Hallo an alle! So, nach fast zwei Jahren und einem Betaleserin-Wechsel, der – wie ihr euch vorstellen könnt – nicht vorgesehen war, bin ich (endlich!) wieder da mit dem neuen Kapitel von der Geschichte von Dragonwing4 Changer le passé. Die korrigierte Fassung der vorigen Kapitel habe ich gerade hochgeladen; falls ihr die Geschichte also vor Kurzem entdeckt habt, aber sie gerne in besserem Deutsch lesen möchtet, könnt ihr gerne nochmal schauen. Ich habe nun genug beta-gelesene Kapitel auf Lager, also werde ich ab jetzt und mindestens bis Ende Juni einmal die Woche hochladen. Einen herzlichen Dank möchte ich LadyAdamas und Verliebtindich für ihre Korrekturen sagen, und auch euch danke ich für eure Geduld. Viel Spaß beim Lesen! :-)

Disclaimer: Alle bekannten Charaktere und Orte gehören zu Mrs. Rowling und die Geschichte und die anderen Charaktere gehören zu Dragonwing4. Ich habe nur übersetzt.

Spoiler: Die ersten fünf Bände.

Eine zweite Chance

Die Vergangenheit verändern

Kapitel 8: Wo Lily zu ihrem großen Erstaunen begreift, dass die Rumtreiber siebzehn sind:

„Hey, Remus!"

Der junge Mann drehte sich zum Gryffindor um, der zu ihm rief.

„Hättest du Lust auf ein Schachspiel?"

„Nicht jetzt, tut mir Leid", antwortete er lächelnd. „Wir müssen was tun."

„Den Slytherins einen neuen Streich spielen?", fragte eine Fünftklässlerin plötzlich interessiert.

„Nein, nein, das wäre eher so etwas wie eine..."

„... höchst geheime Ratssitzung!", unterbrach Sirius, indem er nach hinten schritt, um den Arm seines Freundes zu ergreifen. „Und Remus wird sich verspäten, wenn ihr ihn nicht frei lasst!"

Und hierauf zog er ihn fröhlich zum Jungenschlafsaal der Siebtklässler hoch, schloss die Tür hinter sich und wirkte einen Dämpfungszauber, um die neugierigsten ihrer Mitschüler zu entmutigen.

„Nun, James?", fragte Peter irritiert. „Was ist los?"

„Was los ist?", rief Krone aus. „Du meinst außer der Tatsache, dass sich Snape absichtlich zu Sirius geworfen hat, um zu vermeiden, dass er von McGonagall erwischt wird?"

Es gab eine kurze Stille, da ihn Peter anstarrte und Remus im genauen Augenblick erstarrte, als er sich neben die beiden anderen setzen wollte. James hätte das gerne früher mit seinen Freunden besprochen, aber mit all den Unterrichtsstunden, die dem Zwischenfall gefolgt waren, hatte er keine Gelegenheit gehabt.

„Du scherzt?", fragte Peter nach einiger Zeit, da Remus nichts sagte.

„Nein, das stimmt", bestätigte Sirius, ohne sie anzusehen. „James hat es genauso wie ich gehört."

„Gehört?", bemerkte Remus. „Er hat es euch gesagt?"

„Jep."

„Und hat er gesagt, warum er das getan hat?"

„Er hat von der Tatsache gesprochen, dass Regulus zu weit gegangen sei", sagte James, indem er mit den Schultern zuckte. „Oh! Und er hat hinzugefügt, dass er es nicht wieder machen würde, aber ich denke nicht, dass wir daran hätten zweifeln können..."

Remus senkte nachdenklich den Kopf und Sirius war dankbar, dass sein Freund die Sache mit den Entschuldigungen ausgelassen hatte. Übrigens hatte Krone wahrscheinlich schon verstanden, was es bedeutete, und er sah nicht, warum er das vor den anderen beiden wiederholen sollte. Peter starrte Moony unentschlossen an.

„Was ist los, Remus?"

„Erinnert ihr euch daran, worüber Regulus sprach, als Sirius vor Zorn geplatzt ist?"

„Natürlich, über Davies", erwiderte Tatze mit gerunzelten Augenbrauen. „Und ich bin nicht 'geplatzt', ich war nur verärgert."

Die anderen drei starrten ihn mit neutralem Gesicht an und er schnüffelte als Zeichen seiner Niederlage.

„Einverstanden, einverstanden, ich bin geplatzt, aber sagt mal: Wer möchte denn diesen... dieses... Ding als Bruder haben, echt?"

Remus lächelte und fuhr fort:

„Wenn Snape sich entschlossen hat, in jenem Augenblick einzugreifen, so ist es vielleicht, weil er von dem verärgert war, was Regulus eben gesagt hatte."

„Das würde aber heißen, dass er versucht hätte, Davies zu schützen!", rief Sirius aus. „Er ist ein Slytherin, Moony!"

„Nein, Sirius, ich glaube, dass er Recht hat", unterbrach James mit dem Blick ins Leere. „Erinnert ihr euch an den ersten Unterricht, den wir mit Davies hatten, als Rita Kimmkorn bei Filch gesessen hat?"

Ein gemeinsames Losprusten sagte ihm, dass sich seine Freunde tatsächlich daran erinnerten. Er verkniff sich selber sein Lächeln und sprach weiter:

„Und an den Tag, an dem uns Davies erwischt hat, nachdem wir Snape allein in einem Gang gefunden hatten?"

Diesmal verzogen sie alle das Gesicht.

„Worauf willst du aber hinaus, Krone?", fragte Sirius.

„Seht ihr nicht? Als Kimmkorn die Slytherins befragen wollte, wer hat Zabini daran gehindert zu reden?"

Da er wegen ihrer ernsten Gesichter sah, dass er ihre Aufmerksamkeit gewonnen hatte, drängte er weiter:

„Und wenn uns Davies angeschnauzt hat, erinnert ihr euch daran, wie er von Snape gesprochen hat? Wie er gesagt hat, dass nicht unbedingt alle Slytherins Todesser sind?"

„Du denkst, dass sie sich gut miteinander verstehen", bemerkte Remus.

„Das stimmt, dass man so denken könnte, dass sie sich einander gegen die schlechte Meinung der anderen schützen...", nickte Peter mit gerunzelten Augenbrauen.

„Aber, aber...", stotterte Sirius. „Na... das ist Snape! Wie könnte sich eine mental gesunde Person gut mit ihm verstehen?"

„Wir können nicht sagen, dass wir ihn wirklich gut kennen, Sirius", sagte Remus mit verzogenem Gesicht. „Ich meine, wir sind seit sechs Jahren in der gleichen Schule, wir wechseln Beschimpfungen, sobald wir uns treffen, aber was wissen wir wirklich von ihm?"

„Sein Vater ist das Musterbeispiel eines Todessers", erwiderte Tatze kategorisch.

„Deine Eltern auch, Sirius", bemerkte Peter schüchtern. „Und trotzdem bist du weit davon entfernt, ihnen zu ähneln."

Das schien den Rumtreiber überlegen zu lassen.

„Ja", murrte er, „aber ich habe laut gesagt, was ich wirklich dachte. Snape handelt genauso wie ein zukünftiger Todesser! Wenn er anders denken würde, glaubt ihr nicht, dass er es ein bisschen mehr zeigen würde?"

Remus sah ungläubig zu, wie seine anderen beiden Freunde über Sirius' Argument nachdachten und es für gültig, ja sogar für überzeugend zu halten schienen.

„Ich kann es nicht fassen!", rief er aus.

