewis hätte uns mit nur zwei Auroren alleine gelassen", griff Anna ein.

„Das hatte er vor", antwortete Harry.

'Nur war das für ihn eine zu gute Gelegenheit, mich ein ganzes Jahr lang aus dem Wege zu schaffen', fügte er für sich selbst hinzu.

Die Fahrt verlief ohne Probleme weiter. Sobald die Mädchen mit ihm bekannt worden waren, waren sie mit ihrem Gespräch fortgefahren und hatten ihn in Ruhe gelassen, bis auf Anna, die ihm Blicke über ihrem Buch zuwarf und sich manchmal anzuschicken schien, etwas zu sagen. Doch dann wandte sie sich doch wieder ihren Freundinnen zu und blickte schließlich wieder wortlos in ihr Buch, indem sie mit den Schultern zuckte. Harry hatte den Verdacht, dass ihr Lily, die direkt neben ihr saß, Fußtritte gab, um sie davon abzuhalten, wieder „anzugreifen".

Er profitierte von der Fahrt, um die Gefühle zu klären, die in seinem Inneren auftauchten. Es war so seltsam! Mit dem Hogwarts Express drei Jahre nach dem Ende seiner Schulzeit in der Gesellschaft seiner Mutter und deren Freundinnen wieder zu fahren, mit dem Wissen, dass sein Vater und dessen Freunde nicht weit weg saßen...

Kurz vor der Ankunft bemerkte Harry, dass nicht nur Anna ihm Blicke zuwarf. Da er die Frage verstand, die sie nicht laut sagen wollten, lächelte Harry und er stand auf.

„Ich werde prüfen, ob alles gut läuft. Wir sehen uns in Hogwarts wieder."

„Tschüss, Mr Davies", sagten Lily und die drei anderen.

Harry ging aus dem Abteil und ließ sie sich umziehen und fing an, den Gang entlang zu gehen, indem er rechts und links gedankenlos durch die Glasscheiben der Türe sah. Laute Stimmen drangen zu ihm aus dem nächsten Wagen. Da er davon erstaunt war, dass Schüler zum jetzigen Zeitpunkt im Gang miteinander redeten, ging Harry dahin und war erstaunt zu sehen, dass James, Sirius und Remus mit Samantha O'Brien besorgt redeten.

„Was ist los?", fragte er, als er zu ihnen gelangte.

„Davies...", fing O'Brien mit einem leicht misstrauischen Ton an.

Offenbar hatte seine kleine Rede soeben so gewirkt, dass sie nicht mehr wusste, wie sie mit ihm umgehen sollte. Sirius schnitt ihr das Wort ab, sobald Harry in sein Sichtfeld gelangte.

„Mr Davies, Sie sind es! Das ist Wurmschwanz, na ja, ich meine Peter, er..."

Harry sah, wie James und Remus sich hinter seinem Rücken ansahen und ihn gemeinsam schließlich mit ihren Händen mundtot machten.

„Hmph!", protestierte der Jugendliche.

Harry versteckte sein Lächeln. O'Brien erklärte ihm, als wäre nichts passiert:

„Es scheint, dass ihr Freund den Zug verpasst hat. Wie es möglich ist, kann ich ja nicht fassen..."

„Peter ist immer sehr linkisch gewesen", bemerkte James. „Er ist sonst immer knapp angekommen."

„Immerhin", sagte O'Brien weiter, „können wir nichts tun, so lange der Zug nicht gestoppt hat."

Wie es Harry gelernt hatte, war es noch gefährlicher zu apparieren, wenn man sich in irgendeinem Beförderungsmittel befand als wenn man sich nicht bewegte.

„Und selbst dann werden wir Zeit brauchen, um ihn zurückzubringen, da er sein Apparierschein nicht hat und da wir eine Erlaubnis des Ministeriums haben müssten, um Hogwarts' Flohpulvernetz zu benutzen."

Die drei Jugendlichen sahen besorgt, wie die Aurorin die Tatsachen erklärte. Peter war zu jener Stunde sicher tot vor Panik, da er allein in einem von Muggeln gefüllten Bahnhof verloren war.

„Warum können wir die Thestrale der Schule nicht benutzen?", suggerierte Harry.

„Wie bitte?", fragte O'Brien mit weit aufgesperrten Augen. „Die was?"

Harry seufzte vor Ungeduld.

„Thes-tra-le", sagte er deutlich. „Die Geschöpfe, die Hogwarts' Kutschen ziehen. Sie können fliegen und sind sehr schnell."

„Nichts zieht Hogwarts' Kutschen", murmelte Remus verworren.

