Hallo an alle! Hier bin ich wieder mit dem neuen Kapitel von der französischen FF von Dragonwing4 Changer le passé. Viel Spaß beim Lesen und einen herzlichen Dank an Verliebtindich, meine Betaleserin.
Disclaimer: Alle bekannten Charaktere und Orte gehören zu Mrs. Rowling und die Geschichte und die anderen Charaktere gehören zu Dragonwing4. Ich habe nur übersetzt.
Spoiler: Die ersten fünf Bände.
EinezweiteChance
Die Vergangenheit verändern
Kapitel 15: Wo Schneeflocken und Weihnachtsbäume die Welt regieren:
Die Eiche stand einsam zwischen einigen nackten Blumenbeeten und einem oder zwei entblätterten Büschen. Ihre mageren Zweige hoben sich zum Himmel mit der unerschöpflichen Hoffnung, die ersten Spuren einer Milderung der Luft bald zu spüren. Der Saft in ihrem Stamm sprach von Sonne und Wasser, Wind und Regen. Er erinnerte sich an andere kalten Zeiten, die manchmal viel grimmiger gewesen waren als jene. Der Baum wusste, dass der Winter immer wieder zurückkehrte. Aber er beklagte es nicht, denn er wusste auch, dass ihm der Frühling unveränderlich folgte.
Mit einem Seufzer streichelte Harry ein letztes Mal die harte Rinde mit seiner Handfläche und ging dann ein bisschen nach hinten, während seine Schritte im frischen Schnee knirschten. Wenn sein Leben nur so einfach hätte sein können wie das eines Baums... Wenn Voldemort nur ein einfacher Winter hätte sein können, gegen den man sich nur beugen und dabei auf die Milderung warten sollte, so wäre alles so viel einfacher gewesen. Aber der Winter hatte kein Bewusstsein. Er war sich nicht dessen bewusst, dass seine Ankunft jedes Jahr das Ende mancher Leben mitbrachte. Was Voldemort betraf, so wusste er es nicht nur, sondern er genoss es auch.
In Gedanken vertieft hob Harry den Blick zum grauen und bedeckten Himmel. Was ihm Anne erzählt hatte, schien ihm sehr unheilvoll. Wenn Voldemort mit Feinheiten wie der Nutzung des Vielsafttrankes seine Zeit verlor, anstatt alle betroffenen Leute einfach zu entführen und zu foltern, so war es wahrscheinlich, weil er die Aufmerksamkeit des Ministeriums nicht darauf lenken wollte. Mit etwas Glück war es, weil er noch nicht sicher war, dass ihm Mrs Potters Recherchen irgendwas Wertvolles würden bringen können, aber Harry zweifelte daran.
Also besaß Anne Kenntnisse oder einen Gegenstand, die den Dunklen Lord sehr interessierten, und seltsamerweise zweifelte Harry sehr daran, dass es sich um das Modell des nächsten brandneuen Rennbesens handeln könnte. Die ganze Diskretion, die sich die Besitzer dieses Geheimnisses darum bemühten, mit der Sache zu behalten, sagte ihm, dass es zweifellos etwas sehr Gefährliches war und dass alles nur noch viel verwickelter werden würde, wenn Lewis je davon hören sollte.
Und darüber hinaus hatte es Harry nicht geschafft, Annes Verdachte ihm gegenüber zu beruhigen. Ihr voriges Gespräch war bequem – wenn man das so sagen konnte – zu einem anderen Thema abgewichen, aber er wusste, dass sie, sobald sie die Maßnahmen getroffen hätte, die in ihrer Lage notwendig waren, wieder nach dem wahren Sachverhalt der Geschichte suchen würde. Seiner Geschichte. Und was konnte er ihr sagen? Jedenfalls sicher nicht die Wahrheit. Harry wollte, dass seine wahre Identität allen – oder fast – möglichst lang unbekannt blieb. Er hatte sich ja nicht so sehr darum bemüht, seine Deckung zu behalten, um sich zu enthüllen, sobald der Erstbeste, sei er nur seine Großmutter – oder mögliche zukünftige Großmutter –, Zweifel an ihm ausdrücken würde!
Also würde ihm nur noch übrig bleiben zu improvisieren, da sein Geist ins Leere zu arbeiten schien, ohne irgendeine Lösung finden zu können.
Ja, das müsste wirklich gut sein, ein Baum zu sein... Immerhin würde keiner die verrückte Idee haben, einer Zypresse über seinen Terminkalender der letzten Monate zu befragen.
Entfernte Schreie zogen Harry schließlich aus seiner mürrischen Betrachtung der Wolken und vermieden ihm auch damit einen schlimmen steifen Hals. Auf der Hut spitzte der junge Auror die Ohren. Ein alter vom Kampf erfahrener Reflex ließ ihn den Zauberstab ergreifen, den er an den Gürtel gesteckt hatte. Er brauchte nicht lange, sich zu entspannen, als er mit Erleichterung Freudenschreie wiedererkannte, die vom Wind getragen wurden.
Neugierig ging er wieder zu einem der zahlreichen Wege vom Garten der Potters, während er auf seine vor Kälte rötlichen Hände blies, bevor er seine Handschuhe wieder anzog. Er eilte die Büsche entlang, die auf dem weißen Boden gut sichtbar waren, und befand sich bald auf der großen leeren Fläche, die der Haustür der Potters gegenüberlag.
Ein unbekanntes Flugobjekt zischte, indem es mit großer Geschwindigkeit an seinem Ohr vorbeiflog, was ihn dazu zwang, wieder lebhaft in Deckung zu gehen. Harry lehnte sich an einen Baum und blickte sich nach der möglichen Bedrohung um, die sich in Form kleiner Schneestückchen zeigte, die nicht weit von ihm am Boden zerschlagen lagen. Der verflogene Schneeball war offenbar nicht verzaubert worden, um Stößen zu widerstehen.
Harry schüttelte den Kopf vor diesem Mangel an Professionalität und ging das Risiko ein, die Nase aus seinem Versteck zu halten, so dass er mit einer epischen Szene belohnt wurde: Hinter den Büschen auf beiden Seiten des Niemandslands verbarrikadiert, bekämpften sich zwei Sippen von furrrrrchtbarrrrren Rumtreibern mit Stückchen weißen eisigen Stoffs. Auf der Linken boten die Krieger Moony und Krone gemeinsam Tatze und Wurmschwanz, die auf der Rechten nicht vorhatten, so einfach besiegt zu werden, die Stirn.
Regelmäßig stürzten sich Peter und James in Deckung, um ihre eigenen Mitmacher mit Munition zu versorgen. Sirius, der stattlichste Rumtreiber, profitierte von seiner Größe und von der zusätzlichen Armverlängerung, die sie ihm verlieh, um das gegnerische Lager machtvoll zu bombardieren, doch er stand Remus' wildem Widerstand gegenüber, denn seine Werwolfseigenschaften verliehen ihm eine Stärke, die seine schlanke Silhouette nicht vorahnen ließ.
James, der an die langen Quidditchtrainings gewöhnt war, zielte dennoch viel besser als Peter und es schien, dass die Schlacht zum Vorteil des linken Lagers weiterlaufen sollte, als der Jäger von einem Schneeball getroffen wurde, dem er nicht hatte ausweichen können und der sich gar nicht zerstückelte sondern ganz im Gegenteil trotz all seiner Bemühungen auf seiner Brille blieb, was sein Sichtvermögen wirkungsvoll verminderte.
Auf der anderen Seite gratulierte Sirius Peter ganz laut für seine glänzende Idee eines verzauberten Schneeballs. Harry sah deutlich, wie die beiden anderen Rumtreiber einen machiavellistischen und rachsüchtigen Blick wechselten, bevor sie umso stärker weiter angriffen.
Harry, der sich darum bemühte, sein Gelächter möglichst leise zu behalten, um keinen der Kämpfer abzulenken, beobachtete mit Freude die zusammengewürfelteste Schneeballschlacht, die er je gesehen hatte. Bald wurde Sirius' schwarzer Umhang mit rundlichen leuchtend rosa Ausbeulungen ausgestattet, während es Remus nicht mehr schaffte, den leuchtend gelben Schneeball loszuwerden, der nun an seinem Arm hing und ihn zu einem perfekten Ziel machte. Peter allein, der kleinste unter ihnen, schaffte es noch, allen Angriffen auszuweichen, die auf ihn zielten, indem er ganz schnell wieder in Deckung tauchte.