Die anderen drei drehten sich zu ihm um und sahen, wie er die Augenbrauen runzelte und einen strengen Ausdruck aufsetzte.

„Was ist los, Moony?", fragte James verdutzt.

„Ich kann es nicht fassen, dass ihr so naiv sein könnt! Echt, wirklich! Habt ihr gesehen, von wem Snape den ganzen Tag umgeben wird? Während der Essenszeiten, der Unterrichtsstunden, und auch nachts? Er wird von Slytherins umgeben! Wenn es stimmt, dass nicht alle auszubildende Todesser sind, so soll es dennoch einen guten Anteil davon geben, glaubt ihr nicht? Wie, wenn er wirklich nicht mit der Stellung von Du-Weißt-Schon-Wem einverstanden wäre, könnte er es wirklich zeigen, ohne fast sofort gefoltert oder getötet zu werden oder gar beides?"

Die Rumtreiber sahen entmutigt aus.

„Mensch, Moony, du hast Recht", murmelte Sirius, der sich neben die anderen auf den Boden setzte. „Aber dann haben wir kein Mittel, die Wahrheit zu kennen. Er ist ein Slytherin, seitdem er klein ist, er hat es gelernt, heimlich zu handeln!"

„Warum können wir es ihn nicht fragen?", suggerierte Peter mit schwacher Stimme.

Da er die ungläubigen Blicke der anderen sah, fügte er eilig hinzu:

„Auch wir sind gegen die Todesser und Du-Weißt-Schon-Wen, oder? Er weiß es, er könnte es uns ganz einfach sagen, wenn es bei ihm auch der Fall wäre."

„Vertrauen, Peter", antwortete Remus düster. „Selbst wenn er uns genug vertrauen würde, dass er es uns sagen würde, ohne sich zu fürchten, dass die Slytherins davon hören, so müssten wir ihm genug vertrauen, dass wir ihm glauben würden. Immerhin könnte er uns doch verarschen. Während der letzten sechs Jahre haben wir nicht so gehandelt, als wollten wir eine vertraute Beziehung aufbauen..."

„Kurz und gut", fasste James seufzend zusammen, „kommen wir nicht weiter. Kein Mittel, mehr darüber zu wissen."

„Was machen wir also?", fragte Peter.

„Wir warten und wir schauen, vermute ich", antwortete Remus. „Offenbar vertrauen sich Davies und Snape gegenseitig. Wenn wir alle Beweise hätten, dass Davies ein Engel ist und dass wir ihm völlig vertrauen können, so könnten wir auch Snape annehmen, oder das zumindest versuchen", fügte er hinzu, als er Sirius' verzogenes Gesicht sah.

„Davies ist ein Engel", erwiderte Tatze.

„Remus hat Recht, Tatze", griff James ein. „Zur Zeit können wir uns dessen nicht ganz sicher sein, auch wenn wir alle ihm vertrauen wollen. Und", fügte er lächelnd hinzu, „immerhin ist er ein Lehrer in Verteidigung gegen die dunklen Künste. Er muss seltsam sein... Er verheimlicht eine Menge Sachen, aber wir haben kein Mittel herauszufinden, ob es gute oder schlechte Sachen sind. Wir werden so handeln wie früher und werden auf alles achten, was uns sagen könnte, was es mit ihm oder Snape auf sich hat."

Die anderen drei nickten gleichzeitig mehr oder weniger widerwillig, dann beugte sich Sirius nach vorne mit einem listigen Ausdruck auf dem Gesicht.

„Gut! Da wir nun mit dem Fall Davies und Snape fertig sind, wie wäre es, wenn wir über unseren nächsten Streich reden würden?"

oOoOoOoOo

Lucius ging mit eiligen Schritten die großen dunklen Korridore entlang, indem er jenen, die den Kopf auf seinem Weg senkten, missachtende Blicke zuwarf und jene, die vom Dunklen Lord hoch genug geschätzt wurden, dass sie sich vor seinem eigenen steigenden Einfluss nicht fürchteten, ganz einfach ignorierte.

Der Angriff, den er in Hogsmeade geführt hatte, war gescheitert, aber das war schon im Voraus sicher. Egal, wie sehr die Todesser gefürchtet wurden, schafften etwa dreißig unter ihnen nicht, ein Dorf voller volljähriger Bewohner zu verwüsten, die dazu fähig waren, sich zu verteidigen. Das sollte also nur ein einfacher Auftrag sein, bei dem sie nach Auskünften über den rätselhaften jungen Auror, Harry Davies, suchten, und darüber wusste Lucius, dass er stolz sein konnte, seinem Herrn so wertvolle Auskünfte wie die, die er besaß, weiter zu geben. Seine sehr schlechte Stimmung dagegen war – zumindest für jene, die ihn kannten – ein perfekter Beweis der Angst, die ihn innerlich verzerrte.

Nicht, dass Davies' Leistung selbst so stark auf ihn wirkte. Auch wenn der Mann mächtig war, vertraute er der Stärke des Dunklen Lords: Er war zwar eine Bedrohung, aber nichts Unüberwindbares. Auch wenn ihm die Zauber, die er benutzte, völlig unbekannt waren, war er immerhin immer noch ein Mensch und ein Mensch ist immer sterblich. Nein, was ihm solche Sorgen machte, war, dass der Feldzug überhaupt nicht so verlaufen war wie er sollte.

Lucius war vom Schlachtfeld völlig zufrieden zurückgekehrt und sicher, dass auch sein Herr zufrieden sein würde. Doch er hatte bald die Hoffnung verloren, als er die unerwartete Folge dieser Handlung erfahren hatte...

Er atmete tief und leise, dann betrat er vorsichtig den Raum, wo der schwarze Magier auf ihn wartete. Seine Augen hatten die Zeit, das einfache, aber teure Mobiliar zu betrachten, bevor er sie als Zeichen seiner Unterwerfung senkte. Der Raum war groß, ohne wirklich riesig zu sein, und ein beeindruckend großer Kamin, in dem ein Feuer knisterte, versuchte mit Verzweiflung die Luft zu erwärmen, doch die bloße Anwesenheit des Einwohners schien die Atmosphäre eisig zu machen. Der junge Todesser hatte sich oft gefragt, wenn er den privaten Empfangssaal seines Herrn betrat, ob es das Ergebnis eines Zaubers war, der ausgeübt wurde, um die unerfahrensten zu beeindrucken, oder ob es wirklich die einfache Aura des Dunklen Lords war, die so alle Bemühungen der Flammen zunichte machte.

Nach einigen Minuten ließ Voldemort endlich seinen Blick vom Kamin zu seinem Diener gleiten und Lucius verkniff sich ein Zittern unter dem scharlachroten Blick. Ein langes faules Zischen betonte die Bewegung der Riesenschlange, die auf dem Teppich lag, als sie zu den Füßen des schwarzen Magiers schlich und den Ankömmling mit ihren vertikalen Pupillen betrachtete. Der Dunkle Lord zischte etwas als Antwort, ohne sich umzudrehen, und das Kriechtier fiel wieder zu Boden, indem er seine Ringe wieder nah am Feuer auf der Suche nach ein bisschen Wärme legte.

„Nun, Lucius?", murmelte Voldemort, indem er sich in seinem dunklen Sessel ein bisschen tiefer setzte. „Hast du deinen Auftrag erfüllt?"

„Ja, mein Herr", antwortete der junge Mann ehrerbietig. „Ich habe den Auror Davies geprüft, wie Sie mich darum gebeten haben."

„Und? War es der Mühe wert?", fuhr der Dunkle Lord fort, indem er eine Augenbraue hob.