Harry sah ihm in die Augen.

„Die Thestrale sind nur für Leute sichtbar, die schon mindestens ein Mal jemanden haben sterben sehen", benachrichtigte er sie mit einem sehr ernsthaften Ton.

„Und... und Sie?", fragte Sirius, der es geschafft hatte, sich von seinen Freunden zu befreien. „Können Sie sie sehen?"

Harry starrte ihn an. Was für ein Zufall, dass er es ihn fragt. Er war nicht da gewesen, als Remus gestorben war und an jenem Abend war er zu jung gewesen, um das zu verstehen, was an Halloween 1981 passiert war, als sein Vater wegen Voldemorts Fluchs ums Leben gekommen war. Aber Sirius... Wie in einem Traum sah er wieder, wie die Leiche seines Patenonkels durch den Bogen des Todes flog und Bellatrix' Siegesschrei erklang an seinen Trommelfellen.

Sobald das Ventil auf war, tauchten all diese Erinnerungen, die er lieber vergessen hätte, wieder auf: er sah Hermines blutbedecktes Gesicht wieder, da er sie in seinen Armen hielt und ihre Augen, die ihm zulächelten, bevor sie sich zum letzten Mal schlossen, sah wieder, wie Hagrid zu Boden fiel, während er ihm zur Hilfe eilte, sah wieder...

'NEIN!'

Harry schloss plötzlich die Augen und lehnte sich an die Wand, indem er die Tür seines Gedächtnisses zuknallte. Als er die Augen wieder öffnete, bemerkte er, dass ihn die drei Schüler und die Aurorin mit Schreck ansahen. Er wurde sich dessen bewusst, dass er sehr bleich sein musste.

„Ja, Mr Black", antwortete er mit einem rauen Murmeln. „Ich kann sie sehen."

‚Und schon seit Langem.'

Die Stille herrschte einen Augenblick, bis O'Brien die Augenbrauen runzelte und fragte:

„Wie wissen Sie, dass Thestrate in Hogwarts sind, wenn Sie Ihr Studium in Australien abgeschlossen haben?"

„Thestrale", korrigierte er gedankenlos. „Ich habe mich erkundigt, O'Brien."

Das stimmte. Aus Furcht, dass sich die Schule zwischen jener Zeit und der, aus der er kam, sehr verändert hatte, hatte sich Harry vorsichtig erkundigt. Also wusste er, dass die Meute gezähmter Thestrale den Verbotenen Wald schon bewohnte.

„Sehr gut", antwortete die Aurorin. „Da Sie denken, Sie wüssten, was man tun soll, werden Sie Mr..."

Sie drehte sich zu den Jugendlichen.

„Pettigrew", antwortete Remus.

„... Mr Pettigrew am King's Cross Bahnhof abholen, sobald der Hogwarts Express gestoppt hat."

Harry blickte zum Himmel. Darauf hätte er gewettet.

„Hierauf", fügte O'Brien hinzu, „verlasse ich Sie."

Und sie ging den Gang entlang.

„Sie scheint, Sie nicht sehr zu mögen, oder?", sagte Sirius und verzog das Gesicht.

„Das ist ein bisschen normal, wenn man bedenkt, dass mit einem Neuling zu arbeiten oft viel Geduld erfordert", sagte Harry und zuckte mit den Schultern.

James runzelte die Augenbrauen.

„Sie sagen das, als würden Sie sich selber nicht als einen „Neuling" betrachten..."

Harry lächelte melancholisch.

„Manchmal ist Jugend kein Synonym für Unerfahrenheit... Ich glaube, ich hätte lieber die Zeit gehabt, ein Anfänger zu sein", fügte er wie für sich selbst hinzu. „Aber man hat mir die Wahl nicht gegeben..."

Die drei Jugendlichen sahen einander an. Die Stille herrschte, bis Harry zur Abwechselung James und Remus ansprach:

„Aber ich glaube nicht, dass ich Sie kenne."

„Oh! Entschuldigung", sagte Sirius. „Ich habe völlig vergessen, Sie einander vorzustellen. Hier sind James Potter und Remus Lupin. Die sind beide sehr gute Freunde!"

„Sehr erfreut, Mr Potter, Mr Lupin", sagte Harry und schüttelte ihnen die Hand. „Der Zug wird bald am Bahnhof ankommen, ich werde Sie alleine lassen. Ich werde versuchen, Ihren Freund schnellstmöglich zurückzubringen."

„Oh!", rief Remus aus, da er sich schon entfernte, „Peter ist ziemlich klein und pausbäckig und er hat braune Haare!"