Remus und Sirius ignorierten einander nicht mehr, noch warfen sie einander argwöhnische oder melancholische Blicke zu. Auch James und Peter schienen, alles von der schweren Stimmung vergessen zu haben, die vorher bei den Rumtreibern geherrscht hatte. Harry hoffte plötzlich, dass diese Zeit der Unbekümmertheit noch lange dauern könnte.
Leider geschah das, was geschehen sollte, und Anne, George und Lily, die vom Lärm angezogen wurden, gingen schließlich hinaus. Mrs Potter sah plötzlich verärgert aus und schrie lauter als das Zischen der Bälle:
„Habt ihr bloß gesehen, wie ihr ausseht?"
Die Jugendlichen drehten sich zu den neuen Ankömmlingen, die sie nicht bemerkt hatten, um und setzten einen verlegenen Ausdruck auf.
„Mrs Potter...", sagte Sirius. „Nun... tja..."
„Also wirklich!", rief Anne empört aus. „Ihr verhaltet euch wie zehnjährige Kinder! Ihr solltet endlich lernen, ein bisschen erwachsen zu werden. Ich hoffe, ihr wisst zumindest, wie ihr diese Schneebälle loswerden könnt!"
Lily betrachtete die Szene mit einem verblüfften Ausdruck, während sie die vier Jungen abwechselnd anstarrte. Schließlich milderte sich ihr Ausdruck und sie schickte sich an, etwas hinzuzufügen. Leider war Anne in eine mütterliche Schmährede vertieft und sie wollte sie nicht unterbrechen. Auch George schien zwischen der Unterstützung, die er seiner Frau geben sollte, und der Aussicht, die vier Jugendlichen von ihrer Minderjährigkeit so lange profitieren zu lassen wie sie es konnten, fast zerrissen zu sein.
Aus einer plötzlichen Anwandlung heraus beschloss Harry, dass er wirklich nicht wollte, dass sie es dabei beließen und dass er sich selber um das Problem kümmern würde. Still und so flüchtig wie ein Schatten, bewegte er sich bis zu den Bäumen, die neben der großen Treppe standen, die zur Haustür der Potters führte. Anne hatte eben den vier Jungen befohlen, den Garten, der nun von mehrfarbigen Kugeln bedeckt war und so aussah wie ein weißes Leinen, auf das ein surrealistischer Maler den Inhalt seiner Farbtuben mit Zufall geworfen hätte, selber zu säubern.
Mit enttäuschter Miene drehte sich George um, um die Wärme der Eingangshalle zu erreichen, als ihn ein vollkommen runder und sehr schön piniengrüner Schneeball auf der Seite seines Gesichts traf und darauf blieb. Verdutzt drehte er sich plötzlich um und suchte nach dem, der an seinem Missgeschick schuldig war. Sein Blick fiel auf Sirius, auf dessen Handschuhen immer noch grüne Spuren sichtbar waren. Tatze sah ihn nicht an, sondern starrte seine Füße an. Außerdem war es beinahe unmöglich, dass der Schneeball an der Nase seiner Frau vorbeigeflogen wäre, ohne dass sie irgendwas dazu sagte.
Einen Augenblick lang verlegen blickte sich George nachdenklich um. Seine Augen trafen die Silhouette von Harry nicht, der hinter einem Apfelbaum sicher versteckt war, aber ein machiavellistisches Lächeln erschien plötzlich auf seinen Lippen. Die ganze Szene war unbemerkt worden, da Anne die Jugendlichen mit einem strengen Blick ansah und da jene unwillig anfingen, ihre Zauberstäbe herauszuziehen, um anzufangen zu säubern. Lily allein drehte sich rechtzeitig um, um George sich mit Händen voller Schnee aufrichten zu sehen, und die Überraschung ließ sie die Augen weit aufsperren, als sie sah, wie er ihn gerade zu Sirius warf.
Der Jugendliche bellte vor Überraschung und fuhr seine Hand eilig in den Kragen seines Hemds, wo der eisige Stoff es geschafft hatte, sich hineinzustopfen.
„George!", rief Anne empört aus. „Wie alt bist du denn?"
George ging einen halben Schritt nach hinten, indem er die Hände hob, aber er hatte kaum die Zeit, den Mund aufzumachen, bevor ein weiterer Schneeball hinein flog, was ihn dazu zwang, ihn hüstelnd auszuspucken. Mrs Potter drehte sich sofort um, doch James, der von der stummen Zustimmung seines Vaters wieder gekräftigt worden war, zielte bereits auf sie. Es gab einen stillen Augenblick, dann sprang George zum Fuß der Treppe, wo der Schnee reichlicher lag. Anne bemerkte den schelmischen Blick, den ihr ihr Mann zuwarf, und reagierte sofort.
„Oh, nein!", rief sie aus, indem sie sich lebhaft hinunterbeugte, um eine Handvolle Schnee zu nehmen.
George wich ihrem Angriff mit Einfachheit aus und griff lachend zurück an.
„Oh, doch!"
Anne schrie vor Wut, als sie der Ball voll im Bauch traf, und sie stürzte sich mit einem lauten Schrei zum Angriff:
„George Potter!"
Der Heiler eilte lachend unter einem Wurfobjektregen in Deckung und zog Sirius dabei mit.
„Komm hierher, Söhnchen! Unter Männern muss man einander helfen!"
James folgte der Bewegung schnell, um verflogene Bälle zu vermeiden, und bald suchte Lily, die nicht so schnell gewesen war, Rache bei Anne. Das begeisterte Lächeln, das auf ihren Lippen sichtbar war, zeigte deutlich, dass es kaum nur noch ein Vorwand war. Peter hatte sich unter den Bäumen auf der anderen Seite des Feldes versteckt und holte die beiden anderen Rumtreiber diskret ein, als er sah, dass ihre Gegnerin Verstärkung bekam.
Was Remus betraf, so blieb er einen Augenblick lang unentschieden und wich einfach den Flugkörpern aus, die von beiden Seiten herflogen, bevor er sich umdrehte und zu den wenigen Büschen lief, die nun Anne und Lily schützten.
„Remus!", beklagte Sirius. „Remus, wo gehst du hin, mein Bruder?"
Der junge Werwolf drehte sich mit einem schelmischen Lächeln zu ihm um und erwiderte:
„Tut mir Leid, Sirius, aber mit fünf Männern gegen zwei schwache Frauen wäre die Schlacht wirklich zu ungerecht..."
„Mir wäre es lieber gewesen, wenn du das Klischee der 'schwachen Frauen' vermieden hättest, Remus", sagte Anne, „aber dies ausgeschlossen bin ich begeistert zu sehen, dass es hier in diesem Haus noch zumindest einen Mann gibt, der noch den Sinn der Ritterlichkeit irgendwie besitzt!"
„Nun ja, meine tapferen Freunde", seufzte Sirius melodramatisch. „Es scheint, dass einer unserer wertvollsten Krieger das Opfer des unheilvollen Reizes der Amazonen geworden ist..."
Sirius hatte kaum die Zeit, seinen Satz zu beenden, als ihn drei Schneebälle fast perfekt synchronisiert voll im Gesicht trafen... nein, eigentlich vier Schneebälle.
'Vier?', fragte sich Sirius verlegen und etwas mitgenommen.
„Vier gegen drei ist immer noch ungerecht. Erlauben Sie mir, Ihnen beizustehen, meine Damen, Mr Lupin?"
Mit einem begeisterten Schrei sah Lily zu, wie ihr Lehrer in Verteidigung gegen die dunklen Künste von hinter einem von einer dichten weißen Decke bedeckten Begonienbeet mit einem breiten Lächeln auf den Lippen auftauchte.
„Und ein zweiter!", rief Anne aus. „Aber wäre dann die Galanterie von dieser Welt wirklich nicht verschwunden?"
Harry brach in ein herzliches Gelächter aus und wich dem Flugkörper gelenkig aus, der sich auf den Stamm hinter ihm zerstreute.
„Hey, das ist ungerecht!", beklagte George.
„Das stimmt, jetzt habt ihr einen Auror bei euch!", stimmte ihm James zu.
„Na, worin liegt das Problem?", erwiderte Lily mit einem herausfordernden Ton. „Wir sind auch zwei arme Frauen dabei, das wird nur unsere Schwäche ausgleichen können. Ich sehe nicht, wieso es uns einen Vorteil geben würde!"
