Hallo an alle! Hier bin ich wieder mit dem nächsten Kapitel von der französischen FF von Dragonwing4 Changer le passé. Viel Spaß beim Lesen und einen herzlichen Dank an Verliebtindich, meine Betaleserin.

Disclaimer: Alle bekannten Charaktere und Orte gehören zu Mrs. Rowling und die Geschichte und die anderen Charaktere gehören zu Dragonwing4. Ich habe nur übersetzt.

Spoiler: Die ersten fünf Bände.

Anmerkung des Übersetzers: Unten im Kapitel steht der Ausdruck „Ein Engel flog durch das Zimmer". Das ist ein idiomatischer Ausdruck, für den es auf Deutsch, so weit ich – und eigentlich auch meine beiden Betaleserinnen, sowie ein ehemaliger deutscher Dozent von mir – weiß, kein Pendant gibt. Da er eine längere – meistens unangenehme – Stille beschreibt, habe ich es meistens nach dem Vorschlag von LadyAdamas mit „Das Schweigen dehnte sich aus" übersetzt. Hier aber hat die Autorin mit dem Ausdruck gespielt und ihn weiter entwickelt, deswegen habe ich ihn so gelassen.

Eine zweite Chance

Die Vergangenheit verändern

Kapitel 16: Wo bewiesen wird, dass Sirius ein Volltrottel ist und dass Remus kaum mehr taugt:

Der kalte Wind von Ende Dezember hob einige dürren Blätter und ließ die Zweige der Büsche säuseln. James lehnte es ab, sich ablenken zu lassen, hielt seinen Geist gespannt und zu jeder Möglichkeit bereit. In seiner Hand schien sein Zauberstab einstimmig mit seinem Puls zu zittern, den er in seiner Brust mit einer Klangreinheit erschallen hören konnte, die von dem Adrenalin verschärft wurde. Er runzelte die Augenbrauen, änderte leicht seinen Stützpunkt am Boden und blickte sich noch einmal um.

Er wusste von Anfang an, dass er in diesem Kampf gar nicht überlegen war, aber aus Stolz lehnte er es hartnäckig ab aufzugeben. Er presste die Zähne zusammen und bewegte sich langsam nach links, indem er so viel wie möglich unter dem unsicheren Schutz blieb, den ihm eine von der Kälte entlaubte Hecke verlieh. Er sorgte dafür, trotz des Schnees, der unter seinen Füßen knirschte, möglichst leise zu bleiben, hob noch einmal den Fuß und senkte ihn vorsichtig. Nur einem rettenden Reflex verdankte er seinen Sprung nach hinten, als ein aggressiv roter Lichtstrahl den Boden leicht berührte, sich dabei deutlich vom eintönigen weißen Teppich unterschied und schließlich den genauen Ort traf, wo er sich anschickte, den Fuß hinzusetzen. James schluckte und verbiss sich knapp einen Fluch, als er bemerkte, dass der Schnee anfing, an genau jenem Ort zu schmelzen, und den gefrorenen Boden erblicken ließ, den er einen Augenblick vorher noch bedeckte.

Da er dazu entschlossen war, so viel Widerstand zu leisten wie er es konnte, ergriff er seinen Zauberstab ein bisschen fester, bevor er sich nach vorne in den leeren Raum warf, der ihn von der nächsten Hecke trennte. Aus den Augenwinkeln erblickte er eine schnelle Bewegung und das Licht eines Zaubers. Er hob den Arm mit einer Geschwindigkeit und einer Kühnheit, die er bei sich nicht kannte, und schrie:

„Protego!"

Der Schild knallte, als ihn der gegnerische Zauber traf, bevor beide mit einem schimmernden Licht verschwanden. James profitierte von der kurzen Verblendung, die vom Lichtphänomen zwischen ihm und seinem Gegner verursacht worden war, und zog seinen letzten Trumpf mit so viel Energie wie er finden konnte.

„Pyro!"

Zu seiner großen Zufriedenheit flog sofort – in genau dem Augenblick, als sein kleiner Schutz verschwand – ein Feuerball aus seinem Zauberstab in die Richtung hinüber, aus der man ihn angegriffen hatte. James landete schwer – und sehr wenig reizvoll – am Boden, bevor er mehr schlecht als recht wieder aufstand, um sich hinter die Hecke zu werfen, die er gerade eben versucht hatte zu erreichen. Obwohl er schließlich so sehr geschützt war wie er sein konnte, gönnte er sich dennoch keine Erholung und er beeilte sich, sich weiter so still wie ein Hirsch in einem möglicherweise gefährlichen Gebiet zu bewegen.

Er hielt schließlich hinter einer breiten Eiche etwas weiter vom Ort, wo er sich vorher befand, inne, atmete tief ein und auf der Hut versuchte er möglichst diskret, seinen Atem wieder zu finden. Nichts von seinem Gegner erreichte ihn noch, aber James war nicht naiv genug, dass er denken würde, dass ihn sein kleiner Trick schwer hätte treffen können. Die Stille fing außerdem an, ihn zu nerven. Hockend und an den Baumstamm gelehnt, legte James seinen Zauberstab auf seine Knie und zog seine Handschuhe mit seinen Zähnen aus, um kurz auf seine vor Kälte und Spannung gefühllose Finger zu hauchen. Da er keine Zeit verlieren wollte, beeilte er sich, sich wieder warm anzuziehen und prüfte dabei auch den Verschluss seines Mantels und die Lage seines Halstuchs, das er – das war ja ein Wunder – trotz seiner unordentlichen Bewegungen nicht verloren hatte.

Im gleichen Augenblick erreichte das Säuseln eines Stoffes seine Trommelfelle und er ergriff seinen Zauberstab ganz fest, bevor er die Beine anspannte, um beiseite zu rollen und einem neuen Zauber auszuweichen. Er stand eilig wieder auf und schickte sich an, wieder in Deckung zu springen, als das Geräusch des Stoffes die Form einer von einem langen schwarzen Umhang umhüllten Silhouette annahm, die durch die Luft schoss, bevor sie mit einem reizvollen Salto vor ihm landete. James hob sofort seinen Zauberstab, doch er hatte keine Zeit, ein Wort zu sprechen, als er schon die bekannte Empfindung verspürte, wie sein Zauberstab versuchte, ihm zu entkommen. Er spannte sich sofort an, festigte seinen Griff auf seiner Waffe und widerstand hartnäckig dem Expelliarmus.

Da er spürte, dass er die Kontrolle nicht verlieren würde, wartete er nicht darauf, bis der Zauber völlig erlosch, sondern warf den Arm nach hinten und schoss ihn dann mit einem breiten Kreisbogen wieder nach vorne.

„Sagittae!"

Eine Salve Pfeile erschien auf dem von der Spitze seines Zauberstabs gezeichneten Bogen, was seinen Angreifer in Verlegenheit geraten ließ, so dass er ihren Spitzen trotz seines Sprunges beiseite einige Teile seines Mantels ließ. James erlaubte sich ein zufriedenes Lächeln und profitierte von der Ablenkung, um sich zum Boden herunter zu stürzen und eine Handvoll frischen Schnee zu nehmen. Ohne sich die Mühe zu machen, ihr eine korrekte Form zu verleihen, warf er sie zu seinem Gegner, der sein Gesicht im letzten Augenblick mit einer breiten Bewegung seines Arms schützte, so dass der Schneeball in unordentlichen Haufen auf den Boden fiel. Sein endlich wieder freies Sehvermögen bot ihm nur einen neuen Zauber, den er mit einem neuen Sprung beiseite vermied.

James presste die Zähne zusammen und, da er spürte, dass er nichts schaffen würde, versuchte, wieder Zeit zu gewinnen, indem er sich umdrehte, um den Schutz der Büsche zu erreichen. Dennoch verstand er seinen Irrtum in genau dem Augenblick, als er sich umdrehte, während er die Silhouette immer noch anstarrte, die mit einer verwirrenden Einfachheit ihr Gleichgewicht wieder fand, bevor sie ihren Zauberstab mit einer absichtlichen Langsamkeit hob. Kurz trafen sich ihre Augen und James konnte nur darum beten, dass sein Fall nicht zu schmerzhaft sein würde.

„Petrificus Totalus."

Es gab einen stillen Augenblick, dann der dumpfe Lärm eines Körpers, der zu Boden fiel.

