Kapitel 3: Tiere und Gassen

Die nächsten Tage verflogen für Harry wie im Fluge. Er trainierte und lernte ständig. Er langweilte sich immer mehr mit seinen derzeitigen Büchern, da diese zum größten Teil nur aus alten Textbüchern bestanden, die er bereits im Unterricht gelesen hatte. Er hatte auch das Buch über Verteidigung, das er zu Weihnachten bekommen hatte, um ihm zu helfen, die DA zu unterrichten, aber er hatte das Buch schon mehrmals gelesen. Er wollte einen Ausflug in die Winkelgasse machen, um seine Büchersammlung zu vergrößern und einfach aus dem Haus zu kommen und etwas zu machen.

Er beherrschte das Apparieren immer besser. Er hatte sich vom Apparieren im Haus zum Apparieren in der Nachbarschaft gesteigert. Er konnte nun so gut wie ohne Anstrengung sogar auf die andere Seite der Nachbarschaft apparieren, aber Sirius hatte ihn davor gewarnt, jetzt schon Langstreckenapparieren zu probieren, aus Angst, dass er sich zersplintern könnte. Harry war ruhelos.

Sein Animagustraining war schnell vorangeschritten. Er konnte jeden einzelnen Teil seines Körpers entweder in seine Panther- oder Eulengestalt verwandeln, was ihn ohne Ende begeisterte. Er wollte sich unbedingt vollständig verwandeln, aber Sirius hatte Harry abgehalten, es die Nacht zuvor zu versuchen und hatte ihn versprechen lassen, bis zur nächsten Nacht zu warten, um es auszuprobieren. Harry konnte es nicht erwarten, heute Nacht schlafen zu gehen.

Er hatte Ron geschrieben und ihm gesagt, was er davon hielt, dass er in Ginnys Zimmer geschlichen war, um den Brief zu lesen, den Harry ihr geschrieben hatte. Er hatte klar gemacht, dass er Ginny als eine wertvolle Freundin ansah und dass er jede Absicht hatte, ihr weiterhin über den Sommer zu schreiben. Er hatte ihm gesagt, dass er und Ginny nur Freunde seien und dass sie definitiv in der Lage sei, auf sich selbst aufzupassen und keinen überfürsorglichen Bruder brauchte, der seine Nase andauernd in ihre Angelegenheiten steckte.

Er hatte Ron auch gesagt, dass er keinerlei Absichten hegte, in die Mitte von einem seiner Streits mit Hermine über Viktor Krum zu geraten. Er hatte Ron deutlich gemacht, dass er sich in dieser Sache albern benahm und seinen Freund gewarnt, die Sache fallen zu lassen, bevor die Dinge unangenehm wurden.

Es dauerte nicht lange, bis Harry von Ron eine Antwort erhielt. Er hatte seinen Freund richtig eingeschätzt, als er gedacht hatte, dass Ron höchstwahrscheinlich aus der Haut fahren würde, nachdem er den Brief gelesen hatte. Ron hatte ihn davor gewarnt, Ginny weiterhin zu schreiben, zusammen mit einer versteckten Drohung, falls er ihr weiterhin schreiben sollte. Ron hatte Harry auch gefragt, auf welcher Seite er bei der Sache mit Viktor Krum stand. Ron hatte behauptet, dass sie ihre Freundin in Gefahr brachten, wenn sie Hermine nicht davor warnen würden, dem Bulgaren weiterhin zu schreiben.

Harry beschloss, sich nicht die Mühe zu machen, seinem aufgebrachten Freund zu antworten. Er wusste, dass sein Freund im Moment nicht in der Lage sein würde, auf die Vernunft zu hören und versuchte es daher auch gar nicht erst. Rons Temperament brach zu oft bei ihm durch, als es für jederman gut war. Ginny hatte definitiv bei einer Sache Recht: Ron musste erwachsen werden und das schnell.

Er hatte Ginny wieder geschrieben, nachdem er Rons Brief bekommen hatte. Er hatte ein wenig über Rons lächerliche Drohungen und Anschuldigungen erzählt und auch über andere Dinge. Er hatte ihr gesagt, dass er bisher noch niemanden, einschließlich Ron und Hermine über die DA erzählt hatte und bat sie, sein Geheimnis noch ein wenig für sich zu behalten, bevor er seinen anderen Freunden von seinen Plänen erzählen würde.

Er erhielt Antworten von Neville und Luna, die beide überrascht, aber froh waren, von ihm zu hören. Sie sagten ihm, wie Leid ihnen sein Verlust seines Paten tat. Sie fragten auch Beide, ob die DA nächstes Jahr weitergehen würde. Luna hatte Harry in ihrer merkwürdigen Art erklärt, dass es war, als ob man Freunde hätte. Wie so oft hatte Harry keine Ahnung, wie er ihr antworten sollte.

Luna hatte auch von ihrer Expedition mit ihrem Vater erzählt, den Schrumpfhörnigen Schnarchkackler zu finden. Sie waren ihnen scheinbar schon hart auf den Fersen gewesen, aber die Tiere ließen sich nicht einfangen. Sie sagte, dass sie erwartete, einen bis zum Ende des Monats zu fangen. Harry fragte sich, was genau sie verfolgten, aber entschied, dass es wahrscheinlich das Beste war, es nicht zu wissen.

Neville schien enthusiastisch zu sein, einen neuen Zauberstab zu bekommen und hatte Harry gesagt, dass er wirklich nicht dafür zahlen müsse. Er fragte Harry, ob er wirklich glaubte, dass seine Magie mit einem Zauberstab, der zu ihm und nicht zu seinem Vater passte, besser werden würde. Er erzählte auch, dass seine Oma etwas aufgebracht darüber gewesen war, dass er sich selbst in Gefahr gebracht hatte, aber auch stolz auf ihn war, für das, was er getan hatte. Harry war froh zu sehen, dass sein Freund endlich positive Bestärkung bekam; vielleicht würde dadurch sein Selbstvertrauen im kommenden Jahr wachsen.

Nachdem sein Pate es vorgeschlagen hatte, begann Harry morgens zu joggen und seinen Körper zu trainieren. Sirius hatte gemeint, dass die meisten Zauberer den physischen Aspekt eines Duells nicht beachteten. Ausweichen konnte effektiver sein als ein Schutzzauber, vor allem wenn man es mit den Unverzeihlichen zu tun hatte. Und es war wichtig, die Ausdauer zu haben, um Duelle mit mehreren Gegnern, die mehrere Stunden dauern, durchzustehen, vor allem, wenn man den Krieg, in dem er sich befand, in Betracht zog.

Sein Laufen und seine Trainingsroutine würden ihm helfen, seine Ausdauer und seine Geschwindigkeit aufzubauen. Seine Reflexe waren schon ziemlich gut, was er Quidditch und seiner Kindheit bei den Dursleys zuschrieb, in der er versuchte, zu vermeiden, geschlagen zu werden. Er beschloss, nicht nur daran zu arbeiten sondern auch ein paar Muskeln aufzubauen. Man wusste nie, wann man auf körperliche Gewalt statt auf magische zurückgreifen musste.

Als Sirius den Vorschlag gemacht hatte, hatte Harry keine andere Wahl gehabt als zuzustimmen. In der Mysteriumsabteilung war das Duell mit den Todessern so körperlich wie es auch magisch gewesen war. Die extra Schnelligkeit, Stärke und Ausdauer würden das nächste Mal sicherlich nützlich sein. Harry lächelte kläglich bei dem Gedanken. Er fragte sich nicht mehr, ob er mit einem anderen Todesser im Kampf zusammentreffen würde, sondern wann.

Harry dachte schon darüber nach, ob er physisches Training in die DA einplanen sollte. Er wusste, dass er bald mit seinen Freunden über die DA reden musste, vor allem mit Hermine. Sie war schließlich das Gehirn hinter der Operation. Er würde ihre Hilfe brauchen, um die Details herauszuarbeiten, was und wann er unterrichten sollte und um alles in einer Weise zu organisieren, die akzeptabel war, um sie Dumbledore zu präsentieren. Er konnte auch Hilfe mit dem magischen Vertrag gebrauchen.

Harry war in den letzten Tagen in eine Routine gefallen. Er wachte auf, aß schnell etwas und ging dann in der Nachbarschaft joggen. Er schätzte, dass er jeden Morgen gute vier Kilometer lief. Er machte dann ein paar Übungen unter Anderem: Liegestütze, Sit-ups, Klimmzüge und Seilspringen und er boxte mithilfe eines Sandsackes, den sein Cousin benutzt hatte, um fürs Boxen zu trainieren.

Er duschte dann und machte sich für den Tag bereit. Er aß früh zu Mittag und kehrte dann in sein Zimmer zurück, um zu Lernen. Nach ein paar Stunden begann er dann zauberstablose Magie zu üben. Schließlich machte er mit Apparieren, gefolgt von Animagusübungen, weiter. Danach aß er zu Abend und verbrachte den restlichen Abend mit Lernen und mit persönlichen Dingen, wie Briefe schreiben.

Seine morgendliche Trainingsroutine ließ Harry müde und mit Muskelkater zurück, aber er wusste, dass dies nur war, weil er das körperliche Training nicht gewohnt war. Es würde nur etwas dauern, bis er es konnte. Er fühlte sich das erste Mal in einer ziemlich langen Zeit wohl in seiner Haut. Es war erstaunlich, was eine Aufgabe zusammen mit einem Plan für Einen tun konnte. Es ist immer besser, beschäftigt zu bleiben, bevor man sich langweilt und anfängt zu grübeln. Harry ließ sich dazu keine freie Zeit, da selbst seine Träume mit dem Training mit Sirius gefüllt waren.

OoOoOoOoOoOoOoO

In dieser Nacht machte Harry, wie geplant seinen ersten Versuch einer vollständigen Verwandlung in seine Animagusgestalten. „Wird schon schiefgehen", meinte Harry mit einem Grinsen.

„Mach einfach das, was du bei den Teilverwandlungen gemacht hast. Aber konzentriere dich dieses Mal auf das ganze Tier, nicht nur auf einen Teil. Du schaffst das schon", gab Sirius praktische Ratschläge.

Harry schloss seine Augen, als er sich konzentrierte. Er stellte sich den Panther in Gedanken vor und fing an, seine Magie in sich aufzubauen. Er ließ sie durch seinen ganzen Körper fließen, bis er sie von seinen Zehen bis ganz zu seinen Fingern und seinem Kopf fühlen konnte. Dann konzentrierte er seine Magie auf die Pantherverwandlung und stellte sich den Panther in seinem Kopf vor. Sobald er bereit war, wollte er, dass seine Magie es geschehen ließ.

Er konnte fühlen, wie er sich verwandelte. Er sank hinunter auf seine vier Pfoten und peitschte seinen Schwanz von einer Seite zur anderen. Als er seine Augen öffnete, war er näher am Boden als bevor er sie geschlossen hatte. Er konnte seinen Paten stolz lächeln sehen und wusste, dass er sich perfekt verwandelt hatte. Er sprang im gesamten Raum umher und sprang schließlich überraschend seinen Paten an und drückte ihn mit seinem Körper zu Boden. Harry rollte sich von ihm weg und erschien dann wieder in seiner menschlichen Gestalt.

„Dafür krieg ich dich noch", drohte Sirius, als er sich den Rücken rieb. „Musstest du so grob sein? Ich bin nicht mehr so jung wie ich mal war, weißt du?"

„'Tschuldige", sagte Harry mit einem schiefen Grinsen. „Ich konnte nicht anders."

„Nun, wenn du für den Moment fertig bist, mich anzugreifen, willst du vielleicht der Eule einen Versuch geben.", meinte Sirius und rieb sich noch immer den Rücken.

„Was immer du sagst; alter Mann", erwiderte Harry neckend. Er schloss seine Augen und wiederholte den Vorgang, seine Magie aufzubauen. Dieses Mal veränderte er sie für seine Eulengestalt leicht und stellte sich die Eule dann vor. Er wollte, dass seine Magie die Verwandlung ausführte. Als er seine Augen öffnete, fühlte er sich geschrumpft. Er war sogar noch näher am Boden als zuvor. Er streckte seine Flügel und schlug probeweise mit ihnen. Er hob ein paar Zentimeter vom Boden ab, bevor er wieder hinuntersank.

Er begann vorsichtig mit seinen Flügeln zu schlagen und er erhob sich in die Lüfte. Er flog im Zimmer umher, erst langsam, um sich daran zu gewöhnen, bevor er - von seiner neugefundenen Freiheit begeistert - durch den Raum flog. Er konnte fliegen! Er stürzte sich auf seinen Paten, der sich duckte. Er drehte in der Luft und flog - diesmal langsam - zu Sirius und landete auf dessen Schulter. Sein Pate streichelte einige Male über seine Federn an seinem Nacken, bevor Harry wieder losflog. Er landete dieses Mal auf dem Boden und einen Moment später stand der menschliche Harry wieder da, ein riesiges Lächeln im Gesicht.

„Das war unglaublich!", rief Harry aus.

Sirius zog nur eine Augenbraue hoch und ließ seinen Patensohn weiterreden.

„Ich habe fliegen schon immer geliebt, aber das ist so anders als auf einem Besen zu fliegen. Das bin nur ich in der Luft, frei. Ich kann es nicht erwarten, am Himmel zu fliegen, frei wie ein Vogel", sagte Harry sehnsüchtig.

Sirius lächelte über Harrys Aufregung. „Das ist tatsächlich eine gute Idee. Du solltest jeden Tag etwas Zeit in deinen Animagusgestalten verbringen, um dich daran zu gewöhnen, als Tier andere Muskeln zu verwenden. Das einzige Problem wird sein, einen Ort zu finden, wo du das unauffällig tun kannst."

„Nun, ich werde in Little Whinging keinen geeigneten Platz finden. Ich müsste zu einem Ort wie den Verbotenen Wald oder vielleicht sogar den Wald beim Fuchsbau gehen", dachte Harry laut nach und grinste breit.

Sirius seufzte in dem Wissen, dass Harry Recht hatte. Er würde Langstreckenapparieren müssen, um einen geeigneten Platz zu finden. „Du hast Recht. Ich wünschte nur, dass es jemanden geben würde, der ein Auge auf dich haben könnte, nur für den Fall der Fälle."

„Du machst dir zu viele Sorgen, Sirius", erwiderte Harry. „Es wird schon klappen. Ich hatte überhaupt keine Probleme mit dem Apparieren und ich kann ohne Schwierigkeiten überall in Little Whinging apparieren. Du musst dir keine Sorgen machen."

Sirius seufzte wieder. „Es ist nicht so, dass ich deine Fähigkeiten bezweifle, Harry, aber das ist das erste Mal, dass du so etwas versuchst. Es kann so schnell schiefgehen."

„Ich werde besonders vorsichtig sein. Ich verspreche es", erwiderte Harry.

„Na gut", fügte sich Sirius schließlich.

Harry konnte den Mann, der das Nächste war, was er als einen Vater kennengelernt hatte, nur angrinsen.

OoOoOoOoOoOoOoO

Harry begann am nächsten Tag wie immer mit seiner Routine. Er joggte am Morgen und trainierte danach. Es war nach dem Mittagessen, dass sein Ablauf sich veränderte. Sobald er sein Sandwich fertiggegessen hatte, bereitete sich Harry darauf vor, nach außerhalb von Hogsmeade zu apparieren. Von dort würde er in den Verbotenen Wald gehen, um sich in den Panther zu verwandeln. Danach würde er in seiner Eulengestalt fliegen, bevor er für den Rest des Tages in den Ligusterweg zurückkehren würde.

Harry verabschiedete sich von seiner Eule und sagte ihr, wo er sein würde und dass er später am Nachmittag wieder zurück sei. Manche Menschen würden vielleicht denken, dass es merkwürdig sei, einer Eule so viel zu erzählen, aber sie hatte immer die unheimliche Fähigkeit gehabt, zu wissen, was los war und zu verstehen, was er sagte. Sie war eine wirklich intelligente Eule.

Er apparierte einen Moment später nach Hogsmeade in die Nähe des Verbotenen Waldes. Er beeilte sich, in den Wald zu gehen und verwandelte sich das erste Mal in der realen Welt. Bald schlich ein Panther durch den Wald und bewegte sich durch das Dickicht auf dem Waldboden und bahnte sich einen Weg um die Bäume, die ihm im Weg waren. Er bewegte sich geschickt über den von Bäumen bewucherten Boden. Die Bäume standen nicht dicht genug, um seine Bewegungen wirklich zu behindern, und so war er in der Lage, sich recht frei zu bewegen.

Nach einer Weile wurde er langsamer und pirschte durch den Wald. Seine Bewegungen waren lautlos und er blieb in den Schatten, um so unsichtbar wie möglich zu sein. Er blieb nahe am Boden, um nicht von anderen Tieren in dem Gebiet entdeckt zu werden. Er entschied, seine Jagdfähigkeiten als Panther zu üben und versuchte die Fährte eines Tieres, das in der Nähe war, zu finden. Er dachte, dass er schließlich eine gefunden hatte und folgte ihr so gut er konnte. Nach einigen Minuten entdeckte er ein Kaninchen. Er schlich sich langsam an das Geschöpf an und bereitete sich auf den Sprung vor. Gerade als er springen wollte, bemerkte das Kaninchen ihn und rannte so schnell wie der Blitz los.

Immer für eine Herausforderung bereit verfolgte Harry schnell das kleinere Tier. Seine längeren Beine ließen ihn das Tier schnell einholen, aber das Kaninchen war viel schneller im Richtung wechseln, was es schwer machte, die kleine Kreatur zu fangen. Schnell genug hatte Harry das arme Kaninchen in die Ecke gedrängt. Angst war deutlich in seinen Augen erkennbar, in dem Bewusstsein, dass es keine Möglichkeit hatte, der großen Katze zu entkommen. Statt ihm einen tödlichen Schlag zu versetzen, stieß Harry das Kaninchen nur mit seiner Pfote an und rannte davon, als ob sie nur Fangen spielten.

Harry wusste, dass die Zeit kommen könnte, in der er sich sein eigenes Essen fangen müssen würde und gezwungen sein würde, in dieser Situation ein Tier zu töten. Sirius war Beweis genug, dass dies passieren konnte. Aber er hatte keine Absicht, ohne Grund zu töten. Er würde niemals ein Tier töten, nur weil er es konnte oder aus Sport. Das war sinnlos.

Harry rannte noch ein wenig länger herum und genoss die Bewegung in seiner Panthergestalt. Nach einiger Zeit konnte er Hagrids Hütte am Rande des Waldes und das Hogwartsschloss in der Ferne sehen. Er beschloss, umzukehren und tiefer in den Wald zu gehen. Es wäre auffällig, wenn ein Panther von Hagrid oder von jemand anderem aus der Schule gesehen werden würde.

Nach einiger Zeit, in der er durch den Wald gerannt war, beschloss Harry, dass es Zeit war, seine andere Gestalt auszuprobieren. Er verwandelte sich in seine menschliche Gestalt zurück, bevor er sich in eine Eule verwandelte. Er flatterte auf einen Ast hoch über den Boden. Nach einem Augenblick flog er los, hoch über die Baumspitzen. Er tauchte in den freien Himmel ein und ließ die Sonne auf sich scheinen. Er schlug mit seinen Flügeln, um höher in die Lüfte zu steigen, bevor er geradeaus flog und auf den Luftströmungen schwebte.

Er konnte nun für den größten Teil schweben und ließ die Luftströmungen ihn mittragen, nur unterbrochen von einem gelegentlichen Flügelschlagen, um seine Position zu korrigieren. Er hatte herausgefunden, dass er seine Bewegungen ein wenig kontrollieren konnte, wenn er seine Flügelfedern etwas bewegte. Es war seltsam, und er würde etwas Zeit brauchen, um sich daran zu gewöhnen, aber es machte unglaublich viel Spaß, damit zu experimentieren. Er fing an, sich hinunterzustürzen und wieder hochzufliegen. Er genoss die vollständige Bewegungsfreiheit. Er konnte so überall hinkommen.

Harry konnte in der Entfernung Hogsmeade sehen und beschloss, der Stadt in seiner derzeitigen Gestalt einen kleinen Besuch abzustatten. Er flog in der Stadt eine Weile herum, schaute in Fenster hinein und beobachtete die wenigen Leute, die unterwegs waren. Er konnte Madame Rosmerta sehen, die im „Drei Besen" für einige Gäste hinter der Bar stand. Die Stadt schien gespenstisch still und tot zu sein. Harry nahm an, dass das so war, weil er bisher nur während Hogsmeadewochenenden in Hogwarts in der Stadt gewesen war, zusammen mit hunderten anderer Schüler. Die Stadt schien ohne sie einfach nicht dasselbe zu sein.

