Hallo an alle! Hier bin ich wieder mit dem vierten Kapitel von der französischen FF von Dragonwing4 Changer le passé. Viel Spaß beim Lesen und einen herzlichen Dank an LadyAdamas, meine Betaleserin.
Disclaimer: Alle bekannten Charaktere und Orte gehören zu Mrs. Rowling und die Geschichte und die anderen Charaktere gehören zu Dragonwing4. Ich habe nur übersetzt.
Spoiler: Die ersten fünf Bände.
Eine zweite Chance
Die Vergangenheit verändern
Kapitel 4: Wo die restliche Welt Harry Davies' Existenz erfährt:
Zur Mittagszeit wusste die ganze Schule, dass die Siebtklässler von Ravenclaw und Hufflepuff zwei Waldelfen am Rand des Verbotenen Waldes begegnet waren und die betroffenen Schüler wurden von Fragen überfallen, die sie genau so enthusiastisch beantworteten wie die anderen ihnen zuhörten. Harry wurde nun ständig von Blicken voller Bewunderung angesehen – egal, wo er hin ging – und freute sich zu hören, wie die heftigen Gespräche fortfuhren, sobald er den Rücken zugedreht hatte. Er war Albus noch nicht begegnet, aber er hatte es eilig zu wissen, was der alte Schulleiter darüber dachte.
Die Waldelfen, ein von Natur aus sehr schüchternes Volk, waren zuerst erschüttert, dass ein Mensch, den sie nie getroffen hatten, ihre Sprache konnte. Harry hatte ihnen dann seine Geschichte flüchtig erzählt – seine Herkunft, wie er dazu gezwungen worden war, die Sprache der meisten intelligenten Wesen zu lernen, um sie zu überzeugen sich gegen Voldemort zu bewaffnen, bevor er sie zerstören konnte, wie der Krieg gegen den Dunklen Lord geendet hatte und schließlich wie er hierhin gekommen war – und wie den Zentauren hatte er ihnen vorgeschlagen über ihre Passivität der übrigen Welt gegenüber nachzudenken.
Danach hatte er sie gefragt, ob es nicht Zeit werde, dass die Zauberer ein für alle Mal ihre Existenz nicht als Legende sondern als Wesen aus Fleisch und Blut erkennen. Die Waldelfen hatten lange über diese Frage debattiert und gerade als Harry sich fragte, ob er nicht besser nach Hogwarts zurückkehren, seinen Unterricht geben und an einem anderen Tag wieder dorthin gehen sollte, hatte die Mehrheit der Waldelfen beschlossen, dass er Recht hatte.
Dann hatte er vorgeschlagen, dass ihn zwei von ihnen bis zum Waldrand begleiten und dort einer Gruppe junger Menschen vorgestellt werden. Er hatte versprochen, dass diese Gruppe begrenzt sein würde, da die Waldelfen den anderen intelligenten Arten gegenüber sehr schüchtern waren, und dass sie am Waldrand bleiben würden, damit die Entfernung zu ihre r natürlichen Umgebung nicht zu groß wurde.
Devon war ein Waldelf, den Harry neunzehn Jahre später kennen lernen würde, aber dank ihres außergewöhnlich langen Lebens alterten die Waldelfen nur sehr langsam. Sie waren daher ganz schnell wieder die Freunde geworden, die sie für den jungen Auror einst gewesen waren, und Devon hatte dem Zauberer vertraut und seinen Vorschlag angenommen. Seine Genossin, Laurana, hatte ihn begleiten wollen, um ihn nicht allein vor einer ganzen Menschenschar zu lassen.
Während des ganzen Unterrichts hatte Harry also als Dolmetscher zwischen den ungeduldigen Fragen seiner Schüler und den singenden Antworten der Waldelfen gedient. Am Ende der Doppelstunde waren Devon und Laurana beruhigt zu ihrem Wald zurückgekehrt und die Jugendlichen, die sehr aufgeregt, aber enttäuscht waren, dass es so schnell vorbei war, waren zum Schloss hinaufgerannt. Das Gerede hatte sich ganz schnell zwischen den Steinmauern verbreitet. In der Bibliothek wurden die wenigen Regale zu den Nicht-Menschlichen Völkern entleert.
Kurz und gut war Harry völlig zufrieden. Er war es umso mehr, als er die Große Halle zum Mittagessen betrat – eigentlich die erste Mahlzeit, an der er in Hogwarts teilnahm: Am gleichen Morgen hatte er bei den Waldelfen gefrühstückt. Jene, die nicht zu sehr damit beschäftigt waren, der Erzählung ihrer Mitschüler zuzuhören, bemerkten, dass er eingetreten war und stupsten ihre Nachbarn mit dem Ellbogen an. Bald sahen alle vier Tische ihm nach und die Ausdrücke waren verschieden – es reichte von Respekt, über Bewunderung oder noch Misstrauen bis hin zum Ich-weiß-nicht-mehr-was-ich-denken-soll-also-warte-ich-mal-ab.
Harry, den es amüsierte, tat, als hätte er nichts gesehen und setzte sich auf seinen Stuhl zwischen der Lehrerin für Zaubertränke und Thomson. Professor Kraftbrüh hatte offenbar nichts Besonderes bemerkt und bediente sich am Kalbsbraten mit ihrem gewöhnlichen leeren Ausdruck. Aber Thomson warf ihm nun schiefe Blicke zu, als wüsste er nicht, ob er ein besonders seltenes und interessantes Geschöpf war oder eher eine tödliche Gefahr für jeden, der ihn berührte. Harry bemerkte jedoch, dass sein Stuhl etwas weiter von dem Seinigen stand als er normalerweise stehen sollte und er hatte große Schwierigkeiten, sich ein breites Lächeln zu verkneifen.
„Nun, nun", rief der Schulleiter aus, der zwei Stühle weiter saß. „Hier kommt anscheinend unser Tagesheld. Heute haben Sie einen besonders großen Coup gelandet."
„Ich habe gehört, dass Ihren Ratschlägen zu folgen, immer gut ist", erwiderte Harry lächelnd.
„Ich möchte aber sehr gerne erfahren, wo Sie die elfische Sprache gelernt haben?", fragte Albus. „Die Waldelfen sind ja nach dem, was ich gehört hatte, ein besonders schüchternes Volk."
Harry konnte fast hören, wie die ganze Halle den Atem anhielt, um ihr Gespräch besser zu belauschen. Sein Lächeln wurde ein bisschen breiter.
Als er den Waldelfen seine Geschichte erzählt hatte, hatte Harrydarauf bestanden, dass sie sie nicht weiter erzählen sollten, aber er hatte es vor allem getan, weil er einer der wenigen – und noch wahrscheinlicher der einzige – Nicht-Elf war, der ihre Sprache konnte . Er wusste, dass dieses Volk den Geheimnissen gegenüber, die nicht die Ihren waren, sehr diskret war. Er war aber nicht entschlossen, den Versuch zu wagen, Elfischstunden zu geben – außerdem hatten ihn seine Waldfreunde deutlich verstehen lassen, dass es ihnen nicht gefallen würde.
„Es tut mir Leid, Albus", entschuldigte er sich. „Ich habe versprochen, ich darf nichts sagen."
Der alte Schulleiter nahm die Ausrede gern an und schenkte seine Aufmerksamkeit wieder seiner Lammkeule, was die Lehrer und die Schüler einlud, das Gleiche zu tun.
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„Entschuldigung, Evans?"
Lily hob den Kopf und starrte den vor ihr stehenden Jungen misstrauisch an.
„Was willst du, Potter?"
„Es nützt nichts, so schroff zu sein", schnaubte James. „Ich wollte dich nur fragen, ob du mit einigen dieser Bücher fertig bist?"
Lily starrte ihn ungläubig an.
„Seit wann belädt sich der große James Potter mit Büchern, um sich zu erkundigen?"
James verzog das Gesicht.
„Das ist nicht für mich, sondern für Sirius. Er ist von Davies besessen und es ist nicht mehr möglich, ihn davon abzubringen. Nun, bist du fertig?"
Lily schloss einige aufgeschlagene Bücher und reichte sie dem Rumtreiber, ohne von ihm wegzublicken.
„Das stimmt, dass er zurzeit komisch zu sein scheint."
„Da hast du völlig Recht", seufzte James. „Und du bist es ja nicht, die den größten Teil des Tages mit ihm verbringt. Na ja... Bis dann, Evans!"
