An diesem Tag wurden mehrere Boxsäcke, die Harrys bestem Freund unheimlich ähnlich sahen, verkloppt. Nach dem Verlassen des Gemeinschaftsraumes war Harry direkt in Richtung des Raumes der Wünsche gegangen.
Nachdem Harry seine Wut auf ein erträgliches Level heruntergeschraubt hatte, suchte er Ginny. Indem er die Karte der Rumtreiber benutzte, fand Harry sie in der Bücherei, wo sie an einem Tisch mit mehreren anderen Fünftklässlern saß.
Ginny sah hoch, als Harry sich dem Tisch näherte und bemerkte ihn: „Hey Harry, was führt dich hierher?"
„Ich muss mit dir über deinen Bruder sprechen", sagte Harry so ruhig wie möglich. „Privat."
Ginny schaute ihm in die Augen, als er dies sagte, und musste darin etwas gesehen haben, denn ihre Augen wurden etwas größer. Sie klappte das Buch, das sie gelesen hatte, zu, sammelte ihre Sachen zusammen und stopfte sie in ihre Tasche. „Bis später, Leute", sagte sie zu ihren Freunden, als sie aufstand und ging mit Harry aus der Bücherei hinaus. Die beiden gingen stumm zu Harrys Büro. Sobald sie darin waren, wandte sich Ginny sofort an Harry und fragte: „Was ist los?"
„Dein Bruder", begann Harry hitzig. Er hielt inne und holte tief Luft, bevor er mit etwas ruhigerer Stimme fortfuhr: „Dein Bruder hat meinen Koffer von oben bis unten durchsucht, weil er nach der Karte der Rumtreiber gesucht hat, um dich auszuspionieren und um herauszufinden, mit wem du in Besenschränken knutscht."
Ginnys Augen fielen daraufhin fast aus ihren Höhlen: „Ich habe niemanden in irgendwelchen Besenschränken geknutscht. Habe ich niemals gemacht."
„Darum geht es nicht", fing Harry an, wollte dann aber doch wissen: „Bist du nicht für den größten Teil des letzten Jahres mit Michael Corner gegangen?"
„Ja, aber wir haben niemals viel getan. Ich meine, wir haben uns natürlich geküsst, aber wir haben nie den Punkt des Knutschens und Fummelns erreicht, der einen Besenschrank verlangen würde", erklärte Ginny etwas peinlich berührt.
„Oh, äh, nun das ist ...", stammelte Harry. „Nun, wie auch immer, zurück zum Thema. Ron glaubt, dass du im Schloss mit irgendeinem Kerl herumschleichst und er war fest entschlossen, dich auf frischer Tat zu ertappen. Also hat er auf der Suche nach der Karte der Rumtreiber all meine Dinge durchsucht, um dich mit dem Kerl, von dem er glaubt, dass du mit ihm rumknutschst, zu erwischen."
„Dieser erbärmliche Vollidiot", kreischte Ginny. „Ich schwöre, er ist der größte ... ugh. Er ist so frustrierend. Nur weil er ein zu dickköpfiger Blödmann ist, um eine Freundin zu finden, glaubt er, dass er einfach herumgehen und mein Leben bestimmen kann."
„Ja, ich dachte mir, dass du so reagieren würdest", sagte Harry ihr. „Pass jetzt auf", fuhr er fort. „Als ich versucht habe, ihn anzuschreien, weil er meine Sachen durchsucht und versucht hat, dich auszuspionieren, sagte er mir, dass es mich nichts angeht und dass er als Bruder das Recht hat, auf dich aufzupassen und dass er nicht erwartet, dass ich das verstehe."
„Das hat er nicht."
„Er hat", sagte Harry tonlos. „Ich habe ihn gefragt, was er damit sagen will. Seine Antwort war: „Nun, du hast nicht wirklich eine Familie, nicht wahr?""
Ginnys Reaktion glich Hermines: Sie japste und hielt eine Hand vor ihren Mund: „Nein, sag mir bitte, das er das nicht gesagt hat." Der Ausdruck in Harrys Augen zeigte ihr deutlich, dass Ron es wirklich gesagt hatte. „Von all den unsensiblen ... was hast du gesagt?"
Harry schüttelte seinen Kopf: „Ich weiß es nicht mehr genau. Ich war zu dem Zeitpunkt so wütend, dass ich einfach nur froh bin, dass ich nicht den Gemeinschaftsraum in die Luft habe fliegen lassen. Ich glaube, ich habe ihm gedankt, dass er mich an diese Tatsache erinnert hat und habe ihm dann gesagt, dass ich ihm Nachsitzen mit Filch geben würde, wenn er jemals wieder meine Sachen durchsuchen würde. Und ich habe ihn gewarnt, dass er sich aus deinen Angelegenheiten heraushalten soll, wenn er weiß, was gut für ihn ist."
„Verdammt richtig das er das sollte", meinte Ginny nachdrücklich. „Aber wir können ihn nicht einfach so davonkommen lassen."
„Nein", erwiderte Harry. „das können wir nicht, was der Grund ist, warum ich dich hierher gebeten habe. Wir müssen unsere Rache planen."
Ginnys Lippen verzogen sich zu einem boshaften Grinsen: „Das ist es, was ich gerne höre. Aber bevor wir anfangen zu planen: was ist diese Karte der Rumtreiber, von der du geredet hast?"
Harry schaute sie einen Moment lang an, als sei sie verrückt. Dann schlug er sich gegen die Stirn und sagte: „Ich vergesse immer wieder, dass du nicht wirklich bei allen unseren Abenteuern dabei gewesen bist. So gut wie wir uns gerade verstehen, fühlt es sich an, als wären wir schon immer Freunde. Lass mich dir eine kleine Geschichte über die Rumtreiber erzählen, eine Legende in Hogwarts' Geschichte ..."
Und so begann Harry die Geschichte der schelmischen Rumtreiber. Er erzählte ihr, wie sein Vater und Sirius beschlossen hatten, Animagi zu werden, um Remus während des Vollmondes Gesellschaft zu leisten und wie sie Peter ebenfalls unterrichtet hatten. Er sprang schnell zu dem Punkt, als die Zwillinge die Karte in ihrem ersten Schuljahr in Filchs Büro gefunden hatten und wie sie ihm während seines dritten Schuljahres die Karte gegeben hatten. Er förderte die Karte dann aus seinem neuen Koffer zutage und zeigte ihr, wie sie funktionierte.
Zu sagen, dass sie beeindruckt war, wäre eine Untertreibung. „Wir könnten damit überall hingehen, solange wir nicht von beiden Seiten eingekreist werden."
„Nun, ja, und in diesem Fall gibt es immer noch meinen Tarnumhang", bot Harry als Alternative an. „Ich kann nicht fassen, dass Ron niemals etwas davon erwähnt hat."
„Ron erzählt mir nie etwas. Seit er von seinem ersten Schuljahr in Hogwarts zurückgekommen ist, will er nichts mehr mit mir zu tun haben. Ich schätze, dass ist jetzt nicht mehr der Fall. Nun sieht er sich als verantwortlich für mein Liebesleben an", erklärte Ginny bitter.
„Es tut mir leid", sagte Harry ehrlich. „Du weißt, dass Hermine und ich niemals die Absicht hatten, Ron von dir zu stehlen oder dich außen vor zu lassen. Wenn ich es gewusst hätte, hätte ich versucht, dich miteinzubeziehen ..."
„Oh Harry, ich gebe dir nicht die Schuld", unterbrach Ginny ihn hastig. „Du musst dich für nichts entschuldigen. Ich meine, ich wäre wahrscheinlich ohnmächtig geworden, wenn du zu mir gekommen wärst und mich gefragt hättest, ob ich mit euch zusammen rumhängen möchte. Ich nehme an, dass ein Teil des Grundes, warum er mich nicht um ihn herum haben wollte, war, dass ich mit meiner Verknalltheit so peinlich für ihn war. Aber sogar als wir während dem Sommer nach eurem ersten Schuljahr im Fuchsbau gewesen waren, bevor ihr gekommen seid, wollte er nichts mit mir zu tun haben. Er war zu erwachsen und cool für seine kleine Schwester."
„Nun, umso mehr Gründe, es ihm heimzuzahlen, richtig?", fragte Harry in einem Versuch, das Thema zu wechseln.
„Richtig", stimmte Ginny mit einem Lächeln zu. „Was hast du dir vorgestellt?"
Der Rest des Tages verging mit planen und aushecken. Sie waren so in das Ränke schmieden vertieft, das sie den Beginn des Abendessens verpassten, aber sie schafften es mit genügend Zeit übrig zur Großen Halle zu gelangen und genossen ihr Abendessen, wobei sie währenddessen immer wieder wissende Blicke austauschten. Sie freuten sich beide sehr darauf, die Streiche auszuführen. Ihre Blicke waren von Hermine jedoch nicht unbemerkt geblieben, die sich fragte, was mit den beiden los war. Und sie fragte sich, ob Ron vielleicht vorher nicht Recht gehabt hatte: Zumindest mit seiner Annahme, welchen Aktivitäten Ginny mit „irgendeinem Kerl" nachging.
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Am nächsten Tag erschien Professor McGonagall in seinen beiden HA-Klassen. Die AHA lernte Stupor, was die Unterrichtsstunde etwas chaotisch machte: Die Schülern fielen überall hin, manchmal auf die vorsorglich ausgelegten Kissen, manchmal nicht. McGonagall mischte sich nicht ein, noch half sie auf irgendeine Weise. Sie schaute nur unauffällig zu, als Harry den Unterricht abhielt. Der Unterricht verlief nach Harrys Standards normal.
Nach dem Mittagessen ging er sofort zurück zum Raum der Wünsche und war zehn Minuten schneller als seine Hauslehrerin. Und sie war fünf Minuten schneller als die ersten FHA-schüler. Sie verbrachten diese fünf Minuten damit, über Harrys ersten Unterricht zu reden. McGonagall betonte, wie beeindruckt sie war, wie er seinen Unterricht handhabte, vor allem mit so vielen Schülern. Harry dankte ihr bescheiden und bestand darauf, dass er wirklich nicht viel tat. Die Schüler unterrichteten sich schließlich praktisch selbst. Aber er war wirklich sehr stolz, ihr Lob geerntet zu haben. Sie gab es nicht oft, aber wenn sie es tat, meinte sie es immer so.
Sie verschwand in einer Ecke, bevor die ersten Schüler ankamen, um keine Aufmerksamkeit zu erregen. Der Unterricht begann, ohne dass die Schüler bemerkten, dass sie überhaupt im Raum war. Harry ignorierte ihre Anwesenheit und hielt den Unterricht wie üblich ab. Sie begannen damit, den Schutzzauber zu üben, mit dem sie im vorigen Unterricht aufgehört hatten. Er ließ die Schüler sich in Dreiergruppen aufteilen. Sie sollten sich innerhalb der Gruppe abwechseln. Eine würde versuchen, den Schutzzauber über einen Partner zu sprechen, während der dritte versuchte, denjenigen zu verhexen, der geschützt wurde.
Als Ron Seamus etwas zuflüsterte und die beiden mit boshaftem Lächeln auf ihren Gesichtern anboten, sich mit Blaise zusammenzutun, witterte Harry Ärger. Als er daher für jeden verkündete, zu beginnen, achtete er besonders auf dieses spezifische Trio. Ron begann, indem er ein Schild über Blaise zaubern sollte, während Seamus versuchen würde, den Slytherin zu verhexen. Ron nickte Seamus zu, ein Lächeln auf seinem Gesicht. Seamus murmelte einen Zauber und schwenkte seinen Zauberstab. Ein helles rotes Licht schoss aus seinem Zauberstab auf Blaise zu. Harry war aufgrund der Farbe der Meinung, dass es der Furnunculus war, war sich aber nicht ganz sicher.
Ron schwenkte halbherzig seinen Zauberstab und sprach die Zauberformel. Wie vorherzusehen machte er alles falsch und versuchte nicht einmal, es so aussehen zu lassen, als würde er es versuchen. Was als nächstes passierte, überraschte ihn jedoch. Statt von dem Fluch, der Eiterbeulen entstehen ließ, getroffen zu werden, zauberte Blaise sein eigenes Schild und schaffte es, den Fluch auf Ron abzulenken. Harry rannte so schnell er konnte zu der Gruppe.
Ron fluchte wie ein Seemann, als Eiterbeulen anfingen, auf seinem Gesicht aufzutauchen. Seamus sah so aus, als sei er bereit, einen weiteren Fluch auf Blaise zu werfen, welcher entschieden zufrieden damit aussah, wie die Dinge verlaufen waren. Harry vergaß beinahe, seinen Zauberstab aus seinem Halfter herauszuholen, bevor er den ersten Zauber warf. Zwei paralysierende Flüche wurden innerhalb eines Augenblicks in Richtung der beiden Gryffindors geschickt.