Er flog wieder hoch und ließ die Stadt hinter sich. 'Das ist leben', dachte Harry. Er konnte hinausgehen und einfach nur Spaß haben und hatte die Freiheit, zu tun, was er wollte. Sein ganzes Leben hatte er sich wie ein Gefangener, eingesperrt gefühlt. Er hatte nie etwas in seinem Leben entscheiden können. Er hatte zehn Jahre seines Lebens bei den Dursleys festgesteckt und war trotz vieler Proteste jeden Sommer zurückgeschickt worden. Sie hatten ihn immer so gut sie konnten eingesperrt. In Hogwarts hatten die Lehrer versucht, die Schüler zusammenzuhalten, um sie beschützen und um ein Auge auf sie haben zu können. Hier draußen ließ Harry das alles hinter sich zurück. Das war Freiheit: keine Käfige mehr, um ihn darin zu behalten, nur die Luft unter seinen Flügeln. Er hatte die Freiheit, am Himmel zu fliegen und zu tun, was er wollte. Er hatte sich noch nie so lebendig gefühlt.

Nach einer Weile war Harry der Meinung, dass er wieder zum Ligusterweg zurückkehren sollte. Er machte einen Sturzflug Richtung Boden, aber stoppte rechtzeitig, um sanft zu landen. Sobald er sicher am Boden war, verwandelte Harry sich in seine menschliche Gestalt und apparierte in sein Zimmer bei den Dursleys. „An den Teil meines Trainings könnte ich mich definitiv gewöhnen", sagte Harry zu Hedwig, als er ankam. „Genießt du das Fliegen auch so sehr, Hedwig?"

Seine Eule warf ihm einen befremdeten Blick zu und schuhute.

„Du hast wahrscheinlich keine Ahnung, wovon ich rede, oder? Du hast mich noch nicht vollständig verwandelt gesehen. Nun, du wirst einen kleinen Schock erleben, würde ich sagen." Damit verwandelte sich Harry in die schwarze Eule, um Hedwig als Eule Hallo zu sagen. Harry schuhute ein „Hallo Hedwig" zu seiner schneeweißen Eule.

„Bist du das, mein Mensch Harry?" Eine fremde und trotzdem bekannte Stimme füllte Harrys Bewusstsein.

„Was war das?", versuchte Harry laut zu sagen, aber es war nur ein Schuhuhen zu hören.

„Hedwig?"

„Du bist es, nicht wahr?", war die einzige Antwort.

„Können alle Eulen auf diese Weise reden?", fragte Harry.

„Alle magischen Eulen können miteinander kommunizieren", erklärte sie ihm.

„Das ist unglaublich. Ich habe mich immer gefragt, wie du mich so gut verstehen kannst. Dann finde ich heraus, dass du die Sprache kennst, aber du nicht auf dieselbe Weise sprechen kannst, wie Menschen es tun. Wie reden wir überhaupt miteinander?", fragte Harry.

„Gedankenreden. Magische Tiere können nicht mit ihren Mündern reden, deshalb reden wir mit Gedanken", war Hedwigs Antwort. „Wie kommt es, dass du einer von uns geworden bist, Mensch Harry?"

„Ich habe geübt, um ein Animagus zu werden," erklärte er. „so dass ich eine Tiergestalt annehmen kann. Ich kann eine Eule und ein Panther werden. Du hast gesagt, dass alle magischen Tiere auf diese Weise kommunizieren? Bedeutet das, dass ich mit allen magischen Tieren reden kann, so wie ich es gerade mit dir tue?", fragte Harry und stellte sich die daraus resultierenden Möglichkeiten vor.

„Ja und nein. Die meisten Tiere verstehen keine Sprache. Da Eulen so viel Zeit mit Menschen verbringen, eignen wir uns oft die menschliche Sprache an. Mit anderen Tieren kannst du kommunizieren, indem du Gefühle oder Bilder sendest. Du kannst einem Tier, das sich fürchtet und von dem du möchtest, dass es sich beruhigt, z.B. beruhigende Gefühle und Bilder senden, um zu zeigen, dass du ihm nicht wehtun möchtest. Phönixe sind die einzigen magischen Kreaturen, die ihre eigene Sprache haben. Wir können sie nicht verstehen", erklärte Hedwig pflichtbewusst.

Während Harry gerne in der Lage gewesen wäre, mit Fawkes zu reden, war diese neue Information immer noch unglaublich und eröffnete Harry viele Möglichkeiten. „Ich frage mich, ob ich Gedankenreden in meiner menschlichen Gestalt lernen könnte.", überlegte Harry.

„Ich weiß nicht, Mensch Harry. Ich habe noch nie von einem Menschen gehört, der mit uns reden konnte, auch nicht in tierischer Gestalt, ganz zu Schweigen in menschlicher Gestalt."

„Nun, es ist zumindest einen Versuch wert", entschied Harry. „Aber wie dem auch sei. Ich sollte wieder trainieren. Es war schön mit dir zu reden Hedwig."

„Ich fand es auch schön, mit dir sprechen zu können, Mensch Harry", antwortete Hedwig.

Harry verwandelte sich zurück in seine menschliche Gestalt und streichelte liebevoll über Hedwigs Federn. Sie schuhute als Antwort genussvoll. Harry wandte seine Aufmerksamkeit dann seinen Büchern zu.

OoOoOoOoOoOoOoO

„Kennst du irgendwelche Zaubersprüche, mit denen ich mein Aussehen verändern kann?", fragte Harry seinen Paten.

„Wieso fragst du?", fragte Sirius misstrauisch.

„Nun, jetzt wo ich Langstreckenapparieren kann, dachte ich, dass es für mich an der Zeit wäre, einen Ausflug in die Winkelgasse zu machen. Ich sollte wenigstens ein paar neue Bücher zum Lernen haben, sonst werde ich diesen Sommer nichts erreichen. Ich kann nicht nur meine alten Textbücher immer wieder lesen."

„Ok, ich verstehe deinen Standpunkt. Du kannst nicht viel tun, außer einfache Kosmetikzaubersprüche, die die meisten Hexen für ihr Make-up verwenden, zu benutzen. Sie funktionieren wie Muggel-Make-up, indem sie die Oberfläche verdecken, statt tatsächlich das Aussehen zu verändern. Es gibt Zauber, um die Haare zu färben und einige, die auch dein Haar zeitweise länger machen. Es gibt nicht viel mehr, was du tun kannst, um dein Aussehen zu verändern, weswegen Metamorphmagi wie Tonks so geschätzt sind."

„Nun, ich kann nicht im hellen Tageslicht herumlaufen und so aussehen wie sonst, ohne eine Menschenmenge anzuziehen", meinte Harry.

„Da stimme ich dir zu. Ich glaube, ich erinnere mich noch gut genug an die Haarzauber. Du solltest einen Hut oder so etwas tragen, um deine Narbe zu verdecken. Wenn wir deine Brille loswerden könnten, könnte das ausreichen, damit du unbemerkt herumlaufen kannst."

„Wenn du keinen Zauberspruch kennst, der auch meine Sicht korrigiert, werde ich die Brille behalten, vielen Dank", erwiderte Harry.

„Hast du schon mal von Kontaktlinsen gehört?", fragte Sirius.

„Natürlich. Muggel benutzen sie statt Brillen. Sie werden in die Augen ... oh. Was schlägst du vor, wie ich welche kriegen kann? Ich kenne keine Muggel-Augenärzte in der Gegend."

„Es gibt einen Ort in der Winkelgasse, zu dem du hingehen kannst. Wenn du früh genug gehst, solltest du deine Kontaktlinsen bekommen, bevor die Straßen zu voll werden."

„Ok. Was war jetzt mit den Haarzaubern?"

OoOoOoOoOoOoOoO

Harry wachte am nächsten morgen bei Sonnenaufgang auf. Er wollte seine Routine nicht durcheinander bringen und ging daher wie üblich joggen und trainierte an diesem Morgen besonders früh. Nachdem er fertig war, duschte er und zog sich an. Er zauberte sein Haar etwa auf Schulterlänge und färbte es dunkelblond. Dann verwandelte er ein Taschentuch in ein Bandana, das er um seinen Kopf band, um seine Narbe zu verdecken.

Harry schaute sich im Spiegel genau an. Sein Gesicht war dassselbe, aber es sah so anders aus mit den veränderten Haaren. Das einzige verräterische Zeichen, dass er noch immer Harry Potter war, war seine Drahtgestellbrille und die grünen Augen dahinter.

Mit seinem Aussehen zufrieden apparierte er in die Winkelgasse, gerade außerhalb des Tropfenden Kessels. Sein erster Halt würde Gringotts, die Zaubererbank, sein, da er nur noch wenige Galleonen bei sich hatte. Er ging schnell durch die Straßen und zu dem großen weißen Gebäude. Wie gewöhnlich stand eine Kobold-Wache vor den Türen. Harry nickte dem Kobold höflich zu, als er das Gebäude betrat. Es gab mehrere freie Kobold-Kassierer und Harry entschied sich daher für den, der am Nächsten war und ging zu ihm. „Das Potterverlies bitte", verlangte Harry und reichte ihm auch schon seinen Schlüssel.

„Das ist nicht der Schlüssel für das Potterverlies", sagte der Kobold in einer Stimme, die deutlich zeigte, dass er nicht zu Späßen aufgelegt war und auch keine Zeit zu verschwenden hatte.

„Was meinen Sie?", fragte Harry ungläubig. „Ich habe ihn bereits dazu benutzt, um in mein Verlies zu kommen. Griphook hat mich hingebracht."

Der Kobold schaute abrupt hoch, aber sein Gesichtsausdruck war undurchdringlich: „Das ist der Schlüssel für das Treuhandverlies von Harry James Potter. Es ist nicht der Schlüssel für das Potterfamilienverlies, das Sie verlangt haben."

Harry war perplex. „Potterfamilienverlies? Ich dachte, mein Verlies wäre das Verlies meiner Eltern. Können Sie mir sagen, wer das Potterverlies im Moment kontrolliert?", fragte Harry und fragte sich, ob es möglich war, dass er noch immer Familie hatte.

„Das Potterfamilienverlies wird derzeit von Albus Dumbledore kontrolliert, bis Harry Potter, der einzige verbliebene Pottererbe, volljährig wird", erklärte der Kobold.

„Sie sagen also, dass ich keinen Zugang zu dem Verlies habe, bis ich siebzehn werde?", fragte Harry, um sicherzugehen, dass er alles richtig verstanden hatte.

„Ich sagte, dass Sie keinen Zugang zum Verlies haben, bis Sie volljährig sind. Ihr Zauberer mögt siebtzehn als das Alter für eure Volljährigkeit festgelegt haben, aber wir Kobolds sind es mit fünfzehn. Nachdem der Erbe fünfzehn wird, muss der Vollstrecker seine Kontrolle über das Konto an den Erben abgeben."

„Aber ich bin letzten Sommer fünfzehn geworden und ich habe nie die Kontrolle über das Familienverlies bekommen", erwiderte Harry entrüstet.

„Haben Sie Mr. Dumbledore darum gebeten, Ihnen die Kontrolle zu übergeben?", fragte der Kobold ungeduldig.

„Ich wusste bis jetzt nicht einmal, dass das Verlies existiert. Wie hätte ich also wissen können, dass ich um die Kontrolle bitten muss?", fragte Harry verärgert.

„Wenn Sie möchten, könnte ich eine offizielle Benachrichtigung an Mr. Dumbledore schicken lassen und ihm bis zum Ende des Monats Zeit lassen, Ihnen die Kontrolle zu übergeben, bevor sie ihm weggenommen wird", bot der Kobold an.

„Das wäre wunderbar. Vielen Dank für Ihre Hilfe", erwiderte Harry höflich. Das würde Dumbledore etwa zwei Wochen Zeit geben, Harry die Kontrolle über das Familienverlies zu übergeben. „Könnte ich währenddessen zu meinem Verlies gehen?", fragte Harry den Kobold.

„Sicher", erwiderte der Kobold. „Griphook! Bring Mr. Potter bitte zu seinem Verlies."

Der ihm bekannte Kobold winkte Harry zu sich und führte ihn zu einem der Karren, der sie hinunter zu den Verliesen bringen würde.

„Es ist schön, Sie wiederzusehen, Griphook", sagte Harry höflich.

„Entschuldigen Sie?", fragte Griphook überrascht.

„Oh, Sie erinnern sich wahrscheinlich nicht mehr an mich. Sie haben mich vor fünf Jahren, als ich das erste Mal hier war, zu meinem Verlies begleitet. Ich war mit meinem Freund Hagrid hier", erklärte Harry.

„Ich erinnere mich genau", erwiderte der Kobold. „Sie waren an diesem Tag mit dem Halbriesen hier. Ich war nur überrascht, dass Sie sich an mich erinnern. Die meisten Menschen achten nicht auf uns Kobolds. Wir sind für sie alle gleich."

„Oh. Nun, ich weiß, das viele Zauberer magische Wesen behandeln, als wären sie ihnen nicht gleichgestellt, aber das hab ich nie geglaubt. Ich habe Freunde, die Hauselfen, Werwölfe, Halbriesen und Halbveela sind. Einer meiner besten Freunde hat eine Organisation für Elfenrechte gegründet", erläuterte Harry.

„Nun, Mr. Potter. Sie sind wirklich einzigartig in Ihrer Spezies", meinte der Kobold.

„Bitte sagen Sie einfach Harry."

„Nun gut, Harry", sagte Griphook. „Ich hoffe, du denkst nicht, ich sei anmaßend, aber warum hast du dein Haar gefärbt? Das letzte Mal, als wir uns gesehen haben, war es schwarz."

„Ich möchte nicht, dass mich jemand erkennt, wenn ich heute in der Winkelgasse bin. Es würde nicht nur jeder Todesser, der mich sieht, versuchen, mich zu fangen oder zu töten, sondern Dumbledore und seine Anhänger würden auch versuchen, mich zu fangen. Es ist also das Beste, wenn niemand weiß, wer ich wirklich bin", erklärte Harry.

Die Karre hielt plötzlich an. „Wir sind angekommen. Schlüssel?" Griphook hielt ihm seine leere Hand hin.

Harry gab ihm den Schlüssel und nahm die Laterne, als er die Karre nach dem Kobold verließ. Griphook öffnete die Tür zum Verlies und Harry trat ein. Er begann seinen Geldbeutel zu füllen und dieser war schnell bis zum Rand mit Galleonen gefüllt.

„Wenn ich vielleicht einen Vorschlag machen dürfte, Harry?", fragte Griphook.

„Natürlich", erwiderte Harry.

„Du scheinst heute eine recht große Menge Gold mitnehmen zu wollen. Wäre es nicht einfacher, einen unserer bodenlosen Beutel zu benutzen?", fragte Griphook.

Harry schaute Griphook für einen Moment fragend an, bevor er ihm die offensichtliche Frage stellte: „Was genau ist ein bodenloser Beutel?"

Griphook schien überrascht zu sein, dass Harry noch nie von einem gehört hatte. „Es ist ein Beutel, der direkt mit deinem Verlies verbunden ist. Du sagst nur den Geldbetrag, den du brauchst, und er wird automatisch von deinem Konto in den Beutel transferiert."

„Brillant!", rief Harry aus. „Wie kann ich einen bekommen?"

„Wenn du mir einfach zurück zum Karren und wieder hoch zur Oberfläche folgst, kann ich alles für dich arrangieren. Es wird eine einmalige Gebühr von 35 Galleonen erhoben, um dich mit dem Beutel auszurüsten und danach weitere 15 Galleonen pro Monat. Für weitere 5 Galleonen können wir weitere Personen für den Beutel autorisieren. Nur jemand, der autorisiert ist, ist in der Lage durch den Beutel Geld von deinem Konto abzuheben. Auf diese Weise ist niemand, außer dir selbst oder jemand, den du dazu berechtigst, in der Lage, Geld von deinem Konto abzuheben. Du musst dir also keine Sorgen machen, solltest du den Beutel verlieren", erläuterte Griphook.

„Toll", sagte Harry, als er seinen Beutel ausleerte und 35 Galleonen abzählte. Er wandte sich wieder zu Griphook und sagte: „Nach Ihnen."

Zwanzig Minuten später überreichte Griphook Harry den Beutel, der jetzt direkt mit seinem Konto verlinkt war und ihm erlaubte jeden Betrag zu jedem Zeitpunkt seiner Wahl abzuheben. Bevor er ging fragte Harry: „Haben Sie Aufzeichnungen, wieviel Geld ich auf meinem Konto habe? Ich möchte nicht mein ganzes Geld ausgeben, ohne es zu merken."

„Natürlich Mr. Pot... Ich meine Harry. Lass mich nur kurz die letzte Abrechnung finden", antwortete Griphook und wühlte sich durch einige Akten. „Ah, hier ist es. Auf deinem persönlichen Konto hast du einen Betrag, der 51.213 Galleonen 7 Sickeln und 3 Knuts beträgt. Natürlich ist nicht dein gesamtes Vermögen in dieser Form vorhanden, aber das ist der Gesamtbetrag, der dir zur Verfügung steht."

„Wow", stotterte Harry. „Danke Griphook. Sie waren eine große Hilfe."

„Gern geschehen, Harry", antwortete der Kobold förmlich. „Es war ein Vergnügen, mit dir Geschäfte zu machen."

„Ebenfalls", erwiderte Harry, bevor er aus dem Flur den Gang entlang zur Haupthalle der Bank ging. Er verließ die Bank und ging sofort in Richtung des Geschäftes für Roben aus zweiter Hand. Sirius hatte Harry erklärt, dass das Brillengeschäft gleich gegenüber davon war.

Als er das Geschäft betrat, begrüßte ihn hinter dem Empfangstisch fröhlich eine Hexe mittleren Alters. „Kann ich dir helfen junger Mann?"

„Ja", antwortete Harry. „Ich suche nach Kontaktlinsen, um meine Brille zu ersetzen." Harry nahm dabei seine Brille in die Hand.

„Ah, da kann ich helfen. Kann ich deine Brille bitte für einen Moment haben?", fragte die Hexe höflich. Harry gab der Frau seine Brille. „Oho. Deine Augen sind umwerfend. Du solltest sie wirklich nicht hinter einer Brille verstecken. Normalerweise würde ich auch Linsen anbieten, um die Augenfarbe zu verändern, aber mit diesen erstaunlichen Augen willst du sicherlich die farblose Variante. Es dauert nur einen Moment. Hier nimm", sie gab Harry seine Brille zurück und verschwand in einem Hinterzimmer.

Harry setzte seine Brille wieder auf. Er hatte wegen der Bemerkung der Frau glühendrote Wangen. Seit seinem dritten Schuljahr war er auf seine grünen Augen besonders stolz, da sie den einzigen physischen Teil bildeten, den die Leute mit seiner Mutter in Verbindung brachten.

Er schaute sich in dem Geschäft um und entdeckte mehrere Regale voller Brillen. Manche sahen normal aus, andere hatten verschiedene Drehscheiben so wie das Omniglas, das er bei der Quidditchweltmeisterschaft verwendet hatte. Es gab auch ein Regal mit magischen Augen, die so ähnlich wie das von Moody aussahen.

Nach einigen Minuten kam die Hexe wieder: „Also gut. Ich habe hier ein gutes Paar farbloser Kontaktlinsen, die ich an deine Brillenstärke angepasst habe und ich habe hier auch ein Paar Linsen, die sich automatisch an deine Bedürfnisse anpassen. Möchtest du sie ausprobieren?"

„Ja bitte", antwortete Harry und hielt seine Hand aus. Sie gab ihm beide Schachteln und erklärte ihm, welche welche war. Er probierte die aus, die an seine Brille angepasst waren und wie erwartet sah er wie sonst auch. Er nahm die Linsen vorsichtig heraus und probierte das andere Paar.

Der Unterschied zwischen den beiden Paaren überraschte Harry, obwohl es das nicht wirklich hätte sollen. Die Dursleys waren - seit die Schule sie gezwungen hatten, eine Brille für Harry zu kaufen, als diese angefangen hatte - nicht mehr mit ihm beim Augenarzt gewesen. Seine Sehstärke hatte sich seitdem wahrscheinlich verändert, aber die Dursleys hatten sich nicht die Mühe gemacht, Harry zur Kontrolle zu bringen. Er konnte mit diesen Kontaktlinsen viel deutlicher sehen als jemals zuvor.

Harry beschloss schnell, die automatisch anpassenden farblosen Linsen zu nehmen. Aber er hatte überlegt, dass eine andere Augenfarbe ihm helfen könnte, sich zu tarnen und so entschied er, auch ein Paar braungefärbte Linsen zu nehmen. Die Frau fügte sich nach einem minimalen Protest, dass er seine natürliche Augenfarbe versteckte und lief ins Hinterzimmer, um das Extra Paar Kontaktlinsen zu holen.

