Shanida saß immer noch stumm auf dem Sessel, in welchem sie während des gesamten Kampfes zwischen den beiden um sie konkurrierenden Männern gesessen hatte. Jetzt öffnete Darth Plagueis, wie sie seit ein paar Minuten wusste, die argentumfarbene Spange, die seinen schwarzen Umhang oberhalb der Brust zusammenhielt. Er würde doch nicht etwa jetzt schon wieder …?
Ihr Chef trat von der Seite an sie heran und legte ihr behutsam den abgelegten Umhang über die Schultern. Nein, es war nicht plötzlich kalt im Raum geworden in dieser lauen Sommernacht. Trotzdem legte sich Plagueis' Umhang wie ein Schutzfilm um sie, weniger um sie zu trösten, als vielmehr die Aufgewühltheit und Scham, die in ihr wüteten, einigermaßen zu beschwichtigen und im Zaum zu halten. Ihr standen immer noch die Tränen in den Augen, die aus ihren schwarzen Augen gequollen waren, als sie vor ein paar Minuten Zeugin geworden war, wie ihr Verlobter tot zusammenbrach, nachdem der Sith-Lord die beiden Lichtschwertklingen in seine beiden Herzen gerammt hatte.
Plagueis trat von ihr weg und setzte sich auf den Sessel an dem niedrigen Tisch ihr gegenüber. Sie musterten einander, ohne etwas zu sagen. Shanida war sich sicher, dass er jetzt kalkulierte, wann es Zeit war, sie anzusprechen. Genau auf diesem Tisch hatte damals die Weinkaraffe gestanden mit den drei Gläsern, die sie, Lo Bukk und ihre Mutter zusammen geleert hatten, nachdem der Zabrak ihr nach Muunilinst hinterhergereist war – direkt in sein Verderben, wie sie nun wusste. Hätte es irgendeine Rettung für ihn gegeben? Oder hatte Lo Bukk recht, als er einen finsteren Plan hinter all dem vermutete? Allerdings schien Plagueis selbst eher überrascht gewesen zu sein, nachdem Lo Bukk ihn einer Verschwörung gegen ihn und seinen toten Meister bezichtigt hatte. Aber wenn nicht Darth Plagueis, wer dann? Sicherlich würde ihr Chef ebenso begierig sein wie sie, die gesamte Wahrheit zu erfahren. Also unterbrach sie ihr Sinnieren und schaute den Muun an, der das Signal sofort als Aufforderung zum Reden verstand. Shanida war ihm dankbar dafür, dass er ihr diese wertvollen Minuten des Innehaltens gelassen hatte. Sollte sie ihm dankbar sein? Immerhin hatte er …
„Wir müssen uns jetzt darüber Gedanken machen, wie wir diese Sache so unkompliziert wie möglich über die Bühne bringen, ohne, dass allzu viel Aufsehen erregt wird", begann Plagueis zu planen. „Schließlich war er einst ein Jedi."
Shanida fühlte sich spontan geschmeichelt, dass Hego Damask sie derart ergebnisoffen in seine Planung miteinbezog. Eine Verschwörung gebar eine neue und sie war nun ein aktiver Teil davon. Ein Kribbeln durchfuhr ihr Rückgrat.
Er aktivierte sein Komlink, um dem Kommandeur seiner Sonnengarde die Anweisung zu geben, ins Erdgeschoss des Wolkenkratzers zu kommen, wo sie sich gerade aufhielten. Nachdem er die Verbindung beendet hatte, sah er Shanida an.
„Schade, dass er nicht zwei Lichtschwerter besaß. In diesem Fall könnten wir ihm gut einen Selbstmord anhängen", meinte Darth Plagueis mit Bedauern in der Stimme.
„Es gibt noch ein Lichtschwert. Lo Bukk hat es für mich angefertigt, damit wir gemeinsam Lichtschwertkampf trainieren können", erwiderte sie mit hohler Stimme.
„Würdest du es mir bitte holen?", bat er sie.
Sofort stand sie auf und holte ihr Lichtschwert aus einer Schublade in der Kommode im Schlafzimmer. Der Sith-Lord nahm es, wog es kurz in der Hand und aktivierte die Klinge, die sofort rot aus dem Griff schoss.
Fältchen des Vergnügens legten sich um seine grünen Augen. „Das ist dein Lichtschwert?"
Sie nickte.
„Das ist ganz ausgezeichnet", lobte er ihre Wahl von damals. „Kein Verdacht wird auf uns zurückfallen. Dafür jede Menge Unrat auf das Vermächtnis von Ex-Jedi Lo Bukk."
Er zog feine Lederhandschuhe aus einer Tasche seines schwarzen Gewandes und streifte sie über die schlanken Hände. Dann ging er in die kleine Küche, holte ein Tuch und wischte den Griff von Shanidas Lichtschwert frei von jeglichen verräterischen Fingerabdrücken. Er nahm den Griff von Lo Bukks eigenem Lichtschwert von seiner Hüfte, um jenen ebenfalls zu säubern. Nach getaner Reinigung legte er dem toten Zabrak beide Lichtschwerter in die erkaltenden Hände.
„Wenn das hier jetzt bald ein polizeilich gesicherter Tatort ist, dann werde ich wohl vorübergehend woanders unterkommen müssen", leitete Shanida zu einem anderen Teil des Planes über.
„Richtig", bestätigte sie der Sith-Lord. „Du wirst vorübergehend im Hotel wohnen. Pack am besten noch ein paar Badesachen ein", sagte er zu ihr mit einem verhaltenen Lächeln.
Shanida machte sich daran, einen kleinen Reisekoffer zu packen. Die Aussicht auf ein baldiges entspannendes Bad war eine ungemein tröstende Aussicht. Sie hoffte, bei diesem Bad allein zu sein. Ob er das zulassen würde?
Nachdem sie den Koffer gepackt hatte, verließen sie das Apartment – und damit den Tatort.
„Wo ist das Hotel?", fragte sie leise.
„An einen Ort, wo du dich erholen und vergessen kannst", erwiderte er, während der Turbolift sie nach unten brachte.
Als sie im Erdgeschoss angelangt waren, wartete dort bereits der Kommandeur der Sonnengarde, um von seinem Boss weitere Instruktionen entgegenzunehmen. Mit demselben Turbolift, welcher das ungleiche Paar hinuntergebracht hatte, fuhr nun der silberhaarige Echani-Kommandeur mit zweien seiner Leute hinauf, um dort den Eindringling von Aborah zu stellen, welchen er bis hierher verfolgt hatte.
Mittlerweile war es Mitternacht geworden. Der schwarze Rugess-Nome-Gleiter brachte Plagueis und Shanida auf die Dach-Landeplattform des Hotels „Damask Imperial", wie Shanida feststellte. Das Gebäude war nach dem Hauptsitz des Intergalaktischen Bankenclans das zweithöchste von ganz Harnaidan und für seine Annehmlichkeiten für betuchte Gäste und die Aussicht auf die Hauptstadt von Muunilinst sowie auf das Westliche Meer berühmt. Gleich hinter der Landeplattform gab es einen Raum, wo eine Anmeldung möglich war. Sie traten an den Tresen für die Registrierung. Ein Muun mittleren Alters saß dahinter.
„Ich hätte gerne die Karte für die Suite, welche seit gestern Abend auf Mrs. Shanida Twaye ausgestellt wurde."
Der Angestellte überreichte Damask eine Chipkarte, die jener sofort Shanida gab. „Geben Sie als Datum der Übergabe auch gestern Abend sechs Uhr ein!"
Der andere Muun tat wie geheißen.
„Und Ihr? Registriert Ihr Euch nicht?", fragte sie ungläubig, während sie weiter ins Gebäude schritten.
„In meinem eigenen Hotel?", gab er hinter seiner Transpirator-Maske schmunzelnd zurück.
Shanida durchfuhr bei diesen Worten Plagueis' eine peitschende Welle, die sie beinahe schwindlig machte. Jetzt erst bekam sie eine Ahnung davon, zu welcher Machtentfaltung Hego Damask noch in der Lage war, außer Sith-Kräfte zu entfalten.
„Jetzt zeige ich dir erst einmal die Suite", erklärte er und führte sie von der Anmeldung über eine Treppe ins Dachgeschoß des Hotels, wo es eine einzelne Tür gab – unmöglich zu verfehlen.
Shanida ließ die Chipkarte über den dafür vorgesehenen Scanner gleiten und die Doppeltür glitt mit einem Zischen zu beiden Seiten hin auf. Die Suite, die sich ihr dahinter darbot, war solide eingerichtet, mit einem diskreten Hauch von Eleganz. Alles war blau-grün-weiß gehalten und die Teppiche, welche das teure Wroshyrholz-Parkett bedeckten, waren äußerst fein und kunstvoll geknüpft.
„Eine Arbeit von Pantora", merkte der Sith-Lord an, als er Shanidas bewundernden Blick auf den Boden bemerkte.
„Es ist schön, dass die Lampen und die Türklinken argentumfarben sind", bemerkte Shanida. „Das ist nicht so aufdringlich wie das gelbliche Aurodium."
„Genauso soll es auch sein", pflichtete ihr Hego Damask bei. „Aurodium, womöglich noch mit vielen Verschnörkelungen, ist etwas für adelige Protz-Angeber von Naboo … Und gerade weil es so oft verwendet oder nachgemacht wird, sieht Aurodium absolut billig aus!", fügte er mit einer abfälligen Handbewegung hinzu.
Er ging mit ihr durch die Suite, um ihr alles zu zeigen. Es gab zwei Etagen, jede mit Bad und Küche versehen, so dass hier zwei Parteien gemeinsam, aber doch vollkommen unabhängig voneinander wohnen konnten, falls gewünscht. Als sie die Treppe zum Untergeschoss der Suite wieder hinunterstiegen, klopfte jemand an die Doppeltür. Damask öffnete und ein livrierter Page stand vor der Tür, um auf einem Rollwägelchen ein kleines Büffet zum Nachtmahl hereinzufahren.
