Titel: Taking Control
Übersetzer: irat
Original: von ‚fake a smile'
Link: /s/2954601/1/ Taking_Control
10/28 Kapitel

338 von 917 Seiten übersetzt.

Beta: aragock
Updates: monatlich

AN: Vor Buch 6 angesiedelt, das betrifft die Handlung, aber auch Fakten über die Zaubererwelt, z. B. wie das Ministerium den Gebrauch von Magie verfolgt.

Ein großes Danke wie immer an meinen Beta aragock

UND

Noch ein wenig Schleichwerbung für einen oneshot den ich übersetzt habe:

Für PS s/9276950/1 / PS

Inhalt: Den Sommer nach Harrys fünften Schuljahr auf Hogwarts, findet Remus Lupin einen Brief den Sirius Harry zwei Monate vor dessen Geburt geschrieben –aber niemals versendet-hatte. Ohne den Brief zu lesen, schickt Lupin Harry den Brief.

Jetzt aber zum Kapitel:

Kapitel 10: Quidditchleid

„Danke, Minerva", sagte Dumbledore zu seiner vor ihm stehenden Kollegin. „Möchtest du die Erinnerung zusammen mit mir anschauen?"

Die Professorin für Verwandlung überdachte das Angebot für einen Moment: „Ja, ich denke, das werde ich. Wir schulden dem Jungen einiges und ehrlich gesagt: Ich bin neugierig, mehr über ihn zu erfahren."

„So ist es", stimmte der Schulleiter zu. „Sollen wir gemeinsam eintreten?", fragte er sie nur halb. Nach einem kurzen Nicken berührten beide Professoren mit ihrem Zauberstab das Denkarium und wurden schnell in McGonagalls Erinnerung an die Halloweennacht gesogen.

Die Erinnerung begann einige Minuten, bevor der Fremde seine Anwesenheit verkündet hatte. Professor McGonagall schien von der Notlage ihres Vergangenen Ichs angezogen zu werden, während Dumbledore die gesamte Situation so gut er konnte begutachtete.

„Moody wird hier von einem Fluch getroffen", sagte sie von seiner Seite aus und zog damit die Aufmerksamkeit des Schulleiters auf die drei Ordensmitglieder, die sich an der Wand der drei Besen verbarrikadierten. Und tatsächlich wurde Moody nicht nur von einem, sondern von zwei Lichtblitzen ungefähr zur selben Zeit getroffen. „Wir haben nicht gewusst, von was er getroffen wurde, und wir haben daher seinen Portschlüssel aktiviert."

Dumbledore nickte ernst und schaute die Straße hinunter. „Dort", sagte er nachdrücklich und zeigte auf etwas in der Ferne. „Er hat dort gerade zwei Todesser niedergestreckt." Es war schwer, in der Dunkelheit so weit zu sehen, aber er konnte gerade so zwei Lichter sehen, die ihre Ziele trafen. Der Fremde war von Dunkelheit umgeben, aber er konnte etwas von seinen Bewegungen in der Gasse sehen.

Es war etwa eine Minute später, dass zwei Zauber aus der Gasse neben der Bar herausbrachen. Mit einer schnellen Drehung des Handgelenks drehte Dumbledore die Erinnerung mehrere Sekunden zurück und ging zum Anfang der Gasse. Wieder verließen zwei Zauber beinahe gleichzeitig die Gasse. Er drehte die Erinnerung wieder zurück und nun war er direkt am Gassenanfang und schaute hinein, aber der Fremde war in den Schatten und McGonagalls Erinnerung erlaubte es ihm nicht, weiterzugehen. Wieder schossen zwei Lichter hinaus und trafen die Todesser unvorbereitet.

Dumbledores Verstand arbeitete hart. Die beiden Zauber waren zu dicht hintereinander, um von einer einzelnen Person geworfen geworden zu sein. Was nur eins bedeuten konnte: der Fremde war nicht alleine. Aber nur eine Person trat aus der Gasse hinaus und rief und zog damit die Aufmerksamkeit auf sich und weg von den Ordensmitgliedern. Dies erlaubte ihnen, einige weitere Todesser zu überwinden. Beide Professoren beobachteten mit gespannter Aufmerksamkeit, als der Fremde sich mit zehn Todessern duellierte.

