Kapitel 7: Das Tier in mir

Ginny verbrachte den ganzen Tag damit, sich zu fragen, ob und wann sie jemals die Chance haben würde, Harry für ein paar Minuten alleine zu erwischen. Sie war ungeduldig. Sie wollte wissen, wie sein Ausflug in die Winkelgasse verlaufen war. Sie war ziemlich neugierig, wie er es hinbekommen hatte, von den Ländereien zu verschwinden, um apparieren zu können und wieder zurück in die Schule zu kommen, ohne dass es jemand bemerkte, aber sie hatte sich schon damit abgefunden, diese Frage nicht zu stellen. Es war nicht ihre Angelegenheit, alle seine Geheimnisse zu wissen und sie hatte ihm versprochen, dass sie sich nicht in seine Angelegenheiten mischen würde. Wenn er wollte, dass sie es wüsste, würde er es ihr sagen. Aber sie wollte wirklich wissen, wann sie den Zaubertrank brauen könnten und wann ihr Training beginnen würde.

Aber das Glück war nicht mit ihr. Harry war den gesamten Tag über von Menschen umgeben. Ron und Hermine verließen selten seine Seite. Neville war fast genauso schlimm. Und praktisch jedes Mitglied ihrer HAklasse in Gryffindor legte Wert darauf, einmal mit ihm geredet zu haben. Ginny wollte sie noch immer die DA nennen, aber Harry bestand darauf, dass jeder den Klub nun HA nennen sollte. Aber das war nicht das Thema. Sie konnte keinen von ihnen wirklich vorwerfen, dass sie mit Harry über den Unterricht reden wollten. Der Unterricht war anders. Und Harry hatte ein ziemliches Spektakel hingelegt.

In der Zaubererwelt aufzuwachsen bedeutete, dass körperliche Aktivitäten wenig Aufmerksamkeit bekamen. Der einzige richtige Sport, den die Zaubererwelt hatte, war Quidditch, und während der Sport den Körper nach einigen Stunden des Spielens anstrengte, war es doch in Wahrheit der Besen, der die meiste Arbeit tat. Sie mussten sich niemals um das Herumrennen sorgen machen oder darum, schnell auf den Beinen zu sein, anders als diejenigen, die in der Muggelwelt aufwuchsen. Sie wusste nicht viel über Muggel, aber sie wusste genug über Sportarten wie Fußball und Basketball, um zu wissen, dass dabei viel Laufen involviert war und dass man schnell sein musste, um erfolgreich zu sein.

Auch abgesehen von den Sportarten gingen und liefen Muggel mehr als Zauberer. Der durchschnittliche erwachsene Zauberer oder die durchschnittliche erwachsene Hexe ist in der Lage, an einem Ort zu verschwinden und sofort darauf an einem anderen wiederaufzutauchen und eliminierte dabei die Notwendigkeit, irgendwo hin zu gehen. Der einzige Grund, warum man apparieren als Transportmittel vermeiden müsste, war wegen Kindern. Angesichts der Tatsache, dass Kinder nicht apparieren konnten, mussten oft andere Wege gefunden werden. Aber das Flohnetzwerk erleichterte das für den größten Teil. Und selbst wenn man irgendwo hin ging, wo es kein Floh gab, waren die Chancen groß, dass eine Flohgelegenheit in der Nähe war.

Selbst Kinder in der Zaubererwelt rannten nicht so viel herum wie die in der Muggelwelt. Bis zu einem gewissen Maß rannten und spielten sie, aber viel davon spielte sich auf einem Besen statt auf dem Boden ab. Sogar jüngere Kinder haben Dinge wie Trainingsbesen, die nur wenige Zentimeter über dem Boden schweben, um Verletzungen zu vermeiden, sollte ein Unfall geschehen. Jeder, der also in der Zaubererwelt aufgewachsen war, war in Wahrheit irgendwo außerhalb der Anforderungen von Harrys Unterricht.

Er hatte es hinbekommen, mehrere Minuten lang zu vermeiden, verhext zu werden, einfach nur indem er gelaufen war, sich geduckt hatte und aus der Gefahr weggesprungen war. Er hatte einen wichtigen Standpunkt deutlich gemacht. Es gibt eine Verteidigung gegen die Unverzeihlichen, und die ist es, zu vermeiden, von einem getroffen zu werden. Wenn er in der Lage war, erfolgreich einem Schockzauber auszuweichen, welcher sehr einfach und sehr schnell gezaubert werden konnte und der in schneller Folge gezaubert wurde, was hinderte ihn dann daran, einer Serie von Avada Kedavras ebenfalls auszuweichen? Oft war die beste Lösung die einfachste.

Aber es war nicht der Gedanke hinter der Übung, der die Menschen zu ihm lockte: es war die Vorführung. Er hatte es nicht nur geschafft, Zaubersprüche schneller zu zaubern, als sie es je gesehen hatten; er hatte sich auch noch so schnell und gewandt bewegt, dass er es vermeiden konnte, auch nur von einem Zauber getroffen zu werden. Seine Demonstration war besser als jegliche Erwartungen. Es war also nur natürlich, dass jeder, der diese Geschehnisse beobachtet hatte, mit ihm darüber reden wollte. Aber das machte es nicht weniger frustrierend für sie.

Wieso konnten nicht alle zusammen zu ihm gehen und mit ihm reden? Sie sprachen sowieso alle über das gleiche. Harry musste es früher oder später satt haben, immer und immer wieder über dasselbe zu reden, ihnen dasselbe zu sagen, die gleichen Fragen zu beantworten. Aber nein, jeder musste einzeln zu ihm gehen und mit ihm reden. Am Ende des Abends hatte sie es satt. Als sie Harry gefragt hatte, ob es ihm etwas ausmachen würde, ihr dabei zu helfen, ein Animagus zu werden, hatte sie nicht wirklich gewusst, was sie erwarten sollte. Sie hatte nicht erwartet, eine negative Antwort zu bekommen oder so etwas in der Art; Harry war viel zu nett, um so etwas überhaupt in Betracht zu ziehen.

Sie hatte auf der anderen Seite auch nicht viel von ihm erwartet. Eine vage Zustimmung vielleicht. Er würde ihr sagen, dass er ihr gerne helfen würde und dass sie in der Zukunft etwas machen würden. Sie hatte nicht vorausgesehen, dass Harry auf der Stelle in die Winkelgasse gehen würde, um alle Zaubertrankzutaten zu holen, die sie benötigen würden, um gleich anfangen zu können. Das war weit mehr als sie erwartet hatte.

Aber seitdem sie das ganze geplant hatten, wurde sie immer ungeduldiger anzufangen. Sie konnte es nicht erwarten, herauszufinden, was ihre Gestalt sein würde. Sie hoffte auf eine Katze oder auf etwas, das Fliegen konnte, aber sie wäre mit einer Menge Tieren glücklich. Solange sie nicht mit etwas so Dämlichen wie einer Ameise, einem Käfer oder einer Ratte enden würde. Sie hatte es sich in den Kopf gesetzt, dass sie heute starten würden, dass sie am Ende des Tages wissen würde, was für ein Tier sie sein würde. Aber im Moment hatte sie wenig Hoffnung, dass sie an diesem Wochenende beginnen würden. Vielleicht am nächsten Wochenende, wenn sie Glück hatte.

Sie freute sich nicht auf die kommende Woche. Sie wusste, dass sie Schwierigkeiten haben würde, sich auf etwas anderes zu konzentrieren als auf Animagi. Es wurde immer später und sie begann darüber nachzudenken, ins Bett zu gehen, als etwas gegen ihren Arm strich, oder eher, jemand.

„Hey, Gin", grüßte sie eine maskuline Stimme.

Sie zuckte zusammen und schaute neben sich, wo ein schwarzhaariger Mann sie schief angrinste, seine grünen Augen funkelnd. „Selber hey. Du hast mich erschreckt."

„Sorry", sagte er in einem nicht entschuldigenden Tonfall.

„Ich bin mir sicher", erwiderte sie fest. „Was bringt dich hier in meine Gegend?"

„Du hast morgen gleich vor dem Abendessen eine Pause, nicht?", fragte er unvermittelt.

„Äh ... ja. Warum?"

„Komm nach deiner letzten Stunde in mein Büro."

Sie verstand und ein Lächeln erhellte ihr Gesicht. „Ich werde da sein." Er erwiderte ihr Grinsen und wünschte ihr eine Gute Nacht. Als er sich umdrehte, um zu gehen, packte sie ihn an seinem Unterarm und sagte leise: „Harry?"

„Hmm?"

„Danke", sagte sie ihm dankbar.

„Nicht der Rede wert." Und dann wandte er sich um und ging die Treppen zu den Jungenschlafsälen hoch. Nach einem Moment schüttelte sie sich wach und ging zu Bett. Die Woche sah doch nicht so schlecht aus.

OoOoOoOoOoOoOoO

Harrys Tag verging wie im Flug. Er entdeckte, dass der Unterricht weiterhin sehr einfach für ihn war. Sein erster Erfolg in Verwandlung am ersten Unterrichtstag war keine einmalige Sache gewesen. Alle Arten der Magie fielen ihm leicht. Er begann tatsächlich, sich zurückzuhalten, um in der Öffentlichkeit nicht zu schnell Fortschritte zu machen. Er ließ Hermine ihn hier und da als erste Zauber hinbekommen, um die Verschleierung aufrecht zu erhalten, dass alles wie immer war. Er wollte es so aussehen lassen, dass er sich anstrengte und die Schule ernst nahm, und nicht, dass er die Dinge besonders einfach lernte.

Hermine verbrachte weiterhin den größten Teil ihrer Zeit in der Bücherei. Sie schien jedes Mal, wenn sie einen Zauber vor Harry zu Stande brachte, ermutigt, und ein Teil von Hermines Einstellung seit dem Schulanfang fing an, ihn zu stören. Sie war eifersüchtig, dass er im Unterricht besser als sie war. Sie hatte sich daran gewöhnt, die Erste zu sein, die jeden Zauber beherrschte. Sie hatte es fünf Jahre lang gemacht. In diesem Jahr war Harry nun öfters als sonst schneller als sie. Harry merkte, dass er sich darüber nicht so schlecht fühlte, als er gedacht hatte, dass er es getan hätte. Hermine musste etwas Bescheidenheit lernen. Sie legte zu viel Wert darauf, die Beste in allem zu sein. Aber er war vorsichtig, keine Aufmerksamkeit auf seinen neuen Erfolg zu lenken oder es ihr unter die Nase zu reiben. Das wäre nur unnötig gemein.

Aber ihre Besessenheit, den ganzen Tag zu lernen, um mit Harry mitzuhalten, tat Hermine nicht gut. Es war nur eine Frage der Zeit, bevor sie sich so erschöpfen würde wie im dritten Schuljahr. Harry fürchtete sich jedoch, das Thema anzusprechen, wissend, dass sie es nicht gut aufnehmen und höchstwahrscheinlich alles inbrünstig leugnen würde. Sie würde eine lange Rede über die U.T.Z.e halten und wie wichtig sie seien. Nein, das war eine Lektion, die sie selber lernen musste. Er hoffte nur, dass sie es so schnell lernen würde, wie sie auch alles im Unterricht lernte; ansonsten würde sie in diesem Semester eine schwere Zeit haben.