Harry bewegte eine Hand als Zeichen, dass er verstanden hatte und er verschwand aus ihrem Sichtfeld. Sirius drehte sich zu seinen beiden Freunde.

„Nun?"

„Er scheint viel gelitten zu haben", murmelte Remus.

„Aber er scheint dennoch ganz sympathisch", beendete James. „Und übrigens ist er nicht viel älter als wir. Wir könnten uns gut miteinander verstehen."

„Hm", nickte Remus mit gefalteter Stirn.

„Stimmt etwas nicht, Remus?", fragte Sirius.

„Doch, doch. Es ist nur... habt ihr gesehen, wie er dich, Sirius, soeben angestarrt hat?"

„Du meinst, bevor er plötzlich angefangen hat, bleich zu werden?", sagte James. „Ja, das ist seltsam."

„Eh, Leute!", sagte Sirius, „wir kommen in Hogwarts an. Ehrlich , was ist nicht seltsam?"

Die Jugendlichen lächelten, indem sie ihr Abteil wieder betraten.

„Ich frage mich, wie ein Thestral wohl aussieht?", fragte Sirius mit einem träumerischen Ausdruck.

„Ich sage dir ehrlich, wäre ich an deiner Stelle", erwiderte Remus mit einem feierlichen Ton, „so würde ich darum beten, nie dazu fähig zu sein, einen zu sehen."

Sirius erhob den Kopf und starrte ihn einen Augenblick lang an.

„Ja, ich glaube, dass du Recht hast, Moony."

Der Zug hatte kaum gestoppt und schon sprang Harry vom Trittbrett auf den Bahnsteig und richtete sich mit eiligen Schritten zu Hagrids großer Silhouette. Er konnte spüren, wie mehrere neugierige Augenpaare seinen Rücken anstarrten, davon höchstwahrscheinlich die von den beiden Auroren und den drei Rumtreibern. Ohne zu zeigen, dass er irgendwas bemerkt hatte, näherte er sich dem Halbriesen und rief ihm zu, was ihn sich umdrehen ließ.

„Rubeus Hagrid?", fragte er, während die Schüler anfingen, sich mit Enthusiasmus auf dem Bahnsteig zu zerstreuen.

„Jo?", sagte Hogwarts' Wildhüter, indem er den Ankömmling neugierig beobachtete.

Harry verschluckte den Traurigkeitsknoten, der sich in seiner Gurgel gebildet hatte. Hagrid voll lebendig und dreißig Jahre jünger wieder zu sehen, während er seinen Tod in seinem Geist gerade wieder gesehen hatte... Er zwang sich noch ein Mal gleichmütig zu bleiben.

„Ich bin einer der Auroren, die vom Ministerium geschickt worden sind", sagte er und streckte ihm die Hand zu. „Harry Davies, sehr erfreut."

„Eigentlich", sagte Hagrid lächelnd, da er seine Hand schüttelte, „hatt' i schon ein bisschen erraten, wer Sie sind. Tja, nicht so diskret, diese Uniform, wiss'n Sie", sagte er und zeigte auf den purpurnen Umhang.

„Oh ja", nickte Harry und lächelte auch, „das ist einer ihrer größten Fehler."

„Nun, wa kann i für Sie tun? Tja, muss mich beeil'n, muss meine Erstklässler begleit'n..."

„Ja, natürlich. Ich wollte Sie nur fragen, ob ich zwei Ihrer Thestrale benutzen könnte."

„Zwei Thestrale?"

Ungläubig sah ihn Hagrid mit aufgesperrten Augen an.

„Um Gottes Willen, wozu?"

„Einer der Schüler hat offenbar den Zug verpasst. Wenn man bedenkt, dass die Thestrale sehr schnell sind, habe ich gedacht, dass ich zwei von den Ihrigen für kurze Zeit nehmen könnte, um ihn abzuholen..."

„Oh, natürlich. I muss zugeb'n, Sie überrasch'n mich, normalerweise ignorieren die Leute, dass sie existier'n, oder Sie versuchen, Sie ganz einfach zu ignorier'n. Immer dies Ding mit dem Tod und so weiter, seh'n Sie..."

Harry lächelte ihm nur traurig zu, während der Halbriese zu zwei Kutschen ging und die Bestien von den anderen trennte. Er spannte sie schnell aus und führte sie zu Harry.

„So. Woll'n Sie, dass i Ihnen helfe?"

„Nein, nein, das wird gehen, danke."

Harry näherte sich einem der Pferde mit den riesigen schwarzen Flügeln und den völlig weißen Augen. Mit einem Sprung bestieg er die Bestie und setzte sich auf die dunkle Haut hinter den Flügeln.

