Hallo an alle! Hier bin ich wieder mit dem nächsten Kapitel von der französischen FF von Dragonwing4 Changer le passé. Viel Spaß beim Lesen und einen herzlichen Dank an Verliebtindich, meine Betaleserin.
Disclaimer: Alle bekannten Charaktere und Orte gehören zu Mrs. Rowling und die Geschichte und die anderen Charaktere gehören zu Dragonwing4. Ich habe nur übersetzt.
Spoiler: Die ersten fünf Bände.
Eine zweite Chance
Die Vergangenheit verändern
Kapitel 14: Wo jeder über jeden Entdeckungen macht
An jenem Morgen sah James die bekannte Decke seines Schlafzimmers, als er die Augen aufmachte, und blieb einige Augenblicke lang regungslos, während er seine Rückkehr im Familienkokon genoss. Er hatte Hogwarts immer geliebt und wusste, dass es schwierig sein würde, die Schule endgültig zu verlassen, aber er war in Junction Hill aufgewachsen und dort hatte er die größte Zeit seiner Kindheit verbracht. Hier hatten die Wände und die Holzböden seine Spur behalten, die eines unruhigen Kindes, das immer zu den schlimmsten Streichen bereit war. Und so zeigte trotz aller Bemühungen von Cherry das Büfett im Wohnzimmer bestimmt immer noch einen Fuß, der viel brauner aussah als die anderen...
James lächelte träumerisch und streckte sich in seinem Bett faul aus, indem er sich auf die Ferien freute, die ihn erwarteten. Erst in diesem Moment erinnerte er sich daran, dass sie versprachen, seltsamer zu sein als alle, die er je erlebt hatte... Ein leises Geräusch riss ihn aus seinen Gedanken und James sprang aus den Decken, um die dichten roten Vorhänge aufzuziehen und die graue Eule also zu entdecken, die ungeduldig darauf wartete, dass er sie eintreten ließ. Der junge Mann beeilte sich, ihr das Fenster aufzumachen, und ließ dabei auch einen Hauch winterlicher Luft in den Raum hereinkommen.
Zitternd beobachtete er einen Augenblick lang die völlig schneeweiße Landschaft und lächelte: Remus' Wunsch war in Erfüllung gegangen. Wenn man sich nach den schweren Wolken, die die Sonne versteckten, richten konnte, so würde der Schnee noch lange halten. Schließlich musste er eilig wieder zumachen, um nicht auf der Stelle in seinem Pyjama zu erfrieren. Klinge, Sirius' Eule, war schon auf seinem Arbeitstisch gelandet und wartete darauf, dass sich der Jugendliche dazu herabließ, sich um sie zu kümmern, während sie ihre fast metallfarbenen Feder glättete, die ihr ihren Namen verliehen hatten.
James ging schnell zu ihr und befreite sie von der Nachricht seines besten Freundes:
Oh Mann! James, das würdest du sicher nicht glauben. Hier ist es die wahre Hölle! Wenn ich doch noch einen Hauselfen hätte, um all das zu säubern... Ich hatte nie bemerkt, dass sich der Staub so schnell schichtet! Es gibt so viel davon... Ich werde bestimmt Tage lang brauchen, um all das in Ordnung zu kriegen, also weiß ich wirklich nicht, wann ich schließlich kommen kann. Das ist ein Glück, dass wir jetzt unseren Zauberstab während der Ferien benutzen dürfen, sonst wäre ich verrückt geworden! Erinnere mich bitte daran, warum ich die Entscheidung getroffen habe, ein Haus zu kaufen!
Tja, und geht bei dir alles gut? Ich hoffe, du hast 'die Verführungsoperation' bereits angefangen? Na, du wirst damit anfangen müssen, alter Bruder, du darfst keinen Augenblick verlieren! Auch wenn ich mir vorstellen kann, dass du kaum ein paar Worte mit ihr gewechselt hast, seitdem ich euch vor King's Cross verlassen habe... Ich vermute, so ist es, wenn man unentbehrlich ist... Tja, sag mir trotzdem Bescheid, falls es ein Wunder geben würde!
Tatze.
'Wenn du glaubst, dass du so einfach davon kommen wirst, mein alter Tatze, so bist du auf dem Holzweg', dachte James mit einem spöttischen Lächeln auf den Lippen. 'Du wirst hierher kommen, und zwar viel öfter als du es glaubst. Und ich weiß genau, wie ich es schaffen werde...'
oOoOoOoOo
Lieber Tatze,
Ich spreche dir meine besten Erfolgswünsche für deinen Haushalt aus, obwohl ich mit großer Traurigkeit bemerke, dass es ziemlich egoistisch wäre, wenn ich dich darum bitten würde, regelmäßig zu uns nach Hause zu kommen, wenn man deine aktuellen Sorgen betrachtet. Ich verstehe völlig, dass du mit dieser Aufgabe zu sehr beschäftigt bist, dass du uns so oft besuchen könntest wie du es wünschtest, mach dir also keine Sorgen.
Sirius hörte plötzlich auf, Klinge zu streicheln, und runzelte die Augenbrauen, ohne vom Brief wegzublicken, den er in der Hand hielt. Was, ein so einfaches Nachgeben? Das ähnelte einem Potter überhaupt nicht. Es steckte sicher ein fauler Trick dahinter, schloss er daraus.
James und sein Vater wussten sehr gut, dass er sich nicht gerne bei ihnen aufdrängte, denn trotz ihrer zahlreichen Einladungen und Bemühungen fühlte er sich immer seltsamerweise verlegen, wenn er in einer Familie auftauchte, die viel vereinter war als alles, was er immer gekannt hatte... Also hatte er wegen seiner vergangenen Erfahrung Schwierigkeiten anzunehmen, dass ihn so liebenswürdige Leute wie Mr und Mrs Potter wie ihren zweiten Sohn betrachten konnten, denn ganz deutlich dachten sie mit diesen Worten an ihn. Aber George und James waren stets fest entschlossen, ihn mitten in ihrer Familie aufzunehmen, und ließen ihn nie sehr weit fliehen.
Daher konnten James' Worte nur auf einen faulen Trick hinweisen.
Klinge erinnerte ihn mit einem Schnabelschlag auf den Finger an sie und Sirius fing geistesabwesend wieder an, sie zu streicheln, während er sich in einen der Sessel setzte, die er geschafft hatte zu säubern, um den Brief bequemer weiter zu lesen.
Ich danke dir auch für deine ehrliche Sorge um mein Liebesleben, auch wenn – und das kannst du wohl vermuten – sie der Mangel an deine göttliche Anwesenheit viel trübseliger macht.
'Warnung, Warnung!', flüsterte ihm sein Geist zu. James scherzte nur über dieses Thema, um jenen, der ihn darüber stichelte, es danach vergelten zu lassen. Er konnte ihn fast mit seinem spöttischen schiefen Lächeln und einem triumphierenden Leuchten, das schon in seinen Augen glänzte, vor sich sehen...
Oh! Und das hätte ich beinahe vergessen!
'Da haben wir's...'
Rate mal, wer uns während der Ferien Gesellschaft leistet? Ich bin sicher, dass du es herausfinden kannst!
'Ähm?'
Na, such noch ein bisschen...
'Hm... Tja, ich muss gestehen, da habe ich keine Ahnung...'
Nein, siehst du wirklich nicht?
'Keine Ahnung, sag ich dir! Na, schieß denn los!'
Gut, sehr gut, dann: Es ist Harry.
'...'
