Hallo an alle! Hier bin ich wieder mit dem fünften Kapitel von der französischen FF von Dragonwing4 Changer le passé. Viel Spaß beim Lesen und einen herzlichen Dank an LadyAdamas, meine Betaleserin!

Disclaimer: Alle bekannten Charaktere und Orte gehören zu Mrs. Rowling und die Geschichte und die anderen Charaktere gehören zu Dragonwing4. Ich habe nur übersetzt.

Spoiler: Die ersten fünf Bände.

Eine zweite Chance

Die Vergangenheit verändern

Kapitel 5: Wo die Rumtreiber zu ihrem großen Erstaunen begreifen, dass sie siebzehn sind:

Mehrere Tage waren verlaufen und Harry fand sein Leben als Halbzeitlehrer ziemlich eintönig. Alle Maßnahmen, die getroffen werden konnten, um Hogwarts zu schützen, waren eingestellt worden und jetzt musste man nur noch auf einen hypothetischen Angriff des Dunklen Lords warten. Harry fing also an, sich an sein neues Leben zu gewöhnen und sogar es zu mögen, als ihn ein Ereignis daran erinnerte, dass er dumm gewesen war seine Aufmerksamkeit zu lockern.

Eines Morgens, etwa zwei Wochen nach dem Schuljahresbeginn, fuhr der junge Auror mit beiden Händen gegen seine brennende und schmerzende Narbe gepresst aus dem Schlaf hoch. Verlegen richtete sich Harry wieder auf, setzte sich am Bettrand und wartete darauf, bis sich der Schmerz verminderte und er klarer überlegen konnte. Doch egal, wie sehr er sein Gedächtnis befragte, kein Bild kam zu ihm, wie es sonst unter solchen Umständen so oft geschehen war: Weder Folter noch Blutbad.

Jedoch wusste Harry, dass Voldemort in dieser Nacht etwas Schreckliches vollführt hatte und die Tatsache, dass er nicht genau wusste, was, ärgerte ihn. Warum erlaubte ihm seine Verbindung mit Voldemort nicht mehr solche Details zu sehen? Harry hatte den Verdacht, dass es mit der Tatsache zu tun hatte, dass ihm der Dunkle Lord von dieser Zeit diese Narbe noch nicht zugefügt hatte. Da sich Voldemort zwangsläufig nicht daran erinnern konnte, existierte diese Verbindung immer noch, aber sie hatte sich sehr geschwächt.

Harry war nicht sicher, ob es eine gute oder eine schlechte Sache war, aber das Ärgernis, das diese Unkenntnis in ihm auslöste, ließ ihn eher zur zweiten Lösung neigen. Wissen, dass Voldemort noch ein Mal einen Schlag ausgeführt hatte, aber ignorieren, gegen wen, wann, wo und wie und nichts tun können, um darauf zu reagieren, war höchst frustrierend.

Er verfluchte sich, dass er seit etwa vier Wochen, seit denen er in dieser Welt angekommen war, nicht daran gedacht hatte, seine Okklumentik zu üben. Severus hätte ihn getötet, wenn er es gewusst hätte, nachdem er sich so sehr angestrengt hatte, ihn dieses Fach begreifen zu lassen, als er noch ein störrischer Jugendlicher war...

Harry lenkte seine Gedanken aus Furcht ab, dass er zu sehr an seinen Lehrer für Zaubertränke denken würde. Als er die Tafel aktiviert hatte, hatte Harry Voldemort seit etwa zwei Monaten besiegt. Er hatte eine Weile lang in einem magischen Koma gelegen, aber danach, nachdem er erwacht war, hatte er reichlich Zeit gehabt, seine Kriegsgewohnheiten zu vergessen. Es war ein schlimmer Fehler gewesen, dass er nicht schon bei seiner Ankunft hier wieder damit angefangen hatte.

Harry, der wegen seiner Nachlässigkeit auf sich selbst sauer war, stand auf und traf die Entscheidung, frühstücken zu gehen. Es war Samstag und er hatte eigentlich bis in den hellen Morgen schlafen wollen, aber nun kam es gar nicht mehr in Frage, im Bett zu faulenzen. Und vielleicht würde er dank der Morgenzeitung endlich Bescheid wissen...

Er zog sich also schnell an und ging die fast leeren Gänge zur Großen Halle entlang. Die seltenen Schüler, denen er begegnete, grüßten ihn mit Respekt, aber er antwortete nur mit einem schlichten Kopfzeichen, da er in seinen Gedanken vertieft war.

Die vier Tische waren von etwa zehn Frühaufstehern besetzt und nur die Lehrerin für Zaubertränke, die es wie gewohnt eilig hatte, zu ihren Kerkern zurückzukehren, saß am Lehrertisch. Harry setzte sich schweigend und fing an, appetitlos zu essen.

Kraftbrüh stand kurz danach auf, dann füllte sich die Große Halle allmählich, während er sein Frühstück aufaß. Schließlich wartete er ungeduldig auf die Ankunft der Eulenpost, die zum Glück gleich geschah. Doch erwähnte weder Der Tagesprophet noch irgendeine der Tageszeitungen, die in der Schule geliefert wurden, einen Angriff der Todesser. Harry blieb einige Zeit mit vor Sorge gerunzelter Stirn sitzen und starrte das Blatt in seinen Händen an, ohne es zu sehen.

Als ihm klar wurde, dass er an jenem Tag wahrscheinlich nichts Neues erfahren würde, stand er wieder auf, kehrte zu seinen Quartieren zurück, nahm seinen Besen aus seinem Reisekoffer und ging sogleich wieder aus. Ein Quidditchspiel würde ihm bestimmt helfen, sich zu entspannen, entschloss er und es schien ihm, als hätte er seit langen Jahren nicht mehr gespielt...

oOoOoOoOo

„Beeilt euch ja!", rief James zu Frederick Hickman und Jennyfer Cauldwell aus, einem Zweitklässler und einer Drittklässlerin, die dem Team von Gryffindor nach dem Testspiel der vorigen Woche beigetreten waren. „Wenn wir nicht schnell genug sind, dann kriegt Slytherin das Feld!"

Frederick stand eilig auf und Jennyfer ahmte ihn nach, nachdem sie ein letztes Toast ergriffen hatte, das sie auf dem Weg zu ihrem Kapitän aß.

„Na endlich!", rief James aus. „Gut, wir machen uns auf!", fügte er dem gesamten Team gewandt hinzu.

Die Gryffindors eilten aus der Großen Halle und durchquerten die Eingangshalle, um in die wegen des Taus noch nasse Morgenluft auszugehen. Sirius, der wie bei jedem Training seinen Freund begleitete, folgte mit einem Lächeln auf dem Gesicht, während Remus mit dem Lernen anfing und Peter am Frühstückstisch sitzen blieb. James stand am Ende der Schlange mit den beiden Neulingen und gab ihnen einige letzten Anweisungen:

„Macht euch keine Sorge", sagte er. „Das ist kein echtes Spiel, das ist nur eine Trainingsstunde und ihr müsst nicht..."

Ein überraschter Ausruf unterbrach seinen Satz und lenkte seine Aufmerksamkeit ab. Elisabeth Carol, eine Sechstklässlerin, die als erste ging, blickte zum Himmel. Das ganze Team und Sirius folgten ihrem Blick und erhoben das Gesicht – dabei drückten ihre Gesichter verschiedene Stufen des Staunens aus.

Hoch über ihnen war Harry Davies, Auror und Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste, in eine Reihe Rollen, Herabstürze und schneller Hinaufsteigen vertieft, um den beiden Klatschern auszuweichen, die ihm dicht folgten.

