Hallo an alle! Hier bin ich wieder mit dem nächsten Kapitel von der französischen FF von Dragonwing4 Changer le passé. Viel Spaß beim Lesen und einen herzlichen Dank an Verliebtindich, meine Betaleserin.

Disclaimer: Alle bekannten Charaktere und Orte gehören zu Mrs. Rowling und die Geschichte und die anderen Charaktere gehören zu Dragonwing4. Ich habe nur übersetzt.

Spoiler: Die ersten fünf Bände.


Eine zweite Chance

Die Vergangenheit verändern

Kapitel 9: Wo Voldy anfängt, seinen unheilvollen Plan des Jahres zu verraten:

Ein Mann ging energisch durch die Tür des privaten Audienzzimmers von Voldemort. Mit dem gewöhnlichen schwarzen Umhang bekleidet und das Gesicht von seiner Maske versteckt verneigte sich der Todesser schnell vor seinem Herrn. Die roten Augen drehten sich mit einem gierigen Leuchten zu ihm um.

„Nun, Avery, Neuigkeiten?"

„Ja, mein Herr! Das ist es, sie hat es geschafft, ein Ergebnis zu bekommen. Wir wissen immer noch nicht, worin es besteht, aber wir sind sicher, dass es immer noch in ihrem Besitz steht."

Voldemort machte es sich mit einem zufriedenen Zischen bequemer in seinem Sessel.

„Perfekt! Avery, egal, was das ist, ich will es. Du weißt, was du tun sollst."

„Ja, mein Herr."

Avery verneigte sich noch einmal und ging dann aus dem Raum hinaus, ohne zu warten. Es war Zeit, dass ihre Anhänger in Hogwarts ihren Fehler vom vorigen Treffen wiedergutmachten, als ein einfacher Squib sie daran gehindert hatte, ihrem Lord zu gehorchen.

oOoOoOoOo

Als Severus an jenem Tag aufstand, war das erste, was er bemerkte, das anormal erfreute und stolze Gesicht von Zabini.

„Was ist los?", fragte er mit gerunzelter Stirn.

Sein Mitschüler drehte sich zu ihm um, ohne auch nur zu versuchen, das zufriedene Leuchten zu verstecken, das in seinen Augen glänzte.

„Eine Mitteilung vom Herrn."

„Ein neues Treffen?"

„Nein, er vertraut mir einen Auftrag an."

Severus hob ungläubig eine Augenbraue.

„Einen Auftrag? Dir allein? Und darf man wissen, worum es geht?", fragte er.

„Du weißt sehr wohl, dass das nicht geht", antwortete der Slytherin dick auftragend. „Wenn einer unter uns zu geschwätzig wäre, dann würde es alles gefährden."

Severus zuckte mit den Schultern und tat, als würde ihn die Sache nicht mehr interessieren. Doch er konnte nicht verhindern, dass sich ihm vor Bitterkeit sein Herz zusammen krampfte. Wenn ein Auftrag einem einfachen Todesseraspiranten anvertraut wurde, dann war es etwas, was nur einer unter ihnen tun konnte, also hatte das unbedingt einen Zusammenhang mit Hogwarts.

'Das hatte ich ihm schon gesagt, ich kann keine nützliche Auskunft geben', ärgerte er sich still. 'Dav... Harry vertraut mir zu sehr.'

Er verbiss sich mit Schwierigkeit ein Zittern, als er sich zwang, seinen Lehrer bei Vornamen zu nennen. Auch das war eine seltsame Laune...

Wortlos bereiteten sich die Siebtklässler von Slytherin auf ihren neuen Unterrichtstag vor und gingen zur Großen Halle. Severus hörte dem endlosen Geschwätz von Zabini, der durch die Mitteilung offensichtlich wieder so hochmütig war wie eh und je, nur unaufmerksam zu. Der Zwischenfall mit Evans wenige Tage vorher und das, was sich daraus abgeleitet hatte, hatten ihn in einen verbissenen zornigen Zustand versetzt, der ihn seine gewöhnliche Redseligkeit hatte verlieren lassen. Heute allerdings erholte er sich deutlich...

„Was für ein Schweinehund, dieser Davies! Er hat uns den ganzen ungenutzten Teil der Kerker säubern lassen. Fasst ihr das? Das ist unglaublich, wie viel Ungeziefer man dort findet! Wir haben sogar einen Irrwicht gefunden und dieser Verrückte hat ihn behalten wollen! Ich vermute, dass es wohl die Art von Haustieren sind, die zu ihm passen..."

Severus hob erstaunt einen Augenblick lang den Kopf, während die anderen spöttisch lachten.

'Ein Irrwicht? Was treibt er damit?', fragte er sich perplex.

„Echt, all das wegen dieses Schlammbluts, der Evans... Sie wird es uns vergelten, das ist sicher!"

Severus hinderte sich daran, vor Langeweile zum Himmel zu blicken, und er wandte den Blick ab. Seine Augen richteten sich auf Potter, der ohne seine Freunde auf sie zu ging. Der Gryffindor hielt gerade vor Zabini inne, der einen Augenblick lang erstaunt aussah und sein spöttisches Lächeln dann wieder fand.

„Hey, das ist doch Potter! Wo sind deine Hündchen hin, Pott...?"

„Zabini", unterbrach ihn der Jugendliche. „Es sieht so aus, als hättest du einen harten Kopf. Ich war sicher, dass du eine ganze Weile im Krankenflügel bleiben müsstest..."

Severus fühlte, wie sich seine Langeweile steigerte.

'Es sieht so aus, als ob Potter den Kommentar über seine liebe Evans gehört hätte.'

„Ihr wart es also! Ich war mir dessen sicher. Du wirst es büßen, Potter!"

„Wie?", sprach der Gryffindor spöttisch weiter. „Sag mir nicht, dass du dich vor ein paar Büchern fürchtest?"

„Du bist nichts als ein Feigling, Potter! Der Mut der Gryffindors. Pah! Na klar! Du hast dich lieber versteckt, um uns diesen erbärmlichen Streich zu spielen, nicht wahr?"

'Gut, das reicht endlich', sagte sich Severus, als er seine Uhr prüfte. 'Ich sollte gleich frühstücken, wenn ich nicht zu spät im Unterricht ankommen will.'

Der Slytherin entfernte sich und ging nachlässig zur Großen Halle.

„Wiederhole das bitte noch einmal?", hörte er Potter ausrufen, ohne dem Aufmerksamkeit zu schenken. „Was meinst du eigentlich: Dass ich mich vor dir fürchten würde? Reiner Blödsinn, Zabini!"

Der Gryffindor brach in ein lautes verachtendes Gelächter aus.

„Perfekt!", erwiderte Zabini. „Wenn du dich also nicht vor mir fürchtest, so wird dich ein Duell nicht stören, nicht wahr, Potter?"

Severus hielt plötzlich vor den Türen inne. Ein Duell? Was war denn das? Und Zabini... Er drehte sich langsam um und ein Blick bestätigte ihm, was er vorgeahnt hatte: Zabini sah viel zu selbstsicher aus. Potter starrte ihn ungläubig an.

„Ein Duell? Mit den Auroren in den Gängen als Verstärkung zu Filch? Bist du verrückt?"

Der Gryffindor sprach nun viel leiser aus Furcht, dass sie einer der Lehrer hörte.

„Oh, ich bin mir sicher, dass man das arrangieren kann, Potter", antwortete Zabini mit einem spöttischen Lächeln. „Du hast bestimmt ein Mittel, das dir erlaubt diskret zu sein, da du es schaffst, so in der Schule herumzugehen wie du es willst, oder?"

„Das kann wohl sein, aber das würde sicher keinen Duell verstecken!"

„Hier nicht, aber in Hogsmeade?"

Potter öffnete die Augen weit.

