The Life Unlived

by sshg316

Chapter 3: Coming to Terms

SUMMARY: SSHG; DH-compliant. Während sie die Besitztümer von Severus Snape durchsieht, macht Hermione eine faszinierende Entdeckung, die ihr Leben für immer verändert.

DISCLAIMER: Alle erkennbaren Charaktere und Handlungsorte sind Eigentum von JKR. Es ist keine Urheberrechtsverletzung beabsichtigt.

BETA READERS: DeeMichelle und Subversa

BRIT PICKER*: LettyBird

TRANSLATION: AleaThoron


Das Ungelebte Leben

Kapitel 3: Mit sich ins Reine kommen

"Ich werde morgen an die Arbeit zurückkehren", sagte Severus, als er mit zwei Tassen Tee in der Hand ins Wohnzimmer hereinkam.

Es schien so, als ob er sie immer zum Tee nötigte. Ein Teil von Hermione wollte ihn anschreien, dass, entgegen der landläufigen Meinung, Tee nicht die Lösung jedes Problems war. Der andere Teil – der Teil von ihr, der emotional weniger überdreht war – wusste, dass Tee anzubieten das Einzige war, das Severus in Anbetracht der alles andere als idealen Situation, in der sie sich wiedergefunden hatten, sich vorstellen konnte zu tun. Im Zweifelsfall ... serviere Tee.

Das Buch aus der Hand legend, in dem sie gelesen hatte, schenkte ihm Hermione ein kleines Lächeln und akzeptierte die Tasse. Es war ein trister, regnerischer Tag, und die Kinder waren an diesem Morgen wieder in die Grundschule zurückgekehrt. Allem Anschein nach hatten Severus und ihr vergangenes Selbst – zusammen mit ihrem Exmann – beschlossen, dass es, mit einer berufstätigen Hermione, für die Kinder eine gute Idee sein würde, eine Muggel-Schule zu besuchen, bis sie elf Jahre alt würden, so dass sie auch Erfahrungen hinsichtlich diesen Aspekts ihrer nichtmagischen Herkunft machen konnten. Jetzt, allerdings, ließ es sie schlichtweg mit viel zu viel Zeit zum Nachdenken allein zurück – etwas, von dem sie niemals gedacht hatte, dass sie es jemals sagen würde – und mit einem Ehemann, an den sie keine Erinnerung hatte.

Just in diesem Moment wurde sich Hermione der Worte bewusst, die Severus ausgesprochen hatte, als er ins Wohnzimmer gekommen war. "Du gehst zurück an die Arbeit?"

"Mmm", bestätigte er, während er seinen Tee hinunterschluckte. Er stellte die Tasse zurück auf deren Untertasse, und seine dunklen Augen tauchten in die ihren ein. "Harry hat in der vergangenen Woche meinen Unterricht abgedeckt, doch er muss jetzt wieder zu seinem Arbeitsplatz im Ministerium zurückkehren."

"Unterricht?"

Severus erläuterte ihr, wie ihm, nach seiner Rückkehr aus seinem selbstgewählten Exil, die Position für Verteidigung gegen die Dunklen Künste angeboten worden war. Es schien so, als ob – nach der Ausstellung über seine Rolle im Krieg – die Leute in der magischen Welt ziemlich scharf darauf waren, solch einen vielgepriesenen Helden ihre Kinder unterrichten zu lassen. Er hatte die Position unter dem Vorbehalt akzeptiert, dass er mit seiner neuen Frau in Hogsmeade leben konnte – offensichtlich ihr selbst.

Hermione drehte mit ihrem Daumen den Ring an ihrer linken Hand. "Ich verstehe. Und ich? Was werde ich machen?" Während sie sich nicht wirklich dabei wohlfühlte, mit Severus allein zu sein, fand sie auch keinen großen Gefallen daran, den ganzen Tag im Cottage allein zu bleiben, umgeben von den Beweise dafür, wie sehr ihr Gedächtnis sie im Stich gelassen hatte.

"Ich habe mit deinen Vorgesetzten im Ministerium gesprochen, und sie haben mich darüber informiert, dass – wenn du das Gefühl haben solltest, der Herausforderung gewachsen zu sein – du zurückkehren könntest … gleich nächste Woche, wenn du es wünschst."

"Wirklich?", rief Hermione aus, während ihr Gesicht erwartungsvoll aufleuchtete. "Es wäre großartig, wieder an die Arbeit zu gehen – obwohl ich vermute, dass meine Projekte bereits abgeschlossen worden sind", setzte sie kläglich hinzu.

Severus schmunzelte und erhob sich dann. "Da dies unser letzter voller Tag gemeinsam ist, dachte ich, dass du heute Nachmittag mit mir zusammen die Foto-Alben könntest durchgehen wollen. Vielleicht wird irgendetwas davon deinem Gedächtnis auf die Sprünge helfen, wenn wir uns mit ihnen auseinandersetzen."

Hermiones Lächeln wurde zögerlich. "Oh. Ja, ich vermute mal, dass wir das machen könnten, aber …" Sie hielt inne, während sie verzweifelt versuchte, sich irgendetwas auszudenken, was ihn dahingehend beeinflussen würde, von dieser speziellen Unternehmung abzulassen; sie war noch nicht dazu bereit, die Alben anzuschauen. Sie hatte es mehrere Male versucht, doch sie war nicht in der Lage gewesen, über die ersten Seite hinaus weiterzuschauen, bevor ihr Herz zu rasen begonnen hatte und sich ihre Kehle zuschnürte, bis sie darum kämpfen musste, wieder Atem zu schöpfen. Die Panik war derartig tiefreichend gewesen, dass sie schließlich die Alben auf das oberste Regalbrett ihres Kleiderschranks gestellt hatte, so dass sie aus dem Blickfeld verschwinden würden. Sie wusste nicht, warum die Fotos dermaßen negative Auswirkungen auf sie hatten. Möglicherweise würde es sich zu real anfühlen, wenn sie die greifbaren Beweise der Erinnerungen sähe, die sie nicht mehr länger besaß, oder vielleicht war sie einfach nicht bereit sich einzugestehen, dass dieses Leben wahrhaftig das ihrige war.

"Ich hatte gehofft, heute Nachmittag zum Schloss zu gehen und mit Minerva Tee zu trinken", platzte sie schließlich heraus. Seine Miene wurde unlesbar, und Hermione verspürte einen Anflug von Schuld. Severus wollte Zeit mit ihr verbringen, wusste sie, und obwohl sie aufrichtig und höflich gewesen war, war sie sich auch darüber im Klaren, dass sie sich ebenfalls distanziert und recht launenhaft benommen hatte. Ungeachtet ihrer Schuld konnte sie sich selbst nicht dazu bewegen, die Alben anzuschauen. Bisher jedenfalls nicht, und vielleicht niemals.

"Ich verstehe", sagte er bedächtig. "Ich bin mir ganz sicher, dass Minerva den Besuch zu würdigen weiß." Er studierte sie für fast eine volle Minute, bis Hermione unter seinem Blick ein wenig in ihrem Sitz hin und her zu rutschen begann. "Du hast auf die Alben geschaut, oder nicht?"

