Kapitel 4: ZAGs und Gassenkatzen
Einige Tage später, gleich nach seinem morgendlichen Training, wurde Harry von der gleichen Eule besucht, die ihm auch den Brief vom Schulleiter an seinem Geburtstag gebracht hatte. Sie brachte einen neuen Brief mit dem Hogwartssiegel. Als Harry ihn aufriss und den Inhalt herausholte, wurden seine Augen sofort wie magisch auf das rote und goldene Abzeichen mit dem Buchstaben „K" darauf angezogen. Ein Brief war beigefügt.
Sehr geehrter Mr. Potter,
mit großer Freude darf ich Ihnen mitteilen, dass die aberwitzigen Ausbildungserlasse von Dolores Umbridge aufgehoben wurden, Ihr lebenslängliches Quidditchverbot mit eingeschlossen. Katie Bell hat vor dem Ende des Schuljahres mit mir geredet und den Wunsch geäußert, dass das Kapitänsamt Ihnen angeboten wird. Sie war der Meinung, dass sie mit den UTZen in diesem Jahr genug zu tun haben wird und dass Sie das Amt besser ausfüllen könnten als sie. Ich muss sagen, dass ich dazu neige ihr zuzustimmen: Sie wären ein wunderbarer Kapitän.
Ich habe mich daran gewöhnt, den Quidditch- und den Hauspokal in meinem Büro stehen zu haben und ich hoffe, sie dort die nächsten Jahre weiterhin zu sehen. Ich vertraue darauf, dass Sie mich nicht enttäuschen.
Mit freundlichen Grüßen
Minerva McGonagall
Stellvertretende Schulleiterin
Hogwarts Schule für Hexerei und Zauberei
Harry nahm das nächste Blatt Pergament in die Hand und erstarrte kurz, als er die Worte am Anfang der Seite sah, bevor er weiterlas.
Ergebnisse der Allgemeinen Zauberergrade
Bestanden mit:
Ohnegleichen (O),
Erwartungen übertroffen (E)
Annehmbar (A)
Nicht bestanden mit:
Mies (M)
Schrecklich (S)
Troll (T)
Die Ergebnisse von Harry James Potter sind:
Astronomie: A
Pflege magischer Geschöpfe: E
Zauberkunst: O
Verteidigung gegen die Dunklen Künste: O +
Wahrsagen: A
Kräuterkunde: E
Geschichte der Zauberei : M
Zaubertränke :O
Verwandlung: E
+ Dem Schüler wird in dieser Prüfung besondere Leistung anerkannt, da er über 100 % erreicht hat.
Harry lächelte glücklich, nachdem er seine Ergebnisse gelesen hatte. Er hatte es tatsächlich geschafft. Er hatte die Ergebnisse, die er brauchte und er hatte es ganz allein hinbekommen. Er brauchte keine Begünstigungen, um den Unterricht besuchen zu können, den er benötigte, um Auror zu werden. Er hatte acht ZAGs erreicht, drei davon waren Ohnegleichen. Und er hatte über hundert Prozent in seiner Verteidigungsprüfung erreicht. Der Prüfer hatte ihm Extrapunkte angeboten, wenn er seinen gestaltlichen Patronus heraufbeschwören würde. Scheinbar war das genug gewesen, um ihn über die hundert Prozent zu bringen.
Der nächste Brief war die übliche Nachricht, dass der Hogwarts-Express am ersten September am Bahnhof King's Cross am Gleis 9 ¾ abfahren würde. Es gab ein weiteres Blatt, das die Kurse auflistete, die er im nächsten Schuljahr wählen konnte. Er wurde darauf gebeten, diejenigen zu markieren, die er besuchen wollte und das ausgefüllte Formular Professor McGonagall sofort danach zurückzusenden.
Sie empfahl, dass die Schüler nicht mehr als sieben Kurse belegen sollten, ohne sie zuvor um Rat zu fragen. Das letzte Blatt Papier war die Bücherliste.
Harry füllte das Kursformular aus und markierte VgdDK, Verwandlung, Zauberkunst, Zaubertränke und Pflege magischer Geschöpfe. Er setzte sich an seinen Schreibtisch und begann seiner Hauslehrerin einen Brief zu schreiben.
Sehr geehrte Professor McGonagall,
ich bedauere Ihnen mitteilen zu müssen, dass ich das Kapitänsamt der Gryffindor-Quidditchmannschaft ablehne. Ich bin außer mir vor Freude, dass ich wieder im Team bin, aber ich glaube nicht, dass ich als Kapitän eine gute Wahl bin, trotz meiner langen Zeit im Team. Ich weiß nicht, ob Sie es schon wissen, aber ich werde die DA dieses Jahr wieder anbieten. Ich habe vor, sehr viel Zeit in meinen Unterricht zu investieren und ich möchte auch in meinen anderen Klassen gut abschneiden.
Würde ich das Kapitänsamt zu meinem Arbeitspensum hinzufügen, würde mich das in eine schwierige Situation bringen. Nicht nur das, ich weiß auch nicht so viel über Quidditch. Ich habe immer nur als Sucher gespielt und ich weiß nichts über Strategie. Sie wären mit jemanden, der den Sport schon sein ganzes Leben lang verfolgt und der mit jeder Position und allem, was zu dem Sport gehört, vertraut ist, besser dran. Ich empfehle Ihnen Ron Weasley für das Amt. Ich habe noch nie jemanden getroffen, der mehr über die Sportart weiß.
Ich hoffe, Sie verstehen meine Entscheidung. Ich glaube, Sie werden entdecken, dass Ron sowieso ein viel besserer Kapitän wäre als ich.
Mit freundlichen Grüßen
Harry Potter
Er legte seinen Brief, das Kapitänsabzeichen und das Kursformular in einen Umschlag und schrieb 'Professor McGonagall' auf dessen Vorderseite. Er gab ihn einer braunen Eule, die auf eine Antwort gewartet hatte, und sie flog ohne zu zögern aus seinem Fenster hinaus.
Da er nun seine Bücherliste und die Kontrolle über das Potterverlies hatte, beschloss Harry, dass es Zeit war, einen weiteren Ausflug in die Winkelgasse zu machen. Es war noch immer früh am Morgen. Um neun Uhr herum. Er machte sich schnell fertig und apparierte fünfzehn Minuten später als ein dunkelblonder, narbenloser Junge mit braunen Augen. Er hatte einen netten Kosmetikzauber gefunden, der benutzt wurde, um unansehnliche Narben und Makel zu verstecken und der seine verräterische Narbe, die wie ein Blitz aussah, verdeckte. Sein Koffer war in seiner Tasche, damit er dort seine heutigen Einkäufe verstauen konnte.
Er ging zielstrebig durch die kaum bevölkerten Straßen zu den großen weißen Säulen der Gringotts Bank. Er schritt die Stufen hinauf und ging an den Sicherheitsleuten vorbei in die Haupthalle. Harry näherte sich dem ersten freien Schalterbeamten und fragte: „Ich würde gerne zum Potterfamilienverlies gebracht werden, von Griphook bitte, wenn er zur Verfügung steht."
„Darf ich fragen, wieso Sie nach Griphook verlangen?", fragte der Kobold neugierig und schien zu vergessen, unfreundlich zu sein.
„Griphook hat mich die beiden Male, bei denen ich hier gewesen bin, zu meinem persönlichen Verlies geführt. Das letzte Mal, als ich hier war, war er sehr hilfsbereit. Außerdem ist er der einzige Kobold, den ich kenne", erklärte Harry.
Der Kobold musste mit der Antwort zufrieden sein, denn er rief: „Griphook", ohne weitere Fragen zu stellen. Als der bekannte Kobold auftauchte, fuhr der Schalterbeamte fort: „Bitte bring Mr. Potter hier zum Potterfamilienverlies."
Griphook schaute den Beamten geschockt an und fragte: „Warum ...", bevor er von dem Schalterbeamten unterbrochen wurde.
„Mr. Potter hat eigens gebeten, dass du ihn zu seinem Familienverlies bringst", sagte der Kobold in einem strengen Tonfall.
Griphook schien von dieser Aussage überrascht zu sein, erholte sich aber schnell und wandte sich an Harry. „Du erweist mir eine große Ehre", sagte er mit einem Kopfnicken, das als eine Verbeugung angesehen werden konnte. „Folge mir bitte". Er drehte sich auf der Stelle um und schritt aus dem Raum.
Harry folgte dem Kobold nach hinten in die Höhlen und in den Karren, bevor er schließlich fragte: „Worum ging es da gerade?"
Griphook beantwortete die Frage mit einer Gegenfrage: „Was meinst du?"
„Wieso waren Sie so überrascht, dass ich Sie gefragt habe, mich zu meinem Verlies zu bringen? Und wieso haben Sie mir gesagt, dass ich Sie ehre?", fragte Harry perplex.
„Dein Familienverlies ist nicht wie dein persönliches Verlies. Es ist eins der älteren Verliese und ist sehr stark beschützt. Es ist tief in den Minen unterhalb der Bank und wird normalerweise nur von den Seniorkobolden betreten. Es wären weitere zwanzig Jahre vergangen, bevor ich in Frage gekommen wäre, um zu so einem Level befördert zu werden, dass ich Zutritt zu solchen Verliesen bekommen würde. Dass ein Kobold in meiner Position gefragt wird, jemanden zu so einem Verlies zu führen, ist noch nicht dagewesen", erklärte Griphook.
„Oh", war alles, was Harry als Antwort dazu einfiel. Die Reise war sehr lang, mindestens zweimal so lang wie der Weg zu seinem persönlichen Verlies, schätzte Harry. Als sie schließlich ankamen, bemerkte Harry etwas. "Ähh, Griphook?"
„Ja, Mr. Pott... Ich meine, Harry?", fragte der Kobold.
„Ich habe gerade bemerkt, dass ich keinen Schlüssel für das Verlies habe", erklärte Harry. Er wollte gerade die Umstände näher erklären, als er unterbrochen wurde.
„Diese Verliese benötigen keinen Schlüssel, Mr. Potter. Zumindest nicht für Blutsverwandte der Familie. Folge mir." Griphook trat aus dem Karren und führte Harry, der pflichtgetreu die Laterne von ihrem Platz genommen hatte, zu einer Tür mit einer relativ kleinen runden Einbuchtung. „Lege deine Hand in den Kreis."
Harry tat wie angewiesen und legte seine Handfläche in den Kreis. Für einen kurzen Moment passierte nichts, dann hörte Harry ein Grollen und einige Klicks und das Geräusch von Stein, der über Stein rieb. Momente später stand der Eingang offen und er starrte in die Schatzkammer.
Überall war Gold. Manches war in halbgeöffneten Kisten, aber auch Berge von Gold waren überall. Der Raum war gigantisch. Harry bemerkte auf der linken Seite altmodische Möbel. Er ging hinüber zu einem Regal, in dem mehrere Dinge lagen, viele davon waren Juwelen oder Edelsteine. Es gab ein Sofa mit einem Tisch davor. Auf dem Tisch bemerkte Harry einen Briefumschlag. Als Harry näher kam, erkannte er, dass auf dem Umschlag etwas geschrieben stand: Sein Name.
Harry schnappte sich den Umschlag und ließ sich auf das Sofa hinter sich nieder. Er starrte seinen Namen auf dem Umschlag an. Es fühlte sich wie eine Stunde an, war aber eher nur eine Minute. Er riss sich schließlich aus seinem Schock und öffnete vorsichtig den Umschlag. Zwei Blatt Pergament waren darin. Sie waren mit unterschiedlichen Handschriften geschrieben worden, aber beide begannen mit den Worten „Lieber Sohn". Begierig nahm Harry den Brief mit der weiblichen Schrift darauf zur Hand und verschlang dessen Inhalt.
Lieber Sohn,
dir diesen Brief zu schreiben ist wahrscheinlich das Schwerste, das ich jemals in meinem Leben getan habe. Dein Vater, du und ich werden morgen untertauchen. Voldemort hat von einer Prophezeiung erfahren, die dich möglicherweise als seinen zukünftigen Mörder nennt und du bist deshalb eins seiner primären Angriffsziele geworden. Was einen Mann dazu treibt, ein Kleinkind, vor allem ein so kostbares wie dich, angreifen zu wollen, kann ich nicht nachvollziehen, aber Voldemort scheint seine Menschlichkeit schon vor langer Zeit verloren zu haben.
Ich schreibe diesen Brief, weil ich fürchte, was passieren könnte. Wenn du das hier liest, dann waren meine Ängste begründet. Es tut mir leid, dass ich nicht für dich da sein konnte als du aufgewachsen bist. Seit dem Tag, als ich erfahren habe, dass ich schwanger bin, warst du der Mittelpunkt meines Lebens. Ich möchte, dass du weißt, dass ich dich aus ganzem Herzen liebe. Ich tröste mich mit dem Gedanken, dass ich weiß, dass dein Vater und Sirius dich so sehr lieben wie ich es tue und ich daher weiß, dass du in guten Händen bist.
Das Jahr mit dir war trotz des Krieges das Beste in meinem Leben. Du bist ein Licht in meinem Leben, das mich durch die dunkelsten Zeiten führen konnte. Du bist das wertvollste Baby der Welt. Und ich glaube, dass du die einzige Person sein könntest, die Sirius bändigen kann. Nur wenn er dich in den Armen hält, zeigt er das kleinste bisschen Verantwortung. Und wir wissen, dass du eines Tages ein mächtiger Zauberer sein wirst, denn wir haben dich schon zaubern sehen. Wenn du etwas siehst, das du möchtest, tust du alles in deiner Macht Stehende, um es zu bekommen, auch wenn das bedeutet, dass du es durch den Raum zu dir rufen musst.
Wenn du das hier liest, wirst du schon erwachsen sein. Ich möchte, dass du weißt, dass ich immer über dich wachen werde in guten, wie in schlechten Zeiten. Wenn du dich je alleine fühlst, wisse, dass ich in deinem Herzen immer bei dir sein werde. Worauf ich am meisten hoffe ist, dass du ein langes, glückliches Leben hast. Stehe zu dem, an das du glaubst und erfülle dir deine Träume. Lass dir dein Leben von niemandem bestimmen. Es ist dein Leben und du entscheidest, wie du es leben willst. Und wenn du Liebe findest, halte dich an ihr fest - mit allem, was du hast. Glaube mir, wenn ich dir sage, dass es dies wert ist.
Ich liebe dich, Harry.
Lily Potter
Tränen fielen auf das Pergament. Dabei hatte er nicht einmal bemerkt, dass er weinte. Sein ganzes Leben hatte Harry etwas von seinen Eltern gewollt, irgendetwas. Er hatte sich nach etwas gesehnt, das ihm auch nur ein wenig über seine Mom und seinen Dad erzählte. Am Ende seines ersten Schuljahres in Hogwarts hatte er ein Fotoalbum mit Bildern seiner Eltern bekommen. Das war das Einzige, das er besaß, von dem Tarnumhang seines Vaters und der Karte der Rumtreiber abgesehen, das ihn mit einem seiner Elternteile verband. Jetzt hatte er einen Brief von seiner Mom in der Hand, an ihn geschrieben. Es war geradezu ein wahrgewordener Traum.
Und es war nicht nur irgendein alter Brief, den sie geschrieben hatte. Er war für Harry gedacht, an Harry geschrieben. In ihm standen all die Dinge, die er all die Jahre hatte hören wollen, obwohl er längst alle Hoffnungen aufgegeben hatte. Er steckte die Nachricht von seiner Mom ehrfürchtig zurück in den Umschlag und las den zweiten Brief.
Lieber Sohn,
ich weiß nicht, wie ich anfangen soll. Ich schreibe diesen Brief, weil es eine hohe Wahrscheinlichkeit gibt, dass ich diesen Krieg nicht überlebe. Solltest du nicht zuvor hierher gebracht werden, wirst du den Brief nicht bekommen, bevor du nicht fünfzehn bist. Fast ein Mann. Es tut mir leid, dass ich nicht für dich da war, als du aufgewachsen bist. Ich wäre gern derjenige gewesen, der dir Fliegen beibringt. Du wirst ein großartiger Quidditchspieler sein, genauso wie dein alter Herr. Ich kann es fühlen. Du liebst schon jetzt das Fliegen, aber sag deiner Mutter nicht, dass ich dich mit auf einen Besen genommen habe. Sie würde es mich sonst nie vergessen lassen.
Sirius glaubt, dass du ein Sucher sein wirst, aber ich glaube, dass du in meine Fußstapfen treten und der beste Jäger sein wirst, den Gryffindor seit deinem alten Herrn gesehen hat. Du zauberst schon, was uns ohne Ende unterhält. Einmal hast du sogar Tatze in deine Krippe schweben lassen, so dass du mit ihm kuscheln konntest, während du einschliefst. Sirius würde es nie sagen, aber ich glaube, er war noch nie glücklicher in seinem Leben gewesen. Er liebt dich, als wärst du sein eigener Sohn und ich weiß, dass er gut für dich sorgen wird.
Nun zum väterlichen Rat, den du dein ganzes Leben missen musstest. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sirius jemals viele weise Worte für dich hatte. Eines Tages wirst du eine Frau finden, die alles in sich vereint, worauf du in einem Partner hoffen kannst. Und ich wette, dass sie rote Haare haben wird. Manche nennen es einen Fluch, ich nenne es einen Segen, aber du bist ein Potter und Potters enden immer mit Rotschöpfen. Aber wenn du die Eine findest, auch ohne rote Haare, dann hör nicht auf mich und diesen blöden Fluch. Wenn du die Eine findest, lass sie niemals gehen. Kämpfe bis zum Ende der Welt für sie, wenn du musst. Es wird nie einen wichtigeren Kampf geben als den einen, den du um die Liebe deines Lebens ausfechten wirst.
Ich wusste sofort, dass deine Mutter die Eine für mich ist. Sie war etwas schwer zu überzeugen, aber ich habe niemals aufgegeben. Sie hat hart und entschlossen gekämpft, aber schließlich hat sie nachgegeben und hat mir eine Chance gegeben und wir haben seitdem nie mehr zurückgeschaut. Ich liebe deine Mutter sehr, aber wir beide lieben dich mehr als das Leben selbst. Wir werden immer auf dich aufpassen. Immer wenn du im Leben stolperst oder jemanden brauchst, an den du dich wenden kannst, wisse, dass wir immer im Geiste bei dir sein werden. Lebe dein Leben wie es dich glücklich macht und wisse, dass deine Mutter und ich dich immer unterstützen werden.
Ich liebe dich, Harry.
James Potter
Tränen liefen wieder an Harrys Wangen hinunter, aber er war sich ihrer bewusst genug, um sie wegzuwischen, bevor sie auf den Brief fallen konnten. Es war nicht so sehr etwas Bestimmtes, das in den Briefen gesagt wurde, sondern einfach der übergreifende Gedanke, der dahinter stand, der Harry so sehr berührte. Seine Eltern liebten ihn. Es war überwältigend, einen konkreten Beweis dafür zu haben. Er hatte immer gehofft und gedacht, dass seine Eltern ihn liebten, aber es war nur blinde Hoffnung. Seine Verwandten hassten ihn und hatten ihm nie auch nur das kleinste bisschen Gefühl entgegengebracht. Also hatte er sich vorgestellt, wie seine wahre Familie gewesen war und wie toll es wäre, wenn seine Eltern noch am Leben wären. Aber es war zuvor nie real gewesen. Nun wusste er, dass er geliebt wurde, so wie ein Kind von Eltern geliebt werden sollte.
Er konnte sich an Zeiten vor Hogwarts erinnern, in denen er in seinem Schrank unter der Treppe eingesperrt war, mit nichts anderem als seiner Vorstellungskraft, um sich die Zeit zu vertreiben. Er würde sich seine Eltern vorstellen und wie sein Leben sein würde, wenn sie noch immer da wären. Er hatte noch nie Bilder von ihnen gesehen gehabt, nicht einmal von seiner Mutter, die Tante Petunias Schwester gewesen war, und die Vorstellung glich daher nicht wirklich seinen Eltern. Aber zu dieser Zeit hatte das keine Rolle gespielt, da er es nicht besser gewusst hatte. Seine Eltern hatten ihn in seiner Vorstellung sehr geliebt und sich um ihn gekümmert, wie alle richtigen Eltern es machen würden.
