Hallo an alle! Hier bin ich wieder mit dem siebten Kapitel von der französischen FF von Dragonwing4 Changer le passé. Vielen Dank an meine Betaleserin Verliebtindich!
Disclaimer: Alle bekannten Charaktere und Orte gehören zu Mrs. Rowling und die Geschichte und die anderen Charaktere gehören zu Dragonwing4. Ich habe nur übersetzt.
Spoiler: Die ersten fünf Bände.
Eine zweite Chance
Die Vergangenheit verändern
Kapitel 7: Wo Voldemort aus Furcht, dass man ihn vergessen könnte, die Entscheidung trifft, sich zu zeigen:
Die Tür des Klassenzimmers wurde heftig aufgemacht, was die Siebtklässler von Ravenclaw und Hufflepuff hochschrecken ließ, denen Harry gerade die Gefahr der Gorgonen erklärte. Erstaunt sah Harry Samantha O'Brien in der Türschwelle erscheinen, eine atemlose Samantha O'Brien mit zerzaustem Haar.
„O'Brien?"
„Davies! Kommen Sie schnell, wir haben eine Mitteilung aus Hogsmeade bekommen, es gibt einen Angriff!", sagte die Aurorin eilig.
Harrys Gesicht wurde sofort ernst.
„Der Unterricht ist aus", sagte er mit ruhiger Stimme seinen besorgten Schülern. „Sie dürfen alle heraus, aber bitte vergessen Sie die Hausaufgaben nicht, um die ich Sie gebeten habe."
Die Siebtklässler standen sofort auf, sammelten ihre Sachen eilig ein und gingen zur Tür. O'Brien ließ sie mit Ungeduld durchgehen und blickte dabei zu Harry, der darauf wartete, bis sie alle hinausgegangen waren, bevor er das selber tat und hinter ihnen schloss.
„Ist es ein mächtiger Angriff?", fragte er, während sie sich in die Gänge zur Eingangshalle stürzten.
„Wir wissen nichts davon!", erwiderte O'Brien atemlos. „Wir haben die Mitteilung vor einigen Minuten bekommen. Sie sprach nur von einem Todesserangriff und bat um Verstärkung. Die Lehrer werden Hogwarts nicht verlassen, falls es ein Ablenkungsmanöver wäre, aber das Ministerium wurde benachrichtigt und sollte bald weitere Leute schicken."
Harry nickte stumm und sie erreichten bald die großen Doppeltüren, wo Thomson auf sie wartete. Der Auror war mehrere Tage vorher mit blassem Gesicht und magerer zurückgekehrt, aber mit einem entschlosseneren Blick denn je. Taktvoll hatte Harry die Entscheidung getroffen, mit ihm nicht von seinem Irrtum in der Nacht zu sprechen, als er den schwarzen Brief bekommen hatte.
„Wir laufen aus Hogwarts' Kreis, um disapparieren zu können!", rief er zu Harry, während er anfing, mit ihnen den Park zum Tor, das man weiter vorne sah, laufend zu durchqueren.
Noch einmal nickte Harry wortlos und sein Geist war völlig auf den Kampf gespannt, der auf sie wartete. Sie liefen an Hagrid vorbei, ohne sich zu verlangsamen. Der Wildhüter von Hogwarts blieb mitten in seinem Kürbisgarten stehen und sah sie mit runden Augen vorbeilaufen. Neben ihm bellte ein junger Hund, den Harry geistesabwesend als Fang erkannte, energisch mit seiner noch schwachen und schrillen Stimme.
Sie erreichten das Riesentor, das von den Säulen mit den geflügelten Ebern gestützt wurde, und ließen sie hinter sich. Ohne sich eine Pause zu gönnen, wechselten sie ein Zeichen und disapparierten sofort.
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„Bist du dir absolut sicher?", rief Lily aus.
„Das hat O'Brien vor uns gesagt", erwiderte Eloise. „Und Davies ist ihr sofort gefolgt..."
„Ein Angriff in Hogsmeade", murmelte July. „Warum gerade dort? Ich meine, es ist ein Dorf mit ausschließlich Zauberern, aber es stört sie ja auch nicht, die Muggel anzugreifen, nicht wahr? Und selbst wenn Hogsmeade bekannt ist, so wird es ja nicht so viel wirken wie ein Angriff in der Winkelgasse..."
„Was meinst du?", fragte Anna, indem sie die Augenbrauen runzelte. „Das wäre eine Ablenkungsmanöver?"
„Nein, ich denke nicht; nicht, ohne dass sie wüssten, was mit den neuesten Schutzvorrichtungen von Hogwarts los ist. Das wäre eher... eine Art Prüfung", sagte July zögernd.
„Eine Prüfung für die Auroren?", fragte Lily. „Aber O'Brien und Thomson sind wirklich sehr bekannt, sie wissen doch bestimmt, wozu sie fähig sind..."
„Davies aber nicht", erwiderte Anna düster.
„Davies? Der ist aber ein Anfänger, das hat er selber gesagt! Warum würden ihn die Todesser prüfen wollen?"
„Du vergisst, Lily, dass er Elfisch kann und schon zwei Male auf der ersten Seite des Tagespropheten war. Für einen Anfänger ist das viel", bemerkte Eloise.
„Vielleicht, aber ich stimme Lily zu", sagte July. „Die Tatsache, dass er mit den Elfen spricht, heißt nicht unbedingt, dass er im Kampf eine Bedrohung ist. Und beim Kampf scheinen sie, ihn prüfen zu wollen."
„Das stimmt", nickte Anna ernsthaft. „Ich denke, dass etwas in all dem über unseren Verstand geht... Etwas, worüber die Todesser, was sie betrifft, Bescheid wüssten."
„Worüber redet ihr?"
Die Unterbrechung ließ die Mädchen sich zum Eindringling umdrehen. Sirius sah sie fragend an. Offenbar waren die Rumtreiber nah an ihnen vorbeigegangen, um zum Innenhof weiter zu gehen, und hatten einige Wörter belauscht. Lily warf ihm einen vernichtenden Blick zu und wollte ihm gerade sagen, er solle sich lieber um seine eigenen Angelegenheiten kümmern, als Anna mit ihrer gewöhnlichen Ruhe antwortete:
„Über Davies."
Lily drehte sich zu ihr um und hob fragend die Augenbrauen. Warum wollte sie die Rumtreiber denn in ein Privatgespräch verwickeln? Doch antwortete ihr ihre Freundin mit ihrem Ich-erkläre-es-dir-später-sagenden Blick.