James sah mit zunehmender Bewunderung zu, wie er die akrobatischen Figuren auf seinem Nimbus 1500, dem letzten vermarkteten Besen, nacheinander machte. Er hätte nie gedacht, dass ihr Lehrer Quidditch spielte, noch weniger, dass er so gut dabei war.

Er schaute einen Augenblick lang weg, um zu Sirius zu blicken, dessen halb geöffneten Mund sein Erstaunen und seine Bewunderung perfekt zusammenfasste. Ein kurzer Schrei von Jennyfer brachte seine Aufmerksamkeit zur rechten Zeit zu Davies zurück, um ihn mit vor Konzentration gerunzelter Stirn auf sie herabstürzen zu sehen.

Er machte den Mund auf, um einen Warnungsruf auszustoßen, als er sah, wie sich ein Klatscher gerade auf seinen Weg stürzte, aber der Auror flog mit einem zunehmenden Winkel herab und wich dabei die dunkle Sphäre aus, ohne den Eindruck Mal zu geben, es absichtlich getan zu haben – so dass sein Besen nun völlig senkrecht herabflog.

Der zweite Klatscher, der gerade unter ihm flog, stieg schnell hinauf, damit sie aufeinander stürzten. Noch ein Mal zeigte Davies nicht Mal, dass er ihn bemerkt hatte, und flog mit der gleichen unglaublichen Geschwindigkeit weiter. Doch einen Augenblick, bevor das Kollidieren geschah, verpasste er seinem Besen eine plötzliche Bewegung, so dass er sich drehend herabstürzte, ohne die Geschwindigkeit oder die Richtung zu ändern und der Klatscher flog genau an der Stelle, wo sein Kopf eine Sekunde vorher war. Eine Stelle, die nun zwischen seinen beiden Beinen stand.

'Wie schafft er es denn bloß, auf seinen Besen sitzen zu bleiben?', dachte James verblüfft.

Davies hörte die Drehung auf und saß wieder so auf seinem Nimbus 1500 wie vorher, indem er die beiden Klatscher weit hinter ihm ließ. Während all dieser Manöver hatte er nicht vom Boden weggeblickt. James, der unbeweglich stehen blieb, sah ihn immer tiefer in seiner Richtung herabstürzen, ohne je stoppen wollen zu scheinen...

Alle Jugendlichen sahen ihn mit erschrockener Stille atemlos an. Schließlich richtete sich der Auror knapp drei Meter über dem Boden auf seinen Besen mit einer schnellen und präzisen Bewegung wieder auf, die ihn zwang, sich sofort von 90° zu drehen. Er flog direkt über ihren Köpfen und der Luftschwung zerzauste James' Haare, ehe er gerade über Sirius plötzlich stoppte.

Die Mitglieder des Teams starrten ihn einen Moment lang wortlos an, bevor sie den goldenen Glanz endlich bemerkten, der aus der Hand ihres Lehrers kam: Der goldene Schnatz, der während der ganzen Leistung unbeweglich über Tatze geblieben war. Keiner unter ihnen hatte ihn bemerkt. Langsam ließ Davies seinen Besen bis zum Boden herabsteigen und drehte sich atemlos um sie.

„Tut mir Leid, wenn ich Sie erschreckt habe", sagte er mit einem breiten Lächeln.

James wurde sich undeutlich bewusst, dass alle Mädchen ihre Hände an ihren Mund gestellt hatten, um ihre entsetzten Schreie nicht auszustoßen und dass sie sie jetzt vorsichtig herunter senkten, als würden sie erwarten, ihn plötzlich wieder abfliegen zu sehen. Doch schenkte James keine Aufmerksamkeit daran, da er mit einem noch breiter geöffneten Mund als Tatzes den jungen Auror starr ansah.

„W... Wie haben Sie das getan?", fragte er stotternd.

„Wie?", fragte ihr Lehrer, ohne verstehen zu scheinen. „Was denn getan?"

James glaubte es seinen Ohren nicht.

„Aber... alles!", rief er aus. „Sie sind... Ich habe nie jemanden wie Sie fliegen sehen! Das war... völlig... Mensch, ich kann kein Wort finden, das stark genug wäre, um das zu deuten!"

Davies starrte ihn mit einem zufriedenen Funken in den Augen an:

„Wirklich? Danke!"

„Das kann nicht sein, dass Sie ein Auror sind!", fuhr James mit weit aufgesperrten Augen weiter fort. „Sie sollten zumindest auf nationalem Niveau spielen!"

„Nun", gestand er, indem er aus seinem Besen stieg, „ich habe daran gedacht, aber Quidditch ist vor allem ein Sport, oder? Ein Zeitvertreib. Ich denke nicht, dass ich gerne davon meinen Beruf machen würde, das wäre viel weniger lustig."

Er schüttelte den Kopf, um seine Worte zu betonen und sein langes Haar flog ab, während der Wind aufkam. James' Augen stellten sich auf den goldenen Schnatz, den er immer noch in seiner geballten Faust hielt.

„Sind Sie Sucher?"

„Ja."

„Möchten Sie Logan einige Tricks zeigen?", fragte er hoffnungsvoll.

Logan Finnigan, der überhaupt nicht gekränkt aussah, schien der Vorschlag zu begeistern und er starrte Davies mit dem gleichen Ausdruck wie James an. Leider schüttelte Davies den Kopf.

„Es tut mir Leid", sagte er mit einem traurigen Lächeln. „Ich würde etwas parteiisch erscheinen, wenn ich das tun würde und nicht wirklich das erwartet man von den Lehrern..."

Die Gryffindors sahen so enttäuscht aus, dass er nach kurzer Überlegung hinzufügte:

„Ich denke aber, dass ich ihm trotzdem einige Ratschläge geben könnte..."

James erhob den Kopf wieder und lächelte ihm glänzend zu.

„Stimmt das, Sie würden das tun? Vielen Dank!"

Eine Bewegung um die Türe des Schlosses lenkte plötzlich seine Aufmerksamkeit ab.

„Ach!", rief er plötzlich aus. „Die Slytherins! Geht schnell zu den Umkleideräumen, sonst sind sie vor uns dran!", schrie er zu seinem Team. „Bis gleich, Professor!", fügte er über seiner Schulter hinzu.

Harry grüßte ihn mit der Hand und sah sie sich zu den Umkleideräumen beeilen, dann drehte er sich zu Sirius um, der neben ihm geblieben war.

„Ist das Team dieses Jahr gut?"

Sirius schien geehrt, dass er ihn um seine Meinung bat und sagte:

„Die beiden neuen Spieler scheinen nicht schlecht, aber ich denke nicht, dass sie so gut sein werden wie unsere ehemaligen Spieler, zumindest nicht am Anfang. Finnigan ist ziemlich gut und, wenn Sie ihm helfen, wird es noch besser werden! Was James betrifft, ist er der beste Quidditchspieler von ganz Hogwarts, das sagt jeder! Tja", fügte er nach einer kurzer Zeit hinzu, „eigentlich war er der beste Quidditchspieler, bis Sie angekommen sind."

Harry lachte kurz auf.

„Es gibt wenige Risiken, dass ich ihn überschatte, ich bin mit der Schule schon fertig..."

Sirius schenkte ihm eines seiner charmanten und strahlenden Lächeln.

„Black", unterbrach sie plötzlich eine Stimme hinter ihnen. „Was treibst du da?"

Sirius verzog das Gesicht und drehte sich um, während sich Harry in die Schatten der Tribüne zurückzog, um die Szene zu beobachten. Jack Pritchard, der Kapitän vom Team von Slytherin, näherte sich mit verabscheutem Gesicht von Sirius.

