Darth Plagueis wurde nur ungern in seinem Holo-Vid-Vergnügen gestört, aber das, was der Kommandeur seiner Sonnengarde zu berichten hatte, war wichtig.
„Jemand ist ins Schloss eingedrungen. Er hat ein Loch in die Tür vor der Lagune unterhalb des Elektrozaunes gebrannt. Die Tür hinter der Lagune wurde gewaltsam geöffnet, allerdings ohne Lichtschwert. Wir haben das Schloss und die Umgebung durchkämmt, aber offenbar ist er von der Insel entkommen."
Der Sithlord fragte sich, wie er so blind gewesen sein konnte. Dann hatte die fremde Präsenz, die er kurzzeitig gespürt hatte, also nichts mit dem über das Schloss gezogenen Shuttle vor einer Stunde zu tun gehabt. Plagueis tröstete sich mit dem Gedanken, dass der Kommandant immerhin erst nach seinem und Shanidas Orgasmus vorstellig geworden war.
Plagueis schalt sich spontan für seinen letzten Gedanken. Selbst, wenn der Kommandant vorher aufgetaucht wäre, hatte seine Meldung oberste Priorität! Er als Sithlord musste immer wachsam sein und durfte sich keiner Schwäche derart hingeben, dass er Gefahr im Verzug nicht wahrnahm oder gar bewusst ignorierte! Genau dafür bezahlte er die Echani schließlich.
„Hat er irgendwelche Spuren hinterlassen?"
„Dazu könnten wir den Bereich hinter der Lagune genauer absuchen, aber bis jetzt haben wir nichts gefunden."
Das Komlink des Kommandanten summte. Er nahm die Verbindung an und sprach auf Basic mit dem Wächter, der ihn kontaktiert hatte.
„Magister, ein Verdächtiger wurde ausgemacht, der sich schwimmend von der Insel entfernt hat. Wächter Nerl hat eine Holovid-Aufnahme davon gemacht. Möchtet Ihr sie sehen?"
Plagueis winkte ab. „Das wird nicht nötig sein. Ihr solltet die Zeit besser nutzen, dem Eindringling nachzusetzen."
Shanida war neben ihren Chef getreten. Je länger die Unterhaltung zwischen ihm und dem Kommandanten dauerte, desto unwohler wurde ihr.
„Verfolgt ihn diskret und erstattet mir Bericht, wo er sich gerade aufhält. Um den Rest werde ich mich kümmern", gab der Sith-Lord dem silberhaarigen Echani-Kommandeur seine Anweisungen.
„Es ist wirklich überaus bedauerlich", meinte er seufzend zu Shanida. „Ich habe bislang jede Folge aller bisherigen Staffeln dieser Serie gesehen und nun, wo sie mit Staffel Acht eingestellt werden soll, verpasse ich das Finale."
Mit diesen Worten nahm er ihre Hand und ging mit ihr wieder zu seinem Gleiter auf dem Dach des herrschaftlichen Anwesens. Mit gedämpften Geräuschen erhob sich das Rugess-Nome-Gefährt in die Lüfte und Plagueis steuerte es direkt auf Harnaidan Inner City zu.
Der Kommandant meldete sich erneut per Komlink.
„Es handelt sich um einen Zabrak, rosafarbene Haut, Tätowierungen, ein Lichtschwert."
Shanidas Haut wurde etwas heller. „Er ist es, nicht wahr, Magister? Er weiß Bescheid", flüsterte sie ihm vom Beifahrersitz aus zu.
Plagueis nickte. „Und wenn schon."
„Wie lauten Eure Order, Magister?", meldete sich der Kommandant erneut.
Ärger wallte in ihr auf, aber sie konnte das Gespräch nicht unterbrechen. Also schluckte sie ihren Ärger herunter.
„Haltet ihn irgendwie auf! Er darf nicht vor Mitternacht in die Wohnung soundso kommen!"
„Wie Ihr wünscht, Magister Damask."
Die Verbindung wurde beendet. Shanidas Ärger brach sich Bahn. „So wie Ihr das sagt, klingt das so leicht."
„Es ist leicht, wenn man denn will. Irgendwann musste der Zeitpunkt kommen, an welchem sich der Weg gabelt und eine Entscheidung getroffen werden muss. Du wusstest es nur noch nicht."
„Aber wir wollten heiraten!", platzte es aus ihr heraus.
„Ihr wolltet", wiederholte der Muun im Plauderton.
Panik war dabei, in Shanida hochzusteigen. Was genau wollte sie jetzt eigentlich? Sie hatte eigentlich alles gewollt. Von sich aus hätte sie des Zabraks Antrag niemals erhört; sie hatte sich damals zu jung gefühlt. Im Nachhinein jedoch hatte es ihr geschienen, als sei das Anstupsen durch ihre Mutter richtig gewesen. Sie führte hier auf Muunilinst ein schönes Leben an der Seite eines respektablen Mannes, der gar die Macht beherrschte – genau wie ihr Chef. Aber jetzt zerrten beide Männer an ihr. Und ihre Mutter hatte gesagt … würde es ihre Mutter auch billigend in Kauf nehmen, wenn Lo Bukk etwas zustoßen würde? Immerhin schien sie große Stücke auf Hego Damask zu halten. Ob sie ihn etwa kannte? Noch bevor Lo Bukk in ihr Leben getreten war?
„Wenn du tust, wie ich es dir sage, wird dir nichts schlimmes geschehen", hörte sie Hego Damask neben sich am Steuer in ruhiger Stimmlage zu ihr sagen.
