Hallo an alle! Hier bin ich wieder mit dem neuen Kapitel von der französischen FF von Dragonwing4 Changer le passé. Viel Spaß beim Lesen und einen herzlichen Dank an Verliebtindich, meine Betaleserin.

Disclaimer: Alle bekannten Charaktere und Orte gehören zu Mrs. Rowling und die Geschichte und die anderen Charaktere gehören zu Dragonwing4. Ich habe nur übersetzt.

Spoiler: Die ersten fünf Bände.

Eine zweite Chance

Die Vergangenheit verändern

Kapitel 12: Wo man sich bewusst wird, dass auch Helden Urlaub haben dürfen:

Das Licht umgab sie von allen Seiten, es war so hell, dass sie nicht mal versuchen konnte, ein Augenlid zu heben. Aber sie hatte keine Angst, sie wusste, dass dieses goldene Licht gut war, dass es sie schützte. Sie fühlte sich wohl, als würde sie in einem Kokon aus Wärme und Sicherheit kuscheln. Irgendwo in ihrem Gewissen fühlte sie etwas, was versuchte, sich zu erheben, ihre Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Doch in jenem Augenblick fing das Licht an, plötzlich schwächer zu werden, bis es völlig erlosch und sie in einem Abgrund aus Dunkelheit und Nichts zurückließ. Sie spürte nicht mal mehr die starken Arme, die sie einen Augenblick vorher unterstützten, nichts mehr. Nichts mehr als dieses endloses Gackern, dass sich schließlich ihres Geistes bemächtigte.

Sie hätte schreien wollen, heulen, damit alles aufhörte, damit das Licht wieder erschien, doch egal, wie weit sie den Mund aufmachte, nichts kam aus ihrem gefühllosen Hals. Und die Korriganed näherten sich, bald würden sie nahe genug sein, dass sie ihre Bisse auf ihrer Haut würde fühlen können, und sie würden anfangen sie zu fressen...

'Nein! Nein!'

„Lily!..."

Das Geflüster ließ sie zittern, aber sie war nicht stark genug, dass sie den Kopf heben konnte, um zu antworten. Sie hatte zu viel Angst. Das Gackern kam immer näher. Die Stimme sprach wieder und lauter im Versuch, sie reagieren zu lassen, sie aus ihrer Apathie kommen zu lassen.

„Lily!"

'Professor Davies?', dachte sie ängstlich.

„Lily, wach auf! Hörst du mich?"

'Nein, nicht der Lehrer...', verstand sie und wagte es, ihre Augenlider zu heben.

Sie schienen ihr so schwer...

„James?"

Und plötzlich erlosch die Dunkelheit und ließ einem grellen Licht, das ihr in den Augen weh tat, freien Platz. Und das unheilvolle Lachen, das sie aus der Ferne hörte, war auch verschwunden. Stattdessen hießen sie Vogelgesänge in der Bewusstseinswelt willkommen. Je mehr sie wieder zu Sinnen kam, desto deutlicher wurde James' Gesicht über ihr. Sein braunes Haar war zerzauster als sie es je gesehen hatte und seine kastanienbraunen Augen glänzten vor Sorge. Seine Augen? Wo war übrigens seine Brille hin?

„Hey, alles in Ordnung?", fragte er. „Ich hatte Angst, als ich gesehen habe, wie sehr du dich aufregtest..."

Lily sah sich mit einem noch etwas nebelhaften Blick um und erwachte völlig. Der Vogelgesang kam aus einem offenen Fenster einige Meter von ihnen entfernt so wie das Tageslicht, das sich auf die weißen Wände des Krankenflügels widerspiegelte. Was James' Brille betraf, lag sie auf einem Nachttisch nicht weit vom Bett, auf dem sie selber lag.

„Ja, ja", murrte sie. „Das war nur ein Alptraum."

„Oh, ja, ich glaube, dass ich das schon erraten hatte, weißt du", erwiderte er spöttisch.

Er schwieg wegen des vernichtenden Blicks, den sie ihm zuwarf, dann setzte er sich seufzend auf den Rand des Betts.

„Entschuldige, ich glaube, dass ich etwas nervös bin..."

Sie blickte ungläubig zu ihm, indem sie sich wieder aufrichtete.

'Ist es nur ein Eindruck, oder hat er sich eben bei mir entschuldigt?'

Sie ließ das Problem für kurze Zeit weg, dann blickte sie sich im Raum um und ihre Augen richteten sich auf die zugezogenen Vorhänge eines Bettes etwas weiter. Erinnerungsfetzen kamen wie aus den Tiefen ihres Gedächtnisses zu ihr zurück und waren so verschwommen, als ob es ein Traum gewesen wäre. Sie erinnerte sich an Hagrids Dröhnen, während er ihren unbeweglichen Lehrer auf dieses eine Bett legte, an den schrillen Schrei von Madam Pomfrey, der gefolgt war. Sie erinnerte sich daran, dass sie ihre Beine nicht mehr tragen konnten, dass sie jemand in seine Arme genommen, auf ein zweites Bett gelegt und ihr beruhigende Worte gesprochen hatte. Dann war sie eingeschlafen.

„Er ist immer noch nicht aufgewacht", sagte James, was ihre Gedanken unterbrach.

Lily blickte zu ihm und wurde sich bewusst, dass er ihrem Blick gefolgt war und auch die weißen Vorhänge anstarrte.

„Madam Pomfrey lehnt es ab, dass wir ihn besuchen", fügte er mit einer tonlosen Stimme hinzu.

Erst in jenem Augenblick bemerkte sie die Ringe unter den Augen des jungen Gryffindors.

„Du hast nicht geschlafen?", fragte sie.

„Ich habe es versucht, aber ich schaffte es nicht", gestand er mit erstickter Stimme. „Ich hörte ständig dieses Gackern in meinem Geist, und dann, als er am Boden zusammengestürzt ist..."

Seine Stimme versagte ihm plötzlich, James schwieg und senkte den Kopf. Lily nickte einfach. Auch daran erinnerte sie sich.

Die wütenden Schreie, das zornigen Geheul, das starrsinnige Getrippel und dann, nach einer Ewigkeit, ein gemeinsames Verdrusszischen, der Lärm von schleppenden Schritten, den Schritten schmollender Kinder, die sich entfernten. Es war noch eine lange Zeit nötig gewesen, bis es wieder still wurde. Dann hatte das Licht angefangen sich zu senken. Zuerst schüchtern, wie argwöhnisch, dann plötzlich – wie kraftlos – mit einer entsetzenden Eile. Die Zeichen auf dem Stamm des Mondbaums schienen alle auf einmal erloschen zu sein.

Vorsichtig hatte Lily die Augen aufgemacht, aber das Gackern war nicht zurückgekehrt. Die Nacht im Verbotenen Wald war völlig ruhig und still. Es war James' Schreckensschrei, der die Stille gebrochen hatte. Hagrid war plötzlich wieder aufgestanden und war kurzatmig zum regungslosen Körper des Mannes mit den langen schwarzen Haaren gelaufen, der im Gras der Lichtung lag und dessen purpurner Umhang zerfetzt war und...

Zwei Finger schnipsten vor Lilys Augen und sie kehrte plötzlich zur Wirklichkeit zurück.

„Es nützt nichts, wieder daran zu denken, Lily", sagte James streng. „Es war genug, es ein einziges Mal zu erleben..."