James kniete sich ganz schnell und drehte sich verblüfft zu seinen beiden Freunden um.
„Mein Gott! Sie fängt an, wie ein Rumtreiber zu reden..."
„Eben deswegen sage ich dir seit Jahren, dass es die Frau ist, die für dich bestimmt ist, lieber James!", erwiderte Sirius mit einem breiten spöttischen Lächeln.
„Ist gerade von meiner zukünftigen Schwiegertochter die Rede?", fragte George mit einem sehr interessierten Ton.
James warf Peter einen verzweifelten Blick zu, aber Wurmschwanz war zu sehr damit beschäftigt, trotz seines Lachanfalls richtig zu zielen, dass er ihm irgendwie hätte helfen können. James murrte Verwünschungen, tat, als würde er sie alle ignorieren, und konzentrierte sich stattdessen auf das intensive Bombardieren des gegnerischen Lagers.
„Ich wette 2 Galleonen, dass ich es schaffe, Davies vor dem Ende der Schlacht zumindest fünf Male zu treffen", meinte Sirius plötzlich, während er sich vorbeugte, um nachzuladen.
Der Arme verstand weder, warum sich die beiden Potters mit einem verrückten Blick zu ihm umdrehten, noch warum sie beide so eilig erwiderten:
„Gewettet!"
Wie auch immer klangen zwei Stunden später zwei Münzen in James' Hand und zwei andere in der von George.
„Sie hatten gewettet?", rief Lily ungläubig aus.
Das Mädchen war damit beschäftigt, ihre Haare vor dem Feuer, das Cherry eilig im Kamin des Wohnzimmers der Potters angezündet hatte, als sie alle mit halb geschmolzenem, aus den Haaren tropfendem Schnee zurückgekehrt waren, aktiv zu trocknen. Anne saß ganz aufrecht in ihrem Sessel mit einem breiten zufriedenen Lächeln auf dem Gesicht und Peter, der sich in einen Sessel hatte fallen lassen, tat, als würde er gegen Remus schmollen, der nur mit kleinen schiefen Lächeln antwortete. George und James, was sie betraf, schienen über ihre Niederlage nicht besonders verärgert zu sein und lächelten nur ein wenig als Antwort auf Lilys Frage.
„Worauf gewettet?", fragte Remus neugierig, der perfekt wusste, dass es für einen Potter kein normales Verhalten war.
Sirius schnüffelte nur vor Ärger, indem er sich deutlich schmollend in einen Sessel neben sich fallen ließ. James' Lächeln wurde breiter, während er die zwei Galleonen in seiner Tasche einsteckte.
„Auf Harry", antwortete er.
„Ihr habt auf Harry gewettet?", rief Anne ungläubig aus.
„Was?", reagierte der Betroffene schließlich, indem er blinzelte. „Wie denn, auf mich gewettet?"
Die gesamte Aufmerksamkeit konzentrierte sich sofort auf ihn, der im Schneidersitz auf dem Teppich vor dem Kamin saß und eine Haarbürste in der Hand hielt. Sein langes schwarzes Haar war über seiner rechten Schulter geworfen und bildete einen unentwirrbaren Vorhang, dessen unteren Teil sich auf seine Schenkel drapierte und der die Flammen hinter ihm nur ab und zu sehen ließ. Harry, der ihren verblüfften Blick bemerkte, lächelte ihnen entschuldigend zu, bevor er wieder damit anfing, seine immer noch nassen Haare zu kämmen, die ihm noch einmal von selbst zu leben schienen – und sich jedem Dressurversuch endgültig entgegenzusetzen.
„Warum behalten Sie sie so lang?", flüsterte Lily verdutzt.
„Glauben Sie mir, wenn ich Ihnen sage, dass es viel schlimmer ist, wenn sie kurz sind?"
Harry lächelte wegen der seltsamen Blicke, die er bekam.
„Einverstanden", gestand George, indem er eine Hand in seine eigenen Haare fuhr. „Ich bin ein anormaler Potter und stolz darauf..."
Harry und James prusteten gemeinsam los. In jenem Augenblick war Harry überaus glücklich, dass Anne noch keinen Zweifel an seinem vermuteten Stammbaum hatte. Doch es tat so gut, so leicht mit den Leuten, die er mochte, zu scherzen, ohne an irgendeine Weltendbedrohung zu denken...
„Na, was ist diese Geschichte?", fuhr er mit einem getäuschten strengen Ausdruck fort. „Ich bin kein Rennpferd, wissen Sie?"
„Kein was?", fragte Peter verdutzt.
„Das ist eine Muggelsitte", antwortete Remus.
„Ach..."
Bevor James oder George irgendwas hätten hinzufügen können, setzte sich Sirius noch tiefer in seinem Sessel und klagte an:
„Immerhin haben Sie gemogelt! Sie wussten, dass ich keine Chance hatte..."
„Keine Chance wobei?", fragte noch einmal Lily. „Was hast du erfunden, Black?"
„Natürlich wussten wir es, lieber Sirius!", erwiderte James, der zu sehr damit beschäftigt war, seine Revanche über seinen besten Freund zu haben, dass er tat, als hätte er Lily nicht gehört.
Er warf sich auf dem Bauch auf das Sofa neben Remus und lag zu Tatze gedreht, indem er ihm sehr spöttisch und breit zulächelte.
„Aber tja, wir waren ja nicht so grausam, dir all deine Hoffnungen wegzunehmen!"
Sirius schnüffelte, was ganz deutlich zeigte, was er über diese Theorie dachte, dann krümmte er sich in seinem Sessel, reine Personifizierung der Verzweiflung.
„Wenn man bedenkt, dass ich es nicht geschafft habe, ihn selbst mit dem Selbstführungszauber nur einmal zu treffen...", murrte er.
Es gab eine kurze Stille, die jeder nutzte, um sich zu den nassen Kleidungsstücken umzudrehen, die Cherry nicht weit vom Kamin trocknen ließ, bevor sie ihnen ihre neuen so malerischen Farben würde abnehmen können. Remus stand nachlässig auf und hob Harrys Mantel: Er war viel weniger nass als die anderen und war wahrscheinlich viel mehr gegen den Boden und die schneebedeckten Büschen geschleppt als von einem Flugkörper getroffen worden. Der junge Gryffindor drehte das Kleidungsstück um und fand schließlich eine gelbe Spur.
„Ach!", rief er aus. „Wo kommt das her?"
„Von mir!", prahlte James ganz stolz auf sich.
„Pah!", spottete Sirius. „Er hat ihn nur leicht berührt."
„Vielleicht, aber ich habe ja nicht gewettet, dass ich es schaffen würde, ihn fünf Male zu treffen", bemerkte James.
„Fünf Male?", wiederholte Lily ungläubig. „Du bist ja völlig durchgedreht, Black..."
„Hey, oh, Ruhe!", protestierte der junge Mann schwach. „Ich war doch nicht da, als er seine Ton- und Lichtshows mit den Todessern gemacht hat..."
Die Bürste hing völlig nutzlos in Harrys Hand, während er versuchte, den stillen Lachanfall zu beruhigen, der ihn beben ließ. Dennoch konnte er seine Wangen nicht daran hindern anzufangen zu brennen, was George ganz schnell bemerkte.
„Nun ja, Harry!", rief er aus, indem er eine Hand auf seine Schulter legte. „Heutzutage sind Sie ein sehr sicherer Wert!"
„Na, zumindest", schaffte es der junge Auror schließlich, zwischen zwei Lachanfällen auszusprechen, „werden Sie jetzt wissen, dass man gegen mich nicht wetten soll, Mr Black!"
„Na klar, das ist sicher!", erwiderte Sirius sofort mit heftigster Energie. „Ich bin vielleicht dämlich aber ich bin nicht verrückt!"
„'Der Rabe, scham- und reuevoll, schwört, etwas spät, daß ihm so was nie mehr passieren soll'."
Fünf tief perplexe Blicke drehten sich zu Lily um, während Remus vergeblich versuchte, nicht loszuprusten, und während Harry nun vor Lachen weinte.
oOoOoOoOo
Der bucklige Mond war über Hogwarts die Große aufgegangen und spiegelte sich in tausenden von glitzernden Lichtreflexen auf der ruhigen Oberfläche des Sees wider. Im Park bewegte sich nichts, und nur ein warmes Licht glänzte noch in der Ferne am Fenster von Hagrid, dem Wildhüter. Im Schloss waren die Gänge leer, die Große Halle leer, die wenigen noch anwesenden Schüler schliefen.