Als sie wieder auftauchte, gab Harry ihr das farblose Paar, das er nicht kaufte. Sie tippte die beiden Paare, die er wollte, in die Kasse ein und sagte: „Die farblosen Kontaktlinsen sind 45 Galleonen und die braunen 50 Galleonen, was dann zusammen 95 Galleonen macht."

„95 Galleonen", wiederholte Harry, während er seinen Geldbeutel in der Hand hielt. Er griff hinein und legte die 95 Goldmünzen, die erschienen waren, auf die Ladentheke. Harry nahm seine Brille ab und setzte seine neuen braunen Kontaktlinsen ein. „Danke für Ihre Hilfe", sagte Harry mit einem Grinsen zu der Verkäuferin.

„Jederzeit", erwiderte die Frau, während die Tür hinter Harry zufiel.

Harry überprüfte sein Aussehen im Schaufenster des Geschäftes. Er freute sich, dass er sich kaum selbst wiedererkannte und war zuversichtlich, dass niemand herausfinden würde, wer wirklich hinter dieser Verkleidung steckte. Sein erster Stopp war das Geschäft für magisches Gepäck. Bevor er alles andere kaufte, brauchte er Platz, um alles hineinzutun. Sein derzeitiger Koffer war groß und sperrig und bis zum Äußersten gefüllt. Harry hatte sich an Moodys Koffer mit dessen sieben Abteilen erinnert und beschlossen, dass er so etwas Ähnliches auch haben wollte.

Harry betrat das Geschäft und schaute sich die ausgestellten Koffer an. Es gab nur ein paar Koffer und diese waren ziemlich einfach. Es gab einen Koffer mit einem Abteil, aber dem doppelten Platz eines normalen Koffers, einen mit vierfach so viel Platz und ein paar Koffer mit drei Abteilen, die jeweils noch einige Extras hatten. Es war nicht das, was Harry erhofft hatte.

Er ging zu dem Mann hinter der Ladentheke: „Entschuldigen Sie Sir."

„Ja, mit was kann ich dir helfen Junge?", fragte der Mann verdrießlich.

Harry mochte es nicht, Junge genannt zu werden, vor allem nicht in der Tonlage, die der Mann benutzte. Es erinnerte ihn zu sehr an seinen Onkel Vernon, aber er versuchte, es sich nicht anmerken zu lassen. „Ich habe mich gefragt, ob das die einzigen Koffer sind, die sie auf Lager haben oder ob sie noch eine größere Auswahl haben", antwortete Harry und behielt seinen höflichen Tonfall bei.

„'türlich haben wir mehr. Wir haben nur die Koffer mit der Grundausrüstung hier vorne. Der Rest ist hinten. Was stellst du dir vor?"

„Ich weiß nicht, was erhältlich ist. Was ist das Beste, das Sie haben?"

Der Mann beäugte Harry für einen Augenblick misstrauisch, bevor er schließlich „Folge mir", befahl. Er führte Harry durch eine Tür nach hinten, wo sich ein Warenlager befand, das weit größer war als das Gebäude, in dem es sich befand. Sie erreichten schnell den Teil, wo die ganzen magischen Koffer waren. Der Mann führte Harry zu einem bestimmten Koffer.

„Das ist der Beste, den es gibt. Er hat sieben Abteile. Die ersten drei Abteile haben sechsmal so viel Lagerkapazität wie ein normaler Koffer. Das vierte Abteil hat auch sechsmal so viel Lagerkapazität, hat aber Regale. Sie werden normalerweise als Bücherregale verwendet. Die übrigen drei Abteile sind Zimmer. Zwei der Zimmer sind 5 Meter lang, 4 Meter breit und 3 Meter hoch. Das letzte Zimmer hat 8 Quadratmeter und ist auch 3 Meter hoch", erklärte der Mann in einem arroganten Tonfall.

Harry nickte anerkennend. „Das würde reichen", murmelte er und fragte dann

lauter: „Wieviel kostet er?"

Der Mann grinste breit. 'Und jetzt ist das Spiel vorbei', dachte er sich. „Mehr als ein Kind wie du dir leisten kannst", höhnte er und deutete mit seiner Hand auf Harry. „Also, warum hörst du nicht auf, meine Zeit zu verschwenden und kaufst entweder etwas oder gehst in ein anderes Geschäft."

Harry ließ seine höfliche Maske fallen und stellte sich aufrecht und gerade hin als er antwortete: „Jetzt hören Sie mal genau zu, Sir. Ich weiß nicht, was für eine Art Laden Sie hier führen, aber da, wo ich herkomme, ist es üblich, dass man versucht, die Ware zu verkaufen, anstatt die Kunden zu verjagen. Sie können mir jetzt entweder den Preis nennen und sich entschuldigen oder ich kann gehen und mir einen anderen Laden suchen, um meine Geschäfte abzuwickeln. Ihre Entscheidung."

Der Mann sah für einen Moment unsicher aus, ob er weitermachen sollte, bevor er dann doch einen entschuldigenden Gesichtsausdruck aufsetzte. „Es tut mir furchtbar Leid, Sir. Ich weiß nicht, was in mich gefahren ist. Der Basiskoffer kostet 1000 Galleonen. Normalerweise würde es weitere 10 Galleonen kosten, Sie einzubinden, aber ich erlasse Ihnen die Kosten. Ich kann Sie als den Meister einbinden und Sie können dann andere so wie Sie es möchten hinzufügen oder entfernen. Nur jemand, der eingebunden wurde, kann den Koffer öffnen, aber wenn Sie möchten, können Sie Menschen mit in den Koffer nehmen, ohne sie tatsächlich einzubinden."

„Sie sagten, das wäre nur für den Basiskoffer", meinte Harry. „Was kann man sonst noch hinzufügen?"

Die Haltung des Mannes schrie förmlich gezwungene Höflichkeit aus. Er bezweifelte offensichtlich noch immer, dass Harry solch einen Kauf tätigen würde, aber man musste ihm anrechnen, dass der Mann Harrys Frage ohne weiteres beantwortete: „Die Zimmer des Basiskoffers sind vollständig leer. Viele Leute möchten ihre Zimmer möbliert haben. Wir haben einige verschiedene Stilrichtungen aus denen Sie wählen können. Es gibt auch einige zusätzliche Funktionen, die hinzugefügt werden können."

„Ja, ich möchte den Koffer auf jedenfall möbliert haben. Kann ich einen der möblierten Koffer begutachten?", fragte Harry den Verkäufer.

„Natürlich", erwiderte der Mann geschäftsmäßig. „Folgen Sie mir einfach." Harry tat dies und der Mann führte ihn zu einem der Koffer ein paar Meter entfernt.

Der Koffer bestand aus einem dunklen, rötlichen Holz und hatte sieben Kreise gleichmäßig auf seiner Vorderseite verteilt. Der Mann berührte mit seinem rechten Zeigefinger den letzten Kreis. Einen Moment später sagte er: "Öffne."

Der Kofferdeckel sprang auf und der Mann kletterte hinein. Harry folgte ihm und betrat das große Zimmer des Koffers. Er bemerkte, dass die Wände aus dem gleichen dunklen rötlichen Holz bestand, wie das Äußere des Koffers und bis auf die Fackeln, die aufgehängt waren, um Licht zu spenden, kahl waren. Nicht weit vor ihm standen eine gemütlich aussehende Couch und ein Paar Sessel. Es gab einen Tisch aus Holz, der vor den Möbeln stand und einen kleinen Kamin aus Ziegeln, der in der Wand eingefasst war. Es befanden sich außerdem zwei Bücherregale an den Wänden des Raumes.

Die Küche war in einer Ecke des Zimmers. Ein kleiner Tisch mit vier Stühlen stand dort. Sie hatte einen Herd, Backofen, Kühlschrank, Spülbecken mit einem Abtropfgestell daneben und viele verschiedene Schränkchen, deren Inspektion ergab, dass sie einige Gedecke, Teller, Töpfe, Pfannen und Besteck beinhalteten. Während Harry sich umschaute, erklärte ihm der Verkäufer die verschiedenen Dinge, die in dem Paket beinhaltet waren.

Der Kamin beispielsweise hatte einen Zauber auf sich, um den Rauch, der von ihm aufstieg, verschwinden zu lassen. Die Holzwände waren dankenswerterweise feuersicher. Was Harry als den Kühlschrank ansah, würde alles, was Harry hineinstellte, so lange er wollte frisch halten. Der Herd konnte einfach mit einem Tippen mit seinem Zauberstab angemacht werden. Er wurde ermuntert, die Möbel auszuprobieren, um zu sehen, wie gemütlich sie waren. Und Harry musste zugeben, dass sie es waren.

Der Rundgang ging in einem der kleineren Zimmer weiter, welches in ein Schlafzimmer verwandelt worden war. Die Wände waren wieder mit der Ausnahme von einigen Fackeln kahl. Das Doppelbett dagegen war dunkelblau mit einer dazu passenden goldenen Bordüre. Es gab einen Schreibtisch in dem Zimmer und auch eine Kommode. Ein Kleiderschrank war in die hintere Wand eingearbeitet.

Der dritte Raum war so ähnlich wie das Schlafzimmer, welches er gerade verlassen hatte, eingerichtet. Es hatte dieselben Möbel, die nur etwas anders im Stil und in der Farbe waren. Harry hörte zu, als der Verkäufer erklärte, das es auch Koffer gab, bei denen der letzte Raum als Arbeitszimmer, statt als zweites Schlafzimmer eingerichtet war. Harry ließ sich das etwas durch den Kopf gehen.

Er bezweifelte stark, dass er jemals Besuch haben würde, der die Nacht in seinem Koffer verbringen würde. Ein zweites Schlafzimmer schien daher nicht wirklich notwendig zu sein. Andererseits brauchte er auch nicht wirklich ein Arbeitszimmer. Es würden ihm mehr Bücherregale zur Verfügung stehen, doch Harry bezweifelte, dass er die beiden im Wohnzimmer in der nahen Zukunft füllen würde. Es war also kaum ein Kriterium. Und er hatte sowieso einen Schreibtisch in jedem seiner Schlafzimmer.

Schließlich bat Harry darum, dass Modell zu sehen, bei dem der dritte Raum zu einem Arbeitszimmer umfunktioniert war. Er konnte sich einfach nicht entscheiden welches er nehmen sollte. Während sie das zweite Modell begutachteten, meinte Harry: „Wissen sie, das einzige, dass in diesen Koffern fehlt, ist ein Badezimmer. Wenn sie das hinzufügen, könnte man hier drin vollends leben." Das brachte ihm ein breites Grinsen von dem Verkäufer ein, der Harry darüber informierte, dass es ein neues Modell gab, das ein Badezimmer beinhaltete.

Also begutachteten die Beiden das Modell und Harry wurde das Badezimmer gezeigt. Es war klein, kein Zweifel. Aber es hatte eine Toilette, ein Waschbecken und eine Dusche. Mit anderen Worten: Es hatte alles, was es benötigte.

Der Mann fragte Harry, ob er zufrieden sei oder ob er sich noch etwas mehr umschauen wolle. Harry sagte, dass er bereit war, zu gehen. Der Mann nahm daraufhin wieder seine Hand und mit einem geflüsterten „Exit Koffer" waren sie wieder im Lagerhaus.

Der Mann drehte sich wieder zu Harry um und fragte: „Ist der Koffer zufriedenstellend?"

Statt die Frage zu beantworten, hatte Harry selber einige: „Sie haben zusätzliche Funktionen erwähnt, die hinzugefügt werden können. Was für Möglichkeiten gibt es denn?"

„Nun, es gibt die Standardausstattung, um den Koffer gegen Abnutzung zu schützen und sogar gegen Zauberschäden. Es würde keinem Unverzeihlichen oder ähnlichem standhalten, aber es würde den Koffer vor vielen verschiedenen Zaubersprüchen schützen, sollten diese danebengehen und den Koffer treffen. Es gibt auch eine Ausstattungsmöglichkeit, welche es erlaubt, den Koffer zu schrumpfen und wieder größer werden zu lassen. Normalerweise würde ein Schrumpfzauber sich verheerend auf den Raum im Koffer auswirken, aber neueste Entwicklungen haben es ermöglicht, dieses Problem zu umgehen."

„Das hört sich gut an", erwiderte Harry. „Ich glaube, ich hätte gerne den Koffer mit dem Arbeitszimmer und dem Bad. Und ich hätte gerne die zusätzliche Ausstattung, um den Koffer zu schützen und um ihn schrumpfen zu können. Nun, wieviel wäre das dann insgesamt?"

Der Mann lächelte leicht: „Wie ich sagte kostet die Grundausstattung 1000 Galleonen. Die Standardmöbel sind weitere 2000 Galleonen. Das Bad sind weitere 500 Galleonen. Normalerweise würde die zusätzliche Ausstattung jeweils weitere 50 Galleonen kosten, aber die erstatte ich Ihnen."

Harry grinste den Mann an: „Ich nehme ihn."

„Wunderbar", strahlte der Verkäufer. „Ich brauche etwa fünf Minuten, um alles vorzubereiten. Sie können vorne im Laden warten."

Der Mann machte Anstalten, Harry hinauszuführen, aber Harry hob eine Hand. „Machen Sie sich keine Umstände wegen mir. Ich denke, ich kann zurückfinden. Vielen Dank für ihre Hilfe."

„Glauben sie mir, es war mir ein Vergnügen, Mr ...?"

„Thomas", brach es aus Harry hervor. „Dean Thomas." Es war der erste Name, der Harry einfiel und der nicht auffiel. Er konnte Rons Namen nicht benutzen, weil die Weasleys relativ bekannt waren. Und er fand immer mehr heraus, dass viele die Longbottoms ebenfalls kannten und Harry wollte daher nicht wieder Nevilles Namen benutzen. Dean Thomas hörte sich glaubhafter an als Seamus Finnigan. Harry bemerkte später, dass er nicht den Namen einer seiner Zimmerkameraden benutzen musste, aber solange es funktionierte, würde er sich deswegen keine Sorgen machen.

Also ging Harry zurück zum Eingang des Ladens und schaute sich ein wenig um, während sein Einkauf fertiggestellt wurde. Er entdeckte eine Auswahl an Rucksäcken, die verzaubert waren, so dass sie federleicht waren und verschiedene Größen an magischer Vergrößerung hatten, die für das nächste Hogwartsjahr nützlich sein könnten. Harry benötigte aber im Moment keinen und wanderte daher in dem kleinen Laden umher, bis der Verkäufer zurückkam.

Kurze Zeit später verließ Harry den Laden um 3500 Galleonen ärmer. In seiner Hosentasche befand sich der verkleinerte Koffer, den im Moment nur Harry öffnen konnte und in dem er - wenn es nötig sein würde - leben können würde und in dem er definitiv seine gesamten Habseligkeiten aufbewahren konnte, so wenige es auch waren. Aber das war eine Sache, die Harry beabsichtigte zu ändern.

Er ging in Richtung des Buchladens, seinem nächsten Halt. Er wanderte durch die inzwischen gutbesuchten Straßen und genoss seine Anonymität. In der Vergangenheit war er, wenn er durch die Winkelgasse gegangen war, immer von den Menschen angestarrt worden und sie hatten über ihn geredet. Sie behandelten ihn, als wäre er eine Symbolfigur aber keine echte Person. Er musste nicht länger Fremde ertragen, die sich ihm vorstellten, ihm die Hand schütteln wollten und den berühmten „Jungen-der-lebt" treffen wollten. Heute war er ein normaler fünfzehnjähriger Junge, der einkaufte.

Er betrat Flourish & Blott's und entdeckte, dass das Geschäft relativ leer war, anders als er es gewohnt war. Harry war normalerweise kurz vor Schuljahresbeginn hier und es war voll mit Schülern und Eltern, die versuchten, die diesjährigen Schulbücher zu bekommen. Im Moment waren es nur ein paar vereinzelte Kunden und es war fast so still wie in einer Bücherei.

Harry nahm sich einen Korb und fing an, die Regale des Ladens zu durchstöbern. Er wollte eine Vielzahl an Büchern und so schnappte er alles, das interessant aussah oder das so aussah, als ob es ihm bei seinem Training helfen könnte. Fortgeschrittene Duelltaktiken, Fortgeschrittene Duellierzaubersprüche, Arithmantik Einfach Gemacht, Einfache Zaubersprüche, die dein Leben retten könnten, Der Leitfaden über Schutzzauber, Heimlichkeit: Die Kunst des Herumschleichens, Okklumentik: Schütze deinen Geist, Magischer Schutz: Standardschutzzauber für zu Hause, Magische Verträge: Wisse auf was du dich einlässt, und viele andere Bücher wanderten in Harrys Korb.

Er fand mehrere Aurorenhandbücher, ein paar weitere Zauberspruchbücher, einige Bücher über Verwandlung, darunter Belebe das Leblose und eine Reihe von Büchern über Verteidigung gegen die Dunklen Künste. Er legte auch ein paar Bücher über Unterrichtsmethoden und wie man eine große Gruppe Menschen erfolgreich leitet in den Korb.

Als er mehr und mehr Bücher in seinen Korb legte, bemerkte er, dass er nie Platzmangel hatte und dass das Gewicht nie unerträglich wurde. Er nahm an, dass der Korb verzaubert war, so dass immer genug Raum vorhanden war und er immer leicht war, egal was in ihm lag. Ähnlich wie die Rucksäcke, die er sich angeschaut hatte. Er bemerkte ein anderes Buch und legte es auf seinen Stoß Bücher: Alles das du jemals über die Unverzeihlichen wissen wolltest (außer wie man sie zaubert).

Harry brachte seine große Ansammlung Bücher an die Ladentheke, wo er von einem freundlichen alten Verkäufer gegrüßt wurde. „Alles gefunden junger Mann?"

„Ja Sir", antwortete Harry höflich und stellte seinen Korb auf die Theke.

„Merlins Bart. Das wird eine ziemliche Sammlung, die du hier aufbaust. Ich nehm' an, dass du einen verzauberten Beutel brauchen wirst, um sie tragen zu können ..."

„Oh, das wird nicht notwendig sein", unterbrach ihn Harry und holte seinen Koffer hervor. Er legte eine Hand auf ihn und sagte laut und deutlich „Vollständige Größe", während er zauberstablos ein Finite Incantatem zauberte. Harry verhielt sich so, als sei das dass normalste auf der Welt und meinte: „Ich werde sie einfach hier drinnen aufbewahren" und deutete auf seinen nun normalgroßen Koffer.

„Erstaunlich. Sie haben jetzt den Schrumpfzauber hinzugefügt, was? Ich schätze, es war nur eine Frage der Zeit. Ihr jungen Leute könnt schließlich keine Magie benutzen, bis ihr siebzehn seid." Harry lächelte in sich hinein. Das war die Reaktion, auf die er gehofft hatte. Er brauchte eine Möglichkeit, seinen Koffer in der Öffentlichkeit zu schrumpfen und wieder zu vergrößern, ohne wegen seiner Minderjährigen- oder - viel schlimmer - zauberstablosen Magie Verdacht zu erregen. Also hatte er entschieden, es einfach so aussehen zu lassen, als ob er überhaupt keine Magie verwenden würde. Er ließ es so aussehen, dass es der Koffer war, nicht er. Die Aufmerksamkeit war dann ganz auf den Koffer gerichtet und nicht auf Harry.

„Du liebe Güte, Ich bin etwas abgeschweift. Dann schauen wir mal, was du kaufen willst, mhmm?", sagte der alte Ladenbesitzer. Er begann den Korb auszupacken und fügte jedes Buch zur Rechnung hinzu. Er reichte jedes Buch an Harry weiter, so dass dieser es in seinen Koffer packen konnte. Als er das Buch über die Unverzeihlichen in die Hand nahm, hielt er inne: „Normalerweise würde ich zögern solch ein Buch an jemanden, der so jung ist wie du, zu verkaufen, aber ich schätze, dass du mit der Rückkehr von Du-weißt-schon-wem sowieso weit vor deiner Zeit erwachsen werden wirst." Damit gab er Harry das Buch.

Als das letzte Buch in Harrys Koffer war, sagte der Ladenbesitzer: „Das macht dann 127 Galleonen, 11 Sickel und 3 Knut". Harry wiederholte den Betrag und holte den exakten Betrag aus seiner Geldbörse. Er gab dem alten Mann die Münzen.

„Danke, junger Mann. Einen wunderbaren Tag wünsche ich und pass auf dich auf", sagte der Ladeninhaber lächelnd zu Harry.