„Ja, mein Herr, das war es wert. Wir haben bemerken können, dass Davies beim Kampf mit sehr großen Fähigkeiten begabt ist, und er hat mehrere Zauber benutzt, die uns völlig unbekannt sind..."

„Wirklich?", zischte Voldemort mit einem fast amüsierten Ausdruck. „Und was war die Wirkung jener rätselhaften Zauber?"

Lucius, der den Spott in der Stimme seines Herrn hörte, zwang sich, die plötzliche Verbitterung zu verbeißen, die er dem Auror gegenüber verspürte, der ihn in eine so schiefe Lage gebracht hatte.

„Einer davon hat ihm erlaubt, in der Luft zu schweben, nachdem er außerhalb des Wegs eines unseres Flüche gesprungen war, mein Herr."

Das Amüsieren verschwand aus dem schlangenartigen Gesicht, während sich die fast unsichtbaren Augenbrauen nachdenklich runzelten.

„In der Luft schweben? Bist du dir dessen sicher, Lucius?"

„Absolut sicher, mein Herr. Er hat übrigens davon profitiert, um uns von oben anzugreifen."

Voldemort blieb einige Augenblicke lang still, dann sprach er weiter:

„Und der andere?"

„Macnair hat mir davon berichtet, mein Herr. Seine Gruppe bekämpfte die anderen beiden Auroren und eine Gruppe von Dorfbewohnern, als der Rückzug befohlen wurde. Adams ist Davies gerade entgegengelaufen, der zu ihnen ging, und Macnair hat gesehen, wie der Auror ihm einfach einen Faustschlag gab, bevor Adams nach hinten geworfen wurde und zwei der Unsrigen niederschlug."

„Was ist daran erstaunlich?", bemerkte der Dunkle Lord.

Lucius zögerte einen Augenblick lang, bevor er antwortete.

„Adams ist etwa fünf Meter weit geflogen, mein Herr..."

Voldemort starrte seinen Diener einen Moment lang an.

„Und er hatte keinen Zauberstab in der Hand?"

„Nein, mein Herr, Macnair war sich ganz sicher."

„Hmm."

Voldemort schenkte seine Aufmerksamkeit wieder dem Feuer, während er einen Augenblick lang die Schlange, die zu seinen Füßen lag, nachdenklich streichelte.

„Aber, Lucius", sprach er wieder, ohne ihn anzusehen, „wenn ihn deine Gruppe zuerst angegriffen hat, warum habt ihr dann zugelassen, dass er sich den anderen vor dem Rückzug näherte?"

Diesmal war Lucius' Zögern deutlich länger und der Dunkle Lord drehte sich mit einer erhobenen Augenbraue zum immer noch ehrerbietig gebeugten Kopf seines Dieners um. Der junge Todesser antwortete schließlich mit einer so festen Stimme wie er konnte.

„Er hat uns alle niedergestreckt, mein Herr."

Die zweite Augenbraue des schwarzen Magiers traf die erste bei ihrem Aufsteigen auf der blassen und engen Stirn.

„Alle niedergestreckt?", murmelte er. „Was ist die Bilanz des Angriffs, Lucius?", fragte er mit einer eisigen Stimme.

Lucius schluckte mit Schwierigkeit und antwortete:

„Elf von den Unsrigen wurden gefangen genommen, mein Herr."

Voldemort zischte lange vor Wut und die Schlange richtete sich sofort auf, bereit, sich auf den jungen Todesser zu stürzen, der ihrem Herrn missfiel.

„Und was ist die Ursache dieser peinlichen Niederlage, Lucius?", murmelte er mit einer gefährlichen Ruhe.

„Davies selbst hat fünf besiegt, mein Herr", stotterte der Todesser, indem er auf die Strafe wartete, die folgen würde.

Da nichts kam, ging Lucius das Risiko ein, in die Richtung seines Herrn zu blicken. Voldemort blickte ins Leere und seine Hand lag geistesabwesend auf dem Kopf seines tierischen Dieners. Schließlich ergriff er wieder das Wort:

„Du weißt, was dich erwartet, nicht wahr, Lucius?"

„... Ja, mein Herr", antwortete er, indem er den Kopf wieder senkte und sich verkrampfte.

„Crucio", sprach der Dunkle Lord aus, indem er seinen Zauberstab nachlässig hob.

Der Magier sah ruhig zu, wie sich der junge Mann mit Schmerzensschreien am Boden krümmte, dann beendete er den Fluch nachlässig, als er schätzte, dass es genug war.

„Vermeide es, in der Zukunft solche Irrtümer wieder zu begehen. Du darfst gehen, Lucius."

Der Todesser stand zitternd wieder auf, da seine Beine seinen Körper kaum stützen konnten, und senkte den Kopf als Zeichen des Gehorchens, bevor er schnell hinausging. Voldemort schloss die Tür mit einer Bewegung seines Zauberstabs und schenkte den Flammen wieder seine Aufmerksamkeit.

Über zehn Todesser von einem einzigen Auror besiegt und fünf davon gefangen genommen.

Als ihm seine Infiltrierten im Ministerium einige Monate früher von der Existenz von Davies und den seltsamen Auskünften berichtet hatten, die die Unsäglichen über ihn gegeben hatten, war die Neugier des Dunklen Lords dadurch angestachelt worden. Warum würden denn die Leute der Mysteriumsabteilung einen Menschen unterstützen, dem sie nicht vertrauten? Was hätte sie hindern können, Veritaserum zu benutzen, um über ihn Bescheid zu wissen? Es sei denn, es wäre gefährlich, zu viel über ihn zu wissen...

Und wenn dies tatsächlich der Fall war, warum hatten sie ihn dann nicht einfach an einem sicheren Ort versperrt, um sicher zu sein, keine Risiken einzugehen? Vielleicht, weil er in der gegenwärtigen Lage ein großer Trumpf sein konnte. Ein großer Trumpf gegen ihn? Solche Vermutungen hätte Voldemort bestätigen können wollen, doch die Mysteriumsabteilung war leider immer noch unzugänglich, auch für ihn. Und wenn er es geschafft hätte, einen seiner Leute darin zu infiltrieren, so wäre er nicht mal sicher gewesen, nützliche Auskünfte über diese Sache zu bekommen, da die Unsäglichen die Gewohnheit hatten, selbst mit ihren Kollegen, deren Hilfe ihnen nicht nützlich war, nicht von ihrer Arbeit zu reden.

Also hatte der Dunkle Lord gewartet, denn er konnte ja nicht wirklich etwas anders tun. Er hatte vor Davies selbst gewusst, dass sein erster Auftrag die Bewachung von Hogwarts sein würde. Die Auskünfte, die ihm seine Anhänger im Ministerium über die Reaktion von Lewis über diesen so genannten Australier gegeben hatten, hatten ihn über die Tatsache beruhigt, dass es nicht dafür war, ihn in Schach zu halten, wenn er einen Angriff gegen die Schule versuchen möchte, sondern dass es einfach eine neue Dummheit des Ministers war, der Dumbledores Beliebtheit gegenüber immer neidisch gewesen war und der sich vom möglicherweise gefährlichen Eindringling befreite, indem er ihn in ein Schloss voller Kinder steckte...

Lewis hatte es bestimmt schrecklich gebüßt, als der Mann schon beim zweiten Schuljahrestag auf der ersten Seite des Tagespropheten gestanden hatte, und noch mehr, als das Ereignis am nächsten Tag wieder geschehen war, denn natürlich hatte sich die Presse vor allem daran erinnert, dass Davies in Hogwarts lehrte, und nicht unbedingt an die Tatsache, dass er ein Auror war. Kurz und gut war es Dumbledore, der dabei gewann.

