The Life Unlived

by sshg316

Chapter 7: Life Anew

SUMMARY: SSHG; DH-compliant. Während sie die Besitztümer von Severus Snape durchsieht, macht Hermione eine faszinierende Entdeckung, die ihr Leben für immer verändert.

DISCLAIMER: Alle erkennbaren Charaktere und Handlungsorte sind Eigentum von JKR. Es ist keine Urheberrechtsverletzung beabsichtigt.

BETA READERS: DeeMichelle und Subversa

BRIT PICKER: LettyBird

TRANSLATION: AleaThoron


Das Ungelebte Leben

Kapitel 7: Von Neuem leben

Hermione hob eine behandschuhte Hand und nutzte die obere Seite ihres Unterarms, um die Schweißperle von ihrer Augenbraue zu wischen. Es war ein ungewöhnlich sonniger Tag, und der Himmel strahlte in einem prächtigen Blau mit nicht einer Wolke in Sicht. Sie hatte entschieden, dass dies der perfekte Zeitpunkt war, um Luna mit dem ziemlich verwahrlosten Garten zu helfen; sie dachte ebenfalls, dass es eine ausgezeichnete Möglichkeit sein würde, die Kinder – und ihren eigenen Verstand – beschäftigt zu halten.

"Nicht diese, Rose", sagte Hermione, als ihre Tochter gerade im Begriff war, eine Jungpflanze aus dem Boden zu reißen. "Diese werden zu Blumen heranwachsen. Wir wollen nur diejenigen herauszupfen, die wie diese hier aussehen. Siehst du?"

Rose neigte sich vor, um einen genaueren Blick auf die kleine grüne Pflanze zu werfen. "Warum die, Mami? Werden sie nicht auch zu hübschen Blumen heranwachsen?"

"Nein, das hier ist Unkraut, Schätzchen. Sie werden die Blumen ersticken und ihnen nicht erlauben zu wachsen. Deshalb wollen wir sie herausziehen, so können unsere Blumen hübsch und gesund sein."

"Oh", antwortete Rose, ihre großen Augen voller Verstehen, als sie begann, das Unkraut zu jäten.

Hermione lächelte, schaute dann über ihre Schulter zu Hugo und lachte. Sie hatte den Knirps in dem magischen Äquivalent zu einem Laufstall untergebracht – eine Art Schildzauber, der von magischen Eltern verwendet wurde, den sie von Molly gelernt hatte. Er konnte nur so weit gehen, wie der Zauber es erlauben würde. Hermione hatte viele Spielsachen für ihn mit herausgebracht, um damit zu spielen, doch Hugo war zu sehr damit beschäftigt, sich selbst zu bespaßen. Sie sah zu, als er so schnell rannte, wie seine kurzen kleinen Beine ihn tragen würden, sich gegen die magische Barriere warf, und dann zurückfederte, um auf seinen Hintern zu fallen. Er gluckste glücklich und tat es dann wieder. Und wieder. Und wieder.

Leise vor sich hin lachend, Hermione schüttelte ihren Kopf und kehrte zum Jäten zurück. Sie wusste, dass sie die Aufgabe viel schneller vollenden konnte, wenn sie Magie anwandte, doch da war irgendetwas hinsichtlich ihrer Hände in der Erde, was sie als beruhigend empfand – und vielleicht, so hoffte sie, würde die physische Arbeit sie ablenken.

Sie seufzte. Selbst wenn das der Fall war, hätte es keinen Unterschied gemacht; ihre Gedanken würden sich unweigerlich Severus zuwenden, ob sie dies wollte oder nicht.

"Ich habe mehr Blumen mitgebracht!", erklärte Luna, als sie den Garten betrat. In ihren Händen waren Dutzende von Sämlingen. Luna schloss das Tor hinter sich mit ihrem Fuß. "Oh, ich hoffe wirklich, dass du wegen der Billywigs wachsam gewesen bist. Sie sind in dieser Jahreszeit in Hülle und Fülle vorhanden, und wir wollen doch nicht, dass jemand wegschwebt."

Rose kicherte. "Wir jäten!"

"Oh ja, das kann ich sehen", antwortete Luna, hockte sich hinunter neben das kleine Mädchen und wischte ein wenig Schmutz von der Nase des Kindes weg. "Und was einen tollen Job du machst." Dann ließ sie sich auf dem Boden hinunter neben Rose plumpsen und machte sich an die Arbeit.

Nachdem das Unkraut beseitigt worden war, begann das ernsthafte Pflanzen. Hugo hatte sich selbst müde gemacht und schlummerte auf der Steppdecke, die Hermione für ihn ausgelegt hatte. Rose hatte unheimlich viel Spaß daran, im Garten zu arbeiten, doch letztendlich erlag auch sie dem Bedürfnis nach Schlaf und rollte sich auf der Steppdecke neben ihrem Bruder zusammen.

Als sie die Hälfte der Sämlinge zu pflanzen beendet hatten, brachte Luna etwas Brot und Käse heraus, und die beiden Hexen plauderten, während sie mit ihrer kleinen Mahlzeit draußen saßen und den warmen Sonnenschein genossen.

"Es scheint dir viel besser zu gehen – naja, besser als vorher", sagte Luna; ihre Augen schlossen sich, als sie ihr Gesicht gen Himmel erhob.

"Mmm", murmelte Hermione zustimmend, als sie einen Grashalm abriss und ihn zwischen ihren Fingern zwirbelte. "Es ist jetzt anders."

"Wie das?"

Hermione zuckte mit den Achseln. "Er ist am Leben. Ob er beschließt, mit mir irgendetwas zu tun haben zu wollen, oder auch nicht – er hat seine zweite Chance im Leben bekommen. Ich kann damit zufrieden sein."

"Aber nicht glücklich", sagte Luna wissend.

Hermione lächelte traurig. "Ich kann für ihn glücklich sein … und das wird genug sein müssen."

Luna öffnete ihre Augen und reichte hinüber, um eine Hand über Hermiones Hand zu legen. "Es ist erst eine Woche her. Ich bin davon überzeugt, dass er bald auf meine Eule antworten wird."

"Du und ich wissen beide, dass die Wahrscheinlichkeit, dass er mit mir irgendetwas zu tun haben will, verschwindend gering bis nicht vorhanden ist – nicht existent."

"Aber vielleicht—"

Hermione schüttelte ihren Kopf und unterbrach Luna. "Nein. Ich mag nicht in der Lage sein, mir alles mit lebhafter Deutlichkeit ins Gedächtnis zurückzurufen, aber meine Instinkte sagen mir, dass er böse sein wird, sich unbehaglich fühlt … vielleicht sogar erbittert darüber ist, dass die Sphäre aktiviert worden ist. Er wird mich nicht sehen wollen."

Luna seufzte, während sie innerlich einräumte, dass Hermione mit ihrer Vermutung wahrscheinlich richtig lag. "Ich habe ihn gebeten, nach Großbritannien zurückzukehren. Daddy versucht, ihn davon zu überzeugen. Es würde schön sein, ihn öfter zu sehen, und wir würden seine Verbindung zu meiner Familie nicht länger geheim halten müssen. Ich mag es nicht, dass er sich verbergen muss – er hat sich für ein einziges Leben lange genug verbergen müssen." Lunas Stirn runzelte sich voller Betroffenheit. "Ich weiß nicht, was er entscheiden wird."

"Er betet dich an, weißt du. Er wird zurückkommen, wenn auch nur, weil du und dein Vater ihn darum gebeten habt."

"Glaubst du?"

"Ich bin mir niemals bei irgendetwas sicherer gewesen. Er wird zurückkehren."

Luna grinste. "Das wird schön sein. Ich vermisse ihn schrecklich."

Hermione schluckte und schenkte Luna dann ein zittriges Lächeln. "Genau wie ich."

Die blondhaarige Hexe starrte Hermione an, wobei ihre grauen Augen ein ungelüftetes Geheimnis aufzuspüren schienen. "Du liebst ihn wirklich, stimmt's?"

Hermione starrte auf den Grashalm, den sie in ihrer Hand hielt. "Die Erinnerungen mögen verblassen, aber die Gefühle verschwinden nicht. Ich liebe ihn immer noch. Ich werde ihn immer lieben."

Luna öffnete ihren Mund, um zu antworten, doch ihre Erwiderung wurde durch die Ankunft einer großen, braunen Schleiereule unterbrochen, als diese – mit einem Stück zusammengerollten Pergament an ihrem Bein befestigt – in den Garten herabschoss. Hermiones Magen stieß zusammen mit dem Vogel herab, als diese sich näherte; das Pergament musste von Severus sein.

Die Eule landete neben Luna und schuhute sanft, als Luna die Schnur aufknotete, die das Pergament sicherte.

"Ich werde eine Leckerei für sie holen", sagte Hermione – ihre Hände bebten, als sie sich vom Boden abstieß und dann ins Haus rannte. Sie griff rasch nach einem Eulen-Leckerli, blieb dann jedoch stehen und stützte ihre Arme schwer gegen den Tresen ab. Ein paar tiefe Atemzüge halfen, ihre Nerven zu beruhigen, und dann straffte sie ihre Gestalt und kehrte in den Garten zurück.

"Das ist für dich", sagte sie zu der Eule, während sie ihr das Leckerli anbot. Das Stückchen Fleisch in ihren Schnabel nehmend, breitete die Eule ihre Flügel aus und flog in die Richtung davon, aus der sie gekommen war.

Hermione wandte sich Luna zu, die den Brief bereits geöffnet und zu lesen begonnen hatte. Hermione trat von einem Fuß auf den anderen, während sie wartete. "Nun? Was steht drin?"

"Hmm? Oh. Er sagt, dass Daddy in ein paar Wochen zurückkehrt. Ist das nicht toll?" Lunas Augen flogen weiterhin über das Pergament. "Er hatte ziemlich viel Glück, die Zaubertrank-Zutaten zu finden, nach denen er gesucht hat, und er glaubt, dass er eine hübsche Charge Wolfsbane haben wird, die er verkaufen kann an … nun ja, an das Ministerium des Landes, in dem er lebt. " Luna blickte entschuldigend zu ihr auf.

Hermione wusste, dass Luna sich wünschte, ihr offenbaren zu können, wo Severus lebte – aus ihren eigenen unergründlichen Gründen glaubte die Hexe, dass, wenn Severus sie sehen würde, die Dinge sich von selbst ergeben würden – doch sein Aufenthaltsort befand sich unter einem Fidelius-Zauber, und Severus selbst war der Geheimniswahrer. Wenn er sie nicht sehen wollte, würde sie nicht auf Lunas Hilfe zurückgreifen können.