„Das frage auch ich dich", sagte Tatze mit einem verachtenden Blick ruhig.

Pritchard lächelte triumphierend und zog ein Pergamentstück aus seiner Tasche.

„Wir haben Professor Kraftbrühs Erlaubnis, heute Morgen auf dem Feld zu trainieren. Ihr könnt euch also..."

„Auch wir!"

Pritchard drehte sich zu James um, der mit eiligen Schritten zu ihm ging. Er hielt seinen Besen in der Hand und das ganze Team stand hinter ihm.

„Was erzählst du da, Potter?"

„Ich sage", antwortete James mit einem herablassenden Lächeln, „dass ich deine erbärmliche List vorgesehen habe und dass ich daher auch um eine Erlaubnis gebeten habe!"

Er zog eine andere Pergamentrolle aus seiner eigenen Tasche und ließ sie schweben.

„Hier ist sie, von McGonagall unterschrieben!"

Hierauf winkte er seinem Team zu, dass alle die Besen bestiegen. Ehe sie abflogen, stichelte er noch ein letztes Mal den gegnerischen Kapitän:

„Erste auf dem Feld, erste beim Training, Pritchard! Ihr werdet warten müssen, bis ihr dran seid!"

Sirius brach wegen Pritchards wütenden Blick in lautes Gelächter aus und Harry selbst musste sich ein Lächeln verkneifen. Doch Tatze stoppte plötzlich, als eine zweite Stimme hinter dem Kapitän das Wort ergriff:

„Na, so wie ich es sehe, schleppst du immer noch hinter Potter her, als wärst du sein Hündchen, was?"

Sirius' Augen erfüllten sich mit Zorn, als er seinen Bruder Regulus, der den Umhang des Teams von Slytherin angezogen hatte, aus der Reihe gehen sah:

„Mein lieber Bruder", bemerkte er mit einem spöttischen Ton. „So wie ich es sehe, hat dir unsere liebe Mum im Team der Spaltzungen die Stelle gefunden, von der du träumtest?"

„Maul zu, du Verräter!", rief Regulus wütend aus. „Im Gegensatz zu dir, der die Gebeine holt, die die tapferen Gryffindors fallen lassen, habe ich diese Stelle selber verdient... Wie geht es zur Zeit den Potters? Und umschwärmt dein Kumpel immer noch die Schlammblütin, Evans?"

Da er sah, dass sich Sirius anschickte, mit geballten Fäusten und hasserfüllten Augen auf seinen Bruder zu stürzen, traf Harry die Entscheidung einzugreifen, bevor es weiter ging und er selbst dazu gezwungen wurde:

„Zehn Punkte Abzug von Slytherin wegen schlimmer Beleidigung einer Mitschülerin gegenüber", sagte er ruhig, was die Slytherins, die sich seiner Anwesenheit nicht bewusst worden waren und Sirius, der ihn vergessen hatte, hochschrecken ließ. „Jetzt sollten Sie besser ins Schloss zurückgehen und das Team von Gryffindor in Ruhe trainieren lassen. Was Sie betrifft, Mr Black, Sie möchten das Training ja nicht verpassen, nicht wahr?"

Sirius starrte ihn verdutzt an, während ihm Regulus einen mörderischen Blick zuwarf. Er hatte mehrere Tage gebraucht, bis er den Auror wieder erkannt hatte, der ihn und seine Mutter auf eine falsche Spur geführt und sie gezwungen hatte, eine gute Stunde in der verwahrlosten Nockturngasse zu verbringen, bevor Mrs Black schließlich aufgab und den jungen Mann und seine Familie dabei bis zur dreiundzwanzigsten Generation verfluchte. Seitdem er ihn aber wieder erkannt hatte, runzelte er ständig mit einem drohenden Ausdruck die Stirn und ließ die Zähne knirschen jedes Mal, wenn er ihm begegnete, was Harry hochnäsig ignorierte.

Noch ein Mal tat er, als würde er sich gar nicht mehr für ihn interessieren, ergriff Sirius' Schulter und führte ihn zu den Zuschauerrängen, bevor einer von ihnen irgendwas sagen konnte. Nach einem zögernden Augenblick holte Pritchard den neuen Jäger und das Team von Slytherin trat wutentbrannt zurück.

oOoOoOoOo

Einige Tage später befreite Harry die Fünftklässler von Hufflepuff und ging selber aus seinem Klassenzimmer heraus. Die Nachricht von seiner Gabe im Quidditch hatte sich in der Schule ganz schnell verbreitet und hatte die Schätzung erhöht, die seine Schüler und insgesamt alle Jugendlichen für ihn verspürten.

Viele unter den Jüngeren waren nun auf die älteren neidisch, vor allem Thomsons Schüler, denn der Auror ärgerte sich ziemlich schnell und trieb seine Schüler immer zu ihrem Besten. Er vernachlässigte gewöhnlich jene, die die größten Probleme hatten und interessierte sich ausschließlich für die Gewandtesten, was die Fähigkeitsunterschiede innerhalb eines Jahrgangs vervielfachte. Kurz und gut war er längst nicht der ideale Lehrer und die Dritt- und Viertklässler hätten trotz der Berühmtheit des Aurors alles gegeben, um mit ihm keinen Unterricht zu haben.

O'Brien war zwar sanfter, aber sie hatte dennoch Schwierigkeiten zu verstehen, dass ihre Schüler keine auszubildenden Auroren waren, sondern dass sie in der magischen Welt Anfänger waren. Die Erst- und Zweitklässler waren oft von der Schwierigkeit dessen entmutigt, was sie von ihnen erwartete.

Nach der Meinung aller war Harry Davies der beste Lehrer in Verteidigung gegen die dunklen Künste in diesem Jahr und wahrscheinlich auch der allerbeste, der sie je unterrichtet hatte, auch für die Siebtklässler. Dumbledore hatte nun statt Vertrauen – dafür war es zu früh – Respekt ihm gegenüber und seine Meinung war unter seinen neuen Kollegen zugehört und respektiert. Harry fühlte sich also mit sich selbst zufrieden und wenn dieser Schatten im Bild namens Voldemort nicht existiert hätte, dann hätte er sich sogar glücklich fühlen können.

Auch wenn sein Projekt, die Zukunft zu ändern, zur Zeit nicht sehr fortgeschritten war, hatte er schon das Vertrauen der Rumtreiber gewonnen, die James' Bewunderung nach seiner Quidditchleistung am vorigen Samstag völlig überzeugt zu haben schien und auch das von Severus, das gleichzeitig gekommen war wie sein Respekt: Bei ihrem Morgengespräch am ersten Schultag. Dieses Vertrauen würde ihm also erlauben, noch mehr in ihr Leben einzugreifen.

Die erste Gelegenheit dafür würde übrigens viel schneller kommen, als er es geglaubt hätte.

Harry ging also den Gang zu seinem Büro entlang, um die Hausaufgaben dorthin zu legen, die ihm seine Schüler eben abgegeben hatten und danach zum Abendessen herunter zu gehen, als er die Rumtreiber vor ihm stehen sah. Sie hatten ihn nicht bemerkt.

Erstaunt bemerkte er, dass sie an einer Türschwelle standen und dass Sirius, James und Peter von etwas amüsiert zu sein schienen, während Remus den Blick abwendete. Diese Szene erinnerte ihn undeutlich an etwas, bevor er sich aber präziser erinnern konnte, erschien eine Silhouette bei der Kreuzung am anderen Ende des Ganges. Severus Snape.