„Ach", bemerkte einfach Hagrid. „Auch Sie könn sie seh'n."

Harry konnte ein trauriges Lächeln nicht verkneifen und beugte sich über den Hals seines Reittiers.

„King's Cross Bahnhof, London, bitte", flüsterte er.

Dann drehte er sich zum zweiten Tier.

„Folge uns."

Die beiden Thestrale blieben eine Weile lang unbeweglich, dann breiteten sie ihre riesigen Flügel aus und flogen ab. Als er über den Zug flog, bemerkte Harry, wie fast alle Gesichter auf ihn gerichtet waren. Die meisten sahen ihn direkt an und fragten sich wahrscheinlich, wie er es anstellte, ohne Besen zu fliegen, aber einige starrten die Thestrale mit weit aufgesperrten Augen an. In der Menge bemerkte er einen Augenblick lang Thomsons und O'Briens faszinierten Ausdruck und dann etwas weiter den von James, Sirius und Remus. Dann entfernte er sich.

Sirius, der noch immer zum Himmel blickte, flüsterte:

„Echt cool. Man hat den Eindruck, dass er allein fliegt."

„Sirius, James?", fragte Remus plötzlich besorgt.

„Was?", sagte James mit einem fragenden Ausdruck.

„Wie wird Peter etwas besteigen, was er nicht wird sehen können?"

Die beiden anderen sahen einander an.

„..."

„Diesem Davies wünsche ich viel Glück..."

Eine halbe Stunde später versteckte Harry die beiden Thestrale in einer kleinen Gasse und betrat zum zweiten Mal innerhalb weniger Stunden den King's Cross Bahnhof. Er hatte seinen Mantel wieder angezogen, bevor er die Gasse verlassen hatte. Es war eine Glück, dass er ihn noch mitgenommen hatte.

Er bahnte sich einen Weg durch die Menge der Muggel und näherte sich dem Gleis neundreiviertel. Als er da ankam, blickte er sich um, was dazu führte, dass er einen ziemlich kleinen Jungen bemerkte, der in einer Ecke auf einem enormen Koffer saß. Als er ihn genauer beobachtete, erkannte er den Jungen mit dem braunen Haar und den runden Backen wieder, den er einmal erblickt hatte, als er in eine von Severus' Erinnerungen eingetaucht war. Severus... Nein! Nun sollte er nicht daran denken. Jetzt war Peter siebzehn Jahre alt, aber in jenem Augenblick schien er noch erbärmlicher als mit fünfzehn, als er seine ZAG geschrieben hatte. Zumindest war er nicht weggegangen...

Harry ging mit großen Schritten nach vorne und stoppte hinter ihm.

„Peter Pettigrew?"

Seine Stimme ließ Wurmschwanz aufspringen, der sich schnell umdrehte und ihm einen erschrockenen Blick zuwarf.

„J... Ja. Und Sie, wer sind Sie?"

Harry öffnete ein bisschen seinen Mantel, was das auf purpurnem Grund gestickte silberne Symbol glänzen ließ.

„Harry Davies. Ich bin einer der Auroren, die während des Jahres Hogwarts bewachen sollen. Man hat mich geschickt, um Sie abzuholen."

Peter seufzte vor Erleichterung.

„Ach... Ich hatte angefangen zu glauben, dass man mich vergessen hatte."

„Ihre Freunde sind es, die uns von Ihrer Abwesenheit benachrichtigt haben", antwortete Harry mit einem vielleicht etwas zu dürrem Ton. „Ich konnte nicht kommen, bevor der Hogwarts Express in Hogsmeade angekommen war."

„Also sind die anderen schon in Hogwarts?", fragte Peter.

„Ja. Kommen Sie, wir sollten uns beeilen."

Harry ergriff Peters Koffer und hob ihn auf, während er seinem Besitzer winkte, ihm zu folgen. Wurmschwanz trippelte ihm durch die Menge nach bis zu den Ausgangstüren und draußen in der Halbdunkelheit. Harry führte ihn zur Gasse, in der sich ihr Beförderungsmittel befand, ohne sich je umzudrehen.

„Wie werden wir nach Hogwarts gelangen?", fragte Peter zögernd.

„Wissen Sie, was Thestrale sind, Mr Pettigrew?", fragte Harry als Antwort und sah ihn immer noch nicht an.

„Thes...? Nein."

„Das sind Geschöpfe, die geflügelten Pferden ähnlich sind und die man nur unter bestimmten Umständen sehen kann."