„In Hogsmeade?", wiederholte er mit einer langsamen Stimme.

„Sieh mich nicht so an, als wäre ich geistig behindert", ärgerte sich Zabini. „Als Profischnüffler kennst du sicher einen Geheimgang, der dorthin führt, oder?"

„Mag sein", antwortete Potter mit einer vorsichtigen Stimme.

„Also treffen wir uns in Hogsmeade neben der Heulenden Hütte heute um Mitternacht. Passt es dir so?"

Der junge Mann sah ihn einen Augenblick lang nachdenklich, ja sogar argwöhnisch an.

„Oh", spottete Zabini. „Sieht es nicht so aus, als hätte der tapfere Gryffindor Angst vor einem kleinen Duell?"

Potter ärgerte sich sofort.

„Wie du willst", sagte er zwischen seinen zusammengepressten Zähnen. „Aber ohne Zeugen."

„Und warum das?", fragte der Slytherin. „Hättest du zufällig vor, mich im Rücken anzugreifen, sobald ich ankommen werde? Oh, natürlich nicht, das ist nicht gryffindorisch genug..."

„Maul zu, du Kretin. Wenn wir nur zu zweit sind, dann werden wir weniger Risiken eingehen, bemerkt zu werden."

„Hm", überlegte Zabini. „Ok, dann, kein Zeuge."

„Schwöre mir, dass du deine Kumpel wirklich nicht mitbringen wirst", fügte er hinzu und zeigte auf die anderen Slytherins.

Zabini seufzte vor Ungeduld.

„Potter, du bist wirklich..."

„Schwöre es."

„Ich schwöre es auf das Wappen von Slytherin. Passt es dir jetzt?"

„Ja. Wir treffen uns heute Abend."

Potter kehrte zur Großen Halle zurück, aber Zabini rief zu ihm.

„Oh, oh! Augenblick, Potter. Du glaubst doch nicht, dass du so einfach davonkommen wirst?"

„Was willst du?", murrte der Jugendliche.

„Auch du musst schwören."

„Ich schwöre auf das Wappen von Gryffindor, dass ich niemanden sonst heute Abend mitbringen werde. War's das?"

„Das war's, Potter. Bis heute Abend, und bereite dich vor, ins Gras zu beißen."

Der Gryffindor stieß ein missachtendes „Pah!" aus und ging wieder zu seinem Tisch, indem er an Severus vorbeiging, ohne ihn auch nur einmal anzusehen. Der Slytherin traf schnell Zabini und seinen Hof, die ihrerseits das Gleiche taten, um ihrem Gespräch zuzuhören.

„Bist du verrückt, Adrian?", rief einer der Siebtklässler. „Warum hast du das getan? Wenn dich die Auroren fangen, dann wirst du..."

„Maul zu", unterbrach Zabini. „Das geht euch nichts an, das ist zwischen Potter und mir."

Das Thema war also abgeschlossen und sie setzten sich alle, um schnell vor dem Anfang der Unterrichtsstunden zu frühstücken. Doch Zabini stand vor allen anderen wieder auf.

„Wo gehst du hin?"

„Zur Eulerei. Wartet nicht auf mich für Zauberkunst, ich treffe euch dort."

Der junge Mann entfernte sich schnell und verschwand in die Eingangshalle. Severus ließ nichts davon sehen, aber er fühlte ein plötzliches Herzklemmen. Seit wann musste Zabini so dringend Briefe schicken, dass er das Risiko einging, mit Verspätung im Unterricht anzukommen, anstatt es auf die Mittagspause zu verschieben?

'Ich warte und schaue, was passiert. Wenn es wirklich zu verdächtig wird, so gehe ich zu Dumbledore', entschloss er.

oOoOoOoOo

Lily ließ sich in den nächstbesten Sessel am Feuer fallen, und machte das Buch auf, das sie in der Hand hielt. Doch sie musste nach einigen Zeilen das Unleugbare gestehen: Sie schaffte es nicht, sich genug auf die Bedeutung der Wörter zu konzentrieren. Seufzend streckte sie sich aus und sah sich im Gemeinschaftsraum von Gryffindor um. So spät in der Nacht war es so ruhig... Und das war ihr Glück, denn Lily brauchte Ruhe, wenn sie es nicht schaffte zu schlafen.

Sie seufzte noch einmal und dachte wieder an den Brief, den sie eben von ihrer Familie bekommen hatte: Ihre Eltern warnten sie, dass ihre Schwester Petunia ihr Bestes tat, damit sie ihr nicht erlaubten, während der Winterferien zurückzukehren. Natürlich wusste sie nun schon längst, dass es Petunia nicht ertrug, eine Hexe als Schwester zu haben, und alles tat, damit ihre Eltern ihre Sicht übernahmen, aber das tat trotzdem so weh, von einem Mitglied ihrer eigenen Familie missachtet und gehasst zu werden...

Und nun empfahl ihr ihre Mutter tatsächlich, zu Weihnachten nicht zurückzukehren, damit die Spannung, die zwischen ihnen schon existierte, „nicht aufgereizt würde". Sie tat das nicht, um sie zu entfernen, Lily war sich dessen sicher, aber das tat trotzdem weh. So. Dieses Jahr würde sie mit den Lehrern, dem unerträglichen Hausmeister und nur etwa zehn Schülern, zu denen sie ihre Freundinnen bestimmt nicht zählen würde, die, was sie betraf, in ihre Heime zurückkehrten, in Hogwarts bleiben müssen.

Lily ließ ihre Tränen fließen, ohne zu versuchen, sie zurückzuhalten. Hier und jetzt konnte sie niemand sehen und sie konnte ihre Rolle als Vertrauensschülerin und Klassenbeste für einige Zeit fallen lassen. Wenn nur alle, die sie für ein Gehirn auf zwei Beinen hielten, sehen könnten, wie schwer ihr diese Rolle fiel. Immer erwartete man von ihr, dass sie Punkte für Gryffindor gewann, dass sie alles beantworten konnte, dass sie immer da war, um allen zu helfen.

Natürlich war sie Vertrauensschülerin, natürlich waren ihre Noten die besten ihres Jahrgangs, aber war sie nur das? Ein Abzeichen auf der Vorderseite eines Umhangs und O auf all ihren Aufgaben? Sie war von all dem müde. Die einzigen Momente, wenn sie den Druck ein bisschen entspannen konnte, waren jene, die sie mit ihren Freundinnen verbrachte. Natürlich hatte sie ihre vorigen festen Freunde gemocht, aber sie war sich immer früher oder später bewusst, dass sie ihr nie so nah würden sein können wie Anna, July und Eloise.

Also lernte sie, sie gewann Punkte für Gryffindor und die Rumtreiber verloren sie. War es so sehr erstaunlich, dass es sie ärgerte? Potter und die anderen waren so unreif... Doch sie musste gestehen, dass sie sich in letzter Zeit deutlich verbessert hatten.

Ein Geräusch ließ sie plötzlich aufspringen und sie drehte sich zur Jungentreppe um. Verschiedene Gedanken flogen durch ihren Geist wie 'Wenn man vom Teufel spricht...' oder 'Was treibt er denn da?', aber vor allem 'Wenn Potter sieht, dass ich geweint habe, dann steht es schlecht mit mir'. Sie erstarrte also in ihrem Sessel und schaute, wie der Jugendliche die letzten Stufen herunterging und zum Ausgang ging, ohne sie zu sehen. Gerade, bevor er hinausging, prüfte er, dass sein Zauberstab an seinem Gürtel hing und bedeckte sich dann mit einem Stück silbernen Stoffes.

Lily verbiss sich mit Schwierigkeit einen überraschten Schrei, während Potter plötzlich verschwand, als wäre er von der Luft geschluckt worden.

'Ein Tarnumhang!'