„Was ist los mit Davies?", fragte Sirius mit gerunzelten Augenbrauen.
Die anderen drei Rumtreiber, die das Gespräch zugezogen hatte, näherten sich, um die Antwort zu hören.
„Er ist mit Thomson und O'Brien ausgegangen, um im Angriff gegen Hogsmeade einzugreifen", fuhr Anna mit ihrer tonlosen Stimme fort.
Sirius' Kiefer fiel herunter und Lily war überrascht zu sehen, wie er, der seine Emotionen immer kontrollierte, um ständig den coolsten Kerl der Welt zu spielen, plötzlich einen Ausdruck trug, in dem sich Entsetzen und Ungläubigkeit mischten.
„Es gibt einen Angriff in Hogsmeade? Jetzt?"
„Das habe ich eben gesagt, ja."
„Warum sind aber die Auroren dahin gegangen?", griff Remus ein.
„Sie sind wahrscheinlich als Verstärkung herbeigerufen worden", suggerierte July. „Wie auch immer hat uns Davies gehen lassen, sobald ihm O'Brien Bescheid gesagt hat."
Sirius sah nun ungewöhnlich ernst aus. Das passte ja wirklich gar nicht zur Idee, die sie sich vom scherzenden Rumtreiber machte, dachte Lily. James stellte sich neben ihn und ergriff seinen Arm mit einem beruhigenden Lächeln auf den Lippen.
„Hey, Sirius, es sind nicht ein paar Todesser, die ihn fertig machen werden, was?"
„Jaaah, du hast Recht, James", antwortete sein Freund und lächelte etwas traurig zurück.
„Ihr scheint, ihn wohl zu mögen", bemerkte Anna mit einem unbedeutenden Ton.
„Natürlich!", rief Sirius aus. „Das ist ein sehr guter Lehrer und ein wirklich netter Kerl. Zumindest, wenn er nicht in Zorn gerät...", fügte er mit verzogenem Gesicht hinzu.
Auch die anderen drei verzogen das Gesicht mit ihm.
„Was meint ihr damit?", fragte Eloise neugierig.
„Gar nichts, überhaupt nichts, vergesst es", wich Remus aus, der offenbar wenig vor hatte, mehr darüber zu reden.
„Ich frage mich", drängte Lily mit zusammengekniffenen Augen, „ob wir ihm eure ganz neue Verantwortungswelle zu verdanken haben."
James blickte errötend weg; Sirius fing an, die Mädchen am anderen Ende des Hofs zu betrachten, als fände er sie plötzlich aufregend; Remus hüstelte, indem er sein Vertrauensschülerabzeichen vorne auf seinem Umhang wieder zurechtrückte; und Peter starrte hartnäckig seine Füße an. Als sie das sah, pfiff Lily vor Bewunderung.
„Meine Güte, der muss sehr autoritär gewesen sein..."
„Kümmere dich um deine eigenen Angelegenheiten, Evans", murrte Sirius.
Und er ging mit großen Schritten ins Schloss zurück, von den anderen drei sofort gefolgt. Lily prustete los.
„Glaubt ihr das? Er muss ihnen den schlimmsten Tadel ihres Lebens verpasst haben!"
July und Eloise lächelten mit ihr, aber Annas Gesicht blieb ernsthaft.
„Das dachte ich mir wohl, sie scheinen ihm ziemlich nahe zu sein."
„Na und?", fragte Lily, die ihre Schlussfolgerung nicht verstand. „Du denkst, dass sie mehr über ihn wissen als wir?"
„Ich weiß nicht", antwortete Anna schulterzuckend. „Wenn es aber zu seltsam wird, dann können wir sie schon fragen."
Lily verzog das Gesicht beim Gedanken, die Rumtreiber um Auskünfte zu bitten, aber sie nickte kommentarlos.
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Harry apparierte neben die Heulenden Hütte. Er hatte gedacht, dass er an diesem ziemlich entfernten Ort des eigentlichen Dorfes weniger Risiken einging, in einem feurigen Kampf gefangen zu werden, und dass er also würde ankommen können, ohne sofort von Flüchen überwältigt zu werden. Er hatte keine Ahnung davon, wo Thomson und O'Brien hatten wählen können zu landen, aber das war gut so. Wenn er kämpfte, tat er es lieber allein.
Ein Blick herum sagte ihm, dass die Umgebung tatsächlich menschenleer war, aber Entsetzens- und Schmerzensschreie erreichten ihn bald aus Hogsmeades Hauptstraße. Er zückte seinen Zauberstab und freute sich, an jenem Morgen einen Aurorenumhang gewählt zu haben. Wenige Dinge beruhigten die wegen eines Todesserangriffs in Panik geratenen Leute so sehr wie die Tatsache, einen purpurnen Umhang mitten im Kampf zu sehen.
Während er zwischen den ersten Häusern ging, sah Harry, wie eine Gruppe entsetzter Zauberer aus einer Nebengasse nach hinten schritten, während sie mit ihrem Zauberstab vor sich zielten. Zauber flogen in beiden Richtungen und regelmäßig fiel einer der Zauberer, von einem Unverzeihlichen Fluch oder, öfter, von einem Bein- beziehungsweise Ganzkörperklammerfluch oder einem Expelliarmus getroffen.
Die Widerstandskämpfer versuchten mehr schlecht als recht, ihre Verwundeten wieder aufzurichten, und es gab mehrere, für die man schon nichts mehr tun konnte. Harry eilte zu ihnen, als er plötzlich mit Entsetzen eine andere Gruppe Todesser von der anderen Seite der Straße kommen sah, die mit einem Lächeln voller Schadenfreude hinter ihrer Maske auf die Rücken der Zauberer zielten.
Er ließ sich wieder von seiner Kampferfahrung beherrschen, hörte plötzlich auf zu rennen und atmete wieder ruhig, während er auf die neuen Angreifer zielte. Er steckte seine ganze Wut und seinen Willen, die Zauberer zu schützen, in ein einziges Wort, das er im Feuer der Schlacht mit einer irrealen Ruhe aussprach:
„Expelliarmus."
Die Todesser waren natürlich keine Jugendlichen, aber sie hatten Harry nicht ankommen sehen und außer einigen von ihnen waren sie nicht auf der Hut. Harry sah den Großteil von ihnen gegen die Mauer vom Honigtopf prallen, während ihre Zauberstäbe halbwegs zwischen ihn und ihre Besitzer fielen, und er drehte sich zu den wenigen anderen um, die unter der Macht des Zaubers nur geschwankt hatten. Seine Erfahrung sagte ihm, dass jene die Gefährlichsten sein würden, denn sie würden sich nicht so dumm entspannen wie die anderen, vor allem jetzt, dass sie ihn als mächtig anerkannt hatten.