Harry stoppte kurz vor den beiden Bestien.

„Sehen Sie nichts?", fragte er und zeigte in ihre Richtung.

Peter beobachtete die Straße und schüttelte dann den Kopf.

„Das dachte ich."

Harry wollte die Thestrale weder präziser beschreiben noch den Grund sagen, aus dem man sie sehen konnte oder nicht. Er wusste, dass Wurmschwanzes Mut sehr begrenzt war und wollte ihn lieber nicht zu hart prüfen. Die Art und Weise, wie er reisen würde, würde wahrscheinlich schon genug sein und seine Freunde könnten ihm später noch Bescheid sagen...

Stattdessen legte er Peters Koffer auf sein eigenes Reittier. Der Jugendliche sah mit einem verblüfften Ausdruck, wie er allein in der Luft hing.

„In Hogwarts sind einige Thestrale da, ich habe zwei davon genommen, um Sie abzuholen."

„Aber... ich werde sie nicht besteigen können, wenn ich sie nicht sehe!", quiekte Peter mit einer etwas zu schrillen Stimme.

„Na denn, Mr Pettigrew, das ist nicht so schwierig. Sie brauchen nur, die Augen zu schließen und sich an das zu hängen, was Sie spüren werden."

Harry nahm Peters Arm und zog seine Hand bis zur Haut des zweiten Thestrals, ohne ihm Zeit zum Protestieren zu geben. Die weißen Augen drehten sich um, um sie anzustarren und Harry war froh, dass es Peter nicht bemerken konnte. Fasziniert ließ der Jugendliche seine Hand auf der Flanke gleiten, bis sie den Anfang des Flügels traf. Er sprang plötzlich auf.

„Es ist nur der Flügel, Mr Pettigrew", benachrichtigte ihn Harry.

„Sie... Sie können sie sehen?"

„Ja."

Peter blieb einen Augenblick lang still.

„Und Sie sind sicher, dass...?"

„Ja, machen Sie sich keine Sorgen. Übrigens", fügte er lächelnd hinzu, „ist die Aussicht von dort oben sehr schön."

Peter schien nicht sehr überzeugt, aber er fürchtete sich offenbar mehr davor, allein mitten unter Muggeln bleiben zu müssen, als ein Tier zu besteigen, das er nicht sehen konnte. Harry half ihm, während er vorsichtig aufstieg und um sich herum tastete. Der Thestral sah sich immer noch an, was sie taten, ohne sich zu bewegen.

„Ich werde ihn darum bitten, zuerst nicht sehr hoch zu steigen, damit Sie sich an alles gewöhnen können, Mr Pettigrew."

„G... Gut."

Harry flüsterte einige Worte zum pferdeartigen Kopf und ging dann zu seinem eigenen Reittier. Peter spürte plötzlich, wie sich etwas in der Nähe seiner Knie bewegte. Er zwang sich, unbeweglich zu bleiben, während der Thestral einen mächtigen Flügelstoß gab, der sie um die Höhe der Hausdächer steigen ließ.

„Wow", ächzte er.

Er blickte runter zum Boden, während sein Reittier in Kreisen schwebte und schloss sofort die Augen. Ein Luftzug in seinem Haar und etwas, was seine Schulter leicht berührte, ließ ihn sie wieder aufmachen. Harry ließ sein eigenes Reittier um ihn herumfliegen und der Koffer lag sicher zwischen beiden Flügeln.

„Lassen Sie sich gehen, Mr Pettigrew. Alles geht gut. Sie können die Augen geschlossen halten, wenn Sie es wollen, die Thestrale führen sich alleine."

Peter ließ es sich nicht zweimal sagen, schloss die Augenlider sofort wieder und zitterte heftig. Harry starrte einen Augenblick lang die gekrümmte Silhouette nachdenklich an. Lange waren seine Gefühle zu dem, der seine Eltern verraten hatte und ihr Leben ihrem Feind verkauft hatte, zwischen Hass und Verachtung gemischt gewesen, aber heute sah er in ihm nichts mehr als einen ziemlich mittelmäßigen siebzehnjährigen Jugendlichen, der in die Falle der Furcht geraten würde, die der Dunkle Lord für ihn schon vorbereitete. Harry hatte sich versprochen, die Dinge zu verändern, aber er wollte es nicht Peter zu Schaden tun. Die Lösung war einfach: er musste Peter verändern.

Harry beugte sich über den Koffer zum Hals seines Reittiers und flüsterte ihm zu:

„Nach Hogwarts. Und bitte nicht zu schnell."