Mitternacht in Hogwarts.
Albus lehnte sich an das Fenstersims und beobachtete mit einem nostalgischen Lächeln das Werk seines Lebens: Diese Schule war, was ihm am wertvollsten war. Und in dieser außerordentlichen Nacht schien es ihm, als würde jeder dieser Steine, jede Rüstung und jeder Kerzenhalter ein Parfum ungewöhnlicher Magie ausstrahlen.
Weihnachten in Hogwarts.
Am Morgen würde jeder Bewohner der Schule am Fuß seines Bettes die Aufmerksamkeitsbeweise all seiner Verwandten finden. Es würde Gelächter und Schreie, Umarmungen und eilig geschriebene Dankesbriefe geben. Das Schloss würde wieder zum Leben erwachen, die Rüstungen würden unter all dem Schmuck glänzen, mit dem sie ausgestattet wurden, die Große Halle würde die festlichen Dekorationen mit den Farben ihrer vier Häuser stolz hängen lassen, Peeves würde Filch das 'Geschenk' schenken, das er sich ein ganzes Jahr lang ausgedacht hatte...
Dies war Hogwarts. Ein Schutz, ein Ruhepol gegen alles Schlechte und Schmerzhafte, was die äußere Welt beinhalten konnte. Ein Ort, wo man in einer relativen Sicherheit wachsen konnte, wenn das Gewitter draußen vor der Schule donnerte. Ein Ort, wo jedes Kind der magischen Welt seine eigenen Fähigkeiten entdeckte und ein wirklicher Zauberer wurde, der frei war, seine Wahlen zu treffen und sein Leben weiter zu führen.
Die Magie von Hogwarts.
Fawkes trillerte, indem er auf der Schulter des alten Zauberers landete, und beobachtete mit ihm eines der Hauptsymbole der magischen Welt. Ja, Albus liebte Hogwarts. Wie konnte es anders sein? Wenn er ihr den größten Teil seines Lebens gewidmet hatte, so lang dies auch gewesen war... Und trotzdem wusste er schon, was außen geschah, dieses Außen, das sich wegen des Grolls eines Kindes zerfleischte, eines Kindes, das zwischen jenen Mauern zu einem Erwachsenen geworden war.
Albus drehte sich um und starrte einen Augenblick lang mit einem stechenden Blick den Brief an, der auf seinem Arbeitstisch lag. Fawkes trillerte noch einmal, während er die Hand langsam hob, um seine Feuerfeder zu streicheln. Hogwarts war ein Felsen mitten im Sturm. Was würde aus der Zauberwelt werden, wenn er zusammenstürzen sollte? Doch es war unwichtig, wenn die magische Welt als erste starb. Hogwarts würde ja nicht mehr Hogwarts sein, wenn sie von der Rache und vom Hass befleckt werden sollte.
Sollte er das Risiko eingehen?
Albus drehte sich noch einmal um und beobachtete das grandiose Spektakel von Hogwarts, von ihren Mauern und von ihren unzähligen Türmchen, die herausfordernd zum Mond emporstiegen und in seinem Licht badeten. In der Ferne ließ der Riesenkalmar einen faulen Fangarm um die Oberfläche des Sees erscheinen, der plötzlich kriegerisch zu glitzern schien. Noch weiter in der Ferne belebte sich der Verbotene Wald unter dem Streicheln eines Windes, den er nicht fühlen konnte, mit undeutlichen Bewegungen und schien die Schatten zu hauen, die ihn hartnäckig umhüllten.
Albus fühlte, wie ein Lächeln auf seinen Lippen erschien, und hörte auf, Fawkes zu streicheln. Mit einem halb herausfordernden, halb triumphierenden Triller flog der Phönix ab und durch das Fenster hinaus und glitt in der eisigen Luft der Nacht, indem er mit seinem feurigen Gefieder die mehrere hundert Jahre alten Steine des Schlosses leicht berührte.
Hogwarts würde das empfangen, was die Todesser so hartnäckig bei den Potters verfolgten, und dieser Gegenstand würde nur umso besser geschützt werden, wenn seine Gefahr riesig war.
Die Magie von Hogwarts.
Albus schloss die Augen mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen und ließ den Nachtwind bis zu ihm blasen. Der Jammer, der Pein und der Schmerz würden vielleicht später kommen, aber diese Nacht war eine Nacht der Freude und der Dankbarkeit.
Der Lärm von zahlreichen schlagenden Flügeln zog ihn aus seiner Abgestumpftheit und Albus schritt genau rechtzeitig beiseite, um die Eulenherde hereinfliegen zu lassen, die sich in seinem Büro zerstreute. Unter seinem funkelnden Blick sammelten sie ihre Geschenke in einem systematischen Haufen in der Mitte des Zimmers, bevor sie mit einer Kakophonie von Schreien und Flügelschlägen wieder so hinausflogen wie sie hereingeflogen waren.
Weihnachten in Hogwarts.
Fawkes setzte sich wieder auf seine Stange, während sich Albus dem Haufen bunter und glänzender Papiere näherte. Mit einer Hand suchte er im Haufen nach, las hier und da mehr oder weniger bekannte Namen, von Freunden oder einfachen Bekannten. Sein Blick wurde neugieriger, als er ein seltsam aussehendes Päckchen entdeckte, das weich war. Die Identität des Absenders sollte offenbar drinnen liegen.
Irritiert brach Albus vorsichtig das Geschenkpapier auf, das plötzlich eine Fülle... Socken fallen ließ. Mollige und bequeme Socken. Ein kleines viereckiges Kärtchen fiel dann auch heraus und flog spöttisch bis zu den Füßen des alten Mannes herunter, der es sofort ergriff.
Albus,
Frohe Weihnachten! Ich denke, dass Sie es mögen werden, nicht Bücher, dessen Inhalt Sie schon zweifellos größtenteils kennen, oder seltsame und bizarre Gegenstände zu bekommen, die Sie als gebildeter Mensch kennen müssen. Wenn es nicht der Fall ist, dann bin ich zumindest sicher, dass Sie für mein Geschenk ein Nutzen finden werden.
Frohe Feiertage,
Harry Davies.
Mitternacht in Hogwarts.
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Wie jeden Morgen erwachte Severus bei Tagesanbruch. Bei einem dieser gräulichen und mürrischen Tagesanbrüche made in Nordengland, wie er feststellte, sobald er die Vorhänge aufgezogen hatte. Nicht, dass es ja irgendwas ändern würde. Schon längst versprach der Tag, noch viel miserabler zu sein als alle, die ihm während dieser verfluchten Ferien vorangegangen waren.
Weihnachten. Noch einer dieser Begriffe für höchst verwöhnte Bengel wie der tapfere und perfekte Potter. Severus verzog das Gesicht vor Abscheu, während er sich für den kommenden Tag vorbereitete, indem er den ersten sauberen Umhang anzog, den er fand.
Sein Vater würde sicher nicht vor einer guten Stunde aufstehen, wonach er seinem Sohn einen bösen Blick zuwerfen und alles, was Severus für das Frühstück zubereitet haben würde, mit reichlich viel Bier herunterschlucken würde. Dann würde er auf seine Uhr schauen und würde aufstehend dröhnen, dass er wegen seines „Sohnes, der nur ein geistig Zurückgebliebener und ein Kretin ist und nicht mehr taugt als seine Mutter, diese Schlampe!" noch zu spät sein würde. Severus würde die Zähne zusammenpressen und die ordentliche Ohrfeige hinnehmen, die ganz sicher folgen würde, dann würde sein Vater weggegangen sein, um in einem Job, von dem er am nächsten Monat wegen seines schlimmen Verhaltens gefeuert sein würde, einen erbärmlichen Lohn zu verdienen.
Wenn er aber am Abend zurückkommen würde, würde sich dieser Säufer jedoch nicht bis zur Vergessenheit besaufen und danach auf dem Tisch mit der Gewissheit einschlafen, dass ihn sein Sohn bis zu seinem Bett bringen würde – was Severus tun würde, da er jeden optionalen Schlag vermeiden wollte –, sondern er würde verlangen, dass er seine beste Abendkleidung anzieht. Sie würden an einem netten Empfang teilnehmen, wo sich jeder Gast von seinem Blut, das natürlich reiner war als das des Nachbarn, rühmen und sich über die letzten Erpressungen des Dunklen Lords, des neueren Lieblings dieser vornehmen Gesellschaft, freuen würde.