Hermione zuckte innerlich zusammen; sie hatte gehofft, dass er diese Frage nicht stellen würde. Ihr Daumen drehte den Ring an ihren Finger schneller. Sie würde nicht lügen – genau. "Ich habe auf sie geschaut, ja."

Das war die Wahrheit. Sie hatte auf sie geschaut – sie hatte es nur einfach nicht geschafft, sie über die erste Seite hinaus anzuschauen.

"Gut. Heilerin Merriweather glaubt, dass die Fotos helfen werden."

Sein Blick fiel auf ihre Hände, wo sie noch immer damit beschäftigt war, ihren Ring zu drehen, und seine Lippen verzogen sich in ein kleines, zufriedenes Lächeln. "Ich sehe, dass sich einige Dinge nicht verändert haben."

"Hmm?"

"Dein Ring. Du drehst ihn, wenn du dich nicht so recht wohlfühlst."

Hermione blickte hinunter, und schenkte zum ersten Mal dem Ehering an ihrer linken Hand Beachtung. Das Gewicht hatte sich so natürlich angefühlt – immerhin war sie lediglich für wenige Wochen ohne jenen gewesen, den Ron ihr gegeben hatte – dass sie seine Anwesenheit nicht wirklich geistig verarbeitet hatte. Als sie jetzt darauf schaute, war sie davon überrascht, wie sehr er sie umschmeichelte.

Anstatt des einfachen Goldbandes mit dem kleinen rubinroten Solitär, den sie während ihrer Ehe mit Ron getragen hatte, war dieser Ring sowohl aus Silber- als auch aus Gold-Strängen gearbeitet, die miteinander verflochten waren, um ein offenes Band aus keltischen Knoten zu bilden. Ein verstohlener Blick auf Severus' linke Hand offenbarte das übereinstimmende Band.

"Er ist entzückend", sagte sie weich.

Es herrschte für mehrere lange, unbehagliche Momente Schweigen, bis Severus sprach. "Ich freue mich, dass du ihn magst. Ich werde dich jetzt verlassen – du wirst Minerva mitteilen wollen, dass du zum Tee kommst."

Als er aus dem Zimmer schritt, hatte Hermione das unbehagliche Gefühl, dass sie irgendwie seine Gefühle verletzt hatte.


Hermione verbrachte den Rest der Woche damit, verschiedene Freunde zu besuchen, um Einblicke in deren Leben zu erhalten und die fünf fehlenden Jahre aufzuarbeiten, wobei sie unbeabsichtigterweise viel über ihre Beziehung mit Severus Snape in Erfahrung brachte.

Nach übereinstimmenden Berichten vergötterte der Mann sie einfach. Die Beschreibungen ihrer beider Beziehung ließen erkennen, dass ihre Ehe eine glückliche Ehe war: Neville nannte sie stabil, Luna sprach davon als eine Partnerschaft, Ginny sagte, dass es absolut romantisch war, und Minerva schniefte bloß, als ihre kleinen, strengen Augen sich über den oberen Rand ihrer Brille hinweg auf sie stürzen und sie sagte: "Ich habe niemals zuvor einen von Ihnen derartig glücklich gesehen, und ich habe Sie beide gekannt, seit Sie elf Jahre alt waren. Kurz gesagt, Sie bringen das Beste in einander zum Vorschein."

Minerva hatte ihr auch viel zum Nachdenken gegeben. "Er mag um Ihretwillen stark erscheinen", hatte sie gesagt, "aber ich kann mir lediglich vorstellen, wie verwundbar er sich in diesem Moment fühlt. Er liebt Sie, wie er niemals einen anderen geliebt hat, und ja, das schließt Lily Evans Potter mit ein. Ich bin mir ganz sicher, der Mann ist zu Tode erschrocken, dass das Einzige, was er am meisten fürchtet, im Begriff ist, sich zu ereignen – dass Sie für ihn für immer verloren sind."

Die Worte waren ergreifend, aber selbst dann – mit ihrer Scheidung von Ron, die noch dermaßen frisch in ihrem Gedächtnis und ihrem Herzen existierte, urteilte Hermione, dass es eine schwierig zu handhabende Sache war, eine Ehe mit Severus Snape ins Auge zu fassen.


Jeder Zoll des Esstischs war von mannigfaltigen Pergamenten und Büchern bedeckt. Im Sessel in der Mitte platziert, saß Hermione, das Kratzen ihres Federkiels das einzige Geräusch im Zimmer.

Als Unsägliche zu arbeiten, hatte seine Vorteile, inklusive einer sagenhaften Bibliothek, allerdings war das Arbeitspensum immer eine Herausforderung, etwas, was Hermione genoss. Ihr aktuelles Projekt erforderte sehr viel Recherche – genau genommen zu viel, wenn sie innerhalb der von ihrem Supervisor aufgestellten Zeitparameter fertig sein wollte. Ohne eine andere Wahl zu haben, hatte sie alles mit zum Cottage zurückgenommen und sich an die Arbeit gemacht. Die Kinder verbrachten die Woche mit Ron, und ausnahmsweise einmal, war Hermione dankbar dafür; sie konnte nach Herzenslust ohne Unterbrechungen recherchieren.

"Hermione?"

Aufgeschreckt blickte sie auf, nur, um Severus vor sich zu sehen, die unverzichtbaren Tassen mit Tee in der Hand.

"Hallo", begrüßte sie ihn, während sie den Tee akzeptierte. "Du bist früh zurück."

Severus setzte sich in den Sessel ihr gegenüber und rieb seinen Nasenrücken zwischen seinem Daumen und Zeigefinger. "Ja. Wir haben heute mit dem Duellier-Training begonnen. Einer der Drittklässler hat sich während meiner letzten Unterrichtsstunde dafür entschieden, einen Schlamm-Schleuder-Fluch zu verwenden. Bedauerlicherweise für Mr. Harris ließ seine Zielgenauigkeit viel zu wünschen übrig."

"Das hat er nicht getan." Sie hütete sich davor, ihre Belustigung zu offenbaren.

"Er hat. Noch schlimmer – der Junge hat es irgendwie geschafft, den Fluch so zu modifizieren, dass er für Reinigungszauber undurchdringbar ist. Ich habe danach entschieden, dass ich es mir verdient habe, meine Sprechzeiten zu annullieren und nach Hause zurückzukehren, um zu duschen. " Er nahm Notiz von den Pergamenten und Büchern, machte jedoch keine Bewegung, weder um sie zu lesen noch um nachzufragen. Es kam Hermione in den Sinn, dass, als ihr Mann, er daran gewöhnt gewesen sein würde, dass sie mit Arbeit nach Hause kommt, und nicht dazu in der Lage war, über diese mit ihm zu diskutieren.

"Ich habe dich nicht ankommen gehört", sagte sie, während sie die verschiedenen Pergamente und Bücher zusammensammelte.

"Ich bin durch das Flohnetz im Obergeschoss gekommen, so dass ich nicht den Schlamm durch das Haus schleppen würde."

"Ah."

