Hallo an alle! Hier bin ich wieder mit dem neuen Kapitel von der französischen FF von Dragonwing4 Changer le passé. Viel Spaß beim Lesen und einen herzlichen Dank an Verliebtindich, meine Betaleserin.
Disclaimer: Alle bekannten Charaktere und Orte gehören zu Mrs. Rowling und die Geschichte und die anderen Charaktere gehören zu Dragonwing4. Ich habe nur übersetzt.
Spoiler: Die ersten fünf Bände.
Eine zweite Chance
Die Vergangenheit verändern
Kapitel 17: Wo man ein bisschen von allem für alle findet:
Harry machte seinen Koffer sorgfältig zu, bevor er sich aufrichtete und sich ein letztes Mal umsah. Als er den Nachttisch betrachtete, schüttelte er tadelnd den Kopf und schritt nach vorne, um sein Fläschchen Schlaftrunk für traumlosen Schlaf zu nehmen, auf dem er den Zauber erneuerte, der es während der Reise unzerbrechlich machen würde. Als er den Raum noch einmal durchquerte, wurde die Tür aufgeschoben. Er warf kaum einen Blick über seine Schulter, bevor er sich über sein Gepäck beugte und das Fläschchen in eine Seitentasche steckte, wobei er sicher ging, dass es nicht daraus gleiten würde.
„Anne", grüßte er den Ankömmling, ohne sich umzudrehen. „Ich kann nicht sagen, dass ich überrascht bin, Sie zu sehen. Sind Sie gekommen, um mir Ihre Ungläubigkeit mitzuteilen?"
Die Hexe blieb einige Augenblicke still und beobachtete, wie er seinen Koffer mit einem Zauber schrumpfte, bevor er ihn in eine Tasche seines Aurorumhangs steckte. Sie ergriff das Wort erst, als er sich schließlich zu ihr umdrehte.
„Eigentlich schicke ich mich an, Ihnen mangels Beweisen zu glauben", gab sie zu.
Harry hob eine erstaunte Augenbraue und lud sie stumm ein weiterzusprechen. Anne ging einige Schritte nach vorne und setzte sich auf das Bett, das Cherry kaum eine Stunde früher wieder richtig bedeckt hatte.
„Was Sie mir gegenüber zugegeben haben, kann sicher viele überraschen", gestand sie. „Aber Sie haben zu viele Details, und vor allem zu viele Empfindungen hinein gelegt, dass ich Sie frei beschuldigen könnte, gelogen zu haben. Übrigens erklärt Ihre Erzählung, so seltsam und irreal sie klingen mag, die meisten Inkohärenzen, die Sie hinter sich zu lassen scheinen. Es bleiben noch eine Menge fragliche Punkte und es scheint mir, dass Sie mir nicht alles gesagt haben. Wie zum Beispiel..."
Sie warf ihm einen strengen Blick zu.
„... Ihre Rolle in diesem Krieg. Da es scheint, dass Sie Elfisch haben lernen müssen, so denke ich..."
„Ich hatte Sie gewarnt, dass ich das Risiko nicht eingehen darf, zu viel darüber zu sagen, Anne", unterbrach Harry.
Anne starrte ihn weiter an und runzelte dabei die Augenbrauen, dann wandte sie sich ab.
„Und warum scheint das Ihnen nötig?"
„Ich fürchte, zu viele Ereignisse zu ändern, darunter welche, die nicht geändert werden dürfen, wenn ich nicht darauf achte, was ich sage oder tue", gestand er. „Ich möchte Sie nicht gefährden oder Sie dazu zu treiben, auf eine Art und Weise zu handeln, die..."
„Denken Sie wirklich, dass Sie es schaffen werden?", unterbrach sie ihn scharf.
Da ihr Harry einen etwas verwirrten Blick zuwarf, fuhr sie fort:
„Denken Sie wirklich, dass Sie diese Welt nach Ihrem guten Willen werden bilden können? Dass Sie allein einen Krieg vermeiden und die Welt retten werden? Glauben Sie nicht, dass solch eine Hoffnung ziemlich utopisch ist?"
Harry blieb einige Augenblicke lang still, dann erschien ein etwas trauriges Lächeln auf seinen Lippen.
„Sie haben zweifellos Recht. Es ist wahrscheinlich utopisch. Aber das ist das Einzige, was mir noch erlaubt, weiter zu gehen, und es fiele mir leichter, mir beide Beine und Arme abzuschneiden als die Hoffnung aufzugeben. Ich will vermeiden, dass das, was in meiner Welt geschehen ist, sich hier wiederholt, und ich werde alles tun, was ich kann, um das zu schaffen."
„Auch wenn Sie nicht den richtigen Weg nehmen?"
„Was meinen Sie?"
„Sehen Sie denn nicht, Harry?", rief Anne aus, indem sie wieder aufstand. „Wie jeder unter uns können Sie Irrtümer begehen! Immerhin sind Sie doch nur ein Mensch! Was, wenn sich die Entscheidungen, die Sie treffen, als schlecht erweisen? Was, wenn Sie schließlich die Gegenwirkung von dem erreichen, was Sie erwartet haben? Sie wollen die Lage verbessern, aber es ist immer möglich, sie zu verschlimmern! Was erlaubt Ihnen zu sagen, dass Sie auf dem richtigen Weg sind?"
Verlegen drehte Harry den Kopf und seine Augen waren ins Leere verloren. Stille herrschte einige Augenblicke lang, bis er fast leise das Wort wieder ergriff.
„Ich weiß nicht."
Dann, etwas lauter:
„Ich weiß nicht, ob irgendwo geschrieben steht, dass ich erfolgreich sein muss, dass alles sonst auf ewig verloren ist. Ich weiß nicht, ob all das so wichtig ist wie wir es denken, noch weiß ich, ob das, was ich tue, eigentlich gut ist. Alles, was ich besitze, ist mein Glauben. Ich glaube, dass die Schatten nichts Gutes sind. Ich glaube, dass wir sie so weit wegfegen müssen wie möglich. Und vor allem glaube ich, dass es niemand sonst tun wird, wenn ich es nicht tue."
Verlegen drehte er sich erneut mit einem sich entschuldigenden Blick zu Anne um:
„Das klingt Ihnen zweifellos außerordentlich selbstbewusst, aber so sehe ich die Dinge. Wenn ich es nicht versuche, so wird es keiner an meiner Stelle tun. Und da ich nun hier bin... was sollte ich Ihrer Meinung nach machen? Mich hinsetzen und mich nicht mehr bewegen aus Furcht, dass ich irgendwas verändern könnte, was nicht hätte verändert werden sollen? Jetzt ist es alles oder nichts, Anne. Das ist vielleicht etwas egoistisch, an der Stelle dieser ganzen Welt zu entscheiden, aber ich denke, dass ich der Einzige bin, der mit genauem Wissen handeln kann. Also handle ich."
Anne starrte ihn einige Augenblicke lang an, ohne sich zu bewegen.
„Das ist ein unmögliches Ziel, für das Sie sich entschieden haben", behauptete sie schließlich.
Harry warf ihr ein etwas schmerzhaftes Lächeln zu.
„Seit langer Zeit haben sich die Leute verständigt, unmögliche Ziele für mich zu entscheiden, ohne mich wirklich um meine Meinung zu bitten. Da ich dieses eine Mal frei entscheiden darf, sollte ich mich ja nicht beklagen."
Hierauf richtete er sich mit einem Blick zu seiner Uhr zur Tür.
„Wir sollten gehen, es wird bald Zeit sein", meinte er.
Anne, die die Augenbrauen runzelte und offenbar nachdenklich war, ließ ihn wortlos die Tür erreichen.
„Warten Sie!", sagte sie schließlich.
Harry hielt in seiner Bewegung inne, hielt die Hand auf den Türgriff gelegt und sah sie fragend an.
„Sagen wir mal, dass ich Ihnen glaube."
Der junge Auror erlaubte sich ein kleines erleichtertes Lächeln.