Umso mehr er über seine richtigen Eltern lernte, umso mehr wurde seine Fantasiewelt zerstört. Harry machte das aber nichts aus, denn die Realität war so viel besser als die Illusion. Er konnte nur raten, wie seine Eltern waren und er hatte immer Zweifel. Aber er musste dies nun nicht bezweifeln, denn die Briefe waren von seinen Eltern. Kein Grund zum Raten oder zum Vorstellen. Seine Eltern liebten ihn.
Er steckte den Brief von seinem Vater zusammen mit dem seiner Mutter wieder zurück in den Umschlag und holte seinen Koffer aus seiner Tasche hervor. Er legte den Umschlag in den Koffer, bevor er ihn wieder schrumpfte und in seine Tasche packte. Er würde nicht zulassen, dass diesen Briefen etwas zustieß.
Harry schaute sich weiter im Verlies um, nachdem er seine Augen trocken gewischt hatte. Es gab einige Bücherregale, die mit Bänden über Bänden von alten Wälzern gefüllt waren. Harry stöberte in den Regalen und wählte einige Bücher aus, die sein Interesse weckten. Grundlegende Heilzauber, die alle Eltern wissen sollten, Der Fideliuszauber: Schütze deine Geheimnisse gut und Portschlüsselherstellung waren unter den wenigen, die zu seiner Sammlung im Koffer hinzugefügt wurden.
Auf einem Schreibtisch fand er einen Stapel Papiere, der einige Besitzurkunden beinhaltete. Den einzigen Namen, den er aus dem Stapel erkannte, war Godric's Hollow, aber ihm gehörten offensichtlich auch einige andere Häuser verteilt in Großbritannien. Er entdeckte eine Kollektion von Porträts und Gemälden in einer Ecke des Verlieses. Er wählte einige Bilder von Landschaften aus, um sie in die Zimmer seines Koffers aufzuhängen. Die Wände waren noch leer und konnten etwas zum Aufpeppen gebrauchen.
Harry wanderte insgesamt einige Stunden durch das Verlies und schaute sich ohne besonderen Plan um. Er war nicht wirklich mit einem Anliegen gekommen. Er wollte nur etwas, das ihn mit seiner Familie, seiner Vergangenheit, verband. Er hatte das in den Briefen von seinen Eltern gefunden. Es gab noch sehr viel mehr, das er sich anschauen konnte, aber er fand, dass es für den Tag genug war. Er musste noch einiges andere erledigen.
Er ging zu Griphook zurück und die beiden fuhren im Karren zurück nach oben. Harry erwähnte, dass er gerne einige Galleonen in Muggelpfund umtauschen würde und so führte Griphook Harry zum richtigen Schalter. Harry hatte seit einigen Jahren Zauberergeld, aber er hatte nie daran gedacht, etwas davon in Muggelgeld umzutauschen. Er hatte in der Muggelwelt nie etwas besessen. Er trug noch immer die gebrauchte Kleidung von seinem Cousin und schwamm förmlich darin. Mit ein wenig Muggelgeld könnte er etwas präsentabler aussehen. Er tauschte 100 Galleonen um und bekam durch den aktuellen Wechselkurs ein wenig mehr als 500 Pfund.
Harry machte mit seinem Einkaufstag weiter. Er ging zu Flourish & Blotts und kaufte die Schulbücher, die er nächstes Jahr für den Unterricht brauchen würde. Er nahm auch ein paar andere Bücher mit, die seine Aufmerksamkeit erregten. Bücher, die sich etwas näher mit Schutzzaubern, mit fortgeschrittenen Okklumentiktechniken und mit Duellieren befassten.
Harrys nächster Stopp war Madame Malkins Laden für Roben. Die Matrone war damit beschäftigt, einen anderen Kunden zu bedienen und deshalb stöberte Harry geistesabwesend durch die Roben, während er wartete. Er brauchte auf jeden Fall neue Schulroben, war aber der Meinung, dass er auch von ein paar anderen Roben profitieren würde. Er wusste nicht, wann er jemals wieder zu einem Ball gehen würde, aber es konnte nicht schaden, Festroben zu haben, die ihm passten. Und was war mit Roben für nichtschulische Angelegenheiten? Es wäre nett, einige Roben zu haben, die er in Zaubererorten wie der Winkelgasse oder Hogsmeade tragen könnte und die nicht seine Schulroben waren.
Als Madame Malkin schließlich zu Harry ging, erstellte er bereits im Kopf eine Liste mit allem, das er kaufen wollte. „Wie kann ich Ihnen helfen, junger Mann?", fragte die Ladenbesitzerin freundlich.
Harry zuckte kurz zusammen, da er nicht bemerkt hatte, dass sie sich ihm genähert hatte. „Oh, ich brauche Schulroben für Hogwarts. Ich hätte auch gerne Festroben und einige alltägliche Roben", erwiderte er.
Ihre Augen leuchteten auf. Harry war sich nicht sicher, ob es wegen der Aussicht war, so viele Roben zu verkaufen oder nur, dass sie die Chance bekam, ihn in so viele verschiedene Roben zu stecken. Sie ließ sofort ihr Maßband auf ihn los. Es schlängelte sich auf ihr Kommando um seinen Körper und maß alles, von seiner Hosenlänge, bis zu der Länge von seiner linken Schulter zu seinem rechten Knie und auch die Länge seines rechten Zeigefingers. Er war sich nicht sicher, warum die meisten dieser Messungen gemacht wurden oder ob sie tatsächlich einen Grund hatten, aber schnell genug wurde er in eine Umkleidekabine gescheucht, um die üblichen schwarzen Hogwartsroben anzuprobieren.
„Probier erstmal diese Schulroben an, mein Lieber. Hast du irgendwelche Vorstellungen für deine Roben? Oder möchtest du, dass ich ein paar für dich zum Anprobieren heraussuche?", fragte sie, als sie ihn zu der Kabine brachte, die von einem Vorhang bedeckt war.
„Ich würde Ihre Hilfe bei der Auswahl der Roben zu schätzen wissen, danke", erwiderte er höflich.
Harry probierte die Schulroben an und - wie erwartet - passten sie ohne Probleme. Er sagte dies Madame Malkin. Sie legte die Roben hinter die Verkaufstheke, bevor sie wieder zu den Roben zurückkehrte und die restlichen Roben für Harry zusammensuchte. Sie reichte ihm zuerst einige Festroben zum Anprobieren. Eine war grün, ähnlich wie die, die er zum Weihnachtsball getragen hatte und von der Mrs. Weasley behauptet hatte, dass sie seine Augenfarbe zur Geltung brachte. Eine andere war schwarz mit einem silbernen Rand und einem silbernen Drachen auf dem Rücken. Die nächste Robe war purpurrot mit goldenen Fäden. 'Durch und durch Gryffindor', dachte Harry, als er sie begutachtete. Ein goldener Phönix war auf den Rücken gestickt.
Harry probierte alle drei an und mochte besonders die schwarze und die purpurrote Robe. Er bemerkte, als er sich im Spiegel anschaute, dass er mit seinem normalen Aussehen in den Roben anders aussehen würde, was das Aussuchen schwieriger machte. Er entschied sich schließlich zugunsten der purpurroten Robe. Wenigstens würde er seine Unterstützung für Gryffindor zeigen, wenn er sie trug.
Harry wurden dann einige einfache Roben gereicht, die so ähnlich wie seine Hogwartsroben waren, nur nicht schwarz. Es gab die Roben in verschiedenen Farben, z.B. grün, rot, blau, gelb, grau oder silber. Er suchte sich die grünen, blauen und grauen aus und sie wurden auf den immer größer werdenden Stapel hinter dem Ladentresen gelegt.
Die Ladenbesitzerin fragte Harry, ob es noch etwas gab, das er gerne hätte. Harry sagte ihr, dass dies alles sei, das er brauchte und sie begann zu kassieren. „70 Galleonen, 4 Sickel bitte", informierte sie Harry.
Harry wiederholte den Preis und holte den genauen Betrag aus seinem Beutel heraus. Er packte alle seine Roben in seinen Koffer und mit einem schnellen „Danke" ging er aus der Tür hinaus. Harrys nächster Halt war das Schreibwarengeschäft, um Tinte, Pergament und Federkiele zu kaufen, gefolgt von der Apotheke, um seine Zaubertrankvorräte aufzufüllen. Es war ein schneller Stopp. Er holte nur genau das, was er brauchte und verschwendete keine Zeit damit, sich umzuschauen.
Er ging weiter zu Eeylops Eulenkaufhaus. Er hatte kaum noch Eulenleckereien und wusste, dass Hedwig nicht glücklich sein würde, wenn er nichts mehr hätte, um es ihr zu geben. Ihre Freundschaft wurde fester, nun, da er sich in eine Eule verwandeln und sich mit ihr unterhalten konnte, aber Hedwig war eine stolze Eule und erwartete für ihre Dienste gebührend belohnt zu werden. Harry war geneigt, ihr zuzustimmen.
Nachdem er seine Eulenleckereien aufgestockt hatte, wanderte Harry durch die Winkelgasse, bis er zu einem Geschäft kam, das Kleidung aus Drachenleder im Schaufenster ausstellte. Er schaute hoch und sah, dass der Laden „Tollors Persönliche Verteidigung" genannt wurde. Harry zuckte mit den Schultern und öffnete die Tür. Der Laden war von durchschnittlicher Größe und Regale mit den unterschiedlichsten Produkten standen an den Wänden. Eine Abteilung war Spickoskopen gewidmet. An der Wand hingen verschiedene Spiegel, von denen Harry, aufgrund der Schemen, die darin auftauchten, annahm, dass sie Feindgläser waren.
Harry erreichte einen Bereich mit Zauberstabhalftern. Es gab verschiedene Varianten. Manche wurden am Handgelenk festgemacht und mit einer kleinen Bewegung würde der Zauberstab in die wartende Hand rutschen. Andere wurden am Bein befestigt. Es gab auch einige, die in Drachenlederstiefeln eingebettet waren. Außerdem gab es bei jedem auch Zusätze. Manche waren nur die Basishalfter ohne zusätzliche Verzauberungen. Manche verhinderten, dass der Zauberstab magisch herbeigerufen werden konnte, während er im Halfter war, andere waren unsichtbar, während sie am Arm befestigt waren.
Er nahm sechs der Handgelenkhalfter, die verhinderten, dass der Zauberstab hervorgeholt wurde, während er im Halfter war und die unsichtbar wurden, während sie am Arm befestigt waren. Er dachte, dass das das Mindeste war, das er für seine fünf Freunde tun konnte, die ihm in die Mysteriumsabteilung gefolgt waren. Sie waren nun alle mit ihm verbunden und würden höchstwahrscheinlich Ziele für die Todesser werden. Jeder kleine Vorteil, den er ihnen geben konnte, würde er ihnen geben.
Harry nahm auch ein kleines Feindglas für sich mit. Es konnte nicht schaden, es als Vorsichtsmaßnahme zu haben. Er zahlte für die sechs Zauberstabhalfter und den Spiegel, bevor er den Laden wieder verließ. Er ging dann durch die belebten Straßen zum Tropfenden Kessel, um zu Mittag zu essen. Er betrat den Pub, der etwas voll war. Harry schaute sich in der Menge um, ob er ein bekanntes Gesicht sehen konnte, konnte aber glücklicherweise niemanden entdecken und ging daher zur Theke.
Er bestellte bei Tom Fish und Chips, das er eine Minute später zusammen mit einer Flasche Butterbier bekam.
Harry verschlang sein Essen schnell und dankte Tom für das Essen. Er bezahlte den Barkeeper und ging dann aus dem Pub in die Muggelwelt. Solange er unterwegs war und eine Tasche voller Muggelgeld hatte, konnte er genauso gut etwas shoppen gehen.
Harry betrat die Straße und entdeckte, dass die Bürgersteige mit Passanten gefüllt waren, die geschäftig unterwegs waren.
Die Straßen waren voller Autos, die vorbeirasten und mit anderen, die an roten Ampeln anhielten. Da er sich in der Gegend nicht auskannte, fragte Harry eine Frau nach dem Weg zum nächsten Kaufhaus. Sie war in den Vierzigern und trug ein grünes Damenkostüm. „Entschuldigen Sie bitte, Ma'am. Ich möchte Sie nicht stören, aber könnten Sie mir vielleicht sagen, wo das nächste Kaufhaus ist? Ich bin nicht von hier und ich muss einige Dinge besorgen."
Die Frau lächelte freundlich und antwortete: „Natürlich, mein Lieber. Es passiert nicht jeden Tag, dass man einen so wohlerzogenen jungen Mann trifft. Folge einfach zwei Häuserblöcke lang dieser Straße, biege dann nach links ab und dann ist dort etwa einen Block weiter ein Geschäft."
„Danke, Ma'am", erwiderte Harry höflich. Er ging in die Richtung, die ihm gezeigt worden war und folgte den Bewegungen der Menge um ihn herum. Er war mit den Verkehrszeichen nicht vertraut und wusste nicht, wann der richtige Moment war, um eine Kreuzung zu überqueren, aber er wusste, dass er nicht einfach in den Verkehr laufen konnte. Er folgte einfach der Menge und verstand den Rhythmus schnell genug. Nach zwei Häuserblöcken wandte er sich nach links und ging die Straße entlang. Nach etwa einem Häuserblock sah er das große Kaufhaus, zu dem die Frau ihn geschickt hatte. Er schätzte sich glücklich, dass das Geschäft so nah war und dass er so eine nette Frau getroffen hatte, die ihm den Weg gewiesen hatte. Auf sich allein gestellt wäre er möglicherweise stundenlang herumgewandert, ohne jemals einen geeigneten Laden zu finden.
Bevor er das Geschäft betrat, verschwand Harry in eine Gasse. Er ließ sein Haar wieder die schwarze Farbe annehmen, aber ließ es schulterlang. Schließlich wollte er eventuell so aussehen. Er tauschte auch seine braunen Kontaktlinsen mit seinen farblosen aus. Er hatte keine Angst, in der Muggelwelt erkannt zu werden und er wollte eine bessere Vorstellung davon haben, wie er in seiner Kleidung aussah als bei Madame Malkins mit seinem veränderten Aussehen.
Harry betrat das Geschäft und hatte keine Ahnung, wohin er gehen musste. Der Laden war gigantisch. Er ging etwas in den Laden hinein und entdeckte zum Glück eine Übersichtstafel des Ladens. Er fand einen Bereich, der mit „Young Fashion" betitelt war und beschloss, dort anzufangen. Dafür musste er in das zweite Stockwerk und daher ging Harry zum nächstgelegenen Aufzug. Als er mit dem Lift hochfuhr, dachte er, dass Mr. Weasley wahrscheinlich von der Aufregung einen Herzinfarkt gehabt hätte, wenn er Harry begleitet und mit solch einer Maschine hätte fahren können.
Als Harry aus dem Aufzug trat, schaute er sich kurz um, bevor er das Schild sah, das die „Young Fashion"- Abteilung kennzeichnete. Er ging dorthin und begann sich umzusehen. Schnell war er von den verschiedenen ausgelegten Klamotten überwältigt. Es gab hunderte verschiedene Arten von Jeans in unterschiedlichen Größen, und er hatte keine Ahnung, was der Unterschied war. Es schien tausende von verschiedenen Oberteilen zu geben. Manche hatten einen Kragen, manche nicht. Manche waren kurzärmelig, andere hatten lange Ärmel. Manche hatten Designs oder Muster, andere waren einfarbig, während andere Worte und Sätze aufgedruckt hatten. Es gab Anzughosen in verschiedenen Ausführungen und Farben. Harry dachte, dass es wenigstens hundert Hosen in verschiedenen Khakischattierungen zu sehen gab.
Es musste auf Harrys Gesicht zu lesen gewesen sein, dass er keine Ahnung hatte, wo er anfangen sollte, denn er schaute sich nur einige Minuten um, bis eine junge Frau - wahrscheinlich nicht mehr als ein oder zwei Jahre älter als er - auf ihn zukam. „Kann ich dir helfen? Du wirkst etwas verloren."
Harry lächelte sie schüchtern an und seine Wangen nahmen einen leichten rosanen Farbton an. Das Mädchen war attraktiv. Sie hatte braunes, leicht gewelltes Haar, das mit blonden Strähnen durchzogen war. Sie war ein paar Zentimeter kleiner als Harry und hatte ein Oberteil mit Kragen an, dessen obere Knöpfe offen waren und daher einen Blick auf ihr Dekolleté erlaubte, aber nicht genug, um unziemlich zu sein. Die Bluse steckte in einem Rock, der bis oberhalb ihrer Knie ging. Sie war nicht außerordentlich dünn, aber sie war eindeutig nicht übergewichtig. Sie war gesund.
„Äh ...", stammelte Harry. Er holte kurz tief Luft, um sich zu sammeln und versuchte es noch einmal. „Das wäre klasse. Ich habe noch nie für mich eingekauft. Ich habe immer nur die alten Klamotten von meinem Cousin bekommen." Harry zupfte an den sehr lose hängenden Klamotten, die er am Körper trug, um seine Aussage zu unterstreichen. „Wie du sehen kannst, haben wir nicht wirklich die gleiche Größe. Ich habe vor kurzem etwas Geld bekommen und beschlossen, dass es an der Zeit ist, eigene Kleidung zu kaufen, aber ich weiß nicht einmal, wo ich anfangen soll."
Sie lächelte ihn freundlich an. „Sag nicht mehr. Mein Name ist Jessica und wenn ich mit dir fertig bin, wirst du wie ein neuer Mann aussehen, das verspreche ich."
„Danke", antwortete Harry und sagte dann nachträglich: „Ich bin Harry."
„Kein Problem, Harry", erwiderte sie. „Ich werde auf Kommission bezahlt."
Harry schnaubte und sagte dann: „Nun, dann ist das wohl ein glücklicher Tag für dich."
„Das könntest du so sagen", meinte sie, lächelte ihn umwerfend an und zwinkerte ihm zu.
Harry fühlte, wie sein Gesicht rot wurde. Flirtete das Mädchen mit ihm? Und sie flirtete nicht mit dem Jungen-der-lebte, wie manche Mädchen in der Zaubererwelt es tun würden. Sie hatte keine Ahnung, wer das überhaupt war. Sie flirtete einfach nur mit Harry. Er entdeckte, dass er die Aufmerksamkeit ziemlich genoss, wenn es nicht auf ihn gerichtet war wegen etwas, das er überhaupt nicht getan hatte.
Jessica unterbrach seine Gedanken, als sie seine Hand nahm und „Folge mir", sagte.
Sie führte ihn zu einer Kasse und ließ ihn dort stehen, während sie durch einen schmalen Durchlass trat, der sie nach hinten führte. Sie duckte sich für einen Moment, bevor sie mit einem Maßband wieder auftauchte. „Ich nehme nur kurz ein paar Maße, um eine Vorstellung dafür zu bekommen, was für eine Größe du hast", informierte sie ihn.
Harry nickte und sagte: „Okay."
Sie kam wieder hinter der Theke hervor und sagte: „Steh gerade, Arme an deine Seite." Sie fing an, ihn von Schulter zu Schulter und die Länge seiner Arme zu messen. „Arme hoch", instruierte sie. Sie wickelte das Maßband um seine Taille und notierte sich die Ergebnisse ebenfalls. Die Schrittlängenmessungen waren als nächstes dran und Harry war der Meinung, dass es viel intimer war, in der Muggelwelt gemessen zu werden als in der Zaubererwelt. Als sie aufstand, nachdem sie die letzten Messungen gemacht hatte, waren beide Teenager rot geworden. Harrys Wangen erinnerten an eine Tomate, während Jessicas nur rosa waren. Ausnahmsweise war Harry dankbar, dass er die riesigen Klamotten seines Cousins trug.
