Die Orbitalstation Hochhafen, welche in zweihundert Standardkilometern Höhe über Harnaidan, der Hauptstadt des Planeten Muunilinst, schwebte, war zwar geräumig und sah einladend aus, allerdings bekam Lo Bukk schon bald das Gefühl, dass der extraplanetar gelegene Raumhafen eher eine Durchgangsstation denn Endziel vieler Reisender war. Lange breite Korridore verbanden bestimmte Start- und Landeterminals miteinander, während man vom eigentlichen Planeten überhaupt nichts sah.
Der Jediritter, der der Frau seiner Träume nacheilte, wollte wie die meisten anderen Passagiere des Raumhafens nicht länger als nötig hier verweilen, mit dem Unterschied, dass er für das Ziel seiner Reise auf die Oberfläche des Planeten hinabsteigen musste. Also reihte er sich in die Schlange der Muuns ein, die in ihre Heimat zurückreisten. Die meisten von ihnen trugen togaähnliche Gewänder, die nur aus einem Stück Stoff bestanden, welches man sich um den Leib drapierte. Darunter trugen sie enganliegende Hosen und am Oberkörper über der Toga kurze Jäckchen, welche mit etwas mehr Glitter jedem Gladiatorenkämpfer einer der Kampfarenen auf Rattatak alle Ehre gemacht hätten.
„Für Nichtmuuns gibt es den Schalter dort drüben", erklärte ihm der Muun vor ihm.
„Ihr unterteilt das?", wunderte Lo Bukk sich.
„Andere Planeten, andere Sitten. Ich dachte, im Jeditempel lernt man so etwas", gab der Muun pikiert zurück.
Lo Bukk fletschte die Zähne, sagte aber nichts, sondern verließ umgehend das Ende der Schlange, um zu dem Schalter zu gehen, den ihm der Muun gezeigt hatte. Die Schlange hier war deutlich länger und der Abfertigungsfluss nur halb so schnell, wie er bemerkte. Nach einer halben Stunde war er endlich an der Reihe. Eine halbe Stunde, welche ihm von anderthalb Standardtagen gestohlen worden war, nach welchen er in den Tempel zurückzukehren hatte! Und der Einreisebeamte, den er mit seinem geschultem Blick als menschenähnlichen Epicanthix erkannte, war bei der Kontrolle der Leute vor ihm in der Schlange nicht nur äußerst gründlich, sondern schien sich gar extra viel Zeit zu lassen, wie Lo Bukk fand.
Endlich war er an der Reihe. Energisch schob er dem Einreisebeamten seinen Pass durch den Schlitz der transparenten Schalterabtrennung hindurch, der dafür vorgesehen war.
„Ihr Name ist Lo Bukk, Spezies Zabrak, Jediritter?", fragte der Epicanthix in einem gelangweilten Tonfall, der von unterdrücktem Widerwillen kündete.
„Das ist richtig", gab Lo Bukk schnippisch zurück.
„Was ist der Grund ihrer Einreise nach Muunilinst?"
„Ich bin, wie Sie schon richtig festgestellt haben, ein Jedi-Ritter und untersuche den Tod von Meister Ni-Cada, der vor neun Tagen auf Kamino getötet wurde. Es führt eine Spur nach Muunilinst", erklärte er dem Beamten.
Der braunhaarige Mann wandte seinen Blick von dem einreisebegehrenden Jedi ab, um nach rechts auf seinen Computer zu schauen. Er tippte etwas ein, dann schaute er wieder den Zabrak an. „Für gewöhnlich kündigen uns die Jedi solche Besuche vorher an. Wieso finde ich dann nichts in unseren Datenbanken über Euch?", fragte der Beamte skeptisch.
„Das hat sich alles sehr kurzfristig ergeben und wir müssen schnell handeln, um die Spur nicht erkalten zu lassen."
„Bei den neun Höllen Corellias! Das ist ein Anruf im Jedi-Tempel. Und dieser getötete Meister … wie hieß der doch gleich noch mal?"
„Ni-Cada!"
„Also, Meister Ni-Cada ist doch schon seit neun Tagen tot, wie Ihr sagt. Und da habt Ihr keine Zeit gefunden, Euch ein Ersuchen des Jeditempels für Muunilinst zu beschaffen? Das ist … suspekt!", hörte Lo Bukk das schändliche Wort.
Empörung kroch in seine orangenen Augen.
„Sie misstrauen einem Jedi? Als Jedi-Ritter der Republik habe ich das Recht, mich jederzeit überall in der Galaxis aufzuhalten, um meinen Pflichten nachzugehen! Wissen Sie denn nicht, dass wir Jedi die Hüter des Friedens in der Galaxis sind?!", schnappte Lo Bukk. „Sie können gerne Meister Yoda höchstpersönlich kontaktieren, wenn Sie mir nicht glauben! Oder wollen Sie ernsthaft Schwierigkeiten bekommen?", begann er, dem Mann zu drohen.
Der Beamte hielt einen Moment inne und schaute noch einmal in seinen Computer. „Wie lange wollen Sie bleiben?", fragte er schließlich – nicht völlig überzeugt vom aufbrausenden Auftritt des Zabrak-Jedi.
„Für zwei Tage", erwiderte Lo Bukk entschlossen.
Nun setzte der Beamte zögerlich einen Einreisestempel mit der befristeten Aufenthaltserlaubnis in den Reisepass des Jedi. Allerdings leistete er eine ziemlich unleserliche Unterschrift, wie Lo Bukk fand. Um sich abzusichern auf einem Planeten, auf welchem Jedi vor allem von den Mitgliedern des Muun-dominierten Intergalaktischen Bankenclans nicht gerne gesehen wurden, damit diese skrupellosen Banker unbehelligt ihre zwielichtigen galaxisweiten Geschäfte einfädeln konnten? Dies schien ihm die einzig mögliche Erklärung für das abweisende Verhalten des Mannes zu sein, hatte er doch in der Vergangenheit noch nie von Jedi-Missionen auf diesem schönen Planeten mit dem berühmten grünen Himmel gehört.