Trotz des ganz neuen ernsthaften Leuchtens in den Augen des Gryffindors konnte Lily nur einverstanden sein. Eine neue Stille herrschte einen Augenblick lang im ruhig gestimmten Krankenflügel, bevor Lily das Wort sanft wieder ergriff:

„Hast du es bemerkt?"

„Was denn?", murrte der Jugendliche, der sein Gesicht in seine Hände gelegt hatte, und sah sie nicht einmal an.

„Wir nennen uns bei Vornamen..."

James hob lebhaft den Kopf und starrte sie erstaunt an, was sie gegen ihren Willen losprusten ließ.

„Ich schließe daraus, dass du es nicht bemerkt hattest."

James runzelte die Augenbrauen, als er bemerkte, dass sie ihn verspottete, dann betrachtete er das offensichtlich als nur recht und billig und lächelte ihr zu. Lily dachte ungezogen, dass er ohne Brille ziemlich hübsch war... Der Lärm eines heftigen Gesprächs, der sie an jenem Augenblick erreichte, hinderte James glücklicherweise daran, den leichten rosa Ton zu bemerken, der ihre Wangen plötzlich färbte, da er sofort den Kopf zur Tür des Krankenflügels hob.

„Ach!", sagte er mit einem Lächeln. „Wenn das nicht die Stimme von Sirius ist, wenn er mit unserer lieben Krankenschwester schön tut?"

Auch Lily spitzte die Ohren und vernahm tatsächlich die Stimme des Rumtreibers im Umschmeichelmodus. Die Entfernung erlaubte ihnen nicht zu hören, was er sagte, doch Madam Pomfreys Antwort war sehr deutlich:

„Nein, nein und nochmals nein! Sie brauchen Erholung und ich will nicht, dass Sie..."

Eine andere Stimme, diesmal weiblich, unterbrach sie. James blickte fragend zu Lily.

„Anderson?", murmelte er, um den Rest des Gesprächs nicht zu überhören.

Lily sagte nichts, aber sie hatte wohl geglaubt, die Stimme ihrer Freundin erkannt zu haben. Einen Augenblick lang herrschte wieder Stille hinter der Tür und sie konnten fast sehen, wie die Krankenschwester die Jugendlichen vor ihr mit einem scharfen Blick bemusterte. Schließlich gab sie auf:

„Gut, sehr gut! Da Sie so entschlossen klingen... Aber nur zehn Minuten lang! Und Sie dürfen keinen Lärm machen, sonst werfe ich Sie hinaus!"

Ein undeutlicher Annahmechor erklang und im nächsten Augenblick öffnete sich die Tür heftig, ein Pfeil flog durch den Raum und zwei Arme hängten sich an James Hals, was ihn plötzlich nach hinten fallen ließ.

„Sirius! Du bist schwer!", schaffte es der junge Gryffindor zu sagen, indem er versuchte, trotz der Umarmung zu atmen.

„James! Geht es dir gut?", rief der Betroffene aus und tat, als hätte er nichts gehört.

„Mr Black!", empörte sich die Krankenschwester. „Bitte seien Sie leiser!"

Der Rumtreiber, der sich offenbar davor fürchtete, dass sie ihn dazu zwang hinauszugehen, setzte sofort einen büßenden Ausdruck auf und warf ihr einen entschuldigenden Blick zu. James profitierte davon, um sich schließlich zu befreien, und setzte sich wieder auf den Rand des Bettes. Langsamer als Sirius näherten sich auch die anderen beiden Rumtreiber, von Lilys drei Freundinnen dicht gefolgt. Ruhig zogen sie Stühle zu sich oder setzten sich auf den Boden neben dem Bett. Nachdem sie ihnen allen einen misstrauischen Blick zugeworfen hatte, ging Madam Pomfrey schließlich hinaus.

Sofort drehte sich Anna zu Lily um:

„Nun? Was ist euch diesmal passiert?"

Unwohl wechselten James und Lily einen Blick.

„Hat man euch nichts gesagt?", fragte James.

„Dumbledore hat nur gesagt, dass ihr einen Unfall im Verbotenen Wald hattet, aber dass es euch gut geht", antwortete July.

„Das hat aber Sirius nicht daran gehindert laut zu werden", fügte Peter nachlässig hinzu.

Sirius warf ihm einen vernichtenden Blick zu, dann sprach er stichelnd wieder:

„Es passiert euch aber Vieles, wenn ihr beide zusammen seid..."

„Sirius!", rief James aus, indem er sich wieder heftig aufrichtete.

Lily warf dem Jugendlichen, der so sehr damit beschäftigt war, wegen ihrer Reaktion loszuprusten, dass er völlig darauf pfiff, einen vernichtenden Blick zu. James zwang sich offensichtlich, ihn nicht anzuschreien, eher aus Furcht vor der Krankenschwester als aus irgendeinem anderen Grund, dann erschien ein breites sadistisches Lächeln auf seinem Gesicht. Sirius hatte das Unglück, es nicht zu bemerken, bevor sein bester Freund zu ihm sprang und anfing, ihn unerbittlich zu kitzeln.

„Er sieht ganz so aus wie ein Hund, der sich am Boden rollt", bemerkte Anna, die nicht ganz berührt klang, indem sie zuschaute, wie er sich leise lachend auf dem Boden vergeblich drehte und wand, um James' Attacken auszuweichen.

„Halt die Klappe, Anderson", konnte er kurzatmig sagen, als ihn der zweite Rumtreiber befreite und sich zufrieden wieder setzte.

Eloise räusperte sich mit diesem Ausdruck, der deutlich meinte: 'ich stelle mir Fragen über die geistige Gesundheit der beiden da, da es mich aber nichts angeht, so werde ich die Frage nicht laut stellen', während sich July zu Sirius, der es immer noch versuchte, wieder zu atmen, mit dem misstrauischen aber dennoch neugierigen Ausdruck einer Biologin hinüberbeugte, die Schlangen verabscheut, aber sich nicht daran hindern kann, sie interessant zu finden.

Ihre Prüfung beendete sie schnell, als Sirius es passend fand, sich lebhaft zu erheben und sie dabei mit einem amüsierten Lächeln in die Augen anzuschauen. Mit einem leisen Schrei fiel July von ihrem Stuhl und landete am Boden neben Anna, die kaum eine Augenbraue hob.

„Nun?", fuhr Sirius fort, als wäre diese ganze Szene gar nicht geschehen. „Ihr habt uns immer noch nicht erzählt..."

„Leiser, Sirius!", griff Remus leise ein. „Willst du, dass sie uns hinauswirft?"

Sirius warf ihm einen kaum weniger düsteren Blick als an den vorigen Tagen zu, fragte aber mit einer leiseren Stimme:

„Wie auch immer verstehe ich nicht, warum sie will, dass wir leise sind. Es ist sonst keiner da..."

Die sieben anderen drehten sich deutlich zu den zugezogenen Vorhänge auf der anderen Seite des Raums um.

„Oh...", ließ Sirius verlegen los. „Wer ist es?", fragte er James und Lily.

Das Mädchen machte den Mund auf, um zu antworten, doch James' Hand hinderte sie ganz schnell daran.

„Bist du verrückt?", rief er aus. „Nicht auf diese Weise!"

Lily starrte ihn an, als wäre er verrückt.