Hermione zerrte mit den Zähnen an ihrer Unterlippe, während sie in betretenem Schweigen dasaßen. Letztendlich, nach mehreren quälenden Minuten, erhob sich Severus.

"Ich werde dann mit dem Abendessen anfangen", sagte er, seine Stimme leise, bevor er den Raum verließ.

Hermione beobachtete, wie er den Raum verließ und seufzte auf. Sie hasste es, ihn zu verletzen, und doch wusste sie, dass ihre kontinuierliche Schweigsamkeit genau das bewirkte. Er war dermaßen geduldig mit ihr – etwas, was sie von dem Mann niemals erwartet hätte, der einmal ihr Professor gewesen war. In Wahrheit war er jetzt ganz anders, mehr an den Mann erinnernd, dessen Foto mit Lunas Eltern sie derartig fasziniert hatte.

Sie stützte ihr Kinn in eine Handfläche und starrte auf die Türöffnung zur Küche, wobei sie Severus beobachtete, als er seine Vorräte zusammensammelte. Vielleicht sollte sie versuchen, diesen Mann kennen zu lernen. Ob sie es mochte oder nicht, dies war ihr Leben, und sie war gegenüber keinem von ihnen fair, indem sie sich oder etwas zurückhielt. Sie musste in ihn verliebt gewesen sein, um ihn zu heiraten, und obwohl sie nicht davon überzeugt war, dass dieselben Gefühle sich jetzt manifestieren würden, schuldete sie es sich und ihrer Familie, sich einen Ruck zu geben und sich zu bemühen.

Nunmehr fest entschlossen, beendete Hermione ihre Tätigkeit, die Pergamente und Bücher einzusammeln, und schickte sie mit einer wellenartigen Bewegung ihres Zauberstabes in ihr Zimmer. Sie stand vom Tisch auf und ging in die Küche. Severus hatte einen Kochtopf, eine Pfanne und verschiedene frische Zutaten herausgestellt. Sie hielt in der Türöffnung inne und beobachtete ihn, während er arbeitete. Ein Lächeln schwebte auf ihren Lippen; wer hätte jemals gedacht, dass Severus Snape für sie kochen würde?

Hermione vergegenwärtigte sich plötzlich, dass Severus die ganze Kocherei übernommen hatte, seit sie aus dem Krankenhaus entlassen worden war. "Es tut mir so leid!", rief sie aus, was Severus dazu veranlasste, über seine Schulter zu ihr herüber zu spähen.

Eine gewölbte Augenbraue war seine einzige Antwort.

"Ich habe dich die Verantwortlichkeiten hinsichtlich des Kochens völlig allein übernehmen lassen, und das ist ziemlich unverschämt von mir. Ich sollte eine größere Hilfe sein. Es tut mir leid."

Eine Seite seines Mundes verzog sich in ein schiefes Grinsen, und er drehte sich herum, während er eine Hüfte gegen den Rand der Arbeitsplatte lehnte. "Hermione, du kochst nicht. Du hast noch nie mehr getan, als gelegentlich ein Blech Kekse mit den Kindern zu backen. Die Aufgabe ist schon immer mir zugefallen."

"Wirklich?" Sie war darüber eigentümlich zufrieden. Ron war in der Küche ein Albtraum gewesen – er hatte die Vorliebe seiner Mutter fürs Kochen nicht geerbt, was bedeutete, dass, im Normalfall, Hermione die Mahlzeiten vorbereitet hatte.

"Ja, wirklich", erzählte Severus weiter, während er sich herumdrehte und sich der Aufgabe widmete, einige Pilze in Scheiben zu schneiden. "Wie ich sagte – du kochst nicht."

Hermiones Stirn legte sich in Falten, und sie blickte finster drein. "Es ist ja nicht so, dass ich nicht kochen kann, ist es nur, dass ich—"

"Keinen Spaß daran habe", unterbrach Severus sie, sein Ausdruck sowohl amüsiert als auch zärtlich. "Ja, Ich weiß."

Hermione spürte, wie ihre Wangen erglühten, obwohl sie nicht wusste, warum.

"Zum Glück für dich", sagte er gedehnt, "genieße ich es ungeheuer – es erinnert mich an die Arbeit mit Zaubertränken – nur, dass die Ergebnisse viel schmackhafter sind." Er warf die Pilze in die Pfanne und zog dann einen Stuhl heraus. "Lunger nicht im Türrahmen herum."

Ein Lachen entkam ihr über den Rüffel, und Severus warf ihr einen nicht ernst gemeinten funkenden Blick zu, als sie sich auf den Stuhl setzte. "Möchtest du ein wenig Hilfe?"

Er schmunzelte und kehrte dann zu seiner Aufgabe zurück. "Vielleicht später. Wein?", fragte er, ein Glas eingießend, als sie nickte.

Die folgende Dreiviertelstunde war die angenehmste Zeit, die Hermione seit langem widerfahren war. Während sie ihn dabei beobachtete, wie er das Abendessen vorbereitete, diskutierten sie über eine Vielfalt von Themen, angefangen beim aktuellen Debakel im Ministerium – an dem Hermione bereits arbeitete, ohne sein Wissen – bis hin zum neuesten Klatsch in Hogwarts. Sie empfand seinen trockenen und bissigen Humor als sehr unterhaltsam, ebenso wie intellektuell stimulierend. Er hielt sie mit Sicherheit auf Trab, und sie genoss jede Minute davon.

Da war keine Ungeschicktheit, während er sich in der Küche hin und her bewegte, und Hermione konnte sich leicht vorstellen, dass dies ein nächtliches Ritual für sie beide war. Anstatt des Unbehagens, das sie erwartet hatte, wärmte der Gedanke sie. Glücklich mit der Enthüllung dieser Tatsache, entspannte sie sich noch mehr, wobei sie ihre Argumente unterstrich, indem sie gelegentlich eine Hand auf seinen Unterarm legte. Möglicherweise war es der Wein, doch binnen kurzem waren die zwei mit einem großartigen Wettstreit im Flirten beschäftigt, etwas, dem Hermione niemals aufrichtig gefrönt hatte, was sie allerdings ungemein genoss.

Severus griff nach einem Holzlöffel, wobei er sicherstellte, mit seiner Hand ihr Knie zu streifen, und probierte dann die Soße, die er kreiert hatte. "Hmm. Ich glaube, dass irgendetwas fehlt."

"Darf ich probieren?", fragte Hermione, während sie nach dem Löffel griff.

Er ignorierte ihre ausgestreckte Hand und lehnte sich stattdessen dicht zu ihr hinüber, blies einen Strom von kühler Luft über die Oberfläche, bevor er den Löffel an ihre Lippen hob. "Vorsichtig jetzt", murmelte er, sein starrer Blick auf ihren Mund gerichtet. "Das ist heiß."

Eine vertraute, jedoch selten gespürte Hitze setzte sich tief in ihrem Abdomen fest, und Hermione öffnete ihren Mund, um sein Angebot zu akzeptieren, ihre Augen riesig. Ihre Lippen schlossen sich um den Löffel und die Aromen explodierten auf ihrer Zunge. "Mmm", murmelte sie, bevor sie schluckte, als er den Löffel zurückzog. "Ja, ich verstehe, was du meinst. Irgendetwas fehlt hier, aber auch so ist es schlechthin köstlich."