Einige Vögel flogen auf, als wollten sie das Ende des Kampfes betonen.

Harry zog schließlich die Kapuze seines Mantels herunter und lächelte dem jungen Mann zu, der am Boden auf dem Bauch so steif wie ein Bügelbrett lag und ihn immer noch anstarrte, so dass der Hals in eine unbequeme Lage gedreht war.

„Das war nicht so schlecht, James. Sehen Sie, wenn Sie wollen. Finite incantatem", fügte er hinzu, indem er seinen Zauberstab noch einmal auf ihn richtete.

James murrte, als er seine Glieder wieder bewegen konnte, dann setzte er sich auf und massierte sich den Hals.

„Von einem Erstklässlerzauber besiegt", seufzte er betrübt.

Nur ein herzliches Lachen antwortete ihm.

oOoOoOoOo

Mit gewölbten Schultern ging James durch die Tür des Herrenhauses der Potters.

„... An eines sollen Sie sich erinnern, James: Sie sollen Ihre Zauber nie schreien", sagte Harry. „Wenn Ihr Gegner die For..."

„James!"

James hob den Kopf, als er die bekannte Stimme hörte, die zu ihm rief. Sirius warf sich fast zu ihm und ergriff ihn an der Schulter.

„Na denn, was ist mit dir passiert, Alter? Du siehst so schlecht aus!"

„...mel, die Sie aussprechen, nicht hört, so wird er nicht wissen, was er erwarten soll, und wird daher weniger Zeit zur Verfügung haben zu reagieren", schloss Harry, ohne sich zu ärgern, während er seinen Mantel auszog. „Guten Tag, Mr Black."

Sirius drehte sich plötzlich um und legte verlegen eine Hand auf seinen Mund.

„Mensch! Entschuldigen Sie, Professor, Sie waren gerade dabei etwas zu sagen?"

Harry lächelte nur.

„Guten Tag, Professor."

„Guten Tag, Mr Lupin", antwortete Harry und stellte sich seinem Schüler gegenüber. „Ist es schon so spät, dass Sie beide schon angekommen sind?"

„Es wird bald neunzehn Uhr sein, Professor", benachrichtigte ihn Sirius neugierig. „Was machten Sie beide draußen am Silvesterabend, wenn es nicht zu aufdringlich ist?"

„Das ist zu aufdringlich", antwortete James mit schmollendem Ausdruck.

Sirius setzte einen empörten Ausdruck auf, indem er seinen besten Freund mit einem tadelnden Blick anstarrte, worauf James erwiderte, indem er ihm die Zunge herausstreckte.

„Wie reif ist es, Mr Potter", meinte Remus, indem er den Kopf schüttelte und die Augen rollte.

„Man soll es ihm verzeihen", griff Lily, die die Treppe herunterlief, um sich ihnen zu nähern, mit einem Lächeln ein. „Harry hat James eben eine schwere Niederlage erleiden lassen, das ist normal, dass er schlecht gelaunt ist."

„Lily!", rief James bestürzt aus. „Du hast uns aus deinem Zimmer ausspioniert!"

„Aber gar nicht! Ich beobachtete Ihnen! Übrigens war das sehr belehrend..."

Lily lächelte ihm spöttisch zu, grüßte Remus und Sirius mit einer Handbewegung, dann entfernte sie sich zum Wohnzimmer, aus dem sie Stimmen hören konnten. Wütend folgte ihr James sofort, während ihm die anderen beiden Rumtreiber folgten.

„Oh ho!", meinte Sirius mit einem bösen Leuchten im Blick. „Ich wusste, dass eine interessante Geschichte dahinter steckt. Erzähl mal, James!"

James blickte mit einem tiefen Seufzer zum Himmel hinauf, als wolle er sich an ihn wenden. Harry versteckte mehr schlecht als recht sein Lächeln, als er den drei jungen Männern folgte, nachdem er seinen Mantel auf einem Kleiderhaken gehängt hatte, der an der Wand hing.

„Ach! James, Harry, da sind Sie ja!", rief George aus, als er sie beide ankommen sah. „Ich muss gestehen, dass ich mich anschickte, Cherry Sie abholen zu lassen. Wo waren Sie, wenn es nicht aufdringlich ist?"

James stieß ein beinahe verzweifeltes Murren aus und legte eine Hand auf sein Gesicht.

„Hm... Wir sind im Garten spazieren gegangen, George", antwortete Harry, indem er sich die Lippe biss, um nicht zu lachen.

Der Heiler hob eine Augenbraue und starrte sie abwechselnd an, doch er sprach kein Kommentar. Harry profitierte davon, um die anderen Anwesenden des Raums zu betrachten, der dank Cherry sehr schön geschmückt war. Anne, die sich in einem Sessel neben dem Kamin befand, beobachtete die ganze Szene mit einem amüsierten Ausdruck. Ihr gegenüber saß ein Paar, das ihm undeutlich bekannt erschien und ihn mit freundlicher Neugier anstarrte.

„Harry", fuhr George fort, was den jungen Auror aus seinen Gedanken zog, „lassen Sie mich Sarah und Jonathan Lupin vorstellen, Remus' Eltern. Sarah, Jonathan, Harry Davies ist dieses Jahr, wie es euch die Jungs wahrscheinlich bereits gesagt haben, einer der Lehrer in Verteidigung gegen die dunklen Künste von Hogwarts."

„Der beste Lehrer in Verteidigung gegen die dunklen Künste, den Hogwarts je gekannt hat, meinen Sie!", rief Sirius enthusiastisch aus.

James streckte den Arm aus und tätschelte freundlich den Schädel seines besten Freundes.

„Na klar, na klar, Sirius."

„Na was? Das stimmt doch!"

Hinter ihnen rollte Remus die Augen zu seinen Eltern, die einen amüsierten Blick wechselten – offenbar waren sie an den Übermut des jungen Gryffindors gewöhnt. Jonathan stand auf und ging auf Harry zu, der von diesem neuen Beweis bedingungsloser Bewunderung etwas verstört war.

„Remus hat nämlich mit schmeichelnden Worten über Sie gesprochen, Mr Davies. Ich bin sehr erfreut, Sie zu treffen."

Harry lächelte zu ihm zurück und nahm die gereichte Hand an, während sich Sarah auch näherte und den Worten ihres Mannes zustimmte.

„Ich auch, Mr und Mrs Lupin. Aber nennen Sie mich bitte Harry, da es scheint, dass ich hier der jüngste Erwachsene bin..."

„Wie Sie wollen, Harry", antwortete Sarah lächelnd, während auch sie ihm die Hand schüttelte.

„... also ehrlich, in wenigen Monaten werden wir erwachsen sein, und es ist nicht nötig, uns wie Bengel zu betrachten!"

„Sirius, halt die Klappe."

„... Ungerecht."

Mrs Lupin versteckte höflich ihren Lachanfall hinter einer Hand, während Harry und Jonathan einen halb blasierten Blick wechselten.

Diesen Augenblick wählten die Flammen, die im Kamin der Potters faul prasselten, um wieder energischer zu werden und die Farbe momentan zu ändern, indem sie zu einem leuchtenden Smaragdgrün wurden. Einen Augenblick später tauchte eine kleine rundliche Frau aus dem Kamin hervor und fegte dabei einige Rußteilchen aus ihrem Umhang mit der Handfläche weg. Harry, dessen Haltung sich leicht angespannt hatte – man hatte ihn ja als Wächter engagiert, oder? –, entspannte sich, als er bemerkte, dass die Anwesenden bei dieser Ankunft keine besondere Reaktion zeigten.

„Hallo Dorothy", sagte Anne, indem sie aufstand, um zu ihr zu gehen.

„Anne, mein Schatz! Hallo!", rief die genannte Dorothy, indem sie nach vorne schritt, um die Hexe zu umarmen.

Da sie die Passage frei machte, belebten sich die Flammen mit einem neuen grünen Licht, sprangen nach oben und ließen einen neuen Ankömmling frei.

„Hallo Peter!", grüßte James.

Peter fand sein Gleichgewicht wieder und wandte sich mit einem Lächeln auf den Lippen zu seinen Freunden.

„Ich hoffe, wir haben uns nicht zu sehr verspätet? Denn ich will sagen, wenn es der Fall ist, dass es dieses eine Mal gar nicht meine Schuld ist! Dad hatte einen seiner Schuhe verloren und er hat eine gute halbe Stunde gebraucht, um ihn wieder zu finden, also natürlich..."

