The Life Unlived
by sshg316
Chapter 2: Known and Unknown
SUMMARY: SSHG; DH-compliant. Während sie die Besitztümer von Severus Snape durchsieht, macht Hermione eine faszinierende Entdeckung, die ihr Leben für immer verändert.
DISCLAIMER: Alle erkennbaren Charaktere und Handlungsorte sind Eigentum von JKR. Es ist keine Urheberrechtsverletzung beabsichtigt.
BETA READERS: DeeMichelle und Subversa
BRIT PICKER*: LettyBird
TRANSLATION: AleaThoron
Das Ungelebte Leben
Kapitel 2: Bekanntes und Unbekanntes
Hermione hörte auf zu schreien, stürzte jedoch hastig vom Bett hinunter, den pochenden Schmerz in ihrem Kopf ignorierend, als sie beim Anblick des toten Mannes in Panik geriet, der entschlossen zu sein schien, nach ihr zu greifen. Was ging hier vor?
"Bleiben Sie mir fern!", schrie sie, als sie sich rückwärts gegen die gegenüberliegende Wand drängte, wobei sie so viel wie möglich Distanz zwischen sich und den Mann brachte, von dem sie wusste, dass er ein Betrüger sein musste. Severus Snape war tot und war seit einer sehr langen Zeit tot gewesen. Er befand sich nicht in ihrem Krankenzimmer und war mit Sicherheit nicht ihr Ehemann.
Heilerin Merriweather hetzte aus dem Zimmer, während ihr schriller Schrei nach Unterstützung den Korridor hinunter widerhallte. Hermione entspannte sich kurzfristig aufgrund des Wissens, dass Hilfe im Anmarsch war, doch sie konzentrierte ihren Blick weiterhin allein auf den Mann vor sich, misstrauisch gegenüber den eventuellen Absichten des Betrügers.
"Hermione", sagte der Mann in besänftigender Weise. "Du musst ruhig bleiben. Du wirst dir selbst weiteren Schaden zufügen. Geh' ins Bett zurück. Bitte." Seine Augen flehten sie an, ihm zuzuhören, zu tun, was er sagte.
Wenn sie sich nicht schon vorher sicher gewesen wäre, dass er ein Betrüger war, so war sie jetzt; Severus Snape würde niemals flehen, besänftigen, oder 'bitte' sagen – nicht zu ihr, nicht zu irgendjemandem.
Schmerz schoss wie eine Lanze durch ihre Stirn, als sie ihren Kopf schüttelte, während sie einen Arm vor sich ausstreckte, als ob das allein ihn in Schach halten würde, und mit der anderen blindlings auf dem Nachttisch neben ihr herumwühlte, darauf hoffend, ihren Zauberstab zu finden. "Ich weiß nicht, was Sie versuchen zu bewerkstelligen", sagte sie, wobei sie ihre Stimme dazu zwang, ruhig und fest zu bleiben, "aber ich empfehle Ihnen, dass Sie diesen Ort verlassen, bevor die Auroren eintreffen, um Sie mitzunehmen."
Der Mann wölbte eine Augenbraue. Hermione sog beim Anblick des vertrauten Gesichtsausdrucks scharf einen Atemzug ein; dieser Mann war gut, doch er konnte sie nicht zum Narren halten. Er besaß eine exzellente Kontrolle über den Manierismus des Professors, doch seine dunklen Augen waren viel zu weich, viel zu gütig.
Sie versuchte, den Funken der Neugier abzuschütteln, als dieser neue Gedanke zum Leben erweckt wurde, doch die Frage weigerte sich, ignoriert zu werden: Wenn es sein Ziel war, sie zu verletzen, warum würden seine Augen gütig sein?
"Was in aller—?", begann er, und legte dann verwirrt seine Stirn in Falten. "Wo liegt das Problem? Warum agierst du auf diese Art?"
Er kam um den Rand des Bettes herum, näherte sich ihr langsam, aber stetig.
"Bleiben Sie stehen! Nicht – kommen Sie nicht näher!" Hermione zuckte zusammen, und ihr Kopf pochte in Agonie aufgrund ihres panischen Aufschreis. Ihr Verstand schien unfähig, Dinge schnell genug zu verarbeiten, und bis sie wieder richtig denken konnte, würde sie sich ausschließlich auf Selbsterhaltung konzentrieren.
Der Mann blieb indessen stehen – genau am Ende des Bettes, nicht einmal zwei Meter von ihrer Position an der Wand entfernt. Er schien verwirrt und … verletzt. Wenn die Situation nicht so schrecklich gewesen wäre, hätte Hermione gelacht. Also wirklich, wer auch immer diese Person war, man hatte keine angemessene Recherche über den verstorbenen geheimnisvollen Professor betrieben. Severus Snape würde seine weicheren Gefühle niemals so mühelos, so offen zur Schau stellen.
Ihr verräterischer Verstand jedoch erinnerte sie an das Foto von Professor Snape mit Lunas Eltern – das Bild, das sie derartig fasziniert hatte. Ohne Frage war er dazu imstande gewesen, Emotionen zu zeigen … wenn er sich dafür entschied.
Den Gedanken beiseite schiebend, blinzelte sie in rascher Abfolge; der Schmerz in ihrem Kopf forderte seinen Tribut, und sie hatte keinen größeren Wunsch, als sich erschöpft zu Boden sacken zu lassen. Sie versteifte sich, da sie nicht schwach erscheinen wollte, bevor Hilfe eintreffen konnte.
Der Betrüger war im Begriff, abermals das Wort zu ergreifen, als die Tür aufgeschleudert wurde, um den Blick auf Heilerin Merriweather freizugeben, die eine lavendelfarbige Phiole in einer Hand umklammerte und … oh, Merlin sei dank. Sie hatte Harry mitgebracht.
Erleichtert und davon überzeugt, dass Harry dazu in der Lage sein würde, einen einzelnen – eher schlecht vorbereiteten – Hochstapler allein zu handhaben, erlaubte Hermione ihrem Körper, dem Schmerz zu erliegen, als sie sich an der Wand hinunterrutschen ließ, bis ihr Allerwertester auf dem Fußboden aufprallte. Sie zog ihre Beine an und schlang ihre Arme darum, ließ ihren schmerzenden Kopf oben auf ihren Knien ruhen, gewillt, dem Schmerz zu erlauben abzuebben.