„Nun?", antwortete er.
Anne schwieg einige Augenblicke lang mit zusammengekniffenen Augen.
„Ich will, dass Sie mir alles eulen, woran Sie sich über jene Tafel der zweiten Chance erinnern", verlangte sie sofort. „Aussehen, Inhalt und Auskunft der Runen, die darauf eingraviert waren, was Sie gedacht und empfunden haben, als Sie sie aktiviert haben... Alles!"
Harry starrte sie einige Augenblicke lang verlegen an, dann brach in ein lautes freundliches Gelächter über das fast besessene Licht aus, das in den Augen der Wissenschaftlerin entflammt war.
„Sehr gut", nahm er amüsiert an. „Auch wenn ich wirklich nicht sehe, wozu es Ihnen dienen könnte, da ich sehr daran zweifle, dass sie in dieser Welt existieren kann..."
„Kümmern Sie sich nicht darum, das ist meine Sache", sagte sie sehr ernsthaft.
Harry lächelte und schüttelte leicht den Kopf. Zumindest wusste er nun, wo diese Neigung zum Rätsel und zum Unbekannten herkam, die sein Vater und er zu teilen schienen...
Er machte die Tür auf und schickte sich wieder an, aus dem Zimmer hinauszugehen, um zur Eingangshalle des Herrenhauses zu gehen, wo James, Lily und George schon warten sollten, als ihn Anne ein letztes Mal zurückrief. Neugierig drehte er sich um und blickte zu ihr. Anne starrte ihn mit einem strengen Ausdruck und mit den Armen in den Seiten an.
„Eine letzte Sache. Ist Harry Davies wirklich Ihr Name?"
Harry setzte ein breites Lächeln auf und ein schelmisches Funkeln erschien in seinen Augen.
„Glauben Sie wirklich, dass ich diese Frage beantworten werde?"
Auf einen letzten Blick zu jener, die seine Großmutter hätte werden können, wandte sich Harry ab und ging aus dem Zimmer, um dem langen Gang entlangzugehen, der ihn zur Haupttreppe führen würde.
Im Inneren des Schlafzimmers, das während dieser letzten beiden Wochen das seinige gewesen war, blieb Anne eine kurze Weile unbeweglich stehen und sah nachdenklich aus. Dann sah sie sich geistesabwesend um und ging auch hinaus, indem sie die Tür still zumachte.
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Ein bisschen mehr als eine halbe Stunde später betraten Harry, Lily und die Familie Potter den Bahnhof King's Cross und mischten sich unter die Menge der Muggel. Harry hatte für diese Gelegenheit wieder seinen langen schwarzen Mantel genommen, um seine Uniform zu verstecken, während die anderen vier lieber einfache Muggelkleidung trugen.
Lily sprach herzlich mit Anne, die ihr ständig wiederholte, dass sie in Junction Hill immer willkommen sein würde und dass sie selber sehr erfreut sein würde, sie wiederzusehen. George beobachtete interessiert die Menge, die um sie ging, und war offenbar auf die Lebensart und das Verhalten der Muggel neugierig. Was James betraf, so bemerkte Harry amüsiert, dass er seiner Mitschülerin von Gryffindor regelmäßige Blicke zuwarf, doch immer darauf achtete, einige Schritte von den beiden Frauen entfernt zu bleiben, da er ganz ohne Zweifel vermeiden wollte, dass ihn seine Mutter in das Gespräch miteinbeziehen würde.
Harry selber beobachtete die Menge aufmerksam – eher wegen eines reinen Reflexes als wegen einer bedachten Entscheidung. Das war eine gute Idee, das zu tun, denn unter der Menge bemerkte er einen bekannten Kopf, während sie sich den Gleisen näherten. Er verließ die vier Zauberer einige Augenblicke lang und schlich sich zwischen Gepäckwagen und Gruppen von Reisenden.
Kurz danach erschien er wieder, von einem hüpfenden Sirius begleitet, der offensichtlich ungeduldig war, Hogwarts wieder zu sehen.
„Hallo Krone!", rief er aus, sobald er James erblickte.
„Ach! Ich sehe, dass Sie das verlorene Vieh zum Stall zurückbringen, Harry", meinte George und nickte anerkennend.
James und Lily lachten wegen der heftigen Proteste von Sirius, der empört war, mit einem Rindvieh verglichen zu werden. Harry lächelte auch und sprach zu ihnen:
„Ich weiß nicht, ob Sie es verstanden haben", bemerkte er, „aber das heißt mehr oder weniger, dass es schon Vieh im Stall gab."
James und Lily starrten ihn einen Augenblick lang an, bevor das Mädchen die Arme empört verschränkte. Hinter ihr schüttelte Anne tadelnd den Kopf.
„Solche Andeutungen erlaubt sich kein Gentleman, der seines Titels würdig ist, vor einem Mädchen zu sprechen, George Potter."
George wurde leicht rot im Gesicht und verneigte sich tief vor Lily.
„Ich bitte Sie um Vergebung, Miss Evans, denn ich fürchte wohl, dass meine Gattin Recht hat. Bitte verzeihen Sie mir mein Verhalten..."
„Und was ist mit uns? Zählen wir etwa nicht?", rief James ungläubig aus, während Sirius ganz einfach beschlossen hatte zu schmollen.
Lily versteckte ein Lachen hinter ihrer Hand und ignorierte die beiden jungen Männer genauso gut wie George.
„Da Sie die Delikatesse haben, Ihre Fehler zu gestehen, ist Ihnen völlig verziehen, mein gnädiger Herr", antwortete sie hochtrabend.
George richtete sich mit einem breiten begeisterten Lächeln wieder auf und bot Lily sofort seinen Arm, den sie gnädig annahm. Worauf sie beide wieder zum Gleis neundreiviertel gingen, von Anne gefolgt, und die beiden Rumtreiber ihrem erbärmlichen Schicksal überließen. Harry verbiss sich ein lautes Gelächter und entschied sich dazu, sie in den Rücken zu schieben, da er gar nicht wollte, dass sie den Zug verpassten. James und Sirius murrten ein bisschen – viel – nahmen es aber an, wieder zu gehen.
Nach einigen Sekunden erreichten sie die Sperre, die George und Lily bereits nachlässig durchquerten. Anne warf ihnen ein amüsiertes Lächeln zu, sah sich kurz um und schritt auch nach vorne, um zum Gleis des Hogwarts-Express' zu verschwinden. James schnüffelte empört und schritt, um ihr zu folgen, doch Sirius hinderte ihn daran, indem er eine Hand auf seinen Arm legte.
„Warte einen Moment, James! Ich denke, dass es die passende Zeit ist, oder?"
Der junge Gryffindor warf ihm einen fragenden Blick zu, dann schien er zu verstehen, was er sagen wollte.
„Ach! Ja, ganz richtig, Tatze, ganz richtig", ließ er los, indem er zufrieden nickte.
Er sah kurz um sich herum, wo die Muggel ihr alltägliches Leben weiter lebten, ohne sie zu bemerken, und wo auch einige Zauberfamilien warteten, um das Gleis zu erreichen. Dann drehte er sich zu Harry um, der sie nacheinander anstarrte und irritiert eine Augenbraue gehoben hatte.
„Kein böser Streich, hoffe ich?", warnte sie Letzterer mit einem strengen Blick. „Mitten einer solchen Menge wäre es nicht..."
„Nein, nein, nein!", beruhigte ihn Sirius. „Nichts möglicherweise Unzulässiges oder Verbotenes, machen Sie sich keine Sorgen! James und ich hatten einfach gedacht, dass..."
James nahm sorgfältig einen Gegenstand aus seiner Tasche heraus.
„... es besser wäre, es Ihnen zu schenken, bevor wir zurück in Hogwarts sein werden, nichts mehr!", schloss Tatze, während sein bester Freund ihrem Lehrer das sorgfältig gebundene Päckchen reichte.