Der Thestral hörte auf zu kreiseln, entfernte sich mit einer langen eleganten Kurve und sein Gefährte folgte ihm. Harry wartete darauf, bis Peter auf der gleichen Linie war wie er und starrte ihn an. Nach einem Augenblick entspannte sich der Jugendliche ein bisschen unter dem Streicheln des Windes und öffnete ein wenig ein Auge. Da er Harrys ermutigenden Blick sah, ging er das Risiko ein, nach unten zu schauen... und presste sofort heftiger die Flanke seines Reittiers, erschrocken darüber, dass es unter ihm nicht zu sehen war. Dennoch bemerkte Harry, dass er die Augen auf hielt.

„Das ist schön, oder?", schrie er lauter als das Pfeifen des Windes.

Peter antwortete nicht aber seine verkrampfte Haltung auf dem Rückgrat des Thestrals wurde allmählich lockerer. Offenbar von der Parade der Landschaften und der farbigen Städten unter dem Licht des Sonnenuntergangs fasziniert, schien er, seine panische Angst zu vergessen, bis zu der Tatsache, dass er selber über hundert Meter über diesem Ganzen saß und nur von einem Geschöpf gehalten wurde, dessen Existenz er einige Stunden vorher noch nicht kannte und das er nicht sehen konnte...

Harry lächelte vor Zufriedenheit und beugte sich dann wieder über den Kopf seines Reittiers:

„Fliege allmählich schneller. Wir wollen ja vor Morgen früh ankommen."

Hätte er es nicht besser gewusst, so hätte Harry geschworen, der Thestral hätte ihm zugezwinkert.

oOoOoOoOo

Das Festessen kam zum Ende und Peter war immer noch nicht sichtbar. Remus und James warfen besorgte Blicke in die Richtung der Tür, während Sirius sein letztes Stück Apfeltorte mit seinem gewöhnlichen nachlässigen Ausdruck aß.

„Hört mal auf!", wiederholte er stets. „Sie werden sicher nicht mehr lange brauchen."

Schließlich verschwanden die letzten Speisen von den Tischen und Albus Dumbledore stand auf. Die Schüler schwiegen sofort. Der Schulleiter fing seine gewöhnliche Rede über den verbotenen Wald an, der immer noch so verzweifelnd verboten war – dabei warf er den Rumtreibern einen Blick zu, aber sie taten, als hätten sie ihn nicht bemerkt –, über das Verbot, Magie in den Gängen zu üben und über die neuen Gegenstände, gegen die Filch eine Abneigung hatte – mittlerweile war man auf eine Summe von vierhundertneun Artikel gekommen.

„Lassen Sie mich jetzt", fuhr der Schulleiter fort, „Mr Edouard Thomson und Miss Samantha O'Brien vorstellen."

Die beiden Auroren standen nacheinander auf und die Schüler starrten sie neugierig an, während sie anfingen, aufgeregt miteinander zu reden.

„Diese beiden Auroren wurden uns vom Ministerium geschickt, um uns vor einem eventuellen Angriff des dunklen Magiers zu schützen, der sich selber Voldemort nennt", sagte er mit einer leicht gelangweilten Stimme, ohne dem Zittern, das durch die Menge seiner Schüler lief, Aufmerksamkeit zu schenken. „Außerdem", fügte er mit einem Lächeln hinzu, „haben sie großmütig zugestimmt, die Stelle des Lehrers für Verteidigung gegen die Dunklen Künste zu übernehmen, die dieses Jahr vakant war."

Das Geflüster wurde gleich zu einem verworrenen Getöse.

„Lehrer für Verteidigung gegen die Dunklen Künste?"

„Das ist aber toll! Fasst ihr, was für ein Glück wir haben?"

„Und wir werden das ganze Jahr Unterricht mit ihnen haben..."

„Was ist an denen denn schon besonderes dran?", rief Remus aus. „Ich meine, klar sind sie Auroren, aber..."

„Sag mir nicht, dass du die nicht kennst?"

Die drei Jugendlichen drehten sich in die Richtung der Stimme um.

„Anderson", schnaubte Sirius verächtlich zum Mädchen, das neben Lily saß. „Was meinst du?"

„Thomson und O'Brien sind zwei sehr bekannte Auroren", erwiderte sie.

„Man sagt, dass sie viele Todesserangriffe haben scheitern lassen", fügte Lily hinzu. „Ich habe mich immer gefragt, warum sie vom Ministerium geschickt wurden."

„Dumbledore hat sicher die Anfänger nicht gewollt, die ihm Lewis aufschwindeln wollte", sagte ein Viertklässler nicht weit von ihnen. „Wusste jemand Bescheid, dass sie unsere Lehrer sein würden?"