"Was, verdammt noch mal, geht hier vor?"
Hermione runzelte die Stirn und blickte dann zu dem Mann auf, der seit fast zwei Jahrzehnten ihr bester Freund gewesen war. Harry sah weder schockiert noch empört aus, noch zeigte er irgendeine andere Emotion, die irgendeinen wirklichen Sinn in solch einer Situation ergeben hätte. Stattdessen stand Harry knapp innerhalb der Türöffnung, seine grünen Augen angefüllt mit Verwirrung und Sorge. Sein Zauberstab verblieb in dessen Scheide.
Sie war im Begriff, auf das offensichtliche Problem hinzuweisen – ein Mann, der sich für einen toten Helden ausgab, befand sich im Zimmer und behauptete, ihr Ehemann zu sein – als Harry etwas völlig Undenkbares tat: Er wandte sich dem Betrüger zu und sagte: "Severus? Ist sie in Ordnung? Was geht hier vor?"
Auf ihre Füßen krabbelnd, begann Hermione ernsthaft damit, nach ihrem Zauberstab zu suchen. Offensichtlich war die ganze Welt verrückt geworden. Harry sprach mit dem Betrüger, als ob dieser ein alter Freund wäre, die Heilerin schaute sie an, als ob sie verrückt geworden war, und dieser Mann stand einfach da und starrte sie mit mit irgendeiner Art von bizarrer Erwartung an. Sie wusste nicht, was hier vor sich ging, doch sie hatte nicht vor, untätig abzuwarten, um es herauszufinden. Die Anwesenheit der beiden Männer im Zimmer ignorierend, riss sie sich lange genug zusammen, um darüber nachzudenken, ihren Zauberstab mit einem Aufrufezauber herbeirufen. Stablose Magie war keine der am leichtesten zu bewerkstelligen Leistungen, aber in Anbetracht dessen, wie verzweifelt sie war, dachte sie, dass es einen Versuch wert war.
"Accio Zau—"
Bevor sie die Beschwörungsformel vollenden konnte, hatten sie sich auf sie gestürzt, wobei Harry nahezu das Bett übersprang. Sie trat um sich und kratzte und biss, als sie sie auf dem Bett niederrangen, während ihr Kopf beinahe aufgrund der höllischen Schmerzen explodierte, doch sie gab nicht auf. Irgendetwas stimmte nicht. Alles war irgendwie entsetzlich falsch, und sie konnte sie nicht gewinnen lassen. Sie konnte sie nicht—
Verdammt. Sie hatte die Phiole in Heilerin Merriweathers Hand vergessen. Hermione würgte, als die Heilerin es schaffte, den lavendelfarbenen Zaubertrank mithilfe eines Standard-Zaubers für Heiler in ihren Mund schüttete, um die Flüssigkeit ihre Kehle hinunter zu zwingen.
"Verdammte Bastarde", lallte sie in einer undeutlichen Aussprache, als der Beruhigungstrank schnell seine Wirkung entfaltete. Ihre Extremitäten stellten ihre Bewegungen ein, und sie spürte, wie sie magisch auf dem Bett festgebunden wurde. Sie versuchte, gegen den Trank anzukämpfen, wusste jedoch, dass dies vergeblich war. Tränen entströmten ihren Augenwinkeln, als ihr Gehirn langsam Harrys Verrat registrierte. Im Laufe der letzten zwei Wochen hatten sich beide ihrer ältesten und teuersten Freunde gegen sie gewandt. Das war zu viel für sie, um es einfach wegzustecken. Ihre Lippen schürzten sich in ein höhnisches Lächeln, obgleich dies nur klein, beinahe trunken war. "Et tu, Harry?"
Harrys Stirn runzelte sich, und er blickte verwirrt auf den falschen Snape. Doch die dunklen Augen des Mannes ruhten einzig und allein auf Hermione. Er hob seinen Zauberstab, und bevor Hermione vollständig verarbeiten konnte, dass Harry überhaupt nicht beunruhigt erschien, hatte der Mann leise den Zauberspruch geworfen.
"Legilimens!"
Wäre Hermione in voller Kontrolle über ihre Fähigkeiten gewesen – er wäre niemals in der Lage gewesen, ihren Geist zu infiltrieren. So, wie sich die Situation jetzt jedoch darstellte, war es ein Leichtes für ihn hineinzugelangen und er begann, ihre Erinnerungen zu durchsieben, noch bevor sie begriffen hatte, dass er überhaupt dort war. Sein Eindringen war sanft, beinahe zärtlich, und wäre sie nicht rasend vor Wut, in Angst versetzt und mit Medikamenten betäubt gewesen, Hermione hätte sich über die Vorsicht gewundert, die er walten ließ, um die Erfahrung für sie so angenehm wie möglich zu machen.
Es war ebenso schnell vorbei, wie es begonnen hatte, und er bewegte sich vorsichtig aus ihrem Kopf hinaus, ein sanftes Flüstern ihres Namens als den einzigen Hinweis seiner Anwesenheit zurücklassend. Hermione versuchte, ihre Augen zu öffnen – erst dann begriff sie, dass sie sie überhaupt geschlossen hatte – stellte jedoch fest, dass ihre Augenlider nicht kooperieren würden. Entweder hatte die Heilerin ihr zu viel vom Beruhigungstrank gegeben, oder ihm war ein Schuss Schlafelixir beigemischt worden.
Am Rande des Bewusstseins schwebend, hörte sie Harrys beunruhigte Stimme. "Bei Merlins Eiern, Severus. War das die einzige Möglichkeit herauszufinden, was mit ihr nicht stimmt? " Als keine Antwort kam, seufzte Harry und fragte: "Was gibt's? Was ist mit ihr geschehen?"
Hermione spürte, wie sie während der lastenden Stille, die folgte, tiefer in Morpheus' Arme sank. Kurz bevor sie letztendlich einschlief, vernahm sie noch die erstickte Antwort:
"Sie erinnert sich nicht. Sie kennt mich nicht."
Hermione wechselte in dem jämmerlichen Krankenhaus-Bett vorsichtig die Lage, auch jetzt noch ein bisschen groggy von dem Beruhigungstrank, den die Heilerin ihre Kehle heruntergezwungen hatte. Sie war verängstigt und durcheinander. Die Dinge, die sie ihr zu verstehen gaben, waren absurd – sie waren irrsinnig. Und doch war sie diejenige, die sie sediert und untersucht hatten, als ob sie völlig den Verstand verloren hätte.