Bevor Harry es wusste, beendete er seine letzte Unterrichtsstunde für den Tag und zufällig auch erst seine zweite Unterrichtseinheit: Pflege für magische Geschöpfe. Ron, mit dem er den Unterricht besuchte, musste weiter zu Wahrsagen und ließ Harry damit die Gelegenheit, zum Raum der Wünsche für sein tägliches Training zu gehen, ohne dass es seine zwei besten Freunde mitbekommen würden. Er machte sich keine Sorgen, dass die meisten anderen seiner Freunde bemerken würden, dass er sich wegschlich, um etwas Zeit für sich zu haben. Niemand sonst würde ihn darauf ansprechen und wenn sie es täten, würde eine einfache Ausrede genügen.

Seine zwei besten Freunde auf der anderen Seite waren eine ganz andere Geschichte. Sein Training vor ihnen zu verstecken war keine einfache Aufgabe. Sie waren beide von Natur aus neugierig, besonders Hermine. Und Hermine konnte wirklich schlauer sein als es gut für sie war, oder, in diesem Fall, wie es für Harry gut war. Nein, sie würden ohne Zweifel argwöhnisch werden, wenn sie die ganze Zeit beobachten würden, wie er sich wegschlich. Und sie würden ihn solange darüber ausfragen, bis sie Antworten bekommen würden. Es war also das Beste, wenn sie ihn niemals erwischen würden. Glücklicherweise war Hermine so mit Lernen in der Bücherei beschäftigt, dass sie seine Abwesenheit sowieso nicht bemerken würde.

Ron war eine andere Geschichte. Harry hatte das Gefühl, dass Ron ihn bald fragen würde, wo er seine ganze Freizeit verbrachte. In der Vergangenheit, wenn sie eine Pause hatten, hatten Ron und Harry diese Zeit zusammen verbracht. Die einzige Ausnahme war, wenn sie stritten. Es würde also schwer sein, seine Abwesenheit während der Freistunden Ron zu erklären. Harry versuchte, sein Training auf Zeiten zu legen, in denen Ron Unterricht hatte und ihn nicht vermissen würde, aber das funktionierte nicht immer. Und die Wochenenden erwiesen sich als noch schwerer zu arrangieren.

Harry dachte über all das nach, als er den Raum mit Schutzzaubern belegte und seine Übungen mit den Dummies im Raum der Wünsche begann. Er hasste es, mit allem, das er tat, so geheimnisvoll zu sein, aber in diesem Stadium der Geschehnisse konnte er es sich nicht leisten, dass jemand etwas über seine Fähigkeiten herausfand.

Als Ginny realisiert hatte, dass er derjenige gewesen war, der sie im Sommer in der Winkelgasse gerettet hatte, hatte Harry nicht gewusst, was er tun sollte. Er dachte, er wäre so vorsichtig gewesen, aber wenn er daran zurückdachte, erkannte er, dass er einen großen Fehler gemacht hatte: sein Haar.

Er hatte seine neue Frisur an der Art, wie er es in Verkleidung trug, orientiert.

Er hatte nie viel darüber nachgedacht. Er hatte es einfach gemocht, als sein Haar länger war. Er hatte nie geplant gehabt, mit jemanden in Kontakt zu treten, den er kannte, während er verkleidet war. Und er wusste, dass niemand den er sah, während er einkaufte, jemals die Verbindung zwischen ihm und dem Fremden ziehen würde. Außer sie sahen seine Narbe.

Als Ginny es herausgefunden hatte, hatte Harry kurz in Erwägung gezogen, ihre Erinnerung mit Obliviate zu löschen. Er hatte ein wenig in einem seiner Bücher über den Zauberspruch gelesen, aber er hatte den Zauberspruch nie ausprobiert. Er würde mehr darüber lesen müssen, bevor er überhaupt darüber nachdenken konnte, ihn an einer anderen Person zu verwenden. Also gab Harry den Gedanken augenblicklich auf. Er konnte ihr das nicht antun. Was, wenn etwas falsch lief? Er würde nicht mehr in den Spiegel schauen können, wenn er ihr Schaden zufügen würde. Nicht nur das, aber es erschien ihm auch falsch, das einer Freundin anzutun. Wenn ein Todesser eine entscheidende Information herausfinden würde, würde er nicht zweimal darüber nachdenken, die Erinnerung zu entfernen, aber es einem Freund ohne dessen Wissen anzutun war einfach nur falsch.

Wenn er daran zurückdachte, war Harry nur froh, dass Ginny es herausgefunden hatte und niemand anderes. Ron konnte kein Geheimnis wahren, auch wenn es um Leben und Tod ging. Er würde wahrscheinlich gleich Hermine alles erzählen, aber selbst wenn er versuchen würde, das Geheimnis zu wahren: in dem Moment, in dem Ron sein Temperament durchging, würde es herauskommen. Und dass Ron sein Temperament durchgehen würde, war gewiss. Es war nur eine Frage der Zeit. Wenn Hermine es herausfinden würde, würde sie sich gezwungen fühlen, einer Autoritätsperson Bescheid zu sagen. Harry brach nicht nur das Gesetz, indem er Magie außerhalb Hogwarts anwandte; er brachte sich auch selbst in Gefahr. Kein Flehen würde sie jemals zum Umdenken bringen. Ihr Petzen wäre aus einem fehlgeleiteten Gedanke heraus um zu zeigen, dass sie sich Sorgen machte. Aber Harry wusste, dass er Hermine nie verzeihen könnte, wenn sie seine neugefundene Freiheit für ihn ruinieren würde. Und so betete er, dass sie es in nächster Zeit nicht herausfinden würde.

Ginny war wirklich die perfekte Wahl, wenn er einen seiner Freunde aussuchen musste, um die Wahrheit herauszufinden. Entweder Ginny oder Neville: beide waren bescheiden und unterstützend und loyal. Aber Harry war froh, dass es Ginny war und nicht Neville. Er mochte Neville sehr, aber wenn er nur eine Person auf der Welt hätte, der er sich anvertrauen könnte, wäre Neville nicht seine erste Wahl. Er hatte das Gefühl, dass es wirklich merkwürdig mit Neville werden könnte und er wusste nicht, ob der Junge in der Lage sein würde, unter diesen Umständen normal zu handeln.

Ginny ging mit allem wunderbar um. Sie lenkte niemals die Aufmerksamkeit auf die Tatsache, dass etwas los war. Und sie drängte ihn nicht, ihr alles zu erzählen. Sie war glücklich mit allem, dass er gewillt war, zu geben. Auf eine Weise war er froh, dass sie es herausgefunden hatte. Wenigstens hatte er jetzt jemanden um sich, der Bescheid wusste, zumindest etwas, was in seinem Leben passierte. Er hatte auch Sirius, zu dem er in der Nacht reden konnte, aber es war schön, jemanden in seinem Alter zu haben, der in Hogwarts war und ihm möglicherweise helfen konnte und ihn decken könnte, wenn es nötig wäre.

Er war so in seinen Gedanken und in sein Training versunken, dass, bevor er wusste wie es passierte, er auf seine Armbanduhr schaute und er entdeckte, dass Ginny schon aus dem Unterricht entlassen war. Er eilte aus dem Raum und zwei Treppen hinunter zu seinem Büro. Als er die Tür aufriss, sah er Ginny geduldig wartend vor dem kalten Kamin sitzend.

„Merlin Harry! Du siehst furchtbar aus", rief sie aus. Dann schien sie zu bemerken was genau sie gesagt hatte und ruderte zurück: „Ich meine nicht, dass du hässlich aussiehst oder so. Es ist nur, du bist ganz verschwitzt und dein Gesicht ist rot und du scheinst einige Schnitte auf deinem Gesicht zu haben."

Scheinbar zu viel herumhechten für sein eigenes Wohl. „Es ist okay, Gin. Ich kann mir vorstellen, dass ich im Moment nicht sehr präsentabel aussehe, aber ich habe gerade etwas trainiert, also was erwartest du? Es tut mir leid, dass ich zu spät bin. Wieso setzt du dich nicht an meinen Schreibtisch? Alle Zutaten liegen bereit und ich habe die Instruktionen für dich aufgeschrieben. Während du anfängst, die Zutaten vorzubereiten, werde ich mich frisch machen. Dann werde ich dir bei allem zur Hand gehen."

„Ok ... ", sagte sie und dachte über das, was er gesagt hatte, nach. „Dann geh zum Gryffindorturm hoch. Ich werde hier bleiben, bis du zurückkommst."

„Das wird nicht nötig sein", sagte er. „Ich werde zurück sein, bevor du es glauben kannst." Dann, ohne etwas zu erklären, holte er seinen Koffer aus seiner Hosentasche, vergrößerte ihn, öffnete ihn und kletterte ohne Zögern hinein. Sie starrte den Koffer mehrere Minuten lang an, bevor sie es bemerkte und sich aus ihrer Starre riss.

Sie schaute auf den Tisch hinunter und fand die Instruktionen, von denen er ihr erzählt hatte. Er hatte nicht gescherzt, als er gesagt hatte, dass er sie aufgeschrieben hatte. Dort, auf einem Stück Pergament, war eine hingekritzelte Liste von Zutaten und die Schritte, um den Zaubertrank zuzubereiten. Das Geschriebene war ein wenig unordentlicher als seine gewöhnliche Korrespondenz. Er hatte die Instruktionen wahrscheinlich in Eile geschrieben. Aber es war zumindest leserlich. Also begann sie, die Zutaten vorzubereiten, wie er es ihr aufgetragen hatte.

Einige Minuten später schaute sie hoch und erschrak, als sie Harry sah, der sie angrinste: „Hey. Und wie läuft es bisher?"

Ginny war niemand, die sich von dem, was sie wollte, ablenken ließ, ignorierte daher die Frage und stellte selbst eine: „Wo bist du hingegangen? Und wie? Und wie bist du zurückgekommen?"

Er gluckste. Es tat gut, Harry lachen zu hören. Nach allem, das er in seinem Leben durchmachen hatte müssen, wobei alles in der Wiedergeburt von Voldemort und dem Tod seines Patens gipfelte, hatte Harry jedes Recht wütend, aufgebracht und untröstlich zu sein. Er hatte jedes Recht, gegen die Welt aufzubegehren. Und er hatte ein wenig davon letztes Jahr getan. Er war nie absichtlich verletzend, aber er hatte im letzten Jahr ein paar Probleme mit seinem Temperament gehabt. Aber trotz allem Schlechten, das in seinen Leben passiert war, ließ er es sich niemals ändern.

Das Einzige, das dieses Jahr an ihm anders war, war, das er seine Schüchternheit überwunden zu haben schien. Und das konnte schwer als eine schlechte Sache betrachtet werden. Er ließ nicht zu, dass all die schlechten Dinge, die ihm widerfuhren, seine Seele tötete. Er liebte noch immer das Leben und würde niemals aufhören, zu kämpfen, um eine Welt zu kreieren, in der Menschen in der Lage sein würden, ihr Leben in Frieden genießen zu können, ohne die Bedrohung eines Dunklen Lords, die über ihren Köpfen schwebte. Und in der Zwischenzeit schien er entschlossen zu sein, diese Bedrohung und Angst nicht sein Leben kontrollieren zu lassen. Er hatte ihr über dem Sommer geschrieben und hatte ihr gesagt, dass er sich weigerte, Voldemort gewinnen zu lassen. Und sein Leben in die Warteschleife zu stecken und sich Sorgen zu machen, was passieren würde, wäre genau das. Also lebte er nun sein Leben. Und es war eine Inspiration. Wenn er es konnte, konnte es jeder. Er hatte mehr Gründe als jeder andere, dass der Krieg ihn runterziehen würde.