Wie denn, welcher Harry? Kennst du viele Harrys? Harry Davies, natürlich! Mein armer Tatze, ich dachte echt, dass du pfiffiger bist... Tja. Es ist wirklich schade, dass du nicht öfters kommen kannst, ich bin sicher, dass diese Ferien sehr interessant sein werden.
Aber da du wirklich nicht kannst...
Krone.
P.S: Ich habe eben eine Idee gehabt! Was, wenn wir Cherry darum bitten würden, dir bei deinem Haushalt zu helfen? Ich bin sicher, dass sie davon begeistert wäre! Tja, natürlich ist es deine Entscheidung...
„Uhu?", ließ Klinge vernehmen, da sie von der plötzlichen Reglosigkeit ihres Herrn verstört war.
Da er nicht reagierte, erlaubte sich die Eule, ihm einen Schnabelschlag auf den Kopf zu verpassen. Sirius drehte schließlich mit leerem Blick den Kopf zu ihr um, dann ließ er sein Gesicht plötzlich gegen die Handfläche wieder fallen und wurde von einem unwiderstehlichen Lachanfall getroffen. Die Eule, die wegen des unaufhörlichen Bebens seiner Schulter gestört wurde, schrie empört und flog ohne weitere Kommentare zur Rückenlehne eines Stuhls, da sie an die seltsamen Reaktionen ihres Herrn gewöhnt war.
„Der Schweinehund...", ließ der junge Mann schließlich los. „Der hat mich ganz schön reingelegt, der Schweinehund..."
oOoOoOoOo
Lily lief die große Treppe des Hauses mit zögerndem Schritt herunter. Die langen Gänge des Herrenhauses waren ihr immer noch unbekannt und sie fühlte sich in dieser Umgebung noch nicht wohl, aber die Aussicht, die ihr Fenster gab, hatte sie davon überzeugt, nicht darauf zu warten, bis sie sicher war, dass alle Bewohner des Hauses aufgestanden waren, um ihr Frühstück einzunehmen: Es juckte sie, im Garten spazieren zu gehen.
Trotz der frühen Stunde hörte sie dennoch Stimmen aus dem Esszimmer, zu dem sie ging, da sie noch nicht wusste, wo die Küche lag. Neugierig schob sie den Kopf diskret durch die Tür und erblickte die Hauselfe der Potters, Cherry, die mit Prof... mit Harry sprach.
Der Anblick war so ungewöhnlich, dass sie einen Augenblick lang mit offenem Munde da stehen blieb: Der junge Auror saß vor einem Frühstück, das aus einer ansehnlichen Quantität von Kaffee und einigen Butterbroten bestand, und er beugte sich über seine Trinkschale hinüber, um mit der Elfe zu reden, die ihm gegenüber auf einem Stuhl saß, der für sie offensichtlich zu groß war. Seine Uniform war vergessen so wie die schwarze Kleidung, die er manchmal an ihrer Stelle trug und die Lily bei einem so sympathischen Menschen wie ihm immer als unpassend empfunden hatte. An jenem Tag hatte er sich wie sie muggelmäßig angezogen: Ein grüner, für ihn etwas zu großer Pulli und eine Jeans. Auf der Rückenlehne des Stuhls lag ein dicker Mantel wie der, den Lily in der Hand hatte, ein Hinweis darauf, dass auch er vorhatte hinauszugehen.
Was sie aber vor allem überrascht hatte, war, dass sie gerade erfasst hatte, dass er viel jünger war als sie es bisher bemerkt hatte. Seine Kleidung und seine Haltung erinnerten nur sehr wenig an den strengen, aber gerechten Lehrer und an den mächtigen Krieger, den sie schon hatte wirken sehen, und wiesen deutlich auf den Mann, der eben aus dem Jünglingsalter kam. Obwohl Lily perfekt wusste, dass zahlreiche Mädchen von Hogwarts regelmäßig begehrliche Blicke zu ihrem Lehrer in Verteidigung gegen die dunklen Künste warfen, hatte sie dieses Verhalten immer für rein kindisch gehalten. Sie verspürte ihm gegenüber den größten Respekt und nach der Rolle, die er zweimal gespielt hatte, wenn ihr Leben gefährdet war, bewunderte sie ihn sogar, aber sie hatte nie etwas anderes in ihm gesehen. Und dennoch bemerkte sie nun, dass Harry Davies... nicht hübsch war, nein, dafür genutzt, um ihn zu beschreiben, war dieses Adjektiv ziemlich herabsetzend... er war ganz einfach schön.
Ein schrilles lautes Gelächter, das von einer offenbar begeisterten Cherry ausgestoßen wurde, riss sie aus ihren Gedanken heraus. Harry sah sie erfreut an, während er seine Kaffeeschale austrank.
„Nein, nein, nein, Sir, das haben Sie doch nicht getan?", quiekte die Hauselfe schließlich mit Lachtränen in den Augen.
„Ich fürchte es doch..."
„Und schließlich ist dieser Hauself dank einer Socke befreit worden?"
„Dank einer zerrissenen und schlammigen Socke", bestätigte Harry mit trockenem Humor.
Cherry brach erneut in ein schallendes Gelächter aus, das sie lustigerweise einen Schluckauf bekommen ließ. Auch Lily lächelte, von der Heiterkeit des kleinen Geschöpfs befallen. In jenem Augenblick drehte der junge Auror den Kopf und erblickte sie.
„Hallo, Lily", grüßte er sie lächelnd.
„Hm... Hallo, Harry", murmelte sie, da sie nicht nur davon verlegen war, dass sie ihn so nennen sollte, sondern auch weil sie ihn so lange angestarrt hatte.
Die Hauselfe sprang sofort mit einem schrillen Schrei auf ihre Beine, stürzte sich zu ihr und verneigte sich, während ihre großen Ohren in der Luft schlackerten.
„Auweh! Es tut Cherry Leid, Miss, Cherry hatte Sie nicht gesehen! Darf Cherry etwas für Sie tun? Möchten Sie ein Frühstück?"
„... Ja, gerne", nickte Lily mit einem zögernden Ton, da der plötzliche Eifer der Hauselfe sie verlegen machte.
„Tee? Kaffee? Vielleicht eine heiße Schokolade? Möchten Sie Butterbrote oder Obst?"
Lily schickte sich an zu sagen, dass sie ihr Essen wohl selbst zubereiten konnte, wenn man ihr nur zeigen würde, wo die Küche lag, aber ein Blick ihres Lehrers hielt sie davon ab und sie bestellte also. Als sich die Hauselfe noch einmal verneigt hatte und dann aus dem Raum auf ihren kurzen Beinen hinausgelaufen war, wappnete sich Lily dafür, bei Harry am Tisch zu sitzen, obwohl sie sich unwohl fühlte, sich alleine mit ihm zu befinden. Dennoch hatte er die Güte, ihr die Notwendigkeit zu nehmen, ein Gesprächsthema zu finden.
„Das ist das erste Mal, dass Sie einem Hauselfen begegnen, oder?", fragte er und in seinen Augen tanzten Funken, die Lily plötzlich als sehr ähnlich wie jene fand, die sie schon in Dumbledores Augen erblickt hatte.
„Hm... Ja, das stimmt. Warum?", fragte sie neugierig.
„Die Hauselfen sind immer eifrig, sich als nützlich zu erweisen. Es gefällt ihnen zu arbeiten, wissen Sie. Sie wären enttäuscht, wenn Sie die Aufgaben lieber allein erledigen möchten als um ihre Hilfe zu bitten, denn dann würden sie denken, dass sie für Sie nicht effizient genug sind."