Ein Augenblick später öffnete sich das Porträt der Fetten Dame und schloss sich dann wieder. Ohne eine einzige Sekunde lang zu zögern, lief ihm die junge Gryffindor nach. Sie würde Potter nicht einen neuen dummen Streich vorbereiten lassen, wenn sie ihn daran hindern konnte! Aber andererseits: Warum waren die anderen nicht bei ihm, wenn es wirklich der Fall wäre? Sie runzelte die Augenbrauen und ging auch durch den Ausgang vom Gryffindor-Turm so leise wie möglich. Die Fette Dame, die tief schlief, ließ kaum ein Murren vernehmen.

Welchen Grund konnte Potter haben, in Hogwarts herumzugehen, wenn es nicht dafür war, eine neue Dummheit fertig zu stellen? Lily war neugierig, es zu entdecken. Jedoch würde es schwierig sein, dem Unsichtbaren Mann zu folgen. Sie schloss die Augen und konzentrierte sich fest auf die Stille, die im Gang herrschte. Ein leises Schrittgeräusch, das sich nach links entfernte, belohnte sie für ihre Geduld. Mit stark klopfendem Herzen fing sie an Potter zu folgen, ohne selbst gesehen zu werden.

Da sie auf Zehenspitzen ging und jederzeit ihren Atem anhielt, war sie atemlos, als sie schließlich in einem der Gänge des vierten Stocks ankamen. Die leisen Schritte stoppten und sie hielt sofort inne. Sie steckte den Kopf vorsichtig um die Ecke des Gangs herum, der sie vom Rumtreiber trennte, und sah mit Überraschung, wie der große ovale Spiegel, der an der Wand hing, beiseite klappte. Die Schritte ertönten im gerade entdeckten Geheimgang und der Spiegel fing an, sich zu schließen. Lily stürzte sich so leise dorthin wie sie es konnte und schaffte es, sich in die Öffnung zu schleichen.

Als der Rahmen wieder die Wand traf, stoppte Potter wieder. Lily erstarrte, da sie sicher war, dass er sie trotz all ihrer Vorsichtsmaßnahmen gehört hatte, aber das Rascheln eines Stoffes und ein geflüsterter Zauber erklangen im Gang und ein gedämpftes Licht erhellte ihren Weg. Sie schritt vorsichtig bis zur Ecke des Gangs und blickte schnell auf die andere Seite, so dass sie sah, wie der Rumtreiber seinen Tarnumhang sorgfältig in die Tasche seiner Uniform steckte, weiter ging und dabei seinen Zauberstab hoch über seinen Kopf hob, um seinen Weg zu sehen.

'Was treibst du denn, Potter?', dachte sie, indem sie die Augenbrauen runzelte.

Dann folgte sie ihm – sie war dazu entschlossen, bis zum Ende weiter so zu machen –, indem sie sich in den Schatten weit genug von ihm versteckte, damit er sie nicht sah, wenn er sich umdrehte.

oOoOoOoOo

Harry sprang aus dem Schlaf hoch und Tränen flossen noch einmal über sein Gesicht. Immer wieder diese verfluchten Erinnerungen, die es ablehnten, ihn in Ruhe zu lassen... Der Schlaftrunk für traumlosen Schlaf war für ihn ein Segen, leider konnte er ihn nicht jeden Tag einnehmen, sonst würde er sich daran gewöhnen und nicht mehr auf diese Unterstützung zählen können. Also benutzte er ihn nur, wenn er mehrere Nächte nacheinander schlecht geschlafen hatte, um zu vermeiden, dass die Erschöpfung zu groß wurde.

Seine langen Haare glitten vor seinem Gesicht und klebten auf seiner nassen Haut. Verärgert schob er sie nach hinten zurück und wischte schnell seine Wangen. Seine Uhr zeigte auf kurz vor Mitternacht. Mit einem resignierten Seufzer entschied er, noch einmal den Trank benutzen zu müssen. Die ganze Nacht lang wach bleiben und sie damit verbringen, Hausaufgaben zu korrigieren und Unterrichtsstunden vorzubereiten, war nicht reizend für ihn. Ein gedämpfter Lärm unterbrach ihn, während er das Fläschchen ergriff, das neben seinem Bett stand. Überrascht wurde er sich bewusst, dass jemand stürmisch an seine Tür klopfte.

'Um diese Stunde?', dachte er verdutzt. 'Ist etwas passiert?'

Er ließ den Trank dort stehen, wo er war, stand eilig auf und lief zur Eingangstür, die er schnell aufmachte.

„Severus?", rief er aus.

Der atemlose Slytherin betrat den Raum und ließ sich in einen der Sessel fallen, um seinen Atem wieder zu finden. Harry ging sofort auf ihn zu.

„Was ist geschehen? Was machst du hier?", fragte er mit einer besorgten Runzel auf der Stirn.

„Dumbledore...", murmelte der junge Mann als Antwort. „Ich kann sein Büro nicht betreten. Selbst

mit dem Passwort lässt mich der Wasserspeier nicht durch!"

„Aber warum wolltest du Dumbledore treffen?", fragte Harry weiter.

„Ich wollte ihn warnen. Du-Weißt-Sch... Vol..."

Harry lächelte, als er sah, wie sein junger Schüler das Gesicht verzog und dazu unfähig war, diesen Namen völlig auszusprechen. Zumindest versuchte er... Erst dann wurde er sich bewusst.

„Voldemort?", rief er aus. „Was hat er getan, Severus?"

„Zabini hat heute Potter zu einem Duell herausgefordert. Der Duell soll binnen kurzer Zeit in Hogsmeade stattfinden."

„In Hogsmeade?", wiederholte Harry ungläubig.

„Lass mich aussprechen", unterbrach Severus. „Heute Morgen hat Zabini vor uns gestanden, dass man ihm einen Auftrag anvertraut hatte, aber er hat nicht sagen wollen, was das war. Aber ich bin sicher, dass seine Rolle eben war, Potter außerhalb von Hogwarts wegzulocken! Zabini sieht seit dem Zwischenfall mit ihm viel zu stolz aus und heute Abend hat er geprahlt, dass Du-Weißt-Schon-Wer davon erfreut sein würde, was er getan hat. Das sind zu viele Zufälle!"

Severus hatte keine Zeit, ein weiteres Wort zu sprechen, und schon war Harry durch die Tür verschwunden, die zu seinem Zimmer führte.

„Warum hast du nicht früher versucht, jemanden zu warnen?", hörte er ihn dennoch mit einem Anflug von Panik in der Stimme sagen.

„Ich konnte es nicht! Ich steckte mit den anderen zusammen. Das wäre zu verdächtig gewesen, wenn ich weggegangen wäre..."

Severus hielt inne und starrte den Auror, der eben wieder herausgekommen war, verblüfft an. Harry zog mit einer Hand schnell ein Hemd an, hielt Stiefel in der anderen und seine Zähne waren auf seinem Zauberstab und einem Stück Pergament gepresst. Er sah zu, wie er sein Kleidungsstück zuknöpfte und seine Stiefel anzog, während er seine übrige Ladung auf einen Sessel fallen ließ, um ihm antworten zu können.

„Natürlich", murmelte er. „Entschuldige, ich reg mich ein bisschen zu sehr auf."

„Macht nichts", konnte der Slytherin murmeln, der von seiner Schnelligkeit immer noch überrascht war.

'Der sieht wie ein alter Veteran aus, der die Hälfte seines Lebens in Kriegszeiten gelebt hat', dachte er geistesabwesend.