Mit einem zornigen Schrei, der in der Straße widerhallte, stürzte er sich zu ihnen. Die Zauberer, die es geschafft hatten, sich hinter der Ecke eines Geschäftes zu verstecken, drehten sich mit Augen voller Faszination eilig um, um ihn stürmisch angreifen zu sehen. Harry sah aus dem Augenwinkel, wie ein Zauber von der anderen Seite der Straße zu ihm hinflog. Mit einer undeutlichen Bewegung des Handgelenkes und einer gemurmelten Zauberformel trieb er den Schildzauber an, ohne einmal von seinen Gegnern wegzublicken. Die Energiewelle prallte mit einem Knall gegen die Verteidigungswand, die sofort im genauen Moment verschwand, als ein anderer Zauber von vorne gewirkt wurde.
Harry lächelte. Wenn sie glaubten, dass dieses Manöver reichen würde, um ihn zu täuschen... Mehrere Flüche flogen etwa zu verschiedenen Punkten um ihn herum, um ihn daran zu hindern auszuweichen, aber Harry ballte sich zusammen und spannte seine Beine wie eine Sprungfeder an. Einer der Todesser lächelte spöttisch und zielte auf den Punkt, wo der Auror landen sollte. Der Fluch flog hinweg und an den genauen Ort, wo er hin sollte... nur stand Harry nicht dort.
Ungläubig sahen ihn die Todesser zu ihnen schweben, als würde er von unsichtbaren Flügeln getragen. Harry riss seine Aufmerksamkeit vom kleinen Stück elfischer Magie los, die er benutzt hatte, und sprang mit beiden Füßen nach vorne auf den nächsten Maskierten. Bewusstlos geschlagen und mit gebrochener Nase stürzte der Mann zusammen. Jene, die noch bewaffnet waren, zielten gleichzeitig auf ihn, aber Harry sprang beiseite, ergriff einen, den sein Expelliarmus voll getroffen hatte und der sich noch nicht davon erholt hatte, und schob ihn in die Richtung der Flüche.
Eine Sekunde später ließ die Maske sein hochrotes und von eitrigen Wunden bedecktes Gesicht sehen, sein Mund war verschwunden und seine Beine hatten sich in Stein verwandelt. Er fiel bewusstlos zu Boden. Harry, der schon wieder zu ihnen lief, nutzte ihre Überraschung aus und warf sich nach vorne mit den beiden Händen auf den Boden.
Mit gebeugtem Rücken warf er seine beiden Füße in die Brust des Feindes, der ihm gegenüberstand. Der Todesser verlor den Atem und ließ seine Waffe fallen, die zu Boden rollte. Einer der entwaffneten Männer stürzte sich vor, um sie zu ergreifen, aber mit einem Schlag des Schuhabsatzes schoss sie Harry mitten auf der Straße.
Als er das tat, bemerkte er, dass sich die Lage auf der anderen Seite deutlich verbessert hatte: Die Todesser hatten ihren Helfern helfen wollen, aber sie hatte die Dorfbewohner vergessen, die sich beeilt hatten, sie durch eine Salve Flüche im Rücken an ihre Existenz zu erinnern. Harry lächelte und kehrte zu seinen eigenen maskierten Angelegenheiten zurück.
Einer von denen, die noch bewaffnet waren, hob seinen Zauberstab, während der andere es versuchte, jenen wiederzubeleben, der nun so aussah wie ein Zirkusmonster, und einer der Entwaffneten lief zu den Zauberstäben, die ein wenig weiter lagen. Harry wich dem Fluch aus, indem er im letzten Augenblick beiseite schritt, und wirkte einen Stuporfluch auf den anderen, als er sein Ziel erreichte. Der Mann fiel auf die Zauberstäbe, so dass sie keiner ohne einen besonders mächtigen Aufrufezauber würde herausnehmen können.
Einer der Todesser traf die Entscheidung, mangels Zauberstab die Hände zu benutzen, auch wenn es ihm das Herz zerreißen sollte – wie Muggel handeln, bäh. Er näherte sich von hinten und versuchte, Harry unbeweglich zu machen, indem er ihn umarmte, was seine beiden Arme blockierte. Doch der Auror wollte das nicht: Da er sah, dass die anderen ihren Zauberstab schon erhoben, um von seiner prekären Lage zu profitieren, mobilisierte er seine ganze Magie und nutzte noch einmal den elfischen Flugzauber. Unter normalen Umständen konnte ihn Harry nutzen, um einige Sekunden lang zu schweben, aber abfliegen war etwas anderes, vor allem, wenn er ein zusätzliches Gewicht hatte.
Dennoch hoben seine Füße vom Boden ab und er hörte, wie der Todesser hinter ihm vor Furcht jaulte. Sein Gesicht verkrampfte sich wegen der Bemühung und er schaffte es schließlich, sie etwa zwei oder drei Meter hoch zu heben. In diesem Augenblick glitt der Griff des Mannes aus Furcht, er fiel, stürzte zum Boden hinunter und blieb für eine gewisse Zeit betäubt liegen. Harry tat sein Bestes, damit seine Landung weniger hart ausfiel, und fiel keuchend auf die Fersen. Da er sich bewusst wurde, dass die anderen trotz ihrem verblüfften Ausdruck schon wieder auf ihn zielten, hob er seinen eigenen Zauberstab und sprach schnell den Verblendungsfluch.
Ein glänzendes Licht kam aus der Spitze seines Zauberstabs heraus, zumindest für sie, da er als der, der den Fluch gewirkt hatte, nicht davon betroffen war. Die meisten bedeckten ihre Augen mit den Händen und nur einer hatte den Reflex, den Gegenfluch, der einen Schattenschild um ihn bildete, ganz schnell zu wirken. Harry profitierte dennoch von diesem Erholungsaugenblick, um auf den anderen einen Ganzkörperklammerfluch zu wirken und seinen Zauberstab mit einem Aufrufezauber zu erhalten.
Sein letzter Gegner wollte ihm einen Stuporfluch aufhalsen, aber Harry wirkte nachlässig einen Schild und wirkte mit einer tonlosen Stimme fünf Stuporflüche, denen die verblendeten Todesser keineswegs ausweichen konnten.