„Also, nach welcher Art von Kleidung suchst du genau? Und was ist dein Budget?", fragte Jessica, als sie das Maßband weg legte.
„Nun, ich schätze, ich suche nach ein wenig von allem. Und ich habe ein bisschen mehr als 500 Pfund zur Verfügung."
Jessicas Augen wurden bei dem genannten Betrag etwas größer, aber sie erholte sich schnell. „Okay. Also Jeans, Anzughosen, Oberteile: zwanglose und elegante, Shorts ... Brauchst du auch Schuhe?"
„Ja", antwortete er.
„Trainingsschuhe und elegantere?", fragte sie.
„Uh huh."
„Unterwäsche?"
„Entschuldigung?", erwiderte er.
„Möchtest du auch Unterwäsche kaufen?", erkundigte sie sich mit einem entschuldigenden Lächeln.
„Oh, äh", fing Harry wieder zu stammeln an. „Ja, ich nehme an, das muss ich."
„Boxershorts oder Slips?"
Harrys Gesicht nahm wieder einen roten Farbton an. "öhmmm ... Boxershorts."
„Okay. Machst du Sport oder so?"
Harry war sich nicht sicher, was sie damit bezweckte und antwortete daher: „Ich jogge und trainiere jeden Morgen. Und ich mache manchmal Sport, wenn ich in der Schule bin."
Sie grinste ein wenig bei seiner Antwort und fuhr fort: „Okay, dann brauchst du auch ein paar Klamotten, um darin rennen und trainieren zu können." Sie machte eine Pause, als würde sie im Kopf noch einmal alles durchgehen, was sie erwähnt hatte. „Lass uns dann anfangen. Sollen wir?"
Harry nickte abwesend und sagte: „Okay."
Sie führte ihn an verschiedenen Regalen und Stangen voller Kleidung vorbei. Hier und da nahm sie etwas zur Hand und fügte es entweder zum Stapel dazu oder hielt es an Harrys Körper, um eine bessere Vorstellung davon zu bekommen, wie es an ihm aussehen würde, bevor sie es zum Stapel hinzufügte oder es zurücklegte. Schon nach kurzer Zeit hielt Harry mehrere Hosen, Jeans und elegantere, einige T-Shirts, ein paar davon mit Kragen, ein Paar kurze Hosen und einige Packungen mit Boxershorts.
„Ich denke, das ist genug, um anzufangen", sagte sie, als sie den Stapel Kleidung auf seinen Armen begutachtete. „Wieso probierst du nicht die hier an und ich schaue mich weiter um. Sag mir, was dir davon gefällt und was nicht und ich werde versuchen, mehr zu finden, das deinem Geschmack entspricht."
„Also gut", antwortete er. „Wo kann ich mich umziehen?"
„Gleich hier entlang", instruierte sie und führte ihn durch einen kleinen Eingang in einen Raum mit mehreren Umkleidekabinen. Sie öffnete eine der Türen und winkte ihn herein. „Du kannst dich gleich hier umziehen. Ich werde dann immer wieder kommen und gehen und dir neue Kleidung bringen und die mitnehmen, die dir nicht gefallen. Sag mir einfach, welche dir gefallen und welche nicht, wenn du sie anprobierst. Wenn du eine zweite Meinung möchtest, trag einfach das, um was es geht und komm heraus und ich werde dir sagen, was ich denke."
„Danke", erwiderte Harry mit einem Grinsen im Gesicht. Er trat in die Kabine und ließ zwei Arme voll Kleidung auf die Bank fallen. Er drehte sich zur Tür und lächelte Jessica zu, bevor er die Tür schloss und sich an die Arbeit machte, die dutzenden Kleidungsartikel vor ihm anzuprobieren.
Es war ein langsamer Prozess, aber sie machten Fortschritte. Da er überhaupt keine Ahnung von Mode oder von dem, was gut aussah, hatte, trat Harry häufiger vor die Kabine und fragte Jessica nach ihrer Meinung.
Sie gab ihm zu jedem Kleidungsstück ihre ehrliche Meinung und hatte immer einen gutüberlegten Kommentar dazu. Sie mochte ein Oberteil, weil das Grün seine Augenfarbe betonte. Es gab eine Jeans, von der sie sagte, dass sie nicht wirklich zu seinem Style passte, weil sie normalerweise mehr von den rebellischen Typen getragen wurden. Sie konfiszierte einige Dinge, weil sie sagte, sie wären zu locker. Das Einzige, was sie ablehnte, weil sie zu eng waren, waren Hosen. Es gab einige Oberteile, in denen sich Harry ein wenig eingeengt fühlte, aber als er es ansprach, lächelte sie nur und versicherte ihm, dass er darin großartig aussah, immer mit einem leuchtenden Lächeln auf ihrem Gesicht.
Sie bekam eine Menge Bewegung, da sie zwischen den Umkleideräumen und den Kleiderständern hin- und zurückging. Sie brachte die Kleidung zurück, die sie nicht mochten und brachte neue mit, so dass er sie anprobieren konnte. Es schien ihr aber gar nichts auszumachen. Sie würde wahrscheinlich mehr Kommission mit seinem Einkauf machen, als sie normalerweise an einem ganzen Tag verdiente. Nicht nur das, aber sie fand Harry irgendwie niedlich und bescheiden und süß.
Die beiden hielten eine mit Pausen gefüllte Konversation aufrecht, wenn Jessica in die Umkleide kam und ging. Sie erzählte ihm, dass sie im Herbst anfangen würde, eine nahegelegene Universität zu besuchen und sie hier arbeitete, um ihre Semestergebühren zu zahlen. Er erzählte ihr, dass er ein Internat in Schottland besuchte, das seine Eltern schon besucht hatten. Er erwähnte kurz, dass seine Eltern gestorben waren, als er ein Jahr alt war und dass er nun mit seiner Tante, seinem Onkel und seinem Cousin lebte, aber dass sie sich nicht gut verstanden. Jessica spürte, dass das ein heikles Thema war und begann über ihre eigene Familie zu erzählen und fragte ihn nicht über seine aus.
Schlussendlich endete Harry mit ein paar Jeans, zwei Paar Khakis, zwei Paar Anzughosen in Khaki und Schwarz, ein gutes Dutzend zwanglose T-Shirts, mehrere Oberteile mit Kragen, ein paar langärmelige Shirts und Sweatshirts für die Zeit, wenn es kühler werden würde, einige kurze Freizeithosen, ein paar Shorts und Shirts für sein Workout und über ein Dutzend Boxershorts. Alles, was sie nun noch brauchten, war, ein paar Schuhe auszusuchen und dann wären sie fertig.
Jessica führte ihn aus der „Young Fashion"-Abteilung durch den Laden, eine Rolltreppe hinunter in die Schuhabteilung. Sie trugen beide einige mit Kleidung gefüllte Taschen, die sie schon ausgesucht hatten. Als sie die Schuhabteilung betraten, wurden sie sofort von einem Mann, der aussah, als sei er in den Vierzigern aufgehalten. „Kann ich Ihnen behilflich sein?", fragte er.
„Danke, mir wird schon geholfen", erwiderte Harry und deutete auf Jessica.
„Ah, hallo Jessica", grüßte er herablassend. „Ich bin mir sicher, dass sie eine große Hilfe bei der Auswahl der Kleidung war, aber ich versichere Ihnen, dass es keinen Angestellten in diesem Laden gibt, der diese Abteilung besser kennt als ich. Ich würde mich sehr freuen, von hier an zu übernehmen. Jessica, du kannst die Taschen hier stehen lassen und ich werde sicherstellen, dass man sich um den jungen Mann kümmert."
Bevor Jessica antworten konnte, unterbrach Harry: „Um ehrlich zu sein, Sir, würde ich es lieber sehen, wenn Jessica mir weiterhin hilft. Sie war bisher sehr hilfreich und ich denke, dass sie eine gute Vorstellung davon hat, nach was ich suche. Wenn Sie uns also entschuldigen, wir werden dann weiter einkaufen."
Der Mann warf den zwei Teenagern einen vernichtenden Blick zu, bevor er davon stolzierte, um einem anderen Kunden zu helfen. Jessica lächelte ihn breit an und sagte: „Danke, Harry. Du weißt nicht, wie oft er so etwas schon gemacht hat und einfach den Verkauf in der letzten Sekunde übernommen hat und die ganze Kommission für sich beansprucht hat. Er kommt damit nur durch, weil er den Besitzer kennt."
„Hey, ich habe gemeint, was ich gesagt habe", erwiderte Harry mit einem kleinen Lächeln. „Du bist großartig. Ohne dich würde ich noch immer ratlos umherwandern. Das Mindeste, das ich tun kann, ist, sicherzustellen, dass du die Anerkennung für das bekommst, was du für mich getan hast."
„Danke, Harry", sagte sie. „Und jetzt komm, wir müssen noch immer ein paar Schuhe für dich finden." Sie nahm ihn bei der Hand und führte ihn zu einem Regal mit einer Kollektion von Trainingsschuhen. „Nun lass mal sehen. Eins nach dem anderen: Wir müssen deine Füße vermessen. Zieh bitte deine Schuhe aus."
Harry tat wie von ihm verlangt und schnell brachte sie ihm Trainingsschuhe und fragte, wie er sie fand. Er mochte ein paar derjenigen, die sie ausgesucht hatte, also brachte sie die richtige Größe und ließ ihn alle anprobieren. Er lief in jedem Paar ein wenig herum, um herauszufinden, wie komfortabel jedes war. Er wählte irgendwann das Paar aus, das ihm am besten gefiel und sie widmeten sich braunen Schuhen. Der Vorgang wiederholte sich noch einmal, was sie zu dem letzten Paar, schwarze Schuhe, brachte. Als sie endlich alle Schuhe ausgesucht hatten, nahmen sie wieder die Taschen an sich und Jessica führte ihn zum vorderen Teil des Geschäftes.
Sie scannte die Artikel, was einige Zeit dauerte, wenn man bedachte, wie viel er kaufte. Die Endsumme war um die 475 Pfund. Er holte den 500-Pfund-Schein, den die Kobolde ihm gegeben hatten, hervor und gab ihn Jessica. Sie zählte das Wechselgeld heraus und wollte es Harry geben, aber er schüttelte nur mit dem Kopf.
„Behalt es", sagte er ihr. „Sieh es als ein Dankeschön an für deine ganze Hilfe."
Sie errötete aufgrund dieser Geste deutlich, ließ aber nicht locker: „Das kann ich nicht tun. Es ist zu viel. Hier." Sie versuchte wieder, Harry das Geld zu geben.
„Bitte. Wie ich dir gesagt habe, bin ich vor kurzem zu einer Menge Geld gekommen, für das ich nicht wirklich Verwendung habe. Und du warst mir heute wirklich eine große Hilfe und ich hatte tatsächlich eine Menge Spaß, mit dir einzukaufen", sagte er ihr und fühlte, wie sein eigenes Gesicht wieder rot wurde. „Ich habe nicht wirklich eine andere Möglichkeit, um danke zu sagen, also behalte es, bitte?"
Sie sah aus, als würde sie noch mehr diskutieren wollen, aber sie hielt inne und schaute ihm tief in die Augen, als ob sie etwas suchen würde. Ihre Entschlossenheit wich. Ein kleines Lächeln spielte um ihre Lippen und ließ ein Grübchen auf ihrer linken Wange auftauchen. Harry sah, wie ihr Gesichtsausdruck sich von Entschlossenheit in Akzeptanz verwandelte und lächelte breit.
Jessica zog eine kleine Karte aus ihrer Tasche, nahm einen Stift vom Ladentisch und schrieb etwas auf das Kärtchen. Nachdem sie fertig war, legte sie ihren Kopf in den Nacken und schaute ihm wieder in die Augen. Sie biss sich leicht auf ihre Lippe, als sie ihm die Karte hinhielt. „Wenn du jemals wieder einen persönlichen Einkäufer brauchst, dann ruf mich einfach an", erklärte sie lächelnd. „Du bist wirklich ein süßer Kerl, Harry. Hab keine Scheu anzurufen, auch wenn es nichts mit Einkaufen zu tun hat."
Harry verfluchte sich, als er fühlte, wie sein Gesicht zum, wie es schien, hundertsten Mal, seit er den Laden betreten hatte, rot aufleuchtete. Er wusste, dass er höchstwahrscheinlich dümmlich grinste, aber er konnte nichts dagegen tun. Er nahm die Karte von Jessica und lächelte sie wieder schüchtern an. „Danke", erwiderte er leise. „Ich werde es nicht vergessen."
„Stell sicher, dass du das nicht tust", antwortete sie mit einem gewinnenden Lächeln. „Brauchst du Hilfe, das alles in dein Auto zu bringen?"
„Oh ... nein. Nein, ich glaube, ich kann alles tragen", antwortete Harry. „Danke noch einmal für deine Hilfe, Jessica."
„Es war mir ein Vergnügen, Harry", erwiderte sie.
Harrys Wangen nahmen schon wieder einen rosanen Farbton an, während er seine Einkäufe einsammelte und zum Ladenausgang ging. Er schaute noch einmal über seine Schulter und sah, dass Jessica sein Gehen mit ihrem Blick folgte, noch immer an der Ladentheke stehend. Sie winkte ihm zum Abschied, worauf Harry nur mit einem Grinsen antworten konnte, da seine Hände mit Taschen voller Klamotten bepackt waren.
Als er aus dem Geschäft trat, kehrte Harry zu der Gasse zurück, in der er gewesen war, bevor er den Laden betreten hatte, um sein Aussehen wieder zurückzuverändern und er verstaute seine Einkäufe in seinem Koffer. Sobald alles sicher verpackt und sein Koffer in seiner Hosentasche war, apparierte Harry zurück in den Ligusterweg.
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Als Harry in seinem Zimmer auftauchte, bemerkte er, dass der Eulenkäfig leer war. Harry fragte sich, wohin Hedwig verschwunden war. Normalerweise ging sie erst nach Einbruch der Dunkelheit jagen. Er tat seine Neugier mit einem Schulterzucken ab und räumte stattdessen seine Einkäufe ordentlich weg. Er zog die alten Klamotten seines Cousins aus und dafür eine seiner neuen Jeans und ein weißes T-Shirt an. Harry schaute in den Spiegel und kürzte sein Haar ein wenig, so dass es die gleiche Länge wie zuvor hatte.
Er war etwa zur Hälfte mit seinem langsamen Verlängern seiner Haare fertig. Im Moment hatten sie eine merkwürdige Länge, aber er wusste, dass es in kurzer Zeit genau so sein würde, wie er sie gern hätte.
Harry las ein paar Stunden, bevor sein Hunger übermächtig wurde. Er aß schnell zu Abend. Er hatte es eilig, aus der Gesellschaft der Dursleys zu fliehen und in die Einsamkeit seines Zimmers zurückzukehren. Als er in sein Zimmer zurückkehrte, widmete er sich wieder dem Lesen.
Er sah bis zum nächsten Nachmittag keine Spur von seiner Eule, als ein weißer undeutlicher Schatten in seinem Fenster seine Aufmerksamkeit von seinen Büchern weglenkte. Er sah hinüber und sah, wie Hedwig mit einem Brief an ihrem Bein befestigt auf ihn zu segelte.
„Also dahin bist du verschwunden", sagte Harry. „Du warst aus und hast meine Post für mich geholt." Er gab ihr als Dankeschön ein paar Eulenleckereien und schaute sich dann den Brief in seiner Hand an. Schon an der Art, wie die Person seinen Namen geschrieben hatte, wusste er sofort, dass der Brief von Ginny war. Sie hatten sich in diesem Sommer schon oft genug Eulenpost geschickt, so dass er ihre Handschrift erkennen konnte. Er hatte erst ein paar Tage zuvor einen Brief von ihr bekommen als Antwort auf das Dankeschön bekommen, das er ihr wegen seines Geburtstagsgeschenks geschickt hatte, aber er hatte ihr seitdem nicht mehr geschrieben. Er fragte sich, warum sie ihm so schnell wieder schrieb. Harry öffnete den Brief, um es herauszufinden.
Lieber Harry,
ich glaube, deine Eule mag mich. Sie ist einfach gestern Nacht ohne auszuliefernde Post aufgetaucht. Sie hat die Nacht in meinem Zimmer verbracht, aber ich habe das Fenster für sie offen gelassen, es kann also sein, dass sie in der Nacht rein und rausgeflogen ist. Heute Morgen nach dem Frühstück habe ich gedacht, dass ich dir vielleicht einen Brief schreiben sollte, den sie zu dir zurückbringen kann, bevor du dir Sorgen machst, wo sie war.
Wir haben gestern Morgen unsere Hogwartsbriefe bekommen. Ich bin nicht Vertrauensschüler geworden, nicht dass es mir wirklich etwas ausmacht. Ich habe kein Verlangen nach Extraverantwortung, aber es wäre nett gewesen, die Belohnung dafür zu bekommen. Ich dachte, ich könnte mir eine Katze oder vielleicht eine Eule holen. Ich hatte noch nie ein eigenes Haustier. Na ja.
Ron hat seine Z.A.G-Ergebnisse bekommen. Aufgrund seiner Reaktion und der von Mum nehme ich an, dass sie in Ordnung waren, aber nicht außerordentlich, aber ich lasse ihn dir davon erzählen. Ich habe seine Resultate sowieso nicht gesehen. Was hast du bekommen? Ich wäre bereit zu wetten, dass du deine Verteidigungsprüfung glänzend bestanden hast, stimmt's? Das dachte ich mir. Wie hast du in deiner Zaubertrankprüfung abgeschnitten? Das war die Prüfung, über die du dir Sorgen gemacht hast, weil du sie brauchst, um Auror zu werden, oder?
Ron und ich haben Mum, seit wir unsere Briefe bekommen haben, damit genervt uns mit ihr in die Winkelgasse gehen zu lassen. Ich glaube nicht, dass wir irgendeinen Einfluss auf sie hatten, aber heute beim Frühstück hat Ron eine weitere Eule von der Schule bekommen, diese hat ihn zum Kapitän des Quidditchteams gemacht. Ein wenig merkwürdig, dass die Mitteilung einen Tag später und getrennt von seinem normalen Hogwartsbrief angekommen ist, glaubst du nicht? Ich frage mich, wie das kommt ... Aber egal. Nachdem Mum es herausgefunden hatte und Ron gebettelt hat in die Winkelgasse gehen zu dürfen, um zu „Qualität für Quidditch" gehen zu können, hat Mum schließlich nachgegeben. Ich wünschte, du könntest mit uns mitkommen, aber niemand scheint auch nur das kleinste bisschen bereit zu sein, nachzugeben, wenn es um dich geht. Sorry.
Es wird schön sein, endlich ein bisschen aus dem Haus zu kommen. Nicht; dass wir es auch nur annähernd so schlecht haben wie du, aber ich fange an, mich hier ein bisschen eingesperrt zu fühlen, weißt du? Ich meine, wir können rausgehen und alles, aber die Schutzzauber um das Haus reichen nur bis zu einer gewissen Entfernung und deshalb müssen wir nahe am Haus bleiben. Das bedeutet, dass die Lichtung, die wir normalerweise dazu benutzen, um Quidditch zu spielen, verboten ist. Ich bin ein wenig ums Haus geflogen, aber es ist nicht das Gleiche. Wir haben nicht den Platz, um richtig üben zu können. Wurde dein Quidditchverbot aufgehoben? Oder hast du noch nichts darüber gehört? Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie es nicht aufheben, aber das Ministerium hat viel getan, von dem ich mir nicht vorstellen konnte, dass sie es tun. Es wäre schön, dich wieder im Team zu haben.
Nun, für den Moment habe ich alles erzählt. Fühl dich frei, mir zu schreiben, du weißt, dass du möchtest.