„Du wirst bemerkt haben, dass mehrere Zauber blockiert worden sind, obwohl er keine Schutzzauber verwendet hat", meinte Dumbledore zu seiner Kollegin.

„Was denkst du darüber, Albus?", fragte sie ihn, wissend, dass der weise Schulleiter bereits Schlussfolgerungen zog.

„Seine ersten Zauber auf die Todesser waren zu schnell hintereinander, um nur von ihm geworfen worden zu sein. Er hat einen Freund bei sich, versteckt, der ihn schützt, während er sich duelliert. Er ist vorsichtig, alles zu vermeiden, dass den Unverzeihlichen ähnelt, und er versucht, anderen gefährlich aussehenden Flüchen auszuweichen, aber er scheut sich nicht, in den Weg von anderen Zaubern zu treten, wenn es nötig ist. Er weiß, dass er vor ihnen geschützt wird."

McGonagall neben ihm nickte, obwohl der Blick des Schulleiters fest auf den Kampf vor ihm gerichtet war. Der Fremde machte keine Fortschritte gegen seine Gegner, obwohl er sich zweifellos bewundernswert gut gegen sie behauptete, besonders für jemanden der so jung war. Und dann tat der Junge etwas unglaublich leichtsinniges und brillantes. Er griff die Todesser an und verwickelte sie in einen Nahkampf.

Dumbledore erkannte den Moment, als der Junge scheinbar fühlte, dass der Schutzzauber nicht länger aufrecht gehalten wurde und begann so gut wie er konnte allen Zaubern auszuweichen. Hatten sie eine Möglichkeit, miteinander zu kommunizieren? McGonagall verspannte sich merklich, als der Junge von den beiden Schneidezaubern getroffen wurde. Dumbledores einzige bemerkbare Reaktion war an seinen Augen zu sehen. Sein Körper reagierte nicht im Geringsten.

Kurze Zeit später waren die beiden Professoren wieder zurück im Büro des Schulleiters und dachten beide darüber nach, was sie gerade in der Szene gesehen hatten. „Du glaubst also, sie waren zu zweit?", fragte McGonagall schließlich und durchbrach damit die Stille.

„Ich bin mir sicher", erwiderte der Schulleiter. „Und beide müssen bei näherer Betrachtung sehr mächtig sein. Der Gefährte des Jungen war in der Lage, für mehrere Minuten einen Schutzzauber aufrecht zu erhalten. Ein schwieriges Unterfangen. Und der Junge selbst hat gezeigt, dass er ein exzellenter Duellant ist. Er war ein wenig leichtsinnig, aber seine Strategie hat sich als solide erwiesen. Er hat mit den Todessern vor ihm keine Fortschritte gemacht, also hat er sie bedrängt und hat sie wachsam gegenüber ihren Kreuzfeuer gemacht. Es war ein gefährliches Manöver, sicher, aber ohne es hätte er das Duell nicht gewonnen."

Es wurde still, als Dumbledores Verstand hart arbeitete. Sie könnten ausgezeichnete Verbündete sein, wer auch immer sie waren, aber er war sich nicht sicher, wo ihre Loyalitäten lagen. Sie waren offensichtlich gegen die Todesser und dafür war er dankbar. Aber er war argwöhnisch, dass zwei so mächtige Unbekannte die Szene betreten hatten. Er hoffte, eine Chance zu bekommen, sich mit den beiden zu treffen, um herauszufinden, wo die beiden im Krieg standen.

Dumbledore brach schließlich das Schweigen zwischen ihnen: „Noch einmal vielen Dank, dass du deine Erinnerung an den Kampf mit mir geteilt hast."

„Nicht der Rede wert, Albus", antwortete McGonagall. „Ich hoffe nur, dass ich die Gelegenheit bekommen werde, ihm noch einmal zu danken." Dumbledore nickte nur feierlich seine Zustimmung.

OoOoO

Als das Quidditchtraining zuende war, half Harry Ron dabei, die Bälle wegzuräumen, bevor die beiden in die Umkleideräume gingen, wie es langsam eine Tradition wurde. Er verbrachte lange nicht mehr so viel Zeit mit Ron wie früher und trotz ihrer Probleme und Kabbeleien würde Harry seine Freundschaft mit Ron nicht missen wollen.