Da er sah, dass er allein war, und da die Siegesschreie der Dorfbewohner auf der anderen Seite der Straße ihm Bescheid sagten, dass er auf keine Hilfe von dort hoffen konnte, fluchte der letzte Mann leise und stürzte sich davon, während Harry den letzten Fluch wirkte. Der junge Auror rief vor Wut aus, als er ihn sich in eine Nebengasse schleichen sah, und er stürzte ihm nach. Glücklicherweise für ihn war es eine Sackgasse, denn seine letzten Bemühungen, und insbesondere der Flugzauber, hatten ihn erschöpft und er wäre nicht dazu fähig gewesen, besonders lange weiterzulaufen.
Der Todesser drehte sich mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen zu ihm um.
„Ich muss schon gestehen, dass Sie mich erstaunt haben, Harry Davies", sagte er mit dieser schleppenden Stimme, die Harry als die von Lucius Malfoy wiedererkannte. „Und ich denke, dass mein Herr mit den Auskünften, die ich ihm bringen werde, zufrieden sein wird. Ich vermute, dass Sie nicht mal den winzigsten Wunsch haben, uns beizutreten?"
„Ich habe nichts mit entarteten Menschen wie Ihnen und Ihrem Herrn zu tun", erwiderte Harry keuchend mit bissiger Stimme. „Woher kennen Sie meinen Namen?"
Malfoys Lächeln wurde breiter.
„Wir wissen viel mehr als Ihren Namen. Tatsache ist, dass wir sehr gute Auskunftsquellen haben, die uns über die Zurückhaltung benachrichtigten, die die Unsäglichen Ihnen gegenüber haben. Offenbar vertrauen sie Ihnen nicht, was? Wir wollten das selbst sehen."
„Sie meinen, dass Sie bis hierher gekommen sind, um mich zu schätzen?", bemerkte Harry mit halb spöttischer, halb wütenden Stimme. „Das ist eine große Ehre, ich glaube aber, dass ich ohne das hätte auskommen können..."
„Na, na", mäßigte Malfoy spöttisch. „Sie werden noch weiter von uns hören, wissen Sie. Ich denke, dass sich unser Herr sehr für Sie interessieren wird..."
Harry wurde sich plötzlich bewusst, dass die Augen des Todessers weit vor sich hinblickten. Da er erriet, was er gerade tat, schrie Harry den Stuporfluch, aber der Mann disapparierte mit einem Knall, genau bevor ihn der Fluch erreichte. Aus Wut warf sich Harry auf die Knien und schlug mit seiner Faust auf den Boden.
„Verdammt!"
Als Harry auf die Straße zurückkehrte, war sie fast leer. Außer dem, der sehr versehrt war, und dem, dem Harry die Nase gebrochen hatte – die beide nicht wieder belebt werden konnten und auf der Stelle hinterlassen wurden –, waren fast alle Todesser weg. Die Schreie erklangen immer noch im Dorf, doch immer leiser und immer seltener: Die Angreifer zogen sich zurück.
Harry lief so schnell zum Zentrum von Hogsmeade wie er es trotz seiner Erschöpfung konnte. Dort fand er Thomson und O'Brien, die mit einer Gruppe von Dorfbewohnern einige Todesser hart angriffen und versuchten, sie daran zu hindern zu fliehen. Einer davon, der plötzlich auf den Boden geworfen wurde, schien zu entscheiden, dass das Spiel schon lange genug gedauert hatte. Er stand schnell wieder auf, lief zu einem Versteck und wich dabei den Flüchen geschickt aus. Leider für ihn lief er Harry entgegen und Harry war schlecht gelaunt.
Als er sah, dass der junge Mann mit einem langsamen Schritt und mit in die Tasche gestecktem Zauberstab auf ihn zu ging, versuchte der Mann sein Glück und er dröhnte beim Laufen einen Fluch, den Harry als den Cruciatusfluch wiedererkannte, dem sein Schild immerhin nicht widerstanden hätte.
Noch einmal sprang Harry weit über den Fluch und landete gerade auf dem Weg des Todessers. Letzterer fluchte und hob wieder seinen Zauberstab, aber der junge Mann ließ ihm keine Zeit den Mund zu öffnen und fing auch an, sich in seine Richtung zu stürzen.
Während die Distanz, die sie trennte, immer kürzer wurde, berief Harry ein anderes Stück Magie, diesmal zwergisch, und warf seine Faust nach vorne. Der Todesser, der mitten im Bauch getroffen wurde, wurde plötzlich nach hinten geworfen und traf seine Helfer, was einen oder zwei sogleich niederschlug und die anderen destabilisierte, die es dennoch schafften, ganz knapp zu disapparieren, als Thomson und O'Brien eine neue Welle Flüche wirkten. Harry senkte den Blick auf seinen Arm und beendete den Zauber, den er gewirkt hatte, was dem, was vorher nur Stein war, wieder ein organisches Aussehen gab.
Die Müdigkeit ließ ihn leicht schwanken und er lehnte sich an eine nahe Wand, um sich zu erholen, während sich die beiden anderen darum kümmerten, jene endgültig unschädlich zu machen, die noch da waren. Nach einem Augenblick trafen ihn seine beiden Kollegen.
„Wo waren Sie hin?", fragte Thomson mit einem bissigen Ton. „Wir hätten zusammen bleiben müssen..."
„Wie haben Sie das getan?", unterbrach ihn O'Brien.
Harry senkte den Blick fragend zu ihr.
„Was denn, 'das'?"
„Nun, wie haben Sie diesen Todesser nach hinten fliegen lassen? Ich habe Sie ihm nur einen Faustschlag geben sehen und er ist über mehrere Meter geflogen..."
Harry lächelte schief und antwortete nichts. Thomson wollte etwas hinzufügen, als neue Schreie erklangen. Sie drehten sich alle drei sofort mit dem Zauberstab in der Hand um, doch es erwies sich, dass es Freudesschreie waren: Die Verstärkung kam an, von Zauberärzten und Heilern begleitet.
„Nicht zu früh", flüsterte Thomson offensichtlich erleichtert. „Zumindest werden sie die Verwundeten heilen können..."
Und hierauf ging er weg, um dem Auror, der die Verantwortung für die Ankömmlinge trug, seinen Bericht zu erstatten. O'Brien wollte die letzten im Dorf unschädlich gemachten Todesser versammeln.
„Oh!", rief Harry aus. „O'Brien?"
Die Aurorin drehte sich mit gerunzelten Augenbrauen zu ihm um.
„Sie werden zwei oben auf der Hauptstraße finden. Einer unter ihnen ist völlig entstellt und die Nase des anderen ist gebrochen. Ich denke, dass sie sich nicht bewegt haben..."