"Ist es das?", fragte Severus, seine Augen nach wie vor auf ihre Lippen fixiert.

Hermione hörte, wie sein Atem stockte, als ihr eigener Blick von seinem Mund angezogen wurde. Langsam, als ob er ihre Reaktion abschätzte, hob er eine Hand, um ihre Wange zu umschließen, wobei sein Daumen gegen ihre volle Unterlippe streifte.

"Hermione", hauchte er, und dann neigte er sich nach vorn und erlaubte seinem Mund, moralisch unschuldig die ihrigen zu streifen – einmal, zweimal, dreimal.

Hermione verspürte Schwindel bei dem Gefühl seiner Lippen, die sich auf die ihrigen pressten. Dies war das Gefühl, von dem sie immer geglaubt hatte, wie sich der Mund eines Mannes anfühlen sollte: warme Lippen, dünn, doch stark und geschmeidig. Überhaupt nicht wie Rons eher plumpe, federnde—

Oh, bei allen Göttern. Was tat sie da? Ihre Hände schoben sich zu seinen Schultern hinauf und drückten leicht dagegen. "Nein, ich kann nicht – oh, bei allen Göttern." Es war nicht richtig, und dabei war es doch richtig. Aber wie konnte es gleichzeitig beides sein? Verwirrung und Panik griffen nach ihr, als sie mit den beiden gegensätzlichen Wünschen rang, ihn sowohl näher an sich zu ziehen als auch ihn wegzuschieben.

Severus trat einige Schritte zurück, seine Wangen glühend und seine Augen auf den Boden gerichtet. Die Lippen, die sie soeben noch so süß geküsst hatten, waren zusammengepresst, und sie beobachtete, wie er sich deutlich sichtbar von ihr zurückzog.

Verdammt noch mal. In dem Bemühen, sich selbst zu schützen, hatte sie ihn verletzt. Schon wieder. "Es tut m—"

"Nein. Keine Entschuldigungen mehr." Er wandte sich von ihr ab, um die Soße zu rühren. Die Flamme unter dem Kochtopf niedriger einstellend, kehrte er danach zur Vorbereitung des Rests ihrer Mahlzeit zurück, sein Rückgrat steif und aus seinem Gesicht alle Emotionen ausgelöscht.

Schuld nagte einmal mehr an ihr, als sie sich daran erinnerte, was Minerva gesagt hatte – dass er verwundbarer war, als er sich präsentierte. Hermione war nicht auf die Gefühle vorbereitet, die er in ihr heraufbeschwor; nicht nur, dass ihr Herz nach wie vor aufgrund des Endes ihrer Ehe mit Ron empfindlich war, sondern, sie war irritiert über ihren Platz in ihrem eigenen Leben. Severus wusste mehr über sie, als sie selbst – und doch war sie immer noch sie selbst, noch immer Hermione. Oder war sie es nicht?

Ein Teil von ihr sehnte sich danach, all das zu sein, was sie während der fünf Jahre gewesen war, die sie verloren hatte. Aber was wäre, wenn sie nicht diese Frau sein konnte, diejenige, die seine Ehefrau gewesen war? Was würde dann geschehen? Sie wusste, dass Severus sich der Komplexitäten der Situation bewusst war, in der sie sich beide wiedergefunden hatten, doch die Realität diesbezüglich stand auf einem anderen Blatt; Hermione war sich darüber im Klaren, dass alles, was Severus in diesem Moment wusste, der Stachel der Zurückweisung war.

"Thymian", sagte er plötzlich, als er seine Hände an einem Abwaschtuch abwischte.

"Vielleicht etwas mehr", antwortete Hermione, ihr Tonfall leicht flehend, während sie hoffte, dass er die doppelte Bedeutung dahinter wahrnehmen würde, die sie beabsichtigte. Sie versuchte, ihn mithilfe ihrer bloßen Gedanken dazu zu zwingen, dass er sie anschaute, und ihre Hände juckten aufgrund des Wunsches, sie nach ihm auszustrecken.

"Vielleicht."

Dann ging er in den Garten hinaus, um das Küchenkraut zu sammeln, sein Gesicht hinter einem Vorhang seines Haares verborgen.


Hermione lag auf die Seite gedreht in ihrem Bett, während sie den Regen beobachtete, der gegen ihr Fenster schlug, und ihr Daumen den Ring an ihrem Finger drehte. Ein Seufzer entkam ihren Lippen, als sie sich Gedanken darüber machte, wie man die Kluft überbrückte, die sie unbeabsichtigterweise geschaffen hatte. Severus war während des Mittagessens schweigsam gewesen, sein Gesicht ausdruckslos, von dem sie zu lernen begonnen hatte, dass dies ein Hinweis auf seine verletzten Gefühle war.

Sie hatte versucht, sich abermals zu entschuldigen, während sie den Abwasch erledigt hatten. Severus hatte mitten in der Bewegung innegehalten, einen Teller in den Wandschrank zu stellen, und kurz seine Augen geschlossen. Dann hatte er den Platte weggestellt, die Schranktür geschlossen und gesagt: "Findest du die Vorstellung, mir … zugetan zu sein, als dir zuwider? Betrachtest du die Ehe mit mir als Ungemach?"

"Nein! Das ist es ganz und gar nicht! Ich hab' nur …." Sie verstummte allmählich, nicht wissend, was sie sagen sollte.

Er nickte kurz angebunden und sagte: "Ich habe Kontrollgänge an diesem Abend. Ich werde in Hogwarts sein."

Und dann war er gegangen.

Stunden waren vergangen, und er war noch immer nicht zurückgekehrt. Sie war viel länger aufgeblieben, als es ihre Gewohnheit war, sich selbst gegenüber vortäuschend, vor dem Kamin im Wohnzimmer zu lesen. Als sie begriffen hatte, dass er nicht so bald zurückkommen würde, hatte sie aufgegeben und war ins Bett gegangen, darauf hoffend, Trost im Schlaf zu finden.

Schlaf erwies sich allerdings als schwer realisierbar.

Hermione spürte, wie Tränen in ihren Augen brannten, während sie sich furchtbar schuldig und traurig fühlte, jedoch auch verwirrt. Ihre Emotionen waren ein einziges Durcheinander, und in ihr baute sich zunehmend Frustration auf. Unabhängig von den fünf Jahren, die für jeden anderen vergangen waren – für sie waren es lediglich bloß zwei Monate gewesen. Sie war überrascht und ein auch wenig verblüfft darüber, wie sehr sie sich von Severus angezogen fühlte. Die Anziehungskraft war mit Sicherheit vorhanden, und sie hatte seine züchtigen Küsse bis hinunter in ihre Zehennägel gespürt. Und doch konnte sie sich nicht den Gefühlen hingeben. Sie konnte nicht diejenige sein, die jeder wollte, dass sie sie war; sie benötigte mehr Zeit zum Nachdenken, um die Veränderungen in ihrem Leben geistig zu verarbeiten, um die Frau kennenzulernen, zu der sie geworden war. Doch alles schien viel zu schnell zu geschehen, und ihr Bedürfnis nach Zeit verursachte jenen Menschen Schmerz, die sie liebten und sich um sie sorgten.