„Wie kleinlich, in seiner Abwesenheit schlecht von deinem Vater zu reden, Peter Pettigrew", tadelte der Zauberer freundlich, der in jenem Augenblick das Wohnzimmer der Potters betrat. „Ich glaubte, ich hatte dich besser erzogen..."

Peter verzog spöttisch das Gesicht und die drei anderen Jugendlichen bemühten sich nicht einmal darum, ihre Lachen zu verstecken. Harry beobachtete aus der Ecke des Wohnzimmers, wo er sich zurückgezogen hatte, um die Lage einzuschätzen, wie George nach vorne trat, um den letzteren Ankömmling zu begrüßen. Jonathan brauchte nicht lange, um ihn zu orten, und ihn mit sich zu einer neuen Vorstellungsrunde zu ziehen.

Offensichtlich hatte Peter den Körperbau seiner Mutter, Dorothy, geerbt, während sein kastanienbraunes Haar und ein großer Teil seiner Persönlichkeit von Harold Pettigrew, seinem Vater, kamen. Der Mann erschien nämlich als relativ leichtsinnig und mit einem ziemlich schwachen Charakter und ließ gerne seine Frau die Sachen verwalten. Dorothy war im Gegenteil eine heftige und fesselnde Frau, die sehr dazu neigte, überfürsorglich zu sein. Sie erinnerte Harry stark an Molly Weasley und mehrmals an diesem Abend überwältigte ihn eine Nostalgiewelle, wenn er sie den Kragen ihres Mannes wieder richtig stellen oder ihrem Sohn gebieten sah, aufrecht zu sitzen.

Wie auch immer wurde Harry von dieser kleinen Versammlung ganz schnell angenommen und ließ sich in ein Gespräch über die Politik ziehen, die vom Zaubereiministerium geführt wurde. Anne stellte ihrerseits Dorothy und Sarah Lily vor, die bald von ihnen angenommen wurde. Sirius nahm an ihrem Gespräch teil und verspottete selber den ach so guten Lewis. Auf der anderen Seite des Raums hörte Peter Remus zu, der ihm das Prinzip eines Zaubers erklärte, den er Schwierigkeiten hatte zu beherrschen, und James versuchte, Cherry davon zu überzeugen, nicht mehr Aperitif zu bringen als der niedrige Tisch tragen konnte.

Harry, der die herzliche Stimmung genoss, bemerkte aus den Augenwinkeln, dass George den Kamin versperrte, so dass keiner mehr mit Flohpulver ins Herrenhaus hineinkommen konnte, und erlaubte sich, sich zu entspannen, da er darauf vertraute, dass die Alarme, die er um das Herrenhaus gestellt hatte, ihn warnen würden, wenn irgendwas geschehen sollte.

oOoOoOoOo

„Hey, Moony! Kannst du mir bitte das Salz geben?"

James hob den Kopf, lenkte seine Aufmerksamkeit von seinem Teller und schaute zu, wie der Salzstreuer einige Zentimeter entfernt an seiner Nase vorbeiflog und ruhig bis zu Sirius' ausgestreckter Hand schwebte, der ihn mit einem breiten Lächeln empfing.

„Danke, lieber Remy!"

Remus, der rechts von James saß, murrte drohend gegen diesen neuen Spitznamen, was bei Sirius keine andere Reaktion verursachte als ein noch breiteres Lächeln. Tatze kehrte zu seinem Essen und zu seinem fesselnden Gespräch mit Peter über das pikante Thema von Professor Scotts hypothetischer Frau zurück. Diese einigen Pausenaugenblicke hatten ihm erlaubt, seine Lachtränen wegzuwischen und zu versuchen, sein Essen wieder anzufangen. Vergeblich, da er einen Augenblick später wieder in lautes Gelächter ausbrach.

Nachdenklich drehte James wieder den Kopf nach rechts, wo Remus mit seinem Vater sprach, als wäre nichts geschehen. Da er seinen Blick fühlte, sah er ihn fragend an, worauf James nur mit einem Lächeln und einer undeutlichen Handbewegung antwortete. Sobald der junge Werwolf ihm aber den Rücken zugewendet hatte, wurde sein Lächeln etwas berechnender. Zu seiner Linke hatte Peter schließlich davon profitiert, dass sich Sirius in Georges und Harrys Gespräch eingemischt hatte, um wieder anzufangen zu essen. James stieß Wurmschwanz leicht mit dem Ellbogen an und beugte sich diskret zu ihm herüber.

„Was ist los, James?", fragte Peter neugierig.

James lächelte wieder.

„Hast du nichts bemerkt?"

Peter blickte sich um, dann schenkte er ihm perplex wieder seine Aufmerksamkeit, indem er mit den Schultern zuckte.

„Sirius und Remus", flüsterte James, während sich sein Lächeln verbreitete.

Peter blickte links und rechts von sich, dann starrte er ihn noch ein Moment lang an, ohne zu verstehen. Schließlich glänzte das Verständnis in seinem Blick und er lächelte James begeistert zurück.

„Nach dem Essen ziehen wir ihnen die Würmer aus der Nase", murmelte James so leise, wie er konnte, da er bemerkte, dass Remus anfing, ihnen argwöhnische Blicke zuzuwerfen.

Peter nickte und sie wechselten einen schelmischen Blick, während sie zu ihrem Essen zurückkehrten.

Auf der anderen Seite des Tischs fühlte sich Harry, wie soll man sagen... nervös. Der Grund dafür war wahrscheinlich seine liebenswürdige Tischnachbarin, die sich durch den größten Zufall als Anne Anastasia Potter erwies. Seine Tischnachbarin also und auch die regelmäßigen Blicke, die sie ihm zuwarf. So wie ihre schiefen Lächeln.

Die relative Ruhe der letzten Tage hatte Harry einen falschen Eindruck der Sicherheit gegeben, was, das erkannte er nun, ein schlimmer Fehler gewesen war. Denn Anne war eine starrsinnige Person und, wenn er nach ihrem aktuellen Verhalten urteilen konnte, so hatte sie ihr verkürztes Gespräch vom Anfang der Schulferien so wie die höchst unzufriedenstellende Art und Weise, wie Harry auf ihre Fragen reagiert hatte, gar nicht vergessen.

Still schluckend wappnete er sich dafür, nicht weiter fliehen zu können, und bemühte sich darum, für die Wissenschaftlerin glaubwürdige Antworten zu finden. Schnell.

oOoOoOoOo

Was man verspricht, muss man auch halten.

Sirius und Remus hatten ihre Teller eisigen – und natürlich verzauberten – Weihnachtskuchen kaum aufgegessen, dass James mit einem Sprung aufstand, seinen Stuhl dabei beinahe umkippen ließ und Peter mit sich zog. Die noch am Tisch sitzenden Leute warfen ihnen einen fragenden Blick zu, da sie von dieser Hast überrascht waren.

„Was ist los, James?", fragte George perplex.

„Tut mir Leid", antwortete James etwas verlegen. „Aber Peter, Sirius, Remus und ich müssen unbedingt ein... ähm... wesentliches Gespräch führen!"

„Wirklich?", erstaunte sich Sirius' Stimme von unter dem Tisch her, wohin er sich gestürzt hatte, um seinen verzauberten Weihnachtsmann aus Puderzucker einzuholen, der verzweifelt versuchte, dem wenig beneidenswerten Schicksal zu entkommen, das ihm die Zähne des jungen Mannes boten.

„Ja, das ist wesentlich", wiederholte James, indem er seinen besten Freund am Kragen ergriff, bevor er ihn zur Tür zog.

„Hey, aber James!", protestierte Sirius halb schleppend, halb gehend. „Mein Weihnachtsmann!"

Ohne auf sein Ächzen zu hören, zog ihn James in den Gang hinaus, von Peter dicht gefolgt, der sich darum kümmerte, Remus hinter sich her zu ziehen, wobei der junge Werwolf einen so wenig informierten Ausdruck trug wie sein Mitschüler.

Irgendwo um die Höhe des Bodens lehnte sich ein Weihnachtsmann aus Puderzucker an ein Tischbein und wischte sich die Stirn mit einem Erleichterungsseufzer, bevor er von einer Hand ergriffen wurde, die so groß war wie er, und seine kurze Existenz in einem gefräßigen Mund beendete. Vor den amüsierten Blicken, die er bekam, zuckte Harold mit den Schultern und lächelte verlegen.