Shanida dachte an ihr ungeborenes Kind. Selbstverständlich war ihr Kind in dem dir, was er soeben verwendet hatte, mit eingeschlossen. Sicherlich hatte Magister Damask es nur deshalb nicht extra erwähnt, weil er mit Planen beschäftigt war und selbst keine Kinder hatte.
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Lo Bukk kochte innerlich. Wieso war ausgerechnet jetzt die Ampel kaputt?! Der Aqualishaner, der ihn aufs Meer hinaus- und wieder an die Küste zurückgebracht hatte, hätte jetzt sicherlich gemurrt oder gar lauthals geflucht und das hätte er jetzt gar nicht gebrauchen können. Außerdem reichte es bereits, dass das Amphibienwesen wusste, dass er heimlich zur Insel Aborah geschwommen war; da brauchte er nicht auch noch zu wissen, wo er wohnte. Trotzdem ärgerte sich Lo Bukk über die Gelassenheit des menschlichen Gleitertaxi-Fahrers, der ihn von der Küste ins Stadtinnere chauffierte. Dem Mann war augenscheinlich völlig egal, dass ein Ex-Jedi in Sondermission wie er es eilig hatte! Nicht, dass Lo Bukk den ahnungslosen Taxifahrer über diese seine Mission in Kenntnis gesetzt hätte. Das wäre viel zu gefährlich auf dem Muun-Planeten! Also ärgerte Lo Bukk sich still weiter und wippte dabei unsichtbar für den Gleitertaxifahrer mit den Füßen.
„Das ist schon komisch", sagte der Gleitertaxi-Fahrer. „Aber dort vorne ist ja ein Polizist, der den Verkehr regelt. Irgendwann wird er uns schon durchlassen."
Der Polizist schwenkte seine Arme um neunzig Grad und endlich war der Verkehrsstrom an der Reihe, in welchem sich Lo Bukk befand. Träge setzte sich die Kolonne in Bewegung. Exakt, bevor Lo Bukks Taxi die Kreuzung der beiden Luftstraßen überqueren wollte, änderte der Verkehrslenker erneut die Richtung seiner Arme.
„Verdammt noch mal!", grollte Lo Bukk.
„Zu fluchen ist aber sehr unjedihaft!", tadelte ihn der Fahrer.
„Ex-Jedi!", korrigierte ihn Lo Bukk.
„Das wundert mich nicht."
„Sie sollen fahren, nicht quatschen!"
„Ich kann Sie auch gerne gleich hier rauslassen, wenn Sie wollen!", brummelte der Mensch und fixierte den aufgebrachten Zabrak via Rückspiegel.
Lo Bukk überlegte fieberhaft, was er machen sollte. Er musste nach Hause, bevor Shanida dort eintreffen würde. Nur dann konnte er sie überraschen und mit den Resultaten seiner Spritztour nach Aborah konfrontieren. Wie würde sie reagieren? Würde sie sich aufrichtig schämen oder ihm nur weitere Entschuldigungen oder Ausreden auftischen?
Ihm kam in den Sinn, lieber gleich zum Raumhafen zu fliegen. Er musste irgendwie nach Coruscant gelangen, den Jeditempel ansteuern. Meister Yoda und der Rat mussten über die absonderlichen Vorgänge auf der verbotenen Schlossinsel informiert werden! Aber was, wenn Damask in diesem Fall Shanida etwas antun würde, um sich an ihm zu rächen – oder um ihn zu erpressen? Nein, wahrscheinlicher wäre, dass Damask ihr irgendwelche Märchen erzählen und sie vollends in sein Netz ziehen würde. So oder so wäre Shanida für immer für ihn verloren! Dann hätte er, Lo Bukk, sie genauso im Stich gelassen wie damals seinen Meister.
Nein, er musste ihr eine Gelegenheit geben, alles zuzugeben und sich zu erklären. Danach würden sie zusammen nach Coruscant fliegen. Wenn Damask erst einmal als Anhänger der Dunklen Seite entlarvt wäre, dann hätten sie nichts mehr zu befürchten, müssten aber womöglich ihre Existenz hier auf Muunilinst aufgeben. Immer noch besser, als dass Shanida weiterhin für den Muun mit der Transpiratormaske arbeitete! Ihm kam in den Sinn, dass sein Chef über ein Aus-dem-Verkehr-ziehen des Chefs von Damask Holdings nicht sonderlich betrübt sein mochte, wenn er an das Treffen mit dem Senator von Malastare vor einer Woche dachte. Der Konkurrenzkampf zwischen Mals Tonith und Hego Damask war selbst für Machtunsensitive mit den Händen zu greifen gewesen.
Endlich änderte der Polizist die Richtung seiner Arme und Lo Bukks Gleitertaxi setzte sich in Bewegung. Sie wollten gerade die Kreuzung überqueren, als Lo Bukk ein Kräuseln in der Macht spürte.
„Sofort runter!", schrie er dem Taxifahrer zu.
Er zog sein gehörntes Haupt ein. Der Gleiter schaukelte nach vorn und zurück, als der andere Gleiter über sie hinwegraste.
„Heeeey, stehenbleiben!", hörte er von vorne den Ruf des Verkehrspolizisten, um welchen sich der davonrasende Verkehrsrowdy nicht kümmerte.