O'Brien, die vor seinem nachlässigen Ton ungläubig war, sah ihn einen Augenblick lang an, dann ging sie wortlos weiter. Harry blieb eine Zeit lang an der Wand gelehnt, um sich zu erholen. Er hob erst den Kopf, als er hörte, wie sich ihm Schritte näherten. Thomson, der – wie erstaunlich! – die Augenbrauen gerunzelt hatte, näherte sich ihm und betrachtete ihn einen Moment lang mit einem besorgten Blick. Der junge Auror, den der Kampf zu sehr ermüdet hatte, dass er sich darum kümmerte, taktvoll zu handeln, seufzte deutlich hörbar und sagte mit einem halb müden, halb spöttischen Ton:
„Thomson, ich werde nicht auf Sie springen, weder um Sie zu fressen, noch um Ihnen Tollwut weiterzugeben. Ersparen Sie mir bitte Ihre berechnenden Blicke und sagen Sie mir eher, womit ich die Ehre verdient habe, dass Sie mich schon wieder wie ein lebendes Rätsel betrachten..."
Thomson sah verärgert aus, aber ein Husten erklang hinter ihm, das einem spöttischen Lachen sehr ähnelte. Harry hob eine Augenbraue, aber Thomson gab ihm keine Zeit sich zu fragen, wer ihn begleitete.
„Manche Dorfbewohner haben uns gesagt, dass Sie ihnen während des Angriffs geholfen haben, was vermieden hat, dass sie von hinten angegriffen wurden..."
„Das ist meine Arbeit, oder? Das scheint mir selbstverständlich...", erwiderte Harry ruhig.
„Ja, stimmt", antwortete Thomson, der seine Frechheit absichtlich ignorierte. „Weniger selbstverständlich ist, dass Sie etwa zehn Todesser unschädlich gemacht haben, und noch dazu die drei, die Sie uns hier geholfen haben zu besiegen."
„Nein", bestritt Harry fest, „nur zwölf. Der letzte der ersten Gruppe, der Schweinehund, hat es geschafft, mir ohne einen Kratzer zu entkommen. Und es gibt sowieso schließlich nur fünf davon, die es nicht geschafft haben zu fliehen, nicht wahr?"
Thomson starrte ihn an und versuchte offensichtlich zu entscheiden, ob er ihn verspottete. Doch Harry war völlig ernst.
„Wissen Sie, wie viele Todesser wir während dieses Kampfes geschafft haben, gefangen zu nehmen?", fragte er verdutzt.
„Keine Ahnung."
„Elf. Wir haben elf gefangen genommen und Sie allein haben schon fünf genommen! Obwohl wir bestimmt um die hundert Dorfverteidiger waren! Und Sie haben nicht mal einen Kratzer..."
Ungläubig bewegte sich Thomson lebhaft unter Harrys blasierten Blick und beobachtete ihn, als sich eine Hand auf seine Schulter legte und den Auror fest beiseite schob.
„Verzeihen Sie bitte", griff der Mann mit einer tiefen Stimme ein, „das ist, glaube ich, meine Rolle, es zu entscheiden..."
Harry schien, als hätte er gerade einen elektrischen Schock bekommen. Der Ankömmling trug den grünen Umhang der Heiler von St.-Mungo mit dem Symbol eines mit einem Zauberstab gekreuzten Knochens auf der Brust. Sein schwarzes Haar war so diszipliniert wie das jeder Person, aber seine kastanienbraunen Augen, seine Brille und die Form seines Gesichts: Alles deutete auf einen Potter hin. Und tatsächlich drehte sich der Mann zu ihm um und reichte ihm die Hand, als er sah, dass er ihn betrachtete.
„George Potter, Heiler."
Harry schüttelte ihm die Hand und versuchte, die Fassung wieder zu finden und zu vergessen, dass er seinem Großvater gegenüber stand.
„Harry Davies. Sehr erfreut."
„Ich auch!", fuhr der Heiler mit einem großen Lächeln fort. „Mein Sohn und seine Freunde reden mit viel Lob über Sie, wissen Sie?"
„Wirklich?", antwortete, indem er zurück lächelte. „Ich bin davon begeistert..."
„Gut", fuhr George mit einem viel ernsthafteren Ton fort. „Kehren wir zu unseren Angelegenheiten zurück. Sind Sie irgendwo verletzt? Hat Sie ein Fluch getroffen?"
„Nein, nein", leugnete Harry mit einer Handbewegung. „Es geht mir ganz gut, danke."
„Warum bleiben Sie dann hier, ohne irgendwas zu tun?", griff Thomson mit gerunzelten Augenbrauen ein.
George blickte rein tadelnd zu ihm, aber Harry antwortete ruhig:
„Ich erhole mich."
„Sie erholen sich? Und wovon?", fragte Thomson noch.
„Na, vom Kampf. Es ist erschöpfend, nicht-menschliche Magie benutzen zu müssen, wissen Sie", erwiderte er unbedeutend.
Thomson sah ihn mit weit offenen Augen an.
„Nicht-menschliche...? Also der Kerl, den Sie soeben haben fliegen lassen...?"
„Zwergische Magie. Ich habe meinen Arm so hart gemacht wie Stein."
„Und wenn die Dorfbewohner behaupten, sie hätten Sie fliegen sehen, dann sind es...?"
„Keine Wahnvorstellungen? Gar nicht, das ist elfisch. Aber ich beherrsche die Flugtechnik erst schlecht", fügte er mit verzogenem Gesicht hinzu, „also benutze ich es vor allem, um zu schweben."
Thomson sah ihn noch einen Moment an, dann drehte er sich wortlos um, um wieder weg zu gehen.
„Oh, Thomson?", rief Harry zu ihm.
Der Auror drehte sich mit nicht entzifferbarem Ausdruck um.
„Ich wäre Ihnen dankbar, nur mit O'Brien darüber zu reden, ich möchte nicht, dass es sich verbreitet. Das wäre noch nutzlose Werbung für die Völker, die mir das beigebracht haben, verstehen Sie."
Der Mann starrte ihn einen Augenblick lang an und lief dann zu seiner Kollegin, die die Todesser überwachte. Harry lächelte, als er dies sah, dann drehte er sich zum Heiler um, den er während des Gesprächs vernachlässigt hatte. George starrte ihn an; er schien einfach nicht daran glauben zu können.
„Sie scherzen, nicht wahr?", fragte er keuchend. „Kein Mensch kann nicht-menschliche Magie benutzen!"
