Hallo an alle! Hier bin ich wieder mit dem neuen Kapitel von der französischen FF von Dragonwing4 Changer le passé. Viel Spaß beim Lesen und einen herzlichen Dank an Verliebtindich, meine Betaleserin.
Disclaimer: Alle bekannten Charaktere und Orte gehören zu Mrs. Rowling und die Geschichte und die anderen Charaktere gehören zu Dragonwing4. Ich habe nur übersetzt.
Spoiler: Die ersten fünf Bände.
Eine zweite Chance
Die Vergangenheit verändern
Kapitel 11: Wo sich James viele Fragen stellt, aber wenige Antworten findet:
Am Abend von Albus' Vorschlag sollte das erste Nachsitzen von Lily und James stattfinden. Harry war in eine Überlegung über die Seltsamkeit des Lebens insgesamt und seines eigenen Lebens insbesondere vertieft. Seine Großeltern und seinen Vater, die er nie gekannt hatte, sollte er vor einer Gefahr schützen, die aus einem Grund, der ihm höchstwahrscheinlich unbekannt bleiben würde, auf sie zukommen könnte. Hätte man es ihm ein paar Monate vorher gesagt, wäre er nicht nur vor Lachen zu Boden gefallen, sondern er hätte auch seinen Gesprächspartner ganz schnell einsperren lassen.
Wie lächerlich diese Lage sein konnte! Seine Familie war in Gefahr und er hatte kein Mittel zu wissen, warum, weil er eben der Einzige war, der wusste, dass sie seine Familie war. Und nicht nur der Einzige unter den Leuten in seiner Umgebung, sondern der einzige der ganzen Zaubererwelt – bis auf einigen Ausnahmen – und, wenn er wirklich darüber nachdachte, der einzige in diesem ganzen Universum. Harry seufzte und verspürte ein plötzliches und unerwartetes Heimweh.
Er hatte lange über die Aktion der Tafel der zweiten Chance nachgedacht und er war zu dem Schluss gekommen, dass es unmöglich war, dass er sich in der gleichen Welt befand wie die, aus der er gekommen war. Wenn es der Fall gewesen wäre, so hätten die Veränderungen, die er bisher verursacht hatte, nämlich ein reines Chaos angerichtet. Die einzige Möglichkeit war, dass er einfach eine Parallelwelt geschaffen hatte, als er in der Zeit zurückgereist war, um den Lauf der Dinge zu verändern, und dass er nun in dieser Parallelwelt lebte. Das hieß, dass seine Ursprungswelt nach dem Verschwinden von Harry Potter weiter lebte, oder besser gesagt weiter leben würde, wenn jene beiden Welten den genauen Moment erreicht hätten, wo der Junge, der lebt, die Hand auf den magischen Gegenstand gelegt hatte.
Harry spürte, wie er allmählich Kopfweh bekam, gab seine Schlussfolgerung aber dennoch nicht auf. Irgendwo in einem anderen Zeitraum würde sich der Zaubereiminister weiter darum bemühen, den ökonomischen und sozialen Fall des magischen Englands zu stoppen. Der Rest der Welt würde sich vom Krieg gegen Voldemort erholen und das Leben würde weiter seinem Lauf folgen. Würde ihn jemand dort vermissen? Oh, natürlich würde es zahlreiche Leute geben, die den Verlust des Jungen, der lebt, beklagen würden, aber Harry? Würde jemand seinen Verlust beklagen? Das besorgte Gesicht von Morrens, dem Unsäglichen, der sich bei seiner Abreise um ihn gekümmert hatte, kam ihm ins Gedächtnis zurück. Ja, es würde wahrscheinlich einige geben, doch keine, die ihn wirklich kannten.
War das, was er bei seiner Abreise verloren hatte, es wert, was er hier gewinnen konnte? Und darunter zählte er nicht alles, was er für andere Leute alles verbessern konnte... Die Antwort war so deutlich, dass er sich nicht einmal darum bemühte, sie auszusprechen oder zu denken. Er hatte die richtige Entscheidung getroffen. Seine Welt, sein Leben, das war hier, jetzt. Was hätte immerhin je gleichwertig sein können wie die Tatsache, zwei Urlaubswochen mit seinen Großeltern, seinem Vater, vielleicht sogar noch seinem Patenonkel und ihren Freunden zu verbringen?
Es wurde drei Male deutlich an die Tür seines Büros geklopft und redende Stimmen rissen ihn aus seinen Gedanken. Er blickte zu seiner Uhr, ergriff seinen Mantel und ging aus dem Zimmer, um seine beiden jungen Schüler zu treffen, die hinter der Tür warteten und den Blick des Mitschülers offensichtlich mieden.
'Schon wieder ein Streit?', dachte Harry halb amüsiert, halb traurig. 'Sirius hat mir doch gesagt, dass sie dieses Jahr angefangen hatten, miteinander zu gehen, oder? Ich fange an, daran zu zweifeln...'
Harry blieb einen Augenblick lang unbeweglich stehen, während er einfach jene betrachtete, von denen er nicht wusste, ob er sie seine Eltern nennen konnte. Ihre Beziehung stand seiner Meinung nach viel zu still. Harry fürchtete sich davor, dass er auf diesen Teil der Welt, den er überhaupt nicht ändern wollte, einen Einfluss gehabt hatte, ohne sich dessen bewusst geworden zu sein. Was, wenn sie sich schließlich nie liebten? Aber war es immerhin wirklich, dass sie keine Gefühle zueinander hatten, oder einfach, dass sie diese noch nicht gesehen hatten?
Harry erinnerte sich daran, dass sein Vater Lily schon seit einer Weile den Hof machte, doch er dachte nicht, dass es wirklich aus Liebe war. Eher aus Stolz. Immerhin war sie ja trotz des Abzeichens, das auf ihrer Brust glänzte, ein schönes Mädchen. Harry hatte es satt, ihre Streite mit anzuschauen, ohne irgendwas sagen zu können. Er hatte eine Woche, um das zu ändern, und er hatte wohl vor, das zu tun...
„Folgen Sie mir, Sie beide", sagte er schließlich.
Die beiden Jugendlichen, deren Stimmung vom langen Blick, den ihr Lehrer auf sie gerichtet hatte, etwas abgekühlt worden war, gehorchten wortlos. Lilys Meinung nach war der Blick etwas zu berechnend... Es herrschte Stille unter ihnen, bis sie die Eingangshalle erreichten, als die Jugendlichen verstanden, warum ihnen McGonagall empfohlen hatte, sich warm anzuziehen. Ein eisiger Wind strömte zwischen den großen Türen hindurch, als der Lehrer sie aufschob.
„Hmm... Professor?", wagte James zu fragen. „Wo gehen wir hin?"
„Jetzt treffen wir Hagrid, Mr Potter", antwortete Davies mit seiner gewöhnlichen nachlässigen Stimme. „Er wartet wahrscheinlich schon auf uns, Sie haben sich ja ein bisschen verspätet."
Lily schickte sich an zu erwidern, dass Potter – wie immer – an allem Schuld war, als sie sich plötzlich etwas bewusst wurde. Ungläubig fragte sie mit der Hoffnung, eine Verneinung zu hören:
„Professor Davies, wir werden doch nicht..."
„... in den Verbotenen Wald gehen?", vervollständigte Potter, ohne dass sich einer von den beiden über die plötzliche und seltene Tatsache erstaunte, dass ihre Gedanken genau gleich waren.