Der Auror ergriff fest seinen Zauberstab und tätschelte das Pergament damit, indem er zur Tür lief. Severus stand schnell wieder auf, um ihm zu folgen, und hörte ihn etwas Unhörbares murmeln. Er hob kaum eine Augenbraue, als er sah, wie sich das früher leere Papierstück mit Tintenzügen bedeckte, doch der Fluch seines Lehrers ließ ihn in Verlegenheit geraten. Das war das erste Mal, dass er ihn so umgangssprachlich reden hörte.

„Ein Treffen des Ordens! Kein Wunder, dass du nicht rein konntest...", murmelte er.

„Der Orden?", wiederholte Severus, ohne zu verstehen.

„Unwichtig! Hör zu, kehre zum Eintritt von Albus' Büro zurück und warte so lange wie nötig, aber sag ihm Bescheid. Ich werde sie aufhalten, aber ich weiß nicht, ob ich lange aushalten werde. Verstanden?"

Severus nickte und sah ihn die leeren stillen Gänge entlanglaufen.

'Sie aufhalten? Spricht er von den Todessern? Aber verdammt, warum würden sie sich für Potter interessieren?', fragte er sich.

Dann fasste er sich wieder und ging dorthin, wo er herkam. Egal, was dieser Orden war, das war sicher nicht so wichtig wie ein von den Todessern bedrohter Schüler, sei er nur ein blöder Gryffindor, und ein Lehrer, sei er nur ein mächtiger Auror, der ihm nachlief.

oOoOoOoOo

Harry schob die Tore der Eingangshalle heftig auf und lief hinaus, ohne sich darum zu kümmern, sie wieder zu schließen. Mit schnellem Atem lief er zur Peitschenden Weide. Er kannte drei Geheimgänge, die von Hogwarts nach Hogsmeade führten: Der erste war der von der einäugigen Hexe im zweiten Stock, der direkt zum Keller vom Honigtopf führte, aber Harry zweifelte daran, dass die Besitzer des Süßigkeitenladens es mögen würden, wenn ein Auror mitten in der Nacht plötzlich bei ihnen zu Hause erschien, und er vermutete, dass die Haustür verschlossen war. Also gab es kein Mittel, sich diskret hinauszuschleichen.

Der zweite war der vom Spiegel im vierten Stock, aber er hatte ihn nie benutzt denn er war in Hogwarts zu seiner Zeit eingestürzt, so dass er nicht wusste, wie er ihn aufmachen sollte, und wo er hinführte. Nun wollte er sich gar nicht in einem anderen geschlossenen Ort oder noch einige Kilometer vom Dorf selbst entfernt befinden, nicht in solch einem Moment. Blieb also jener zur Heulenden Hütte.

Der verrückte Baum bewegte zornig seine Zweige, als er sich näherte, aber Harry verlangsamte nicht einmal seinen Schritt. Ganz im Gegenteil starrte er die drohenden Zweige an, bemerkte in einer Ecke seines Geistes ihre erratischen Bewegungen und stürzte sich sofort ohne die winzigste Vorsicht in eine Lücke zwischen ihren Schlägen. Die Peitschende Weide schaffte es nur ein einziges erbärmliches Mal, ihn anzugreifen, bevor er sich in den Geheimgang unter ihrem Stamm stürzte.

Harry verzog das Gesicht und fuhr mit einer Hand auf die ganz neue Schnittwunde auf seinem Arm.

'Nicht schlimm', schätzte er. 'Ich muss jetzt los wetzen.'

Hoffentlich würde er rechtzeitig ankommen.

oOoOoOoOo

Lily folgte James aus dem Geheimgang hinaus und entdeckte eine enge Gasse, die Tag und Nacht dunkel war. Das Mädchen drehte sich heftig um, aber die Öffnung, durch die sie beide gegangen waren, war nicht mehr sichtbar; nur eine alte hinfällige Backsteinmauer stand da. Von Angst gepeinigt streckte Lily die Hand aus und wurde sich mit Erleichterung bewusst, dass ihre Handfläche kein Hindernis traf und direkt durch die Täuschung fuhr, die den Gang versteckte.

Sie konnte sich vorstellen, dass ein zweiter Schutz hinzugefügt worden war, damit jene, die nicht wussten, dass der Gang da war, keine Chance hatten, ihn zufällig zu entdecken. Ja, Hogwarts war wirklich gut geschützt...

Das Geräusch der Schritte von Potter, die sich entfernten, brachte sie zur Realität zurück. Da sie sich davor fürchtete, alleine in diesem verwahrlosten Ort zurückzubleiben, folgte sie ihm, indem sie so diskret wie möglich blieb. Bald gingen sie zu ihrer großen Erleichterung an einer schäbigen Kneipe vorbei, die sie als den Eberkopf wiedererkannte. Sie waren in Hogsmeade! Ihre erste Idee wurde bald bestätigt, als sie sich auf einer Straße befanden, die sich als die Hauptstraße des Dorfes erwies. Sie entspannte sich ein bisschen, aber am Gedanken daran, was ihnen geschehen würde, wenn sie beide um solch eine Stunde außerhalb der Schule wären entdeckt worden, verspürte sie plötzlich Gewissensbissen.

Von der Neugier getrieben, folgte sie ihrem Mitschüler von Gryffindor dennoch weiter und entdeckte bald, dass er sich von der Dorfmitte entfernte. Eigentlich gingen sie sogar an den letzten Häusern von Hogsmeade vorbei und der junge Mann schien seinen Schritt nicht verlangsamen zu wollen. Lily hatte es schließlich satt, ihn zu beschatten, und traf die Entscheidung, dass es reichlich Zeit war, den Rumtreiber auf frischer Tat zu erwischen.

„Potter!", rief sie plötzlich.

James sprang vor Überraschung ganz hoch auf und drehte sich um.

„Evans?", rief er aus. „Was tust du denn da?"

„Ich folge dir, weißt du!", antwortete das Mädchen und näherte sich wütend dem Unruhestifter. „Seit Hogwarts. Und ich möchte gerne wissen, was du hier mitten in der Nacht tun willst?"

„Das geht dich gar nichts an, Evans", stieß James aus. „Hau jetzt ab, ich habe was anderes zu tun!"

„Oh doch geht es mich an! Ich bin Vertrauensschülerin, hast du das vergessen?"

„Ich hätte Schwierigkeiten, es zu vergessen, wenn man die ganze Energie betrachtet, die du daran setzt, uns daran zu erin..."

Der Rumtreiber stoppte mitten in seiner Erwiderung und erstarrte.

„Potter?", fragte Lily, indem sie die Augenbrauen runzelte.

„Hast du das gehört?", flüsterte er.

„Aber worüber sp..."

„Na, na, na", lachte plötzlich eine spöttische Stimme. „Es scheint, dass unser Gryffindor sein kleines Lieblingsschlammblut mitgebracht hat. Umso besser, das wird noch lustiger werden..."

„Todesser!", schrie James, als er eine dunkle Silhouette, die bald von etwa zehn anderen gefolgt wurde, aus den Schatten neben der Heulenden Hütte erscheinen sah.

Lily, die wegen der Überraschung, dann wegen des Entsetzens erstarrte, sah regungslos, wie er seinen Zauberstab eilig zückte.

„Und dazu ist er noch hellseherisch", spottete die gleiche Stimme. „Crucio."

Der Fluch traf James voll im Bauch, so dass er kurz nicht mehr atmen konnte. Er fiel sogleich zu Boden, krümmte sich vor Pein und schrie, wie er nie geschrien hatte. Nie hatte er einen so heftigen Schmerz seinen Körper durchfluten, seinen Geist quälen, ihn so lange überwältigen spüren, bis er an nichts anderes denken konnte als an diesen unendlichen Schmerz. Alles, was er kannte, was er mochte oder verabscheute, was wichtig oder unwichtig war, was er je gesehen, gehört, berührt, gerochen oder geschmeckt hatte, nichts mehr existierte außerhalb des Fluchs, der ihm die Eingeweide fraß. Seine Welt war nur noch Schmerz.