Nein, es war kein Wahnsinn; Heilerin Merriweather behauptete, dass es sich um Amnesie handeln würde. Fünf Jahre, zwei Monate und siebzehn Tage – verloren. Und während dieser Zeit hatte sie irgendwie einen neuen Mann gefunden, einen Ehemann, der einmal ihr Professor gewesen war, der sie verspottet und verachtet hatte — obwohl sie widerstrebend zugab, dass dies ein Teil seiner Rolle als Spion gewesen sein könnte … möglicherweise. Merlin, sie hatte ihn sterben sehen. Es war unmöglich, haarsträubend.
Ihre Arme um ihren Oberkörper schlingend, drehte sie sich auf ihre Seite und schloss ihre Augen, während sie tief einatmete. Sie verzog das Gesicht zu einer Grimasse. Das, was Hermione immer am meisten am St. Mungo's gehasst hatte, war das völlige Fehlen von Geruch. Ein Muggel-Krankenhaus würde nach den Chemikalien riechen, die als Desinfektionsmittel verwendet wurden; das St. Mungo's, als eine magische Einrichtung, benutzte diverse Desinfektionszauber, die eine geruchlose Umgebung hinterließen. Das Fehlen jeglicher Gerüche war befremdend … insbesondere, weil es bedeutete, dass das Einzige, was sie riechen konnte, der in der Luft zurückgebliebene Duft von Zaubertrank-Zutaten und Kräutern war.
Was bedeutete, dass er nach wie vor hier war.
Nicht, dass sie sich seiner kontinuierlichen Anwesenheit nicht bewusst gewesen wäre. Wie könnte sie das auch nicht, wenn sein starrer Blick ein Loch in ihren Hinterkopf brannte? Soweit sie wusste, hatte er das Zimmer nicht für einem einzigen Moment verlassen, seit sie erwacht war – nicht, als sie vor lauter Schreck mitten in sein Gesicht geschrien hatte, nicht, als sie vor seinen Versuchen zurückgeschreckt war, sie zu besänftigen, und selbst dann nicht, nachdem sie ihn gebissen hatte. Stattdessen hatte er sich in den Schatten – in einen in die entfernte Ecke des Raumes geschoben Sessel – zurückgezogen, wo er saß, seinen Blick auf sie gerichtet, seine schwarzen Augen höchst wachsam, sein Gesicht tief von Schmerz und Sorge gezeichnet.
Sie konnte es nicht ertragen, ihn anzuschauen.
Es gab ein Klopfen an der Tür, und Hermione hörte irgendjemanden das Zimmer betreten.
"Mr. Snape", wisperte Heilerin Merriweather. "Würde es Ihnen etwas ausmachen, in den Korridor zu gehen?"
Er murmelte eine Zustimmung, und Hermione hörte, wie er sich ihrem Bett näherte. Sie versteifte sich, als sie spürte, wie er mit den Fingerrücken über ihre Wange strich. Er inhalierte tief, um dann ostentativ den Atem entweichen zu lassen, bevor er das Zimmer verließ, um die Heilerin zu konsultieren.
Hermione blieb allein zurück – allein in ihrem Bemühen auszuloten, warum ihr nach Schreien zumute war.
"Bist du soweit?"
Hermione wandte sich vom Fenster ab, um den Blick auf den Mann zu richten, von dem sie einst geglaubt hatte, dass er ein Schwindler sei, während die unvertrauten Roben um ihre Waden wallten, als sie sich bewegte, und runzelte die Stirn. Sie war sich nicht sicher, wie sie die Frage beantworten sollte. "Ich vermute mal."
"Gut. Heilerin Merriweather hat deine Entlassung befürwortet. Wir können gehen, wann auch immer du es wünschst."
"In Ordnung." Hermione hoffte aufrichtig, dass sie nicht so nervös klang, wie sie sich fühlte. Sie war im Begriff, das St. Mungo's zu verlassen … mit ihm. Da sie einige Augenblicke brauchte, um sich zu sammeln und zu beruhigen, kehrte sie zum Fenster zurück, während ihre Finger mit dem Ring an ihrem Finger spielten.
Es hatte mehrere Stunden Befragung, Berge von offiziellem Papierkram vom Ministerium, eine Zauberstab-Analyse und drei Tropfen Veritaserum gebraucht, bevor Hermione letztendlich akzeptiert hatte, dass der Mann vor ihr wirklich Severus Snape war. Offensichtlich war er nach dem Ende des Krieges untergetaucht, der magischen Welt damit erlaubend, ihn für tot zu halten anstatt sich einer unsicheren Zukunft gegenüberzusehen. Hermione war sich auch jetzt noch im Unklaren darüber, was denn eigentlich zu seiner Rückkehr oder zu ihrer Ehe geführt hatte. Severus – wie fremdartig es klang, ihn mit seinem Vornamen anzureden – hatte auf all ihre Fragen mit gewissenhafter Akkuratesse geantwortet, doch Hermione war nicht willens gewesen, jene Themen anzuschneiden. Sie war sich nicht sicher, dass sie dazu bereit war, die Antworten zu hören.
Obwohl sie akzeptiert hatte, dass er tatsächlich Severus Snape war, so war sie von ihrer Eheschließung noch nicht überzeugt, wenn auch jeder ihr versichert hatte, dass es der Wahrheit entsprach. Eine Heiratserlaubnis war zur Verfügung gestellt worden, welche eindeutig von ihr – sowohl mit Tinte als auch mit Magie – unterzeichnet worden war. Nichtsdestotrotz schien diese Vorstellung viel zu absurd zu sein, um in Betracht gezogen zu werden.
Dennoch, trotz ihrer Zurückhaltung, war sie im Begriff, mit ihm in sein Zuhause zurückzukehren, zu dem Leben, das sie sich angeblich gemeinsam gebaut hatten. Sie hatte sich zu Anfang dagegen gesperrt, doch Heilerin Merriweather hatte sie ziemlich streng ermahnt, wobei sie ihr zu verstehen gegeben hatte, dass, wenn sie sich jemals an die letzten fünf Jahre erinnern wolle, sie zu ihrem Leben zurückkehren müsse, um sich mit Familiarität zu umgeben.
"Komm", sagte Severus, ihre Gedanken unterbrechend. "Die Kinder sind begierig, dich zu sehen."