Shanida sah auf ihr Chrono. Es war bereits eine Viertelstunde nach Mitternacht. Plagueis hieß den Pagen, das Rollwägelchen zu einem Tisch zu fahren, um welchen vier Stühle gruppiert waren.
Sie setzten sich, um zu speisen. Shanida fand es wohltuend, dass sie dieses Mal nicht mit den Gläsern anstießen, nachdem Plagueis den Wein entkorkt hatte. Sie fand das sehr dezent. Offenbar fühlte Plagueis wie sie, dass ihre Trauer und die Ungewissheit über die kommenden Ereignisse wie ein schwerer Schleier auf ihr lagen, wo immer sie auch waren. Schweigend tranken sie beide ein Glas Wein, welches sie zum Mund, er zur Nase führte.
„Seit wann und warum tragt Ihr eigentlich diese Maske?", fragte sie.
„Vor zwei Jahren gab es auf Coruscant ein Attentat, um die Spitze des Bankenclans und von Damask Holdings auszudünnen, welche sich dort versammelt hatte. Der Anschlag war sehr gut geplant; das muss ich zugeben – aber nicht gut genug, um auch mich zu töten."
„Das heißt, Ihr habt als einziger überlebt?"
Er nickte und machte eine Kunstpause, während welcher er sie neugierig musterte.
„Der Anschlag war mindestens so gut geplant wie dein Eintreten in meine Firma", kam er nun zu der Verschwörung, die ihn momentan interessierte.
Ihre Augen huschten kurz zu Boden, um ihn sogleich wieder anzusehen. Sein ernster Blick verriet ihr, dass er jetzt etwas von ihr erfahren wollte. Sie erkannte, dass es keinen Zweck hatte, irgendetwas vor ihm zu verbergen. Sie war hier in seinem Reich, in seinem Hotel, in seiner Obhut.
„Meine Mutter wollte unbedingt, dass ich mich bei Damask Holdings bewerbe. Dass ich in die Bewerbung das mit den außergewöhnlichen Fähigkeiten reinschreibe. Das musste ich bei den anderen Bewerbungen nämlich nicht. Ich selbst habe mir gar nichts dabei gedacht, außer, dass diese Firma vielleicht anders ist als die anderen", erklärte sie wahrheitsgemäß.
Plagueis lächelte undurchdringlich. „Interessant, dass offenbar so viele Leute die Einzigartigkeit von Damask Holdings erkennen."
Shanida zupfte verlegen an der Naht ihrer Hose, die über die Außenseite ihres rechten Oberschenkels verlief. „Genausowenig wusste ich, wer mein Vater war. Der Name Naat Lare sagt mir überhaupt nichts. Und ich verstehe nicht, wieso meine Mutter meinen Vater derart geheim hielt, selbst vor mir – ihrer Tochter."
Plagueis' Miene wurde noch ernster. „Deine Mutter wollte dich schützen. Deshalb hat sie dir auch die Identität deines Vaters vorenthalten. Wie wäre dir wohl zumute gewesen, wenn du als Kind erfahren hättest, dass dein Vater wegen zahlreicher krimineller Delikte vorbestraft war und deshalb schließlich in einer Anstalt für kriminelle Geisteskranke eingeliefert wurde, wo er fünf Jahre seines Lebens verbrachte, bevor er von dort ausbrach und kurze Zeit später von zwei Jedi gestellt und getötet wurde?", enthüllte er ihr die Wahrheit über ihre Herkunft.
„Lo Bukk hat gesagt, Naat Lare wäre Euer Schüler gewesen", kam sie nun zu dem Punkt, der sie umtrieb, seit die beiden Männer in ihrem Apartment ihr Wissen über Naat Lare zusammengetragen hatten.
Plagueis ließ sich Zeit mit seiner Antwort und wählte seine Worte mit Bedacht.
„Naat Lare als meinen Schüler zu bezeichnen, ist wahrlich hochgegriffen. Ich habe ihn genau einmal in meinem ganzen Leben gesehen. Und da die Jedi ihm ohnehin bereits auf den Fersen waren, hatte ich ihm die Aufgabe gestellt, beide zu töten. Diese Aufgabe konnte er nicht bewältigen. Trotz seiner Intelligenz und seiner Machtsensitivität. Er ist an seiner Impulsivität und seiner Ungeduld gescheitert, ansonsten hätte ich seine Ausbildung fortgesetzt."
„Dann wollte es meine Mutter jetzt mit mir besser machen. Deshalb hat sie mich immer vor Jedi gewarnt – bis auf den einen", überlegte Shanida laut.
„Und genau hier stellt sich die Frage, wie deine Mutter überhaupt auf mich gekommen ist", kam Plagueis zum Kern der Sache. „Naat Lare hatte auf Abraxin keine Zeit gehabt, irgendjemandem von mir zu erzählen, nicht den Jedi, nicht irgendeiner Frau. Er hatte mich zum ersten Mal in seinem Leben gesehen so wie ich ihn. Und er war die ganze Zeit über im Wasser. Und doch hat deine Mutter dieselbe Aufgabe, die ich damals Naat Lare stellte, mit Bravour bewältigt. Sie hat sich die nötige Zeit gelassen, hat wohl recherchiert und auf den richtigen Zeitpunkt gewartet, um mit geeigneten Verbündeten zuzuschlagen. Dazu braucht man weder Machtkräfte … noch nicht einmal ein Lichtschwert. Nun ja, … zumindest beim zweiten Teil dieser Aufgabe hat sie sich meines Lichtschwertes bedient. Ohne, dass ich das Ganze vorher durchschaut hatte. Dafür verdient sie meine Hochachtung."
„Ich … weiß nicht, was ich sagen soll, mein Lord. Auch sie hat immer mit großer Hochachtung von Euch gesprochen", erwiderte Shanida, völlig benommen von diesen Enthüllungen.
„Ich möchte sie kennenlernen", forderte Plagueis.
„Sie ist nach Ryloth abgereist, nachdem ich und Lo Bukk uns verlobt hatten."
Er sah verhaltene Angst in ihren schwarzen Augen – und keinen Grund, sie ihr nicht zu nehmen. „Ich werde dir für zwei Wochen Urlaub geben. In diesen zwei Wochen wirst du bei ihr sein, um dich mit ihr auszusprechen, um dich zu erholen, bevor du für immer wieder zu mir zurückkehren wirst. Schließlich habe ich dir nicht umsonst meinen Sith-Namen verraten. Du bist ab jetzt meine Vertraute und für immer mit mir verbunden und ich werde deine Ausbildung fortsetzen!", erklärte er feierlich.
„Ich bin Eure Schülerin?"
„Ich habe bereits einen Schüler", dämpfte er ihre Erwartungen, „um genau zu sein, bereits seit sechzehn Jahren. Einen äußerst fähigen, talentierten Mann."
Er sah, wie Enttäuschung in ihre Augen stieg. ‚Und dafür hat er nun meinen Verlobten getötet!', las er den stummen Vorwurf.
„Ich habe ihn erst zwei Jahre nach Naat Lares Tod kennengelernt und zu meinem Schüler gemacht, falls dir das ein Trost ist. Sobald die Zeit reif ist, wirst du von ihm erfahren, ihn gar kennenlernen. Aber keine Sorge, auch der Orden der Sith wäre hoffnungslos überfordert, würde er sich lediglich auf zwei Mann verlassen. Das ist schon seit langem so, es wird nur nicht darüber geredet. Du wirst meine Erste Hand der Sith sein und in dieser Funktion mit äußerst wichtigen Aufgaben betraut werden", eröffnete er ihr feierlich.
Plagueis konnte dabei zusehen, wie Shanidas Enttäuschung in lebhafte Erwartung umschlug.
„Dann soll es so sein!", erwiderte sie ebenso feierlich.
„Dann wirst du hiermit zum Kreis der Eingeweihten gezählt. Gelobe, dich mit all deinem Besitz, mit all deinen Fähigkeiten dem Wohlergehen des Ordens der Sith zu verschreiben. Und weil heute eine neue Ära zwischen uns anfängt, sollst du von heute an auch einen neuen Namen haben – HANABI. Es steht dir frei, den Namen deines Vaters als Familiennamen dazu zu nehmen oder aber den Familiennamen deiner Mutter beizubehalten."
Obwohl er es ihr nicht gesagt hatte, stand sie von ihrem Stuhl auf und kniete vor ihm nieder.
„Ich, Hanabi Lare, gelobe dem Orden der Sith Treue mit all meinem Besitz und meinen Fähigkeiten – und meiner Verschwiegenheit."
Plagueis, sichtlich gerührt, unterdrückte den Impuls, ihr von oben liebevoll über die Lekkus zu fahren. Stattdessen tippte er etwas auf seinem Chrono ein.
„Wohnt deine Mutter in Ryloths Hauptstadt?", fragte Plagueis seine frischgebackene Erste Hand.
Hanabi nickte.
„In Lessu ist jetzt Mittagszeit. Du kannst also sofort über den suite-eigenen Holoprojektor deine Mutter anrufen, um mit ihr einen Termin auszumachen, wann und wo wir Drei uns treffen können und darum herum deinen Urlaub zu gruppieren. Dann solltest du dich schlafen legen."
„Ich kann nicht schlafen, ich bin zu aufgewühlt", entgegnete Hanabi.
„Dann nimm deine Badesachen und geh im 30. Stock des Hotels in den Pool, um dich dort zu erholen. In zwei Stunden bist du dann wieder hier. Ich werde mich derweil in meinen, den oberen Teil der Suite begeben."
„Danke, mein Lord."
Plagueis zeigte ihr den Holoprojektor, der sich in der oberen Etage befand. Dann ging er in einen anderen Raum, um sie mit ihrer Mutter allein zu lassen. Sie streckte ihre Hand aus und betätigte einen Knopf. Das Hologramm ihrer Mutter auf Ryloth erschien vor ihr.