„Oh! Aber nicht das wollte ich..."
„Ich weiß, dass Sie nichts Böses dabei dachten, aber das war besser, dass Sie es wussten", beruhigte sie Harry lächelnd.
„Die Bücher sind eigentlich nicht sehr explizit über die Hauselfen", versuchte Lily zu erklären. „Ich vermute, dass es deswegen ist, weil die Zauberer so sehr an sie gewöhnt sind, dass sie nicht mehr auf sie achten so wie die Muggel auf ihre Hunde oder..."
Lily stoppte und fing an zu erröten, als sie sich dessen bewusst wurde, was sie eben gesagt hatte.
„Ich wollte nicht sagen, dass die Hauselfen wie die Hunde sind! Ich weiß, dass es gar nicht gleich ist aber, tja..."
Zu ihrer großen Erleichterung brach Harry in ein lautes Gelächter aus, anstatt sich zu empören.
„Machen Sie sich keine Sorgen, ich verstehen sehr gut, was Sie meinen. Außerdem haben Sie Recht, die meisten Zauberer kümmern sich nicht um das, was sie für Details halten... Wenn Sie es aber möchten, kann ich versuchen Ihnen zu sagen, was ich von ihnen weiß..."
„Oh! Ja, das möchte ich gerne", nahm Lily an, die immer wissbegierig war.
Harry fing dann eine von lustigen oder gar seltsamen Anekdoten betonte lange Rede an, der Lily mit ihrer ganzen Aufmerksamkeit zuhörte. Bald kehrte Cherry mit ihrem Frühstück zurück, das Lily anfing zu essen, nachdem sie ihr herzlich gedankt hatte, was die Elfe vor Gefallen erröten ließ, bevor sie mit den Überresten von Harrys Essen sofort zurück zur Küche lief. Das gab dem jungen Auror die Möglichkeit, auf den Zwischenfall anzuspringen, um ihr die Gründe des Stolzes zu erklären, den die Elfen aus ihrer Arbeit zogen.
Als Cherry zum zweiten Mal zurückkehrte, lud Harry sie mit einer Bewegung ein, sich dort wieder hinzusetzen, wo sie gesessen hatte, bevor Lily angekommen war. Das Mädchen hatte dann schon genug erfahren um zu wissen, dass die Hauselfen solche Zuvorkommenheiten für einen Hinweis darauf deuteten, dass ihre menschlichen Herren mit ihrer Arbeit völlig zufrieden waren und dass sie ihre völlige Hochachtung hatten. Und zwar zog sich Cherry mit einem glücklichen Ausdruck hoch, der sehr erfreulich war zu sehen, und war umso begeisterter, als Harry um ihre Meinung über ihr Gespräch bat.
Als James also über die Türschwelle ging, waren alle drei so sehr in ihr Gespräch vertieft, dass sie ihn nicht sofort bemerkten, was dem jungen Mann reichlich Zeit gab, um sich von seiner Überraschung zu erholen. Schließlich stieg Cherry von ihrem Sitz herunter, um Lily wieder Tee einzuschenken, und als sie sich umdrehte, um zu ihrem Sitz zurückzukehren, erblickte sie ihn endlich. Dann folgte eine Szene, die seltsamerweise ähnlich wie die von Lilys Ankunft war, bis auf den Unterschied, dass die arme Cherry noch verlegener war als beim ersten Mal und dass James, was ihn betraf, wusste, was ihn erwartete.
„Sie beide sind echte Frühaufsteher", bemerkte der junge Mann, als er sich endlich setzte. „Ich fürchte, ich muss Sie davon benachrichtigen, dass die meisten Potters fauler sind als der durchschnittliche Zauberer und dass meine Eltern und ich keine Ausnahme der Regel sind."
Aus einem unbekannten Grund schien diese Bemerkung, Harry sehr zu amüsieren, während Lily einfach mit einem blasierten Ton antwortete:
„Das erstaunt mich nicht von dir, Potter."
„James, bitte. Und das erstaunt mich auch nicht von dir, dass du es mir sagst, Lily", antwortete James, indem er mit den Schultern zuckte.
Ihr Anschein von zivilisiertem Gespräch wurde von Cherrys Rückkehr unterbrochen, die von Anne und George dicht gefolgt war. Die arme Hauselfe trippelte, um den Tisch erreichen zu können, das Servierbrett, das sie in der Hand hielt, zu entladen und sofort wieder weg zu gehen, um das Frühstück vom Ehepaar Potter zu holen, all das in der kürzesten möglichen Zeit, und das, was geschehen sollte, geschah: Sie stolperte über die Bluse, die sie trug, und fiel nach vorne. Lily machte den Mund auf, um einen bestürzten Ausruf auszustoßen, aber weder Cherry noch ihr Brett erreichten je den Boden.
Mit einer Hand stellte Harry die Elfe, die er am Kragen hielt, wieder auf die Beine, während er kämpfte, um das Gleichgewicht des Bretts auf der anderen zu behalten. Schließlich legte er es wieder in ihre Arme und schob sie freundlich in den Rücken, damit sie wieder zur Tür ging, was sie tat, und ächzte dabei:
„Auweh, das tut Cherry wirklich Leid, Sir. Cherry versichert Ihnen, dass es sich nicht wiederholen wird!"
Geduldig lachte Harry leise und er schlug der Elfe freundlich auf die Schulter.
„Es ist nichts, Cherry. Es ist aber nicht nötig, dich so zu beeilen, einverstanden? Ich bin sicher, dass es Anne und George nicht stört, einige Minuten warten zu müssen."
„Ja, Sir. Cherry wird nun besser aufpassen, Sir", nickte Cherry heftig, bevor sie sich zwei oder drei Male verneigte und etwas langsamer wieder hinausging.
Es gab einen stillen Augenblick und Lily wurde sich bewusst, dass die Ähnlichkeit bei den Potters viel weiter ging als die Gesichter: Sie hatten genau die gleiche Weise, Harry und den Stuhl, auf dem er eine Sekunde, bevor Cherry gestolpert war, saß, abwechselnd anzustarren. Der junge Auror, der ihr Treiben bemerkt hatte, drehte sich zu ihnen um und sah sie fragend an. Schließlich ließ sich George auf einen freien Stuhl fallen und seufzte:
„Dieser Typ wird mich immer wieder überraschen..."
Harry rümpfte spöttisch die Nase:
„'Dieser Typ' wird so tun, als würde er das für ein Kompliment halten, vielen Dank, George."
Hierauf ergriff der Auror seinen Mantel und umhüllte seine Schulter damit.
„Sie wollten hinaus?", fragte James.
„Ja. Sie haben einen wunderschönen Garten und ich möchte ihn sehr gerne besuchen."
„Ach! Auch ich wollte ihn anschauen", rief Lily aus, da sie sich plötzlich wieder daran erinnerte, warum sie so früh aufgestanden war.
„Ich kann Sie führen, wenn Sie wollen", bot James lächelnd, indem er sie nacheinander anstarrte. „Ich denke nicht, dass Sie das Risiko eingehen, sich zu verlaufen, aber hier weiß man nie... Ich muss nur meinen Mantel holen."
„Na, das würde ich gerne annehmen, aber haben Sie nichts anderes zu tun?", bemerkte Harry.
„Wie was, zum Beispiel? Meine Hausaufgaben in Zaubertränken?", spottete der Jugendliche, indem er die Augen rollte.
„Ich dachte eher an die in Verteidigung gegen die dunklen Künste...", lächelte der Lehrer ruhig.