Es war alles viel zu viel.

Eine verirrte Träne abwischend, die aus ihrem Augenwinkel entwichen war, schniefte Hermione und kuschelte sich dann tiefer in die warme Steppdecke. Gerade, als sie schließlich in den Schlaf driftete, hörte sie seine Schritte auf den Stufen. Ihre Herzfrequenz erhöhte sich mit dem Wissen, dass er zurückgekehrt war und setzte dann aus, als sie ihn auf der anderen Seite ihrer Tür innehalten hörte. Sie wälzte sich herum und beobachtete den Türknauf, während sie ihren Atem anhielt, sich fragend, ob er ihren Raum betreten würde. Es schien, als ob eine Ewigkeit vergangen wäre, und dann hörte sie, wie er seinen Weg den Korridor hinunter weiter fortsetzte, und wie sich die Tür zu seinem Zimmer leise öffnete und dann wieder schloss.

Hermione rollte sich wieder herum und schloss ihre Augen. Sie wusste nicht, ob sie erleichtert oder enttäuscht war.


"Vergiss nicht, den einen zu übertragen … ja … gut gemacht, Rose. Versuch' jetzt den nächsten, bitte."

Hermione ließ ihre Tasche neben der Haustür fallen und spähte ins Esszimmer. Severus und Rose hatten sich am Esstisch mit Roses Hausaufgaben niedergelassen, die über die Fläche verstreut lagen, ihre Köpfe dicht beieinander, über das Muggel-Papier gebeugt.

Hermione spürte ein Lächeln an ihren Lippen zerren über die Gleichartigkeit, wie sie ihre eigene Arbeit erledigte. Ein Teil von ihr sehnte sich danach, sich zu ihnen zu setzen, sich an solch einer häuslichen Szene zu beteiligen; doch es fühlte sich nicht richtig an, sich in ihre private Zeit hineinzudrängen. So stand sie in der Türöffnung und beobachtete – noch nicht dazu bereit, sich aktiv zu beteiligen, doch außerstande, nicht zu einem kleinen Teil beteiligt zu sein.

"Ich verstehe es jetzt, Severus! Danke!", rief Rose und stürzte sich in seine Arme.

Hermione lächelte über die typische Überschwenglichkeit ihrer Tochter, dankbar dafür, dass ein vertrauter Aspekt von Roses Persönlichkeit immer noch vorhanden war. "Ich sehe, dass jeder hart arbeitet", sagte sie, während sie das Zimmer betrat, jetzt, wo es schien, dass sie fertig waren.

"Mama!" Rose gab Severus lediglich frei, um zur Tür zu eilen und ihre Mutter zu umarmen. "Severus hat mir gerade mit meiner Arithmetik geholfen. Er ist immer so schlau, stimmt's? Das ist wahrscheinlich der Grund dafür, warum er ein Lehrer ist, meinst du nicht?"

"Hallo, mein Liebes", antwortete Hermione zärtlich. "Ja, Severus ist sehr klug und ein sehr guter Lehrer. Ich bin froh, dass er dir helfen konnte."

Rose nickte enthusiastisch und fuhr damit fort, sie in Richtung des Wohnzimmers zu zerren. Hermione schaute über ihre Schulter, nur, um Severus in sein Arbeitszimmer verschwinden zu sehen. Ihr Lächeln verblasste ein bisschen; er war nach wie vor verärgert mit ihr. Sie seufzte auf und erlaubte Rose, sie ins andere Zimmer zu führen. Hugo lag auf dem Fußboden, seine Tausch-Sammelkarten "Berühmte Hexen und Zauberer" vor ihm ausgebreitet.

"Hallo, Mama", sagte der Junge, wobei er seine Augen auf seine Karten gerichtet hielt, die er nach irgendeinem nur ihm bekannten System ordnete.

Hermione wölbte eine Augenbraue. "Ist das eine Art und Weise, deine Mutter zu begrüßen, junger Mann?"

Hugo krabbelte auf seine Füße, grinste verlegen und sah dabei haargenau wie das Ebenbild seines Vaters aus. "Entschuldigung", sagte er und schenkte ihr dann eine kurze Umarmung, bevor er auf seinen Platz auf dem Fußboden zurückkehrte.

Ihre Augen rollend, ließ sich Hermione beinahe wie tot auf die Couch plumpsen. Sie war dabei, sich an diese älteren Versionen ihrer Kinder zu gewöhnen, und verspürte glücklicherweise nicht mehr den Schmerz, der ihre anfänglichen Interaktionen mit ihnen begleitet hatte. Sie waren solch entzückende Kinder, dass es leicht war, den stechenden Schmerz des Verlustes zu ignorieren und sie einfach zu lieben.

Rose folgte ihr auf die Couch und schmiegte sich in ihre Seite, als sie sich über ihre jeweiligen Tage und ihre Pläne für den Abend unterhielten. Rose hatte ihre Hausaufgaben fertiggestellt und freute sich auf eine versprochene Zaubertränke-Unterrichtsstunde von Severus. Hugo andererseits hatte seine Hausaufgaben noch nicht fertig. "Nach dem Abendessen, Mama. In Ordnung?"

Zuweilen war es fast erschreckend, wie sehr er nach seinem Vater kam.

"Wo ist Severus?", fragte Hugo, als er Agrippa neben Paracelsus legte.

"Hmm? Oh, ich glaube, dass er in seinem Arbeitszimmer ist. Warum?", fragte Hermione.

Hugo zuckte mit den Achseln. "Hab' mich nur wundert."

"Gewundert", korrigierte Hermione automatisch. Sie lehnte ihren Kopf an die Rückseite der Couch, während ihre Finger gedankenverloren mit einer Locke von Roses Haar spielten.

Rose seufzte. "Diese Zeit ist dafür vorgesehen, Familienzeit zu sein. Es ist nicht richtig, dass er nicht hier ist, und er hat in dieser Woche jeden Tag verpasst!"

"Familienzeit?"

Hugo nickte. "Yeah. Wir sollten uns eigentlich hier alle zusammen vor dem Abendessen treffen. Du sagst immer, dass das wichtig ist."

"Ich verstehe", sagte Hermione mit einem Stirnrunzeln. Sie vermutete ziemlich stark, dass Familienzeit nach etwas klang, was sie einführen würde. "Also ist es für ihn ungewöhnlich, nicht hier zu sein?"

Rose und Hugo sagten nichts – sie brauchten nichts dazu zu sagen. Stattdessen schauten sie einander an, und Hermione kam nicht umhin, über die lautlose Zwiesprache zu lächeln. Schließlich schaute Hugo zu ihr auf und fragte: "Ist Severus böse auf uns?"

"Nein!", rief Hermione aus, darüber entsetzt, dass die Kinder zu solch einer Schlussfolgerung gekommen waren. "Natürlich ist er das nicht. Warum würdest du das denken?"