Der Lehrer versteckte den Stoff seiner Auroruniform, der unter den Sternen schwach glänzte, indem er seinen Mantel zumachte, dann antwortete er mit einem beruhigenden Lächeln:
„Machen Sie sich keine Sorgen, ich habe nicht vor, Sie mitten unter einem Vampirschwarm alleine zu verlassen, wenn es so etwas ist, was Sie beunruhigt. Wir werden zusammen bleiben."
„Aber, Professor...", rief Lily aus. „Der Verbotene Wald ist gefährlich! Noch mehr in der Nacht!"
„Es scheint, dass Sie sich gut erkundigt haben, Miss Evans", sagte Davies, während ein schelmisches Licht in seinen braunen Augen spielte.
Lily spürte, wie sie rot im Gesicht wurde, und versuchte, eine Verneinung zu stottern. Sie konnte den ungläubigen Blick von Potter auf sie fühlen und blickte weg, fast scharlachrot, und fühlte sich dabei genauso sehr auf ihren Lehrer wegen seiner Anspielungen wütend wie auch auf den jungen Mann deswegen, dass er sie weiter anstarrte, als wäre die Tatsache, dass die Vertrauensschülerin eine Regel hätte brechen können, das Außerordentlichste, wovon er je gehört hätte.
„Ach, da sind Sie all'!", erreichte sie plötzlich die raue Stimme des Wildhüters von Hogwarts. „Und bereit, so weit ich seh'. Hallo, ihr beiden", empfing er die Schüler mit seiner gewöhnlichen Fröhlichkeit, bevor er sich zu Davies umdrehte. „'Abend, Professor."
Der Auror grüßte ihn mit seinem ruhigen Lächeln auf den Lippen zurück.
„Sind Sie bereit zu gehen, Hagrid?"
„Ganz bereit, Professor", nickte der Halbriese, indem er die Armbrust tätschelte, die er immer in der Hand hatte, wenn er in den Wald ging, der Hogwarts umgab.
Lily beklagte ihn ehrlich darum, dass er keine Magie nutzen konnte, um sich zu verteidigen.
„Warum gehen wir in den Verbotenen Wald, Professor?", fragte James, der nicht länger aushalten konnte.
„Professor Kraftbrüh hat ihren Vorrat an Mondtüchern eben aufgebraucht, also werden Sie ihr einen neuen Vorrat ernten."
Die beiden Jugendlichen blickten gleichzeitig zum Himmel hinauf. Neumond.
„Verdammt, warum mussten unsere Nachsitzen eben während dieser Woche stattfinden?", murrte James leise, so dass ihn nur Lily hörte.
„Vielleicht wird es dich überlegen lassen, wenn du nächstes Mal frische Luft schnappen willst", erwiderte Lily mit einem schneidenden Ton.
James murrte, fügte aber nichts hinzu, da der Auror ihnen winkte, Hagrid zu folgen, der schon zum Waldrand ging. Lily zitterte, als sie die Bäume erreichten, und sie hüllte sich in ihren Mantel, während sie sich beeilte, um den Halbriesen in der Dunkelheit nicht aus den Augen zu verlieren. Potter folgte ihr und sie konnte seinen leisen Atem hören sowie das fast nicht hörbare Rascheln seiner Füße auf dem Boden. Dieser Gedanke ließ sie die Augenbrauen runzeln. Wie konnte Potter so wenig Lärm machen, eigentlich so wenig wie es ein Wildtier getan hätte?
Sie konzentrierte sich auf ihr Gehör und wurde sich bewusst, dass ihr Lehrer in Verteidigung gegen die dunklen Künste noch leiser war, so dass sie sich einen Augenblick lang davor fürchtete, er hätte sie alleine gelassen, und dass sie sich plötzlich umdrehte, um sich dessen zu versichern. Ihr Fuß stolperte gegen eine Wurzel, sie fiel nach vorne und ihr Fall wurde nur vom Arm gehindert, mit dem Potter schnell um ihre Taille fuhr.
„Verdammt, Evans, kannst du nicht darauf aufpassen, wo du hingehst?", flüsterte der Gryffindor verärgert.
Lily wollte bissig etwas erwidern, als sie sich plötzlich ihrer Nähe zueinander bewusst zu werden schien. James war nach vorne gebeugt, um sie besser halten zu können, und sie lag immer noch ganz auf seinem Unterarm, während ihre Gesichter kaum einige Zentimeter voneinander entfernt waren. Eine Lage, der sich Potter bewusst wurde, als das Mädchen, das gewöhnlich doch so schlagfertig erwiderte, zögerte. Gleichzeitig blickten sie beide starrsinnig weg und Lily entfernte sich von ihm und versuchte dabei, die leichte Wärme zu ignorieren, die von ihren Wangen ausstrahlte.
„Nichts gebrochen, Miss Evans?", murmelte eine tiefe Stimme neben ihr und sie schreckte hoch, als sie ihren Lehrer sah.
„Hmm... nein, danke, mir geht's gut", antwortete sie genau so leise, während sie ihm einen schiefen Blick zuwarf.
Er schien wirklich, ständig hinter ihnen geblieben zu sein. Warum konnte sie ihn also immer noch nicht hören? fragte sie sich, während sie weiter gingen und die Farne dabei entfernten, die zu weit auf dem Weg wuchsen. Das Säuseln der Blätter, die gegen ihre Kleidung glitten, die ganz leisen Geräusche des Waldes in voller nächtlichen Aktivität, Eulengeschrei, Schnabelklackern und manchmal sogar ein undeutliches entferntes Murren, Hagrids schweren Schritt vor ihr, den fast luftartigen des Rumtreibers dahinten, all das konnte sie hören. Doch nicht den Lehrer.
Lily runzelte die Augenbrauen. Sie hatte immer geprahlt, dass sie ein sehr gutes Gehör besaß. Diese bestimmte Fähigkeit war ihr bei ihrer Aufgabe als Schulsprecherin sehr nützlich, und vor allem, wenn sie Jugendlichen folgen sollte, die von verschiedenen Mitteln geschützt wurden, dessen Ziel es war, die Augen zu täuschen – wie zum Beispiel ein Tarnumhang –, doch sie hatte nie jemanden gehört, der beim Gehen so diskret war – natürlich unter den Lebendigen. Oder vielleicht... Lily zitterte beim Gedanke, der plötzlich durch ihren Kopf geschossen war. Ja, es gab eine Person, die ihre Aufmerksamkeit dabei erregt hatte: Severus Snape.
Der Vertrauensschüler von Slytherin hatte immer diese besondere Art und Weise gehabt zu gehen, indem er das Geräusch seiner eigenen Schritten wie eine Person, die daran gewöhnt ist, ungesehen bleiben zu müssen, leiser machte. Doch selbst er konnte diese Stufe der Stille nicht erreichen, die sie einige Meter hinter sich hörte. Noch einmal kam die Angst, dass er ihnen nicht folgte, und sie spitzte rasend die Ohren, um zu versuchen, irgendein Lebenszeichen vom jungen Auror zu hören. Schließlich glaubte sie, ein ganz leises Geräusch, ganz leichtes Säuseln der Luft zu vernehmen, das vom Weitergehen des Mannes mit den langen schwarzen Haaren berichtete.