"Das ist schön", sagte Hermione. Sie zerrte mit den Zähnen an ihrer Unterlippe, und platzte dann heraus: "Hat er mich erwähnt?" Sie errötete und schloss ihre Augen, gedemütigt von ihrem Mangel an Kontrolle.

Luna las weiter und nickte dann.

"Darf ich es sehen?"

"Oh, Hermione", sagte Luna, ihren Kopf schüttelnd. "Ich glaube nicht, dass du—"

"Nein, ich möchte es wirklich. Ich denke, dass ich es wissen muss. Bitte?"

Luna war bei der Vorstellung sichtlich unwohl, doch nach einem Moment des Innehaltens reichte sie Hermione mit traurigen Augen das Stück Pergament.

Hermione spürte, wie das Blut aus ihrem Gesicht wich. Sie hatte gewusst, dass es unwahrscheinlich war, doch sie hatte gehofft, dass er vielleicht bereit sein würde, sie zumindest einmal zu treffen. Eventuell. Hermione streckte langsam die Hand aus und griff nach dem Pergament, wenngleich sie anhand von Lunas Reaktion bereits seine Antwort kannte.

Und was deine Nachfrage bezüglich Ms. Granger betrifft – ja, ich wurde durch den Zauber in Mitleidenschaft gezogen. Ja, ich habe tatsächlich Erinnerungen an das Vorkommnis. Unglücklicherweise scheinen sie nicht an Deutlichkeit zu verlieren, im Unterschied zu jenen von Ms. Granger. Und nein, ich habe keinerlei Interesse daran, mit der unerträglichen Miss Neunmalklug zu sprechen oder sie gar zu treffen, die sich nicht davor zurückhalten konnte, meine Privatsphäre auf solch eine penetrante Art und Weise zu verletzen. Wenn ich sie niemals wiedersehe, wird dies entschieden zu früh sein.

Hermione zuckte zurück, als ob ihr ein physischer Schlag versetzt worden war; da war keine Spur von dem Mann, der sie gekannt und geliebt hatte, nur der sardonische Professor, der nichts anderes als Ungeduld und Verachtung für sie empfunden hatte. Sie ließ ihre Fingerspitzen das Pergament entlang fahren, während das vertraute Geschreibsel vor ihren Augen verschwamm, als sie darum kämpfte, die Tränen zurückzuhalten – sie hatte es satt zu weinen. Sie atmete bewusst ein, und ließ dann langsam den Atem entweichen.

Er erinnerte sich an alles – wie sie geliebt und gelacht und gelebt hatten … und er hatte seine Entscheidung getroffen. Sie würde mit den sich daraus ergebenen Auswirkungen leben müssen. Es blieb nichts anderes übrig, was sie tun konnte.

Schweigend reichte sie das Pergament an Luna hinüber, und dann kehrte sie zum Blumenbeet und den Sämlingen zurück.

Im Sommer würde neues Leben erblühen.


Hermione hätte nicht sagen können, zu welchem Zeitpunkt die letzte ihrer Erinnerungen an das Leben, das sie mit Severus geteilt hatte, endgültig verschwand. Sie war einfach eines Morgens mit dem Gefühl erwacht, dass das alles ein Traum gewesen war – und wenn sie ihn nicht immer noch so sehr geliebt hätte, hätte sie sich selbst erlaubt haben können zu glauben, dass es genau das gewesen war.


Hermione tauchte schnell im Inneren der Drei Besen unter, und schob die Kapuze ihres Umhangs zurück, sobald sie drinnen war. Sie war eine Viertelstunde zu früh, doch das war in Ordnung; jetzt konnte sie sich für ein paar Minuten aufwärmen, bevor Minerva ankam.

Nachdem sie bei Rosmerta ein warmes Butterbeer bestellt hatte, ließ sich Hermione an einem Tisch in der Nähe des Fensters nieder. Regentropfen verzerrten ihre Aussicht, doch sie vertrieb sich die Zeit, indem sie die Passanten beobachtete. Sie nippte an ihrem Getränk, der süßen Wärme erlaubend, die Kälte dahinschmelzen zu lassen. Minerva hatte ihr über ein kleines Cottage in Hogsmeade erzählt, das zum Verkauf stand – genau genommen, wie sich herausgestellt hatte, war es ihr kleines Cottage in Hogsmeade. Über Jahre hinweg hatte Minerva ihre Sommerurlaube dort verbracht, anstatt im Schloss zu bleiben, wobei sie offiziell ein Bedürfnis nach Privatsphäre dafür angab. Wie auch immer – nachdem sie zur Schulleiterin ernannt worden war, hatte sie das Cottage vermietet, da sie sich ganzjährig im Schloss hatte aufhalten müssen. Die vorherigen Mieter hatten kürzlich allerdings ein weiteres Kind bekommen und waren in ein größeres Haus gezogen. Minerva hatte sich dafür entschieden, das Anwesen zu verkaufen, anstatt es erneut zu vermieten. Als sie durch Mund-zu-Mund-Propaganda erfahren hatte, dass Hermione auf der Suche nach einem Haus war, das sie kaufen konnte, hatte sie unverzüglich eine Eule geschickt und erklärt, dass ihr Cottage das perfekte Zuhause für Hermione und die Kinder sein könnte.

Hermione erhoffte sich dies in der Tat; sie war seit Wochen auf der Suche, doch nichts, was sie gesehen hatte, war das Richtige gewesen. Sie fühlte sich schrecklich schuldig dafür, so lange bei den Lovegoods geblieben zu sein, selbst wenn Luna weiterhin beharrlich behauptete, dass sie glücklich war, sie bei sich zu haben. Hermione wusste jedoch, dass es an der Zeit war, den Prozess zu beginnen, ihr Leben wieder aufzubauen, und ein neues Zuhause war ein ausgezeichneter Start … wenn sie nur ein Haus finden könnte.

Die Tür zu den Drei Besen öffnete sich, und Minerva betrat den Pub, während sie einen großen Regenschirm schloss. Hermione winkte, und Minerva machte sich augenblicklich auf den Weg durch die Menge. "Wie ich sehe, hast du die Gelegenheit gehabt zu trocknen", sagte die ältere Hexe in ihrem üblichen knappen, schneidigen Ton, obwohl ihre Augen warm waren. "Wie schön, dich zu sehen, Liebes. Bist du bereit, das Cottage anzuschauen, oder möchtest du gern zuerst dein Getränk austrinken?"

Hermione lächelte und erhob sich. "Ich bin bereit. Ich bin sehr gespannt, das Haus zu sehen."

"Gut, dann wollen wir nicht trödeln. Komm mit." Minerva machte auf dem Absatz kehrt und kehrte zur Tür zurück, während Hermione hinter ihr folgte. Als sie die Tür öffneten, bereitete sich Minerva darauf vor, ihren großen Regenschirm aufzuspannen, als der Regen plötzlich aufhörte und die Sonne hinter den Wolken hervorblinzelte. "Ah, sehr gut. Das ist ein Quäntchen Glück. Machen wir uns auf den Weg."

Die beiden Hexen plauderten in liebenswürdiger Weise miteinander, während sie die Straßen von Hogsmeade entlanggingen. Hermione mochte die Vorstellung, in der magischen Gemeinschaft zu leben, und es gab mehrere Muggel-Dörfer, die nah genug waren, so dass die Kinder die Grundschule besuchen konnten, falls sie sich dafür entschied. Sie war mit sich selbst ehrlich genug, um außerdem zuzugeben, dass sie die Vorstellung ziemlich mochte, in der Nähe von Hogwarts zu sein, sobald die Kinder dort hingehen würden. Obwohl sie sich nicht in ihre Leben in der Schule einmischen würde, würde sie sich besser fühlen, wenn sie wusste, dass sie sie leicht erreichen konnte, sollte das Bedürfnis entstehen.

Schlussendlich blieben sie vor einem alten Cottage aus Naturstein stehen. "Das ist das Cottage", sagte Minerva knapp, aber nicht unfreundlich. "Es braucht ein wenig Arbeit, aber da ist nichts, was ein klein bisschen Zauberei nicht beheben kann."

Hermione nickte und drehte sich herum, um den Außenbereich des Cottages zu begutachten. Das Schieferdach schien in ausgezeichnetem Zustand zu sein, doch sie würde es auf Anzeichen von undichten Stellen überprüfen, sobald sie im Inneren waren. Es hatte einen Farbanstrich bitter nötig, doch das war mit Sicherheit machbar. Die steinerne Mauer, die die Grenze des Anwesens umgab, war an einigen Stellen eingestürzt, doch noch einmal, das würde nicht schwierig zu reparieren sein. Als nächstes bemerkte sie die Beigaben, die sie mochte: jede Menge Fenster, die natürliches Licht bedeuteten; der Garten würde herrlich für die Kinder sein, um darin zu spielen; und es gab sogar einen großen Baum, der an einer der Seiten des Anwesens stand – er besaß den perfekten Ast, an dem man eine Schaukel aufhängen konnte.

Lächelnd wandte sich Hermione Minerva zu und sagte: "Es ist reizend. Können wir nach drinnen gehen?"

"Natürlich."

Hermione war davon begeistert, dass das Cottage größer war, als es von außen erschien, und es reichlich Platz gab, um nötigenfalls zu expandieren. Es gab oben drei Schlafzimmer und zwei Bäder, und eines der Zimmer besaß einen Kamin, der groß genug war, so dass er mit dem Flohnetzwerk verbunden werden konnte. Im Erdgeschoss gab es ein kleines Badezimmer, ein Arbeitszimmer, ein Esszimmer, eine große Küche und ein Wohnzimmer. Die Küche musste umgebaut werden, doch der Rest des Cottages war beinahe perfekt. Einige Eimer Farbe würden sowohl an den Wänden als auch am Gebälk Wunder vollbringen, ebenso wie den Eichenfußboden neu zu versiegeln.

Hermione machte ein paar Schritte ins Wohnzimmer hinein. Es war ein herrlicher Raum mit noch einem weiteren großen Kamin. Sie runzelte die Stirn. "Wo ist die Tür zum hinteren Garten?", fragte sie.

"Es gibt keine, fürchte ich", antwortete Minerva. "Es würde allerdings einfach genug zu bewerkstelligen sein, eine Tür direkt gegenüber der Küche einzubauen."

"Nein", sagte Hermione, wobei sie ihren Kopf schüttelte, während sie auf die hintere Wand des Wohnzimmers starrte. "Ich glaube …" Sie legte ihren Kopf schief, als sie die Wand genau betrachtete. "Ich glaube, dass französische Türen, die zum Garten hinausführen, direkt dort großartig aussehen würden." Sie nickte; sie konnte die Türen ganz deutlich in ihrer Phantasie sehen. "Ja, ich denke, dass das wunderbar funktionieren würde."