Sein Gelächter verebbte und seine Stimme riss sie aus ihren Gedanken: „Nun, um es einfach zu machen: Ich bin in meinen Koffer gegangen, um zu duschen. Als ich fertig war, bin ich wieder herausgekommen."

Sie starrte ihn nur an. Was für eine Erklärung sollte das sein? „Vielleicht solltest du früher beginnen. Wo hast du deinen Koffer her? Und wie hast du in ihm geduscht?"

Er lachte wieder. Es wärmte ihr Herz nicht so sehr wie das davor, da sie ziemlich gespannt war, zu hören, was er zu sagen hatte. Bevor sie wusste, was geschah, sprach er wieder: „Nun, ich habe diesen Koffer im Sommer gekauft", sagte er, als er hinüberging und den Koffer tätschelte. „Er ist einer der Modelle, die mehrere verschiedene Abteile haben, nicht nur zur Aufbewahrung sondern auch Räume. Ich habe ein Schlafzimmer, Bad, Küche und Wohnzimmer hier drinnen. Also bin ich in den Koffer gestiegen, habe im Badezimmer geduscht und bin wieder herausgekommen."

„Wie hast du ihn bekommen?", fragte sie und erkannte dann, wie dumm die Frage war. „Warte, egal. Das ist ziemlich offensichtlich. Das muss aber ziemlich teuer gewesen sein. Ich wusste, dass du viel Geld hast, aber ich kann nicht glauben, dass du einfach so etwas gekauft hast."

„Nun, ich habe viel Geld", gab er leise zu. „Und ich habe mir nie wirklich viel gekauft. Also habe ich mir diesen Sommer ziemlich viele Sachen gekauft: neue Muggel- und Zaubererkleidung, diesen Koffer, jede Menge Bücher, Kontaktlinsen, um meine Brille zu ersetzen und einen Zauberstabhalfter. Ich habe mehr Geld, als dass ich weiß, was ich damit tun soll. Also habe ich gedacht, ich verwöhne mich selbst ein wenig." Er hörte sich beinahe verteidigend an, als ob er sich erklären müsste, bevor sie wütend auf ihn werden würde.

„Entspann dich, Harry", beruhigte sie ihn. „Ich werde dich nicht angreifen, nur weil du dir etwas Nettes gegönnt hast. Es ist dein Geld, du kannst es also auch genauso gut ausgeben. Wenn du es nicht tust, liegt es nur herum und hilft keinem. Die Tatsache, dass du teure Dinge hast, macht dich nicht zu Malfoy."

Er sah immens erleichtert aus, sie das sagen zu hören: „Danke." Und er meinte es so. „So, wie auch immer. Wie läuft es mit dem Zaubertrank?"

Und so widmeten sie sich wieder dem Grund, warum sie überhaupt da waren. Sie erklärte, dass sie kaum begonnen hatte. Er zog einen Stuhl herbei und half ihr, die Zutaten vorzubereiten. Bevor viel Zeit vergangen war, begannen sie Zutaten in genau abgemessenen Mengen in einer spezifischen Reihenfolge in den Kessel zu werfen, die eine spezifische Anzahl in einer spezifischen Richtung gerührt werden mussten. Es war alles sehr präzise, aber nicht besonders schwer, solange man aufmerksam war.

Nach einiger Zeit köchelte der Zaubertrank, alle Zutaten waren hinzugefügt und alles, was nun zu tun war, war, zu warten. Sie hatten knapp das Abendessen verpasst und so beschlossen die Beiden, zur Küche hinunter zu gehen und etwas zu essen zu holen.

Harry kitzelte die Birne, zog an dem erscheinenden Türknauf und hatte kaum einen Schritt über die Türschwelle gesetzt, als er fühlte, wie etwas mit seinem Bein zusammenprallte. „Harry Potter Sir! Harry Potter ist gekommen, Dobby zu besuchen! Harry Potter ist ein großer und mächtiger Zauberer. Er ist zu nett, Dobby besuchen zu kommen. Und er hat seinen Wheezy gebracht, aber es ist nicht sein üblicher Wheezy."

„Dobby", sagte Harry, während er die Arme des Elfens von seinen Beinen entfernte. „Das ist Ginny, eine Freundin von mir. Ginny, das ist Dobby."

Ginny kicherte hinter Harry über die Szene vor ihr. Sie trat neben Harry und hielt Dobby ihre Hand zum Händeschütteln hin: „Es ist nett, dich kennenzulernen, Dobby."

Dobby schaute die Hand vor ihm mit großen, mit Ehrfurcht gefüllten Augen an: „Niemals zuvor ist Dobby gefragt worden, Hände zu schütteln. Harry Potters neuer Wheezy ist eine tolle Hexe. Sie muss mit Harry Potter befreundet sein, um so freundlich zu Dobby zu sein."

„Dobby", Harry hatte Mühe, seine Heiterkeit zu verbergen. „Glaubst du nicht, es wäre höflich, ihre Hand zu schütteln?"

Bei all seinem Lobpreisen hatte der Elf die Hand, die vor ihm ausgestreckt war, völlig vernachlässigt. „Schlechter Dobby", schimpfte er mit sich selbst. „Dobby ist ein schlechter Hauself. Dobby ist es nicht wert, Harry Potter Sirs Wheezys Hand zu schütteln."

„Unsinn, Dobby", unterbrach Harry ihn. „Du bist es wert ihre Hand zu schütteln. Tatsache ist, dass es beleidigend wäre, sich zu weigern."

„Dobby tut es leid, Sir", flehte der Elf und schüttelte zögerlich mit Ginny Hände. Ginny kämpfte noch immer damit, ihr Kichern unter Kontrolle zu bekommen.

„Es ist wirklich schön, dich kennenzulernen", schaffte sie zu sagen. „Ich habe viel von dir gehört."

Harry hatte nicht geglaubt, dass es möglich war, aber die Augen des Elfen wurden ob dieser Aussage noch größer. „Du hast von Dobby gehört?"

„Mhmm. Ich habe Harry, Ron und Hermine einige Male über dich reden hören", erklärte sie.

„Harry Potter und seine Freunde sind wirklich die besten Zauberer der Welt", preiste Dobby.

„Genug davon", sagte Harry. „Dobby, wir haben das Abendessen verpasst und haben uns gefragt, ob du uns möglicherweise etwas zusammenstellen könntest?"

Und die Hauselfen waren nur zu glücklich, etwas zur Verfügung zu stellen. Dobby hastete schnell weg und nur wenige Minuten später wurde ihnen ein großartiges Festessen vorgesetzt, das für die gesamte Weasleyfamilie ausgereicht hätte. Sie begannen langsam zu essen und lachten die ganze Zeit über. Sie verbrachten über zwei Stunden in der Küche, bevor sie zurück zu Harrys Büro gingen. Sie verbrachten die restliche Zeit lesend und Hausaufgaben machend.

Als der Zaubertrank endlich fertig war, füllte Harry ihn in Flaschen und präsentierte ihn Ginny mit der Anweisung, ihn in dieser Nacht vor dem Schlafengehen zu trinken. Er warnte sie, dass sie schon im Bett liegen sollte, wenn sie ihn trank, um die Möglichkeit zu vermeiden, dass der durch den Zaubertrank hervorgerufene Schlaf sie übermannte, bevor sie es schaffen würde, unter die Bettdecke zu schlüpfen.

Als die beiden zum Gemeinschaftsraum zurückkehrten, schafften sie es, die Fragen, wo sie gewesen waren und warum sie das Abendessen verpasst hatten zu umgehen. Insbesondere Ron schien über ihre Abwesenheit verärgert zu sein, sprach aber nicht darüber. Harry beschloss, dass es besser wäre, die Dinge sein zu lassen wie sie waren und nicht mehr Aufmerksamkeit darauf zu ziehen als notwendig.

Am nächsten Tag schien Ginny voller Leben und Energie zu sein und Harry fragte sich, was es war, das sie gesehen hatte. Aber er bekam es nicht hin, sie alleine zu erwischen, um sie zu fragen. Während der Mahlzeiten waren immer zu viele Menschen um sie herum. Er sah sie einige Male kurz in den Korridoren, aber sie war immer von Menschen umgeben.

Es war erst weit nach dem Abendessen im Gryffindorgemeinschaftsraum, dass es in einem Flüstern praktisch aus Ginny herausbrach. „Ich bin eine Löwin", flüsterte sie Harry in dem Moment zu, indem sie in der Lage war, ihn außer Hörweite ihrer Hauskameraden zu erwischen. Harry freute sich für sie. Er fand, dass ihre Gestalt zu ihr passte. Sie hatte eine gewisse katzenhafte Anmut an sich. Vielleicht könnten sie, sobald sie ihre vollständige Verwandlung geschafft hatte, zusammen im Verbotenen Wald laufen gehen. Dieser Gedanke weckte in ihm Vorfreude. So lustig es auch war, in seinen Animagusgestalten herumzurennen: Es war eine einsame Erfahrung. Wenn er in seiner Eulengestalt war, bekam er gelegentlich die Chance, mit Hedwig zu fliegen, was schön war. Aber in seiner Panthergestalt hatte er nie Gesellschaft.

OoOoOoOoOoOoOoO

Die Woche verging schnell, da es viel zu tun gab. Der Unterricht war im vollen Schwung, auch wenn Harrys Stundenplan nicht sehr ausgefüllt war. Aber er war mit seinem eigenen Training und der HA beschäftigt. Das Quidditchtraining begann ebenfalls am Ende der Woche. Im Moment würden sie drei Mal die Woche trainieren und da sich ihr erstes Spiel näherte, nahm Harry an, dass Ron das Training noch etwas verstärken würde.

Die Arbeit für den Unterricht war nichts im Vergleich zu dem, was er im Jahr zuvor zu tun gehabt hatte. Nicht nur war Harry mit dem Lesen weit voraus; er hatte tatsächlich weniger Hausaufgaben zu machen, da er immer einer der ersten war, die den Zauberspruch im Unterricht beherrschten. Er erkannte, dass ein Teil des Grundes, warum Hermine immer vorarbeiten konnte, war, dass sie niemals so viel Arbeit hatte wie der Rest der Klasse. Die Professoren neigten dazu, denjenigen, die Schwierigkeiten hatten, zusätzliche Aufgaben aufzugeben, in dem Versuch, ihnen zu helfen, die Theorie besser zu verstehen.

Das ließ Harry nur mehr Zeit, noch mehr vorzuarbeiten und etwas unabhängiges Lesen unterzubringen. Er war noch immer von Schutzzaubern fasziniert, hatte aber auch ein ordentliches Interesse an Heilzaubern. Er übte sein angelesenes Wissen an kleineren Schnitten und Prellungen, die er sich oft während seines Trainings zuzog. Es waren die einfachen Zaubersprüche in diesem Feld und er war in der Lage, sie ohne Probleme anzuwenden.

Harry hatte in dieser Woche keine Gelegenheit mit Ginny das Animagustraining abzuhalten, aber sie schafften es, sich hinzusetzen und einige einstündige Treffen jede Woche auszumachen, an die sie versuchen wollten, sich zu halten. Er traf sich am Donnerstag mit Professor Snape für eine weitere Okklumentikstunde mit ähnlichen Ergebnissen wie das letzte Mal. Snape versuchte, in seinen Kopf zu gelangen und hatte noch weniger Erfolg als in der vorigen Woche, doch er schien nicht so erschöpft wie das letzte Mal zu sein. Vielleicht hatte Harry ihn auf dem falschen Fuß erwischt. Nichtsdestotrotz sagte ihm Snape nach einigen wenig erfolgreichen Versuchen, in Harrys Kopf zu gelangen, das er weiter üben und nächste Woche zur gleichen Zeit wieder da sein sollte.