Er legte Wert darauf, nach dem Training länger zu bleiben. Es gab ihnen die Gelegenheit, Zeit miteinander zu verbringen, nur sie beide, und über Quidditch und was ihnen sonst so einfiel zu reden, so wie in den alten Zeiten. Als sie schließlich zu den Umkleideräumen gingen, waren die anderen gerade am Gehen. Sie verabschiedeten sich alle, als Ron und Harry eintraten.

„Ziemlich gutes Training", kommentierte Harry, als er seine Roben zusammenknüllte und über seine Schulter warf.

„Ja", stimmte Ron mit einem breiten Lächeln zu. „Slytherin wird nicht wissen, wie ihnen geschieht."

„Kein Scherz" meinte Harry. „Katie ist besser als je zuvor, vielleicht sogar besser als Angelina, Ginny ist genauso gut wie Katie letztes Jahr und Stephanie ist nicht viel schlechter. Am Ende des Jahres werden sie unaufhaltbar sein."

„Als ob ich das nicht wüsste", grummelte Ron gutmütig. „Ich kann sie kaum aufhalten, sogar wenn ich genau weiß, welchen Spielzug sie verwenden."

„Mach dich nicht schlechter als du bist", sagte Harry seinem Freund. „Du bist seit dem ersten Tag in exzellenter Verfassung. Wenn du genauso am Tag des Spieles spielst, werden wir vielleicht sogar mit einem ‚zu Null' das Spiel beenden."

„Da bin ich mir nicht sicher", murmelte Ron schüchtern.

„Lass nur keine Slytherins oder jemand anderes dich beeinflussen", sagte Harry ihm ehrlich. „Das war letztes Jahr dein größtes Problem. Physisch hast du keine Probleme. Du musst dich nur aufs Spiel konzentrieren und du wirst unschlagbar sein."

„Danke, Harry" sagte Ron ihm ernsthaft.

„Nichts zu danken. Es ist nur die Wahrheit", Harry hielt inne, um seine schwarze Schulrobe anzuziehen. „Wirst du nun mehr Training ansetzen, nun, da das Spiel sich nähert?"

„Ja, ich muss mit Hooch darüber reden", erwiderte Ron, seine Stimme von seiner Robe gedämpft, die er gerade versuchte, sich über den Kopf zu ziehen. „Wir sollten mit dem Extratraining am Ende der Woche oder am Wochenende beginnen."

„Hast du vor, hierzubleiben, um an Strategien zu arbeiten oder wirst du zurückgehen?", fragte Harry.

„Zurückgehen", erwiderte Ron mit einer abwinkenden Handbewegung. „Es macht nicht viel Sinn, sich jetzt neue Strategien zu überlegen, wenn das Team keine Zeit hat, sie bis zum Spiel ordentlich zu lernen. Lass uns reingehen. Lust auf eine Runde Schach?"

„Sicher, Kumpel", antwortete Harry, als er aus der Tür trat und sie für Ron aufhielt. „Hört sich nach einem Plan an."

OoOoO

Am nächsten Tag waren Harrys Narben vom Kampf praktisch nicht mehr vorhanden. Er legte noch immer einen Kosmetikzauber über sie - nur für den Fall der Fälle -, aber jemand müsste schon sehr genau schauen, um sie zu entdecken.

Er bekam schließlich eine Kopie des Tagespropheten in die Hände, welche über die Angriffe, die in der Halloweennacht geschehen waren, berichtete. Der Bericht konzentrierte sich auf den Angriff auf die Winkelgasse und erwähnte nur kurz die kleineren Angriffe auf einige andere Städte wie Hogsmeade. Harry wünschte sich, dass er mehr Informationen als nur das hätte, aber er hatte keine Möglichkeit, mehr herauszufinden. Er beschloss, Professor Dumbledore später in der Woche während ihrer Okklumentikstunde darüber zu fragen, aber er bezweifelte, dass der Mann sehr freigiebig mit Informationen sein würde.