Der Jugendliche mit dem schwarzen Haar entfernte sich mit einer nachlässigen Handbewegung. Lily sah ihm nach, bis er zwischen zwei Regalen verschwand. Was, keine Prahlerei? Keinen neuen Versuch, mit ihr auszugehen? Man könnte ja glauben, dass er seit dem vorigen Jahr reifer geworden war...
'Nein', tadelte sie sich. 'Das ist unmöglich, Lily...'
Und sie vertiefte sich wieder in ihre Bücher.
Zur gleichen Zeit ließ James seine Last lautstark auf den Tisch vor Sirius fallen. Sein Freund hob nicht Mal den Kopf, da er in Höchst feenhafte Geschichten und rein fantastische Märchen vertieft war. Remus, dessen Astronomiesachen vor ihm lagen, starrte ihn fasziniert an. Er drehte sich zu James um, als er ihn sich setzen hörte.
„Wenn ich bedenke, dass es ein Kerl ist, den er seit kaum einer Woche kennt, der es geschafft hat, was ich seit sechs Jahren vergeblich versuche: Ihn über zehn Minuten lang in der Bibliothek zu behalten! Ich könnte fast neidisch auf ihn werden..."
„Hey, schaut Mal!", rief Peter im gleichen Augenblick aus. „In dem da liegt das Bild eines Waldelfen!"
Er zeigte das Buch, das er in der Hand hielt und blätterte. Sirius beugte sich sofort zu ihm.
„Wo denn? Zeig mal!"
James sah sie betrübt an.
„Sag bloß nicht, dass auch du besessen wirst, Peter?"
Peter errötete.
„Aber... tja, ich finde, dass... Waldelfen interessant sind, nicht wahr?"
James schüttelte mit einem verzweifelten Ausdruck den Kopf und drehte sich zu Remus um.
„Gut, dann sind wir beide die einzigen, die noch unbefangen sind, oder Moony?"
Der Werwolf blickte mit weit offenen Augen zu ihm und zeigte auf die anderen beiden Rumtreiber, die beide wieder in ihre Bücher vertieft waren.
„Entschuldige, James, aber wie willst du, dass ich unbefangen bleibe, wenn ich das da sehe? Ich werde schließlich glauben müssen, dass dieser Kerl was Besonderes hat!"
James seufzte laut und machte es sich in seinem Sessel bequemer.
„Okay, ich vermute, dass ich dann besser nichts mehr sage. Immerhin würden sie es ja nicht bemerken...", fügte er mit einem verzweifelten Blick zu Wurmschwanz und Tatze hinzu, die nicht Mal aufblickten.
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Harry nutzte seinen Nachmittag, um in den Lehrersaal zu gehen. Da sich die Auroren eine einzige Stelle zu dritt teilten, verfügten sie über viel mehr Freizeit als die anderen Personalmitglieder, aber genau genommen war es keine tatsächliche Freizeit, da sie ihre Rolle als Wächter noch dazu übernehmen mussten. Harry fand schließlich O'Brien und Thomson, die zusammen am anderen Ende des Zimmers an einem Tisch saßen und über etwas gebeugt waren, was er nicht sehen konnte. Er näherte sich und setzte sich neben sie, was sie hochschrecken ließ.
„Darf ich mitmachen?", bat er mit einer ruhigen Stimme.
Unwohl wechselten die beiden Auroren einen Blick und Thomson ergriff das Wort:
„Ja, wir wollten eben mit Ihnen sprechen..."
Er richtete sich in seinem Sessel wieder auf und Harry erblickte eine Karte von Hogwarts und von der Nähe der Schule, die auf dem Tisch lag. Selbst Hogsmeade stand darauf.
„Wir dachten daran, neue Schutzvorrichtungen um die Schule einzustellen."
„Auf den Mauern? Sie sind aber schon mit Zaubern überladen und ich zweifle daran, dass wir drei genug wären, wenn wir mächtigere einstellen möchten..."
„Das stimmt. Darum dachten wir eher an etwas anderes..."
Harry hob eine Augenbraue, um sie einzuladen weiter zu sprechen und O'Brien beugte sich zur Karte und zeigte die Grenzen von Hogwarts' Gelände.
„Die Schutzvorrichtungen, von denen Sie reden, sind tatsächlich sehr mächtig", erklärte sie. „Aber eben wegen dieser Macht können sie nicht überall gleich mächtig sein. Zahlreiche Schulleiter von Hogwarts haben es versucht, das Problem zu lösen, aber sie haben es nicht geschafft. Daher haben sie sich entschlossen, dass die höchste magische Kraft in den meist gefährdeten Teilen eingesetzt werden sollten, wie in der Nähe des Eintrittsportals oder auf dem ganzen freien Gelände, das den Verbotenen Wald vom See trennt und fast bis zu Hogsmeade reicht..."
Harry nickte wegen der Richtigkeit der Schlussfolgerung.
„Sie denken daran, andere Schutzvorrichtungen in den weniger gut geschützten Orten einzustellen?"
„Das stimmt", nickte Thomson. „Wir dachten schon daran, dass wir die Meerleute vom See davon überzeugen könnten, für uns einzugreifen, wenn der Dunkle Lord von dieser Seite her angreifen würde, sei es nur, um seine Gefolgsleute so lange zu verspäten, bis die Mitglieder des Ministeriums uns helfen können. Der Schulleiter könnte es tun, da er ihre Sprache kann. Es bleibt aber noch..."
„Der Verbotene Wald übrig", vervollständigte Harry an seiner Stelle.
Thomson nickte. Natürlich war es logisch. Der Verbotene Wald bedeckte gut zwei Drittel des Außenteils Hogwarts'. Nacheinander hatten die Schulleiter geschätzt, dass der Wald als solcher schon eine Schutzvorrichtung war, aber dennoch konnte er von einer wohl vorbereiteten und willigen Truppe durchquert werden.
„Sie wollen, dass ich die Waldvölker um das gleiche bitte wie das, um das Dumbledore die Meerleute bitten würde?", fragte Harry nachdenklich.
Die beiden Auroren nickten und starrten ihn hoffnungsvoll an.
„Leider kann ich das nicht tun."
„Aber warum?", sagte Thomson und runzelte die Augenbrauen.
„Aus dem guten Grund, dass die Waldelfen es genauso sehr wie die Zentauren verabscheuen, sich in die Sachen der anderen Völker einzumischen."
„Aber es betrifft nicht mehr die Menschen alleine!", rief O'Brien aus. „Alle intelligenten Völker werden von der Drohung des Dunklen Lords betroffen..."
Harry hob eine Hand, um sie abzubrechen.
„Ich weiß all das", sagte er. „Sie aber haben Schwierigkeiten, es zu erfassen. Am Anfang kommt das Problem ja von einem Menschen."
Die beiden Auroren zogen ein säuerliches Gesicht.
„Nichtsdestotrotz", fuhr Harry fort, „habe ich ihnen die Lage so gut geschildert, wie ich es konnte und sie werden darüber nachdenken. Die beiden Waldelfen, die heute Morgen da gewesen sind, waren irgendwie ein Hinweis darauf, dass meine Argumente irgendwo getroffen haben, da sie es angenommen haben, ihre Existenz zu enthüllen."
Thomson starrte ihn lange an.
„Sie können sie also gar nicht um weitere Hilfe bitten?"
„Tja", überlegte Harry, „ich vermute, dass ich sie einfach darum bitten könnte, uns zu benachrichtigen, falls Todesser durch ihren Wald marschieren würden. Immerhin kennt ihn keiner besser als sie und ein Angriff wäre für sie bestimmt nicht unspürbar..."
„Das wäre natürlich schon etwas", seufzte Thomson. „Es würde uns ein bisschen Zeit gewähren, um uns darauf vorzubereiten, sie zu empfangen..."
Sie sprachen eine Weile lang weiter über strategische Fragen, aber es erschien ihnen allen, dass sie nicht viel mehr tun konnten.
'Das dachte ich wohl', bemerkte Harry. 'Drei Auroren sind sowohl zu viel als auch zu wenig.'
O'Brien entschuldigte sich bald, um zu ihrem Klassenzimmer und ihren neuen Schülern zu gehen und Thomson ließ sich einige Minuten mehr Zeit, ehe er das gleiche tat, da es ihm offenbar zuwider war, Harry allein zu lassen. Ihre Stundenpläne waren jedoch so entworfen worden, dass mindestens einer von ihnen zu jedem Augenblick frei einsatzbereit war und nun war Harry dran. Thomson musste aufgeben, als der Gong vom Anfang der Unterrichtsstunden erklang und er verließ eiligst den Lehrersaal.