Minerva wartete geduldig, während Hermione sich die Zeit nahm, sich ein zweites Mal überall im Haus umzuschauen. Sie konnte sich vorstellen, die Kinder im Cottage aufzuziehen, Geburtstagsfeiern und Familientreffen im Esszimmer auszurichten, konnte sich den Geruch nach Keksen in der Küche vorstellen, Severus am Herd, während er eine Tasse Tee zubereitete …

Hermiones Gedankengang kam zu einem krachenden Halt, und sie schob den kurzen Anflug von Melancholie bewusst beiseite, eine Melancholie, die sie jetzt mit Severus assoziierte; dies hier war ihre Zukunft, mit der sie sich gerade befasste, und er hatte beschlossen, nicht Teil davon zu sein.

Sich dazu zwingend, sich auf die zu erledigende Aufgabe zu konzentrieren, blieb sie in der Mitte der Eingangshalle stehen und stellte sich vor, wie es mit ein wenig Farbe und Arbeitsaufwand ausschauen würde. Das Cottage war warm und einladend; es fühlte sich richtig an … als ob es dafür bestimmt wäre, ihr Zuhause zu sein. Sie genoss die Gefühle von Geborgenheit und Vertrautheit; es fühlte sich an wie ein Vorzeichen dafür, dass sie und die Kinder hier glücklich leben würden. Ihre Entscheidung getroffen, kehrte sie zum Wohnzimmer zurück, wo Minerva wartete.

"Was denkst du, Hermione?"

Sie grinste breit und sagte: "Es ist perfekt."


Luna, Hermione und die Kinder standen im Vorgarten des Hauses der Lovegoods, während sie die Ankunft von Xenophilius erwarteten. Er hatte am gestrigen Tag eine Eule geschickt, die sie darüber informierte, dass er per Portkey genau um 12 Uhr mittags ankommen würde – jetzt es war Viertel nach. Luna und Hermione saßen in zwei der Gartenstühle, während Rose und Hugo sich gegenseitig jagten.

Endlich hörten sie einen leisen dumpfen Schlag, gefolgt von mehreren weiteren dumpfen Schlägen, und nach ein paar Minuten sahen sie einen vertrauten weißen Haarschopf in Sicht kommen.

Xenophilius wanderte den ausgetretenen Pfad herauf, wobei er ziemlich braungebrannt für jemanden wirkte, der sich angeblich auf einer Forschungsreise in Schweden befunden hatte. Natürlich wusste Hermione, dass er überhaupt nicht dort gewesen war – zumindest nicht bei dieser Gelegenheit. Und doch, sie fand es eher lustig, dass, als er sie erreichte, er so aussah, als ob er ziemlich viel Zeit an einem sonnenverwöhnten Strand verbracht hatte. Er kam – unter der Last zahlreicher Pakete … und Lederhosen tragend.

"Sie tragen keine Lederhosen in Schweden", murmelte Hermione zu sich selbst, als sie sah, wie er seine Schritte in Richtung auf das Haus beschleunigte. Sie erschauerte, überwältigt von einem starken Déjà-Vu-Gefühl.

"Hallo, hallo! Das ist ja ein tolles Willkommen daheim, muss ich sagen!", rief Xenophilius aus, als er endlich das Tor passierte und den Garten betrat. Luna rannte zu ihrem Vater und fiel ihm um den Hals, bevor sie ihm einige seiner sperrigen Pakete abnahm.

"Du hättest einige davon schrumpfen sollen, Daddy", rügte Luna leichthin, als sie seinen Arm nahm.

"Unsinn! Meine Güte! Wie Ihr beiden gewachsen seid", rief Xenophilius aus, einen Wirbel um Rose und Hugo veranstaltend, als ob sie seine eigenen Enkel wären. "Ich glaube in der Tat, dass ich ein paar Geschenke für Euch beide habe. Ich würde sagen, dass wir nach drinnen gehen und nachschauen, was sie enthalten – außer, Ihr möchtet lieber auf Weihnachten warten."

Die Kinder waren schnell dabei, ihn von diesem Gedanken abzubringen, indem Rose darauf bestand, dass sie mehr als glücklich wäre, ihre Geschenke jetzt zu bekommen.

"Sei höflich, Rose" erinnerte Hermione das kleine Mädchen. Dann drehte sie sich herum, und Tränen schossen ihr in die Augen, als sie von unerwarteter Dankbarkeit für den exzentrischen Zauberer überwältigt wurde, der vor ihr stand. Er war Severus' Freund durch dick und dünn gewesen, in guten und in schlechten Zeiten, ohne jemals seine Meinung zu ändern oder Zweifel daran zu haben. Er hatte ihn geschützt und sich um ihn gesorgt, als sich jeder andere einen Dreck um ihn geschert hatte. Unfähig, sich selbst zu bremsen, machte sie einen Schritt vorwärts und umarmte ihn fest. "Danke."

Xenophilius schenkte ihr eine schnelle feste Umarmung und einige väterliche Klapser auf die Wange. "Nichts zu danken, mein Liebes, obwohl ich mir nicht sicher bin, was es ist, das ich getan haben soll."

Hermione antwortete nicht. Sie lächelte bloß und folgte ihm ins Haus.


Rose kreischte schrill in unbändigem Entzücken, sobald sie die Schaukel entdeckte. Sie ließ ihre kleine Tasche fallen und schleifte Mr. Wiggles mit sich, als sie über den Rasen zu dem großen Baum hinüberrannte. Rose kletterte darauf und stieß sich ab, während ihr begeistertes Gelächter durch den gesamten Garten hallte.

Hermione grinste und straffte ihren Griff um Hugo, als dieser sich in ihren Armen wand.

"Runter. Ich auch schauk'l, bitte", sagte der Knirps, während er mit seinen Füßen strampelte, als er sich abmühte herunterzukommen.

"Hier, ich werde ihn zum spielen mitnehmen", sagte Luna, während sie die Kiste absetzte, die sie trug. "Warum gehst du nicht nachsehen, ob alles es nach drinnen geschafft hat?"

"Danke", antwortete Hermione, als sie ihren sich windenden Sohn an Luna weiterreichte. Binnen kurzem lachten die zwei, weil Luna Hugo auf ihrem Weg zur Schaukel kitzelte.

Mitten auf dem Pfad stehend, lächelte Hermione, als sie die Veränderungen an der Außenseite des Cottages auf sich wirken ließ. Der frische weiße Farbanstrich schimmerte im Sonnenlicht. Blumenkästen waren unter den Fenstern installiert worden; obwohl sie einstweilen leer standen, würden sie im nächsten Frühjahr mit Blumen überfließen. Die Tür war in mehreren unterschiedlichen Farben angestrichen worden, bevor sie sich schließlich auf ein leuchtendes, fröhliches Rot festgelegt hatte, und sie war mit der Art und Weise zufrieden, wie es das Erscheinungsbild des Außenbereichs des Cottages verbesserte.

Sie hob die Kiste vom Boden hoch, die Luna zurückgelassen hatte und steuerte den Pfad zum Haus hinauf; dann öffnete sie die Tür und ging nach drinnen. Die Eingangshalle sah erheblich anders aus, als zu dem Zeitpunkt, als sie sie zuletzt gesehen hatte. Das gesamte Balkenwerk war renoviert und in einer hellen Cremefarbe gestrichen worden, die das warme Goldgelb der Wände ergänzte. Es war fröhlich und anheimelnd – so, wie es sich Hermione erhofft hatte. Es fühlte sich behaglich an, einladend … vertraut. Doch, was noch wichtiger war – es fühlte sich nach einem Zuhause an.

Sie wanderte durch das Esszimmer, sich über den antiken Bauerntisch aus Eiche freuend, den sie für das Zimmer gewählt hatte, und spähte in die Küche. Alles war neu, vom Muggel-Küchenherd bis hin zu dem in die Küchenarbeitsflächen integrierten 'Butcher Block' und den Buchenschränken. Es war genauso, wie Hermione es sich gewünscht hatte.

So weit glücklich mit den Veränderungen am Cottage zog sie ins Wohnzimmer hinüber. Die einzigen Modifizierungen an dem Raum waren die goldene Lohe-Farbe für die Wände und die Einbau der neuen französischen Türen gewesen, die zum hinteren Garten führten. Die neue olivgrüne Couch und die dazugehörigen Stühle sollten am nächsten Tag geliefert werden, doch Hermione wusste, dass sie perfekt zu dem Zimmer passen würden.

Lächelnd ging sie zum Kamin hinüber, und stellte dann die Kiste auf den Fußboden, um sie zu öffnen. Eine nach der anderen zog sie die gerahmten Fotographien heraus und platzierte sie auf der Kaminverkleidung, jede einzelne davon auf ihrem eigenen Ehrenplatz. Als die Kiste leer war, trat sie zurück und studierte das Arrangement. Sie runzelte die Stirn und gruppierte die Fotos neu, doch es machte keinen Unterschied. Egal, auf welche Art sie Bilder ringsherum verschob, gab es eigentümliche Lücken hier und dort, als ob einige Gegenstände, die auf die Kaminverkleidung gehört hätten, fehlten.

Severus.

Sie schloss ihre Augen und versuchte, die Wogen aus Emotionen zu unterdrücken. Dann atmete sie tief ein, drückte ihr Rückgrat durch, und machte auf der Hacke kehrt, in jedem ihrer Schritte nach draußen Entschlossenheit, als sie die Kinder abholen ging, um ihnen ihr neues Zuhause zu zeigen.

Eines Tages würde sie die Lücken auf der Kaminverkleidung mit neuen Fotos füllen … und sie hoffte, dass die Löcher in ihrem Leben dann ebenfalls ausgefüllt sein würden.


"Vielen Dank, dass du gekommen bist, Hermione", sagte Luna. "Ich werde hier drüben warten, während du dich ein wenig umsiehst."

Hermione dachte, dass sie verrückt gewesen sein musste, dem hier zugestimmt zu haben, doch Lunas besorgtes Gesicht hatte sie dazu veranlasst, ihre Bedenken außer Acht zu lassen. Luna und ihr Vater hatten aus dem Wunsch heraus, ihrem Freund die Ehre zu erweisen – eine Ehre, von der sie spürten, dass er sie verdiente – wochenlang unermüdlich gearbeitet. Die Ausstellung war fast komplett und die Eröffnung war für in ein paar Wochen angesetzt. Luna hatte Hermione darum gebeten, zum Ausstellungspavillon zu kommen, um ihre Auffassung hinsichtlich der Gegenstände zu äußern, die sie dafür ausgewählt hatten, ausgestellt zu werden. Hermione hatte sich dagegen gesperrt, dazu erklärend, dass ihre Meinung nicht diejenige war, die zählte.