Sein HA-Unterricht während der Woche verlief größtenteils ohne Probleme. Es war sein HA-Unterricht am Wochenende, das etwas unerwartetes, jedoch nicht völlig überraschendes, brachte. Sobald alle angekommen waren, vollzog er sein übliches Ritual und schaute, ob jemand anwesend war, der den Vertrag nicht unterzeichnet hatte, als zu seiner Überraschung ein rotes Licht aus einer Ecke des Raumes strahlte. Aus einer Ecke des Raumes, die für das bloße Auge leer zu sein schien.

Harry zog verstohlen seinen Zauberstab aus dem Halfter und rief: „Accio Tarnumhang." Der Zauberspruch funktionierte perfekt und enthüllte den Eindringling als niemand anderen als Professor Snape. Als Harry fragte, warum Snape sich in seinem Unterricht versteckte, lächelte der Mann höhnisch und begann eine langatmige Tirade über Potter, der in seinem Unterricht bestimmte Leute bevorzugte und dass er zuschauen wollte, ohne dass Harry davon wusste, so dass Snape sehen konnte, wie er unbeaufsichtigt mit der Klasse umging.

Zu Harrys großer Überraschung verteidigten die beiden Slytherinmitglieder Harry vor den Anschuldigungen des Professors. Sie machten nachdrücklich klar, dass Harry bisher immer fair gewesen war und sich für sie eingesetzt hatte, sogar als seine eigenen besten Freunde ihn anschrien, weil er sie in den Unterricht ließ. Das schien Snape verstummen zu lassen, auch wenn er daraufhin nicht weniger unfreundlich zu Harry war.

Davon abgesehen verlief der Unterricht großartig. Professor Snape unterbreitete sogar einige hilfreiche Vorschläge als Harry wieder Schwierigkeiten hatte, die Klasse dazu zu bringen, die Ausweichübungen ernst zu nehmen. Statt den Schülern zu erlauben, sich mit ihren besten Freunden zusammenzutun, wie sie es getan hatten, schlug er vor, dass sie gezwungen werden sollten, sich mit jemanden aus einem anderen Haus zusammenzutun, so dass es ihnen nicht so viel ausmachen würde, ihre Partner zu verhexen, als wenn diese ihre besten Freunde wären. Es machte Sinn und es funktionierte auch sehr gut. Er sah noch immer Leute, die nicht ihr bestes gaben und er sagte ihnen das auch. Aber für den größten Teil war die Leistung derjenigen, die zaubern sollten, nach dem Tausch merklich besser. Harry stellte sicher, dass er dem Professor für seinen Vorschlag dankte. Er bekam ein kurzes Nicken als Antwort, aber keine vernichtende Antwort begleitete es und so nahm Harry das als gutes Zeichen an.

Die darauf folgende Woche verflog für Harry sogar noch schneller. Er traf sich in dieser Woche zweimal mit Ginny, um an ihrer Animagusgestalt zu arbeiten - ohne viel Erfolg. Er versuchte, sie auf die gleiche Weise, wie er angefangen hatte, beginnen zu lassen: sich auf ihre Gestalt zu konzentrieren und zu wollen, dass einzelne Körperteile sich in ihr tierisches Äquivalent verwandelten. Doch bisher war sie nicht in der Lage gewesen, ihren Körper zu verwandeln. Sirius sagte, dass es ihn Monate harter Arbeit gekostet hatte, auch nur das hinzubekommen und so war Harry von ihrem fehlenden Erfolg nicht entmutigt. Er sagte ihr das auch.

Er war etwas überrascht, als er nach dem Verteidigungsunterricht an diesem Dienstag gebeten wurde, noch da zu bleiben. Professor Caldwell wollte seine Hilfe, den Patronuszauber seiner Klasse des siebten Schuljahrs beizubringen, da er gehört hatte, wie gut Harry mit dem Zauber war. Harry hatte die Anmerkung, die der Schulleiter gemacht hatte, beinahe vergessen, dass er gelegentlich im Laufe des Jahres gebeten werden würde, dem Verteidigungsprofessor zur Hand zu gehen: entweder in Unterrichtsdemonstrationen oder bei dem Benoten von Hausarbeiten. Glücklicherweise hatte der Unterricht keine Auswirkungen auf etwas, das er schon geplant hatte. Er würde in der Woche nach diesem Freitag aushelfen. Die Klasse war gleich nach seinem eigenen VgdDK-Unterricht am Freitag und er würde deshalb einfach nach dem Unterricht da bleiben, um bei den Siebtklässlern auszuhelfen.

Es war gut, dass seine Hilfe nicht an diesem Freitag verlangt war, da Harry an diesem Tag schon einen anderen Plan hatte. Der Unterricht hätte es nicht wirklich beeinträchtigt, was er geplant hatte, aber es wäre ein Ärgernis gewesen, über das er sich keine Sorgen hätte machen wollen angesichts der Tatsache, was er für diesen Tag geplant hatte.

Diesen Freitag würde Vollmond sein. Es würde der erste Vollmond sein, den er mit Remus verbringen würde, während dieser ein Werwolf war. Er hatte Ginny dieses Geheimnis anvertraut, da sie schon von seiner Animagusgestalt wusste. Sie konnte ihm immerhin helfen, ihn zu decken, wenn jemand neugierig über seine Abwesenheit sein würde. Sie hatte ihm außerdem geholfen, einen Plan zu entwerfen, wie er ohne Aufmerksamkeit zu erregen wegschleichen könnte.

Er würde im Grunde eine Krankheit vortäuschen. Dank der Erfindungen der Zwillinge würde es nicht besonders schwer sein, es hin zu bekommen. Der Trick würde sein, es nicht zu übertreiben und damit einen Trip zum Krankenflügel zu provozieren. Er würde gerade genug der Nasch- und Schwänzleckereien essen, um ihm ein leichtes Fieber und Husten zu geben. Er würde sie wissen lassen, dass er sich etwas mitgenommen fühlte und müde war und er deshalb früh zu Bett gehen würde.

Sie nahmen an, dass Hermine mit ihm argumentieren würde, um ihn davon zu überzeugen, zum Krankenflügel zu gehen, hatten aber entschieden, dass Harry es ihr höchstwahrscheinlich ausreden könnte. Wenn sie weiterhin argumentieren würde, würde er versprechen, am nächsten Tag Madame Pomfrey zu besuchen, wenn er sich noch immer schlecht fühlen würde. Als letztes Mittel beschlossen sie, dass Ginny ihm zu Hilfe kommen würde, wenn Hermine sich weigern würde, aufzugeben.

Am Freitag verlief der Plan ohne Probleme. Es benötigte etwas Überzeugungsarbeit, aber Hermine gab nach, als Harry das Versprechen gab, am nächsten Tag zum Krankenflügel zu gehen, wenn er sich noch immer nicht wohl fühlte. Also flüchtete Harry die Treppen hoch und legte einen komplexen Illusionszauber um sein Bett. Dieser ließ es so aussehen, als ob Harry in seinem Bett schlafen würde. Er errichtete auch einen sehr kleinen Abwehrschutzzauber, der jeden abschrecken würde, sich dem Bett zu nähern. Er war den Muggelabwehrzauber insofern ähnlich, dass er die Menschen an etwas denken ließ, dass sie in diesem Moment tun müssten, aber er war auf jeden gerichtet.

Harry schlich sich dann unter seinem Tarnumhang wieder aus dem Schlafsaal und machte sich vorsichtig auf den Weg aus dem Schloss hinaus zur Peitschenden Weide. Mit einem kleinen Magieimpuls konnte Harry den Knoten am Fuß des Baumes drücken, um den Baum davon abzuhalten, ihn anzugreifen. Harry kletterte in den Tunnel, der zur Heulenden Hütte führte und zog den Tarnumhang aus, da er ihn nicht länger benötigte. Er begann den langen Weg durch den dunklen Gang, bis er schließlich sein Ziel erreichte.

Er tauchte aus der Falltür auf und fand den Raum mehr oder weniger so vor, wie er sich an ihn erinnerte: zertrümmert. Aber ein Stuhl war da, der keine der Male hatte, wie sie den Rest der Möbel in dem Raum zierte. Auf diesem Stuhl saß kein anderer als Remus Lupin.

„Remus!", rief Harry aus, sprang hoch und rannte zu dem Mann um ihn zu umarmen.

Remus lächelte, als Harrys Kopf in der Falltür auftauchte und stand auf, um die Umarmung zu erwidern, die Harry begonnen hatte. „Es ist schön, dich zu sehen, Harry. Wir haben nie eine bestimmte Uhrzeit als Treffpunkt ausgemacht, ich hatte also keine Ahnung, wann du vorhattest, aufzutauchen."

„Ich hoffe, du hast nicht zu lange warten müssen.", meinte Harry sofort.

„Nein, nein, es ist okay. Ich bin überhaupt noch nicht lange hier. Ich habe nur gemeint, dass ich froh bin, dass du so früh hier bist, weil ich etwas habe dass ich mit dir bereden möchte." Der ernste Ton war von Harry nicht unbemerkt, und er nickte ernst. Remus zog seinen Zauberstab hervor und mit einer kleinen Zauberstabbewegung und einem gemurmelten Zauberspruch erschien ein zweiter Stuhl im Raum. „Bitte setz dich und mach es dir gemütlich."

Er tat wie geheißen. Der Stuhl war nicht der bequemste, auf dem er je gesessen hatte, aber er beschwerte sich nicht darüber. Es war für den Moment mehr als genug. „Über was wolltest du also mit mir reden?" Er konnte nicht erwarten, zu hören, was den normalerweise ruhigen und gesammelten Man solche Sorgen machte.

„Nun ... ", begann Remus. „Hu, ich weiß nicht wie ich anfangen soll. Es ist so Harry: bevor Sirius gestorben ist, hat er ein Testament geschrieben. Er hat im Grunde genommen alles, was ihm gehörte, in zwei geteilt, und dir eine Hälfte und mir die andere gegeben."

Harry saß vollkommen verblüfft da. Was auch immer er von dieser Konversation erwartet hatte, das war es nicht gewesen. Er konnte nur mit dem Kopf schütteln, um zu versuchen, zu begreifen, was ihm gerade gesagt worden war: „Was? Warum? Warum jetzt?"

Remus lehnte sich zu ihm und legte eine Hand auf Harrys Knie: „ Es tut mir leid, Harry. Ich weiß, das ist nicht leicht für dich. Es ist auch für mich nicht leicht. Aber das ist es, was Sirius gewollt hat."

„Aber warum jetzt? Er ist jetzt seit drei Monaten tot. Warum erfahren wir es erst jetzt?", fragte Harry und Ärger färbte seine Stimme. Er stand von seinem Stuhl auf und fing an, auf und ab zu gehen.