Das Brummen des starken Motors des davonziehenden Gleiters wurde schnell schwächer – schon bald musste er außer Sichtweite sein. Lo Bukk hob den Kopf und sah den Taxifahrer über dem Steuer liegen. Der Mensch regte sich nicht. Offenbar hatte ihn der über ihnen hinweggezogene Gleiter voll am Hinterkopf erwischt. Lo Bukk kletterte nach vorne, setzte sich ans Steuer und brachte den Gleiter, der nach der Haltepause gerademal fünf Standardmeter zurückgelegt hatte, erneut zum Auf-der-Stelle-Schweben.
„Brauchen Sie Hilfe?", hörte er von der Seite die Stimme eines Muuns.
Lo Bukk fühlte den Puls des Taxifahrers. Er ging noch schwach.
„Sie müssen ihn ins Krankenhaus bringen", sagte der Muun zu ihm.
Lo Bukk glotzte ihn an. Er hatte keine Ahnung, wo das nächste Krankenhaus war. Weder er noch Shanida waren jemals krank gewesen. „Jajaja, aber wo ist denn eins?"
„Ich zeige Ihnen den Weg. Es ist nicht weit", bot der Muun an.
„Sie werden ihn ins Krankenhaus bringen!", erwiderte Lo Bukk und wedelte mit den Händen, wie er es weiland im Jeditempel gelernt hatte.
„Ich werde ihn ins Krankenhaus bringen", wiederholte der Muun folgsam, während die anderen Gleiter an ihnen vorbei über die Kreuzung schwebten.
„Gut", sagte Lo Bukk lächelnd, hob den bewusstlosen Taxifahrer mithilfe der Macht hinter dem Steuer hoch und ließ ihn in den geräumigen Gleiter des hilfsbereiten Muun schweben.
Dann trat er die Pedale durch und raste in Richtung Heim davon, die empörten Rufe der anderen Verkehrsteilnehmer ignorierend. Schließlich ging es um das höhere Wohl der Galaxis!
Als Lo Bukk endlich das gemeinsame Apartment betrat, saß Shanida bereits im Wohnzimmer, als wäre nichts gewesen. Sie las gerade eine Zeitschrift in der Muun-Sprache und blickte kurz davon auf, als ihr Verlobter hereinkam.
„Wo kommst du denn so spät her?", fragte Shanida, als wäre nichts gewesen.
Ihm fiel auf, dass die Marke der Dunklen Seite ihr jetzt viel stärker anhaftete als noch am gestrigen Tag. Ihre Heuchelei widerte ihn an. Oder wurde sie dazu gezwungen? Egal, er musste das beenden, sofort!
„Was hast du bei dem Muun auf seinem Schloss gewollt?"
Er sah dabei zu, wie die Maske der gelassenen Verwunderung über sein Spätkommen von ihr abfiel. Das war ja schon einmal etwas.
„Du kannst mir alles sagen. Ich verstehe das", sagte er und machte einige Schritte auf sie zu.
Sie stand von ihrem bequemen Sessel auf, klappte die Zeitschrift zusammen und legte sie auf den Beistelltisch. „Du hast uns verfolgt?"
„Es gibt für dich und Damask also bereits ein uns, ja?", erwiderte er düster.
„So hatte ich das nicht gemeint", versuchte sie ihn zu beschwichtigen.
Vergebens. Er schloss die verbliebene Distanz zwischen sich und ihr, packte sie an den Schultern. „Er hat den Arm um dich gelegt und deine Lekkus gekrault! Und du hast es zugelassen!", grollte er sie an.
Sie sah ihn ertappt an. Wie konnte sie auch nur so dumm sein, zu glauben, dass er als Jedi das nicht irgendwann merken würde!
„Es tut mir leid", sagte sie leise - ihre Augen voller Schmerz und Niedergeschlagenheit.
Ihr Pauschalsatz machte ihn wütend. Das war alles, was sie ihm zu sagen hatte? Der Griff seiner Hände um ihre Schultern verhärtete sich. „Was tut dir leid? Dass er dich beim Sex vor Lust zum Stöhnen und sogar zum Schreien gebracht hat? Was ist zwischen dir und Hego Damask?", drang er in sie und schüttelte sie.
„Lass mich los!", rief sie, während sich in ihren schwarzen Augen das schiere Entsetzen breitmachte.
Ihr Widerstand peitschte sein Blut noch mehr auf. Er ließ sie los und ging von ihr weg, während sie erstarrt auf der Stelle stehenblieb, sichtlich unentschlossen, was zu sagen oder zu tun. Lo Bukk jedoch wusste genau, was er jetzt zu tun hatte. Er krümmte seine Rechte und nahm Shanida in den Würgegriff der Macht. Ihre Augen weiteten sich in Schock. Also hatte Damask ihr zumindest das noch nicht gezeigt!, dachte er stolz. Ihr schlanker Körper stieg mitten im Zimmer empor; verzweifelt fasste sie sich mit der Hand an den Hals, konnte aber den Machtgriff nicht lösen. Lo Bukk sah dabei zu, wie seine Verlobte zu röcheln begann und überlegte, wie lange er sie in dieser Lage belassen sollte.
Gleich würde sie alles gestehen! Dann war diese Barriere des Schweigens und der Täuschung, die sie jetzt noch gefangen hielt, endgültig niedergerissen und sie könnten noch einmal von vorn beginnen. Er überlegte, was er danach tun würde. Ja, zum Raumhafen, dann schnurstracks in den Tempel! Alles Weitere würde sich ergeben. Und dann würde endlich dieser verfluchte Damask verschwinden!
Ein schwaches Summen ertönte von der Tür her und unterbrach seine Gedanken. Das Summen eines aktivierten Lichtschwertes? Er selbst hatte vor ein paar Stunden eine Tür auf ebensolche Art und Weise geöffnet. Aber so genau konnte er das nicht verifizieren. Nicht, wenn die Tür zum Flur, welcher das Zimmer mit dem Treppenhaus verband, geschlossen war.