Ihre Schultern entspannten sich vor Erleichterung, bevor etwas anderes sie die Augenbrauen runzeln ließ. An diesem Gang gab es etwas Besonderes, was ihre Sinne warnte, und nicht nur, weil er ganz leise war. Der Rhythmus war ungewöhnlich und ihr gleichzeitig seltsamerweise bekannt. Lily suchte starrsinnig in ihrem Geist nach. Wo kam dieses verwirrendes Gefühl her? Sie war sicher, dass sie solch einen Gang schon beobachtet hatte, obwohl unter ganz anderen Umständen. Oder hatte sie ihn überhaupt beobachtet? Nein, wurde sich Lily bewusst, das hatte sie nicht selber gesehen, sie hatte dazu Zugang gehabt... Durch den Fernseher? Ja, Lily erinnerte sich wirklich an etwas wie verschwommene Bilder und eine tonlose Stimme, die noch langweiliger war als die von Professor Binns. Ein Dokumentarfilm? Ja, ein Dokumentarfilm über Tiere. Aber was war denn der Zusammenhang mit Davies? Lily versuchte, sich ans Thema dieser bestimmten Sendung zu erinnern...
... und wurde plötzlich von Hagrids Stimme unterbrochen.
„Wir sind da", sagte der Halbriese mit einer Stimme, die für ihn ein Geflüster und für sie eine beinahe dröhnende Stimme war.
„Perfekt", sagte Davies, während sie auf einer winzigen Lichtung ankamen.
Lilys Ärger erlosch, als sie ihr Ziel erblickte. Der Durchmesser der Schneise war nur einige Meter breit, aber sie war ganz kreisförmig, als hätten die Bäume es nicht gewagt, weiter zu wachsen. Der Boden war mit einem leuchtend grünen Moos bedeckt und hatte eine elastische Festigkeit unter ihren Füßen. Genau in der Mitte der Lichtung schien ein kaum einige Meter hoher Baum alle anderen Bäume fern zu halten, obwohl er ganz harmlos aussah.
Der Stamm in einer fast eintönig grauen Farbe trennte sich gerade über ihren Köpfen in zahlreiche Zweige, die fast ein grünes Dach unter den Sternen bildeten. Denn der Baum war mit all seinen Blättern bedeckt, obwohl der Winter ganz bald kommen sollte. Das Phänomen war bei magischen Pflanzen nicht selten, doch – und das war noch außerordentlicher – er blühte. Oder zumindest sah es so aus. Leuchten, die so groß waren wie Fäuste, hingen aus den Zweigen zwischen zwei grünen Flecken und schwebten faul in der schwachen Brise wie beeindruckend große, weiße Leuchtkäfer.
Lily wusste natürlich alles, was man über das Mondtuch wissen konnte, aber sie hatte nicht erwartet, dass es noch viel schöner sein würde als das, was sie sich vorgestellt hatte. Während des größten Teils des Jahres sogen die Knospen des Mondbaums das Mondlicht ein, das sie nur dann wieder ausgaben, wenn seine Quelle einige Tage lang still wurde, das heißt während des Neumonds, und dabei auch nur nachts, da es beinahe schien, als wollten sie dem Sonnenlicht fernbleiben. In jenem Moment öffneten sich die Blumen und aus ihren Blättern tröpfelte das feenhafte Licht, das sie sahen, und auch in jenem Moment sollte man sie pflücken, damit sie als Zutaten in Zaubertränken am besten wirkten. Doch es war nicht ungefährlich.
Lily fuhr nervös mit der Zunge über ihre Lippen und drehte sich zu Davies um, der ihr ermutigend zulächelte.
„Hagrid und ich werden die Aufmerksamkeit des Baums ablenken, während Sie beide klettern. Machen Sie sich keine Sorgen, wenn Sie fallen: Wir werden uns darum bemühen, dass Sie sanft landen."
Lily nickte und James auch, obwohl er offensichtlich wenig enthusiastisch war. Sie erstarrten beide und beobachteten die beiden Erwachsenen, während sie um den Baum herum gingen, um seine Aufmerksamkeit in die Gegenrichtung zu ziehen. Kein Blatt des Gewächses bewegte sich, bis sich Davies vorsichtig näherte und die Hand erhob. Seine Finger hatten den niedrigsten Zweig kaum berührt, als ein Zittern durch die Blätter fuhr wie durch die der Peitschenden Weide, wenn sie in Hochform war, und sich jeder Zweig und jedes Zweiglein zornig zum Unverschämten stürzte.
Die beiden Jugendlichen schrien gleichzeitig vor Entsetzen auf, dann vor Erleichterung, als Davies geschickt beiseite sprang und dabei seinen Zauberstab schwang, um die bedrohlichsten Zweige erstarren zu lassen. Hagrid winkte rasend zu ihnen, dann ergriff er den rosa Regenschirm, den er aus Gott weiß welchem Grund mitgenommen hatte, da der Himmel völlig wolkenlos war, und bewegte ihn lächerlich vor sich hin. Seltsamerweise verwickelten sich in jenem Augenblick zwei Zweige unlösbar ineinander. Ohne zu versuchen, weiter darüber nachzudenken, stürzte sich Lily hinter Potter zum Stamm.
Der Baum schenkte ihnen keine Aufmerksamkeit, da er zu sehr damit beschäftigt war, sich um seinen ersten Angreifer zu kümmern, und da er von seiner zerstörenden Wut hingerissen war. James sprang ohne Zögern zum niedrigsten Ast und stieg geschickt darauf. Lily hatte mehr Schwierigkeiten, da sie es wegen der heftigen Bewegungen des Baumes nicht schaffte, sich wieder richtig zu setzen, auch wenn diese Seite nicht am Kampf teilnahm, der etwas weiter entfernt stattfand. Schließlich musste sie Potter, der sie spöttisch anstarrte, einen vernichtenden Blick zuwerfen, damit er sich dazu herabließ, ihr die Hand zu reichen, die sie mit schroffer Art ergriff.
„Danke, Potter", zischte sie, indem sie das letzte Wort mehr ausstieß als sprach.
„Aber bitte, Evans", antwortete er auf gleiche Weise.
Als sie zu den beiden Erwachsenen winkten, schritten Davies und Hagrid vorsichtig nach hinten und stellten sich außer Reichweite des wütenden Baums. Bald hörte die Aufregung auf und die Zweige fanden ihre Anfangslagen wieder, obwohl manche seltsame Winkel bildeten. Misstrauisch schritt Hagrid wieder nach vorne, um vor dem Stamm unter den beiden Schülern die breiten Körbe zu legen, die er auf seinem Rücken getragen hatte, seitdem sie losgegangen waren. Danach trat er mit einem ermutigenden Winken zu ihnen noch einmal zurück und ging zu Davies, der schon am Rand der Lichtung vor einem Baum saß, der ihm eine gute Aussicht bot, falls er einem der beiden wegen eines Falls helfen müsste.
Mit einem Seufzer sicherte Lily ihren Griff auf dem Stamm, bevor sie die Hand zum nächsten Leuchten erhob, genau über ihrem Kopf. Aus der Nähe betrachtet war das Mondtuch eine Blume mit weißer Krone, mit weißen Blättern, mit weißen Fruchtknoten... Das tat einem beinahe weh in den Augen. Lily spürte, wie sich ihr Herz beim Gedanke daran, dass sie diese Schönheit von ihrer Herkunftspflanze ausreißen müsste, zusammenkrampfen musste, aber die Erinnerung an die Schläge, denen ihre beiden Begleiter knapp entkommen waren, nahm ihre Skrupel weg und sie brach den schwachen Stängel behutsam ab.