Dann würden sie nach Hause zurückkehren, sein schon höchst besoffener Vater würde ihm vorwerfen, dass er den Leuten nicht freundlich genug begegnet und nur ein Tunichtgut sei, würde ihm eine oder zwei Ohrfeigen verpassen, oder vielleicht würde er seinen Zauberstab benutzen, wenn er noch nüchtern genug sein würde, um ihn mit dem richtigen Ende zu ergreifen, und würde den Abend dann mit voller Pracht – das heißt, auf dem Tisch – mit den Alkoholflaschen beenden, die er geschafft haben würde zu stehlen.
In Erwartung dieses Abends, der versprach, sehr unterhaltsam zu sein, würde Severus sich schon in seine Zaubertränke- oder Verteidigungsbücher zurückziehen oder die wenigen Hausaufgaben, die ihm noch übrig blieben, schreiben können.
Weihnachten. Ach! Was für eine schöne Feier war Weihnachten!
Severus erlaubte sich ein weiteres spöttisches Lächeln, kämmte schließlich sein Haar mit einer wütenden Bewegung und ging heftig aus dem Badezimmer heraus, um sein winziges Schlafzimmer wieder zu betreten, wo er sich – wohl dazu entschlossen, bis zum Frühstück düstere Gedanken hin und her zu überlegen – auf sein Bett fallen ließ... Ein nicht besonders menschlicher Empörungsschrei ließ ihn von der Matratze, die er kaum berührt hatte, mit einem Sprung wieder aufstehen.
Die sitzende Eule warf ihm einen vernichtenden Blick zu und zerzauste ihre zerknitterten Federn mit einem weiteren unzufriedenen Schrei. Überrascht starrte Severus das Tier einen Augenblick lang an, dann blickte er zum Fenster und erinnerte sich plötzlich daran, dass er es aufgelassen hatte, als er aus dem Zimmer gegangen war. Er runzelte die Augenbrauen, kniete und bemerkte das Päckchen, das an das Bein gebunden war, das ihm der Vogel ungeduldig reichte. Er hatte es kaum los gebunden, dass sich die Eule mit heftigen Flügelschlägen auf den Rückweg machte, nachdem sie ihm einen Schnabelschlag als rächende Erinnerung gegeben hatte.
Severus fluchte leise, indem er das rot gewordene Fleisch seiner Hand presste, und starrte das Federvieh mit einem düsteren Blick nach, bis es verschwunden war. Dann beschloss er, das Päckchen genauer zu betrachten. Der Gegenstand, der in ein zwar schlichtes aber auch glänzendes Papier gehüllt war, war rechteckig und nicht sehr groß. Severus spürte, wie sein Herz für einen Schlag aussetzte. Das konnte kein Weihnachtsgeschenk sein, oder? Doch nicht für ihn?
Er konnte fühlen, wie sich sein Atem beschleunigte, während er die Packung zerriss und eine rechteckige Pappenkiste entdeckte, in deren Deckel kleine Löcher gestochen worden waren. Keine Karte war sichtbar, noch hatte es eine auf dem Papier gegeben. Severus, der sich dessen bewusst wurde, dass seine Hände zitterten, verzog das Gesicht, faltete sie ineinander und versuchte, wieder ruhig zu werden. Sein Blick starrte die Kiste immer noch an. Ein Tier? Jemand solltte ihm ein Tier geschenkt haben?
Dazu unfähig, länger zu warten, brach er das Band, das den Deckel verschloss, durch einen Zauber und blickte hinein. Die aufgehende Sonne ließ die zerbrechlichen Schuppen verschwommen und schillernd glitzern. Von diesem plötzlichen Licht gewarnt, hob die Schlange langsam den Kopf und starrte Severus' schwarze Augen mit ihren gelben Augen mit vertikalen Pupillen an.
Der junge Mann, der kaum zu atmen wagte, antwortete lange auf diesen Blick. Die feine gespaltete Zunge, die plötzlich durch die Luft in seiner Richtung hervorschoss, ließ ihn fast hochschrecken. Er schluckte und streckte langsam die Hand aus. Die Schlange blickte nicht weg und ließ ihn gewähren. Sie zischte leise vor Zufriedenheit, als sich Severus' lange feine Finger auf ihre Schuppen legten und sie sanft und leicht berührten. Ermutigt streckte der Slytherin seine zweite Hand aus und hob das Kriechtier mit vorsichtigen Bewegungen hoch. Die kleine Schlange schloss zufrieden die Augen, als er wieder anfing, sie zu streicheln, dann rollte sie die Spitze ihres Schwanzes um sein Handgelenk.
Severus starrte sie noch einen langen Moment verlegen an und ließ seine Finger über die glänzenden Schuppen laufen. So, dass er noch eine Weile brauchte um zu bemerken, dass die Kiste nicht nur einen einzigen Schatz beinhaltete. Das Buch mit dem dunkelgrünen Deckel, das er daraus nahm, sagte stolz in goldenen Buchstaben: Schlangen: So pflegen Sie Ihren Gesellen richtig, von Basil Hisk. Bewundernd schlug Severus das Werk auf der ersten Seite auf, aus der ein kleines Pergamentstück flog, das er bald ergriff.
Hallo Severus und frohe Weihnachten!
Ich habe sehr lange suchen müssen, um etwas zu finden, was dir gefallen könnte, und ich denke, dass ich mich nicht zu sehr geirrt habe. Was hältst du davon? Sie heißt Satis. Ich gestehe, dass ich selber nichts darüber weiß, wie man eine Schlange pflegen soll, also habe ich gedacht, dass das Buch nicht nutzlos sein würde. Ich denke nicht, dass ihre Anwesenheit in Hogwarts Probleme bereiten könnte, da ihre Art völlig ungefährlich ist und da sie jedenfalls zu jung ist, dass sie irgendwie bedrohlich sein könnte. Denke dennoch daran, beim Schuljahreswiederbeginn mit Professor Kraftbrüh über sie zu reden.
Wir sehen uns in Hogwarts wieder.
Harry Davies.
Severus verbiss sich im letzten Augenblick einen begeisterten Lachausbruch. Da er seinen Vater nicht wecken wollte, der dann umso übler gelaunt wäre, presste er seine Hand gegen seinen Mund, doch nichts minderte die wilde Freude, die sich seiner bemächtigte. Er hob sein neues Gesellschaftstier zu seinem Gesicht, sah ihm in die Augen und sagte lächelnd:
„Hallo Satis. Ich heiße Severus. Wir werden uns beide gut miteinander verstehen."
Und die Schlange schoss ihre Zunge hervor, wie stumm nickend.
oOoOoOoOo
Sirius schüttelte James energisch wach, ohne seinen gemurrten Protesten Aufmerksamkeit zu schenken.
„Na los, James! Aufstehen! Du erinnerst dich doch daran, was wir gestern beschlossen haben, oder?"
James nahm es schließlich an, den Kopf vom Kissen zu heben, in das er ihn gesteckt hatte, und warf seinem besten Freund einen vernichtenden Blick zu. Sein wie jeden Morgen leichenblasses Gesicht, die zerzauste Haare, die ihm in die Augen fielen, und der Abdruck der Betttücher auf seiner Wange machten leider für ihn das Spektakel eher lustig als irgendwas anderes.
„Das war nicht gestern, Sirius, das war heute Nacht! Um etwa ein Uhr morgens, wenn ich mich richtig erinnere. Und es ist erst neun Uhr!", murrte er bissig.
Sirius hörte nicht zu und zog die Decken zum Fuß des Bettes.
„Wenn wir es aber später machen, so werden sie vielleicht schon auf sein! Na, Krone, das sind doch nicht einige Schlafstunden weniger, die dich fertig machen werden, oder?"
„Das sagst du, der immer bis in den helllichten Tag schläft?"
Dennoch schleppte sich James schließlich unter Sirius' triumphierendem Lächeln zum Badezimmer. Der junge Mann war trotz des wenigen Schlafs, über den er nach dem von den Potters organisierten Weihnachtsabend verfügt hatte, schon angezogen und voller Energie. Der Abend war lang und mit Lachen und herzlichen Gesprächen betont worden, aber schließlich war Lily auf einem Sofa eingeschlafen, bevor die Uhr Mitternacht geschlagen hatte. Wonach Anne und Harry geschätzt hatten, dass es dem Mädchen gegenüber ungerecht sein würde, die Geschenke vor dem Morgen auszupacken, und James und Sirius hatten wie die frustrierten Bengel, die sie waren, geschätzt, dass eine Rache notwendig war.