Die Woche verging unglaublich langsam, größtenteils wegen des morgendlichen Erscheinens des Tagespropheten. Es schien, als gäbe es jede Nacht einen neuen Angriff und am nächsten Morgen diente das Frühstück nur dazu, mit mehr schlechten Nachrichten aufzuwarten. Harry war für die Tatsache dankbar, dass er keine weiteren Visionen mehr gehabt hatte. Natürlich bedeutete das nur, dass Voldemort wahrscheinlich nicht persönlich in die Angriffe involviert war. Und da sie niemand von Bedeutung angriffen, reagierte Voldemort nicht sehr auf die nächtlichen Angriffe. Harry fühlte einen gelegentlichen plötzlichen Schmerz in seiner Narbe, aber es war auf jeden Fall erträglich. Seine Freunde bemerkten es nicht einmal.

Die Stimmung im gesamten Schloss war gedrückt - einige Slytherins ausgenommen. Ginny sprach das Thema während einer ihrer Animagusstunden an und überraschte Harry etwas mit ihrem Verständnis. „Du kannst nicht erwarten, jeden zu retten, weißt du", kommentierte Ginny, als Harry verstohlene Blicke auf den Tagespropheten warf, der aufgeschlagen auf seinem Schreibtisch lag.

Harry wurde aus seiner Tagträumerei gerissen und antwortete eloquent mit „Huh?"

„Es ist nur eine Vermutung", ergänzte Ginny. „Aber ich nehme an, dass du dich hilflos fühlst. Du wünschst dir, dass du mehr tun könntest, um diese Angriffe aufzuhalten und Menschen zu retten, aber du kannst es nicht. Selbst wenn du nicht in der Schule festsitzen würdest, hast du keine Ahnung, wo die Todesser als nächstes angreifen werden. Wir fühlen uns alle hilflos."

Harry, der sich gegen den Schreibtisch gelehnt hatte, stellte sich aufrecht hin und begann hin und her zu gehen: „Ich weiß das. Ich wünschte nur, dass es etwas gäbe, das ich tun könnte. Ich hasse es, hier festzusitzen und keine Möglichkeit zu haben, zu helfen. Ich sollte etwas tun ..."

„Du tust etwas", unterbrach Ginny ihn und stand von ihrem Platz auf. „Mehr als jeder andere, den ich kenne. Du trainierst, bereitest dich vor. Wenn du die Schule abschließt, zur Hölle, wenn die Sommerferien beginnen, wirst du wahrscheinlich bereit sein, hinauszugehen und dich an Kämpfen zu beteiligen, Angriffe aufzuhalten, Menschen zu retten. Ich glaube nicht, dass irgendjemand im Orden so viel trainiert wie du. Sicher, sie haben alle ihre Jobs, aber bereiten sie sich wirklich auf den Krieg vor?

Und du tust verdammt sicher mehr als jeder andere Schüler hier. Ich bewundere dich für das, was du tust, Harry. Du hast beinahe alleine einen großen Angriff auf Hogsmeade abgewehrt. Das ist mehr als jeder andere von sich behaupten kann. Von dem, was du gesagt hast, war an Halloween praktisch der gesamte Orden in der Winkelgasse und die Todesser haben noch immer ziemlich viel Schaden angerichtet. Und das berücksichtigt noch nicht einmal die Auroren, die dort vielleicht ebenfalls präsent waren."

Harry hatte zu diesem Zeitpunkt aufgehört, auf und abzugehen und starrte seine Freundin vor ihm nur an. „Aber du musst eines verstehen: Du kannst nicht jeden retten und du kannst diesen Krieg nicht alleine ausfechten. Trainiere weiter und bringe uns anderen bei, zu kämpfen, uns zu verteidigen. Wenn du uns auch nur die Hälfte von dem beibringst, was du kannst, wirst du wahrscheinlich damit unsere Leben retten. Ich habe nie jemanden so kämpfen sehen wie dich. Du gibst uns Schülern Hoffnung. Du tust alles, was du im Moment tun kannst, also mach dir nicht zu viele Sorgen über das, was du nicht verändern kannst."

Sie waren für einen langen Moment still, während Harry über das nachdachte, was Ginny gerade gesagt hatte. Sie hatte ihn durchschaut. Er hatte sich schuldig und hilflos gefühlt. Er fühlte sich, als sollte er dort draußen sein, Todesser aufspüren und versuchen, die Angriffe aufzuhalten, statt von den Schlossmauern beschützt herumzusitzen. Schließlich war es das, für was er trainiert hatte. Als die Angriffe starteten, wollte er helfen, sie aufzuhalten.