„Nein", antwortete James. „Das stand nicht in der Zeitung. Was ist los, Sirius?"

James drehte sich zu seinem besten Freund, der ihm enthusiastisch auf die Schulter schlug.

„Heißt das, dass auch Davies Lehrer sein wird?", fragte er mit Aufregung.

„Aufmerksamkeit, bitte", fuhr der Schulleiter fort.

Das Getöse wurde allmählich leiser, bis es erträglich wurde.

„Da sie ihren Auftrag ebenfalls mit der Bewachung der Schulumgebung erfüllen müssen, haben sie die Entscheidung getroffen, die Verantwortung der Stelle aufzuteilen."

Alle Schüler sahen ihn mit Hoffnung an und jeder wünschte, er hätte die Ehre, Schüler einer der beiden Auroren mit dem besten Ruf zu sein. Dennoch wollte am Gryffindor-Tisch ein Jugendlicher verzweifelnd das Gegenteil .

„Reg dich nicht so auf Tatze", flüsterte James. „Ich bin sicher, dass sie alle gut sind."

„Vielleicht, aber Davies ist der sympathischste", flüsterte Sirius zurück, ohne seine fest gedrückten Daumen zu lockern.

James wollte etwas hinzufügen aber Dumbledore schnitt ihm das Wort ab:

„Miss O'Brien wird also die Erst- und Zweitklässler übernehmen..."

Die Jüngeren sahen sich begeistert an.

„... und Mr Thomson die Dritt- und Viertklässler."

Diese ahmten den Jüngeren nach und spotteten dabei über die Älteren, die den Schulleiter immer noch ängstlich ansahen. Sirius wäre beinahe vor Freude geplatzt.

„Der Unterricht der Fünft-, Sechst und Siebtklässler wird von einem dritten Auror übernommen werden, der wie ihr sehen könnt nicht da ist. Mr Davies wurde nämlich beauftragt, einen unserer Schüler zurückzubringen, der den Hogwarts Express verpasst hatte..."

„Yes!", rief Sirius aus, der unfähig war, sich länger zu beherrschen.

Die anderen Schüler sahen ihn an, als wäre er verrückt. Dumbledore blickte erstaunt zu ihm über seine Halbmondbrille.

„Ich bin davon begeistert, dass es Ihnen gefällt, Mr Black."

„Tut mir Leid, Herr Schulleiter", entschuldigte sich der Jugendliche mit einem breiten Lächeln.

Dumbledore starrte ihn noch ein Moment an, dann beendete er seine Rede und wünschte ihnen eine gute Nacht. Die Schüler ließen es sich nicht zweimal sagen und versammelten sich sofort in kleinen Gruppen, in denen sie die Ereignisse besprachen, als sie zur Tür gingen. Die Vertrauensschüler sammelten gleich die Erstklässler und also ließ Remus Sirius und James alleine. Sirius schien, sein Lächeln nicht mehr los werden zu können.

„Was sagt dir, dass er ein guter Lehrer sein wird, Sirius?", fragte James, der dieses Dauergrinsen satt hatte, als sie durch die Tür gingen, die zur Eingangshalle führte.

„Oh, komm schon, James", erwiderte der Jugendliche, der plötzlich wieder ernst war. „Du hast ja gehört, wie er neulich im Zug von seiner Erfahrung gesprochen hat. Ich denke nicht, dass ein Kerl, der nichts zu lehren hat, solch einen Blick hätte. Und du hast selber gesagt, dass er sympathisch aussieht und er ist sicher sympathischer als die beiden anderen", fügte er hinzu, da er über seine Schulter schaute und die beiden Auroren sah, die mit einem steinernen Gesicht miteinander redeten.

Die ersten Schüler erreichten schon die Mittelstufen der Treppe oder die Türe zu den Kerkern, während die letzten kaum aus der Großen Halle gingen, als die Doppeltür der Eingangshalle langsam aufgemacht wurden. Alle Jugendlichen blieben stehen und starrten die beiden Silhouetten an, die auf der Schwelle standen. Peter versteckte sich mehr schlecht als recht hinter Harry, weil er sich bei all diesen Blicken unwohl fühlte. Der Auror ließ seinen Blick lang und ruhig über die Menge schweben, bevor er eintrat und die riesigen Türflügel hinter Wurmschwanz zurückschob. Sein purpurner Umhang glänzte im Licht der Kerzen unter seinem geöffneten langen Mantel.