„Kennst du mehrere Arten und Weisen zu reden?"

„Zu reden, weiß ich nicht, was ich aber weiß, ist, dass es verschiedene Arten und Weisen gibt, einen Sirius Black zu behandeln", erwiderte er feierlich. „Entweder du sagst ihm alles, ohne dich um die Folgen zu kümmern, und es ist sehr gut möglich, dass es dir im Gesicht platzt, oder du willst deine Trommelfelle unbeschädigt behalten und du handelst ganz vorsichtig."

„Hey!", empörte sich Sirius.

Remus und Peter, die perfekt dazu ausgebildet waren, solche Lagen zu verwalten, stellten sich ganz unbemerkt neben ihn und jeder ergriff einen Arm, ohne auf seine heftigen Proteste aufzupassen.

„Was ist denn das? Was hast du, James?", rief er nutzlos aufgeregt aus.

„Alles in Ordnung, James, wir sind bereit", sagte Remus ganz ernsthaft, während Peter nickend zustimmte.

„So", fing der vierte Rumtreiber an. „Wir waren nicht alleine, als wir diesen kleinen 'Unfall' im Wald hatten. Eigentlich..."

„Schieß los!", empörte sich Sirius.

„Ist es Davies."

Es gab einen Augenblick tiefer Stille, bevor sich Remus und Peter dessen bewusst wurden, dass sie einen großen Irrtum begangen hatten: Sie hatten keine freie Hand übrig, um Sirius mundtot zu machen. Glücklicherweise löste Eloise ihr Problem.

„Pff!", blies Remus lauter als die gedämpften Schreie, die von Sirius auskam. „Danke, McDonald."

„Bitte. Immerhin gehen auch wir das Risiko ein, hinausgeworfen zu werden."

„Das nennst du 'ganz vorsichtig handeln'?", fragte Lily James.

Der Gryffindor antwortete lieber nicht.

oOoOoOoOo

„Pffffiuu!", blies James aus, indem er auf seinen Arbeitstisch sank. „Ein Glück, dass bald Ferien sind."

„Schweige doch ein wenig, Potter", zischte Lily. „Und arbeite!"

„Na! Dann ist es nicht mehr 'James'?", spottete der Gryffindor. „Ich bin gekränkt, Lily, ehrlich..."

Das Mädchen blickte zum Himmel und warf ihr Haar nach hinten zurück, bevor sie sich wieder um ihre Arbeit kümmerte, ohne weiter zu reden. Beide saßen im Klassenzimmer von Zaubertränke und waren damit beschäftigt, die Zutaten der Reserve von Professor Kraftbrüh auszusortieren. Der Raum, wo sie eingelagert wurden, war ein echtes Durcheinander, als sie ihn zum ersten Mal betreten hatten, aber zum Glück fingen sie nach zwei Nachsitzenabenden an, damit fertig zu werden. Was Lily nicht daran hinderte, Produkte, die schon längst verfault waren, regelmäßig in den Müll zu werfen und dabei das Gesicht angewidert zu verziehen.

„Ich glaube, dass mir der Verbotene Wald noch lieber war", sagte James erneut nach einer Weile. „Glaubst du, dass Davies bald zurück sein wird?"

Lily seufzte und entschloss sich resigniert dazu, ihm zu antworten.

„Ich denke schon, Madam Pomfrey hat gesagt, dass er es überleben würde."

Beide zitterten wegen des Gedankens, dass ihr Lehrer bei diesem Zwischenfall ums Leben hätte kommen können.

„James?"

„Ach, dann erweist du mir wieder die Ehre, mich bei Vornamen zu nennen?", spottete er.

Lily ignorierte ihn und sprach weiter:

„Ich finde dich heute Abend sehr redselig."

Es gab eine kurze Stille, bevor James seufzte und das Glasgefäß, das er in der Hand hielt, wieder auf den Tisch stellte.

„Tja, ich vermute, dass ich nachhole. Zwischen Sirius und Remus gibt's immer noch nichts zu lachen."

Lily warf ihm einen scharfen Blick zu. Natürlich hatte sie wie jeder bemerkt, dass die Stimmung bei den Rumtreibern immer noch so schwer war.

„Was haben sie, echt?"

„Glaubst du mir, wenn ich dir sage, dass ich nichts davon weiß?"

Diesmal drehte sie sich wirklich um und starrte ihn erstaunt an.

„Ich glaubte, dass sich die Rumtreiber alles sagten!"

„Das glaubte ich auch."

James sah sie nicht an. Er saß schief auf seinen Stuhl und starrte die Decke mit einem müden Ausdruck an.

„Tja", fügte er hinzu, indem er sich wieder aufrichtete und zu seiner Eidechsengalle zurückkehrte. „Nur noch zu hoffen, dass sie sich schließlich beruhigen werden. Was machst du zu Weihnachten?", fragte er, um das Thema zu ändern. „Tja, du kehrst nach Hause zurück, aber habt ihr was Besonderes..."

„Ich kehre nicht nach Hause zurück", unterbrach sie mit einem eisigen Ton.

James hielt plötzlich in seiner Bewegung inne und sah dann verlegen aus.

„Was? Aber wieso? Bis dahin hast du es immer getan, also..."

„Nun dieses Jahr nicht", unterbrach sie noch einmal mit einer kategorischen Stimme.

Es war deutlich, dass sie nicht weiter reden wollte, doch ging James das Risiko ein, eine letzte Frage zu stellen:

„Nicht du hast es entschlossen?"

Lily warf ihm einen perplexen Blick zu und runzelte die Augenbrauen.

„Ich meine, nicht du hast es selbst entschlossen, um in der Bibliothek zu lernen oder so was Ähnliches?", entwickelte er.

Sie starrte ihn einen Moment an, dann gab sie zu, indem sie sich umdrehte:

„Nein."

Das war alles. James stellte keine weitere Frage und Lily tat nicht so, als wollte sie wieder anfangen zu reden. Die restliche Zeit des Nachsitzens verging in völliger Stille, so dass sie beide frei denken konnten. Als Professor Kraftbrüh schließlich kam, um sie frei zu lassen, kehrten sie zum Gryffindor-Turm zurück, ohne ein weiteres Wort zu sprechen, und verließen sich nach einem leisen „Gute Nacht". Als sie in ihrem Bett geschmiegt lag, verfluchte sich Lily, so redselig gewesen zu sein.

'Was ist bloß mit mir passiert?', tadelte sie sich. 'Das ist doch nicht so, als würde es ihn irgendwie angehen. Ich hätte nie mit ihm darüber reden sollen...'

Und sie drehte sich mit einer verärgerten Bewegung um, um nach dem Schlaf zu suchen. Im Jungenschlafsaal auf der anderen Seite des Turms entschloss sich James schließlich und ergriff ein Pergament und eine Feder.

oOoOoOoOo

Harry erwachte beim Ton einer bekannten rauen Stimme.

'Hagrid?', dachte er mit noch schläfrigem Geist. 'Unmöglich, er ist tot!'

„Ich werde nicht lang' bleiben, Madam", sagte der Halbriese. „Ich versprech' es Ihn'n, ich will nur seh'n, wie's ihm geht."

„Sehr gut, Hagrid", gab eine weibliche Stimme auf. „Sie sollen aber darauf achten, ihn nicht zu wecken. Der Auror Davies hat viel Energie verloren und es kann ihm nur gut tun zu schlafen."