„Doch, das ist möglich", mäßigte Harry. „Aber dafür ist es nötig, dass es andere Völker annehmen, einem ihre Kenntnisse zu geben, und wie ich es gesagt habe, ist es immer erschöpfend, das zu nutzen... Es gibt aber einige Vorteile, wie zum Beispiel dieser Flugzauber, den nur die Elfen entwickelt haben... Auch Sie werden nicht darüber reden?", fügte er mit besorgtem Ausdruck hinzu.
George hob eine Hand, als wäre er aufgebracht.
„Berufsverschwiegenheit!", rief er aus. „Aber jetzt werden Sie bitte diesen Stärkungstrunk einnehmen", fügte er hinzu, indem er eine Flasche aus der Umhängetasche zog, die er trug, und sie ihm reichte.
Harry erkannte einen dieser Tränke wieder, die dem Körper helfen, seine Magie zu regenerieren, wenn sie ausgenutzt wurde, und die folgende Erschöpfung zu heilen. Er nahm ihn dankbar, schluckte ihn schnell und verzog dann das Gesicht.
„Bäh... Das ist immer so sehr ekelhaft."
„Soll ich verstehen, dass es nicht das erste Mal ist, dass Sie welchen einnehmen?", fragte George mit strengem Ton.
Harry sah verwirrt aus. Er konnte ihm doch nicht sagen, dass er in seinem Leben mehr daraus getrunken hatte als die Reserven von St.-Mungo davon besaßen!
„Sagen wir mal, dass es mir schon passiert ist", antwortete er mit einem schüchternen Lächeln.
George hob eine Augenbraue, kommentierte aber nicht. Harry fühlte endlich, wie der Trank wirkte, indem er die exzessive Erschöpfung seiner Muskel auslöschte und seine magische Energie regenerierte. Wie jedes Mal seufzte er leise vor Erleichterung. Er mochte es wirklich nicht, sich so schwach zu fühlen. George sah ihn mit Zufriedenheit sich wieder aufrichten und von der Mauer entfernen.
„Perfekt. Ich glaube, dass ich Sie allein lassen werde, ich muss andere Patienten besuchen. Ich habe unter anderen von einem Todesser gehört, dessen Aussehen nur noch undeutlich menschlich sein sollte...", fügte er mit einem schelmischen Blick hinzu.
„Na, da war nicht ich daran Schuld", erwiderte Harry, indem er seinen rechten Arm massierte, den die zwergische Magie besonders steif gemacht hatte. „Seine Kumpel mussten ja nicht mehrere Flüche auf einmal auf mich wirken, so weit ich weiß."
George brach in lautes Gelächter aus und verabschiedete sich. Der junge Auror sah ihm nachdenklich nach und traf dann seine beiden Kollegen, die offenbar eine Debatte über die Tatsache angefangen hatten, ob er, Harry Davies, ein Mensch war oder nicht. Er verbiss sich ein Lächeln, als er sah, wie sie aufsprangen, als ihnen klar wurde, dass er zu ihnen ging.
„Wir sollten vielleicht nach Hogwarts zurück, oder?", suggerierte er ruhig.
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Die ganze Schule wusste nun über die Schlacht Bescheid, die im Dorf ein bisschen weiter unten stattfand, aber sie hatten immer noch keine Nachricht bekommen, die sie über den Verlauf des Kampfs informiert hätte, und die Stimmung in der Großen Halle war ziemlich gespannt.
Nie hatten die Todesser so nah an Hogwarts gehandelt und wegen der Ausflüge, die an manchen Wochenende erlaubt wurden, kannte jeder Schüler zumindest mehrere Leute von Hogsmeade, meistens Geschäftsbesitzer. Außerdem wussten alle, dass die Auroren um Verstärkung gebeten worden waren und, auch wenn wenige es laut sagten, wollten sie nicht manche ihrer Lehrer, so wenig begabt sie auch seien, an jenem Tag sterben sehen.
Eigentlich handelten nur die Slytherins so, als wären sie taub und blind. Oder zumindest die meisten Slytherins, denn den Jüngeren entkamen manchmal Nervositätszeichen, die eine gerunzelte Augenbraue der Älteren schnell verbeißen ließ. Dennoch hatte James bemerkt, wie Severus seinen Teller starrsinnig betrachtete, um nicht am Gespräch teilnehmen zu müssen. Er traf Remus, der neben ihm saß, leicht mit dem Ellenbogen und zeigte ihm den Slytherin.
„Glaubst du, dass er etwas Böses im Schilde führt?", murmelte er.
Remus betrachtete das ungewöhnliche Verhalten des Siebtklässlers, dann blickte er sich um.
„Ich weiß nicht, James. Wenn ich nicht denken würde, dass es völlig unlogisch ist, so würde ich eigentlich sagen, dass er eher besorgt aussieht..."
James sah ihn ungläubig an und machte den Mund auf, um zu protestieren, aber Sirius stand plötzlich auf.
„Gleich haben wir Zauberkunst. Gehen wir hin?", sagte er mit einer nachlässigen Stimme.
James nickte und folgte ihm, was die anderen beiden nach ihm zog. Sirius hatte offenbar entschlossen, so zu handeln wie gewöhnlich und seine echten Gefühle nicht zu zeigen, aber James wusste, dass er sich wie sie alle große Sorgen um Davies machte.
Sie kamen in die Eingangshalle, als James aus dem Augenwinkel eine Gruppe von Slytherins bemerkte, die miteinander redend zu ihnen ging. Er wollte Sirius Bescheid sagen, aber Zabini hatte ihn schon angerempelt und ihn zu Boden geworfen.
„Na denn, Black?", spottete er. „Kannst du nicht mehr aufrecht gehen?"
Die Slytherins brachen in lautes Gelächter aus und die Rumtreiber ballten die Fäuste. Regulus näherte sich auch.
„Es scheint, dass du deine Stelle endlich gefunden hast, mein lieber Bruder. Was gibt es Normaleres bei einem Hund als auf allen Vieren zu laufen?"
Die Slytherins lachten laut bei diesem Satz, aber Sirius hatte seinen ganzen Vorrat an Geduld für diesen Tag schon aufgebraucht. Er stand heftig wieder auf und stieß ihm ins Gesicht aus:
„Wenn ich ein Hund bin, dann bist du eine Kellerassel. Peter hat völlig Recht, weißt du, du würdest es verdienen, dass man dich mit dem Schuhabsatz zermalmt! Doch ist das Problem, dass dich deine ungeheure Arroganz so sehr aufgeblasen hat, dass du eine menschliche Höhe erreicht hast und das eine Axt nötig wäre, um deine Dummheitsschale zu zerstören."