Die Tür öffnete sich und verschaffte ihm volle Klarheit. Die große, schlanke, schwarz gewandete Gestalt von Hego Damask schritt ins Wohnzimmer. Lo Bukks orangene Augen glitten zur Hüfte des Eindringlings. Aber dessen Umhang war durch eine Brosche vor der Brust zu dicht geschlossen, als dass er den Gürtel des Muuns hätte inspizieren können, um zu sehen, ob dort ein Lichtschwert hing – oder auch nicht.
„Lasst sie los!", befahl Darth Plagueis dem Ex-Jedi.
„Was ist hier los?", herrschte dieser Shanida an. „Du hast ihn gleich mitgebracht, nicht wahr?"
„Nein", röchelte sie.
Seine orangenen Augen flammten Hego Damask an. Sein Blick fixierte dessen grünen Augen, die so gelassen und souverän schauten, wie es nur möglich war. „Ihr … werdet sie mir nicht wegnehmen! Wir bekommen ein Kind zusammen!"
Plagueis blieb gelassen stehen, wo er war – genau an der Schwelle zwischen Flur und Wohnzimmer. Er fühlte, dass der verzweifelte Zabrak vor ihm gerade dabei war, alles zu verlieren, wofür er seine Karriere beim Orden der Jedi aufgegeben hatte.
„Das hättet Ihr Euch überlegen sollen, bevor Ihr in mein Anwesen eingebrochen seid – Ex-Jedi. Und häusliche Gewalt wird hier auf unserem wohlgeordneten Planeten schwer geahndet!", fügte er drohend hinzu.
Lo Bukks Hand intensivierte ihren Machtwürgegriff um Shanidas schlanken Hals. Sie hatte ihn betrogen und verraten! Dafür musste sie büßen! Nein, er würde seine Shanida niemals diesem fürchterlichen und intriganten Muun überlassen … Niemals! Lieber sollte sie sterben! Und er mit ihr! Später!
Mit einem Mal fühlte er, dass seine eigene Kehle sich ihm zuschnürte. Er schaute hinüber zu Hego Damask, der ihm das antat.
„Ich sagte doch, Ihr sollt sie loslassen", sagte Hego Damask leise und schneidend, während er seine linke, zur Klaue gekrümmte Hand in Lo Bukks Richtung gestreckt hielt. Sofort ließ Lo Bukk seine Verlobte los, die nun bewusstlos auf den Boden fiel.
Hego Damask wurde gewahr, dass Shanida in einer Art und Weise niedergefallen war, dass sich ihre acht Lekkus linksdrehend gleichsam spiralförmig um ihren Kopf gelegt hatten. Wie eine Galaxis! Die bald vollends die Seine sein würde. Aber vorher musste er, Darth Plagueis, diese Galaxis retten – so wie das eigentlich von einem Jedi erwartet wurde.
Der Muun sah, wie sich Entsetzen in Lo Bukks Augen breitmachte ob dessen, was er seiner Verlobten angetan hatte. Zeit, den Ex-Jedi wieder loszulassen - gleich.
Hilflos schaute Lo Bukk dabei zu, wie der Andere behutsam neben Shanida niederkniete und sich über sie beugte, ohne ihn selbst dabei aus dem Würgegriff der Macht zu entlassen.
„Es tut mir leid. Ich wollte ihr nichts tun", würgte Lo Bukk die Worte hervor, die er in seiner Situation für angemessen fand.
Plagueis bedachte ihn mit einem verächtlichen Blick. Lo Bukk fühlte die Verachtung, die ihm von dem Muun entgegenwaberte. Er hatte es damals im Tempel gelernt: Die Dunkle Seite der Macht kannte keine Vergebung!
„Wenn Ihr mir jetzt helft, sie zu retten, dann werde ich dafür sorgen, dass die Behörden Euch nicht behelligen und Ihr Muunilinst ungestört verlassen könnt", bot der Muun unerwartet seinem Rivalen an, der nicht wirklich einer war. Der Zabrak nickte und Plagueis ließ ihn los.
„Was soll ich tun?", fragte Lo Bukk, nun ruhiger geworden.
„Bringt mir ein Glas Wasser", sagte Plagueis, erst einmal nur, um den Anderen zu beschäftigen.
Sofort rannte Lo Bukk ins Bad. Ihm wurde nun schmerzlich bewusst, dass der Andere mindestens über ebensolche Machtkräfte verfügte wie er selbst. Hatte Hego Damask die Tür zum Apartment vorhin womöglich wirklich mit einem Lichtschwert geöffnet? Und wenn ja: Welche Farbe hatte es wohl? Aber er hatte ihm immerhin eine Chance angeboten, zu verschwinden. Sith taten so etwas nicht, sondern meuchelten Konkurrenten rasch und schmerzlos. Außerdem hatten Sith gelbe Augen; die von Hego Damask jedoch waren grün. Und noch hatte er kein Lichtschwert bei ihm gesehen. Diese beiden Tatsachen beruhigten ihn etwas.