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„Ich habe dir ja gesagt, dass du den Job bekommst", sagte die Mutter zur Tochter, während sie auf dem Balkon des frisch gemieteten Zwei-Zimmer-Apartments in einem hohen schlanken klassizistisch anmutenden Wolkenkratzer Harnaidans saßen und mit einem sullustanischen Wein auf die neue Arbeitsstelle Shanidas anstießen.
„Junge Nauto'lek mit besonderen kognitiven Fähigkeiten und Talenten, die andere als unnatürlich bezeichnen würden – wer kann bei so einer Blindbewerbung schon Nein sagen?", meinte die Mutter, in ihrem Sieg schwelgend, während sie ihrer Tochter auf die Schulter klopfte.
Auf einmal hielt Shanida inne. Das Komlink ihrer Mutter begann zu summen.
„Siehst du, mein Kind? Du spürst es sogar, bevor jemand anruft. Bestimmt ist es dieser Jedi. Du hast seine Präsenz gespürt, nicht wahr?"
„Niemand vermisst uns. Und niemand sonst weiß, dass wir hier sind", hielt Shanida spöttisch dagegen.
„Da irrst du dich", sagte die Mutter und nahm die Verbindung an.
Shanida hörte, wie sie kurz angebunden auf Basic mit Lo Bukk sprach. Zum untätigen Zuhören gezwungen, nahm sie ihr Glas Wein vom Tisch und trank einen herzhaften Schluck daraus.
Nach einer halben Stunde klingelte es an der Tür. Shanidas Mutter öffnete und sah Lo Bukk vor der Tür stehen – in seinen Händen ein großer Blumenstrauß. Sie gingen ins Wohnzimmer, wo Shanida auf der Couch saß. Lo Bukk überreichte ihr den Blumenstrauß, den sie zögerlich nahm. Die Mutter setzte sich neben sie.
„So etwas magst du doch, oder?", fragte er schüchtern die Frau, der er bis hierher nachgereist war.
„Bring doch die Blumen in die Küche und tu sie dort in eine Vase!", wies die Mutter ihre Tochter an. Dann wies sie Lo Bukk einen Sessel zu, der der Couch gegenüberstand. Zwischen ihnen stand ein langer niedriger Tisch, auf welchem ein Teller mit getrockneten Früchten und Nüssen stand – sicherlich zum Naschen während der Holo-Sendungen, wie Lo Bukks zur in die Wand eingelassenen Holovid-Konsole schweifender Blick erfasste. Und dann standen da noch eine Weinflasche und zwei halbleere Gläser. Der einladende Tisch, die ganze Wohnung strahlten genau das traute, behagliche Familienleben aus, an welches sich Lo Bukk nur noch schemenhaft aus langer Vorjedizeit erinnern konnte.
„Was sind Eure Absichten, Jediritter Lo Bukk?", fragte die Mutter streng, während Shanida ihm ein verhaltenes Lächeln schenkte.
In Lo Bukk arbeitete es. Shanida hatte ihm gestanden, dass sie noch niemals geküsst worden war. Und das lag bestimmt nicht daran, dass sie hässlich oder von bösem Charakter sein würde. Und so, wie die beiden Frauen gekleidet waren, schien das eine sehr konservative Familie zu sein, der sie angehörte.
Trotzdem wollte er zunächst sichergehen, dass Shanida nichts mit dem Mord an seinem Meister zu tun hatte. Aber welches Motiv hätte sie denn haben können, es sei denn, jemand hätte sie angeheuert.
„Nia Bo hat mir erzählt, dass du diese Sith-Artefakte in der Truhe gefunden hast. Ohne dass etwas explodiert ist. Und als wir kamen, explodierte eine Bombe. Ist dir vielleicht irgendetwas aufgefallen, als du damals die Sith-Artefakte gefunden hast?", fragte er die junge rote Frau. ‚Oder hast du mir etwas verschwiegen?', hätte er am liebsten weitergefragt, aber dieser wichtige Satz blieb ihm in der Kehle stecken angesichts des Lächelns seines Gegenübers.
„Du bist hierhergekommen, um sie zu verdächtigen? Nach allem, was geschehen ist?", fragte die Mutter spitz, während ihn Shanida auf seine moderate Frage hin enttäuscht ansah.
„Nein, ich … es ist nur so … ich würde gerne wissen, wer meinen Meister auf dem Gewissen hat. Wir standen uns sehr nahe. Ich muss seinen Tod aufklären!", erklärte er eindringlich und doch waren seine letzten Worte etwas zu zögerlich – verlangsamt ob ihres plötzlichen Verhaltenswechsels. Er wollte, dass sie wieder lächelte – um jeden Preis.
Aber die Enttäuschung in Shanidas Blick blieb, während sie sprach. „Ich kann dazu gar nichts sagen. Vielleicht ist mir damals ja jemand gefolgt und hat da etwas manipuliert. Ich weiß es nicht."
Die Mutter breitete ihre Arme aus. „Seht Ihr, Ritter Lo Bukk, sie weiß nichts. Also könnt Ihr jetzt wieder nach Coruscant zurückreisen und das dort melden … wenn es dort noch wen interessiert."
Er zögerte und blieb sitzen.
Es war so einfach. Er könnte aus dem weichen, bequemen Sessel aufstehen, sich umwenden und wieder zurück in den Tempel reisen, als wäre nichts geschehen. Er würde sich einen Padawan nehmen, um ihn auszubilden. So hatte er es zumindest vor einem Monat Ni-Cada angekündigt. Er fand es schade, dass Agen Kolar bereits einen Meister hatte.
Ihm wurde klar, dass nach seiner Rückkehr nichts mehr so sein würde wie vorher. Er würde sich immer wieder zu IHR zurückwünschen, auch wenn er wusste, dass es Wunschdenken war. Ein Jedi sollte nicht …
Er schälte sich aus dem Sessel und stand auf.