"Aber du liebst ihn", hatte Luna leichthin gesagt, blind gegenüber Hermiones Zusammenzucken hinsichtlich der beiläufig dahingesprochenen Worte, "deshalb würdest du nichts genehmigen, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht zu werden, das ihn verletzen könnte."

"Ich erinnere mich nicht an Einzelheiten, Luna", hatte Hermione gewarnt, überhaupt nicht glücklich über die Bitte ihrer Freundin.

Luna hatte ihre Worte lediglich mit einer Geste ihrer Hand verscheucht, als ob sie eine lästige Fliege wären. "Du wirst es erkennen."

Und auf diese Weise, nach viel Bitten und Betteln von Seiten Lunas – und Hermiones Eingeständnis sich selbst gegenüber, dass sie schrecklich neugierig war – hatte sie schließlich zugestimmt.

Mit einem tiefen Atemzug betrat sie den höhlenartigen, kreisförmigen Raum, ihre Hände bebend, als sie den Ausstellungspavillon auf sich wirken ließ. Wenn Luna sie nicht angefleht hätte zu kommen, hätte sie die Ausstellung vermutlich niemals besucht. Der Krieg war etwas, woran sie sich nicht häufig erinnerte; es war eine dunkle, leidvolle Zeit gewesen, und obwohl sie niemals vergessen hatte, hatte sie sehr hart daran gearbeitet, nicht viel Zeit damit zu verbringen, an diesen schrecklichen Abschnitt ihres Lebens zu denken oder darüber zu sprechen. Als der Krieg überstanden gewesen war, hatte sie um diejenigen getrauert, die sie verloren hatten, und sich anschließend Hals über Kopf ins Leben gestürzt, fest entschlossen, dass deren Opfer nicht vergebens sein würden. So weit es Hermione anbelangte, waren sie die wahren Helden.

Als sie nun hier stand, umgeben von den Erinnerungen, flossen ihre Emotionen, die in letzter Zeit bereits an der Oberfläche zu schweben schienen, einmal mehr über. Hermione hatte gefürchtet, dass die Ausstellung den Krieg verklären oder gar in ihrer Art der Darstellung der Ereignisse pathetisch sein könnte, doch die kohlrabenschwarzen Wände und die nüchterne Darbietung riefen eine Atmosphäre von Respekt, Ehrerbietung und Feierlichkeit hervor. Über die gesamte Peripherie des Raumes hinweg standen – in goldener Schrift – die Namen derjenigen geschrieben, die für das Licht gekämpft hatten und gestorben waren – für die Bewahrung ihrer aller Welt. Das Ausmaß des Verlustes, derartig offen sichtbar und dennoch ästhetisch wiedergegeben, war überwältigend.

Hermione begann langsam, sich durch den Raum zu bewegen, wobei sie in einigen Bereich länger verweilte, als in anderen: bei der Geschichte des Phönix-Ordens; bei Dumbledores Armee; bei einem Schaukasten, der sie dazu aufforderte "Erinnere dich daran, was mit einem Jungen geschah, der liebenswürdig und zuverlässig und tapfer war … erinnere dich an Cedric Diggory". Sie schauderte, als sie durch das Areal lief, das für Voldemort und seine Todesesser designiert war. Erinnerungen, gut und schlecht, überfluteten ihre Psyche, und Hermione wurde von der unermesslichen Ansammlung von Emotionen überrascht, die die Ausstellung hervorrief. Stolz, Schmerz, Zorn, Erleichterung – all dies brandete mit hoher Geschwindigkeit durch ihr Blut.

Sie schnaubte, als sie an einem Schaukasten mit dem Titel 'Das Goldene Trio' vorüberging. Sie hatte diesen lächerlichen Namen für die Freundschaft zwischen sich selbst und ihren Jungs immer gehasst. Trotzdem konnte sie sich eines Lächelns nicht erwehren, als sie die verschiedenen Fotos von den beiden und ihr selbst während ihrer Jahre in Hogwarts sah und sich bei einigen davon fragte, wo man diese aufgetrieben hatte. Ein kleines Plakat in der Ecke besagte: "Fotografien von Colin Creevey, eine Leihgabe von seinem Bruder, Dennis Creevey."

"Oh, Colin", murmelte Hermione, als sie an den extrem lebhaften und äußerst begeisterungsfähigen kleinen Jungen dachte, der sich erwiesen hatte, in jeder Hinsicht ein wahrer Gryffindor zu sein – und kämpfend gestorben war, just außerhalb der Türen von Hogwarts.

Als sie das Zentrum des Raumes betrat, gab es dort drei abschließende Schaukästen. Einer mit dem Schwerpunkt auf Harry, einer auf Albus Dumbledore ausgerichtet, und einer auf Severus Snape fokussiert. Dort sah sie Auszüge aus Severus' persönlichen Tagebüchern, die seine Gedanken sowohl in Bezug auf Voldemort als auch hinsichtlich des Schulleiters schilderten – obwohl nichts davon nicht bereits durch andere Quellen offengelegt worden war. Ebenfalls inbegriffen waren sein Zaubertränke-Buch aus seinem sechsten Schuljahr und ein Set seiner über eine Schneiderpuppe drapierten Lehrer-Roben; Hermione musste sich dazu zwingen, es zu unterlassen, ihr Gesicht in dem Stoff zu vergraben. Eine einsame Träne brach schließlich frei, als ihr Blick auf seinen Zauberstab aus Hickory-Nussbaum-Holz und den postum verliehenen Orden des Merlin, Erster Klasse, fiel.

Die Feuchtigkeit von ihrer Wange wischend, zwang sich Hermione dazu, auf den Rest der Auslage zu schauen. Luna und ihr Vater hatten verschiedene Fotografien für die Ausstellung ausgewählt. Einige davon waren sehr persönlich – darunter das eine von Severus mit Xenophilius und Eglantine. Sie fragte sich, was er darüber denken würde, doch dann stellte sie sich vor, dass Xenophilius um seine Zustimmung gebeten hatte, bevor er irgendetwas, das von persönlicher Art war, einbeziehen würde.

Irgendetwas nagte an ihr, doch Hermione erinnerte sich selbst daran, dass es nicht ihre Angelegenheit war – sie war nicht die Stimme von Severus Snape. Die Ehre des Handelns an seiner Stelle gebührte Luna und ihrem Vater, nicht ihr.

"Sie haben sehr gute Arbeit geleistet, meinst du nicht auch?", fragte Luna ein wenig nervös.

"Das haben sie", antwortete Hermione, während sie sich herumdrehte, um flüchtig auf ihre Freundin zu blicken, bevor sie ihren Blick wieder auf die Fotos von Severus richtete. "Es wird ein Riesenerfolg sein."

Luna stieß einen Seufzer der Erleichterung aus und legte dann ihren Kopf schief. "Irgendetwas macht dir aber dennoch zu schaffen." Hermione schüttelte ihren Kopf, doch bevor sie sprechen konnte, sagte Luna: "Du kannst es mir erzählen, weißt du. Ich werde mich nicht aufregen."

Hermione rieb mit den Handflächen über ihre Augen und seufzte dann, bevor sie zugab: "Ich glaube nicht, dass er es schätzen würde, dass sich sein Bereich der Ausstellung hier in der Mitte des Raumes befindet."

"Welche Stelle würdest du dann vorschlagen?", fragte Luna neugierig.

Hermione blickte flüchtig zur Seite, zu einem Teil des Raumes, auf den durch die hellen Lichter, die die drei Schaukästen in der Mitte illuminierten, Schatten geworfen wurde.

Luna folgte der Richtung von Hermiones Blick, und ihre Augen weiteten sich, als sie die logische Schlussfolgerung aus Hermiones wortloser Andeutung zog. "Oh. Ja, du hast Recht. Ich werde die Modalitäten mit dem Kurator besprechen. Danke."


Kriegsheld kehrt von den Toten zurück!

Der Zaubereiminister, Kingsley Shacklebolt, hat heute Morgen öffentlich bekannt gegeben, dass Severus Snape, der Spion für das Licht, der, wie man glaubte, während der Schlacht um Hogwarts ums Leben gekommen war, in Wirklichkeit am Leben ist. Minister Shacklebolt gab zu verstehen, dass Mr. Snape im selbst auferlegten Exil gelebt hat, während er sich von Verletzungen erholte, die ihm während des Kampfes zugefügt wurden, und dass er nunmehr seinen Wunsch zum Ausdruck gebracht hat, nach Großbritannien zurückzukehren. Es ist nicht bekannt, wo sich Mr. Snape in den letzten vierzehn Jahren aufgehalten hat, noch, warum er beschlossen hat, sein Überleben geheimzuhalten. Minister Shacklebolt bestritt, Kenntnis über das Datum der voraussichtlichen Rückkehr von Mr. Snape zu haben. Der Prophet wird Ihnen mehr zu dieser Geschichte vermelden, wenn sie sich weiterentwickelt.


Der Ausstellungspavillon war voller Menschen. Es war die Nacht vor der offiziellen Eröffnung, und das Museum hatte die überlebenden Mitglieder des Phönixordens und von Dumbledores Armee, sowie all diejenigen, die in der Schlacht von Hogwarts für das Licht gekämpft hatten, zu einer exklusiven Vorschau auf die Ausstellung über den Krieg eingeladen. Es war eine Wiedervereinigung, die eine lange Zeit auf sich warten lassen hatte.

Hermione stand abseits an der Seite und beobachtete, als die Leute sich untereinander vermischten und die verschiedenen Schaukästen auf sich wirken ließen. Jedermann machte einen zufriedenen Eindruck hinsichtlich der Bestrebungen des Museums, und sie wusste jetzt mit Sicherheit, dass die Ausstellung zu einem Erfolg werden würde; wenn diese auserlesene Gruppe von Menschen sie akzeptabel fände, dann würde das Publikum heranströmen, um sie anzuschauen.

Sie lächelte, als Ginny und Harry ankamen, und winkte sie zu sich herüber. Sie strebten quer durch den Raum auf sie zu, sie mit einer warmen Umarmung begrüßend. Die drei Freunde plauderten über die Ausstellung – Harry war nicht glücklich darüber, dass sein Schaukasten sich in im Zentrum des Raumes befand, und alles, was Hermione tun konnte, war, nicht zu lachen, als sie darüber nachdachte, dass er es nicht zu schätzen wissen würde, wenn sie ihn mit Severus verglich. Binnen kurzem wechselte das Gesprächsthema zu den Kindern. Ginny und Hermione trafen gerade Absprachen, um die Cousins und Cousinen auf einen Ausflug mitzunehmen, als Ron und Eleanor den Raum betraten. Hermione lächelte traurig und bewegte sich derart, dass ihr Rücken dem neuen Paar zugewandt war; sie wollte nicht, dass sich irgendjemand unwohl fühlte.