Doch hatte Voldemort seinerseits auch nicht gelacht, weil jener, den er verdächtigte, sein Feind zu sein – und nicht nur, weil er dem Ministerium diente –, seine erste Karte eben aufgedeckt hatte und weil sein Spiel beeindruckend gut sein sollte, wenn die Folge gleich war. Natürlich hatte ihn Rita Kimmkorns Artikel fast lachen lassen. Die Nicht-Menschen, sich alliieren, um ihn zu bekämpfen? Wie lächerlich war das! Auch wenn sie es annehmen würden, so wäre es dennoch ein Kinderspiel, sie zu vernichten, wenn er die Zauberer beherrschen würde.

Was ihn dagegen nicht amüsiert hatte, war zuerst, dass Davies elfisch konnte, was kein anderer lebendiger Menschen auf der Welt behaupten konnte, und dass er die Existenz dieses Volkes kannte und sich mit ihm gut verstand. Wenn Voldemort davon überzeugt war, nichts von den Arten von Nicht-Menschen, die er kannte, befürchten zu sollen, Tatsache war, dass die Elfen vorher für ihn nichts als Märchen und Legenden und dass er also nichts über sie wusste.

Außerdem hatte die Tatsache, dass er zwei Tage nacheinander auf der ersten Seite der beliebtesten Zeitung gestanden hatte, verursacht, dass ihn viele Leute sympathisch fanden, und noch schlimmer, seine kurze Rede hatte Hoffnungslichter in den Herzen wieder angezündet, die er sich bemüht hatte zu verfinstern, um ihren Willen schwächer zu machen. Davies hatte ihn also gehindert. Doch sagte sich der schwarze Magier nach zwei Monaten Stille von dieser Seite her, dass er nicht wirklich gefährlich war, wenn das alles war, was er tun konnte. Um das zu prüfen, hatte er sich entschlossen, etwa dreißig seiner Todesser mit dem Risiko, die öffentliche Aufmerksamkeit noch einmal zum Auror zu ziehen, einen Angriff in Hogsmeade ausüben zu lassen.

Doch Davies hatte Voldemorts schlimmste Befürchtungen noch übertroffen: Er hatte es geschafft, die Anhänger des Dunklen Lords lächerlich zu machen und den Dorfbewohnern einen völligen Sieg zu geben. Natürlich waren welche gestorben, doch was war es den Verlusten gegenüber, die die Todesser erlitten hatten? Voldemort wusste, dass der verfehlte Angriff am nächsten Morgen auf der ersten Seite des Tagespropheten stehen würde und dass zahlreiche Abonnenten beim Lesen vor Erleichterung lächeln würden.

Doch es war noch nicht das, worum er sich am meisten Sorgen machte. Der Dunkle Lord hatte die Magie lange studiert, und nicht nur die schwarze Magie. Er wusste, dass kein Zauber es einem Menschen heutzutage erlaubte, ohne Besen zu fliegen. Manche unter seinen jüngsten Anhängern hatte ihm vom Zwischenfall am Tag ihrer Ankunft in Hogwarts erzählt, aber er wusste, dass der Auror dann nur magische Geschöpfe benutzt hatte, die zur Schule gehörten. Auch Lucius wusste es und er hätte es bemerkt, wenn Davies noch einmal die Thestrale benutzt hätte. Was zu einem logischen Schluss führte: Der junge Auror nutzte unbekannte Zauber. Mächtige Zauber.

Voldemort wollte das Geheimnis dieser Zauber lüften.

Ein ganz leichtes Geräusch hinter der Tür des Raums ließ ihn den Kopf heben. Mit einer Bewegung seines Zauberstabs machte er den Türflügel auf, um jenen seiner Anhänger herein zu lassen, der darauf wartete, ihn treffen zu dürfen.

„Ach! Avery", zischte er und lächelte dabei voller Schadenfreude. „Hast du Neuigkeiten für mich?"

„Ja, mein Herr", antwortete der Todesser, indem er bis zur Mitte des Saals ging und den Kopf senkte. „Ihre Recherchen scheinen fruchtbar zu sein: Sie wird bald ein Ergebnis erreichen."

„Und weißt du, was dieses Ergebnis genau sein könnte?"

„Nein, mein Herr. Ich glaube, dass sie es selber nicht weiß."

„Gut, gut", murmelte der Dunkle Lord. „Dann brauchen wir nur, geduldig zu sein. Du wirst mir Bescheid sagen, wenn etwas Neues geschieht, nicht wahr, Avery?"

„Ja, mein Herr."

Mit einer Bewegung seiner Hand hieß Voldemort seinen Diener gehen, dann drehte er sich lächelnd zum Feuer um. Die Schlange hob den Kopf zu ihm und zischte fragend.

„Bald, mein Freund. Bald", antwortete Voldemort zischend.

oOoOoOoOo

Die Tage vergingen ruhig in Hogwarts, ohne dass irgendein seltsames Ereignis geschah. Dennoch wussten alle, die schon mehrere Jahre dort verbracht hatten, dass es nicht andauern würde. Der Oktober war nach dem Angriff der Todesser in Hogsmeade ohne weitere Probleme vergangen und dank der Presse oder den Briefen der Verwandten wusste jeder, dass diese Niederlage der Anhänger vom Dunklen Lord das Vertrauen der Zaubererbevölkerung sich selbst und ihrem Ministerium gegenüber erheblich vergrößert hatte, was Lewis keineswegs missfiel.

Mitten in der Schule wurde diese leichtere Stimmung durch die gewöhnlichen Taten der Rumtreiber betont. Trotz ihres erstaunlich verantwortlicheren Verhaltens hatten die Jugendlichen dennoch nicht auf ihre Streiche und Scherze verzichtet, doch jeder hatte ein neues Element bemerken können: Sie hatten ihre Ziele geändert. Wenn es noch oft die Slytherins waren, die unerwartet und völlig unkontrolliert während des Zaubertränkeunterricht in lautes Gelächter ausbrachen oder wie menschliche Chamäleons die Hautfarbe änderten, so geschah es dennoch viel seltener als vorher.

Und doch hatten die Rumtreiber ihre Tätigkeiten nicht vermindert, sondern sie hatten ganz einfach einen anderen Grund gefunden, sie auszuüben. Sie schienen sich nämlich gesagt zu haben, dass sie das Phänomen der ganzen Schule anwenden könnten, da ihnen ihr Lehrer in Verteidigung gegen die dunklen Künste einen strengen Tadel verpasst hatten.

Der erste Zwischenfall, der diese Geistesänderung bewiesen hatte, war kurz nach dem zweiten Quidditchspiel des Jahres geschehen, Gryffindor versus Hufflepuff. Die Mannschaft von Gryffindor hatte nur einen ganz kurzen Punktvorsprung auf ihre gegnerische Mannschaft und alles sollte sich mit dem goldenen Schnatz entscheiden, da sie nicht sich unterscheiden zu können schienen. Logan Finnigan hatte schließlich den kleinen goldenen Ball erblickt und hatte sich sofort auf ihn gestürzt. Kelly Morley, die Sucherin von Hufflepuff, hatte dann selbst den Gegenstand ihrer Suche gefunden und es war offensichtlich, dass sie ihn als erste ergreifen würde, als ein Klatscher auf ihrem Weg hingeflogen war, was sie gezwungen hatte, ihre Richtung blitzschnell zu ändern.