Harry, der allein geblieben war, machte es sich bequemer in seinem Sessel.
'Gut', dachte er, 'nun werde ich ein Mittel finden müssen, um mir die Zeit zu vertreiben.'
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Bei den Siebtklässlern von Gryffindor war es am nächsten Morgen noch ein Mal sehr unruhig. Sirius, der in der Nacht kaum hatte schlafen können, hatte seine Gesellen um eine etwas zu frühe Stunde geweckt.
„Sechs Uhr?", rief James ungläubig aus, dessen Haar noch zerzauster war als gewöhnlich – wenn es überhaupt möglich war. „Sechs Uhr? Du bist völlig übergeschnappt, Tatze! Verteidigung gegen die dunklen Künste ist nicht Mal unser erster Unterricht!"
„Ich weiß!", rief sein Freund als Antwort. „Aber ich habe es so eilig, dabei zu sein! Vielleicht werden auch wir den Waldelfen begegnen?"
„Sei nicht dumm, Sirius", erwiderte Remus. „Du weißt wohl, was die Sechstklässler von Hufflepuff und Slytherin gesagt haben, die ihn danach hatten: Er hat sie nur einen schriftlichen Test machen lassen, um ihre Kenntnisse zu schätzen."
„Ja, aber die hatten nur einen theoretischen Unterricht!", fuhr Sirius weiter. „Wir haben einen Doppelunterricht, also sollte es praktischer Unterricht sein, oder?"
„Und was, wenn er uns einen praktischen Test würde machen lassen?", fragte Peter besorgt.
Wurmschwanz war in Verteidigung gegen die dunklen Künste nie besonders gut gewesen – wie übrigens auch in vielen anderen Fächern. Er hatte dieses Fach nach den ZAG-Prüfungen nur weiter besucht, weil es Remus und Sirius besuchten, der eine, weil er meinte, dass es später sicher sehr wichtig sein würde, und der andere, weil er mit seiner gewöhnlichen Nachlässigkeit meinte, dass es viel weniger langweilig war als andere Fächer wie Astronomie oder Wahrsagen – worauf ihm Moony einen tadelnden Blick zugeworfen hatte, den er völlig ignoriert hatte. Obwohl er die Lektionen nicht wirklich mochte, war James ihrem Entschluss gefolgt und Peter hatte nicht allein dahinter bleiben wollen. Er war aber bei seinem ZAG in Verteidigung beinahe durchgefallen.
Sirius tat, als hätte er ihn nicht gehört und ging enthusiastisch zum Badezimmer. Stille herrschte einen Augenblick lang im Schlafsaal, dann seufzte James und er ließ sich wieder auf sein Bett fallen.
„Wo ist der Sirius hin, der jeden Tag bis in den hellen Morgen hineinschlief?", fragte er mit einer müden Stimme.
„Du meinst jenen, der versuchte, uns aus der Bibliothek heraus und nicht hinein zu ziehen?", fuhr Remus mit der gleichen Stimme weiter fort.
„Jenen, der sich am Tisch voll stopfte, anstatt auf seinem Stuhl zu sitzen und die Lehrer anzustarren, ohne irgendwas zu essen?", machte Peter weiter.
„Jenen, der den vorbeigehenden Mädels mit seinem Ich-bin-der-coolste-Kerl-auf-der-Erde-aber-ich-habe-gar-keinen-aufgeblähten-Kopf-meinenden Ausdruck nachschaute, anstatt sie zu ignorieren...", sagte James.
„Jenen, der heulte, dass er sich langweilte, wenn er seit einigen Stunden keinen einzigen Teil eines Slytherins zu sticheln gesehen hatte, anstatt – hey!"
Ein Kopfkissen traf Remus, bevor er die Zeit hatte, seinen Satz zu beenden. Sirius stand an der Türschwelle mit den Händen auf den Hüften. Peter musterte ihn und schloss:
„Ja, wo ist er hin, der Sirius, der eine Stunde lang im Badezimmer verbrachte?"
Ein zweites Kopfkissen traf ihn, als er den Mund zumachte und ein drittes flog zu James, der dem Kissen nur dank seiner Sucherreflexe ausweichen konnte, indem er aus seinem Bett herab rollte und in eine unmögliche Lage fiel – mit den Füßen höher als der Kopf.
„Aua", sagte er einfach, als er sein Herabrollen stoppen konnte. „Sagt mal, Jungs", sagte er zu Peter und Remus, indem er Sirius, der anfing, immer ärgerlicher zu werden, völlig ignorierte, „erinnert das euch nicht vage an etwas?"
„Du meinst", antwortete Remus und tat es ihm nach, „an diesen Kerl, den wir jeden Morgen mit lautem Geschrei wecken mussten und der auf uns mit Kopfkissenschlägen antwortete?"
„An jenen", fügte Peter, indem er einige Federn von seinem Pyjama weg nahm, nachlässig hinzu, „der mitten in den zerrissenen Kopfkissen lag und sich den Bauch vor Lachen hielt, bis er lächerlich hin- und her hüpfte, um sich anziehen zu können, und wie ein Verrückter laufen musste, um etwas vor dem Anfang des ersten Unterrichts essen zu können?"
„Jep, eben an jenen", behauptete James nachdenklich, der immer noch in der gleichen skurrilen Körperlage steckte, in die er gefallen war . „Ich frage mich wirklich, wo dieser Kerl hin ist..."
Sirius sah sie einen Augenblick lang nacheinander an, dann ließ er das vierte Kopfkissen fallen, das er ergriffen hatte, und er hob die Arme zum Himmel, bevor er sich auf James stürzte.
„Oh, ihr seid wirklich...!", rief er mit einem wütenden Ton aus, der von seinem breiten Lächeln zunichte gemacht wurde, während er seinen Freund aus seiner misslichen Lage heraushalf.
Nachdem er ihn wieder hochgehoben hatte, umarmte er ihn mit einem immer noch erfreuten Ausdruck. Sobald er wieder frei war, drehte sich James mit einem schelmischen Licht im Blick zu den beiden anderen um, die sich nicht bewegt hatten.
„Hey, Jungs, ich glaube ja, dass der Kerl, von dem wir eben sprachen, zurück ist."
„Jep, ich glaube es auch", behauptete Peter und lächelte zurück.
„Also, zurück zu den alten guten Gewohnheiten?", schlug Remus mit dem gleichen Ton vor.
Sie wechselten einen Blick, dann ergriffen sie perfekt synchron die misshandelten Kopfkissen, die neben ihnen lagen, und schickten sie zum Absender zurück, bevor Sirius genau verstehen konnte, was los war. Tatze, der sich den Bauch vor Lachen hielt, fiel auf den Boden und begann die erste Kopfkissenschlacht ihres siebten Jahres, die zu lange verschoben worden war.
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Sie lächelten alle breit, als sie an jenem Morgen die Große Halle schließlich erreichten. Doch wurden diese Lächeln schnell von verdutzten Blicken ersetzt. An allen vier Tischen waren die Schüler gleich aufgeregt, wie am vorigen Tag beim Mittagessen – so dass man fast hätte glauben können, dass ein ganzer Waldelfenschwarm ihnen unerwartet einen Höflichkeitsbesuch gemacht hatte. Selbst der Lehrertisch war etwas aufgeregter als sonst. Es blieben nur der Schulleiter, der wie ein Fels im Sturm war, Kraftbrüh, die ein Erdbeben nicht aufgeregt hätte, und Davies davon unbeeindruckt. Wenn man überlegte, war es für den Letzteren schwierig zu bestimmen, da etwa drei Viertel seines Gesichtes von der Zeitung versteckt waren, die er aufgeschlagen in der Hand hielt.
Die Rumtreiber bemerkten übrigens, dass viele Leute die gleiche Zeitung in der Hand hielten. Einen Augenblick lang erfüllte ein Gedanke ihren Geist und ließ ihre Herzen schneller klopfen. Nicht ein neuer Angriff? Doch sahen die Schüler nicht erschrocken aus und die Lehrer hatten nicht den ernsthaften Ausdruck der „Blutbadtage". Eigentlich sahen die meisten von ihnen regelmäßig zu... Davies. Immer wieder ihr neuer Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste. Gleichzeitig stürzten sie sich zu ihrem Tisch und ergriffen gierig die Zeitungen, die brav auf Remus und James warteten. Die beiden Abonnenten schlugen sie sofort auf und die beiden anderen beugten sich über ihre Schultern, um zu lesen. Vier „Oh!" kamen gleichzeitig aus ihren Mündern.