Die Kinder. Hermione entfernte sich vom Fenster, und – zum ersten Mal – schlug Severus ein freudiges Lächeln entgegen.
Sein Zuhause, so stellte es sich heraus, war ein weißes Cottage aus Naturstein mit einem grauen Schieferdach und einer roten Tür in Hogsmeade. Bunte Blumen säumten den vorderen Fußpfad und füllten die Kästen unter den Fenstern. Auf der einen Seite des Cottages stand ein riesiger Baum mit mehreren niedrigen Ästen, von denen einer eine hölzerne Schaukel trug. Eine niedrige Steinmauer umgab das Grundstück, die das Cottage von dessen Nachbarn trennte. Es besaß Charme und stand vollkommen im Gegensatz zu allem, was sich Hermione vorgestellt hatte.
"Du hast etwas mehr Kerker-mäßiges erwartet?", fragte Severus aus dem Hintergrund.
Von seinem amüsierten Tonfall überrascht, wandte sie ihren Kopf und gab sein schmales Lächeln zurück. "Vielleicht."
Er ließ ein leises Lachen hören, dessen Geräusch Schauder ihr Rückgrat entlang hinuntersandte. "Dann tut es mir leid, dich zu enttäuschen." Er öffnete die Tür und geleitete sie nach drinnen. "Nach dir."
Sobald sie sich im Inneren befand, hielt Hermione innerhalb der Diele inne und blickte sich um. Unmittelbar links neben der Haustür befand sich die Treppe zum ersten Geschoss, und es gab mehrere Türöffnungen, die vom Hausflur zu Zimmern abgingen. Die helle Cremefarbe des Balkenwerks ergänzte das warme Goldgelb der Wände, und der breite Eichen-Dielenboden ließ den Hausflur anheimelnd und einladend erscheinen.
"Die Kinder werden bald zurückkehren. Möchtest du eine Tasse Tee?", fragte Severus hinter ihr, als er seinen Umhang an die Flurgarderobe hing.
Hermione erlaubte ihm, ebenso ihren Umhang zu nehmen, und antwortete: "Ja, bitte." Tee klang herrlich … und würde eine gute Ablenkung sein.
"Gut. Fühl' dich frei, dich umzusehen. Ich werde augenblicklich zurück sein. " Er ging in Richtung eines Raumes davon, von dem Hermione annahm, dass es die Küche sein musste.
Hermione stand für ein paar Momente unbeholfen in der Eingangshalle. Sie musste zugeben, dass sie neugierig war. Sich ihrer wissbegierigen Natur geschlagen gebend, spähte sie hinter die beiden Türen an ihrer rechten Seite und entdeckte ein WC und einen Raum, der Severus' Arbeitszimmer zu sein schien. Die Toilette war in einem hellen Rauchblau gehalten, während das Arbeitszimmer in einem üppigen Olivgrün war. Das Gebälk und der Eichen-Fußboden aus der Eingangshalle waren in diesen Räumen ebenso präsent. 'Sie müssen sich durch das ganze Haus hindurchziehen', vermutete Hermione.
Severus war geradeaus gegangen, einen kleiner Flur hinunter, der zur Küche führen musste, deshalb wandte sie sich der Tür links von der Haustür zu und betrat das Esszimmer. Drinnen stand ein antiker Eichentisch, offensichtlich in ständigem Gebrauch, allerdings auch in einem gepflegten Zustand, dessen prächtige Patina im Spätnachmittag-Sonnenlicht erglühte, das durch das Fenster gefiltert hereinschien. Sie lächelte, da sie sich leicht Mahlzeiten am Tisch mit Rose und Hugo vorstellen konnte, während Geschnatter und Gelächter den Raum erfüllten. Sie versuchte, sich Severus auszumalen, der sich daran beteiligte, doch sie konnte es einfach nicht bildhaft vorstellen. Die Stirn gerunzelt, setzte Hermione ihre Entdeckungsreise fort.
Während sie durch das Esszimmer ging, kam sie rechter Hand an einem großen Durchlass vorbei. Ohne vollständig einzutreten, ließ sie die überraschend moderne Küche auf sich wirken. Die schlichten Buchenschränke und der in die Küchenarbeitsflächen integrierte 'Butcher Block' verschmolzen auf angenehme Weise mit den traditionellen Elementen des Cottages, während die modernen Konturen und Applikationen der Küche eine topaktuelle Atmosphäre verliehen.
Severus stand am modernen Muggel-Küchenherd, seinen Rücken ihr zugewandt, während er den Wasserkessel erhitzte. Hermione erkannte ihre Lieblingsteekanne wieder, die neben dem Herd auf ihren Einsatz wartete, und wusste irgendwie, dass in ihrem Inneren bereits drei Teebeutel befindlich waren.
Sie zerrte mit ihren Zähnen an ihrer Unterlippe, während sie ihn beobachtete. Er hatte, seitdem sie erwacht war, ihre Seite für nicht mehr als jeweils ein paar Minuten verlassen, doch bis zu diesem Moment hatte sich Hermione nicht die Zeit genommen, um den Mann wirklich zu betrachten, der ihr Ehemann war. Er war genauso hochgewachsen, wie sie ihn in Erinnerung hatte, sein Körper nach wie vor mager, obwohl er gesünder schien, und nicht derartig spindeldürr wie damals. Die Genetik, ein Zauberer zu sein, bedeutete, dass sogar in seinen Fünfzigern sein Haar noch genauso kohlrabenschwarz war wie das letzte Mal, als sie ihn gesehen hatte – beinahe zwei Jahrzehnte zuvor. Severus hatte seine Roben und den Gehrock abgelegt und sie über einen Stuhl am kleinen Küchentisch geworfen, was ihn nur in seinem weißen Hemd und in schwarzen Hosen zurückließ. Seine Schultern waren breiter, als sie erwartet hätte, und sie beobachtete, wie sich die Muskeln seines Rückens unter dem weißen Leinenhemd bewegten, als er den Tee zubereitete. Hermione konnte es sich nicht verkneifen, ihrem Blick zu erlauben, seine Gestalt entlangzuwandern. Sie musste zugeben, er hatte einen ziemlich netten Arsch.