Aber was konnte er tun? Er hatte keinerlei Informationen. Er wusste nicht, wo der nächste Angriff sein würde. Er konnte nicht einfach durch das Land ziehen und hoffen, dass er randalierenden Todessern über den Weg laufen würde. Er konnte auch nicht jede einzelne Nacht damit verbringen, sie zu jagen. Er musste zumindest etwas Schlaf bekommen. Wenn er Informationen hätte, würde er handeln, aber bis dahin konnte er wenig mehr tun außer weiterhin zu trainieren und andere zu lehren, sich zu verteidigen.

Er lächelte sie schließlich leicht an und ließ sich auf das Sofa fallen: „Du hast natürlich Recht. Ich wünschte, ich könnte mehr tun, und ich fühle mich schuldig, nur hier in der Sicherheit des Schlosses herumzusitzen. Aber ohne Informationen, wo der nächste Angriff stattfinden könnte, gibt es nichts, dass ich tun könnte, außer mich weiter vorzubereiten. Wenigstens konnte ich in Hogsmeade helfen. Wenn ich in dieser Nacht auch nur ein Leben gerettet habe, dann ist es das ganze Training schon wert gewesen."

„Nun, dein Training hat bereits mein Leben gerettet", ließ Ginny verschmitzt verlauten. „Ich weiß also, dass ich ewig dankbar bin für die ganze Arbeit, die du dir machst." Sie wurde mit einem Grinsen belohnt und dann prompt darauf hingewiesen, wieder zu üben. Sie würde nie ein Animagus werden, wenn sie sie andauernd vom Unterricht ablenkte.

LINIE

Es war endlich Donnerstagabend und Harry fuhr mit der Wendeltreppe hoch zum Büro des Schulleiters. Bevor er an der Tür klopfen konnte, wurde er bereits hineingebeten. Der Mann hatte immer schon eine Vorliebe für das Dramatische gehabt. Harry öffnete die Tür und trat in das immer vertrauter werdende Büro hinein. Wie es langsam zur Tradition wurde, grüßte Harry den Schulleiter, als er zu Fawkes ging, um den rotgoldenen Phönix ebenfalls Hallo zu sagen.

Nachdem er ein wenig Smalltalk mit dem Schulleiter ausgetauscht hatte, während er mehrere Minuten lang über das glänzende Federkleid des Phönix streichelte, widmeten sie sich ihrem Unterricht. Harry wurde immer besser mit der Okklumentik. Er konnte sein Schild nun für längere Zeit gegen den Angriff des Schulleiters aufrecht erhalten. Und während jedes Unterrichts konnte er es länger. Heute konnte er den mentalen Angriff für gute drei Minuten abwehren, bevor sein Schild brach. Er konnte den Schulleiter wieder sofort danach Dumbledore lächelte ihn müde an. „Du wirst wirklich gut, Harry", sagte er freundlich. „Es ist sehr viel Zeit vergangen, seit dem ich mich so anstrengen musste. Ich nehme an, du wirst am Ende des Semesters ein Okklumentikmeister sein."

„Wirklich?", fragte Harry neugierig nach.

„Oh ja" antwortete der Schulleiter und lächelte leicht verwundert. „Du bist bereits ziemlich fortgeschritten. Es gibt wahrscheinlich nur eine Handvoll Okklumentikmeister in Großbritannien. Du hast bereits ein Level, dass nur wenige erreichen."

Harry konnte das Lächeln auf seinen Lippen nicht unterdrücken. Er hatte noch immer viele ungelöste Probleme mit dem Mann, aber zur gleichen Zeit konnte Harry nicht anders als den Mann zu respektieren. Und solch üppiges Lob von dem Schulleiter zu bekommen ... Harry konnte nicht anders als mit sich selbst zufrieden zu sein. Wenn man die Tatsache bedachte, dass er sich direkt unter der Nase des Mannes ihm widersetzte und Harry war sehr selbstzufrieden.