Und Folgendes lasen James und Remus in ihrem eigenen Exemplar, Sirius von hinter dem ersten und Peter von hinter dem zweiten:
Waldelfen: Legende oder Realität?
Waldelfen kommen nach Hogwarts!
Gestern Morgen zwischen acht und zehn sollen nach mehreren Zeugnissen Siebtklässler von Hogwarts für ihren ersten Unterricht des neuen Schuljahrs in Verteidigung gegen die dunklen Künste zwei Waldelfen begegnet sein, einem Volk, das bisher als eine Legende betrachtet worden war. Den Schülern zufolge soll ihr neuer Lehrer selbst, Harry Davies, der vor kurzem sein Aurordiplom bestanden hat und dank irgendeiner Begünstigung der Wacht von Hogwarts zugeordnet wurde, die das Ministerium gegen Du-Weißt-Schon-Wen eingestellt hat, diese Begegnung mit den Waldelfen organisiert haben, die laut den Schülern aus dem Verbotenen Wald selbst kommen sollten, der die Schule umgibt! Die Schüler hätten dann den Rest des Unterrichts damit verbracht, den „Waldelfen" dank ihrem Lehrer, der – immer noch laut ihnen – die Rolle eines Dolmetschers gehabt hätte, Fragen zu stellen...
Man darf an dieser Geschichte zweifeln und sich fragen, ob diese zu leichtgläubigen Schüler nicht von den Märchen getäuscht wurden, die ihnen ihr Lehrer hat erzählen können. Sie wissen nämlich...
James und Remus hörten dort abgestoßen auf zu lesen.
„Und dann gibt es eine Aufzählung aller Zauberer und Hexen, die sagen, sie wären schon Waldelfen begegnet", bemerkte Sirius, indem er die Zeitung aus den Händen seines besten Freundes nahm. „Die meisten waren ja Verrückte oder erbärmliche Kerle, die vor allem wollten, dass man von ihnen sprach."
„Das ist abscheulich!", rief Remus aus. „Sie tun das, um ihn unglaubwürdig zu machen! Ich kenne Davies schlecht, aber so sieht er nicht wie ein Verrückter oder ein Kerl aus, der nach öffentlicher Aufmerksamkeit giert!"
„Und außerdem", fügte James hinzu, „habe ich gehört, dass er nicht aus der Begünstigung irgendeines faulen Kerls bei der Regierung da ist, sondern weil er sehr gute Ergebnisse bei der Aurorprüfung bekommen hat."
„Wer hat diesen schmutzigen Artikel geschrieben?", murrte Remus und blickte auf das Blatt, das er in seiner Faust zugedrückt hielt. „Oh, ja, natürlich. Marcus Barrow. Die berühmte Viperzunge."
James und er verzogen gleichzeitig das Gesicht. Barrow hatte sich dank des Geredes aller Art bekannt gemacht und er hatte sich selbst Scharfzunge genannt. Eigentlich hatten alle, die nicht naiv genug waren, dass sie all das glaubten, was er erzählte – das heißt leider nur ein Drittel der englischen Bevölkerung, die ein bisschen Vernunft zur Verfügung hatte und sie zu nutzen wusste –, diesen Namen in Viperzunge geändert. Ein Hüsteln unterbrach die Überlegungen der beiden Rumtreiber. Sie drehten sich mit einem fragenden Blick zu Sirius um.
„Was?"
Sirius lächelte ihnen mit halb geschlossenen Augen zufrieden zu, wie er es so gut konnte.
„Es klingt so, als würdet ihr ihn plötzlich mögen, diesen Davies. Oder?"
James und Remus wechselten einen Blick und konnten keine Erwiderung finden. Neben ihnen versuchte Peter, sein Losprusten als Hustenanfall zu verkleiden. Da sie nun wieder still waren, wurden sie sich plötzlich der empörten Ausrufe bewusst, die vom Ravenclaw-Tisch und auch, obwohl deutlich weniger, vom Hufflepuff-Tisch kamen, da die Vernunft dieser Schüler beleidigt worden war. Immer mehr unter ihnen warfen Professor Davies mitleidige Blicke zu, aber Letzterer schien, nichts zu bemerken. Sirius setzte seinen hochnäsigsten und dabei elegantesten Ausdruck auf, wie nur er es so perfekt beherrschte und ergriff den Wurstteller.
„Da ich zum ersten Mal Recht bei etwas habe und da jeder mit mir einverstanden ist, Moony einschließlich, so denke ich, dass ich eine Doppelportion verdient habe."
Und er fing an, so viel zu essen, wie seine Freunde es immer bei ihm gesehen hatten. Auf der anderen Seite des Tisches ergriff Peter ein Stück Pancake und aß es blitzschnell, um das laute Gelächter zu dämpfen, das sich seiner bemächtigte. James und Remus blickten perplex zueinander, dann lächelten sie mit einer Kennermiene und, ergriffen den Toastteller, bevor ihn Sirius völlig aufgegessen hatte.
Nach dem Frühstück schien Sirius viel ruhiger. Sein Verhalten in Geschichte der Zauberei wurde sogar wieder normal: Er schlief ein. Remus sah mit einem Seufzer, wie er die beiden anderen mit sich zog: Man könnte ja glauben, dass sie völlig vergessen hatten, dass sie gegen Ende des Schuljahres die UTZ-Prüfungen hatten... Er beugte sich über seine Pergamentrolle und schrieb weiter Notizen auf, während er sein Kinn mit der Hand hielt, um nicht einzuschlafen. Je schneller der nächste Unterricht kommen würde, desto besser...
Der nächste Unterricht war Verteidigung gegen die dunklen Künste, wie sich Tatze daran zu erinnern schien, als der Gong zum Ende des Unterrichts erklang. Es war sehr schwierig, ihn während der Pause ruhig zu stellen, also fingen die anderen drei an, über den nächsten Streich zu reden, den sie gegen die Slytherins einsetzen würden, was die magische Wirkung hatte, ihn fünf Minuten lang ruhig zu halten. Als der Gong aber zum zweiten Mal erklang, zog er sie schnellstens zur Treppe.
Sie kamen als erste vor dem Klassenzimmer an, aber nur kurz vor Evans und Anderson, die sie gleich einholten und bald gefolgt von Kathleen Abercrombie und Alice Sanders, den beiden Klatschbasen ihres Jahrgangs. Sobald sie den Gang erreicht hatten, in dem die Rumtreiber standen, fingen sie an loszuprusten und Sirius dabei immer wieder kurz Blicke zuzuwerfen, die er nicht Mal bemerkte, da er zu sehr damit beschäftigt war, sich umzublicken, um zu sehen, ob Davies ankam. Dagegen waren es die Slytherins, die alle gleichzeitig ankamen. Severus Snape stand hinter der Gruppe, aber er blickte nicht Mal zu James, der ihn wie gewöhnlich böse ansah. Eigentlich sah er in Gedanken vertieft aus.
Sie warteten einige Augenblicke lang still, was sehr ungewöhnlich war, wenn die Siebtklässler von Slytherin und Gryffindor zusammen waren, bis eilige Schritte dann im Gang erklangen. Sie richteten sich alle auf und warteten darauf ihren Lehrer erscheinen zu sehen, doch es war eine Frau, die am anderen Ende des Gangs erschien. Ihr viel zu geschminktes kantiges Gesicht wurde heller, als sie sie erblickte und sie holte sie eiligst ein, indem sie ihre geschmackslose Handtasche stark gegen sich presste.
„Ach! Gut, gut", sagte sie, als sie leicht keuchend auf ihrer Höhe ankam. „Sie sind die Schüler von Professor Davies, oder? Perfekt..."
Sie suchte in ihrer Handtasche und zog daraus eine leuchtend grüne Feder und ein Stück Pergament, das sie in einem wackeligen Gleichgewicht auf ihre Knie legte.
„Ich heiße Rita Kimmkorn, Reporterin beim Tagespropheten", stellte sie sich mit einem breiten Lächeln vor.
Einige Schüler sahen sie etwas erstaunt an, aber James und Remus verzogen gleichzeitig das Gesicht und blickten warnend zu den beiden anderen Rumtreibern. Rita Kimmkorn, Viperzunges junge Rivalin... Natürlich hatte sie es nicht gemocht, dass sie bei der Story über die Waldelfen nicht die Erste gewesen war, und sie wollte wohl ihre Verspätung einholen, indem sie, wenn es sich als nötig erwies, alles umschreiben würde, was ihr gesagt würde, um es in eine Schlagzeile zu verwandeln, die ihr einen Vorteil über ihren Kollegen geben würde.