Im Augenblick, als der Slytherin hinter der Ecke verschwand, stürzten sich James und Sirius ihm nach, von Peter dicht und von Remus mit weniger Enthusiasmus gefolgt. Harry wusste sofort, was geschehen würde, stürzte sich nach vorne und lief, was seinen Umhang schweben ließ, an seinem Büro vorbei. Das Geräusch von etwas Schwerem, was am Boden fällt, erfuhr ihm, dass er zu spät ankam.

„Na, Heulsuse?", erklang James spöttische Stimme. „Du gehst ohne deine Kumpels spazieren? Nicht ganz vorsichtig, was?"

Harry spürte, wie sein Zorn ausbrach und in ihm steigerte, während er eine aus seinem Gedächtnis kommende schleppende Stimme ihn mit dem gleichen Ton ansprechen hörte. Wenn es ja etwas gab, was er viele Schwierigkeiten gehabt hatte, bei seinem Vater und seinem Patenonkel anzunehmen, dann war das, dass sie sich so hatten benehmen mögen wie es Malfoy eines Tages tun würde...

„Verpiss dich, Potter...", kam die gedämpfte Antwort.

„Na denn, na denn, Snape, sei nicht so grob", tadelte Sirius spöttisch.

Harry erreichte das Ende des Ganges am genauen Augenblick, als Sirius seinen Zauberstab erhob, um dem am Boden liegenden Slytherin, dessen eigene Waffe mehrere Meter von dort entfernt lag, einen weiteren Fluch aufzuhalsen.

Mit einer flüssigen Bewegung und bevor es irgendeiner unter ihnen merkte, riss er das Holzstück aus Sirius' Hand. Die Rumtreiber drehten sich gleichzeitig überrascht zu ihm um und sogar Severus, der zuerst ihre Ablenkung offensichtlich hatte ausnutzen wollen, um seinen Zauberstab wieder zu ergreifen, erstarrte vor den Auror.

Harry wusste, dass er mit seinen vor Zorn funkenden Augen und seinem Umhang, der wegen des Rennens gegen seine Waden schlug, beeindruckend aussehen sollte, aber er kümmerte sich gar nicht darum sie zu beruhigen. Eigentlich war er wutentbrannt.

„Einen Menschen im Rücken oder einen entwaffneten Menschen angreifen, gehört bei mir zur gleichen Kategorie", murrte er mit einer gedämpften Stimme, die er sich darum bemühte zu kontrollieren. „Zu den Taten eines Feiglings. Um ganz ehrlich zu sein, finde ich das völlig ekelhaft!", sagte er lauter mit schneidender Stimme.

„Aber, Sir...", versuchte James mit zitternder Stimme zu protestieren.

„Still! Mr Snape", sagte er, indem er sich mit düsterer Miene um den Slytherin drehte, „gehen Sie von hier weg. Und Sie, folgen Sie mir!", befahl er den Rumtreibern mit einem Ton, gegen den sich nichts einwenden ließ.

Die vier Jugendlichen wagten es nicht Mal, einen einzigen Blick zu wechseln und folgten ihm schweigend. Er führte sie zu seinem Büro und ließ sie eintreten, dann schloss er die Tür hinter ihnen. Sein Aufgabenstapel landete mit einem gedämpften Lärm auf seinen Arbeitstisch, was sie aufspringen ließ. Harry drehte sich wieder zu ihnen um, immer noch zornig.

„Ich hatte gehofft, dass Sie meine Lehre mit mehr Verstand nutzen würden!", rief er aus. „Ich glaube nicht, dass ich Ihnen gesagt hätte, den Expelliarmus auf jeden Schüler zu üben, der an Ihnen vorbei geht, oder? Dieser Zauber soll Ihnen helfen, sich gegen Ihre Feinde zu verteidigen, nicht eine Person verletzbar zu machen, die Sie plötzlich demütigen wollen und deren Hilfe Ihnen zu unserer Zeit auf dem Schlachtfeld später hilfreich sein könnte...!"

„Aber Sir", unterbrach James, dessen Empörung nun stärker war als die Furcht, „er ist ein Slytherin!"

Harry gab ihm kaum die Zeit, seinen Satz zu beenden und verpasste ihm eine gewaltige Ohrfeige, ohne Vorzeichen gegeben zu haben. James schwankte und die vier Jugendlichen starrten ihn überrascht an. Seit sie in Hogwarts waren, hatte kein Lehrer je einen Schüler geschlagen.

„Ist das das Problem, Mr Potter?", fragte Harry mit gedämpfter Stimme, ohne auf ihre Reaktion zu achten. „Die Tatsache, dass er ein Slytherin ist? Die Tatsache, dass seine Haupteigenschaft List ist und nicht Mut? Haben Sie je daran gedacht, dass alle Schüler von Slytherin nicht unbedingt ausbildende Todesser sind? Sie enttäuschen mich sehr, Mr Potter!"

Nun schrie Harry laut und die Rumtreiber krümmten sich vor seinem Zorn zusammen.

„Und auch wenn sie Anhänger von Voldemort..."

Die Schüler zitterten wegen des Namens und sahen ihn ungläubig an.

„...wären, glauben Sie, dass Sie sich darum kümmern sollten? Glauben Sie, dass Sie auf die gute Art und Weise handeln, um sie zu überzeugen, dass sie sich irren? Geben Sie ihnen nicht noch mehr Gründe, sich zu ihm zu wenden, indem Sie sie glauben lassen, dass Sie sie nie an Ihrer Seite annehmen werden, um gegen ihn zu kämpfen?"

„Aber", versuchte Sirius, indem er seinen ganzen Mut sammelte, „es gibt welche, die ihre Meinung nie ändern werden und stets Schweinehunde bleiben werden! Es gibt welche, die zu blöd sind, dass sie denken könnten, dass es etwas Anderes gibt als Du-Weißt-Schon-Wen!"

Harry drehte sich mit einem strengen Blick um ihn und eine schwere Stille herrschte einen Augenblick lang über dem kleinen Raum.

„Denken Sie wirklich, dass es Blödheit sein könnte, Mr Black", sagte er schließlich, „und glauben Sie nicht, dass es eher sein könnte, dass man ihnen nie was Anderes hat erblicken lassen? Übrigens muss ich Ihnen sagen, dass Sie ein ernsthaftes Problem haben, wenn Sie Mr Snape zu jenen zählen."

Er drehte sich plötzlich um, was seinen Umhang schweben ließ, um sich auf den Stuhl zu setzen, der hinter dem Tisch stand, und starrte sie ernsthaft an.

„Wie auch immer", fuhr er mit der gleichen eisigen Stimme fort, die sie ihn nur mit Rita Kimmkorn je hatten benutzen hören, „scheint mir deutlich, dass die Gründe, die Sie dazu getrieben haben, auf eine so erbärmliche Weise zu handeln, längst nicht edel waren... Sie sollten stolz auf sich sein, Mr Black, es scheint mir nun, dass Sie viel mehr von Ihrer Mutter haben als ich es dachte."

Sirius erblasste vor gehaltenem Zorn und seine Freunde richteten sich wegen der fürchterlichen Beleidigung auf.

„Professor...", versuchte Remus für seine Freunde zu sprechen.

Doch Harry hatte so viel über ihn zu sagen wie über die beiden anderen.