„Danke Sir. Das wünsche ich Ihnen auch", sagte Harry zu dem Mann. Er packte seinen nun geschrumpften Koffer zurück in seine Tasche und verließ den Laden. Er musste sich davon abhalten, Ernie Macmillan, einen Hufflepuff aus seiner Stufe in Hogwarts, zuzuwinken, als der Junge auf der Straße an ihm vorbeiging und erinnerte sich erst in letzter Sekunde, dass er verkleidet war. Es war eindeutig das Beste, keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Als Harry weiter die vielbesuchte Straße hinunterlief, hörte er, wie sein Magen hungrig knurrte. Er beschloss, zum Tropfenden Kessel zu gehen, um einen Bissen zu essen, bevor er weiter einkaufen würde. Nachdem er sich durch die geschäftige Menschenmasse hindurchmanövriert hatte, betrat Harry den schmuddeligen Pub. Er sah Tom, den Barkeeper und wandte sich zu ihm, um sein Essen zu bestellen.

Als Harry zur Bar lief, sah er etwas, was ihn abrupt zum Stehen brachte. Zwei Gesichter, die Harry heute nicht erwartet hatte, kamen in sein Blickfeld, ein sehr bekanntes, das andere nicht so sehr und doch kannte er beide. Er starrte angespannt auf das traurige Gesicht von Remus Lupin, der mit einer Frau, die Harry ohne Zweifel als Nymphadora Tonks identifizierte, an der Bar saß. Er hatte vielleicht ihr Gesicht nicht erkannt, aber niemand sonst würde so eine pinke Haarfarbe hinbekommen, noch würden es viele Andere ausprobieren. Außerdem, wie viele pinkhaarige Frauen konnte Professor Lupin kennen?

Harry schlich sich leise und diskret an die Bar in dem Versuch, ihr Gespräch zu belauschen. Er war sehr vorsichtig, so unauffällig wie möglich zu erscheinen. Das Letzte, was er brauchen konnte, war, von einem der Beiden erkannt zu werden. Sie würden es ihn nie vergessen lassen.

„Er wird nicht mit mir reden wollen, Tonks. Er hat Freunde, die ihm helfen. Ich würde ihn nur daran erinnern, was er verloren hat", meinte Lupin.

„Sei nicht albern, alter Mann. Harry braucht dich mehr denn je. Sicher, er hat Freunde, die ihm helfen, aber er braucht dich mehr als er sie braucht. Keiner seiner Freunde ist Sirius so nahe gestanden und sie haben keine Ahnung, was er durchmacht oder wie sie ihm helfen sollen. Sie sind nur Kinder; sie wissen nicht, wie es ist, jemanden, der dir Nahe steht, zu verlieren. Du hast es schon durchgemacht und du erlebst es wieder. Hilf ihm. Helft euch gegenseitig. Du wirst vielleicht entdecken, dass du ihn genauso brauchst wie er dich", ermutigte ihn Tonks.

Harry saß geschockt da, als Lupin über Tonks Worte nachdachte. 'Wie konnte ich nur so selbstsüchtig sein?', tadelte sich Harry selbst. 'Er hat jetzt zum zweiten Mal den letzten seiner Freunde verloren und alles, was ich konnte, war, an mich zu denken.' Harry musste den Drang unterdrücken, zu ihm zu rennen und ihn zu trösten.

„Wie geht Harry damit um?", fragte Lupin schließlich leise. An seinem Gesichtsausdruck konnte Harry erkennen, dass er sich nicht sicher war, ob er wirklich eine Antwort haben wollte.

„Um ehrlich zu sein, ich bin mir nicht sicher", erklärte Tonks mit einem Seufzen. „Die ersten paar Tage bei seinen Verwandten hat er sich scheinbar nicht viel in seinem Zimmer bewegt." Sie hielt kurz inne, als ob sie überlegen würde, wie sie fortfahren sollte. „Dann, eines Tages geht er umher, als sei alles normal. Er schließt seine Vorhänge jedoch oft, was es schwerer macht zu wissen, was er macht. Da stelle ich mir die Frage, ob er weiß, dass wir ihn beobachten."

„Ich bin mir sicher, dass er es weiß. Wie könnte er es nach dem letzten Sommer nicht wissen?", fragte Lupin säuerlich.

Tonks redete weiter, als ob er nichts gesagt hätte: „Vor einigen Tagen hat er angefangen, morgens zu joggen und zu trainieren. Ich habe immer diese Schicht, also muss ich immer im Tarnumhang mit ihm laufen, was wirklich nicht einfach ist." Tonks hielt wieder kurz inne, um sich ihre nächsten Worte gut zu überlegen. „Es ist seltsam. Er scheint ok zu sein. Ich mache mir Sorgen, dass er alles nur unterdrückt und sich nicht wirklich mit seinen Gefühlen auseinandersetzt; er vielleicht sogar so tut, als sei Sirius nicht wirklich tot."

Harry fühlte, wie sich sein Herz zusammenzog. Seit sein Patenonkel angefangen hatte, ihn in seinen Träumen zu besuchen, hatte er nicht wirklich über die Tatsache nachgedacht, dass Sirius noch immer tot war. Er war schuld an Sirius Tod und viele Menschen litten deswegen. Er fasste den Entschluss, Remus zu schreiben, sobald er wieder im Ligusterweg war.

Harry stolperte von der Theke weg und aus der Bar hinaus, seinen Hunger längst

vergessen. Er wanderte ein paar Minuten ziellos durch die Straßen, von der Masse der Einkaufenden herumgestoßen, die aus den Geschäften strömten und sich ihren Weg bahnten. Sein Verlangen einzukaufen war auch vergangen und so schritt Harry zur Seite, um das Gedränge und Gewimmel der Massen zu vermeiden. Er disapparierte lautlos von der Winkelgasse in sein Zimmer im Ligusterweg Nr.4.

OoOoOoOoOoOoOoO

Nachdem er einige Minuten auf ein leeres Blatt Pergament auf seinem Schreibtisch gestarrt hatte, erkannte Harry, dass er im Moment nicht in der Lage war, sich auf etwas zu konzentrieren. Er brauchte etwas, um seine Gedanken zur Ruhe zu bringen und seine Nerven zu beruhigen. So, wie er die Sache sah, ließ ihm das zwei Möglichkeiten: Eule oder Panther.

Er apparierte an den Stadtrand von Hogsmeade und flog schnell in Eulengestalt gen Himmel. Die Sonne schien hell am beinahe wolkenlosen Himmel. Harry entdeckte schnell die Gleise, die der Hogwarts-Express benutzte, um die Schüler zur und von der Schule zu transportieren.

Er folgte den Gleisen für mehrere Kilometer, bis er fand, was er suchte. So weit er sehen konnte war er von Feldern und grünem Gras umgeben. Kein Mensch war in der Nähe. Er machte einen Sturzflug und im letztmöglichen Augenblick zog er sich wieder hoch, so dass er schnell und nur wenige Zentimeter über dem Boden flog. Er verwandelte sich direkt von seiner Eulengestalt in den Panther und machte keinen Fehltritt, als er durch die grünen Felder lief.

Die Welt war Harrys Spielplatz. Er rannte, wohin er wollte und jagte alles und nichts. Er verließ den Weg vom Hogwarts Express und wanderte durch die Gegend und kümmerte sich nicht, in welche Richtung er ging, noch wo er enden würde.

Nach einer Stunde fand Harry eine schöne große Eiche und legte sich in deren Schatten hin, von seinen Anstrengungen schnaufend. Er fühlte in sich den Drang zu jagen, da er hungrig war. Seine Tierinstinkte wollten wenigstens ein kleines Tier fangen, um es zu essen; sein menschliches Ich währenddessen fand den Gedanken, rohes Fleisch direkt von einem Tierkadaver zu essen, abstoßend.

Als es Harry schließlich müde war, mit sich selbst zu streiten, verwandelte er sich zurück in seine menschliche Gestalt und apparierte zu den Dursleys. Er schlich sich aus seinem Zimmer in die Küche, um sich etwas zu Essen zu holen. Als er durch den Flur lief, warf er einen Blick durch eine offene Tür und erschrak für einen Moment vor dem Bild, dass er im Badezimmerspiegel sah: Ein blonder Junge mit braunen Augen.

„Ich kann nicht fassen, dass ich vergessen habe mich zurückzuverwandeln", schimpfte Harry leise mit sich selbst. „Wenn die Dursleys mich so sehen würden, würden sie ausrasten." Er ging ins Badezimmer und schloß die Tür hinter sich. Nachdem er die Farbe seines Haares wieder verändert hatte, entfernte Harry seine braunen Kontaktlinsen und setzte sich wieder seine Brille auf. Er mochte sein langes Haar, aber er würde das plötzliche Wachstum keinem Muggel erklären können und entschied daher, es auf natürlichen Weg wachsen zu lassen.

Nun, da Harry darüber nachdachte, schien sein Haar nie zu wachsen. Das letzte Mal, dass er seine Haare geschnitten hatte, war, als seine Tante ihm die Haare mit der Ausnahme einiger Strähnen, um seine Narbe zu verstecken, rasiert hatte. Am nächsten Morgen war sein Haar wieder seine normale Länge gewesen und sie hatte seitdem nie mehr versucht, seine Haare zu schneiden. Das war, bevor er Hogwarts besuchte gewesen.

Harry konzentrierte sich auf sein Haar und fühlte, wie seine Magie über seine Kopfhaut floss. Er wollte, dass sein Haar kürzer und kürzer wurde und dann, dass es wieder wuchs. Es funktionierte. Er konnte die Länge seiner Haare kontrollieren. Er beschloss, es etwas länger als sonst zu lassen und würde es jeden Tag etwas wachsen lassen, bis er damit zufrieden war.

Harry schaute sich wieder im Spiegel an. Er argumentierte mit sich selbst, ob er seine Brille behalten oder ob er seine farblosen Kontaktlinsen verwenden sollte, aber entschied , dass er sie noch nicht jedem erklären wollte. Er würde warten, bis er von den Dursleys weg war, bevor er die Kontaktlinsen verwenden würde. Mit seinem Erscheinungsbild zufrieden verließ Harry das Badezimmer und nahm seinen Weg zur Küche wieder auf.

Nachdem Harry schnell sein Mittagessen hinuntergeschlungen hatte, kehrte Harry wieder in sein Zimmer zurück und setzte sich an seinen Schreibtisch. Er nahm das leere Blatt Pergament, das er dort zuvor liegengelassen hatte und seinen Federkiel und Tinte zur Hand. Er tauchte den Federkiel in das Tintenfass und begann zu schreiben.

Sehr geehrter Professor Lupin,

Hi. Ich habe heute bemerkt, dass ich Ihnen noch nie geschrieben habe und das tut mir leid. Während meines dritten Schuljahres, als Sie in Hogwarts unterrichtet haben, habe ich mich Ihnen nahe und dadurch auch meinen Eltern näher gefühlt. Ich habe davor noch nie einen Freund von ihnen getroffen. Sie waren für mich da, als ich Sie brauchte, und ich kann Ihnen niemals genug danken.

Als Sirius auftauchte, ist die Verbindung, die wir geformt hatten, in den Hintergrund gerückt. Er hat für mich die Chance auf ein anderes, besseres Leben dargestellt und er war eine weitere Verbindung zu meinen Eltern. Aber jetzt ist er fort. Es tut mir leid. Ich habe viel Zeit damit verbracht, mich selbst zu bemitleiden und mich wegen dem, was passiert ist, schuldig zu fühlen. Ich weiß, dass ich Sirius Tod nicht wirklich selbst verschuldet habe, aber ich kann nicht anders als mich verantwortlich zu fühlen. Ich bin nicht arrogant genug zu versuchen, die ganze Schuld auf mich zu nehmen; ich weiß, dass genug für alle da ist. Aber ich fühle trotzdem, dass ich meinen eigenen Teil zu tragen habe.

Ich habe die ganze Zeit nur an mich gedacht, ohne je daran zu denken, wie sein Tod jemand anderen berührt. Was ich Ihnen sagen will, ist, dass es mir sehr Leid tut, dass Sie ihren besten Freund verloren haben und es tut mir leid, welche Rolle ich in dem Geschehen gespielt habe. Ich kann mir nicht vorstellen, wie Sie sich fühlen müssen, wo Sie ihn doch bereits einmal verloren haben. Aber ich möchte Ihnen sagen, dass Sie es nicht alleine durchstehen müssen. Wenn Sie das auch möchten, würde ich gerne mit Ihnen über alles reden: Sirius, meine Eltern, Ihre Zeit in Hogwarts, das Leben überhaupt oder was sonst zur Sprache kommt.

Ich glaube nicht, dass es eine gute Idee wäre, sich bei den Dursleys zu treffen, da sie alles Magische hassen, besonders magische Menschen. Sie sind diesen Sommer soweit erträglich gewesen, aber ich glaube nicht, dass sie gerne einen Zauberer zu Besuch hätten. Es gibt in der Nähe einen Park, wo wir reden könnten. Wenn Sie sich mit mir treffen möchten, lassen Sie mich wissen, wann. Mein Terminkalender ist zurzeit ziemlich leer, da ich hier den ganzen Sommer festsitze, ohne etwas zu tun zu haben. Wann immer es Ihnen passt, wäre also für mich okay. Ich freue mich, von Ihnen zu hören.

Passen Sie auf sich auf.

Harry

Er las den Brief noch einmal durch und lächelte. Er hoffte, dass der Brief helfen würde, seinen ehemaligen Professor aufzumuntern. Der Mann hatte heute im Pub furchtbar ausgesehen und Harry hoffte, dass er etwas helfen könnte, um ihn aufzuheitern. Er konnte nicht fassen, dass Professor Lupin dachte, dass Harry nicht mit ihm reden wollen würde. Harry rollte das Pergament zusammen, band es an Hedwigs Bein und bat sie, es gleich auszuliefern.

Seine Eule schuhute zustimmend, bevor sie aus dem Zimmerfenster hinausflog. Das erledigt und nachdem seine Nerven sich endlich beruhigt hatten, holte Harry seinen neuen Koffer hervor und vergrößerte ihn. Er holte eins seiner neuen Bücher über die Verteidigung gegen die dunklen Künste heraus und fing an zu lesen.

OoOoOoOoOoOoOoO

Harry war in dieser Nacht ein wenig abgelenkt, während er mit seinem Paten duellierte. Er dachte an Professor Lupin in der Bar und wollte mit Sirius darüber reden, aber er wusste nicht, wie er es ansprechen sollte. Sirius musste bemerkt haben, dass etwas nicht stimmte, denn er rief Harry zu, aufzuhören und fragte: „Okay, was ist los?"

Harry sah seinem Paten kurz in die Augen, bevor er ausführlich den Boden studierte. „War ich so offensichtlich?"

„Nun ... ja, warst du", erwiderte Sirius mit einem Grinsen.

„Es ist wegen Moony ...", meinte Harry niedergeschlagen.

Bei dem Spitznamen von seinem Freund wanderten Sirius Augenbrauen in die Höhe.

„Oh?", war alles was er sagte.

„Ich habe ihn heute im Tropfenden Kessel gesehen", erklärte Harry. „Er sah nicht so gut aus. Tonks war auch da und hat ihm Gesellschaft geleistet und versucht, ihn aufzumuntern. Sie macht sich Sorgen um ihn und sie machen sich beide Sorgen um mich. Er schien beinahe leblos." Nach einer kurzen Pause fügte er hinzu: „Ich habe ihm heute geschrieben, ob er sich vielleicht mit mir treffen will und über alles reden möchte."

Sirius Gesichtsausdruck, als er von dem Zustand seines Freundes hörte, sah beinahe so aus wie der heute von Lupin im Pub.

„Das war nett von dir", erwiderte er schließlich nach einigen gespannten Momenten der Stille. „Moony ist stark. Er hat uns alle schon einmal verloren, aber er hat es geschafft. Er versucht, immer alles alleine hinzubekommen. Ein Verteidigungsmechanismus, den er in seinem Leben als Werwolf gelernt hat. Jemanden zu haben, auf den er sich verlassen kann und der sich auf ihn verlässt, wird ihm guttun."

„Ich hoffe, du hast Recht", antwortete Harry mit einem traurigen Lächeln. „Ich hab ein schlechtes Gewissen, dass ich nicht vorher daran gedacht habe, wie er mit allem zurechtkommt. Erst war ich zu sehr in meiner eigenen Trauer und Schuld gefangen und dann bist du aufgetaucht und ich habe angefangen, zu trainieren und ich habe der ganzen Sache nicht mehr viel Aufmerksamkeit geschenkt."

Sirius seufzte. „Das hatte ich befürchtet. Schau, ich weiß es ist schwer, aber du musst lernen, mit der Tatsache, dass ich tot bin, umzugehen. Auch wenn ich dich jede Nacht in deinen Träumen besuche. Irgendwann werde ich weitergehen und werde dich nicht mehr besuchen kommen können. Ich möchte nicht, dass du daran zerbrichst, wenn das passiert."

Harrys Augen wurden feucht, als er seinen Paten anschaute. „Ich will dich nicht wieder verlieren", brach es aus ihm heraus.

Sirius ging schnell zu ihm und umarmte Harry. „Ich weiß, Harry, ich weiß", war alles, was der Mann sagen konnte. Er stand für einige Minuten mit Harry im Arm da und strich beruhigend über den Rücken des jungen Mannes. Er brachte ein wenig Abstand zwischen sie, damit er seinem Patensohn in die Augen schauen konnte:

„Wir haben immer noch diese Zeit zusammen und du wirst Zeit haben, zu akzeptieren, was kommen wird. Ich glaube einfach nur, dass du die Tatsache nicht vergessen solltest, dass ich tot bin und eines Tages für immer gegangen sein werde."

„Ich weiß, du hast Recht", sagte Harry. „Ich werde versuchen, es nicht zu vergessen."

Sirius umarmte ihn noch einmal kurz und fragte dann:" Bist du bereit, wieder zu trainieren?"

„Ja, Ja bin ich."

OoOoOoOoOoOoOoO

Als Harry von seinem morgendlichen Work-out zurückkehrte, wartete Hedwig mit einem Brief auf ihn. Er öffnete ihn und las die kurze Nachricht.

Lieber Harry,

ich würde dich sehr gerne sehen. Lass uns uns heute um 14:00 Uhr an dem Ort, den du erwähnt hast, treffen. Es bedeutet mir viel, dass du daran gedacht hast, mir zu schreiben.

Grüße

Remus Lupin

Harry konnte trotz des Anlasses des Besuches nicht anders als zu lächeln. Er freute sich wirklich darauf, seinen ehemaligen Professor wiederzusehen. Er legte die Nachricht zur Seite und holte das Buch hervor, dass er die Nacht zuvor angefangen hatte zu lesen. Er verbrachte den restlichen Morgen in seiner neugekauften Bibliothek und machte erst Pause, als sein Magen ihn daran erinnerte, zu Mittag zu essen.

Als 14:00 Uhr immer näher rückte, fühlte es sich für Harry so an, als ob er die Uhr so oft las wie in seinem Buch. Er war angespannt und nervös. Endlich, um Viertel vor zwei, markierte Harry seine Stelle im Buch und schloss es. Er legte das Buch zurück in seinen Koffer, schrumpfte den Koffer und packte ihn dann in seine Tasche. Er wollte keine Risiken mit seinen neuen Besitztümern eingehen. Er wollte nicht, dass irgendjemand wusste, dass er irgendetwas davon gekauft hatte.

Er verließ ohne von den Dursleys bemerkt zu werden das Haus. Sie hatten Harry schon den ganzen Sommer über nicht viel Aufmerksamkeit geschenkt. Es war für sie einfacher, Harry zu ignorieren, anstatt höflich zu ihm zu sein. Der Himmel war in alle Himmelsrichtungen von dunklen, grauen Wolken bedeckt, als er zum Park lief. Er hoffte, dass es am Nachmittag nicht regnen würde, zumindest nicht, wenn er noch mit Professor Lupin unterwegs war. Er lief über den Magnolienring auf die Magnolienstraße und ging weiter. Er ignorierte die wenigen Anwohner, die ihm vernichtende Blicke zuwarfen, als er ihre Heime passierte.

Schon bald ging Harry durch die Eingangstore des Parks. Er schaute sich um, aber er konnte seinen alten Professor nirgends sehen. Mit einem Schulterzucken, begann er durch den Park zu schlendern, da er nichts Besseres zu tun hatte. Als er an einer leeren Bank vorbeiging, erschreckte ihn eine körperlose Stimme: „Harry."

Harry reagierte sekundenschnell. Er zog seinen Zauberstab hervor und rollte zur Seite. Harry schaute sich, mit dem Zauberstab auf die leere Bank gerichtet, nach der Ursache des Geräusches um. „Ich bins, Harry", sagte sein ehemaliger Professor, während er seinen Tarnumhang auszog und vor ihm erschien.

„Merlin! Tun Sie mir das nicht an", sagte Harry, als der Mann seine Hand zum Händeschütteln ausstreckte. Harry umfasste die Hand und legte seine andere Hand auf den Rücken seines alten Professors, um ihn unter Schulterklopfen zu umarmen.