„Sofort aufhören", schrie Harry und rief damit ungewollt die Aufmerksamkeit der ganzen Klasse auf sich. „Zwanzig Punkte von Gryffindor für diese Zurschaustellung von Dummheit. Wenn ich nur einen weiteren Stunt wie diesen sehe, werde ich euch beide aus dieser Klasse werfen, bevor ihr wisst, was mit euch geschieht. Ist das klar?" Er bemerkte verspätet, dass sie beide noch immer erstarrt waren und so befreite er sie von dem Zauberspruch.
„Warum bestrafst du uns?", protestierte Ron hitzig. „Er ist derjenige, der mich verhext hat."
„Ich habe euch die ganze Zeit über beobachtet, Ron. Es war ein furchtbar schlecht geplantes und ausgeführtes Vorhaben, einer, den Blaise sofort durchschaut hat. Du hast nicht einmal versucht, es so aussehen zu lassen, als würdest du Contego zaubern. Er hat dir nur das gegeben, was du verdienst, dafür, dass du versucht hast, ihn zu verhexen. Nun, wenn ich euch jemals wieder dabei erwische, wie ihr versucht, einen Plan wie diesen in meinem Unterricht auszuführen, werde ich nicht zögern, euch rauszuwerfen. Ist das klar?" fragte Harry autoritär.
„Ja", murmelte Ron so leise, dass Harry sich anstrengen musste, ihn zu verstehen.
„Seamus?" fragte Harry und schaute den Schotten an.
„Habs verstanden", erwiderte dieser zerknirscht.
„Gut. Nun entschuldigt euch bei Blaise und geht zurück an die Arbeit", sagte er ihnen. Als er sich dann umsah und bemerkte, dass alle zuschauten, rief er: „Das ist keine Vorführung. Alle zurück an die Arbeit."
Der Rest der Stunde verging ohne weitere Zwischenfälle. Zumindest gab es keine weiteren Zwischenfälle wie den, den er gerade geklärt hatte. Er ließ sie die meiste Zeit über den Schildzauber üben, stellte aber sicher genug Zeit für die Ausweichübungen einzuplanen, noch immer mit der Bedingung, dass sie sich mit einem Mitglied eines anderen Hauses zusammentun mussten.
Nachdem der Unterricht beendet war, stürmte Ron wütend hinaus. Er war der erste, der aus der Tür war. Hermine, Ginny, Neville und Luna blieben alle wieder zurück, als die anderen Schüler in ihrem eigenen Tempo den Raum verließen. Harry bemerkte, dass Professor McGonagall noch immer in der Ecke des Raumes war, in die sie sich anfangs verzogen hatte. Als nur noch die fünf Schüler zurückblieben, stand sie schließlich auf und ging zu ihnen. Seine vier Freunde hatten alle ihre Rücken zu der Lehrerin gewandt und deshalb sagte Harry: „Warum geht ihr nicht alle schon vor? Ich glaube, Professor McGonagall möchte mit mir über die Unterrichtsstunde reden."
Vier Köpfe fuhren bei dieser Aussage herum und sahen die fragliche Lehrerin wenige Meter hinter ihnen stehen, ein seltenes Lächeln auf ihren Lippen: „So ist es. Ich habe mich gefragt, ob ich mit Ihnen reden kann, Mr. Potter."
Seine Freunde nickten zustimmend und verabschiedeten sich von Harry. Er sah zu, wie sie gingen und wandte sich wieder seiner Lehrerin zu, nachdem die Tür sich hinter ihnen geschlossen hatte.
„Das muss sehr schwer für dich gewesen sein, dich so gegen Mr. Weasley zu behaupten", begann sie. Sie zog ihren Zauberstab hervor und beschwor zwei eher unbequem aussehende Stühle herauf. „Bitte, setz dich."
Harry zuckte mit den Schultern und tat wie geheißen und setzte sich ihr gegenüber, während er seine Lehrerin aufmerksam musterte.
„Ich muss sagen, dass ich denke, dass du die Situation ziemlich gut gemeistert hast. Ich bin mir nicht sicher, ob die Erstarrungszauber notwendig waren, aber sie waren nichtsdestotrotz effektiv, um die Situation schnell zu entschärfen, bevor sie eskalieren konnte", sagte sie ihm ehrlich.
„Danke", erwiderte er. „Es ist so frustrierend, dass sie es noch nicht einmal versuchen. Versteh mich nicht falsch, nicht jeder ist so schlimm, aber es gibt nur ein paar Schüler, die Blaise und Daphne wirklich zu akzeptieren scheinen. Die meisten ignorieren sie vollständig, aber dann gibt es die wenigen lautstarken, die unerbittlich gegen ihre Anwesenheit sind. Ron ist einer der lautstärksten." Er fuhr sich mit einer Hand durch sein Haar und strich es aus seinem Gesicht.
„Mr. Weasley lebt in einer Welt, die nur aus schwarz und weiß besteht, Harry", erklärte sie ihm. „Er lebt in einer Welt, in der Slytherins böse sind. Diese Welt hat er natürlich selbst geschaffen, aber für ihn ist sie sehr real. Du musst daran denken, dass er in dieser Welt und all ihren Vorurteilen aufgewachsen ist. Er mag nichts gegen Muggel oder Muggelgeborene haben, wie es viele Reinblüter haben, aber das ist, weil seine Eltern ihm beigebracht haben, das Muggel genauso gut sind wie Hexen und Zauberer, nur anders. Sie haben nie betont, dass nicht alle Slytherins schlecht sind. Wahrscheinlich haben sie tatsächlich diese Einschätzung manchmal unbewusst verstärkt. Aber ich muss sagen, dass ich überrascht bin, wie schnell du Slytherins in deinem Unterricht akzeptiert hast. Ich hatte erwartet, dass du dich ein wenig wehren würdest."
Harry zuckte mit den Schultern: „Ich hatte nie mit den Slytherins im Allgemeinen ein Problem, nur mit einigen bestimmten. Wenn ich Draco Malfoy nicht vor der Zuordnungszeremonie getroffen hätte, wäre ich wahrscheinlich selber in Slytherin. Es wäre also ein wenig scheinheilig von mir, sie alle über einen Kamm zu scheren."
„Was meinst du?" fragte McGonagall und lehnte sich neugierig etwas nach vorne.
„Huh?" fragte er. „Oh, richtig. Der Sprechende Hut wollte mich nach Slytherin stecken. Ich musste es ihm ausreden. Nach zwei Treffen mit Malfoy hatte dieser es geschafft, Hagrid und Ron niederzumachen. Die Beiden waren die ersten zwei Menschen gewesen, die nett zu mir gewesen waren, du kannst dir also vorstellen, dass ich nicht besonders von seiner Einstellung beeindruckt gewesen bin. Er wollte mich sehen und mit mir reden, weil ich berühmt bin. Das konnte ich sofort sehen. Als es also zur Zuordnung kam, wollte ich soweit wie möglich von Malfoy weg sein. Außerdem hatten Ron und Hagrid mir beide schon Geschichten erzählt, dass Slytherin bekannt dafür sei, Dunkle Zauberer hervorzubringen. Aber es war Malfoy, der mich dazu bewogen hat, dagegen zu kämpfen."
Sie lächelte über diese Aussage und versuchte nicht einmal, es zu verhindern: „Ich werde daran denken müssen, ihn das nächste Mal, wenn ich ihn sehe, dafür zu danken." Harry lächelte. Nach einem Moment unterdrückte sie ein Kichern. Harry schaute sie skeptisch an. Er hatte sie noch nie lachen sehen. Es war etwas ungewohnt aber nicht unangenehm. Es würde ein wenig dauern, sich daran zu gewöhnen, ihre menschliche Seite zu sehen. „Entschuldigung", sagte sie, nachdem sie ihre Kontrolle wiedergewonnen hatte. „Ich habe mir gerade nur Severus' Reaktion vorgestellt, wenn er herausfinden sollte, wie nah dran du warst, in sein Haus zu kommen." Harry grinste breit und lachte über diesen Gedanken. Der schleimige Bastard hätte nicht gewusst, was er hätte tun sollen. Er hätte Harry hassen, ihn immer niedermachen und Punkte abziehen wollen, aber er hätte ihn auch bevorzugen wollen, da er ein Mitglied in Snapes Haus gewesen wäre und Snape die Slytherins immer bevorzugte. Schließlich sagte er: „Er hätte nicht gewusst, ob er mich hassen oder mich betütteln solle, wie er es mit dem Rest seines Hauses macht." Er schlug eine Hand vor den Mund. „Das hätte ich nicht sagen sollen."
„Unsinn", sagte sie mit einem Lächeln. „Ich habe ihm unzählige Male genau deswegen schon angeschrien, aber er weigert sich, anzuerkennen, das er es tut. Und Albus weigert sich, sich in die Angelegenheit einzumischen, also müssen wir alle einfach damit leben."
„Mhmmm", murmelte Harry unverbindlich.
„Aber zurück zum Thema", sagte sie in ihrer normalen, ernsten Stimme. „Ich muss sagen, dass ich davon beeindruckt bin, wie du heute den Unterricht gehandhabt hast. Es gab einige Lehrerkollegen, die zögerlich waren, dir die Position eines Assistenzprofessors zu geben und ich bin froh zu sehen, dass ihre Sorgen gänzlich unbegründet sind, nicht, dass ich etwas anderes von dir erwartet hatte."
„Danke", erwiderte er verlegen und seine Wangen nahmen einen leichten Rotton an.
„Das ist kein Grund, rot zu werden", rügte sie ihn sanft. „Du solltest stolz sein. Du unterrichtest nicht nur effektiv, du hast es auch geschafft, den Respekt von all deinen Mitschülern zu verdienen. Sie hören auf dich und folgen deinen Anweisungen ohne Frage oder Beschwerde. Das ist für jeden eine bemerkenswerte Leistung, aber besonders für jemanden in deinem Alter. Die Menschen geben ihren Respekt nicht leichtfertig. Es ist etwas, das man sich verdienen muss. Und deine Schüler scheinen zu glauben, dass du ihn dir verdient hast."
Harry schaute ihr dieses Mal fest in die Augen: „Danke."
„Besser", meinte sie mit einem Lächeln.
„Das ist nett", sagte er ihr. Sie zog ihre Augenbraue hoch und er fuhr daher fort: „Einfach normal reden zu können. Ich hätte nie gedacht, dass ich eine Konversation so wie diese mit dir haben oder dich lachen sehen würde. Es ist schön, eine menschlichere Seite von dir zu sehen statt der strengen Fassade, die du immer im Unterricht und bei den Schülern trägst."
Sie lachte wieder und antwortete: „Nun, ja, wie ich schon sagte, geben die Menschen ihren Respekt nicht leicht. Nach einigen Jahren des Unterrichtens habe ich gelernt, dass der beste Weg um sicherzugehen, dass die Schüler nicht aufmüpfig werden ist, dass sie wissen, dass man kein närrisches Benehmen toleriert."
„Nun, es funktioniert wunderbar", sagte Harry ihr ehrlich. „Nach dem ersten Unterricht, zu dem Ron und ich zu spät waren, wusste ich, dass du eine Lehrerin warst, deren Zorn ich nicht auf mich ziehen wollte."
„Darf ich dir eine Frage stellen, Harry?", fragte McGonagall ihn. Ihr Tonfall war wieder ernst.
„Natürlich", antwortete er ohne Regung.
„Was hättest du getan, wenn Mr. Zabini Mr. Finnigans Fluch nicht hätte abwehren können?"
Harry antwortete ohne Zögern: „Nachsitzen mit Filch, für sie beide."
„Wirklich?" fragte sie überrascht. Harry nickte nur als Antwort. „Und hast du ernsthaft vor, die beiden aus dem Unterricht auszuschließen, wenn sie wieder etwas machen sollten?"
„Wenn sie jemals so etwas noch einmal versuchen sollten, werde ich nicht zögern, sie rauszuwerfen", erwiderte er entschlossen. „Ich habe Ron mehr als oft genug gewarnt. Er hat noch nie so etwas zuvor versucht, aber er hat seinen Mund schon zu oft aufgesperrt. Es bringt mich in eine schwierige Situation, weil ich kein Exempel an ihm statuieren will, nur weil er einer meiner besten Freunde ist, aber ich möchte ihn auch aus diesem Grund nicht nachgiebiger behandeln. Aber was er heute versucht hat, ist unentschuldbar. Er hat Glück, dass ich ihn nicht auf der Stelle rausgeschmissen habe."