Aber zur selben Zeit ließ es ihn auch innehalten. Wenn seine Okklumentik wirklich schon so fortgeschritten war, wieso bekam er noch immer gelegentliche Visionen? Und warum fühlte er noch immer Voldemorts Emotionen, wenn diese stark genug waren? Die Narbenschmerzen nicht zu vergessen. Nicht in der Lage, seine eigenen Fragen zu beantworten, stellte er sie dem Schulleiter.

„Um ehrlich zu sein: Ich weiß es nicht", sagte Dumbledore ihm ehrlich. Der alte Mann seufzte tief, bevor er fortfuhr: „So wenig ist über deine Verbindung und deine Narbe bekannt, dass wir den Aufbau von ihr nicht wirklich kennen. Wir hatten angenommen, dass die Verbindung der Legilimentik ähnlich genug ist, dass Okklumentik dich davor beschützen würde, aber anscheinend haben wir uns geirrt. Nicht, das diese Stunden sinnlos waren", fügte Dumbledore schnell hinzu. „Selbst wenn Voldemort deine Gedanken betreten kann: Die Fähigkeiten, die du hier lernst, sollten hilfreich dabei sein, bestimmte Dinge vor ihm zu verstecken und ihn aus deinem Kopf zu werfen."

„Das macht Sinn", stimmte Harry widerstrebend zu. „Ich wünschte nur, dass es einen Weg gäbe, es zu kontrollieren. Bisher war es noch nicht sehr schlimm, da er nicht an den Angriffen teilgenommen hat, und von der Halloweennacht abgesehen haben die Todesser nicht viel Widerstand erfahren. Aber wenn er sich jemals dazu entschließen sollte, teilzunehmen ..." Harry wusste nicht, wie er fortfahren sollte.

„Ich verstehe", versicherte Dumbledore dem Jungen vor ihm. „Ich werde nach anderen Wegen suchen, um die Verbindung zu blockieren. Bis dahin ist Okklumentik die beste Möglichkeit."

Harry nickte. „Ich habe mich gefragt, Sir", begann Harry zögernd. „Ob sie zusätzliche Informationen über die Angriffe an Halloween und danach für mich haben. In der Zeitung haben sie sich auf die Winkelgasse konzentriert. Sie haben Hogsmeade erwähnt und dass andere Städte ebenfalls attackiert wurden, aber sie haben keine Details berichtet. Und die Geschichten über die Angriffe haben seitdem nicht viele Details beinhaltet."

Der Schulleiter seufzte müde. „Ich nehme an, dir zu sagen, dass du dir für den Moment keine Sorgen um den Krieg machen musst, wäre überflüssig?", fragte er halb rhetorisch mit einem kleinen Schimmer Hoffnung in seiner Stimme. Aber es benötigte nur ein Blick des Teenagers, um seine Gedanken zu bestätigen. „Es gab tatsächlich mehrere andere Angriffe an Halloween. Es war - wie du bereits vermutet hast - sozusagen seine Coming-out-Party. Der angerichtete Schaden in Hogsmeade war nur minimal und es gab keine Verluste. Es gab ein paar kleinere Überfälle. Jeder hatte einige Opfer. Aber der große Angriff - wie die Zeitung bereits sagte - war auf die Winkelgasse gerichtet. Ich fürchte, das ist alles, was ich dir wirklich sagen kann."

„Das dachte ich mir", grummelte Harry niedergeschlagen und wünschte sich, dass sein Pseudomentor etwas Vertrauen in ihn hätte. Er stellte jedoch sicher, dass er eine freundliche Haltung bewahrte, da er nicht wollte, das Dumbledore sah, wie sehr ihn der Mangel an Informationen störte. „Aber es schadet nicht, zu fragen. Ich schätze, ich gehe dann mal. Ich muss noch einige Aufsätze schreiben."

„Nun gut. Ich wünsche dir eine gute Nacht, Harry", sagte Dumbledore als Harry aufstand.

„Gute Nacht, Professor", erwiderte Harry. Er verließ den Raum und ging die Wendeltreppe hinunter, zurück zu den weitläufigen Fluren Hogwarts. Er suchte sich effizient einen Weg durch die verschiedenen Korridore zum Porträt der Fetten Dame im siebten Stockwerk, welches in den Gryffindorgemeinschaftsraum führte. Die einzige, die seinen Weg kreuzte, war Mrs. Norris, welche ihn verärgert anstarrte, als würde sie ihn herausfordern, eine Regel vor ihren Augen zu brechen. Aber Harry ignorierte die Kreatur und lief weiter.