Neben ihr bewegte sich James mit der Gewandtheit eines Affen, erreichte Orte, die sie nicht für erreichbar gehalten hätte, und setzte sich auf einen anderen Ast, sobald er keine Blume mehr auf seinem fand. Gegen ihren Willen bewunderte Lily, wie einfach es ihm fiel. Die Erinnerung an seinen Atem auf ihrer Wange kam plötzlich in ihr Gedächtnis zurück und sie blickte mit der Hoffnung, dass ihr plötzliches Erröten in der Dunkelheit unsichtbar sein würde, heftig weg. Warum wirkte es plötzlich so auf sie? Während der letzten sieben Jahre hatte sie ständig gesagt, dass James Potter nur ein arroganter Kretin und ein ganz schlimmer Macho war. Hatte sich etwas verändert?
In Lilys Kopf sang eine leise Stimme:
'Ja, er.'
Sie schüttelte den Kopf und tat so, als hätte sie sie nicht gehört, aber tief in sich fühlte sie sich irritiert.
Während dieser einzigen Nacht zogen sie zwei weiteren Bäumen ihr wertvolles Produkt ab. Die Mondbäume, die ziemlich klein waren, besaßen alle nur etwa vierzig Blumen, also mussten die Erwachsenen zwei Male das Gleiche mit zwei weiteren Bäumen etwas tiefer im Wald tun, damit die beiden Körbe gefüllt wurden. Zum Glück wurden sie nicht verletzt und Lily und James fielen auch nicht. Dennoch hatte Harry mehrmals gefühlt, wie sein Herz zu seiner Gurgel hinaufstieg, wenn er seinen Vater sich so von Zweig zu Zweig schaukeln sah, dass Tarzan vor Neid erblasst wäre. War seine Animagusform doch nicht ein Hirsch? hatte er in Gedanken beängstigt geächzt, während er den Griff um seinen Zauberstab festigte.
Harry ging noch einmal auf dem Rückweg als Letzter und war wegen der Müdigkeit, die seine Sinne täuschte, doppelt so aufmerksam wie vorher. Vor ihm schwankte James halb und gähnte oft und Lily schien in Gedanken vertieft zu sein. Harry hoffte mit aller Kraft, dass es eher um den Rumtreiber ging als um den nächsten Test in Arithmantik. Die junge Gryffindor erinnerte ihn manchmal so sehr an Hermine... Automatisch wandte er seine Gedanken wieder ab. Das war noch zu schmerzhaft, dass er frei daran denken könnte.
Als sie das Schloss erreichten, war es schon ein Uhr. Harry fragte sich noch einmal, ob es weise war, ihnen das Ganze sieben Nächte in der Reihe aufzuzwingen... und übrigens dabei auch ihm. Er war deutlich schwächer geworden, denn vorher schaffte er es, einen Monat bei der Arbeit zu verbringen, indem er nur vier oder fünf Stunden am Tag schlief, und nun konnte er nur noch mit Schwierigkeit einige Wachnächte ertragen. In Gedanken verzog er tadelnd das Gesicht und versprach sich, dass diese Lage nicht dauern durfte.
Geistesabwesend wünschte er Hagrid eine gute Nacht, während der Halbriese sich entfernte, um der Zaubertränkelehrerin, die trotz der späten Stunde bestimmt immer noch in ihre Kessel vertieft war, ihre Ernte zu bringen.
'Noch eine, die es besser schafft als du, alter Freund', schnüffelte er missachtend in Gedanken.
Der Weg zum Gryffindor-Turm war still. Harry schenkte dem Passwort, das Lily zur Fetten Dame murrte, die ihr schläfrig aufmachte, kaum Aufmerksamkeit und schickte sich an wegzugehen, als James zu ihm rief.
„Professor! Was werden wir tun, wenn der Neumond vorbei sein wird?", fragte er mit erneuter Neugier.
Lily blieb am Eingang des Gemeinschaftsraums stehen, um die Antwort zu hören.
„Oh! Ich vermute, dass wir wohl etwas werden finden können, Mr Potter, machen Sie sich keine Sorge", lächelte Harry etwas spöttisch.
Lily trödelte nicht länger und ging erschöpft zu ihrem Schlafsaal hinauf, doch James blieb noch einen Augenblick lang stehen und starrte ihn an. Harry hob eine Augenbraue, um ihn einzuladen zu reden, und der junge Mann errötete kurz und blickte weg.
„Professor, ich denke, dass... tja, ich wollte Ihnen danken", murmelte er.
Aus Erstaunen neigte Harry den Kopf beiseite.
„Was meinen Sie?"
„Na, zuerst, dass Sie vor vier Tagen rechtzeitig angekommen sind..."
„Wie ich es dem Schulleiter schon gesagt habe, so kommt dieses Verdienst nicht mir, sondern der Person zu, die mir rechtzeitig Bescheid gesagt hat", unterbrach Harry freundlich.
Da er sah, dass sich der Jugendliche anschickte, ihn mit vor Neugier glänzenden Augen etwas zu fragen, fügte er lebhaft hinzu:
„Fragen Sie es mich nicht! Ich werde es Ihnen nicht sagen."
James verzog vor Enttäuschung leicht das Gesicht, nahm aber gerne an und kehrte dann zu seinem Anfangsthema zurück.
„Eigentlich wollte ich Ihnen für alles danken, was Sie für uns tun, seitdem wir Sie kennen. Nicht nur für mich, sondern auch für Sirius, Remus und Peter... Ich weiß, dass Sie dafür da sind, uns zu schützen, aber ich weiß, dass Sie auch mehr tun als das, was Ihre Arbeit von Ihnen verlangt, und... ich bin Ihnen dafür dankbar", schloss er zögernd und wagte es nicht, ihn anzusehen.
Harry lächelte verlegen. Er hatte nicht erwartet, dass man so einfach seine Neigung zu den Rumtreibern bemerken würde.
„Meinen Sie damit, dass ich ungerechte Bevorzugung mache, Mr Potter?", scherzte er mit einem fälschlich gekränkten Ton.
„Oh! Professor, nein", stotterte der junge Mann, indem er rasend den Kopf schüttelte. „Es ist nur, dass..."
„Beruhigen Sie sich, Mr Potter, ich scherze", gestand Harry lächelnd. „Hören Sie zu", fügte er mit einem ernsthafteren Ton hinzu, der das Interesse des Gryffindors erweckte, „würden Sie einen Rat annehmen?"
„Natürlich!", rief er erstaunt aus.
Harry starrte James einen langen Moment an, dann näherte er sich ihm, bis er ihm ins Ohr flüstern konnte. Dafür brauchte er sich nicht hinunter zu beugen, da James seinen erwachsenen Wuchs fast erreicht hatte.
„Lassen Sie die Zweifeln sich nicht in Ihre Herzen setzen", flüsterte er auf solch eine Weise, dass James spürte, wie ein Zittern seine Wirbelsäule hinauflief. „Vertrauen Sie einander. Und vergessen Sie niemals, dass Einigkeit stark macht. Niemals."