„Hallo Mom, ich bin's."
„Was ist denn los, du klingst so anders", fragte die Mutter besorgt.
„Lo Bukk ist tot. Ich kann jetzt nichts Näheres darüber sagen."
„Weiß dein Chef davon?"
Sie überlegte eine Weile, ob so ein Gespräch abgehört werden konnte. Dann entschied sie, dass Darth Plagueis es nicht dulden würde, dass der Holoprojektor in seinem Hotel abgehört wurde. Sicherlich verwendete er eine gesicherte Frequenz.
„Er war dabei."
„Wir sollten persönlich darüber reden, nicht hier über technische Kommunikationsmittel", sagte die Mutter.
„Er möchte dich treffen, Mom. Ich habe vierzehn Tage Urlaub, in denen wird es stattfinden."
„Gut, dann lass mich mal in den Terminkalender schauen."
„Es sollte möglichst bald sein, möchte er - denke ich."
Hanabi sah ihre Mutter über dem Holoprojektor lächeln. „Natürlich, Magister Damasks Zeit ist kostbar."
Nachdem Hanabi mit ihren Badesachen die Suite verlassen hatte, gab Hego Damask der Rezeption die Order aus, dass der ansonsten zwischen zweiundzwanzig Uhr abends und sechs Uhr morgens stillgelegte Pool für die nächsten zwei Standardstunden umgehend wieder geöffnet und ein Service-Mitarbeiter dorthin abgestellt zu werden habe, um den außerplanmäßig nächtlichen Badegast zu bedienen, falls nötig.
Als die für das Baden umgezogene Hanabi Lare den Spa-Bereich des Damask Imperial betrat, empfing sie eine entspannende Leere und vor allem dringend benötigte Ruhe. Das Licht an den Wänden war in einem gedämpften Orange gehalten und beleuchtete das nachtblaue Wasser des großen, rechteckigen Pools, der das Zentrum des Spa-Bereichs ausmachte.
Der Bademeister, ein Quarren, eilte auf sie zu. „Kann ich Ihnen irgendwie behilflich sein?", fragte er in sich überschlagender Freundlichkeit.
„Gibt es hier im Pool eine Wellenfunktion?"
„Selbstverständlich, meine Dame!"
„Dann aktivieren Sie diese bitte in einer Viertelstunde."
Seine Wangententakel zuckten. „Sehr wohl. Sonst noch etwas? Vielleicht ein kleiner Imbiss?"
Hanabi lächelte. „Danke, aber ich habe bereits gegessen. Das Wellenbad ist genau das, was ich gleich brauchen werde."
Sie scherte sich nicht um die Verbotsschilder, die auf allen vier Seiten des Pools verkündeten, dass das Springen ins Wasser außer von den dafür vorgesehenen Sprungblöcken untersagt war. In einem halbkreisförmigen Hechtsprung tauchte sie von einer der beiden längeren Seiten des Pools in die kühlenden Fluten ein und zog ein paar Bahnen hin und her. Dies tat sie für etwa zehn Minuten, bis sie sich gehörig abreagiert hatte ob dem Ereignis, bei dem sie nur eine stumme Zuschauerin gewesen war – zeitweise gar bewusstlos.
Erschöpft und entspannt ließ sie sich auf den Grund des Hotelpools sinken, schloss ihre Augen und ließ die vier Monate, die sie mit Lo Bukk verbracht hatte, in Gedanken an sich vorüberziehen. Sie ließ Revue passieren, wie sie sich auf Kamino erst unter Wasser, dann oben in Tipoca-City dramatisch nähergekommen waren. Sie fühlte noch den Kuss, den er ihr damals allein in dem Holoprojektor-Raum gegeben hatte. Feucht und stürmisch war Lo Bukks Kuss gewesen.
Sie dachte an ihre Übersiedlung nach Muunilinst, an die spontane Verlobung. Ja, ihre Mutter hatte demonstrativ den Raum verlassen, um Lo Bukk freie Bahn zu lassen, sie zu entjungfern.
Sie musste an die Firmenfeier von vor einem Monat denken. Lo Bukk war nicht glücklich dort in der Halle gewesen, die Damask Holdings für die Feierlichkeiten herrichten hatte lassen. Sie selbst musste sich eingestehen, ihren Verlobten dort ziemlich oft allein gelassen zu haben. Sie war viel zu beschäftigt mit Kollegen und deren Familien gewesen, zu beschäftigt mit Hego Damask, um zu erkennen, welche Wolken des Unwohlseins sich über dem gehörnten Kopf ihres Verlobten zusammengebraut hatten.
Nein, das stimmte so nicht. Gebt gut auf Euch acht. Zu Anschlägen auf die Jedi kann es überall kommen … auch auf ehemalige, die nicht mehr vom Orden geschützt werden. Spätestens nach jenem Satz von Hego Damask hätte sie die Bedrohung spüren müssen, die über Lo Bukk geschwebt hatte, seit er den Planeten der Muuns betreten hatte.
Und dann ihre aufregende, aber dennoch schöne Reise nach Ryloth. Ihr Ausflug auf die Burg des Grafen Talor Swant, eines Sith-Lords, wie sich herausgestellt hatte. Jetzt, da sie wusste, dass sich der blaue Touristenführer von der Burg und der gelbe Kurierfahrer namens Kellam kannten, dämmerte es ihr, dass diesen Teil des Plans zur Vernichtung von Meister Ni-Cada und seines früheren Padawans Lo Bukk niemand geringeres als Darth Plagueis selbst zu verantworten hatte. Er hatte ihrer Mutter quasi in die roten Hände gearbeitet, ohne es zu wissen. Ebenso gut hätte Plagueis' rote Klinge vor anderthalb Stunden in ihrem Apartment eigentlich auch von Ney'ana Twayes roter Hand geführt worden sein können – wenn ihre Mutter diese hohe Kunst denn beherrschen würde, was nicht der Fall war, wie sie mit einem wehmütigen Lächeln dachte.
Ihre Mutter schien weder sonderlich überrascht noch betroffen gewesen zu sein, als ihr ihre Tochter vom Tod ihres Verlobten erzählt hatte – zwei Tage vor der geplanten Hochzeit. Nein, ihre Mutter hatte bereits auf diese Nachricht gewartet, nachdem sie lange Zeit darauf hingearbeitet hatte, sich an den beiden Jedi für den Tod Naat Lares zu rächen – ihn zu sühnen. Ihr fiel so vieles ein, was sie ihre Mutter fragen würde, wenn sie bei ihr auf Ryloth war.
Die Wellenfunktion des Schwimmbades wurde aktiviert – genauso wie es sich Hanabi vorher vom Bademeister gewünscht hatte. Mit jeder über sie hinwegrollenden Welle war ihr, als wenn ihre gesamte Lebenszeit mit Lo Bukk nach und nach fortgespült wurde. Es fühlte sich für sie an, als wäre der Jedi nur ein Traum gewesen. Mit seiner Machtsensitivität und Erfahrung gerade gut genug, um sie auf den Mann vorzubereiten, den ihr ihre Mutter eigentlich zugedacht hatte. Oder hatte die Macht selbst ihn ihr zugedacht?
Hanabi öffnete ihre schwarzen Augen und ließ ihren Blick durch die dunklen Fluten des Pools gleiten, um sich dessen zu versichern, was sie ohnehin wusste: Sie war wie beabsichtigt das einzige Wesen hier. So konnte sie weiter ungestört ihren Gedanken nachhängen – und sich mit den Wellen kreisförmig durch den Pool treiben lassen, ohne etwas dafür tun zu müssen.
Sie war jetzt also Hanabi, was in der Muunsprache so viel wie Feuerblume bedeutete. Was würde wohl aus ihrem Kind werden, welches sie von Lo Bukk unter ihrem Herzen trug? Würde Plagueis es akzeptieren? Spätestens, wenn ihr Bauch dicker werden würde, müssten sie sich Gedanken über seine Zukunft machen. Ihre Mutter hatte ihr niemals von Legenden der Sith erzählt, dass diese fremde Kinder adoptierten. Und Darth Plagueis, der ihr endlich seinen Sithnamen verraten hatte, ebenso wenig.
Jetzt, wo sie sich dem Sith-Lord untergeordnet hatte, lag das sowieso nicht mehr in ihrer Hand. Also schob sie diesen grausigen Gedanken zunächst von sich und döste noch etwas vor sich hin – entschwand in eine wohltuende, endlos kreisende Schwerelosigkeit ohne jegliche Gedanken und Gefühle – bis das Wellenbad verebbte und die blauen Fluten wieder still und reglos wurden.
Hanabi beendete ihren erholsamen Dämmerzustand und tauchte an demselben Poolrand auf, von welchem sie vor einer Stunde in das kühle Nass gesprungen …
Während sie wieder zurück zu Plagueis in die Suite ging, überlegte sie, wann er wohl körperlich wieder etwas von ihr wollen würde. Jetzt, nach Lo Bukks Tod, würde sie so ein Ansinnen als extrem makaber und unsensibel empfinden. Andererseits hatte ihr letztes Zusammensein dieser Art ja auch erst vor einigen Stunden stattgefunden. Es war bereits spät. Irgendwann musste auch ein Sith-Lord schlafen gehen.
Sie hatte die Suite kaum betreten, da kam Plagueis ihr entgegen und führte sie zum Sofa. Als sie Platz genommen hatte, bot er ihr ein paar Häppchen von dem Wägelchen an und schenkte ihr ein Glas Wein ein.
„Kannst du immer noch nicht schlafen?"
Sie schüttelte den Kopf.
„Dann darfst du dir jetzt etwas aus dem Holo-Vid-Programm aussuchen", bot der Sith-Lord ihr an.
Es war gerade Prime-Time auf Ryloth und Hanabi wusste sofort, was sie im Holo-Net sehen wollte.