Harry betrachtete einen Augenblick lang den Gegenstand, der in James' Handfläche lag: Ziemlich klein und viereckig war er mit einem Geschenkpapier mit Stechpalmenzweigenmotiven geschmückt. Erstaunt starrte er die beiden Jugendlichen nacheinander an.
„Sie hätten das wirklich nicht tun müssen, das war nicht..."
„Ja, tja, vielleicht, aber wir haben es trotzdem getan", behauptete James, indem er die Hand des jungen Aurors autoritär ergriff, um das Geschenk hineinzulegen. „Also hören Sie jetzt auf zu zögern und Sie machen es auf."
Amüsiert warf ihnen Harry einen letzten Blick zu und beschloss dann zu gehorchen. Gegen seinen Willen musste er doch gestehen, dass er von dieser Zuvorkommenheit berührt war, umso mehr, weil er die jungen Gryffindors sehr innig liebte. Bereits am Anfang liebte er sie schon als jene, die so wichtige Leute in seinem eigenen Leben hätten werden können, aber nun ähnelte die Zuneigung, die er für sie empfand, eher der eines Lehrers zu seinen Lieblingsschülern und der eines jungen Mannes zu jenen, die wahrscheinlich sehr nahe Freunde werden würden, wenn ihnen die Zeit die Gelegenheit dazu ließ.
Mit Dankbarkeit bemühte er sich also darum, das Papier nicht zu zerreißen, das den Gegenstand bedeckte, und enthüllte schließlich eine viereckige dunkelblaue Schachtel. Irritiert klappte er den Deckel vorsichtig auf und seine Augen erblickten einen goldenen Blitz. In einem Schrein aus synthetischem Moos eingefasst, von einem Riemen gehalten, der seine gebrechlichen Flügel unbeweglich machte, wartete ein authentischer Goldener Schnatz ruhig auf seinen nächsten Flug.
Neben ihm beobachtete James seine Reaktionen, während Sirius wieder angefangen hatte, heftig zu reden:
„Wir haben eine Weile gesucht, was Ihnen gefallen würde, und dann haben wir uns daran erinnert, dass Sie letztens mit einem der Trainingschnätze der Schule spielten, und da es ja nicht wirklich das Beste ist, was man finden kann, haben wir gedacht, dass... Die echten sind ein bisschen teuer, also haben wir alle vier etwas beigesteuert, um einen finden zu können, aber das ist einer der besten, die auf der Markt verkauft werden! Jetzt werden Sie Ihre Talente völlig zeigen können und..."
„Sirius!", unterbrach ihn James schließlich mit einem verärgerten Blick.
Sirius warf ihm einen getäuscht verlegenen Lächeln zu, bevor er sich wieder zum Auror umdrehte, der den Schnatz mit einem unergründlichen Ausdruck immer noch anstarrte.
„Nun?", fragte er ängstlich. „Gefällt es Ihnen?"
Es gab einige stillen Augenblicke, dann hob Harry den Kopf mit einem sanften Lächeln auf den Lippen.
„Ja, sehr", nickte er mit einem herzlichen Blick. „Danke an Sie alle, diese Zuvorkommenheit berührt mich sehr."
James und Sirius lächelten ihm breit zu.
„Tja, das ist ja ganz natürlich nach all dem, was Sie für uns getan haben!", rief James aus.
„Na klar!", stimmte ihm Sirius bei. „Ohne Sie würde James jetzt vielleicht sechs Fuß unter der Erde liegen!"
James wurde rot im Gesicht und warf seinem besten Freund einen bösen Blick zu. Während die beiden jungen Männer einen ihrer freundlichen Streite anfingen, schloss Harry den Schrein vorsichtig wieder, den er ganz sicher in die Tasche seiner Uniform steckte. Wonach er einen Schritt nach vorne ging und die beiden Rumtreiber an der Schulter ergriff, bevor er sie kurz gegen sich presste. Erstaunt erstarrten Sirius und James kurz in der Umarmung.
„Danke an Sie beide", hauchte Harry mit seiner tiefen Stimme.
Dann befreite er sie und beantwortete ihre fragenden Blicke nur mit einem ruhigen Lächeln.
„Sie werden Mr Lupin und Mr Pettigrew von mir danken, oder?"
„Hm... ja, natürlich", ließ James los.
„Perfekt. Jetzt fürchte ich wohl, dass ich Sie verlassen muss, denn der Hogwarts-Express wird sicher in Kürze abfahren. Wir werden uns in Hogwarts wiedersehen!"
Und Harry entfernte sich mit einem letzten Handzeichen in ihrer Richtung. James und Sirius sahen ihn den Zugang zum Gleis neundreiviertel durchqueren, dann wechselten sie einen Blick.
„Ich hatte nie bemerkt, dass ich fast größer bin als er", meinte Sirius mit weit aufgesperrten Augen.
James lachte spöttisch und ergriff ihn an der Schulter, um ihn zur Sperre zu ziehen.
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„Severus Snape, oder?"
So hatte er ihn angesprochen. Mit seinen langen hellblonden Haaren, die frei über seinen Rücken fielen, einem Glas in der Hand und einem Lächeln auf den Lippen.
„Lucius Malfoy, erinnerst du dich an mich? Ich war bis zum letzten Jahr in Hogwarts, in Slytherin..."
Er hatte es nie zu präzisieren gebraucht, und das wussten sie beide. Der Prinz von Slytherin, nur ein Jahr älter als Severus, Vertrauensschüler und einziger Erbe der mächtigen und einflussreichen Familie Malfoy.
„Natürlich", hatte er einfach geantwortet. „Ich erinnere mich."
Satis bewegte sich kurz unter seinem Mantel auf der Suche nach einer bequemeren Lage für ihren Kriechtierkörper und Severus hob die Hand, um das Kleidungsstück wieder richtig an seine Schultern zu hängen. Geistesabwesend beobachtete er das Gleis um sich herum und die unordentlichen Bewegungen der Menge, Schüler, Eltern und Vormünder, die eine unartikulierte Sarabande lächelnd, lachend und schreiend tanzten.
„Dein Vater lobt dich in den höchsten Tönen."
Er war seinem Blick gefolgt und hatte ein verachtendes Schnüffeln vernehmen lassen, als er den Blick auf seinen Erzeuger gerichtet hatte, der in einem teuren Festumhang, dessen Stoff sich viel zu viel über seiner Leibesfülle spannte, lächerlich steif wirkte. Er ging gierig um eine Gruppe hoch verehrter Gäste herum und stand fast auf den Zehenspitzen, so eilig hatte er es, mit seinem Kommentar am Gespräch teilzunehmen. Er hatte sich wieder zu Lucius umgedreht, seine stumme Verachtung ganz sichtbar auf seinem Gesicht liegend, und das Lächeln des jungen Mannes war etwas breiter geworden.
Eine in Panik geratene Erstklässlerin auf der Suche nach ihrem entflohenen Kater lief an ihm vorbei. Severus sah ihr wortlos und gleichgültig nach. Der Hogwarts Express ließ einen schrillen Pfiff vernehmen und er blickte zum Zug.
„Kein Grund, sich darüber zu freuen, was?"
Er hatte seinen Blick getroffen und eine Art stiller Empathie war zwischen ihnen entstanden. Da jener nicht wie die anderen war, ließ ihn Severus das Gespräch anfangen. Da er ihn nicht mit seinem Vater oder mit seiner längst verfallenen Abstammung gleich stellte, hörte er zu, was er zu sagen hatte.
Beide hatten lange geredet. Von der langen und wenig beneidenswerten Geschichte der Snapes, die zwar eine reinblütige Familie waren, aber mit verschwendetem Vermögen und beflecktem Ruf. Von der Ehre der großen Zaubererfamilien und vom beispielhaften Gesicht, das sie der Welt zeigen sollten. Von der Macht, die ein Mann besitzen musste, um respektiert zu werden, und vom Ehrgeiz, der die Eigenschaft ihres Hauses war.
„Was machen sie denn?"