Dann stoppte all das und sein vom Pein betäubtes Gewissen wurde sich undeutlich des bösen Lachens der Todesser und des Schreis von Lily bewusst.

„James! Ihr verfluchte... Expelliarmus!"

Das spöttische Lachen stoppte sofort und der Lärm eines Schocks benachrichtigte ihn, dass der Zauber einige von Voldemorts Speichelleckern getroffen hatte, die nicht auf der Hut gewesen waren.

„Verfluchtes Schlammblut", murrte die Stimme, die den Unverzeihlichen Fluch gesprochen hatte. „Das wirst du uns vergelten."

'Lily...'

James mobilisierte die ganzen Kräfte, die ihm übrig blieben, machte die Augen auf, ignorierte die heftigen Proteste all seiner Glieder und warf sich zu seinem Zauberstab, der etwas weiter gerollt war, als ihn die Muskelverkrampfungen gezwungen hatten, ihn fallen zu lassen. Er hob ihn sofort zum Todesser, der schon auf die Gryffindor zielte.

„Stupor!", konnte er mit einer rauen Stimme aussprechen.

„Protego!", rief der Mann aus, der seine Bewegung aus dem Augenwinkel erblickt hatte.

Der Schild und James' Zauber löschten sich gegenseitig aus, sobald sie sich trafen, aber Lilys Stuporfluch, was ihn betraf, traf kein Hindernis und erreichte direkt sein Ziel. Der Todesser stürzte sofort zu Boden. Einer jener, die ihm folgten, sprang nach vorne in genau dem Augenblick nach vorne, als James mehr schlecht als recht versuchte, wieder aufzustehen.

„Verfluchte Kinder!", fluchte er. „Crucio!"

James stürzte zum zweiten Mal zu Boden und seine Stimmbänder schienen, sich von seinem Hals ausreißen zu wollen, während sein Blut in seinen Adern zu Lava wurde. Lily starrte ihn mit machtlosen Tränen in den Augen an.

„James! Nein!"

„Expelliarmus."

Der Zauber eines anderen Todessers traf sie unerwartet und sie kämpfte kaum, um ihm zu widerstehen. Sie wurde zu Boden geworfen, während die mit schwarzen Umhängen bekleideten Zauberer ihren Helfer wieder belebten und ihm halfen, wieder aufzustehen. James war verstummt und seine Muskelverkrampfungen hatten aufgehört, aber er bewegte sich nicht mehr. Lily beobachtete ihn mit Verzweiflung und suchte mit allen Stärken nach einem Lebenszeichen im regungslosen Körper des Gryffindors. Ein Zauberstab erschien plötzlich in ihrem Sichtfeld, einige Zentimeter von ihrem Gesicht entfernt. Instinktiv schritt sie nach hinten.

„Genug gespielt."

Der Todesser, auf den sie beide gezielt hatten, klang ziemlich verärgert.

„Wir haben nichts mit der da zu tun, besser ist, sie aus dem Weg zu bringen, bevor sie uns noch mehr Probleme macht."

Lily erstarrte wegen des deutlichen Sinns dieses Satzes und senkte ihre von den Tränen getrübten Augen, um auf ihren Tod zu warten. Dabei traf plötzlich ihr Blick James und vor Ungläubigkeit hörte sie auf zu atmen. Der junge Mann versuchte, nachdem ihn zwei Cruciatusflüche nacheinander voll im Bauch getroffen hatten, sich wieder aufzurichten, und seine Augen, die die junge Gryffindor anstarrten, drückten gleichzeitig Angst und Wut aus.

Ein Fußtritt im Gesicht von einem der maskierten Gesichter beendete seinen rasenden Versuch, aber Lily spürte, wie etwas Warmes in ihrer Brust zum Leben erwachte. Die Stimme des Todessers brachte sie zur Realität zurück und sie hob den Kopf hochmütig zu ihm. Sie würde vielleicht auf den Knien sterben, aber nicht wie ein Feigling. Sie war eine Gryffindor...

„Avada Ked..."

„Pyro!"

Das Brüllen hallte von den Häusern von Hogsmeade wider, aber der Todesser hatte keine Zeit, sich umzudrehen: Sein Umhang hatte Feuer gefangen. Schreiend warf er sich zu Boden, um zu versuchen, es zu löschen. Lily drehte heftig den Kopf zu ihrem Retter um und James schaffte es, sich auf den Rücken zu legen, um ihn sehen zu können. Die anderen Todesser drehten sich gleichzeitig um und ihre Zauberstäbe zielten schon auf den Eindringling.

Eine Sekunde später trafen zwei unter ihnen heftig den Boden, da sie vom wütenden Auror voll getroffen wurden, der aus den Schatten der Heulenden Hütte erschienen war. Die völlig schwarze Kleidung ihres Lehrers in Verteidigung gegen die dunklen Künste zerfloss in der Dunkelheit der Nachtmitte und Lily und James erkannten ihn nur dank seinem langen schwarzen Haar wieder, das all seinen Bewegungen folgte. Mit einem Rückwärtssalto wich er dem Fluch aus, der auf ihn zielte, und er schlug schon zurück, bevor seine Füße wieder den Boden berührten.

Verblüfft schauten die beiden Gryffindors zu, wie die Zauber in allen Richtungen flogen, ohne ihn je zu treffen. Die Todesser fielen wie in einem Kegelspiel und trotz all ihrer Bemühungen schafften es immer weniger unter ihnen, wieder aufzustehen. Lily fasste sich wieder, kroch vorsichtig zu James, legte sich neben ihn auf den Boden und murmelte den Schildzauber.

Etwas weiter in der Richtung des Dorfes fingen Lichter an, an den Fenstern der Häuser angezündet zu werden. Die Einwohner, die vom Lärm geweckt worden waren, machten ihre Fensterläden vorsichtig auf, um zu verstehen, worum es ging. Einer der Todesser beging den Fehler, sich umzudrehen, und seine Maske glänzte in den Lichtern von Hogsmeade. Sofort erklangen Warnrufe und die Zauberer entfernten sich von ihren Fenstern, um auf der Straße mit dem Zauberstab zu erscheinen und zum Kampf zu laufen.

Im gleichen Augenblick erklang ein lauter Knall, der die Ankunft vom Schulleiter von Hogwarts ankündigte, der von über fünfzehn Leuten begleitet wurde. Die lebendige Fackel, die es geschafft hatte, sich auszulöschen, aber wahrscheinlich an schweren Brandwunden leiden würde, schrie den Rückzug. Einer der Todesser, der von der Dringlichkeit getrieben wurde, schaffte es, Professor Davies mit einem einfachen Expelliarmus zu treffen, der ihn als einzige Wirkung einen Augenblick lang schwanken ließ. Sofort nahmen die maskierten Männer ihre Verwundeten am Boden mit und flohen schnellstmöglich zu den Feldern neben der Straße, um disapparieren zu können.

Der Auror, dessen Gesicht vor Wut verkrampft war, schrie einen letzten Fluch, der den Mann, der Lily beinahe getötet hätte, voll im Rücken traf. Er fiel am Rand der Straße so steif wie ein Holzbrett um. Da sie sicher waren, dass er nicht weiter gehen würde, stürzten sich Dumbledore und seine Männer den anderen nach, bald von einem großen Teil der Dorfbewohner gefolgt.

Die Schreie erloschen allmählich und Lily sah, wie einige neugierige und aufgeregte Kinder aus den Häusern gingen, bevor sie von den bleibenden Erwachsenen heftig zurückgezogen wurden. Eine irreale Stille fiel über die Szene. Nur sie, James, der immer noch lag und dazu unfähig war, sich zu bewegen, und der Todesser, der völlig regungslos in seinem verbrannten Umhang auf dem Bauch lag, blieben noch. Eine tiefe Stimme über ihr riss sie von ihrer Stumpfsinnigkeit los.