Inzwischen hatte Logan den goldenen Schnatz ergriffen und Frederick Hickman, der Treiber von Gryffindor, der den Klatscher im richtigen Moment geschlagen hatte, war triumphierend hoch gehoben worden. Als die junge Kelly gelandet war, hatte sich der Kapitän von Hufflepuff, Jonathan Lee, auf sie gestürzt und hatte ihr heftige Vorwürfe gemacht. Die Sucherin hatte versucht, sich zu rechtfertigen, indem sie vom Klatscher gesprochen hatte, aber Lee hatte nichts hören wollen. Völlig angewidert war die Hufflepuff ins Schloss gelaufen und hatte es abgelehnt, wieder aus ihrem Schlafsaal herauszukommen.

Doch James flog hoch genug, als der goldene Schnatz gefangen worden war, dass er die ganze Szene hatte beobachten können, und er war eine der wenigen Personen, die bemerkt hatten, dass Fredericks Klatscher gerade an Lees Nase vorbeigeflogen war, der ihn als Treiber hätte ableiten müssen, wenn er nicht vom Spiel und von der Gelegenheit seiner Sucherin, das Spiel zu gewinnen, so sehr befangen gewesen wäre. Der Fehler hätte ganz seiner sein müssen.

Am gleichen Tag war der Kopf von Lee, der in der Großen Halle mit seinen Freunden aß, zu einer ganz realistischen Darstellung eines Klatschers geworden, die angefangen hatte zu zittern und den Rest seines Körpers in allen Richtungen zu ziehen so wie es einer der richtigen Bälle getan hätte. Schließlich war der verblüffte Ausdruck der Lehrer verschwunden, als sie gesehen hatten, wie er fast gegen die Wand geschlagen wäre, und sie hatten befohlen, ihn zum Krankenflügel zu bringen, aber die Folge für den Hufflepuff war dennoch einige Tage lang ein schlimmes Kopfweh gewesen.

Natürlich wusste die ganze Schule im Nu Bescheid, vor allem, weil sich fast alle Schüler zu dieser Zeit in der Großen Halle befanden, und jeder wusste, wo das Phänomen herkam. Da Lee meistens ein ziemlich erträglicher Junge war, so hatte keiner verstanden, was es verursacht hatte, bis es Kelly annahm, aus ihrem Schlafsaal herauszukommen, und den Rumtreibern sofort dankte. Darauf hatte Sirius hochmütig geantwortet:

„Ich sehe wirklich nicht, worüber du redest. Das stimmt, wenn ein Kerl es ablehnt, seine Irrtümer zu gestehen, dann muss es heißen, dass er einen aufgeblähten Kopf hat, oder?"

Als Lee am nächsten Morgen zurückgekehrt war, hatte er sich sofort bei Kelly entschuldigt.

Diese Art von Ereignissen hatte sich oft genug wiederholt, dass es alle bemerkt hatten, aber die Rumtreiber wichen allen Fragen aus. Wie alle anderen stellte sich auch Lily Fragen, aber sie war sich fast sicher, dass sie ihre Antworten gefunden hatte. Davies hatte nämlich im Gegensatz zu vielen unter den anderen Lehrern, die sich fragten, ob nicht etwas Böses dahinter steckte, oft große Schwierigkeiten, seine Lust zu lachen zu verbeißen, wenn ihm eine dieser Anekdoten erzählt wurde.

In diese Gedanken vertieft kehrte die junge Gryffindor von der Bibliothek zurück und ihre Arme waren wie gewöhnlich von Büchern überhäuft. Anna hatte sie nicht begleiten können, da sie in ihre Arithmantikaufgabe vertieft war, und – einmal ist keinmal – sie wäre gerne Potter begegnet, damit er ihr seinen Verantwortungssinn noch einmal zeigte. Als sie sich dessen bewusst wurde, was sie eben gedacht hatte, musste sie sich zwingen, sich keine Ohrfeigen zu verpassen, was ihre Ladung zu Boden hätte fallen lassen.

'Also wirklich, Lily', tadelte sie sich selbst.

Da der Rumtreiber damit aufgehört hatte, alle zu verhexen, die ihm missfielen, und da er anfing, den Schützer der Witwe und des Waisen zu spielen, musste sie gestehen, dass sie zwar seine Bengelstreiche immer noch so sehr missbilligte, aber ihn dennoch... nun ja, auch wenn sie sich Ohrfeigen verpassen sollte, dann sollte sie auch ehrlich sein: Sie fand ihn fast sympathisch. Sie verbiss sich einen Seufzer und wollte um die Ecke des Ganges gehen, in dem sie sich befand, als Stimmen ihre Aufmerksamkeit erregten.

„Nein, Thomson, ich glaube nicht, dass es eine gute Idee ist", sagte eine Frauenstimme.

„Na warum denn? Das wäre uns sehr hilfreich, wenn uns Davies..."

„Er lehnt es schon ab, über irgendwas zu reden, was mit seiner Fähigkeit, elfisch zu reden, zu tun hat."

Lily lehnte sich dicht an die Wand. Thomson und O'Brien? Und offenbar sprachen sie von Professor Davies. Das Mädchen zögerte einen Augenblick lang. Man hatte ihr immer gesagt, dass es sich nicht gehörte, die Gespräche der anderen zu belauschen, aber das war so verlockend... Davies war jemand, der wirklich rätselhaft war, und Lily hätte viel gegeben, um mehr über ihn zu erfahren. Seine Kollegen sollten etwas wissen, oder? Entschlossen spitzte sie die Ohren, um dem Gespräch aufmerksamer zuzuhören.

„Ja, aber jetzt spricht man nicht nur von einer Fähigkeit, eine andere Sprache zu können als die der Menschen, sondern von einer Magie, die die Todesser nicht einmal kennen! Das wäre uns sehr nützlich..."

Lily runzelte die Augenbrauen. Eine Magie, die Voldemort nicht kennen würde?

„Er wird es ablehnen, Thomson. Wenn er gedacht hätte, dass er sie uns beibringen könnte, so hätte er uns früher davon erzählt, und nicht nur uns. Übrigens würden wir viel Zeit brauchen, um sie zu beherrschen, und heutzutage fehlt es uns an Zeit. Und ehrlich, haben Sie gesehen, wie erschöpft er nach der Schlacht war? Jemand, der unerfahrener wäre als er, würde sicher nicht mehr stehen können, nachdem er einen der beiden Zauber benutzt hätte, die er ausgeübt hat. Ich denke nicht, dass wir dabei viel zu gewinnen hätten."

Es herrschte Stille, dann seufzte Thomson.

„Sie haben wahrscheinlich Recht", murrte er unwillig. „Aber es muss wirklich nützlich sein, nicht-menschliche Zaubereien zu kennen..."

„Psst, Thomson, nicht hier! Sie wissen, dass er uns darum gebeten hat, nicht weiter darüber zu reden."

„Ja, ja, ich weiß. Sehr gut, in diesem Fall gehe ich zum Abendessen herunter. Kommen Sie mit?"

„Ja."

Lily erstarrte gegen die Wand des Gangs und hörte zu, wie sie sich entfernten. Davies sollte nicht-menschliche Zaubereien kennen? Das war aber unmöglich!

'Ich muss recherchieren, und zwar ganz schnell! Aber zuerst mit Anna darüber reden, sie wird mir helfen können...'

Lily entfernte sich von der Wand, um den beiden Auroren zur Mitte des Schlosses zu folgen, aber sie fühlte sich plötzlich nach hinten zurückgeschoben. Der Schock ließ sie leise schreien und all ihre Bücher fielen zu Boden.