Severus warf Lupin, der den Kopf gleichzeitig amüsiert und tadelnd schüttelte, einen desinteressierten Blick zu. Neben ihm beobachtete auch Pettigrew die Menge, offenbar auf der Suche nach jemandem. Er wandte den Blick ab und ging zum nächsten Wagen, während ein weiterer Pfiff des Triebfahrzeugs ihre bevorstehende Abfahrt ankündigte.
„Ach, Severus, da bist du!"
Er hatte einen perfekt neutralen Blick zu seinem Vater gedreht. Er hatte schon längst erfahren, ihm den Abscheu, den er ihn verspüren ließ, nicht zu zeigen, und sein bloßer starrer Blick ließ den Mann nicht selten unwohl werden, was seine Fäuste dann löste. Doch er schenkte ihm in jenem Augenblick keine Aufmerksamkeit, da er ganz damit beschäftigt war, mit einem verkrampften Ausdruck den Gesprächspartner seines Sohnes affektiert anzusprechen.
„Mr Malfoy, was für eine Freude, Sie zu treffen!"
Lucius hatte genauso ausdruckslos wie Severus genickt.
„Mr Snape."
„Ich wage es zu hoffen, dass sich Severus Ihnen gegenüber nicht als grob erwiesen hat? Denn er ist an Gesellschaft nicht gewöhnt, was? Immer in seine Bücher oder in seine Kessel vertieft, nie ein Moment, um Beziehungen zu knüpfen. Ich habe ihm wohl gesagt, dass es ihn zu seinem Verderben führen würde, aber dieser törichte Junge hört nie auf mich..."
Er war unberührt geblieben und hatte die Augen auf dem Schädel dieses Mannes, den er verabscheute, weiterhin gesenkt.
Er ging knapp um den Koffer, den ein gedankenloser Drittklässler beinahe in seine Rippe eingeschlagen hätte, und warf ihm einen vernichtenden Blick zu. Der Hufflepuff schritt eilig nach hinten und erblasste, dann senkte er eilig die Augen und murmelte eine unhörbare Entschuldigung. Severus hörte ihm nicht mal zu und näherte sich dem Trittbrett.
„Was, wenn er sterben würde?"
Er hatte den Blick vom Rücken seines Erzeugers abgewandt, der eilig zu einer Gruppe Zauberer lief, die einflussreich aussahen, und hatte wieder Lucius seine Aufmerksamkeit geschenkt. Der junge Mann starrte ihn mit einem scharfen Blick an.
„Dann bin ich ihn endlich los."
In seiner Stimme gab es kein winziges hörbares Gefühl. Lucius hatte gelächelt.
Severus legte eine Hand mit langen Fingern auf den Türgriff, der in der Wand des Wagens eingefasst war, und schickte sich an, einzusteigen. Aus den Augenwinkeln erblickte er einen leuchtend farbigen Fleck durch die Menge.
„Er erzählt jedem, der es hören will, dass du jeden Zaubertrank erfolgreich braust, egal welchen."
Lucius hatte nicht zu präzisieren gebraucht, von wem er sprach. Natürlich, das Brauen von Zaubertränken war eine so edle Kunst, die von den alten Familien so sehr respektiert wurde...
„Aber es scheint mir, dass du in Verteidigung gegen die dunklen Künste immer brillant gewesen bist."
Er hatte ihm einen fragenden Blick zugeworfen, davon erstaunt, dass er so viel über ihn wusste. Lucius hatte ihm selbstsicher zurück zugelächelt.
„Du hast viele Talente, Severus. Es wäre schade, sie zu verschwenden."
Harry Davies, der mit seiner gewöhnlichen purpurnen Uniform bekleidet war, ging auf den Zug zu. Er schien, sich seines starren Blickes bewusst zu werden, und brauchte wenig Zeit, um ihn zu orten, worauf er ihm freundlich zulächelte und sich umdrehte, so dass er nun auf ihn zuging. Severus blickte nicht von ihm ab und sah ihn sich nähern, während ein undurchschaubarer Ausdruck seine Züge bedeckte.
„Hast du schon an deine Zukunft gedacht? Du hast das Potential, um weit zu gehen, Severus."
Er hatte ihn still angestarrt. Lucius hatte ihm ein letztes Lächeln geschenkt, dann hatte er sich umgedreht, um auf den Ruf seiner Mutter zu antworten, die nicht weit von dort mit Zauberern mit beeindruckendem Aussehen redete. Er hatte seine letzten Worte gesprochen, ohne sich umzudrehen.
Er drückte den Griff aus Metall fester und bestieg den Zug mit einer gelenkigen Bewegung, so dass er dem Auror den Rücken zuwandte.
Von nirgendwoher flüsterte ihm eine Stimme zu, die der eines Mannes mit bedächtigem Lächeln und vernünftigen Worten sehr ähnelte: 'Du sollst nur die richtigen Entscheidungen zum richtigen Zeitpunkt treffen.'
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Bellatrix Lestrange war äußerst schlecht gelaunt. Nicht, dass sie in diesen seltenen Gelegenheiten, da sie als 'gut gelaunt' betrachtet werden konnte, eine ganz angenehme Gesellschaft leisten würde, aber das änderte nichts an der Tatsache.
Jedoch bemühte sie sich darum, nichts von ihrer Unruhe bemerken zu lassen, als sie das Arbeitszimmer ihres Herrn schließlich erreichte. Vom Türrahmen her, wo sie nun stand, konnte sie die Rückenlehne seines Sessels, der dem Feuer im Kamin gegenüberstand, und den Arm erblicken, den er auf das Armpolster gelegt hatte. Seine reizvolle Hand schwenkte ein Glas Wein, dessen blutrote Flüssigkeit das sich ändernde Licht, das die Flammen von sich gaben, seltsamerweise widerspiegelte. Auch die Schuppen vom Körper des Kriechtiers, das an den Füßen des Sessels auf dem Teppich neben dem Kamin zusammengerollt war, leuchteten mit einem übernatürlichen rötlichen Glanz.
Sie trank diese Sicht so wie sich ein durstiger Mann am mythischen Nektar der alten Griechen laben würde, und ihre Augen glänzten vor der unerbittlichen und wilden Macht, die ihr Herr verkörperte.
„Tritt ein, Bellatrix", kam schließlich der gezischte, fast nachlässige Befehl.
Sie schritt sofort nach vorne und kniete sich vor ihn neben seinen tierischen Gesellen, wie es ihr eine nachlässige Bewegung seiner Hand befohlen hatte.
„Nun?"
Bellatrix bemühte sich darum, nicht zu zittern und eine feste, aber unterwürfige Stimme zu behalten.
„Wir sind ins Laboratorium eingeschlichen, mein Herr. Der Gegenstand lag nicht mehr darin."
Es gab eine lange Stille, dann spürte sie, wie sich ihr Herr zu ihr herunterbeugte.
„Bist du ganz sicher, Bellatrix?"
Der zischende Ton in seiner Stimme war plötzlich hörbarer denn je, ein Zeichen dieses kalten Zornes, den sie nun verbarg. Bella konnte nicht länger unbewegt bleiben und ihre Schultern fingen an, so sehr vor Angst als vor der Tatsache, ihren Herrn so nah bei ihr zu wissen, leicht zu zittern. Jedoch blieb ihre Stimme unerschütterlich. Das war es vielleicht, was ihr das Leben rettete.
„Absolut sicher, mein Herr. Wir haben die Spuren der magischen Wellen erkannt, die er ausgestrahlt hatte, aber sie fingen schon an zu erlöschen."
Der herbe Klang des Glases, das gegen den Stein zerschlug, knallte in der eisigen Luft des Raums und sie musste sich hart auf die Lippe beißen, um nicht hochzuschrecken. Der Umhang ihres Herrn berührte leicht ihr Gesicht, als er heftig aufstand, um im Raum hin und her zu gehen, und die Schlange neben ihr richtete sich mit einem drohenden Zischen in ihre Richtung, da sie das Geräusch des auf der Wand zerschlagenden Weinglases erweckt hatte. Bellatrix kämpfte, um nichts zu zeigen.