„Oh mein Gott..."

Sie sprang auf, als sie die Hand von Professor Davies auf ihre Schulter fühlte, dann ließ sie ihn ihr helfen sich aufzusetzen. Der Auror beugte sich sofort über den Körper des anderen Jugendlichen herunter und schob vorsichtig seinen Arm unter seine Schulter. Trotz all seiner Bemühungen verzog James das Gesicht.

„Der Cruciatusfluch", murmelte Davies. „Wie viele Male?"

„Zwei", murrte der Gryffindor fast unhörbar.

Der Auror verzog aus Mitleid und Traurigkeit das Gesicht, nahm den jungen Mann langsam in seine Arme und bemühte sich weiter darum, ihm nicht zu sehr weh zu tun.

„Ich bringe Sie nach Hogwarts zurück", sagte er. „Miss Evans, können Sie gehen?", fügte er hinzu.

Lily nickte, da sie ihren Stimmbändern lieber nicht vertraute, und stand mit Schwierigkeit wieder auf. Der Auror winkte ihr, sich ihm zu nähern.

„Hängen Sie sich an mich, wir werden apparieren."

Das Mädchen fand plötzlich ihre Stimme wieder und starrte ihn ungläubig an.

„Zu dritt? Das ist aber sehr gefährlich!"

Der Auror lächelte leicht.

„Ich kann Sie doch nicht alleine hier mit dem Herrn da als einzige Gesellschaft zurücklassen", sagte er, indem er mit dem Kinn auf den unschädlich gemachten Todesser zeigte. „Na, Miss Evans, vertrauen Sie mir."

Lily zögerte noch einen Augenblick lang, dann bemerkte sie, dass James die Augen wieder halb aufgemacht hatte und sie besorgt ansah. Erst dann wurde sie sich bewusst, dass sie wegen der Folge des Kampfes heftig zitterte. Auch Davies hatte es seit einer Weile bemerkt und auch er starrte sie besorgt an. Ohne ein weiteres Wort hängte sie sich fest an sein Hemd.

Sie sah, wie der Auror die Augen schloss, um sich besser zu konzentrieren, und zwang sich, an alles Mögliche zu denken, aber nicht an den Körper ihres Mitschülers, der in seinen Armen lag. Lily wollte die Apparierprüfung machen, sobald sie mit ihrem Studium in Hogwarts fertig sein würde, also hatte sie sich darüber informiert. Sie wusste, dass dieses Manöver immer gefährlich war, wenn man nicht konzentriert genug war, und dass der Benutzer es manchmal nicht schaffte, sein ganzes physisches Wesen zu bewegen.

Der erste Teil des Prozesses war der wichtigste, um solche Fehler zu vermeiden, denn da musste sich der Zauberer auf seinen ganzen Körper konzentrieren, um alles genau zu verstehen, was er bewegen sollte. Während dieser Etappe konnte er, wenn er es wollte, die Entscheidung treffen, mit ihm Gegenstände zu bewegen, wie zum Beispiel Kleidungsstücke. Es war ihm außerdem möglich andere Leute mit sich zu nehmen, aber das war ein Manöver, das viel gefährlicher war als das einfache Apparieren: Wenn er es nicht schaffte, sich den anderen Reisenden genau vorzustellen, und einen Teil von ihm zurückließ, dann würden sie beide zwischen dem Anfangs- und dem Endpunkt feststecken.

Sie schloss die Augen, um nicht mehr daran zu denken, was geschehen würde, wenn er einen Fehler machen würde, und wurde plötzlich von einem seltsamen Schwindelgefühl befangen. Aus dem Gleichgewicht gebracht, machte sie die Augen auf und versuchte dabei, das Gleichgewicht wieder zu finden, und sie befand sich mit der Nase gegen die Riesengittertoren vom Eingang des Parks von Hogwarts. Neben ihr murrte Davies selbst tadelnd.

„Ein bisschen zu weit vorne. Ich habe immer Schwierigkeiten gehabt, meine Ankunft genau zu berechnen..."

Ungläubig erhob Lily ihre Hände zu ihrem Gesicht, dann drehte sie sich um sich selbst, um zu prüfen, ob sie wirklich jeden Teil ihres Körpers normal fühlen konnte. Ein leises amüsiertes Lachen unterbrach sie und sie drehte sich erneut zu ihrem Lehrer um, indem sie leicht errötete, sich gehen lassen zu haben.

„Na, Miss Evans, machen Sie dieses Gittertor bitte auf. Trödeln wir nicht, Mr Potter braucht Heilung."

Lily gehorchte und schob den majestätischen Torflügel auf, um den Auror und seine Ladung durchgehen zu lassen. Eine riesige Silhouette kam ihnen aus den Schatten entgegen und sie schrie vor Staunen und Angst. Davies hob den Kopf und lächelte ihr beruhigend zu.

„Na, Miss Evans, es ist nur Hagrid."

Das Mädchen seufzte vor Erleichterung, als sie den Hüter der Schlüssel von Hogwarts, der entsetzt aussehend zu ihnen ging, tatsächlich wiedererkannte.

„Professor Davies? Was ist denn hier los? Professor Dumbledore ist schon vor wenigen Minuten vorbeigelauf'n mit dem ganz'n Ord'n ihm nach, und dann..."

„Der Orden?", fragte Lily neugierig.

Der Halbriese errötete plötzlich wie ein Bengel.

„Ähm, nö, vergess'n Sie, was i grad gesagt hab..."

Davies ließ ein leises amüsiertes Lachen vernehmen und Hagrid drehte sich zu ihm um, so dass er erst den Körper des jungen Mannes sah, den er trug.

„Mein Gott! Aber das ist der jung' Mr Potter! Was ist geschehen? Ist er verletzt?"

„Er ist von zwei Cruciatusflüchen getroffen worden", antwortete der Lehrer finster, indem er wieder zum Schloss ging.

„Todesser, was?", erriet Hagrid mit finsterem Gesicht. „Aber was trieb er drauß'n, eh?"

Davies zuckte mit den Schultern, ohne zu antworten, da er sich auf den Weg konzentrierte, um nicht zu stolpern oder seine wertvolle Ladung zu schütteln. Als er das sah, half ihm der Halbriese.

„Woll'n Sie, dass ich ihn trag'?"

Der Auror drehte sich zu ihm um und lächelte ihm dankbar zu.

„Gerne. Er ist nicht schwer, aber er ist ja auch nicht ganz leicht..."

James ließ ein gedämpftes Murren als Protest vernehmen und Hagrid prustete los, indem er die Arme reichte, um ihn zu bekommen. Lily seufzte vor Erleichterung, als sie verstand, dass er immer noch bei Bewusstsein war.

'Seit wann mache ich mir so viele Sorgen um ihn?', fragte sie sich plötzlich.

'Vielleicht', flüsterte eine Stimme irgendwo in ihrem Geist, 'seitdem du gesehen hast, wie er sich um dich Sorgen gemacht hat...'

Lily fegte diesen Gedanken weg und folgte ihrem Lehrer und Hagrid durch den Park, dann die Gänge von Hogwarts entlang. Schließlich erreichten sie den Krankenflügel und Madam Pomfrey stürzte sich zu ihnen.

„Mein Gott, mein Gott, ich wusste, dass es schlimm enden würde! Ein Schüler, der hier mitten in der Nacht kommt, um mich zu warnen, dass die Todesser Hogsmeade schon wieder angreifen, Dumbledore, der mit all diesen Leuten dahin läuft, und siehe da! Ich wusste es..."

„Das war nicht wirklich ein Angriff, Poppy...", versuchte Davies einzugreifen.