Der Auror Davies? Der Name warf ihn plötzlich aus seinem Zustand erschöpfter Abgestumpftheit und die Erinnerung an die letzten Monaten kam zu ihm zurück. Was war ihm geschehen, dass er schon wieder im Krankenflügel gelandet war? Denn das war ja die Stimme von Madam Pomfrey, die er soeben gehört hatte... Ach ja, die Korriganed. James, Lily... Wie ging es übrigens ihnen?

Schwere Schritte näherten sich seinem Bett und er hörte das Sausen der Vorhänge, die man aufzieht, und kurz danach das Krachen eines Stuhls unter dem schweren Gewicht des Hüters von Hogwarts' Schlüsseln und Ländereien. Harry erlaubte sich keine Bewegung, bevor er die völlige Wahrnehmung seines Körpers wieder gefunden hatte, was sich als sehr schwierig erwies: Eine sehr große Ermüdung hatte sich jedes seiner Glieder bemächtigt und er fühlte sich wie unter einem Berg aus Baumwolle liegend. Das erinnerte ihn ganz deutlich an einen bestimmten Junitag, an dem er von einer zweiwöchigen tiefen Bewusstlosigkeit erwacht war.

Wie ironisch war das! Einen Schwarm Korriganed mit Voldemort vergleichen... Wenn Harry dazu fähig gewesen wäre, die Bedrohung zu bestimmen, die er in der Luft gespürt hatte, so wäre er sicher mit einem Stärkungstrunk davon gekommen. Leider hatte er nie die Gelegenheit gehabt, die Zeichen zu bemerken, die darauf hinwiesen, dass sich ein Schwarm dieser Geschöpfe bewegte, er hatte also eine elfische Magie benutzen müssen, die er sehr schlecht beherrschte.

Der Zauber hatte so gewirkt, dass er momentan mit einer Art höheren Bewusstseins verbunden worden war, das die Elfen allein den Wäldern gegenüber entwickelt hatten. Da er kein Elf war, hatte Harry sehr große Schwierigkeiten, diese Art sechsten Sinns, der dem Waldvolk durch eine große Konzentration erlaubte, alles ganz deutlich zu vernehmen, was in ihrer Lebensumwelt geschah – von der Entbindung eines Einhorns bis zum Laufen einer Ameise –, nur zu begreifen.

Zum Glück waren die Elfen des Verbotenen Waldes an jenem Abend auf der Hut, denn sie wussten, dass etwas Seltenes geschehen sollte. Sobald Harry angefangen hatte, den Zauber zu weben, hatten sie ihn geortet und eifrig gewarnt, dass er sich in der gefährlichsten Gegend des Waldes befand.

Eine große raue Hand legte sich auf die seinige, was seine Gedanken unterbrach, dann erhob ein ganz tiefer Seufzer die Locken, die seine Stirn bedeckten.

„'S tut mir Leid, Professor", flüsterte Hagrid mit einer Stimme, die so viel leiser war als der gewöhnliche Ton seines Geflüsters, dass Harry die Ohren spitzen musste, um ihn hören zu können. „Ich nütz' wirklich nix. Ich hätt versteh'n soll'n, dass es Korriganed war'n. Und ich konnte Ihnen nicht mal helf'n!"

Es gab einen seltsamen Ton, der Harry unangenehm an die Schluchzer seines Freundes erinnerte, als er von Hermines Tod erfahren hatte. Der Auror spürte, wie sich der Rhythmus seiner Herzschläge deutlich beschleunigte. James und Lily waren nicht verletzt worden, nicht wahr?

„Professor Dumbledore sollte mich besser selber heraushelf'n lass'n, was. Wozu nütz' ich als Hüter von Hogwarts? I kann Magie nicht benutz'n und es gibt so viele Leute, die mich feuern möcht'n, wenn sie wüssten, was ich wirklich bin... Ein Halbriese in Hogwarts! Und die Ries'n sind auf der Seite von Du-Weißt-Schon-Wem, 'türlich!"

Harry verstand, dass sein Freund ihn nicht mehr ansprach. Er drückte nur das aus, was er schon längst fühlte und was ihm bestätigt worden war, als er während des Zwischenfalls im Wald so wenig nützlich gewesen war. Die Hand auf der seinigen zitterte mit dem Rhythmus der Schluchzer, die den gewichtigen Körper beben ließen, und Harry verfluchte sich, dass er seinem Halbriesenfreund nicht mehr Aufmerksamkeit geschenkt hatte, seitdem er in dieser Welt angekommen war. Es war Zeit, das zu verbessern, ganz deutlich Zeit.

„Wozu nütz' ich?", wiederholte Hagrid mit einer von den Tränen fast unhörbar gemachten Stimme.

Harry drehte langsam das Gesicht zu ihm um und, ohne auf die Erschwerung seiner Glieder zu achten, legte seine zweite Hand auf die des Wildhüters von Hogwarts, was ihn vor Erstaunen aufspringen ließ.

„Wozu nützt ein versteckter Trumpf in einem lebenswichtigen Kartenspiel?", antwortete er sanft.

Harry ging das Risiko ein, trotz der unwilligen Proteste seiner dumpfen Muskeln die Augenlider aufzumachen, und beobachtete das rote und nasse Gesicht vor sich. Über dem wegen der Tränen glänzenden Bart starrten ihn Hagrids leuchtende Augen an.

„Wozu nützt ein Zauberstab, wo man nur einen Regenschirm sieht? Wozu nützt der Widerstand eines Riesen, wo man nur menschliches Blut erwartet? Haben Sie die Macht des Geheimnisses vergessen, Hagrid? In solch einem Armdrücken wie jenem, das wir heute spielen, kann sich jedes Geheimnis, das wir behalten können, als lebensrettend erweisen. Glauben Sie mir, Sie verfügen über ein viel größeres Potential als Sie es denken."

Harry erinnerte sich an diese Nacht, als er von der Spitze des Astronomieturms gesehen hatte, wie sich Hagrid zu seinen Angreifern mit einem Zorn gestürzt hatte, den er bis dahin beim ruhigen Halbriesen nie beobachtet hatte. Die Körper der Ministeriumsangestellten waren in jener Nacht hoch in die Luft geflogen.

„Vor allem, Hagrid", fuhr er fort, „sind Sie ein zutiefst guter Mensch, und wer wegen ihrer Abstammung das Gegenteil sagen würde, wäre nicht nur ein Lügner, sondern auch ein wahrer Narr."

Hierauf drehte sich Harry um und befreite seine Hände von jenen des Halbriesen, um sich vorsichtig auszustrecken, was ihn nicht daran hinderte, vor Schmerz zu murren, als er seine Muskel heftiger protestieren fühlte denn je. Neben ihm profitierte Hagrid davon, dass er ihn nicht ansah, um seinen Taschentuch heraus zu nehmen und sich laut die Nase zu putzen, bevor er sich das Gesicht wischte.

„'Tschuldigen Sie mich, Professor", sagte er mit einem demütigen Ton. „Ich wollt' Sie nicht wecken."

„Hören Sie auf, sich ständig zu entschuldigen, mein Freund. Sie sind nicht schuld daran", erwiderte er, indem er sich langsam aufsetzte.