„Ich habe eine Schwäche für Puderzucker...", gestand er.

oOoOoOoOo

Peter schloss die Tür von James' Schlafzimmer und lehnte sich daran, wohl dazu entschlossen, dass keiner der Befragung entging, die folgen sollte. Remus warf ihm einen etwas verwirrten Blick zu, dann drehte er sich zu James um, der Sirius in der Mitte des Raums hatte fallen lassen, um sich auf sein Bett zu werfen, so dass Sirius ganz schlaff auf dem dicken Teppichboden lag. Nun saß Krone im Schneidersitz auf seiner weichen Bettdecke und starrte sie abwechselnd mit einem schelmischen Leuchten an, das drei Kilometer in der Runde beinahe schrie: „Vorsicht, Rumtreiber!". Remus schaute mit einem völlig verständnislosen Blick zurück, während ihm Sirius keine Aufmerksamkeit schenkte, da er zu sehr damit beschäftigt war, jedes seiner Glieder wieder in seine richtige Stellung zu bringen und mit einer übertriebenen Langsamkeit wieder aufzustehen – alles murrend, natürlich.

„Gut, James", sagte er schließlich mit schmollendem Ausdruck. „Was ist dieses wesentliche Ding, von dem wir sprechen müssen und das so wichtig ist, dass es das Verlassen meines Weihnachtsmannes aus Puderzucker rechtfertigt?"

„Kannst du nicht fünf Sekunden lang aufhören, an diesen Weihnachtsmann zu denken?", seufzte James, der dabei seinen schelmischen Ausdruck verlor, um vom Sinn der Prioritäten seines besten Freundes bestürzt auszusehen.

„Nööö! Wenn ich denke, dass er lecker aussah! Jetzt hat ihn wahrscheinlich schon jemand anders gegessen! Ehrlich, Krone, wie grausam bist du deinem guten alten Tatze gegenüber... Was habe ich dir denn angetan, dass ich solch eine Behandlung verdient habe?"

Beinahe in Tränen zerfließend warf sich Sirius auf James' Bett und erniedrigte sich an seinen Füßen.

„Egal, welches mein Verbrechen dir gegenüber ist, mein Freund, mein Bruder, so sollst du sicher sein, dass ich es in meiner Seele zutiefst bedauere – obwohl ich mich immer noch nicht daran erinnere, denn wie könnte immerhin ein Engel wie ich je etwas Böses tun, ob absichtlich oder nicht? –, aber ich bitte dich, ich flehe dich an, James, mein wertvollster Freund, sei nie mehr so grausam zu mir. Verbiete mir niemals mehr, einen Weihnachtsmann aus Puderzucker zu essen!"

Und auf diese Worte voller unerträglicher Rührung beugte sich Sirius, auf dessen Gesicht Tränen flossen, heftig zu James hinüber mit dem Ziel, ihn in eine brüderliche und freundliche Umarmung zu ziehen, um ihre unzerstörbare Neigung zu versiegeln.

James streckte eine Hand gegen Sirius' Gesicht aus, um ihn fernzuhalten.

Die Geigen, die im Hintergrund das Heulkonzert spielten, ließen einen oder zwei quietschende Töne hören, bevor sie zu Staub wurden, während die Blumen, die in James' Zimmer unerklärlich gewachsen waren, plötzlich verwelkten, bis sie nur noch ein Aschenhaufen wurden, und das Ganze verschwand in einem Windhauch – der nicht hätte existieren sollen, da das Fenster zu war –, der da war, um die Stille auszufüllen. Wie durch einen Zauber erschienen Peter und Remus wieder, die die Szene mit einem – fast – blasierten Blick beobachteten.

„Zuckerüberdosis", behauptete James mit einer Stimme, die keine Widerlegung erlaubte.

„Abeeeer, Jaaaaaaamesssss", ächzte Sirius, indem er sich ein bisschen entfernte, um seine getäuschten Tränen mit dem Ausdruck eines liebenswürdigen Hündchens wegzuwischen, das nicht versteht, warum er einen Fußtritt in den Hintern bekommen hat, während er unschuldig an dem Schinkenteller, der auf dem Tisch lag, schnüffelte.

James ignorierte ihn völlig und bemühte sich darum, die Bettdecke, die von Sirius misshandelt worden war, sorgfältig zu glätten, während Letzterer sein Unwohlsein, seine Verzweiflung und seine Einsamkeit in der anderen Ecke des Zimmers weinen ging.

Remus stieß einen unhörbaren verzweifelten Seufzer aus, dann entschloss er sich, sich zu räuspern, was Krones Aufmerksamkeit auf ihn lenkte.

„Nun, James, worüber sollten wir reden?", fing er wieder an, indem er sich dem Bett näherte und sich am Boden seinem Freund gegenüber setzte.

Das Leuchten „Vorsicht, Krone ist da, flieht, ihr armen Sterblichen!", auch Leuchten-des-höchst-rumtreiberisch-handelnden-Rumtreibers-Vorsicht-meine-Freunde-da-wird-es-einem-sehr-weh-tun genannt, kehrte ganz stark in James' Blick zurück und Letzterer richtete sich wieder spöttisch auf.

„Aber über euch beiden, natürlich."

Hierauf wandte Sirius seine Aufmerksamkeit von seiner ehrfürchtigen Betrachtung der Wand, um ihm einen schiefen Blick zuzuwerfen, wechselte dann einen perplexen Blick mit Remus und zuckte mit den Schultern.

„Hast du zu viel Rumsauce getrunken, James?", suggerierte Remus mit einem viel sagenden Ausdruck.

„Wenn er erhitzt wird, enthält der Rum nur noch wenig Alkohol, wisst ihr", griff Peter ein, der immer noch an die Tür gelehnt war. „Tja, das wiederholt mir zumindest meine Mutter ständig", murrte er errötend, als er zum Ziel des kombinierten Gewichts ihrer ungläubigen Blicke wurde.

„Gut, Schluss mit dem Geschwätz", beschloss James und änderte seine Lage auf der Bettdecke, indem er sich auf den Bauch legte und sich nach vorne auf seinen Ellbogen stützte, um seine beiden zukünftigen Opfer mit seinem inquisitorischen Blick zu durchbohren. „Und kommen wir zur Kernfrage."

Peter ging schließlich von der Tür weg, nachdem er geprüft hatte, dass sie versperrt war, und stellte sich neben das Bett links von Krone mit gekreuzten Armen und einem genau so sehr entschlossenen Ausdruck. Seltsamerweise fingen Sirius und Remus an, sich nervös zu fühlen.

„Was?", ließ Sirius vernehmen, der nun neben Remus – dem Einzigen, der in dieser Geschichte keine Drohung zu sein schien – im Schneidersitz saß, und bewegte sich dabei unwohl. „Haben wir einen Schnitzer begangen?"

James tat, als würde er darüber nachdenken.

„Oh, das kommt darauf an..."

„Hmm... Worauf, genau?", fragte Remus mit einem vorsichtigen Ton.

„Na, darauf ob ihr die Tatsache, eine Woche lang damit verbracht zu haben, einander zu ignorieren..."

Feierliches Nicken von Peter.

„... es hartnäckig abzulehnen, euch im gleichen Augenblick im gleichen Raum zu befinden..."

Erneutes Nicken.

„... uns, Peter und mich, dazu zu zwingen, wie zwei Volltrottel mitten im Schlachtfeld zu stehen..."

Heftiges Nicken.

„... und die berühmten und unbezwingbaren Rumtreiber während sieben langer Tage wegen eines internen Konfliktes untätig zu machen..."

Viertes, ernsthaftes und strenges Nicken.

„... als einen Schnitzer betrachtet. Denn in diesem Fall, ja, ihr habt einen Schnitzer begangen."

Eine Stille. Lange, sehr lange Stille.

Dann schienen es Remus' und Sirius' Gehirne endlich zu schaffen, die Informationen zu verarbeiten, die ihnen gegeben wurden, und sie wechselten einen rein entsetzten Blick, bevor sie plötzlich das Gesicht errötend abwandten.

Es gab eine andere lange Stille.

Ein Heer von Engeln mit blonden Haaren und weißen Kleidern flog durch das Zimmer und hinterließ dabei einen dichten Federteppich auf dem Teppichboden von James, der seine Freunde anstarrte, ohne zu blinzeln. Schließlich sperrten sich seine Augen weit auf.