"Er war nicht hier zur Familienzeit", erklärte Rose.

"Aber er hat Rose bei ihren Hausaufgaben geholfen, und er auch noch Zaubertränke mit ihr machen", fügte Hugo unglücklich hinzu, als er sein Kinn in eine Hand stützte, "also ist er vielleicht nur auf mich böse."

Hermione glitt von der Couch und auf den Fußboden, ihre Arme ausgestreckt. Hugo krabbelte sofort auf ihren Schoß, und Hermione schlang ihre Arme um ihn. "Das ist Unsinn, Hugo, verstehst du? Severus ist nicht böse auf dich, überhaupt nicht! Du hast nichts falsch gemacht."

"Aber dann, warum—?"

"Er ist über mich verärgert", warf Hermione nachdrücklich ein. "Wir hatten ein kleines Missverständnis, während Ihr bei Eurem Vater wart. Das ist alles. Ich verspreche dir, Hugo, und ebenso dir, Rose, dass es nichts mit einem von Euch zu tun hat. In Ordnung?"

Zwei traurige kleine Gesichter nickten zögernd, und dann schaute Rose sie beunruhigt an. Hermione erkannte rasch, dass Rose – als die Älteste – eine vage Erinnerung an das Ende der Ehe ihrer Eltern haben könnte und sich möglicherweise Sorgen darüber machte, dass ihre Mutter und ihr Stiefvater eine Meinungsverschiedenheit hatten.

"Es gibt keinen Grund zur Beunruhigung, das verspreche ich", versicherte Hermione den beiden, ihr Blick auf Rose fokussiert. Dann drückte sie Hugo noch fester und streckte einen Arm aus, um Rose ebenfalls in ihre Umarmung zu ziehen.

"Also … es ist jetzt Familienzeit, nicht?", sagte sie nach ein paar Minuten.

Die beiden fuchsroten Köpfe wippten als Antwort auf und ab.

"Nun denn, ich vermute mal, dass ich ihn einfach werde daran erinnern müssen, dass er hier mit seiner Familie sein soll, stimmt's?"

Hermiones Lippen wölbten sich in ein schiefes Grinsen; sie würde ihn an etwas erinnern. Welch Ironie.


Die Tür war geschlossen, doch Hermione ließ sich davon nicht aufhalten. Sie klopfte mit ihren Fingerknöcheln gegen die hölzerne Barriere und ging dann hinein, sich nicht die Mühe machend, auf seine Erlaubnis zu warten. Severus stand mit seinem Rücken zu ihr am Fenster. Bei ihrem Eintreten fuhr er mit einer schnellen, abrupten Bewegung herum, um seinen Blick auf sie richten.

"Es tut mir leid, wenn ich störe", sagte Hermione, sorgfältig darauf bedacht, ihren Ton neutral zu halten, "aber die Kinder haben mich darüber informiert, dass du die Familienzeit verpasst."

Severus wandte den Blick ab und gab dann ein knappes Nicken von sich.

Hermione machte ein paar mehr Schritte in das Zimmer hinein, was es ihr ermöglichte, ihn im Profil anzuschauen. "Nach Aussage von Rose und Hugo ist dies eine allabendliche Veranstaltung, und zwar eine, die du jeden Tag in dieser Woche verpasst hast. Allem Anschein nach passt das überhaupt nicht zu dir, was sogar so weit geführt hat, dass Hugo danach fragte, ob du über ihn verärgert wärst."

Für den Wimpernschlag eines Augenblicks erschien es so, dass Severus durch ihre Worte eine extreme innere Qual empfand, doch dann fiel die teilnahmslose Maske wieder an ihren Platz, die er in der vergangenen Woche getragen hatte. Dieser Umstand erzeugte bei Hermione das Gefühl, auf irgendetwas eintreten zu wollen.

"Ich werde heute Abend das Essen zubereiten", erklärte sie weiter, als ersichtlich wurde, dass er nicht zu einer Antwort ansetzen würde. "Die Kinder vermissen dich, insbesondere Hugo." Sie trat einen Schritt näher an ihn heran und streckte eine Hand aus. Er bewegte sich augenblicklich, um sich hinter seinen Schreibtisch zu stellen, und Hermione ließ ihre Hand an ihre Seite fallen. Sie versuchte, den Schmerz zu ignorieren, den seine Zurückweisung hervorrief, doch sie konnte das schwere Gewicht in ihrem Herzen nicht beiseite schieben. Jetzt hast du eine Vorstellung davon, wie er sich fühlt, dachte sie, als sich ihr der Magen voller Anteilnahme umdrehte. "Ich weiß, du bist verärgert mit mir, aber bitte, zieh dich nicht von den Kindern zurück. Sie vergöttern dich offensichtlich, und sie beginnen sich zu fragen, ob sie etwas falsch gemacht haben."

Severus hielt das Schweigen aufrecht, während sein Blick fest auf die Oberfläche seines Schreibtischs geheftet blieb. Schlussendlich nickte er und ging um den Schreibtisch herum in Richtung der Tür. Als er an ihr vorüberging, reichte Hermione hinüber und nahm seine Hand in die ihrige. Er hielt inne, sein Rücken steif und sein Kiefer zusammengepresst.

"Danke."

Sie drückte seine Hand und war gerade im Begriff, seine Hand wieder freizugeben, als sich seine Finger fester um die ihrigen schlossen. Er wandte sich ihr zu, und wie in jener Nacht in der Küche, hob er seine rechte Hand, um mit dieser ihre Wange zu umschließen. Ausnahmsweise einmal schreckte Hermione vor den Gefühlen nicht zurück, die seine Berührung in ihr hervorrief; sie wollte ihm auf diese Art und Weise nahe sein, wie es selbstverständlich wäre … normal. Hermione wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, während sie in die Augen des jeweils anderen starrten; sie wusste nur, dass der Moment gebrochen wurde, als er seinen Kopf senkte und seine Lippen auf ihre Stirn presste, bevor er murmelte: "Es tut mir leid, dass ich ein solcher Bast—"

Rasch brachte sie ihn zum Schweigen, indem sie einen Finger auf seine Lippen legte. "Nein. Keine weiteren Entschuldigungen mehr." Sie zog ihren Finger zurück, und er grinste und nickte dann als Zustimmung.

"Keine weiteren Entschuldigungen mehr."


Hermione schloss die Haustür und hängte ihren Umhang an den Ständer, während sie vor sich hin murmelte. Ihr Tag war absolut scheußlich gewesen. Ihr aktuelles Projekt war mörderisch, und ihr Supervisor bestand auf einer unzumutbaren Zeitschiene für dessen Fertigstellung. Hermione blühte gewöhnlicherweise unter solchen Verhältnissen auf, doch in ihrem emotionalen Zustand, in diesem Aufruhr der Gefühle, fand sie die Arbeit eher erschöpfend denn anregend.