Einen Moment lang herrschte Stille, die Harry nicht zu brechen vermochte, da er undeutlich spürte, dass Hagrid noch etwas sagen wollte. Schließlich räusperte sich der Wildhüter und fragte fast schüchtern:

„Sie... Sie werden nichts sagen, nicht wahr?"

„Über Ihren 'Stammbaum', meinen Sie?", antwortete Harry. „Sicher nicht! Ich habe es Ihnen schon gesagt, zu den heutigen Zeiten sind Geheimnisse sehr wichtig."

Hagrid nickte offensichtlich beruhigt, dann fügte er wie wegen eines Hintergedanken hinzu:

„Und... hm... was meinen Regenschirm betrifft..."

Harry brach in ein lautes und fröhliches Gelächter aus und bewegte die Hand nachlässig.

„Es gibt absolut nichts Seltsames dabei, dass Sie Ihren Regenschirm mitnehmen, sobald Sie in den Verbotenen Wald hinausgehen, Hagrid. Immerhin ändert sich das Wetter in Großbritannien sehr schnell."

Hagrid lachte mit ihm, dann tätschelte er linkisch seine Hand.

„Danke, Professor", sagte er schließlich.

Harry lächelte ihm zu, dann drückte er die breite Hand mit der seinigen.

„Bitte, mein Freund."

Diesmal reagierte Hagrid beim Wort 'mein Freund' und blickte fragend zu ihm, dann traf er seine Augen und nickte zuerst zögerlich, dann offener und lächelte zurück. In jenem bestimmten Augenblick öffneten sich die weißen Vorhänge heftig vor der Krankenschwester von Hogwarts.

„Was ist aber... Ach!", rief sie aus, als sie bemerkte, dass Harry ganz wach saß. „Hagrid! Ich hatte Ihnen gesagt, ihn nicht zu wecken!"

Der Halbriese hatte kaum Zeit, einige Entschuldigungen zu stottern und schon war Madam Pomfrey hinausgeeilt. Sie kehrte einen Augenblick später mit einem mit grünem rauchendem Zaubertrank gefüllten Becher zurück und bemühte sich darum, den Hüter von Hogwarts' Schlüsseln und Ländereien wegzujagen.

„Sie werden ihn ja besuchen können, wenn es ihm besser gehen wird!", behauptete sie, indem sie ihn autoritär zur Tür begleitete.

„Hm... Gut... Sehr gut... Hm...", murrte Hagrid verlegen.

Er drehte sich ein letztes Mal um, um zu Harry zu blicken, der sich mit einem Winken und einem Lächeln von ihm verabschiedete.

„Bis bald, Hagrid!"

„Jo, 'bald Professor", antwortete Hagrid, bevor er zu Madam Pomfrey blickte und schnell durch die offene Tür ging.

Die Krankenschwester kehrte mit dem strengen Ausdruck, den sie für die unruhigen Schüler behielt, zum Bett zurück, reichte dem Auror ihren Becher und wartete darauf, dass er ihn austrank. Harry verzog das Gesicht beim abscheulichen Geschmack der Mischung, nahm sie aber gerne ein und wurde mit einer fast sofortigen Verminderung der Spannung in seinen Muskeln belohnt.

„Jetzt sollten sie am besten schlafen", sagte sie mit einem Ton, der eher an einen Befehl als an einen Rat erinnerte.

Harry sah sie hinter die Vorhänge gehen und sich umdrehen, um sie zuzuziehen.

„Sagen Sie mir, Madam Pomfrey?", rief er aus, während sie sich abwandte.

Die junge Krankenschwester warf ihm einen fragenden Blick zu.

„Wie geht es Mr Potter und Miss Evans?"

„Oh! Ganz gut, sie sind vor zwei Tagen gegangen. Jetzt, schlafen Sie!", fügte sie mit einem fast wilden Ton hinzu.

Harry spürte, wie ein schweres Gewicht seine Brust verließ, verbiss knapp einen erleichterten Seufzer und konnte der Versuchung nicht widerstehen, die Krankenschwester zu sticheln:

„Ich dachte dennoch, dass sie ein feineres Gehör hätten. Sie haben eine Weile gebraucht, um Hagrid und mich zu hören", bemerkte er wie für sich selbst.

Die Krankenschwester warf ihm einen empörten Blick zu und drehte sich mit einem 'Hmpf!' um, doch hatte Harry die Zeit gehabt, sie rot im Gesicht werden zu sehen.

'Ach, Poppy, das gehört sich nicht, hinter den Türen zu lauschen, und auch nicht, es hinter den Vorhängen zu tun', dachte er amüsiert, bevor er sich wieder legte und den Zaubertrank wirken ließ.

oOoOoOoOo

James wartete bis zum letzten Nachsitzen, bevor er sich dazu durchrang, mit Lily zu reden. Professor Kraftbrüh hatte ihre Arbeit eben gemustert und undeutlich genickt, was schon viel war, da sie höchstwahrscheinlich schon versuchte, sich daran zu erinnern, wo sich jede Zutat nun befand, um nicht lange überlegen zu müssen, wenn sie später danach suchen würde. Und jetzt befanden sie sich beide im Gang und gingen in Richtung Gryffindor-Turm.

„Pff!", blies James. „Bin froh, dass es vorbei ist. Wenn man bedenkt, dass Davies immer noch nicht aus dem Krankenflügel rausgekommen ist..."

„Gerüchte sagen, er wäre heute Morgen erwacht", antwortete Lily.

„Stimmt das?", fragte er enthusiastisch. „Sirius ist bestimmt sehr froh... Schade, dass wir schon übermorgen abfahren, wir werden ihn nicht vor dem Schuljahreswiederbeginn sehen."

„Was mich betrifft, werde ich ihn so lange sehen können wie ich es möchte", bemerkte sie.

„Glaubst du nicht, dass auch er Urlaub macht?"

„Das würde mich überraschen, er ist der Verteidigung von Hogwarts zugewiesen."

„Hmm..."

James sagte eine Weile lang nichts, dann fuhr er vorsichtig fort:

„Lily, ich... tja..."

Das Mädchen warf ihm einen misstrauischen Blick zu: Nicht jeden Tag sah man James Potter stottern. Da er sich ihres Blicks bewusst wurde, sagte er ganz schnell.

„Du kannst während der Ferien zu mir nach Hause kommen, wenn du willst."

Lily hielt plötzlich inne und starrte ihn so an, als wären Hirschgeweihe aus seinem Kopf gewachsen.

„Wie bitte?"

„Mach nicht so ein Gesicht, Lily. Du klingst nicht besonders erfreut, in Hogwarts zu bleiben, und da du nicht zu dir nach Hause zurückkehren kannst, habe ich gedacht, dass es dich interessieren würde. Wenn ich mich geirrt habe, dann, umso schlechter", sagte er mit einem fast bitteren Ton.

Lily sah ihm abschätzend nach, während er sich abwandte und weiter ging.

„Was sagt mir, dass du nicht wieder versuchst, mich zu bequatschen, Potter?"

James stoppte plötzlich und drehte sich zu ihr um.

„Habe ich dieses Jahr versucht, dich anzumachen?", fragte er mit einem verärgerten Ausdruck.

Lily kniff die Augen zusammen und überlegte danach einige Augenblicke lang. Er hielt ihre Stille für eine Antwort und fuhr fort:

„Erkläre mir also, warum ich plötzlich wieder damit anfangen würde?"