Mit Liebe,
Ginny
Harry war froh, dass McGonagall auf seinen Rat gehört und Ron zum Quidditchkapitän gemacht hatte. Er erkannte, dass Ginny - genau wie Hermine - zu schlau für ihr eigenes Wohl sein konnte. Sie ließ Hinweise fallen, dass sie dachte, dass mehr hinter der Ernennung von Ron zum Kapitän steckte, als man auf den ersten Blick sehen konnte und sie hatte recht. Aber Harry hoffte, dass Ron nicht dieselben Schlussfolgerungen wie seine Schwester ziehen würde. Ron konnte zu den besten Zeiten sehr eifersüchtig werden. Harry wollte nicht wissen, was sein Freund machen würde, wenn er wüsste, dass Harry das Kapitänsamt abgelehnt und Ron empfohlen hatte. Eine normale Person wäre vielleicht dankbar, aber er konnte es bei Ron nie vorhersagen. Er neigte dazu, in so einer Situation eifersüchtig und nachtragend zu reagieren.
Harry stand von seinem Schreibtisch auf, um Hedwig noch eine Leckerei zu holen, bevor er sich zurück an seinen Tisch setzte, um eine Antwort zu schreiben.
Liebe Ginny,
Hedwig hatte schon immer einen guten Geschmack. Ich habe gestern auch meine Hogwartseule bekommen, Z.A.G-Noten inklusive. Ich bin glücklich sagen zu können, dass ich, glaube ich, ziemlich gut abgeschnitten habe. Tatsächlich so gut, dass ich alle Schulfächer belegen kann, die ich brauche, um Auror zu werden, Zaubertränke mit eingeschlossen. Es ist erstaunlich, um wie viel einfacher das Fach ist, wenn du Snape und eine Bande von Slytherins nicht hast, die dich andauernd beschimpfen und verspotten und sabotieren. Wer hätte gedacht, dass ich ohne all das nicht mal so schlecht in Zaubertränke bin? Es ist wirklich nicht sehr anders als Kochen und ich habe damit jahrelange Erfahrung.
Das ist toll, das über Ron zu hören. Er verdient es, Kapitän zu sein. Ich habe nie jemanden getroffen, der von einer Sportart mehr besessen war als er es ist und er kennt die Strategie um einiges besser als jeder andere im Team. Es war eine gute Wahl. Meine offizielle Haltung ist, dass ich keine Ahnung habe, warum sein Brief einen Tag später ankommen sollte und dass du zu schlau für dein und mein eigenes Wohl bist. Genau was ich in meinem Leben gebraucht habe, noch eine Frau, die alles durchschauen wird, was ich mache. Wie auch immer, McGonagall hat gesagt, dass mein Quidditchverbot zusammen mit allen anderen Ausbildungserlassen, die die Kröte letztes Jahr erlassen hat, aufgehoben wurde.
Es ist toll, dass ihr zusammen mit deiner Mum in die Winkelgasse gehen dürft. Fühl dich meinetwegen nicht zu schlecht. Dieser Sommer war um einiges besser als manche der vergangenen. Ich komme regelmäßig aus dem Haus und bin beschäftigt, außerdem habe ich die Treffen mit Remus, ganz zu schweigen davon, dass ich eine neue Brieffreundin habe. Von dem schwierigen Start abgesehen würde ich behaupten, dass es der beste Sommer ist, den ich je hatte, aber ich schätze, das sagt nicht allzu viel. Es ist schön diesen Sommer mit dir zu schreiben. Hermine und Ron sind großartig, versteh mich nicht falsch, aber Hermine kann zu fordernd und penetrant sein und man kann sich nie sicher sein, ob sie nicht zum nächsten Lehrer rennt und Ron wird einfach zu schnell eifersüchtig und hat Probleme mit seinem Temperament. Ich habe solche Fehler noch nicht bei dir finden können, aber ich werde einfach meine Augen offen halten müssen. Schreib schnell zurück.
Pass auf dich auf,
Harry
Harry fragte Hedwig, ob sie sich ausruhen wollte, bevor sie mit seiner Antwort zurückfliegen würde, aber sie streckte ihr Bein aus, so dass der Brief daran festgebunden werden konnte. Sie kniff ihm liebevoll in den Finger, um zu zeigen, dass sie es wertschätzte, gefragt zu werden, bevor sie dann aus dem Fenster in den Himmel flog. Harry wandte sich wieder seinen Büchern zu und verbrachte den Rest des Tages entweder mit Lernen oder mit dem Üben zauberstabloser Magie.
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In dieser Nacht wurde Harry das zweite Mal in diesem Sommer aus seinem Training mit Sirius gerissen und fand sich an einem Ort wieder, der eine Höhle zu sein schien. Er stand vor einer einzelnen, in schwarz gekleideten Person mit einer Todessermaske über seinem Gesicht. Harry beobachtete die Dinge wieder aus Voldemorts Sicht. Voldemort hatte einen Brief gelesen, aber als sich Harry endlich orientiert hatte, faltete er bereits den Brief zusammen und sagte: „Sehr gut, Lucius. Du hast mir gut gedient. Die Winkelgasse wird ein geeigneter Ort sein, um zuzuschlagen. Nimm so viele mit wie du brauchst und plane den Angriff selber. Ich möchte den Jungen und das Mädchen lebend haben, mit allen anderen könnt ihr machen, was ihr wollt. Verursacht so viel Schaden, wie ihr könnt. Wenn ihr morgen dort seid, können wir auch gleich der Welt eine Botschaft übermitteln."
„Ja, mein Lord", erwiderte Lucius Malfoys samtige Stimme.
„Lass die Eule den Brief überbringen. Wir wollen nicht, dass sie wissen, woher wir unsere Informationen haben. Und Lucius", Voldemort machte eine dramatische Pause, „Enttäusche mich dieses Mal nicht."
Die Maske neigte sich nach vorne, als ihr Träger seinen Kopf kurz zustimmend beugte, bevor er sich abrupt umdrehte und aus dem Raum ging. Voldemort grinste teuflisch. Offensichtlich gefiel ihm sein Plan. Nach einem Moment rief er: „Wurmschwanz!"
Die abstoßende Ratte von einem Mann trat widerstrebend ein und schlurfte nach vorne. „Was hast du mir zu sagen, Wurmschwanz?"
„M... Mein Lord", antwortete Wurmschwanz zitternd. „Ich habe versucht, Zugang zu dem Haus der Weasleys und dem Heim der Grangers zu bekommen, aber ich kann mich ihnen nicht nähern. Sie müssen Schutzzauber errichtet haben, um mich draußen zu halten. Es tut mir leid, Meister."
„Du enttäuscht mich, Wurmschwanz", erwiderte Voldemort eisig. „Du überdauerst deine Nützlichkeit. Nun, beinahe, noch habe ich Verwendung für dich." Wurmschwanz schaute hoffnungsvoll, bis er den bösartigen Blick bemerkte, den Voldemort auf ihn gerichtet hatte, denselben, den er immer hatte, bevor er „Crucio!" zauberte.
Wurmschwanz fiel schreiend vor Schmerzen zu Boden, Schmerzen schlimmer als alles andere fuhren ihm durch seine Adern. Auf der anderen Seite des Landes wurde ein Junge währenddessen abrupt wach, hielt seine Stirn und biss sich auf seine Lippe, um sich davon abzuhalten, vor Schmerzen laut aufzuschreien. Harry hatte gehofft, dass sein Üben von Okklumentik die Visionen verschwinden lassen oder wenigstens die Intensität der Schmerzen verringern würde. Dieses Glück hatte er nicht.
Harry kroch aus seinem Bett zu seinem Schreibtisch. Die Sonne erschien gerade erst langsam am Horizont und versorgte ihn mit genug Licht, um zu sehen, was er tat. Er suchte Federkiel, Tintenfass und ein Pergament zusammen, auf das er schnell eine Nachricht kritzelte.
Sir,
neue Vision. Heute Angriff auf Winkelgasse. Sie haben eine ausliefernde Eule gefangen genommen, der Plan ist es, einen Jungen und ein Mädchen zu fangen, sie haben nicht gesagt, wen, und so viel Schaden wie möglich zu verursachen.
Wurmschwanz hat versucht, in den Fuchsbau und in Hermines Haus zu gelangen, wurde aber daran gehindert, wahrscheinlich wegen Schutzzauber.
HP
Harry schaute sich nach seiner Eule um und fluchte, als er erkannte, dass sie noch immer unterwegs war. Er hatte keine andere Wahl als auf sie zu warten, bis sie zurückkam und zu hoffen, dass dies bald sein würde. Sie wusste normalerweise, wenn Harry sie brauchte, daher hoffte er, dass sie seine Not erkennen und zurückeilen würde. Währenddessen öffnete Harry ein Buch und begann zu lesen, in der Hoffnung, dass die Tätigkeit seine Gedanken von der pulsierenden Qual in seiner Narbe ablenken würde. Der Schmerz ließ langsam nach, aber so kurz nach der Vision war er noch immer ziemlich intensiv.
Tatsächlich. Innerhalb einer halben Stunde flog Hedwig mit einem Schrei, um ihr Ankommen anzukündigen, durch das Fenster. „Merlin sei Dank, dass du hier bist, Mädchen. Du musst das sofort zu Professor Dumbledore bringen. Mach eine Pause, wenn du dort bist, aber beeil dich auf dem Weg zurück, Hedwig. Die Todesser fangen jetzt Eulen und das Letzte, das ich will ist, dass sie dich kriegen."
Sie war ohne Verzug wieder verschwunden, um die Nachricht zu überbringen. Er hoffte, dass sie sicher sein würde. Er wollte sich nicht vorstellen, was die Todesser tun würden, wenn sie seine Eule gefangen nehmen würden. Da er eine Beschäftigung brauchte, um sich von seinem schwierigen Start in den Morgen abzulenken, zog Harry seine neuen Trainingsklamotten an und ging nach draußen, um zu joggen. Er verlängerte seine Joggingstrecke, umso später es im Sommer war, da seine Ausdauer größer wurde, umso mehr er lief.
Heute lief er ein wenig weiter, nur um seine Nerven mit der körperlichen Betätigung zu beruhigen. Er verbrachte auch eine lange Zeit nach dem Joggen mit seinem Work out und eine übermäßig lange Zeit an dem Boxsack seines Cousins. Es war eine wirklich gute Methode, um Stress abzubauen. Nachdem er fertig war, hüpfte er unter die Dusche und machte sich frisch. Als er sein Zimmer wieder betrat, begrüßte ihn ein seltsamer Anblick.
Hedwig flog mit Pig zwischen ihren Krallen durch das Fenster. Sie schien sehr aufgeregt und erschöpft zu sein und Pig sah ziemlich mitgenommen aus. Beide Eulen waren außer sich. Für Pig war das nichts außergewöhnliches, aber Hedwig war normalerweise ruhig und gesammelt. Sie schlug mit ihren Flügeln und schrie wie am Spieß.
„Todesser ... Angriff ... Weasleys ... Ärger ..." Teile des Gesagten füllten sein Bewusstsein. Es schien ihm vertraut zu sein. Dann begriff er.
„Hedwig?", fragte er nach einem Moment, bevor er sich in die schwarze Eule verwandelte.
„Harry, Pig wurde angegriffen. Ich habe ihn auf dem Weg nach Hogwarts gefunden. Todesser haben ihn angegriffen und den Brief gelesen. Er sagt, die Weasleys sind in Schwierigkeiten", rief die schneeweiße Eule eilig aus.
Harry brauchte eine halbe Sekunde, bevor er die Verbindung zu seiner Vision machte und er in Bewegung war. Er verwandelte sich zurück in seine menschliche Gestalt und nahm das Pergament, das an Pigs Bein festgemacht war. Er überflog es und nahm nichts in sich auf, bis er den Teil erreichte, den er befürchtete.
... gehen gleich am Morgen in die Winkelgasse. Ich kann es nicht erwarten zu Qualität für Quidditch zu gehen ...
„Wieso sendest du ihnen nicht eine gravierte Einladung, Ron?", fragte Harry niemanden bestimmten. Er zog sich schnell an, veränderte sein Haar und setzte die braunen Kontaktlinsen ein. Er benutzte wieder den selben Kosmetikzauber, um seine Narbe zu verstecken. Er wandte sich Hedwig zu: „Du musst den Brief so schnell wie möglich Dumbledore überbringen. Ich werde versuchen, dich nach Hogsmeade zu apparieren und du kannst ihn von dort aus ausliefern, okay?"
Er hörte sie schuhuhen und ein sanftes „Okay" in seinem Kopf. Er schüttelte seinen Kopf; jetzt war nicht die Zeit, um über Gedankenreden nachzudenken.
Harry hielt seinen Arm für Hedwig aus und sie kam der Aufforderung nach, indem sie sich auf seinen Unterarm setzte. Er brachte seinen Unterarm nah an seine Brust und konzentrierte sich stärker, als er es je getan hatte. Er stellte sich in Hogsmeade mit Hedwig an seinen Oberkörper gepresst vor und disapparierte mit einem kleinen Knall. Als er wiederauftauchte, schaute er seine Eule an, die Gott sei Dank zusammen mit ihm ganz und intakt aufgetaucht war. „Flieg schnell zu Dumbledore und ruh dich aus, sobald du dort bist, warte bis er zurück ist. Sei auf deinem Flug zurück vorsichtig. Ich möchte nicht, dass du auch gefangen genommen wirst."
Sie kniff ihm sanft ins Ohr und flog los. Harry zögerte nicht eine Sekunde, bevor er in die Winkelgasse apparierte. Er fand eine verlassene Gasse zwischen zwei Gebäuden und verwandelte sich in eine Eule. Er flog in den Himmel und setzte sich auf eine Wetterfahne auf eines der Gebäude, um die Straßen nach dem ihm bekannten roten Haar zu suchen, das seine Ersatzfamilie zu erkennen geben würde. Es dauerte nur eine Minute, bis er Ron und seine Mutter 'Qualität für Quidditch' betreten sah. Einen Moment danach sah er zwei andere Rotschöpfe die Straße hinunter an Gringotts vorbeilaufen. Er segelte zu ihnen und erkannte, dass das Haar zu Ginny und Bill gehörte. Harry beobachtete, wie sie sich der Magischen Menagerie näherten und sie eintraten.
Harry nahm die Gelegenheit wahr, an einem versteckten Fleck zu landen und sich in seine menschliche Gestalt zurückzuverwandeln. Er verließ gerade die Gasse, als er durch das Schaufenster Ginny im Laden entdeckte, die ein winziges schwarzes Kätzchen an ihre Brust gedrückt hielt. Das Kätzchen schaute aus dem Fenster und Harry sah, dass es erstaunlich grüne Augen, so ähnlich wie seine, hatte. Bill ging zu seiner Schwester und sagte etwas, woraufhin sie das Kätzchen widerstrebend losließ. Die beiden begannen aus dem Geschäft herauszugehen, als es passierte.
Es war ein Knall nach dem anderen zu hören, denen Schreie puren Terrors folgten, als die Todesser in die Winkelgasse apparierten. Sie erschienen direkt vor Gringotts und bemerkten sofort Bill und Ginny, die aus dem Laden daneben traten. Die Hälfte von ihnen richtete ihre Zauberstäbe auf die beiden, während die andere Hälfte sich abwandte und in die andere Richtung ging. Es waren um die zehn Zauberer, die ihre Zauberstäbe auf die beiden Weasleys gerichtet hatten.
Der Rest der Gasse war in Chaos gefallen. Menschen rannten verzweifelt und ohne Ziel und vor Terror schreiend umher. Die ganze Straße war ein wildes Durcheinander, während die beiden Weasleys gebannt wie ein Reh im Scheinwerferlicht auf die Zauberstäbe der Todesser starrten. Als die in schwarz gehüllten Gestalten anfingen, Zaubersprüche zu werfen, mischte sich Harry in das Geschehen ein. Er sammelte die Magie in sich und warf ein Schild in Ginnys Richtung in dem Wissen, dass sie eines der Ziele war. Das Schild konnte die Zaubersprüche, die auf Ginny, die gerade erst ihren Zauberstab hervorzog, gerichtet waren, blockieren, konnte aber nicht verhindern, dass Trümmer wegen des Reduktorfluchs, der über ihre Köpfe auf das Gebäude direkt hinter ihnen gerichtet war, fielen.
Ginny beeilte sich, wegzukommen, hechtete zu Boden und machte dabei eine kleine Rolle. Als sie aufstand, hinkte sie wegen ihrem linken Knöchel, da sie ihn durch ihre kleine Akrobatik verletzt hatte. Die Todesser währenddessen bewegten sich und näherten sich dem Duo. Bill war durch den hinuntergefallenen Stein von seiner Schwester getrennt worden und war damit beschäftigt, sein eigenes Leben zu retten. Harry betäubte mehrere der Todesser von hinten, während Ginny zwei von ihnen selber in Schach hielt. Sie sah jedoch nicht die Todesser, die sich von hinten an sie anschlichen.
Sie wurde schnell entwaffnet. Der Todesser packte sie und begann, sie in eine der Gassen zu schleppen. Sie wehrte sich, aber der Todesser hatte sie fest im Griff und war außerdem zweimal so groß wie sie. Harry handelte ohne nachzudenken. Bevor er es realisierte, war er ein Panther und rannte mit voller Geschwindigkeit hinter ihr her. Er betrat die Gasse und sah, wie der Todesser eine noch immer kämpfende Ginny hinter sich herschleifte. Etwas weiter die Gasse entlang wartete eine weitere in schwarz gekleidete Person auf sie.
Harry rannte die Gasse entlang zu Ginny und sprang auf ein paar Kisten, die neben dem Gebäude zu seiner Linken gestapelt waren. Mit einem kräftigen Stoß sprang er über den Todesser und war in menschlicher Gestalt, bevor er den Boden berührte. Mit einem Arm auf den Rücken des Todessers gerichtet, der Ginny hielt, und den anderen auf den anderen am Ende der Gasse gerichtet sprach Harry zwei gleichzeitige Stupors und ließ die beiden damit besinnungslos werden, bevor sie wussten, was geschah.
Harry rief ihre Zauberstäbe zu sich und brach sie entzwei. Er hatte gelesen, dass der beste Weg, einen Gegner auf dauerhafte Weise außer Gefecht zu setzen, ohne ihn zu töten, war, ihnen ihre Hauptwaffe abzunehmen. In diesem Moment war er froh, diesen Sommer so viel gelesen zu haben. Er beendete alles mit Incarceruszaubersprüchen, um die Todesser zu fesseln. Sobald er fertig war, richtete er seine Aufmerksamkeit auf Ginny, die ihn mit großen Augen anschaute.
„Gib mir deine Hand, Gin. Schnell, wir haben keine Zeit. Ich muss dich hier wegbringen und schauen, wie es den anderen geht", sagte Harry eilig.
Ginny schaute ihn nur weiterhin an, also ergriff Harry die Initiative. Er packte sie an den Schultern und sagte: „Es ist okay. Du bist bei mir in Sicherheit." Dann zog er sie näher an sich und disapparierte mit einem Knall. Er tauchte außerhalb des Fuchsbaus wieder auf und sagte: „Bitte, wenn du anderen erzählst, was passiert ist, erzähl ihnen nichts von meinen zauberstablosen Fähigkeiten. Ich möchte nicht, dass irgendjemand noch neugieriger wird, was mich angeht, als sie sowieso sein werden. Jetzt geh rein. Ich werde sicherstellen, dass auch alle anderen nach Hause kommen."
Ginny rannte ohne zu Zögern zum Haus. Nach einem Moment drehte sie sich um, um ihrem Retter zu danken, aber er war bereits ohne ein Geräusch zu machen verschwunden. Sie wandte sich wieder zum Haus und beeilte sich, hineinzugehen, um auf den Rest ihrer Familie zu warten.
Als Harry zurück zur Winkelgasse kam, wendete sich das Blatt bereits gegen die Todesser. Bill war gerade mit einem Todesser fertig, der neben einem paar seiner Kumpel zusammenbrach. Am Ende der Straße sah Harry Dumbledore eine Gruppe von Todesser entwaffnen und fesseln, die Ron und seine Mum eingekreist hatten. Harry seufzte erleichtert angesichts dieses Anblicks. Der Kampf war vorüber und alle waren in Sicherheit.