"Er ist ein absoluter Arsch." Ginny schäumte vor Wut, während sie mit verengten Augen auf ihren Bruder starrte.

Hermione lachte. "Er war nie derjenige, der seine Gefühle verbergen konnte, Gin. Er liebt sie, und er will, dass seine Freunde sie ebenfalls lieben."

"Aber sie die ganze Zeit über derartig zur Schau zu stellen, als ob er dich nicht sitzen gelassen hätte—", Ginny hielt inne, als sie begriff, was sie gerade gesagt hatte. "Das war bescheuert von mir. Es tut mir leid."

Hermione schüttelte ihren Kopf. "Unsinn. Mir geht's gut. Wirklich, kein Problem. Wenn er mit Eleanor das finden kann, was er braucht, dann bin ich glücklich für ihn."

Ginny und Harry starrten sie beide für mehrere Momente mit offenem Mund staunend an, bevor Harry aus seiner Betäubung zu schnappen schien. "Du bist eine Heilige, Hermione. Wenn ich getan hätte, was er getan hat, hätte Ginny mich aufgeknüpft an meinen Ei—"

Ginny stieß ihn mit dem Ellbogen in die Rippen und schenkte ihm dann ein zuckersüßes Lächeln. "Und dass du das ja nicht vergisst, Mr. Potter."

Harry rieb seine schmerzende Seite. "Ja, Liebes."

Hermione konnte sich das Lachen über den selbstgefälligen Ausdruck auf Ginnys Gesicht nicht verkneifen. "Ich bin keine Heilige, glaub' mir. Ich habe ihn zuerst erwürgen wollen, als er es mir erzählt hat." Sie zuckte mit einer Schulter. "Aber das Leben geht weiter, und das gilt auch für mich."

Harry war gerade im Begriff gewesen, irgendetwas zu sagen, als sich seine Augen weiteten und seine Kinnlade vor Schreck herunterklappte. "Bei Merlins Bart. Ich kann es nicht glauben."

"Was ist denn?", fragte Hermione, als sie sich umdrehte, um nachzuschauen, wessen Ankunft Harry derartig überrascht hatte, nur, um den einen Mann zu sehen, von dem sie niemals geglaubt hatte, ihn jemals wiederzusehen. "Severus", wisperte sie.

Luna hatte ihr erzählt, dass er nach Großbritannien zurückkehren würde, und sie hatte natürlich darüber im Tagespropheten gelesen, Hermione hatte jedoch nicht geglaubt, dass sie ihn jemals sehen würde. Und doch – dort war er, steif im Zugang zum Ausstellungspavillon stehend, während seine dunklen Augen den Raum scannten.

Die Zeit schien knirschend zum Stillstand zu kommen, als Hermione begierig seinen Anblick in sich aufsog – das Haar schwarz wie Ebenholz, die Habichtsnase, die dünnen Lippen, die in ein beständiges spöttisches Lächeln verzogen waren. Bei allen Göttern, wie sehr sie ihn vermisst hatte. Sie kämpfte gegen das Verlangen, die Entfernung zwischen ihnen zu überbrücken, sich in seine Arme zu werfen und ihr Gesicht an seinem Hals zu vergraben – irgendwie glaubte sie nicht, dass er solch eine Attitüde zu schätzen wissen würde. Hysterisches Gelächter brodelte in ihrer Kehle. Der Mann, den sie liebte, war am Leben und bei guter Gesundheit, und sie war nur durch die Breite eines Raumes von ihm getrennt, und alles, was sie tun konnte, war, hier zu stehen und ihn anzustarren. Der Rest des Raumes hätte in Flammen und Rauch aufgehen können, so weit es Hermione betraf. Gierig erlaubte sie ihren Augen, weiterhin über ihn zu schweifen und ihn gründlich zu begutachten, sich jede Kleinigkeit ins Gedächtnis einprägend, während sie sich schmerzlich bewusst war, dass es gut sein mochte, dass sie solch eine Gelegenheit niemals wieder würde.

Mit was sie zu rechnen gehabt hätte, wäre gewesen, dass sein Blick so schnell wie möglich über sie hinwegschweifen würde – immerhin war er zornig auf sie, dafür, den Zauber aktiviert zu haben – doch stattdessen trafen seine Augen die ihrigen und verweilten, sein fester Blick schien in ihre nackte Seele einzudringen, suchend, forschend … und sie legte sich bereitwillig vor ihm bloß. Nach was auch immer er suchte, es war hier, um von ihm gefunden zu. Sie würde nichts vorenthalten … nicht ihm gegenüber. 'Sieh die Wahrheit, Severus', dachte sie. 'Sie liegt genau hier – ich bin genau hier.' Erst, als ihre Lungen zu brennen begannen, nahm sie wahr, dass sie zu atmen aufgehört hatte, und sie sog einen dringend benötigten Atemzug ein. Bevor sie einmal mehr einatmen konnte, war der Moment vorüber.

Er blickte weg, sein Rückzug eine brüske Mahnung an die Dinge, die sie verloren hatte, selbst wenn es nur in einem verzauberten Traum gewesen war.

Im Raum war es gespenstisch still geworden, doch Hermione war vom Geräusch ihres eigenen Herzschlages, der in ihren Ohren hämmerte, wie betäubt. Sie sog einen weiteren zitternden Atemzug ein, und atmete dann langsam aus.

Neben ihr stehend, begann Harry, in seine Hände zu klatschen, dann schloss sich Ginny ihm an. Und dann Minerva, danach Molly und Arthur, dann Dean und Seamus und andere Gryffindors, bis schließlich der komplette Raum mit tosendem Beifall anschwoll, den letzten Helden zu Hause willkommen heißend.


Hermione wünschte ihren Eltern eine gute Nacht und half ihnen dann durch das Flohnetz, so dass sie nach Hause zurückkehren konnten. Danach stieg sie müde die Stufen hinauf, um nach den Kindern zu schauen. Beide schliefen tief und fest – nachdem ein Abend mit ihren Großeltern sie ausgepowert hatte. Hermione lächelte; ihre Eltern hatten selbst ziemlich erledigt ausgesehen.

Sie wanderte zu ihrem Schlafzimmer und streifte die hochhackigen Schuhe von ihren schmerzenden Füßen. Der weiche Teppich fühlte sich unter ihren armen, misshandelten Zehen großartig an. Sie erledigte ihre Abendtoilette und machte sich dann fürs Bett zurecht. Ihr Körper war hundemüde; ihr Verstand jedoch war auch jetzt noch hellwach. Mit einem Seufzer warf sie sich ihren Morgenmantel über und ging hinunter, darauf hoffend, dass ein Glas Wein ihr zu schlafen helfen könnte.

Sie hatte das Museum fast augenblicklich nach Severus' Ankunft verlassen. Es war feige, wie sie wusste, doch sie hätte es nicht ertragen können, Stunden in seiner Gegenwart zu verbringen ohne auch nur ein einziges Wort oder einen flüchtigen Blick von ihm. Wenn sie bereits geglaubt hatte, dass ihn nicht zu sehen, schmerzhaft gewesen war, dann war ihn wiederzusehen und zu wissen, dass er sie niemals lieben würde, dass er sie niemals kennen würde – und nichts davon überhaupt wollte – geradezu reinste Quälerei.

"Egal", murmelte sie vor sich hin, während sie die Flasche Wein öffnete. Ihr Herz würde irgendwann heilen und vielleicht – eines Tages – würde sie erneut lieben. Es war in diesem Moment unvorstellbar, doch sie musste daran glauben, dass es irgendwo irgendjemanden gab, mit dem sie leben und den sie lieben konnte und—

Ihre Gedanken wurden durch ein Klopfen an der Tür unterbrochen. Hermione seufzte; vermutlich war es Luna, die kam, um nach Severus' unerwartetem Auftauchen auf der Ausstellung nach ihr zu sehen. Sie stellte die Flasche Wein auf die Arbeitsplatte in der Küche und ging die Tür öffnen. In letzter Sekunde erinnerte sie sich daran, dass es ziemlich spät war, und dass derjenige an der Tür am Ende doch nicht Luna sein könnte. Sie zog ihren Zauberstab aus der Tasche ihres Morgenmantels, griff nach dem Türknauf und fragte: "Wer ist da?"

Ein Knoten formte sich in ihrem Magen, der sich verfestigte, als sich das Schweigen zwischen ihr und dem unangemeldeten Besucher an ihrer Tür ausdehnte. Es verwandelte sich in einen unerträglichen Schmerz, als eine Stimme ihren Weg durch die Barriere zwischen ihnen fand. Erwünscht und gefürchtet, erhofft und trotzdem Furcht einflößend – es war eine Stimme, von der sie geglaubt hatte, dass sie diese niemals wieder hören würde.

"Severus Snape."


Sie saßen unbehaglich auf der Couch im Wohnzimmer, jeder so weit weg vom jeweils anderen, wie es ihnen nur möglich war, während sie dasselbe Möbelstück miteinander teilten. Sie verharrten seit mindestens fünf vollen Minuten in derselben Position, während keiner von beiden auch nur ein einziges Wort äußerte.

Hermione warf ihm aus dem Augenwinkel einen flüchtigen Blick zu. Seine Körperhaltung war dermaßen untypisch – zumindest erschien ihr dies so. Er hatte sich auf der äußersten Kante der Couch niedergelassen, sein Rücken steif und unbeugsam, sein Blick nachdrücklich auf ihren Kamin fokussiert. Seine geballten Fäuste ruhten auf seinen Schenkeln. Der Anblick war unvereinbar mit dem vagen Gedankenbild von ihm, das seine Anwesenheit ihr in Erinnerung gebracht hatte – wie er sich auf der Couch rekelte, seine Beine an den Fußknöchel gekreuzt, während er ein schiefes Lächeln aufblitzen ließ. Die nebelhafte Erinnerung an ihn, in ihrer Gegenwart derartig entspannt zu sein, zerriss ihr das Herz, obschon sie doch nur eingebildet war.

Nicht in der Lage, das Schweigen länger zu ertragen, räusperte sie sich. "Möchten Sie gern ein Glas Wein? Ich habe gerade eine Flasche geöffnet."

"Nein", antwortete Severus kurz, um dann ein ebenso knappes "Danke." hinzuzufügen.