„Vielleicht ein Männlichkeitsanfall?", suggerierte sie einfach.

„Sehr lustig, Evans", zischte er, dann drehte er sich wieder um.

„Und deine Eltern?", fragte sie mit einem nachlässigen Ton, indem sie ihm folgte.

„Ich habe ihnen gestern Abend einen Brief geschickt. Sie sind einverstanden", sagte er lakonisch.

„Du hast sie darum gebeten, ohne auch nur zu wissen, ob ich..."

„Ich habe sie nur um die Erlaubnis gebeten, es dir vorzuschlagen", ärgerte er sich. „Verdammt, Evans, sei nicht so paranoid! Ich versuche doch nicht, um deine Hand zu bitten, soweit ich weiß!"

„Umso besser", murmelte sie verachtend.

James schnüffelte, fügte aber nichts hinzu.

„Wie auch immer will ich euch nicht stören", schloss sie. „Weihnachten ist ein Familienfest."

James hinderte sich daran, sie zu fragen, was bei ihrer Familie nicht stimmte, und lachte stattdessen leicht spöttisch auf.

„Das ist wohl ein Scherz? Sirius war schon öfters da und er hat ihnen ständig eingehämmert, du wärst, ich zitiere, 'die ideale Frau für mich', Zitat Ende. Kurz und gut will dich meine Mutter unbedingt kennen lernen und ich zähle die Scherze meines Vaters darüber nicht mehr..."

„Das ist wohl ein Scherz?", fragte Lily verdutzt.

„Nicht heute, tut mir Leid. Aber ich möchte gerne, glaub mir... Erster Schnee", sagte er zur in ihrem Rahmen schlummernden Fetten Dame, die einen kaum hörbaren 'So früh in der Jahreszeit?' murrte und ihnen den Durchgang öffnete.

„Ich möchte gerne mit Black darüber reden", murrte die Vertrauensschülerin, indem sie durch die Tür ging.

Das Porträt schloss sich wieder und James drehte sich mit einem blasierten Ausdruck um.

„Glaub mir, das würde nichts daran ändern. Ich habe schon mehrmals mit ihm darüber 'geredet' und es gibt kein Mittel, ihn darauf verzichten zu lassen. Wie auch immer nützt es nichts, weiter darüber zu reden, da du nicht willst", schloss er, indem er sich zur Treppe wandte, die zum Jungenschlafsaal hinaufging.

„Hm... James?", rief ihn Lily plötzlich zurück.

James wartete auf das Nächste, indem er sich fragte, wie es ihr so leicht fallen konnte, von „Potter" zu „James" überzugehen.

„Ich bin nicht sicher, ob meine Eltern einverstanden wären", murmelte sie zögernd.

James drehte sich wieder zu ihr um, da er verstand, dass sie über seinen Vorschlag nachdachte.

„Wir fahren in zwei Tagen ab", erinnerte er sie daran. „Wenn du schnellstens einen Brief per Expresseule schickst, dann kann dich die Antwort schon früh genug erreichen."

Er beobachtete, wie sie seinen Vorschlag abschätzte und ihn schließlich gut fand.

„Nur, Lily?", rief er sie wieder mit einem ernsthaften Ton.

Das Mädchen blickte fragend zu ihm.

„Du sollst wissen, dass du bei mir zu Hause weniger gut geschützt sein wirst als in Hogwarts. Wir verfügen nicht über alle Schutzvorrichtungen, die hier existieren, und meine Familie ist für die Todesser immer ein interessantes Ziel gewesen."

Lily starrte ihn einen Augenblick lang an und wurde von seiner Offenheit erstaunt. James war erstaunt zu hoffen, dass es sie nicht entmutigen würde und dass ihre Eltern es annehmen würden, dass sie Hogwarts verließ. Er wollte wirklich nicht, dass sie während der Feiertage alleine hier blieb.

„Ihr habt doch Schutzvorrichtungen, oder?", fragte sie, und James erkannte nur Neugier in ihrer Stimme.

„Ja, natürlich", antwortete er, indem er mit den Schultern zuckte. „Alle Zauberfamilien haben welche und unsere sind besonders stark, da wir nicht wirklich vor allen Angriffen geschützt werden. Aber meine Eltern haben trotzdem für die Ferien um Hilfe gebeten."

„Um Hilfe? Was meinst du?"

„Im gleichen Brief wie der, indem sie mir erlaubt haben, dich einzuladen, haben sie mir angesagt, dass jemand über die Feiertage kommen würde, um unseren Schutz zu versichern. Ich weiß nicht, warum sie plötzlich entschieden haben, mehr Schutzmaßnahmen zu treffen, aber sie reden nicht über alles mit mir", sagte er, indem er mit den Schultern zuckte. „Wenn sie mir aber ihr Erlaubnis gegeben haben, so ist es, dass sie dennoch denken, dass es nicht zu viele Risiken gibt."

Einige Augenblicke lang herrschte Stille und James musste sich daran hindern, die Hände zu falten, um darum zu beten, dass sie kommen würde.

'Das geht wirklich schief, mein armer James', sagte er sich betrübt.

„Ich werde ihnen schreiben", sprach Lily plötzlich wieder.

James nickte und lächelte ihr zu:

„Wie du willst", sagte er, bevor er wieder zu seinem Schlafsaal ging.

„James!"

„Hm?", fragte er, indem er über seine Schulter blickte.

„Danke."

„Hm... Bitte", konnte er verlegen aussprechen.

Lily sagte nichts Weiteres, stieg zu ihrem Schlafsaal hinauf und ließ ihn allein im Gemeinschaftsraum.

oOoOoOoOo

Als Harry die Augen aufmachte, floss das Tageslicht durch die großen Fenster des Krankenflügels.

'Ich verbringe wirklich zu viel Zeit in diesem Raum', tadelte er sich geistesabwesend. 'Ich kenne ihn schließlich auswendig... übrigens noch besser als Albus' Büro.'

Ein vorsichtiger Blick um sich herum sagte ihm, dass Poppy nicht in der Nähe war. So still wie möglich stand er auf und zog seine Kleidung an, die auf einem Stuhl neben seinem Bett auf ihn wartete. Er fluchte gerade gegen seine langen Haare, die es wohl nötig hätten, gekämmt zu werden, als die Krankenschwester schließlich eintrat. Kaum hatte sie ihn erblickt, dass sie innehielt und die Arme in die Seiten stemmte:

„Harry Davies!", empörte sie sich. „Wo glauben Sie denn, so hinzugehen? Es kommt gar nicht in Frage, dass Sie rausgehen!"

„Tut mir Leid, sehr liebe Krankenschwester", erwiderte er, indem er seine Stiefel anzog. „Aber ich muss den Hogwarts-Express heute nehmen."

Poppy sah ihn skeptisch an:

„Bleiben Sie nicht über die Feiertage in Hogwarts?"

„Oh nein, ich habe um einen außerordentlichen Urlaub gebeten. Thomson und O'Brien werden beide hier bleiben, das wird mehr als genug sein, um die wenigen Schüler zu schützen, die nicht nach Hause zurückkehren. Könnten Sie mir nicht zufällig eine Haarbürste leihen ?", fügte er hinzu, indem er auf die langen Locken zeigte, die in seinem Rücken völlig zerzaust waren.