„Jagd auf das Glück", sagte sie umgehend. „Und … meine Mutter sagt, dass wir in zwei Tagen zu ihr kommen können."
„Sehr gut."
Plagueis suchte ihr den Kanal von Ryloth heraus, von wo aus diese Holo-Novela ausgestrahlt wurde. Es ging darum, dass ein passionierter Jäger private Jagdgesellschaften organisierte und dabei mal auf die eine, bald auf die andere holde Dame stieß, die sein Herz höherschlagen ließ und umgekehrt. Jetzt ging die Serie bereits in die sechste Staffel und immer noch hatten die Zuschauer nicht genug von den Abenteuern des Rakis Pero, des lethanischen Twi'lek, der als Schauspieler und mittlerweile auch als Sänger in der gesamten Galaxis ein Superstar war.
Hanabi schloss die Augen. Lo Bukk hatte Rakis Peros Konzert vor vier Tagen auf Ryloth gefallen. Sie ließ sich Zeit, bis sie die Augen wieder öffnete, um den Rakis Pero aus der Holo-Konserve zu sehen. Der Handlungsstrang wurde hin und wieder von Tanz- und Gesangsdarbietungen der Hauptdarsteller unterbrochen, eine Tatsache, die der Sith-Lord neben ihr wohl etwas ermüdend empfand, denn dann und wann gähnte er still hinter seiner Transpirator-Maske. Oder schenkte sich während dieser beschaulichen Kunstpausen noch etwas Wein nach.
Während sich diese Folge der Holo-Novela dem Ende zuneigte, spürte Hanabi mit einem Mal, wie müde sie war. Sie musste sich zwingen, die Folge zu Ende zu sehen, obwohl es sie interessierte.
Die Holo-Novela-Folge endete und der Abspann ertönte. Plagueis drückte auf einen Knopf und der Holovid-Schirm an der Wand erlosch. Dann erhob er sich.
„Ich bin im oberen Teil der Suite, falls etwas sein sollte", empfahl er sich.
„Gute Nacht, Magister Damask", murmelte sie.
„Darth Plagueis oder einfach Plagueis, wenn wir unter uns sind", korrigierte er sie.
„Gute Nacht, Darth Plagueis."
Sie vermeinte, ein Lächeln hinter seiner Transpiratormaske zu spüren, bevor er sie verließ. Dann erhob sie sich ebenfalls und wankte ins Schlafzimmer. Sie schaffte es gerade noch, ihre Sachen abzustreifen und in die Ecke zu werfen, bevor sie völlig unbekleidet auf das große, weiche Bett fiel, um sofort einzuschlafen.
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Ney'ana Twaye war etwas aufkratzt, als der Sith-Lord zusammen mit ihrer Tochter ihr neues Heim betrat, welches sie sich in Lessu auf Ryloth gesucht hatte. Sie bot den Beiden zu essen und zu trinken an, aber der Sith-Lord lehnte ab und blieb stehen.
„Wie haben Sie von meinem Treffen mit Naat Lare auf Abraxin erfahren?", wollte er von der Mittvierzigerin wissen, die ihm derart geschickt ihre Tochter angedient hatte.
„Wir, also Naat Lare und ich, hatten uns gestritten, nachdem ich herausgefunden hatte, dass er aus einem Sanatorium geflüchtet war und … dass er Marschphantome umgebracht hatte. Er hat daraufhin die Wohnung verlassen und ich … habe mir Sorgen um ihn gemacht. Also ging ich ihm nach. Ich beobachtete ihn, wie er in die Sümpfe ging. Und dann sah ich, wie die beiden Jedi auf diesem Wasserskimmer an ihn herankamen. Aber vorher sah ich Euch. Was habt Ihr von ihm gewollt, mein Lord?", fragte die Mutter ihn direkt.
Plagueis strich sich mit der Linken über die Spangenleiste seiner Tunika, bevor er antwortete. „Ich wollte den Nautolaner in Augenschein nehmen, nachdem Naat Lares Meister mir Daten über seine Existenz hinterlassen hatte."
„Hinterlassen? Dann ist Darth Venamis tot?"
Plagueis' Gesicht offenbarte echte Überraschung. „Sie kannten Darth Venamis?"
„Ich war zugegen, als er Naat Lare per Komlink kontaktierte. Um ehrlich zu sein, hielt ich die Existenz der Sith bisher für ein pures Gerücht, bis Naat Lare mir sagte, dass Venamis sein Sithmeister ist."
„Venamis wusste von Ihnen?"
Die Mutter schüttelte energisch den Kopf, so dass ihre beiden roten Lekkus hin und her schwangen.
„Dann hat Naat Lare also seinen Meister hintergangen."
Er sah, wie das Gesicht der Mutter versteinerte. „So wie Venamis Euch hinterging, nehme ich an", sagte Ney'ana Twaye schließlich.
„Nicht Venamis, aber das würde jetzt zu weit führen", brach Plagueis das Thema ab. „Ich hielt es damals auf Abraxin für angemessen, Naat Lare einem Test zu unterziehen, bevor ich ihn zu meinem Schüler machen würde – einem Test, den er leider nicht bestanden hatte", erklärte Plagueis ruhig.
„Es war gerademal zwei Monate her, nachdem Naat Lare aus jenem Sanatorium fliehen konnte. Er hatte nur diese Vibroklinge. Und er war allein. Gegen zwei lichtschwertschwingende Jedi. Das hätte er niemals geschafft", erwiderte Ney'ana ruhig. Man sah ihr an, dass sie sich bemühte, ohne Vorwurf zu klingen.
„Es war damals vor neunzehn Jahren noch zu früh, um uns den Jedi zu erkennen zu geben – ebenso wie heute", gestand Plagueis. „Aber wie ich jetzt festgestellt habe, ist es sehr wohl möglich gewesen, die beiden Jedi zu töten, wenngleich mit zeitlicher Verzögerung – eine Verzögerung, die ich Naat Lare damals ebenso zugebilligt hätte."
„Darf ich nach Euren Plänen bezüglich meiner Tochter fragen?"
„Hanabi wird an meiner Seite für die Sith arbeiten", erklärte Plagueis. „Ich muss gestehen, überrascht gewesen zu sein, nachdem ich erkannt hatte, auf welch phantasievolle und angenehme Art und Weise Sie mich in Ihre Rachepläne eingespannt haben. Dafür haben Sie meinen Respekt – und verdienen meine Dankbarkeit. Denn es hat sich mir vorher noch nie die Gelegenheit geboten, mich einem Diener der Hellen Seite der Macht im Kampf zu stellen – etwas, was die Sith bereits seit tausend Jahren herbeisehnen."
Ney'ana Twaye lächelte. „Gern geschehen!"
„Ich werde die Zweigstelle von Damask Holdings auf Ryloth anweisen, Ihnen ein angemessenes Monatsgehalt zu zahlen, in dessen Rahmen Sie gewisse Dinge für uns auf Ihrem Planeten erledigen können. Ansonsten werde ich Sie nicht weiter behelligen. Bedingung dafür ist jedoch, dass Sie Ihre Tochter nie mehr wiedersehen und keinen Kontakt mehr zu ihr aufnehmen, es sei denn, ich wünsche es. Und Sie werden sich auch nie wieder in meine persönlichen Angelegenheiten einmischen. Dieses Arrangement dürfte zur Zufriedenheit von allen dreien von uns sein", beendete er sein Angebot.
„Ich habe verstanden. Ich danke Euch, mein Lord", erwiderte Ney'ana und neigte ihr rotes Haupt.
„Ich werde in vierzehn Tagen zurücksein, um Eure Tochter wieder mit mir zu nehmen. Ich empfehle mich." Sprach es und wandte sich zur Tür, um Mutter und Tochter für die nächsten vierzehn Tage miteinander alleinzulassen.
Hanabi wusste ab diesem von ihrer Mutter angenommenen Angebot ihres Chefs, dass jetzt, wo sie ihre Mutter das letzte Mal sehen würde, alles anders zwischen ihnen beiden werden würde. Bis jetzt hatten sie einander alles erzählt, alles anvertraut. Das hatte nun zu enden. Ja, es gab die Chance, dass Darth Plagueis wünschte, dass sie mit ihrer Mutter in Kontakt treten würde. Wenn sie sich an sein Gebot hielt, würde er ihr sicherlich eine solche Chance auf ein erneutes Treffen einräumen. So großzügig schätzte sie ihn ein. Trotzdem gehörte sie ab jetzt vollkommen Darth Plagueis.
Eine neue Ära war für sie angebrochen. Sie wusste jetzt alles über ihren Vater, zumindest das, was ihre Mutter über diesen wusste. Und mit Darth Plagueis' Hilfe würde dieses Erbe voll erblühen lassen können. Einerseits war sie etwas traurig, dass sie ihre Mutter womöglich wirklich niemals wiedersehen würde. Andererseits war dies wohl auch gut so – für ihre Mutter zumindest. Je weniger sie von den Aktivitäten ihrer Tochter wusste, desto besser. Vorher jedoch trieben sie einige Fragen um, die sie ihrer Mutter stellen wollte.
„Mom, woher hast du eigentlich gewusst, wann die Jedi nach Kamino reisen, so dass wir sie dort abpassen konnten?"
„Ich habe einen guten Kontakt zu einem der technischen Angestellten des Jeditempels auf Coruscant. Er hatte mir mitgeteilt, wie der Cereaner und sein Zabrak-Padawan hießen und, was für Missionen sie normalerweise bekommen. Und nachdem sie bereits anderswo Artefakte der Dunklen Seite geborgen hatten, war es nur eine Frage der Zeit, bis wir sie irgendwohin locken konnten, um dort auf sie zu warten."
Hanabi faltete die Hände vor der Brust, so dass ihre beiden Daumen auf die Brust der Mutter wiesen. „Dann hast du also vorher die Truhe präpariert. Mit der Waffe meines Vaters."