Auf Harrys Lippen spielte ein kleines Lächeln, bevor er disapparierte und in seinem Zimmer wieder auftauchte. Er schaute auf seine Uhr und erkannte, dass er nicht einmal zehn Minuten weg gewesen war. Das mussten allerdings die längsten zehn Minuten seines Lebens gewesen sein.
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Während Harry sich in seinem Bett nach seiner gelungenen Arbeit ausruhte, waren die Menschen in der Winkelgasse trotz der Beseitigung der Bedrohung außer sich. Alle waren überrascht, als die gefangenen Todesser direkt vor ihren Nasen verschwanden. Der Hoffnungsschimmer am Horizont war gerade verschwunden und ließ nichts außer einem dunkles, bedrohliches Grau zurück.
Bill war außer sich. Ginny war seine Verantwortung und er hatte nicht die geringste Idee, was ihr zugestoßen war. Sie waren getrennt worden, als das Gebäude auf sie hinuntergestürzt war. Er war so damit beschäftigt gewesen, sich mit Todessern zu duellieren, dass er nicht einmal gesehen hatte, was mit ihr passiert war. Sie war spurlos verschwunden und es war alles seine Schuld.
Mrs. Weasley wurde beinahe hysterisch, als Bill ihr erzählte, dass Ginny vermisst wurde. Nach einer Minute konnte sie sich genug beruhigen, um klar zu denken, doch Tränen liefen ihr noch immer die Wangen hinunter. Das Erste, was getan werden musste, war, Ron nach Hause zu bringen. Sie nahm ihn am Arm und führte ihn trotz seiner Proteste, dass er bleiben wollte, um bei der Suche nach seiner Schwester zu helfen, zum Tropfenden Kessel, um nach Hause zu flohen. Sie folgte ihm durch den Kamin, um sicherzugehen, dass er nicht sofort wieder zurückkommen würde.
Als sie durch den Kamin kam, durchfuhr sie die Erleichterung angesichts dessen, was sie antraf. Ron umarmte eine überraschte Ginny so fest, dass es so aussah, als ob ihre Augen aus ihren Augenhöhlen herausquellen könnten. Er richtete hunderte Fragen an sie, ohne ihr die Chance zu geben, zu antworten. Mrs. Weasley überwand schnell die Distanz zwischen sich und ihnen und zog beide Kinder in eine ihrer erdrückenden Umarmungen und rief aus: „Merlin sei Dank!"
„Mum, Ron", keuchte Ginny. „Ich kann nicht atmen."
Die beiden Weasleys ließen sie los und schauten betreten, aber nicht schuldbewusst. Nach einem Moment der Stille sprach Ginny wieder: „Was ist passiert? Sind alle in Ordnung?"
„Ja, es geht allen gut. Sie sind nur halb zu Tode besorgt, dass du gefangen genommen worden sein könntest", antwortete Mrs. Weasley. „Oh, Bill!", kreischte sie, bevor sie sich umdrehte und zum Kamin zurückging, um in einem Wirbel aus grünen Flammen zurückzukehren.
Es war kurze Zeit später, dass Mrs. Weasley mit Bill zurückkam und Ginny fand sich erneut in einer lebensbedrohlichen Umarmung wieder. „Was ist mit euch Leuten los? Ihr findet mich zu Hause in Sicherheit und deshalb versucht ihr, das Leben aus mir herauszupressen?", fragte Ginny atemlos.
„Du hast uns halb zu Tode erschreckt", erwiderte Bill.
„Ja, wie bist du hierher zurückgekommen?", fragte Ron.
Ginnys Grinsen verschwand für eine Sekunde, als sie daran zurückdachte, wie kurz sie davor gestanden hatte, gefangengenommen zu werden. Sie setzte sich und forderte die anderen auf, dies auch zu tun, bevor sie ihre Geschichte erzählte.
„Nachdem das Gebäude zusammengefallen ist, bin ich aus dem Weg gesprungen und ich glaube, ich habe mir meinen Knöchel verstaucht. Wie auch immer, ich bin aufgestanden und habe angefangen mit den Todessern vor mir zu kämpfen. Es waren drei, die sich mir näherten und ich konnte einen von ihnen betäuben und die anderen zurückhalten, aber jemand hat sich von hinten an mich angeschlichen und mich entwaffnet", erklärte Ginny.
„Er schleppte mich in eine der Gassen, während ich versuchte freizukommen. Ich konnte nicht sehen, wohin wir gehen, weil ich meinen Rücken zu ihm hatte. Wie auch immer, während wir durch die Gasse gingen, kommt diese Katze. Und ich rede hier nicht von einer Hauskatze. Es war eine Dschungelkatze, ein Panther oder so etwas. Er ist über unsere Köpfe gesprungen und das Nächste, das ich weiß, ist, dass der Mann, der mich gehalten hat, bewusstlos auf dem Boden liegt. Ich drehe mich um und da ist ein Mann, er kann nicht mehr als ein paar Jahre als ich älter gewesen sein, der Seile heraufbeschwört, die sich selbst um den Todesser, der mich gehalten hat und um einen anderen Todesser am Ende der Gasse, banden."
„Er ist zu mir gekommen und hat mir gesagt, dass ich in Sicherheit sei. Er hat mich an den Schultern gehalten und mich an sich gedrückt. Das nächste, das ich weiß, ist, dass wir direkt außerhalb vom Fuchsbau sind. Er hat mir gesagt, dass ich hineingehen soll und dass er sicherstellen würde, dass alle anderen sicher nach Hause kommen. Ich habe mich umgedreht, um Danke zu sagen, aber er war bereits verschwunden. Also bin ich hineingerannt und habe vor dem Kamin auf euch gewartet und jetzt sind wir hier." Ginny schloss ihre Geschichte mit einem Seufzen.
Sie hatte seinen Wunsch respektiert und seine zauberstablosen Fähigkeiten nicht erwähnt, aber sie war noch immer sehr neugierig. Da war etwas überaus Vertrautes an ihm. Als er in seiner Panthergestalt war, waren ihr seine Augen besonders aufgefallen. Sie waren erstaunlich grün, genauso wie die des Kätzchens, das sie angeschaut hatte ... genauso wie Harrys. Der Mann ähnelte allerdings niemanden, den sie kannte. Er hatte blondbraune Haare und braune Augen. Er war wahrscheinlich durchschnittlich groß, definitiv nicht Rons Größe, aber Ron war abnormal groß. Und er war auch leicht muskulös. Als er sie gepackt und sie an sich gepresst hatte, als er apparierte, konnte sie die Muskeln unter dem Oberteil spüren. Sie hatte sich in seinen Armen sicher gefühlt, genauso wie er es gesagt hatte, dass sie es sein würde.
„Nun, wer auch immer es war, Merlin sei gedankt, dass er da war, um zu helfen", sagte Mrs. Weasley nach einem Moment der Stille. „Hat er dir seinen Namen gesagt?", fragte sie Ginny.
„Nein, er hat nicht einmal seinen Vornamen gesagt. Aber er kannte meinen Namen", erläuterte sie. Sie fügte leise nur für sich hinzu: „Er hat mich Gin genannt, fast als ob er mich kennen würde." Sie sagte den Anderen nichts davon. Er schien seine Identität geheim halten zu wollen und sie würde seine Wünsche respektieren. Es war das Wenigste, was sie tun konnte, nachdem er ihr Leben gerettet hatte.
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Hedwig kehrte später an diesem Abend mit einem Brief zurück, der in einer ausladenden, schnörkeligen Handschrift an Harry adressiert war. Der Schulleiter hatte ihm geantwortet.
Harry,
so sehr ich auch die Art hasse, mit der du Informationen erhältst, haben deine Vision und dein Brief an mich geholfen, das Leben deiner Freunde zu retten. Die Ziele dieses Angriffs waren Ronald und Ginevra Weasley. Es scheint so, dass dein Freund Ron dir spät am Abend einen Brief geschrieben und ihn mit seiner Eule losgeschickt hat, um dir mitzuteilen, dass er und seine Familie heute in die Winkelgasse gehen würden. Wir konnten, dank deinem Brief, reagieren, bevor die Alarme uns auf den Angriff aufmerksam machten und konnten den Angriff stoppen, bevor sie ihre Absicht erfüllen konnten. Die Weasleys sind alle wieder in Sicherheit und es gab keine bekannten Verluste während des Angriffs.
Die Gasse wurde etwas beschädigt, aber nichts, das nicht einfach wieder repariert werden kann. Danke, dass du mich auf deine Vision aufmerksam gemacht hast. Du hast unzählige Leben gerettet. Nichtsdestotrotz macht mir die Tatsache, dass du noch immer Visionen hast, Sorgen. Ich werde froh sein, wenn du deinen Okklumentikunterricht wieder aufnehmen wirst. Dürfte ich vorschlagen, dass du den Rest deines Sommers mit der Vorbereitung auf diesen Unterricht verbringst? Umso mehr Anstrengungen du in den Schutz deiner Gedanken steckst, umso schwerer wird es für jeden sein hindurchzubrechen. Wie immer bin ich für dich da, wenn du etwas brauchst.
Mit freundlichen Grüßen
Albus Dumbledore
Harry las den Brief durch und war alles in allem zufrieden mit dem Inhalt. Niemand war ernsthaft verletzt oder war bei dem Angriff getötet worden. Die Winkelgasse würde bald genug wieder instand gesetzt worden sein. Die einzige wirkliche Folge des Angriffs würde das Verhalten der Öffentlichkeit sein, aber die könnte gut wie auch schlecht sein. Nun da Voldemort die Menschen im Allgemeinen bedroht hatte, würden sie nicht länger die Tatenlosigkeit des Ministeriums akzeptieren. Jetzt war die Zeit, um anzufangen, zu kämpfen.
Harry fütterte seine Eule mit einigen Leckereien aus Dankbarkeit für ihre Hilfe heute. Er fütterte Pig ebenfalls mit einer Leckerei. Die kleine Eule hatte sich scheinbar dazu entschieden, sich ein wenig auszuruhen, bevor sie zum Fuchsbau zurückkehrte. Im Angesicht der Tatsache, dass Todesser ihn bereits einmal abgefangen hatten, konnte Harry der Eule nicht wirklich einen Vorwurf machen.
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Am nächsten Tag kehrte Harry zur Winkelgasse zurück. Angestellte des Ministeriums waren in den Straßen verteilt und halfen bei den Aufräumarbeiten. Er ging zur Magischen Menagerie, die nach dem Angriff am Tag zuvor zum größten Teil wieder aufgebaut war. Der Laden war zumindest offen und Harry trat ein. Er entdeckte schnell das, für was er gekommen war: ein kleines schwarzes Kätzchen mit leuchtenden grünen Augen. Harry hob es hoch und kraulte es hinter den Ohren. Es schnurrte glücklich und rieb sein Gesicht an Harrys Hand. Er ging zum Geschäftsinhaber und fragte, was er kaufen müsste, um für die Katze sorgen zu können.
Der Mann holte die magische Entsprechung eines Katzenklos, bei dem die Exkremente verschwanden, nachdem sie vom Tier ausgeschieden worden waren. Er brachte etwas Katzenfutter und Harry sagte ihm, er solle ihm genug Futter für ein Jahr geben. Er wusste nicht, ob es ein Geschäft in Hogsmeade gab, das Tierfutter verkaufte und dachte daher, dass es das Beste sei, vorbereitet zu sein. Der Mann hatte gegrinst und war froh genug gewesen, dem Folge zu leisten. Er hatte Harry gefragt, ob er irgendwelches Spielzeug oder Katzenminze für das Kätzchen haben wolle. Also wählte Harry ein paar Spielzeuge aus und nahm auch einen Beutel Katzenminze mit.
Das Letzte, was er für die kleine Kreatur benötigte, war eine Transportbox. Der Mann holte eine für Harry und zählte die Einkäufe zusammen. Harry bezahlte den Mann mit dem exakten Betrag, den er aus seinem Geldbeutel holte, bevor er das Kätzchen in die Transportbox beförderte und packte das ganze Futter und das andere Zubehör in den Koffer. Das erledigt ging er aus der Tür und disapparierte mit einem Knall, da er mit seinen Erledigungen fertig war.
Ginnys Geburtstag war schon bald und nachdem er sie am Tag zuvor mit dem Kätzchen gesehen hatte, konnte er nicht widerstehen. Außerdem, nach dem Schrecken, den sie am Tag zuvor während des Angriffs bekommen haben musste, konnte sie wahrscheinlich etwas brauchen, das sie aufmunterte. Er war überrascht, dass er sich überhaupt an ihren Geburtstag erinnerte und war auf diese Tatsache ziemlich stolz. Der einzige Grund, warum er es wusste, war, weil er da gewesen war, als sie ihren Geburtstag im Sommer vor seinem zweiten Schuljahr gefeiert hatten. Er hatte ihr an keinem ihrer Geburtstage etwas geschickt. Daher war er überrascht, dass er sich vier Jahre später an das Datum erinnerte.
Harry entschied, das Kätzchen in den Räumen seines Koffers zu lassen, so dass es nicht in den Rest des Hauses schleichen konnte. Er stellte sicher, jeden Tag etwas Zeit mit es zu verbringen und überhäufte es mit Aufmerksamkeit. Harry war froh, dass Hedwig ihn nicht sehen konnte, wenn er im Koffer war, sonst wäre sie wahrscheinlich ziemlich eifersüchtig auf die Aufmerksamkeit geworden, die das Kätzchen bekam. Er realisierte, dass er wirklich nicht viel Zeit in seinen Räumen im Koffer verbracht hatte. Er inspizierte die Küche und beschloss, dass er wirklich Vorteile aus seinen Mitteln ziehen sollte. Er hasste es, mit den Dursleys zu essen und vermied es so gut er konnte. Er hatte vergessen, dass er eine eigene Küche zu seiner Verfügung hatte. Er hatte noch immer etwas Muggelgeld von seinem Ausflug nach Muggellondon übrig. Nicht viel, aber er nahm an, dass es genug sein würde, um ein paar Lebensmittel für seine Küche zu kaufen. Also tat er das.
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Nach einigen Tagen ging er zurück zu Gringotts, um mehr Geld zu holen und kehrte dann zum Lebensmittelgeschäft zurück, um mehr Sachen zu kaufen. Er genoss es ziemlich, seine eigene Küche zu haben. Mit dem Kätzchen verbrachte er ziemlich viel Zeit in seinem Koffer, um es Gesellschaft zu leisten. Daher aß er nun fast alle seine Mahlzeiten dort drinnen und er mochte es, sich keine Gedanken über ein Zusammentreffen mit seinen Verwandten machen zu müssen. Er entdeckte, dass es ihm gar nichts ausmachte, für sich selbst zu kochen. Er hatte diese Aufgabe gehasst, als er es für seine Verwandten hatte machen müssen, aber das war eher, weil er ihr Essen kochte und kaum etwas davon abbekam. Sie hatten ihm selten genug zu essen gegeben, obwohl er derjenige war, der das Essen machte.
Schon bald war es der Morgen von Ginnys Geburtstag. Nach seinem morgendlichen Lauf und Workout packte Harry das gesamte Katzenzubehör zusammen. Er setzte das Kätzchen, dem er noch keinen Namen gegeben hatte, um Ginny die Ehre zu überlassen, in die Transportbox. Er sah Hedwig an und erkannte, dass es für sie schwer sein würde, all das zum Fuchsbau zu bringen. Er dachte sich schnell einen Plan aus, schrieb Ginny einen Brief und packte alles zusammen.
Er erklärte seiner Eule seinen Plan und sie flog auf seine Schulter, wo sie sanft an seinem Ohr knabberte, um zu zeigen, dass sie verstand und bereit war zu helfen. Harry konzentrierte sich stark auf den Wald, der den Fuchsbau umgab, und fand sich dort geräuschlos mit der Transportbox in einer Hand und das Zubehör in der anderen Hand und seiner Eule auf seiner Schulter wieder. Er hatte einen Platz ausgesucht, den Ron ihm vor mehreren Sommern gezeigt hatte und der relativ weit vom Haus entfernt war und von dem er annahm, dass niemand in der Nähe sein würde, wenn sie alle im Schutzzauber blieben. Lächelnd legte Harry alle Pakete auf den Boden und wandte sich seiner Eule zu. Sie nahm die Transportbox, während Harry sich in eine schwarze Eule verwandelte und das Zubehör mit seinen Krallen packte. Die beiden erhoben sich langsam in die Lüfte und flogen zum Fuchsbau.
Hedwig führte an, doch Harry erkannte, dass er spüren konnte, wohin er fliegen musste, um Ginny zu finden. 'So müssen Eulen in der Lage sein, die Empfänger der Post zu finden', dachte er sich. Er fasste den Entschluss, Hedwig später deswegen zu fragen. Ginny war in ihrem Zimmer, noch immer im Bett. Hedwig ergriff die Initiative und klopfte gegen das Fenster, um Ginnys Aufmerksamkeit zu erregen. Sie drehte sich müde zum Fenster und sprang dann überrascht aus dem Bett. Sie lief schnell zum Fenster und ließ die weiße Eule herein. Sie war überrascht, als eine schwarze Eule ebenfalls hineinflog.
„Was hast du denn hier alles?", fragte sie Hedwig. Sie quietschte, als das Kätzchen das Köpfchen aus der Transportbox heraus streckte. „Oh, du bist es! Komm her, du wunderschönes kleines Ding", rief sie aus. Sie holte das Kätzchen heraus und hielt es an sich. Hedwig schuhute entrüstet, um ihre Aufmerksamkeit zu erregen. „Oh, es tut mir leid, Hedwig, ich wollte dich nicht ignorieren", beruhigte sie die Eule und strich ihr über die Federn, während sie das Kätzchen noch immer in ihrem Arm hielt.
„Und wen haben wir hier?", fragte sie niemanden bestimmten, als sie Harry anschaute. Sie war für einen Moment sprachlos, als sie das dritte Tier in einer Woche mit diesen leuchtenden grünen Augen sah. „Ich glaube nicht, dass ich dich zuvor gesehen habe. Wie heißt du denn?" Harry schuhute als Antwort und Ginny grinste und antwortete: „Nun, dass geht nicht. Jede Eule, die ich treffe, sagt mir, ihr Name sei Schuhu."
Hedwig schuhute wieder und streckte ihr Bein in Ginnys Richtung aus. Sie nahm den Brief und setzte sich aufs Bett, das Kätzchen noch immer haltend, während sie den Brief mit einer Hand öffnete. Sie fing an zu lesen und streichelte dabei unbewusst das Kätzchen.
Liebe Ginny,
alles Gute zum Geburtstag! Das Geschenk, das du mir gegeben hast, hat mir so viel bedeutet, dass ich etwas Besonderes für dich machen wollte. Du hast erwähnt, wie sehr du ein eigenes Haustier haben möchtest und ich habe mich daran erinnert, wie sehr du Katzen magst. Ich habe es daher fertig gebracht, dir dieses kleine Kätzchen zu kaufen. Sie hat noch keinen Namen, da ich angenommen habe, dass du ihr gern einen Namen geben würdest. Gib ihr also einen guten.
Du wunderst dich sicherlich über die zweite Eule. Er ist ein Freund, den Hedwig diesen Sommer gemacht zu haben scheint. Er kommt hin und wieder zu Besuch und ist relativ freundlich, du brauchst also keine Angst vor ihm zu haben. Nimm es dir jedoch nicht zu Herzen, wenn er Eulenleckereien verschmäht. Er akzeptiert von mir auch keine. Ich habe ihm noch keinen Namen gegeben, da er nicht wirklich mir gehört. Daher weiß ich nicht, wie ich ihn rufen soll. Ich habe ihn um Hilfe gebeten, da ich dir das Zubehör, das du für das Kätzchen brauchst, gekauft habe. Ich nehme an, sie sitzt gerade auf deinem Schoß? Es sollte genug Futter sein, um ein Jahr zu reichen und es ist auch ein magisches Katzenklo dabei, ein paar Spielzeuge und ein Beutel voll Katzenminze. Alles, was du brauchst, um dein Kätzchen glücklich zu machen.