James verzog das Gesicht, da er sich dessen bewusst war, dass er übers Ohr gehauen worden war, aber er erwiderte:
„Tja, immerhin werden mir noch zwei Wochen übrig bleiben um zu arbeiten. Es sind ja Ferien!"
„Wie Sie wollen, Sie sollen aber nicht auf mich zählen, um Ihnen zu helfen...", fügte Harry mit einem uninteressierten Ton hinzu, indem er zur Tür ging.
James fing plötzlich an zu erröten, dann stand er eilig auf, um ihm zu folgen.
„Ich dachte aber nicht mal daran!", verteidigte er sich energisch.
Lily verbiss sich ihr Lächeln und stand auch auf, um zur Eingangshalle zu gehen, so dass sie Mr und Mrs Potter alleine zurückließ, die einen Blick und ein Lächeln wechselten, bevor sie anfingen, ihr eigenes Frühstück zu essen.
oOoOoOoOo
Sirius kam am nächsten Morgen um die erste Stunde an. Oder zumindest um das, was für einen Potter am Ähnlichsten daran war. Offiziell hatte er beschlossen, James' so großzügiges Angebot anzunehmen und um Cherrys Hilfe zu bitten, um mit seinem Haushalt fertig zu werden. Eigentlich war sein Neugier höchst gereizt und der junge Gryffindor wollte unbedingt wissen, was seinen Lieblingsauror und Lieblingslehrer in Verteidigung gegen die dunklen Künste wohl getrieben hatte, sich in Junction Hill niederzulassen.
Und in dieser Stimmung ging Sirius mit einem ruhigen Schritt aus dem Kamin des Wohnzimmers der Potters. Sofort erklang eine wohl erkennbare Stimme zu seiner Rechten:
„Ich beneide Ihre Gewandtheit, Mr Black."
Sirius vergaß sofort jede Idee, die letzten Staub- und Rußspuren von seinem Hemd wegzufegen, und drehte sich plötzlich zu Harry Davies um, der mit einem offenen Buch auf dem Schoß in einem der tiefsten Sessel der Potters saß und ihn mit einem herzlichen Lächeln ansah.
„Persönlich habe ich es nie geschafft, dieses Beförderungsmittel zu beherrschen und ich verfüge ganz und gar nicht über Ihre Geschicklichkeit. Man ist einfach begabt oder nicht, vermute ich."
„Oh... hm... Guten Morgen, Professor", stotterte Sirius verlegen.
Wegen seiner momentanen Verlegenheit wurde das Lächeln des Aurors noch breiter. Er verließ einen Augenblick lang sein Buch, steckte eine Hand in die Tasche seiner Jeans und zog daraus seinen Zauberstab, den er nachlässig bewegte, um Sirius' Hemd seine ursprüngliche Weiße zurückzugeben.
„Danke...", murmelte er.
Da er sich nun von der Tatsache erholt hatte, schon bei seiner Ankunft seinem Lehrer begegnet zu sein, versuchte Sirius, die Worte seines Gesprächspartners in ein logisches Schema einzuarbeiten. Sicher meinte er nicht, dass er zu jenen Leuten gehörte, die auf dem Boden prallten, sobald sie Flohpulver benutzten? Nicht er, oder? ...
„Aber gerne", sagte Davies. „Ich vermute, dass Sie da sind, um James zu treffen, oder? Ich bin aber nicht sicher, ob er schon aufgestanden ist."
'James?', bemerkte Sirius sofort, und er fühlte, wie seine Augen abnormal runder wurden. Glücklicherweise bemerkte es der Lehrer nicht, denn in diesem Augenblick rief eine Stimme vom Gang her zu ihm:
„Harry? Mit wem reden Sie ge...?"
Lily beendete nicht mal ihren Satz, da sie durch die Tür ging und den Gryffindor bemerkte.
„Oh! Hallo, Black."
„'Lo, Evans", antwortete der junge Mann geistesabwesend, da er noch versuchte zu verstehen, warum zum Teufel seine Mitschülerin ihren Lehrer beim Vornamen genannt hatte.
Sie war ihm doch nicht so nah, oder? Denn James konnte sich Sorgen machen, wenn es der Fall wäre... Wenn man aber vermuten dürfte, dass sie eine gewisse... ähm... Intimität erreicht hatten – immerhin, musste er gestehen, war ihr Lehrer nicht viel älter als sie und es stimmte, dass er nicht hässlich war –, dann hätte sie ihn geduzt. Oder? ...
Sirius versuchte verzweifelt, in all diesen Vermutungen einen Sinn zu finden, während Evans und Davies ein entspanntes Gespräch über die mögliche metaphysische Ursache anfingen, aus der die Waldwichtel alles verabscheuten, was rund und bunt war und einem Muggelstrandball ähnelte. Während Davies eine mögliche Auswanderung der Wichtel suggerierte, die vorher an den Küsten gelebt hätten und sie massiv geflüchtet wären, um der Bedrohung der bezahlten Urlaube zu entkommen, tauchte ein James mit benebelten Augen im Wohnzimmer auf, indem er eine Hand gedankenlos durch die Haaren fuhr und sie dabei mehr zerzauste als das, was üblicherweise für einen Menschen für möglich gehalten wird.
„Schon dabei, solche Themen zu besprechen, Sie beide?", murrte er. „Um Gottes Willen, es ist erst zehn Uhr morgens..."
„Ich fürchte, dass wir nicht die gleiche Idee von dem haben, was eine frühe Stunde ist, James", antwortete Davies, indem er ihm schelmisch zulächelte.
James wollte etwas erwidern, als er schließlich bemerkte, dass sein bester Freund im Raum anwesend war und das Gespräch mit einem unergründlichen Ausdruck beobachtete.
„Na!", rief er sofort mit einem plötzlich viel wacheren Ton. „Sirius! Wir rechneten nicht so früh mit dir. Was hat dich deine Meinung ändern lassen?"
Sirius blähte sich vor Empörung auf, als er das spöttische Lächeln des jungen Mannes bemerkte, und er erwiderte mit einem würdigen Ton:
„Na, James, das nützt nichts, es mir zu verhüllen. Ich weiß wohl, dass du mich schrecklich vermisst hast! Ich wollte die Qual ja nicht länger dauern lassen als nötig, siehst du. Ich bin doch nicht so sehr grausam und ich habe gedacht, dass ich dich un-be-dingt besuchen sollte, damit du dich nicht zu sehr nach mir sehnst..."
Lily hob eine Augenbraue, als sie sah, wie der Gryffindor einen Arm um James' Schulter legte, um ihm das Haar zu zerzausen, während Davies ganz schnell den Anflug eines Lächelns hinter seinem Buch versteckte. Dennoch änderte sich James' Ausdruck nicht mal und Sirius musste innerlich bedauern, dass er es nicht geschafft hatte, ihn vergessen zu lassen, dass er ihn ganz schön manipuliert hatte.
„Und ich danke dir unendlich dafür, Sirius", fuhr James nachlässig fort. „Ich bin mir wirklich sicher, dass mein Vater von deiner Anwesenheit begeistert sein wird!"
'Argh!'
„Und außerdem brauchten Lily und ich gerade Hilfe für eine kleine Recherche..."
„Recherche?", wiederholte Sirius verlegen.
„Ja, ja, Recherche. Wie in 'Dokumentarrecherche'. Wie in 'Recherche in der Bibliothek'...", entwickelte James, der nun ein breites spöttisches Lächeln aufgesetzt hatte.