„Du hast schnell reagiert, wie ich bemerkt habe." kommentierte sie.
„Als ich gesehen habe, dass die drei sich zusammentaten, habe ich angenommen, dass etwas im Busch ist. Ron und Seamus haben auch wie blöd gegrinst und haben die Tatsache, dass sie etwas vorhaben, nicht wirklich sehr gut versteckt", erklärte Harry. „Ich hatte überlegt, einzugreifen, bevor sie etwas versuchen konnten, aber ich habe angenommen, dass es dann nur das nächste Mal oder das darauffolgende Mal passieren würde. Das war etwas, dass passieren musste. Und ich wollte auch Blaise nicht vor den Kopf stoßen."
„Das ist eine sehr reife Entscheidung", lobte ihn seine Lehrerin. „Du bist im vergangenen Jahr sehr viel erwachsener geworden."
„Du bist nicht die erste Person, die mir das sagt", antwortete er trocken. „Ich schätze, wenn das Leben einem immer wieder Hindernisse in den Weg stellt, hat man kaum eine andere Möglichkeit als zu lernen, mit ihnen umzugehen." Harry erinnerte sich daran, wann und warum er diese Lebenseinstellung angenommen hatte. Die Prophezeiung hatte schwer auf ihn gelastet und er hatte sich beständig über die Tatsache Sorgen gemacht, dass er einem der mächtigsten Zauberer der Welt gegenüberstehen und besiegen musste. Und er war zu diesem Zeitpunkt erst fünfzehn, jetzt sechszehn Jahre alt, und bekam kein zusätzliches Training, um ihn für die unausweichliche Konfrontation vorzubereiten. Also hatte er beschlossen, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Es schien eine Ewigkeit her zu sein, aber es waren seitdem erst einige Monate vergangen. Harry war schon weit gekommen, aber er hatte noch einen langen Weg vor sich.
„Nun, ich möchte dich nicht länger aufhalten. Arbeite weiter so gut", sagte sie, stand unvermittelt auf und ließ ihren Stuhl verschwinden. Harry stand ebenfalls auf und schnell war sein Stuhl ebenfalls nicht mehr da. Die beiden gingen zusammen zum Ausgang. Als Harry zur Türklinke griff, stoppte ihre Stimme ihn: „Oh, und Harry?"
„Hmm?"
„Viel Glück mit Mr. Weasley", sagte sie aufrichtig. „Ich nehme an, dass er für eine Weile ein wenig verstimmt sein wird, aber ich bin mir sicher, dass er sich irgendwann beruhigen wird."
„Danke, Pro... Minerva", sagte er ihr und erwiderte ihren Blick. „Ich weiß das zu schätzen."
Sie lächelte ihn ein letztes Mal an, dann drehte er sich um und öffnete die Tür. Die beiden trennten sich und Harry ging in Richtung des Gryffindorturms weg, ging dann aber zurück zum Raum der Wünsche, um vor dem Abendessen etwas trainieren zu können.
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Er ging zum Abendessen und saß mit Hermine, Neville und Ginny zusammen. Ron saß bei Dean, Seamus, Parvati und Lavender und sah aus, als würde ihn nichts belasten. Er lächelte und lachte mit den anderen, als würde er jeden Tag bei ihnen sitzen. Aber sobald Harry sich hinsetzte, verbannte er Ron aus seinen Gedanken und konzentrierte sich auf das Essen und die Gespräche um ihn herum.
Seine Freunde wollten alle wissen, über was er und McGonagall geredet hatten. Harry antwortete kurz und vage. Sie hatten über seinen Unterricht geredet. Sie hatte heute die AHA und die FHA beobachtet. Ja, er hatte die ganze Zeit über gewusst, dass sie da war. Nein, das war nicht der Grund, warum er so hart mit Ron und Seamus umgegangen war; er hätte dasselbe gemacht, auch wenn sie nicht dagewesen wäre. Sie hatte ihm nur gesagt, dass sie von seiner Art, wie er den Unterricht gestaltete, beeindruckt war. Sie hatten kurz geredet und waren dann gegangen.
Sie waren alle begierig zu wissen, warum sie ihn vor dem Abendessen nicht gesehen hatten, wenn das Treffen so kurz gewesen war, also sagte Harry ihnen, dass er Zeit für sich gebraucht hatte, um seine Gedanken zu ordnen und den Fortschritt, den sie heute in ihrem Unterricht gemacht hatten, zu überdenken. Hermine und Neville schienen ihm das abzukaufen, aber Ginny sah skeptisch aus. Sie zog eine Augenbraue hoch, als die anderen beiden nicht schauten. Er zuckte nur mit den Schultern als Antwort.
Der Rest des Abends verging schnell und sie verbrachten ihn größtenteils damit, Aufsätze für die kommende Woche zu schreiben. Harry lächelte oft, während er seine Aufsätze fertigschrieb, wissend, dass er letztes Jahr mindestens doppelt so lang zum Schreiben gebraucht hätte. Er musste nicht einmal Hermine bitten, sie für ihn zu verbessern, noch brauchte er ihre Notizen, um eine Information zu überprüfen. Seltsamerweise schien Hermine diese Tatsache nicht zu mögen. Sie bot ihm oft an, seine Aufsätze durchzulesen oder fragte ihn, ob er Hilfe brauchte. Er dankte ihr immer für das Angebot, lehnte aber höflich ab und sagte, dass er gut zurecht kam.
Zuerst hatte ihr Verhalten Harry verwirrt. Hermine hatte Ron und ihn in den letzten fünf Jahren pausenlos angetrieben, mehr zu lernen und ihre Hausaufgaben selbständig zu machen. Aber jetzt, wo er es endlich tat, schien sie den alten, faulen Harry zurück haben zu wollen. Er erkannte, dass sie sich vielleicht etwas ausgenutzt gefühlt hatte, es aber wahrscheinlich beruhigend gewesen war, zu wissen, dass sie sich auf sie verließen.
Das war nicht das einzige Verhalten, das Hermine an den Tag legte, das ihn nachdenklich machte. Sie hatte das Thema von Sirius Tod nicht aufgegeben. Immer wieder schlug sie nicht sehr subtil eine Broschüre vor seinen Augen mit dem Namen "Die Gefahren des Verleugnens" oder „Mit dem Verlust umzugehen zu lernen" auf. Das nervte Harry ohne Ende, aber er ignorierte sie immer demonstrativ, wann immer sie so etwas versuchte. Ginny schien zu bemerken, was Hermine versuchte und wie sehr es ihn frustrierte und lächelte Harry in diesen Momenten oft aufmunternd an, wofür er immer dankbar war.
Das Quidditchtraining lief ziemlich gut für Gryffindor. Die Mitglieder wurden langsam ein Team statt nur ein Haufen von Einzelspielern. Ginny und Katie hatten sich gleich von Anfang an verstanden und gespielt, als wären sie seit Jahren Teamkollegen. Stephanie brauchte ein wenig länger, um denselben Rhythmus zu finden, aber sie begann sich einzubringen. Jack und Andrew wurden besser, aber sie waren noch immer nicht mit den Weasleyzwillingen in der Treiberposition zu vergleichen. Ron war so gut wie nie zuvor. Angenommen, dass seine Nerven ihn während des anstehenden Spiels nicht im Stich ließen, würden die anderen Mannschaften es schwer haben, einen Ball an ihm vorbeizubringen. Und natürlich flog Harry so gut wie er es immer getan hatte, wenn nicht sogar noch besser.
Harry hatte sich in der Luft immer wohl gefühlt. Das erste Mal, als er mit einem Besen geflogen war, hatte es sich natürlich und instinktiv angefühlt. Es war also nicht überraschend, dass einer seiner Animagusgestalten eine Eule war. In seiner Eulengestalt durch die Luft zu fliegen fühlte sich genauso gut an. Es fühlte sich für ihn nach Zuhause an. Er gehörte dort hin. Und seit seiner Verwandlung fühlte er sich in der Luft noch wohler, egal ob in Eulengestalt oder auf dem Besen. Und seine Flugkünste spiegelten das wider.
Er war nun nach seiner Verwandlung mehr als je zuvor auf die Luftströmungen und thermischen Aufwinde abgestimmt. Jedes Mal, wenn er über das Spielfeld raste, benutzte er dies zu seinem Vorteil, indem er den Weg mit dem geringsten Widerstand fand. Es half ihm auch bei seinen Manövern. Er wusste schon vorher, welche Auswirkung eine scharfe Kehrtwende zu einem bestimmten Zeitpunkt haben würde. Es gab Stellen, wo diese Manöver unterstützt wurden und andere, in denen eine Änderung im Flugverhalten erschwert wurde. Es brauchte ein wenig Zeit, bis er dies auch auf seinem Besen konnte. Seine Instinkte waren mehr auf das Fliegen als Eule eingestellt, aber sobald er es konnte, war es ein bemerkenswerter Anblick. Seine Teamkameraden gaben ihm nach dem Training oft Komplimente über sein Fliegen, und niemand mehr als Ginny. Die ersten Male, als sie etwas sagte, war Harry etwas peinlich berührt und sprachlos. Daraufhin versuchte er während des Trainings ein wenig auf sie zu achten, so dass er ihr auch ein Kompliment machen konnte. Die ersten Male, wo er dies tat, war er zufrieden zu sehen, wie ihre Wangen sich rot färbten, aber irgendwann fühlten sie sich wohl genug, sich gegenseitig Komplimente zu machen.
Das Training war etwas angespannt, während Ron wütend auf Harry war, aber sein Ärger verflog nach ein paar Tagen. Er war am Freitag wieder wütend, dieses Mal jedoch nicht direkt auf Harry gerichtet: Der Scherz, den Ginny und Harry vorbereitet hatten, wurde verwirklicht. Sie hatten seine Roben verzaubert. Sobald er sich am Gryffindortisch in der Großen Halle hinsetzte, wurden sie grellpink mit roten Herzen darauf verteilt. In der Mitte der Herzen standen die Initialen H.G..
Ron bemerkte die Veränderung zuerst nicht; er war zu sehr mit seinem Frühstück beschäftigt. Das Gekicher war anfangs leise, als die Anderen versuchten, es mit ihren Händen zu dämpfen. Aber als die erste Person begann, laut zu lachen, war bald die gesamte Halle von Lachen erfüllt. Ron brauchte nicht lange, um zu erkennen, dass ihn jeder ansah. Als er an sich hinunterschaute und seine Roben sah, weiteten sich seine Augen panisch und eine tiefe Röte breitete sich auf seinem Gesicht aus, die sich bis zu seinen Ohren ausweitete. Unnötig zu sagen, dass Ron hinausrannte, als sei der Teufel hinter ihm her. Wenn man vom Teufel spricht: Harry dachte, er hätte Snape leicht Grinsen sehen, aber es war verschwunden, bevor er sich sicher sein konnte. Snape kennend hatte Harry es sich wahrscheinlich nur eingebildet.
Ginny und Harry tauschten an diesem Morgen viele Blicke aus und jedes Mal, wenn sich ihre Blicke trafen, brachen sie in Gelächter aus. Nach mehreren Ausbrüchen hatte Hermine sie durchschaut und fragte sie aus: „War das euer Werk?" Sie hatte wenigstens den Anstand, leise zu sprechen, um nicht belauscht zu werden.
Ihre Blicke trafen sich wieder und Harry und Ginny brachen in Gelächter aus und bestätigten damit praktisch Hermines Vermutung. Sie beruhigten sich schließlich wieder und Harry schaffte es, zu sagen: „Nun, kannst du es uns wirklich übel nehmen, etwas Rache nehmen zu wollen, nach dem, was er letztes Wochenende im Gemeinschaftsraum gesagt hat?"
Hermine schaute zwischen den beiden hin und her. „Nein, ich schätze, dass kann ich nicht. Nach dem hat er es verdient. Ich nehme an, dass das bedeutet, dass du ihr erzählt hast, was er gesagt hat?", fragte sie Harry und machte eine Kopfbewegung in Richtung von Ginny.
„Oh, er hat mir alles erzählt, was mein lieber Bruder gesagt hat", erwiderte Ginny. „Über seine Vermutungen, dass ich mit irgendeinem Kerl überall im Schloss in Besenschränken knutsche und über seine Absicht, mich auf frischer Tat zu ertappen in dem fehlgeleiteten Versuch, mich zu beschützen. Er hat mir auch erzählt, was der Arsch zu Harry über dessen Familie gesagt hat." Sie sagte den letzten Teil so leise, dass man sie fast nicht hören konnte.