Das Gelächter der Slytherins hörte plötzlich auf, als sie den hasserfüllten Ton hörten, den er genutzt hatte.
'Oh, Mensch!', dachte James aufgeregt. 'Tatze gerät in Zorn, das ist nicht gut, gar nicht gut...'
Er wechselte einen beängstigten Blick mit Remus und beide blickten mit Angst zum Lehrertisch, wo noch nichts bemerkt worden war. Regulus fasste sich wieder und schnüffelte.
„Es scheint, dass der Hund an Tollwut leidet. Nicht, dass das etwas Neues wäre. Ich habe mich immer gefragt, warum unsere arme Mutter dich nicht bei der Geburt ertränkt hat. Das macht man mit den kranken Hündchen, oder?"
James spürte, wie sich Peter neben ihm anspannte, und er starrte ihn erstaunt an. Wurmschwanz schien es wirklich nicht zu ertragen, dass jemand über Sirius' Überzeugungen spottete. Doch Tatze verteidigte sich ganz gut allein.
„Unsere Mutter ist so blind, dass es ihr zweifellos entkommen ist", zischte er. „Der Beweis dafür ist, dass sie sich nicht mal dessen bewusst wurde, dass ihr zweiter Sohn noch kränker war als der erste und dass sein Gehirn dazu unfähig war zu denken, sondern nur wie ein Hauself zu gehorchen."
Regulus erblasste wegen der Beleidigung und Zabini, der auch anfing, sich wegen McGonagalls gerunzelter Augenbrauen Sorgen zu machen, musste seine ganze Stärke daran setzen, ihn zu hindern, mit den Händen zu kämpfen.
„Beleidige meine Mutter nicht", sagte er zwischen seinen zusammengepressten Zähnen.
„Leider ist das Problem, dass sie auch meine Mutter ist. Ich hätte ohne das ganz gut auskommen können, aber als Ersatz dieses traurigen Schicksals will ich sie so sehr beleidigen dürfen wie ich es will."
Die Schüler, die nah an den Türen saßen, die zur Eingangshalle führten, sahen sie nun mit Neugier, ja sogar mit Furcht an. Das war das erste Mal, dass Sirius öffentlich sein hochmütig gleichgültiges Aussehen fallen ließ, um dem Zorn und der Wut die Stelle ganz frei zu lassen, und die Mädchen schienen, von der Szene nicht wegblicken zu können, so dass die Gabel oft halbwegs zwischen dem Mund und dem Teller stand.
„Potter..."
James sprang auf, als er das Geflüster in seinem Ohr hörte, und drehte sich heftig um.
„Evans?", rief er genau so leise auf. „Was willst du? Das ist wirklich nicht der richtige Moment."
„Sag Black, er soll mit seinem Zirkus aufhören, McGonagall kommt hierhin", sagte das Mädchen mit einem autoritären Ton.
James starrte sie mit weit offenen Augen an.
„Evans, hast du Sirius gut angesehen?"
„Natürlich habe ich ihn angesehen, jeder sieht nur noch ihn an!", erwiderte sie mit Ungeduld. „Aber ich habe dich darum gebeten..."
„Ich kann das nicht tun, Evans", zischte James heftig.
Lily hörte mitten in ihrem Satz auf und starrte ihn misstrauisch an.
„Und warum denn, bitte?"
„Weil Sirius in Zorn geraten ist! Glaubst du, dass du ihn je binnen sechs Jahren in Zorn geraten sehen hättest? Nein, du hast es nicht gesehen", antwortete er an ihrer Stelle, während sie den Mund aufmachte. „Ganz einfach, weil er gewöhnlich nie öffentlich seinem Zorn freien Lauf lässt. Glaub mir aber, dass keiner, der ihn wirklich kennt, es versucht, sich einzumischen, wenn es wirklich der Fall ist, es sei denn, er ist selbstmörderisch!"
Er drehte sich dann wieder beängstigt zur Szene um. Regulus hatte eben angefangen, das gefährliche Thema dieser Zeit zu besprechen.
„... und dein Aurorlehrer? Du bist froh, dass er unter deinem Joch steht, was? Aber siehe, jetzt ist er zweifellos schon tot oder schwer verletzt genug, dass er sein übriges Leben in St.-Mungo verbringen wird! Das ist schade, was?"
Und der Blödian sprach noch weiter! James sah mit Entsetzen, wie sich Sirius erhob und einen Wutschrei ausstieß, der in der ganzen Großen Halle und sogar in der Eingangshalle erklang, was alle Gespräche unterbrach, bevor er sich mit den Händen nach vorne zu seinem wegen der Überraschung erstarrten Bruder stürzte und ihn auf den Boden nieder warf. James sah im genauen Augenblick, als McGonagall die letzten Schüler eilig beiseite schob, die ihr die Sicht versperrten, wie er seine Faust erhob, um ihn zu schlagen.
Sirius' Verhalten hatte jeden so sehr erstarren lassen, dass keiner hatte reagieren können, und die Rumtreiber wussten, dass sie nicht eingreifen konnten. James verkrampfte sich, wartete darauf, dass Tatzes Faust sank, dass McGonagall die Szene sah und sich dessen bewusst wurde, was los war...
Doch Sirius' Handknöchel erreichten nie Regulus' überraschtes Gesicht. Es gab eine schnelle Bewegung, den Lärm eines Schocks und alles, was McGonagall sehen konnte, war Severus Snape, der den Gryffindor am Boden hielt, eine Hand fest an seine Gurgel gelegt und die andere auf der Faust, die er erhoben hatte.
„Mr Snape!", rief sie empört aus. „Das ist ganz und gar unzulässig, dass Sie einen Ihrer Mitschüler angreifen! Wo glauben Sie zu sein, dass Sie so streiten? Ich ziehe Slytherin vierzig Punkte ab und Sie werden nachsitzen!"
„Gut, Professor", antwortete er mit der eintönigen Stimme, die er mit allen Lehrern benutzte, die ihn tadelten.
Langsam stand er wieder auf und Sirius setzte sich mit einem völlig verdutzten Blick auf.
„Na, gehen Sie alle weg!", befahl McGonagall mit einer empörten Stimme. „Sie werden heute Abend um acht Uhr in mein Büro kommen, Mr Snape, und Sie sollten lieber nicht zu spät sein."
Snape nickte und sah sie weggehen. Regulus stand neben ihm wieder auf und sah seinen älteren Bruder mit einem Blick an, den er missachtend machen wollte, der aber noch eine leichte Spur Angst enthielt.