Der ältere Mann saß nur da und schaute zu, wie das letzte Überbleibsel seiner besten Freunde seines früheren Lebens ein Loch in den schäbigen Läufer lief. Schlussendlich sagte er: „Es gab mehrere Komplikationen, die auftauchten und den Prozess verlängerten. Es gab keinen Körper, um seinen Tod zu beweisen. Es hat eine lange Zeit gebraucht, alle davon zu überzeugen, dass er überhaupt tot ist. Tatsache ist, das Ministerium weigert sich noch immer, es zu glauben, aber wir haben es geschafft, die Kobolde zu überzeugen."

„Was? Wie kann das Ministerium nicht glauben, dass er gestorben ist? Haben sie nicht eine Möglichkeit, solche Dinge nachzuverfolgen?" Harry verstand nicht, warum ihn das so wütend machte. Es konnte ihn nicht noch weniger kümmern, was das Ministerium dachte. Selbst wenn sie zugaben, dass Sirius tot war, würden sie ohne Zweifel diesen Fakt feiern. Sie würden behaupten, dass es ein großer Sieg im Krieg gegen Du-weißt-schon-wer sei. Wie sie denken konnten, dass sie gegen Voldemort kämpfen konnten, wenn sie zu viel Angst hatten, seinen Namen zu sagen, war Harry unbegreiflich.

„Sie behaupten, dass er einen Weg gefunden hat, seinen Tod vorzutäuschen, um sie von seiner Fährte wegzulocken", erwiderte Remus ruhig.

„Lassen wir das mit dem Ministerium. Es ist mir sowieso egal, was sie denken", schimpfte Harry.

„So ist es. Nachdem wir die Kobolde schließlich davon überzeugen konnten, das Sirius wirklich tot ist, sind wir weiteren Schwierigkeiten begegnet, als wir versuchten, seinen letzten Willen und sein Testament auszuführen." Eine Spur von Bitterkeit war nun in seiner Stimme zu hören.

Harry hörte dies sofort und fragte sofort: „Was für Schwierigkeiten?"

Remus seufzte und rieb sich müde seine Augen: „Das Testament wurde von Narzissa Malfoy angefochten. Da sie die nächste Verwandte von Sirius ist, hat sie behauptet, dass sie der wahre Erbe des Blackvermögens sei."

„Das ist lächerlich!" rief Harry. „Es macht keinen Unterschied, mit wem er verwandt ist, wenn er ein Testament geschrieben hat."

„Du hast natürlich recht", beruhigte Remus den jungen Mann vor ihm. „Und das ist auch der Grund, warum die Kobolde am Ende entschieden haben, dass ihre Ansprüche ungültig waren, angesichts der Tatsache, dass Sirius in seinem Testament explizit erwähnt hat, dass weder Narzissa noch Bellatrix noch irgendjemand seiner Verwandten etwas von seinem Reichtum oder seinem Besitz bekommen sollten, mit der Ausnahme einer kleinen Summe, die er für Andromeda Tonks und ihre Familie zur Seite gelegt hat. Aufgrund dieser Angabe hatte Narzissa wenig Raum zu argumentieren und ihre Ansprüche wurden schließlich abgelehnt.

Was uns wieder zu der Tatsache bringt, dass wir beide als Begünstigte in Sirius Testament genannt werden. Die Hälfte des Goldes in seinen Verliesen wird zu dir transferiert. Er hat mir Grimmauld Platz hinterlassen, mit der Bedingung, dass ich dem Orden erlaube, es weiterhin zu benutzen. Es gibt ein paar andere Grundstücke, die ihm gehörten, aber er hat gebeten, dass wir selber entscheiden wer was bekommt. Und es gibt zahlreiche Besitztümer, die natürlich durchgegangen werden müssen. Er hat nur ein paar Spezifisch erwähnt."

Harry merkte auf: „Was hat er erwähnt?", fragte Harry ehrlich neugierig.

„Nun, das bemerkenswerteste," Remus machte eine Kunstpause. „ist die Tatsache, dass er dir sein neuüberholtes Motorrad hinterlassen hat. Er hat scheinbar mehrere Monate daran gearbeitet, sein altes fliegendes Motorrad wieder in Ordnung zu bringen."

Harry fühlte, wie ihm die Kinnlade hinunterklappte. Er kannte das fragliche Motorrad natürlich. Es war das jenes, das Hagrid gefahren hatte, als er Harry von Godric's Hollow zum Ligusterweg gebracht hatte, als Harry nur ein Jahr alt gewesen war. Harry hatte als er klein war viele Träume über ein fliegendes Motorrad gehabt, aber nie die Bedeutsamkeit verstanden, bis er an seinem elften Geburtstag in der Zaubererwelt willkommen geheißen worden war. Er hatte keine Ahnung gehabt, dass sein Pate daran gearbeitet hatte, noch wusste er, was er davon halten sollte, es zu besitzen. Es gab ihm die Möglichkeit, sich unauffällig in der Muggelwelt fortzubewegen, natürlich angenommen, dass er nicht die Flugfunktion verwendete.

Als er hochschaute, bemerkte er, dass Remus ihn aufmerksam musterte. Er nahm an, dass der Mann auf eine Reaktion von ihm wartete, aber er hatte keine Ahnung, was er sagen sollte: „Oh", war alles, was er bei seinem ersten Versuch zu Stande brachte. „Wusstest du, dass er daran arbeitete?"

„Nein", erwiderte Remus und schüttelte den Kopf. „Ich hatte keine Ahnung. Ich wusste nicht einmal, dass er das Motorrad hatte, ganz zu schweigen davon, dass er es instand setzte. Er muss Hagrid irgendwann einmal danach gefragt haben."

„Ja", antwortete Harry abgelenkt.

„Wir können die Details an einem anderen Zeitpunkt besprechen. Ich habe nur gedacht, dass du es wissen solltest", erklärte Remus dem jungen Mann vor ihm.

„Hmm? Oh, ja, natürlich. Nein, Ich bin froh, dass du mir es gesagt hast. Wo ist das Motorrad?"

„Im Moment ist es im Grimmauld Platz", sagte ihm Remus. „Wenn du möchtest, könnte ich es dir das nächste Mal, wenn wir uns treffen, mitbringen. Ansonsten kannst du es dort stehen lassen, bist du es benutzen möchtest."

Harry dachte für eine Minute darüber nach. Er hatte in Hogwarts wirklich keine Verwendung für das Motorrad. „Warum lassen wir es für den Moment nicht dort, wo es ist", sagte er, mehr als das er es als Frage formulierte. „Ich werde dir sagen, wenn ich es in der Zukunft haben möchte."

„Hört sich gut an. " Und dann drifteten sie in mehr komfortable Themen ab. Remus wollte alles über Hogwarts wissen und wie die Schule für ihn lief. Er war besonders an der HA interessiert. Als Harry seine Ausweichübungen erklärte, zog der Werwolf eine Augenbraue hoch und wollte alles darüber wissen. Remus bat Harry um eine Demonstration seiner Animagusgestalt, die Harry gerne gab. Der Mann war sehr beeindruckt. Harry überlegte, Remus zu erzählen, dass er Ginny beibrachte, ebenfalls ein Animagus zu werden,: entschied sich dann aber dagegen. Es war nicht sein Geheimnis.

Die Zeit verging und Remus warnte Harry schließlich, dass er sich verwandeln sollte, so dass er bereit sein würde, wenn Remus sich in einen Werwolf verwandeln würde. Harry kam dem nach und bevor viel Zeit vergangen war, begann Fell überall auf dem Körper seines Freundes zu wachsen. Seine Knochen und Muskeln nahmen neue Formen an. Als die Verwandlung zu Ende war, stand ein formidables Biest vor ihm.

Die beiden streunten nicht über die Ländereien, wie es Moony einst während seiner Schulzeit mit seinen Freunden getan hatte. Sie blieben in der Heulenden Hütte und leisteten sich Gesellschaft. Sie rangen zum Spaß miteinander, wobei Moony immer als Sieger hervorging. Sie kamen schließlich zur Ruhe und schliefen tatsächlich ein paar Stunden in ihrer Tiergestalt. Das war für Harry eine neue Erfahrung, aber nicht so seltsam, wie er gedacht hatte, dass es sein würde.

Als Remus sich in seine menschliche Gestalt zurückverwandelte, stupste er Harry wach. Als Harry bemerkte, dass sein ehemaliger Professor wieder seine normale Gestalt hatte, verwandelte er sich ebenfalls in seine menschliche Gestalt zurück. Remus dankte Harry von Herzen, dass dieser ihm in der Nacht Gesellschaft geleistet hatte und sagte, wie viel ruhiger der Wolf war, wenn ein anderes Tier anwesend war. Harry lächelte nur und sagte Remus, dass er sich keine Gedanken darüber machen sollte und dass er froh war, helfen zu können. Mit dem Versprechen, ihn im nächsten Monat zu treffen, ging Harry zurück durch den Tunnel, der nach Hogwarts führte.

Es war kaum Morgendämmerung und Harry war müde. Bevor er aus dem Tunnel herauskam, drückte er den Knoten an der Peitschenden Weide und verwandelte sich in seine Eulengestalt, während er noch immer vor Blicken geschützt war. Er flog aus dem Tunnel hinaus und hinauf in die Eulerei. Er begrüßte kurz Hedwig, als er diese sah, und eilte dann schnell zurück in seinen Schlafsaal. Vorsichtig, um niemanden aufzuwecken, schlich Harry zu seinem Himmelbett und war innerhalb weniger Sekunden nachdem sein Kopf das Kissen berührte eingeschlafen.

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Harry verpasste am nächsten Morgen das Frühstück. Er verpasste beinahe auch das Mittagessen. In dem Glauben, dass es ihm nicht gut ging ließ Ron Harry an diesem Morgen schlafen. Allein gelassen war Harry erst kurz vor der Mittagszeit aufgewacht. Er hatte genug Zeit, um schnell zu duschen, sich anzuziehen und seine Freunde im Gemeinschaftsraum zu treffen, bevor sie in Richtung der Großen Halle gingen. Hermine war sehr interessiert daran zu hören, wie er sich fühlte, und er verbrachte den größten Teil des Mittagessens damit, sie davon zu überzeugen, dass er sich jetzt sehr gut fühlte. Als keiner der anderen schaute, teilte er mit Ginny einen halb amüsierten und halb verzweifelten Blick,

Harry war an diesem Tag etwas müde, aber seine Freunde schienen das als Begleiterscheinung seiner Krankheit zu akzeptieren. Harry hatte nicht vor, sie zu berichtigen. Er teilte nur weiterhin jedesmal, wenn das Thema zur Sprache kam, kleine, wissende Blicke mit Ginny. Darüber nachdenkend war er wirklich froh, dass Ginny immerhin etwas von dem wusste, was vor sich ging. Es war großartig, jemanden zu haben, der Bescheid wusste. Zugegeben, es gab noch viel, von dem Ginny nichts wusste, aber er zögerte im Moment, mehr preiszugeben.

Es gab ein paar Geheimnisse, bei denen es höchstwahrscheinlich keinen Unterschied machen würde, ob sie sie kannte, seine zweite Animagusgestalt zum Beispiel. Aber er entschied, dies geheim zu halten, bis er es verraten müssen würde. Er konnte nicht wissen, wann er in einer Situation sein würde, die Gestalt unauffällig verwenden zu müssen, sogar um sich vor Ginny zu verbergen. Er hatte das Gefühl, dass er diese Kleinigkeit früher oder später mit ihr teilen würde, aber es gab keinen Grund, zu hetzen.