Hermines Blick wurde bei diesem Kommentar weicher und sie schaute zu Harry, um sicherzugehen, dass es ihm gut ging. „Es war ziemlich lustig", sagte sie leichthin, um die Stimmung zu heben. Es war erfolgreich. Ihre beiden Freunde brachen wieder in Gelächter aus und sie beendeten ihr Frühstück, während sie angeregt miteinander redeten.
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Harry war für die Leichtigkeit des Morgens dankbar und für die Tatsache, dass Hermine nicht nach den H.G.'s in den Herzen auf Rons Roben gefragt hatte. Er hatte nach der vorherigen Nacht dringend etwas zum Lächeln und Lachen gebraucht. Donnerstagmorgen nach dem Frühstück hatte er einen kurzen Brief erhalten, der von einer Schuleule geliefert worden war. Es war eine kurze Notiz vom Schulleiter an ihn.
Lieber Harry,
bitte komme heute nach dem Abendessen in mein Büro. Ich gebe dir einen Hinweis für das Passwort: Es ist eine Muggelsüßigkeit, die oft als unvergänglich bezeichnet wird. Ich freue mich darauf, dich zu sehen.
Mit freundlichen Grüßen
Albus Dumbledore
Die Nachricht war nicht vollständig unerwartet. Er hatte tatsächlich früher ein Treffen mit dem Schulleiter erwartet. Er hatte gedacht, dass der Mann ein stärkeres Interesse an seinem Leben und seinen Unterricht zeigen würde, aber er hatte seit ihrem Treffen am ersten September nicht mehr mit dem Mann gesprochen. Es war nun schon über eine Woche Oktober.
Da er wenig Kenntnisse über Muggelsüßigkeiten hatte, musste er Hermine wegen dem Passwort fragen. Als Kind hatte er nicht das Privileg genossen, Süßigkeiten essen zu dürfen. Seine Verwandten, vor allem Dudley, hatten immer sehr viel Vergnügen daran gehabt, ihm solche Leckereien zu verweigern, während sie selber sich daran gütlich taten. An jedem Halloween führte Dudley sich unmöglich auf, prahlte mit allen Süßigkeiten, die er bekommen hatte und stopfte sich vor Harrys Augen damit voll.
Harry hatte den ganzen Tag in gespannter Erwartung verbracht. Als es endlich Zeit fürs Abendessen war, aß er schnell, ging aber nicht früher, da der Schulleiter noch immer anwesend war. Harry wartete ein paar Minuten, nachdem der Schulleiter gegangen war, bevor er selbst sein Gehen verkündete. Er ging schnell durch die Korridore und gab dem steinernen Wasserspeier das Passwort, als er ankam. Wie vorausgesehen sprang der Wasserspeier zur Seite und gab den Blick auf die vertraute Wendeltreppe frei. Harry trat auf sie und sie drehte sich nach oben, bis er vor der Tür stand. Als er seine Hand hob, um zu klopfen, hörte er den Schulleiter: „Herein Harry", sagen.
Harry öffnete die Tür und trat in das Büro. Es sah mehr oder weniger so wie bei seinem letzten Besuch aus. Die ehemaligen Schulleiter und Schulleiterinnen in ihren Porträts taten alle so, als würden sie schlafen. Der Raum war mit verschiedenen Geräten gefüllt, die alle etwas zu tun schienen, auch wenn Harry nicht sagen konnte, was.
Fawkes saß auf seiner eleganten Sitzstange und beobachtete, wie er durch den Raum ging. „Guten Abend, Schulleiter, Fawkes", grüßte Harry, als er den Raum betrat. Er blieb bei dem farbenfrohgefiederten Vogel stehen, um ihn zu streicheln bevor er zu dem Stuhl ging, zu dem der Schulleiter ihn wies.
„Guten Abend Harry" grüßte er. „Ich nehme an, du hattest keine Schwierigkeiten, das Passwort herauszufinden?" Seine Augen zwinkerten vor Freude bei dem Gedanken an die Muggelsüßigkeit.
„Tatsächlich muss ich Hermine dafür danken", korrigierte Harry. „Mir waren nie wirklich Süßigkeiten erlaubt, als ich bei den Dursleys aufwuchs. Ich kenne also nur wenige Muggelsüßigkeiten."
Dumbledores Augen verloren etwas von ihrem Funkeln, als er antwortete: „Das ist zu Schade. Ich war immer der Meinung, dass es allen erlaubt sein sollte, die Milchzähne zu ruinieren, bevor dann die bleibenden Zähne auftauchen. Solch eine Möglichkeit zu verpassen ist eine Schande."
„Ja, nun. Es gibt eine Menge mehr Dinge als nur Süßigkeiten, die einem fehlen können", murmelte Harry in seinen nicht vorhandenen Bart.
„Hast du etwas gesagt, Harry?" fragte ihn der alte Mann.
„Nein, Sir", erwiderte Harry ohne Gefühlsregung. „Ich habe mich gefragt, ob Sie irgendwelche Neuigkeiten haben, was Voldemort plant. Ich habe seit dem Sommer keine Vision mehr gehabt und in den Zeitungen stand in letzter Zeit nichts. Ich mache mir Sorgen, dass er etwas Großes plant."
„Ach, ich fürchte, du hast Recht", antwortete der Schulleiter ihm mit einem Seufzen. „Es gibt wenige Informationen, um dies zu bestätigen, aber ich fürchte, dass der Beginn des Krieges sich schnell nähert."
„Was macht der Orden, um sich vorzubereiten? Konnten Sie neue Mitglieder anwerben, nun, da das Ministerium endlich Vernunft angenommen hat?" fragte Harry eifrig.
„Es tut mir Leid, Harry. Aber ich kann mit Nicht-Ordensmitgliedern nicht Ordensangelegenheiten diskutieren."
„Wie können Sie hier sitzen und mir das sagen?" wollte Harry wissen. „Wie soll ich mich auf den Krieg vorbereiten, wenn ich nicht einmal weiß, was geschieht?"
„Gar nicht", sagte der alte Zauberer regungslos.
Das stoppte Harry mitten im Gedanken. „Was? Aber die Prophezeiung ..."
"Die Prophezeiung besagt, dass du eines Tages Voldemort gegenübertreten must" unterbrach er ernst. „Aber du bist 16 Jahre alt, Harry, ein Schüler. Du bist nicht annähernd dazu bereit, ihm gegenüberzutreten. Für den Moment ist es das Beste, wenn du deine letzten zwei Jahre hier in Hogwarts genießt, bevor du dir über deine Rolle im Krieg Sorgen machst.„"
„Wie soll ich mich zurücklehnen und nichts tun, wenn ich weiß, dass ich der einzige bin, der ihn aufhalten kann?" wollte Harry herausfordernd wissen.
„Ich werde nicht in Betracht ziehen, dich in Ordensangelegenheiten mit einzubeziehen, solange du die Schule nicht abgeschlossen hast und selbst dann zögere ich, jemanden, der so jung ist, mit einzubeziehen. Fred und George Weasley bitten darum, seit sie die Schule letztes Frühjahr verlassen haben, aber sie wurden noch nicht in den Orden aufgenommen. Ihr seid alle viel zu jung, um an die vordere Front gelassen zu werden." Seine Stimme war müde aber entschlossen.
„Ich bitte Sie nicht, mich auf Missionen zu schicken", verbesserte Harry. „Aber glauben Sie nicht, dass ich zumindest wissen sollte, was passiert? Wie soll ich Entscheidungen treffen, wenn ich nicht alle Informationen habe, die ich brauche?"
„Alle Entscheidungen bezüglich Voldemort solltest du nicht alleine treffen Harry.",intonierte Dumbledore. „Wir sind alle da, um dir zu helfen."
„Und wo wart ihr letzten Juni, als ich euch gebraucht habe?" schrie Harry. „Wenn ihr mir damals die Wahrheit gesagt hättet, hätte das ganze Schlamassel im Ministerium vermieden werden können und Sirius könnte noch am Leben sein. Und nun wiederholen Sie die gleichen Fehler."
„Harry, Ich muss dich bitten, dich zu beruhigen", erwiderte Dumbledore ohne Gefühlsregung. „Hätte dein Temperament dich nicht letztes Jahr überkommen, hättest du dich daran erinnert, dass Professor Snape hier war, um dir zu helfen. Es ist immer ein Ordensmitglied in der Schule, solltest du einen brauchen, wenn du dich nur daran erinnern würdest. Nun, ich denke, es ist an der Zeit, zum Thema zu kommen."
„Unfassbar", murmelte Harry.
„Professor Snape hat mich informiert, dass du einige Fortschritte mit Okklumentik gemacht hast. Ich würde gerne selber deine Fähigkeiten testen, wenn das in Ordnung für dich ist."
„Wie können Sie von mir erwarten, dass ich Snape vertraue?", wollte Harry wissen und ignorierte Dumbledores vorherige Äußerung.
„Professor Snape, Harry", korrigierte dieser. „Und auch wenn er es nicht immer zeigen mag, hat Professor Snape deine besten Interessen im Sinn. Nun, sollen wir beginnen?"
Eine Idee bildete sich in Harrys Kopf, als er dem Schulleiter zunickte. Es war nicht etwas, dass er zuvor wirklich geübt hatte, aber wenn er es hinbekommen würde, wäre es den Versuch wert.
„Nun gut", sagte der Schulleiter. „Auf mein Zeichen. Bereit? Legilimens."
Und Harry fühlte, wie der Schulleiter seine äußeren Barrieren testete. In seinem Kopf wühlte er durch den Koffer, der seine Erinnerungen an Snape enthielt. Er fand alle Okklumentikstunden, die er letztes Jahr gehabt hatte, wie auch alle anderen Erinnerungen, die er von Snape hatte. Er nahm die vom Okklumentikunterricht zuerst, nahm dann aber die anderen ebenfalls.
Er fühlte nach der Präsenz des Schulleiters und lokalisierte genau, wo er außerhalb der Barriere war. Einen Entschluss fassend riss Harry ein Loch in die Barriere, direkt vor dem alten Zausel und begann seine Erinnerungen von Snape durch das Loch zu drücken, beginnend mit den Okklumentikstunden, die Snape ihm letztes Jahr gegeben hatte. Sobald alle Erinnerungen durch die Barriere hindurch waren, reparierte er schnell das Loch und verstärkte die gesamte Barriere.
Was wie Stunden später erschien, aber tatsächlich nur wenige Minuten waren, fühlte Harry, wie die Präsenz des Schulleiters seinen Kopf verließ. Er konzentrierte sich auf den Mann vor ihm, der - wie er bemerkte - zusammengesunken in seinem Stuhl saß und seine Stirn rieb. „Meine besten Interessen?", fragte Harry, als er von seinem Stuhl aufstand und zur Tür ging. „Gute Nacht, Professor." Und so war er an diesem Abend aus dem Büro gegangen. Als er zurückblickte, hatte der Schulleiter sich nicht von der Stelle bewegt.
In dieser Nacht musste Harry alle Erinnerungen, die er freigesetzt hatte, zusammensuchen und sie wieder im Koffer verstauen. Das war keine angenehme Erfahrung, da es ihn dazu zwang, viele davon noch einmal zu erleben. Als er im Bett lag, fragte er sich, ob er vielleicht zu hart gegenüber dem Schulleiter gewesen war, als er ihn all diesen Erinnerungen auf einmal ausgesetzt hatte, Aber am Ende war er der Meinung, dass es notwendig gewesen war. Der alte Mann weigerte sich zu Snape als den zu sehen, der er wirklich war. Wenn es das war, was es brauchte, um ihm etwas Perspektive zu geben, dann war es ein Preis, den er bezahlen musste.
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Harry schaute den ganzen Morgen kaum zum Lehrertisch, doch wenn er es tat, bemerkte er, dass das übliche heitere Verhalten des Schulleiters gedämpft war. Das Zwinkern in seinen Augen war gedämmt, obwohl er die Show zu Professor McGonagalls Missfallen etwas zu genießen schien.
Harrys Stimmung hob sich beträchtlich nach dem Frühstück. An diesem Morgen hatte er den Großteil seiner Trainingszeit mit einem Boxsack verbracht und hatte seine Frustrationen herausgelassen. Er hatte geplant, diese Aktivität nach dem Frühstück wieder aufzunehmen, aber nun fühlte er sich gut genug, um mit seinem üblichen Training weiterzumachen.
An diesem Nachmittag bat ihn Professor Caldwell wieder nach VgdDK dazubleiben. Diesmal bat der Professor um Harrys Hilfe mit einigen der Aufsätze, die er für seine Zweitklässler verbesserte. Er hatte ein paar Aufsätze bereits verbessert und Kommentare hinzugefügt, um Harry eine Hilfslinie zu geben. Harry sagte ihm, dass er ihm gerne helfen würde und fragte, wann er sie fertig haben müsse. Der Professor brachte sie bis spätestens Dienstagmorgen wieder, was unter Harrys Standards mehr als genug Zeit war und so sagte er dem Mann, dass es kein Problem sein würde.