„Na denn, Schlammblut, gehst du schon wieder alleine spazieren?"

Die junge Gryffindor hob hasserfüllte Augen zu ihrem Angreifer und seinen Helfern.

„Zabini", zischte sie. „Bist du nie müde, immer die gleichen Blödheiten zu sprechen?"

Der Slytherin lächelte selbstsicher.

„Na, na, Evans. Wie bissig..."

„Was willst du?", fragte sie ungeduldig.

„Ich? Oh, ich weiß noch nicht, ich könnte..."

Seine Augen richteten sich auf die Bücher, die auf dem Boden lagen.

„Du hast die Bibliothek schon wieder mal beraubt, Evans?"

Zabini beugte sich herunter und nahm eines der ältesten Werke. Lily schob diskret die Hand in die Tasche, in die sie ihren Zauberstab gesteckt hatte, und war bereit, ihn zu benutzen.

„Ich vermute, dass du Probleme hättest, wenn diesen Büchern etwas geschähe, nicht wahr?"

Der Slytherin lächelte mit einem bösen Ausdruck und näherte die Spitze seines Zauberstabs den alten Seiten.

„Nein!", schrie Lily, indem sie ihre Waffe herauszog.

„Expelliarmus", sprach einer der anderen Slytherins nachlässig aus.

Lily widerstand mit allen Kräften und bemühte sich darum, die Unterrichtsstunden in Verteidigung gegen die dunklen Künste praktisch zu üben, doch der Anblick von Zabini, der bereit war, die Zauberformel vom Incendio-Fluch zu sprechen, ließ sie in Panik geraten und ihr Zauberstab glitt aus ihren Händen. Erschrocken sah sie, wie das alte Zauberbuch unter dem spöttischen Lachen der Slytherins anfing, Feuer zu fangen... bevor die Flammen sofort erloschen. Ungläubig starrte Zabini das Buch einige Augenblicke lang an, bevor er mit gerunzelten Augenbrauen seinen Zauberstab wieder hob. Doch der Lederdeckel glitt plötzlich aus seinen Händen und schlug ihm auf die Nase.

„Aua!"

Der Slytherin krümmte sich nach vorne und seine Hände waren auf seinem Gesicht verkrampft, während das alte Buch den Bücherhaufen am Boden traf, der anfing, sich von selbst in einen wohl geordneten Stapel zu lagern. Die Siebtklässler – darunter Lily – starrten sie alle ungläubig an, bis eine Stimme hinter ihnen erklang.

„Ich finde wirklich, dass meine Lehre in diesen Gängen für sehr wenig zufrieden stellende Ziele benutzt wird."

Lily sprang auf und drehte sich erleichtert zu Professor Davies um, der einen strengen Blick auf ihre Angreifer richtete. Ein anderer Slytherin stand hinter ihm, aber Lily bemerkte, dass er verschämt aussah.

„Es tut mir Leid!", artikulierte er still, so dass ihn Davies nicht sehen konnte, zu seinen Mitschülern, die ihn vorwurfsvoll ansahen. „Er hat mir gedroht, mich zu verhexen, wenn ich euch warnte..."

„Genug", befahl der Erwachsene, indem er sich kurz zu ihm drehte – Gott allein weiß, wie er es bemerkt hatte –, und der Junge krümmte sich unter seinen gerunzelten Augenbrauen zusammen. „Ich ziehe jedem von Ihnen zehn Punkte von Slytherin ab, weil Sie eine Ihrer Mitschülerinnen belästigt haben, und Sie werden mich alle heute Abend für Ihr Nachsitzen treffen. Ist das deutlich?"

Die Slytherins nickten mit saurem Gesicht, während Zabinis Hand immer noch auf seine Nase gepresst war.

„Dann gehen Sie weg. Oh! Und, Mr Zabini, es nützt nichts, so zu tun, als ob es Ihnen weh tun würde, es gibt kein Risiko, dass ich Ihre Nase gebrochen hätte."

Der Jugendliche warf ihm einen bösen Blick zu, ging aber schnell weg, während ihm die anderen folgten. Davies drehte sich zu Lily um.

„Haben Sie nichts, Miss Evans?"

„Nein, das ist ein Glück, dass Sie eingegriffen haben", antwortete sie lächelnd.

„Kein Thema", fegte er mit einer Handbewegung weg. „Brauchen Sie Hilfe?", fügte er hinzu, indem er auf den Bücherstapel zu ihren Füßen wies. „Das scheint etwas schwer für Sie..."

„Na, wenn es Sie nicht stört...", nahm sie mit einem verlegenen Lächeln an.

„Aber gar nicht", behauptete Davies lächelnd.

Er bewegte seinen Zauberstab und die Bücher trennten sich in zwei Stapel, einer davon schwebte direkt zu Lilys Armen, während der Lehrer den zweiten bekam. Ohne ein weiteres Wort richteten sie sich zum Gryffindor-Turm. Lily biss sich zögernd auf die Lippe. Sollte sie ihm von dem erzählen, was sie eben erfahren hatte? Aber O'Brien hatte gesagt, dass er gewollt hätte, dass keiner Bescheid wusste, und Lily hätte es nicht wissen sollen... Widerwillig schob sie diese Idee zurück und sie entschloss sich, sich auf die Bibliothek zu verlassen, um mehr zu erfahren.

Das Porträt der Fetten Dame öffnete sich, als sie es erreichten, und die vier Rumtreiber kamen heraus. Sie stoppten plötzlich, als sie sie sich nähern sahen.

„Sagen Sie mir, dass sie Ihren Zorn erlebt hat?", rief Sirius mit hoffnungsvollem Gesicht aus.

Davies brach in lautes Gelächter aus.

„Nein, Mr Black, ich glaube, dass Miss Evans im Gegensatz zu anderen zu weise dafür ist..."

Sirius murrte protestierend und machte ein schmollendes Mäulchen, was seine Freunde lächeln ließ. Lily beobachtete die Szene und bemerkte sofort den Verhaltensunterschied von Black dem gegenüber, was er öffentlich zeigte. Er sah einfach... natürlicher aus.

„Hier, Miss Evans", sprach Davies weiter, was sie aus ihren Gedanken riss.

Er legte seinen Stapel vorsichtig auf den des Mädchens.

„Wissen Sie, Sie sollten weniger Bücher auf einmal nehmen, auch wenn Sie dafür zwei Reisen machen müssen..."

„Das habe ich ihr schon gesagt", bemerkte James mit einem stichelnden Lächeln.

„Dieser Rat klingt sofort viel weiser, wenn es von einem Lehrer gegeben wird, Potter", erwiderte Lily, bevor sie der Fetten Dame das Passwort sagte.

„Hey!", rief der Jugendliche fröhlich. „Das ist schrecklich kränkend, Evans."

Das Mädchen starrte ihn einen Augenblick lang an und war erstaunt, den leichten Ton zu hören, den er benutzt hatte. Der Potter von vor kaum einem oder zwei Jahren wäre wahrscheinlich wirklich gekränkt gewesen, wurde sie sich bewusst, während sie den Gemeinschaftsraum betrat und das Porträt sich hinter ihr schließen ließ.

Im Gang rief Harry zu den Rumtreibern, während sie anfingen, sich zu entfernen. Sie drehten sich fragend um ihn.

„Ich dachte, dass ich Ihnen Bescheid sagen sollte, dass ich Miss Evans in einem Gang Mr Zabini und seinen Helfern gegenüber gefunden habe", sagte er mit einer ruhigen Stimme.

Die Rumtreiber wechselten einen Kennerblick.