„Ich hatte einen von den Barabels von Abraxin dafür bezahlt, dass er mir Naat Lares Vibroklinge aus dem Sumpf bringt. Ich habe sie die ganze Zeit über aufbewahrt – für genau diesen Moment."
„Wie lange waren du und mein Vater denn überhaupt zusammen?"
„Wir kannten uns die zwei Monate, die ihm noch auf Abraxin verblieben waren. Es mag sich vielleicht seltsam anhören, aber ich wusste, dass er mich geliebt hat – so wie ich ihn. Es waren einfach schlimme Umstände, die ihn – zu so etwas gemacht hatten."
Hanabi hob die Bögen über ihren Augen. „Welche Umstände?"
„Da war eine Ex, die ihm das Leben schwermachte. Sie hat versucht, ihn zu entmündigen, um an sein Erbe zu kommen! Nur deshalb wurde er in dieses Sanatorium eingewiesen. Aber da hat sie sich geschnitten. Denn es gibt noch eine andere Ex-Freundin, die sogar ein Kind von deinem Vater hat. Bestimmt hat sie mehr Anrecht auf das Erbe mit dem Kind. Aber ich habe es nicht nötig, mit solchen Personen über ein Erbe herumzustreiten, das mich eh nicht interessiert. Ich konnte selbst für mich und dich sorgen", sagte Ney'ana stolz.
„Ich habe Geschwister?"
„Einen Halbbruder, wenn das Kind wirklich von Naat Lare ist."
„Und was, wenn die andere Ex auch Kinder von ihm hat?"
Die Mutter schüttelte den Kopf. „Darüber weiß ich wirklich nichts. Zumindest hat er sich nie mehr mit ihr getroffen, seit ich ihn gekannt habe."
Es blieben noch zwei Tage bis zu Hanabis Abreise von Ryloth. Mutter und Tochter hatten gerade die fertiggemachten Teigtaschen in den Lehmofen im Innenhof geschoben, wo dieses Lieblingsgericht von Hanabi besonders knusprig und wohlschmeckend fertigbacken würde. Jetzt, nach getaner Vorbereitung mussten sie nur noch darauf warten, bis die Teigtaschen durch waren. Also standen Mutter und Tochter entspannt am Fenster der anderen Seite des Hauses und schauten hinaus auf die Straße in der Abenddämmerung. Die hellbraunen Häuser begannen bereits dunkel zu werden, während der Stern Ryloths bald hinter die Skyline Lessus sinken würde.
Da spürte Hanabi plötzlich eine Art Absacken in ihrem Unterleib. Es war lediglich als leises Glucksen zu vernehmen und war doch eine Erschütterung, wie sie sie so noch nie gefühlt hatte. Unwillkürlich fasste sie sich an den Bauch.
„Ist etwas, Shan … Hanabi?", fragte die Mutter besorgt.
„Irgendetwas hat sich … ist nach unten gefallen."
„Es wird schon nichts ernstes sein. Du bist ja noch jung. Du gehst auf Muunilinst einfach noch einmal zum Frauenarzt, um nachschauen zu lassen."
„Was, wenn Damask das Kind nicht will?"
Die Mutter fasste ihre Hand. „Dann kannst du es bei mir lassen. Aber so schätze ich ihn nicht ein. Wenn er dir so eine gute Ausbildung angedeihen lässt, wie du sagst, dann wird er sich auch um dein Kind kümmern. Vor allem, wenn es machtsensitiv ist."
„Ich hoffe es", erwiderte sie tonlos.
Ein beißender Geruch zog vom Innenhof zu ihnen empor.
„Die Teigtaschen!", rief die Mutter und stürzte zum Lehmofen, um zu retten, was zu retten war.
Es blieb immerhin eine etwas zu knusprig geratene Portion Teigtaschen für jede von ihnen zum Essen. Nachdem das Abendessen vorüber war, ging Ney'ana noch einmal in den Innenhof, um auch die restlichen, verkohlten Teigtaschen von der Innenseite des Lehmofens zu kratzen und im organischen Müll zu entsorgen.
Am nächsten Morgen fand Hanabi Blut im Schlüpfer. Als sie mit ihrer Mutter ins Krankenhaus fuhr, mussten sie zunächst eine Stunde warten, bis sie ohne Termin an die Reihe kam. Sie setzte sich auf den Gyn-Stuhl und der Arzt untersuchte sie. Der gelbe Twi'lek im weißen Kittel aktivierte den Ultraschall. Man sah nach wie vor die Gebärmutter - in ihr die Zellenansammlung, die später ein Kind … Aber im Gegensatz zur vorherigen Untersuchung vor einem Monat bewegte sich in jener kleinen Kugel nichts – keines der beiden Herzen, die sie dort noch vor einem Monat hatte schlagen sehen, regte sich mehr.
„Es tut mir leid, aber Ihr Kind ist tot", erklärte der Arzt, ein gelber Twi'lek, teilnahmsvoll, „und das schon seit zwei Wochen. Es dauert vielleicht noch zwei Tage bis eine Woche, bis es von allein vom Körper abgestoßen wird. Das ist dann wie eine sehr lange Menstruation. Besser ist, das Kind sofort auszuschaben; dann haben Sie es hinter sich."
Tränen stiegen in Hanabis Augen. „Das ist alles meine Schuld!", schluchzte sie. „Ich hätte nicht …."
„Schhhh", machte die Mutter und legte ihr den Finger auf den Mund.
„Ich weiß", schluchzte die Tochter.
Sie überlegte, ob es ratsam war, ihrer Mutter später zu offenbaren, dass sie mit ihrem Chef ein sexuelles Verhältnis am Laufen hatte.
„Ist es schlimm, wenn einen der Partner dort unten so stimuliert, dass man einen Orgasmus bekommt … in der Schwangerschaft?", fragte sie unvermittelt den Arzt.
Der Twi'lek unterdrückte ein Schmunzeln. „Das ist eigentlich sogar sehr gut!", erklärte er. „Das Kind bekommt gleich viele Glückshormone mit. Und für die Geburt ist so etwas ungemein erleichternd. Nein, Ihr Partner hat alles richtig gemacht", versicherte er ihr.
Hanabi atmete verhalten auf. Dann war Plagueis also nicht schuld. Vielleicht nicht.
„Was könnte sonst noch die Ursache für so etwas sein?", fragte die Mutter.
Der Arzt schaute kurz auf den Monitor mit dem Ultraschallbild des toten Kindes, dann sah er Hanabi an. „Haben Sie in den letzten vierzehn Tagen vielleicht irgendetwas schlimmes oder dramatisches erlebt?"
Sie nickte stumm.
„Ihr Verlobter, von dem das Kind stammt, beging vor vierzehn Tagen Selbstmord", sprang ihr ihre Mutter zur Seite.
„Das ist natürlich etwas sehr gravierendes, was zu so einem frühzeitigen Abbruch führen kann."
Mutter und Tochter sahen sich an.
„Du hast gar nichts falsch gemacht", sagte Ney'ana zu ihrer Tochter und drückte ihre Hand.
„Was möchten Sie, was wir machen sollen?", wandte sich der Arzt an die Nauto'lek. „Wollen Sie eine Ausschabung oder wollen Sie, dass das Kind von alleine herauskommt?"
Hanabi sah zu ihrer Mutter, dann zum Arzt. „Kann ich mit dem Kind im Raumschiff fliegen, ohne zu oft auf die Toilette zu müssen?"
Der Arzt schüttelte energisch den Kopf. „Sie sollten überhaupt nicht fliegen. Selbst nach einer Ausschabung braucht der Körper Ruhe. Mindestens fünf Tage. Ansonsten zwei Wochen. In dieser Zeit verliert der Körper viel Blut und Gewebe, weil sich die Gebärmutter wieder zurückbildet. Und ja, man muss dann sehr häufig auf die Toilette. Selbst nach einer Ausschabung."
Hanabi überlegte. „Ich möchte eine Krankschreibung für die nächsten zwei Wochen haben", entschied sie schließlich.
„Gut", sagte der Arzt und tippte etwas Entsprechendes in den Computer ein.
Die Rückfahrt nach Hause verlief schweigend. Aber sobald sie wieder im Haus der Mutter waren, brach es aus Hanabi heraus. „Du hast das doch damals arrangiert, dass ich mit ihm zusammenkomme, um deinen Rachedurst zu stillen!"
„Ich gebe zu, etwas nachgeholfen zu haben."
„Du hast also nachgeholfen!", schnaubte Hanabi. „Und das, wo du selbst mir damals erzählt hast, wie widerlich du deine Mutter fandst, die dich mit diesem Senatorensohn verkuppeln wollte."
„Ich würde Orn Free Taa immer noch nicht heiraten wollen. Auch jetzt nicht, wo er wirklich Senator geworden ist. Während Lo Bukk ja doch ziemlich gut aussah und er beherrschte die Macht. Eigentlich kannst du dich über diesen Einstieg ins Eheleben nicht wirklich beschweren."
„Was hättest du eigentlich gemacht, wenn Lo Bukk mich vor vierzehn Tagen mit seinem Würgegriff wirklich getötet hätte?!"
„So etwas hätte ich nie für möglich gehalten", gab die Mutter zu. „Jedi tun so etwas eigentlich nicht. Das ist bekannt."
„Aber er war ein Ex-Jedi! Und was, wenn ich mich irgendwann in jemanden verliebe und Damask gefällt das nicht? Meinst du, er als Sith würde sich dann anders verhalten?"
„Du meinst, Damask könnte eifersüchtig sein? Besteht dazu Grund? Du bist doch nicht seine Schülerin."
Hanabi senkte kurz den Blick. „Es gab da einige Vorfälle, wo wir … nun ja, er hat es Geburtsvorbereitung genannt."
Die Mutter riss die Augen auf. „Dann hat Lo Bukk überhaupt nichts dergleichen getan?"
Hanabi schüttelte den Kopf. „Er konnte so etwas gar nicht."