„Shanida – willst du meine Frau werden?", hörte er sich plötzlich sagen.
Sie senkte den Blick.
„Aber Euch ist schon klar, dass Ihr in diesem Falle Euren Orden verlassen müsst, Jedi-Ritter Lo Bukk?", sagte die Mutter ernst.
„Das werde ich tun", erwiderte er ohne Umschweife.
In den schwarzen Augen der Mutter glomm etwas auf, dann nickte sie ihrer Tochter zu.
„Ja, ich will", erwiderte die junge Frau, stand auf und machte einen Schritt auf ihn zu. Er nahm sie spontan in die Arme und küsste sie. Und sie küsste ihn zurück.
Endlich!
Shanidas Kuss war unsagbar süß und schrie nach mehr.
„Ich werde euch dann fürs Erste allein lassen", sagte die Mutter, bevor sie die Tür von außen schloss. Er wandte seinen gehörnten Kopf noch einmal kurz zur wieder geschlossenen Tür, als wollte er sich versichern, dass die Mutter es sich nicht anders überlegen würde, dann nahm er Shanida erneut in die Arme. Er sah, dass ihre Augen bereits leicht schläfrig schauten. Offenbar hatte sie bereits ein oder zwei Gläser des schweren Weins getrunken, welcher auf dem Tisch stand.
Hatte sie genau auf diese seine alles entscheidende Frage gewartet? Aber das war ihm jetzt egal. Er hatte sie gefragt. Und sie hatte Ja gesagt. Und jetzt würde er ES tun. So einfach also war das.
Vorsichtig löste er den obersten Knopf ihres hochgeschlossenen Kleides, der über dem schlanken Hals saß. Dann den nächsten … einen nach dem anderen. Er merkte, dass er in seiner Mitte schon wieder unglaublich steif geworden war. Nachdem er die gesamte Knopfleiste vom Hals bis zu den Knöcheln Shanidas geöffnet hatte, schlug er die beiden Seiten ihres Kleides auf, um nun ihren Körper zu erblicken, der perfekt geformt war. Sie trug noch nicht mal einen BH, aber das musste sie auch gar nicht, so klein, stramm und fest, wie ihr Busen war.
Er öffnete seinen Gürtel, zog Tunika und Hose aus, während sie verschämt nach unten grinste. Er nahm ihren Kopf zwischen seine Hände, legte sie nach hinten auf die Couch und positionierte sich über ihr.
Shanida schaute mit halbgeöffneten Augen auf den gehörnten Mann über sich, den sie gerade zweimal, jetzt dreimal in ihrem Leben gesehen hatte. Sie wusste, dass sie attraktiv auf Männer wirkte. Und schlecht sah dieser Lo Bukk nicht aus. Oder war das nur ein Werk des Weins? Ihre Mutter hatte ihr jedenfalls immer eingebläut, dass die Männer sie mehr lieben sollten als sie die Männer, damit sie nicht zu deren Spielball werden würde. Und dieser Lo Bukk war geradezu verrückt nach ihr, würde für sie gar den Orden der Jedi verlassen. Ohne eine Ahnung davon zu haben, was ihn nun erwartete.
Sie seufzte wohlig, als er ihr Höschen auszog, um dann sogleich in sie einzudringen. Sie fühlte einen leichten Schmerz, aber der war bald vergessen, denn die Stöße ihres Bald-Ehemannes, die erst verhalten und langsam, aber stetig schneller und wilder wurden, fühlten sich gut an. Neugierig umfasste sie eines seiner Hörner. Er stöhnte leise auf bei ihrer tastenden Berührung. Dann hielt er inne, um nun mit einem Schrei all das in sie zu ergießen, was schon seit etlichen Standardjahren ungenutzt in ihm geschlummert hatte. Nachdem die letzten Zuckungen seiner Lanze verebbt waren, legte er sich an ihre Seite und zog sie an sich, um die Frau seiner Träume nie wieder loszulassen.
„Ihr Zwei habt vorhin nicht auf mich angestoßen, nicht wahr?", fragte er neugierig, nachdem sie geduscht und wieder angezogen waren.
„Ich habe vor zwei Tagen die Zusage für eine Stelle als Sekretärin bei der Damask Holdings bekommen. Das ist ein sehr solides Unternehmen", erklärte sie.
„Dann werde ich mir hier auch einen Job suchen", erwiderte er.
„Kannst du denn einfach hierbleiben? Ich dachte, du musst dich förmlich aus dem Jedi-Orden abmelden?", fragte sie skeptisch.
„Genau das werde ich in den nächsten Tagen auch tun. Und ich werde beim Bankenclan anfragen, ob sie Leibwächter brauchen", schlug er vor. „Vielleicht hat da jemand Verwendung für einen früheren Jedi wie mich. Und dann sind wir bei unterschiedlichen Firmen, was mehr Sicherheit gibt."
Sie gab ihm Recht in diesem Punkt.
Am nächsten Tag begab er sich zur Zentrale des Intergalaktischen Bankenclans. Mals Tonith, einst der Vorsitzende der Institution, jetzt nur noch einer in der zwölfköpfigen Führungsriege des IBC, war äußerst erfreut, einen ehemaligen Jedi in seiner Zentrale begrüßen zu dürfen.
„Der Liebe wegen werdet Ihr aus dem Jedi-Orden austreten?", wunderte sich der ältere Muun. „Ich persönlich halte das zwar für eine eher unsichere Option, aber ein Vertrag mit unserem Hause ist ganz gewiss nicht derart unsicher", gab er seine Zusage, den achtunddreißigjährigen Zabrak als persönlichen Leibwächter zu rekrutieren. „Die Damask Holdings pranzt ja immer gerne mit ihrer Sonnengarde herum, da ist ein ehemaliger Jedi beim IBC gerade richtig als Gegengewicht", scherzte er.