Ich habe von der Aufregung, die ihr letztens in der Winkelgasse hattet, gehört. Es tut mir leid, dass ihr alle in Gefahr gewesen seid und dass ich euch zu Zielen gemacht habe. Ich verspreche, dass ich alles tun werde, um dich und Ron dieses Jahr vorzubereiten, so dass ihr besser in der Lage sein werdet, euch zu beschützen. Ich glaube nicht, dass ich mir selbst verzeihen könnte, wenn euch etwas zustoßen würde.
Ich wünschte, ich könnte bei dir sein, um deinen Geburtstag zu feiern, aber ich bin mir sicher, dass deine Familie dich für meine Abwesenheit mehr als nur entschädigt. Vergiss heute alles, was in der Welt passiert und konzentriere dich nur auf den besten Geburtstag, der möglich ist. Das ist es, was ich mir an meinem Geburtstag gesagt habe und es hat ziemlich gut funktioniert. Es gibt nichts, was du heute machen kannst, um zu helfen, aber du kannst dir den Tag nehmen und ihn genießen und dich an all das erinnern, für das es wert ist zu kämpfen.
Leiste dem Kätzchen Gesellschaft, sie liebt die Aufmerksamkeit. Sie hat meine Zeit für sich beansprucht für die kurze Weile, die ich sie hatte. Ich glaube, Hedwig ist langsam eifersüchtig geworden. Sie liebt es, hinter den Ohren gekrault zu werden und wird den ganzen Tag mit dir spielen, wenn du sie lässt. Ich hoffe, du magst sie. Genieße deinen Geburtstag, Gin.
Pass auf dich auf,
Harry
Ginnys Augen leuchteten, als sie den Brief fertig gelesen hatte. Harry konnte wirklich der süßeste Junge der Welt sein und er hatte wahrscheinlich keine Idee, dass er es war. Wie er es fertig gebracht hatte, das Kätzchen zu kaufen, das sie in der Magischen Menagerie gesehen hatte, konnte sie nicht verstehen. Ginny blickte wieder auf den Brief. Er hatte sie Gin genannt. Sie konnte sich nicht erinnern, dass er sie je zuvor so genannt hatte. Es erinnerte sie an den Mann, der ihr das Leben gerettet hatte, aber sie unterdrückte diesen Gedanken schnell.
Sie stand von ihrem Bett auf und schaute auf das Kätzchen in ihren Armen herunter. Sie war in ihrer Armbeuge an ihrem Oberkörper zusammengerollt und schien zu schlafen. Ginny lief vorsichtig durch das Zimmer und bot Hedwig eine Eulenleckerei an. Bei den vielen Briefen, die sich Ginny und Harry diesen Sommer geschickt hatten, behielt sie nun ein paar Leckereien in ihrem Zimmer. Sie bot der mysteriösen Eule ebenfalls einen an, aber wie Harry gesagt hatte, schüttelte die Eule ihren Kopf und drehte ihn leicht weg, um zu zeigen, dass sie nicht interessiert war.
Ginny zuckte mit den Schultern und gab die zweite Leckerei ebenfalls Hedwig. Sie schaute das ganze Zubehör durch, das die schwarze Eule gebracht hatte. Es gab eine Unmenge an Futter, das Katzenklo, das erwähnt wurde, ein Beutel voll Katzenminze und einige Spielzeuge. Sie dankte beiden Eulen vielmals und fragte: „Könnt ihr beiden ein bisschen bleiben? Ich möchte dieses süße kleine Kätzchen herumzeigen und Harry dann eine Antwort schreiben, okay?"
Hedwig schuhute sofort zustimmend und Ginny richtete ihre Aufmerksamkeit daher auf Harry. Er dachte einen Moment darüber nach, bevor er schuhute und seinen Kopf zustimmend bewegte. Ginny warf ihnen beiden ein breites Grinsen zu und sagte: „Danke, ich bin gleich zurück." Und dann war sie verschwunden.
Sie ging vorsichtig die Treppen hinunter, um das schlafende Fellbündel auf ihrem Arm nicht zu stören. Sie betrat die Küche und wurde von einem Chor von „Alles Gute zum Geburtstag" von allen Anwesenden des Raumes begrüßt. Der Kopf des Kätzchens fuhr bei diesem unerwarteten Geräusch hoch und es floh aus Ginnys Armen und aus dem Zimmer, bevor das rothaarige Geburtstagskind reagieren konnte. „Oh, ihr habt sie verscheucht", ärgerte sich Ginny.
„Was verscheucht?", fragte jemand. Ginny achtete nicht darauf, zu wem die Stimme gehörte.
„Mein Kätzchen", erwiderte Ginny. „Ich habe ihr noch keinen Namen gegeben. Jetzt muss ich schauen, wo sie sich versteckt hat."
„Woher hast du ein Kätzchen, Schatz?", fragte ihre Mutter.
„Oh." Ginnys Wangen wurden nur leicht rot, ein Beweis dafür, wie gefasst sie über die Jahre geworden war. „Harry hat sie mir geschickt ... zu meinem Geburtstag", erklärte Ginny. Sie drehte sich um und ging aus dem Raum, um ihr Kätzchen zu suchen.
Ein paar Minuten später lockte Ginny den kleinen schwarzen Fellball unter der Couch hervor und ließ sie wieder auf ihren Armen zusammenrollen. Sie fing an, sich Namen für sie auszudenken, während sie wieder in die Küche zurückging.
„Harry hat dir also ein Kätzchen geschickt, eh?", fragte Fred.
„Ziemlich nett von ihm, nicht wahr", fügte George hinzu.
„Tatsächlich, er ist sehr aufmerksam, würdest du das nicht auch sagen, George?"
„Wie, das würde ich auch sagen, Fred."
„Ein recht guter Fang."
„Oh ja, er ist einfach zauberhaft."
„Wie, wenn wir nicht sicher wären, dass wir nicht von dieser Seite des Ufers sind ..."
„... und da sind wir sicher, nicht wahr, Fred?"
„Ziemlich sicher, mein lieber Zwillingsbruder."
„Doch, wenn die Dinge nur anders wären, wir würden um seine Aufmerksamkeit wetteifern."
„Uns würde es nichts ausmachen, zu teilen, weißt du -"
„... wir sind uns schließlich sicher, dass er Mann genug für uns beide ist."
„Genug ihr zwei", ermahnte Mrs. Weasley ihre Söhne. Ginny dagegen ignorierte ihr Geplänkel größtenteils und versuchte, ihr Frühstück mit ihrer einen freien Hand zu essen. Mit dem anderen Arm hielt sie noch immer das Kätzchen in ihrem Schoß und kraulte es hinterm Ohr, so wie Harry es vorgeschlagen hatte. Nachdem sie ihr Frühstück so schnell sie es mit einer Hand konnte hinuntergeschlungen hatte, verließ sie schnell den Tisch und ging zur Treppe.
„Ich bin weg, um Harry eine Antwort zu schreiben. Die Eulen warten in meinem Zimmer auf mich", erklärte sie ihrer Familie. Sie stieg die Treppen hoch bis zum ersten Stock und ging sofort in ihr Zimmer. Sie legte das Kätzchen auf ihr Bett, wo sie es kraulte, während sie sich einen Namen ausdachte. Sie entschied sich schließlich für Smaragd. Mara als Spitzname.
„Was meinst du, Mara?", fragte sie das Kätzchen. „Ist Smaragd okay für dich?"
Das Kätzchen schnurrte zärtlich als Antwort in Ginnys Hand, was Ginny als ein Ja interpretierte. Das geklärt ließ sie Mara mit einem ihrer Spielzeuge auf dem Bett und ging zu ihrem Schreibtisch. Sie setzte sich, um eine Antwort zu schreiben.
Nach ein paar Minuten des Schreibens hielt sie inne und klopfte mit dem Federkiel auf das Pergament. Nachdem sie sich nachdenklich über das Kinn gestrichen hatte, knüllte sie das Pergament zusammen und fing von vorne an.
Harry hätte gelacht, wenn er als Eule dazu in der Lage gewesen wäre. Er war versucht, das weggeworfene Pergament aus ihrem Mülleimer zu holen, entschied sich aber dagegen. Er wollte kein Misstrauen erregen und es wäre wirklich nicht richtig von ihm, so in ihre Privatsphäre einzudringen.
Einige weitere Minuten vergingen, bevor Ginny mit ihrem Namen unterschrieb und den Brief beendete. Sie steckte ihn in einen Umschlag und schrieb Harrys Namen darauf. Sie wandte sich den beiden Eulen zu, die auf ihrem Fenstersims saßen [zu] und fragte: „Also, wer von euch beiden nimmt den Brief?"
Hedwig schuhute und streckte ihr Bein aus und bedeutete damit, dass sie diejenige sein würde, die den Brief nehmen würde. Es machte Sinn, da sie Harrys Eule war. Ginny dankte beiden Eulen und strich beiden anerkennend über ihre Federn. Harry war die Aufmerksamkeit etwas peinlich, aber genoss sie auf eine merkwürdige Art. Er schuhute seinen Dank und die beiden Eulen flogen durch das Fenster weg.
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Harry und Hedwig flogen gemeinsam den ganzen Weg zurück zum Ligusterweg. Während ihres Fluges sprachen sie miteinander. Harry fragte sie über ihre Fähigkeit aus, immer die Empfänger der Briefe, die er wegschickte, zu finden und sie erklärte, dass sie nicht wirklich wusste, wie sie wusste, wohin sie fliegen musste, sie konnte es einfach instinktiv sagen. Das bestätigte nur, was er gedacht hatte, als er das Katzenzubehör zu Ginny gebracht hatte. Als sie seine Nachbarschaft erreichten, trennte sich Harry von Hedwig und verwandelte sich zurück in seine menschliche Gestalt, bevor er in sein Zimmer apparierte. Er wollte nicht, dass eines der ihn beobachtenden Ordensmitglieder eine schwarze Eule sah, die in sein Zimmer flog. Momente später kam Hedwig mit dem Brief, den er Ginny hatte schreiben sehen. Er nahm den dargebotenen Brief und riss ihn auf, um seinen Inhalt zu lesen.
Lieber Harry,
vielen vielen Dank. Ich liebe sie. Ihr Name ist Smaragd, wegen ihrer wunderschönen grünen Augen. Ich nenne sie Mara. Hast du sie von der Magischen Menagerie in der Winkelgasse? Dort war ich, als wir angegriffen wurden und ich habe mich in dieses Kätzchen mit ihren brillanten grünen Augen verliebt, sobald ich eingetreten bin. Wie hast du es gewusst? Und, überhaupt, wie hast du es geschafft, sie zu bekommen, wenn man bedenkt, dass du deine Verwandten nicht verlassen darfst? Nun, egal wie du es hinbekommen hast, ich danke dir so sehr. Sie ist höchstwahrscheinlich das beste Geschenk, das ich je bekommen habe.
Mir wurde geraten, nicht zu viel über das zu schreiben, was in der Winkelgasse passiert ist. Daher musst du für mehr Details warten, bis wir uns sehen. Aber ich garantiere dir, dass es eine ziemlich interessante Geschichte ist. Ich werde dir alles während der Zugfahrt erzählen. Da ich keine Vertrauensschülerin bin, kann ich bei dir sitzen, während Ron und Hermine mit ihrem Treffen beschäftigt sind. Das heißt, angenommen, du würdest gerne mit mir im Zug zusammen sitzen.
Du musstest wirklich nicht all diese Dinge für Mara kaufen, aber ich weiß es zu schätzen. Ich weiß, dass du eine Menge Geld hast und es magst, es für andere auszugeben. Und ich werde dich nicht all dein Geld für mich ausgeben lassen, aber ich könnte es ab und zu geschehen lassen. Ich weiß, dass Geld zwischen dir und Ron immer ein schwieriges Thema war, aber mir ist es egal. Ich weiß, du hast es und ich nicht. Und ich weiß, dass du nichts dagegen hast, es für andere auszugeben und ich verspreche dir, deswegen nicht beleidigt zu sein. Ich weiß, dass du nicht versuchst, Freundschaft zu kaufen oder so etwas Dummes wie das. Das bedeutet nicht, dass ich es immer akzeptieren werde, aber ich werde es dir nicht vorwerfen.
Hedwigs Freund war bemerkenswert. Ich glaube nicht, dass ich jemals zuvor eine schwarze Eule gesehen habe. Ich glaube, Hedwig ist die einzige weiße Eule, die ich zuvor gesehen habe, vielleicht sind die beiden ein gutes Paar? Glaubst du, dass sie vielleicht ein bisschen mehr als nur Freunde sind? Könnte es sein, dass wir bald schwarzweiße Eulen im Potterhaushalt herumfliegen sehen? Man weiß nie. Es wäre natürlich anständig bis zur Heirat zu warten, aber Hedwig schien mir schon immer ein wenig promisk zu sein, wenn du mich fragst. Du wirst auf sie aufpassen müssen. Klar, er scheint nett und ehrbar zu sein, aber das tun sie alle auf den ersten Blick. Dann, sobald sie haben, was sie wollen, zeigen sie ihr wahres Gesicht und man erkennt, dass alles nur Theater war. Männer!
Danke noch einmal für Mara, Harry. Und ich glaube, ich werde deinen Rat in Anspruch nehmen. Heute ist ein guter Tag, um ihn zu genießen und ich kann genauso gut die Gelegenheit nutzen, solange ich es noch kann. Ich habe ein neues Kätzchen zum Spielen und meine Familie ist da, um den Tag mit mir zu verbringen.
Heute wird ein guter Tag werden. Schreib bald zurück.
Mit Liebe
Ginny
Harry brach in Gelächter aus, als er den Brief las. Wenn er sich nur vorstellte, was ihr durch den Kopf gehen musste. Nur der Gedanke von ihm und Hedwig zusammen ... auf diese Art ... war einfach nur beunruhigend, aber auch absolut urkomisch. Sie hatte natürlich keine Ahnung, was sie da sagte, aber das verringerte das Vergnügen, das Harry von ihrem Kommentar bekam, nicht im geringsten.
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Der Rest der Sommerferien verlief für Harry ganz normal. Seine Narbe machte sich einige Male bemerkbar. Sie stach schmerzhaft und gab ihm ein paar undeutliche Einblicke in Voldemorts Emotionen. Er hatte keine weitere Vision. Er schrieb Ron und Hermine über seine Z.A.G.s und welche Kurse er besuchen würde und alles. Sie schrieben ihm etwa dasselbe. Ron erwähnte den Angriff in der Winkelgasse und wie dumm er sich fühlte, dass er in seinem Brief erwähnt hatte, wann sie gehen würden. Harry war geneigt, zuzustimmen, aber entschied, diesen Gedanken nicht zu erwähnen. Er und Ginny schrieben sich ebenfalls und redeten über verschiedene Dinge.
Etwa eine Woche nach Ginnys Geburtstag bekam Harry einen Brief von Dumbledore mit dem Hogwartssiegel auf dem Umschlag. Er riss ihn auf und las den Inhalt.
Lieber Harry,
ich habe mich vor kurzem mit dem Lehrerkollegium von Hogwarts getroffen und wie versprochen informiere ich dich nun über unsere Entscheidung über deinen Status, was die DA betrifft. Angesichts des Erfolgs deines Klubs im letzten Jahr und die bemerkenswerten Noten, die deine Schüler in ihren Prüfungen im Vergleich zu den anderen Schülern bekommen haben, sowie den Beweis, den Professor McGonagall über dein Engagement, das du für den Klub hast, präsentiert hat, haben wir uns entschlossen, dir die Stelle eines Assistenzprofessors anzubieten.
Die Stelle hat mehrere Privilegien und Verantwortungen, die dazu gehören. Wenn du möchtest, bekommst du deine eigenen Räume und ein eigenes Büro. Dir ist freigestellt, ob du für deinen Unterricht den Raum der Wünsche benutzen möchtest oder, wenn dir das lieber ist, können wir ein Klassenzimmer arrangieren, das für dich vorbereitet ist. Du würdest über deine Kameraden Autorität besitzen, den Schulsprecher und die Schulsprecherin mit eingeschlossen, aber alle im Lehrerkollegium würden noch immer komplette Autorität über dich haben, die DA-Treffen ausgenommen, wo ihr Gleichgestellte sein würdet. Es gehören noch andere Privilegien dazu wie die Möglichkeit, die Verbotene Abteilung der Bücherei zu benutzen und ein verlängerter Zapfenstreich.
Wie ich bereits erwähnte, würdest du als Assistenzprofessor Autorität über die anderen Schüler haben. Es wird von dir erwartet, dass du verantwortlich mit dieser Autorität umgehst und sie auf keine Weise missbrauchst. Du wirst die Möglichkeit haben, Hauspunkte zu nehmen und zu geben und jemanden nachsitzen zu lassen, aber sollte es sein, dass du dies missbrauchst, wird dir diese Möglichkeit genommen werden. Wir erwarten von dir, dass du alle Schüler gleichbehandelst, unabhängig von persönlichen Fehden oder aus welchem Haus sie sind.
Es kann auch der Fall eintreten, dass unser neuer Lehrer für die Verteidigung gegen die Dunklen Künste dich bittet, ihm zu assistieren. Er könnte um deine Hilfe bei einigen seiner Unterrichtsstunden bitten, bei der Beurteilung der Schüler oder indem du zusätzliche Betreuung für die Schüler, die Probleme haben, anbietest. Er ist die Anforderungen des Professorendaseins nicht gewohnt und hat Interesse bekundet, einen Assistenten zu haben, was ein bedeutender Grund ist, warum wir dir so eine Position anbieten. Ich werde natürlich sicherstellen, dass keine seiner Forderungen mit deinen eigenen Studien in Konflikt gerät.
Wie du dir vielleicht vorstellen kannst, war diese Entscheidung im Kollegium nicht einstimmig. Ich warne dich, dass du vom Kollegium und von den Schülern genau beobachtet werden wirst. Wenn du die Schüler aller Häuser einbeziehst, denke ich, dass dies ein großer Schritt zur Schulvereinigung ist, die die Schule seit hunderten von Jahren nicht hatte. Es wird immer die geben, die nicht kooperieren wollen, aber du darfst nicht zulassen, dass die wenigen es für die vielen ruiniert. Ich erwarte deine Entscheidung, ob du diese Stelle akzeptierst und welche Räumlichkeiten wir für dich bereitstellen sollen. Ich bin der Meinung, dass ich erwähnen sollte, dass es in der Vergangenheit zwar viele Assistenzprofessoren gab, dass die Position aber erst einmal von einem Schüler besetzt worden war. Du bist die zweite Person in der Geschichte der Schule, die diese Ehre erhält. Ich vertraue darauf, dass du uns nicht enttäuschen wirst.
Mit freundlichen Grüßen
Albus Dumbledore
Harry wusste nicht, was er von Dumbledore erwartet hatte, aber es war definitiv nicht das. Er hatte kurz gedacht, dass er vielleicht als ehrenamtlicher Vertrauensschüler ernannt werden würde oder so, aber er hatte das aus seinem Kopf gedrängt mit dem Gedanken, dass er wirklich keine Ahnung hatte, was der alte Mann machen würde. Niemals in einer Million Jahre hätte er das vorausgesehen. Er hatte keinen Zweifel, von wem der Schulleiter sprach, als er erwähnte, dass die Entscheidung nicht einstimmig gewesen war. Snape würde bis zum bitteren Ende gekämpft haben, aber dass es durchgekommen war, musste bedeuten, dass er die Unterstützung des restlichen Kollegiums hatte.
Er nahm an, dass Professor McGonagall allen seinen Brief, den er ihr geschickt hatte, um das Quidditch-Kapitänsamt abzulehnen, gezeigt hatte. Er konnte sich nichts anderes vorstellen, das sie präsentieren konnte, um sein Engagement zu beweisen. Harry hasste die Tatsache, dass dies ihn noch weiter von seinen Klassenkameraden entfremden würde. Er wollte nichts mehr als normal zu sein, aber er hatte vor langer Zeit erkannt, dass er alles andere als normal war. Diese Tatsache weiterhin zu leugnen würde die Dinge nur schwerer machen. Das ließ ihn nur mit einer Entscheidung zurück: Er musste die Stelle annehmen.