Empörung verzerrte Ney'anas Gesicht. „Aber würgen konnte er dich … bis zur Bewusstlosigkeit! Wahrscheinlich hast du dabei das Kind verloren. Sei nur froh, dass du den los bist. Wohingegen Damask dich verteidigt und dir wahrscheinlich das Leben gerettet hat. Ich denke nicht, dass du von ihm irgendetwas zu befürchten hast."
„Nein!", fauchte Hanabi. „Wahrscheinlich schickt er mich dann zum Kampf gegen irgendwelche Jedi, so wie meinen Vater. Da macht er sich die fein manikürten Hände nicht so schmutzig."
„Ach, mein Kind", versuchte die Mutter, sie zu beschwichtigen. „Damask kannte deinen Vater ja kaum. Und dazu kam noch, dass Naat Lare bereits eine ziemlich üble Reputation hatte. Deine Weste jedoch ist makellos. Und wir werden dafür sorgen, dass es so bleibt. Und wenn du weiter so anstellig bei ihm bist wie bisher, dann wird er dich vor dem Fallen immer wieder auffangen, so wie man es bei schönen Frauen eben tut", setzte sie mit einem gefälligen Lächeln nach.
Hanabi konnte sich ein sarkastisches Augenzwinkern nicht verkneifen. „Und das hast du sofort gewusst, als du ihn damals dieses eine Mal am Rand des Sumpfes gesehen hattest."
Die Mutter nickte. „Er hatte diese Ausstrahlung, zu erreichen, was immer er will. Venamis hingegen, den ich nur durch den Holoprojektor gesehen hatte – er wirkte im Gegensatz zu Damask so …", sie suchte nach dem richtigen Wort, „… unfertig."
Spontane Neugierde flackerte in den schwarzen Augen der Tochter auf. „Meinst du, er hat Venamis getötet?"
Die Mutter zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es wirklich nicht. Aber vielleicht kannst du ja bei Gelegenheit etwas darüber in Erfahrung bringen."
Zweifel umzuckten Hanabis Mundwinkel. „Aber was, wenn ich mich doch einmal verliebe?"
„Wenn du klug genug bist, um es zu verbergen, dann wird dir das nicht schaden. Ansonsten würde ich dafür sorgen, gar nicht erst in solche Situationen zu geraten."
„Was ist mit Liebe auf den ersten Blick?"
„Du wirst wissen, was zu tun ist, sollte es soweit sein", beruhigte die Mutter sie. „Für so etwas kann man keine Vorauspläne schmieden."
„Komischerweise können alle Leute Pläne schmieden, nur ich nicht."
Die Mutter lachte kurz auf. „Du bist gerademal achtzehn Jahre alt. Irgendwann wird Damask dir auch das beibringen."
„Woher wusstest du eigentlich, dass Damask auf mich anspringen würde?"
Ney'ana schaute kurz zum Fenster, dann wieder zu ihrer Tochter. „Auf dich springt doch so gut wie jeder Humanoide an. Das habe ich schon früh gemerkt, nicht erst, seit du dich damals vor zwei Jahren zu diesem Mode-Holografen davongestohlen hattest." Sie kratzte sich am Hinterkopf. „Aber der eigentliche Auslöser war, als vor fünf Jahren ein Mitglied des Bankenclans nach Ryloth in die Hauptstadt kam. Ich war damals zufällig mit dir im Rathaus gewesen, weil wir dort irgendeinen Antrag wegen deiner Schule abgeben mussten. Da kreuzte dieser Muun unseren Weg. Er hat dich so angesehen – da kam mir die Idee."
Hanabi verzog angewidert den Mund. Wenn ihre Mutter die Jahre richtig zurückgezählt hatte, dann war sie damals dreizehn Jahre alt gewesen – Dreizehn! „Dann hoffe ich, dass diese deine Idee auch weiter funktioniert - für dich!"
„Der Rest liegt ganz allein in deiner Hand", verkündete Ney'ana Twaye feierlich.
Zu ihrer beider Erleichterung gab es keinerlei Probleme, Hanabis Krankschreibung bei Damask Holdings für die nächsten vierzehn Tage durchzubekommen. Hego Damask wünschte Hanabi per Holo-Nachricht noch gute Besserung und nannte ihr einen neuen Termin, zu welchem er sie von Ryloth abholen kommen würde.
Die Blutungen wurden stärker. Hanabi fühlte sich schwach und zu nichts zu gebrauchen, musste sie doch wie vom Arzt angekündigt aller paar Stunden auf die Toilette rennen, wenn sich wieder ein Schwall Gewebe oder Blut ankündigte. Am dritten Tag war es soweit. Ein riesiger dunkelroter Klumpen löste sich aus ihr und fiel in die Toilette. Sie stand von der Kloschüssel auf und betrachtete den Inhalt in der Mulde unter ihr. An diesem Stück Gewebe hing ein weißer Ball - vielleicht so groß wie die Kugel eines Steuerknüppels eines Gleiters. Hanabi griff in die Kloschüssel, um den Ball von dem ihn umgebenden roten Gewebe zu lösen. Er fühlte sich elastisch an. Sie wusch ihn sauber von ihrem Blut und legte ihn in ein Glas, welches sie mit Wasser füllte. So zeigte sie ihrer Mutter ihren nicht sein sollenden Enkel.
„Ich möchte, dass es begraben wird", sagte die Tochter, „an einem Ort, den nur wir kennen."
Sie ließen den Ball noch einen Tag lang im Haus, um ihn zu betrachten, gelegentlich aus dem Glas herauszunehmen und zu betasten. Nach diesem Tag fuhren sie hinaus vor die Stadt und suchten ein Wäldchen auf. Hanabi nahm ein Schäufelchen, so wie man es für die Gartenarbeit verwendete, und hob damit eine kleine Grube aus. In die Grube goss sie das Wasserglas mitsamt dem Inhalt. Mutter und Tochter standen noch eine Weile schweigend vor dem ausgehobenen Grab, dann warf Hanabi eine Schaufel nach der anderen die ausgeschachtete Erde wieder dorthin, wo sie vorher gewesen.
Hanabi pflückte ein paar Wiesenblumen, die am Wegesrand wuchsen.
„Leb wohl, mein Kind", sagte sie leise und warf die Blumen auf das namenlose Grab.
Eine weitere stumme Weile standen die beiden Frauen vor der letzten Ruhestätte des verlorenen Kindes, dann machten sie sich schweigend auf den Rückweg zu ihrem Haus.
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Der verlängerte Urlaub auf Ryloth war vorüber. Darth Plagueis kam mit der Accumulator nach Lessu, um seine Erste Hand der Sith wieder in Empfang zu nehmen. Gerade war das dunkelmetallicfarbene Schiff in den Hyperraum gesprungen. Plagueis und Hanabi saßen am Tisch im Aufenthaltsraum, während sich die Sterne jenseits der großen Bullaugenfenster zu länglichen, silbernen Streifen verzerrten. Der oberste Sith-Lord holte sein Datapad hervor, um dort etwas aufzurufen, da fand es Hanabi an der Zeit, ihrem Boss eine Mitteilung zu machen.
„Ich habe das Kind verloren."
Er schaute von seinem Datapad auf. „Das tut mir leid."
Forschend sah sie ihm in die grünen Augen. Keinerlei Spur von Heuchelei oder gar Schadenfreude war darin zu sehen – dafür Bedauern. Trotzdem war seine Reaktion anders als die ihrer Mutter, die sich allerdings schon länger ein Enkelkind gewünscht hatte. Aber durfte sie beide Reaktionen überhaupt miteinander vergleichen? Setzte sie zu viel voraus? Immerhin war es nicht sein Kind.
„Möchtest du darüber reden?", fragte er mitfühlend, so dass sie jegliche Zweifel über seine Gedanken und Gefühle ad acta legte.
„Es kam drei Tage nach meiner Ankunft in Ryloth. Jetzt geht es mir schon wieder besser."
„Wenn du nichts dagegen hast, kann VierDe dich noch einmal untersuchen."
Sie hatte nichts dagegen. Sie verlor jetzt nur noch wenig Blut. Wenig genug, um wieder arbeiten gehen zu können, wie der Droide feststellte. Hanabi ärgerte sich über diese nüchterne Schlussfolgerung, obgleich sie wusste, dass genau das seiner Programmierung entsprach.
„Immerhin bin ich gesund geblieben; das ist ja schon einmal was", sagte Hanabi zu 11-4D, nachdem er zwei seiner vier Extremitäten wieder von ihr zurückgezogen hatte.
„Und das nicht zuletzt wegen Ihrer Entscheidung, den Abgang auf natürlichem Wege passieren zu lassen", lobte der Medidroide sie.
Sie überlegte, ob VierDes Lob eine Art Ausbügeln seiner vorherigen Bemerkung über ihre Arbeitsfähigkeit war. Erkannten manche Droiden, wenn sie sich taktlos verhalten hatten? Hatten sie gar ein schlechtes Gewissen?
„Auch wenn viele Ärzte etwas anderes behaupten, so habe ich doch immer wieder beobachten können, dass es besser für die Frauen ist, wenn ihr Körper die Feten anstatt durch eine Ausschabung auf natürlichem Wege abstößt", fuhr 11-4D in seinem Exkurs fort. „All Ihre ovarialen und intrauterinen Funktionen sind immer noch hervorragend, so dass einer weiteren Schwangerschaft nichts im Wege steht."
Hanabi verzog den Mund. Jene Abschlussbemerkung war eindeutig zu viel des Guten! „Das steht momentan nicht auf der Tagesordnung."
Damask lächelte. „Vielleicht nicht gleich."
Sie fuhr zu ihm herum. Ihr Gesicht lief dunkelrot an. Ihre Lippen öffneten sich, ohne dass sie etwas sagen konnte.