Er konnte sich nicht dazu bringen, über Sirius zu reden. Ein Teil von ihm wollte wirklich mit jemandem über seinen toten Paten reden, der ihn seit einigen Monaten in seinen Träumen besuchte. Aber ein anderes Gefühl war stärker als dieses und ließ ihn über dieses Thema schweigen. Niemand sonst konnte es womöglich verstehen. Sie würden wahrscheinlich glauben, dass er verrückt war. Aber er wusste es besser. Er wusste, dass es wirklich Sirius war. Und ein anderer, kleiner, selbstsüchtiger Teil von ihm wollte das Geheimnis bewahren, weil es seins war. Das war etwas für ihn, dass er mit niemand anderen teilen musste.

Dann war da die Prophezeiung. Das war eine komplizierte Angelegenheit. Er wagte es kaum, darüber nachzudenken, es jemand anderen zu erzählen. Es wäre nicht nur unglaublich schwer zu bereden, aber diese Information musste auch unter allen Umständen bewahrt werden. Und sollte jemals die Information herauskommen, dass er jemand anderen den Inhalt der Prophezeiung erzählt hatte, würde diese Person schnell zur Nummer zwei auf Voldemorts Abschussliste aufsteigen - gleich hinter Harry selbst. Wenn er jemals die Prophezeiung jemanden mitteilen würde, müsste er hundertprozentig sicher sein, dass derjenige gewillt und in der Lage sein würde, die Informationen bis zum letzten zu beschützen. Sogar der kleinste Hinweis, der darauf hinweisen könnte, dass sie die Prophezeiung kannte, war mehr als sie sich leisten konnten: sollte die Prophezeiung in die falschen Hände fallen ...

Er glaubte nicht, dass er sie jemals mit Ron oder Hermine teilen würde können. Ron war zu unvorhersehbar, um ihm die Information anvertrauen zu können. Sein Temperament war viel zu unbeständig, um ihm solch sensible Informationen mitzuteilen. Nicht nur das, Harry glaubte nicht, das er es mögen würde, wie Ron auf die Neuigkeiten reagieren würde. Das einzige Gute, das herauskommen könnte, wäre, dass Ron vielleicht endlich seine starre Eifersucht gegenüber Harry überwinden könnte. Ron hatte alles, das Harry jemals gewollt hatte und doch war Ron eifersüchtig auf Harrys Geld und Berühmtheit. Harry hasste seine Berühmtheit und ihm konnte das Geld nicht weniger egal sein. Ron hatte eine liebende Familie, mehr Geschwister, als man an einer Hand abzählen konnte, und unzählbare Erinnerungen an eine glückliche Kindheit.

Harry würde seinen Reichtum gerne nur für diese Erinnerung tauschen. Alle Erinnerungen, die er von seinem Leben vor Hogwarts hatte, waren von Qualen und Spott geprägt, alles auf seine Kosten. Egal ob er von Dudley zusammengeschlagen, von seiner Tante und seinem Onkel misshandelt, wegen seiner Freakigkeit erniedrigt, wegen seiner Andersartigkeit gehänselt, von seinen Verwandten zu Sklavenarbeiten gezwungen, ausgehungert, oder in die Einsamkeit und Dunkelheit seines Schrankes unter der Treppe eingesperrt wurde.

Ron war dem gegenüber blind. Er sah nicht, dass Harry immer im Mittelpunkt stand, gut oder schlecht. Er konnte nie etwas machen, ohne dass es jemand bemerkte. Jeder hatte immer etwas über ihn zu sagen. Und die Meinung der Menschen über ihn war allenfalls wankelmütig.

Hermine würde - wenn sie die Neuigkeiten erfahren würde - furchtbar reagieren. Sie würde ohne Zweifel in Schluchzen ausbrechen und Harry stürmisch umarmen. Eine Weile würde sie untröstlich sein. Aber dann würde ihre intellektuelle Natur aufmerken und sie würde einen Grund finden, warum sie alle anfangen müssten, in der Bücherei zu recherchieren. Sie würden sich die Eigenheiten von Prophezeiungen anschauen und Theorien über sie. Dann würde sie sie wahrscheinlich alle verschiedene Zaubersprüche heraussuchen lassen, die den „Dunklen Lord" möglicherweise den Garaus machen würde oder Hinweise suchen lassen, was diese Macht sein könnte. Und sie würde ein Nein nicht akzeptieren. Sie würde jede einzelne Facette der Prophezeiung analysieren, jedes Wort und jede Nuance. Dann würde sie Harrys Gefühle darüber diskutieren wollen. Sie würde bei jeder Gelegenheit, die sich ihr bot, seine Gedanken und Gefühle erforschen, entschlossen, alles und jedes zu entdecken. Harry hatte keinerlei Absichten, sich dieser Folter zu unterziehen.

Er konnte sich vorstellen, es Ginny irgendwann zu erzählen. Um ehrlich zu sein, war er sich nicht sicher, wie sie reagieren würde. Er kannte Ron und Hermine gut, aber Ginny war ihm noch neu, noch immer bis zu einem gewissen Grad ein Rätsel. Sie würde weder wie Ron noch wie Hermine reagieren, da war er sich sicher. Er nahm an, dass sie ihm entweder stille Unterstützung geben würde, versuchen würde, das Thema nicht so ernst zu nehmen, oder versuchen würde, einen Weg zu finden, mit ihm zu fühlen. Egal wie er es betrachtete, er stellte sich vor, dass sie die Situation erträglicher machen würde. Aber er war noch nicht bereit, das Risiko einzugehen, es ihr zu sagen. Er wollte sie nicht nur nicht in Gefahr bringen, er wollte sie auch erst besser kennenlernen. Er wollte nicht riskieren, dass er ihr die Prophezeiung sagte und sie schlecht reagierte. Und auch wenn er sich fast sicher war, dass er wusste, wie sie reagieren würde, würde er eine Menge zum Nachdenken haben, bevor er es ihr tatsächlich sagen würde.

Es überkam ihn manchmal der Gedanke, wie schnell er Ginny näher gekommen war und sich bei ihr wohl fühlte. Hin und wieder fragte er sich, wie er ohne sie überlebt hatte. Wenn Ron und Hermine ihm zu viel wurden, normalerweise wegen ihrer Zankerei, war Ginny normalerweise da, um ihn zur Seite zu nehmen. Und wenn sie nicht da war, erkannte er nun, dass Neville eine andere geeignete Fluchtmöglichkeit bot. Nicht dass Ginny und Neville nur das für ihn waren: Menschen, zu denen er ging, wenn er sich über Ron und Hermine ärgerte oder wegen ihnen frustriert war.

Nein, Neville und Ginny waren gute Freunde. Und er sah sich als glücklich an, sie zu haben. Neville war immer da gewesen, erkannte Harry, aber er war zu still und zurückhaltend gewesen. Harry war selber schüchtern genug. Stecke ihn einige Jahre zuvor mit Neville zusammen und eine Unterhaltung wäre kaum vorhanden gewesen. Und natürlich, einige Jahre zuvor, stecke Harry mit Ginny in einen Raum zusammen und die letztere wäre wie verrückt errötet, hätte irgendetwas unverständliches gemurmelt oder hätte etwas ähnlich peinliches getan und wäre dann vor seiner Anwesenheit geflohen. Wie sie sich von dem jungen Mädchen, dass sich vor seiner bloßen Anwesenheit gefürchtet hatte, in die junge Frau, mit der er nun so gut befreundet war, gewandelt hatte, hatte Harry keine Ahnung. Aber er beschwerte sich nicht.

Der Tag verging nach dem Abendessen schnell genug, vor allem angesichts der Tatsache, dass es ein viel kürzerer Tag als sonst für Harry gewesen war. Am nächsten Morgen absolvierte er wieder sein morgendliches Workout und eine neue Schulwoche lag vor ihm. Harry hatte weiterhin keinerlei Probleme mit dem Unterricht. Der einzige Unterricht, der ihm etwas abverlangte war Zaubertränke. Er verstand tatsächlich das erste Mal den Unterrichtsinhalt ziemlich gut und er hatte selten Schwierigkeiten, einen passablen Zaubertrank herzustellen. Das größte Problem an der Klasse war der Umgang mit Snape und seiner lustigen Bande von Slytherins.

In den wenigen Wochen Unterricht, die sie bisher gehabt hatten, hatte Harry es geschafft, fünf verschiedene Sabotageversuche der Slytherins in der Klasse zu vermeiden. Draco Malfoy war der „Kopf" hinter allen, da war sich Harry sicher, aber er hatte nichts dagegen, andere Slytherins zu rekrutieren, um sie die Drecksarbeit erledigen zu lassen. Nicht nur ließ ihn das alle Schuld vermeiden, sollte etwas furchtbar schief gehen oder sollten sie erwischt werden, es hielt Harry die ganze Zeit über auf Trab. Statt nur auf Malfoy achten zu müssen, musste Harry nun jeden einzelnen Slytherin im Unterricht im Auge behalten.

Darüber hinaus musste Harry sich mit Snapes pausenlosen Spitzen und Beleidigungen abfinden. Die persönlichen Beleidigungen ließen ihn inzwischen kalt. Er konnte noch so oft ein aufmerksamkeitsheischender, arrogantes Gör genannt werden, bevor die Worte für ihn jegliche Bedeutung verloren. Die Beleidigungen des Mannes über seinen Vater machten ihm noch immer ein wenig aus, aber selbst diese begannen ihre Wirkung zu verlieren.

Die, die ihn wirklich mitnahmen, waren die Kommentare über Sirius. Als Snape das erste Mal solch einen Kommentar gemacht hatte, hatte Harry beinahe die Fassung verloren. Er hatte nur mit Mühe seinen Ärger zurückhalten können, bevor er gegenüber dem Professor handgreiflich geworden wäre. Er hatte Glück, dass er in der Lage gewesen war, sich zurückzuhalten, da er sich nicht sicher war, was mit seinen neugefundenen Fähigkeiten passiert wäre. Er war sich nicht wirklich sicher, was passiert wäre. Aber er war sich ziemlich sicher, dass es damit geendet hätte, das er Snape ins Nirwana gehext und Harry gehörigen Ärger bekommen hätte. Hermine war nach dieser Stunde außer sich vor Zorn gewesen. Sie hatte sogar zugegeben, dass sie kurz davor gewesen war, selber Snape zu verhexen und sie lobte Harry für seine neugefundene Selbstkontrolle.

Hermine war auch neugierig, wie er in Zaubertränke und auch in all den anderen Fächern so gut geworden war. Er hatte zumindest zu einem gewissen Teil seinen Erfolg in den anderen Fächern durch sein Lernen im Sommer erklärt. Wenn man dann noch die Tatsache in Betracht zog, dass er heutzutage immer mit einem Buch anzutreffen war, war das nicht zu schwer zu glauben. Zaubertränke war jedoch etwas anderes, außerdem war er immer miserabel darin gewesen. Harry versuchte ihr zu erklären, dass ein Teil davon war, dass er in der Vergangenheit keine Anstrengungen unternommen hatte und er sich mit den Slytherins und Snape im Nacken sitzend nie hatte konzentrieren können. Dieses Jahr ignorierte er einfach alle. Er erinnerte sie daran, dass er ein Ohnegleichen in seinem Zaubertränke Z.A.G. hinbekommen hatte. Das Talent musste also immer vorhanden gewesen sein. Sie freute sich nicht so sehr für ihn, wie Harry es gerne gewollt hätte, aber sie akzeptierte dennoch seine Erklärung.