Der Arbeitsvertrag beim IBC verhalf Lo Bukk zu einer zunächst für fünf Jahre gültigen Aufenthaltserlaubnis für Muunilinst, welche mit seiner Arbeitsstelle verknüpft war. Aber vor Arbeitsantritt flog er zurück nach Coruscant, um dort das Jedi-Raumschiff zurückzugeben und seinen Austritt aus dem Orden der Jedi bekannt zu geben. R2V4 piepte kläglich, als sich Lo Bukk von dem zuverlässigen Astromech verabschiedete, welcher Ni-Cada bereits gedient hatte, als Lo Bukk noch nicht dessen Padawan geworden war.
„Eine Frage - ich noch habe", sagte Meister Yoda ernst zu ihm. „In Derem City – der zweigeteilte Leichnam Eures Meisters – geborgen er wurde. Gefunden in seinem rechten Auge – eine Vibroklinge wurde. Sehr alt diese Vibroklinge ist. Auf Kamino einen Kampf unter Wasser - gegeben es hat?"
Lo Bukk schluckte. Meister Yoda würde doch nicht etwa ihn verdächtigen, mit einer Vibroklinge …! Ihm fiel nur eine Mission ein, bei der er und Ni-Cada mit einer Vibroklinge attackiert worden waren. Aber das war schon so lange her.
„Das ist seltsam. Ich kann mir keinen Reim darauf machen", antwortete Lo Bukk ratlos dem grünen Großmeister. „Könnte ich die Klinge sehen?"
Yoda geleitete ihn zu einer Asservatenhalle. Mithilfe der Macht öffnete der grüne Großmeister eine Klappe und ein länglicher, verhüllter Gegenstand rollte auf einer Lade aus dem riesigen Regal. Lo Bukk entfernte das graue Tuch und eine niegelnagelneue Vibroklinge kam darunter zum Vorschein.
„Hmmm, sieht nicht aus, als hätte die lange unter Wasser gelegen", meinte Lo Bukk.
Yoda runzelte die kleine grüne Stirn. „Nicht die Klinge - das ist, die Meisterin Marnya Molto und Even Piell -von Kamino - gebracht uns haben."
„Das kann nur eines bedeuten. Jemand hat die Klingen vertauscht, aber warum und wer war das?", fragte Lo Bukk.
„Kein Jedi so etwas tun würde!", sagte Yoda mit Abscheu in der Stimme. „Ein Tempelbediensteter - es könnte gewesen sein. „Irregeleitet von der Gier und dunklen Mächten – er wurde."
„Kann ich noch irgendetwas für Euch oder den Orden tun?", fragte Lo Bukk.
„Nicht der erste Jedi – Ihr seid, der aus Liebe verlässt den Orden. Und wohl leider auch nicht der letzte", sagte Meister Yoda zum Abschied. „Und jetzt – Euer Lichtschwert!"
Lo Bukk schluckte. Seine blaue Klinge würde ihm fehlen. Zögerlich zog er den selbstgebauten Griff vom Gürtel und überreichte ihn dem Großmeister. „Noch nichts bewiesen ist von einer Schuld im Falle des Todes von Meister Ni-Cada. Aber wenn mehr - wir wissen und wenn nötig es ist, Euch finden - wir werden", versprach Yoda.
Yodas Versprechen kam Lo Bukk wie eine Drohung vor.
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Hego Damask saß in der 200. Etage des Wolkenkratzers in Harnaidan City, wo seine Investmentfirma Damask Holdings, die er von seinem Vater ererbt hatte, ihren Hauptsitz hatte. Er sog einen Schluck Rotwein, den das bauchige, noch zur Hälfte gefüllte Weinglas für ihn bereithielt, durch seine lange Nase ein. Geräuschlos wurde die tiefrote Flüssigkeit nach oben in seine Nase befördert. Er war zufrieden, dass er es mittlerweile schaffte, mit seiner Nase Wein zu trinken, ohne dabei laut zu schlürfen. Wie schön es doch früher gewesen war, als er den Wein noch auf seinen Lippen fühlen, auf seiner Zunge schmecken konnte. Aber dort, wo er früher seine Nahrung aufgenommen hatte, klemmte jetzt die Transpiratormaske mit den beiden Schläuchen, die im an seiner Brust anliegenden Torsogeschirr endeten, welches von seinen schwarz-grünen Gewändern verborgen wurde. Mit seinem Mund hatte er früher noch ganz andere Lustbarkeiten genossen. Aber diese Zeiten waren vorbei …
Er nahm noch einen Schluck Wein und dachte an näher Zurückliegendes. Zum Beispiel an das Einstellungsgespräch von vor drei Tagen. Eigentlich eine Sache, die er in einer Routineprozedur abarbeitete. Die junge Nauto'lek hatte alle Fragen nach ihrem Hintergrund und ihren Fähigkeiten recht gut beantwortet. Sie hatte dabei nicht gelogen, was äußerst selten in dieser frühen Phase der Arbeitsplatzvergabe war.
Als er sie gefragt hatte, was ihr denn ihre Mutter geraten habe, bevor sie zum Bewerbungsgespräch erschienen sei, hatte Shanida Twaye geantwortet: „Zieh etwas an, was hochgeschlossen ist und dich nicht dick macht! Die Muuns sind ziemlich spießig und hassen dicke Leute."
Da hatte er kurz aufgelacht, bevor er wieder ernst wurde. „Und Sie haben noch nie im Büro gearbeitet?"
„Nein, aber ich denke, ich werde das sehr schnell lernen."
„Nun, mit Ihren außerordentlichen Fähigkeiten könnte das wohl schneller gehen als bei anderen Bewerbern."
„Ich denke schon."
„Wie würden Sie diese …", er machte eine Kunstpause, „außergewöhnlichen Fähigkeiten denn beschreiben?"
„Ich merke manchmal, was Leute denken, kann ihnen suggerieren, dass sie wollen, was ich will. Und ich habe schnellere Reflexe als andere Leute."
„Hmmm, können Sie denn auch zum Beispiel den Aktenordner dort oben aus dem Regal holen, ohne von Ihrem Platz aufzustehen?", hatte Hego Damask herausfordernd die Bewerberin vor ihm gefragt.