Die Journalistin sprach aber nun weiter:
„Ich bin hier, um über Ihren Verteidigungslehrer, Mr Davies, nachzuforschen. Wie Sie es heute Morgen sicher schon gesehen haben, hat mein Kollege Marcus Barrow einen Artikel über ihn geschrieben, der nicht sehr schmeichelhaft war. Ich bin hier, um zu prüfen, ob er ihn nicht zu früh beurteilt hat..."
'Wie hinterlistig!'
„Wie haben Sie reagiert? Denken Sie, dass Harry Davies dennoch ein guter Lehrer ist? Glauben Sie, dass Ihre Mitschüler von Ravenclaw und Hufflepuff tatsächlich Waldelfen begegnet sind?"
Die Rumtreiber taten, als hätten sie sie nicht gehört und blieben vorsichtshalber still. Ein Blick in die Runde sagte ihnen, dass sich auch Evans und Anderson in Schweigen gehüllt hatten und dass sie offensichtlich schon wussten, was sie erwarten konnten, wenn man nach den finsteren Blicken urteilte, die sie miteinander wechselten. Kathleen und Alice aber sahen ganz berührt aus, eine ihrer Abgöttinnen zu treffen und sie schickten sich an, enthusiastisch zu antworten. James blickte beängstigt zu Sirius, der sofort verstand, was er tun sollte.
Er lenkte die Aufmerksamkeit der beiden Mädchen zu ihm und mit einem ernsthaften Blick schüttelte er langsam verneinend den Kopf. Die Journalistin, die das bemerkte, warf Sirius einen vernichtenden Blick zu und fand ihr liebliches Lächeln aber ganz schnell wieder, um die beiden Jugendlichen anzusprechen:
„Ja? Sie wollten mir etwas sagen, meine Lieben?"
Die beiden Jugendlichen sahen zögernd zwischen Tatze und der Journalistin hin und her, dann schienen sie vom ungewöhnlich ernsthaften Blick des jungen Mannes überzeugt zu werden und sie verzichteten mit einem Kopfschütteln darauf, ihre Meinung ab zu geben.
„Nun, seien Sie nicht schüchtern", sprach Rita rasant weiter. „Ich bin sicher, dass Sie über Ihren Lehrer viel zu sagen haben. Finden Sie seine Unterrichtsstunden interessant? Ist er Ihnen sympathisch?"
Dabei waren es nun die Slytherins, vor denen man sich am meisten fürchten sollte. Die Rumtreiber waren auf der Hut und drehten sich zu ihnen um, bereit einzugreifen, sobald einer von ihnen den Mund aufmachen würde. Mit einem triumphierenden Blick richtete sich Adrian Zabini auf und atmete ein, um zu sprechen – offensichtlich war er begeistert, einen Lehrer verleumden zu können. Kimmkorn drehte sich hoffnungsvoll zu ihm um. Evans und Anderson wurden steif, die Rumtreiber suchten, wie sie ihn daran hindern könnten, irgendwas zu sagen.
Zur großen Überraschung jedes Anwesenden aber machte Zabini den Mund plötzlich zu und sah erstaunt aus, ehe er sich zu Snape, der hinter ihm stand, mit gerunzelten Augenbrauen umdrehte und dabei den hinteren Teil seines Beins rieb. Er schickte sich offensichtlich an, Erklärungen zu verlangen, als ihm der Slytherin einen wütenden Blick zuwarf und ihm mit einer schneidenden Stimme sagte:
„Maul zu, du Kretin!"
Zabini sah verwirrt aus.
„Aber..."
Snapes Blick wurde noch schneidender und Adrian stoppte plötzlich, bevor er mit einem sehr verwirrten Blick von der Journalistin bedacht wurde. Jetzt sahen alle Schüler überrascht Severus an, am meisten die Rumtreiber.
Rita Kimmkorn, die offensichtlich wütend war und Schwierigkeiten hatte, ihr Lächeln auf ihrem Gesicht zu halten, machte den Mund auf, um einem möglichen Informanten eine neue Frage zu stellen, als eine Stimme in ihrem Rücken erklang, die sie aufspringen und sich umdrehen ließ.
„Miss Kimmkorn..."
Alle Schüler drehten sich zu ihrem Lehrer um, der während des Wortwechsels angekommen war, ohne dass sich jemand dessen bewusst wurde. Davies hatte einen eisigen Ausdruck aufgesetzt und blickte zur knienden Journalistin herab. Letztere stand mit einem Sprung auf und setzte wieder ihr freundliches Lächeln auf.
„Mr Davies, oder? Sehr erfreut, Ihnen zu begegnen. Ich glaube nicht, dass wir uns schon kennen..."
Sie reichte ihm ihre große raue Hand, damit er sie schüttelte, aber er ignorierte sie völlig.
„Ich kenne Sie, Miss Kimmkorn", sprach er mit der gleichen kühlen Stimme weiter.
„Wirklich?"
Rita schien von seinem Verhalten nicht besonders erschüttert und drehte sich zu den Jugendlichen um.
„Ich stellte gerade Ihren Schülern einige Fragen – für den Tagespropheten, verstehen Sie – und ich fragte mich, ob Sie nicht..."
„Miss Kimmkorn", unterbrach Davies mit einer Stimme, die nun ganz frostig war, „die Tatsache ist, dass ich die Journalisten nie wirklich gemocht habe und dass ich sie umso weniger mag, wenn sie mich daran hindern, meine Arbeit richtig zu machen. Ich weiß nicht, wie Sie Hogwarts ohne die Erlaubnis betreten haben, die Ihnen der Schulleiter sicher nicht gegeben hat, aber ich bitte Sie darum, sich von meinen Schülern und von meinem Klassenzimmer zu entfernen, ehe ich Mr Filch darum bitten muss, Sie bis zum Ausgang zu begleiten."
Die Jugendlichen staunten wegen der Schmährede, die ihr Lehrer mit einem Ton gesprochen hatte, der keine Erwiderung ermöglichte und den sie bei ihm noch nie gehört hatten. Rita selbst schien etwas entmutigt. Sie machte aber trotzig noch einen weiteren Versuch.
„Ja, natürlich, aber ich wollte Ihnen einige Fragen stellen..."
„Dann müssen Sie bis zum Mittagessen warten. Glauben Sie, dass Sie dazu fähig sind?"
Vor dem Ton, der so schneidend war wie ein Schwert, entschloss die Journalistin schließlich, zurückzutreten.
„Sicher, sicher. Dann warte ich auf Sie in...", fing sie an und lächelte kaum mehr.
„Oh! Aber warten Sie Mal", sprach Davies mit einem bösen Blick weiter. „Ich denke nicht, dass ich Sie im Schloss herum gehen lassen darf, vor allem ohne Erlaubnis. Verstehen Sie, hier gibt es Peeves, den Poltergeist, der Sie als Ziel auswählen könnte. Mrs Norris", fügte er an Filchs Katze gewandt hinzu, die keiner bemerkt hatte und die in einer Ecke versteckt saß, „weißt du, wo man deinen Herrn finden kann?"
„Ich bin da, Herr Professor", griff der Hausmeister mit seiner gewöhnlichen bissigen Stimme ein und kam dabei hinter einem Wandteppich hervor, der, wie es die Rumtreiber wussten, einen wenig benutzten Geheimgang versteckte.
„Perfekt, Mr Filch, Sie kommen im richtigen Moment an. Ich hatte die Idee, Ihnen Miss Kimmkorn anzuvertrauen, während ich unterrichte. Falls es Sie nicht stört natürlich."
Davies, der Rita den Rücken zukehrte, trug einen fast schadenfrohen Ausdruck, den nur Filch und die Schüler sehen konnten. Filch schien, die Zuvorkommenheit zu genießen. Rita hatte nämlich viele Gerüchte über ihn erzählt, als sie Schülerin in Hogwarts war und er träumte davon, sich zu revanchieren. Ein schadenfrohes Lächeln erschien auf seinem Gesicht.
„Und wie, Herr Professor, ich wär sehr erfreut, Ihnen diesen Dienst zu erweisen."
Rita hatte ihr Lächeln jetzt völlig verloren und war sogar ein bisschen erblasst.