In dieser Nacht erzählte Harry seinem Paten von dem Scherz, den er und Ginny Ron gespielt hatten. Sirius hatte seine helle Freude an der Geschichte, auch wenn er Harry einen Amateur nannte. „Du musst noch viel besser werden als das, wenn du einen Platz bei den Rumtreibern verdienen willst.", sagte er. Harry lachte zusammen mit seinem Paten und der Kommentar ließ ihn an etwas denken. Er fasste den Entschluss, mit Ginny darüber zu reden, wenn die Zeit kommen würde.
Sie hatten am nächsten Tag wieder ein Animagustraining. Harry versuchte dieses Mal seine Taktik zu verändern. Statt sie versuchen zu lassen, ein Teil ihres Körpers in ihren Katzengegenpart zu verwandeln, ließ er sie einfache Zaubersprüche mit dem Zauberstab zaubern. Er sagte ihr, sie solle sich stark konzentrieren, wenn sie dies tat und zu fühlen, wie ihre Magie in ihr arbeitete. Er vollbrachte selber einige Zauber und versuchte das Gefühl zu beschreiben, von dem er wollte, dass sie es entdeckte. Nach einigen Versuchen begann sie zu verstehen, wovon er redete.
Sie wollte sofort wieder versuchen, ihre Hand in eine Pfote zu verwandeln, aber Harry hielt sie auf. „Eins nach dem anderen, Gin", sagte er ihr. „Im Moment weißt du, wie die Magie sich für einen Schwebezauber anfühlt, also versuche das ohne deinen Zauberstab zu wiederholen." Und so nahm ihr Training einen kleinen Umweg. Sie übte nicht länger wirklich ihre Animagusverwandlung. Er brachte ihr zauberstablose Magie bei.
Sie hatte damit ebenfalls zu kämpfen. Sie konnte an diesem Tag nichts schweben lassen, aber sie war nahe dran. Sie versuchte einen Federkiel von Harrys Schreibtisch schweben zu lassen. Der Federkiel verließ nie ganz den Schreibtisch, aber er bewegte sich etwas und am Ende ging er etwas in die Höhe, bevor er wieder hinunterfiel. Es war nicht das Resultat, das sie erhoffte, aber es waren Fortschritte. Und zum ersten Mal, seit sie mit dem Training begonnen hatten, hatten sie beide das Gefühl, dass sie endlich etwas zuwege gebracht hatten. Sie waren einen Schritt näher am Endergebnis.
Harry hatte die VgdDK-Aufsätze bis zum frühen Sonntagmorgen benotet, obwohl er sie dem Professor nicht vor Montagmorgen zurückgeben konnte. Ron war am Sonntag wieder mehr oder weniger der Alte. Er grummelte noch immer ein wenig, wenn jemand den Zwischenfall erwähnte, aber er konnte nun ebenfalls darüber lachen. Er hatte keine Idee, wer der Schuldige war. Er war halbwegs davon überzeugt, dass die Zwillinge einen Weg gefunden hatten, ihn trotz der Tatsache dass sie nicht länger auf Hogwarts waren zu erwischen. Harry und Ginny waren beide zufrieden damit, ihn glauben zu lassen, was auch immer er wollte.
Die beiden trafen sich am Dienstag vor dem Mittagessen wieder und machten dort weiter, wo sie aufgehört hatten. Dieses Mal konnte Ginny den Federkiel vollständig einen oder zwei Zentimeter über den Tisch schweben lassen. Sie war in der Lage, ihn dort mehrere Sekunden lang in der Luft zu halten, bevor er wieder hinunterfiel. Es war noch immer nicht viel, aber beide waren völlig begeistert über den Fortschritt.
An diesem Donnerstag erhielt Harry eine weitere Nachricht vom Schulleiter, beinahe identisch zu der von der Woche zuvor. Er erfuhr von Hermine dass Skittles* eine Süßigkeit war, die dich ermutigen den Regenbogen zu schmecken. Als Harry an diesem Abend das Büro betrat, lag die Spannung förmlich in der Luft und die Begrüßung war angespannt.
Der Schulleiter begann: „Ich muss mich entschuldigen, Harry. Ich vergesse oft, wie es ist, jung zu sein. Ich hätte dir nicht sagen sollen, dass du Professor Snape vertrauen kannst, wenn es keinerlei Basis für dieses Vertrauen gibt. Ich habe meine eigenen Gründe, ihm zu vertrauen, aber ich sollte nicht erwarten, dass das für dich genug ist. Ich fürchte, ich habe nicht erkannt, wie angespannt deine Beziehung zu ihm war."
„Ich habe Ihnen das jahrelang erzählt, Professor", sagte Harry so ruhig wie möglich. „Sie wollten es einfach nicht glauben."
„Ich fürchte, du hast wieder Recht", seufzte er müde. „Ich vertrete die Ansicht, dass man jedem eine Chance geben sollte und ich zögere, schlecht von jemandem zu denken, den ich respektiere - trotz der vorhandenen Anzeichen. Ich wollte glauben, dass du Professor Snapes Taten dir gegenüber übertreibst, so wie er es so oft bei dir macht. Es tut mir leid, dass ich es nicht ernst genommen habe."
Harry war ein wenig von dieser aufrichtigen Entschuldigung überrascht, erholte sich aber schnell und antwortete: „Ich verzeihe Ihnen. Und es tut mir leid, was ich letzte Woche getan habe, aber es war der einzige Weg, den ich gesehen habe, um Ihnen zeigen zu können, ..."
„Keine Entschuldigung ist notwendig, Harry", unterbrach Dumbledore. „Es war keine angenehme Erfahrung, aber eine, die ich brauchte, um zu verstehen. Ich muss sagen, dass ich überrascht war, dass du den Unterricht mit Professor Snape nach dem letzten Jahr wieder aufgenommen hast."
Harry lächelte über den indirekten Weg, den der Schulleiter wählte, um eine Frage zu stellen. „Ja, nun, ich hatte geplant, über den Sommer mehr über dieses Thema zu lernen. Ich wusste, dass Professor Snape sich nicht zurückhalten würde, wenn er meine Fortschritte testen würde und ich wurde nicht enttäuscht. Er hat meine Gedanken mit allem, was er hatte, angegriffen und hatte oft damit zu kämpfen, danach stehenbleiben zu können. Und es hat meine gesamte Konzentration erfordert, meine Barrieren aufrecht zu erhalten. Voldemort wird genauso brutal sein, sollte er jemals versuchen, in meinen Kopf einzudringen, und ich beabsichtige, vorbereitet zu sein."
Dumbledore gluckste anerkennend. „Ich muss sagen, ich bin beeindruckt von deiner Voraussicht. Ich bin sicher, dass du auch nichts gegen die Tatsache hattest; dass du Professor Snape vorgeführt hast."
„Ein vorteilhafter Nebeneffekt", stimmte Harry fröhlich zu.
„So ist es", erwiderte Dumbledore und sein Zwinkern war wieder hundertprozentig vorhanden. „Nun, da wir das besprochen haben, habe ich mich gefragt, ob ich deine Okklumentik noch einmal testen darf ...dieses Mal ohne Ablenkungen."
Harry grinste ihn an: „Nun gut."
Und so testete der Schulleiter wieder Harrys mentale Barrieren. Er ging methodisch vor. Wo Snape rohe Gewalt verwendete, um gegen seine Schilde einzuschlagen, stocherte Dumbledore herum und suchte nach Schwachstellen. Harry konzentrierte sich auf die Präsenz des Mannes und arbeitete daran, seine Barrieren vor der Position des Schulleiters zu verstärken.
Als der Schulleiter endlich angriff, war es auf keinster Weise wie der Rammbock, den Snape zu benutzen schien. Der Schulleiter stach wie mit einem Messer plötzlich in seine Barrieren und bevor Harry wusste, wie ihm geschah, riss er ein Loch, das groß genug war, um in Harrys Geist einzudringen. Harry konzentrierte sich schnell an diese Stelle und stellte sich Dumbledores Präsenz an dem Riss entgegen. Er konzentrierte sich mit aller Macht darauf, Dumbledore wieder aus seinem Kopf hinauszuwerfen. Dumbledore ging ohne sich sehr zu wehren.
Nach ein paar Minuten, in denen beide wieder zu Atem kamen und ihre Gedanken sammelten, sagte der Schulleiter: "Deine mentalen Schutzschilde sind stark, aber wie du sehen konntest, sind sie nicht undurchdringlich. Du hast allerdings schnell reagiert. Ich habe nicht gekämpft, um in deinem Kopf zu bleiben, aber selbst wenn ich es getan hätte, glaube ich nicht, dass ich lange hätte bleiben können, bevor du mich herauswerfen hättest können. Ich bin ziemlich von deinen Fortschritten beeindruckt. Normalerweise braucht man ein Jahr, um dieses Level zu erreichen."
Harry lächelte, das Lob würdigend: „Danke, Sir."
„Ich würde gerne weiter mit dir arbeiten", fuhr der Schulleiter fort. „Wenn der Tag und die Zeit für dich passen, könnten wir uns weiterhin Donnerstagabends nach dem Abendessen treffen, bis du in der Lage bist meinem Angriff standzuhalten."
„Das wäre wunderbar", erwiderte Harry ehrlich.
„Exzellent", antwortete Dumbledore warm. „Nun, du kannst jetzt gehen, um noch etwas Zeit mit deinen Freunden zu genießen. Ich wage zu sagen, dass es morgen Abend einige gespaltene Meinungen unter den Schülern geben wird."
„Oh?", fragte Harry neugierig.
Die Augen des Schulleiters blitzten förmlich: „Ja, ich werde eine Ankündigung machen. Ich nehme an, dass die Hälfte der Schule begeistert sein wird, während die andere Hälfte nicht ganz so enthusiastisch über die Aussicht sein wird."
„Verstehe", erwiderte Harry behutsam. „Ich nehme an, dass Sie mir keine Hinweise geben werden, was diese Ankündigung beinhalten wird ..." Er ließ den Satz unbeendet in der Luft hängen.
Dumbledore gluckste herzlich: „Du wirst wie deine Mitschüler warten müssen, um es herauszufinden. Du magst nun ein Assistenzprofessor sein, aber ich denke, das ist eine Sache, die du zusammen mit allen anderen hören solltest."
Harry nickte. „Also gut. Ich denke, damit kann ich leben. Einen schönen Abend wünsche ich, Schulleiter."
„Dir eine gute Nacht, mein Junge", war die warmherzige Antwort. Harry öffnete die Tür und verließ das Büro des Schulleiters.
Harry freute sich, dass ihre Beziehung nicht länger so angespannt war wie es gewesen war, als er letzte Woche im Büro war. Er war noch immer verstimmt, dass der Schulleiter ihm keine Informationen über den Kriegsverlauf und über den Orden gab, aber das war eine Auseinandersetzung für ein anderes Mal. Wenn die Zwillinge es noch nicht geschafft hatten, den Orden zu infiltrieren, dann hatte er wenig Hoffnung, es in nächster Zeit selber hinzubekommen. Es war wirklich zu schade. Die Zwillinge mochten sich kindisch geben, aber sie waren brillant. Mit ein wenig richtungsweisender Anweisung könnten sie ihr kreatives Genie nutzen, um die Kriegsanstrengungen voranzubringen. Und dieser Gedanke ließ in Harry eine seiner brillanteren Ideen entstehen.
Merkwürdigerweise bekam Harry am nächsten Tag eine Eule von den Zwillingen. Es war ein Update über ihren Laden, der scheinbar während des ersten Monats seiner Existenz ziemlich gut gelaufen war. Harry war kein Geschäftsmann, aber er kannte Zahlen so gut wie jede andere Person. Die Zwillinge hatten die meisten Geschäftsbegriffe weggelassen und hatten ihm nur die Höhe ihrer Kosten und die Höhe ihres Profits geschickt, und sie waren sehr zugunsten des Letzteren. Er fasste den Entschluss, ihnen später am Abend zurückzuschreiben, um ihnen zu ihrem Erfolg zu gratulieren und um sie in die Idee einzuweihen, die er die Nacht zuvor gehabt hatte.
Professor Caldwell lobte ihn an diesem Nachmittag nach VgdDK für seine Hilfe, die Aufsätze zu benoten. Er sagte, dass er mehrere der Aufsätze gelesen und Harrys Kommentare dazu sowie seine Noten, die er gegeben hatte, angeschaut hatte und behauptete, dass er es selber nicht hätte besser machen können. Wie vorauszusehen war, errötete Harry bei diesem Lob, nahm es aber sonst gefasst auf. Der Professor versprach, dass er Harrys Hilfe in Zukunft wieder in Anspruch nehmen würde, worauf Harry nur reumütig grinsen konnte.