Etwas in ihrer Hand hatte daraufhin gezuckt. Ja, sie hatte in ihrer Blindbewerbung geschrieben, dass sie außergewöhnliche Fähigkeiten hatte – und genau die hatte er austesten gewollt.
„Vielleicht können Sie mir das ja beibringen?", hatte sie geantwortet.
Er konnte sich ein Lächeln hinter der Transpiratormaske nicht verkneifen. „Nun, das wird wohl nicht nötig sein. Sie sind eingestellt und können ab morgen anfangen zu arbeiten."
Er hatte ihre Erleichterung gespürt. Nicht nur darüber, dass sie den Job bekommen hatte, sondern vielmehr darüber, dass er nicht darauf bestanden hatte, dass sie den Aktenordner mithilfe der Macht aus dem Regal herunterschweben ließ. Und das nicht etwa, weil sie dazu nicht fähig gewesen wäre. Genauso kannte er es aus seiner Jugend. Niemand durfte davon wissen. Und dass sie diese Verschwiegenheit bereits verinnerlicht hatte und nur das nötigste sagte und preisgab, war gut … sehr gut!
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Lo Bukk hatte zu Anfang seiner Tätigkeit für den IBC daran gezweifelt, ob er ohne Lichtschwert noch ein guter Leibwächter sein würde. Seine Befürchtungen wurden von seinem neuen Chef Tonith rasch zerstreut.
„Es gibt auf unserer Schwesternwelt Mygeeto diverse Kristallhöhlen, die häufig von Jedi aufgesucht werden, weil die adeganischen Kristalle dort gerade gut genug für ihre Trainingslichtschwerter sind. Allerdings gibt es dort auch einige wenige hochwertige Kristalle, die man freilich finden muss."
An ihrem ersten freien Wochenende flogen Shanida und Lo Bukk nach Mygeeto. Sie waren warm angezogen, um die eisigen Temperaturen auf diesem Winterplaneten zu ertragen. Schließlich fanden sie die Höhle, die Tonith erwähnt hatte. Sie kletterten eine Weile über die rasiermesserscharfen Kanten des Innenlebens der Höhle, bis sie an deren Ende gelangten – eine gewaltige, auf natürliche Weise entstandene Kuppelhalle. Es war fast wie früher auf Ilum, nur dass die Kristalle hier eher eine gelblich-rötliche Färbung hatten – ganz im Gegensatz zu den blauen und grünen, die er von der anderen Winterwelt in Jedi-Hand kannte. Schließlich fand er einen bronzefarbenen Kristall, den er für tauglich hielt. Der Kristall schien ihn gesucht zu haben, denn er fühlte eine eigenartige Erregung, als er ihn in der Hand hielt. Yoda hatte ihm gesagt, dass er nicht der erste Jedi sei, der den Orden der Liebe wegen verlassen hatte und Lo Bukk konnte sich nicht vorstellen, dass diese Aussteiger vor ihm nicht ebenfalls anderswo nach Kristallen für ihre neuen Schwerter gesucht hatten.
„Und jetzt einen für mich!", forderte Shanida. „Du? Du kannst doch gar nicht mit einem Lichtschwert umgehen!", wunderte sich Lo Bukk.
„Aber du wirst es mir zeigen! Du wirst mir vieles zeigen!", versetzte sie rasch. Als wenn sie das schon seit langem vorgehabt hätte, schoss es ihrem Bald-Ehemann durch den Kopf. „Der hier gefällt mir", sagte sie.
„Der ist schon stark, aber er ist rot", wandte er ein.
„Und wenn schon", erwiderte sie sorglos, „er passt doch gut zu meinem Hautton, nicht wahr?"
„Aber rote Kristalle verwenden nur die Sith!", zischte er sie an.
„Na und! Es weiß doch niemand, dass wir damit trainieren", wischte sie seine Bedenken beiseite.
Also nahmen sie auch den roten Kristall mit.
„Schau mal, was ich kann", säuselte sie in sein Ohr und ließ mithilfe der Macht beide Kristalle in der Luft schweben.
„Du hast Machtkräfte?", sagte er entgeistert.
Sie lächelte ihn an.
„Du und deine Mutter … ihr habt das alles absichtlich geplant. Warum und wofür?", fragte er gereizt.
„Ich will … mit dir zusammen sein. Du bist so wie ich. Ich habe schon lange auf jemanden wie dich gewartet. Aber ich war schüchtern", gestand sie ihm.
Sie ging auf ihn zu. Dabei stolperte sie über einen Felsbrocken. Er fing sie mithilfe der Macht auf und zog sie zu sich heran. Er beschloss, ihr zu glauben. So etwas wie für Shanida hatte er noch nie für eine Frau empfunden. Sie war die Richtige. Alles andere war ohne Bedeutung.
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Die Arbeit Shanidas im Gebäude der Damask Holdings hielt sich in überschaubaren Grenzen. Sie musste Zeitungen sortieren, einen Kurs in der Muun-Sprache besuchen, der zwei Tage die Woche in Anspruch nahm und wurde in der restlichen Zeit von einer Angestellten in die Materialbeschaffung bei der Büroausstattung eingewiesen. Sie fühlte, dass das nicht alles sein konnte. Denn bei ihrer Einstellung war Hego Damask, der Chef der Damask Holdings, persönlich anwesend gewesen und er hatte auch das Einstellungsgespräch geführt. Aber danach hatte sie ihn einen geschlagenen Standardmonat nicht mehr zu Gesicht bekommen. Bis zu jenem späten Nachmittag. Da war er kurz an ihren Schreibtisch gekommen, um sie zu fragen, ob alles zu ihrer Zufriedenheit sei. Ob sie einen Wunsch hätte. Sie hatte keinen. Magister Damask hatte ihr daraufhin noch einen schönen Feierabend gewünscht und war davongeschritten. Sie fragte sich, wo er wohl die ganze Zeit über war, wenn er sich so selten im Hauptsitz seiner Firma aufhielt.