Aus diesem Grund zog Sirius so früh am Morgen James hinter sich durch die Gänge.
Die beiden Freunde stoppten schließlich vor der Tür von Lilys Schlafzimmer und Sirius rieb sich mit einem übertrieben zufriedenen Ausdruck die Hände. James gähnte nur, was ihm einen finsteren Blick einbrachte.
„Na, James, sei doch ein bisschen enthusiastisch!", tadelte er ihn. „Willst du deine Prinzessin nicht aufwecken?"
Da er nur einen düsteren und sehr müden Blick als Antwort bekam, lächelte Sirius spöttisch.
„Ich frage mich, was sie nachts anhat..."
James schien, an seinem eigenen Speichel zu ersticken, und wurde plötzlich ganz rot im Gesicht. Der Vorteil war, dass es die willkommene Wirkung hatte, den jungen Mann völlig zu wecken. Der Nachteil war, dass er sich versprach, dass an jenem Tag ein Mord geschehen würde. Ohne auf das Damoklesschwert zu achten, das über seinem Kopf hing, lachte Sirius böse und machte die Tür still auf, um sich drinnen zu schleichen, so dass er James keine Zeit ließ, einen Einwand auszusprechen. Krone verzog das Gesicht und schluckte schwer, indem er den Türflügel mit einem unentschlossenen Ausdruck anstarrte. Dann seufzte er resigniert, folgte seinem Freund und versuchte dabei nicht daran zu denken, was er tat.
Der Gang blieb einige Minuten lang leer und still, dann gab es einen weiblichen schrillen Schrei, von einer Flut von Flüchen gefolgt. Die beiden jungen Männer eilten sofort losprustend hinaus und liefen atemlos, um außer Reichweite von den Flüchen von Lily zu stehen, die wütend auch bald hinausging. Sie hatte nur ihr hellblaues Nachthemd an, da sie keine Zeit gehabt hatte, zu ihrem Morgenrock zu greifen, und eine dunkelgrüne Substanz tropfte von ihren kastanienbraunen Haaren herunter.
„Potter! Black!", schrie sie. „Ich schwöre euch, dass ihr es mit eurem Leben vergelten werdet!"
Ein eisiger Tropfen fiel auf ihren Hals herunter und ließ sie zittern. Sie warf dem leeren Gang einen letzten gehässigen Blick zu, stürzte zum Badezimmer und betrat es.
James und Sirius verlangsamten etwas weiter ihr Rennen, um ihren Atem wieder zu finden.
„Na, mein alter Krone", sprach Sirius schwierig aus, indem er die Lachtränen wegwischte, die auf seine Wangen geflossen waren, „ich wusste nicht, dass Evans so ein variiertes Repertoire an Beschimpfungen besaß!"
James wollte antworten, aber eine Tür, die sich etwas weiter im Gang öffnete, überzeugte ihn, weiter zu laufen, und er zog Sirius hinter sich her.
„Mensch!", beklagte er. „Lilys Schreie haben meine Eltern bestimmt wach gemacht, wir können auf die Idee verzichten, ihnen die Überraschung zu machen!"
„Tja!", antwortete Sirius fröhlich. „Es bleibt uns noch Davies übrig!"
James warf ihm einen halb besorgten, halb amüsierten Blick zu.
„Bist du dir sicher, dass Harry zumindest nachts schläft?"
„Äh?", meinte Tatze perplex.
„Das stimmt, er könnte doch eine Art Mutant oder nicht ganz menschliches Geschöpf sein, das nie zu schlafen braucht und seine Energie aus einem schwarz-magischen Ritual zieht, das Liter Blut und Tonnen schwarzer Kerzen benötigt und..."
James stoppte seine Rede und musste aufhören zu laufen, als Sirius ihm wegen eines plötzlichen Lachanfalls nicht mehr folgen konnte. James lächelte, ließ sich einholen, dann zog er ihn wieder hinter sich her.
„Na los, Tatze, beeilen wir uns, sonst sind es die anderen, die ihn wecken werden!"
Der junge Mann nickte zwischen zwei Lachanfällen und folgte ihm mehr schlecht als recht bis zum Schlafzimmer ihres zweiten Opfers, das auf der anderen Seite des Herrenhauses näher an der Haustür lag. Sie hörten auf zu atmen, stellten sich beiderseits von der Tür und hörten aufmerksam zu, ob es irgendein Tätigkeitszeichen gäbe. Völlige Stille. Sirius fand das Vertrauen wieder, streckte die Hand aus und machte die Tür still auf, bevor James die Zeit hatte, ihn zu warnen.
Er erstarrte und wartete darauf, dass ein Schutzzauber, den der Auror hätte einstellen können, wirken würde, doch nichts geschah und Sirius trat ohne Schwierigkeit ein und bemerkte nicht einmal die offensichtliche Erleichterung seines Freundes, der ihm schnell folgte.
Das Schlafzimmer war in Dunkelheit getaucht und nur ein schwacher Lichtstrahl fuhr durch die dichten Vorhänge, die das Fenster bedeckten. Harry lag auf dem Rücken im großen Bett in der Mitte des Zimmers und die Decken, die nachlässig lagen, enthüllten seinen baren Torso. Einer seiner Arme lag auf seiner Brust, während der andere bis zu seinem Gesicht zusammengefaltet war, das zum Fenster gewandt war. Seine Haare bildeten eine Art Heiligenschein um seinen vom Schlaf entspannten Ausdruck.
Sirius beobachtete das Bild einen Augenblick lang, dann drehte er sich zu James um, zeigte auf die Decken und murmelte so leise wie er es konnte:
„Glaubst du, dass er darunter nackt ist?"
James warf ihm einen vernichtenden Blick zu, bevor er erwiderte:
„Verdammt, Sirius, kannst du dich heute Morgen nicht daran hindern, lüsterne Gedanken zu haben?"
Da er sich bewusst wurde, dass er lauter gesprochen hatte als er vorgehabt hatte, presste er eilig eine Hand gegen seinen Mund und blickte bestürzt zum Bett. Glücklicherweise für sie hatte Harry eine besonders schlechte Nacht gehabt, denn nach seinem späten Einschlafen war bald ein Alptraum aufgetaucht. Er hatte also ein bisschen Schlaftrunk für traumlosen Schlaf eingenommen und würde längst nicht erwachen, es sei denn, jemand würde eingreifen. Da ihn James' Ausruf sich in seinem Schlaf nicht einmal hatte umdrehen lassen, seufzten beide Jungen diskret vor Erleichterung und Sirius näherte sich dem Bett mit einem tadelnden Blick zu seinem Freund.
Diesmal hielt ihn James zurück, bevor er die Zeit hatte weiter zu gehen, und murmelte trotz Tatzes höchst verärgerten Blickes eine Formel, die ihn vor einem möglichen Schutzzauber warnen sollte. Das erwies sich als rettend, denn eine feine rötlich glänzende Linie erschien bald genau vor ihren Füßen und zeichnete einen groben Halbkreis um das Bett und den Nachttisch. Sirius sprang nach hinten, blieb da stehen und starrte den Boden mit offenem Munde an.
„Er ist ein Auror, Tatze", stichelte ihn James leise.
Sirius fing an zu schmollen und verzog das Gesicht als einzige Antwort. James ignorierte es und kümmerte sich eher um den Zauber, der ihnen den Weg versperrte. Das erwies sich als ein einfacher Annäherungszauber, den Harry jedes Mal auf einen ausreichend breiten Durchmesser um sich warf, wenn er den Trank einnahm, da er perfekt wusste, dass sein Schlaf dann außerordentlich schwer wurde. Der Zauber sollte den Zauberer warnen, sobald ein lebendiges Wesen die gestellte Grenze überquerte. Der Nachteil war, dass man im Sommer besser etwas haben sollte, um die Moskitos fernzuhalten, wenn man keine schlaflose Nacht verbringen wollte.