Er legte sein Datapad zur Seite und stand von seinem Stuhl auf, um zu ihr herüberzukommen. Beschwichtigend legte er seine Hand auf ihre Schulter. „Ich sagte doch, das hat Zeit."
Sie überlegte, ob diese Zeithaben auch einschloss, dass sie ihn weiterhin lediglich mit der Hand oder oral befriedigen würde, wenn ihm danach war. Zumindest sah es im Augenblick nicht danach aus, als würde er dergleichen von ihr wollen.
„Wir werden jetzt erst einmal unseren Terminplan für die kommenden zwei Wochen durchgehen", verkündete er stattdessen, bevor er sich erneut auf seinen Stuhl setzte.
„In zwei Tagen werden wir zwei auf den Planeten Tosste fliegen, um etwas in der Wildnis zu trainieren. Am übernächsten Tag gibt es eine Sitzung des Bankenclans, an welcher ich dich dabeihaben möchte …
Mit jedem Termin, den Magister Damask mit ihr durchging, breitete sich mehr und mehr Ruhe in ihr aus. Nein, Darth Plagueis würde sie nicht in dieser Hinsicht bedrängen. Er war taktvoll genug, damit noch eine Weile zu warten, so wie er überhaupt die Geduld in Person war. So wie früher ihre Mutter.
Auf Muunilinst zurück, fuhr Plagueis mit ihr zunächst zu einem Hochhaus, wo er ihr ihr neues Apartment zeigte. Hanabi hatte ihr voriges Apartment bereits gekündigt – eine fristlose Sonderkündigung, die ihr aufgrund des gravierenden Umstandes, dass dort ihr Verlobter Selbstmord begangen hatte, nicht verweigert wurde. Hanabi vermutete allerdings, dass den Vermieter vornehmlich interessierte, neue Mieter zu finden, die eine noch höhere Miete zahlen würden als die Gastarbeiterin von Ryloth.
Das Hochhaus mit ihrem neuen Apartment lag etwas entfernt von ihrem alten Wohnsitz, was sie als sehr angenehm empfand. Sie plante bereits die Einrichtung und, was sie aus ihrem alten Apartment dorthin mitnehmen würde. Das waren ziemlich wenige Dinge. Allerdings hatte ihr ihre Mutter das Kalikori überlassen, da sie ein Kind erwartete und es ansonsten keine weiteren Nachkommen von Ney'ana Twaye gab. Hanabi sagte sich, dass es irgendwann wieder soweit sein und ihre Mutter dann endlich ein Enkelkind haben würde. Hego Damask parkte den Gleiter in einem dafür vorgesehenen unterirdischen Hangar und fuhr mit ihr mit dem Turbolift nach oben – bis nach ganz oben, wie sie positiv registrierte.
„Nachdem ich mein Universitätsstudium abgeschlossen hatte, bin ich vom Hause meines Vaters ausgezogen und habe mir diese Wohnung gekauft", eröffnete ihr Plagueis.
Hanabi hob die Bögen über ihren Augen. „Gekauft?"
„Gekauft. Und wenn es dir gefällt, dann gehört es dir."
„Ich weiß nicht, was ich sagen soll …"
„Warte damit, bis wir drin sind", sagte er geheimnisvoll.
Er zog die Schlüsselkarte durch den Scanner und die Tür glitt geräuschlos auf. Sie traten ein. Hanabi war überwältigt. Das Apartment war bereits komplett eingerichtet. Es hatte sieben Räume, die von je drei Türen im Flur abgingen. Es gab sogar einen Balkon, den man wahlweise mit Transparistahlelementen völlig verschließen konnte, so dass er wie ein Wintergarten sein konnte, wenn es kühler wurde. Es gab zwei Bäder.
Hanabi war überrascht, dass das Apartment bereits vollständig möbliert war - so ähnlich wie in jener Hotelsuite, in welcher sie vor einem Monat im Damask Imperial übernachtet hatten. Alles war in Weiß, Grün und Silber gehalten.
„Ich dachte, das hat dir damals ganz gut gefallen", meinte er freundlich.
„Ich … bin überwältigt", sagte sie. „Wie ist das mit der Sponsorschaft? Ausländer dürfen doch kein Wohneigentum auf Muunilinst besitzen."
„Ich habe für dich eine Sondergenehmigung erwirkt", verkündete Plagueis. „Es ist dein. Auch ohne Sponsor."
Hanabis schwarze Augen strahlten den Sith-Lord an. „Ja, das nehme ich!"
„Ich habe die Schenkungsurkunde bereits vorbereitet. Du kannst sie morgen in der Firma einsehen und unterschreiben."
Hanabi überlegte und kam zu dem Schluss, dass es jetzt noch weniger Sachen sein würden, die sie aus ihrem alten Apartment mitnehmen würde.
Er bedeutete ihr, sich in einem der Wohnzimmer an den Tisch zu setzen. Plagueis griff in seine Aktentasche und legte ihr einige Blätter Papiere hin. Sie nahm sie und las etwas zum Vorfall in ihrem früheren Apartment. Es war genau das, was sie vor vier Wochen mit Plagueis als offiziellen Hergang der Ereignisse vereinbart hatte.
„Deine offizielle Aussage gegenüber der Polizei", erklärte er ihr. „Du musst nur unterschreiben und dann ist alles erledigt und abgeschlossen, ohne dass du selbst auf dem Polizeirevier erscheinen musst."
Sie überflog die Seiten ein zweites Mal, um jegliche Fallstricke auszuschließen. Sie fand keine; also schickte sie sich an zu unterschreiben.
„Dieses Mal noch mit deinem alten Namen, bis der neue offiziell registriert wurde", wies Plagueis sie an.
„Danke, Darth Plagueis", sagte sie, immer noch vollkommen überwältigt.
„Keine Ursache", erwiderte er nonchalant. „Dann genieße deinen letzten freien Tag. Ich erwarte dich dann morgen ab sechzehn Uhr in meinem Büro zur Vertragsunterzeichnung."
Sie unterdrückte den Impuls, sich auch für diesen weiteren freien Tag zu bedanken.
„Dann bis morgen", erwiderte sie schlicht, während er die unterschriebenen Blätter wieder in seiner Aktentasche verschwinden ließ und sich vom grün bezogenen Stuhl erhob.
An ihrem ersten Arbeitstag bei Damask Holdings nach ihrem Urlaub schien alles wie früher. Hego Damask hatte ihr das Lokalblatt, den Harnaidan Herald von vor einem Monat auf den Schreibtisch gelegt, worin sie folgende Meldung las:
Wie erst heute bekannt wurde, hat es vor zwei Tagen einen Einbruchsversuch auf der Vulkaninsel Aborah, der Privatinsel von Magister Hego Damask, dem Chef von Damask Holdings, gegeben. Der Eindringling, ein ehemaliger Jedi, welcher zum Zeitpunkt der Tat als Leibwächter für Mals Tonith, den ehemaligen Vorsitzenden des Bankenclans, arbeitete, wurde von der Sonnengarde, welche für die persönliche Sicherheit von Magister Hego Damask II. zuständig ist, in einer wilden Verfolgungsjagd über das Westliche Meer bis in sein privates Apartment in Harnaidan City verfolgt, wo ihn Angehörige der Sonnengarde tot auf dem Boden liegend vorfanden, um sogleich die Polizei zu alarmieren. Offenbar hatte der Ex-Jedi, ein Zabrak namens Lo Bukk, mit seinen eigenen beiden Lichtschwertern Selbstmord begangen, um seiner Festnahme und gerechten Verurteilung durch die Justizbehörden von Muunilinst zu entgehen. Da Zabraks im Gegensatz zu Muuns nur zwei Herzen besitzen, ist so eine Art Selbstmord bei der Spezies der Zabrak nicht ungewöhnlich.
Es wird vermutet, dass der Tote private Probleme gehabt hatte. Seine Verlobte, die sich bereits einige Stunden vor dem Todeszeitpunkt in einem Hotel in der Innenstadt aufhielt, sagte gegenüber der Polizei aus, dass ihr von der Art dieser privaten Probleme des ehemaligen Jedi nichts Näheres bekannt sei. Sie vermutet jedoch, dass seine Probleme mit seinem Austritt aus dem Orden der Jedi vor vier Monaten zusammenhängen könnten. Bei der Flucht des Ex-Jedi vor der Sonnengarde wurde außerdem ein menschlicher Taxifahrer verletzt, dessen Taxi Lo Bukk für die Fahrt zu seinem Apartment in Anspruch genommen hatte. Der Taxifahrer ist mittlerweile wieder wohlauf und wurde bereits von der Polizei als Zeuge vernommen.
Ein anderes wichtiges Gesprächsthema in den Firmenräumen und der Stimkaf-Küche von Damask Holdings jedoch, welches die acht verbliebenen Mitarbeiter von Damask Holdings in jenen Tagen umtrieb, war die Tatsache, dass der Weequay-Eismann, der vor vier Wochen für eine Woche vor den Toren des Firmengebäudes sein leckeres Eis verkauft hatte, diesen Standort urplötzlich nicht mehr aufsuchte. Dies bedauerten die Mitarbeiter von Damask Holdings außerordentlich. Allerdings wagte keiner von ihnen, bei der anstehenden Betriebsversammlung mit dem Chef über derlei Kleinigkeiten zu reden.
Viel wichtiger war der hochrangige Muun-Besucher, welcher sich gerade Peerana Rumers Tresenreich näherte.
„Willkommen Mr. Tonith", begrüßte ihn die Empfangsdame von Damask Holdings, „Magister Damask erwartet Sie bereits."
„Danke", erwiderte Mals Tonith förmlich und begab sich zum Turbolift, der ihn in den 200. Stock des Wolkenkratzers brachte.
Als sich die beiden Türen des Turbolifts wieder öffneten, sah sich das Mitglied des Bankenclans flankiert von zwei Echani-Kriegern in silberner Rüstung, die den Muun über den Flur zum Büro ihres Bosses geleiteten. Die beiden Wächter verharrten vor der Tür, die mit einem leisen Zischen aufglitt, um sich sogleich wieder hinter Tonith zu schließen.