Sie sagte nichts, bewegte sich nicht, hielt den Kopf in ihrer unterwürfigen Stellung gesenkt, auf dem Teppich kniend. Der Dunkle Lord verachtete jeden Feigling. Wenn sie zeigte, dass sie Angst hatte, so war sie es nicht mehr würdig, ihm zu dienen. Wenn sie ihm offen gezeigt hätte, wie sehr sie wegen dieses Scheiterns um ihr Leben gefürchtet hatte, so hätte er sie wahrscheinlich getötet, ohne zu zögern. Bellatrix gehörte erst seit einem Jahr zu den Todessern und sie hatte auch die Hilfe ihres Mannes gebraucht, um das Vertrauen des Dunklen Lords nur anzufangen zu gewinnen. Sie musste noch vor seinen Augen ihren Wert beweisen und sie war dazu entschlossen, es zu schaffen.
Nach einigen Augenblicken setzte sich der Herr schließlich wieder in seinen Sessel.
„Sieh mich an, Bellatrix."
Von seiner Stimme und von der kaiserlichen Autorität gebannt, die sie ausstrahlte, gehorchte sie und hob die Augen, um sie in seinen blutroten Blick zu vertiefen. Er hatte sich erneut zu ihr heruntergebeugt und sein Gesicht war so nah, dass sie spürte, wie sich eine neue Welle abgöttischer Liebe ihrer bemächtigte. Ihre Augen sperrten sich vor Bewunderung weit auf, aber sie blickte nicht weg, noch wagte sie es zu blinzeln. Im Laufe der Jahre verwandelte sich das Aussehen des Dunklen Lords. Seine feinen Züge waren reptilienartig geworden und seine Augen waren vom Grünen zum Roten geworden. Wo die empfindsamsten Würmchen aber einen Gegenstand von Furcht und makaberer Fesselung sahen, hatte Bellatrix in diesem unmenschlichen Gesicht nichts als Schönheit gesehen.
„Weißt du, wo der Gegenstand nun liegt?"
„Nein, mein Herr", antwortete sie murmelnd.
Er kniff die Augen zusammen, dann setzte er sich nach hinten in seinem Sessel und drehte seinen Blick zum Kamin um. Die Schlange, die von einem geistesabwesenden Streicheln beruhigt wurde, fiel wieder zu Boden. Verdrießlich senkte Bellatrix wieder den Blick und ging das Risiko ein zu suggerieren:
„Vielleicht hat sie ihn dem Ministerium anvertraut, mein Herr?"
Ein spöttisches Schnauben antwortete ihr, aber es war keine Spur von Ärger darin.
„Diesem blöden Lewis? Pah! Der hätte schon bei jedem darüber geprahlt, der es hätte hören wollen, und schon längst würde die Presse so wie ich Bescheid wissen! Nein, das muss dieser alte Narr sein, dieser Dumbledore. Er schon wieder..."
Bellatrix ging das Risiko ein, schief zu ihm zu schauen, und sah, wie seine langen blassen Finger mit Gehässigkeit das Armpolster pressten. Ein neuer stiller Augenblick kam an. Dann:
„Du darfst gehen, Bellatrix."
Sie stand langsam wieder auf, nicht zu langsam, um ihn nicht zu ärgern, doch genug um zu zeigen, dass sie es nicht eilig hatte, seine Anwesenheit zu verlassen. Dann verneigte sie sich erneut vor ihm und durchquerte den Raum bis zur Tür, die sie durchschritt und hinter sich schloss.
Allein geblieben blickte Voldemort nicht von den Flammen auf. Seine roten Augen waren zusammengekniffen und ein verdrießlicher Glanz spiegelte sich in seinem Blick wider. Er würde das, was er wollte, nicht haben können. Oder zumindest noch nicht... Nichts widerstand ihm unendlich, und vor allem nicht dieser alte Narr und dieser Kindergarten, den er 'Schule' nannte.
Aber vielleicht sollte er bis dahin seine nächsten Operationen beschleunigen?
Zu seinen Füßen erklang ein leichtes, scheinbar nickendes Zischen.
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Harry war perplex. Ja sogar ein bisschen besorgt.
Mit leicht gerunzelten Augenbrauen durchschritt er die Tore von Hogwarts mitten unter einer Welle von Schülern, die laut von ihren Ferien und ihren Weihnachtsgeschenken erzählten. Einige Meter weiter vorne konnte er über die Köpfe von zwei laut lachenden Erstklässlern die hohe Silhouette und die beeindruckende Haltung von Severus Snape sehen, Siebtklässler in Slytherin, der so tat, als hätte er ihn nicht erblickt, und die Treppe zu den Kerkern herablief.
Harry war nicht dumm. Er war vielleicht nicht so brillant wie seine beste Freundin Hermine Granger oder so scharfsinnig wie Albus Dumbledore, aber das hieß nicht, dass er dumm war. Er wusste, dass ihm Severus auswich. Was er hätte wissen wollen, war, warum. War während der Ferien etwas geschehen, was ein solches Verhalten rechtfertigte? Vielleicht hatte er es nicht gemocht, dass er ihm Satis geschenkt hatte? Severus war manchmal von der Nähe, die Harry zwischen ihnen entstehen sehen wollte, verlegen erschienen. Konnte er geschätzt haben, dass sein Lehrer zu weit gegangen war, indem er ihm ein Weihnachtsgeschenk geboten hatte?
Ein schriller Schrei unterbrach plötzlich seine Gedanken, er drehte sich schnell um und zog seinen Zauberstab dabei, bevor sein Geist seine Reflexe schließlich einholte. Nah der großen Treppe zitterte und tropfte eine arme Ravenclaw völlig durchnässt auf den Holzboden herab. Über ihr schwebte Peeves in Kreisen wie ein grotesker Adler und sein Gackern erklang in der plötzlich stillen Eingangshalle.
„Peeves!", schrie die Vertrauensschülerin von Ravenclaw, indem sie mit einem wütenden Ausdruck heftig zu ihrer Mitschülerin ging.
Der Poltergeist ließ den Eimer fallen, den er gerade geleert hatte, so dass sich einige Zweitklässler eilig trennen mussten, um dem Gegenstand auszuweichen, als er mit einem lauten metallischen Geräusch zu Boden prallte, und ergriff eines der drei anderen Gefäße, deren Henkel er auf seinen linken Arm geschoben hatte. Die Vertrauensschülerin zögerte plötzlich, sperrte die Augen weit auf und fing an, nach hinten zu schreiten, als sie sah, wie er sich ihr mit einem Lächeln voller Schadenfreude näherte. Sie hatte keine Zeit, ihren Zauberstab zu ergreifen, als schon eine Wasserflut auf sie gegossen wurde, was sie schockiert und keuchend zurück ließ. Harry verzog mitleidig das Gesicht.
„Das ist eisig!", rief sie mit einer zitternden und ungläubigen Stimme aus.
Peeves brach in ein neues begeistertes Gelächter aus und drehte sich zu den anderen Schülern um, die nur auf dieses Signal gewartet zu haben schienen, um sich zu zerstreuen und laufend zu fliehen, indem sie warnende und protestierende Schreie ausstießen.
„Agnes! Das reicht, Peeves! Hör sofort damit auf!"
Harry, der damit beschäftigt war, sich nicht in den Weg der um ihn herum in Panik geratenen Schüler zu stellen, hatte keine Zeit, sich zu fragen, ob die Lage seinen Eingriff benötigen konnte, als er schon sah, wie eine neue Vertrauensschülerin gerade auf den Poltergeist zuging. Er hob eine amüsierte Augenbraue, als er sah, wie Lily wütend ihrer unglücklichen Kollegin zur Hilfe ging. Aus dem Augenwinkel bemerkte er eine schnelle Bewegung nah der Tür und erkannte James wieder, der versuchte, sich durch die Menge einen Weg zu bahnen.