Er wollte aber nicht von seinen Freunden getrennt werden und beschloss deshalb, die getrennten Räume abzulehnen, das Büro aber anzunehmen. Er teilte dem Schulleiter mit, dass er gerne den Raum der Wünsche weiter benutzen würde, da er ihn mit allen versorgen würde, was er während des Halbjahres brauchen würde und sein Leben damit einfacher machte. Harry schickte eine Antwort zurück, in der er ihn über die Entscheidungen informierte und ihm für die Gelegenheit dankte. Er sagte ihm, dass er beinahe damit fertig war, den Vertrag, den er für den Klub benutzen würde, zu schreiben und dass er fertig sein sollte, um ihn anzuschauen, wenn er am ersten September ankommen würde.
Das erledigt wandte Harry seine Aufmerksamkeit aktuelleren Sorgen zu. Er hatte die letzten paar Tage mit sich selbst über die Karte diskutiert, die Jessica ihm gegeben hatte, als er in Muggellondon shoppen gewesen war. Sie hatte gesagt, er solle anrufen, wenn er je wieder Hilfe beim Einkaufen brauchen sollte, er aber keine Scheu haben solle, anzurufen, auch wenn es nicht ums Einkaufen ginge. Er war nicht der Meinung, dass er ein Experte war, was Mädchen anging, aber er war sich fast sicher, dass das ein Hinweis war, dass sie wollte, dass er anrief, vielleicht um sie um ein Date zu bitten. Er war sich nicht ganz sicher.
Er fragte sich schließlich: „Was würde es ausmachen, wenn ich anrufen würde und sie nicht interessiert ist? Ich würde sie nie mehr sehen müssen. Es ist nicht wie in Hogwarts, wo ich sie jeden Tag sehen müsste." Und mit seiner Entschlossenheit so gestärkt schlich sich Harry aus seinem Zimmer und die Treppen hinunter. Er ging in die Küche und stellte sicher, dass die Luft rein war, bevor er das kabellose Telefon aus seiner Station nahm und sich in sein Zimmer zurückzog. Er schloss die Tür mit Magie, da alle normalen Schlösser außerhalb seines Zimmers waren und errichtete einen Privatsphärenschutzzauber, um zu verhindern, dass jemand lauschte.
Er wählte ihre Nummer und wartete, während das Telefon klingelte. Nach ein paar Mal Klingeln nahm jemand ab.
„Hallo", grüßte eine weibliche Stimme.
„Hi", erwiderte Harry nervös. „Ist Jessica da?"
„Am Telefon", erwiderte sie.
„Oh", antwortete Harry und begann auf und ab zu gehen. „Hi Jessica. Ich bin mir nicht sicher, ob du dich an mich erinnerst, aber ich heiße Harry und du hast mir vor etwa einer Woche beim Einkaufen geholfen und hast mir deine Nummer gegeben."
„Hi, Harry", unterbrach sie fröhlich. „Es ist schön von dir zu hören. Ich habe mich gefragt, ob du anrufen würdest oder nicht."
„Also wolltest du, dass ich anrufe?", sagte Harry mit einem leicht fragenden Unterton.
„Natürlich wollte ich das. Warum sonst hätte ich dir meine Nummer geben sollen", kicherte sie.
„Oh, ja", sagte er. „Nun, du hast gesagt, ich könnte anrufen, auch wenn ich nicht noch mehr einkaufen möchte ..."
„Mmh."
„Also dachte ich, ich würde dein Angebot annehmen. Ich weiß, wir kennen uns kaum und so, und ich bin mir nicht sicher, ob du gern möchtest oder nicht, aber ich habe mich gefragt, ob du ... ob du vielleicht gerne ...", stammelte Harry.
„Versuchst du, mich zu einem Date einzuladen, Harry?", fragte sie hilfreich.
Harry schlug sich gegen die Stirn, weil er so ein Depp war. "Ähh ... vielleicht?"
„Vielleicht ja? Vielleicht nein?", fragte sie unumwunden.
„Ja. Würdest du mit mir Essen gehen?", fragte er ausdruckslos und versuchte, seine Nerven zu behalten.
„Das würde ich gerne", antwortete sie nett und mit einem kleinen Kichern.
„Du würdest?", fragte Harry perplex. „Ich meine, du würdest. Das ist toll. Ähmm ... wann würdest du gern gehen?"
„Wie wäre es mit diesem Samstag?", schlug sie vor.
„Samstag", sagte Harry. „Okay, Samstag ist gut."
„Holst du mich ab, Harry?", fragte sie.
„Oh, ich habe kein Auto, oder so", erklärte er.
„Das ist okay. Würdest du dich gerne woanders treffen?", fragte sie unterstützend.
„Sicher", erwiderte er. " Wo könnten wir uns treffen?"
„Kennst du dich in London aus?", fragte sie.
"Ähh, nicht wirklich", antwortete er.
„Ok. Warum treffen wir uns nicht vor dem Laden, sagen wir um sechs Uhr? Ich kenne einen Ort in der Nähe, zu dem wir gehen können", erklärte sie. „Ist das für dich okay, Harry?"
„Ja. Ja, das wäre perfekt", erwiderte er dankbar.
„Gut. Ich freue mich, dich am Samstag um sechs Uhr zu sehen", sagte sie ihm.
„Ich freue mich auch, dich zu sehen", erwiderte er. Dann fuhr ihm ein Gedanke durch den Kopf: „Was soll ich anziehen? Ich meine, was für eine Art Kleidung soll ich für das Restaurant anziehen?"
Sie kicherte wieder leicht. „Eine sehr gute Frage, Harry. Ich bin stolz. Die meisten Jungs würden nicht daran denken zu fragen. Trag eine deiner netten Khaki-Hosen, ein Oberteil mit Kragen und deine braunen Schuhe und dann ist alles in Ordnung."
„Danke", sagte er und stellte sich seine neue Kleidung bildlich vor und was er davon tragen würde.
„Gern geschehen. Bis Samstag dann. Tschüss, Harry", sagte sie.
„Tschüss, Jessica", antwortete Harry, bevor er auflegte und auf seinem Bett zusammenbrach. Das war nervenaufreibend gewesen. Mädchen sollten eine Anleitung oder einen Spickzettel oder so etwas zur Verfügung stellen. Aber es lief nicht zu schlecht, dachte er optimistisch. Natürlich nur dank Jessica. Er war ein nervöses Wrack gewesen, aber sie war ruhig und gesammelt gewesen und hatte ihm geholfen, wann immer er gestolpert war. Sie schien cool zu sein, was das anging. Es schien ihr nichts auszumachen, dass er nervös wurde oder über seine eigenen Worte stolperte.
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Den Rest der Woche drängte es Harry, jedem über sein Date zu erzählen. Er wünschte, er hätte Menschen in seinem Leben, denen er diese Dinge erzählen konnte. Aber wenigstens hatte er Sirius. Sirius war die einzige Person, der er alles, auch alle seine Geheimnisse, erzählen konnte. Sicher, Sirius war tot und besuchte ihn nur in seinen Träumen, aber es war trotzdem schön, eine Person zu haben, der er sich mitteilen konnte. Er liebte seine Freunde und Remus und alle, aber er konnte ihnen nur bis zu einem gewissen Grad etwas erzählen. Er hatte ein Date, aber er konnte es seinen Freunden nicht sagen, weil es zu viele Fragen aufwerfen würde. Er zögerte jedoch nicht, Sirius davon zu erzählen und wurde daraufhin erbarmungslos aufgezogen.
Sein Training verlief die nächsten zwei Tage schlecht, da sein Pate nur sein Date erwähnen oder einen anzüglichen Kommentar machen musste und Harry dann abgelenkt war. Nach der zweiten Nacht voller Tortur sperrte er seine Gefühle weg und ließ sich nicht länger von seinen Duellen mit Sirius ablenken. Und Sirius bezahlte für seine Sticheleien. Harry gewann inzwischen die meisten ihrer Duelle, sein Pate gewann nur noch ab und zu eins oder zwei. Die Duelle waren aber normalerweise gut gekämpft und für Harry eine sehr gute Übung. Sie verbrachten auch viel Zeit damit, an neuen Zaubersprüchen zu arbeiten, über manche las Harry, andere brachte Sirius ihm bei. Sein Zauberspruchrepertoire wuchs durch sein Lernen und die Trainingszeit schnell.
Schließlich war es Samstag und Harry war für den größten Teil des Tages ein nervöses Wrack. Er joggte extra lange und seine Zeit mit dem Sandsack seines Cousins war ebenfalls länger, aber es beruhigte immer noch nicht seine Nerven. Er musste sich zwingen, zu Mittag zu essen und konnte nur wenig essen. Er fragte sich, ob er später am Abend in der Lage sein würde, zu essen, wenn er jetzt schon Probleme mit dem Essen hatte.
Der Tag verging langsam, die Zeit zog sich, während er seine Bücher las und seine Magie trainierte. Er hatte damit begonnen zu üben, zwei Zaubersprüche auf einmal zu zaubern. Er hatte mit zwei gleichen Zaubersprüchen angefangen, war aber nun dabei, zwei verschiedene Zaubersprüche zur gleichen Zeit zu zaubern. Er hatte unterschiedlichen Erfolg, aber er war optimistisch. Heute jedoch hatte er Probleme, zwei gleiche Zaubersprüche hinzubekommen.
Er war um 17 Uhr bereit zu gehen. Er musste vor seinem Date noch in die Winkelgasse zu Gringotts gehen, so dass er Muggelgeld haben würde, um zu bezahlen. Er veränderte seine Haarfarbe, setzte seine braunen Kontaktlinsen ein und legte einen Kosmetikzauber über seine Narbe. Er begutachtete sich im Spiegel, bevor er ging und war mit dem Ergebnis zufrieden. Selbst wenn er sich genauer anschaute, konnte er nicht sehen, dass er eine Narbe hatte. Sie verschwand komplett.
Er apparierte in die Winkelgasse und ging schnell zur Bank. Er stellte sich in die Schlange, die Griphook ihm das letzte Mal, als er da war, gezeigt hatte, um Zauberergeld in Muggelgeld umzutauschen. Er stand für zehn Minuten in der Schlange, bis er von einem Kobold am Schalter bedient wurde. Er wechselte 50 Galleonen in etwa 250 Pfund und wünschte dem Kobold einen schönen Tag. Die Antwort war wenig mehr als ein Grunzen, bevor er sich umdrehte und die Bank verließ.
Er ging durch die Menge zu der Straße, die zum Tropfenden Kessel führte. Er hatte genug Zeit und er würde daher zum Laden laufen. Er erreichte den Pub ohne Zwischenfälle und ging schnell hinaus auf die Muggelstraße. Er begann seinen Weg zum Kaufhaus. Er machte in einer Gasse halt und versteckte sich, während er seine Haarfarbe zu schwarz veränderte und seine braunen Kontaktlinsen mit farblosen austauschte. Seine reguläre Haarlänge war nur ein wenig kürzer als sie es jetzt war. Bis zum ersten September würde er die jetzige Haarlänge wirklich haben.
Er ging weiter in Richtung des Geschäfts, ließ sich dabei aber Zeit, da er wusste, dass er noch immer früh dran war. Er beobachtete seine Umgebung und bewunderte das geschäftige Treiben der Welt. Die Menschen gingen überallhin, alle in Eile. Autos rasten die Straße hinunter und Menschen liefen auf den Bürgersteigen in einer Geschwindigkeit, die eher ans Joggen erinnerte. Während all dem nahm sich Harry die Zeit, seinen Spaziergang zu genießen und seine Nerven zu beruhigen, während er sich auf sein Date vorbereitete. Nach einiger Zeit kam er am Laden an.
Er entdeckte eine Uhr im Schaufenster und sah, dass er 25 Minuten zu früh dran war. Da er nichts Besseres zu tun hatte, betrat Harry das Geschäft und setzte sich auf eine Bank nahe der Tür. Er beobachtete die einkaufenden Menschen und die Angestellten, wie sie ihren Tätigkeiten nachgingen. Manche Kunden schienen sich nur umzuschauen, während andere damit beschäftigt waren, Kleidung zu finden, die ihnen stand. Manche der Angestellten grüßten die Kunden freundlich und boten ihre Hilfe an, ein paar grüßten die Kunden weniger freundlich und waren mürrischer, aber boten dennoch ihre Hilfe an. Andere schienen dafür verantwortlich zu sein, die Regale und Kleiderstangen aufzufüllen. Sie schienen die am wenigsten glücklichen der Arbeiter zu sein, aber Harry konnte ihnen das nicht zur Last legen. Die Arbeit schien ziemlich langweilig zu sein.
Nach kurzer Zeit entdeckte er sie. Sie führte einen Kunden zur Kasse. Ihre Blicke trafen sich kurz und sie lächelte ihm leicht zu, als er ihr zuwinkte. Sie erwiderte den Gruß, deutete mit ihren Kopf auf den Kunden und hielt einen Finger nach oben, um ihn wissen zu lassen, dass sie in einer Minute bei ihm sein würde, nachdem sie dem Kunden geholfen hatte. Sie kassierte ihn freundlich und wünschte ihm einen schönen Abend. Der Kunde wünschte ihr dies ebenfalls. Sie schlenderte zu Harry und er stand auf, um sie auf halbem Weg zu treffen.
„Hi", grüßte er.
„Hey", sagte sie. „Du bist früh dran."
„Ich weiß", antwortete er verlegen. „Ich wollte nicht zu spät sein und hab deswegen viel Zeit eingeplant."
„Das ist süß von dir", sagte sie ihm. Sie schaute auf ihre Armbanduhr. „Ich habe immer noch zehn Minuten, bevor ich gehen kann. Ist es okay für dich, hier solange zu warten?"
„Oh", erwiderte Harry. „Ja, das ist kein Problem. Ich bin hier, bis du bereit bist zu gehen. Lass dir aber Zeit. Ich hab's nicht eilig oder so."
Sie lächelte ihm zu und sagte: „Danke. Ich werde versuchen, dich nicht zu lange warten zu lassen." Damit drehte sie sich um und ging wieder in den Laden hinein. Harry ging wieder zu seiner Bank zurück und beobachtete weiterhin die Menschen. Er nutzte die Zeit auch, um seine Emotionen unter Kontrolle zu bringen. Er wollte nicht die ganze Nacht ein stammelndes Wrack sein und hoffte, dass seine Okklumentikübungen ihm dabei helfen würden.
Es war etwa fünfzehn Minuten später, als Jessica zu ihm ging. Er bemerkte sofort, dass sie sich umgezogen hatte. Sie hatte zuvor einen roten Baumwollrock und eine weiße Bluse getragen. Nun trug sie einen schwarzen Rock, der aus einem seidenen Material zu sein schien und hatte irgendein Blumendesign, außerdem trug sie nun ein hellblaues Oberteil mit V-Ausschnitt.
„Sollen wir?", fragte sie.
„Du siehst wunderschön aus", sagte er ihr, ohne zu registrieren, was sie gesagt hatte. Sie lächelte ihn als Belohnung umwerfend an und Harrys Gehirn brauchte noch einen weiteren Moment, um mitzukommen. „Äh, ja, ich bin bereit."
Sie kicherte wieder und Harry entdeckte, dass er den Klang mochte. Es war nicht wie wenn Mädchen wie Lavender oder Parvati kicherten, wenn sie in Hogwarts tratschten; das war lauter, ein furchteinflößenderes Lachen. Jessicas Kichern war leise und ... einladend. Er entschied, dass alles was er tat es wert war, wenn es sie zum Lachen brachte, auch wenn er deswegen dumm erschien.
„Danke, Harry. Du siehst selber ziemlich gut aus."
Harry leuchtete bei diesem unerwarteten Kompliment rot auf. „Nun, eine Frau mit unbestechlichem Geschmack hat mir geholfen, mich einzukleiden", sagte er, ohne auch nur ein klein wenig zu stammeln.
Sie kicherte wieder und Harry beglückwünschte sich, das hinbekommen zu haben, ohne einen Idioten aus sich zu machen. Er öffnete die Tür für sie und ließ sie durchgehen. Sie lächelte ihn an, als sie an ihm vorbei auf die Straße ging und flüsterte: „Danke." Harry folgte ihr durch die Tür und schaute sie an, um zu erfahren, wo sie hinmussten. „Okay. Es ist in diese Richtung", erklärte sie und deutete nach rechts. Harry folgte ihrer Anweisung und sie gingen Seite an Seite die Straße hinunter.
„So, wie läuft es mit deinem Job?", fragte Harry, um Konversation zu betreiben.
„Oh, es läuft gut", erwiderte sie. „In letzter Zeit waren allerdings keine süßen Jungs mehr da, die mehrere hundert Pfund ausgegeben und mir ein enormes Trinkgeld gegeben haben. Es könnte also besser laufen."
Harry lachte verlegen über ihren Witz und zuckte leicht mit den Schultern. „Du hast mir an dem Tag wirklich das Leben gerettet, weißt du. Ich glaube, ich würde noch immer im Geschäft herumlaufen und nach Kleidung suchen, wenn ich deine Hilfe nicht gehabt hätte."
Sie sah zu ihm herüber und schaute ihm kurz in die Augen. Sie wusste, dass er es ehrlich meinte. „Es war mir wirklich ein Vergnügen", sagte sie ihm. „Wie ich schon gesagt habe, es passiert nicht jeden Tag, dass ich einen Kunden wie dich habe. Und es passiert nicht jeden Tag, dass ich meinen Job so sehr genieße. Ah, wir sind da", sagte sie und deutete auf das italienische Restaurant vor ihnen. „Ich hoffe, du magst italienisch?"
„Uh huh", erwiderte er.
Sie betraten das Restaurant und sie führte ihn sofort zum Empfangstisch und sagte: „Jessica Roland, für zwei Personen reserviert."
Der Mann überflog eine Liste vor ihm und antwortete: „Ah ja, ich werde Sie zum Tisch bringen. Wenn Sie noch einen Moment warten könnten."
Sie nickte und die beiden gingen zur Seite, um zu warten. „Danke, dass du das organisiert hast", sagte er ihr. „Ich weiß wirklich nicht, wo was in dieser Stadt ist. Ich musste an dem Tag jemanden fragen, um mir das nächste Kaufhaus zeigen zu lassen."
„Kein Problem", sagte sie ihm. „Ich weiß, wie es ist, an einem Ort zu sein, an dem man sich nicht auskennt. Es kann überwältigend sein. Ich bin nur froh, dass derjenige, den du gefragt hast, dir den Weg zu unserem Geschäft erklärt hat."
„Ich auch", erwiderte Harry ehrlich. In diesem Moment näherte sich ihnen ein Kellner.
„Wenn Sie mir bitte folgen wollen", wies er sie an.
Harry deutete Jessica an, vorzugehen und folgte ihr. Er versuchte, die Ansicht nicht zu sehr zu genießen, konnte aber nicht widerstehen, einige Blicke zu wagen.
Sie wurden zu einem kleinen Tisch für zwei an der Wand geführt. Er war nicht zu schmal, so dass man sich eingeengt fühlte, aber für mehr als zwei Menschen wäre er nicht geeignet. „Mein Name ist Anthony und ich bin heute Abend Ihr Kellner", sagte er ihnen, als er beiden jeweils eine Speisekarte reichte. „Wenn Sie Fragen haben, zögern Sie bitte nicht, sie an mich zu richten." Er ließ sie mit den Speisekarten allein und Harry schaute sein Date an und lächelte leicht, bevor er seine Speisekarte öffnete und sie durchlas.
Es waren viele verschiedene Pastasorten und Steaks und andere solche Mahlzeiten aufgelistet. Harry wusste, was manche davon bedeuteten, weil er schon dazu gezwungen gewesen war, mehrere davon zu kochen, aber er kannte viele davon nicht. Gott sei Dank hatte jedes eine kurze Beschreibung darunter, um zu erklären, was es war. Schließlich wählte er etwas einfaches, von dem er wusste, dass er es mögen würde. Er legte seine Speisekarte auf den Tisch und sah, dass Jessica noch immer in die Speisekarte schaute.