Sirius starrte seinen besten Freund mit einem verdutzten Ausdruck an und gleichzeitig sah Lily ihren Gastgeber zweifelnd an. Hinter ihr hatte Davies, der immer noch saß, sein Buch gesenkt, um ihnen einen fragenden Blick zuzuwerfen, da er perfekt wusste, wie sehr die beiden Rumtreiber Bücher liebten.
„Bist du wirklich sicher, dass es nötig ist, James?", fragte Lily schließlich.
„Tja!", antwortete er nachlässig. „Wenn sonst nichts, wird er uns ja mindestens die Bücher bringen können..."
Und hierauf entschuldigte er sich beim Auror und zog Sirius in einen Gang, ohne ihm Zeit zu lassen zu protestieren. Lily zuckte mit den Schultern und folgte ihnen ohne einen weiteren Kommentar, während Davies ihnen mit einem tief perplexen Blick nachschaute.
Da er schließlich entschloss, dass er nichts Weiteres erfahren würde, es sei denn, er würde die Jugendlichen ausspionieren, was er wirklich nicht tun wollte – immerhin hatten alle Ferien –, schenkte Harry seine Aufmerksamkeit wieder seinem Buch. Er hatte aber kaum die Zeit, die Seite umzublättern, und schon wurde die Tür des Wohnzimmers aufgemacht und Anne Potter trat ein.
„Oh! Hallo, Anne", grüßte er mit einem höflichen Kopfnicken, auf das sie antwortete, bevor sie sich wortlos ihm gegenüber setzte.
Irritiert ließ sie Harry ihn eine Weile lang mit ihrem prüfenden Blick durchbohren, bevor er schließlich vorschlug:
„Kann ich etwas für Sie tun?"
Anne starrte ihn noch einige weitere Augenblicke lang an und debattierte offenbar innerlich mit sich selbst, bevor sie schließlich antwortete:
„Wer sind Sie, Harry Davies?"
oOoOoOoOo
Die Tür der Bibliothek ähnelte allen anderen im Gang. Erst, als sie James aufschob, nachdem sie die Hälfte des großen Hauses durchquert hatten, verstand Lily schließlich, warum Blacks Hilfe deutlich willkommen sein würde.
„Oh! Mensch...", murmelte sie bestürzt.
James drehte sich mit einem spöttischen Lächeln auf den Lippen zu ihr um.
„Na, Bücherfräulein, passt es zu dir?"
Lily gab sich nicht mal die Mühe zu antworten, denn sie war zu sehr damit beschäftigt, sich den Hals zu verrenken. Der Raum hatte eine normale Größe, zumindest, wenn man den Rest des Hauses besichtigt hatte. Regale standen in gut geordneten Reihen auf dem gebohnerten Holzboden und ließen kaum genug Platz in der Mitte für einen von wenigen Stühlen umgebenen Tisch und etwas weiter am Fenster für zwei oder drei Sessel. Ja, das war wirklich ein normal aussehender Raum. Wenn man auf seine Füße schaute.
Denn Lily konnte wohl den Blick so hoch heben wie sie wollte, sie schaffte es doch nicht, die Decke zu sehen. Die Regale, die unglaublich hoch waren, verloren sich in den Schatten der Höhen, ohne enden zu scheinen.
Aus dem Augenwinkel sah sie, wie James eine unbekannte Bewegung mit seinem Zauberstab machte, und irgendwo sehr hoch über ihr durchbohrte ein vertikaler Lichtstrahl die Schatten, bevor er sich langsam bis zur Größe eines Fensters verbreitete. Das Sonnenlicht beleuchtete schließlich die weitesten Bücherregale und eine Decke aus Eiche; Lily atmete ein und wurde sich dabei erstaunt dessen bewusst, dass sie irgendwann aufgehört hatte zu atmen.
„Einer meiner Vorfahren war ein Bücherliebhaber. Der Raum war für ihn nie groß genug und es lagen ständig Bücher in Haufen überall auf dem Boden. Schließlich hatte es Merry, Cherrys Mutter, eines Tages satt zu versuchen, all diesem Durcheinander einen Sinn zu geben, und sie hat beschlossen, dass sich der Raum, da er nicht breiter werden konnte, ohne auf die anderen Räume überzugreifen, nach oben vergrößern sollte. Laut meinen Eltern hatte sie für einen Hauself viel Charakter. Und so wurde Junction Hill mit einem viereckigen Turm ausgestattet, der beim ursprünglichen Bau nicht vorgesehen war..."
Lily schenkte James und Sirius, die sie mit einem leicht hochnäsigen Lächeln ansahen, auf das sie völlig pfiff, wieder ihre Aufmerksamkeit.
„Und wie erreicht man die oberen Stockwerke?", flüsterte sie.
James zeigte wortlos auf einen komischen Holzhaufen in einer Ecke. Nach einer neuen Zauberstabsbewegung erhob sich die Struktur vom Boden mit einem Energiesummen und erwies sich als eine Plattform.
„Wie machtest du es aber, als du hier keine Magie benutzen durftest?", rief Lily aus.
„Na, zuerst verspürte ich ja nicht oft die Lust zur Bibliothek zu gehen", erwiderte James, indem er mit den Schultern zuckte. „Und die unteren Stockwerke enthalten ja alles, was nützlich ist, wenn man noch in Hogwarts ist. Also brauchte ich nicht, zu den höheren zu gelangen."
Trotz seiner Worte hatte James einen seltsamerweise nachlässigen Ausdruck aufgesetzt, der Lily deutlich sagte, dass er sich während seiner vorigen Schuljahre sicher nicht mit den niedrigsten Stockwerken begnügt hatte...
„Gut, sagt mal, all das ist ja ganz schön", rief Black offensichtlich ungeduldig. „Ihr solltet mir aber vielleicht erklären, was wir hier schließlich machen..."
„Ich habe es dir gesagt", antwortete James ruhig. „Wir werden recherchieren."
„Einverstanden, aber wozu? Und übrigens worüber recherchieren?"
„Über Davies."
oOoOoOoOo
Anne ließ Harry keine Zeit, seine Verdutzung zu beherrschen.
„Ich bin keine Idiotin, sehen Sie. Wenn man vermutet, dass Sie wirklich aus Australien kommen, warum hätten Sie dann nicht dort Ihr Aurordiplom gemacht, bevor Sie nach England zurückkehrten? Ich habe gehört, dass Sie nicht früh genug angekommen sind, um an der ersten Prüfung teilzunehmen. Wo waren Sie denn, wenn Sie sich in jenem Moment auch nicht in Australien befanden?
Und wie ist es möglich, dass Lewis Sie eher als jeden Anderen Hogwarts' Schutz zugewiesen hat? Ich kenne die gewöhnliche Weisheit, mit der unser Minister seine Entscheidungen trifft, und ich zweifle sehr daran, dass er Sie zu Dumbledore geschickt hätte statt Sie zu seiner Verfügung zu behalten, wenn er Ihre... Fähigkeiten... gekannt hätte. Übrigens war die Reaktion des Ministeriums ganz deutlich, als Ihre Beziehung zu den Elfen offenbart wurde: Sie kannten Ihr reales Potential nicht. Daraus entsteht eine neue Frage: Warum kannten sie es nicht? Hätten Sie es ihnen nicht natürlich lieber enthüllt, um die Aufmerksamkeit Ihrer Vorsitzenden zu sich zu ziehen?