„Egal", unterbrach ihn die Krankenschwester scharf. „Legen Sie ihn hierhin, Hagrid", fügte sie hinzu, indem sie auf ein Bett wies, das nicht weit von der Tür stand. „Nun, woran leidet er?"

„Er hat zwei Cruciatusflüche abbekommen..."

„Ach! Ja, natürlich, Cruciatusflüche...", murrte sie.

Dann ging sie eilig zu ihrem Büro und kam sofort mit zwei Fläschchen und Bechern zurück. Lily sah sie den Inhalt der Fläschchen fast rasend in zwei verschiedene Gläser gießen.

„Mach'n Sie sich keine Sorg', Professor", hörte sie Hagrid zu Davies flüstern. „Sie ist immer so."

„Dieser ganze Stress muss eine schlechte Auswirkung auf ihr schwaches Herz haben", scherzte er als Antwort und verzog das Gesicht, als wäre er besorgt.

„Helfen Sie mir eher, anstatt Dummheiten zu sprechen", befahl Madam Pomfrey, indem sie ihnen einen wütenden Blick zuwarf.

Davies näherte sich sofort und richtete James sanft wieder auf, damit sie ihn die beiden Tränke einnehmen ließ.

„So!", rief sie aus, als sie fertig war. „Nun sollte er schlafen. Und Miss Evans?"

Lily, die sich auf ein Bett gesetzt hatte und darauf wartete, dass man ihr erlaubte schlafen zu gehen, richtete sich auf und schickte sich an zu erwidern, dass sie nichts brauchte, aber der Auror antwortete an ihrer Stelle.

„Schockzustand und viel Müdigkeit. Ich suggeriere, dass Sie sie heute Nacht überwachen."

„Aber...", fing Lily an zu protestieren.

„Ich danke Ihnen, ich kenne meinen Beruf", schnüffelte die Krankenschwester. „Na, Miss Evans, hierhin. Sie werden einen Schluck Schlaftrunk für traumlosen Schlaf einnehmen."

„Ich versichere es Ihnen, es geht mir ganz..."

„Miss Evans", unterbrach Madam Pomfrey mit einem drohenden Ausdruck. „Kommen Sie."

Lily blickte flehend zu Hagrid, aber der Halbriese lächelte ihr nur amüsiert zu und sie musste sich seufzend darauf fassen, der Krankenschwester zu folgen. Zwei Minuten später trug sie ein Nachthemd vom Krankenflügel, legte sich ins Bett und schlief sofort ein.

oOoOoOoOo

„Sirius!"

„Hmm..."

„Sirius, verdammt, wach auf!"

Bedeutungsloses Murren.

„Sirius, wo ist James?"

Ein glasiges Auge erschien plötzlich aus dem Deckenhaufen und starrte Remus' besorgtes Gesicht an.

„... Wibit?", murrte er.

„Oh! Verdammt, du bist echt ärgerlich am Morgen, Sirius. James steckt nirgendwo und sein Bett ist nicht mal benutzt!"

Eine Sekunde später wurden alle Decken auf Remus gestürzt, der recht wenig elegant zu Boden fiel. Tatze, der plötzlich ganz wach wurde, stürzte sich zum Bett seines Freundes.

„Was?", rief er aus. „Oh, nein! Wo steckt er aber denn?"

„Das fragte dich Remus seit einer ganzen Weile, Sirius", bemerkte Peter, ohne ihn anzusehen, da er zu sehr damit beschäftigt war, Moony von den Stoffschichten zu befreien, damit er wieder atmen konnte.

Einige hellbraunen Locke erschienen, bald vom ganzen Kopf von Remus gefolgt, der endlich wieder Atemzüge nahm, als wäre er eben wieder aus dem Wasser aufgetaucht.

„Pfui... Danke, Peter", seufzte er. „Wie schaffst du es denn, darunter zu überleben, Tatze?", fragte er, während er sich völlig von der tropischen Wärme befreite, die unter der Gryffindorfarbenen Decke herrschte.

Sirius hatte seine Frage gar nicht beachtet, sondern er stürzte sich zu ihm, sobald der junge Mann wieder aufstand, so dass sie beide wieder auf den Berg fielen, der nun den Boden bedeckte, nachdem er von Tatzes' Matratze weggefegt worden war.

„Remus! Hast du ihn gestern Abend ausgehen sehen?", rief er mit einem ziemlich erschrockenen Ausdruck aus.

„Ähm... nein", antwortete der junge Werwolf, indem er sich darum bemühte, sich zu erinnern. „Ach! Ich habe aber ein bisschen Lärm gegen Mitternacht gehört, glaube ich", erinnerte er sich. „Aber es kann sein, dass du ganz einfach geschnarcht hast..."

Sirius stand eilig wieder auf, indem er leise fluchte, und lief sofort zur Tür ihres Schlafsaals, die er mit einer eiligen Bewegung aufmachte.

„Sirius, warte!", rief Remus aus. „Du bist noch..."

Die Tür knallte hinter dem Siebtklässler zu.

„... im Schlafanzug", ächzte Moony, indem er vor Verzweiflung den Kopf nach hinten warf. „Komm, Peter, holen wir ihn, bevor der Damenheld schon wieder Opfer verursacht."

„Ähm... aber...", stotterte Peter, während er zusah, wie sich der Werwolf mit Schwierigkeiten wieder aufrichtete und den gleichen Weg ging wie sein Freund. „Auch wir sind noch im Schlafanzug", seufzte er zum Deckenhaufen neben ihm, bevor er auch zum Gemeinschaftsraum lief.

Und tatsächlich schrien einige Mädchen schrill, als sie Sirius mit hoch zerzausten Haaren und mit schiefem Oberteil seines Schlafanzugs oben auf der Treppe zum Jungenschlafsaal stehen sahen.

„Hat jemand James gesehen?", rief er zu allen aus.

Da er nur negative Antworten und Augenbrauenrunzeln bekam, stürzte er sich sogleich zum Gemälde der Fetten Dame, aber eine feste Hand ergriff den Gürtel seiner Hose und zog ihn nach hinten zum Ort, wo er herkam.

„Du wirst nicht von hier weggehen, bevor du ordentlich angezogen bist, Casanova", entschloss Remus fest.

„Aber Remus", protestierte Sirius heftig, „James ist vielleicht in Gefahr und... und du bist doch nicht besser angezogen!"

„James ist völlig dazu fähig, sich zu verteidigen, und ich würde es nicht brauchen, dir in solch einer Kleidung nachzulaufen, wenn du aufhören würdest, dich wie ein fünfjähriger Knabe zu verhalten", erwiderte sein Freund mit einem rein tadelnden Ausdruck, während er das aufgeknöpfte Oberteil seines Schlafanzugs auf seine Schultern wieder zurechtlegte. „Jetzt, komm schnell, wir schämen uns deinetwegen..."

Peter kam ihm zur Hilfe und sie bemühten sich beide, einen fluchenden und murrenden Sirius wieder zu ihrem Schlafsaal hinaufgehen zu lassen. Die Stille herrschte noch einige Augenblicke lang im Gemeinschaftsraum, wo jeder die Tür anstarrte, durch die sie verschwunden waren, dann liefen einige Mädchen, die scharlachrot geworden waren, wieder hinauf, um ihren Mitschülerinnen Bescheid zu sagen und mit ihnen beliebig zu plappern.

'Völlig durchgedreht', dachte Anna Anderson und tauchte wieder in ihr Buch. 'Das ist ja ganz schön, aber ich weiß immer noch nicht, wo Lily wohl steckt...'

oOoOoOoOo

„Er liegt im Krankenflügel!", schrie Tatze, indem er seinen Umhang anzog, während er auf die Karte des Rumtreibers schaute, die vor ihm lag. „Ich hatte es gesagt, er ist verletzt, wir müssen..."