Die Krankenschwester bewegte sich nicht und starrte ihn böse an.

„Sie werden sicher nicht heute aus diesem Krankenflügel rausgehen! Sie können die Schule schon später verlassen, aber ich..."

„Nein, nein", lehnte Harry mit einem Kopfschütteln ab. „Ich muss gleich heute weggehen, Madam Pomfrey. Notfall."

Harry fand schließlich seinen Zauberstab und benutzte ganz schnell seine Verwandlungsunterrichtsstunden: Einen Augenblick später stand eine Haarbürste an der Stelle seiner Nachtlampe. Poppy sah es ihn missbilligend tun, aber Harry wusste nicht mehr, ob sie immer noch gegen die Tatsache war, dass er wegging, oder ob sie den Verlust einer ihrer Lampen bedauerte. Er versprach sich, die Bürste wieder zu verwandeln, wenn er damit fertig sein würde, falls seine zweite Vermutung die richtige wäre.

„Weiß der Schulleiter Bescheid?", murrte sie schließlich.

„Natürlich", versicherte Harry. „und er hat seine Erlaubnis gegeben."

„Das war aber, bevor sie verletzt wurden!", erwiderte sie mit einem verärgerten Ton.

„Ich bin nicht verletzt, Poppy – darf ich Sie übrigens Poppy nennen? –, nur ein bisschen müde."

„Müde?", schrie sie vor Ungläubigkeit. „Sie hatten zwei Drittel Ihrer magischen Energie verloren und..."

„Sie unterschätzen mich, Poppy", sagte er fälschlich gekränkt. „Ich versichere Ihnen, dass ich über viel mehr verfüge als das. Sonst wäre ich sicher nicht nach zwei Tagen erwacht. Also sehen Sie, dass ich nicht nach drei Schritten zusammenbrechen werde."

Poppy starrte ihn an, als würde sie ihren Ohren nicht trauen, dann schien sie sich wieder zu fassen.

„Sie können sagen, was Sie wollen, ein einfaches Korriganedabwehrritual hätte Sie nicht in solch einem Zustand zurücklassen sollen", sagte sie.

Harry zuckte einfach mit den Schultern und bewegte seinen Zauberstab zu seiner brandneuen Haarbürste. Die Krankenschwester schnüffelte, als sie ihre Nachtlampe ihre richtige Form zurücknehmen und dabei zwei oder drei neue Wildschweinhaare auf dem Lampenschirm zur Schau tragen sah. Harry setzte einen verlegenen Ausdruck auf.

„Keiner ist perfekt", murrte er, indem er den neuen Lampenschirm betrachtete.

Poppy ergriff seinen Zauberstab, als er ihn wieder hob.

„Einverstanden! Sie dürfen rausgehen!", rief sie verärgert aus.

„Sind Sie sicher?", fragte Harry fälschlich perplex.

„Ja! Ich brauche es gar nicht, eine meiner Nachtbürste... ähm, ich meine, Lampe, zu einem Eber werden zu sehen! Nun, raus!"

oOoOoOoOo

Die plötzliche Senkung der Rückenlehne seines Sessels überzeugte James davon, den Kopf zum Grund der besagten Senkung umzudrehen.

„Evans!", grüßte Sirius mit einem nachlässigen Ton. „Was verdient uns deine Anwesenheit?"

Lily ignorierte ihn völlig und starrte James immer noch an.

„Gibt es bei dir zu Hause eine Bibliothek?", fragte sie.

James schnüffelte vor Missachtung und antwortete:

„Auch wenn es mich nicht von dir erstaunt, mich das zu fragen Lily, bei den Potters sind wir keine Wilden."

„Was ist denn das für ein Gespräch?", griff Sirius wieder ein.

Diesmal ignorierte ihn sogar James.

„Und habt ihr Bücher über die Auren?", fuhr sie fort.

James starrte sie einen Augenblick lang irritiert an, bevor er verstand, was sie damit meinte. Ein rein rumtreiberisches Lächeln erschien auf seinen Lippen.

„Das kann man finden..."

„Dann bin ich einverstanden", sagte sie schließlich.

Zu seinem großen Erstaunen lächelte sie ihm zu und reichte ihm die Hand. Verdutzt schüttelte James sie schließlich und Lily ging sofort zu Anderson. Beide ergriffen ihre Koffer und gingen aus dem Gemeinschaftsraum, wahrscheinlich, um ihre beiden Ravenclaw-Freundinnen in der Eingangshalle vor der Abfahrt zu treffen. Eine Hand zog plötzlich seinen Umhang, was seine Aufmerksamkeit wieder zu den anderen drei Rumtreibern lenkte. Sirius sah ihn verärgert an, wahrscheinlich davon gekränkt, dass er vom Gespräch ausgeschlossen worden war.

„Was ist denn dieser Blödsinn, James?", fragte er.

James verfluchte sich, dass er nicht früher mit ihm darüber gesprochen hatte. Jetzt würde er sicher eine Krise seines besten Freundes bekommen.

„Während unserer Nachsitzen hat sie mir gesagt, dass sie über die Ferien nicht nach Hause zurückkehrt, also hatte ich ihr vorgeschlagen, sie bei mir zu Hause zu verbringen", fasste er zusammen, indem er Sirius beobachtete und nach den ersten Spuren eines Augenbrauenrunzelns suchte.

Drei verdutzte Blicke drehten sich zu ihm um und Peter vergaß dabei sogar, dass er seinen Zauberstab, den er unten in seinem – natürlich nun gefüllten – Koffer unabsichtlich hatte liegen lassen, immer noch nicht wieder gefunden hatte. Dann brach Sirius im Gegensatz zu dem, was er vorgesehen hatte, in ein lautes Gelächter aus und schlug ihm stark auf den Rücken.

„Na, James, dann entscheidest du endlich, den Gegenangriff zu unternehmen! Wann kommt der Heiratsantrag?"

James schob seine Brille mit einem bedrohlichen Ausdruck wieder richtig auf seine Nase.

„Sirius...", sprach er mit einem schleppenden Ton aus.

Sein bester Freund hörte plötzlich auf, sich vor Lachen zu krümmen, und er sprang auf seine Füße, während ihm James sofort nachlief.

„Nee! Nicht das Kitzeln!", flehte Tatze ihn an.

„Das hast du verdient!"

Peter sah ihnen nach, während sie um eine Gruppe Fünftklässlerinnen rannten, die eben von der Treppe zum Mädchenschlafsaal heruntergelaufen waren, über den Kofferhaufen der Zweitklässler sprangen und einem Erstklässler knapp auswichen, der den Kopf in den Koffer gesteckt hatte und sie nicht hatte kommen hören.

„Peter!", rief Remus mit einem triumphierenden Ton aus. „Ich habe ihn!"

Wurmschwanz drehte sich zu seinem Freund um und sah, dass er seinen Zauberstab schwang.

„Uff!", seufzte er vor Erleichterung. „Danke, Remus, ich fing gerade an mich zu fragen, ob ich ihn nicht eher im Schlafsaal zurückgelassen hätte..."

Remus prustete los und wies dann auf den Koffer.

„Jetzt brauchen wir nur noch, all das einzuräumen..."

Peter blickte zum formlosen Haufen von Wäsche, Büchern und Pergamentrollen, zu dem seine Sachen nach der tiefen Durchsuchung geworden waren, die ihn Remus und er hatten erleiden lassen.