„Und warum erzählen Sie uns das?", fragte Sirius mit einem schiefen Lächeln.

„Oh, nur, falls Sie irgendeine Strafexpedition organisieren möchten...", sprach Harry mit der gleichen nachlässigen Stimme, obwohl ein gleiches Lächeln anfing, auf seinen Lippen zu erscheinen.

„Das ist nicht wirklich unsere Rolle", betonte Remus amüsiert.

„Natürlich, aber wer weiß..."

Und hierauf beendete er das Gespräch mit einer nachlässigen Bewegung seiner Hand und verabschiedete sich von ihnen, bevor er sich entfernte.

„Ist es nur ein Eindruck oder hat er uns eben seinen Segen gegeben?", fragte Peter.

Sirius antwortete mit einem einfachen Lächeln voller Schadenfreude.

„Das wäre für James die Gelegenheit, seine Geliebte zu verteidigen..."

„Oh! Lass mich damit in Ruhe, Tatze. Hat jemand eine Idee?", fragte James, dessen Lächeln darauf hinwies, wie ungeduldig er war, daran zu arbeiten.

„Wir sollten wissen, was geschehen ist", bemerkte Peter. „Wir haben bisher immer etwas getan, was mit dem, was wir bei einem tadeln wollten, eine Beziehung hatte..."

„Hmm...", sagte Remus. „Evans trug Bücher, nicht?"

„Ach! Das ist unleugbar, Remus", gab James ironisch zu. „Nun was?"

Remus' Gesicht traf einen Ausdruck, den es wegen seiner Ernsthaftigkeit nur bei seltenen Gelegenheiten traf: einen rumtreiberischen Ausdruck.

oOoOoOoOo

Anna legte ihre neue Bücherladung auf den Tisch, an dem ihre drei Freundinnen arbeiteten, dann setzte sie sich neben Lily und warf ihr langes Haar nach hinten.

„Ehrlich, Lily, ich denke, dass du dich verhört haben musst", murmelte sie mit gerunzelten Augenbrauen. „Es gibt nichts über einen Menschen, der Zaubereien von anderen Arten hätte lernen können, das ist unmöglich."

„Ich bin mir dessen sicher, was ich gehört habe, Anna", antwortete ihre Freundin, ohne von ihrem Buch wegzublicken.

„Entschuldigt mich", griff July ein. „Ich frage mich aber, ob wir nicht etwas zu weit gehen."

„Was meinst du?", fragte Eloise und hob die Nase vom Geschichtsbuch, in dem sie fleißig blätterte.

„Wenn du suggerierst, direkt Davies zu fragen, dann kannst du das vergessen", behauptete Anna kategorisch. „Er würde uns zweifellos für Verrückte halten und übrigens ist er ein Lehrer in Verteidigung gegen die dunklen Künsten, was heißt, dass er wahrscheinlich geistig verstört und vielleicht sogar möglicherweise gefährlich ist..."

„Anna!", unterbrachen sie einstimmig die drei Mädchen.

Im Laufe der Jahre, die sie miteinander verbracht hatten, hatten sie alle den natürlich misstrauischen und skeptischen Charakter ihrer Freundin kennengelernt, der manchmal so sehr übertrieben war, dass es lächerlich wurde. Lily hatte sich sogar oft gefragt, ob Anna nicht absichtlich übertrieb, um die Freude zu haben, sie das Gesicht verziehen und ihr missbilligende Blicke zuwerfen zu sehen.

„Ich frage mich, wer unter euch beiden am meisten geistig verstört ist", erwiderte Lily, um ihre Reaktion zu sehen.

Sie hatte die Freude, ihre Freundin erstarren und ihr einen empörten Blick zuwerfen zu sehen, einen Ausdruck, den man so wenig an der Stelle des Misstrauens auf ihrem Gesicht sah, dass July und Eloise ihr leises Lachen nicht verbeißen konnten, während ihr Lily einen unschuldigen Blick zuwarf. Anna fasste sich wieder und sprach mit einem schroffen Ton weiter, indem sie mit einer schnellen Bewegung ihr Haar hinter ihre Schulter warf:

„Na, July, was wolltest du sagen?"

Das Mädchen schickte sich an, weiterzusprechen, als sich Lily in ihrem Sessel plötzlich wieder aufrichtete und ihren Blick über ihre Köpfe richtete. Überrascht drehten sie sich alle um und erblickten, was die Aufmerksamkeit ihrer Freundin auf sich zog: Die Rumtreiber, die mit einem sehr ernsten Ausdruck redeten, gingen an ihrem Tisch vorbei, indem sie oft Blicke zum Eingang der Bibliothek warfen.

„Potter, was treibt ihr denn da?", fragte Lily autoritär.

Überrascht drehte sich der Rumtreiber um, bevor er seiner Gesprächspartnerin zulächelte.

„Evans. Was lässt dich denn denken, dass wir etwas vorbereiten?"

„Versuche nicht, mich zu verwirren, Potter! Nur für eure Bengelsstreiche seht ihr so interessiert aus und seit zehn guten Minuten geht ihr in der Bibliothek hin und her wie eingesperrte Tiere. Was treibt ihr?"

„Ach, immer einen so scharfen Beobachtungsgeist", bemerkte James mit einem betrübten Ausdruck. „Tja, das ist nichts wirklich Böses, Evans, wenn es dich beruhigen kann."

Lily sah ihn ungläubig an, während er ihr ruhig zulächelte so wie sie ihn selten hatte lächeln sehen, ganz weit entfernt von seinem gewöhnlichen spöttischen Ausdruck.

„James! Beeile dich", rief Sirius von einem Regal etwas weiter aus.

„Ja, ja! Ich komme", antwortete der Rumtreiber und traf seine Freunde, ohne sich weiter um die Mädchen zu kümmern.

„Was treiben sie eurer Meinung nach?", fragte July irritiert.

„Keine Ahnung", antwortete Anna lakonisch. „Und ich bin nicht sicher, dass ich es wissen möchte. Nun, worüber sprachst du?"

„Ach! Ja", rief die junge Ravenclaw aus. „Wisst ihr, warum Merlin berühmt ist?"

Die anderen drei sahen sie ungläubig an.

„Auch wenn ich den Zusammenhang mit Davies nicht sehe, weil er laut jedem der größte Zauberer aller Zeiten war", antwortete Lily.

„Ja, aber warum? Ich meine", präzisierte sie, als sie ihre Freundinnen die Augenbrauen runzeln sah, „wie ihr wisst, bin ich Muggelgeborene. Als ich also in Hogwarts angekommen bin und zum ersten Mal von Merlin als von einer Person hörte, die wirklich gelebt hat, und nicht nur als ein Mythos, so habe ich mich gefragt, was er so wunderbar hatte tun können, damit selbst die Muggel Jahrhunderte danach seine Existenz kennen."

„Das stimmt", murmelte Eloise. „Wir sind so sehr daran gewöhnt, dass Merlin jemand außerordentliches war, dass wir uns nicht mal darum kümmern zu wissen, warum. Und was hast du gefunden?"

„Merlin war der einzige Zauberer, der es je geschafft hätte, alle nicht-menschliche Zaubereien so gut zu beherrschen, dass er so wenig Energie benutzte, um sie zu nutzen, wie er für die menschliche Zauberei benutzte."

Es gab einen stillen Augenblick, während dessen die Mädchen die Nachricht analysierten, dann sprach Anna mit – wie gewöhnlich – gerunzelten Augenbrauen weiter:

„Wenn er es aber getan hat, so haben andere es unbedingt vor oder nach ihm versucht, oder?"