James blickte zu Sirius und bemerkte, dass sein riesiges Lächeln zurück war. Er sah ihn mit einem Ausdruck an, der meinte: „Ich hatte dir ja wohl gesagt, dass er ihn zurück bringen würde!" Er schüttelte den Kopf und schenkte ihrem Freund, dieser kleinen Silhouette, die hinter der des Erwachsenen versteckt stand, wieder seine Aufmerksamkeit. Peter schien noch nicht völlig vom Schock erholt.

In jenem Augenblick ging der Schulleiter aus der Großen Halle, um zu sehen, was die Unbeweglichkeit seiner Schüler verursachte.

„Ach!", sagte er mit einer lauten Stimme, die in der Eingangshalle erklang, so dass sich alle Köpfe zu ihm drehten. „Hier steht unser dritter Auror, der unser verlorenes Schaf zurückbringt, oder?"

Er drehte sich zu Professor McGonagall, die ihm folgte.

„Minerva, möchten Sie sich bitte um Mr Pettigrew kümmern und ihn zur Küche bringen, dass er etwas zu essen kriegt?"

„Natürlich, Professor."

Harry sah, wie die alte strenge Frau Peter einen Wink gab. Sie hatte sich nicht viel geändert, nur war ihr Haar etwas weniger grau und etwas brauner und einige Falten waren auf ihrem Gesicht noch nicht erschienen. Der Junge neben ihm drehte sich um und zögerte. Harry verstand und reichte ihm seinen Koffer, den Peter ergriff, bevor er seiner Lehrerin schnell nachging, wobei er seinen Freunden einen gedankenlosen Blick zuwarf.

Harry lächelte innerlich. Peter schien, nur beim Landen die Realität wieder verstanden zu haben und dann hatte sein Gesicht alle Farben verloren. Er war vom Thestral bleicher als ein Geist abgestiegen und er war so schockiert, dass er kaum reagiert hatte, als Harry ihm gewinkt hatte, ihm zu folgen. Dennoch war der Auror stolz darauf, dass er es geschafft hatte, ihn seine Furcht vor der Tiefe fast eine Stunde lang vergessen zu lassen. Alle Schüler, die den apathischen Zustand ihres Kommilitonen bemerkten, starrten ihn aber nun misstrauisch an.

Albus Dumbledore näherte sich ihm und Harry setzte noch ein Mal eine neutrale Maske auf.

„Sie müssen Harry Davies sein, wenn ich dem Brief glaube, den ich vom Minister bekommen habe?"

Der Vorwurf war fein: da er sehr kurzfristig für die Stelle vorgeschlagen worden war, traf der Schulleiter einen seiner Lehrer zum ersten Mal am Schuljahresbeginn. Das zählte überhaupt nicht zu seinen Gewohnheiten.

„Das stimmt, Herr Schulleiter", antwortete Harry. „Und glauben Sie, ich hätte mich selber bei Ihnen vorgestellt, wenn ich die Entscheidung hätte treffen dürfen."

Und er verzog ein wenig das Gesicht, um den Abscheu zu zeigen, den Lewis' Verschlagenheit bei ihm verursachte. Das Lächeln in den blauen stechenden Augen wurde etwas herzlicher.

„Gut, gut", flüsterte er wie zu sich selbst, bevor er sich an die Jugendlichen wandte. „Meine liebe Schülerinnen und Schüler, hier ist also der neue Lehrer für Verteidigung gegen die Dunklen Künste bei den Fünft-, Sechst- und Siebtklässlern, Harry Davies."

Harry beantwortete Sirius' enthusiastischen Wink mitten in der Menge mit einem Lächeln.

„Jetzt", fügte der Schulleiter hinzu, „glaube ich, dass Sie alle schlafen gehen sollten, denn es wird spät."

Die Schüler zerstreuten sich und redeten dabei miteinander, während sie dem jungen Auror regelmäßig Blicke zuwarfen.

„Ich denke", sagte der Schulleiter, indem er sich zu ihm drehte, „dass wir Morgen viel Zeit haben werden, um uns kennen zu lernen. Ihre Kollegen werden Ihnen Ihre Quartiere zeigen. Damit es einfacher ist, liegen alle drei nebeneinander."

„Sehr gut. Gute Nacht, Herr Schulleiter."

Harry grüßte den Schulleiter mit einem Kopfnicken und ging dann seinen beiden Kollegen nach, die die Treppe schon hinauf stiegen. Thomson und O'Brien warfen ihm Blicke zu und sie waren offenbar vom Trick mit den Thestralen immer noch beeindruckt. Harry beantwortete es mit einem kleinen Lächeln und sie gingen wortlos weiter.