„Entschuldigung. Ich wollte dich nicht erschrecken", meinte Lupin. „Aber ich muss sagen, dass ich von deiner Reaktion beeindruckt bin. Moody wäre sicherlich stolz."

„Ist schon okay. Seien Sie bloß froh, dass ich nicht zuerst gehext und danach Fragen gestellt habe. Das Letzte, das ich gerade brauchen kann, ist noch ein Brief vom Ministerium wegen Zauberei von Minderjährigen", meinte Harry lächelnd in dem Wissen, dass jeder Zauber, den er benutzt hätte, nicht von seinem Zauberstab gekommen wäre und er daher durch das Ministerium unauffindbar wäre. Aber er musste die Täuschung, dass er im Moment keine Magie benutzen konnte, aufrechterhalten.

„Auch wieder wahr", antworte Lupin und führte Harry zur Bank, wo die beiden sich hinsetzten. Endlich brach Lupin die Stille.

„Wie geht es dir?", fragte er.

„Mir gehts gut." Remus machte Anstalten, Harry zu unterbrechen, aber Harry hielt seine Hand hoch, um ihn abzuhalten und fuhr fort. „Wirklich. Die ersten paar Tage war ich ein Wrack. Ich habe nicht gegessen, nicht geschlafen und habe mich allgemein nicht wirklich viel bewegt. Ich habe den ganzen Tag damit verbracht, im Bett zu liegen und ins Nichts zu schauen. Aber dann habe ich beschlossen, dass es nichts bringt, den ganzen Tag zu grübeln und dass Sirius es nicht wollen würde, dass ich es so schwer nehme. Also habe ich mich dazu entschieden, etwas zu machen. Seitdem habe ich viel gelernt und seit Kurzem habe ich mit Joggen angefangen und ich trainiere morgens. Ich habe die Hausaufgaben für die Klassen, die ich nächstes Jahr besuchen will, für den Sommer gemacht. Ich lese gerade meine ganzen alten Schulbücher noch einmal durch, um alles zu lernen, dass ich verpasst haben könnte."

„Hört sich so an, als wärst du ziemlich beschäftigt", kommentierte Lupin.

„Ja, das können Sie laut sagen. Ich musste einfach irgendetwas machen. Ich bin es leid, den ganzen Tag in meinem Zimmer eingesperrt zu sein, also habe ich angefangen zu lernen. Das hat mich ruhelos gemacht, also habe ich angefangen zu trainieren. In dieser Nacht habe ich erkannt, dass Duellieren genauso physisch wie magisch anspruchsvoll ist. Ich werde nächstes Mal alle Vorteile brauchen, die ich kriegen kann. Während ich also hier nicht mit meinem Zauberstab üben kann, muss das physische Training reichen." Harry hasste es, sein magisches Training zu verschweigen, aber er konnte es nicht riskieren, es irgendjemanden zu erzählen. Zumindest noch nicht.

„Das ist sehr scharfsinnig, Harry", ermutigte ihn sein ehemaliger Professor. „Du könntest da auf dem richtigen Weg sein."

„Ich habe darüber nachgedacht, ob ich dieses Jahr physisches Training in die DA einführen soll", fuhr Harry fort. „Ich bin mir nicht sicher, wie ich es einbauen soll, aber ich glaube, es ist wichtig. Ich muss mir langsam überlegen, was ich unterrichten werde und wie ich es vermitteln will, so dass ich es Professor Dumbledore vorstellen kann. Ich muss einige Dinge auch mit Hermine besprechen. Sie war letztes Jahr der Drahtzieher von allem."

„Du wirst die DA weiterhin unterrichten?" fragte Remus. „Auch jetzt, wo Umbridge nicht mehr da ist?"

„Ja. Auch wenn sie einen guten Lehrer finden, werden die Schüler so viel Übung wie möglich brauchen, vor allem mit dem Fehlen von beständigem Unterricht über die Jahre. In den fünf Jahren hatte ich nur drei akzeptable Lehrer und zwei von ihnen haben versucht, mich umzubringen. Ich habe schon um Erlaubnis gefragt, die DA als AG mit mir als Leiter weiterzuführen und es wurde mir erlaubt. Nur die Einzelheiten müssen jetzt noch ausgearbeitet werden, aber ich habe dafür den ganzen Sommer Zeit", erklärte Harry.

„Das stimmt", erwiderte Remus mit einem nachdenklichen Ausdruck auf seinem Gesicht. „Ich finde es toll, dass du die ganzen Sachen gefunden hast, um dich zu beschäftigen. Aber ich mache mir Sorgen um dich, Harry. Es ist nicht gut, nur an Dinge zu denken, die du nicht ändern kannst, aber es ist vielleicht sogar schlimmer, sie zu ignorieren oder so zu tun, als wären sie nie passiert. Ich mache mir Sorgen, dass das hier der Fall ist."

Harry seufzte. „Ich verstehe, was Sie meinen, Professor, aber..."

„Harry", unterbrach ihn Remus. „Es ist jetzt einige Jahre her, dass ich dein Professor gewesen bin. Bitte sag einfach Remus zu mir."

„Ok ... Remus", probierte Harry den Namen aus. „Daran werde ich mich erst gewöhnen müssen. Ich gebe zu, dass ich mich so beschäftige, um mich von S... Sirius abzulenken", Harry stolperte über den Namen seines Paten. „Ich weiß, dass er tot ist und dass das nicht zu ändern ist. Und es tut mir leid, dass ich dich deinen besten Freund gekostet habe."

„Sag das nicht, Harry", beruhigte Remus und legte eine Hand auf die Schulter des jungen Mannes. „Denk niemals, dass es deine Schuld war. Jeder von uns hätte an deiner Stelle dasselbe getan."

„Nicht Hermine", sagte Harry trocken. „Sie wusste, wie töricht ich mich verhielt und hat versucht, mich abzuhalten. Sie hat mich gewarnt, dass ich ein Menschenrettungsding hätte, aber ich wollte es nicht hören. Sie ist trotzdem mitgekommen und hat sich wegen mir verletzt."

„Hermine ist ...", Remus überlegte kurz und wählte seine Worte vorsichtig. „Hermine ist die Art Mensch, die ein Problem von allen Seiten analysiert, bevor sie sich eine Lösung überlegt. Manchmal braucht man das in einer Situation, aber manchmal braucht man schnelles und entschlossenes Handeln. Hermine wäre dann im Nachteil, weil sie nicht handeln würde, bevor sie nicht alle Informationen hätte. Wenn Sirius wirklich gefangen genommen worden wäre und Hermine das Handeln entschieden hätte, hättet ihr Hogwarts nie rechtzeitig verlassen, um zu helfen. Ihr hättet Hogwarts vielleicht nicht einmal verlassen."

Remus fuhr fort: „Dieses Mal wäre das besser gewesen, aber nur weil Sirius nicht in Gefahr war. Wie sagt man so schön: Hinterher ist man immer schlauer. Nächstes Mal könnte es dein schnelles Handeln sein, dass Leben rettet statt Hermines weniger riskanter, analytischer Weg. Wenn du älter wirst und mehr Erfahrung hast, wirst du lernen, zu wissen, welche Art der Vorgehensweise zur Situation passt. Aber niemand ist unfehlbar."

„Stimmt", antwortete Harry mit gezwungenem Selbstbewusstsein. Dann fragte er: „Was ist mit dir? Wie geht es dir?"

Remus atmete einmal tief durch, bevor er zugab: „Nicht so gut. Es war schwer, meine Freunde das erste Mal zu verlieren. James, Lily und Peter tot und Sirius ihr Verräter. Als ich Sirius zurückbekommen habe, ist eine schwere Last von meinen Schultern gefallen, aber jetzt habe ich ihn noch einmal verloren. Und ich weiß, dass ich keinen von ihnen jemals wieder zurückbekomme. Und wenn der nächste Vollmond kommt, wird es nur schlimmer werden. Tatze da zu haben hat geholfen, den Wolf zu beruhigen."

„Könnte ich helfen?", brach es aus Harry hervor, bevor er realisierte, was er da sagte.

„Was meinst du?", fragte Remus und schaute Harry genau an.

Harry musste schnell überlegen. 'Wie kann ich nur so dumm sein' schalt er sich selbst.

„Versprichst du, es niemanden zu erzählen?"

„Sicher, Harry, wenn du das willst", antwortete Remus.

„Nicht einmal Dumbledore?", fragte Harry.

Remus schaute Harry durchdringend an. „Um was geht es, Harry?"

„Erst wenn du es mir versprichst", meinte Harry ernst.

„Okay", seufzte Remus. „Ich verspreche, dass ich es keiner Seele weitererzählen werde. Und jetzt lass es mich bitte nicht bereuen."

„Ich versuche ein Animagus zu werden", sagte Harry leise.

„Was? Wann? Wie?", stotterte Remus.

„Sirius ...", erklärte Harry noch etwas zögerlich. „Er hat über die Weihnachtsferien angefangen, mit mir zu üben. Er hat mir den Zaubertrank gegeben und hat mir alles gesagt, was ich wissen muss. Er hat mir auch einige Bücher genannt, die er und mein Vater in Hogwarts benutzt hatten und die helfen könnten", sagte Harry und war von seiner Fähigkeit, das alles aus dem Nichts zu erfinden, beeindruckt.

„Wieso hat er nie etwas erwähnt?", fragte Remus. „Oder du?"

„Wir wollten es geheim halten, etwas, das nur für uns Beide war", meinte Harry. „Er dachte, dass nicht viele davon begeistert wären."

„Ich verstehe." Remus sagte kurz nichts, um die Information zu verarbeiten. „Was ist dann deine Gestalt?"

Harry entschied sich schnell für „Panther", da diese Gestalt ihm am Meisten helfen würde, um Moony während des Vollmonds Gesellschaft zu leisten.

„Und wie weit bist du?", fragte Remus.

Harry überlegte kurz, bevor er antwortete: „Vor dem Ende des Schuljahres konnte ich meine Gliedmaßen und den Großteil meines restlichen Körpers einzeln verwandeln. Ich wollte die volle Verwandlung ausprobieren, bevor der Sommer beginnt, aber mit allem, was passiert ist, bin ich nie dazu gekommen. Jetzt, wo ich hier bin, kann ich es nicht versuchen, ohne aus Hogwarts geschmissen zu werden."

„Ich bin beeindruckt", sagte Remus. „Wissen deine Freunde davon?"

„Keiner", sagte Harry ausdruckslos.

„Ich war mir sicher, dass du so etwas mit Ron und Hermine teilen würdest", sagte Remus leicht überrascht. „Ihr Drei steht euch so nahe."

„Es war etwas, das nur Sirius und ich geteilt haben", sagte Harry vorsichtig.

„Ah, du brauchst nicht mehr zu sagen. Danke, dass du das mit mir geteilt hast, Harry", Remus hielt inne, um etwas zu überlegen, bevor er fortfuhr: „Wenn ich dir ein Geheimnis verrate, wirst du mir versprechen, dass du niemanden verrätst, dass du es von mir gehört hast?"

„Natürlich", antwortete Harry ohne Überlegen zu müssen.

„Das Ministerium kann nur durch deinen Zauberstab deine Magie verfolgen. Wenn du also interessiert wärst," erklärte Remus Harry „könntest du dein Animagustraining über den Sommer fortsetzen. "

„Wirklich?", fragte Harry, scheinbar überrascht. „Das ist großartig."

„Aber ich möchte, dass du besonders vorsichtig bist, wenn du dich dazu entschließt, es zu versuchen, und es wäre nicht gut, wenn andere wüssten, dass du es versuchst", warnte Remus.

„Okay. Ich werde vorsichtig sein.", antwortete Harry.

„Sag mir Bescheid, wenn du die vollständige Verwandlung geschafft hast, dann können wir besprechen, ob und wie du mir während dem Vollmond Gesellschaft leisten kannst", sagte Remus. „Wenn du dein Geheimnis bewahren willst, müssen wir vielleicht warten, bis die Schule wieder anfängt, um zu planen. Ich möchte nur, dass du weißt Harry, dass es mir wirklich viel bedeutet, dass du deine Geheimnisse mit mir teilst und dass du mir mit der Verwandlung helfen willst."

„Prof... Remus, es ist das mindeste, das ich tun kann ..."

„Nein Harry", unterbrach ihn Remus. „Es ist weit mehr als das. Danke." Er schluckte erstickt und legte seinen Arm um Harrys Schulter: „Ich weiß, dass ich Sirius niemals ersetzen kann, aber ich möchte, dass du weißt, dass ich immer für dich da sein werde, wenn du mich brauchst."

„Danke Remus", sagte Harry und unterdrückte ein Schluchzen. „Ich würde mich gerne öfters so mit dir treffen."

„Das würde ich auch gerne", antwortete Remus mit einem kleinen Lächeln. „Wie wärs, wenn wir versuchen, uns einmal jede Woche oder alle zwei Wochen zu treffen? Wir sollten uns nicht regelmäßig treffen. Es ist besser, wenn wir das Datum immer wieder verändern. Moody würde mir sonst sonst was erzählen. Ich werde dir Bescheid sagen, wann ich wieder kommen kann. Ich werde unter meinem Tarnumhang auf einer der Bänke auf dich warten, lauf also nur wie heute etwas herum, bis ich dich rufe, okay?"

„Hört sich nach einem Plan an", erwiderte Harry.

Remus seufzte. „Ich sollte langsam gehen, Harry. Pass auf dich auf. Ich schick dir bald eine Eule wegen unserem nächsten Treffen."

„Okay Remus", sagte Harry. „Danke, dass du gekommen bist und sei vorsichtig."

„Klar", antwortete dieser und stand auf. Er umarmte Harry noch einmal. „Bis zum nächsten Mal." Und mit einem Plop war Remus verschwunden.

Harry machte sich auf den Weg zurück zu den Dursleys und dachte über sein Gespräch mit Remus nach. Er hatte Informationen verraten, die er nicht hatte verraten wollen, aber er hatte einen ziemlich guten Job gemacht, seine wahren Sommeraktivitäten zu verbergen. Es fühlte sich aber wirklich gut an, jemanden zum Reden zu haben und er war froh, dass er Remus helfen können würde, vor allem, wenn Vollmond war. Harry hatte nicht darüber nachgedacht, aber Sirius hatte wahrscheinlich jeden Vollmond mit Moony verbracht, seit er nach seiner Flucht auf Seidenschnabel in Harrys drittem Schuljahr zurück in England war. Harry war fest entschlossen, dass Moony seine Verwandlung nicht alleine durchstehen werden müsse.

OoOoOoOoOoOoOoO

Die nächsten Tage vergingen wie immer. Er hatte einige Bücher seiner neuen Bibliothek gelesen und wurde immer besser mit der zauberstablosen Magie. Er fand heraus, dass - wenn er nachts neue Zaubersprüche mit Sirius übte um ein Gefühl für den Zauber zu bekommen - er sie ohne Probleme am nächsten Tag zauberstablos zaubern konnte. Er verlegte den Großteil seiner zauberstablosen Zauberei in seinen Koffer, um zu verhindern, erwischt zu werden.

Er begann, auch die Geschwindigkeit, mit der er zaubern konnte, zu erhöhen. Er brauchte nur noch eine halbe Sekunde, um seine Magie aufzubauen und sie richtig zu formen, bevor er zaubern konnte. Und er verbesserte seine Geschwindigkeit, mit der er mehrere Zaubersprüche hintereinander zaubern konnte. Er entdeckte, dass er genauso schnell, wenn nicht sogar ein wenig schneller ohne Zauberstab als mit Zauberstab war. Er trainierte trotzdem noch immer mit seinem Zauberstab gegen Sirius, da er daran gewöhnt sein wollte, den Zauberstab zu benutzen, wenn er zurück zur Schule ging. Er wollte keinen Fehler machen und seine neuen Fähigkeiten der gesamten Schule zeigen.

Als Harry sich durch die Bücher arbeitete, machte er sich Notizen über jeden Zauberspruch, von dem er dachte, dass er für die DA nützlich sein konnte. In einem kleinen Notizbuch, das er in seinem Zimmer gefunden hatte, hatte er eine Liste von den Zaubersprüchen mit einer kurzen Erklärung zu jedem von ihnen angelegt. Zum Ende des Sommers würde er die Liste nehmen und die Zaubersprüche in der Reihenfolge anordnen, in welcher er sie unterrichten wollte.

Im Hinterkopf hatte Harry immer den Gedanken, dass er den magischen Vertrag für die DA schreiben musste und dass er Hermine deswegen um Rat fragen sollte. Er hatte das Buch, das er über dieses Thema gekauft hatte, kurz durchgeblättert, aber er wollte soviel über magische Verträge wissen wie möglich, bevor er anfing, daran zu arbeiten. Schließlich zwang er sich dazu, sich hinzusetzen und ihr einen Brief zu schreiben.

Liebe Hermine,

ich brauche deine Hilfe. Ich weiß, dass wird dich sehr überraschen. Ich werde nächstes Jahr die DA weiter unterrichten. Dieses Mal wird es aber ein Klub sein, der für alle Schüler im vierten Jahr oder höher ist. Es wird eine Voraussetzung sein, dass jeder Teilnehmer einen magischen Vertrag unterschreibt, der besagt, dass sie die DA mit keinem Nichtmitglied besprechen und dass sie nichts, das sie in der DA lernen, benutzen, um Voldemort oder den Todessern zu helfen.

Ich hätte gerne deine Hilfe bei dem Vertrag. Er muss umfangreicher sein als der, den du uns letztes Jahr hast unterschreiben lassen. Erstmal muss jeder, der unaufrichtig ist oder plant, die Regeln zu brechen, nicht in der Lage sein, überhaupt zu unterschreiben. Und dann hatte ich gehofft, einen Weg zu finden, zu verhindern, dass die Mitglieder unabsichtlich etwas vor anderen Leuten sagen, etwas wie der Fideliuszauber, bei dem der Geheimniswahrer der einzige ist, der das Geheimnis verraten kann. Und natürlich muss es angemessene Bestrafungen geben, wenn einer der Klauseln gebrochen wird. Alle Gedanken, die du darüber hast, sind willkommen. Ich habe es geschafft, ein Buch über das Thema zu bekommen, aber ich habe gehofft, dass du etwas mehr weißt. Ich muss den Vertrag Dumbledore zeigen und er muss allen meinen Unterrichtsthemen seine Zustimmung geben.

Hast du mit deinen Eltern schon über alles geredet? Ich habe mir überlegt, dass es eine gute Idee sein könnte, wenn du etwas Unterstützung hast, um dir zu helfen, alles zu erklären. Ich weiß, dass es mir nicht erlaubt sein wird, zu dir zu kommen, um mit deinen Eltern zu reden, aber einer von den Weasleys oder Remus wäre eine ideale Wahl. Ich habe Remus letzte Woche getroffen und wir haben beschlossen, uns von jetzt an regelmäßig zu treffen. Es ist schön, tatsächlich einmal nicht nur über Eulen Kontakt mit der Zaubererwelt zu haben. Erzähl mir wie dein Sommer so ist. Lass schnell von dir hören.

Pass auf dich auf,

Harry

Nachdem Harry Hedwig mit dem Brief weggeschickt hatte, wandte er sich wieder seinen Büchern zu. Es schien, als ob er sich in eine Art Roboter verwandelt hatte. Er verbrachte den ganzen Tag mit lernen, Zaubersprüche zu üben, seine zauberstablosen Fähigkeiten zu verbessern, körperlich zu trainieren und seine Tiergestalten zu trainieren. Den größten Teil der Nacht verbrachte er damit, mit Sirius in seinen Träumen zu trainieren.

Sirius half ihm, neue Zaubersprüche zu lernen und diente auch als sein Duellpartner. Sein Pate war noch immer der bessere Duellant, aber Harrys Fähigkeiten wurden schnell besser. Harry wurde immer schneller und besser, magisch und physisch. Er konnte Flüchen ausweichen, während er selber zauberte, seine Schilde konnten alles, was Sirius ihm entgegenwarf, abwehren und seine Reflexe waren so gut wie immer.

Vor seinem Training war Harry an ein Duell, in dem alle Register gezogen wurden, nicht gewöhnt gewesen. Im Unterricht wurden Schilde und Zaubersprüche abwechselnd benutzt. In einem echten Duell ging es nicht so formell zu. Man konnte Flüche hin- und herschicken oder eine Person konnte einen Fluch nach dem anderen losschicken. Harry gewöhnte sich noch immer an diesen Aspekt des Kampfes, aber er wurde jede Nacht besser. Er hatte es in der letzten Nacht endlich geschafft, seinen Paten zu besiegen. Sirius war teils glücklich und stolz auf sein Patenkind und teils wütend auf sich selbst gewesen, dass er von einem fünfzehnjährigen besiegt worden war. Harry hatte gemerkt, dass Sirius stolz auf ihn gewesen war, trotz seiner verwirrten Gefühle.