Und wann hätten Sie die elfische Sprache lernen können, so dass sich Ihre australischen Ausbilder es nicht bemerkt hätten? Denn ich zweifle keinen Augenblick lang daran, dass die Regierung davon benachrichtigt worden wäre, wenn sie es gewusst hätten, und dass sie unserem Ministerium Bescheid gesagt hätte, wenn Sie hierhin geschickt wurden.
Was uns zu zwei Lösungen führt: Entweder Sie haben sie während Ihrer Kindheit gelernt, was ganz unwahrscheinlich ist, da Sie von Muggeln erzogen worden sind; oder Sie haben diese Sprache während dieser Zeitspanne erlernt, während der Sie sich weder in Australien noch in England befanden. Das als solches wäre schon erstaunlich, da es nach den Auskünften, die ich sammeln konnte, nur wenige Wochen lang gedauert hätte, eine ziemlich kurze Zeit, um eine Fremdsprache zu lernen.
Aber Tatsache ist, dass Sie diese Fähigkeit lieber verschwiegen haben, obwohl es Ihnen sehr vorteilhaft hätte sein können, wenn sie enthüllt worden wäre. Außerdem haben Sie es geschafft, mit den Elfen des Verbotenen Waldes, Wesen, die noch niemand je gesehen hatte und die Sie sicher noch nie getroffen hatten, da Sie erst am vorigen Abend in Hogwarts angekommen waren, Kontakt aufzunehmen. Und Sie, ein völliger Unbekannter, haben sie dann davon überzeugt, sich im Tageslicht zu zeigen. Nun war, so wie ich es gesagt habe, zwischen dem Moment, als Sie zum ersten Mal mit ihnen gesprochen haben, und den ersten Unterrichtsstunden des Tages höchstens eine Nacht vergangen. Welche Argumente haben Sie ihnen darstellen können, die sie dazu getrieben haben, aus den Schatten zu kommen, in denen sie sich seit Jahrtausenden versteckten?"
Anne hörte einen Augenblick lang auf zu reden, um wieder atmen zu können, was Harry die Zeit gab, sich wieder zu fassen. Nie hatte er verdächtigt, dass er so viele Indizien hinter sich zurückgelassen hatte. Und Anne war ihm erst zwei Tage vorher zum ersten Mal begegnet! Sie hatte ihn nie kämpfen sehen oder elfisch reden hören noch irgendwas sonst. Alles, was sie wusste, war entweder öffentlich bekannt oder etwas, was jeder in der Akte, die ihm die Unsäglichen aus dem Nichts geschaffen hatten, hätte erfahren können.
Wenn sie solch eine Zweifelstufe hatte erreichen können, bei wie vielen Leuten konnte es dann der gleiche Fall sein? Und Albus hatte das sicher nicht übersehen können, nicht wahr? Um die jetzige Stunde hatte der alte Zauberer wahrscheinlich schon viel mehr Lücken in seiner Deckung entdeckt. Und dennoch hatte er nichts gesagt und hatte angenommen, ihm zu vertrauen und zwar genug, dass er ihn im Orden des Phönix aufgenommen hatte...
Doch es war nicht Harrys Hauptsorge. Nein, in jenem Augenblick war sein ernsthaftestes Problem, dass er einer äußerst intelligente Hexe gegenübersaß, die übrigens seine Großmutter war und ihm argwöhnische Blicke zuwarf. Harry hatte Schwierigkeiten, sich nicht wie ein Schüler unwohl in seinem Sessel zu bewegen.
„Geben Sie mir einen einzigen Grund, Ihnen zu vertrauen und Ihnen mein Leben und das meiner Familie anzuvertrauen."
oOoOoOoOo
„Schwarz und golden, schwarz und golden", murrte Sirius, während er sich gefährlich über die Schutzstange der schwebenden Plattform beugte, um die Titel auf dem Schnitt der alten Bücher zu sehen. „Als könnte eine schwarze und goldene Aura wirklich existieren. Ist euch nicht aufgefallen, dass ihr euch möglicherweise geirrt habt?", fügte er an die anderen beiden hinzu.
Ganz unten hob James den Kopf zu ihm und erwiderte:
„Ich habe vielleicht ein schlechtes Sehvermögen, Sirius, aber eben aus diesem Grund trage ich eine Brille."
Sirius schnüffelte mit Verdacht, zog ein neues Buch aus dem Regal vor sich, dann ließ er die Plattform wieder herunterfahren, um zu ihnen zu gehen. James hatte sich inzwischen zu Lily herübergebeugt, um ihre Beobachtungen noch einmal zu vergleichen.
„Die neue Ladung für das Liebespärchen", sagte er an, indem er seine Last auf den Tisch zwischen ihnen fallen ließ.
„Tatze", murrte James warnend.
„Warum nennst du ihn so?", fragte Lily neugierig.
„Äh? Was meinst du?"
„Tatze. Warum nennst du ihn so?"
„Oh!", rief James aus. „Das ist nur... ähm... ein Spitzname. Remus, Peter und ich haben auch einen und wir nutzen sie manchmal, um miteinander zu reden. Das ist es einfach."
„Hmm..."
Lily sah immer noch perplex aus, aber sie fügte nichts hinzu und schenkte dem Buch, in dem sie energisch blätterte, wieder ihre Aufmerksamkeit. Einen Augenblick später schloss sie es mit einem verabscheuten Ausdruck und stellte es auf den Haufen, den Sirius bald aufhob, um ihn einzuräumen.
„Und du, wie lautet er?", fragte sie dennoch, indem sie ein anderes Buch ergriff.
„Mein Spitzname?", sagte James erstaunt. „Nun, das ist..."
„Zerzaustaar", sagte Sirius, indem er mit seiner neuen Ladung die Plattform mit Schwierigkeiten wieder bestieg.
James und Lily drehten sich gleichzeitig zu ihm um und schenkten ihm einen langen matten Blick.
„Schon gut, schon gut, ich werde nichts mehr sagen!", prustete der Jugendliche dümmlich los, indem er nach oben fuhr.
„Nun?"
„Es ist Krone", murrte James geistesabwesend, da er damit zu sehr beschäftigt war, seinem besten Freund vernichtende Blicke zuzuwerfen.
„Krone?", wiederholte Lily. „Das ist... seltsam."
„Mehr als Tatze, denkst du?"
Lily hielt seinen Blick einen Moment lang aus, dann gestand sie:
„Einverstanden. Ihr seid seltsam."
James prustete los, dann recherchierte er weiter. Sirius lächelte aus seiner oberen Lage und bemühte sich darum, ein neues Mittel zu finden, um die beiden Gryffindors trotz ihres Willens einander anzunähern. Sein Geist phantasierte kräftig, als ihn ein Ausruf von Lily überraschte:
„Ich habe etwas gefunden!"
oOoOoOoOo
Harry hielt Annes Blick stand, ohne zu blinzeln. Er konnte ertragen, dass sich die Hexe Fragen über ihn stellte, schwieriger aber, dass sie deren Antworte kannte. Und aus diesem Grund traf er die Entscheidung, das Gespräch für beide gleich zu machen:
„Warum haben Sie um Albus' Hilfe gebeten?"
Anne sah einen Augenblick lang von der plötzlichen Gesprächsänderung verlegen aus, dann rief sie wütend aus:
„Wenn Sie nur einen Augenblick lang glauben, dass ich Ihnen antworten werde..."
„Nein", gestand Harry und fiel ihr dabei ins Wort. „Aber offenbar glauben Sie, dass ich Ihnen antworten werde. Warum würden Sie meine Antworte mehr verdienen als ich Ihre?"