„Was verschafft mir das Vergnügen?", fragte Hego Damask den Ex-Vorsitzenden des Intergalaktischen Bankenclans, an dessen Stuhl er damals so erfolgreich gesägt hatte.
„Es geht um die Finanzierung der Cortosis-Vorkommen auf Bal'demnic. Ich bräuchte eigentlich nur Eure Unterschrift, Magister", entgegnete Mals Tonith mit säuerlicher Miene.
„Und deswegen kommen Sie persönlich in mein Büro?", wunderte sich der Chef von Damask Holdings.
„Es gibt Gerüchte, dass sich die Jedi für Bal'demnic interessieren. Sie wollen, dass die Cortosis-Minen aufgrund ihrer strategischen Wichtigkeit direkt der Kontrolle der Republik unterstellt werden und damit unserer Kontrolle entzogen wären."
„Und dies, wo vor gerademal einem Monat ein ehemaliger Jedi, welcher in Eurem Dienst stand, Selbstmord begangen hat. Mein Beileid noch dazu", versetzte Damask förmlich.
„Ich weiß ja, dass Ihr gewisse Kontakte zu den Jedi pflegt, Magister. Ich hätte jedoch nicht erwartet, dass Lo Bukks Tod Euch derart nahe geht", erwiderte Tonith mit leichter Verwunderung, welcher ein gehöriger Schuss Sarkasmus beigemischt war.
„So nahe, wie er einem gehen kann, in dessen Privatsphäre Ihr Leibwächter eingedrungen ist, warum auch immer", gab Damask hart zurück.
Tonith hob beide Hände. „Ihr glaubt doch wohl nicht etwa, dass ich etwas damit zu tun habe!", erwiderte er leicht gereizt. „Ich war über den Bericht im Harnaidan Herald irritiert. Wieso musste da mein Name stehen? Das impliziert gewisse …"
„Ich weiß, was das impliziert", schnitt ihm Damask rüde das Wort ab und erhob sich hinter seinem Schreibtisch, um um diesen herum und auf seinen Gast zuzugehen. „Vielleicht sollten Sie einfach in Zukunft genauer überprüfen, wen Sie für Ihre persönliche Sicherheit anheuern, anstatt sich jetzt über die freie Presse auf diesem Planeten zu beschweren."
„Wer hätte das denn ahnen können?!", verteidigte sich Tonith. „Wir haben Lo Bukk alle erforderlichen Tests absolvieren lassen, bevor er die Stelle bekam."
Damask schloss die verbliebene Distanz und berührte den anderen Muun am Ellbogen, so dass dieser zusammenzuckte. „Jetzt machen Sie es doch nicht noch schlimmer", sagte er tadelnd. „Sie sollten dem Zabrak dankbar dafür sein, dass er den Anstand besaß, sich selbst zu richten, bevor die Angelegenheit noch unappetitlicher geendet hätte."
Mals Tonith wandte sich instinktiv eine Vierteldrehung von seinem Gastgeber ab, so dass Damasks harte Hand den Ellbogen fahren ließ. Dann zog Tonith ein Konvolut aus seiner Aktentasche. Der andere Muun nahm es ihm ab und begab sich damit erneut hinter seinen Schreibtisch, um die Zahlenkolonnen und Texte in der Muun-Schrift zu überfliegen.
Plagueis zückte einen Stift, strich an einer Stelle etwas durch, schrieb an anderer etwas dazu, während Tonith vor dem Schreibtisch stand und sein Mund angesichts der von Damask vorgenommenen Änderungen immer dünner wurde.
„300 Millionen Credits sollten fürs Erste genügen", knurrte Damask, unterschrieb an mehreren Stellen und gab Tonith das Konvolut wieder zurück.
Jener nahm den Blätterstapel wieder an sich, schaute sich die Änderungen an und steckte das Konvolut zurück in seine Aktentasche.
„Ich nehme das als Zeichen, dass Ihr die Jedi in den Griff bekommen werdet, Magister."
Damask lächelte huldvoll. „Keine Sorge, Tonith. Ich brauche zwei Wochen, auf dass die Jedi für immer von Bal'demnic fernbleiben", versicherte er seinem einstigen Rivalen, bevor er diesen verabschiedete.
„Auf Wiedersehen, Mr. Tonith", verabschiedete ihn auch unten im Erdgeschoss die Muun-Empfangsdame mit einem süßlichen Lächeln.
Nachdem Tonith das Firmengebäude verlassen hatte, ging Peerana in die Betriebsküche, um sich einen Tee aufzubrühen. Sie fand in selbiger Küche die rote Nauto'lek vor, welche gerade einen Stimkaf aufzubrühen im Begriff war.
„Das ist ja wirklich tragisch mit Ihrem Verlobten. Mein herzliches Beileid", begann Peerana. „Ich hoffe doch, Sie konnten die Flitterwochen auf Raydonia stornieren und haben den Preis zurückerstattet bekommen."
„Ehrlich gesagt habe ich mich darum gar nicht gekümmert. Das war allein seine Sache", erwiderte Hanabi.
„Nun ja, das lässt sich sicherlich im Zuge der Begutachtung der Erbmasse klären."
„Ja, sicherlich", erwiderte Hanabi gereizt.
„Was könnte Ihr Verlobter denn auf Aborah nur gesucht haben?", fragte Peerana scheinbar ahnungslos. Aber Hanabi wusste, dass ihre neugierige Kollegin lediglich Informationen sammelte.
„Das weiß ich auch nicht", gab sie trocken zurück.
„Vielleicht war er ja eifersüchtig", wagte Peerana einen weiteren Vorstoß.
„Dazu gab es keinen Grund", versetzte Hanabi hastig, etwas zu hastig für Peeranas Geschmack.
„Immerhin hat er sein Schicksal mit Würde in die eigenen Hände genommen. Wenn ich da an die Geschichte denke, die mir vor einiger Zeit eine Freundin erzählt hat, die beim Bankenclan arbeitet … oh, da ist mir ja ganz anders geworden", versuchte sie Hanabis Interesse zu wecken.
„Was war denn das für eine Geschichte?", fragte Hanabi wie erwartet.
„Ein auswärtiger Kollege, ein Mirialaner, er arbeitete noch gar nicht lange für den IBC, hatte doch zur Betriebsfeier seine Frau mitgebracht. Ebenfalls eine Mirialanerin, sehr hübsch, schlank, gelb mit solchen Tätowierungen. Und lange, braune Haare hatte sie – naja", meinte Peerana und rümpfte die Nase. „Und einige Zeit später hat meine Freundin herausgefunden, dass Mals Tonith, der früher Vorsitzender des IBC war, ein Verhältnis mit der Ehefrau angefangen hatte. Dem Ehemann hat er gar das Gehalt deswegen erhöht. Und dieser Ehemann ist dann sogar noch mit geschwellter Brust durch die Firma stolziert, als sei es eine Ehre, dass seine Frau vom früheren IBC-Chef flachgelegt wird", erzählte sie mit einem gehässigen Grinsen.
„Und ich dachte immer, Muuns würden keine Leute mit Haaren mögen", wunderte sich Hanabi.
„Nun, es gibt eben solche und solche Muuns. So wie es solche und solche Haare gibt. Aber natürlich würde ein Muun nie vor anderen Muun zugeben, dass er auf Frauen mit Haaren steht", versetzte Peerana mit verschwörerischer Miene.
„Und? Sind der Mirialaner und die Ehefrau noch am Leben?", fragte Hanabi ungeduldig, um das Thema abzuschließen.
„Irgendwann hatte Tonith wohl das Interesse an der Frau verloren. Da hat er dem Ehemann, ohne dass diesem irgendein dienstliches Fehlverhalten nachgewiesen werden konnte, gekündigt und er musste von einem Tag auf den anderen samt Ehefrau wieder nach Mirial zurückkehren", beendete Peerana Rumer ihren Bericht.
„Nun ja, da wir beide ja wissen, wo unser Platz ist, kann uns so etwas ja nicht passieren", sagte Hanabi spitz, während sie an ihrem fertig gezogenen Stimkaf nippte. „Und übrigens – meine Flitterwochen sollten auf Iridonia stattfinden, nicht auf Raydonia!"
Peerana lächelte ertappt. "Nun, zumindest müssen Sie sich fürs Erste nicht an einen neuen Nachnamen gewöhnen."
„Sagt wer?"
Die Muun stellte ihre Teetasse ab, die sie die ganze Zeit während des Gesprächs in der Hand gehalten hatte. „Wie bitte?"
„Auch ohne Heirat habe ich beschlossen, einen neuen Namen anzunehmen, um mit der Vergangenheit abzuschließen."
„So etwas habe ich ja noch nie gehört", meinte Peerana verdutzt.
„Ich habe den Nachnamen meines Vaters angenommen. Und einen neuen Vornamen ebenso."
Gespannte Stille legte sich über die Teeküche.
„Mein neuer Name ist Lare, Hanabi Lare!"
„Sehr erfreut, Mrs. Lare", kam es förmlich von Peerana Rumer zurück.
Ihren stillen Triumph genießend, nippte Hanabi ein zweites Mal genüsslich an ihrem Stimkaf. Sie dachte daran, dass es bald sechzehn Uhr sein würde. Die Zeit, in welcher Darth Plagueis sie in seinem Büro zu empfangen gedachte, auf dass sie dort die Schenkungsurkunde für ihr neues Apartment unterzeichnen würde.
Note der Autorin: Der Name Hanabi stammt aus dem Japanischen (Hana-Bi). Das bedeutet in dieser Sprache wirklich Feuerblume und es gibt sogar einen Film gleichen Namens vom japanischen Regisseur Takeshi Kitano, welcher in seinem Erscheinungsjahr 1997 auf den Filmfestspielen von Venedig den goldenen Löwen gewann.