Seine Anfänger Hogwarts Armee Klasse - oder AHA, wie er begann, sie in seinem Kopf zu nennen - machte gute Fortschritte. Einen organisierten Unterrichtsplan zu haben war definitiv hilfreich dabei, alles im Griff zu behalten. Im vorigen Jahr hatte die DA sich in unregelmäßigen Abständen getroffen, um keinen Argwohn zu erregen. Und sie hatten sich auch nicht zweimal die Woche getroffen. Das einzige, was die Klasse verlangsamte, war die reine Größe von ihr. Es waren viel mehr Schüler, die er unterrichten musste als in der DA oder auch in seiner Fortgeschrittenen HA Klasse, FHA. Nichtsdestotrotz wusste er, dass er diese Klasse bis zum Ende des Semesters - wenn nicht sogar schon früher - so weit haben würde, dass sie dort weitermachen könnten, wo die FHA dieses Jahr begonnen hatte. Darüber war er sehr froh.

Diese Woche hatte er seine FHA-Klasse in der ersten Hälfte des Unterrichts die Ausweichübungen machen lassen. In der zweiten Hälfte hatte er ihnen einen neuen Schutzzauber gezeigt. Protego war der einfachste Schutzzauber, den es gab. Es gab noch stärkere Versionen dieses Zaubers, um mächtigeren Zaubern standzuhalten, aber es gab auch völlig andere Arten von Schutzzaubern. Contego beispielsweise erlaubte dem Zauberer, eine andere Person zu schützen.

Protego war nur für den eigenen Schutz. Er legte einen Schild vor den Zauberer und hielt einen einzigen Zauber auf. Contego funktionierte ähnlich wie Protego, außer dass das Schild an einen anderen Ort gelenkt werden konnte. Aber wie Protego würde er nur einen einzelnen Zauber aufhalten und würde gegen die stärkeren Flüche und Zauber nicht standhalten. Es gab auch von jedem Schutzzauber stärkere Versionen, die gegen stärkere Angriffe standhalten würden. Aber es würde einige Zeit vergehen, bis die Klasse für diese bereit sein würde. Harry selber arbeitete noch daran, diese Zauber zu perfektionieren.

Harrys Okklumentikstunde an diesem Dienstag lief sogar noch besser als die vorigen zwei. Snape griff sofort an, als Harry den Raum betrat, aber Harry war auf die Attacke vorbereitet. Zum ersten Mal war Harry in der Lage, Snape sogar davon abzuhalten, überhaupt seine äußeren Barrieren zu durchbrechen. Snape griff Harrys Gedanken immer weiter an, aber er war nie in der Lage, die Mauer, die Harry errichtet hatte, zu durchdringen.

In der vorigen Stunde war Snape irgendwann in der Lage, sich mit roher Gewalt den Weg in Harrys Gedanken zu bahnen. Harry konnte den Mann immer hinauswerfen bevor dieser etwas von Bedeutung sehen konnte, aber darum ging es nicht. Dieses Mal konnte der Mann nicht einmal soviel erreichen. Nach fünfzehn Minuten pausenloser Attacke waren beide müde. Snape entließ Harry, aber bestätigte kein Treffen für die nächste Woche. Harry wollte fragen, überlegte es sich dann aber noch einmal. Jede Konversation mit dem Mann konnte in einem Duell enden, so gereizt wie sie im Moment waren.

Harry war anschließend müde, aber guter Stimmung. Er konnte es kaum glauben, wie sehr er seine Okklumentikfähigkeiten in so kurzer Zeit verbessert hatte. Wenn die Dinge letztes Jahr nur anders gewesen wären ... Er weigerte sich, jetzt darüber nachzudenken. Was geschehen ist, ist geschehen und konnte nicht geändert werden. Also konzentrierte er sich auf das Hier und Jetzt, und der Erfolg machte ihm Mut.

Trotz seiner Erfolge mit Okklumentik hatte er noch immer Narbenschmerzen und das gelegentliche Aufblitzen von Voldemorts Gefühlen. Diese Tatsache machte ihm Sorgen, da seine Okklumentik seine Verbindung mit Voldemort blockieren sollte, aber es schien keinerlei Auswirkungen auf ihre Verbindung zu haben. Er hatte keine Vision mehr gehabt, seitdem er die von dem Angriff auf seine Freunde in der Winkelgasse gehabt hatte, aber er wusste nicht, ob das wegen der Okklumentik war oder nicht. Er konnte nichts tun außer zu warten und zu sehen, was passieren würde.

Er war aber besorgt. Es war vor einiger Zeit gewesen, dass er in seiner ersten Vision im Sommer gesehen hatte, wie Voldemort eine Feier angekündigt hatte, um der Welt seine Rückkehr zu verkünden. Von dem einzigen Angriff, von dem Harry wusste, war der auf seine Freunde gewesen und er war sich sicher, dass das nichts mit der Feier zu tun hatte, die Voldemort plante. Was auch immer es war: Wenn Voldemort so lange brauchte, um sie zu planen und vorzubereiten, dann musste es etwas großes sein. Aber es gab nichts, was sie tun konnten, als ihr Bestes zu tun, um sich auf den kommenden Krieg vorzubereiten und darauf zu warten, dass er begann.

Sein eigenes Training machte gute Fortschritte. Die Trainings-Dummies, die der Raum der Wünsche zur Verfügung stellte, waren ein Geschenk des Himmels. Er trainierte noch immer nachts mit Sirius, aber sie konzentrierten sich größtenteils darauf, die neuen Zaubersprüche, die Harry lernte, zu perfektionieren. Sirius war zu diesem Zeitpunkt einfach nicht mehr in der Lage, in einem Duell mit Harry mitzuhalten. Aber die Trainings-Dummies waren mehr als nur in der Lage, mit ihm mitzuhalten. Sie konnten kein lebensechtes Zusammentreffen mit Todessern simulieren, aber durch sie konnte er weiterhin seine Duellierfähigkeiten verbessern.

Seine Fähigkeiten, Zaubersprüchen auszuweichen, verbesserten sich jeden Tag ein wenig. Er näherte sich dem Punkt, an dem er nicht einmal mehr die ganze Zeit einen Schutzzauber mit einer Hand aufrecht erhalten musste, während er mit der anderen Hand Zaubersprüche zaubern konnte. Einen Zauberspruch über einen längeren Zeitraum aufrecht zu erhalten war unglaublich ermüdend, wie er das erste Mal, als er es versuchte, herausfand. Das erste Mal, als er es versuchte, während er zur gleichen Zeit Angriffszaubersprüche verwendete, konnte er ein dauerhaftes Schild nur für eine Minute aufrecht erhalten. Und er war danach erschöpft gewesen. Aber nach hartem Training verbesserte er sich stetig. Und er bemerkte fast jeden Tag, wie er sich ein wenig verbesserte.

Es war wie das Trainieren eines Muskels, um stärker zu werden. Man treibt sich bis zum Limit und die Muskeln reagieren, indem sie stärker werden, um den Anstrengungen Stand zu halten. Er trieb seine Magie in seinem Training an ihr Limit und sie wurde daraufhin stärker, um den Anforderungen gerecht zu werden. Er konnte nun beinahe zwei Minuten einen Schutzzauber aufrecht erhalten, während er Angriffszauber zauberte. Das war genug Zeit für ihn, um mehrere Gegner außer Gefecht zu setzen. Aber er war noch nicht zufrieden. Er wollte sich noch weiter vorantreiben. Solange er eine Verbesserung sah, war das der ganze Ansporn, den er benötigte, um seine Anstrengungen fortzusetzen.

Es war schließlich Freitag und nach Verteidigung winkte er seinem Freunden zum Abschied, während er auf die Siebtklässler wartete. Er ging zu Professor Caldwells Schreibtisch und fragte ihn, was er sich für den Unterricht vorgestellt hatte. Der Professor würde ein wenig über die Theorie hinter dem Zauberspruch erzählen und von Harry eine Demonstration zeigen lassen. Dann würden die beiden mit der Klasse zusammenarbeiten, so dass diese Patroni heraufbeschwören könnten. Das hörte sich für Harry einfach genug an. Es war mehr oder weniger, einfach den Unterricht zu wiederholen, den er mit der HA über die Patroni gehabt hatte.

Es waren einige HA-Mitglieder in der Klasse: Katie Bell, Cho Chang, Walter Gatton, Rob Bankston und Stephen Cornfoot. Cho war die einzige, die einen gestaltlichen Patronus heraufbeschwören konnte. Katie war nahe dran gewesen, aber ihr Nebel konnte nicht vollständig eine Gestalt formen. Die anderen hatten das letzte Mal, als er sie gesehen hatte, wie sie den Zauber versuchten, alle einen dicken Nebel heraufbeschwören können. Professor Caldwell war geschockt, das zwei seiner Schüler bereits einen gestaltlichen Patronus heraufbeschwören konnten. Harry war nur milde überrascht, dass Katies Nebel die Gestalt eines Falken angenommen hatte.

Als die beiden Schüler erklärten, dass Harry sie unterrichtet hatte, ging der Blick des Professors zu Harry. Er war sich nicht sicher, aber Harry dachte, dass der Professor ziemlich beeindruckt war. Der Rest des Unterrichts verging wie im Fluge, während Harry zwischen den verschiedenen Schülern umherging und Tipps und Ratschläge gab, wie sie ihre Arbeit verbessern konnten. Der Unterricht war schnell genug vorbei und Harry blieb zurück, als der Rest der Schüler hinausging. Er war sich nicht sicher, ob noch etwas von ihm erwartet wurde oder ob er gehen konnte. Also dachte er, es sei am Besten, zu warten und zu schauen, was der Professor ihm sagen würde.

„Ich muss sagen, Sie haben Ahnung", lobte Professor Caldwell, als der letzte Schüler das Klassenzimmer verlassen hatte. „Ich war zuerst ein wenig skeptisch, als Professor Dumbledore und McGonagall nicht nur für Ihre Verteidigungsfähigkeiten sondern auch Ihre Lehrerqualitäten gebürgt haben. Ich wusste nicht, dass Sie Patroni schon in Ihrem Klub durchgenommen haben. Es ist ein sehr fortgeschrittener Zauber, sogar über das U.T.Z.-Level hinaus. Der einzige Grund, warum ich ihn unterrichte, ist die Bedrohung von Du-weißt-schon-wer."

„Ja", unterbrach Harry. „das ist der Grund, warum auch ich sichergestellt habe, dass wir ebenfalls Patroni durchnehmen. Wir haben schon letztes Jahr damit begonnen, an ihnen zu arbeiten, bevor die DA aufgelöst wurde."

„Und wann haben Sie selber den Zauber gelernt?", fragte ihn der Professor.

„Ich habe ihn in meinem dritten Jahr hier gelernt. Damals waren Dementoren hier, die das Schloss bewacht haben und sie hatten eine ziemliche Wirkung auf mich. Also habe ich Professor Lupin, den Verteidigungsprofessor des Jahres, gebeten, mir beizubringen, wie ich mich vor ihnen schützen kann. Wir haben unseren Unterricht im Januar begonnen, und ich habe meinen ersten gestaltlichen Patronus am Ende des Semesters heraufbeschworen", erklärte Harry.

„Unglaublich", rief Caldwell aus. „Es hat mich ein ganzes Jahr Training gekostet, um einen gestaltlichen Patronus heraufzubeschwören. Und zu dieser Zeit war ich mit Hogwarts fertig. Ich wage zu sagen, dass ich Sie öfters um Ihre Assistenz bitten werde, Mr. Potter. Und ich werde mein Bestes geben müssen, nicht dass Sie mir noch meinen Job stehlen."