„Evans!", schrie er lauter als das Getöse. „Bist du völlig durchgedreht? Geh von hier weg!"
Lily beging den Fehler, den Kopf zu drehen, um ihm über ihre Schulter einen düsteren Blick zuzuwerfen. Glücklicherweise warnten sie James' entsetzter Ausdruck und der gleichzeitig ausgestoßene Schrei „Lily!", der von seinen und den Lippen der genannten Agnes kam, rechtzeitig. Sie brauchte weniger als eine Sekunde, um den Kopf zu heben und ihren Zauberstab zu schwingen. Eine Wasserflut prallte gegen den Schild, den sie im letzten Moment aufgestellt hatte, und sie zog den Kopf zwischen die Schultern ein, um die Flut bis zum durchnässten Holzboden herabfallen zu lassen, ohne sie zu treffen.
Mit einem triumphierenden Lächeln hob sie die Augen zu Peeves... im Augenblick, als der Poltergeist die Freude hatte, den Inhalt seines vierten Eimers auf sie zu gießen.
Lily blieb völlig unbeweglich, aber ihr Lächeln glitt mit der Flut eisiger Flüssigkeit, die ihren Umhang und ihre Haare plötzlich durchtränkte, zum Boden herunter und ein vernichtendes Licht erschien im Blick, mit dem sie den Poltergeist immer noch anstarrte. Welcher sein letztes leeres Gefäß hatte fallen lassen und über ihrem Kopf in ein lautes Gelächter ausgebrochen war.
„Waddiwasi!"
Die etwa dreißig Zauberlehrlinge, die der Eingangshalle noch nicht entflohen waren, bezeugten ein plötzliches Zischen und die Erscheinung eines Weißen Unbekannten Ganz Schnell Fliegenden Objekts, das den ganzen Flur durchflog, bevor irgendeiner reagieren konnte, und sich gerade mitten ins Gesicht des Poltergeistes bohrte. Es gab einen Augenblick von Stille und Unbeweglichkeit, dann blinzelte Peeves mit einem verlegenen Ausdruck, was einige Schneeteilchen fallen ließ. Ein Hufflepuff versuchte vergeblich, einen Lachanfall zu verbeißen.
„Sehr gut gezielt, James!"
Harry drehte den Kopf um und wurde von Sirius' breitem Lächeln gegrüßt, der James mit einem Ausdruck anstarrte, der Stolz ausstrahlte. Hinter ihm dämpfte Remus höflich ein Lachen hinter seiner Hand und Peter beobachtete fasziniert Peeves' neues Aussehen. Mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen stand James gerade vor den großen Doppeltüren von Hogwarts, die immer noch auf den Park geöffnet waren, der in diesem Nachmittagsende im Januar leer war. Sein Zauberstab war immer noch in der Richtung des Poltergeistes gehoben.
„Das wird dir vielleicht Galanterie beibringen, Peeves."
Peeves schien sich plötzlich vor Empörung aufzublähen, und stieß offenbar wütend einen „Uuuuuh!" mit einer schrillen Stimme aus. Lily riss ihren Blick gerade rechtzeitig von James los, um sich zu Boden zu werfen, als der Poltergeist sich plötzlich zu den Rumtreibern stürzte und dabei einen Kerzenhalter ergriff, der leider für ihn an diesem Ort stand.
„Uuuuuups!", ließ Sirius mit einem Ausdruck los, der deutlich zeigte, dass er nicht wusste, ob er in Deckung fliehen oder in ein lautes Gelächter ausbrechen sollte.
James schien nicht unter solch einem Dilemma zu leiden. Er brach in ein spöttisches Gelächter dem Poltergeist entgegen aus, sprang schnell nach hinten, um durch die Türe zu gehen, und stürzte die Stufen nach draußen herab. Peeves stürmte ihm nach, wurde aber auf der Schwelle plötzlich wie von einer unsichtbaren Wand gestoppt. Der Poltergeist, wenn er in dem Schloss mit seinen Streichen 'spukte', durfte unter keinen Umständen daraus hinausgehen...
Wütend warf er den Kerzenhalter nach James' Kopf, der ihm ganz einfach auswich und mit einem Lächeln auf den Lippen erneut auf ihn zielte.
„Waddiwasi!"
Ein Schneehaufen sammelte sich plötzlich zu seinen Füßen und flog rasend zum Poltergeist. Peeves wich ihm ganz knapp aus und streckte dem Gryffindor die Zunge mit einem übermütigen Grinsen heraus. Einen Augenblick später musste er den Schneeball eilig ausspucken, der davon profitiert hatte, um seinen Schlund zu treffen. James setzte einen begeisterten Ausdruck auf.
„Remus! Ich wusste nicht, dass du diesen Zauber kennst!"
„Ich lerne schnell", erwiderte der Vertrauensschüler mit einem nicht ganz verlegenen Ausdruck. „Und ich konnte ihn ja nicht ungestraft einen Kerzenhalter nach deinem Kopf werfen lassen..."
Als er Peeves' vernichtenden Ausdruck bemerkte, schreckte er kurz auf, bevor er sich aus von der Eingangshalle hinaus stürzte, von Sirius und Peter gefolgt, die dem Zorn des wütenden Poltergeistes nur knapp entkamen. James deckte ganz herzlich ihre Flucht mit einem intensiven Bombardieren. Wütend musste Peeves noch mehrere Treffer erleiden, bis er schließlich aufgab, da er bemerkte, dass ihm die anderen Rumtreiber Verstärkung leisteten. Er stieß einen schrillen und wütenden Schrei aus und verschwand dann mit einem lauten 'Knall'.
Sirius murrte verdrießlich, als sein letzter Schneeball genau dort durchflog, wo Peeves' Nase hätte stehen sollen. Einen Augenblick später wurde ein schriller Schrei vernommen.
„Äh?"
Tatzes irritierter Ausdruck verschwand bald einer entsetzten Miene zugunsten, als Agnes, die Vertrauensschülerin von Ravenclaw, zur Tür eilte und ihm einen vernichtenden Blick zuwarf. Offensichtlich hatte sie gerade einen Zauber benutzt, um ihren heraustropfenden Umhang zu trocknen, als sie das Wurfobjekt voll getroffen hatte.
„Du bist tot, Black!", schrie sie, indem sie die Treppe herabstürzte.
„Wa-was?", stotterte Sirius. „Nein, warte! Ich habe das nicht absichtlich getan! ..."
„Das ist mir völlig egal! Das wirst du büßen!"
„Aber Agnes, ehrlich, meine Süße!", plädierte er, indem vor ihrem erhobenen Zauberstab eilig nach hinten schritt.
„Ich verbiete dir, mich so zu nennen, Black! Waddiwasi!"
Sirius stieß einen erstickten Schrei aus und wandte sich heftig ab. Der erste Schneeball traf ihn am Hinterkopf, der andere durchnässte seinen Umhang, aber der dritte traf nur einige Büsche, hinter denen der Gryffindor eben untergetaucht war. Egal, das Übel war schon getan.
„Eine Schlacht!", schrie James.
Agnes drehte sich perplex um und der Angriff des jungen Mannes traf sie voll am Kopf.
„James!", protestierte Remus sofort empört. „Von hinten angreifen ist völlig unfair und..."
Ein Schneeball prallte gegen seine Wange, was seine Schmährede plötzlich unterbrach. Peter, der am Fuß der Stufen kniete, lächelte ihm ein wenig entschuldigend zu.
„Komm schon, Remus, entspann dich ein wenig!"
„Waddiwasi!"
Agnes hatte von der Latenzzeit bei den Rumtreibern profitiert, um sich bei James zu revanchieren. Sofort sprang Sirius von seinem Schutz heraus und stürzte mit lauten empörten Schreien seinem Freund zur Hilfe. Peter ließ sich ablenken und drehte den Kopf um, um die Szene interessiert anzuschauen. Stoisch beugte sich Remus reizvoll hinunter und nahm eine Handvoll Schnee. Er nahm sich Zeit, ihn zu bilden, dann zielte er sorgfältig auf den Kopf vom Rattenanimagus. Peter fiel mit einem erstaunten Quieken nach hinten.