'Sagt mir doch nicht, dass...'

„... Ihr hattet vergessen..."

Remus' und Sirius' Erröten wurde heftiger als es je gewesen war – wenn man das Mal ausschließt, als die Rumtreiber, die damals noch Fünftklässler waren, mitten in der Nacht in einen Mädchenschlafsaal von Gryffindor geschlichen waren und als Remus der Unterwäsche der Schlafenden plötzlich gegenübergestanden hatte, nachdem er einen beliebigen Schrank aufgemacht hatte – aber tja, das war hier doch nicht das Thema. James legte eine ermüdete Hand gegen sein Gesicht und zwang sich, langsam und ruhig auszuatmen. Neben ihm schien Peter nicht mehr zu wissen, ob er in ein lautes hysterisches Gelächter ausbrechen oder vor Verzweiflung den Kopf gegen das Traggerüst von James' Himmelbett schlagen sollte. Und das wiederholt machen.

„Gut", ließ James mit einer ermüdeten Stimme los, indem er die Vokal stark betonte. „Was, wenn wir mit dem Beginn anfangen würden?", suggerierte er.

Sirius wagte es, sich umzudrehen, um ihn anzusehen, während Remus die Wand ihm gegenüber hartnäckig anstarrte.

„Ähm... Mit welchem Beginn?", ließ er mit einer etwas schwachen Stimme vernehmen.

James starrte ihn nur mit einem ausdruckslosen Gesicht an und es war Peter, der weitersprach.

„Was, wenn ihr damit anfangen würdet, uns zu sagen, warum ihr euch nicht mehr riechen konntet?", ächzte er mit einer Stimme, die von James' Bettdecke, in die er sein Gesicht als Kompromiss zu seinem vorigen Dilemma gesteckt hatte, etwas gedämpft wurde.

„Ähm... Irgendwie war ich mehr oder weniger daran Schuld... vermute ich...", fing Sirius an, indem er mit einem mehr oder weniger nachlässigen Ausdruck nach rechts und links wippte.

„Natürlich warst du daran Schuld!"

Remus hatte sich wieder gefangen und warf ihm einen düsteren Blick zu.

„Du bist es, der angefangen hat, mir ständig vernichtende Blicke zuzuwerfen und es abzulehnen, mit mir zu reden, so weit ich weiß!"

„Aber du hast es verdient!", erwiderte Sirius empört. „Du verkehrtest ständig mit Snape, und du verhieltst dich auf eine bizarre Weise, und, und...!"

Peter hob den Kopf und warf ihnen einen perplexen Blick über seine Schulter zu.

„Was? Hey, Momentchen, da!", griff James ein, der genauso sehr verwirrt war. „Was ist denn das für eine Geschichte?"

„Er ist es! Er..."

„Blödsinn!", rief Remus aus, der Sirius unterbrach, indem er empört den Kopf schüttelte. „Wirklich nichts als Blödsinn, Sirius Black! Ich verkehrte nicht mit Snape!"

„Ach wirklich? Wie erklärst du also, dass ich euch letztes Mal zusammen in den Kerkern gesehen habe? Ihr habt doch nicht so ausgesehen, als würdet ihr euch schlecht miteinander verstehen!"

„Das darf doch nicht wahr sein! Jetzt spionierst du mich aus?"

„Natürlich nicht, ich habe euch zufällig gesehen! Aber hör mal auf, das Gespräch abzulenken! Was machtest du mit Snape?"

„Was ist denn diese krankhafte Not, dass du um jede Stunde tags und nachts wissen musst, was ich tue und mit wem ich zusammen bin? Eifersucht?"

„Was! Was erzählst du denn da? Das ist nicht... Das ist lächerlich! Ich will nur wissen..."

Ruhe!"

Remus und Sirius schlossen sofort den Mund und richteten sich so steif wie Besenstiele wieder auf. Peter, der auch hochgeschreckt war, warf James einen vorwurfsvollen Blick zu und entfernte sich ein bisschen von ihm.

„Da ihr es so meint, so stelle ich die Fragen und ihr macht den Mund nur dafür auf, sie zu beantworten", entschloss James mit einem kategorischen Ton.

Ohne auf Sirius' empörte Proteste zu warten, fuhr er sogleich zu Remus fort:

„Was ist diese Geschichte mit Snape?"

Der junge Mann ließ einen 'Hmpf' los und warf Tatze einen verachtenden Blick zu.

„Kaum mehr als eine Erfindung von Sirius' paranoidem und durchgedrehtem Geist, ehrlich..."

„Hey! Ich weiß, was ich gesehen habe...!"

Sirius stoppte plötzlich und legte die Hände zu seinem Hals, indem er James einen vernichtenden Blick zuwarf.

„Ich habe gesagt: Nur, um meine Fragen zu beantworten", sagte Krone, indem er seinen Zauberstab nachlässig bewegte, um seine Meinung zu betonen.

Sirius warf ihm einen letzten düsteren Blick zu und fing an, still zu schmollen, da ihm keine andere Lösung übrig blieb.

„Also...?", fuhr James fort.

„Snape half mir im Zaubertränkeunterricht", antwortete Remus, indem er die Augen rollte.

Peter hob eine Augenbraue und Sirius drehte sich um, um seinen „Was sagte ich denn!" mit breiten und wütenden Armbewegung auszudrücken. Remus beugte sich gelenkig, um zu vermeiden, einen Schlag im Gesicht zu bekommen, und fuhr fort, indem er ihn ignorierte:

„Vor einigen Wochen habe ich ihn am Ende des Unterrichts erwischt und wir haben miteinander gesprochen. Wir haben miteinander ein Abkommen getroffen..."

Sirius stand mit einem Sprung auf, während seine Lippen eine heftige Schmährede aussprachen, die leider für die Menschheit verloren ging.

„... und er hat es angenommen, mir in Zaubertränken zu helfen, während ich ihm in Verwandlung ein bisschen half. Das ist alles."

Und Remus zuckte mit den Schultern, indem er zum Himmel hinauf blickte.

„Also war es nur eine Art Vereinbarung?", meinte Peter.

„Ja klar! Ich gab ihm zwei oder drei Ratschläge für seine Verwandlungen und er kümmerte sich darum, dass ich im Zaubertränkeunterricht nicht zu viele Fehler beging, mehr nicht!"

Sirius ergriff schließlich seinen eigenen Zauberstab und wirkte auf sich den Gegenzauber, indem er das drohende Murren seines besten Freundes ignorierte.

„Aber das ist ein Slytherin!"

Remus warf ihm verärgert einen Blick aus den Augenwinkeln zu.

„Professor Davies vertraut ihm, ich halte das für einen ausreichenden Beweis, dass er mich nicht avadakedavrieren wird, sobald ich ihm den Rücken zugewandt haben werde", antwortete er scharf.

Hierauf wusste Sirius nicht mehr genau, was er erwidern konnte. James profitierte davon, um mit einem wenig angenehmen Ton einzugreifen:

„Sag mir doch nicht, dass du es nur deswegen ablehntest, mit ihm zu reden, Tatze?"

„Natürlich nicht! Ich habe es soeben gesagt, er verhielt sich auf eine immer bizarrere Weise, und..."

„Wie bizarr? Ich habe persönlich nichts bemerkt...", meinte Peter.

Sirius warf ihm einen verärgerten Blick zu und erklärte weiter.

„Er schlug immer weniger Streichideen vor, er verbrachte weniger Zeit mit uns, man hatte den Eindruck, dass er uns hochnäsig behandelte!"

Remus legte mit einem verzweifelten Ausdruck eine Hand auf sein Gesicht.

„Ich lernte für die UTZ!", rief er aus.

„Wie bitte?", meinte James mit einem überraschten Blick. „Wir haben Dezember, Moony. Es wird schon noch reichlich Zeit sein, nächstes Jahr anzufangen zu lernen!"

Remus warf ihm einen neutralen Blick zu und betrachtete seine Uhr, indem er eine Augenbraue hob.

„Das heißt in... oh, ein bisschen mehr als einer Stunde. Ja, gute Idee, James, das sollten wir ja tun! Hat jemand seine Schulbücher dabei?", ironisierte er trocken witzelnd.

James errötete leicht.