Sechs Wochen später hatte sie am späten Nachmittag Rezeptionsdienst, weil die Muun-Empfangsdame krankheitsbedingt ausgefallen war. Kurz vor Dienstschluss kam ein Mensch Mitte Dreißig mit roten, schulterlangen, gelockten Haaren und blauen Augen in den Empfangsbereich und verlangte, sofort zum Chef vorgelassen zu werden.
„Magister Damask ist leider nicht im Büro", sagte sie wie abgesprochen.
„Ich weiß aber, dass er hier ist", erwiderte der Mensch freundlich, aber mit Nachdruck.
„Und ich sagte, er ist nicht in seinem Büro", erwiderte sie stoisch.
„Ich weiß, aber, dass er hier ist", wiederholte der Mensch. „Und Sie haben die Erlaubnis, mich jetzt zu ihm bringen – auf der Stelle!", setzte er mit einer wedelnden Handbewegung hinzu. Sie konnte seine derart manipulierende Hand zwar nicht sehen, da er sie hinter dem Rücken versteckt hielt, aber sie konnte es fühlen. Und sie kannte diesen Trick bereits.
„Und ich erlaube Ihnen, jetzt sofort dieses Gebäude zu verlassen!", versetzte Shanida und machte eine ähnlich wedelnde Handbewegung hinter ihrem Rücken in die Richtung des aufdringlichen Menschen.
Dessen wasserblaue Augen schauten einen Moment lang verdutzt, dann lächelte er auf eine rätselhafte Art und verschwand genauso schnell, wie er gekommen war. Ihr wurde unbehaglich. Sie wartete noch ab, bis ihre Arbeitszeit um war. Es war ein ungeduldiges, knisterndes Warten auf das Heimgehen. Irgendetwas sagte ihr, dass sie diesen Menschen bald wiedersehen würde.
Endlich war die Zeit um. Erleichtert packte Shanida ihre Sachen, um damit zur Tür zu gehen. Sie hatte den Ausgang beinahe erreicht und schon ihre Hand erhoben, um die Tür zu öffnen, da hielt sie inne. Sie hatte keinen Laut gehört, wohl aber eine Präsenz gespürt, die sie schon lange nicht mehr …
Sie wandte sich der Präsenz zu. Von einem Seitengang kommend, betrat Hego Damask den Empfangsbereich.
Sie sah ihn an.
„Das sind sie also, die Fähigkeiten und Talente, die andere für unnatürlich halten", erklärte er. Sie sah, dass sich Fältchen um seine grünen Augen gelegt hatten. Sie war sich im Unklaren darüber, ob Damask eher amüsiert oder aber vielmehr ehrlich beeindruckt war.
„Ich hoffe doch, ich habe alles richtig gemacht. Schließlich ist das mein erster Tag am Empfang", sagte Shanida mit einem schüchternen Lächeln.
„Das haben Sie exzellent gemacht, meine Liebe", erklärte er freundlich, woraufhin sie ihn anstrahlte.
Eine Prüfung also, dachte sie.
„Und weil Sie mir diesen Besucher vom Hals gehalten haben, möchte ich mich gerne erkenntlich zeigen. Haben Sie eventuell etwas Zeit für einen Ausflug, um Ihnen etwas von der Stadt zu zeigen?"
Shanida überlegte, ob es unschicklich sei, mit dem Chef auszugehen. Andererseits war er so selten in der Firma, dass es wohl kaum zu irgendwelchen Verfänglichkeiten führen würde, wenn sie noch seltener mit ihm ausgehen würde. Schließlich hatte sie noch nicht allzu viel von der Stadt gesehen. Sie könnte Lo Bukk erzählen, dass es sich um einen dienstlichen Ausflug gehandelt hätte, falls er denn fragen würde. Aber so eine Gelegenheit ausschlagen? Nein!
Er hieß sie neben sich in den Gleiter steigen, welcher blickdichte Fenster und ein sehr hohes Dach hatte, so dass sie sich darin an Damasks Seite wie eine Königin fühlte. Jenes erhabene Dach erschien ihr nur natürlich, war doch die Standardgröße von Muuns etwa zwei Meter und ihr Chef war mindestens zwei Meter groß, wenn nicht sogar noch etwas größer. Außerdem trug er zusätzlich zu seinen schwarzen Hosen und seiner grünen Tunika mit dem Stehkragen einen ziemlich hohen, ebenfalls grünen Kopfputz, welcher für Mitglieder des Bankengewerbes bei den Muuns typisch war. Ein weiterer Grund für die Geräumigkeit im Gleiter.
„Warum sind Sie eigentlich gerade nach Muunilinst gekommen?", fragte Hego Damask sie, während die späte Nachmittagssonne am sich dunkelgrün färbenden Horizont langsam immer tiefer sank.
„Weil Muunilinst ein zivilisierter Planet ist, der gute und sichere Arbeitsmöglichkeiten bietet. Und es gibt hier ausgedehnte warme und saubere Meere", erklärte sie, wie sie es mit ihrer Mutter abgesprochen hatte.
„Das höre ich gerne. Auf welchen Planeten waren Sie denn schon außer auf Ihrem Heimatplaneten Ryloth?"
„Ich war auf Kamino und habe dort Expeditionen zur Schatzsuche unter Wasser begleitet".
„Und, habt ihr Schätze gefunden?"
„Nun, ich habe interessante Leute kennengelernt", erwiderte sie ausweichend.
„Nun, mit Ihren Talenten und Ihrem Aussehen sind Ihre Arbeitsmöglichkeiten hier mehr als sicher. Und Schätze gibt es hier allemal. Die Firma hat für morgen ein wichtiges Geschäftsessen mit Sienar Systems organisiert. Zu diesem Zweck ist es wichtig, dass Sie den Geschäftsführer im Auge behalten und seinen Geist dahingehend beeinflussen, dass er den von uns vorgelegten Vertrag unterzeichnen wird", erklärte Hego Damask.