Er überlegte kurz, ob er das Abgelenktsein von Damask nutzen sollte, diesen von hinten mit seinem eigenen Lichtschwert niederzustrecken. Aber der Rat würde einen solchen Alleingang gewiss missbilligen. Vor allem, wo Damask noch gar nichts gestanden hatte, außer, dass er, Lo Bukk, ihn bei der Anwendung eines Machtwürgegriffs ertappt hatte – um jemand anderen zu retten. Wie er es auch drehte und wendete, so blieb Damask immer der moralische Sieger. Es blieb ihm also nur eins: kein weiteres Risiko einzugehen, keine weitere Zeit zu versäumen, sondern sofort in den Jedi-Tempel gehen. Wenn der Muun ihn derart gehen ließ, dann hatte er also noch gar nicht gemerkt, dass er sich auch im Keller seines Schlosses zu schaffen gemacht hatte. Gut so! Das verschaffte ihm die Zeit und die Gelegenheit, seine früheren Fehler zu korrigieren.
Shanida war immer noch bewusstlos, als Darth Plagueis ihren Puls fühlte. Er fühlte keinen. Er legte seine Hände an ihre Kehle, auf ihre Brust, um die Midichlorianer von sich in sie fließen zu lassen. Er sah Lo Bukk mit dem Wasser herankommen.
„Sie darf nicht sterben!", sagte Plagueis stoisch zu dem Anderen, ihn mit einem anklagenden Blick seiner grünen Augen strafend. ‚Sie muss leben! Ich brauche sie!', schallte es eindringlich in ihm. Aber so etwas laut zu sagen, würde er sich vor dem Zabrak niemals entblößen. Trotzdem beunruhigte ihn die Tatsache, dass er Shanidas Gesellschaft mittlerweile derart als unentbehrlich empfand. Solch eine Schwäche durfte sich ein Lord der Sith nicht leisten!
Er fühlte noch einmal ihren Puls. Es gab immer noch keinen. Da kam ihm eine Idee. Er legte seine rechte Hand auf ihren Bauch. Jetzt fühlte er etwas. Da war ein kleines neues Leben, offenbar völlig unbeeindruckt von dem Droh- und Racheakt, den sein Vater gerade an seiner Mutter begangen hatte. Er spürte zwei kleine Herzchen schlagen. Es interessierte ihn nicht, ob das die zwei Herzchen von zwei kleinen Wesen waren oder ob sie in ein und demselben werdenden Kind schlugen.
Plagueis legte seine Linke auf Shanidas Brust, dort wo ihr Herz war. Dann ließ er die Lebensenergie und die Midichlorianer erneut fließen. Diesmal nicht nur von sich aus. Nach ein, zwei Minuten, die ihm endlos lang vorkamen, bemerkte er, dass die beiden kleinen Herzchen aufgehört hatten, zu schlagen, während Shanidas Augenlider zu flattern anfingen. Er fühlte erneut ihren Puls. Er war wieder zurückgekehrt. Sie war wieder zurückgekehrt. Gleich würde sie aufwachen. Es war geschafft!
Lo Bukk stand etwas düpiert mit dem Glas Wasser neben den Beiden und sah, wie die Hände des Muun das Wunder vollbrachten, Shanida wieder ins Leben zurückzubringen.
Schließlich schlug sie ihre schwarzen Augen auf.
„Der Macht sei Dank, Du lebst!", sagte Darth Plagueis andächtig.
„Gebt mir das Wasser!", befahl er Lo Bukk, während Shanida sich aufsetzte.
„Das gebe ich ihr", zischte dieser zurück und schickte sich an, sich ebenfalls zu ihr herabzubeugen.
„Du hast offenbar nicht begriffen, wen du vor dir hast", zischte Hego Damask zurück.
Kurzentschlossen stand der Muun auf und nahm dem düpierten Lo Bukk das Glas aus der Hand, um es Shanida zu reichen. Die Nauto'lek nahm es und führte es umgehend an den Mund, um es in großen Zügen leerzutrinken, während Lo Bukk mit schlaffen Armen unnütz und gedemütigt daneben stand.
Nachdem Shanida das Glas geleert hatte, stand sie auf und setzte sich zurück auf den Stuhl, wo sie zuvor gesessen hatte, um in der Muun-Zeitschrift zu lesen. Dies tat sie jetzt freilich nicht, sondern schaute gebannt auf die beiden um sie konkurrierenden Männer.
Dass ihm Hego Damask das Glas mit dem Wasser einfach weggenommen und ihn abrupt zu duzen begonnen hatte, war Lo Bukk gleich einem schmerzhaften Peitschenhieb unter seine ansonsten recht unempfindliche Haut gefahren. Er wusste ab jenem Moment, dass er das Maß überreizt hatte, dass der Chef von Damask Holdings jeglichen Respekt ihm gegenüber verloren hatte – wenn er denn überhaupt jemals so etwas wie Respekt für ihn empfunden hatte, schoss es ihm einem unheimlichen Streiflicht gleich durch den gehörnten Kopf.
„Und jetzt zu dir, Ex-Jedi Lo Bukk", wandte sich Hego Damask wieder seinem Nebenbuhler zu, sich erneut zu seiner vollen Größe aufrichtend.
Plagueis' Linke schob den nachtschwarzen Umhang beiseite, um einen Zylinder vom Gürtel zu nehmen.
Lo Bukks Augen weiteten sich. Der Muun hatte die Tür vorhin also wahrhaftig mit dem Lichtschwert geöffnet!
Die rote Klinge erwachte mit einem Zischen zum Leben. Das Licht und das Brummen der Sith-Waffe erfüllten den Raum, aber noch überwältigender war die Dunkle Machtpräsenz, die der Muun mit einem Mal im Wohnzimmer entfaltet hatte. Der Zabrak wich ob dieser Entfaltung einen Schritt zurück. Seine Augen weiteten sich noch mehr, als er sah, dass die Augen von Hego Damask urplötzlich strahlend gelb geworden waren!