„Du weißt wohl, dass ich es nicht so meinte, Remus!"

„Die UTZ sind das wichtigste Schuldiplom eines Zauberers, James! Ihr glaubtet doch nicht, dass ich erst einen Monat vorher angefangen hätte zu lernen? Ich vermute wohl, dass es zu viel ist, euch darum zu bitten, so viel vorzugreifen, und ich wusste, dass ihr ein Mittel gefunden hättet zu meckern, wenn ich versucht hätte, euch dazu zu treiben, also habe ich euch nichts gesagt und ich habe allein angefangen zu lernen! Nützt nichts, das zu dramatisieren!"

Und er warf Sirius einen verärgerten Blick zu, der sofort ausrastete.

„Aber du nahmst an unseren Streichen fast nicht mehr teil! Das sollst du sagen, wenn dich unsere Gesellschaft so sehr langweilt!"

„Sirius", bemerkte James weise, „wann haben wir unseren letzten Ausflug als Rumtreiber gemacht?"

„Hm..."

Sirius hob eine Hand zu seinem Kinn und runzelte die Augenbrauen, da er intensiv nachdachte.

„Du meinst, wenn man den ausschließt, als wir Lily und Davies großzügig eine neue Haarfarbe geboten haben? Nun, das soll..."

Seine Augen weiteten sich äußerst stark und er warf sich auf James, um ihn rasend zu schütteln.

„Ein Monat sein! Das ist über einen Monat her, James! Fasst du das! Wir fangen schon an, einzurosten! Obwohl wir noch nicht einmal volljährig sind!"

Und Sirius fiel schluchzend und große Krokodilstränen vergießend auf seinen besten Freund. James tätschelte ihm gedankenlos den Rücken.

„Ja, ja, ja, Sirius, aber nicht das meinte ich", seufzte er. „Wie hätte Remus keinen Streich mit uns machen können, wenn wir selber keinen gemacht haben?"

Sirius, dessen Gesicht plötzlich rätselhaft trocken war, richtete sich auf und fing an, ernsthaft über die Frage nachzudenken, denn sie war – das muss man gestehen – unleugbar logisch.

„Hm... Ach! Ich erinnere mich daran! Er war nicht mit uns gekommen, als wir den letzten gemacht haben, weißt du, den, als wir Pritchards ganze Garderobe in..."

„Ich war beim Nachsitzen."

Sirius warf Remus einen Blick über seiner Schulter zu.

„Äh?", ließ er ganz klug vernehmen, was ihm einen verärgerten Blick einbrachte.

„Ich war beim Nachsitzen, Sirius. Eben wegen des vorigen Streichs."

Ein verspäteter Engel flog eilig durch das Zimmer, um das Heer einzuholen.

„Ach..."

James stieß einen lauten ermüdeten Seufzer aus, streckte den Arm aus und schob Sirius von der Matratze herunter. Es gab einen Laut wie ein 'Bum'. So wie ein undeutliches 'Aua'.

„Gut, da wir nun deutlich festgestellt haben, dass Sirius ein Volltrottel ist..."

„...Hey!...", wurde mit einer schwachen Stimme gesagt.

„...gibt es noch etwas, was ich verstehen möchte. Remus, du wusstest nicht, warum Sirius auf dich sauer war, nicht wahr?"

„Natürlich nicht! Glaube mir, sonst hätte ich ihn seinen Blödsinn klipp und klar verstehen lassen!"

„Und hast du dir die Frage nicht vorher gestellt?"

Remus blinzelte. Zwei Male. Fing dann an zu erröten.

„Na... ich dachte, dass... tja... ich glaubte..."

Seine Stimme erlosch und er fing an, unter ihren irritierten und fragenden Blicken drohend schnell rot im Gesicht zu werden. Schließlich seufzte er und wandte sich ab.

„Ach, vergesst das, das ist unwichtig..."

„...", ließ Sirius vernehmen.

Es ist seltsam, wie manche bestimmten ungestümen Einwürfe, wenn sie von manchen bestimmten ungestümen unterlassen werden, die Aufmerksamkeit erregen können. Unter James' und Peters aufmerksamen Blicken stand Sirius schließlich vom Fuß von James' Bett auf, säuberte seine Kleidung würdig und näherte sich dem jungen Werwolf, der immer noch im Schneidersitz am Boden saß. Nach einer Weile geruhte ihm Remus, den Blick zu ihm zu heben.

„Remus J. Lupin, auch Moony genannt, heute und jetzt werden Sie sterben", sprach Sirius feierlich.

Dann, in einem Wutschrei:

„Ich werde dich zerfleischen und in der Pfanne braten, du blöder Werwolf!"

Remus stieß etwas aus, was wie ein Quieken klang, und versuchte mehr schlecht als recht, dem wütenden Angriff des Animagus zu entkommen, indem er sich so schnell, wie es ihm sein Körperbau erlaubte, auf allen Vieren auf den Teppichboden schleppte. Doch vergeblich, da sich Sirius auf ihn warf und ihn in null Komma nichts zu Boden warf, bevor er anfing, ihn erbarmungslos zu kitzeln.

Peter, der am Fuß des Bettes saß, hob einen perplexen Blick zu James, der nur lange seufzte.

„Wenn man bedenkt, dass er nach sieben Jahren immer noch einen Komplex hinter sich her zieht, der so groß ist wie dieses Herrenhaus. Wenn ich an die Zeit denke, die wir gebraucht haben, um ihn zu überzeugen, dass wir weder ihn wie ein Monster behandeln noch ganz Hogwarts sagen würden, dass er ein Werwolf ist... bekomme ich Kopfschmerzen."

Danach folgte ein weiterer, sehr langer Seufzer. Peter starrte ihn einige Augenblicke lang an, beobachtete, wie Remus vor Lachen weinend gegen Sirius' festen Griff kämpfte, und stand auf.

„Hey, Sirius! Lass mir bitte einen Teil davon!"

James hob den Kopf wieder und setzte ein breites Lächeln auf, bevor auch er sich wieder aufrichtete.

„Vergesst mich nicht! Auch ich will mitmachen!"

Und Remus stieß einen langen erstickten Ton aus, der undeutlich wie ein „Neeiiiiiiiiiiiiiin!" klang, bevor er seinem unkontrollierbaren Lachanfall wieder nachgab.

oOoOoOoOo

Nicht weit von dort teilte Harry gar nicht die Lebensfreude der vier Rumtreiber.

Wie er es erwartet hatte, hatten Annes drängende Blicke bis spät am Abend gedauert, während sich die Erwachsenen, die von Lily begleitet wurden, wieder zum Wohnzimmer zurückgezogen hatten, um ihre Gespräche um verdauungsfördernde Alkohole oder eine Tasse Kaffee weiter zu führen. Um eine momentane, obwohl illusorische Frist zu bekommen, war Harry schließlich aufgestanden und hatte behauptet, er würde nachschauen, wo James, Remus, Peter und Sirius verschwunden waren, da Mitternacht ganz nah ankam.

Das war eine schlechte Berechnung. Eine sehr schlechte Berechnung.

Anne hatte sich beeilt, die Gelegenheit zu nutzen und ihm vorzuschlagen, ihn zu begleiten, und auch wenn ihr Harry versichert hatte, dass es nicht nötig war, hatte sie natürlich nicht wegen so wenig aufgegeben und hatte den Vorwand genutzt, er könnte wohl Hilfe brauchen, wenn die vier Jugendlichen die Idee gehabt hatten, das Neujahr auf eine Art und Weise zu feiern, die den Rumtreibern würdig war. Worauf die anderen anwesenden Erwachsenen heftig genickt hatten. Lily, die in einem Sessel neben dem Kamin saß, hatte sich auf die Lippe gebissen, um nicht zu lachen, und fragte sich offensichtlich, ob sie wirklich wissen wollte, was dahinter steckte...

Wie auch immer befand er sich nun allein mit der Wissenschaftlerin, deren triumphierendes Lächeln deutlich auf ihre Stimmung hinwies, in einem der zahlreichen Räume des Herrenhauses, der während der dreihundertvierundsechzig Tage des Jahres, wenn ihn Anne nicht als ihren persönlichen Befragungsraum benutzte, wahrscheinlich als Arbeitszimmer dienen sollte.

„Na, Harry, setzen Sie sich bitte", suggerierte sie mit einem schelmischen Ton.