Heute begann er seine Bücher über Okklumentik zu lesen, angetrieben von seinem ersten Erlebnis mit Voldemort in diesem Sommer. Seine Narbe hatte ihn seit ihrem Zusammentreffen im Atrium des Zaubereiministeriums überhaupt nicht geplagt. Er hatte angenommen, dass Voldemort sich ruhig verhielt, nachdem seine Rückkehr endlich vom Ministerium anerkannt worden war. Letzte Nacht hatte dann Harry wie immer mit Sirius trainiert, als er plötzlich aus dem Klassenzimmer gerissen wurde.

Als er schließlich wieder in der Lage war, sich zu orientieren, entdeckte Harry, dass er in einer dunklen, feuchten Höhle war, umgeben von Gestalten in schwarzen Roben, die Gesichter von Masken verdeckt. Er hatte auf einem steinernen Thron gesessen. Als er aufstand, um sein Wort an seine Gefolgsleute zu richten, fielen sie alle zusammen auf die Knie. „Meine treuen Gefolgsleute, heute Nacht wächst unsere Zahl. Ich habe unsere ergebenen Diener aus Askaban zu uns gerufen und mit ihnen bringen sie unsere Brüder, die vor kurzem gefangen genommen worden sind."

Voldemort machte eine Pause, als sein Gefolge in Gemurmel ausbrach. „Ruhe! Wir sind bis jetzt vorsichtig gewesen, diskret in unseren Handlungen, um Aufmerksamkeit zu vermeiden. Nun weiß die Welt, dass ich zurückgekehrt bin. Sie erwarten ohne Zweifel, dass wir aus dem Schatten treten, dass wir Terror und Chaos im Land verbreiten. Und wir werden. Ja, das werden wir. Zur richtigen Zeit. Nun ist die Zeit, um unsere Verbündeten zu sammeln, um unsere Zahl zu vergrößern. Während die Welt erwartet, dass wir angreifen, werden wir unsere Kräfte bündeln. Und wenn sie in ihrer Wachsamkeit nachlassen, werden wir da sein. Schließlich wollen wir der Welt nicht die Chance verweigern, unsere glorreiche Rückkehr zu feiern. Sobald wir der Welt unsere Anwesenheit angemessen bekanntgegeben haben, wird das Dunkle Mal wieder den Himmel erleuchten und Furcht in die Herzen der Zaubererwelt bringen. Und ihr, meine Gefolgsleute, ihr werdet nach Herzenslust Muggel und Schlammblüter und Muggelliebhaber foltern und töten können. Wir werden der Welt die Überlegenheit der Reinblüter zeigen."

„Ah. Es scheint, unsere Gäste sind eingetroffen", kommentierte Voldemort, als mehrere Todesser eintraten. „Willkommen. Ich hoffe, euer Aufenthalt in Askaban war erfreulich. Sagt mir, wie kann es sein, dass zwölf Todesser nicht in der Lage sind, ein halbes Dutzend Schulkinder zu besiegen", fragte Voldemort mit täuschender Ruhe.

„Mein Lord", antwortete Lucius Malfoy und trat vor. „Wir haben versucht, die Prophezeiung zu beschützen. Wir konnten den Potterjungen nicht angreifen aus Angst, die Prophezeiung zu zerstören."

„Das würde erklären, wie Potter euch entkommen konnte. Aber Lucius, sag mir, wie kommt es, dass ihr nicht fähig wart eins der anderen fünf herumlaufenden Kinder zu fangen? Sicherlich warst du dir im Klaren, dass Potter die Prophezeiung eingetauscht hätte, wenn ihr einen seiner Freunde gefangengenommen hättet."

„Mein Lord, es war nicht so einfach. Potter hat die ganze Zeit gedroht ..."

„Ruhe! Ich habe genug von deinen armseligen Entschuldigungen", tobte Voldemort. „Enttäusche mich nicht noch einmal, Lucius, oder du wirst sehen, dass die Konsequenzen schwerwiegend sein werden. Potter und seine Freunde werden bezahlen. Jetzt werde ich dir dasselbe sagen, was ich Bella gesagt habe: Crucio!" Schmerz schoss durch Harrys Narbe, als Malfoy zu Boden fiel und sich vor Schmerz wand. Voldemort folterte jeden der Todesser, der im Ministerium gefangen genommen worden war. Harry wachte irgendwann während der Folter in kaltem Schweiß gebadet auf, seine Narbe brannte vor Schmerzen.

Die nächsten paar Minuten lag er zusammengerollt auf seinem Bett, seine Hand an seine Narbe gepresst. Irgendwann begann der Schmerz nachzulassen und Harry konnte wieder klar denken und verarbeiten, was er gerade gesehen hatte. Harry fragte sich, ob er den Schulleiter von seiner neuen Vision erzählen sollte. Es gab nichts beweiskräftiges, aber es konnte nicht schaden, ihm Bescheid zu geben.

Er war sich sicher, dass Dumbledore bald über den Ausbruch aus Askaban Bescheid wissen würde, wenn er es nicht sogar schon wusste. Aber die Bedrohung von möglichen Angriffen lastete auf Harry und so beschloss er, gleich einen Brief zu schreiben. Er stolperte aus dem Bett und an den Schreibtisch, wo er ein Pergament fand, dass er benutzen konnte und holte seinen Federkiel und Tinte zum Schreiben hervor.

Sir,

hatte Vision. Gefängnisausbruch. Dementoren weg. Voldemort bleibt kurze Zeit ruhig, plant irgendetwas Großes, bevor die Angriffe starten.

HP

Der Brief war kurz und knapp gewesen, aber bedachte man das Thema und die Tatsache, dass es früh am Morgen war, hatte Harry sich nicht wirklich darum gekümmert. Er hatte versucht wieder zu schlafen, nachdem er Hedwig mit dem Brief losgeschickt hatte, aber er hatte zu viele Gedanken im Kopf, um schlafen zu können. Er fragte sich, was sein Pate über sein plötzliches Verschwinden dachte. Harry nahm an, dass Sirius annehmen würde, dass er einfach plötzlich aufgewacht war.

Während er im Bett lag, erinnerte er sich daran, wie seine früheren Visionen von Voldemort für ihn geendet hatten und er entschied, nicht auf Snapes Okklumentikunterricht zu warten. Was der Grund war, warum er sich jetzt vertieft in Okklumentik: Schütze deine Gedanken wiederfand. Nicht überraschend, fand er heraus, dass das Thema viel komplexer war als Snapes einfache Anweisung: „Machen Sie Ihren Kopf frei" Es wurden mehrere verschiedene Methoden vorgestellt, aber die beste Erklärung, die Harry bisher gelesen hatte, sagte dem Leser, dass er sich seinen Geist wie ein Schloss oder eine Burg vorstellen musste.

Diese Burg wäre wie eine Stadt, bei der die Einwohner und ihre Häuser und ihre Besitztümer seine Gedanken und Erinnerungen wären. Die Menschen, die als nicht so wichtig angesehen waren, wären nahe der Stadtmauer oder sogar außerhalb von ihnen. Sie hätten kaum Schutz. Die meisten der Menschen wären innerhalb der Stadtmauern und wären vor Eindringlingen beschützt.

Keine Burg ist unbezwingbar, daher wären die wichtigsten Leute in der Nähe des Stadtzentrums in einem Schloss, das seine eigenen Schutzwälle um sich hatte. Sollte irgendjemand in die Stadt gelangen, würde er angegriffen und zurückgedrängt werden, sobald er einen Fuß hineinsetzte. Er würde hoffentlich rausgeworfen werden, bevor er überhaupt das Schloss in der Mitte der Stadt erreichen würde. Sollte er das Schloss erreichen, würde der Eindringling dessen Schutzwälle durchbrechen müssen, während er den Angriff vom Rest der Stadt abwehren müsste und würde es dadurch so gut wie unmöglich machen, dass das Schloss eingenommen werden würde, wenn man in Okklumentik begabt war.

Wie Harry herausfand war der Schlüssel nicht so sehr, seinen Kopf freizubekommen, sondern ihn zu organisieren. Wenn ein Legilimentiker das erste Mal angreift, wird er, wenn er die äußeren Schutzmauern durchbricht, nur Zugriff auf die trivialsten Gedanken und Erinnerungen haben und dem Okklumentiker damit Zeit geben, den Eindringling abzuwehren, ohne von Erinnerungen ,die gesehen werden, abgelenkt zu werden.

Und deshalb entschied Harry, dass der erste Schritt, um Okklumentik zu meistern, sein würde, dass er seine Gedanken ordnen würde. Er beschloss jeden Tag ein paar Stunden dazu zu verwenden, sich durch seine Erinnerungen zu arbeiten und sie zu organisieren. Um sich diesen Prozess zu vereinfachen, stellte sich Harry verschiedene Koffer vor. Er machte verschiedene Etiketten auf jeden Koffer, um sich ähnelnde Erinnerungen in jeden zu legen. Jeder Koffer konnte auch verschiedene Abteile haben, um die Erinnerungen noch weiter in Unterkategorien zu unterteilen. Die Schule hatte ihren eigenen Koffer, wobei jedes Fach und jeder Lehrer sein eigenes Abteil hatte. Seine Freunde bekamen einen weiteren Koffer, wobei jeder seiner Freunde ihr eigenes Abteil bekam. Die DA hatte ein eigenes Abteil und seine Klassenkameraden auch ihr eigenes.

Er bildete einen Koffer für seine Feinde mit Abteilen für Voldemort, Todesser, Draco Malfoy, andere Slytherins, die auf Dracos oder Voldemorts Seite standen, Snape, Fudge/Umbridge/andere Ministeriumsidioten, und eins für sonstige Feinde.

Er kreierte einen Koffer für den Orden mit Abteilen für Dumbledore, Remus, Tonks, Moody, andere Mitglieder und Ordensinformationen und -Geheimnisse. Ein Koffer entstand für seine Familie, gute und schlechte. Ein Abteil beinhaltete die Dursleys, ein anderes seine Eltern. Eins war für Sirius und ein weiteres für die Weasleys. Es gab auch einen Koffer für sonstige Erinnerungen aus der Vor-Hogwartszeit, die von schlecht bis schlimm reichten.

Er konstruierte sich neue Koffer, wie er sie brauchte. Es wäre für jeden eine schwere Prozedur, seine gesamten alten Erinnerungen durchzugehen und sie zu ordnen, aber für jemanden, der viele schlechte Erinnerungen hatte, ohne sehr viele gute zu haben, um diesen entgegenzuwirken, war es eine aufreibende Angelegenheit. Harry war während dieser Zeit deutlich erschüttert und sein Pate merkte das während ihrer nächtlichen Treffen.

Das Organisieren seiner Gedanken dauerte mehrere Tage und sein Training mit Sirius war währenddessen praktisch nicht existent. Sirius hatte entschieden, dass es wichtiger war, seinem Patensohn während dieser Zeit zur Seite zu stehen und ihn zu unterstützen als zu duellieren. Der Junge hatte in seinem jungen Leben schon so viel durchgemacht und hatte so viele Lasten auf seinen Schultern tragen müssen - es wurde Zeit, diese Last ein wenig zu lindern. Sirius stellte die Fragen, vor denen er während seines Lebens zurückgeschreckt war: über Harrys Kindheit, die Dursleys, einiges über seine schwerere Zeit in Hogwarts, als sich so viele von ihm abgewandt hatten, seinen Eltern und alles was sonst noch aufkam.

Harry traf sich während dieser Zeit auch noch einmal mit Remus. Der scharfsinnige Werwolf hatte Harrys Stimmung ebenfalls sofort mitbekommen. Er nahm an, dass Harry sich endlich mit Sirius Tod befasste und tröstete ihn so gut er konnte. Harry fühlte sich sehr schuldig, dass er Remus in die Irre führte, aber benutzte die Situation zu seinem Vorteil, um seine Trauer seinem ehemaligen Professor glaubhaft zu vermitteln. Er wusste, dass jeder erwartete, dass er Sirius Tod schwer nehmen würde, aber seinen Patenonkel jede Nacht zu sehen, machte es viel einfacher, den Schmerz zu vergessen. Aber Harrys mitgenommenes Aussehen in dieser Zeit machte es umso einfacher, seine nächtlichen Aktivitäten zu verbergen.

Als Harry seine Erinnerungen vollständig organisiert hatte, wusste er, dass er noch nicht mit ihnen fertig war. Er hatte so vieles für eine so lange Zeit unterdrückt und er war nicht naiv genug, um zu glauben, dass er seine Vergangenheit verarbeitet hatte, aber es gab im Moment wichtigere Dinge zu tun. Also schob er alles beiseite, für den Moment in seinen Koffern gefangen. Harry empfand es nun mit seinen aufgeräumten und organisierten Erinnerungen als viel leichter, seine Gefühle und Gedankenprozesse zu kontrollieren. Wenn er wollte, konnte er sich daran hindern, an bestimmte Dinge zu denken, und es war nicht schwer, jegliche Gefühle im Keim zu ersticken und sie zusammen mit den Gedanken und Erinnerungen, die sie verursachten, wegzusperren, wenn er nicht bereit war, sich mit ihnen auseinanderzusetzen

Nun, da alles sortiert war, war es an der Zeit, zu lernen, wie er seine Gedanken und Erinnerungen schützen konnte. Er las im Buch weiter und entdeckte verschiedene Vorschläge, wie er seinen Geist beschützen könnte. Physische Barrieren waren ein Beispiel. Ein anderer verglich den Vorgang mit dem Aufbau von Schutzzaubern, um ein Heim oder einen Besitz zu beschützen. Voldemorts Stärke bedenkend beschloss Harry, dass es wahrscheinlich das Beste war, alle Fronten abzudecken. Er wusste noch nichts über Schutzzauber, aber er hatte ein Buch über Schutzzauber in der Winkelgasse gekauft. Das würde das nächste Buch sein, das er lesen würde.

Davor aber stellte sich Harry vor, wie er physische Barrieren errichtete. Er stellte sich seinen Geist von Stahlwänden umgeben vor, die Seiten, die Decke und der Boden. Er stellte sich dann vor, dass seine Koffer ebenfalls mit Stahl verstärkt wurden. Nachdem er das Gefühl hatte, dass er alles in seiner Macht stehende mit den Barrieren getan hatte, begann er über Schutzzauber zu lesen.

Und so las Harry heute Magischer Schutz: Standardschutzzauber für zu Hause. Harry benutzte den Hausaufgabenplaner, den Hermine ihm gegeben hatte, um sich Notizen zu machen und um den Überblick über die vergehende Zeit zu behalten. Während er sich eine Notiz machte, bemerkte er, dass heute der 30. Juli war.

Harry erinnerte sich daran, dass es Nevilles Geburtstag war. Er beschloss, seinem Freund schnell zu schreiben, um ihm zum Geburtstag zu gratulieren. Er wünschte sich, er hätte früher daran gedacht, so dass er ihm ein Geschenk besorgen hätte können, aber er würde sich mit einer selbstgemachten Geburtstagskarte zufrieden geben müssen. Er legte sein Buch zur Seite und holte Pergament und Federkiel hervor.

Lieber Neville,

alles Gute zum Geburtstag, Kumpel. Ich wünschte, ich würde nicht bei meinen Muggelverwandten festsitzen, dann hätte ich dir was besorgt. Ich weiß nicht, ob du es weißt, aber unsere Geburtstage sind nur ein Tag auseinander. Schon lustig, dass der heutige Tag trotzdem irgendwie überraschend gekommen ist. Aber die Dursleys haben meinen Geburtstag nie gefeiert, also war es für mich nie eine große Sache, was es einfacher macht, es zu vergessen.

Ich hoffe, du genießt deinen Sommer. Ich lerne viel. Ich habe mir neue Unterrichtsstunden für die DA dieses Jahr überlegt. Du siehst richtig, die DA wird wieder stattfinden. Sie wird für neue Mitglieder offen sein und von der Schule offiziell anerkannt sein, so dass wir nicht mehr die ganze Zeit durch die Schule schleichen müssen. Die genauen Details erzähle ich dir dann, wenn wir wieder in der Schule sind.

Nun, ich wollte dir nur alles Gute zum Geburtstag wünschen. Ich hoffe, du genießt deinen Tag.

Pass auf dich auf,

Harry

Harry ging zu seiner Eule und gab ihr den Brief. Es war nicht selten zu sehen, wie Harry mit seiner Eule im Ligusterweg redete; sie war schließlich der einzige Freund, den er in diesem Haus hatte. Seit er herausgefunden hatte, dass er mit Hedwig reden konnte, verwandelte er sich manchmal in seine Eulenform und redete mit seiner schneeweißgefiederten Freundin. Er hatte Gedankenreden auch in seiner menschlichen Gestalt ausprobiert, hatte aber noch keinen Erfolg gehabt. Er bat Hedwig, Neville die Nachricht zu überbringen und sagte ihr, dass es Nevilles Geburtstag war. Er brachte sie zum Fenster und wünschte ihr einen sicheren Flug.

Harry wandte sich wieder seinen Büchern zu und vergrub sich in ihnen. Er entdeckte viele Schutzzauber, die ihm bei seinem derzeitigen Problem nicht helfen würden, die er sich aber trotzdem genau durchlas, da er wirklich daran interessiert war, mehr zu lernen. Es gab Anti-Apparier-, Anti-Portschlüssel-, Anti-Muggel- und Verwirrungsschutzzauber. Es gab Schutzzauber, die jedem den Eintritt verwehrten, ausgenommen an einer bestimmten Stelle am Tor. Es gab Schutzzauber, die man an bestimmte Personen binden konnte, um ihr Betreten zu verhindern. Es gab auch Altersspezifische Schutzzauber, so wie die Alterslinie, die Dumbledore für den Feuerkelch in Harrys viertem Schuljahr verwendet hatte.

Es gab ein paar unterschiedliche Schutzzauber, um verschiedene Arten von Geräuschlosen Räumen zu kreieren. Eine Art würde verhindern, dass auch nur ein Geräusch den geschützten Bereich verlassen würde, erlaubte aber, dass Geräusche hineingelangten; eine andere Art würde verhindern, dass ein Geräusch hineingelangte, aber erlauben, dass Geräusche hinausdrangen und der letzte Schutzzauber würde verhindern ,dass Geräusche hineindrangen und auch, dass Geräusche hinausgelangten. Es gab einen undurchdringbaren Schutzzauber, der alles Lebende oder Nichtlebende davon abhalten würde, die Barriere zu durchqueren. Harry fand heraus, dass die Stärke des Schutzzaubers von der Menge der Magie, die dafür verwendet wurde, abhing. Langlebige Schutzzauber können regelmäßig verstärkt werden, um die Stärke zu erhöhen. Das war der Grund, warum so alte Gebäude wie Hogwarts als so sicher angesehen wurden. Ihre Schutzzauber waren lange aktiv gewesen und wurden ständig verstärkt. Um einen Schutzzauber zu brechen, musste man soviel Magie ins Durchbrechen verwenden, wie gerade zum Verstärken verwendet wurde. Aber Schutzzauber vergingen nach einiger Zeit. Wenn also die Schutzzauber nicht regelmäßig verstärkt wurden, wurde es einfach, sie zu durchbrechen.

Das Buch sagte, dass es einen Weg gab, um die Schutzzauber zu verstärken, indem man sie an einen Edelstein bindet. Durch die Benutzung von verschiedenen Edelsteinen um die Schutzzauber aufzunehmen, wird die Lebensdauer eines Schutzzaubers verlängert, indem die Schutzzauber langsamer als sonst schwächer werden. Im Buch wurde erwähnt, dass viele Studien erstellt wurden, wie sich verschiedene Edelsteine auf die verschiedenen Arten von Schutzzaubern auswirken und wie die Größe und Qualität eines Edelsteins die Dinge ebenfalls beeinflussen können, aber es wurde nicht näher ins Detail gegangen. Es war schließlich nur ein Buch über die Grundlagen.

Harry war sehr an dem Thema interessiert. Hogwarts wurde als einer der sichersten Orte der Welt angesehen, und doch war sein Leben in seinen fünf Jahren dort mehrmals in Gefahr gewesen. Er fragte sich, was für Schutzzauber auf Hogwarts lagen und wie sie die Schüler beschützten. Er fragte sich, warum die Schutzzauber ihn und seine Schulkameraden so oft nicht beschützt hatten.

Bevor er in dieser Nacht einschlief, stellte er sich einige der neuerlernten Schutzzauber in seinem Kopf vor. Er legte einen undurchdringbaren Schutzzauber um seinen Geist, um jeden davon abzuhalten, einzudringen. Schutzzauber im Kopf zu errichten war nicht genau dasselbe wie Schutzzauber im wirklichen Leben aufzubauen. Es war mehr eine Art Analogie. Man kann keine Magie in seinem Kopf benutzen, aber wollen, dass die Dinge auf einem bestimmten Weg geschehen. Also hatte Harry einfach gewollt, dass sich ein Kraftfeld um seine Gedanken aufbaute. Er hatte auch eins über jeden seiner Koffer in seinem Kopf gelegt, so dass nur ihm der Zutritt erlaubt war.