Magister Hego Damask war also wahrhaftig ein Lord der Sith und hatte sich ihm, einem Ex-Jedi, der jedoch nicht der Dunklen Seite der Macht huldigte, zu erkennen gegeben! Da die Sith geheim waren, bedeutete das, dass er unweigerlich zum Tode verurteilt war, um das Geheimnis des Muuns zu wahren.
Wie konnte er auch nur so dumm gewesen sein, Damasks Versprechen der Verschonung von Strafverfolgung zu glauben, ihm auch noch getreulich ein Glas Wasser zu holen, anstatt sich sofort aus dem Staub zu machen?!, schalt er sich.
Jetzt gab es kein Entrinnen mehr. Jetzt würde sich zeigen, wer stärker war: Jedi oder Sith?
Lo Bukk verlor keine Zeit. Seine Muskeln strafften sich wieder und er aktivierte seine eigene orangene Klinge.
„Damit seid Ihr also in mein Schloss eingebrochen", konstatierte Plagueis belustigt.
„Jetzt verstehe ich alles!", rief Lo Bukk mit flammenden orangenen Augen aus. „Ihr seid der gesuchte zweite Sith-Lord! Der Meister! Ihr habt das alles eingefädelt!"
Plagueis' gelbe Augen legten sich in Fältchen, während seine Klinge sein längliches Gesicht in ihren roten Widerschein tauchte. „Was habe ich denn eingefädelt?"
„Ihr habt auf Kamino Meister Ni-Cada umbringen lassen, um an ihm Rache zu nehmen, weil er damals vor neunzehn Jahren auf Abraxin Euren Schüler getötet hat! Ihr habt ihn damals auch aufsuchen wollen, nicht wahr? Wir haben Eure Präsenz gespürt, konnten sie aber nicht zuordnen. Wir dachten, es sei der Nautolaner. Aber jetzt ist das auch egal: Denn Ni-Cada und ich waren vor Euch da! Wir haben ihn getötet!", rief der Zabrak triumphierend, während seine orangenen Augen fiebrig glänzten. „Und dann habt Ihr sie (er wies mit seiner Linken auf Shanida) angewiesen, mich einzuwickeln und hierherzulocken, damit Ihr mich jetzt ebenso töten könnt wie damals meinen Meister!"
Darth Plagueis schaute den in Rage geratenen Zabrak für einen Moment verdutzt an, dann fing er sich wieder und entschied sich, weiter zu schweigen und zuzuhören, um noch mehr zu erfahren.
„Das stimmt doch, Shanida! Oder? Er hat dich angeheuert! Er … hat dich zu allem gezwungen! Nun gib es schon zu!", schrie er sie an, inständig hoffend, sie würde ihm sagen, dass sie nur ihn lieben und für immer die Seine bleiben würde.
Er fixierte Shanida verzweifelt mit seinem Blick, aber seine Verlobte sah die beiden Männer lediglich mit weit geöffneten Augen verständnislos an. In diesem Moment verlor Lo Bukk auch noch das letzte Fünkchen Hoffnung, die Liebe seines Lebens behalten zu können. War Shanida jemals die Seine gewesen? Er hätte Meister Ni-Cadas scheelen Blick auf Kamino ernst nehmen und sie kurze Zeit später nach dessen Tod niemals küssen dürfen!
„Du …!", herrschte er sie an. „Du hast Naat Lares Klinge genauso drapiert, dass sie meinem Meister im Todeskampf noch ein Auge ausgestochen hat! Genug Zeit vorher hattest du ja gehabt. Das hast du extra so gemacht, du miese Sith-Hure!"
„Wer ist Naat Lare?", fragte Shanida, nun völlig entgeistert vom Ex-Jedi zum Sith schauend.
„Shanida, Naat Lare war dein Vater", entgegnete der Dunkle Lord der Sith ruhig.
„Nein! … Neeiiin!", schrie Lo Bukk seinen Horror und seinen Schmerz über diese Offenbarung hinaus.
Plagueis schritt mit immer noch aktivierter Klinge auf ihn zu. Lo Bukk hielt ihm seine orangene Klinge entgegen, aber der Sith-Lord schlug seinen Hieb weg und wirbelte um Lo Bukk herum, so dass diesem schwindlig wurde. Auch wenn Hego Damask zwischen sechzig und siebzig Jahre alt sein mochte, so wusste Lo Bukk, dass Muuns eine durchschnittliche Lebenserwartung von hundert Standardjahren hatten. Der Sith vor ihm war also biologisch gesehen nur wenig älter als er selbst! Der Ex-Jedi spürte, wie der Hass ihn mehr und mehr erfüllte. Er war das nicht gewohnt, konnte damit nicht umgehen. Sein Hass drohte, ihn von innen heraus zu verzehren, vernebelte ihm die Sinne, welche ohnehin von der ihn umgebenden Sith-Dunkelheit getrübt wurden.
Schnell wandte er sich um, um den nächsten Hieb von Plagueis zu blocken. Die rote und die orangene Klinge klebten für einen Moment zusammen, bevor Plagueis seine wieder losriss. Lo Buck schaffte es gerade noch, über die Sith-Klinge hinwegzuspringen, die ansonsten seine Füße abgetrennt hätte. So ein Spiel hatten sie mit Stöcken früher im Jedi-Tempel als Jünglinge gespielt. Ob Sith so etwas während ihrer Ausbildung wohl auch taten? Wie denn, wenn es nur einen alten Meister und einen jungen Schüler gab – und das bereits seit tausend Jahren?