Sie stieg die Treppe zu ihrem Zimmer hinauf und zog sich bequemere Kleidung an, froh darüber, ihre Arbeitsroben und ihre unbequemen Schuhe loszuwerden. Das sie ärgernde Schuhwerk in den untersten Teil ihres Kleiderschrankes werfend, machte sie sich im Geiste eine Notiz, am Wochenende ein neues Paar käuflich zu erwerben; das derzeitige Paar passte einfach nicht richtig. in der Zwischenzeit würde es ihren Füßen in ihren wolligen Lieblingssocken viel komfortabler ergehen; sie fühlte sich bereits jetzt entspannter.

Ihre Haare aufzumachen und ein paar kühle Spritzer Wasser ins Gesicht halfen beides zusätzlich ungemein, und sie erlaubte es sich, zurück nach unten zu gehen, um zu erfahren, was Severus für die Familienzeit geplant hatte. Sie hatten sich im Laufe der Woche abgewechselt, und heute Abend war Severus' Nacht zu entscheiden, wie sie die Zeit vor dem Abendessen verbringen würden.

Sie fand alle drei im Esszimmer, alle um den Tisch herum sitzend, während sie durch einen flachen, rechteckigen Kasten wühlten. Hugo entdeckte sie zuerst und begrüßte sie mit einem breiten Grinsen.

"Mama, schau mal! Wir wollen 'Winkelgasse' spielen!"

Hermione lächelte fragend. Sie hatte noch niemals von diesem Zauber-Spiel gehört. Severus schien die Frage in ihren Augen wahrzunehmen und reichte ihr den Deckel der Spielebox. Sie las die Innenseite und grinste. Es schien so ähnlich wie Monopoly zu sein, jedoch mit Grundstücken und der Währung aus der Zaubererwelt.

"Das klingt nach einem großartigen Plan", antwortete Hermione, während sie ein Gähnen unterdrückte, als sie den leeren Platz neben Rose und gegenüber von Hugo einnahm. Sie lächelte Severus zu, der sie mit verengten Augen anschaute.

"Du bist müde."

"Ist das dermaßen offensichtlich?", erwiderte Hermione mit schiefem Lächeln. "Dieses Projekt ist ein Albtraum gewesen."

"Vielleicht solltest Du dich vor dem Abendessen hinlegen", sagte Severus, wobei sich seine Stirn sorgenvoll runzelte.

Die Kinder begannen zu protestieren, und Hermione lachte, als sie eine Hand in die Höhe hielt. "Es geht mir gut. Ich werde nach dem Abendessen direkt ins Bett gehen, das verspreche ich, aber im Augenblick denke ich, dass ich lieber das Spiel spielen möchte."

Und mit diesen Worten griff Hermione in die Spielebox und zog eine winzige Zinn-Eule heraus, und begann zu lächeln, als die kleine Spielfigur einen langgezogenen, heulenden Ruf ausstieß und sich mit dem Schnabel sanft an ihrem Finger rieb. Sie platzierte die Eule auf dem Spielbrett und rubbelte ihre Hände erwartungsvoll gegeneinander, dazu bereit, ihr erstes Spiel 'Winkelgasse' zu spielen.

"Ähm, Mama?", sagte Hugo zögernd. "Das ist meine Figur. Ich spiele immer die Eule. Rose ist das Buch, Severus ist der Kessel, und du bist die Schreibfeder."

Hermione blickte auf, während ihr Lächeln rasch verblasste, und sie war augenblicklich mit den verwirrten Augen ihres Sohnes konfrontiert. Sie blickte flüchtig zu Rose; deren Kopf war gesenkt, ihre Hände in ihrem Schoß. Dann wandte sie sich Severus zu. Seine Miene war ausdruckslos.

Den Kloß, der sich plötzlich in ihrer Kehle festsetzte, hinunterschluckend, bemühte sich Hermione um ein Lächeln. "Es tut mir so leid, Liebling. Natürlich gehört die Eule dir. Ich werde die Schreibfeder nehmen."

Das Spiel begann, und die Kinder vergaßen binnen kurzem ihren Ausrutscher, als Grundstücke gekauft und Mieten einkassiert wurden. Florean Fortescues Anwesen wurde alsbald von Rose ergattert, und Hugo krähte triumphierend, als er das begehrte Besitztum von Ollivander erstand. Severus grollte, als er nach Azkaban geschickt wurde, was die Kinder dazu veranlasste, voller Vergnügen zu lachen. Runde um Runde wanderten sie über das Spielbrett. Flourish & Blotts war das letzte Grundstück, das gekauft wurde, und danach versuchte jeder von ihnen sein Bestes, um sich von der Nokturngasse fernzuhalten. Alle hatten eine gute Zeit …

Abgesehen von Hermione, die – trotzdem sie sich nach besten Kräften bemühte – unfähig dazu war, den Anflug von Traurigkeit zu eliminieren, der in ihrem Herzen verweilte.


Hermione stand mitten im Tropfenden Kessel und lächelte. "Hallo", sagte sie.

Die Stammgäste drehten sich alle herum, um auf sie zu schauen. Jeder grinste und empfing sie mit einer herzlichen Begrüßung.

"Hallo, Hermione!"

"Wotcher, Hermione!"

"Hermione, es ist so schön, dich zu sehen!"

Darüber erfreut, verließ sie den Pub und ging in die Winkelgasse. Die vertraute Straße wurde durch den hellen Sonnenschein illuminiert, und Hermione strebte geschwind zu Flourish& Blotts, danach in EeylopsEulenkaufhaus, und weiter zu FloreanFortescues Eissalon und zu Madam MalkinsGewänder für alle Gelegenheiten, wobei sie jede dieser Örtlichkeiten mit einem Geldbeutel voller Galleonen kaufte, den sie unter ihrem Umhang hervorzog. Die Eigentümer waren mehr als glücklich, ihr die notariellen Urkunden zu ihren Liegenschaften zu übergeben. Genau genommen, wohin sie auch ging – überall wurde sie von jenen freudig begrüßt, denen sie begegnete. Jeder, den sie unterwegs traf, schien sie zu kennen, rief ihren Namen und winkte, während er vorbeiging.

Abschließend kehrte sie um und wanderte den dunklen, gewundenen Pfad hinunter, der sich Nokturngasse nannte. Selbst dort grinsten und winkten die Leute, grüßten sie freundlich mit Namen, während sie in Fenster spähte und die mysteriöse Gasse erforschte. Da sie nichts fand, woran sie interessiert war, es käuflich zu erwerben, winkte sie den lächelnden Eigentümern der Winkelgasse zum Abschied zu und wirbelte auf ihrem Absatz herum und disapparierte mit einem Knall.

Außerhalb des kleinen Cottages in Hogsmeade kam sie wieder zum Vorschein und strebte geschwind den Pfad zur Haustür hinauf. Sie betrat das Cottage, wobei ihre Ankunft von ihren überschwänglichen Kindern verkündet wurde.

"Hallo, Mama! Hallo!", riefen sie, während sie um sie herum im Kreis tanzten.

Ihr Ehemann betrat ebenfalls den Hausflur, und Hermione runzelte die Stirn. Seine Augen wurden von einem Schatten verdeckt, und unabhängig davon, von welchem Winkel aus sie sich näherte, konnte sie sie nicht recht erkennen.