Harry lachte mit seinem Professor: „Ich glaube nicht, dass Sie sich im Moment Sorgen machen müssen. Ich habe immerhin noch ein weiteres Jahr Schule vor mir."

„Das hat Sie nicht davon abgehalten, Assistenzprofessor zu werden, oder nicht?", stichelte er. „Aber lassen wir das. Sie dürfen gehen. Und danke für Ihre Hilfe."

"Gern geschehen, Professor." Harry verließ das Klassenzimmer und war überrascht zu sehen, dass jemand auf ihn wartete.

„Hallo Professor Potter", grüßte ihn eine Frau.

„Oh nein, nicht du auch noch", grummelte Harry.

Sein Ausruf erntete ein Kichern von der Frau. „Ich würde Hogwarts neuesten und beliebtesten Professor keine Respektlosigkeit entgegenbringen wollen, nicht wahr?"

Harry verbarg sein Gesicht mit seinen Händen und stöhnte, was mehr Gelächter von seiner Begleitung hervorrief. „Ich glaube nicht, dass ich dir jemals gratuliert habe, dass du Schulsprecherin geworden bist. Also..Glückwunsch", unternahm Harry den Versuch, das Thema zu wechseln.

„Danke Harry. Dir ebenfalls gratulation, dass du zum Assistenzprofessor ernannt worden bist", sagte sie ihm. „Und nein, ich werde dich nicht so einfach das Thema wechseln lassen."

„Danke Cho", sagte Harry unaufrichtig.

„Jederzeit, Professor Potter", erwiderte sie mit einem breiten Lächeln. „Komm, es ist beinahe Zeit fürs Abendessen. Ich werde dich hinunter begleiten."

„Also gut", gab Harry nach. Die beiden gingen die Korridore zur Großen Halle hinunter und redeten darüber, wie das Semester bisher verlief. Die Konversation war etwas gezwungen, aber lief gut genug, bis Harry fragte: „Und, wie liegen die Dinge mit Michael?"

Cho schaute ihn scharf an: „Du hast davon gehört?"

Harry erwiderte ihren Blick verblüfft: „Ja, ich habe es im Juni im Zug nach Hause gehört."

„Oh", sagte sie abgelenkt. „Ich weiß nicht. Es läuft okay, denke ich. Ich bin mir nur nicht sicher, ob er noch mein Typ ist."

Harry zuckte mit den Schultern. „Nun, es gibt noch viele Jungs. Ich bin sicher, dass du früher oder später den Richtigen finden wirst."

Sie lächelte ihn an und sagte: „Danke Harry, Das ist lieb von dir das zu sagen."

Harry lächelte nur zurück und war glücklich wieder Harry statt Professor Potter zu sein. Die beiden betraten die Große Halle und trennten sich um zu ihren jeweiligen Haustischen zu gehen.

Sein Eintreten war von Hermine und Ron anscheinend nicht unbemerkt, die wissen wollten warum er mit Cho Chang gelaufen war und worüber die beiden sich unterhalten hatten. Harry vermied so viel möglich von ihrer Befragung indem er kurz und auf den Punkt antwortete. Cho hatte nach dem Unterricht auf ihn gewartet und war mit ihm zur Großen Halle gelaufen. Sie hatten ein wenig darüber geredet wie das Jahr bisher verlaufen war, das war alles. Sie schienen nicht völlig zufrieden zu sein, ließen das Thema aber fallen als sie erkannten dass Harry ihnen nicht mehr erzählen würde.

Am nächsten Tag trafen sich Ginny und Harry gleich nach dem Mittagessen für eine weitere Animagustrainingsstunde. Harry versuchte Ginny zu erklären wie sie ihre Magie hervorrufen konnte um den Wandel zu machen, aber nichts das er sagte schien im Geringsten zu helfen. Es war schwer zu beschreiben wie man es machen musste wenn der ganze Ablauf größtenteils instinktiv war. Es war noch immer früh in dem Training, aber Ginny begann frustriert zu werden. Bisher hatte sie nichts verwandeln können. Harry erinnerte sie immer wieder daran dass sein Dad und Sirius Monate gebraucht hatten um soweit zu kommen. Sie antwortete darauf in dem sie ihn fragte wie lange er gebraucht hatte. Als Harry sich weigerte zu antworten brummte sie nur missbilligend und versuchte es noch einmal.

Sie hörten irgendwann für diesen Tag auf und Ginny hatte noch immer keine Fortschritte gemacht. Harry machte ihr klar, dass das keine große Sache war und das er weiter mit ihr arbeiten würde, egal wie lange es dauern würde. Das schien ihre Laune ein wenig zu heben, aber sie schien noch immer aufgrund ihres fehlenden Fortschritts entmutigt zu sein.

Sie trennten sich direkt vor seinem Büro. Sie ging hinunter zur Bibliothek, während Harry hoch zum Gemeinschaftsraum ging. Ron und Hermine saßen beide auf Stühlen neben dem Feuer. Hermine hatte ihren Kopf in einem Buch vergraben und Ron hatte ein Buch auf seinem Schoß, nicht das der Rotschopf dem Buch Aufmerksamkeit schenkte. Rons Augen leuchteten auf als er bemerkte, dass Harry sich näherte. Hermine war zu sehr in ihr Buch vertieft um etwas zu bemerken.

Harry ließ sich auf ein Sofa gegenüber der zwei Stühle fallen und meinte: „Was geht, Leute?"

Hermine schaute lange genug von ihrem Buch hoch um: „Oh, hi Harry", zu sagen. Bevor sie überhaupt seinen Namen ganz gesagt hatte, war ihr Gesicht wieder in dem Wälzer vergraben.

„Harry", sagte Ron in einem dringenden Flüsterton. „Wo ist die Karte der Rumtreiber?"

„Huh?", fragte Harry ihn.

„Die Karte der Rumtreiber, sie war nicht in deinem Koffer. Wo ist sie?", fragte Ron ungeduldig und beugte sich nach vorne.

„Was meinst du damit sie war nicht in meinem Koffer", fragte Harry in einem kontrollierten Tonfall.

„Ich meine damit, dass sie nicht in deinem Koffer ist. Ich habe das ganze Ding von hinten nach vorne durchsucht als ich danach gesucht habe"; erklärte Ron als sei Harry ein begriffsstutziges Kind.

„Du willst mir sagen, dass du meinen Koffer auf der Suche nach Karte der Rumtreiber auf den Kopf gestellt hast?", fragte Harry in dem gleichen bedachten Tonfall.

„Ja", sagte Ron, froh, dass Harry es endlich verstand. „ Und sie war nicht da. Ich brauche sie."

„Und für was genau brauchst du sie, dass du den Drang verspürst meinen Koffer zu durchsuchen?" Die Warnung in Harrys Stimme war deutlich zu hören, außer für Ron der sie nicht wahrnahm.

„Ich glaube, dass Ginny mit einem Jungen herumschleicht, aber ich scheine sie nicht erwischen zu können. Ich wollte einen Blick auf die Karte werden um zu sehen wo und mit wem sie ist", erklärte Ron und sah eindeutig keinen Fehler in seinem Handeln. Hermines Aufmerksamkeit war aufgrund dieser Offenbarung geweckt, aber sie behielt ihre Nase in ihrem Buch.

„Lass mich das richtig stellen. Du hast meine Dinge durchsucht, um meine Karte zu suchen, so dass du deiner Schwester nachspionieren kannst?" Hermine zuckte bei dem eisigen Ton in Harrys Stimme zusammen.

„Ja!", schrie Ron praktisch, aber noch immer flüsternd. „Und sie war nicht da. Hat sie jemand gestohlen?"

„Und was genau hat dich glauben lassen, das es für dich in Ordnung sei meinen Koffer zu durchsuchen?", fragte Harry und versuchte tapfer sein Temperament zurückzuhalten.

„Wie sonst hätte ich die Karte finden sollen?", fragte Ron als sei es das Offensichtlichste in der Welt.

„Du hast nicht daran gedacht mich zu fragen?"

„Du warst nicht da und ich habe sie sofort gebraucht, so dass ich sie auf frischer Tat ertappen könnte. Wenn ich gewartet hätte bis zu zurück bist, hätte ich die Gelegenheit verpassen können sie zu erwischen." Ron war merklich genervt, dass Harry seine Handlung nicht nachvollziehen konnte.

„Also hast du dich dazu berechtigt gefühlt meine Dinge zu durchwühlen, auf die mögliche Chance hin, dass deine Schwester irgendeinen Kerl in einem Besenschrank knutscht und du sie auf frischer Tat ertappen könntest."

„Ja", Ron kämpfte zu diesem Zeitpunkt damit seine Stimme weiterhin gedämpft zu halten. „Also, weißt du jetzt wo sie ist? Ich könnte Ginny noch immer erwischen."

„Unfassbar", rief Harry aus.

„Huh", war Rons einzige Antwort und schaute Harry an, als sei ihm ein dritter Arm gewachsen.

„Du musst die begriffsstutzigste Person sein, die ich je getroffen habe", brach es aus Harry hervor.

„Hey"; protestierte Ron, wütend und verwirrt über den Lauf der Dinge. „Was meinst du damit?"

„Wie kannst du dasitzen und zugeben, dass du meine Sachen durchwühlt hast und es tut dir nicht ein bisschen leid? Nicht zu vergessen die Tatsache, dass du es getan hast, um deiner Schwester nachzuspionieren. Und du gibst das alles zu, als sei das alles das Normalste auf der Welt, als hättest du nichts falsch gemacht." Harrys Stimme wurde lauter.

„Wovon redest du?", fragte Ron hitzig. „Es ist sowieso nicht deine Angelegenheit. Ginny ist meine Schwester und ich muss auf sie aufpassen. Nicht, das ich erwartet habe, dass du verstehst, wie es ist."

Harrys Augen weiteten sich gefährlich und seine Stimme war eisig: „Was soll das heißen?"

„Nun, du hast nicht wirklich eine Familie, nicht wahr?", meinte Ron sachlich. Hermine schnappte hörbar nach Luft und hielt sich eine Hand vor den Mund, als sie schließlich von ihrem Buch aufschaute. Harry war nun von dem Sofa aufgestanden, vollständig angespannt. Es war für sie klar, dass er damit kämpfte, seine Gefühle unter Kontrolle zu bringen, aber sie war sich nicht sicher, wer den Kampf gewinnen würde.

„Nein", erwiderte Harry schließlich. „Nein, ich habe keine Familie, Ron. Vielen Dank für die Erinnerung. Das nächste Mal, wenn ich dich erwische, wie du meinen Koffer durchsuchst, wird das Nachsitzen mit Filch bedeuten für das Eindringen in die Privatsphäre eines anderen Schülers. Und für dein eigenes Wohl: hör auf, dich in Ginnys Leben einzumischen." Harry wandte sich abrupt um und marschierte aus dem Gemeinschaftsraum. Der Raum wackelte mit jedem Schritt, den er tat.

Ron sah zu, wie Harry aus dem Raum stürmte. Als er gegangen war, lehnte Ron sich zurück und schaute Hermine an: „Was ist in ihn gefahren?" Hermine schüttelte den Kopf, schnaubte laut, hob dann ihr Buch hoch und ignorierte Ron gänzlich. Nach einer Minute stand Ron auf, ging davon und murmelte: „Verrückt, alle miteinander."