Einige Meter von hier entfernt trafen zwei Wurfobjekte Agnes simultan, was sie einen zornigen Schrei ausstoßen ließ, der offenbar genug war, um die Zuschauer von ihrer stummen Beobachtung loszureißen. Drei Jugendlichen von Ravenclaw riefen nach Rache und stürzten die Stufen herab, um ihrer Mitschülerin zur Hilfe zu laufen, während der Vertrauensschüler von Hufflepuff vergeblich versuchte, die Lage wieder etwas in Ordnung zu kriegen. Einen Augenblick später traf ihn ein verflogenes Wurfobjekt voll im Gesicht und ließ ihn seinen ganzen guten Willen vergessen.
Binnen einiger Augenblicke leerte sich die Eingangshalle von allen übrig gebliebenen Schülern.
Die Ravenclaws vereinigten sich gegen die Rumtreiber, um die Ehre ihrer Mitschülerin zu rächen, die Gryffindors verbündeten sich hinter ihren vier Vertretern, denn sie konnten ihr Haus ja nicht verlieren lassen, und als Vergeltung für ihren Vertrauensschüler fingen die Hufflepuffs an, auf alles zu zielen, was sich bewegte. Einige Erst- und Zweitklässler von Slytherin, die noch nicht zu ihrem Gemeinschaftsraum gegangen waren, nahmen wegen des Gespötts der Gryffindors auch an der gesamten Aufregung teil...
Magisch geworfen oder nicht flogen die Schneebälle in allen Richtungen und schrille Schreie, die aus den zahlreichen Passagen zwischen den vom Winter entblätterten Büschen oder den zurückliegenden Baumgruppen kamen, erklangen regelmäßig in den Gärten.
Harry, der auf den Außenstufen des Schlosses mit verschränkten Armen fest stand, überragte die Chaosszene mit seiner ganzen Höhe. Mit einem nachdenklichen Lächeln auf den Lippen umhüllte er gedankenlos seine Schulter mit seinem Mantel. Über seinem Kopf hörte er den leisen Lärm eines aufgemachten Fensters und erstaunte Ausrufe. Erst in jenem Augenblick erinnerte er sich daran, dass der Gemeinschaftsraum von Ravenclaw eben auf diesen Teil des Parks hinausging.
Sehr bald vernahm er in seinem Rücken einen eiligen Galopp. Harry drehte sich um und schlich sich wieder in die Schatten der Eingangshalle. Zuerst war es ein einsamer Ravenclaw, der ein Vertrauensschülerabzeichen trug, der den Gang zur Küche und zum Gemeinschaftsraum von Hufflepuff eilig entlangging. Dann schauten einige Gryffindors über das Geländer der Haupttreppe, prüften, ob der Vertrauensschüler außer Sichtweite war, und stürzten sich zu den Türen. Einen Augenblick später folgten – offenbar gegen die Anweisungen ihres Mitschülers – einige Ravenclaws, die schelmischer waren als die anderen.
Ein undeutliches Brummen fing an, Hogwarts' Gänge zu füllen, und bald stürzten eine reichliche Anzahl von Jugendlichen – Gryffindors wie Ravenclaws – die Stufen herab. Eine Tür knallte nicht weit von dort im Untergeschoss und eine große Anzahl von Hufflepuffs fing auch an, hinauszulaufen.
Harry ließ sie alle mit einem fröhlichen Durcheinander durchgehen.
Als sich die Eingangshalle schließlich von dieser neuen Angriffswelle leerte, öffnete sich die Tür zum Untergeschoss ein neues Mal. Der Vertrauensschüler von Ravenclaw kam daraus neben einem vornehmen aussehenden Slytherin, der das Abzeichen des Schulsprechers trug. Hinter ihnen folgten etwa dreißig Slytherins in einer fast geraden Linie, die hinter ihrem Anführer gingen, der den Argumenten des Ravenclaws entgegen taub blieb und mit dem Zauberstab in der Hand fest auf die Türen zuging.
Ihre Ankunft verursachte laute Reaktionen im Park, da die Gryffindors dazu entschlossen waren, ihre ewigen Rivalen so zu begrüßen wie es sich gehört. Lauter als das Chaos hörte Harry deutlich, wie Sirius' Stimme ausrief:
„Na endlich! Ohne euch wär's beinahe langweilig geworden!"
Harry nahm seine Beobachtungsstelle langsam wieder ein und lehnte sich an den Türrahmen. Neue Schritte wurden bald vernommen, aber Harry bewegte sich nicht, sondern ließ seine Kollegen zur Vortreppe gehen, um die Szene zu beobachten.
Am Seeufer hatten fünf Ravenclaws zwei Gryffindors in eine Falle gezogen und ließen sie einen reichlichen Schuss eisiger Wurfobjekte erleiden. Eine kleine Gruppe von Slytherins hatte sich nicht weit von dort versteckt und bombardierte alles, was rot war und in ihrer Reichweite kam. Vor dieser Gleichgewichtsstörung der Stärken hatten sich die Hufflepuffs, die von ihrem Durst an Loyalität und Gerechtigkeit belebt wurden, mit dem rot und goldenen Banner verbündet und kämpften Hand in Hand mit den Löwen von Hogwarts.
Hier und da fing man an, komische Farbflecken auf der eintönigen weißen und grauen Landschaft des Winters zu bemerken, und Harry hatte den seltsamen Verdacht, dass sich die Rumtreiber darum bemüht hatten, ihre Kampftechnik großräumig zu verbreiten.
„Oh, Merlin!"
Harry drehte den Kopf um und beobachtete Minerva McGonagall. Die Hauslehrerin von Gryffindor starrte die Szene entsetzt an. Hinter ihr schritt eine kleine dicke Silhouette nach vorne, um den Park unter seinen dichten Augenbrauen mit einem stechenden Blick zu betrachten.
„Na denn!", rief Scott, der Wahrsagenlehrer, mit einer tönenden Stimme aus. „Ich hatte wahrhaftig nie eine solche Schlacht seit den ruhmreichen Tagen meiner Jugend gesehen! Vielleicht sind ja all diese Grünschnäbel, die wir Schüler nennen, nicht nur Taugenichtse."
„Adam!", protestierte Professor McGonagall schockiert. „Das müssen wir sofort beenden, es werden schließlich welche verletzt worden!"
„Nicht doch, Minerva, entspannen Sie sich."
Der winzige Professor Flitwick hüpfte buchstäblich vor Aufregung und seine Augen glänzten.
„Das ist nur ein Spiel! Was kann schlimmer geschehen als Wunden und Beulen?"
Ganz offensichtlich waren für Minerva McGonagall Wunden und Beulen schon genug, um diese Tätigkeit als gefährlich zu betrachten. In ihrem Rücken starrten Edouard Thomson und Samantha O'Brien die Verwüstungsszene vor ihren Augen mit einem Ausdruck reiner Verdutzung an.
„Na denn, Minerva", erklang schließlich eine tiefe Stimme aus der leeren Eingangshalle.
Die beiden Auroren schreckten hoch und entfernten sich heftig vor der imponierenden Anwesenheit des Meisters von Hogwarts. Albus Dumbledore ging auch hinaus und starrte seine stellvertretende Schulleiterin freundlich an.
„Lassen Sie diese Kinder sich doch entspannen. Merlin weiß, wie sehr sie das in der kommenden Zeit brauchen werden."
Diese Worte begrenzten ein wenig Flitwicks und Scotts Enthusiasmus. Minerva sah verlegen aus, aber versuchte ein letztes Mal:
„Aber... Albus... Das Abendessen..."
„... kann warten, Minerva", schloss Albus an ihrer Stelle und sein Lächeln verbreitete sich, während er wieder zum verwüsteten Park blickte. „Persönlich würde ich mich ihnen gerne anschließen, wenn ich nicht fürchten würde, dass mein Alter dann spürbar sein würde."