Lo Bukk nahm sein Schwert in beide Hände und versuchte, seine Klinge in einem Wirbel von unten hochzureißen, um den Leib des Muuns von unten her aufzuschlitzen. Ein Tritt von Plagueis gegen sein Schienbein brachte ihn aus der Balance, bevor er sein Manöver vollenden konnte. Die orangene Klinge wirbelte ohne Ziel in die Höhe und hieb ins Leere.
Der Zabrak duckte sich, um einem Querhieb auszuweichen, der ihn ansonsten sein gehörntes Haupt gekostet hätte. Etwas zischte über seinem Kopf. Des Muuns Klinge hatte die Spitzen einiger seiner Hörner touchiert. Nichts Ernstes also.
Noch während die Sith-Klinge ihren roten Wirbel vollendete, loderte der Hass in Lo Bukk einer Stichflamme gleich empor. Gleichzeitig schoss sein bestiefelter Fuß nach vorn. Dies geschah so schnell, dass Lo Bukk selbst von seiner Schnelligkeit überrascht war. Hatte der Hass auf den Muun sie ihm soeben verliehen?
Darth Plagueis ächzte, als ihn der Zabrak mit seinem Tritt voll an den Weichteilen erwischt hatte. Lo Bukk ließ ein lautes, grimmiges Lachen hören. Er fühlte sich von einer Macht beseelt, die er noch nie zuvor gekannt hatte.
Lo Bukks Triumphschwelgerei währte den Bruchteil einer Sekunde zu lang. Sein sich in Pein zusammenkrümmender Gegner hatte reflexhaft die rechte Hand ausgestreckt, um den Widersacher mit einem Machtstoß an die gegenüberliegende Zimmerwand zu werfen. Lo Bukks Körper schlug mit dem Rücken in der Transparistahlvitrine ein, deren Frontscheibe zerbrach und zersplitterte. Einige Splitter des durchsichtigen Materials bohrten sich in seine Seite, als er im Rückstoß wieder nach vorne fiel.
Plagueis kam auf ihn zu, um seinen Vorteil auszunutzen. Lo Bukk sah den Sith kommen und seine Rechte verkrampfte sich um den Griff seines Lichtschwerts. Ihm fiel ein, dass ihn Ni-Cada einst genau vor solch einer Verkrampfung gewarnt hatte. Also versuchte er sich zu entspannen und eine Eröffnung zu finden, die es ihm erlauben würde, die Defensive zu verlassen. Außerdem musste er seinen Hass abschalten, der ihn derart gefährlich trunken gemacht hatte. Ni-Cada hätte ihn gescholten!
Lo Bukk schaffte es, nach der schmerzhaften Bekanntschaft mit der zersplitternden Vitrine auf seinen Füßen zu landen. Eine wedelnde Handbewegung seiner Linken und die auf dem Tisch liegende Zeitschrift in der Muunsprache wirbelte raschelnd ins Gesicht des Sithlords.
Jetzt!, ermutigte sich Lo Bukk.
Es gab da eine ganz spezielle Stoßtechnik – entwickelt, um alle drei Herzen eines Muuns gleichzeitig zu erwischen. Man stach also von einer Seite in den Körper ein und zog dann im halbkreisförmigen Bogen durch den Oberkörper des betreffenden Muuns. Aber auf welcher Seite stach man zuerst ein- rechts oder links? Und wölbte sich der zu ziehende Halbkreis dann nach oben oder nach unten? Lo Bukk musste sich eingestehen, dass er sich an solche Einzelheiten nicht mehr erinnerte. Aber wann hatte es ein Jedi auch schon einmal mit einem derart gefährlichen Muun zu tun gehabt? Lo Bukk wusste gerade noch, dass es jene Hiebtechnik gab; das war aber auch schon alles. Also stürmte er vor und hieb mit seiner Klinge dorthin, wo er Damasks Primärherz vermutete. Das musste zuerst ausgeschaltet werden.
Zentimeter vor der Brust des Muuns wurde seine orangene Klinge von der roten gestoppt, während die Zeitschrift immer noch vor des Magisters grauem Gesicht klebte. Der Geruch von angekokeltem Stoff zog in Lo Bukks Nase. Der Sith hatte es gerade noch so geschafft, seinen gewaltigen Hieb abzuwehren, dabei aber sein schwarzes Sith-Gewand versengt. Er musste jetzt nur noch etwas doller gegen seinen Feind pressen, dann würde Hego Damask an der Brust von seiner eigenen roten und der orangenen Klinge in einem sehr stumpfwinkligen Kreuz quergeteilt werden!
‚Wenn geschickt ihr es anstellt – zum Meister führen – Naat Lare euch kann', hallten Meister Yodas Worte von vor neunzehn Jahren in seinem Ohr nach. Oh ja, Naat Lare hatte ihn gleich zweimal zu dessen Meister geführt. Und er, Lo Bukk, hatte sich beide Male alles andere als geschickt verhalten. Er hätte damals auf Abraxin einfach den Mund halten sollen! So wie Ni-Cada ihm im Nachhinein vorgehalten hatte! Aber jetzt würde er seine Nachlässigkeit von damals wiedergutmachen!
Lo Bukk hörte, wie Damask vor ihm pustete. Die rote Klinge schob die orangene von sich fort, als habe sie nur auf diesen Moment gewartet. Also hatte der Sith seine Schwäche vorhin nur vorgetäuscht! Das Pusten des Muuns war so stark, dass die Zeitschrift von seinem Gesicht flog – direkt vor Lo Bukks Augen. Der Zabrak war immer noch Jedi genug, um auch ohne Augenkontakt zu erspüren, wo die rote Klinge seines Widersachers ihn jetzt zu treffen versuchte. Er parierte den Hieb und schüttelte den Kopf, um die Zeitschrift von jenem wegzubekommen.