James fand trotz seiner Überraschung die Kraft zu nicken, und der Auror entfernte sich sofort von ihm und ging den Gang lebhaft entlang, bis er aus der Sicht verschwand.
oOoOoOoOo
James wiederholte keinem anderen Rumtreiber den seltsamen Rat des Aurors. Der Tag verlief vom schwierigen Erwachen bis zu einem schwer gespannten Abendessen in einer Art eintöniger Dumpfheit. Trotz aller Bemühungen James' hatte Sirius es abgelehnt, irgendwas über seinen Streit mit Remus zu sagen, sondern er sah einfach plötzlich mürrisch aus, wenn der junge Werwolf in der Nähe war, und er blickte oft weg. Seinerseits trug Moony einen finsteren Ausdruck, den er nur selten hatte, und versuchte ihn nicht zu zwingen, sondern tat im Gegenteil sein Bestes, ihn zu ignorieren und nicht zufällig seinen Weg zu kreuzen.
James verstand nichts von dem, was geschah, und fing an sich zu fragen, ob ihm seine Freunde nicht etwas verheimlichten, etwas besonders Wichtiges. Er war offenbar nicht der Einzige: Peter trug meistens den Ausdruck einer Eule, die mitten in der Sahara in einem Schneesturm gefangen wäre. Da die Lage nicht weiterging und da er sich völlig ohnmächtig fühlte, irgendwas dagegen zu tun, verspürte James immer mehr Ärger.
Wenn er es versuchte, Sirius beiseite zu nehmen, um von ihm zu verlangen, dass er sich erklärte, sah ihn Remus mit einem so traurigen Blick an, dass er Steine hätte weinen lassen können, und er schüttelte den Kopf, um ihn davon zu entmutigen. Wenn er im Gegenteil versuchte, mit ihm allein zu reden, so war es Sirius, der anfing, Moony vernichtende Blicke zuzuwerfen. Und was Peter betraf, war er nicht sicher, dass ein Gespräch mit ihm irgendwas verbessern würde, da sie dafür die anderen beiden einen Moment lang alleine hätten lassen müssen – was in der aktuellen Lage vielleicht keine gute Idee war – und da sie beide nichts davon verstanden.
Gewöhnlich war es Peter, der als Letzter unter ihnen die Dinge verstand. Der Jugendliche war nie besonders intelligent gewesen, das musste man gestehen. Was sehr ungewöhnlich war, war, dass sich James in der gleichen Lage befand wie er – und er mochte das überhaupt nicht. Das war kein angenehmes Gefühl, sich so zu fühlen wie der Dorftrottel, die anderen handeln zu sehen, ohne von ihren Motiven noch von ihren Zielen irgendwas zu verstehen.
Er nahm sich also vor, doch mit Peter, der immerhin das einzige vernünftige Wesen ihres nun tödlich düsteren Schlafzimmers zu bleiben schien, darüber zu reden. Eigentlich war es schwierig, Remus davon zu überzeugen, schlafen zu gehen, wenn Sirius dort war, und umgekehrt. Höchst frustriert ging also James zu seiner zweiten Nacht Nachsitzen, indem er hinter ihm einen Tatze, der hinter den Vorhängen seines Bettes starrsinnig verschlossen war, einen Moony, der so tat, als würde er am Kamin des Gemeinschaftsraums lesen, obwohl seine Augen das Papier anstarrten, als hoffte er, es durch die einfache Macht seines Geistes durchlöchern zu können, und einen Wurmschwanz zurückließ, der die Treppe, die sie trennte, hinauf- und herunterlief. Der kleine Rumtreiber, der offensichtlich Folter erlitt, schien sich nicht entscheiden zu können und nach seinem Ausdruck zu schätzen war der Sturm zu einem Orkan geworden.
James war also besonders schlecht gelaunt, als er Evans vor dem Büro ihres Lehrers für Verteidigung gegen die dunklen Künste traf. Gewöhnlich war es eine Stimmung, die er gerne die Vertrauensschülerin mit bissigen Bemerkungen spüren ließ, doch heute war es anders. Heute war James' Zorn nur dafür da, das zu verstecken, was er wirklich empfand: Eine tiefe Sorge. Lily warf ihm wegen seiner Stummheit einen langen Blick zu, doch sie sagte nichts, da sie irgendwie verstand, dass er Ruhe brauchte.
Davies ging wortlos zu ihnen und warf James einen einzigen kurzen Blick zu, in dem der Gryffindor so viel, ja sogar vielleicht noch mehr Sorge und Furcht las wie in ihm wallte. Erst in jenem Augenblick fing er an, sich des Sinnes der Worte, die er in der vergangenen Nacht gesprochen hatte, bewusst zu werden. Nichts wurde gesagt, bis sie Hagrid erreichten, und wenn der Halbriese zuerst versuchte, die düstere Stimmung, die ihn erstaunte, zu erheitern, gab er schnell vor der wenigen Aufmerksamkeit auf, die ihm Davies und James schenkten.
In letzter Verzweiflung blickte er fragend zu Lily, doch sie konnte nur als Zeichen der Unwissenheit mit den Schultern zucken. Die Stimmung bei den Rumtreibern war zwar seit dem vorigen Tag schwer, aber was hatte Davies? Sie hatte keine Ahnung davon, aber das schien ihn zu quälen. Das Pflücken fand also in einer irrealen Ruhe statt, bei der nur die notwendigen Worte gesprochen wurden. Die Körbe wurden schneller voll als am vorigen Tag und sie kehrten um Mitternacht zurück, ohne dass sich irgendwas änderte. Diesmal begleitete Davies die beiden Gryffindors nicht zu ihrem Turm, sondern er grüßte sie einfach leise und warf James einen finsteren Blick zu.
Auch Lily versuchte nicht, während des Wegs zu reden, den sie noch zusammen gehen sollten, obwohl die Lage ihr peinlich zu sein schien. James verspürte eine riesige Dankbarkeit ihr gegenüber. Als sie den Gemeinschaftsraum betraten, war er erleichtert zu bemerken, dass er leer war. Also war Moony schließlich schlafen gegangen. Er konnte sich wohl Peters Freude vorstellen, als er ihn hatte aufstehen sehen. Erschöpft ging er auch die Treppe hinauf und wollte sich nur so früh auf sein Bett werfen wie möglich.
Was ihn daran hinderte zu sehen, dass ihn Lily unbeweglich und mit einem besorgten Ausdruck weggehen sah. Schließlich biss sie sich auf die Lippen, als sie sich dessen bewusst zu werden schien, dass sie sich ja nicht um ihn sorgen sollte, und sie ging dann zu ihrem eigenen Schlafsaal hinauf. Ohne sich jedoch daran hindern zu können, einen letzten Blick nach hinten zu werfen.
oOoOoOoOo
„Ich fasse es wirklich gar nicht, James", sagte Peter. „Vorher verstanden sie sich perfekt miteinander! Warum handelt Sirius plötzlich so?"
Der kleine Gryffindor sah seinen Freund voller Hoffnung an und war offensichtlich überzeugt, dass er die Antwort auf seine Fragen hatte.
„Ich weiß nicht mehr als du, Peter. Sirius verhält sich Remus gegenüber, als wäre er ein bloßer Slytherin. Das ist unfassbar!"
Peter senkte den Blick und starrte traurig zu Boden.
„Glaubst du nicht, dass es besser wäre, sie direkt zu fragen?", murmelte er.
„Ich weiß nicht", antwortete James genauso leise. „Hör zu, Peter", fuhr er nach einer kurzen Überlegung fort, „ich denke, dass wir sie sich zuerst beruhigen lassen sollten. Wer weiß, ob es nicht vergehen wird und ob sie sich nicht von selbst aussöhnen werden?"