„Mr Lupin, Sie sollten nicht glauben, dass Sie eingreifen können, ich bin nicht stolzer auf Ihr Verhalten als auf das Ihrer Mitschüler. Freundschaft entschuldigt nicht alles, auch wenn sie von einer langen Einsamkeit vorangegangen wurde und ich hätte von Ihnen mehr erwartet, als Ihre Missbilligung stumm zu zeigen und so zu tun, als wären Sie taub und blind! Wenn Sie sie wirklich für Ihre Freunde halten würden und wenn Sie nur zwei Minuten darüber nachdenken würden, so würden Sie sich dessen bewusst werden, dass sie Sie nicht einfach im Stich lassen werden, weil Sie Ihre Meinung mitteilen, während sie weiter mit Ihnen verkehrt haben, als sie gewusst haben, dass Sie ein Werwolf sind!"

Diesmal war es Remus, der leichenblass wurde und den Blick senkte.

„Nun zu Ihnen, Mr Pettigrew", fuhr Harry fort, indem er sich zum vierten Rumtreiber umdrehte, der sich sogleich zusammenkrümmte, „Sie sollten nicht glauben, dass ich Sie vergesse. Sie mögen Ihre Freunde so sehr bewundern wie Sie es wollen, doch ist es kein Grund dafür zu denken, dass jede Sache, die sie tun, völlig perfekt ist und nur Bewilligung verdient! Wann werden Sie endlich von selbst denken, anstatt die anderen es an Ihrer Stelle tun zu lassen? Sie sind ein Mensch, so glaube ich und nicht nur ein bloßes Spiegelbild von dem, was Ihre Mitschüler denken!"

Peters Augen waren tränenvoll, er rang sich die Hände und wusste nicht mehr was zu tun. Harry drehte sich schließlich zum letzten um, den er noch nicht hart genug geschlagen hatte, dass er ihn den Kopf hätte senken lassen können. Das war ihm unglaublich peinlich das zu tun und ihm wäre lieber gewesen, wenn sie ihn nicht dazu gezwungen hätten und sich von selbst all dessen bewusst worden wären, aber er musste handeln. Er verbiss seine Traurigkeit, sah James starr in die Augen und sah ihn erstarren, da er auf den Angriff wartete.

„Was Sie betrifft, Mr Potter, Sie, den Ihre Freunde so sehr schätzen, dass sie Sie als ihren Anführer betrachten, haben Sie nichts anderes von dieser Schätzung zu tun, als sie auszunutzen, um Ihre eigenen Leidenschaften zu erfüllen und die Aufmerksamkeit der Schule durch alle möglichen Mittel zu sich zu ziehen? Sie wollen ein Vorbild sein, nicht wahr? Aber wovon ein Vorbild? Von Verantwortungslosigkeit und Selbstgefälligkeit? Es sei denn, Sie nennen das 'Nachlässigkeit', natürlich... Reifen Sie ein wenig! Wäre es, Sie um zu viel zu bitten, wenn Sie bald volljährig werden?"

Harry fuhr seinen kalten Blick über die vier schockierten Jugendlichen und befahl ihnen, da er spürte, dass er bald zusammenbrechen würde:

„Gehen Sie nun weg. Sie haben Glück, sehen Sie, Sie werden nicht nachsitzen müssen. Ich hoffe, dass es Ihnen als Lehre genug sein wird. Nun raus!"

Die Rumtreiber ließen sich es nicht zweimal sagen und sie gingen schnell heraus, ohne es zu wagen, seinen Blick zu treffen. Die Tür war kaum zu, als Harry auf seinen Stuhl zusammenbrach, sein vor Pein verkrampftes Gesicht in seine Hände nahm und dann ganz leise aussprach, was er ihnen hätte sagen wollen, aber nicht sagen durfte:

„Verzeiht mir..."

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Die wenigen Gryffindors, die mit dem Abendessen fertig waren und in ihrem Gemeinschaftsraum sitzen blieben, sahen, wie sich das Gemälde der Fetten Dame ganz plötzlich öffnete und wie die berühmten Rumtreiber, die für ihren Humor, ihre Streiche und ihre Dreistigkeit bekannt waren, scheu und mit elender Miene eintraten. Bevor irgendjemand etwas hätte sagen können, hatten sie sich alle vier zur Treppe gestürzt, die zum Jungenschlafsaal führte.

James knallte die Tür zu und warf sich wie die anderen auf sein Bett. Eine lange Stille herrschte, die Sirius mit einer gedämpften Stimme brach:

„Mich nie im Leben so sehr geschämt", ächzte er, der sein Gesicht in den Armen versteckt hatte und auf seinem Bett völlig gestreckt lag.

„Ich erinnere mich nicht, dass ich mich je so erbärmlich gefühlt habe", fügte Remus, der auf seinem eigenen gekrümmt lag, mit gleichem Ton hinzu.

„Stimmt das...", fragte Tatze mit schüchterner Stimme. „Stimmt das, was er gesagt hat? Dass du nichts sagtest, weil du fürchtetest, dass wir dich fallen lassen würden?"

Remus blieb lange still und sie glaubten, dass er nicht antworten würde, aber schließlich sprach er ein kaum vernehmbares „Ja" aus.

„Und... und du, Wurmschwanz?", fügte Sirius in der schweren Stille hinzu. „Dachtest du wirklich, dass wir Snape angriffen, weil das das Beste zu tun war?"

Peter ließ ein herzzerreißender Schluchzer vernehmen und die anderen erhoben den Kopf und sahen, wie er mit den Händen auf dem Gesicht entzwei gebeugt saß, wobei seine Schulter von langen Zittern gebebt wurden.

„Ich glaube...", antwortete er zwischen zwei Schluchzern mit einer wegen der Tränen rauen Stimme. „Ich glaube, dass ja... Ich habe nicht Mal gedacht... dass sich Snape aus einem anderen Grund in diesem Gang befinden könnte... dass er nur da war, damit ihr ihn verspotten könnt. Wie kann ich manchmal so blöd sein?", rief er mit einem plötzlichen Zorn gegen sich selbst aus.

Wortlos stand Sirius auf, trat zu Wurmschwanz und setzte sich auf sein Bett, bald von Remus gefolgt.

„Ich glaube, dass wir alle blöd gewesen sind, Peter. Und nicht nur heute. Wenn ich mich jetzt an bestimmte Dinge erinnere, die wir getan haben, so wünsche ich mir ein Loch, in dem ich mich während mein ganzes Leben lang verstecken könnte."

Moony nickte und rieb Peters gebeugten Rücken mit einer beruhigenden Bewegung.

„Entschuldigung..."

„James?", fragte Sirius mit einem besorgten Ton seinen Freund, der endlich den Mund aufmachte.

James saß auf seinem Bett mit den Ellbogen auf den Knien und dem Kopf so geneigt, dass man nichts sah als sein stets zerzaustes schwarzes Haar.

„Entschuldigung, ich bin daran Schuld... Ich habe euch darin verwickelt... Es tut mir so Leid..."

Erst an jenem Augenblick bemerkte Sirius das leichte Zusammenzucken der Schultern seines Freundes. Er stand sofort auf, stürzte sich zu ihm und umarmte ihn.

„James! Red doch keinen Stuss! Du hast uns in nichts verwickelt, wir sind es, die dir gefolgt sind. Übrigens glaube nicht, dass du mehr Blödheiten vorgeschlagen hast als ich!"

Remus und Peter gingen zu ihnen und umgaben ihren Freund. Sie waren nun alle bewusst, viele Fehler begangen zu haben und oft als Rumtreiber. Wenn sie deren Verantwortung übernehmen sollten, so würden sie es zusammen tun, eben als Rumtreiber.

Die Stille herrschte noch lange und James beruhigte sich allmählich, so dass er schließlich sogar den Kopf wieder heben konnte, um seinen Freunden dankend schwach zuzulächeln.

„Sagt Mal, Kumpels?", fragte Sirius mit einer nachdenklichen Stimme.

Sie drehten sich fragend zu ihm um.