Das Benoten machte ihm nicht wirklich viel aus. Es war relativ einfach: es brauchte nur Zeit, um die ganzen Aufsätze durchzugehen. Und wenn er fertig war, hatte er das Aufsatzthema satt. Er hoffte nur, dass der Professor ihn nicht zu oft um seine Hilfe bitten würde.
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Als es Zeit fürs Abendessen wurde, wurde Harry nervös. Der Schulleiter hatte für diesen Tag eine Ankündigung versprochen und wenn er dieses Versprechen einhalten wollte, würde sie während des Abendessens geschehen. Harry saß mit Hermine, Ron und Neville. Sie bemerkten alle, dass ihn etwas beschäftigte, also weihte er sie in das Geheimnis ein. Sie verbrachten den Rest der Mahlzeit damit, zu diskutieren, was es sein könnte. Keiner von ihnen erriet es.
Kurz nach dem der Hauptgang verschwunden war und die Desserts den Platz einnahmen, stand der Schulleiter von seinem Platz in der Mitte des Lehrertisches auf und klopfte mit seiner Gabel gegen sein Glas: „Wenn ich bitte eure Aufmerksamkeit haben dürfte." Sofort verstummten alle Geräusche in der Großen Halle. „Ah, dankeschön. Ich habe eine Ankündigung zu machen." Harry konnte das Funkeln in den Augen des Mannes ziemlich deutlich sehen, sogar mit dem Abstand zwischen ihnen. „Eure Professoren und ich haben dies für eine Weile besprochen und es wurde beschlossen, dass wir über die Ferien einen Weihnachtsball für alle Schüler ab dem vierten Schuljahr organisieren werden."
Aufgeregtes Getuschel brach an den vier Haustischen in der Halle aus, vor allem bei der weiblichen Bevölkerung, mit einem weniger hörbaren Grummeln von den männlichen Schülern. Nach einer Minute hob Dumbledore seine Arme und der Geräuschpegel sank: „Danke. Ich sehe, dass viele von euch ziemlich aufgeregt über diese Ankündigung sind und völlig zu Recht. Wir ermutigen alle Schüler dazu, über die Ferien im Schloss zu bleiben, um zu feiern. Der Ball wird am ersten Weihnachtsfeiertag stattfinden. Wir werden für die jüngeren Schüler zusätzliche Aktivitäten anbieten, unter anderem Schlitten fahren und Eislaufen. Jegliche Vorschläge für weitere Aktivitäten können euren jeweiligen Hauslehrern gemacht werden. Wie zuvor dürfen Schüler, die in einem niedrigeren Jahrgang als dem vierten Schuljahr sind, den Ball nur besuchen, wenn sie von einem Schüler im vierten Schuljahr oder darüber eingeladen worden sind."
Viele Augen der jüngeren Schüler leuchteten bei dem Gedanken an Aktivitäten, die für sie bereitgestellt wurden, auf, während die anderen ihren Ball hatten. Wieder wurde Getuschel in der Schülerschaft laut. Der Schulleiter fuhr nach einer Minute fort: „Ich rate allen Gentleman, nicht zu trödeln, jemanden zum Ball zu bitten, oder ihr werdet vielleicht feststellen, dass die Dame eurer Wahl bereits gefragt wurde. Nun genießt euren Nachtisch." Damit setzte er sich wieder und vergnügte sich damit, die Schüler zu beobachten.
Währenddessen grummelte Ron neben Harry: „Kannst du das glauben, Kumpel?"
„Es macht Sinn, wenn du darüber nachdenkst", kommentierte Harry nach einem Augenblick. „Der Krieg wird bald beginnen und es macht Sinn, dass Dumbledore etwas machen würde, um die Leute davon zu überzeugen, in der Sicherheit von Hogwarts zu bleiben."
„Das ist sehr scharfsinnig von dir, Harry" sagte Hermine mit einem Lächeln.
Ron dagegen grummelte weiter: „Nein, könnt ihr glauben dass wir wieder da durch müssen? Ich meine, es war schon das letzte Mal schlimm genug, ein Date für den Ball zu finden. Wieso muss er losgehen und uns wieder leiden lassen?"
„Oh, es ist nicht so schlimm", sagte Harry zur großen Überraschung seiner drei Freunde, die in Hörweite waren.
„Wenn ich mich richtig erinnere," kommentierte Hermine, nachdem sie einen Moment Zeit gehabt hatte, um sich von ihrem Schock zu erholen, „hattest du letztes Mal ein ziemliches Problem damit, ein Date zu finden, Harry."
Harry schaute hoch und erwiderte Hermines Blick unnachgiebig und mit einem Lächeln in seinem Gesicht: „Ja, und ich war zu der Zeit absolut ahnungslos. Nicht zu vergessen, dass ich ziemlich in Cho verschossen war. Ich werde nicht denselben Fehler wieder machen. Diesmal werde ich jemanden fragen, bei dem ich weiß, dass ich mit ihr Spaß haben werde, und ich werde nicht warten, um das zu tun." Als er diese Aussage beendet hatte, wusste er bereits, wen er fragen wollte.
„Wirklich?", fragte Hermine interessiert.
„Jep", erwiderte Harry einfach.
„Beweis es", motzte Ron.
„Was war das?", fragte Harry seinen Freund.
„Ich sagte, beweise es", sagte Ron grummelig. „Wenn es so einfach ist, ein Date für den Ball zu bekommen, dann beweise es. Verschaff dir ein Date." Ron sah von sich selbst beeindruckt aus, Sand in Harrys Getriebe gestreut zu haben, nicht dass Ron wusste, was ein Getriebe war.
Harry auf der anderen Seite sah vollständig unangetastet aus. „Nun gut, wenn du darauf bestehst." Er wandte seinen Kopf und entdeckte sie ein paar Plätze weiter unten, aufgeregt mit ihren Zimmergenossen redend. „Hey, Ginny", rief er.
Sie drehte sich von ihren kichernden Freundinnen weg, um zu sehen, wer sie da rief. Ihre Augen fanden Harry und sie lächelte. „Ja, Harry?" Alle ihre Freundinnen wandten nun ihre Aufmerksamkeit ebenfalls auf ihn, was ihn innehalten ließ.
„Öh ..." Er gab sich selbst einen Ruck. Es gab nichts, was ihm peinlich sein musste. „Möchtest du mit mir zum Ball gehen?"
Ihre Augen weiteten sich merklich, so wie auch die Augen aller ihrer Freundinnen und die von Harrys Freunden. Ginnys Wangen nahmen einen leichten pinken Farbton an, als sie realisierte, was er sie gerade gefragt hatte und sie lächelte strahlend, woraufhin ihre Freundinnen sofort wieder zu Kichern begannen. Nachdem sie einen Moment ihre Freundinnen rügend angestarrt hatte, wandte sie sich wieder zu Harrry. „Sehr gerne."
„Großartig", rief er ihr zu. Ginny wandte sich wieder zu ihren Freundinnen, die alle noch einmal anfingen zu kichern und sie begannen aufgeregt miteinander zu tuscheln. Harry drehte sich wieder zu seinen Freunden, die ihn alle anstarrten, ihre Münder weit offen und die Augen ungläubig. „Seht ihr", sagte Harry, „es war überhaupt nicht schwer." Dann widmete er sich seinem Nachtisch und ignorierte die Tatsache, dass sie ihn noch immer anstarrten.
Endlich, nach einer vollen Minute der Stille, brach Ron seinen Trancezustand. „Verdammt, Kumpel", rief er. „Hast du gerade meine kleine Schwester gefragt, ob sie mit dir zum Ball geht?"
Harry schaute von seinem Pudding hoch: „Ja, ich glaube, das habe ich getan. Gibt es ein Problem?"
„Sie ist meine Schwester", blaffte Ron, als würde das alles erklären.
„Das habe ich bemerkt", erwiderte Harry trocken und wandte seine Aufmerksamkeit wieder auf seinen Pudding.
„Und was genau sind deine Absichten?", fragte Ron hitzig und zwang Harry damit, wieder zu ihm zu schauen.
„Wie bitte?" fragte Harry eisig.
„Was sind deine Absichten gegenüber meiner Schwester?", wiederholte Ron hitzig.
„Ich glaube kaum, dass das deine Angelegenheit ist", unterbrach Hermine gereizt.
„Natürlich ist das meine Angelegenheit, " erwiderte Ron abgelenkt und schaute nie von Harry weg. „Sie ist meine kleine Schwester."
„Ich weiß nicht, ob du es bemerkt hast, Ron", meldete sich Neville gegenüber von Ron zu Wort. „aber sie ist wirklich fähig, selber auf sich aufzupassen. Und außerdem: Du kannst sie kaum noch klein nennen."
Das war nicht das zuträglichste, das man sagen konnte angesichts Rons Temperaments, aber Harry kümmerte das in dem Moment überhaupt nicht. Ron war lächerlich überfürsorglich und jemand musste früher oder später etwas dagegen unternehmen. Es war Ginny gegenüber nicht fair. „Nur zu wahr, Neville", fügte er obendrein hinzu.
Wie vorauszusehen war, sah Ron rot. „Du bist es, nicht wahr?", schrie er fast und mehrere Köpfe wandten sich daraufhin zu ihnen.
„Ron, nicht so laut", ermahnte Hermine.
„Wovon redest du?", fragte Harry höflich.
„Du bist derjenige, mit dem sie herumgeschlichen ist, nicht wahr?" fragte Ron hitzig, aber etwas leiser. „Das ist der Grund, warum du mir nicht deine Karte leihen wolltest. Du knutscht meine Schwester in Besenkammern." Sein Tonfall war definitiv anklagend, als sei das ein gräuliches Vergehen.
Harry lachte. Es war wahrscheinlich falsch, das in diesem Moment zu tun, aber er konnte sich nicht helfen. Die Situation war einfach zu komisch. Er konnte sich nach einem Moment wieder beruhigen. Er schaute Ron unnachgiebig direkt in die Augen und sagte sehr langsam und deutlich: „Ich habe deine Schwester niemals geknutscht. Wir sind nur Freunde."
Ron musterte ihn eine Minute lang genau, bevor er sich sichtbar beruhigte. „Du sagst das nicht nur so, oder Kumpel?" fragte er schließlich, die Hoffnung war deutlich in seiner Stimme zu hören.
„Nein, ich sage das nicht nur", erwiderte Harry ehrlich. „Aber du musst wirklich deine Überfürsorglichkeit überwinden. Ginny ist alt genug, um ihre eigenen Entscheidungen zu treffen und sie ist ohne Zweifel fähig, auf sich selber aufzupassen. Wenn sie irgendeinen Jungen knutschen möchte, kannst du nichts tun, um sie aufzuhalten. Ich schlage dir vor, dass du lang und intensiv darüber nachdenkst, bevor du etwas Dummes tust, dass deine Beziehung zu ihr noch mehr belastet."
Ron sah nicht so aus, als würde er ihm noch große Aufmerksamkeit schenken. „Ja, Kumpel. Sorry, dass ich so aus der Haut gefahren bin."
Harry konnte nur ein wenig niedergeschlagen seinen Kopf schütteln und bedauerte, dass Ron das Wesentliche nicht begriff. „Ich schätze, es ist okay." Er schaute sich um und bemerkte, dass die Hälfte der Schüler in der Halle während ihres Streites gegangen waren. „Was haltet ihr davon, zurück zum Gemeinschaftsraum zu gehen?" Seine drei Freunde stimmten ihm zu und sie standen alle auf, um die Halle zu verlassen.
Als sie an den gigantischen Türen vorbei in die Eingangshalle gingen, rief eine Stimme: „Harry!" Sie drehten sich alle um und entdeckten den Urheber der Stimme: Cho Chang. Sie ging zu ihnen. „Hey Harry, Hey alle", grüßte sie gutgelaunt.
"Hi", war die einstimmige Antwort seiner drei Freunde.
„Hi Cho", war Harrys eigene Antwort. „Was ist los?"
„Kann ich kurz mit dir reden?", fragte sie und fügte dann: „Allein" nachträglich hinzu.
Harry schaute zu seinen Freunden und dann wieder zu Cho: „Sicher, warum nicht." Er wandte sich wieder seinen Freunden zu: „Ich sehe euch gleich im Gemeinschaftsraum, okay?"
Seine Freunde stimmten ihm alle zu und sie verabschiedeten sich, als sie die Treppe zum siebten Stockwerk hochgingen. Harry wandte seine Aufmerksamkeit wieder zu der Siebtklässlerin vor ihm: „Was kann ich für dich tun?"