Hermione spielte für einen Moment mit ihrem Morgenmantel herum, während sie die Tatsache beklagte, dass sie sich bereits fürs Bett umgezogen hatte. Sie hätte sich unmäßig gelassener gefühlt, wenn sie noch ihre Roben getragen hätte.

Sie wartete wartete noch ein paar Minuten länger, bis ihr anfänglich gelähmtes Verhalten zu schwinden begann, verdrängt von Verärgerung, dass er zu solch später Stunde in ihr Haus gekommen war, nur, um hier herumzusitzen und auf ihren Kamin zu starren. "Schau'n Sie aus einem besonderen Grund auf einen Sprung vorbei, Severus, oder wollten Sie einfach nur die Bequemlichkeit meiner Möbel ausprobieren?"

Er drehte seinen Kopf, um sie anzuschauen, seine Miene unergründlich. Dann wölbte er eine elegante Augenbraue, und Hermione spürte eine vertraute Hitze sich tief in ihrem Bauch ansiedeln. Bevor sie sich mit ihrer ziemlich drastischen Reaktion näher befassen konnte, erhob er sich mit einer dramatisch schwingenden Bewegung seiner Hand, während seine Roben um seine Beine wirbelten, als er zum Kamin schritt. Nur für einen Augenblick zögernd, griff er in eine Tasche seiner Roben, seine gewisperte Beschwörungsformel zu leise für sie, um diese akustisch zu verstehen. Seine Hand tauchte aus seiner Tasche auf, vorsichtig und schützend den Gegenstand haltend, als ob es sich um ein kostbares Kleinod handeln würde.

Hermione zwang sich dazu, auf der Couch zu verharren, dem inneren Drang widerstehend, vorwärts zu stürzen und genau in Augenschein zu nehmen, was auch immer es war, das Severus in den Händen hielt. Er stand für eine längere Weile vor dem Kamin, bis er letztendlich den Gegenstand zwischen ihre gerahmten Fotographien stellte und einen Schritt beiseite trat, was Hermione freie Sicht erlaubte.

Sie erkannte den Gegenstand aus Holz augenblicklich wieder, nicht nur von dem Zeitpunkt, als sie zuletzt seinen Zwilling in Lunas Zimmer gesehen hatte, sondern – als sich ein Schleier von ihrem Gedächtnis hob – aus ihren eigenen schemenhaften Erinnerungen an die verzauberte Phantasievorstellung. Dies war seiner eigenen Hände Arbeit – die Schnitzerei, die er vor so langer Zeit von den vier Häusern angefertigt hatte.

Hermiones Blick war starr, ihr Mund trocken, sie war einfach sprachlos. Die Schnitzerei passte perfekt auf eine leere Stelle, die kein anderes Objekt willkommen geheißen hatte, als ob sie immer für diesen Platz bestimmt gewesen war. Als ob sie Zuhause angekommen war.

Ihr Herz raste, während sie darüber nachdachte, was seine Handlungen bedeuten könnten, doch sie weigerte sich, voreilige Schlüsse zu ziehen, wenn es dabei um Severus Snape ging. "Was wollen Sie?", fragte sie, atemlos ungeachtet ihres Entschlusses, ihren Ton neutral zu halten. "Warum sind Sie hier?"

Er begegnete ihrem Blick widerwillig. "Ich bin mir nicht sicher. Ich hatte keinerlei Absicht, an Sie heranzutreten, nachdem ich nach Großbritannien zurückgekehrt war." Er brach plötzlich ab, und Hermione hatte das mehr als eigentümliche Gefühl, dass er von ihr erwartete, dass sie seine Anwesenheit in ihrem Wohnzimmer erklärte.

"Und doch sind Sie hier."

"Ja." Er ging hinüber zu den französischen Türen und spähte in die Dunkelheit hinaus. "Sie haben ein nahezu vollständiges Replikat des Cottages aus der Vision geschaffen."

"Ich war mir dessen nicht bewusst …" Ihre Stirn runzelte sich, während sie über seine Feststellung nachdachte. "Es war unbeabsichtigt. Meine Erinnerungen sind inzwischen alle äußerst schemenhaft."

Er nickte, doch blieb weiterhin mit seinem Rücken ihr zugewandt stehen; alles, was sie von seinem Gesicht sehen konnte, war, was in den Fensterscheiben widerspiegelt wurde. Ein Muskel in seinem Kiefer zuckte, und er faltete seine Hände hinter seinem Rücken. "Ich verstehe."

Hermione seufzte und rieb mit ihrer Handfläche über ihr Gesicht, bevor sie sagte: "Es tut mir leid, dass ich den Zauber aktiviert habe. Es war—"

"Unbeabsichtigt", unterbrach Severus sie ungeduldig. "Ja, ich bin mir dessen bewusst, Ms. Granger. Nach Aussage meiner Patentochter hat sie Ihnen die schmachvolle Aufgabe übertragen, meine Besitztümer zu katalogisieren – Merlin weiß, warum – und Sie fanden die Kugel in dem Kasten mit Dingen, die ihre Mutter mir nach ihrem Tod hinterlassen hat."

"Oh!", rief Hermione aus, wobei sie den stechenden Schmerz beiseite schob, den sie aufgrund seines schroffen Tons verspürte. "Also deshalb haben Sie die Sphäre erhalten, bevor die Arbeit an ihren Zaubern abgeschlossen war. Ich hatte mich darüber gewundert."

Seine Hände ballten sich zu Fäusten und öffneten sich dann wieder. "Ich war nicht gewahr, dass sie unvollendet war. Luna hat nicht genau erklärt, auf welche Art die Sphäre aktiviert wurde, noch hat sie die Information weitergegeben, wie sie funktioniert."

Hermione war bestürzt. "Warum würde sie Ihnen nicht davon erzählen?"

Sie sah, wie sich seine Augen schlossen und sich dann erneut öffneten, bevor er beinahe knurrte: "Sie erklärte, wenn ich dies wissen wolle, solle ich Sie fragen."

Sie unterdrückte ein Lachen über seine verärgerte Miene und fragte sich dann, ob sie jetzt völlig den Sinn für die Realität verlor; ihre Emotionen waren chaotisch und vollkommen durcheinander. "Ah. Nun ja, als ich die Kugel fand, habe ich nicht gewusst, was es war. Ich dachte, dass es sich vielleicht um ein Rätsel oder so etwas handeln würde. Ich habe sie mit Hilfe des Tastsinns untersucht—" Sie unterbrach sich abrupt, als sie sah, wie er ungeduldig seine Lippen schürzte; irgendwie war diese Miene ebenso vertraut für sie wie der Ausdruck auf den Gesichtern ihrer eigenen Kinder. "Sie aktivierte sich, als ich einen Enthülle-Zauberspruch geworfen habe."

Severus drehte sich herum, um ihr ins Gesicht zu schauen. "Ich habe den Brief von Eglantine gelesen, Ms. Granger. Ich habe ihn so verstanden, dass ich ein aktiver Partizipant gewesen sein sollte, anstatt eines bloßen Zuschauers."

Hermione nickte. "Ja. Luna und ich haben die Aufzeichnungen ihrer Mutter über den Zauber analysiert, und wir glauben, dass der Enthülle-Zauberspruch den Fokus des Zaubers verändert hat, und auf diese Weise das Sequentialisieren beeinträchtigt wurde. Da ich – anstatt Ihnen, wie es beabsichtigt war – den Zauber aktiviert habe, war ich der aktive Partizipant. Wir vermuten in den Modifizierungen auch den Grund für das, was zum Verblassen meiner Erinnerungen führte, wohingegen die Ihrigen …" Sie hielt für einen Moment inne und fragte dann: "An wie viel erinnern Sie sich?"

"An alles."

"Und Sie haben es als einen Traum durchlebt?"

"Nicht direkt."

Hermione rollte ihre Augen, entnervt durch seine knappen Antworten. "Ehrlich, Severus, aus Ihnen irgendwelche Information herauszuholen, ist wie Zähneziehen!"

Sein Mund zuckte. "Ich war ein Spion."

Die unerwartete Zurschaustellung von Humor überraschte Hermione, und sie starrte ihn für einen Moment an, bevor ein kurzer Lachanfall aus ihr herausbrach. Sein Gesichtsausdruck wurde ein wenig milder, sah sie, doch zu dem Zeitpunkt, an dem sie sich wieder in der Gewalt hatte, hatte er diese abscheuliche Maske nachdrücklich in Position gleiten lassen.

Oder vielleicht nicht derartig nachdrücklich.

"Ich würde diese Erfahrung mit dem plastischen Erleben eines Muggel-Kinofilms vergleichen", sagte er, während er ihr einen flüchtigen Blick zuwarf, als ob er den Verweis darauf damit zu unterstreichen versuchte.

"Als ob Sie einen Film anschauen?"

"Ja."

"Oh." Sie zerrte für einen Augenblick beunruhigt mit den Zähnen an ihrer Unterlippe, während sie sich flüchtig fragte, ob sie ihre nächste Frage stellen sollte, um dann unvermittelt einen schnellen gewagten Vorstoß zu unternehmen. "Haben Sie irgendwelche … emotionalen Bindungen entwickelt?"

"Es war nicht real!", sagte er entschieden, wobei er sie finster anblickte. "Es war eine Phantasie – ein sehr realistischer Traum. Aber er basierte nicht auf der Wirklichkeit. Der Mann, den Sie gekannt haben—"

Dieses Mal war es Hermione, die ihm ins Wort fiel. "Der Mann, den ich liebe."

Er zuckte zusammen, doch dann versteinerte seine Miene, genauso wie seine Stimme. "Dieser Mann war nicht ich. Dies …", sagte er, während er mit einer Hand in Richtung seiner eigenen Person gestikulierte, "dies ist, wer ich wirklich bin: der verbitterte, zornige, schmierige Bastard, den jedermann so sehr liebt zu hassen. Ich tue mich nicht leicht dabei, eine Beziehung mit Menschen herzustellen – ich bevorzuge meine Einsamkeit. Ich bin kein Held, ich bin keine Vaterfigur, und ich bin ganz sicher kein liebevoller Ehemann!"

Sie schüttelte beharrlich ihren Kopf, während er verärgert vor sich hin schimpfte – die unerwartete Enthüllung der Gründe für seine Zurückhaltung ließen sie sprachlos zurück … allerdings nur kurz.

"Nein, das ist nicht wahr. Dieser verbitterte, zornige Mann, den Sie … du gerade beschrieben hast … das ist die Maske. Der Zauber offenbart dein wahres Selbst – das ist die Art und Weise, wie er kreiert wurde."