„Wie konnte er uns das so einfach begreifen lassen? Ich meine... genau das versuchte Evans, uns schon längst zu sagen, oder?"

Die anderen sahen erstaunt aus, dann antwortete Remus langsam:

„Ich denke, dass es ist, weil er genau den wunden Punkt getroffen hat."

Da er die verwirrten Blicke der anderen sah, erklärte er:

„Seht ihr, mir hat er von meiner Lykanthropie gesprochen, Sirius von seiner Mutter, Peter von der Tatsache, dass er zu sehr dazu neigt, uns zu folgen und James von der Tatsache, dass er sich der Verantwortung nicht bewusst war, die wir ihm durch unsere Freundschaft unbewusst gegeben haben. All das sind ganz persönliche und ganz peinliche Dinge, oder? Doch es sind nicht Dinge, die Evans kennt oder als für uns so wichtig betrachtet. Also denke ich, dass er einfach den wunden Punkt stark getroffen hat, die Dinge, die wir wussten und die wir uns irgendwo tief in uns vorwerfen sollten, ohne zu wagen, es zu gestehen und dass er sie mit seinen eigenen Worten ins Licht gebracht hat. Eigentlich hat er uns einfach dem gegenüber gestellt, wem wir starrsinnig den Rücken zuwendeten."

Seine Freunde starrten ihn einen Augenblick lang still an.

„Remus, du solltest Psychologe werden", behauptete Sirius mit einem halben Lächeln.

„Nein", erwiderte Moony. „Er sollte Psychologe werden! Seid ihr euch bewusst, dass er uns ja vollständig kennen soll, um all das gesagt zu haben? Ich dachte nicht Mal, dass er wusste, dass ich ein Werwolf bin!"

„Fassen wir zusammen", sagte James mit ruhiger Stimme. „Dieser Kerl ist ein sehr guter Auror, hervorragender Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste, hat eine Gabe für Quidditch und eine andere für Psychologie... Mensch, das ist ja der perfekte Mann! Wenn die Mädels das verstehen werden, so wirst du einen schweren Wettkampf erleiden müssen, Tatze!"

Sirius brach in ein frohes Gelächter aus, was auch die anderen lachen ließ. Immerhin ist Vergangenheit ja vergangen, oder? Sie hatten das ganze Leben vor sich, um sich zu verbessern und die Tatsache, dass sie sich ein bisschen verantwortlicher fühlten, hieß nicht, dass sie tödlich ernst werden mussten. Keiner wäre sowieso dazu fähig gewesen...

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Am nächsten Morgen war James auf dem Weg zur Großen Halle, wo die anderen beim Frühstück auf ihn warteten, als er sah, wie ein von zwei schwankenden Beinen getragenen Haufen von Büchern die Treppe mit Schwierigkeit herunterlief. Mit runden Augen erkannte er Lily Evans' leuchtendes Haar über dem abgenutzten Deckel des oberen Buchs wieder.

Seine erste Reaktion wäre gewesen sie zu erschrecken, um zu schauen, ob sie der Länge nach fallen würde, aber er schämte sich plötzlich, sobald er dieses Gedanke in seinem Geist ausgedrückt hatte: Scherze waren gut, wenn es aber gefährlich sein und einen verletzen konnte, dann war es besser sie zu verschieben.

Diese weisen Gedanken erschienen ihm in solch einem Geist wie seinem etwas unpassend, aber er ignorierte es lieber und richtete sich zur schönen Gryffindor, die den Fuß auf der Suche nach der nächsten Stufe herunter senkte. Eigentlich trug sie nicht so viele Bücher, sie waren nur so dick, dass sie nicht sehen konnte, wo sie hinging. Er ergriff daher einfach so die obere Hälfte des Haufens und fragte sich dabei, wie sie bis dahin das Doppelte hatte tragen können, wenn man bedachte, wie schwer die sehr großen Bücher waren.

Lily schreckte auf, als ihr Sichtfeld plötzlich klarer wurde und ihre Arme leichter wurden, dann erkannte sie den Rumtreiber wieder und sie sah ihn mit erstaunten Augen an. James verzog das Gesicht und legte den Bücherhaufen sicherer auf seinen Vorarmen.

„Bist du verrückt, all das zu tragen, Evans? Willst du der Länge nach fallen?"

Der erstaunte Ausdruck wurde ungläubig.

„Wie bitte? Seit wann kümmerst du dich um solche Details?", fragte sie mit einem nun verdachtsvollen Ton.

„Eh! Oh! Ruhe, Evans! Wenn ich dich belästigen wollte, dann glaube ich, dass es mir genügt hätte, dir ein Bein zu stellen, oder? Du warst so beladen, dass du es nur schwierig hättest vermeiden können. Na, was tue ich davon?", fragte er ungeduldig und hob die Bücher.

„Hm... Ich wollte sie in die Bibliothek zurückgeben..."

„Na klar, das hätte ich erraten müssen", seufzte der Rumtreiber, indem er ihr den Rücken zuwendete. „Wärst du daran gestorben, wenn du zwei Hin- und Rückreisen hättest machen müssen?"

Da er sah, dass sie dort stehen blieb, wo er sie gelassen hatte, schrie er:

„Na, kommst du, ja oder nein? Ich habe noch zu tun, ich habe noch nicht gefrühstückt!"

Von seiner Verhaltensänderung verdutzt folgte ihm Lily widerstandslos.

Oben auf der Treppe lächelte Harry fröhlich, dann machte er sich auf der Suche nach den drei anderen. Sein Vormittag war frei, also war es besser, ihn auszunutzen...

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Sirius ging den Gang zum Gemeinschaftsraum ungeduldig entlang. James hätte sie längst treffen sollen und wenn es so weiter ging, dann würde er nicht Mal Zeit haben, vor der ersten Unterrichtsstunde zu frühstücken...

Er hob plötzlich den Kopf wieder, als er hörte, wie jemand zu ihm schritt, dann stoppte er plötzlich, als er Severus Snape ihm entgegenkommen sah. Der Slytherin war so sehr in seine Gedanken vertieft, dass er ihn nicht bemerkt hatte und er war allein. Der ideale Moment, ihn herauszufordern.

Doch stoppte Sirius' Geist auf das Bild seines Bruders, wie er hinterlistig lächelte und ihn und seine Freunde beleidigte. Er konnte ihm nicht ähneln... nicht wahr? Dann, entschloss er, war das beste Mittel, sich davon zu versichern, so zu handeln, dass es nicht geschah.

Da er nun entschlossen war, ging er mit großen Schritten weiter. Als sie nur noch einige Meter voneinander entfernt waren, erhob Severus plötzlich den Blick und sein Ausdruck wurde sogleich der eines Menschen, der auf der Hut ist. Seine Hand senkte in seine Tasche herunter. Sirius dachte einfach:

'Sind wir es, die wir ihn gezwungen haben, so zu werden?'

Er ging weiter und stoppte dann gerade neben dem Slytherin wieder, der mit herausgezogenem Zauberstab einen Schritt nach hinten ging, um sich von ihm zu entfernen. Sirius drehte schließlich den Kopf zu ihm um und starrte ihn an. Nach einer langen Stille sagte er langsam:

„Entschuldigung für gestern, Snape."

Dann ging er ohne einen Blick nach hinten weiter, während sein erstaunlicherweise leichter gewordener Geist schon wieder in die Suche nach seinem besten Freund vertieft war.