Als sie sah, dass er seine Speisekarte weggelegt hatte, fragte sie: „Was hast du dir ausgesucht?"
„Fettucine Alfredo mit Brokkoli und Hühnchen", sagte er ihr.
„Mhmmm, das hört sich gut an. Aber ich glaube, ich nehme die Lasagne", erwiderte sie. „Möchtest du eine Vorspeise, einen Salat oder so etwas?"
„Ähh ... daran habe ich gar nicht gedacht", antwortete er mit einem verlegenen Lächeln. Er öffnete seine Speisekarte wieder und schaute sich die Liste der Vorspeisen an. Die Hälfte davon war ihm unbekannt und er wusste nicht, was er davon halten sollte. Er schaute über die Speisekarte und sah, wie sie ihn mit einem kleinen Grinsen auf den Lippen beobachtete. „Gibt es etwas, das du bestellen wolltest?", fragte er sie.
Ihr Grinsen wurde breiter, als sie antwortete: „Ich habe gedacht, dass die Calamares sich gut anhören."
Nicht wirklich wissend, zu was er zustimmte, sagte Harry: „Okay, das passt mir auch."
Der Kellner kehrte eine Minute später zurück und fragte: „Sind Sie fertig? Möchten Sie für den Anfang eine Vorspeise?"
Harry blickte kurz zu Jessica und sah, wie sie ihm leicht zunickte, um ihn zum Bestellen aufzufordern: „Ähmm, ja, wir würden gerne die Calamares bekommen", sagte er dem Kellner.
„Eine sehr gute Wahl. Haben Sie sich beide entschieden, was Sie essen möchten?"
Harry nickte und schaute Jessica an, um sie als erste bestellen zu lassen. Sie wandte sich an den Kellner: „Ich hätte gern die Lasagne."
Der Kellner schrieb die Bestellung auf einen Block und wandte sich dann an Harry. „Und für Sie, Sir?"
„Ich hätte gerne die Fettucine Alfredo mit Hühnchen und Brokkoli", erwiderte Harry.
„Sehr gut", sagte der Kellner, als er die Bestellung auf seinem Block notierte. „Ich werde Ihnen die Vorspeise dann in Kürze bringen. Was darf ich Ihnen zu trinken bringen?"
„Ich bleibe beim Wasser", sagte Jessica dem Kellner.
Er wandte sich an Harry und wartete auf dessen Antwort. „Ich denke, dass ich für den Moment auch beim Wasser bleiben werde", sagte er dem Mann. Der Kellner nickte und ging, höchstwahrscheinlich zurück zur Küche, um die Bestellung aufzugeben.
„So, Harry", brach Jessica die Stille einen Moment später. „Was hast du gemacht, seit dem ich dich das letzte Mal gesehen habe?"
„Oh. Nun, ich war morgens wie immer joggen und habe trainiert", sagte er. Ein kleines Lächeln war auf ihren Lippen zu sehen, als sie zuhörte. „Und ich habe ein wenig gelernt, da das Schuljahr bald wieder anfängt."
„Du hast gesagt, dass du eine Schule in Schottland besuchst, stimmt's?", fragte sie ihn.
„Ja. Meine Eltern haben sie beide besucht, als sie Kinder waren. Sie haben sich dort kennengelernt", antwortete er.
„Das ist süß. Also haben sie es arrangiert, dass du auch gehen kannst?"
„Ja. Scheinbar haben sie es von Anfang an geplant gehabt, da sie beide kurz nach meinem ersten Geburtstag gestorben sind", sagte Harry, nur ein wenig lügend. Schließlich hatten sie geplant, ihn nach Hogwarts zu schicken. Sie hatten es nicht für ihn arrangiert, aber das war nur eine Formalität.
„Das tut mir leid", sagte sie. „Es muss schwer sein, aufzuwachsen, ohne seine Mutter oder seinen Vater zu kennen."
„Ja", antwortete er. „Meine Mutter und meine Tante waren Geschwister und ich schätze, sie haben sich nicht besonders gut verstanden. Ich kenne keine Details, da meine Tante sich weigert, über meine Mutter zu reden. Daher kann ich nur annehmen, dass sie sich nicht mochten. Meine Tante und mein Onkel haben mich immer von ihrem Leben getrennt und haben ihren eigenen Sohn vergöttert. Ich habe mich dort immer wie ein Außenseiter gefühlt." Es war die Wahrheit, nur eine verkürzte Version davon. Es musste reichen, da er ihr nicht die ganze Wahrheit sagen konnte.
„Das ist furchtbar", japste sie. „Es muss schrecklich gewesen sein, so aufzuwachsen, sich zu fühlen, als würde man nicht dazugehören. Du hast dich wahrscheinlich gefragt, wie dein Leben wäre, wenn deine Eltern nicht gestorben wären", sagte sie. „Oh, ich kann nicht fassen, dass ich das gerade gesagt habe. Wie gedankenlos von mir. Es tut mir so leid. Ich wollte das nicht alles ansprechen. Oh je. Ich vermassele das alles gerade furchtbar, oder?"
„Es ist okay", sagte Harry ihr mit einem leicht traurigen Lächeln. Er griff über
den Tisch und legte seine Hand auf ihre. „Du hast Recht. Ich habe mir immer vorgestellt, wie mein Leben mit meinen Eltern sein würde, das Gefühl zu haben, wirklich in diese Welt zu gehören. Aber ich hatte fünfzehn Jahre, um mich damit auseinanderzusetzen. Es braucht dir nicht Leid zu tun. Es ist okay für mich, darüber zu reden."
„Ich fühle mich trotzdem schlecht, dass ich das alles angesprochen habe", sagte sie ihm.
„Das brauchst du nicht. Es macht mir wirklich nichts aus, über sie zu sprechen. Ich meine, ich erinnere mich nicht wirklich an sie oder so, aber ich liebe es, Geschichten über sie zu hören. Ich habe vor kurzem angefangen, mich mit einem ihrer alten Freunde zu treffen, und es ist toll, über ihr Leben zu hören und wie sie so waren."
„Das ist wirklich nett", sagte sie. „Ich bin mir sicher, dass ihr Freund wahrscheinlich genauso froh ist, dir die Geschichten zu erzählen, so wie du es bist, sie zu hören. An alte Erinnerungen von lieben Freunden zu denken ist ein guter Weg, um sie zu ehren."
„So habe ich darüber noch nie nachgedacht", sagte Harry.
Der Kellner erschien wieder am Tisch und servierte die Calamares. Sie drückte seine Hand, kurz bevor sie ihn die Hand wegziehen ließ. Harry wartete und ließ Jessica den Vortritt. Sie bemerkte, dass er auf sie wartete und lächelte ihn für seine Anstrengung belohnend an. Sie legte eine kleine Menge des Tintenfisches auf ihren kleinen Teller und schüttete etwas Marinarasauce darüber. Er lächelte sie an und imitierte ihre Handlungen. Er spießte eins der panierten Teile auf seine Gabel und nahm es in den Mund.
Er kaute für einige Momente neugierig, bevor er lächelte und nickte.
Jessica kicherte und fragte: „Ist das das erste Mal, dass du Calamares isst?"
„Mhmm", erwiderte er schüchtern.
„Ich habe es gemerkt", sagte sie ihm. „Deine Reaktion war süß."
Harry fühlte, wie ihm heiß wurde und er wusste, dass seine Wangen rot sein mussten. Er murmelte „Danke", nahm ein weiteres Stück auf die Gabel und führte es zu seinem Mund.
Sie aßen die Calamares und warteten nur einen Moment, bis der Kellner auftauchte und den leeren Teller an sich nahm. „Ihr Essen wird in Kürze fertig sein", informierte er sie. „Ich werde in wenigen Minuten damit zurück sein."
„Danke", sagte Harry ihm ehrlich.
Er und Jessica redeten ein paar Minuten, während sie auf ihren Hauptgang warteten. Tatsächlich war der Kellner bald mit zwei Tellern zurück. Er platzierte die Lasagne vor Jessica und die Fettuccini Alfredo vor Harry. „Bon Appetit", sagte er ihnen freundlich.
„Danke", erwiderten beide. Sie grinsten sich kurz an, bevor sie sich ihrer Mahlzeit zuwandten.
Sie redeten ein wenig, während sie aßen, aber für den größten Teil genossen sie ihr Essen. Harry genoss die Zubereitung der Mahlzeit von dem Restaurant ziemlich. Er dachte nicht, dass er ein großartiger Koch oder so etwas war, aber war der Meinung, dass er selbst eine ordentliche Mahlzeit kochen konnte. Aber sein Abendessen war fantastisch. Er sagte Jessica das.
„Ich freue mich, dass es dir schmeckt", sagte sie. „Ich war mir nicht sicher, was für Essen du magst, aber ich habe gedacht, dass italienisch eine ziemlich ungefährliche Wahl ist."
„Es war eine gute Wahl", sagte er ihr aufrichtig.
Schon bald waren sie mit Essen fertig. Der Kellner kam kurz danach zurück und fragte: „Möchten Sie ein Dessert oder Kaffee?"
Harry schaute Jessica an. Sie schüttelte leicht ihren Kopf, um zu zeigen, dass sie nichts wollte und Harry antwortete daher: „Nein, ich denke, wir sind beide satt."
„Sehr gut. Ich lasse das dann einfach hier", sagte er und legte die Rechnung auf die Mitte des Tisches, aber etwas näher zu Harry.
„Danke", sagte Harry zu dem Mann.
Harry nahm die Rechnung und schaute den Preis an. 40 Pfund, das Trinkgeld nicht eingerechnet. Harry war noch nie Essen gegangen und wusste daher nicht, wieviel Trinkgeld er geben sollte. Er wandte sich an seine Verabredung und fragte: „Ähh ... ich fühl mich ein wenig dämlich, aber wieviel Trinkgeld sollte ich geben?"
Sie lächelte warm und sagte: „Fühl dich deswegen nicht schlecht. 15 % ist das Übliche."
„Danke", sagte Harry dankbar. Er wandte sich wieder der Rechnung zu und rechnete im Kopf. Er brauchte eine Minute, da es einige Zeit her war, seit er Matheunterricht gehabt hatte, aber er bekam es schließlich heraus. 40 Pfund fürs Essen und genau 6 Pfund fürs Trinkgeld sollten angemessen sein. Er hatte von den Kobolden einen 50-Pfund-Schein, daher nahm er ihn heraus und gab ihn dem Kellner. „Behalten Sie den Rest."
Der Mann grinste Harry kurz an, bevor er „Danke Sir", sagte und verschwand.
Harry wandte sich wieder seiner Verabredung zu, die ihn wieder einmal angrinste. „Du bist wirklich der größte Trinkgeldgeber, den ich je getroffen habe, weißt du das? Wenn du nicht vorsichtig bist, wirst du dein ganzes Geld weggeben."
Harry lächelte nur schüchtern und zuckte mit den Schultern. „Bist du bereit zu gehen?", fragte er.
„Ja, ich denke schon", antwortete sie.
Sie gingen zusammen durch das Restaurant und wieder hinaus auf die Straße. Harry wandte sich an Jessica, unsicher, was er nun machen sollte. "Ähh - danke noch einmal, dass du alles organisiert hast. Ich habe das Restaurant wirklich genossen."
„Ich auch", erwiderte sie. „Die Gesellschaft war besonders nett."
Harrys Gesicht wurde wieder scharlachrot und er antwortete: „Ich habe es auch sehr genossen, den Abend mit dir zu verbringen."
Sie lächelte ihn warm an und die beiden standen da, sich für einige Zeit stumm angrinsend. „Ähh ...hast du dein Auto hier in der Nähe? Soll ich dich hin begleiten? Oder wohnst du in der Nähe?"
„Ich wohne ein paar Häuserblöcke weiter", sagte sie ihm mit einem strahlenden Lächeln. „Und Begleitung wäre toll."
„Großartig", erwiderte er. „Sollen wir?"
„Gerne", antwortete sie.
Sie deutete nach rechts und sie fingen an, zusammen die Straße hinunterzulaufen. Nach einer Minute des schweigsamen Gehens streckte sie ihre Hand aus und legte ihre Handinnenfläche gegen seine. Er spreizte seine Finger und verschränkte sie mit ihren. Er blickte kurz zu ihr herüber und grinste wegen der Geste breit. Sie erwiderte das Lächeln und sie gingen weiter.
„Das war heute wirklich ein toller Abend", sagte er ihr. „Ich hatte schon lange nicht mehr so viel Spaß."
„Nun, du solltest es öfters haben", sagte sie ihm. „Ich habe es auch sehr genossen, Zeit mit dir zu verbringen. Danke fürs Abendessen."
„Oh, gern geschehen", erwiderte er schüchtern. „Es war mir wirklich ein Vergnügen. Es passiert nicht jeden Tag, dass ich die Gelegenheit habe, ein nettes Essen mit einer Frau, die so schön und süß wie du es bist, zu teilen", sagte er mutig.
Sie belohnte ihn mit einem leichten Erröten und einem breiten Lächeln. „Du bist selber nicht zu verachten, Harry."
Sie gingen um eine Ecke und redeten weiter. „Hör zu, ich weiß, dass du bald zurück zur Schule gehen wirst und dass die Chancen schlecht stehen, dass ich dich wiedersehen werde, deshalb möchte ich dir sagen, dass ich es wirklich genossen habe, Zeit mit dir verbracht zu haben. Du bist wirklich ein süßer Kerl und jedes Mädchen könnte sich glücklich schätzen, wenn sie mit dir zusammen wäre."
Harry nahm angesichts dieses Lobes einen eindrucksvollen Rotton an und machte Anstalten, sie zu unterbrechen, aber sie redete weiter: „Ich meine es. Du bist süß und ehrlich und niedlich. Du bist schüchtern, aber das lässt dich nur noch niedlicher erscheinen. Du hast meine Nummer, falls du mich anrufen möchtest. Es wäre schwer, eine Beziehung oder so etwas anzufangen, wenn wir uns kaum kennen und wir getrennt sein würden, deshalb denke ich, dass es nicht schlau wäre es zu versuchen. Aber ich möchte nicht, dass du denkst, dass ich dich abweise oder so etwas. Vielleicht, wenn du deine Schule abgeschlossen hast, falls du zurück nach London kommst, kannst du mich besuchen und vielleicht werden wir da weitermachen, wo wir heute aufgehört haben."
Harry lächelte sie an. „Danke, Jessica. Ich schätze deine Ehrlichkeit. Du hast natürlich Recht. Es würde wahrscheinlich im Moment nicht mit uns beiden funktionieren. Aber ich mag dich und habe es genossen, heute Abend Zeit mit dir zu verbringen. Also werde ich vielleicht deine Nummer behalten und dich anrufen, wenn ich das nächste Mal in der Stadt bin. Wenn du dann jemanden siehst, können wir uns immer noch als Freunde wieder treffen."
„Das würde mich freuen, Harry", sagte sie ihm etwas schüchtern. „Nun, da wohne ich.", sagte sie und deutete auf das Mehrfamilienhaus vor ihnen. „Denk daran, was ich gesagt habe: Jedes Mädchen wäre glücklich, dich zu haben.", sagte sie ihm. Sie neigte sich zu ihm und gab ihm einen Kuss auf die Wange. Sie ging einen Schritt auf ihn zu und umarmte ihn kurz. Er legte seine Arme um sie, um die Geste zu erwidern.
„Viel Glück auf der Universität", flüsterte er in ihr Ohr.
„Danke", erwiderte sie. „Viel Glück auf dem Internat." Sie löste sich leicht von ihm und schaute ihm für einen Moment in die Augen, ihre Gesichter nur Zentimeter voneinander entfernt. Sie öffnete leicht ihre Lippen in Erwartung und Harry kämpfte damit, nicht seine Nerven zu verlieren. Sie schloss ihre Augen und lehnte sich etwas nach vorne. Er neigte seinen Kopf etwas und traf sie auf halbem Weg. Er schloss ebenfalls seine Augen, als sich ihre Lippen trafen. Es war ein kurzer Kuss, aber in Harrys Meinung war er eindeutig wundervoll. Seine einzige andere Erfahrung mit Küssen war nach einem DA-Treffen letztes Jahr mit einer weinenden Cho unter einem Mistelzweig gewesen. Das war nicht miteinander vergleichbar. Er genoss diesen Kuss ziemlich, aber er war nur zu schnell vorbei.
Sie löste sich von ihm, umarmte ihn dann noch einmal, bevor sie zurückging und „Gute Nacht, Harry", sagte.
„Gute Nacht, Jessica", erwiderte er und sah zu, wie sie die Stufen zur Eingangstür hochging. Sie hielt inne, als sie die Tür erreichte und drehte sich zu Harry um. Sie lächelte ihn traurig an und winkte zum Abschied. Er erwiderte das traurige Lächeln und winkte ebenfalls zum Abschied. Sie drehte sich wieder zum Gebäude um und betrat es, während sie zur gleichen Zeit aus seinem Leben trat. Er wusste, als er das Date ausmachte, dass, was auch immer mit ihr passieren würde, nicht von Dauer sein würde, aber das machte es nicht leichter ihr zuzuschauen, wie sie ging. Er hatte Spaß mit ihr gehabt. Sie war toll. Er wünschte sich nur, dass sie eine Hexe wäre und Hogwarts besuchen würde, so dass sie nicht getrennte Wege gehen mussten. Aber das Leben ist selten fair und im Fall von Harry niemals.
Er entschied, ein wenig in der Stadt umher zu gehen, um einen klaren Kopf zu bekommen. Er wollte nicht zum Ligusterweg zurückkehren, nur um den Rest der Nacht in seinem Zimmer festzusitzen. Er wanderte eine Weile ziellos durch die Stadt, seine Umgebung nicht wahrnehmend und achtete nicht darauf, wo er hinlief. Er war in Gedanken bei Jessica und der Verabredung, die sie gerade gehabt hatten. Es war nett. Er hatte endlich ein Date gehabt, an das er sich erinnern konnte und das nicht ein komplettes Desaster gewesen war. Nach einer Weile riss er sich aus seiner Erinnerung und apparierte zurück in sein Zimmer im Haus der Dursleys und verbrachte den Rest der Nacht mit Lesen.
In dieser Nacht erzählte Harry Sirius von seinem Date und alles, was am Ende gesagt worden war. Er erzählte ihm auch verlegen von dem Gute-Nacht-Kuss.
„Das ist großartig, Harry", rief sein Pate aus. „Hört sich so an, als ob du eine gute Wahl getroffen hast."
„Ja", erwiderte Harry. „Es ist bloß schade, dass es nicht mehr sein kann. Ich bin in Hogwarts, sie auf ihrer eigenen Schule. Es würde nie funktionieren und wenn es endlich funktionieren würde, wird sie bereits nicht mehr an mich denken. Da bin ich mir sicher."
„Vielleicht", antwortete Sirius. „Aber andererseits, vielleicht wirst du jemand anderes haben."
„Vielleicht ...", sagte Harry nicht sehr überzeugt.
„Hör zu, Harry", sagte Sirius unbewegt. „Du hattest gerade einen tollen Abend mit einem schönen Mädchen ohne irgendwelche daran geknüpften Erwartungen. Vielleicht wirst du mit der Kleinen zusammenkommen, vielleicht auch nicht, aber es hat keinen Sinn, sich jetzt darüber Gedanken zu machen. Es gibt viele Mädchen in Hogwarts. öffne deine Augen und schau dich um und du könntest vielleicht eine finden, die dir gefällt."
„Ich wünsche mir einfach nur, dass mein Leben einmal einfacher sein könnte und etwas so abläuft, wie ich das möchte", erklärte Harry.
„Ich weiß, dass du das möchtest, Harry, aber das Leben ist oft zu kompliziert, als dass wir genau das bekommen könnten, was wir möchten", dozierte Sirius. „Du musst einfach das akzeptieren, was das Leben dir gibt und das Beste daraus machen."
„Ich werde es versuchen", seufzte Harry.
„Das ist alles, das du machen kannst."
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