„Stopp, Sirius!", befahl Remus fest, indem er den Kragen seines Umhangs ergriff, bevor er die Tür erreichte. „Wenn er im Krankenflügel liegt, dann wird sich Madam Pomfrey um ihn kümmern und du brauchst es dir nicht so viele Sorgen zu machen."

„Aber er braucht uns! Wir müssen hin, Moony, ich bin sicher, dass es ihm wirklich schlecht geht..."

„Echt, Sirius, wenn es um James geht, dann handelst du wirklich wie eine überbesorgte Mutter", seufzte Peter, der seine Schuhe anzog.

„Jedenfalls können wir nicht gleich hin, sonst werden wir das Frühstück vor den Unterrichtsstunden verpassen", behauptete Remus, indem er sich umdrehte, um seinen Rucksack zu ergreifen. „Wir werden beim Mittagessen hingehen, und vielleicht wird er uns sogar noch vorher treffen, das kann nicht so schlimm sein... Sirius!"

Der Gryffindor, der davon profitiert hatte, dass sein Freund unaufmerksam war und dass Peter prüfte, ob er im Rucksack alles hatte, was er für die ersten Unterrichtsstunden brauchte, war heimlich zur Tür gegangen und schlich sich schon hinaus. Da er es eilig hatte, sich vom Zustand seines besten Freundes zu überzeugen, stürzte er sich in die Treppe hinunter und hätte die Person, die sie hinaufging, beinahe umgerannt. Er verlor das Gleichgewicht, als er versuchte, ihr auszuweichen, und wurde von einem Arm mitten in der Brust ergriffen, der ihn sofort wieder aufrecht stellte. Stolpernd blickte er zu jenem, der verhindert hatte, dass er die ganze Treppe heruntergefallen war.

„Professor Davies!"

Der Auror lächelte ihm zu, bevor er ihn wieder die Treppe hinaufzog.

„Guten Morgen, Mr Black!", grüßte er fröhlich. „Sie scheinen mir heute Morgen wohl aufgeregt."

„Professor, es ist James, er ist nicht...", versuchte er zu erklären.

„Ich weiß, ich weiß", unterbrach Davies. „Daher bin ich da. Erlauben Sie, dass ich eintrete?", fügte er zu Remus hinzu, der verdutzt im Türrahmen stand.

„Oh! Ja, natürlich", rief jener erstaunt aus und trat zu Peter zurück.

Davies trat mit einem kleinen zufriedenen Lächeln ein, zog Sirius hinter sich her und schloss die Tür. Ein Blick auf das Durcheinander, das im Raum herrschte, ließ ihn breiter lächeln.

„Es scheint, dass Sie den Hauselfen viel Arbeit geben", scherzte er.

„Professor, bitte", flehte Sirius ihn an.

„Ja, ja, natürlich", beruhigte ihn Davies. „Da wir ehrlich sein sollen: Ihr Freund und Miss Evans haben heute früh einen Zwischenfall mit einer Gruppe von Todessern gehabt."

Eine schwere Stille herrschte plötzlich im Zimmer, während die drei Schüler ihren Lehrer ungläubig anstarrten.

„Todesser?", schrie schließlich Sirius, was sie alle aufspringen ließ.

Sofort stürzte er sich zum dritten Mal binnen einer Viertelstunde zur Tür, doch diesmal war es Davies, der ihn nach hinten zurückzog.

„Ja, Todesser", fuhr er ruhig fort. „Beruhigen Sie sich aber, ihm geht es nicht schlecht."

Remus und Peter seufzten gleichzeitig vor Erleichterung, aber Sirius hängte sich rasend ans Hemd des Erwachsenen.

„Warum liegt er also im Krankenflügel?", rief er aus. „Was hat er genau? Ist er verletzt oder..."

Zur Überraschung aller lachte Davies kurz.

„Sie mögen ihn sehr, nicht wahr?"

Da er keine Antwort bekam, sprach er weiter:

„Mr Potter hat während einer kurzen Schlacht zwei Cruciatusflüche abbekommen..."

„Cruciatusflüche?", schrie Sirius. „Ach, die Verräter, die..."

„Ja, Mr Black", unterbrach Davies mit einer Hand auf dem Ohr, „Cruciatusflüche. Aber vermeiden Sie bitte lieber, meine Trommelfelle zu foltern."

Sirius sah plötzlich beschämt aus.

„Tut mir Leid", murrte er.

„Aber wie sind Todesser in Hogwarts getreten?", fragte dann Remus. „Normalerweise ist es fast unmöglich."

„Das stimmt", nickte der Auror. „Doch sind nicht die Todesser eingetreten, sondern Mr Potter und Miss Evans sind ausgegangen."

„Aus Hogwarts gegangen?", rief Peter vor Überraschung aus. „Mitten in der Nacht?"

„Was taten sie draußen?", nickte Remus.

„Vielleicht hatten sie ein Rendezvous?", suggerierte Sirius, indem er seinen berechnenden Lieblingsausdruck aufsetzte. „Und James, der Heimlichtuer, hatte uns nicht Bescheid gesagt..."

„Täuschen Sie sich nicht, Mr Black", lachte Davies. „Nein, das war kein Rendezvous. Eigentlich", fuhr er fort, indem er wieder einen ernsthafteren Ausdruck aufsetzte, „hat einer der Schüler Mr Potter dazu getrieben, auszugehen, ohne die Sicherheitsmaßnahmen zu beachten. Natürlich wird er streng bestraft werden", fügte er mit einem missachtenden Schulterzucken hinzu, als wollte er zeigen, was er von der 'strengen' Strafe dachte.

Die Gryffindors blieben einen Augenblick lang still.

„Darf man fragen, welcher Schüler es war?", fragte schließlich Remus mit zusammengekniffenen Augen.

„Oh, immerhin zweifle ich nicht daran, dass Ihnen Mr Potter alles detaillierter erzählen wird", behauptete der Lehrer. „Es ging um Mr Adrian Zabini."

Sirius ließ ein gedämpftes wütendes Murren vernehmen.

„Natürlich", sprach Davies weiter, als würde er eine auswendig gelernte Lektion wiederholen, „hatte er nicht vor, ihn in Lebensgefahr zu bringen, sondern eher, ihn von Mr Filch oder einem meiner Kollegen fangen zu lassen, damit er bestraft würde. Aber Sie sehen ja, was schließlich geschehen ist", schloss er, indem er noch einmal mit den Schultern zuckte.

Die Jugendlichen nickten und ihnen war klar, was er ihnen heimlich sagte. Zabini hatte es wohl getan, damit die Todesser James angreifen konnten.

„Und Evans?", fragte Remus nach einiger Zeit.

„Miss Evans hat Mr Potter wahrscheinlich gesehen, während er in der Nacht in Hogwarts herumlief, und sie wird versucht haben, ihm zu folgen, um ihn zurückkehren zu lassen. Auch sie liegt im Krankenflügel, aber sie leidet an nichts außer an Erschöpfung. Ich möchte, dass Sie ihren Freundinnen Bescheid sagen, damit sie sich keine Sorgen machen. Immerhin sollte sie bald wieder befreit werden."

„Einverstanden", nickte Remus.

Da der Auror die Nachricht gegeben hatte, drehte er sich um, um wegzugehen, aber erstarrte plötzlich, als er die Hand auf den Handgriff gelegt hatte, und drehte sich mit ernsthaftem Ausdruck zu ihnen um.

„Ich weiß nicht, was los ist", sagte er, „aber schützen Sie ihn."

Die drei Rumtreiber richteten sich wieder auf und schauten ihm in die Augen.

„Sie können auf uns zählen", behauptete Sirius.

Davies lächelte ihnen zu, dann ging er weg, ohne sich noch einmal zu ihnen umzudrehen.