Harry seufzte unhörbar, blickte diskret zum Himmel hinauf und versuchte nicht einmal, den Unschuldigen zu spielen, indem er vorgeschlagen hätte, wieder zur Suche nach den vier jungen Männern zu gehen. Resigniert ging auch er nach vorne und setzte sich in den Sessel, der dem von Anne gegenüberstand, die sich hinter den massiven Arbeitstisch aus Eiche gesetzt hatte. Außer diesen wenigen Möbelstücken war der Raum so gut wie leer. Er lehnte sich an die Rückenlehne seines Sessels, legte seine gekreuzten Hände auf seine Knie und hob einen neutralen Blick zu seiner 'Großmutter'.

„Ich schließe daraus, dass Sie eine Lösung für Ihre Probleme gefunden haben?", vermutete er.

Anne, die das folgende Gespräch im Voraus genoss, lächelte und nickte.

„Ja, tatsächlich. Und da ich mir dank Ihrem hervorragenden Rat nicht mehr um die Gesundheit meiner Familie Sorgen machen muss, so wäre ich begeistert, wenn wir unser letztes Gespräch dort fortführen würden, wo es so wenig zufriedenstellend geendet hatte..."

Harry hob eine Augenbraue und warf ihr einen halb amüsierten, halb ermüdeten Blick zu.

„Sie werden nicht aufgeben, bevor Sie das bekommen, was Sie wollen, nicht wahr?"

„Tja, die Tatsache ist, dass ich sehr sauer auf mich sein würde, solch ein großes Rätsel an meiner Nase vorbeikommen zu lassen, ohne zu reagieren, auch wenn Sie ein völliger Fremder wären. Da Sie in Hogwarts lehren und also regelmäßig mit meinem Sohn und seinen Freunden Kontakt haben, ohne einmal vom bemerkenswerten Einfluss zu reden, den Sie auf sie auszuüben scheinen, so denke ich, dass Sie vermuten können, dass ich umso weniger vor habe, aufzugeben."

Während sie diese wenigen Sätze ausgesprochen hatte, war Anne viel ernsthafter geworden und sie starrte Harry erneut mit etwas an, was Misstrauen sehr ähnelte. Der junge Auror senkte den Blick und seufzte. Er hatte wohl vermutet, als er Anne diesen Rat gegeben hatte, dass ihre Dankbarkeit nur kurz dauern würde und dass sie dafür nicht vergessen würde, dass sie keinen richtigen Grund hatte, ihm zu vertrauen. Dennoch hatte er ganz stark gehofft, dass sie das Thema nicht mehr erwähnen würde, bevor er Junction Hill verlassen würde. Wonach es ganz wenig Chancen geben würde, dass er James' Eltern je wiedersehen würde, auch wenn er gar keine Idee davon hatte, was ihm die Zukunft bereit hielt.

Am Ende des Schuljahres würden seine Kollegen und er Hogwarts verlassen und es war gut möglich, dass er weder die Rumtreiber noch Lily und ihre Freundinnen oder noch Severus je wiedersehen würde. Natürlich würde Harry immer versuchen, sie zu überwachen, sei es nur aus der Ferne. Aber er konnte nicht ewig in Hogwarts bleiben und die übrige Welt sich allein mit ihren eigenen Problemen heraushelfen lassen. Wenn er da war, so war es, um das zu verändern, was verändert werden konnte, und er würde es nicht schaffen, wenn er nichts von selbst versuchte. Harry musste über seine nächsten Ziele nachdenken. Zur Zeit hatte er wegen Eddings' ständiger Bewachung und seines Engagements bei den Auroren nur wenig Handlungsmöglichkeiten, aber er hatte sich noch nicht darum bemüht, Lösungen zu finden, da er von der bekannten Routine der Schule gewiegt worden war, und das war wahrscheinlich ein großer Fehler.

Ein etwas verärgertes Räuspern zog ihn aus seinen Gedanken und er drehte wieder den Blick zu Anne um und sah sie nachdenklich an.

„Was möchten Sie wissen?", fragte er schließlich.

„Alles."

„Das ist unmöglich."

Anne runzelte die Augenbrauen, doch Harry ließ ihr keine Zeit zu protestieren.

„Ich denke, dass Sie ganz einfach verstehen können, dass manche Kenntnisse zu gefährlich sind, dass sie dem Erstbesten anvertraut werden könnten, Anne."

Die Hexe schreckte bei der kaum verhüllten Anspielung auf ihre eigene Lage hoch und warf ihm einen düsteren Blick zu, fügte aber nichts hinzu.

„Nun, was möchten Sie wissen?"

„Was können Sie mir anvertrauen?", fragte sie mit einer kalten Stimme.

Harry lächelte ironisch.

„Nichts. Oder zumindest", fuhr er fort, da sie ihm einen neuen düsteren Blick zuwarf und den Mund aufmachte, um sich zu empören, „gibt es nichts, was ich Ihnen anvertrauen sollte. Jedoch scheint es mir, dass wir in einer etwas steifen Lage sind und ich suche gar nicht, Ihr Misstrauen zu mir zu ziehen. Daher will ich gerne meinen guten Willen beweisen."

Auch er starrte sie nun ernsthaft an und fuhr fort:

„Sie sollen aber verstehen, dass es nicht Dinge sind, von denen Sie um sich herum werden reden können. Das würde alles gefährden, was bisher erfüllt worden ist."

Anne sah ihn einen Augenblick lang mit einem seltsamen Ausdruck an, der zwischen Misstrauen und Neugier geteilt war. Schließlich gewann Letztere – Harry sah sehr wohl, was die Hexe dazu getrieben hatte, Wissenschaftlerin zu werden, das war etwa so offensichtlich wie ein Dementor mitten in einer Schäferherde – und sie nickte, um ihn aufzufordern, weiter zu sprechen. Harry starrte sie noch einige Augenblicke lang an, als wollte er sie schätzen, dann stand er auf und ging auf das Fenster zu, wo er seine Augen sich auf dem wunderbaren Gemälde verlieren ließ, das der Garten der Potters darstellte, der von einer dichten Schneeschicht bedeckt und von einer feinen Mondsichel beleuchtet wurde.

Es gab einige stille Sekunden.

„Ich bin nicht aus dieser Welt."

„... ... ! Wie bitte?", sprach Anne mit runden Augen aus.

Harry erlaubte sich ein Lächeln, da er wusste, dass sie es nicht sehen konnte.

„Ich werde Ihnen meine Geschichte erzählen, Anne. Aber Sie sollen mir versprechen, mich nicht vor dem Ende zu unterbrechen."

Über seiner Schulter sah er, wie sie ihm einen argwöhnischen Blick zuwarf und dann unwillig nickte. Harry schenkte wieder dem Fenster seine Aufmerksamkeit.

„Ich bin am 31. Juli 1980 geboren."

Hinter ihm gab es eine Art unverständlichen Knurrens, das er sich bemühte zu ignorieren.

„Als ich meinen ersten Geburtstag erreicht hatte, wurden meine Eltern, ein Zauberer und eine Hexe, von einem schwarzen Magier getötet, der im ganzen Zaubererengland Furcht einflößte. Der Name, den er sich gab, das erfuhr ich erst viel später, war Voldemort."

Diesmal hatte Anne keine Reaktion. Harry hatte den Eindruck, dass er mehrere fremde Parameter zu ihrer Gleichung hinzugefügt und sie dabei zweifellos in eines der schwierigsten Probleme verwandelt hatte, das sie je hatte lösen sollen, und dass sie einfach darauf wartete, dass er ihr die Elemente gab, die zu seiner Lösung notwendig waren.

„Was mich betraf, wuchs ich in voller Unwissenheit der magischen Welt bei Verwandten meiner Mutter auf, die muggelgeboren war. Als ich meinen Brief von Hogwarts bekam, verspürte ich wahrscheinlich den größten Schock meines kurzen Lebens. Mit elf Jahren erfuhr ich von der Existenz einer Welt, die mir völlig unbekannt war, einer Welt, zu der ich von Rechts wegen gehörte. Eine wunderbare Welt, aber eine befristete Welt."

Harry drehte sich um und stand wieder der Hexe gegenüber, die ihn mit einem unergründlichen Ausdruck anstarrte.