Anne schien, das einen Augenblick lang zu betrachten, dann atmete sie tief ein:
„Hören Sie zu, Harry. Ich bin eine Wissenschaftlerin. Ich studiere Magie und die neuen Techniken, die daraus kommen könnten. Dank Leuten wie mir und meinem Team können neue Zauber erschaffen oder neue magische Gegenstände getestet werden. Manche Wissenschaftler arbeiten für Zaubererunternehmen wie zum Beispiel, um neue Besen zu erschaffen. Andere sind auf das Studieren der Zaubertränke, Zauber, Artefakte spezialisiert... Wenn man aber diesen Beruf ausüben will, dann muss man den Scharfsinn besitzen, dort ein Potential zu entdecken, wo andere nur eine Seltsamkeit sehen. Sie können als eine Seltsamkeit betrachtet werden, aber mein Instinkt sagt mir, dass Sie viel mehr sind als das..."
„Ist es wegen Ihrer Arbeit, dass Sie denken, gefährdet zu werden?", fragte Harry mit einem nachlässigen Ton.
Anne machte eine empörte Bewegung wegen seiner Hartnäckigkeit, schien aber dann sich dessen bewusst zu werden, dass sie nichts bekommen würde, wenn sie nichts geben würde.
„Ja", gestand sie.
Harry richtete sich wegen ihrer plötzlichen Offenheit leicht auf.
„Und warum jetzt?"
Anne atmete ein, um ruhig zu bleiben, dann antwortete sie zwischen ihren zusammengepressten Zähnen:
„Etwas ist einem meiner Mitarbeiter geschehen."
„Etwas?"
„Er wurde getötet."
oOoOoOoOo
„Was ist es?", fragte Sirius ganz neugierig, indem er sich zu Boden fallen ließ, sobald er es tun konnte, ohne das Risiko einzugehen, sich die Knochen zu brechen.
„Die Farbskala der Auren", antwortete James, indem er sich über Lilys Schulter beugte.
„Und?"
„'Golden: Es ist höchst gemein, dass Zauberer eine mit Gold gefärbten Aura besitzen. Dies weist auf eine vom Wohlsein jener, die sie umgeben, geführte Seele hin. Ein Zauberer oder eine Hexe, die solch eine Aura besitzt, wird gewöhnlich eine Person sein, die in der Liebe und in der Freundschaft treu, eifrig, Leuten etwas zuliebe zu tun, und ziemlich verträglich sein wird. In den meisten Fällen ist aber nur der Rand der Aura ganz leicht golden. Man kann vermuten, dass eine Person, die eine Aura besitzen würde, die wesentlich golden wäre, jemand wäre, der das Leben jener, die er lieb hat, als das Zentrum seiner Existenz selbst betrachten würde, aber die Möglichkeit, dass solch eine Person eines Tages existieren sollte, kann in Frage gestellt werden'", las Lily vor.
Es gab eine kurze Stille.
„'In Frage gestellt'?", bemerkte Sirius mit einem argwöhnischen Ton.
Lily warf ihm einen verärgerten Blick zu.
„Hör mal damit auf, Black! James und ich haben genau das Gleiche gesehen."
„Ehrlich, glaubt ihr wirklich, dass Davies solch eine Person sein könnte?"
„Warum nicht?", sagte James. „Das würde immerhin erklären, warum er ein Auror, und übrigens ein echt guter Auror geworden wäre: Um jene zu schützen, die er liebt."
Sirius zweifelte, dann fügte Lily hinzu:
„Man muss doch nicht vergessen, dass diese Farbskala nicht als hundertprozentig sicher gilt..."
„Ich glaube, ich verstehe, warum", bemerkte Sirius ironisch. „Persönlich lässt es mich an den Wahrsagenunterricht mit Professor Scott denken. Erinnert ihr euch, wenn wir die Handlinien und den ganzen Kram lernen sollten?"
Lily kommentierte nicht, aber ihre Meinung über Professor Scotts Wahrsagenunterricht war auf ihrem Gesicht deutlich ausgedrückt.
„Gut, wie geht es weiter?", fragte Sirius.
Lily vertiefte sich wieder ins staubige Buch, blätterte einige Seiten um und räusperte sich dann.
„'Schwarz: Trotz der gewöhnlichen Meinung weist eine schwarz gefärbte Aura nicht unbedingt auf einen unheilvollen Zauberer hin. Zahlreiche Beobachtungen haben beweisen können, dass kein Zauberer mit dieser Eigenschaft geboren wird: Sie kommt mit der Zeit. Es scheint nämlich, dass schwarze Flecken auf einer Aura von einer finsteren Vergangenheit verursacht werden sollen. Der Zauberer, der dieses Mal tragen wird, wird also jemand sein, der höchst schwierige und peinliche Ereignisse erlebt haben soll. Wenn es richtig ist, dass sich ein Zauberer mit solch einer Vergangenheit an die Schwarze Magie wenden könnte, so ist es auch möglich, dass er völlig in sich geht – siehe 'trübe Aura' – oder auf eine ganz andere Weise reagiert.'"
„Nun ist dies logisch", kommentierte James leise.
„Wirklich?", meinte Sirius verdutzt.
„Aber ja! Das ist deutlich", fuhr Lily aufgeregt fort. „Harry hat offenbar sehr schwierige Dinge erlebt, die ihn tatsächlich getrieben haben, ein Auror zu werden, um sich zu schützen. Und seine Reaktion auf diese Vergangenheit ist gewesen, sich um das Wohlsein der Leute zu kümmern, die er lieb hat. Was heißen würde,..."
„... dass jene peinlichen Ereignisse der Verlust geliebter Wesen gewesen wäre", vervollständigte James.
Sirius brauchte einige Augenblicke, um diese Nachrichten völlig zu verstehen, dann sprach er wieder:
„Aber dann ist es nichts wirklich Außergewöhnliches, oder? Ich meine, unter solchen Umständen hätte es jedem geschehen können, überbeschützend zu werden..."
„Du vergisst, dass er wahrscheinlich dachte, dass er den Tod dieser Leute hätte verhindern können, wenn er geschätzt hat, dass er so sehr trainieren musste wie er es getan hat. Also sollten es nicht wirklich natürliche Tode sein...", bemerkte James mit einem nachdenklichen Ton.
„Und es gibt noch etwas, was ihr beide zu vergessen scheint", ließ Lily ernsthaft bemerken.
„Hmm?"
„Wenn das die einzige Sachen sind, die wir auf seiner Aura sehen konnten, so heißt es, dass sein Charakter größtenteils daraus besteht. Seine Magie ist davon geprägt, als wäre es das Einzige, was in ihm zählen würde. Was heißt, dass man durch diesen Mittel nichts anderes über ihn wissen kann."
Die beiden Jugendlichen starrten sie einen Augenblick lang verdutzt an, dann verstand Sirius plötzlich:
„Man kann die Art und Weise nicht vorhersehen, wie er reagieren wird, seine Gewohnheiten oder seine Überzeugungen kennen noch, ob er die Schwarze Magie je benutzen könnte..."
„Genau! Wenn Harry seine Aura zum Beispiel während eines Kampfes unabsichtlich zeigen würde, so würde es seinem Gegner gar nichts enthüllen."
„Doch schon", ließ James bemerken. „Das würde ihm zeigen, dass die beste Art und Weise, ihn leiden zu lassen, wäre, jemanden leiden zu lassen, den er lieb hat. Oder?"
Auch Sirius sah verlegen aus.
„Das stimmt, das klingt nicht ganz nützlich..."