„Ich habe verstanden", erwiderte sie.
„Wieso sind Sie eigentlich schon aufgestanden und haben sich mir zugewandt, bevor ich den Empfangsbereich überhaupt betreten hatte?", fragte er sie nun.
„Ich habe Sie gespürt", erwiderte sie.
„Spüren Sie das bei jedem, der sich nähert?", fragte er weiter.
„Nein, nur bei einigen Leuten. Hier in der Firma nur bei Ihnen – manchmal. Und manchmal haben Sie mich auch überrascht", antwortete sie wahrheitsgemäß.
„Finden Sie es nicht seltsam, wieso Sie gerade mich und niemand anderen in der Firma gespürt haben?"
„Ich habe das so hingenommen, aber fragen würde ich danach niemals."
„Das ist eine sehr gute Eigenschaft bei einem Wesen – zumindest in den meisten Fällen", lobte Hego Damask sie erneut.
Nun wandten sie ihre Aufmerksamkeit wieder den Sehenswürdigkeiten und Schönheiten von Harnaidan zu. Während ihres Rundfluges hatte er ihr die Oper, das Rathaus, das Schwimmzentrum, vor allem aber diverse Firmengebäude gezeigt, während die Abendsonne endgültig hinter dem Horizont verschwand, der sich nun ziemlich schnell schwarz färbte.
„Darf ich Sie nach Hause bringen?", fragte Hego Damask.
Bereitwillig gab sie ihm die Adresse. Kaum, dass er sie vor dem Eingang zum Wolkenkratzer, der ihr Apartment beherbergte, hinausgelassen hatte, brauste er auch schon mit seinem Gleiter davon.
„Du warst ziemlich lange arbeiten, Schatz", sagte Lo Bukk, während er sie zum gedeckten Abendbrot-Tisch führte.
„Das ist lieb, dass du schon Abendbrot vorbereitet und auf mich gewartet hast, Schatz", begrüßte sie ihn und gab ihm einen Kuss.
„Warst du noch irgendwo anders?"
„Es war ein sehr anstrengender, aber auch erfolgreicher Tag", erklärte sie stolz und erzählte ihm während des Essens, was passiert war.
Allerdings verschwieg sie Hego Damasks Frage, wieso sie im Gegensatz zu der Präsenz der anderen Firmenmitarbeiter ausgerechnet die Präsenz ihres Chefs spüren konnte.
Lo Bukk runzelte die Stirn. „Er nutzt also deine Fähigkeiten, um sich wirtschaftliche Vorteile zu erschleichen. Das gefällt mir nicht."
„Ich weiß nicht, aber vielleicht machen viele Firmen das so?", erwiderte sie, unsicher geworden.
Sie wollte nicht, dass ihr Chef irgendwo wegen ihren Enthüllungen in Misskredit kam. Ganz im Gegenteil: Shanida fühlte sich geschmeichelt von Hego Damasks Aufmerksamkeit und sie wollte diesen Arbeitsplatz so lange wie möglich behalten.
„Hier herrschen eben andere Sitten als im Jedi-Tempel. Ich denke, du warst viel zu lange von der Außenwelt abgeschirmt", versuchte sie, das Geschäftsgebaren von Hego Damask zu beschönigen.
„Aber ich als Jedi weiß, was Recht ist und was nicht!", erwiderte er aufgebracht.
„Ehemaliger Jedi", korrigierte sie ihn.
„Ich werde im Herzen immer ein Jedi sein, auch wenn ich nicht mehr dem Orden angehöre!"
Lo Bukks Stimme sandte eine undefinierte Drohung aus, die ihr Sorgen bereitete. „Aber du behältst es doch für dich, ja?", wisperte sie ihm ins Ohr und schmiegte sich an ihn.
„Solange er dir nichts antut, werde ich nichts sagen", versprach er ihr.
Nach dem Essen zog er sie ins Schlafzimmer. Shanida hatte das Gefühl, dass es ihn anmachte, dass sie an diesem Tag beruflich so erfolgreich gewesen war. Er nahm sie diesmal noch leidenschaftlicher als sonst. Insgeheim war er also stolz auf sie, was ihr sehr gefiel.
„Solange ich einen so fähigen Leibwächter wie dich an meiner Seite habe, wird mir bestimmt nichts passieren", schnurrte sie und kraulte seine braunen Haare und seine Hörner, während er den Kopf zwischen ihre Brüste gelegt hatte. Aber in dieser Nacht schwor sie sich, ihrem Bald-Ehemann niemals mehr Firmeninterna weiterzuerzählen.
Das Geschäftsessen verlief, wie von Hego Damask geplant. Shanida behielt den Geschäftsführer im Auge, während ihr Chef mal mit diesem, mal mit jenem plauderte. Sie bekam mit, dass es um Patente ging, die der verschollene Flugzeugkonstrukteur Rugess Nome der Raumschiffwerft Sienar Systems überlassen, aber nicht verkauft hatte. Nun beanspruchte Damask Holdings all diese Patente, weil Rugess Nome Hego Damask als seinen Erben eingesetzt hatte. Shanida fand das seltsam, aber sie würde ihren Chef auch hierzu später nichts fragen. Sie beobachtete, wie der Geschäftsführer zögerte, seine Unterschrift zu geben. Aber ein Blick von ihr und eine unauffällige Handdrehung genügten und der Vertrag war unterzeichnet.
Etwa zwei Wochen nach diesem Vertragsabschluss merkte Shanida, dass ihre Periode ausblieb.
„Schatz, ich bin schwanger", teilt sie Lo Bukk mit.
„Dann wird es langsam Zeit, dass wir heiraten. Wie wäre es in zwei Monaten?"
Sie nickte und fiel ihm um den Hals.
„Dann brauchen wir eine größere Wohnung, am besten ein Haus, dann kann deine Mutter auch mit einziehen, falls sie alt werden sollte und Hilfe braucht", spann Lo Bukk die Zukunftspläne für seine sich vergrößernde Familie weiter.