„Ja, zweifellos, aber man kann sich einfach vorstellen, was geschehen ist", behauptete Eloise. „Merlin sollte einer der ersten Menschen sein, die die nicht-menschliche Magie versucht haben, oder?"

Da July zustimmend nickte, fuhr sie fort:

„Jene, die es vor ihm versucht haben, müssen wegen des Riesenerfolgs von Merlin von der Geschichte vergessen worden sein. Das Gleiche gilt bestimmt auch für die, die es nach ihm versuchten."

„Aber ich denke, dass wir es wüssten, wenn zur Zeit eine andere Person als Professor Davies die nicht-menschliche Magie versuchen würde, oder?", bemerkte Lily. „Die magische Gemeinschaft sollte Bescheid wissen."

Das Schweigen zog sich in die Länge, dann sprach July schüchtern wieder:

„Vielleicht kommt es diesmal nicht von den Menschen, sondern von den anderen Völkern."

„July, lerne, expliziter zu sein", seufzte Anna und blickte zum Himmel, bevor sie wegen Lilys gerunzelter Augenbrauen und vor allem wegen ihres Fußtritts aufhörte.

„Sprich weiter, July."

„Hm... Ich dachte, dass man die Einwilligung und vor allem die Lehre der anderen intelligenten Arten brauchen muss, wenn man nicht-menschliche Magie lernen will. Was also, wenn diese Arten einfach die Entscheidung getroffen hätten, die Erfahrung wieder zu versuchen, als es sich erwiesen hat, dass Merlin eine Ausnahme war?"

„Das könnte möglich sein", flüsterte Lily.

„Warum haben also denn die anderen Völker die Entscheidung getroffen, Professor Davies ihr Wissen zu geben?", rief Eloise aus.

„Vielleicht hoffen sie, dass er der neue Merlin werden wird", murmelte Anna sarkastisch.

Sie hielt plötzlich inne, als sie die verständnisvollen Blicke ihrer Freundinnen sah.

„Um Merlins Namen, eben, werdet ihr das doch wohl nicht glauben?", rief sie ungläubig aus. „Der Merlin der modernen Zeit, der bescheidene Siebtklässler von Hogwarts lehrt..."

Lily schickte sich an etwas zu erwidern, aber ein plötzliches Durcheinander unterbrach sie.

„Was ist los?", fragte sie mit gerunzelten Augenbrauen.

„Noch etwas von Potter und Co, wette ich", murrte Anna, indem sie aufstand.

Lily richtete sich zu den Schreien, von ihren Freundinnen gefolgt, und blieb plötzlich vor Unglauben stehen. Etwa zwanzig Bücher flogen rasend schnell in der Luft wie ein Schwarm wütender Bienen, erhoben sich, zeichneten reizvolle Kurven und fielen wieder auf die Köpfe, die Brüste und die Glieder der unglücklichen Slytherins, die sich erwiesen, ihre Opfer zu sein. Mit Überraschung erkannte Lily Zabini wieder, der sich unter einem Tisch verkrümmte, um zu versuchen, sich zu schützen.

Zwei oder drei andere Slytherins beobachteten die Szene unbeweglich von der Seite, entweder, weil sie nicht wussten, was sie tun sollten, oder weil sie der Angriff der verrückten Bücher amüsierte. Ein Ziehen vom Mundwinkel von Snape zeigte, dass er, was ihn betraf, im zweiten Fall war. Doch Lilys Geist blieb an einer Tatsache hängen: Warum griffen die Bücher eben diese Schüler an? Während Madam Pince, die vom Durcheinander angezogen worden war, aus ihrem Büro lief und sich darum bemühte, alles wieder in Ordnung zu bringen, wurde sich die junge Gryffindor bewusst, dass die Ziele der dichten Zauberbücher keine anderen waren als ihre Angreifer vom vorigen Tag.

Sie hob den Kopf wieder und sah den erfreuten Blick ihres Lehrers in Verteidigung gegen die dunklen Künste. Davies stand im Schatten eines Regals, was erklärte, dass ihn keiner sonst bemerkt hatte, aber er sah gar nicht dazu bereit aus, einzugreifen.

'Doch nicht er...?', fragte sich Lily, indem sie die Augenbrauen runzelte.

Professor Davies, der ihren Blick fühlte, hob den Kopf und starrte sie auch an. Er schüttelte leicht verneinend den Kopf, als wüsste er ganz genau, was Lily dachte, und ließ seinen Blick dann diskret zu einem bestimmten Regal nicht weit von ihr gleiten. Das Mädchen folgte seinem Blick und drehte sich dann zu ihm um, doch der Lehrer war schon verschwunden. Sie zuckte mit den Schultern, ließ ihre Freundinnen die Szene bewundern und richtete sich langsam zum Ort, den er ihr gezeigt hatte.

Lily steckte den Kopf durch zwei Regalen und war kaum erstaunt, dort die vier Rumtreiber zu entdecken. Alle vier knieten und schauten die misshandelten Slytherins zwischen zwei beiseite geschobenen Büchern an.

„Tolle Idee, den Aufrufezauber zu ändern und ihn mit dem Magnetismuszauber zu koppeln, Remus", bemerkte Sirius mit erfreutem Gesicht.

Der junge Mann prustete vor Zufriedenheit los.

„Ja, ich bin nicht unzufrieden damit."

„Das ist dennoch etwas stark", bemerkte James. „Die Bücher fangen an, so sehr beschädigt zu werden wie die Gesichter der Slytherins."

„Na und?", fegte Sirius mit einem Schulterzucken weg.

„Mich stört es nicht wirklich, doch wird Evans unbedingt die Beziehung verstehen, wenn sie das sieht, und dann steht es schlecht mit uns. Und das wird noch schlimmer sein, wenn es Madam Pince ist, die uns überrumpelt."

„Schlimmer als Evans?", rief Sirius aus. „Das ist ja nicht möglich!"

„Man sieht, dass du nicht oft zur Bibliothek gehst, Sirius", bemerkte Remus. „Ich schlage vor, dass wir den Rückzug antreten."

„Ich bin einverstanden", nickte Peter sofort.

„Hey! Nach solch einem Sieg flieht man nicht..."

„Das ist kein Sieg, Sirius, das ist eine Strafe", betonte James. „Und wir fliehen nicht, wir treten den Rückzug an, bevor der Feind Verstärkung bekommt. Strategiefrage."

„Ach so...", murrte der Rumtreiber. „Klar, wenn man das so sieht..."

Die Jugendlichen schlichen sich diskret zum anderen Ende des Regals und flohen aus der Bibliothek, wobei sie darauf achteten, dass sie Madam Pince nicht erblicken konnte. Bevor er seinen Freunden folgte, blickte James ein letztes Mal hinter sich und er erstarrte, als er Lily sah. Das Mädchen wusste, dass ihr riesiges Lächeln nicht besonders das war, was er erwartete, aber sie konnte ihn nicht tadeln, nachdem sie solch ein Gespräch gehört hatte. Sie fragte sich, was mit ihr nicht stimmte, dass sie anfing, die Rumtreiber fesselnd zu finden und sogar Dankbarkeit ihnen gegenüber zu verspüren, während sie eine dieser Taten, die sie für so kindisch hielt, mit dem einzigen Ziel ausgeführt hatten, sie zu rächen. Unter normalen Umständen war es möglich, dass sie wütend gewesen wäre...

Sie musste sich etwas eingefangen haben, schloss sie, indem sie floh und James dabei am anderen Ende des Regals stehen ließ, bevor ihn ein beeilten Ruf von Sirius von seiner Lethargie herausriss.