Die Zeitschrift fiel zu Boden – Die gegnerische Klinge war auf einmal fort und seine orangene Klinge taumelte für den Bruchteil einer Sekunde ins Leere, bevor ihr Eigner sie in der Ataru-Position für einen erneuten Angriff ausrichtete. Als Lo Bukk wieder sehen konnte, erspähte er den Muun an der gegenüberliegenden Wand des Raumes, seine rechte Hand in einer in sich drehenden Bewegung erhoben, während die Linke nach wie vor die rote Klinge führte – in der Makashi-Seitwärtshaltung.
Eine Vase traf Lo Bukk hart im Gesicht und ließ ihn zu Boden gehen. Der Sith-Lord hatte zusätzlich zu seiner gezückten roten Klinge erneut die Macht gegen ihn eingesetzt. Der Zabrak blieb wie gelähmt am Boden liegen. Er sah ein abgebrochenes Horn vor sich auf dem Boden liegen. Wie lange würde es dauern, bis es wieder nachwachs …? Für derlei Gedanken blieb keine Zeit!
Fragend schaute er zu seinem dämonischen Widersacher auf, der erneut auf ihn zukam.
„Ja, du hast vollkommen recht …", las Hego Damask laut Lo Bukks Gedanken. „Ich bin Darth Plagueis, Dunkler Lord der Sith!", erklärte Hego Damask stolz von oben herab auf den am Boden liegenden, gescheiterten Ex-Jedi schauend, von dem er jetzt nur noch einen Standardmeter entfernt war.
Jetzt kannte er also auch den Sith-Namen des Muuns. Eine weitere Frage keimte in Lo Bukk auf. „Aber wenn Naat Lare seit neunzehn Jahren tot ist, dann habt Ihr doch jetzt bestimmt einen neuen Schüler, nicht wahr?"
„Das ist eine brillante Vermutung!", meinte Plagueis hinter seiner Maske kichernd und machte einen weiteren Schritt auf den Ex-Jedi zu, so dass seine Stiefelspitzen Lo Bukks rechten Ellbogen berührten.
Jetzt erst wurde Lo Bukk gewahr, dass er während des Stoßes der Vase an seinen Kopf sein Lichtschwert hatte fahren lassen. Verzweifelt suchte seine Rechte, sich dessen wieder mithilfe der Macht zu bemächtigen. Der argentumfarbene Zylinder flog wie gewünscht in seine Richtung … um kurz vor seiner ausgestreckten Hand einen Schlenker nach oben zu machen … und in Richtung des Sith-Lords mit der langen, roten Klinge zu fliegen.
Routiniert fing des Muuns Rechte die orangene Klinge im Flug auf. In diesem Moment wusste Lo Bukk, dass er versagt hatte – endgültig versagt! Darth Plagueis war zu nahe, als dass die Zeit gereicht hätte, einen befreienden Machtsturm zu entfesseln; die zwei Klingen in seinen grauen Händen brummten überlaut in Lo Bukks Ohren. Trotzdem rappelte er sich notdürftig wieder auf.
„Aber … Ihr habt mir versprochen, dass ich Muunilinst unbehelligt verlassen kann. Dass mich die Behörden nicht …."
„Und an dieses Versprechen halte ich mich", erwiderte der Sith-Lord mit Grabesstimme. „Aber ich habe nicht davon gesprochen, dass Ihr Muunilinst lebend verlassen werdet", setzte er in seinem näselnden Basic kalt hinzu.
Lo Bukk schaute noch einmal auf Shanida, die ihn mit erschrockenen Augen anschaute. Ihm wurde klar, dass sie Plagueis' Versprechen, ihn ziehen zu lassen, genauso geglaubt hatte wie er. Er sah die Bitte um Vergebung in ihren großen schwarzen Augen. Was hatte der Muun ihr wohl noch versprochen, was er niemals halten würde? Was würde dieser furchtbare Sith-Lord wohl mit seinem und ihrem ungeborenen Kind anstellen? War das überhaupt sein Kind?
Unvermittelt dachte er wieder an den unglücklichen Bith in der Wanne auf Aborah. Dann fühlte er in seinen beiden Herzen einen brennenden Schmerz. Genau wie damals, als er das erste Mal intensiv in Shanidas Augen gesehen und sich spontan in sie verliebt hatte. Aber nur fast genauso wie damals. Denn dieser brennende Schmerz in dieser Nacht wurde dadurch verursacht, dass der Dunkle Lord der Sith sein eigenes rotes und Lo Bukks orangenes Lichtschwert durch dessen beide Zabrak-Herzen getrieben hatte.
Lo Bukk schaute noch einmal mit schmerzerfüllten Augen Shanida an. Er las Bedauern im Blick seiner ehemaligen Verlobten, dann wurde alles um ihn herum schwarz.
Die Macht … sie holt mich … dachte er. Ich habe die Gefahr der Sith erkannt … und kann Meister Yoda und die anderen Jedi nicht warnen. Ich habe versagt. Ich hätte den Orden niemals verlassen sollen!
Er spürte noch einen weiteren brennenden Schmerz, als Darth Plagueis die beiden Lichtschwerter wieder deaktivierte. Dann sackte Lo Bukk tot auf dem Boden des Wohnzimmers zusammen.