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In dieser Nacht verbrachten Harry und Sirius nur die Hälfte der Zeit mit Training. Nach einiger Zeit stoppte Sirius ihr Training und sie verbrachten den Rest der Nacht damit, über Alles und Nichts zu plaudern. Sirius sagte Harry, dass dies sein Geburtstagsgeschenk sei, da er ihm kein anderes Geschenk geben konnte. Er erzählte Harry, dass seine Eltern James und Lily ihn darum gebeten hatten, ihrem Sohn von ihnen alles Gute zum Geburtstag zu wünschen. Harry hatte gelächelt, seine Augen schimmerten mit ungeweinten Tränen und er dachte, dass dies sowieso besser als jedes Geschenk war.

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Harry wachte gutgelaunt auf. Er fasste die bewusste Entscheidung, den Tag zu genießen. Er schloss alle negativen Gedanken und Erinnerungen weg und konzentrierte sich nur auf die guten Dinge. Er stürzte sich in seine übliche Morgenroutine und zog sich schnell Joggingsachen an. Die Sonne stand tief am Himmel, war aber hell und strahlend. Da waren vereinzelte weiße Wolken, aber der Himmel war größtenteils ein sanftes Blau. Der Sommer war an seinem Höhepunkt. Es war warm, aber um diese Morgenstunde noch nicht unerträglich heiß. Harry begann zu laufen, und das Singen der Vögel in den Bäumen am Straßenrand begleitete ihn.

Er hatte seit kurzem begonnen, Augen und Ohren für Tonks offenzuhalten, von der er gehört hatte, wie sie Remus erzählte, dass sie ihn immer unter dem Tarnumhang hinterherlaufen musste. Er hatte Tonks einige Male entdeckt, als sie ihm folgte. Sie konnte selbst zu den besten Zeiten ziemlich tollpatschig sein. In einem Tarnumhang herumzurennen war daher eine Einladung für ein Desaster.

Harry bemerkte, dass Tonks ihm heute auf dem Bürgersteig folgte. Gut gelaunt wie er war entschied er, sich mit der lustigen Aurorin einen Spaß zu erlauben. Er lief um eine Straßenecke, die von einer besonders hohen Hecke gesäumt war. Als er die Kurve nahm, sprang er vom Bürgersteig in die Hecke und blieb still, während er auf das Geräusch ihrer Schritte lauschte. Sekunden später hörte er, wie sie sich näherte und gerade als sie um die Ecke bog, streckte Harry sich und pflückte ihr den Tarnumhang vom Kopf.

„So 'ne Überraschung, Tonks!", begrüßte Harry sie frech.

Tonks drehte sich um und legte ihre Hand auf ihre Brust. Sie griff nach ihrem Zauberstab, bemerkte dann aber, wer ihr Angreifer war. „Du lieber Himmel, Harry! Ich hatte fast 'nen Herzinfarkt", beschwerte sich Tonks. „Was sollte das überhaupt? Versuchst du, mich auffliegen zu lassen?"

„Tonks, ich bin zutiefst getroffen", meinte Harry und fasste sich mit der Hand ans Herz. „Hier bin ich an meinem Geburtstag und du warst damit zufrieden, mir nur in den Schatten zu folgen, ohne mir einen schönen Tag zu wünschen. Ich weiß nicht, ob ich mich jemals davon erholen werde."

„Harry, du Blödmann, du weißt, dass ich mich nicht zu erkennen geben darf", erwiderte Tonks und schlug ihm spielerisch auf die Schulter.

„Oh natürlich, Gott bewahre das du die Vorschriften brichst", neckte Harry sie.

„Wieso bist du heute Morgen so guter Laune?", fragte Tonks.

„Heute ist mein Geburtstag, meine liebe Tonks. Brauche ich einen anderen Grund?", fragte Harry und tat so, als sei er von ihrer Frage verletzt.

„Du denkst also, du kannst alles machen was du willst, nur weil du heute Geburtstag hast?", fragte Tonks.

„Mehr oder weniger", erwiderte Harry strahlend.

„Also gut. Ich lass dich dieses eine Mal ungestraft deinen Spaß haben", gab sie nach. Wie hast du mich überhaupt entdeckt?"

„Oh. Ich wusste seit ein paar Wochen, dass du mir folgst. Ich habe auch meine Augen und Ohren offen gehalten." Harry grinste. „Ich habe schon seit einiger Zeit überlegt, dir eine Falle zu stellen und heute schien der richtige Moment dafür zu sein."

„Moody wäre so stolz auf dich", lobte ihn die junge Aurorin spöttisch.

„Wie er es auch sein sollte", sagte Harry pompös. Er streckte die Brust heraus und tat sein Bestes, wie Percy auszusehen, der über seine Arbeit redete. Dann wurde Harry aber ernst und fragte: „Wie geht es dir, Tonks?"

„Ich weiß nicht", begann sie und hielt dann inne. „Es war ein schwerer Monat. Ich habe mir vor allem Sorgen gemacht, denke ich, um dich und um Remus und alle. Ich vermisse Sirius, aber ich hatte nie die Chance, ihn gut kennenzulernen. Sicher, er war der Cousin meiner Mutter, aber er war die Hälfte meines Lebens im Gefängnis. Ich habe ein paar Erinnerungen an ihn aus der Zeit, als ich jünger war und jetzt vom vergangenen Jahr. Der Tod von jedem, den du kennst, wird dich immer schwer treffen."

„Ich weiß, was du meinst", erwiderte Harry ernst. „Die Wahrheit ist, dass ich ihn auch nicht so gut kannte. Ich meine, ich hatte nur die letzten zwei Jahre und selbst dann waren es größtenteils nur sporadische Briefe. Ich hatte nur die Hälfte vom letzten Sommer und die Weihnachtsferien im Hauptquartier, um wirklich Zeit mit ihm zu verbringen. Das wars." Tonks legte eine Hand auf seine Schulter und drückte sie. Harry schenkte ihr ein trauriges Lächeln als Antwort. „Das hat es aber nicht einfacher gemacht. Ich bedaure nur, dass wir nicht mehr Zeit zusammen hatten und wünschte, dass es einen Weg geben könnte, das zu ändern."

„Du musst einfach das, was du hast, in Erinnerung behalten", unterbrach Tonks. „Du hast eine Menge Leute, die dich sehr gern haben, Harry. Du magst mit deinen Verwandten nicht zurechtkommen, aber du hast noch immer eine Familie, bloß nicht in Blut."

„Ja, du hast Recht." Harry lächelte wieder. „Ich habe noch immer viel, für das sich das Leben lohnt. Remus ist der Einzige, um den ich mir Sorgen mache. Er hat alle schon einmal verloren und jetzt hat er Sirius ein zweites Mal verloren, nur zwei Jahre, nachdem er ihn wieder hatte, Ich wünschte, es gäbe etwas, dass ich für ihn tun könnte."

„Du bist ein guter Junge, Harry", sagte Tonks. „Du und Remus seid gut füreinander. Mach dir aber keine Sorgen. Ich habe auch ein Auge auf ihn. Wenn er glaubt, dass er Trübsal blasen könnte, wird er noch was erleben."

„Danke Tonks. Es ist gut zu wissen, dass jemand auf ihn aufpasst."

„Du kannst auf mich zählen, Harry", sagte sie und schenkte ihm ein überwältigendes Lächeln.

„Nun, sollen wir weiterlaufen?", fragte Harry schließlich.

„Nach dir", antwortete sie.

Harry gab ihr den Tarnumhang zurück und wollte gerade weiterlaufen, als ihre Stimme ihn davon abhielt: „Oh und Harry?"

„Hmm?"

„Alles Gute zum Geburtstag!"

„Danke." Er lächelte ihr zu und lief dann los. Nachdem Tonks sich vergewissert hatte, dass niemand zuschaute, warf sie sich wieder den Tarnumhang über und einen Moment später folgte sie ihm.

Harry beendete seinen Lauf und sein übliches morgendliches Trainingsritual in Hochstimmung. Als er in sein Zimmer zurückkam, wurde er von ein paar Eulen, die verschiedene Pakete bei sich trugen, begrüßt. Harry machte schnell eine Runde, um die Eulen von ihrer Last zu befreien. Er bot jeder Eule eine Leckerei und etwas Wasser an, bevor er sich schließlich seinem kleinen Stapel Pakete zuwandte.

Pig hatte ein Geschenk von Ron gebracht, an dem eine kleine Notiz befestigt war. Es war eine kurze Nachricht. Er wünschte ihm alles Gute zum Geburtstag und entschuldigte sich, dass er wütend auf ihn gewesen war, weil Harry Ginny geschrieben hatte. In großzügiger Stimmung beschloss Harry, zu vergeben und vergessen und versuchte im Hinterkopf zu behalten Ron ein Dankeschön zu schreiben. Sein Freund hatte ihm eine Box voller Schokofrösche und ein Poster der Chudley Cannons geschenkt. Harry schüttelte den Kopf über seinen Freund. Ron war einer der größten Fans der Cannons und schien versessen darauf zu sein, dass Harry dies auch werden würde.

Eine unbekannte Eule hatte ihm ein etwas schwereres rechteckiges Paket gebracht, an dem eine Nachricht befestigt war. Harry öffnete zuerst den Brief und sah Hermines Handschrift auf dem Blatt. Sie wünschte ihm alles Gute zum Geburtstag und sie hoffte, dass ihr Geschenk ihm helfen würde. Er riss das Paket auf und fand - wenig überraschend - ein Buch und eine Broschüre vor. Das Buch ließ ihn grinsen, die Broschüre ärgerlich schnaufen. Das Buch, das sie geschickt hatte, sollte ihm mit dem magischen Vertrag für die DA helfen. Die „Die fünf Phasen der Trauer"- Broschüre weckte in Harry den Wunsch, aus Frust zu schreien. Wie konnte Hermine glauben, dass eine dumme kleine Broschüre ihm in so einer Situation helfen würde?

Er erinnerte sich an sein Versprechen an sich selbst und beschloss, dass dies nicht seine Stimmung verderben sollte und widmete sich dem nächsten Paket. Eine weitere unbekannte Eule hatte ein Geschenk von Remus gebracht. In der Notiz, die er mitgeschickt hatte, fragte er Harry, ob sie sich heute um 15:00 Uhr im Park treffen könnten. Sein ehemaliger Professor hatte ihm ein Buch über Verteidigung und ein Zaubererfoto von sich, James und Sirius geschickt. „Die wahren Rumtreiber", dachte sich Harry. Das Foto war in einem einfachen Holzrahmen. Er entschied, einen Zauber nachzuschlagen, mit dem er etwas eingravieren konnte. Er mochte den Titel, den er sich ausgedacht hatte.

Eine Hogwartseule kam mit dem Geschenk von seinem Halbriesenfreund Hagrid. Harry hoffte, dass Hagrid ihm nicht wieder selbstgemachtes Essen geschickt hatte. Sein Freund meinte es gut, aber sein Essen gewann am Ende immer den Kampf gegen Harrys Zähne. Harry öffnete das Paket und fand einen Dolch. Er schätzte, dass er eine 25 cm-Klinge hatte. Das Messer hatte ein Drachenmotiv: ein Drache der sich um den Griff wand, seine Augen funkelten mit roten Saphiren. In die Scheide waren auch Drachen eingeschnitzt. Hagrid hatte Drachen schon immer geliebt.

Harry lächelte. Es war ein ungewöhnliches Geschenk, sicher, aber es wäre nicht ein Geschenk von Hagrid, wenn es normal wäre. Er wusste nicht, ob er es brauchen würde, aber Harry mochte das Geschenk. Er las die Nachricht, die dabei war und die in Hagrids krakeliger Schrift geschrieben war. Er wünschte Harry alles Gute zum Geburtstag und sagte ihm, dass er sich von seinen Verwandten nicht ärgern lassen sollte. Er schrieb, dass er für die Schüler ein interessantes Halbjahr geplant hatte, was Harry zusammenzucken ließ. Hagrids Idee von interessant bedeutete für alle Anderen meist lebensbedrohlich.

Errol hatte ein Paket von Mrs. Weasley gebracht. Ihre Kochkunst war legendär und Harry wurde nicht enttäuscht. Er bekam selbstgemachte Karamellbonbons und einen kleinen Kuchen. Er legte dieses Paket erst einmal zur Seite. Nachdem er alle seine Geschenke ausgepackt hatte, würde er es in den Kühlschrank in seinem Koffer stellen, um das Essen länger haltbar zu machen.

Die Zwillinge hatten ihm eine Eule mit einer Box, gefüllt mit Weasleys Zauberhafte Zauberscherzeprodukten, geschickt. Harry öffnete diese erstmal nicht. Er hatte keine Lust, dass irgendetwas in sein Gesicht explodierte. Sie hatten ihm einen Brief geschrieben, in dem sie ihm alles Gute zum Geburtstag wünschten und ihn über ihre Geschäftspläne informierten. Sie öffneten anscheinend im September einen Laden in der Winkelgasse. Sie sagten ihm, dass ihm als ihr finanzieller Förderer 10 % des Geschäfts gehörten. Harry fasste den Entschluss ihnen zurückzuschreiben, dass 10 % viel zu viel waren. Hätte er geglaubt, dass sie ihn lassen würden, hätte er versucht, sie davon abzubringen, ihm überhaupt einen Anteil des Geschäfts zu geben. Er wusste aber, dass er das nie erreichen würde und wollte daher lieber versuchen, sie auf 5 % herunterzuhandeln.

Harry wandte sich nun dem zu, was seine Eule Hedwig ihm gebracht hatte. Das Erste war nur ein Brief. Eine Antwort von Neville, in dem er ihm für seinen Brief dankte und ihm ebenfalls alles Gute zum Geburtstag wünschte. Neville schien sich wirklich darüber zu freuen, zur DA zurückzukehren. Harry lächelte, als er an seinen Freund dachte. Neville hatte sich im letzten Jahr wirklich sehr entwickelt. Nachdem Bellatrix Lestrange, die Frau, die Nevilles Eltern bis zum Wahnsinn gefoltert hatte, aus Askaban entkommen war, hatte er eine neue Entschlossenheit in sich gefunden, die ihn schnell zu einem der besten Duellanten des ganzen Klubs machte.

Hedwig hatte ihm auch ein Paket inklusive Nachricht gebracht. Harry öffnete den Brief und sah Ginnys Handschrift auf dem Pergament. Sie wünschte ihm alles Gute zum Geburtstag und sagte ihm, er solle heute etwas Albernes machen. Einfach so. Lachend dachte er: 'Schon erledigt, Gin. Frag einfach Tonks.' Er beschloss, ihr zurückzuschreiben, um ihr von seinem Überfall auf die Aurorin zu berichten. Er war der Meinung, dass sie das amüsieren würde.

Er machte das rechteckige Paket auf, das sie geschickt hatte. Er fand eine Zeichnung, die von einem eleganten Rahmen aus dunklem Holz eingerahmt war. Er war an der Seite mit Symbolen bedeckt, die Harry nicht kannte. Um ehrlich zu sein bemerkte Harry den Rahmen kaum. Die Zeichnung hatte ihn in ihren Bann gezogen. Ein großer, struppiger, schwarzer Hund grinste ihn auf eine Weise an, wie es ein normaler Hund nie könnte. Aber das war nicht irgendein normaler Hund, der gezeichnet worden war.

Tatze war in all seinem Glanz eingefangen. Harry saß wie vom Blitz getroffen da. Die Zeichnung war großartig. Die Animagusgestalt seines Patens war perfekt wiedergegeben. Seine Persönlichkeit war auf die Leinwand gebannt. Er rannte in einem kleinen Obstgarten, den man hinter ihm sehen konnte, herum. Harry erkannte die Landschaft nicht, aber das war nicht wichtig. Tatzes Augen sprühten vor Übermut. Er wedelte lebhaft mit seinem Schwanz und seine Zunge hing aus seinem Mund. Er bellte Harry stumm an und Harry konnte es beinahe in seinem Kopf hören. Oben auf dem Ramen stand in großen Buchstaben 'Tatze'. Und unten auf dem Rahmen war 'In liebevoller Erinnerung an einen guten Freund' eingraviert.

Tränen rannen Harrys Gesicht hinunter, als er wieder den Verlust seines Patens betrauerte. Er hatte seit einiger Zeit nicht mehr viel an den Tod seines Patenonkels gedacht, da er den Mann jede Nacht in seinen Träumen sah, aber das Bild ließ es für ihn wieder Wirklichkeit werden. Es war eine passende Erinnerung an seinen Paten und Freund. Er glaubte nicht, dass irgendjemand anders den Geist seines Patens so gut hätte porträtieren können wie Ginny das getan hatte. Er hatte nicht einmal gewusst, dass sie zeichnen konnte. Er stellte es ehrfurchtsvoll auf den Nachttisch neben seinem Bett und schaute es noch eine Minute an, bevor er sich wieder seinen restlichen Geschenken widmete.

Er nahm seine neuen Bücher und stellte sie zu dem Rest seiner Bücherei in seinem Koffer. Harry bewahrte die ungelesenen Bücher in dem normalen Aufbewahrungsabteil auf, aber sobald er sie gelesen hatte, fügte er die Bücher zu den Bücherregalen in seinem Arbeitszimmer im Koffer hinzu. Er legte die Bücher also zu den anderen ungelesenen und packte dann den Dolch, das Essen und das Poster in den Koffer. Er räumte das Essen weg und legte den Dolch auf den Tisch im Wohnzimmer. Er war sich noch nicht sicher, was er damit machen sollte. Er stopfte das Poster in einen Schrank, da er das orangene Poster nicht andauernd im Wohnzimmer oder im Schlafzimmer anschauen wollte.

Harry trat aus seinem Koffer und war wieder in seinem Zimmer. Er beschloss, dass einige Dankeschöns angebracht waren und setzte sich an seinen Tisch, um zu schreiben. Auf die Zeichnung auf seinem Nachttisch schauend fing Harry an zu schreiben.

Liebe Ginny,

Danke. Ich kann dir gar nicht sagen, wie viel mir dein Geschenk bedeutet. Ich glaube nicht, dass irgendjemand ihn besser hätte treffen können. Ich hätte schwören können, dass ich in seine Augen geschaut habe. Ich kann dir nicht genug für dieses Geschenk danken. Ich wusste nicht einmal, dass du zeichnen kannst, aber du bist wirklich gut. Ich würde gern ein paar deiner anderen Zeichnungen sehen, wenn es dir nichts ausmacht.

Ron hat mir das Übliche geschickt: Süßigkeiten und Cannon-Fanartikel. Ich bringe es nicht übers Herz, ihm zu sagen, dass mir die Cannons völlig egal sind. Ich habe noch nie ein Spiel von ihnen gesehen. Das einzige professionelle Quidditchspiel, das ich je gesehen habe, war die Quidditchweltmeisterschaft. Ich glaube, er interpretiert die Tatsache, dass ich die Cannons nicht wie alle anderen schlecht mache, als ein Zeichen, dass ich sie mag. Ich bin mir nicht wirklich sicher.

Hermine hat mir Bücher geschickt. Schockierend ich weiß. Nimm dir ein paar Minuten Zeit und überwinde deine Überraschung. Eins wird sehr nützlich sein. Es ist ein Buch über magische Verträge. Ich hatte sie um Hilfe gebeten, um einen für die DA zu schreiben. Ich bezweifle stark, dass das andere Buch eine große Hilfe für mich sein wird. Sie hat mir eine Broschüre über die fünf Phasen der Trauer geschickt. Wie sie glauben kann, dass ein Buch das ist, was mir helfen könnte, kann ich nicht begreifen. Aber das ist Hermine.

Hagrid hat mir einen Dolch mit einem Drachenmotiv auf dem Griff und auf der Scheide geschickt. Es ist irgendwie cool, aber ich bin mir nicht sicher, wann ich den Dolch nutzen könnte. Aber wenigstens war es nichts von seinem selbstgemachten Essen. Ich mag meine Zähne zugegebenermaßen im vollständigen Zustand. Remus (Professor Lupin) hat mir ein Buch über Verteidigung und ein Bild von ihm, meinem Dad und Sirius geschickt. Ich habe darüber nachgedacht, „Die wahren Rumtreiber" in den Rahmen zu gravieren, aber ich denke, ich werde warten und es jemand anderen machen lassen. Meine Schrift ist schließlich kaum leserlich.