James verzog das Gesicht und kümmerte sich darum, die Wirkung des Zaubers zu entschärfen, wofür er wegen der Macht des Aurors mehrere gute Minuten brauchte. Sirius stand wortlos neben der Tür und stampfte ungeduldig, während sein Freund komplizierte Symbole um die Grenze des Schutzzaubers zeichnete. Schließlich seufzte James vor Erleichterung, als er sah, wie die Lichtlinie schwankte und dann erlosch, und Tatze traf ihn eilig. Mit vor Freude glänzenden Augen näherte er sich dem Bett.
„Nun, James, welches?", fragte er, indem er zwei kleine Fläschchen aus seiner Tasche herauszog.
„Nicht das grüne, Lily hat es bereits bekommen", erwiderte Krone. „Wir sollen Abwechslung bringen, mein lieber Tatze, wir sollen Abwechslung bringen."
Die beiden Jugendlichen wechselten ein schelmisches Lächeln, dann entkorkte Sirius eine der beiden Flaschen und näherte sie vorsichtig den Haaren von Harry, der immer noch ganz tief schlief. Während er die rubinrote Flüssigkeit goss, sah sich James um. Sein Blick fiel auf ein Fläschchen, das auf dem Nachttisch stand, und er ergriff es irritiert und entfernte sich, um dessen Etikette im Licht zu lesen, das durch das Fenster kam.
Sirius prustete los, während er eine weitere Haarlocke färbte.
„Na, der schläft ganz schön tief!", murmelte er fröhlich.
James stellte das Fläschchen kommentarlos und perplex wieder dorthin, wo es früher gestanden hatte. Er schickte sich an zu antworten, als laute Schritte im Korridor hörbar wurden, und bevor einer von den beiden irgendwas hätte tun können, öffnete sich die Tür laut auf eine völlig wache Lily.
„Harry, wachen Sie auf! Sie müssen..."
Im genauen Augenblick, als sie plötzlich innehielt, da sie sich der Anwesenheit der beiden jungen Männer bewusst wurde, die sie anstarrten und zu erstaunt waren, dass sie reagieren könnten, gab es eine schnelle Bewegung und Sirius schrie laut vor Überraschung. James schreckte heftig hoch, drehte sich um und entdeckte seinen besten Freund, der vom Auror angegriffen wurde, der zwar einen tiefen Schlaf hatte, aber dennoch schnell erwachte. Eine seiner Hände hatte sich um Sirius' Handgelenk geschlossen, das er immer noch über das Bett hielt, und die andere zielte mit seinem Zauberstab – Merlin allein wusste, woher er ihn gezückt hatte – gerade mitten auf die Stirn des Jugendlichen.
Das Schweigen dehnte sich aus. Harry hatte kaum Zeit zu blinzeln und schon war er völlig wach. Er senkte seinen Zauberstab, zu dem Sirius ängstlich schielte, ergriff mit einer flüssigen Bewegung das Fläschchen mit der roten Flüssigkeit und schob Tatze mit der Hand, die ihn bisher gehalten hatte, von sich zurück. Der junge Mann fiel mit einem erstaunten Bellen zu Boden und James beeilte sich, um ihm zu helfen wieder aufzustehen. Inzwischen stand Lily immer noch im Türrahmen und beobachtete die Szene, ohne sich zu bewegen, und Harry betrachtete die Etikette des Fläschchens im schwachen Licht.
Stoisch erhob er die Hand und tätschelte die Substanz, die seine Haare bedeckte, blickte zu den Jugendlichen, die ihn ängstlich und etwas schuldig anstarrten, und schließlich hob er seinen Zauberstab und machte mit einem Wort die dichten Vorhänge auf, was das Zimmer plötzlich mit Licht überfüllte. James und Sirius blinzelten geblendet, bevor sie dem Blick des Aurors zu Lily folgten. Das Haar des Mädchens war auf dem für sie gewöhnlichen kastanienbraunen Hintergrund mit sehr stilisierten Zeichnungen von Stechpalmenblättern und Tannenbäumen bedeckt. Egal, wie sie ihr Haar bewegte, blieben die Täuschungen immer perfekt sichtbar, als wären sie delikat darüber gelegt.
Lily warf ihnen einen wütenden Blick zu, als sie ihre begeisterten Ausdrücke bemerkte, aber ein langes Gähnen unterbrach ihre Racheträume und sie drehte sich ungläubig zu Harry um und sah, wie er sich resigniert nach hinten auf die Kopfkissen warf.
„Alles klar", murrte er, indem er sich die Augen mit dem Handrücken rieb, „wann soll es eigentlich erlöschen?"
James setzte ein breites zufriedenes Lächeln auf.
„Binnen vier oder fünf Stunden. Tja, normalerweise..."
„Normalerweise?", rief Lily wütend aus, indem sie ihn durch den Kragen seines Umhangs ergriff. „Das wäre besser für dich, wenn es erlöscht, Potter, sonst schwöre ich dir, dass du den Tag deiner Geburt bedauern wirst!"
„Warum bin immer ich daran Schuld?", ächzte Krone, während sich Tatze vor Lachen am Boden krümmte.
„Tja! Sie wissen ja, was man sagt, James: Wer einen lieb hat, den züchtigt er!"
Lily warf dem Auror, der sich mit einem Lächeln auf den Lippen ausstreckte, einen feurigen Blick zu. Schließlich wappnete er sich darauf aufzustehen, und er warf die Decken von sich. Lily schrie vor Überraschung und fing plötzlich an zu erröten, bevor sie James frei ließ, eilig vom Zimmer wegging und die Tür hinter sich schloss. Sirius hörte auf, sich auf den Boden zu rollen, und blinzelte so verwirrt wie sein Freund.
„Ähm... Was ist mit ihr los?", fragte jener mit einer unsicheren Stimme.
„Ich denke, dass sie sich dessen bewusst geworden ist, dass sie als Mädchen nicht viel im Schlafzimmer eines Mannes zu tun hat, James", antwortete Harry, indem er breit lächelte.
Die Jugendlichen sahen, wie er, der nur eine Hose anhatte, aufstand und sich zu seinem Schrank richtete, um saubere Kleidung zu holen.
„Also war er nicht nackt", murmelte Sirius zu James, der ihm mit einem gewaltigen Schlag hinter den Kopf antwortete. „Auuuuaaaa! James!", ächzte Tatze.
James tat so, als hätte er nichts gehört, packte seinen besten Freund am Kragen und versuchte, ihn zur Tür zu ziehen.
„Wir warten unten mit dem Frühstück auf Sie, Harry!", rief er über seine Schulter, ohne sich umzudrehen, bevor er selber hinausging.
Harry schüttelte amüsiert den Kopf, fuhr eine Hand durch seine Haare und verzog das Gesicht. Eine Dusche war notwendig.
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„Ehrlich!", wiederholte Lily zum x-ten Mal, indem sie ihre kleinen eigenen Tannenbäume schüttelte. „All das für Geschenke!"
„Oh, komm schon, Lily!", antwortete James blasiert. „Willst du nicht wissen, was du bekommen hast?"
Lily schnüffelte verachtend, antwortete aber nichts, sondern vertiefte sich lieber in ihre Trinkschale. Das war der Moment, den Harry wählte, um einzutreten, während er eine Locke seiner schwarzen Haare vor seine Augen hielt, um die Stechpalmenbeeren und die leuchtend roten Weihnachtskugeln zu beobachten, die darauf tanzten. George erstickte einen neuen Lachanfall in seinen Kaffee und Anne stieß einen empörten Ausruf aus.
„Jungen! Ehrlich, ihr..."
„Lassen Sie das, Anne", unterbrach Harry lächelnd. „Auf diese Weise verkörpern Lily und ich den Geist der Feier."
„So ist es!", rief James triumphierend aus. „Das ist genau das!"
George steckte eilig ein Butterbrot in seinen Mund und versteckte sich hinter seine Zeitung, um den tadelnden Blick seiner Frau nicht treffen zu müssen. James stand mit einem Sprung auf.
„Dürfen wir, da nun jeder da ist?", fragte er seine Mutter hoffnungsvoll.
Anne schickte sich an, ihm zu sagen, dass er darauf warten sollte, bis alle mit dem Frühstück fertig waren, aber George legte eine Hand auf ihren Arm.
„Na denn, Schatz, lass sie. Wenn sie es so sehr wollen..."