"Die Augen sind das Fenster zur Seele", erklärte der Mann mit besonderer Betonung, und Hermione lächelte dann und stimmte ihm zu.

Plötzlich befand sie sich auf der Toilette und ihr Spiegelbild lächelte ihr vom Spiegel über dem Waschbecken aus zu. Hermione erwiderte das Lächeln, und dann neigte ihr Spiegel-Ich den Kopf zur Seite und sagte: "Hallo. Wer bist du?"

Hermione runzelte die Stirn. "Ich bin Hermione."

"Wer bist du?", fragte das Spiegelbild abermals.

"Hermione."

"Es tut mir leid", antwortete ihr Spiegel-Ich, "aber, wer bist du?"

Panik begann, im Inneren ihres Brustkorbs anzuschwellen, und ihre Atemfrequenz beschleunigte sich, während ihre Hände zitterten, als diese nach dem Rand des Waschbeckens griffen. "Ich bin du! Ich meine … ich bin ich! Ich bin Hermione."

"Wer bist du?", machte sich der Spiegel über sie lustig, und sein Lächeln schlug in ein teuflisches Lächeln um. "Wer bist du?"

"Hör' auf damit! Ich bin ich! Ich!"

Ihr Spiegelbild schaute sie lediglich an, kehrte zu seiner vormaligen Regungslosigkeit zurück und fragte …

"Aber wer bist du?"

Hermione erwachte nach Luft schnappend, ihr Nachthemd um ihre Beine gewickelt. Die Bettdecke zurückwerfend, sprang sie aus dem Bett, zog dann mit einem Ruck die Tür auf und rannte den Korridor hinunter. Das Nächste, was sie wusste, war, dass sie in Severus' Türöffnung stand, wobei sie am ganzen Körper zitterte.

Severus setzte sich im Bett auf und blinzelte in der Dunkelheit in ihre Richtung. "Hermione?"

Ein kleiner Schluchzer entwich ihr beim Klang seiner vom Schlaf heiser gewordenen Stimme, die ihren Namen aussprach, und sie damit an den Traum erinnerte, aus dem sie gerade erwacht war.

"Was ist los?", fragte er, während er seine Position verlagerte, so dass er nun auf dem Bettrand saß.

Hermione konnte nicht sprechen; der Traum war ihr noch in so frischer Erinnerung. Sie zuckte leicht zusammen, als sie Severus' Hände auf ihren Schultern spürte; sie hatte nicht bemerkt, dass er das Bett verlassen hatte. Wenn sie nicht dermaßen von der Rolle gewesen wäre, hätte sie beim Anblick von ihm in seinem grauen Nachthemd gelächelt. Doch unter den gegebenen Umständen war ihr Verstand kaum in der Lage, geistig zu verarbeiten, dass er überhaupt in demselben Zimmer wie sie war.

"Hattest du einen Albtraum?"

Sie nickte, die Bewegung kurz und ruckartig.

"Möchtest du darüber reden?"

Ihre Augen weiteten sich, und sie schüttelte wie wild ihren Kopf.

"Ich verstehe. Willst du, dass ich dir ein Glas Wasser hole? Tee?"

"Nein." Irgendwie schaffte sie es, das Wort herauszuwürgen; ihre Kehle war auch jetzt noch vor Angst wie zugeschnürt.

Severus seufzte verärgert, sein Gesicht deutlich von Erschöpfung gezeichnet. "Möchtest du, dass ich unter deinem Bett nachschaue?"

Seine Ungeduld und der Tonfall, wie ihn Eltern benutzten, veranlassten ihre Augen dazu, sich wieder mit Tränen zu füllen, und ihre Unterlippe zitterte.

Severus spürte augenblicklich Reue in sich aufsteigen, zog sie in seine Arme und wisperte besänftigende nichtssagende Worte in ihr Ohr. Hermione klammerte sich an ihm fest, und er hielt sie eng an sich gedrückt, bis sie zu zittern aufhörte.

"Möchtest du jetzt darüber reden?"

Hermione schloss ihre Augen und packte ihn fester. "Jedermann kannte mich — jeder. Nur ich nicht", wisperte sie gegen seinen Nacken. "Ich kannte mich nicht."

"Oh, Hermione. " Er tröstete sie weiterhin für mehrere Minuten, wobei er sie eng an sich gepresst hielt, während er mit seiner Hand über ihr Haar strich, bis sich ihr Körper schließlich entspannte und ihre Augen sich halb zu schließen begannen. "Es ist ziemlich spät. Komm. Lass mich dich zu deinem Zimmer zurückbringen."

Hermione versteifte sich augenblicklich in seinem Griff. "Nein, ich—" Sie wusste, was sie wollte, doch sie war sich überhaupt nicht sicher, dass er dem zustimmen würde. Sie konnte sich einfach nicht vorstellen, allein zu schlafen. Nicht jetzt. "Wäre es in Ordnung, wenn ich heute Nacht hier schliefe? Bitte?"

Die Hand, die über ihr Haar gestrichen hatte, hielt inne, und er schwieg für mehrere Minuten. Am Ende führte Severus sie zum Bett und deckte sie warm zu, bevor er selbst hineinkletterte. Trotz der Anspannung, die er ausstrahlte, schmiegte sich Hermione an seine Seite, während ihr Kopf an seiner Schulter ruhte und sie einen Arm über seinen Bauch gelegt hatte. Sie fühlte sich sicher und behütet – sie fühlte sich wohl.

"Ich brauche einfach nur ein bisschen mehr Zeit", murmelte sie, während sie beinahe am Einschlafen war, die Worte durch ein Gähnen durchbrochen. "Verlass mich nicht. Versprich es mir."

Einen Herzschlag später hörte sie ihn in feierlicher Weise die Worte aussprechen, die es ihr erlauben würden, sich ungestört auszuruhen: "Ich werde dich niemals verlassen. Ich schwöre es."

Hermione seufzte erleichtert, ihr Herz durch seinen Eid voller Wärme. "Danke."

Die Anspannung in seiner Gestalt schien dahinzuschwinden, und Severus veränderte die Lage seines Armes dahingehend, dass er sie an sich gedrückt halten konnte, während seine andere Hand über seinen Bauch wanderte, um die ihrige ausfindig zu machen, um ihrer beider Finger miteinander zu verflechten. Er vergrub seine Nase in ihrem Haar, sein Mund ruhte an ihrer Schläfe, und Hermione seufzte genüsslich, wobei sie sich so fühlte, als ob sie dafür gemacht war, genau hier hinzupassen. Sein Daumen spielte für einen Moment mit ihrem Ehering, und dann – gerade als sie dem Schlaf nachgab – hörte sie ihn wispern: "Du bist immer schon willkommen gewesen."


A/Ü: Erklärung für den Begriff 'Brit picker': Bezeichnung für eine Person, die aus Großbritannien stammt und eine Fanfiktion-Geschichte durchliest, deren Autor/Autorin nicht-Britisch ist, um auf Akkuratesse hinsichtlich britischer Ausdrücke für die Charaktere und/oder Handlungsorte zu achten und gegebenenfalls diese zu korrigieren.