„Wenn es aber nicht der Fall ist?"
James lehnte sich an die Steinwand des Ganges und blickte entschlossen vor sich hin.
„Dann werden wir sie dazu zwingen! Wir lassen ihnen die Weihnachtsferien, um sich abzukühlen, einverstanden? Wenn sie nach dem Schuljahreswiederbeginn immer noch so sehr starrsinnig sind, dann rütteln wir sie auf!"
Peter verspürte wieder ein bisschen Hoffnung, als er seinen entschlossenen Ton hörte, doch konnte er sich nicht daran hindern, das Gesicht bei einem plötzlichen Hintergedanke zu verziehen.
„Ok", seufzte er. „Aber das heißt, dass ich noch eine Woche lang es versuchen muss, Moony davon zu überzeugen, sein Buch wegzuräumen, um schlafen zu gehen..."
James lachte und legte einen Arm um die Schulter seines Freundes, um ihn zu ihrem Klassenzimmer zu ziehen. Kraftbrüh sah sie geistesabwesend eintreten, bevor sie wie gewöhnlich einen Blick zu ihrer Uhr warf. Die beiden Rumtreiber kümmerten sich nicht darum: Sie hatten dafür gesorgt, dass sie pünktlich ankamen, was ihnen eine gerunzelte Augenbraue von Evans verdiente, die offensichtlich davon überzeugt war, dass sie ihre tägliche Punktabzugsquote noch nicht erreicht hatten.
James und Peter setzten sich zusammen hinten ins Klassenzimmer und winkten dabei zu Remus. Der junge Mann antwortete ihnen mit einem melancholischen Lächeln und – einmal ist keinmal – James war Sirius dankbar, dass er lieber den Zaubertränkeunterricht nach ihren ZAG-Prüfungen aufgegeben hatte. Zumindest hatte er mit Peter reden können, ohne zu fürchten, die beiden anderen zusammen zu lassen.
Professor Kraftbrüh nannte das heutige Thema mit einer tonlosen Stimme – irgendein Zaubertrank wie so viele anderen, was James betraf – und gab Anweisungen, um ihn zu brauen. Und danach drehte sich jeder wie üblich zu seinem Kessel um und fing an, die Zutaten zu schneiden. Und wie üblich überwachte James, was im Raum geschah, während er die verschiedenen Zutaten in Scheiben schnitt oder abschälte. Der Zaubertränkeunterricht fand mit den Slytherins statt und der Gryffindor wusste wohl, dass Zabini immer noch an den Nachsitzenmonat zu schlucken hatte, der ihm seine Rolle in James' kleinem Ausflug verdient hatte.
Dennoch war das, was ihm seine schärfere Aufmerksamkeit erlaubte zu bemerken, nicht das, was er erwartet hatte. Während die Inhalte der Kessel beim Hinzufügen der letzten Zutaten verschiedene Farben annahmen, zog eine lebhafte Bewegung seine Aufmerksamkeit auf sich. James hätte sein Messer beinahe fallen lassen, als er Snape Remus' Handgelenk unsanft ergreifen sah, als sich der Werwolf anschickte, eine Zutat seinem Zaubertrank hinzuzufügen. Als ihm der Rumtreiber einen fragenden Blick zuwarf, zielte der Slytherin wortlos mit seinem Finger auf eine Zeile des Pergaments, auf dem Remus die Vorgehensweise aufgeschrieben hatte.
Remus schreckte hoch und sah verlegen aus, dann tauschte er schnell das, was er in der Hand hielt, mit einer anderen Zutat aus. Einige Minuten später zeigte sein Zaubertrank eine Farbe, die der, die man von einem erfolgreichen Zaubertrank erwarten konnte, ähnlich war. Ungläubig spionierte James die beiden Jugendlichen während der übrigen Zeit des Unterrichts aus, was ihm erlaubte, ein kaum hörbares tadelndes Zungenschnalzen des Slytherins zu vernehmen. Sofort blickte Remus zu seinem Pergament und beeilte sich, das Feuer unter seinem Kessel weniger warm zu machen.
Am Ende des Unterrichts gewann Gryffindor fünf Punkte dank dem perfekt geschafften Zaubertrank des jungen Werwolfs. Remus lächelte und blickte ganz schnell zu Snape, der ihn völlig ignorierte.
Als er sich später in der Großen Halle zum Abendessen setzte, war James ganz in seine Gedanken vertieft.
„Alles in Ordnung, Krone?", fragte Sirius, der nach seiner neuen Gewohnheit Remus ignorierte.
„Hä? Oh... ja, ja, es geht. Ich dachte nur... an mein Nachsitzen", erfand James schnell.
Sirius hob eine Augenbraue, aber kommentierte es nicht, sondern nahm die Themenänderung gerne an.
„Nun, nicht zu schwierig, so viel Zeit mit Evans zu verbringen?"
„Tja!", wich er mit einem Schulterzucken aus. „Ich überlebe es!"
Sirius lächelte ihm spöttisch zu.
„Sag eher, dass du davon begeistert bist, deiner lieben Vertrauensschülerin zu helfen, sich den Hals nicht zu brechen! 'Oh, James'", ahmte er mit einer überschrillen Stimme nach, „'du hast mir das Leben gerettet!'"
Im nächsten Augenblick bekam Sirius zwei schallende Schläge auf den Hinterkopf, einen von James, der verlegen war und nicht wollte, dass ihn die ganze Große Halle hörte, und den anderen von Lily, die inzwischen hinter ihnen angekommen war und James zwar zustimmte, aber auch von ihrem Recht, Sirius zu schlagen, Gebrauch machen wollte.
„Hey!", ächzte Sirius, indem er sich den Kopf mit beiden Händen bedeckte. „Ihr seid echt gemein!"
„Wenn du endlich damit fertig bist, Unsinn zu reden, Sirius, sag es mir", murrte James. „Du beschämst mich gerade..."
„Hmpf!", sprach Lily einfach aus.
Peter und Remus prusteten gleichzeitig los, als sie das betrübte Gesicht ihrer Freunde sahen, und einen Augenblick lang hätte man glauben können, dass nichts geschehen war. Doch Sirius fasste sich wieder, als er Moonys Lachen hörte, und warf ihm einen vernichtenden Blick zu, der sein Vergnügen plötzlich beendete. Erblassend drehte sich Remus sofort zu seinem Teller um. James und Peter wechselten einen traurigen Blick und taten es ihm gleich. Lily, die von der finsteren Stimmung verlegen war, starrte sie einen Augenblick lang an, bevor sie sich räusperte und das Wort wieder ergriff.
„Beeile dich ein bisschen, Potter, es ist fast Zeit zu gehen."
James schreckte so heftig hoch, dass er mit den Knien gegen den Tisch stieß, und er blickte zu seiner Uhr.
„Schon?", rief er aus. „Ich habe die Zeit nicht vergehen sehen!"
„Vielleicht, aber ich bin mir sicher, dass es bei Professor Davies nicht der Fall ist."
Und zwar war der Stuhl des Verteidigungslehrer leer. James stand lebhaft auf und ergriff einen Apfel, bevor er seinen Freunden sagte:
„Tut mir Leid, ich muss aber weg! Bis morgen!"
„Gute Nacht, James!", sagte Sirius leicht spöttisch mit einem vielsagenden Blick zu Lily, die ihm einen vernichtenden Blick zurückschickte.