Von diesem Gedanken ein wenig unangenehm berührt, hastete Hermione quer durch das Esszimmer zu der anderen Tür im Raum. Sie führte zu einem großen Wohnzimmer, das absolut entzückend war. Die Zimmerdecke war mit mehr von dem warmen Eichenholz verschalt und wies freiliegende Balken auf, was dem Raum eine ungezwungene Atmosphäre gab. Die Wände waren in einem goldenen Lohe gehalten, und die Plüschmöbel in üppigem Olivgrün. Verschiedene Landschaftsbilder setzten farbige Punkte an den Wänden und eine Verandatür mit Doppelflügeln führte hinaus in den hinteren Garten. Entlang der primären Wand befand sich ein großer steinerner Kamin, wobei der Kaminsims mit den unterschiedlichsten Fotos und Nippsachen übersät war.
Nach dem, was sie vom Haus gesehen hatte, war es warm und behaglich, sogar einladend, und sie erkannte ihren eigenen Geschmack in den Applikationen und dem Mobiliar wieder. Indessen, während sie sich die Kinder und sich selbst hier leicht vorstellen konnte, war sie sich schmerzlich dessen bewusst, dass sie in deren Mitte eine Außenstehende war. Nichts war überhaupt vertraut.
Die Fotographien auf dem Kaminsims verspotteten sie, waren sie doch Bestätigung für ein Leben, an das sie keine Erinnerung hatte. Sie wurde mit Empfindungen überflutet: Verwirrung, Wissbegierde, Angst. Ein Teil von ihr wollte sich umschauen, um die Zeugnisse der fünf Jahre ihres Lebens zu sehen, das an ihr vorbeigegangen war, während ein anderer Teil von ihr sich vor genau diesen Beweisen fürchtete. Sie erkannte in diesem Moment, dass sie nach wie vor hoffte, dass sie bald aufwachen und sich in Lunas Wohnzimmer wiederfinden würde – umgeben von Professor Snapes Besitztümern.
Ihren Mut zusammennehmend, wanderte sie zum Kaminsims hinüber. Die ersten Fotographien waren diejenigen, mit denen sie vertraut war – etliche Baby-Bilder von Rose und Hugo. Sie lächelte und wechselte zum nächsten Foto, dasjenige, das Luna ihr von ihren Eltern und Severus gezeigt hatte. Hermione fragte sich, ob es sich um eine Kopie handelte oder, ob Luna und ihr Vater es ihm gegeben hatten.
Ihr Blick wanderte zum nächsten Rahmen; dieses Foto war neu … für sie jedenfalls. Severus stand im Garten der Lovegoods, hielt einen winzigen, glatzköpfigen Säugling in seinen Armen und lächelte warm, während er auf das engelhafte Gesicht heruntersah.
"Meine Patentochter."
Hermione fuhr vor Schreck zusammen und wirbelte herum, eine Hand an ihre Brust gepresst.
"Meine Entschuldigung. Ich habe nicht vorgehabt, dich zu erschrecken." Severus stellte die Teetassen auf dem niedrigen Tisch ab, der vor der Couch stand und nahm dann Platz. "Tee, stark, einen Spritzer Milch, keinen Zucker", sagte er und schob eine Teetasse zu ihr hinüber, als sie sich langsam an das hinterste Ende der Couch setzte. Falls er ihr Zögern bemerkt hatte, so täuschte er etwas anderes vor.
Dass er wusste, wie sie ihren Tee bevorzugt, war sowohl tröstlich als auch befremdend.
"Danke", murmelte sie, als sie nach der Teetasse griff.
Er nickte und nippte an seinem eigenen Tee.
Für mehreren Minuten saßen sie in einer peinlichen Stille – oder zumindest fühlte es sich für Hermione peinlich an; Severus schien in seliger Unwissenheit über ihr Unbehagen zu sein, als er gemächlich die Beine am Knöchel kreuzte und seinen Tee weitertrank. Schließlich sagte Hermione: "Luna ist deine Patentochter?"
"Mmm." Er schluckte und stellte seine Tasse auf dem Tisch ab, seinen Körper ein wenig in ihre Richtung neigend. "Ja, ist sie."
"Das ist …interessant."
Er lachte, und sie erwischte sich selbst dabei, von dem angenehm samtig weichen und sonoren Klang fasziniert zu sein. "Das ist diese Tatsache mit Sicherheit. Ich bin mit ihren Eltern seit unserem ersten Jahr in Hogwarts befreundet gewesen. Einzig Xenophilius und Eglantine würden einen Todesesser bitten, Taufpate für ihr Kind zu sein." Er lachte erneut in sich hinein und schüttelte seinen Kopf, als ob er das Ansinnen auch jetzt noch nicht glauben könnte, selbst nach so vielen Jahren.
Seine Augen huschten zum Kaminsims hinüber, und Hermione folgte seiner Blickrichtung. Ihre Stirn runzelte sich. Er schien auf eine Schnitzerei zu schauen, doch sie konnte nicht ausmachen, um was es sich dabei genau handelte.
"Darf ich?", fragte sie, wobei sie bereits stand, um es näher in Augenschein zu nehmen.
Er äußerte seinen Gleichmut durch ein Schulterzucken und verschränkte die Arme über seiner Brust, sein Gesichtsausdruck neutral.
Hermione nahm das kleine Objekt in die Hand und lächelte; aus einem massiven Stück Eichenholz geschnitzt, zeigte der Gegenstand eine Schlange, einen Dachs, einen Raben und einen Löwen – die vier Häuser von Hogwarts. Sie warf Severus einen flüchtigen Blick zu. "Ein Geschenk von der Schule?"
Er grinste und schüttelte seinen Kopf. "Ich habe diese Skulptur während meines vierten Jahres in Hogwarts geschnitzt. Es sind – oder waren – drei weitere vorhanden. Xenophilius besitzt eine – er würde der Ravenclaw sein. Eglantine, die Hufflepuff, besaß eine weitere – ich glaube, dass sie sich jetzt im Eigentum von Luna befindet. Ich war natürlich der Slytherin und die Gryffindor …"
Er verstummte allmählich und schaute sie erwartungsvoll an.
Als ob sie die Antwort wissen sollte. Als ob sie die Geschichte der Schnitzerei mehrfach zuvor gehört hätte.
"Es – es tut mir leid. Ich weiß es nicht."