„Du hättest nicht eingreifen sollen, Snape, dann hätte er nachsitzen müssen", murrte er. „Schade, dass du McGonagall nicht gesehen hast..."
Noch einmal nickte Snape, ohne irgendwas hinzuzufügen, aber James wusste, dass etwas nicht stimmte. Snape stand Richtung Große Halle, als die Hauslehrerin von Gryffindor angekommen war, es war fast unmöglich, dass er sie nicht gesehen hatte. Der Slytherin beugte sich vor, um seinen Rucksack zu nehmen, der hingefallen war, als er sich zum Rumtreiber geworfen hatte, und James, der sich seinem Freund näherte, um ihm zu helfen, wieder aufzustehen, hörte ihn deutlich Sirius zuflüstern:
„Das war für deine Entschuldigungen, Black, und weil dein blöder Bruder zu weit gegangen war. Aber glaube nicht, dass ich es wieder tun würde..."
Snape stellte sich heftig wieder auf mit seinem Rucksack auf der Schulter und folgte den Slytherins eilig, die zur Tür der Kerker gingen. Sirius, der offensichtlich erstarrt war, sah ihm nach. James näherte sich ihm mit einer Menge Fragen im Geist.
„Sirius? Worüber sprach er?", flüsterte er mit einer ungläubigen Stimme zu.
Sein Freund drehte sich zu ihm um, brauchte aber eine Weile um zu verstehen, dass er ihn ansprach, als wäre alles nichts Anderes als wahnsinnige Vorstellungen. James fing an, sich zu fragen, ob es nicht tatsächlich der Fall war. Im Augenblick, als er den Mund aufmachte, um zu antworten, ließ ein gedämpfter Lärm die Rumtreiber sowie Lily und Anna sich umdrehen. Sie sahen, wie die Doppeltüren der Eingangshalle langsam aufgeschoben wurden und Thomson durchging.
Lily legte eine Hand auf ihren Mund, um ihren Schrei zu dämpfen, als sich der Auror umdrehte, um seiner Kollegin, die ihm nachziehend folgte, den Arm als Stützung anzubieten. O'Brien sah ihn dankbar an und sie gingen beide in die Eingangshalle, ohne den starren Blicken, die ihnen folgten, Aufmerksamkeit zu schenken. Als sie von der Großen Halle her sichtbar wurden und als die Schüler aufstanden, um sie besser zu sehen, blickte Thomson mit Ungeduld zu den Doppeltüren, die leicht geöffnet waren.
In jenem Augenblick schlich sich eine dritte Silhouette schnell herein und schloss sie, bevor er mit einem ruhigen Ausdruck auf dem Gesicht seine Kollegen traf. Sirius schrie vor Freude, als er ihn sah, und Davies drehte sich mit einem erstaunten Blick zu ihm um.
„Mr Black? Was machen Sie auf dem Boden?"
Tatsächlich war Sirius immer noch nicht wieder aufgestanden, seitdem ihn Snape frei gelassen hatte. Als er das bemerkte, stand er schnell wieder auf und sein Gesicht wurde von einem riesigen Lächeln erhellt.
„Ich bin froh, dass Sie unversehrt zurückgekommen sind, Professor!"
Davies lachte fröhlich.
„Und ich auch!"
Dann drehte er sich um und blickte über seine Schulter. James hatte die Zeit, Snape und ihn ein ganz leichtes Lächeln wechseln zu sehen, bevor der Slytherin seine Mitschüler drängelte, die vor dem Kerker standen, und sich dahin schlich.
'Diesmal bin ich wirklich verrückt geworden', dachte er verdutzt.
„Was machten Sie?", flüsterte Thomson seinem jungen Kollegen mit wütender Stimme zu.
„Ich sagte Hagrid über die Lage Bescheid", antwortete Davies unbekümmert.
Thomson zuckte mit den Schultern, ohne irgendwas hinzuzufügen, und ging zwischen den Tischen der Schüler zu Dumbledore, der sie mit Ruhe sich nähern sah.
„Nun was?", fragte der Schulleiter. „Wie ist der Angriff verlaufen?"
Der Auror blickte wenig freundlich zu den zahlreichen Schülern – eigentlich allen –, die ihrem Gespräch gierig zuhörten, und machte den Mund auf. Harry erriet, dass es war, um Albus zu suggerieren, irgendwo anders darüber zu reden, und er ersparte ihm lieber diese Dummheit.
„Ziemlich gut", antwortete er an seiner Stelle. „Es sind natürlich Leute gestorben, aber für einen so starken Angriff erstaunlich wenig. Es sind aber dagegen viele Leute mehr oder weniger schwer verletzt, aber keiner, der in Lebensgefahr wäre."
Die Schüler seufzten allerseits vor Erleichterung, aber Thomson drehte sich wütend zu ihm um.
„Die Schüler...", fing er mit leiser Stimme an.
„... müssen Bescheid wissen, Thomson", antwortete Harry ruhig und genau so leise.
„Fahren Sie fort", drängte Albus, der offenbar nichts vom Gespräch verhört hatte. „Was ist mit den Todessern?"
Thomson blickte ein letztes Mal zu Harry und antwortete unwillig:
„Wir haben elf gefangen genommen, was viel ist, wenn man die Anzahl der Verteidiger betrachtet. Übrigens", fügte er hinzu, nachdem er einen Augenblick lang gezögert hatte, „verdanken wir es vor allem unserem jungen Kollegen."
Und er bewegte seinen Daumen über seine Schulter zu Harry, der wieder angefangen hatte, seinen Unterarm geistesabwesend zu massieren, und den Kopf erstaunt hob. Nach der Art und Weise, wie der Mann handelte, hatten sie sicher entschlossen, dass er wohl ein Mensch war, nur ein bisschen – tja, viel – seltsamer als der durchschnittliche Mensch.
„Gut!", nickte Albus lächelnd. „Aber ich sehe, dass Sie verletzt sind, Miss O'Brien, Sie sollten zum Krankenflügel gehen. Ich werde mich darum bemühen, dass Sie drei für Ihre Unterrichtsstunden heute Nachmittag ersetzt werden."
„Danke, Herr Schulleiter", sagte O'Brien mit einer müden Stimme.
„Bitte."
Die drei Auroren gingen sofort zur Eingangshalle und zur Marmortreppe. Harry lächelte ein letztes Mal zu den Rumtreibern, bevor er in die Richtung seiner Quartiere verschwand. Sirius seufzte vor Erleichterung, drehte sich dann mit einem riesigen Lächeln zu James um.
„Du hattest Recht! Das sind ja nicht ein paar Todesserchen, die ihn fertig machen werden!"