Weißt du über die Rumtreiber und das alles Bescheid? Manchmal vergesse ich, dass du, obwohl du die ganzen Jahre dagewesen bist, nicht notwendigerweise alle unsere kleinen Geheimnisse und alles, was wir getan haben, mitbekommen hast. Irgendwann in diesem Halbjahr müssen wir uns mal zusammensetzen und uns alles erzählen. Ich bin mir sicher, dass du auch einige Geschichten hast, die du mir erzählen willst.

Nun. Die Zwillinge haben mir einiges von ihrer Ware geschickt. Ich habe aber noch Angst davor, sie zu öffnen. Sie haben mir gesagt, dass sie im September einen Laden in der Winkelgasse öffnen. Ich hoffe, wir haben mal die Gelegenheit, ihn zu sehen. Ich bin mir sicher, dass es ein toller Laden sein wird. Deine Mum hat mir Karamellbonbons und Kuchen geschickt, genau das, was ein wachsender Junge wie ich braucht.

Ich treffe mich später mit Remus. Er hat mir in seinem Brief von dem Treffen geschrieben. Ich werde also an meinem Geburtstag nicht ganz alleine sein. Oh und ich habe deinen Rat umgesetzt, bevor ich überhaupt die Chance hatte, ihn zu lesen und habe heute etwas ziemlich Albernes getan. Ich werde die ganze Zeit von Leuten beobachtet. Also habe ich beschlossen, sie - genauer gesagt Tonks - zu überraschen. Ich weiß, dass das Geburtstagskind normalerweise überrascht werden sollte und nicht das Geburtstagskind andere Menschen, aber meine Geburtstage waren noch nie normal.

Ich bin also meine morgendliche Runde gelaufen und nach einer Straßenecke habe ich mich in einer Hecke versteckt und auf Tonks gewartet. Sie ist immer diejenige, die mich begleiten muss, wenn ich jogge. Ich habe den Tarnumhang von ihr gezogen, als sie um die Ecke bog. Ich glaube, ich habe ihr beinahe einen Herzinfarkt beschert, aber ihr Gesichtsausdruck war es eindeutig wert. Sie war erst nicht so begeistert, aber ich habe ihr gesagt, dass es mein Geburtstag sei und dass sie mir lieber einen schönen Tag wünschen sollte, statt mich zu verfolgen. Wir haben ein bisschen geplaudert: über Sirius, Remus, das Leben. Wir haben darüber geredet, wie wenig wir beide Sirius gekannt haben. Sie war mit ihm verwandt, aber hat ihn nie wirklich gesehen, weil er ihr halbes Leben in Askaban gewesen war. Ich habe ihn nur zwei Jahre gekannt und wir haben nur ein paar Monate zusammen verbracht.

Remus ist der Einzige, um den ich mir Sorgen mache. Er, mein Dad, Sirius und Peter Pettigrew waren beste Freunde. Er hat sie vor 15 Jahren innerhalb eines Tages alle verloren. Dann, vor zwei Jahren, bekommt er einen seiner Freunde zurück und jetzt ist er ihm wieder weggenommen worden, und dieses Mal für immer. Das war einer der Gründe, warum ich angefangen habe, mich mit ihm zu treffen. Ich wollte sicher gehen, dass er Ok ist.

Ich weiß nicht, wie ich auf so ein ernstes Thema gekommen bin. Es ist sehr einfach, dir zu schreiben. Ich weiß nicht, warum, aber ich muss nie darüber nachdenken, über was ich mit dir in meinen Briefen an dich schreiben soll. Ich frage mich, ob es auch so unkompliziert ist, mit dir in Persona zu reden. Wir haben davor nicht wirklich viel miteinander geredet. Ich schätze, wir müssen es einfach herausfinden. Danke noch einmal für die Zeichnung. Sie ist wirklich wunderschön. Du hast eine Menge Talent. Ich sollte jetzt auch meine anderen Dankeschönbriefe schreiben. Schreib schnell zurück.

Pass auf dich auf,

Harry

Ein Brief weniger. Harry schrieb Briefe an Ron, Hermine, Hagrid und die Zwillinge. Sie alle lauteten ähnlich. Er dankte für die Geschenke, die sie geschickt hatten und schrieb, was die Anderen ihm geschickt hatten und fügte hier und da noch etwas Persönliches dazu. Er schrieb Ron, dass er ihm verzieh. Er sagte den Zwillingen, dass ihr Angebot über 10 % zu großzügig war und dass er nicht mehr als 5 % akzeptieren würde.

Er beschloss, Remus keinen Brief zu schreiben, da er ihn später sehen würde. Als er alle geschrieben hatte, hatte er sechs Briefe zu verschicken. Glücklicherweise würden vier der Briefe an den gleichen Ort geschickt werden. Er ging zu seiner Eule und realisierte, dass er etwas brauchte, um die Briefe hineinzutun, da er nicht alle sechs Briefe an ihre Beine binden konnte. Er beschwor einen kleinen Beutel herauf und packte alle Briefe an die Weasleys hinein. Er schnürte den Beutel an ihr Bein und die anderen beiden Briefe an ihr anderes Bein.

Ein paar Minuten später war seine Eule verschwunden und er hatte noch ein paar Stunden Zeit, bevor es Zeit wurde, Remus zu treffen. Er beschloss, sich sein Mittagessen zu machen und ging aus seinem Zimmer auf den Flur. Sein Cousin verließ sein Zimmer zur selben Zeit, schenkte ihm aber keine Aufmerksamkeit, als er die Treppen hinunterpolterte. Als Harry die Treppe erreichte, wurde die Haustür zugeschlagen und sein Cousin war nirgends zu sehen. „Wenn er sich öfters so bewegen würde, wäre er nicht so breit wie er groß ist", murmelte Harry und lachte leise.

Er ging weiter in die Küche und fand dort seine Tante vor, die die bereits blitzsauberen Flächen schrubbte. Als sie hochschaute, sah sie ihn eintreten. Harry nickte ihr höflich zu und fing an, eine Melodie zu pfeifen, während er sich ein belegtes Brot machte. Seine Tante ignorierte ihn zuerst, gab ihre Bemühungen dann aber auf und starrte ihren Neffen an; das Putzen vollkommen vergessend. Harry für seinen Teil achtete nicht auf sie. Er pfiff weiter, während er aufräumte und zurück in sein Zimmer ging, um sein Brot in Ruhe zu genießen. Als er durch die Tür ging, schaute er zurück zu seiner Tante und grinste in ihre Richtung, als er ihren mörderischen Blick sah.

Er war nicht das kleinste bisschen überrascht, dass seine Verwandten seinen Geburtstag nicht beachteten. Sie hatten nie gefeiert, als er jünger war. Um ehrlich zu sein kam sich Harry noch immer ein wenig verloren vor, wenn seine Freunde ihm Geschenke schickten. Er war es nicht gewohnt, Menschen um sich zu haben, die sich genug um ihn kümmerten, um solche Gesten zu machen. Die Gewohnheiten seiner Jugend waren nicht einfach zu vergessen, aber jedes Jahr fühlte er sich bei dem Gedanken etwas wohler und entspannter. Er hatte wirklich Glück, solche Freunde zu haben.

Als er wieder in seinem Zimmer war, setzte er sich an seinen Schreibtisch und begann sein Brot zu essen. Als er fast fertig war, segelte eine Eule durch das Fenster in sein Zimmer. Als Harry der Eule den Brief abnahm, sah er das Hogwartssiegel auf dem Briefumschlag. Harry erkannte sofort die schnörkelige Handschrift des Schulleiters auf dem Papier. Er nahm es heraus und las es.

Lieber Harry,

alles Gute zum Geburtstag. Ich wurde darauf aufmerksam gemacht, dass du nun die Kontrolle über das Verlies der Potterfamilie übernehmen kannst. Das Verlies war in meine Obhut gegeben worden, da es keinen Zauberervormund gab. Diesem Brief sind die benötigten Papiere beigefügt, um das Verlies auf dich zu überschreiben. Alles, was du machen musst, ist, zu unterschreiben und du wirst dein vollständiges Erbe bekommen. Wenn du mir die unterschriebenen Papiere einfach zurückschickst, werde ich alles für dich erledigen.

Ich weiß, dass du wahrscheinlich gerne einen Blick in dein Familienverlies werfen würdest, aber ich weiß nicht, ob das diesen Sommer möglich sein wird. Deine Sicherheit hat die höchste Priorität und ich fürchte, dass die Winkelgasse nicht sicher genug ist, um dorthin zu gehen. Auch mit dem vollen Schutz vom Orden sind die Chancen einer Attacke einfach zu groß, um das Risiko zu rechtfertigen.

Ich werde mich in zwei Wochen mit dem Lehrerkollegium treffen. Bei diesem Treffen werden wir die DA diskutieren und besprechen, welchen Status du als Leiter haben wirst. Ich werde dich kurz darauf über alle die DA betreffenden Informationen unterrichten.

Mit freundlichen Grüßen

Albus Dumbledore

'Dieser verschlagene alte Kauz' dachte sich Harry. Wenn Harry es nicht besser wüsste, hätte er angenommen, dass er erst heute an seinem 16. Geburtstag berechtigt wäre, das Potterfamilienverlies zu erben, statt ein Jahr zuvor an seinem 15. Geburtstag. Harry versuchte nicht, sich selbst hinters Licht zu führen und zu denken, dass es unabsichtlich war oder ein Zufall. Die Rede war von Dumbledore. Alles, was dieser Mann tat, war gut durchdacht.

Er hatte bis zum letzten Tag - Harrys Geburtstag - gewartet, um den Brief zu schicken, so dass Harry sich nicht die Frage stellen würde, warum er erst jetzt von seinem Familienverlies erfuhr. Er würde selbstverständlich annehmen, dass es nicht früher erwähnt worden war, weil er vor dem heutigen Tag keinen Zutritt gehabt hätte. Harry jedoch wusste, dass er letztes Jahr Zutritt hätte bekommen sollen. Er wusste auch, dass Dumbledore bis zum Ende des Monats Zeit bekommen hatte, um Harry Zutritt zu geben. Es war praktisch, dass Harrys Geburtstag der letzte Tag des Monats war und damit immer noch in der Zeitspanne.

Harry las die beigefügten Formulare durch, um sicherzugehen, dass sein Schulleiter nicht noch andere Tricks im Schilde führte. So weit er das sagen konnte, waren die Formulare genau das, was er gesagt hatte. Sie übertrugen die Kontrolle des Potterverlieses und alle daraus folgenden Urkunden und Ansprüche auf Harry James Potter. Er nahm einen Federkiel und setzte seinen Namen an die wenigen Stellen, die seine Unterschrift verlangten.

Harry schrieb eine kurze Antwort an Dumbledore und dankte ihm für die Geburtstagswünsche und dafür, dass er ihm über das Verlies erzählt hatte. Er hatte das dringende Bedürfnis, den Schulleiter auf seine Intrige anzusprechen, aber wusste, dass das nur Fragen aufwerfen würde, die er nicht beantworten wollte. Das Frustrierende war, das der Direktor in seinem Brief nicht gelogen hatte. Er hatte nur die Wahrheit so verformt, wie sie am Besten zu seinen Absichten passten. Harry konnte ihm nicht vorwerfen, unaufrichtig zu sein, nur manipulierend, und die Beweise konnten höchstens als fadenscheinig bezeichnet werden. Er konnte - selbst wenn er es versuchen würde - nicht beweisen, dass Dumbledore ihn absichtlich getäuscht hatte.

Er schickte die ihm unbekannte Eule mit den unterschriebenen Formularen und seiner Antwort zurück zu Dumbledore. Als die Eule schließlich aus dem Fenster flog, waren es nur noch zehn Minuten bis drei Uhr. Er rannte schnell wie der Blitz aus seinem Zimmer, die Treppen hinunter und aus der Haustür hinaus. Er lief schnell durch die Straßen zum Park am Ende der Magnolienstraße. Er achtete auf nichts und niemanden auf seinem Weg. Er hatte es eilig, sein Ziel zu erreichen.

Als er den Park endlich erreicht hatte, begann er auf dem Weg entlang zu laufen, immer in der Nähe von jeder leeren Bank, in dem Wissen, dass auf einer Bank sein ehemaliger Professor sitzen würde. Tatsächlich rief eine Stimme nach ihm, als er an der dritten Bank vorbeilief.

„Alles Gute zum Geburtstag, Harry." Remus tauchte vor ihm auf und zog Harry in eine kurze Umarmung.

„Danke", antwortete dieser, seine Stimme durch die Schulter des Mannes gedämpft.

Remus ließ Harry los und schaute ihn genau an. „Ich habe gehört, dass du heute ein bisschen Spaß hattest", meinte er.

Harry zog eine Augenbraue hoch. „Mit Tonks geredet, mhmm?"

„Sie könnte etwas davon erwähnt haben, dass sie dich heute Morgen getroffen hat", war die beiläufige Antwort von Remus.

„Oh?", meinte Harry. „Und was hatte sie zu sagen?"

„Nur, dass du sie fast zu Tode erschrocken hast", antwortete sein Freund grinsend.

„Sie schien heute Morgen etwas schreckhaft zu sein", erwiderte Harry ohne mit der Wimper zu zucken.

„So, wie sie es erzählt, hatte sie allen Grund, sich zu erschrecken", entgegnete Remus.

„Hmm." Harry zuckte unbestimmt mit den Schultern.

„Sie hat gesagt, du hast sie von einer Hecke aus angesprungen und den Tarnumhang von ihr hinuntergerissen, bevor sie überhaupt wusste, was passierte", Remus lächelte jetzt breit.

„Ich könnte mich an so etwas in die Richtung erinnern", sagte Harry. Seine Fassung schwand, als er losprustete. „Ihr Gesichtsausdruck war unbezahlbar", konnte er schließlich hervorbringen.

Remus lachte ebenfalls los. „Das kann ich mir vorstellen. Ich glaube nicht, dass sie jemals erwartet hat, von der Person attackiert zu werden, die sie beschützt. Ich glaube nicht, dass einer von ihnen dachte, dass du überhaupt wusstest, dass sie dir folgen."

„Wie könnte ich es nach dem letzten Sommer nicht wissen?", fragte Harry und gab Remus Worte fast genau wieder. „Wenn sie mich letzten Sommer bewacht haben, als Voldemort sich ruhig verhielt, nehme ich an, dass sie nun, da er sich nicht mehr versteckt, ihre Anstrengungen diesen Sommer verdoppelt haben."

„Und du liegst nicht weit daneben", erwiderte Remus. „Mundungus ist nicht länger Teil deines Schutzes, genauso wie keiner der weniger erfahrenen Mitglieder. Nur K

kampferfahrene Mitglieder wachen über dich. Der einzige Auror, der nicht Teil deines Schutzes ist, ist Mad-Eye, weil er am meisten Erfahrung hat und oft woanders gebraucht wird."

'Und Merlin sei dafür gedankt' dachte Harry zu sich. 'Wenn er mich bewachen würde, würde er bemerken, dass ich sozusagen nicht immer in der Nachbarschaft bin. Ich habe Glück, dass er mich nicht bewacht, sonst wäre ich schon längst aufgeflogen.' „Ich verstehe", war alles, was er laut antwortete.

„Du siehst Tonks also oft?", fragte Harry und wechselte das Thema.

„Gelegentlich", sagte Remus skeptisch. „Warum fragst du?"

„Oh, gar kein besonderer Grund", antwortete Harry.

„Ich kenne diesen Blick, Harry James Potter", meinte der Werwolf. „Worauf willst du hinaus?"

Angesichts des Unbehagens seines ehemaligen Professors wuchs Harrys Grinsen nur noch. „Was meinst du, Remus?", fragte er unschuldig.

„Ich habe diesen Blick oft genug bei deinem Vater gesehen und weiß, dass das bedeutet, dass du irgendetwas ausheckst."

„Remus, ich bin verletzt", grinste Harry. „Wie kannst du so etwas von mir behaupten?"

„Nun, was ist mit dir, Harry?", sagte Remus und versuchte die Aufmerksamkeit von sich abzulenken. „Ich habe gehört, dass du einige Eulen bekommen hast. Du hast nicht etwas von der jungen Miss Chang gehört, oder doch?"

Harry lächelte bei dem Versuch des Mannes, den Spieß umzudrehen. „Nee, wir haben uns schon vor Monaten getrennt. Ich habe den ganzen Sommer noch nicht an sie gedacht, aber dein defensives Verhalten bestätigt nur meinen Verdacht, Remus."

„Und was ist dein Verdacht?", fragte Remus im Gegenzug.

„Oh nein, ich würde dich nicht in Verlegenheit bringen wollen", sagte Harry mit einem verschmitzten Glitzern in seinen Augen.

„Schwachsinn", rief Remus aus. „Sags endlich."

Das Verhalten seines Freundes ermutigte Harry nur noch. „Wenn du darauf bestehst." Harry machte eine dramatische Pause. „Ich weiß nicht, ob du es bemerkt hast, aber Tonks ist ein Mädchen."

„Natürlich ist sie ein Mädchen ..."

„Oh, also hast du es bemerkt", unterbrach Harry. "Und weißt du, manchmal, wenn ein Junge und ein Mädchen erwachsen sind, fühlen sie sich von einer Person des anderen Geschlechts angezogen, oder in manchen Fällen auch von Personen des gleichen Geschlechts."

„Ehrlich, Harry. Ich bin so alt wie deine Eltern. Ich brauche kein Gespräch über die Bienchen und die Blümchen", stöhnte Remus.

„Also weißt du, dass du dich von Tonks angezogen fühlst und was du deswegen tun solltest?", wollte Harry wissen.

„Natürlich weiß ich, was ich deswegen tun muss", rief Remus.

Harry lachte los. Als Remus darüber nachdachte, was er gerade gesagt hatte, wurde er tiefrot, was Harry noch lauter lachen ließ. Er lag bald auf dem Boden vor Lachen, hielt sich die Seiten und versuchte zu Atem zu kommen.

„Du bist nicht witzig", rügte Remus halbherzig. In Wahrheit war er ziemlich froh, dass der junge Mann so guter Laune war. Die Tatsache, dass es auf seine Kosten war, war nur ein kleiner Dämpfer.

Als sich Harry schließlich erholt hatte, setzte er die strengste Miene auf, die er hinbekam und fragte: „Was sind deine Absichten gegenüber Tonks?"

Als er den strengen Blick, den er als Antwort bekam, sah, flüchtete Harry außer Reichweite von dem Werwolf, der Harry einen Klaps auf den Hinterkopf gab, und Harry brach wieder in Gelächter aus. „Es tut mir Leid", würgte er hervor und versuchte sich wieder unter Kontrolle zu bringen. „Ich konnte nicht widerstehen."

„Du bist heute ziemlich von dir überzeugt, oder?", fragte Remus. „Du hast nur Glück, dass heute dein Geburtstag ist oder wir - die Opfer deiner Späße - wären dann vielleicht nicht geneigt, dich damit davonkommen zu lassen."

„Oh, entspann dich, Moony", sagte Harry verzweifelt. „Warst du nicht einer der Rumtreiber? Ich bin mir sicher, dass du dich mit viel Schlimmerem herumplagen musstest."

„Nun, das will ich nicht bestreiten", grinste Remus in Erinnerung an seine Jugend. „Und glaub es oder nicht, aber ich war dafür bekannt, so viel auszuteilen wie ich eingesteckt habe."

„Oh, das bezweifle ich nicht", sagte Harry mit einem Grinsen. „Du hast meine Frage aber nicht beantwortet", kommentierte Harry. Als Remus nicht antwortete, fuhr er fort: „Also, was sind deine Absichten gegenüber der jungen Miss Tonks?"

„Ich glaube das geht dich nichts an", war die Antwort.

„Schön. Wenn du mir nicht über deine Freundin erzählen willst, wirst du auch nichts über meine erfahren", bluffte Harry.

„Tonks ist nicht meine Freundin", antwortete Remus.

„Nun, auf was wartest du?", fragte Harry.

„Sie ist viel zu jung für mich. Außerdem, was würde sie in einem armen, alten, müden Werwolf wie mir sehen?", fragte Remus.

„Also bist du interessiert?", fragte Harry ernst. Harry schaute Remus aus dem Augenwinkel an und fuhr fort, als er sah, dass Remus gerade damit anfangen wollte, zu schimpfen.

„Verkauf dich hier nicht unter Wert. Tonks ist nicht der Typ, der sich um dein pelziges, kleines Problem kümmert. Und was sie in dir sieht ...Ich bin nicht

sicher, ob ich die richtige Person bin, die du fragen solltest. Denn was auch immer es ist, es tut ums Verrecken nichts für mich."

Remus funkelte ihn halbherzig an. „Du bist eindeutig viel zu sehr von dir selbst überzeugt. Ich glaube, wenn es nicht auf mich gerichtet wäre, würde ich diese Seite an dir ziemlich mögen."

Harry nahm den unschuldigsten und kindlichsten Gesichtsausdruck an, den er aufbringen konnte: „Danke Onkel Moony."

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