„Vielen Dank, Mr Filch", sprach Davies weiter und setzte wieder seinen kühlen Ausdruck auf, um an der Journalistin in die Richtung des Klassenzimmers vorbeizugehen. „Sie helfen mir sehr."
Er machte die Tür auf und bat die Schüler herein. Die Jugendlichen verließen widerwillig den Gang und blickten hinter sich, um zu sehen, wie Filch Rita Kimmkorn zur Großen Eingangshalle zog, bevor sie irgendein anderes Argument hätte aufbringen können, da ihr Gehirn offenbar bei der Tatsache gestoppt hatte, dass sie den Rest des Vormittags mit dem Hausmeister würde verbringen müssen.
Davies schloss die Tür hinter den letzten Schülern etwas heftiger als nötig und James hörte deutlich, wie er murrte:
„Verfluchter Käfer!"
Sirius hatte es ohne Schwierigkeiten geschafft, einen Sitz in der ersten Reihe zu finden, da die anderen lieber nicht zu nah am wütenden Lehrer sitzen wollten. Während sich Davies hinter seinen Arbeitstisch in einer völligen Stille setzte, traf er die Entscheidung, die Stimmung ein bisschen zu erleichtern:
„Entschuldigung, Professor?"
Harry drehte sich fragend zu ihm um.
„Entschuldigen Sie, aber... wo haben Sie gelernt, solche Erwiderungen loszulassen?", fragte er enthusiastisch.
Die übrigen Schüler sahen ihn entsetzt an, während die anderen drei Rumtreiber mit einem verzweifelten Ausdruck den Kopf hinter einem Arm versteckten. Dennoch tat Harry das Gegenteil davon, was sie erwartet hatten: Er lächelte.
„Mein Lehrer für Zaubertränke", sagte er und lächelte wie Sirius, „war ein abscheulicher Kerl. Ein echter Schweinehund. Man lernt viel, wenn man sieben Jahre lang mit solchen Leuten verkehrt."
Er verbiss sich einen Blick zu Severus. Sirius prustete los und die anderen Schüler sahen erleichtert aus. Harry lächelte ihnen zu, was sie endgültig beruhigte, und stand wieder auf.
„Gut. Da wir diesen Unterricht endlich anfangen dürfen, möchte ich, dass Sie die Bücher in die Rucksäcke einräumen und den Zauberstab herausnehmen. Ich möchte zuerst wissen, wozu Sie fähig sind..."
Peter ächzte leise und ließ seinen Kopf wieder auf seinen Arm fallen. Harry wurde sich dessen bewusst und lächelte noch ein Mal.
„Nun, Mr Pettigrew, machen Sie sich keine Sorgen. Dieser Test, genau so wie der, den Sie während unseres nächsten theoretischen Unterrichts schreiben werden, wird nicht benotet werden. Er ist nur dazu bestimmt mir eine Idee von dem zu geben, was Sie brauchen um sich zu verbessern."
Peter blickte hoffnungsvoll wieder auf.
„Ich will aber, dass Sie mir alles zeigen, was Sie wirklich können!", fügte der Lehrer hinzu und seine Schüler nickten.
Harry teilte sie dann in Zweiergruppen ein und nannte mehrere Zauber nacheinander. Jede Gruppe führte den gefragten Zauber aus, mit mehr oder weniger Erfolg. Manche blickten fast verachtend, als er sie um den Expelliarmus bat und die meisten zielten auf ihren Gegner mit dem Zauberstab und sprachen die Formel, ohne wirklich darauf zu achten. Die Zauberstäbe flogen, aber Harry ärgerte sich sofort.
„Nein!", schrie er mit überlauter Stimme.
Alle Schüler erstarrten und sahen ihn erstaunt an.
„Ich habe Sie darum gebeten, mir 'alles zu zeigen, was Sie wirklich können', haben Sie es schon vergessen?", fuhr er mit einem wütenden Ton fort.
Mit einer Bewegung seines Zauberstabs ließ er eine Menge Matratzen erscheinen, die sich an die hintere Wand lehnten oder sich auf den Boden legten. Dann hob er erneut seinen Zauberstab, ohne seinen Schülern Zeit zu geben, sich wieder zu fassen, und sprach laut aus:
„Expelliarmus!"
James spürte plötzlich, wie ihm sein Zauberstab aus den Händen glitt und wie ihn eine riesige Druckwelle nach hinten warf. Atemlos spürte er, wie er vom Boden abflog und im nächsten Augenblick gegen die Matratzen an der Wand prallte und schließlich auf die darunter fiel. Als er wieder zu Sinnen kam, wurde er sich bewusst, dass die ganze Klasse in ungefähr der gleichen Lage war wie er: Entwaffnet und auf dem Boden liegend. Nah von ihm flüsterte Sirius ungläubig:
„Hat er das getan?"
„Ja Mr Black."
Sie drehten sich alle gleichzeitig zu ihrem Lehrer um, der immer noch stand und dessen zusammengepressten Hände etwa fünfzehn Zauberstäbe hielten. Sein Gesicht war ernst.
„Ja, ich habe das getan", sprach er wieder. „Und ich gratuliere Ihnen nicht: Mr Snape allein hat es geschafft, ein bisschen Widerstand zu zeigen. Sie andere haben es einfach ohne Reaktion geschehen lassen, da Sie überzeugt waren, dass Sie kein Risiko eingingen. Haben Sie nicht verstanden, was ich vorhatte, als ich diese Matratzen aus dem Nichts herbeigezaubert habe, um den Schock zu mildern?
Sobald Sie sich dessen bewusst wurden, selbst wenn Sie dachten, dass ich nicht Sie alle würde treffen können, so hätten Sie vermuten sollen, dass Sie ein Risiko eingingen, und mussten Ihren Willen spannen, um mir zu widerstehen. Das ist das einzige Mittel, einen Expelliarmus zu bekämpfen und je mächtiger der Zauber ist, desto mehr Willen braucht man. Wenn Sie bei einem Zweikampf solch einen Fehler machen würden, so wären Sie völlig in der Gewalt Ihres Gegners!
Haben Ihnen all Ihre Lehrer in sechs Jahren nur so wenig beibringen können? Die Tatsache, dass ein Zauber einfach ist, heißt nicht, dass er schwach ist! Die Tatsache, dass ein Mensch allein ist, heißt nicht, dass er nicht mehrere Gegner gleichzeitig treffen kann!", hämmerte er verbal auf sie ein.
Die Jugendlichen, die immer noch auf dem Boden lagen, sahen ihn nur überrascht an.
„Aufstehen!", sprach er laut.
Sie gehorchten widerstandslos, da sie ihn gar nicht ärgern wollten.
„Nehmen Sie Ihre Zauberstäbe wieder", sagte er und reichte sie ihnen.
Zögernd gingen sie nacheinander zu ihm, um den ihrigen wieder zu nehmen. Snapes lag ganz offenbar oben auf dem Stapel als Beweis, dass er der letzte war, der dem Zauber nachgegeben hatte. Als seine Hände wieder frei wurden, ergriff Harry den Slytherin an der Schulter.
„Mr Snape, im Gegenteil zu Ihren Mitschülern haben Sie perfekt reagiert und ein Zauber, den einer von ihnen gewirkt hätte, hätte wenige Chancen gehabt, Sie zu treffen. Ich gebe fünf Punkte zu Slytherin."
Severus lächelte dankbar und James verzog das Gesicht. Ein Blick zu Evans sagte ihm, dass sie auch nicht mehr erfreut war als er, dass er es vor ihnen geschafft hatte. Davies sprach weiter:
„Sie werden sich nun alle mir gegenüber stellen. Sie werden nacheinander vor ihren Mitschülern den Zauber wirken und Sie werden ihn mit so viel Macht wirken wie Sie es können. Es nützt nichts, dass jene, die der Zauber treffen wird, widerstehen, ich will die Macht von jedem unter Ihnen abschätzen."
Eine andere Bewegung seines Zauberstabs schuf weitere Matratzen, die sich zwischen die ersten und die Schüler legten, die verschämt vor ihrem Lehrer standen. Davies rief die Schüler nacheinander auf und schrieb Notizen, so wie er das für die anderen Zauber getan hatte.
Snape war bei Weitem der Beste: Er schaffte es, etwa zwölf Schüler zu entwaffnen und sie einige Meter nach hinten hinwegzuschieben. Was ihn betraf, verzog James das Gesicht, als er sah, dass nur sechs Zauberstäbe zu ihm flogen, während ihre Besitzer leicht schwankten, als wären sie von einem zu heftigen Wind getroffen worden. Peter allein machte es schlimmer als er, da seine Ernte aus nur fünf Zauberstäben bestand. Remus und Evans schafften es, zehn Zauberstäbe zu ergreifen und die Schüler fallen zu lassen. Dennoch hatte Sirius das seltsamste Ergebnis.