„Hm...", meinte er wenig begeisterts.

Der Werwolf und er wechselten einen Blick, dann presste Peter den Berg seiner Sachen herunter und schloss ruhig seinen Koffer.

„Deine Mutter wird nicht sehr erfreut sein", bemerkte Remus mit leichtem Ton.

Peter bewegte nachlässig die Hand.

„Dann werde ich mich darum bemühen, dass sie nichts davon erfährt..."

Remus prustete los und war froh, dass es Wurmschwanz gelernt hatte, die Sachen nicht übertrieben zu bewerten. Während der letzten Monate hatte er sich sehr verändert...

„Ich sollte trotzdem versuchen, während der Fahrt aufzuräumen..."

Ja, tja, das war immer noch Peter, dachte er mit einem Lächeln.

Sirius brach atemlos in dem Sessel neben ihnen zusammen. James traf sie einen Augenblick später mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen und Tatze prüfte mit einem misstrauischen Blick, dass er weit genug blieb.

„Wie auch immer", fuhr James fort, „sehe ich nicht, warum du darüber lachen würdest, Sirius. Immerhin wird sie immer da sein, wenn du kommen wirst..."

Sirius brauchte einige Sekunden, um das zu fassen, dann öffnete er die Augen ganz weit:

„Oh, nein!", ächzte er mit einem dramatischen Ton, indem er sich nach hinten warf. „Wie hast du uns das antun können, James? In die Klauen einer Vertrauensschülerin für die ganzen Ferien geraten..."

„Und es kommt nicht in Frage, dass du uns während der Feiertage ausweichst", fügte James sadistisch hinzu. „Mein Vater würde dich holen, ob du es willst oder nicht!"

Sirius warf ihm einen vernichtenden Blick zu, machte es sich bequemer in seinem Sessel und schmollte. James profitierte davon, um sich mit einem breiten Lächeln zu den beiden anderen umzudrehen.

„Gehen wir?"

oOoOoOoOo

Von der Höhe der Marmortreppe aus gesehen bot die Eingangshalle am Tag vor den Ferien immer einen beeindruckenden Anblick: Die einigen hunderte Schüler von Hogwarts – egal von welchem Geschlecht oder Alter – standen in dichten Gruppen versammelt mit ihren Koffern an den Füßen und waren auf der ganzen Fläche der Halle verteilt. Jeder verabschiedete sich von jenen, die im Schloss blieben oder die sie während der Reise im Hogwarts-Express nicht sehen würden, und alle gingen also von einer Gruppe zur anderen. Die Erstklässler tauschten mit enthusiastischer Stimme ihre Adressen und die Älteren versprachen einander sich zu schreiben.

'Nein, wirklich', entschloss Harry, 'Voldemort oder nicht, egal zu welcher Zeit wird Hogwarts immer Hogwarts bleiben.'

Harry lehnte sich ans polierte Geländer und wartete auf die Abfahrt, während sein sorgfältig verkleinerter Koffer in seiner Tasche lag. Er hatte nicht wirklich vor, herunterzugehen und zu den Lehrern zu gehen, die ernsthaft redend geduldig neben den Riesentüren warteten. Wenn sie alle sich dann nach seiner Gesundheit erkundigen würden, war es wirklich nicht der Mühe wert... Er hatte Schlimmeres überlebt, verdammt noch mal!

Stattdessen bemühte er sich darum, die Schüler zu finden, von denen er entschlossen hatte, ihr Leben zu verändern. Lily stand mit ihren drei Freundinnen zusammen, ihr Abzeichen hing sichtbar auf ihrer Uniform und sie prüfte aus dem Augenwinkel, ob alles gut ging. Auf der anderen Seite der Halle fand er die vier Rumtreiber, die in ein Gespräch mit den Mitgliedern der Quidditchmannschaft vertieft waren. Harry lächelte und stellte sich – ohne sie hören zu können – die Ratschläge vor, die ihnen James gab, unter anderen, dass sie zumindest einmal während der Ferien üben mussten... Typisch.

„Du siehst nicht sterbend aus."

Harry war zwar schon an seine unerwarteten Annäherungen gewöhnt, aber er hatte Schwierigkeiten zu vermeiden, aufzuspringen, als er sich bewusst wurde, dass der letzte der Liste eben neben ihm stand. Severus bemerkte seine Reaktion und lächelte leicht spöttisch darüber.

„Du verspottest einen Lehrer, Severus?", stichelte ihn Harry. „Vorsicht, was sagt dir, dass ich dir nicht Punkte wegen Frechheit abziehen werde?"

Der Slytherin blickte zum Himmel hinauf, setzte aber wieder seine gleichgültige Maske auf.

„Und was ist diese Geschichte?", fuhr Harry fort. „Wie denn 'sterbend'?"

„Nichts als eine Wahnvorstellung von Zabini, vermute ich", sagte er, indem er mit den Schultern zuckte. „Er schien überzeugt, dass man dich in einem Kasten zum Ministerium würde zurückschicken müssen."

„Wie nett von ihm", erwiderte Harry mit einer Stimme voller Sarkasmus. „Daran werde ich mich erinnern..."

Severus konnte sein spöttisches Lachen nicht verbeißen.

„Du kehrst nach Hause zurück", bemerkte der Auror, als er den Koffer sah, den der Slytherin trug.

„Hmm", nickte er, indem er den Blick mürrisch zur Eingangshalle wandte.

„Wow, wie enthusiastisch", spottete Harry freundlich.

Severus, der offenbar nervös war, warf ihm einen vernichtenden Blick zu.

„Nicht doch, Severus", mäßigte der Lehrer. „Alles wird gut gehen, sie werden dich zu nichts zwingen, so lange du nicht volljährig bist."

„Ich weiß", erkannte er einfach.

Harry beobachtete ihn aufmerksam und suchte nach den Nervositätszeichen, an die ihn der Mann, den er als Severus Snape gekannt hatte, nicht gewöhnt hatte: Das etwas zu mürrische Gesicht, der leicht schiefe Blick, diese Eigentümlichkeit, seine Haare vor dem Gesicht hängen zu lassen, um seinen Ausdruck zu verstecken... Auch wenn Severus nicht die ganze Praxis des reifen Mannes hatte, mit dem er verkehrt hatte, spürte er, wie sich sein Herz vor Traurigkeit zusammenkrampfte, als er seine Geschicklichkeit, seine Gefühle zu verstecken, bemerkte. Wenn er ein einfacheres Leben hätte haben können, dann hätte er diese Reflexe nicht lernen müssen. Aber Harry konnte nicht alles verändern, er musste sich damit begnügen, was für ihn erreichbar war...

„Du bleibst hier, nicht wahr?", fragte ihn der Slytherin, ohne ihn anzusehen.

Harry hörte die Bitterkeit in seiner Stimme und wurde davon erstaunt.

„Nein", antwortete er. „Ich bleibe nicht."

Severus drehte sich zu ihm um und starrte ihn erstaunt an.

„Wirklich?"

Harry erwartete, dass er ihn wie Poppy fragte, warum er nicht blieb, um seine Wächterrolle in Hogwarts weiter zu erfüllen, aber stattdessen fragte Severus:

„Wo kann ich also in diesem Fall mit dir Kontakt aufnehmen, falls es nötig wäre?"