Remus nickte einfach, während ihn Peter niedergeschlagen ansah. James konnte nichts tun als ihm einen beruhigenden Blick zuwerfen, und er sprach lautlos aus:
„Tut mir Leid, Pete..."
Der kleinste Rumtreiber drehte sich mit einem herzzerreißenden Seufzer wieder zu seinem Essen um. James eilte sofort zur Tür der Großen Halle, wo die Vertrauensschülerin ungeduldig auf ihn wartete.
„Nicht zu früh", murrte sie.
James vermied es zu sagen, dass sie wohl hätte gehen können, ohne auf ihn zu warten: Er war nicht ganz sicher, dass ihn diese neue Entscheidung störte. Stattdessen folgte er ihr also still bis zu Davies' Büro, der an der Wand lehnte und schon auf sie wartete.
„Ach! Da sind Sie", lächelte er, als er sie ankommen sah.
„Sind wir zu spät?", fragte Lily besorgt.
„Nein, Sie sind gerade pünktlich, Miss Evans. Gehen wir bitte?"
Noch einmal schien der Auror, das perfekte Spiegelbild von James' Gefühlen darzustellen. Er, der am vorigen Abend so niedergeschlagen ausgesehen hatte, schien an jenem Tag entschlossen zu sein. Er lächelte dem Gryffindor sogar ermutigend zu, der linkisch zurücklächelte. Hagrid schien erleichtert zu sein, nicht noch einmal solch eine düstere Truppe begleiten zu müssen, und sie gingen in entspannter Stille los. James bemerkte, dass sich Evans von Zeit zu Zeit umdrehte, um flüchtig zu ihm zu blicken. Perplex tat er dennoch so, als hätte er es nicht gesehen.
An jenem Abend mussten sie weiter als sonst in den Wald hinein, um neue Mondbäume zu finden, und James und Lily bemerkten, dass die beiden Erwachsenen etwas angespannt waren. Aus dem Wald selbst schien eine unheilvolle und düstere Stimmung zu strahlen, und jeder Zauberer konnte die Bedrohung spüren, die jederzeit in den Schatten des Waldes zum Leben erwachen konnte. Trotzdem erfüllte jeder seine Arbeit, wie er es tun sollte, und bemühte sich darum, sich auf seine Aufgabe zu konzentrieren.
Als der erste Baum, den sie gefunden hatten, von seinen Blumen halb entblößt war, wurde sich James plötzlich dessen bewusst, dass Lily auf ihrem Ast erstarrt war, sich nicht mehr bewegte, aufgehört hatte zu atmen und die Augen halb geschlossen hatte. Neugierig näherte er sich ihr und kletterte von seinem Ast herunter, um die Schulter des Mädchens mit den Fingern leicht zu berühren.
„Stimmt etwas nicht, Evans?", murmelte er.
„Hast du nichts gehört?", antwortete sie.
„Was? Nein... Warum?"
Lily hob besorgte Augen zu ihm, dann stellte sie sie auf den Rand der Lichtung, in der sie sich befanden.
„Ich bin sicher, ich habe etwas im Wald sich bewegen hören."
James, der einen Augenblick lang verdutzt war, entschloss, davon zu lachen.
„Du spinnst wohl, Evans, es gab kein Ger..."
Ein leiser Schrei der Gryffindor unterbrach ihn und er drehte sich plötzlich um, um der Richtung ihres Blickes zu folgen, was ihn sein das Gleichgewicht beinahe verlieren ließ. Was er sah, ließ es ihn endgültig verlieren und nur Lily verdankte er es, nicht einige Meter darunter zu Boden zu fallen. Mit Schwierigkeiten setzte er sich wieder auf den Ast, auf dem das Mädchen saß, und starrte ihren Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste wieder an, ohne ihre Hand loszulassen noch ihr zu danken.
Harry Davies stand fest auf seinen Beinen dem Rand gegenüber und streckte seine beiden leeren Hände vertikal vor sich. Hagrid, der mit seinem rosa Regenschirm und seiner Armbrust bewaffnet war, stand etwas abseits und beobachtete ihn überrascht. Was die Aufmerksamkeit der drei Zauberer so sehr auf sich zog, war die fast greifbare Energie, die aus ihm strahlte.
In der Zaubererwelt war die Ausstrahlung der Aura ein bekanntes und in allen Verzeichnissen aufgenommenes Phänomen. Die meisten Bücher, die sich mit ihr beschäftigten, definierten sie etwa so: „Man nennt 'Aura' die physische Erscheinung der magischen Energie eines Zauberers, die dann die Form eines farbigen und leicht leuchtenden Lichthofs annimmt und die nur andere Zauberer oder magische Geschöpfe sehen können. Die Aura erscheint, wenn ein Zauberer, der eine mächtige Magie besitzt, heftigen Gefühlen unterlegen ist und die Kontrolle über einen Teil seiner Magie verliert, der sich dann ausdehnt. Das bekannteste Beispiel ist Zorn, aber manchmal verlangt ein einfacher Zauber, wenn es um eine sehr mächtige Magie geht, soviel vom Zauberer, dass jener dann dem gleichen Phänomen unterliegt."
Die Texte präzisierten außerdem, dass jede Person eine andere Aura besaß: Farbe, Nuance... Zahlreiche Zauberer hatten es versucht, die Aura zu studieren, und nach Jahrhunderten von Misserfolgen war schließlich eine Skala der bekannten Farben geschaffen worden, die ziemlich zuverlässig war und einem erlaubte, etwas von der Macht oder dem Charakter des Zauberers daraus zu schließen. Und so wies eine eher rötliche Farbe auf eine vom Wesen her leidenschaftliche und zornige Person, während das Blaue dagegen eine ruhige und besonnene Person darstellte.
Wenn James Lilys Buchwissen nicht besaß, wusste er doch, dass in dieser bestimmten Skala niemals eine Aura mit goldenen und schwarzen Streifen erwähnt worden war. Licht und Dunkelheit...
Irgendwo in James' Kopf spottete eine leise Stimme:
'Das hättest du erwarten sollen! Wer hat je einen Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste gesehen, der nur ein wenig bizarr wäre?'
Eine lange Weile verging, ohne dass irgendeine Bewegung vermuten ließ, dass die Szene nicht einfach auf ewig erstarren würde. Schließlich ließ sich der Auror mit einer wehenden Bewegung seines Umhangs zu Boden fallen und blieb dort liegen. Sofort stieß James einen erstickten Schrei aus und er warf sich am Fuß des Baums.
„Professor!", hörte er Lily schreien.
James eilte zu Davies und kniete sich im gleichen Augenblick wie Hagrid neben ihn. Lily kam einige Augenblicke später an, aber der Auror lehnte jede Hilfe ab, um wieder aufzustehen, sondern schob sie von sich weg.
„Genug!", murrte er wild, während seine braunen Augen mit einem seltsamen Licht glänzten, obwohl er noch schwankend war und ganz tief atmete.
Die beiden Jugendlichen entfernten sich, aber Hagrid runzelte nur die Augenbrauen.
„Professor?", fragte er mit seiner rauen Stimme.
„Helfen Sie mir, Hagrid, wir haben wenig Zeit übrig", verlangte der junge Mann, indem er heftig wieder aufstand.
„Aber wofür, Professor?"
„Ein Schwarm Korriganed kommt an."