„Aufregende Neuigkeiten mit dem Ball, denkst du nicht?", fragte sie im Plauderton.
„Äh, ja, es könnte lustig werden, schätze ich", erwiderte er.
„Du weißt, dass Michael und ich uns vor kurzem getrennt haben?" fragte sie ihn urplötzlich.
Harry war unsicher, wie er auf eine Aussage wie diese antworten sollte. Sie sah darüber nicht mitgenommen aus, aber er nahm an, dass er sein Mitgefühl zeigen sollte, um höflich zu sein. „Das ist schade", antwortete er und fühlte sich unbehaglich. „Aber wie ich schon sagte, ich bin sicher, dass du schnell jemanden finden wirst, der besser zu dir passt."
„Das ist süß von dir, das zu sagen", erwiderte sie und wiederholte damit ihre Erwiderung zu der gleichen Aussage. Sie klimperte ein wenig mit ihren Augenwimpern, als sie das sagte.
Harry begann sich unwohl zu fühlen: „Hör zu, Cho, es tut mir wirklich leid, aber ich muss einen Brief schreiben, der noch heute Abend weggeschickt werden muss, deswegen muss ich gehen. Aber wir reden bald wieder, okay?"
Cho sah unzufrieden aus, nickte aber trotzdem. „Okay", sagte sie niedergeschlagen. Ihre Stimme nahm einen optimistischeren Tonfall an, als sie hinzufügte: „Ich seh dich dann am Sonntag im Unterricht?"
„Natürlich", erwiderte Harry sachlich. „Tschüss Cho."
„Tschüss Harry", Und Harry verschwand so schnell er konnte. Als er endlich den Gemeinschaftsraum erreichte, fand er seine drei Freunde alle am Kamin sitzend und auf ihn wartend. Es war Hermine, die zuerst sprach.
„So, was wollte die liebreizende Miss Chang?", fragte sie und grinste wissend.
„Anscheinend haben sie und Michael Corner sich getrennt", sagte Harry, als er sich in einen Stuhl neben ihnen fallen ließ.
„Oh?", fuhr Hermine fort. „Und wünscht du dir nun, dass du nicht schon ein Date hättest?" fragte sie, als ob sie kein Wässerchen trüben könnte.
„Machst du Witze?", fragte sie Harry ungläubig. Hermine grinste wie ein Honigkuchenpferd, bis er erneut das Wort ergriff: „Ich bin so froh, dass ich nicht gezögert habe, Ginny zu fragen. Nachdem Cho mir das erzählt hatte, habe ich ihr gesagt, dass ich einen Brief schreiben muss und dass ich sie später sehen würde. Ich hoffe, dass sie bis zu unserem Wiedersehen gehört hat, dass ich mit Ginny zum Ball gehe und wird mich daraufhin in Ruhe lassen."
Jeder seiner drei Freunde starrte ihn - wieder einmal - mit offenem Mund an. „Könnt ihr das fassen?" fragte Harry sie. „Sie hat so getan, als ob sie erwarten würde, dass ich ihr zu Füßen fallen und sie anflehe, dass sie mit mir zum Ball geht, sobald ich hörte, dass sie ungebunden sei. Als ob ich diesen Fehler jemals wiederholen würde."
Ron grinste nun wie verrückt. Neville hatte ebenfalls ein kleines Lächeln auf den Lippen, wogegen Hermine nachdenklich aussah: „Du bist wirklich komplett über sie hinweg, nicht wahr?"
Harry richtete seine Aufmerksamkeit auf sie. „Natürlich bin ich das", sagte er, als sei sie verrückt, dass sie jemals etwas anderes gedacht hatte. „Wir haben nichts gemeinsam. Ich habe mich in sie verknallt, bevor ich sie überhaupt kannte. Sie war nur ein süßes Mädchen, dass Quidditch spielte. In meinem Kopf habe ich sie zu etwas gemacht, was sie nicht ist. Nein, ich könnte nicht glücklicher sein, das ich mit Ginny zum Ball gehe. Ich weiß, dass wir zusammen Spaß haben werden."
Hermine lächelte ihn gewinnend an: „Das ist gut zu hören. Ich wusste immer, dass sie nicht zu dir passt."
„Nun, du hättest diese kleine Tatsache etwas früher mit mir teilen können", grummelte Harry gutmütig. „Hätte mir eine Menge Probleme erspart."
„Aw, Kumpel, was wäre der Spaß daran gewesen?", rief Ron aus.
„Blödmann", konterte Harry und warf ein Kissen in Rons Richtung. Ron wich aus und das Kissen traf Neville.
„Ich hoffe, du weißt, dass das Krieg bedeutet", sagte Neville, als er das Kissen wieder zurück auf Harry feuerte. Harry bekam es hin, es zur Seite zu schlagen, wo es Hermine traf. Da Hermine niemand war, der Kissen herumwarf, zog sie ihren Zauberstab hervor und sandte das Kissen zu jedem der Jungs und ließ es ihnen direkt auf den Kopf klatschen, bis Neville ausrief: „Wir ergeben uns. Wir ergeben uns."
Ginny und ihre Freunde betraten in diesem Moment den Gemeinschaftsraum. Sie ließ ihre Freunde zurück und kam zu ihnen, um sich ihnen vor dem Kamin anzuschließen und grinste dabei die ganze Zeit breit. „Hey Leute."
Die Fünf verbrachten den Abend redend, lachend und Spiele spielend. Es war erst einige Stunden später, dass Harry endlich Zeit fand, den Brief an die Zwillinge zu schreiben.
Lieber Gred, lieber Forge,
herzlichen Glückwunsch zum Laden. Das sind tolle Neuigkeiten. Es freut mich, dass es euch so gut geht und dass mein Geld euch dabei geholfen hat. Ich bin immer noch der Meinung, dass ihr nicht ganz dicht seid, mir zehn Prozent eures Gewinns zu geben, aber wer bin ich, dass ich mich beschweren kann? Wie auch immer. Passt auf. Ich habe gehört, dass ihr beide auf euren Weg in den Orden auf einige Hindernisse gestoßen seid. Ich habe einen Geschäftsvorschlag für euch, den ich vollständig finanzieren werde. Er wird nicht nur euer kreatives Genie auf die Probe stellen, sondern sollte auch ein guter Grund für Dumbledore sein, euch in den Orden zu lassen.
Das ist es, was ich mir überlegt habe ...
Harry beendete seinen Brief erst kurz nach Zapfenstreich. Als Harry seinen Freunden sagte, dass er zur Eulerei gehen würde, um den Brief zu versenden, sagte Hermine, immer die Vertrauensschülerin: „Aber Harry, es ist nach Zapfenstreich. Es ist nicht erlaubt, noch in den Fluren zu sein."
Harry grinste sie wissend an: „Ah, aber du hast nicht ganz recht, Hermine."
„Was meinst du? Es ist eindeutig nach Zapfenstreich ..." fragte sie, nicht verstehend.
Harrys Lächeln wurde nur noch breiter. „Ja, es ist nach Zapfenstreich. Und Schülern ist es eindeutig nicht erlaubt, nach Zapfenstreich noch in den Fluren unterwegs zu sein." Hermine nickte, als sei ihr Standpunkt bewiesen. „Ich jedoch bin kein gewöhnlicher Schüler. Daher gilt die Regel nicht für mich. Als Assistenzprofessor ist es mir erlaubt, weit nach dem üblichen Zapfenstreich unterwegs zu sein."
Hermine ließ sich das einen Moment durch den Kopf gehen: „Du solltest deine neuen Privilegien allerdings nicht missbrauchen ..."
„Ich würde das kaum missbrauchen nennen", unterbrach Harry leichthin. „Es ist schon über ein Monat vergangen, und ich habe bisher diesen Vorteil noch nicht genutzt. Und es ist nicht so, als würde ich einen nächtlichen Spaziergang machen. Ich habe ein Ziel für diesen Ausflug."
„Also gut, schätze ich", gab sie nach. „Aber geh nicht spazieren. Ich weiß, dass es dir theoretisch erlaubt ist, aber ich bezweifele, dass das Professor Snape oder Filch davon abhalten würde, zu versuchen, dich nachsitzen zu lassen oder Punkte abzuziehen."
„Schön und gut", erwiderte er. „Aber ich könnte noch immer zu Dumbledore gehen und alles rückgängig machen, da es keinen Grund gibt, mich zu bestrafen."
„Macht es dir was aus, wenn ich dich begleite?", meldete Ginny sich zu Wort. „Ich muss Mom eulen. Ich hatte vor, einfach zu warten und es morgen früh zu machen, aber wenn du sowieso gehst ..."
„Ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist", sagte Hermine sofort.
„Unsinn", meinte Harry. „Schülern ist es erlaubt, in der Anwesenheit eines Professors den Gemeinschaftsraum zu verlassen. Klar kannst du mitkommen, Gin."
„Ich bin wirklich der Meinung, dass du es nicht ausreizen solltest", bestand Hermine.
„Entspann dich, Hermine," tat überraschenderweise Neville seine Meinung kund. „Harry ist jetzt ein hohes Tier, ein Professor. Die normalen Regeln gelten für ihn nicht."
„Genau. Nun, da das geklärt ist, werde ich gehen", verkündete Harry. „Bereit, Gin?"
„Eine Sekunde nur", erwiderte sie und wühlte in ihrer Tasche. Einen Moment später holte sie einen Briefumschlag hervor und schaute hoch: „Ok, ich bin bereit."
„Nun gut", sagte er und hielt ihr seine Hand hin, um ihr hochzuhelfen. Er bedeutete ihr dann, vorzugehen: „Nach dir."
Die beiden traten durch das Porträtloch und die Fette Dame rief ihnen nach: „Wo glaubt ihr, geht ihr beiden hin? Es ist nach Zapfenstreich."
Harry drehte sich um: „Wir sind auf dem Weg zur Eulerei und Zapfenstreich gilt für mich nicht. Falls Sie es nicht bemerkt haben sollten: Sie sprechen mit einem Assistenzprofessor."
„Das tut mir so leid, Professor Potter", erwiderte sie ungerührt. „Macht auf dem Weg keine Stopps in Besenschränken."
Die beiden Teenager kicherten. Es war Ginny, die schließlich antwortete. „Wir werden versuchen, es nicht zu tun, aber wir garantieren für nichts." Das ließ ihr Gelächter wieder aufflammen und die beiden gingen weiter.
Nachdem sie einige Minuten in der angenehmen Stille gelaufen waren, sagte Ginny: „Danke, dass du dich für mich heute beim Abendessen gegenüber Ron eingesetzt hast."
„Du hast es gehört?", fragte er und schaute über seine Schulter auf ihre kleinere Gestalt.
Sie drehte ihren Kopf zu ihm, um ihm in die Augen schauen zu können: „Es war etwas schwer, das nicht zu tun. Ich war bereit, ihn in kleine Stücke zu hexen, aber du hast die Situation gut gehandhabt. Es ist wahrscheinlich sowieso besser, dass ich ihn nicht verhext habe ... das hätte eine Szene verursacht", fuhr sie nachdenklich fort.
„Und hätte dir Nachsitzen eingebracht", fügte Harry hinzu.
„Stimmt", sagte sie. „Das wollen wir ja nicht."
„Natürlich nicht", stimmte er zu. „Ich war versucht, ihn ein wenig zu ärgern, als er mich beschuldigt hat, dich in Besenschränken zu knutschen, aber ich dachte, dass es besser war, das nicht an einem öffentlichen Ort zu tun. Rons Stimme war bereits lauter geworden und man weiß nie, was er schreien könnte, wenn er sich so aufregt. Ich nahm an, dass es das Beste wäre, die Situation zu entschärfen, bevor sie außer Kontrolle geriet."
„Da ist was dran", stimmte sie zu. Sie waren beide für einen Moment still, bevor es aus ihr herausbrach: „ Warum hast du mich gefragt?"
Er drehte sich wieder zu ihr: „Huh?"
„Wieso hast du mich darum gebeten, mit dir zum Ball zu gehen", wiederholte sie.
„Ist es nicht offensichtlich?", stellte er eine Gegenfrage. Sie zog eine Augenbraue hoch, blieb aber stumm, ihre Augen stechend. „ Um ehrlich zu sein, konnte ich an niemand anderen denken, mit dem ich lieber einen ganzen Abend verbringen würde. Ich wusste, dass wir beide Spaß haben und die Zeit genießen würden, egal was."
„Oh", erwiderte sie abgelenkt und dachte über seine Worte nach: „Es war also nicht nur, um deinen Standpunkt gegenüber Ron zu beweisen?"