"Kreiert?" Severus runzelte die Stirn, um dann jeglichen Ausdruck auf seinem Gesicht auszulöschen. "Was meinen Sie?"

"Ich kann dir irgendwann einmal Eglantines Aufzeichnungen zeigen, wenn es dich interessiert, doch die Magie, die diesem Zauber als Fundament zugrunde liegt, stimmt mit mehreren anderen Zaubersprüchen überein, einschließlich Legilimentik, ebenso wie die Magie, die dazu benutzt wurde, Denkarien und magische Portraits herzustellen. Begreifst du das denn nicht? Der Zauber hat unsere eigenen Erinnerungen und Persönlichkeiten, unsere eigenen unterbewussten Träume und Wünsche verwendet und sie in die Vision integriert. Das ist die Art und Weise, wie er kreiert wurde, Severus. Eglantine hat dir das Leben schenken wollen, von dem sie glaubte, dass du dazu fähig wärst, es zu haben, aber dir niemals selbst gestatten würdest zu leben – und sie hatte Recht."

"Das war meine Sache, nicht Eglantines und ganz sicher nicht die Ihrige!", fauchte Severus verärgert, während er mit staksenden Schritten auf sie zu kam und stehen blieb, sobald er bis auf Armeslänge herangekommen war. "Sie hatten kein Recht, sich in meine Angelegenheiten einzumischen. Sie und Ihre Leichtfertigkeit haben mich meine Seelenruhe gekostet – ich habe niemals vorgehabt, den Zauber zu aktivieren, und jetzt sind meine Träume mit einem Leben gefüllt, das nie real war, und dass ich niemals haben kann!" Seine Hände ballten sich an seinen Seiten zu Fäusten, und er schwankte beinahe, seine Körperhaltung derartig steif, dass sie sich Sorgen machte, dass er mit der Nase voraus auf dem Fußboden aufschlagen könnte.

Hermione beobachtete ihn für einen Moment, dann klappte ihr der Kiefer einen Augenblick lang herunter, bevor sie ihn mit einem Schnappen schloss. "Du hast Angst."

"Wie bitte?"

"Nein, nein. Du hast Angst", bestand Hermione auf ihrer Vermutung, während ihr Mund sich zu einem Lächeln verzog, als sie in ihrer Beurteilung der Lage sicherer wurde. "Ich weiß das, weil … na ja, weil ich glaube, dass ich etwas Ähnliches in der Vision durchlebt habe. Es ist … es ist nur ein vager Eindruck, aber … ja. Ja. Du hast Angst, weil du dir nicht sicher bist, dass du dieser Mann sein kannst, und da dieser Mann derjenige ist, in den ich mich verliebt habe …" Sie verstummte allmählich, ihre Augen weiteten sich, als sie all diese Dinge realisierte. "Oh, bei Merlin. Du liebst mich."

"Ms. Granger—"

Sie wedelte als Zeichen der Abwehr mit der Hand. "Nicht jetzt, Severus. Ich habe eine Offenbarung." Ihre Gedanken wirbelten durcheinander, als sie über die Möglichkeiten nachdachte, schwindelig aufgrund der neuentdeckten Hoffnung. "Du hast in dem Brief, den du an Luna geschickt hast, versucht, mich wegzustoßen, aber du warst hinsichtlich meiner Person neugierig, stimmt's? Deswegen bist du zurückgekommen!"

"Ich glaube kaum, dass—"

"Und dann, heute Abend, sahst du mich auf der Ausstellung, und das gab den Ausschlag, stimmt's? Du hast mich gesehen, und du konntest der Versuchung nicht widerstehen, mit mir zu sprechen, um herauszufinden, ob ich nach wie vor auf dieselbe Weise empfinde, wie ich in der Vision empfunden habe. Ich habe Recht, oder? Du liebst mich, und du hast Angst, dass meine Gefühle für dich nicht real sind."

"Hör' auf, so etwas zu sagen", spuckte er zwischen zusammengebissenen Zähnen aus. "Ich bin zu einer solchen Art von Emotion nicht mehr fähig."

Hermione rollte ihre Augen. "Oh, bitte. Du hast deine Freunde geliebt. Du liebst Xenophilius und Luna."

"Das ist etwas völlig anderes, und ich habe keinerlei Ängste hinsichtlich deiner Gefühle oder dem Mangel daran." Sein Mund verzerrte sich zu einem garstigen höhnischen Lächeln.

Zu guter Letzt auf vertrautem Boden, verschmolzen die Jahre der verzauberten Erfahrung aus der Vision mit der starken Entschlossenheit der Frau, die in einem nicht länger eingebildeten Cottage gemeinsam mit dem Mann stand, von dem sie überzeugt war, dass sie ihn liebte. "Warum bist du dann gekommen? Luna hätte letzten Endes auf all deine Fragen geantwortet – du hattest keinen wirklichen Grund, hierher zu kommen. Also warum hast du es getan? Warum bist du hier?"

Severus ließ sein Kinn auf seine Brust fallen und Hermione beobachtete betroffen, wie er vor ihren Augen zusammenzusacken schien. "Luna hat mir tagtäglich Eulen geschickt", begann er, "und sie stellte sicher, dich und die Kinder mehrmals pro Brief zu erwähnen. Sie hat mir erzählt, wie du verlangt hast, dass das Museum den Standort meines Bereichs der Ausstellung ändert, weil du gewusst hast, dass ich mich außerhalb des Rampenlichts wohler fühlen würde."

Er fuhr mit einer Hand regelrecht wie mit einer Harke durch sein Haar, und Hermiones Atem stockte beim Anblick der irgendwie vertrauten Geste. Er redete weiter: "Xenophilius war ebenfalls der Meinung, dass er ja mal den Versuch unternehmen könnte – als er mich darüber informierte, dass, wenn er ein weiteres Leben mit Eglantine haben könnte, er im Nu zugreifen und es festhalten würde. Er sagte, dass ich ein Dummkopf und … ein Feigling sei, mich dafür zu entscheiden, nicht wenigstens mit dir zu sprechen."

Hermione zuckte innerlich zusammen; sie konnte sich nur zu gut ausmalen, wie gut das Gespräch mit Severus verlaufen war. Sie war gerade im Begriff, ihn dazu zu beglückwünschen, solch weise Freunde gewählt zu haben, als die Maske einmal mehr herunterkrachte.

"Dies hier war ein Fehler. Ich entschuldige mich dafür, Ms. Granger, zu solch einer späten Stunde gekommen zu sein. Seien Sie versichert, ich werde Sie nicht noch einmal belästigen. Gute Nacht." Ohne auch nur lange genug innezuhalten, um ihr einen flüchtigen Blick zuzuwerfen, ging er mit ausgreifenden Schritten aus dem Zimmer.

"Oh, nichts da, Severus Snape", murmelte Hermione, als sie hinter ihm her rannte.

Sie holte ihn in der Eingangshalle ein, und beeilte sich, den Ausgang zu blockieren ungeachtet des Wissens, dass er disapparieren könnte, falls er wahrhaftig beschlossen hatte zu gehen. Sie schnappte hastig eine Hand voll Stoff seiner Roben, stellte sich auf ihre Zehenspitzen, und schob ihr Gesicht in seines. "Wir sind noch nicht fertig mit unserer Unterhaltung."

"Doch, sind wir. Wenn Sie mich jetzt entschuldigen—"

"Das werde ich nicht!", schrie Hermione, während sie wie ein bockiges Kind mit ihrem Fuß aufstampfte. Sie atmete tief ein, um ihre aufsteigende Panik abebben zu lassen. Eine Erinnerung blitzte auf und durchdrang ihre wachsende Verzweiflung, und sie klammerte sich mit allem, was sie in ihrem Inneren besaß, daran fest. "Du kannst nicht gehen. Das kannst du nicht tun. Du … du hast es versprochen, zum Teufel. Du hast mir versprochen, dass du mich niemals verlassen würdest."

Severus zuckte zurück, und sein Gesicht verzerrte sich, als ob er Schmerzen hätte. "Nein, Ms. Granger. Das habe ich nicht."

Sie keuchte auf, ihr Schluchzen blieb in ihrer Kehle stecken. Er hatte Recht, begriff Hermione. Er hatte ihr nichts versprochen. Er hatte ihr niemals überhaupt irgendetwas versprochen.

Ganz langsam ließ sie den Stoff seiner Roben los und blickte zu ihm auf, die Tränen in ihren Augen glänzten im gedämpften Licht der Eingangshalle. "Severus, bitte", bat sie leise flehend, wobei es sie nicht kümmerte, dass sie Zuflucht suchte im Betteln. "Ich weiß, dass das verrückt klingt – es ist Wahnsinn – aber ich vermisse dich", wisperte sie. "Ich kann … ich kann verstehen, wenn du den Gedanken nicht ertragen kannst, mich zu lieben …" Sie hielt inne, um den Kloß in ihrer Kehle hinunterzuzwingen, während sich ihre Hände flehend öffneten und sich ihm flehentlich bittend entgegenstreckten. "Können wir dem hier nicht einfach eine Chance geben? Vielleicht … vielleicht könnten wir uns einfach gelegentlich miteinander unterhalten oder gemeinsam zum Mittagessen gehen … Freunde sein. Vielleicht wird es sich in mehr verwandeln, oder vielleicht auch nicht, aber ich bin bereit zu nehmen, was auch immer—" Sie hinderte sich selbst daran, den Gedanken laut auszusprechen. "Severus, wir werden nie erfahren, was sich zwischen uns entwickeln könnte, wenn wir es nicht versuchen. Können wir es nicht versuchen?"

Sie standen gemeinsam in der dunklen Eingangshalle, während die Geräuschlosigkeit um sie herum mit Angst und Möglichkeit trommelte. Er hatte ihren Vorschlag nicht augenblicklich zurückgewiesen, dachte Hermione. Möglicherweise würde er in Erwägung ziehen—

"Ich bin kein sehr netter Mann", sagte er, womit er in ihren Tagtraum einbrach.

Sie lächelte. Sie kannte diesen Mann. Geschickt einen Schritt in den winzigen Riss in seiner eisigen Fassade machend, schob sie mit einer leichten Berührung eine Haarsträhne aus seinen Augen.

"Nein … nein, bist du nicht. Doch du bist ein guter Mann. Ein Bastard, was feststeht, aber nichtsdestotrotz ein guter Mann." Sie schöpfte Mut aus seinem kleinen, wenn auch flüchtigen Lächeln und streckte die Hand aus, um nach seiner Hand zu greifen und in der ihrigen zu halten. "Bitte, Severus. Ich werde keine Versprechungen machen – noch nicht. Du sagst, dass ich dich nicht kenne, so hilf mir. Lass mich dein wirkliches Selbst kennenlernen."