„Mehrere Jahre vorher war Voldemort schließlich unschädlich gemacht worden. Leider, und das wussten die meisten Leute zu dieser Zeit nicht, handelte es sich nur um eine zeitliche Ruhepause. Als ich das Ende meines vierten Jahres in Hogwarts erreichte, kehrte Er zurück. Er fand seine Macht, seine Diener wieder und stellte seine Größenideen, die ihn nie verlassen hatten, wieder offen dar. Ab diesem Moment wurde alles immer schlechter..."

Harry senkte den Blick und sein Ausdruck wurde nachdenklich und nostalgisch.

„Seine Rückkehr blieb zuerst unsichtbar und das Leben ging weiter, als wäre nichts geschehen. Während eines ganzen Jahres. Wonach... es ein Mann mit seinem Leben bezahlte, dass er an seine Rückkehr geglaubt hatte."

Eine Träne fiel neben seinen Füßen zu Boden.

„Dieser Mann, das war mein Pate."

Ihm gegenüber hörte er, wie sich Anne leicht bewegte. Er hob den Kopf, aber sah sie nicht an, denn seine Augen waren zu einer Zeit und einem Ort verloren, die er allein sehen konnte.

„Und Voldemort traf schließlich die Entscheidung, ernst zu handeln. Seine Angriffe fielen über die Zauberergesellschaft, bevor sie überhaupt die Zeit hatte, das zu fassen, was geschah. In einigen Monaten tauchte die phantastische Welt, die ich entdeckt hatte, in eine Zerstörungs- und Furchtspirale. In einen Krieg gegen einen Feind, der sich unter uns versteckte. Bald begrenzte sich der Kampf nicht mehr zur bloßen Menschheit und beiderseits kamen andere Wesen zu den Reihen. Die Elfen gehörten zu jenen, die an unserer Seite kämpften.

Es gab riesig viele Opfer, Muggel wie Zauberer, Menschen oder nicht. Aber Voldemort wurde besiegt und seine Seele verschwand endlich auf ewig."

Harry senkte erneut den Kopf und bekämpfte einen drohenden Schluchzer. Auf seinem Gesicht flossen nun die Tränen frei.

„Aber diese magische Welt, so wie ich sie zum ersten Mal gesehen hatte, als ich nur ein elfjähriger Knabe war, diese Welt existierte nicht mehr. Schwer angeschlagen, ruiniert baute sie sich langsam wieder auf und jeder für sich mussten wir alle unsere Wunden heilen und unsere Toten beweinen. Fünf Jahre Krieg... dafür.

Also bin ich geflohen.

Auch dort war ich ein Auror. Man schlug mir einen Auftrag vor, aus dem ich wohl nie mehr zurückkehren konnte. Einen Auftrag, der vielleicht die Dinge ändern sollte. Ich habe angenommen, weil mich nichts zurückhielt. Auch, weil ich verzweifelt etwas tun wollte, egal was. Ich fasse nun, dass es wahrscheinlich Feigheit war und dass ich hätte bleiben sollen. Aber immerhin ist es zu spät und ich werde meine Welt nie wiedersehen."

Es gab einige stillen Augenblicke, bevor ihn Anne sanft dazu trieb, weiter zu sprechen.

„Was ist geschehen?"

Und Harry erzählte ihr von der Tafel der Zweiten Chance, diesem rätselhaften Artefakt, das in einem verlassenen Herrenhaus entdeckt worden war, und von den Inschriften, die auf deren Fläche eingraviert waren. Er erzählte, was er erlebt hatte, als er die Tafel aktiviert hatte, wie er sich in einer Zeit befunden hatte, die wahrscheinlich nicht die Seinige war, in einer Welt, die es zweifellos auch nicht war, aber trotzdem so gleich, so nah... Er sprach von seiner Abrede mit Eddings, von seinem Bestehen bei der Aurorenprüfung und von seiner Zuweisung nach Hogwarts. Er äußerte seinen Willen, das zu ändern, was geändert werden sollte.

Auf seinem Gesicht waren die Tränen getrocknet und hatten ihm rote Augen, aber einen entschlossenen Ausdruck hinterlassen.

Und Anne hörte zu.

oOoOoOoOo

Freundlich streitend, als wäre nichts geschehen, gingen die berühmten Rumtreiber, Schrecken der Schule für Hexerei und Zauberei Hogwarts, schließlich zurück zum Erdgeschoss herunter und trafen ihre Eltern im Wohnzimmer.

„Ach, da seid ihr!", rief George mit gekreuzten Armen aus, als er sie ankommen sah. „Ich habe wohl geglaubt, dass ihr die Entscheidung getroffen hattet, uns im Stich zu lassen! Harry und Anne sind hinaufgegangen, um euch zu suchen, aber es scheint, dass sie euch verpasst haben..."

„Zweifellos, weil wir sie nicht gesehen haben", antwortete James, indem er mit den Schultern zuckte. „Hey, Dad, gibt es noch von diesem Schokoladending?"

„Das ist, um der Verdauung zu fördern, James, das ist nicht, um über eine Stunde nach dem Essen eingenommen zu werden...", seufzte George, indem er die Augen rollte.

„Aber das ist verdammt gut! Na, ist noch etwas davon übrig?", fuhr Sirius hoffnungsvoll fort.

George senkte die Arme und ließ sie so tun wie sie wollten. Einige Minuten später kehrten Harry und Anne zurück. Die Hexe sah zerstreut und außergewöhnlich nachdenklich aus, während der junge Auror keinen besonderen Ausdruck hatte. George warf ihnen einen neugierigen Blick zu, sagte aber nichts, da er die Fragen lieber für später behalten wollte.

Schließlich schlug die große Standuhr des Wohnzimmers der Potters einige Minuten später vor den gesamten Anwesenden die letzten Sekunden des Jahres 1978.

oOoOoOoOo

„Lily! Hey, Lily!"

Das Mädchen drehte sich um, neugierig zu wissen, wer um solch eine Stunde mit so viel Energie zu ihr rufen konnte.

James Potter, natürlich.

Mit einem diskreten Seufzer wartete sie darauf, bis er zu ihrer Höhe ankam. Alle Abendgäste waren eben durch Flohpulver weggegangen und die Einwohner des Herrenhauses schickten sich gerade an, schlafen zu gehen. Also war die Frage: Was wollte ihr James Potter um ein Uhr morgens am ersten Tag dieses neuen Jahres?

James holte sie ein und stoppte etwas verstört vor ihr.

„Ähm... War dein Abend schön?", fing er linkisch an.

Wegen Lilys neutralen Blicks fuhr er schnell fort:

„Ich meine, zuerst hattest du Angst zu stören, oder? Da ich also mit Remus, Peter und Sirius während des größten Teils des Abends geblieben bin, fragte ich mich, tja, ich hoffe, dass... du dich nicht zu unwohl gefühlt hast, und... Was? Was gibt es Lustiges?"

Lily schüttelte nur den Kopf, ohne aufzuhören zu lächeln.

„Du, Potter. Manchmal bist du echt komisch. Das ist nett von dir, dich darum Sorgen zu machen, aber ich bin ein großes Mädchen und ich kann mir ohne dich fünf Minuten heraushelfen, das versichere ich dir..."

„Nicht das meinte ich!", ärgerte sich James frustriert. „Es ist nur, dass... mir meine Mutter ständig wiederholt hat, dass man dafür sorgen soll, dass sich die Gäste immer so wohl fühlen wie möglich und so weiter und so fort, also sagte ich mir..."

Lily zwang sich, nicht loszuprusten. Das war selten, James nervös zu sehen, aber die Art und Weise, wie er sich allein ärgerte, ihren Blick ständig mied und die Hand immer wieder durch sein Haar fuhr... Auch fing er an zu erröten. Lily biss sich auf die Lippe, um nicht zu lachen. Stattdessen blickte sie zur Decke und lächelte.

„Oh, übrigens, James...", unterbrach sie ihn in seinem Monolog.

Er sah sie fragend an, dann folgte er ihrem Blick.

„Nun was? Das ist nur..."

Er hielt plötzlich inne und legte die Hand auf seine Wange, auf die sich einen Augenblick lang zwei Schmetterlinge gelegt hatten.

„...Mistel..."

Lily lächelte ihm amüsiert zu, dann stürzte sie sich zur Treppe.

„Gute Nacht, James!"

James sah sie die Treppe hinaufstürzen und schließlich am ersten Stock verschwinden. Ziemlich unerwartet erschien ein Lächeln auf seinen Lippen.