„Huh?", fragte er, nicht verstehend, was sie damit meinte.
„Nun, Ron ist derjenige, der dich in Verlegenheit gebracht hat und dich dazu gezwungen hat, sofort jemanden zu fragen. Ich wollte nur sichergehen, dass du mich nicht nur gefragt hast, weil es praktisch war oder weil ich gerade in Hörweite war", erwiderte sie vorsichtig.
„Ginny", sagte er und blieb stehen. Er packte sie an ihrer Hand und drehte sie herum so dass sie ihm gegenüberstand: „Ich dachte, du würdest mich besser kennen. Ich hatte schon geplant, dich zu fragen. Ich hatte nur vor, bis später am Abend zu warten, wenn wir an einem weniger öffentlichen Platz sind."
„Nun gut, solange du mich nicht nur gefragt hast, weil es praktisch war", antwortete sie.
„Natürlich nicht. Ich freue mich sogar irgendwie auf den Ball. Ich habe den letzten überhaupt nicht genossen, weil ich die ganze Zeit damit verbracht habe, mir zu wünschen, dass ich mit jemand anderem da sei. Dieses Jahr gehe ich gleich mit derjenigen, mit der ich gehen will", sagte er ihr aufrichtig. „Und es schadet nicht, dass sie eine der hübschesten Hexen im Schloss ist."
Er wurde nicht enttäuscht und ihre Wangen färbten sich nach seinem letzten Satz rot. Sie schlug ihm auf den Arm und zog ihn dann an der Hand weiter: "Komm jetzt. Wenn wir zu lange brauchen, ernten wir Hermines Zorn."
„Und vergiss nicht die Inquisition der Fetten Dame, an welchem Besenschrank wir gestoppt haben", fügte Harry gutgelaunt hinzu.
„Und Rons" stimmte sie ihm etwas weniger heiter zu.
Sie erreichten kurz darauf die Eulerei. Ginny rief Pigwidgeon von seinem Sitz herunter und band den Brief an sein Bein. Harry sah sich nach Hedwig um, konnte sie aber nirgends entdecken. Und sie war keine Eule, die man übersehen konnte, da sie die einzige weiße Eule in der Schule war. Er fühlte mit seinem Bewusstsein nach ihr in dem Versuch, sie mit Gedankenreden zu erreichen: Hedwig, bist du da? Ich habe einen Brief, den du für mich ausliefern kannst.
Sie antwortete ihm sofort: Ich bin gleich da, Mensch Harry.
„Danke Mädchen", sandte Harry ihr und wandte seine Aufmerksamkeit wieder Ginny zu, während er wartete. Sie hatte ihre Nachricht vollständig befestigt und hielt Pig nun in ihrer Hand, als sie zu ihm schaute.
„Willst du deinen Brief nicht versenden?", wollte sie wissen.
„Natürlich, ich warte nur auf Hedwig", antwortete er ihr, als sei das offensichtlich.
„Äh, Harry? Du weißt, dass du die ganze Nacht warten könntest, oder? Eulen sind nachtaktiv. Sie ist wahrscheinlich im Moment auf der Jagd", sagte Ginny, als sei er etwas langsam im Begreifen.
Harry lächelte sie nur wissend an. „Mach dir keine Sorgen, Gin. Sie wird jede Sekunde zurück sein."
Wie auf Kommando flog eine schneeweiße Eule durch eines der Fenster in den Dachsparren. Sie segelte anmutig zu den beiden und landete auf Harrys ausgestrecktem Arm. „Da bist du ja, mein Mädchen. Danke fürs Zurückkommen. Bitte bring das für mich zu den Zwillingen", sagte er ihr, während er den Brief an ihrem Bein festband. Er streichelte ihr eine Minute lang aus Dank über ihre Federn, bevor sie leicht in sein Ohr zwickte und losflog. Ginny hatte Pig bereits losgeschickt und starrte ihn offen an.
„Woher hast du gewusst, dass sie auf dem Weg zurück ist?", fragte sie ihn unumwunden.
Harry zuckte mit den Schultern: „Ich kenne meine Eule, das ist alles. Ich wusste, dass sie fühlen würde, dass ich sie brauche. Sie ist unglaublich intelligent, weißt du."
„Du scheinst ihr sehr nahe zu stehen", erwiderte Ginny unsicher.
„Sie war einer der ersten Freunde, die ich je hatte", antwortete Harry freiheraus. „Und sie ist die einzige, die das ganze Jahr über für mich da ist. Sie und ich, wir haben zusammen eine Menge durchgemacht."
„Was meinst du damit, sie ist die einzige, die das ganze Jahr über für dich da ist?", fragte sie unvermittelt. „Du weißt, wir sind immer für dich da, Harry. Ron, Hermine und ich. Und Neville und Luna auch. Nicht zu vergessen den Rest meiner Familie."
„Oh, ich weiß", versicherte ihr Harry schnell. „Ich habe nur gemeint, dass sie die einzige ist, die tatsächlich den Sommer über mit mir bei den Dursleys ist." Es schüttelte ihn, als er sich an den ersten Sommer, den sie dort gemeinsam verbracht hatten, zurückerinnerte. Onkel Vernon hatte sein Fenster verbarrikadiert und Harry in sein Zimmer eingesperrt. Hedwig war in ihren Käfig eingesperrt gewesen und die beiden hatten die kargen Portionen Suppe und Brot, die seine Verwandten ihm durch eine Katzenklappe in seiner Tür zur Verfügung gestellt hatten, geteilt.
„Ist es dort wirklich so schlimm?" fragte Ginny zögerlich. Sie spürte Harrys Stimmungsumschwung.
Harry schaute sie ungläubig an. „Erinnerst du dich nicht an den Sommer vor deinem ersten Schuljahr, als die Zwillinge und Ron mich nach der Hälfte des Sommers gekidnappt haben?"
„Natürlich erinnere ich mich", sagte sie, unsicher, was er damit bezweckte.
„Und erinnerst du dich nicht daran, was sie gesagt haben? Über das verbarrikadierte Fenster und die Schlösser an meiner Tür?", fragte er sie geradeheraus.
Sie holte scharf Luft und schlug eine Hand vor den Mund. „Ich hatte angenommen, dass sie Mom gegenüber übertrieben haben, so dass sie nicht zu streng sein würde. Ich habe nie verstanden, dass es so schlimm war", sagte sie ihm aufrichtig und drückte sanft seinen Arm. Harry zuckte nur mit den Schultern. „Hast du es jemandem erzählt? Ich bin sicher, dass Professor Dumbledore dich nicht zurück gehen lassen würde, wenn er wüsste ..."
„Er weiß davon", unterbrach Harry angespannt, löste sich aus ihrem Griff und ging zu einem nahen Fenster. Er schaute einen langen Moment lang hinaus in die Finsternis, bevor er sich ihr wieder zuwandte: „Er hat es immer gewusst und hat nie etwas dagegen unternommen. Wusstest du, dass mein erster Hogwartsbrief an den „Schrank unter der Treppe, Ligusterwegnr. 4" adressiert war?"
„Sch... Schrank unter der Treppe?", fragte sie zögerlich und war besorgt, was sie hören würde.
Harry nickte grimmig und ging ein paar Schritte auf sie zu: „Ja, das war zehn Jahre lang mein Zimmer, bis die Briefe begannen anzukommen. Sie haben mir den Brief weggenommen und sahen, wie er adressiert war. Sie dachten, wenn sie mir ein richtiges Zimmer geben, würden die Briefe vielleicht aufhören zu kommen. Also gaben sie mir Dudleys zweites Zimmer, wo sie seine kaputten Spielzeuge aufbewahrten."
„Willst du mir sagen, dass dein Cousin zwei Zimmer für sich selbst hatte, während du in den Schrank unter der Treppe gesteckt wurdest? „, kreischte Ginny fast. Ihre winzigen Fäuste waren schmerzhaft an ihrer Seite zusammengeballt.
Harry nickte. „Und das berücksichtigt noch nicht einmal das Gästezimmer, das fast zweimal so groß ist."
„Unfassbar", murmelte Ginny. „Wie können sie dich zurück gehen lassen, wenn sie das alles wissen?" fragte sie mehr sich selbst als Harry.
„Wir sollten wirklich nicht hier darüber reden", unterbrach Harry. „Ich weiß nicht einmal, warum ich dir so viel erzählt habe. Normalerweise versuche ich, nicht viel darüber zu reden. Die Leute kriegen nur diesen Gesichtsausdruck, wo sie Mitleid mit mir haben. Ich kann diesen Gesichtsausdruck nicht ertragen. Das letzte, was ich brauche, ist Mitleid." zu diesem Zeitpunkt redete er mehr zu sich selbst.
„Harry", unterbrach Ginny.
Er fuhr aus seinen Gedanken hoch und wandte sich ihr zu. „Entschuldige. Ich bin abgeschweift. Hör zu. Versprich mir, dass du den anderen nichts von dem erzählen wirst, was ich dir gesagt habe. Ron und Hermine wissen offensichtlich über den Sommer nach meinem ersten Schuljahr Bescheid, aber ich habe nie jemanden zuvor über den Schrank unter der Treppe erzählt. Und es wäre mir wirklich lieb, wenn andere es nicht wüssten."
Sie nickte: „Natürlich, Harry. Deine Geheimnisse sind bei mir sicher. Du weißt das." Er nickte ihr dankbar zu. Nach einem Moment stellte sie eine Frage, die ihr auf der Zunge brannte: „Wieso hast du es mir erzählt?"
„Was?" fragte er und drehte sich zu ihr.
„Du hast gesagt, dass du noch nie jemandem über den Schrank erzählt hast. Warum also ich?"
„Oh", erwiderte er, und kratzte sich am Kopf. „Ich weiß nicht wirklich. Ich habe nicht wirklich darüber nachgedacht. Normalerweise rede ich nicht gerne über die Dursleys. Ich fühle mich dann unbehaglich. Also versuche ich Fragen so gut wie möglich zu vermeiden. Aber als das Thema mit dir zur Sprache kam ...", er machte mit seinen Händen eine hilflose Geste. „Ich hatte nicht wirklich das Bedürfnis, etwas zu verschweigen, schätze ich. Ich denke, es ist schlicht einfach für mich, mit dir zu reden. Du würdest mich nicht verurteilen oder voreilige Schlüsse ziehen oder so. Und ich weiß, dass du nicht überreagieren wirst oder versuchen wirst, mich dazu zu bringen, mich zu öffnen und dir mehr zu erzählen als ich möchte. Ich könnte Ron und Hermine nie über sie erzählen, weil Ron nur wütend werden und in die Luft gehen würde und Hermine würde analytisch werden und mein Leben sezieren wollen, um mir zu helfen, alles zu überwinden oder ähnlichen Mist."
Harry schaute auf und sah sie ihn anstarren. „Ich schweife schon wieder ab, nicht wahr?"
Sie löste sich aus ihrer Schockstarre: "Vielleicht ein wenig" Sie lächelte dann und hob damit beträchtlich die Stimmung: „Sollen wir dann zurück gehen?"
„Ich schätze, das sollten wir", stimmte er zu. „Wir haben uns so oder so wahrscheinlich jetzt schon eine Standpauke und eine Befragung eingehandelt, weil wir so lange gebraucht haben. "
Sie kicherte und meinte: „Du hast wahrscheinlich recht." Den Weg zurück verbrachten sie mit etwas unbeschwerter Konversation. Harry war froh über den Themawechsel und Ginny strahlte innerlich, das Harry sich sie ausgesucht hatte, um sich jemandem anzuvertrauen.
Der Rest der Nacht verging relativ schnell. Als die Beiden zum Gryffindorturm zurückkamen, zog die Fette Dame nur eine Augenbraue hoch, sagte aber nichts. Es gab nur einen kleinen Kommentar von ihren Freunden über die Länge ihres Ausflugs, worüber sie sehr dankbar waren. Bevor viel Zeit vergangen war gingen sie alle zu ihren jeweiligen Schlafsälen und in das Land der Träume.
In dieser Nacht musste Harry Sirius' beinahe endlose Neckereien aushalten, nachdem er dem Mann von dem Ball erzählte und wer sein Date war. Harry reagierte kaum auf Sirius Kommentare, sehr zur Enttäuschung des Mannes, aber das hinderte ihn nicht an seinem Vorhaben.
*Skittles:
wiki/Skittles
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Vielen Dank für eure Reviews, Favoriten und alerteinträge. Eure Reaktion auf dieses Kapitel hat mich wirklich umgehauen. Dankeschön!
Curylcuryl: Ich peile monatliche updates an..schneller geht es leider nicht …
Lars : keine ahnung was du sagen willst.