„James, du hast wie ich gesehen, wie breit seine Aura war. Wir wissen alle, wie mächtig er ist, oder? Das stimmt, dass es ein Nachteil zu sein scheinen kann, aber für mich ist es auch eine Warnung. Eine Art und Weise zu sagen, dass eine Person, wenn sie je den Entschluss treffen würde, ihn auf diese Weise anzugreifen, dann wirklich entdecken würde, wie sehr er mächtig ist."
James und Sirius dachten einen Augenblick darüber nach, dann zitterten sie.
„Persönlich", gestand Sirius schließlich, „denke ich, dass die Leute, die er lieb hat, echte Sonnenkinder sind."
James und Lily musste nicken.
oOoOoOoOo
Harry starrte die Wissenschaftlerin lange und ernsthaft an.
„Erzählen Sie mir mehr darüber."
Anne verzog zweifelnd das Gesicht, aber sie fing ihre Geschichte dennoch an:
„Tom ist immer ziemlich introvertiert gewesen. Solche Leute, die diskret aber brillant sind, sehen Sie. Vor einigen Monaten hatte ich den Eindruck, dass ihm etwas Sorgen verursachte, aber ich habe nicht darauf angespielt, da ich weiß, dass er nicht gerne über sein eigenes Leben redet. Kurz danach hat er sich wieder auf eine normale Weise verhalten und ich habe gedacht, dass er sein Problem, egal welches, zweifellos gelöst hatte. Aber vor einigen Wochen ist er... verschwunden.
Eines Tages hat er einfach aufgehört, zum Labor zu gehen. Genau am selben Tag haben George und ich Dumbledores Brief bekommen, der uns von dem Angriff auf James berichtete, also habe ich nicht wirklich darauf geachtet. Da er aber am nächsten Tag auch nicht gekommen ist, habe ich mir wirklich Sorgen gemacht und ich bin schließlich zu ihm nach Hause gegangen, um mich über ihn zu benachrichtigen. Als ich geklopft habe, hat niemand geantwortet. Also..."
In jenem Moment schloss Anne die Augen einen Augenblick lang, um die Kontrolle ihrer Reaktionen zu behalten.
„... habe ich Magie benutzt, um einzutreten. Die Schutzbarrieren, die Tom auf seine Haustür gelegt hatte, waren ziemlich komplex, aber im Labor haben wir oft die gleiche Art von Barrieren studiert, also habe ich nicht viele Schwierigkeiten gehabt. Auf dem ersten Blick war das Haus leer. Als ich aber prüfen wollte und den ersten Stock erreicht habe, habe ich..."
Die Hexe, die es nicht weiter aushielt, senkte den Kopf und presste ihr Gesicht in ihre gefalteten Händflächen, um die Tränen zu verstecken, die am Augenwinkel erschienen. Harry musste sich zwingen, nicht zu ihr zu gehen, um sie zu trösten, aber er wusste, dass sie diese Zuvorkommenheit von ihm nicht annehmen würde.
„Nützt nichts, dass ich Ihnen die Details erzähle", murmelte sie. „Ich habe seine Leiche gefunden. Ich bin in Panik geraten und habe einen uns bekannten Auror, einen Freund von George gerufen. Er ist sofort allein gekommen und hat seinen Körper geprüft. Schließlich hat er mir gesagt,... dass Tom, auch wenn er erst höchstens vor wenigen Wochen gestorben war, unter einem Stuporfluch Monate vorher behalten worden war und dass es wahrscheinlich das war, was ihn getötet hatte, als der Zauber aufgehoben worden war. Ich habe erwidert, dass es unmöglich war, dass ich ihn während dieser ganzen Zeit wohl lebendig gesehen hatte, aber er war sich ganz sicher."
Anne hob den Kopf und ihre Augen sahen rötlich aus.
„Jonathan hat es angenommen, all das geheim zu halten, um die Aufmerksamkeit des Ministeriums nicht auf mich und meine Recherchen zu lenken. Wir haben dafür gesorgt, dass alle glaubten, dass Tom an einer Krankheit gestorben war, und wir haben ihm eine anständige Beerdigung gegeben. Aber ich verstehe es immer noch nicht."
Harry hörte nicht mehr zu. Er hörte kaum, dass Anne irgendwie gestanden hatte, dass ihre aktuellen Recherchen zu wichtig waren, dass sie selbst dem Ministerium nicht anvertraut werden konnten. Sein Geist sammelte, setzte die Stücke des Puzzles ein. Er wusste, was geschehen war.
„Vielsafttrank", murmelte er.
„Wie bitte?"
„Sie haben gesagt, dass Ihr Mitarbeiter am Tag nach dem Angriff über James aufgehört hat, zur Arbeit zu gehen", bemerkte er mit einem aufgeregten Ton.
„Tatsächlich", behauptete sie irritiert.
„Nun konnte er es nicht sein", fuhr er fort, als hätte er sie nicht gehört, „weil er wahrscheinlich unter dem Stuporfluch lag. Das war also jemand anders. Jemand, der zum Beispiel Vielsafttrank genutzt hätte. Und daher hatte er ihn nicht getötet. Denn er brauchte ihn lebendig, um den Trank zu brauen."
„Wer hätte das aber getan", rief Anne aus.
Harry hob den Kopf und starrte sie an.
„Anne, wenn er von einem Tag auf den anderen aufgehört hat, Sie auszuspionieren, so ist es, weil es ihm nicht mehr möglich war. Während des Angriffs auf James ist ein Todesser gefangen worden. Er hieß Elmund Avery. Er war schwer verletzt und wurde daher nach St-Mungo geführt. Er ist während der Nacht gestorben."
Harry stoppte, atmete ein, dann schloss er sanft:
„Das war kein natürlicher Tod."
Anne starrte ihn lange bestürzt an.
„Der Dunkle Lord erlaubt nicht, dass seine Diener gefangen werden, wenn sie zu viel wissen", murmelte sie.
Harry nickte langsam.
„Voldemort wird keine Zeit gehabt haben, Avery zu ersetzen. Und als jener gestorben ist, ist der Stuporfluch gebrochen worden. Wenige Leute wissen, dass ein so einfacher Zauber tödlich ist, wenn er zu lange behalten wird. Der Körper Ihres Freundes hielt wahrscheinlich nur noch durch die Magie aus, die jede Reaktion hinderte. Er ist zweifellos sofort gestorben."
Anne biss sich auf die Innenseite ihrer Wangen, um nicht zu weinen, und senkte den Blick.
„Was soll ich tun?", murmelte sie – eher für sich selbst als zu Harry.
Jedoch antwortete der junge Auror sanft:
„Sie können diese Last nicht alleine tragen. Ich weiß nicht, worum Ihre Recherchen gingen, und Sie werden es mir sicher nicht sagen. Aber Sie haben schließlich Voldemorts Interesse geweckt. Anne, Sie sind nicht stark genug, dass Sie seine ganze Aufmerksamkeit ertragen könnten. Sie müssen um Hilfe bitten. Aber nicht um Hilfe, um Sie zu schützen, wie Sie es getan haben. Jemand muss wissen, was Voldemort zu Ihnen zieht, und entscheiden, was die beste Handlungsweise ist, um Sie vor ihm zu schützen. Sie müssen jemandem wirklich vertrauen, Anne. Jemandem, der die Macht hätte, Ihnen zu helfen. Das ist die einzige Lösung, die ich sehe."
Harry streckte die Hand aus und presste die der Wissenschaftlerin. Anne hob den Kopf und sah ihm in die Augen. Darin las sie nur Angst und ehrliche Sorge. Sie nickte.