Hagrid blickte plötzlich ernsthaft.
„Wir sind auf ihr'm Weg?"
„Wir würden keinen Grund haben, uns Sorgen zu machen, wenn es nicht der Fall wäre", antwortete er einfach.
„Was woll'n Sie, dass ich tu'?"
„Gravieren Sie die Formel auf den Mondbaum ein, ich werde ihn als Stützung nehmen."
„Sehr gut."
James, der in dieser ganzen Aufregung verdutzt war, spürte plötzlich, wie Lily seinen Arm ergriff.
„Was heißt das, James?", sprach sie mit einer etwas zu schrillen Stimme aus.
Ohne sofort zu antworten, zog sie James zum Baum, den sie eben verlassen hatten und den Hagrid betrachtete, und bemerkte, dass sie ihn bei Vornamen genannt hatte.
„James?", wiederholte Lily.
„Weißt du, was Korriganed sind?"
„Natürlich!"
James verbiss ein Lächeln. Selbst in solch einer Lage konnte sich dieses Mädchen nicht daran hindern, sich zu empören, wenn sie sich in ihrer Intelligenz beleidigt fühlte.
„Wir stehen auf dem Weg einer ihrer Wanderungen."
Trotz des wenigen Lichtes, das von den Mondtüchern gegeben wurde, sah James deutlich, wie sie erblasste. Korriganed waren etwa so hohe Wesen wie Gnomen und individuell genommen, waren sie etwa so gefährlich. Leider lebten die Korriganed in etwa fünfzig Mitglieder großen Schwärmen. Die Schwärme zogen in einem ganz bestimmten Ort ein und einer unter ihnen war als Späher geschickt, um für die Kolonie einen neuen Empfangsort zu finden, wenn der Ort, wo sie wohnten, nichts mehr zu essen bat. Bei dieser Stufe erwiesen sich die Korriganed gewöhnlich als aufgeregt und sogar ziemlich aggressiv, doch es erreichte den Höhepunkt bei der gesagten Wanderung.
In diesen Gelegenheiten, die zum Glück nur einmal pro Jahrzehnt geschahen, warf sich der ganze Schwarm auf jedes lebende Wesen in seiner Reichweite außer auf die Gewächse, die sie nicht verdauten. Sie, die sich gewöhnlich mit kleinen Tieren, ja sogar mit Ungeziefern begnügten, waren dann völlig dazu fähig, vier Menschen zu fressen, auch mit einem Halbriesen darunter.
James schenkte wieder Hagrid, der die Formel, die ihnen helfen sollte, sie zurückzuschieben, linkisch auf den Baumstamm eingravierte und regelmäßig aufhörte, um sich daran zu erinnern, was er bei seiner eigenen Schulzeit in Hogwarts gelernt hatte, seine Aufmerksamkeit. Der junge Mann rüttelte seine Mitschülerin auf, die den Waldrand mit einem entsetzten Blick anstarrte.
„Lily!", rief er und achtete nicht darauf, dass es diesmal er war, der sie mit ihrem Vornamen genannt hatte. „Du erinnerst dich sicher an die Formel, oder?"
„Ähm... ich... ja", stotterte das Mädchen.
„Beeile dich dann, Hagrid zu helfen!"
Und er schob sie zum Wildhüter. Einen Augenblick lang war sie verwirrt, doch Lily schien sich wegen der Herausforderung, die ihren Fähigkeiten unterworfen wurde, wieder zu fassen. James gratulierte sich, sie von ihrem entsetzten Erstarren ausgerissen zu haben. Sein Vater war mit genug Auroren verkehrt, dass er wusste, dass das Warten der schlimmste Feind jenes war, der sich anschickte zu kämpfen, denn in jenem Moment bemächtigte sich der Angst seiner Sinne. Wenn man nicht darauf aufpasste, dann war der Kampf verloren, bevor er anfangen hatte...
Eine Hand auf seine Schulter ließ ihn sich zu Davies umdrehen.
„Gut gemacht, Mr Potter", gratulierte er ihm mit einem fast ruhigen Lächeln. „Lehnen Sie sich jetzt an den Baum. Je kleiner die Fläche ist, die ich schützen muss, desto besser wird es sein."
James nickte und war von der fast irrealen Selbstsicherheit seines Lehrers befangen. Verblüfft trat er zu Lily und Hagrid, die sich schon an den Baum gelehnt hatten, und starrte den Auror an, der am Boden vor ihnen kniete und die Hände um seinen Zauberstab legte, der vor seinem Gesicht gehoben war.
„Man könnte schwören, dass er das sein ganzes Leben lang getan hat", hörte er Lily flüstern.
James nickte, ohne sie anzusehen, nahm aber die feine Hand, die sich in die Seinige schob, gerne an. Um sie herum fing der Wald an zu zittern, wie eine riesige Warnung, die die Bäume, die Büsche und ja sogar die Farne weiter brachten und die nur die Waldgeschöpfe entziffern konnten. Die Vögel hatten den Himmel schon längst verlassen und die letzten Galoppgeräusche klangen in der Ferne aus, von einem unheilvollen Gackern ersetzt, das sich ihrer Sinne allmählich bemächtigte.
„Er wird es schaffen", murmelte James, als wollte er sich selbst davon überzeugen.
„Ja, er wird es schaffen", wiederholte Lily an sein Ohr.
Impulsiv drehte sich James plötzlich zum Mädchen um und zog sie zu ihm, was sie zwang, mit ihm zu knien. Hagrid folgte der Bewegung und beugte sich über das Paar umarmendr Gryffindors, um sie mit seinem breiten Körper zu schützen. Davies fing an, die Formel vorzusingen, ein langsames Rezitativ, das die Waldgeister um ihren Schutz anflehte. Einer nach dem anderen leuchteten die durch die Spitze eines Armbrustpfeils von Hagrid im Stamm eingravierten Symbolen mit einem goldenen Glanz, der sich mit der blassen Farbe jenes der Mondtücher vermählte.
Das märchenhafte Licht warf surreale Glänze auf den Aurorenumhang des Lehrers, der das Ritual mit geschlossenen Augen unberührt weiter wirkte. James verlor den Sinn für die Zeit, während er am Fuß dieses Baumes mit Lily in den Armen knien blieb und den Mann mit dem langen schwarzen Haar anstarrte, als würde sonst nichts zählen. Auf dem Stamm blieb nur noch ein Symbol übrig, das noch nicht leuchtete.
Ein Zittern fuhr durch den Rand der Lichtung und plötzlich waren die Korriganed da, kaum höhere Geschöpfe als Hauskatzen, die sie anstarrten und dabei böse lachten. Von der Meute erblickte James nichts als ein flüchtiges Bild, bevor Harry Davies das Ritual mit einer ganz hellen Note beendete. Mit einem Lichtstrahl schien das letzte Symbol Feuer zu fangen, als würde es seine magische Macht in die Luft ausstrahlen. Eine Lichtgrenze schien sie plötzlich von den schmutzigen Geschöpfen zu trennen und James, der vom Licht geblendet wurde, schloss die Augen auf die Sicht seines Lehrers, der die Arme weit ausbreitete und dem Schutz die ganze Energie zu spenden schien, die er in seinem Körper versteckt ließ.
Dieses Bild blieb lange in feurigen Zügen auf den Schatten seiner Augenlider stehen, während die Sekunden unter den wütenden Schreie der Korriganed verliefen.