Harry, der in einem von einem Wandteppich versteckten Geheimgang stand, beobachtete mit der gleichen Freude wie vorher, wie Severus' Gesicht einen ungläubigen Ausdruck traf, der gleich war wie der von Lily, während er den Gryffindor ihm ohne Hintergedanken den Rücken zuwenden und um die Ecke verschwinden nachsah. Der Auror schaute auf die Karte des Rumtreibers, die er in seiner Faust festhielt und suchte nach dem dritten unter diesen Herren.

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Remus richtete sich zur Bibliothek, um ein Buch auszuleihen, bevor er zum Unterricht ging, als er Ausrufe aus einem nahe liegenden Geheimgang vernahm. Er näherte sich und bemerkte, dass die Stimmen zu zwei Sechstklässlern von Gryffindor gehörten, die er kannte und dass sie offenbar eine junge Erstklässlerin von Slytherin belästigten, die vor kaum drei Wochen angekommen war und nicht Mal wusste, was 'Hausrivalität' meinte.

Ein Ungerechtigkeitsgefühl bemächtigte sich seiner, aber er schickte sich trotzdem an weiter zu gehen. Diese beiden Gryffindors waren wirklich gute Freunde, er konnte sie ja nicht damit belästigen, oder?

Doch ließ ihn etwas zweifeln.

'Freundschaft entschuldigt nicht alles, auch wenn sie von einer langen Einsamkeit vorangegangen wurde...'

Remus schreckte auf. Er hätte fast glauben können, dass diese Stimme wirklich zwischen den Steinwänden erklangen wäre, aber er wusste, dass sie eigentlich aus seinem Gedächtnis kam. Nachdenklich senkte er die Augen und sein Blick traf den Lichtstrahl, den sein Abzeichen zu ihm schickte. V wie Vertrauensschüler... Nein, die Freundschaft hätte das nicht entschuldigt, nicht wahr?

Er drehte sich plötzlich um und ging durch die Täuschung einer Wand, die die Passage versteckte.

„Hey!", rief er mit lauter Stimme aus. „Könnt ihr sie nicht in Ruhe lassen? Sie hat euch nichts angetan!"

Die beiden Gryffindors drehten sich überrascht zu ihm um.

„Remus?", sagte einer von ihnen. „Wir tun nichts Böses, sie ist eine Slytherin..."

„Eine elfjährige muggelgeborene Slytherin, die noch kaum versteht, was Du-Weißt-Schon-Wer meint. Tolles Ziel für zwei tapfere sechzehnjährige Gryffindors, was?"

'Wenn Davies sie sowas hätte sagen hören, dann hätten sie eine schlechte Zeit verbracht', musste er denken, indem er sie mit gehobenen Augenbrauen Blicke wechseln sah.

Er profitierte von ihrer Unaufmerksamkeit, um der jungen Slytherin zuzuwinken, dass sie fliehen sollte. Die Kleine sah ihn einen Augenblick lang ungläubig an, blickte schnell zu den beiden anderen, dann floh sie in die andere Richtung. Einer der beiden Jungen wurde sich dessen bewusst und zog seinen Zauberstab heraus.

„Hey!", rief er mit gerunzelten Augenbrauen.

Doch war Remus schneller als er und war entschlossen, bis zum Ende zu handeln.

„Expelliarmus", sprach er nachlässig aus.

Der Gryffindor war nicht auf der Hut, so dass er entwaffnet und gegen eine Wand des Geheimgangs zurückgeschoben wurde.

„Davies wäre nicht erfreut, wenn er erfahren würde, wie einfach du dich entwaffnen lässt", sagte er mit ruhiger Stimme, während er mit dem Zauberstab des Jungen spielte.

Auch sein Freund zog seinen Zauberstab heraus.

„Bist du verrückt, Remus?"

„Nein, mein Freund", antwortete er schlicht. „Ich bin Vertrauensschüler. Und ihr habt Glück, dass ich kein Lehrer bin, denn ich hätte euch gerne Punkte abziehen können. Entschuldigt mich", schloss er, indem er sich umdrehte, „ich muss noch vor der ersten Unterrichtsstunde zur Bibliothek."

Er ließ sie hinter sich stehen und ließ den Zauberstab los, der nicht seiner war, so dass er mit einem gedämpften Lärm auf den Boden fiel.

Harry, der unter seinem Tarnumhang versteckt war, lehnte sich dicht an die Wand, um ihn vorbeigehen zu lassen und drehte sich dann mit einem herablassenden Blick zu den beiden anderen um. Diese beiden würde er überwachen sollen, entschloss er und er würde schauen müssen, ob er Remus Wunsch erfüllen und ihnen einige Punkte abziehen konnte. Doch war es zur Zeit ein froher Morgen. Nur blieb noch den schwierigsten von den vier...

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Peter fühlte sich unwohl. Sirius war weggegangen, um James zu holen, der sich verspätet hatte und Remus hatte zur Bibliothek gehen wollen. Beide hatten ihm gesagt, dass er nicht brauchte, sie zu begleiten und dass er ja allein auf sie vor der Tür des Zaubertränkeunterrichts warten konnte, doch hinderte es nicht, dass er sich in den Kerker überhaupt nicht wohl fühlte. Er fühlte sich doch noch mehr unwohl, als eine spöttische Stimme hinter ihm erklang.

„Na denn, Pettigrew, hast deine Herren verloren?"

Peter drehte sich langsam um und erblickte Regulus Black hinter sich.

„Was?"

„Was?", ahmte der Slytherin nach. „Was für interessante Gespräche, Pettigrew! Du taugst wirklich nichts, wenn deine Freunde nicht hinter dir stehen, um dir deinen Text zuzuflüstern!"

Peter antwortete nicht, sondern er schaute einfach auf seine Füße. Er wusste ganz sicher, dass er von den anderen Rumtreibern völlig abhängig war und Davies' Tadel am vorigen Tag hatte ihn peinlich dazu gezwungen, es sich zu gestehen.

Unter normalen Umständen hätte er den Rücken zugewendet und wäre seinen Weg weiter gegangen, oder eher gesagt wäre er geflohen. Aber er konnte nicht mehr vor der Wahrheit fliehen, nicht wahr? Sie hatte ihn seit dem vorigen Tag überholt... Er blieb.

„Na?", sprach Regulus weiter, der fast geärgert war, dass sein Zuhörer nicht niedergeschlagen floh. „Wie geht es Potter? Immer noch so arrogant? Und Lupin? Spielt er immer noch sein Streberwettbewerb mit der Schlammblütin? Und mein lieber Bruder? Ich vermute, dass er immer der gleiche ist, dass er wie immer bellt und mit dem Schwanz wedelt, damit ihn die beiden anderen in eurem Zimmer schlafen lassen..."

„Schweige", flüsterte Peter mit immer noch gesenktem Blick.

Er fing an, eine warme Gefühlswelle sich seiner bemächtigen zu spüren und zitterte plötzlich. Regulus hielt dieses Zeichen für Angst und fuhr noch spöttischer weiter:

„... und dass er bei jedem blöden Scherz von Potter immer weiter wie ein Verrückter lacht und dass er alle vorbeigehenden Mädchen immer weiter schielt, egal ob sie Rein- oder Schlammblütinnen sind... Der Scham unserer Familie", schloss er mit verzogenem Gesicht und schüttelte den Kopf. „Ich frage mich, wie die Blacks solch einen Abscheu haben erzeugen können..."

„Maul zu!"

Der Schrei erklang zwischen den Steinwänden und Regulus schien völlig verdutzt. Diesmal war er es, der stotterte:

„W-W-Was?"