Anne seufzte überdrüssig, warf sich gegen die Rückenlehne ihres Stuhls und kreuzte die Arme, um ihre Niederlage auszudrücken. Völlig zufrieden stürzte sich James zum riesigen Tannenbaum, den die Potters in einer Ecke des Raums aufgestellt hatten, und wurde bald von Sirius gefolgt. Lily warf ihnen einen unergründlichen Blick zu und aß ihre Butterbrote auf, bevor sie würdig zu ihnen traf.
Harry, dessen Magen mit dem Essen des vorigen Abends noch voll war, trank nur seine lebenswichtige Koffeindosis, die ihm Cherry besorgte, bevor er aufstand und sich mit einem Lächeln auf den Lippen an die Wand neben die Jugendlichen lehnte. Er hatte selbst gezögert, den Rumtreibern, Lily und seinen so genannten zukünftigen Großeltern etwas zu schenken, doch er hatte auf diese Idee verzichten müssen, als er sich dessen bewusst geworden war, dass er dann als ihnen zu nah erscheinen würde. Hier war er nur ein einfacher Auror und Lehrer in Hogwarts, der hierher geschickt worden war, um die Einwohner dieses Hauses zwei Wochen lang vor einem schwarzen Magier zu schützen, der es auf sie abgesehen hatte.
Er wusste aber, dass Severus nicht verraten würde, wer ihm Satis geschickt hatte, so wie er die Schlange wie eines der zu seltenen Geschenke, die er je bekommen hatte, lieben würde. Und Severus brauchte jede Hilfe, die ihm gegeben werden könnte. Satis, obwohl sie noch jung und ungefährlich war, würde Harry warnen können, wenn dem jungen Mann irgendwas geschah, und der Auror hatte sie ausdrücklich darum gebeten, ihn zu bewachen.
Ein leiser erstaunten Schrei zog ihn aus seiner Überlegung und er beobachtete James, der eine viereckige Verpackung mit einem Griff zerriss.
„Sirius, was ist denn das?"
Harry erkannte sofort den Gegenstand und spürte, wie sich sein Herz plötzlich vor Wehmut zusammenkrampfte, als er an seinen Zwillingsbruder dachte, der irgendwo in seinem Koffer gesteckt war. Sirius hatte ein breites Lächeln und antwortete:
„Das siehst du doch, lieber James, das ist ein Spiegel! So wirst du es vielleicht schaffen, dich am Morgen zu kämmen..."
Ohne aufzuhören zu lächeln, erhob Sirius beide Hände vor sich, als wollte er sich vor dem düsteren Blick seines Freundes schützen.
„Ich scherze, alter Freund! Schau mal..."
Der junge Mann zog einen zweiten Spiegel aus seiner Tasche und schwang ihn vor James: Er sah genauso ähnlich aus wie der erste. Krone sah ihn skeptisch an, während Sirius den Gegenstand wieder vor sich hielt, hinein sah und deutlich aussprach:
„James Potter."
James hob kommentarlos eine Augenbraue und wartete, bis Harry einen Arm über seine Schulter fuhr und ihm seinen eigenen, auf seinen Knien liegenden Spiegel zeigte.
„Schauen Sie hier, James", erriet er.
Krone senkte den Blick und schreckte heftig hoch: Sirius schaute ihn mit einem spöttischen Blick aus dem verzierten Rahmen an. Verblüfft näherte er den Gegenstand seinem Gesicht und beobachtete ihn genau.
„Dieses Ding erlaubt zu kommunizieren?"
Im genauen Augenblick, als die Wörter aus seinem Mund kamen, erklang seine Stimme wie in einem Echo, das von Sirius' Spiegel verursacht wurde. Tatze lächelte noch einmal und fuhr mit seiner Hand über den Gegenstand, um die Kommunikation zu unterbrechen.
„So werden wir ja immer noch schwatzen, auch wenn einer unter uns im Nachsitzen oder am anderen Ende von Hogwarts steht..."
„Hey! Nicht schlecht!", meinte James enthusiastisch.
Lily schüttelte den Kopf und rollte die Augen, dann schenkte sie ihrem letzten Geschenk wieder ihre Aufmerksamkeit. Sie hatte schon jene ihrer Eltern und ihrer Freundinnen ausgepackt und sie erwartete nicht, eines von ihrer Schwester zu bekommen. Daher war ihr die Abstammung dieses Päckchens sehr rätselhaft. Neugierig zog sie das bunte Papier ab und entdeckte eine kleine würfelförmige dunkelblaue Schachtel. Und diese Schachtel beinhaltete einen Halsschmuck, der aus einer feinen goldenen Kette bestand, an deren Ende einen Anhängerschmuck aus Perlmutt und Bernstein hing, der einen Schwan darstellte. Das Bild war so delikat, dass es fast lebendig erschien.
Lily hörte auf zu atmen, als würde sie davor fürchten, dass jeder Luftzug den Schmuck endgültig beschädigen würde, und hob ihn bewundert vor ihre Augen. Dann bemerkte sie schließlich die Karte, die auf dem inneren Rand der Schachtel gefaltet war, und sie entfaltete sie.
Lily,
ich weiß, dass es dich ärgern wird, dass ich dir solche Dinge schenke, und dass du noch eine Menge unangenehmer Konnotationen finden wirst, aber tja, umso schlechter. Ich weiß auch, dass der Schwan echt ein Klischee ist – Reiz, Reinheit, usw. – aber noch einmal, umso schlechter. Als ich es gesehen habe, habe ich der Idee nicht widerstehen können, es dir zu schenken, also, frohe Weihnachten.
James.
P.S: Rede bitte nicht vor Sirius darüber! Auch er liebt es, überall Konnotationen zu suchen...
Lily warf James, der eben aufstand, um seinen Eltern zu danken, einen schiefen Blick zu. Der junge Mann sah ihren Blick und lächelte ihr verstört zu. Lily hatte den Eindruck, dass er sich anschickte, sich zu entschuldigen. Ohne wirklich zu wissen, warum, verspürte sie den plötzlichen Bedarf, ihn zu beruhigen. Da sie sich am letzten Augenblick daran erinnerte, dass Sirius nicht weit war, lächelte sie einfach begeistert und beeilte sich, den Schmuck sorgfältig zu hängen. James sah erleichtert aus. Mit einem letzten schiefen Lächeln entfernte er sich zu seinen Eltern.
Anne und George stießen eben begeisterte Ausrufe aus über die Geschenke, die sie von Lily bekommen hatten.
„Aber Lily, das war doch nicht nötig!", rief Anne aus, indem sie sich fast auf das Mädchen stürzte.
Lily sah verdutzt aus.
„Oh, das ist doch nicht viel, wissen Sie", stotterte sie. „Und das war ja das Wenigste, was ich tun konnte, um ihnen zu danken, mich während der Ferien bei Ihnen zu Hause empfangen zu haben..."
George hielt in der Hand seine Flasche Muggelwein und bewunderte immer noch die Etikette, während Anne das Mädchen ganz heftig auf die beiden Wangen küsste.
„Die Muggelparfums sind viel verschiedenartiger als die aus der Zaubererwelt! Danke, Lily, das gefällt mir sehr", sagte sie noch einmal, was die junge Gryffindor erröten ließ.
„Sehr gerne..."
Harry betrachtete lächelnd das vollkommene Durcheinander, das nun am Fuß des Tannenbaums herrschte. Weihnachten, Weihnachten... Er brauchte eine Weile zu bemerken, dass Sirius an seiner Seite stand und ihn hartnäckig anstarrte. Er blickte fragend zu ihm.
„Bekommen Sie nichts, Professor?", fragte der junge Mann perplex.
„Oh! Nein", lächelte Harry. „Ich habe schon längst die Bände mit meiner Familie gebrochen und hier in England kenne ich wenige Leute."
Entsetzt öffnete Sirius weit die Augen.
„Das hätten Sie sagen sollen! Wir hätten Ihnen etwas geschenkt!"
„Das ist nicht nötig, Mr Black...", antwortete Harry verlegen.
„Aber doch! Weihnachten ohne Geschenke ist keine Weihnachten. James! Komm her, ich muss mit dir reden!"
Und der junge Mann lief ganz schnell weg, bevor Harry irgendwas hinzufügen konnte. Er blinzelte ein oder zwei Male, dann erschien langsam ein Lächeln auf seinen Lippen. Die Bände mit seiner Familie gebrochen... Was man doch alles erfinden musste, um eine Deckung zu behalten. Seine Familie war hier.
Und das war so ganz perfekt.