Als die Zauberformel gesprochen wurde, flogen drei Zauberstäbe zu seinen Händen, während die getroffenen Jugendlichen mit einem gedämpften Lärm gegen die hintere Wand prallten. Etwas betäubt standen sie mit Schwierigkeiten auf. Jeder starrte Sirius an, der genauso verlegen aussah wie sie, bis Davies leise hüstelte. Tatze drehte sich zu ihm mit Augen voller Fragezeichen um.
„Wenn Sie den Zauber wirken, Mr Black, so sollen Sie normalerweise daran denken zu entwaffnen, nicht hinwegzuschieben", sagte er, indem er sich offensichtlich ein Lächeln nur mit großen Schwierigkeiten verkniff. „Soll ich daraus schließen, dass das, was Sie soeben bei meiner Ausführung am meisten beeindruckt hat, die Endlage der Gegner war und nicht die ihrer Zauberstäbe?"
„Tja..."
Sirius fuhr verstört mit einer Hand in seine Haare. Harry prustete leise los und kritzelte etwas neben seinem Namen, ohne irgendwas hinzuzufügen.
Als der Expelliarmus vorbei war, übten sie andere Zauber, für die sich die Schüler als mehr konzentriert erwiesen als am Anfang des Unterrichts, da sie sich davor fürchteten ihren Lehrer noch einmal zu enttäuschen. Doch kam das Ende des Tests ohne neuen Zornausbruch und Harry hob den Kopf nach einer letzten Notiz wieder hoch.
„Sehr gut. Jetzt habe ich eine Idee von dem, was jeder von Ihnen braucht um sich zu verbessern, um den UTZ-Prüfungen und der äußeren Welt mit einem passenden Niveau bei den meisten Verteidigungs- und Angriffszaubern zu begegnen. Während der praktischen Unterrichtsstunden werden wir also weiter üben, um Sie zu trainieren und die theoretischen Unterrichtsstunden werden wir wie während der vorigen Jahre nutzen, Geschöpfe kennen zu lernen, die für Sie gefährlich sein könnten und wie Sie sie bekämpfen können. Zumindest", fügte er hinzu, als er sah, wie sich die Gesichter aus Langeweile leicht verzogen, „zumindest werden wir während des ersten Teils des Jahres so handeln."
Das Interesse kehrte bei den Schülern zurück.
„Während des zweiten Teils möchte ich Sie für einen Zauber trainieren, der höchst schwierig ist aber, so denke ich, Ihnen in der kommenden Zeit sehr hilfreich sein könnte. Je früher Sie das nötige Niveau für die Basiszauber erreicht haben, desto früher werden wir an diesem Projekt arbeiten."
Die Jugendlichen murmelten neugierig miteinander und fragten sich, was jener Zauber sein konnte. Doch erklang der Gong in jenem Augenblick und Harry bewegte seine Hand, um sie einzuladen aus dem Klassenzimmer zu gehen.
„Bis Donnerstag", sagte er. „Für Ihren theoretischen Test."
Die Schüler gingen widerwillig hinaus. Die Rumtreiber waren kaum draußen und schon lächelte Harry, als er hörte, wie Sirius ausrief:
„Nun? Was hatte ich gesagt? Der war genial, dieser Unterricht!"
Dann setzte er sich bequem auf seinen Stuhl, massierte sich die Schläfen und traf die Entscheidung, etwas in der Küche einzunehmen, bevor er auf die Suche nach Filch und der lästigen Besucherin ging, die er so freundlich angenommen hatte zu bewachen. Er war sicher, dass der Hausmeister gar nicht sauer auf ihn sein würde, dass er in Verspätung war...
oOoOoOoOo
Harry fand Rita Kimmkorn in Filchs Büro wieder. Sie wurde von Mrs Norris streng bewacht und starrte die Ketten an, die, wie es Harry wusste, zu den körperlichen Strafen gedient hatten, als sie in der Schule immer noch in Kraft waren. Sie schreckte hoch, als er eintrat, dann erkannte sie ihn und stürzte zu ihm, wie zu einem Retter. Bevor sie die Zeit hatte den Mund aufzumachen, trat Filch hinter Harry ein. Als er den jungen Auror erblickte, sah er verdrießlich aus.
„Oh...", sagte er. „Schon?"
„Ich fürchte wohl ja, Mr Filch", entschuldigte sich Harry, dem es Leid tat, ihm sein Spielzeug wegzunehmen.
„Gut", seufzte der Hausmeister. „Aber zögern Sie nicht sie zurückzubringen, wenn Sie es brauchen, eh?", fügte er hinzu und die Schadenfreude ersetzte die Enttäuschung in seinem Blick.
„Natürlich, ich werde es bestimmt machen!", antwortete er mit einem breiten Lächeln auf den Lippen.
Die Journalistin ließ ein gedämpftes Ächzen vernehmen und folgte ihm eilig weg vom düsteren und beengten Büro. Harry führte sie nachlässig durch die Gänge bis zu seinem eigenen Büro. Sie brach in einem der breiten bequemen Sessel vor dem Kamin zusammen. Der Lehrer setzte sich sorglos in den anderen und ließ sie einige Sekunden lang zittern, bis sie sich wieder fasste.
„Ach ja", stotterte sie. „Ich sollte Ihnen einige Fragen stellen..."
„Stellen Sie sie bitte", erwiderte Harry höflich. „Bis zum Unterricht am Nachmittag ist meine ganze Zeit frei. Wenn wir natürlich bis dahin noch nicht fertig sind, so kann ich immer Mr Filch..."
„Nein!", unterbrach die Journalistin mit einer Spur Panik in der Stimme. „Nein", fuhr sie weiter fort, indem sie versuchte, ihr gewöhnliches Lächeln auf ihr Gesicht wieder herzustellen, obwohl die Lippenwinkel noch ein wenig zitterten, „ich bin sicher, dass die Mittagszeit genug sein wird. Ich möchte Mr Filch nicht weiter stören..."
„Ja, natürlich", sagte Harry, der sein Bestes tat, um nicht vor ihr in lautes Gelächter auszubrechen.
Rita zog mit zitternden Händen aus ihrer Handtasche das Pergamentstück und die grüne Feder, die sie überall begleiteten und legte all das auf den niedrigen Tisch zwischen ihnen ab.
„Gut", sagte sie und atmete tief ein, um sich wieder zu fassen, während ihr Lächeln stabiler wurde. „Nun, erzählen Sie uns ein bisschen von Ihnen. Man sagt, dass Sie aus Australien kommen?"
„Das stimmt", antwortete Harry. „Ich bin in England geboren, aber ich habe die Schule in Australien besucht."
„War es dort, wo Sie angeblich die Sprache der Waldelfen gelernt haben?", fuhr sie gierig fort.
Harry hörte die deutlichen Zweifel, aber ließ es sich nicht anmerken.
„Es tut mir Leid. Ich habe schon erklärt, dass ich davon nicht reden darf, das ist ein Versprechen."
„Ja, natürlich", sagte sie mit einem verständnisvollen Ton. „Haben Sie eine Idee davon, aus welchem Grund Sie für diesen Auftrag in Hogwarts gewählt worden sind?"
„Ich habe bei den Prüfungen hervorragende Noten bekommen", antwortete Harry, ohne daran zu denken, ihr die richtige Erklärung zu geben.
„Denken Sie, dass Sie ein guter Lehrer sind?"
„Ich bin in der ungünstigsten Position, um Ihnen zu antworten. Warum fragen Sie nicht Professor Dumbledore?"
Die Journalistin tat, als hätte sie ihn nicht gehört und kam zur Kernfrage:
„Haben Sie wirklich Waldelfen bei Ihrem Unterricht gestern Morgen eingeladen?"
„Ja."
„Wie...?"
Zu diesem Zeitpunkt traf Harry die Entscheidung, das Gespräch wieder zu kontrollieren.
„Ich denke", sagte er, „dass die passendste Frage eher „Warum?" lauten sollte. Glauben Sie nicht?"
Die Reporterin sah verwirrt aus.
„Oh... Natürlich aber..."