Einer seiner Mundwinkel zog sich nach oben in ein kleines, beruhigendes Lächeln. "Das ist schon in Ordnung. Die Gryffindor war Lily Evans. Wir vier standen einander ziemlich nahe, obwohl ich zugeben muss, dass wir ein seltsamer Haufen waren. Wie du aus deiner eigenen Zeit in Hogwarts weißt, geschieht es nicht häufig, dass mit jenen aus anderen Häusern enge Freundschaften geschlossen werden – insbesondere, dass ein Slytherin miteinbezogen wird", setzte er, seine eigene Person und seine Fähigkeiten abwertend, hinzu.
"Ja", stimmte Hermione zu, während sie auf die Schnitzerei schaute, "aber was für eine herrliche Vorstellung – vier Freunde, einer von jedem Haus."
Severus nickte. "Das war es … solange es angedauert hat."
Er schwieg für einen Moment, und Hermione glaubte, dass er sich wahrscheinlich die Ereignisse zurück ins Gedächtnis rief, die zum Ende seiner Freundschaft mit Lily geführt hatten; obwohl sie keine Kenntnis über die Details besaß – Harry hatte ihr einmal erzählt, dass Severus und seine Mutter Freunde gewesen waren, die sich jedoch zerstritten hatten. Er hatte außerdem erklärt, dass Severus in Lily verliebt gewesen war … allerdings hielt Hermione wohlweislich ihre Zunge im Zaum, wenn es um dieses Thema ging.
Severus räusperte sich, und das kleine Lächeln kehrte zurück. "Ich werde die Erinnerungen an jene Zeit immer im Gedächtnis bewahren."
Hermione wandte flüchtig den Blick ab; die Unterhaltung schien sich irgendwie in etwas schrecklich Intimes gewandelt zu haben. Sie stellte rasch die Schnitzerei wieder an ihren Platz zurück und kehrte zur Couch und zu ihrem Tee zurück, wobei sie hoffte, dass Severus das geringfügige Zittern ihrer Finger nicht bemerken würde, als sie die Tasse hochnahm.
"Hermione", begann Severus, und sie wusste, dass sie unfähig dazu gewesen war, ihr Unbehagen zu verbergen. "Es ist nur natürlich, dass du dich desorientiert oder unbehaglich fühlst. Bitte, du sollst nicht so empfinden, als ob du vorgeben müsstest, dass es dir gut geht."
Sein Verständnis war unerwartet, allerdings hoch willkommen. "Desorientiert ist eine passende Beschreibung", sagte sie bedächtig, ihre Wortwahl sorgfältig abschätzend, während sie in ihre Teetasse starrte. "Ich fühle mich in diesem Haus komfortabel, trotzdem mir nichts vertraut ist. Es ist sehr verwirrend." Sie hob ihren Blick zu seinen Augen. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Situation für dich viel leichter ist."
"In der Tat. Ich vermisse meine Frau."
Hermione sog einen zittrigen Atemzug ein. Er machte einen so einsamen Eindruck, als ob man ihn um etwas beraubt hatte. Es war befremdend, seine Emotionen dermaßen deutlich erkennbar zu sehen; sie war daran gewöhnt gewesen, die Maske, und nicht den Mann zu erblicken. Sie wusste nicht, was sie eventuell sagen konnte, um seinen Schmerz zu lindern. "Es tut mir leid."
"Es ist nicht deine Schuld", antwortete er. "Ich—"
Was auch immer er vorgehabt hatte zu sagen, wurde durch das Geräusch einer sich öffnenden Haustür unterbrochen. Hermione grinste; es mussten einfach die Kinder sein. Sie hatte sie verzweifelt vermisst und konnte nicht erwarten, sie zu sehen.
Severus entließ ein lachendes Schnauben und erhob sich, während er ihr eine Hand bot und ihr auf ihre Füße half. "Komm. Sie sind ebenso begierig, dich zu sehen."
Tatsächlich verkündete das temporeiche Stampfen von kleinen Füßen die Ankunft von Rose und Hugo, und Hermione drehte sich zur Türöffnung herum, um sie zu begrüßen.
Ihr begeistertes Lächeln schwand von ihren Lippen, als sie ins Zimmer rannten. Ihre Arme umfingen mechanisch Kinder, die sie zu kennen und zu lieben schienen … die ihr jedoch gleichzeitig vertraut und dennoch völlig unbekannt waren.
Rose war ziemlich hoch aufgeschossen, und ihr Gesicht war schmaler geworden – die Rundheit der Kindheit – alles einfach vergangenen. Ihr Haar und Augen waren dieselben, doch sie war so viel reifer, als sie drei Tage zuvor gewesen war. Und Hugo … ihr Baby. Er war auch gewachsen, wobei seine schlaksigen Arme und Beine darauf hinwiesen, dass er genauso hochgewachsen wie sein Vater sein würde. Sein fuchsrotes Haar war nachgedunkelt und länger, als es gewesen war; es lockte sich über seine Ohren und den Nacken. Hermione konnte sich gerade noch davon abhalten aufzukeuchen, als sie sich vergegenwärtigte, dass Rose jetzt zehn, fast elf sein würde, und Hugo sieben Jahre alt war.
Die Erkenntnis, dass sie nicht nur fünf Jahre ihres eigenen Lebens, sondern auch der Leben ihrer Kinder verloren hatte, stürzte über sie herein und ließ alles zusammenbrechen. Hermione sank auf ihre Knie und starrte in die beiden freudigen Gesichter, während die beiden losplapperten, sie fragend, ob sie sich besser fühle, ihr über ihren 'Urlaub' mit ihren Großeltern erzählend, und sie darüber informierend, dass ihr Großvater ihnen erlaubt hatte, zum Frühstück Eis zu essen.
"Hugo!", schimpfte das Mädchen, ihre kleinen Fäuste in ihre Hüften gestemmt. "Das solltest du doch nicht erzählen!"
Sie zankten sich weiter kontinuierlich untereinander, während Hermione versuchte, nach Luft zu schnappen. Ihre Kinder, ihre Babys …
Sie blickte zu Severus auf, wobei Tränen in ihren Augen schwammen.
Ihre Qual erkennend, ermutigte Severus die Kinder – die, wie Hermione bemerkte, jetzt gespenstisch still waren – ein Spiel auszuwählen, um mit ihren Großeltern vor dem Abendessen zu spielen. Nur widerstrebend verließen die beiden rothaarigen Kinder das Zimmer, wobei sie wiederholt einen flüchtigen Blick über ihre Schultern warfen, ihre Gesichter mit Besorgnis erfüllt.