„Aber als Ausländer können wir hier kein Haus kaufen", erwiderte sie das, was sie bereits wusste.
„Dann werde ich mal mit meinem Chef reden. Er schätzt meine Dienste und wird sicherlich eine Lösung finden", versprach er ihr.
Als Lo Bukk sein Streben nach einer größeren Wohnung beiläufig gegenüber seinem Chef erwähnte, erklärte Mals Tonith ihm, dass es Ausländern auf Muunilinst generell verboten war, Wohnungen zu kaufen. Sie konnten lediglich 49% Anteil an Wohneigentum erwerben, während die anderen 51% einem Muun oder einer Firma, die einem Muun gehörte, gehören mussten. So sah es das Gesetz zur Wahrung der Muun-Identität des Planeten Muunilinst vor.
„Auch nicht, wenn wir die Staatsbürgerschaft Zweiter Klasse für diesen Planeten beantragen?", schnappte Lo Bukk ungläubig.
„Weder für die unqualifizierten Drittklässler noch für die qualifizierten Zweitklässler", bestätigte Mals Tonith eisern. „Aber so eine Eigentumsregelung bietet euch auch gewissen Schutz in finanziellen Dingen. Muun kennen sich in solchen Sachen nun mal besser aus", war ein Nachsatz seines Chefs, der den Zabrak innerlich noch mehr auf die Palme brachte.
„Ich könnte ja Hego Damask fragen, ob er die 51% übernimmt", bot Shanida an, nachdem sie wieder einmal spät abends nach Hause gekommen war.
„Wieso sollte er das tun? Weil du vielleicht zu viel für ihn arbeitest? Vor allem spätabends?"
Shanida runzelte die Stirn. „Was glaubst du eigentlich? Er ist doch so gut wie nie im Büro. Und heute waren wir in der Oper, weil er dort einen wichtigen Geschäftspartner und dessen Gattin begleitet hat. Da brauchte er eine weibliche Begleitung – mehr nicht."
Sie dachte an die Pause, als das beschwingte Quartett in einer Separee-Loge einen süffigen Wein von Serenno genossen hatte. Damasks Geschäftspartner, ein spitzohriger Bothaner, hatte nach einem Prosit zu dem Muun gesagt: „Dann können wir die Konkurrenz aber so richtig eintüten!" Shanida hatte geglaubt, genau in diesem Augenblick ein grimmiges Lächeln hinter seiner Transpiratormaske gefühlt zu haben. Sie hatte ein paar gelbe Lichter in seinen grünen Augen aufflackern sehen. Sie hatte kurz zur Deckenbeleuchtung hochgeschaut, um zu eruieren, ob jene Lampen diesen gelben Widerschein produziert haben könnten, da waren die gelben Lichter in Damasks Augen auch schon wieder verschwunden gewesen. Diese Beobachtung hatte sie für einige Momente beschäftigt, aber alles in allem war es ein stimmiger Abend gewesen und ihr Chef hatte sie danach auch umgehend nach Hause gefahren.
„Er ist immer sehr großzügig und wir werden mit ihm bestimmt keine Probleme bekommen", versuchte sie ihren Verlobten zu beschwichtigen und machte einige Schritte auf ihn zu.
Lo Bukk streckte seine Arme von sich nach unten weg und drückte seinen Oberkörper durch. Shanida blieb ob seiner ablehnenden Haltung wie angewurzelt auf der Stelle stehen. „Nein, dann bleiben wir lieber zur Miete wohnen!", hörte sie nun die verbale Ablehnung des Zabrak.
Shanida fühlte sich hin und her gerissen. Die Mieten waren teuer auf Muunilinst. Andererseits konnte sie ihren Verlobten verstehen, der nicht wollte, dass er oder sie sich in dieser Frage derart von einem Chef abhängig machten. Also rief sie einen Tag später ihre Mutter an, die mittlerweile als Kassiererin in einem Supermarkt arbeitete und nun ein eigenes kleines Apartment bewohnte.
„Aber was hat denn Lo Bukk gegen deinen Chef?", fragte die rote Twi'lek verwundert.
Shanida erzählte ihr alles. Auch die Sache mit der Machtpräsenz und den gelben Lichtern in Hego Damasks Augen. „Hego Damask hat also schon mit dir darüber gesprochen und dich sogar in die Oper mitgenommen", konstatierte die Mutter.
„Nun ja, er wollte wohl nicht alleine mit einem Ehepaar in die Oper gehen und brauchte eine weibliche Begleitung."
Schweigen breitete sich aus, was Shanida bedrückte. Hätte sie gegenüber ihrer Mutter über den Opernbesuch mit dem Chef besser Stillschweigen bewahren sollen?
Endlich ergriff die Mutter erneut das Wort. „Ich werde diesen Planeten alsbald verlassen und nach Ryloth zurückkehren. Du wirst mich nicht anrufen und ich werde dich nicht anrufen. Merk dir aber meine Komlink-Nummer. Du hast ja noch deinen Verlobten. Lass dich von ihm in der Macht unterweisen, so gut es geht. Aber am wichtigsten ist, dass du deinem Chef gegenüber immer loyal bist … In allen Dingen, verstehst du?"
„Am wichtigsten? Ich bekomme bald ein Kind – und zwar nicht von meinem Chef", versetzte sie schwer verwundert.
„Tu einfach, was ich dir sage!", beharrte ihre Mutter. „Dann wird es dir an nichts fehlen, du wirst deine Talente voll entwickeln können und unsere Familie wird später endlich das bekommen, was sie so lange entbehren musste."
Nach diesen Worten beendete die Mutter die Verbindung und bereitete alles für ihre Abreise von Muunilinst vor. Shanida verstand ihren plötzlichen Sinneswandel nicht, aber bislang war immer alles so verlaufen, wie sie es vorausgeplant hatte. Also wollte sie ihrer Mutter auch dieses Mal vertrauen.