„Aha! Gut gesagt, gut gesagt, Albus!", prahlte Scott, indem er seine Leibesfülle unter dem gespannten Stoff seines Umhangs tätschelte.
Harry, der zu sehr damit beschäftigt war, die Interaktionen zwischen seinen Kollegen zu beobachten, überhörte beinahe das drohende Zischen, das durch die Luft in seiner Richtung flog. Sein Blick wandte sich schnell ab und nur seinen beeindruckenden Reflexen verdankte er die schnelle Bewegung, die ihn den Torso drehen und dem Schneeball ausweichen ließ, der ihm zugedacht war.
Eine kurze überraschte Stille herrschte über der kleinen Lehrergruppe, die seine Anwesenheit plötzlich bemerkt zu haben schien. Harry, der einen völlig verdutzten Ausdruck trug, schenkte ihnen keine Aufmerksamkeit und richtete sich zur Suche nach seinem Angreifer vorsichtig auf. Er brauchte nicht lange, um ihn zu finden: Einige Meter von der Treppe entfernt, fest auf seinen Beinen und mit den Armen in den Seiten stehend starrte ihn Sirius mit einem geübten hochnäsigen Ausdruck an.
„Ich verlange nach meiner Revanche!"
Harrys Überraschung wurde zum Amüsieren und er richtete sich völlig auf.
„Nicht gegen mich haben Sie verloren, Mr Black", erwiderte er mit einem herausfordernden Ton.
„Aber Ihretwegen habe ich verloren!", antwortete Sirius ausrufend. „Ich verlange eine Vergeltung!"
Er hatte seinen Satz noch nicht beendet, als er sich schon vorbeugte, um eine neue Munition zu nehmen. Hinter ihm erschienen die drei anderen Rumtreiber, von über fünf Hufflepuffs begleitet, aus der Deckung der Büsche. Als er seinen besten Freund und ihren Lehrer in Verteidigung gegen die dunklen Künste erblickte, brauchte James nicht lange, um die Lage zu verstehen.
„Hey!", rief er mit einem breiten Lächeln aus. „Gute Idee!"
Er beugte sich auch vor, taub für Remus' heitere Proteste. Harry wich ohne Schwierigkeit Sirius' zweitem Angriff aus, aber seufzte herzzerreißend wegen der Verstärkung, die der junge Gryffindor bekam. Hinter den ersten drei Rumtreibern konnte er sehen, wie sich Peter darum bemühte, ihre Gesellen von der Erhabenheit ihrer aktuellen Aufgabe zu überzeugen. Und der Kerl schaffte das sogar!
Einen Augenblick später musste er James und Sirius' kombiniertem Angriff ausweichen, die zu ihm schrien, er solle „herunterkommen und wie ein Mann kämpfen". Als Antwort sprang Harry gelenkig auf das Geländer der Treppe und ließ zwei Schneebälle gegen die Steinmauer prallen, dann drehte er sich zu den beiden Gryffindors um. Das ließ sie kurz erstarren.
Harry, der sie mit seiner ganzen Höhe emporragte, stand mit einer Hand auf der Hüfte und starrte sie mit einem ruhigen und melancholischen Lächeln an.
„Worauf warten Sie, junger Mann?", ertönte plötzlich Scotts Stimme. „Bringen Sie diesen Grünschnäbeln doch bei, was Respekt heißt!"
Harry sah einen Augenblick lang nachdenklich aus, dann wurde sein Lächeln selbstsicherer und er hob die Augen.
„Sehr gut, meine Herren. Zeigen Sie mir, was Sie wert sind!"
Mit einer Bewegung seiner Schulter ließ er seinen langen schwarzen Mantel seinen Armen entlanggleiten und ließ ihn zum Boden fallen, was seine purpurne Auroruniform enthüllte. Das Licht, das seine Augen nun bewohnte, drückte allein Herausforderung aus.
„Tatze, mein alter Freund, ich glaube, dass er nun wirklich ernsthaft ist", kommentierte James nach einigen stillen Sekunden.
„Krone, mein Bruder, dieser Sieg wird nur nach hartem Kampf erlangt werden", erwiderte Sirius mit dem gleichen feierlichen Ton, indem er ganz ernsthaft nickte.
„Feuer!", schrien sie einstimmig, indem sie sich in perfektem Gleichtakt zum Boden warfen.
Ein anhaltendes Feuer weißer Wurfobjekte flog rasend schnell über ihre Köpfe. Harry lächelte ihnen spöttisch zu, sprang mit einem schnöden Reiz neben die Treppe herunter und drehte sich im Flug um, um einigen Schneebällen auszuweichen, die zu nah zielten. Er landete kniend im Knirschen des Schnees unter seinen Sohlen und unter den Schreien seiner Kollegen.
Aufgeregt hatte Flitwick wieder angefangen zu hüpfen, um über das Geländer sehen zu können, und Scott schrie ihm mit einer tönenden Stimme Ermutigungen zu.
„Zeigen Sie es diesen jungen Frechlingen! Um Merlins Bart, niemals wird sich ein Lehrer von Hogwarts so behandeln lassen, sicher nicht!"
Minerva schien von solch einem Verhalten ihrer Gryffindors völlig empört zu sein, aber sie war umso mehr vom unreifen Verhalten ihres Kollegen empört. Und da sie Minerva war, ließ sie ihre unwillige Zustimmung zur aktuellen Schlacht mit einer ganz besonderen Weise kennen:
„Ich gebe fünf Punkte zu jedem Schüler, der Mr Davies treffen wird!", rief sie laut genug aus, damit sie von den Schülern gehört wurde, die am nächsten von der Eingangshalle standen.
Es gab eine kurze überraschte Stille, die Harry ausnutzte, um zu schätzen, genau wie viele Schüler sie gehört hatten. Es erwies sich, dass es viele davon gab.
'... Aua.'
Scott fing plötzlich an, zum Verrat zu dröhnen, davon empört, dass seine Kollegin nicht für ein so offenbar herausgefordertes Mitglied des Lehrkörpers eintrat. Das schien genug zu sein, um Remus zu erwecken, und während alle anderen Gryffindors immer noch versuchten, die Möglichkeit zu fassen, dass ihre Hauslehrerin es annehmen würde, für eine Schneeballschlacht Punkte zu geben, griff er sofort wieder an.
„Waddiwasi!"
Leider für ihn hatte auch Harry nicht darauf gewartet, bis jeder wieder zu Sinnen kam, und sein Schneeball prallte genau dorthin, wo die Füße des Aurors weniger als eine Sekunde vorher gestanden hatten. Schließlich war es die Sicht seiner Flucht, die seine anderen Angreifer erwecken konnte, doch sie hatten keine Zeit, etwas anderes zu sehen als einen purpurnen Pfeil, der das freie Gelände an den Füßen der Stufen durchflog und mit einem spektakulären Gleiten unter der Deckung dichter Büsche tauchte.
„Los auf Davies!", dröhnte eine wohl bekannte Stimme und Harry wurde absolut davon überzeugt, dass alle Schüler, die im Park standen, binnen zehn Minuten wissen würden, dass ein Preis auf seinen Kopf gesetzt worden war, sei es nur wegen Sirius' enthusiastischer Schreie.
Und all das wegen Minervas Gerechtigkeit. Harry wusste nicht, ob er auf sie sauer sein oder sie umarmen sollte.
oOoOoOoOo
Eine Stunde später lag er auf dem Schnee unter dem Schutz von einigen Bäumen, während die letzten durchnässten und zitternden Schüler die Türe für ein spätes Abendessen in der noch ausnahmsweise vollen Großen Halle durchschritten, starrte mit seinem ruhigen Blick den Sternenhimmel an und entschloss, dass beide Möglichkeiten schließlich gleich gut waren.
'Ich liebe dieses Leben.'
Und das war viel mehr als die Rückkehr zum Leben eines gebrochenen Menschen.
Das war ein Versprechen zu den Sternen.