Sie hörte die Weasleys mit den Kindern, als diese sich bereit erklärten, sie mit nach draußen zum Spielen zu nehmen, und dann kniete Severus vor ihr auf dem Fußboden und zog sie in seine Arme. Sie klammerte sich an ihm fest, ihre Finger schlangen sich in den Stoff seines Hemdes, als sie ihre Stirn gegen seine Schulter lehnte – Trost dort suchend, wo er angeboten wurde.
"Es ist erdrückend, ich weiß", besänftigte er sie. Ein Arm hatte sich locker um ihre Taille geschlungen, während die andere Hand über ihr Haar streichelte. "Es wird in Ordnung kommen, Hermione. Ich verspreche dir, es wird alles gut."
Hermione versteifte sich, als sie realisierte, dass sie momentan von einem Mann gehalten wurde, den sie kaum kannte, und löste ihren Griff um den Stoff seines Hemdes. "Es tut mir leid."
Severus befreite sie schnell aus seiner Umarmung und schüttelte seinen Kopf, als er ihr zu stehen half. "Keine Notwendigkeit für Entschuldigungen. Ich verstehe es", murmelte Severus. "Lass mich dich zu deinem Zimmer bringen. Abendessen gibt es nicht für eine weitere Stunde oder so – du kannst dich ausruhen, wenn du möchtest."
Hermione erkannte augenblicklich seine Absicht: Er bot ihr Privatsphäre und etwas Zeit, um ihre Fassung wiederzuerlangen. Sie willigte rasch ein und folgte ihm, als er sie zurück durch das Haus und die Stufen hinauf führte.
Später würde sie sich vage daran entsinnen, dass er sie über die Lagepläne hinsichtlich der Zimmer der Kinder, sowie seines eigenen, des Badezimmers und ihres Arbeitszimmers im Obergeschoss informiert hatte, doch im Moment konnte sie einfach nur nicken, da ihr Verstand unfähig dazu war, ein auch nur ein Wort von dem in vollem Umfang zu verarbeiten, das er ausgesprochen hatte.
Er öffnete eine Tür, und Hermione betrat den Raum, einen kurzer Blick in das Zimmer werfend, das nun ihr eigenes war. Alles war in Weiß gehalten, von den Wänden bis zu den Möbeln.
"Das ist ein Gästezimmer, aber ich glaube, dass es sich für deine Zwecke eignen wird", sagte Severus ohne jegliche Emotionen.
Hermione drehte sich herum, um ihn unbeholfen in der Türöffnung stehen zu sehen, seine Wangen leicht mit Röte überzogen. Er räusperte sich und gestikulierte in Richtung der Zimmerecke.
"Ich habe mir die Freiheit genommen, unsere Familien-Fotoalben zu holen. Heilerin Merriweather hat empfohlen, dass du ein wenig Zeit damit verbringst, sie dir anzuschauen – sie sagte, dass sie helfen könnten." Er fuhr mit einer Hand durch sein Haar, und Hermione war von der nervösen Geste fasziniert; sie hatte den Mann niemals zuvor in solch einem Zustand gesehen. "Ich werde klopfen, wenn das Abendessen fertig ist." Und mit diesen Worten verließ er den Raum, sein Rücken steif und sein Gesicht bar jeglichen Ausdrucks."
Hermione blinzelte aufgrund der plötzlichen Änderung in seinem Benehmen und schloss dann die Tür, bevor sie sich wieder herumdrehte, um das Zimmer in Augenschein zu nehmen. Sie erinnerte sich an nichts davon, fühlte sich jedoch sofort behaglich. Einmal mehr versuchte ihr Verstand, das Fremde zu absorbieren, die Unvereinbarkeit des Vertrauten innerhalb des Unbekannten; der Versuch war erfolglos. Sich nach ein paar Minuten Aufschub sehnend, legte sie sich auf das Bett und erlaubte sich selbst, in den seligen Abgrund des Schlafes zu fallen.
Sobald die Kinder zu Bett gebracht worden waren, hatte sich Hermione dafür entschieden, den Garten auszukundschaften. Ihr Geist war erschöpft, und sie trachtete nach der friedlichen Stille der freien Natur in der Abenddämmerung. Was sie vorfand, war ein Garten, der genauso entzückend war, wie das Cottage selbst. Angefüllt mit Blumen und Kräutern und verschiedenen anderen Pflanzen war er eine üppige Zufluchtsstätte. Der berauschende Duft von Nachtjasmin erfüllte die Luft, und Hermione setzte sich auf eine Bank unter dem Küchenfenster und atmete den opulenten Duft ein. Nach mehreren Minuten waren ihr Körper und ihr Geist endlich imstande, sich zu entspannen.
Das Abendessen war eine peinliche Angelegenheit gewesen.
Erstaunlicherweise – zumindest für Hermione – hatten die Weasleys ihnen bei der Abendmahlzeit Gesellschaft geleistet. Sie hatten in angespanntem Schweigen gegessen; keiner von ihnen – Hermione eingeschlossen – hatte gewusst, wie man nach dem agieren sollte, was sich vorhin mit den Kindern zugetragen hatte. Sie hatte versucht, ihnen ein beruhigendes Lächeln zu offerieren, wusste jedoch, dass es wahrscheinlich mehr wie eine Grimasse gewirkt hatte.
Sie würde dieses Gefühl der Desorientiertheit überwinden müssen … und zwar bald; Hermione wusste nicht, wie viel länger sie die traurigen flüchtigen Blicke und vorsichtigen Umarmungen von ihren Kindern ertragen konnte. Sie brachte sich selbst in Erinnerung, dass, selbst wenn sie älter waren, sie noch immer ihre Kinder waren, und sie sie mehr liebte, als das Leben selbst. Rose und Hugo waren die liebevollsten, empfindsamsten, einfühlsamsten Wesen, die sie jemals kennengelernt hatte – sie würde der Situation, in der sie sich wiedergefunden hatte, nicht erlauben, weiterhin negative Auswirkungen auf sie zu haben. Sie würde sie einfach lieben und sie erneut kennen lernen. Es gab keine andere Möglichkeit.
"Geh' dich hinsetzen, Molly. Ich werde den Abwasch erledigen."
Das Küchenfenster war offen, um die willkommene Nachtluft hereinzulassen, und Severus' tiefe Stimme wehte mühelos in den Garten hinaus. Hermione schloss ihre Augen und versuchte, den faszinierenden, Besorgnis hervorrufenden Klang abzublocken, während ihr Daumen sich bewegte, um ihren Ring an ihrem Finger zu drehen.