Er schaute auf ihre miteinander verschränkten Hände herab, sein Ausdruck – wie immer – unergründlich. Hermione hielt ihren Atem an, während der hauchdünne Faden aus Hoffnung an Substanz gewann, als sie beobachtete, wie sich seine Brust hob und senkte, und sie seinen Daumen spürte, wie dieser selbstvergessen Kreise auf der weichen Haut ihres Handgelenkes nachzeichnete.

Letztendlich – hinter den langen geschwungenen Wimpern hervor, wobei das Schwingen seiner Haare um sein Gesicht herum seine Nervosität verriet – sprach er endlich.

"Ich nehme nicht an, dass du eine Tasse Tee möchtest …?"

Hermione war sich sicher, dass ihr darauf antwortendes Lächeln genauso blendete wie die Sonne.


Fünf Jahre später

"Hermione?"

"In der Küche!"

Hermione bestrich das Stück kalten Toasts dick mit Erdbeermarmelade und legte dann das Messer auf den Tresen. Sie war im Begriff, diesen ersten köstlichen Bissen abzubeißen, als sie spürte, wie seine Arme sich um sie schlangen. Sich gegen seine Brust zurücklehnend, seufzte sie glücklich auf. "Ich habe dich nicht so früh zu Hause erwartet", sagte sie. Obwohl Minerva dem Zaubertränke-Professor gestattet hatte, mit seiner Frau und seiner Familie in Hogsmeade zu leben, bestand sie dennoch darauf, dass er seinen Anteil an Runden erbrachte. Da an diesem Abend das Willkommensfest und die Hauswahlzeremonie stattgefunden hatten, war von ihm verlangt worden, noch länger zu bleiben, als üblich.

Severus lachte, während sein Atem heiß gegen ihren Hals schlug, was sie dazu veranlasste, voller Wonne zu erzittern. "Es ist beinahe Mitternacht, Hermione. Ich bin eher spät dran."

"Wirklich?" Sie runzelte die Stirn; es schien so, als ob ihre innere Uhr dieser Tage völlig abgeschaltet war. "Ich habe Hunger gehabt."

"Wie ich sehen kann. Lass uns deinen Mitternachtsimbiss mit ins Wohnzimmer nehmen, was meinst du?"

Hermione war einverstanden und erlaubte ihm, sie in den anderen Raum zu geleiten. Sie rollte ihre Augen, als er ihr galant dabei half, sich auf die Couch zu setzen, bevor er neben ihr Platz nahm. "Wie lief die Hauswahlzeremonie? ", fragte sie. "Gryffindor?"

"Nein", erwiderte Severus mit einem Grinsen.

Hermione gab ihm einen leichten Klaps auf seinen Arm; sie wusste, dass er sich Rons Reaktion auf diese Neuigkeit ausmalte. "Also gut. Welches Haus?"

"Ravenclaw."

Sie grinste. "Das ist mein Mädchen."

Einen Arm um ihre Schultern legend, zog Severus sie näher an sich heran. "Sie war völlig begeistert. Ich bin davon überzeugt, dass du am Morgen eine Eule bekommen wirst. Wie lief es am Bahnhof? Wie ich sehe, bist du nach deinem kleinen Abenteuer noch am Leben."

Hermione stöhnte. "Keine Ahnung, was sie sich dabei gedacht haben, Ron zu erlauben, ein Automobil zu steuern. Ich schwöre, Severus, er muss den Prüfer mit einem Verwirrungszauber belegt haben. Er war fürchterlich!"

Severus versteifte sich. "Du wirst nicht noch einmal in einem Auto mitfahren, in dem Ron Weasley der Fahrer ist … niemals wieder."

"Mach dich nicht lächerlich, Severus", grummelte Hermione, während sie sich abmühte, eine bequeme Position zu finden. "Ich mag meine Füße verloren haben … und meine Taille", schnaubte sie, als er unterdrückt kicherte, "aber mein Intellekt ist nach wie vor intakt. Ich werde niemals wieder, nie und nimmer, gemeinsam mit Ron in ein Auto einsteigen." Sie schauderte. "Ich habe obendrein darauf bestanden, Hugo zu Rons Haus zu apparieren. Ich habe nicht vorgehabt, Ron zu erlauben, ihn zu sich nach Hause zu fahren."

Severus entspannte sich, während er über den Ausbruch seiner Frau lachte. Er legte eine Hand auf ihren angeschwollenen Bauch und lachte erneut, als ein herzhafter Fußtritt seine Handfläche traf. "Lebhafter kleiner Lümmel."

"Stachle ihn bloß nicht noch an. Ich würde heute Abend gern schlafen, wenn du nichts dagegen hast", jammerte sie, selbst als sie seine Hand dorthin bewegte, wo das Baby gerade in diesem Moment trat.

"Ja, Liebes", erwiderte er pflichtbewusst, wobei nur das Kräuseln an seinen Augenwinkeln seine Belustigung verriet. "War Eleanor am Bahnhof?"

"Nein, was seltsam ist, meinst du nicht? Sie liebt Rose."

"Vielleicht dachte sie, dass es – mit all den Kindern rundrum – zu schwierig sein würde", murmelte Severus, während seine Finger über ihren aufgetriebenen Bauch strichen.

Hermione lehnte sich noch näher an ihn und seufzte. "Ja, das könnte sein."

Sie hatte Mitleid mit Ron und Eleanor; im vorherigen Jahr hatten die Heiler die beiden darüber informiert, dass Eleanor nicht in der Lage war, Kinder zu bekommen. Ron liebte sie uneingeschränkt, doch Eleanor war am Boden zerstört. Obwohl sie die Situation in der Zwischenzeit akzeptiert hatte, wusste Hermione, dass einige Tage für die Hexe weitaus schwieriger waren als andere, eine Hexe, die – dank der Kinder – zu ihrer Freundin geworden war.

Sie nahm eine Scheibe des mit Marmelade bestrichenen Brotes hoch und war gerade dabei hineinzubeißen, als sie sich an Lunas Brief erinnerte. "Ich habe vergessen, dir davon zu erzählen! Eine Eule hat heute einen Brief von Luna gebracht. Sie hat jemanden getroffen, während sie in Schweden im Urlaub war – sein Name ist Rolf. Wir sind am Samstag zum Mittagessen eingeladen, um ihn kennenzulernen. Und ich soll dich darüber informieren, und ich zitiere, 'nett zu sein'. Sie mag ihn wirklich."

Severus seufzte und massierte seinen Nasenrücken mit seinen Fingern. "Wird mir für dieses kleine Geplänkel mit Martin denn nie verziehen?"

"Michael", korrigierte Hermione überkorrekt, "und das 'kleine Geplänkel' war ein ausgewachsener Fluch."

Er machte eine wegwerfende Handbewegung. "Er war ein Idiot."

Ihre Lippen zuckten amüsiert; Michael war so etwas wie ein ziemlicher Trottel gewesen. Sie lächelte über seinen angespannten Kiefer und verengte die Augen. 'Dermaßen störrisch', sinnierte sie. "Möglicherweise war er das. Jedenfalls möchte Luna deine Zusicherung, dass du dich anständig gegenüber Rolf benimmst. Dies ist wirklich ernst, Severus – sie mag ihn, und sie macht sich Sorgen, dass du ihn mit deinen finsteren Blicken und deinen Verwünschungen verscheuchen wirst."

Severus gab ein schnaubendes Lachen von sich und lächelte dann schief, was ihr Herz dazu veranlasste, einen Schlag auszusetzen. "Also schön. Ich werde mich benehmen und nett tun. Ich verspreche es."

"Danke", antwortete sie, zufriedengestellt, und grub sich tiefer in seine Seite ein, als sie das letzte Stück Toast mit Marmelade in ihren Mund schob.

Sie spürte, wie ihr Körper sich entspannte, als Severus begann, von seinem Tag, von Roses Hauswahl und dem Willkommensfest zu erzählen, während eine Hand mit einer ihrer Haarsträhnen spielte, und die andere dort ruhte, wo ihrer beider Baby lag. Während sie zuhörte, schmiegte sich Hermione näher an ihn, und ihre Augen fielen auf die kleine, hölzerne Kugel, die exakt in der Mitte der Kaminverkleidung ruhte – ihre am meisten geschätzte Erinnerung daran, dass ein ungelebtes Leben überhaupt kein Leben war.

Sie seufzte voller Genugtuung auf, so äußerst dankbar dafür, dass sie beide beschlossen hatten zu leben.


A/N: Und das ist das Ende unseres Märchens! Vielen Dank für die wundervolle Resonanz, die diese Geschichte erhalten hat. Ich wurde von Euren großartigen Anmerkungen und Reviews regelrecht umgehauen. Danke!

Das Ungelebte Leben wurde für SS/HG-Exchange auf LiveJournal geschrieben. Die Empfängerin war Atlantel, und ihre Vorgaben für diese Geschichte sahen wie folgt aus:

Hermione probiert bei Luna, ihrer besten Freundin, einen mysteriösen Gegenstand aus (worum es sich dabei handelt, ist Euch überlassen), und bekommt plötzlich eine Vision. Ihre Kinder sind nach wie vor ihre Kinder, allerdings älter, beinahe alt genug, um nach Hogwarts zu gehen, doch ihr Leben ist nicht mehr dasselbe. Ron ist aus dem Rennen, und sie ist mit einem dunkelhaarigen Mann verheiratet. Könnte das Snape sein? Hermione kann es nicht glauben. Er ist schließlich vor so vielen Jahren gestorben … Recherche (und Liebe) sind in der Ordnung!

Meine endlose Dankbarkeit gilt meinen Beta-Lesern, DeeMichelle und Subversa, und meinem Brit picker, LettyBird. Sind sie nicht die Besten? Und ich schulde einen riesigen Dank an machshefa, nicht nur für all ihren Rat in Hinsicht auf Hermiones Amnesie, sondern auch für die riesige Hilfe, die sie bei diesem besonderen Kapitel war. Danke! Ich würde mich auch gern bei meiner lieben Freundin GinnyW dafür bedanken, solch ein großartiger Resonanzboden gewesen zu sein und dafür, dass sie meinem Gewinsel während des Schreibens dieser Geschichte zugehört hat. Ich liebe Euch alle!

sshg316

A/Ü: Nun, das war das letzte Kapitel einer wirklich außergewöhnlichen Geschichte. Ich hoffe, Ihr hattet Freude daran. Dies ist die letzte Geschichte, die ich auf dieser Seite komplett eingestellt habe. Ob und wann ich "Consequences" weiterführen werde oder ob ich die Geschichte lösche, steht in den Sternen.

Alea