„Maul zu, Maul zu, Maul zu!", schrie Peter, dessen Fäuste fest zusammengeballt waren und dessen Schultern nicht vor Angst sondern vor Wut zitterten, einer Wut, die er noch nie verspürt hatte. „Sirius ist hundert Mal mehr wert als du, tausend Mal mehr wert als du und deine ganze entartete Familie! Für mich ist die echte Frage, wie eure Mutter einen so genialen Kerl wie ihn und einen Abscheu wie dich hat erzeugen können!
Dich, der dich für höher hält als alle anderen, weil dein Zaubererstammbaum bis zum Mittelalter zurückgreift und ihn, der sich fragt, wie ihr blöd genug sein konntet zu denken, dass die Zauberer nur einander heiraten sollten und dass die Zaubererbevölkerung nicht deswegen entarten würden! Dich, der überzeugt ist, dass die Muggel schlimmer sind als Bieste, und ihn, der weiß, dass wir alle Menschen sind, die wir – zumindest für die meisten unter uns, denn das scheint nicht dein Fall zu sein – alle ein Gehirn besitzen! Dich, der schon sieht, wie du eine schwarze Kapuze anziehen wirst, um hunderte von Leuten zu töten und der darauf stolz ist, und ihn, der zu allem bereit ist, um neue Massaker zu verhindern!
Willst du, dass ich fortfahre? Die Liste ist noch lang! Sag mir, wer am ersten Blick scheint, der Irrtum der Natur zu sein, wer ein Volltrottel ist, wer sein Leben als Sklave beenden wird, weil er sicher ist, dass es ein ruhmvolles Schicksal ist? Nun, wer?"

Peter atmete wieder ein und keuchte wie ein Ochs, während seine Augen Zornblitze zuwarfen. Er erinnerte sich nicht, dass er je so laut geschrien hatte und er erinnerte sich auch nicht am letzten Mal, als er sich so leicht gefühlt hatte.

Wie oft hatte er das sagen wollen, wenn jemand vor ihm Sirius verleumdete und ihn 'den Verräter' nannte? Wie oft hatte er ihn bewundert, seinen Überzeugungen zu folgen, indem er sie laut sagte, während er selbst es nie wagte? Und jetzt hatte er es eben getan! Ihm erschien plötzlich, wie ungeheuerlich seine Tat war, doch ein Ausruf aus purer Freude erklang hinter ihm, ehe er auf Regulus' völlig verworrenen Ausdruck reagieren konnte:

„Das war einfach perfekt!"

Er drehte sich plötzlich um und fühlte sich wie ein Bengel erröten, den man mit der Hand im Süßigkeitenbecher erwischt hätte. Seine Freunde standen am anderen Ende des Ganges. James und Remus starrten ihn verdutzt und mit offenem Munde an und Sirius stand vor ihnen mit vor Enthusiasmus erhobener Faust und sein Blick glänzte vor Freude.

„Na, mein lieber Bruder", fragte er Regulus, „dir ist das Maul voll gestopft, was?"

„Du...", murrte Regulus, dessen Ausdruck ein bisschen zu langsam von der Ungläubigkeit zum gewöhnlichen Abscheu wurde.

„Doch ja, doch ja, auch ich bin sehr erfreut, dich zu kennen", unterbrach ihn Sirius sofort und fing an, ihn in den Rücken in die andere Richtung zu schieben. „Du wirst Mum von mir grüßen, einverstanden?"

Regulus ließ sich einen Augenblick lang wegschieben, dann drehte er sich um, warf ihnen einen letzten mörderischen Blick zu und trat zurück, wütend, dass er noch verspottet worden war. Sirius drehte sich sofort zu Peter mit einem riesigen Lächeln auf den Lippen um. Peter fühlte, wie sein Gesicht brannte und er senkte sofort den Kopf. Er schreckte auf, als Tatze einen Arm um seine Schulter fuhr.

„Ich muss ja gestehen, dass du mich verblüfft hast, Wurmschwanz! Ich dachte nicht, dass du mich so sehr schätzt! Du würdest es wirklich brauchen, öfters in Zorn zu geraten!"

Peter blickte zum sehr erfreuten Gesicht seines Freundes hoch, während James mit erschütterter Stimme sagte:

„Ich bin einverstanden!"

„Auch ich", sagte auch Remus mit dem gleichen Ton.

Peter sah sie nacheinander an, dann lächelte ihnen zurück, zuerst schüchtern, dann mit einem breiten Lächeln.

„Sagt Mal", fragte Remus dann, „ich glaube, dass wir alle angefangen haben, von dem, was uns Davies gesagt hat, Lehren zu ziehen, oder?"

Sirius und James sahen sich an und nickten.

„Jep", behauptete Sirius. „Ich glaube, es nutzt jetzt nichts mehr, sich über uns selbst und über unseren vergangenen Blödsinn den Kopf zu zerbrechen. Wir sollten eher in der Zukunft vermeiden, wieder so blöd zu handeln."

„Sie haben völlig Recht, Mr Black! Das nennt man erwachsen werden..."

Sie schreckten alle auf und drehten sich zu ihrem Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste um, der sich nachlässig an die Wand gelehnt hatte und lächelte.

„Sie... sind Sie schon längst da?", stotterte Sirius verblüfft.

„Eine völlig irrelevante Frage", wich Davies fröhlich aus, indem er sich wieder aufrichtete. „Ich wollte mich bei Ihnen entschuldigen, dass ich gestern so hart mit Ihnen gewesen bin, aber ich wollte wirklich, dass Sie die Lehre verstehen. Offenbar ist es geschafft."

„Heißt es...", fing Peter an, bevor er stoppte, als sich alle Blicke zu ihm umdrehten.

Mutig sprach er dennoch weiter:

„Heißt es, dass Sie nicht mehr auf uns sauer sind?"

„Doch bin ich immer noch auf Sie sauer. Natürlich", leugnete Davies ernsthaft. „Aber ich schätze, dass Sie Ihre Fehler verstanden haben und das macht mich stolz auf Sie."

Sie blieben einige Augenblicke lang still, bevor Remus vorsichtig anfing:

„Sie haben von erwachsen werden gesprochen..."

Davies lächelte sanft.

„Natürlich. Erwachsen werden heißt, seine vergangenen Fehler verstehen, sie annehmen und dann weiter leben und sich dabei darum bemühen, sie nicht wieder zu begehen. Und das heißt auch", fügte er ganz besonders für den jungen Werwolf hinzu, „seine Verantwortungen annehmen."

Remus senkte verwirrt den Blick und war sicher, dass er die Szene mit den beiden Gryffindors bezeugt hatte. Doch er sah nicht, wie es möglich sein konnte. Sie waren ja alleine in diesem Gang, oder? Davies fuhr fort:

„Die meisten Leute werden allmählich erwachsen und auch Ihnen wäre es geschehen, aber ich fürchtete davor, dass der Prozess zu lang wäre und dass Sie schlimme Fehler begehen würden, die Ihnen zur aktuellen Zeit das Leben hätten kosten können. Ich habe ihn lieber beschleunigt. Es tut mir wirklich Leid, dass ich dafür so hart sein musste."

Der Blick des jungen Aurors war so ehrlich, dass die Jugendlichen ihm sofort glaubten. Nach einem stillen Augenblick wurde sich Remus bewusst, dass etwas nicht ging. Er blickte zu seiner Uhr und sein Gesicht traf einen erschrockenen Ausdruck:

„Ach! Wir sind in Verspätung für den Zaubertrankunterricht!"

„Verdammt!", fluchte Sirius. „Den Verantwortungssinn werden wir später üben! Bis später, Professor!"

Harry winkte als Antwort zu ihnen und sah herzlich lachend, wie sie wie Verrückte zu ihrem Klassenzimmer liefen. Das war ein guter erster Schritt...