"Unsinn", kam Mollys Tadel. "Es wird schneller gehen, wenn ich helfe. Und jetzt, rück' rüber. Ich werde abwaschen, und du kannst abtrocknen."
Hermione konnte es sich verkneifen, sich ein kleines Lächeln bei Severus' Antwort zu erlauben: "Ja, Molly."
Für mehrere Minuten schloss Hermione ihre Augen und genoss die Nachtluft, als sie dem leisen Klirren von Tellern und dem sanften Rauschen von Wasser zuhörte. Es war entspannend. Friedvoll.
"Du wirst Ron nahelegen müssen, auf jeden Fall in den nächsten Tagen nicht zu Besuch zu kommen", murmelte Severus, und seine Worte zerschmetterten augenblicklich Hermiones zerbrechliche innere Ruhe. "Für Hermione sind lediglich ein paar Wochen seit ihrer Scheidung vergangen. Ich weiß nicht, wie sie auf seine Anwesenheit reagieren würde."
Ron. Ihr Ehemann … ehemaliger Ehemann. Ihr Herz schmerzte aufgrund des nicht vergessenen Verrats, der immer noch dermaßen frisch für sie war – von allen anderen, so wie es klang, zurückhaltend aufgenommen und verziehen.
"Sie werden nicht vor Ende der Woche aus dem Urlaub zurück sein, aber ich werde ihnen dennoch morgen eine Eule schicken", stimmte Molly zu. "In Anbetracht der Umstände würde es für Ron und Eleanor am besten sein, sich fernzuhalten … einstweilen jedenfalls."
'Sie.' Hermione hasste die Tatsache, dass es sie verletzte, dass Ron ein Bestandteil von "Sie" war. Ein kleiner Teil von ihr hatte gehofft – sogar mit triumphierendem Vergnügen gebetet – dass seine Beziehung mit Eleanor nicht über ein paar Monate hinaus von Bestand gewesen war. Offensichtlich war das nicht geschehen. Nicht, dass sie ihn zurückwollte – sie wollte das mit Sicherheit nicht – doch, wenn sie ehrlich war, hatte sie gehofft, dass er seinen Fehler, sie zu verlassen, begreifen und allein und unglücklich in irgendeinem jämmerlichen Abklatsch für eine Wohnung sitzen würde, der die Bezeichnung nicht wert war, mit nichts anderem als Ratten zur Gesellschaft.
Beim Geist des großen Merlin. Vielleicht war sie rachsüchtiger, als sie geglaubt hatte.
"In der Tat", antwortete Severus, womit er ihre Gedanken unterbrach. "Du kannst ihm sagen, dass ich die Kinder zu ihren Besuchsterminen vorbeibringen werde, bis Hermione dazu bereit ist, ihn zu sehen."
"Oder bis sie sich erinnert."
Es herrschte Schweigen, und Hermione erwischte sich selbst dabei, wie sie ihren Atem anhielt, als sie auf Severus' Antwort wartete.
"Oder bis sie sich erinnert", wiederholte er. Hätte Hermione nicht so aufmerksam gelauscht, hätte sie die leise ausgesprochenen Worte überhört.
"Oh, lieber Junge", sagte Molly plötzlich in besänftigender Weise, und Hermiones Gehirn beschwor die irrsinnige Vorstellung der älteren Frau herauf, die den Zauberer in eine ihrer berüchtigten Umarmungen zieht. "Ich weiß, dies ist schwierig, aber am Ende wird sich alles zum Guten wenden. Hermione liebt dich – sie wird zu dir zurückkommen. Zweifele nicht daran."
"Ich hoffe es, Molly. Ich weiß nicht, wie lange ich ohne sie überleben kann."
Die stille Verzweiflung, das unterschwellige Verlangen in seiner Stimme war dermaßen herzzerreißend, dermaßen schmerzhaft, dass Hermione ins Wohnzimmer floh, quer durch das Haus und die Stufen zum Gästezimmer hinauf, unfähig, auch nur einem einzigen weiteren Wort zuzuhören.
Sie atmete schwer, als sie das Schlafzimmer betrat, als ob sie einen Marathonlauf absolviert, und nicht nur einen kurzen Sprint die Stufen hinauf hingelegt hatte. Die Tür hinter sich schließend, hielt Hermione für einen Moment inne, ihre Stirn gegen die Tür gelehnt, ihre Hände nach wie vor am Türknopf festgeklammert.
Sie würde das durchstehen. Sie würde es.
Sich umdrehend, ging Hermione zum Bett hinüber, wobei ihr Blick umgehend auf die Foto-Alben fiel, die auf dem Tisch neben dem Bett lagen. Sie schrieen förmlich nach ihr, versuchten sie zu verlocken, an dem Leben teilzuhaben, das sie ihr offerierten, mit ihr zu teilen, selbst wenn nur in solch geringem Maß.
Langsam durchquerte sie das Zimmer. Sie nahm das erste der drei Alben zur Hand und setzte sich dann auf den Rand des Bettes, das schwere Buch vor sich hinlegend. Mehrere Minuten vergingen, während sie auf den Einband starrte, wobei zugleich ihre anstachelte Neugier und ihre Zurückhaltung miteinander rangen. Schließlich öffnete sie das Album.
Innerhalb von Momenten schlug sie den Deckel zu und stieß das Album so weit weg von sich, wie sie nur konnte, unfähig dazu, es über die erste Seite hinaus anzuschauen. In ihrem Kopf drehte sich alles voller Konfusion; nichts machte mehr irgendeinen Sinn. Ihr Gesicht in einem Kissen vergrabend, versuchte Hermione, gegen den Strom von heißen Tränen anzukämpfen, die unter ihren Augenlidern hervorquollen, während sie um ein Leben trauerte, von dem sie sich nicht erinnern konnte, es gelebt zu haben.
A/Ü: Erklärung für den Begriff 'Brit picker': Bezeichnung für eine Person, die aus Großbritannien stammt und eine Fanfiktion-Geschichte durchliest, deren Autor/Autorin nicht-Britisch ist, um auf Akkuratesse hinsichtlich britischer Ausdrücke für die Charaktere und/oder Handlungsorte zu achten und gegebenenfalls diese zu korrigieren.