„Denn", fuhr er fort und ignorierte sie dabei, „Sie vermuten ja wohl, dass ich ein Ziel habe, um während eines Unterrichts in Verteidigung gegen die dunklen Künste siebzehnjährigen Jugendlichen ein Volk zu zeigen, das sehr schüchtern sein soll; ein Ziel, das übrigens die Waldelfen selbst davon überzeugen konnte, mich sie vorstellen zu lassen..."
Rita schien nun von seinen Worten gefesselt. Sie blickte zur Flotte-Schreibe-Feder, die auf dem Pergament rasend zappelte, dann schenkte sie wieder ihm ihre Aufmerksamkeit.
„Und was wäre dieses Ziel?"
Harry war ihr dankbar, dass sie ihm die Sache erleichterte.
„Ich wollte meine Schüler, und durch sie die ganze Zaubererwelt, begreifen lassen, dass wir die anderen intelligenten Völker nicht vernachlässigen sollten. Wir vergessen zu oft, dass auch Sie vom Dunklen Lord bedroht werden, vielleicht nicht so sehr wie die Muggel, aber schon mehr als die „reinblütigen Zauberer und Hexen". Wir sollten nicht vergessen, dass wir nicht allein auf der Erde sind und dass alle Völker leiden werden, wenn die Todesser wirklich angreifen werden.
Die Zentauren, die Riesen, die Kobolden... Alle glauben, dass Du-Weißt-Schon-Wer ein Problem ist, das nur die Menschen betrifft und dennoch sind sie so sehr gefährdet wie wir. Ich schätze, dass wir nicht den gleichen Fehler begehen dürfen wie sie und dass wir sie von dem in Kenntnis setzen sollten, was sie erwartet. Wenn sie danach entscheiden, nichts zu tun und so weiter zu machen wie vorher, so werden wir ihnen zumindest eine Chance gegeben haben, sich selber zu schützen, aber wenn sie es annehmen, der Wahrheit ins Auge zu schauen und sich uns in unserem Kampf gegen Ihn, der nicht genannt werden darf, anzuschließen, so werden wir wertvolle Alliierte gewonnen haben und der Dunkle Lord selber könnte die Tatsache bereuen, dass er die nicht-menschlichen Arten unterschätzt hat.
Natürlich könnten es diese Völker ablehnen, sich uns anzuschließen und sich damit begnügen, auf der Hut zu bleiben, um sich mit ihrer eigenen Art und Weise zu schützen, aber dann denke ich, dass auch dies ein Fehler von ihnen wäre, weil wir alle viel effizienter wären, wenn wir vereint sind, als wenn wir getrennt sind, da uns die Todesser im letzteren Fall dann nacheinander besiegen könnten. Wenn sie jedoch diese Wahl treffen würden, so könnten wir dabei noch etwas gewinnen, denn es wäre dann logisch zu erwarten, dass wir als Feinde eines gleichen Feindes wertvolle Informationen austauschen könnten, die uns gefehlt hätten, wenn wir alleine geblieben wären.
Das wollte ich die Zaubererwelt begreifen lassen."
Harry atmete wieder ein und beobachtete die Reporterin. Während seiner ganzen Rede hatte sie an seinen Lippen gehangen, da sie von der Energie und der Überzeugung gefesselt worden war, die seine Stimme besaß. Harry war sicher, dass sie nun nicht nur von seiner Anschauung völlig überzeugt war, sondern auch, dass sie nicht einmal mehr daran dachte seine Worte zu verdrehen, seitdem sie sich bewusst geworden war, dass sie den Knüller des Jahres bekommen hatte. Er hätte diesen Gefallen bei Weitem jeder anderen Person lieber getan, aber er arbeitete mit dem, was er zur Verfügung hatte.
Ein Blick zu seiner Uhr sagte ihm, dass er jetzt besser Schluss machen sollte.
„Ich werde Sie verlassen müssen, Miss Kimmkorn, meine Schüler werden auf mich warten. Haben Sie andere Fragen, die Sie mir stellen möchten?"
Da der Bann gebrochen war, stürzte sich Rita zu ihrem Pergamentstück, das überall bekritzelt war und prüfte mit feurigen Augen, ob alles da war. Schließlich räumte sie ihr Material wieder ein und stand auf, während ihre Augen vor Zufriedenheit glänzten.
„Nein, ich denke, dass es gehen wird. Ich danke Ihnen für dieses Interview, Mr Davies."
Sie reichte ihm ihre große breite Hand und er schüttelte sie kurz. Sie richtete sich sofort zur Tür. Bevor sie rausging, drehte sie sich um und fügte hinzu:
„Mein Artikel wird in der Morgenausgabe erscheinen. Auf Wiedersehen!"
Und sie ging im Gang mit eiligen Schritten weg. Harry atmete vor Erleichterung tief und lange aus und setzte sich einen Moment lang ganz bequem in den Sessel. Dann stand er wieder auf und richtete sich auch zur Tür.
'Noch eine gute Sache getan. Nun sind die Fünftklässler von Ravenclaw dran.'
oOoOoOoOo
Die Ausgabe des Propheten am nächsten Tag verursachte eine neue Welle der Aufregung beim Frühstück.
„Was noch?", röchelte Sirius. „Es ist nicht mehr möglich, sich in dieser Schule in Ruhe voll zu fressen!"
James schenkte ihm keine Aufmerksamkeit und ergriff seine Ausgabe, die ihm eine Eule reichte. Auf der anderen Seite des Tisches machte Remus die Seinige eiligst auf.
„Ich wette, dass es wegen dieser Rita ist", murrte er.
Er las die ersten Zeilen durch und schien plötzlich wie betäubt.
„Was ist los, Remus?", fragte Peter besorgt.
James blickte von seinem Exemplar auf und drehte sich zu Sirius mit einem Lächeln auf den Lippen um.
„Hey, Tatze, es betrifft wieder deinen Lieblingslehrer."
„Lass mich schauen!"
Sirius eilte hinter ihn und las gierig über seiner Schulter:
Alliierte gegen den Dunklen Lord?
Sind die Feinde unserer Feinde unsere Freunde?
Harry Davies, Auror und Lehrer in Verteidigung gegen die dunklen Künste in Hogwarts, war gestern noch vorgeworfen worden, junge Schüler betrogen zu haben, indem er sie hatte glauben lassen, dass sie Waldelfen begegneten. Heute darf man sich die Frage stellen: Verrückter oder Visionär? Dieser Wunderjunge, der erst einundzwanzig Jahre alt ist und bei der Aurorprüfung hervorragende Ergebnisse hatte, scheint nämlich schon eine ganz präzise Idee von unserer Welt und von der Politik zu haben, die dort geführt wird. Er behauptet nämlich, dass wir Zauberer und Hexen zu sehr dazu neigen, unsere Freunde der anderen intelligenten Völker zu vergessen, die dennoch in diesen düsteren Zeiten vor der gleichen Schwierigkeit stehen wie wir: Den Reihen von Ihm, der nicht genannt werden darf...
Harry las Rita Kimmkorns Beitrag mit einem zufriedenen Lächeln durch und bemerkte einige seiner Sätze, die die Reporterin nicht Mal geändert hatte und die sie so aufgeschrieben hatte, wie er sie gesagt hatte. Selbst wenn er den Kopf nicht hob, konnte er die aufgeregte Debatte hören, die unter den Schülern angefangen hatte, als die Zeitungen ausgeteilt worden waren und er wusste, dass viele unter ihnen mit ihm einverstanden waren und ihm regelmäßig Blicke voller Zustimmung, Unterstützung und Respekt zuwarfen.
Als er spürte, wie sich ein Blick auf ihn richtete, der stechender war als die anderen, hob Harry den Kopf vom Propheten hoch und traf den blauen Blick des Schulleiters. Dieser machte eine bewunderte Bewegung zu ihm.
„Was mich betrifft, so weiß ich schon", sagte er. „Sie sind nicht verrückt, Sie sind wohl ein Visionär. Haben Sie nie daran gedacht, Politik zu machen?"
Harry erwiderte sein herzliches Lächeln und verzog leicht das Gesicht.
„Ich glaube, dass ich keinen genug verdrehten Geist dafür habe..."
Albus brach in ein schallendes fröhliches Gelächter aus und die Schüler starrten ihren Schulleiter verblüfft an, während einige andere Lehrer ihr Lächeln nur mit Schwierigkeiten verkniffen. Harry trank wieder aus seiner Tasse Kaffee und dachte, während er zum verzauberten Dach hinaufblickte, das so leuchtend blau war wie der Himmel am Ende des Sommers, dass das Jahr ja gut anfing.