„Guten Abend, Professor Potter", rief das Porträt, als Harry sich näherte.

„Guten Abend, Mylady", erwiderte er gutgelaunt. „Erlauben Sie?", fragte er mit einer Handbewegung.

„Oh natürlich", sagte sie ihm und schwang nach vorne und gab damit den Weg frei in das Heim der Gryffindors.

OoOoO

Ron Weasley erlebte nicht das beste Semester. Und das war nach dem nicht so phänomenalen Sommer. Er hatte den größten Teil des Sommers im Streit mit seiner Schwester verbracht, die einzige Person in seinem Alter, die vereinzelten Besuche seiner Zwillingsbrüder ausgenommen. Aber da die beiden es sehr genossen, Ron Streiche zu spielen, verbesserten die beiden die Situation eher weniger. Noch schlimmer war jedoch die Tatsache, dass Ron mit seinen beiden besten Freunden aus unterschiedlichen Gründen, die er auch nicht wirklich verstand, gestritten hatte.

Hermine war zornig gewesen, als Ron Viktor Krum ansprach. Ron konnte nicht verstehen, warum sie so an ihm interessiert war. Sicher, er war ein berühmter Quidditchspieler, aber wen interessierte das wirklich? Warum musste sie sich in einem anderen Land umschauen, wenn es genügend gute Kerle zuhause gab? Selbst im Gryffindorturm gab es genug anständige Jungs: Harry zum einen, Neville ebenfalls und auch er selber ...außerdem, wer wusste schon, ob sie Krum vertrauen konnten? Verstand sie denn nicht, dass er nur auf sie aufpasste?

Unnötig zu erwähnen, dass sie das Argument eventuell hinter sich gelassen hatten, nicht notwendigerweise ausdiskutiert, so wie so viele Argumente zuvor.

Das größte Problem mit Rons Sommer und dem bisherigen Schuljahr war sein bester Kumpel Harry Potter. Es war nicht so, dass sie sich nicht verstanden, obwohl sie öfters stritten als üblich.

Es hatte über den Sommer begonnen. Erst hatte er nicht sofort auf Rons Briefe geantwortet, aber das war angesichts Harrys Verfassung nach Sirius Tod nicht unerwartet gewesen. Was unerwartet war, war der Brief, den er an Ginny, seine kleine Schwester, geschickt hatte. Harry hatte Ginny geschrieben, bevor er ihm geschrieben hatte, und Ron konnte nicht verstehen, warum. Wenn man noch die Tatsache hinzunahm, dass Harry auf ihm herumhackte, weil Ron sich um seine Schwester Sorgen machte, war Ron sehr verwirrt und frustriert über seinen besten Freund. Aber sie ließen das eventuell hinter sich und schickten sich später im Sommer wie üblich Briefe. Die Dinge waren jedoch definitiv nicht wie üblich, als das Schuljahr begann.

Nachdem sie sich vor fünf Jahren im Hogwarts Express kennengelernt hatten, waren sie beide unzertrennlich. Mehrere Monate später war Hermine zu ihrer Gruppe hinzugekommen, aber sie war immer ein wenig die Außenseiterin geblieben. Sie war zum einen das einzige Mädchen und zum anderen besessen vom Lernen. Sie verbrachte viel Zeit in ein Buch vergraben, während Harry und Ron ihre Zeit mit herumblödeln und Spaß haben verbrachten.

Die Dinge waren die ersten fünf Jahre auf Hogwarts diesem Muster gefolgt, wobei nur wenige Zeiträume von der Norm abwichen. Das vierte Schuljahr war ein ausgezeichnetes Beispiel, auch wenn Ron nicht gerne an seinen Teil in dieser bestimmten Episode dachte. Zu Rons großer Bestürzung verlief dieses Jahr nicht wie üblich. Harry war einfach nicht mehr so oft da. Und wenn er es war, hatte er meist seinen Kopf in ein Buch vergraben. Er verwandelte sich in eine Minihermine, nicht ganz so besessen, aber für Rons Geschmack definitiv zu sehr an Lesen und Lernen interessiert.

Sie spielten noch immer die gelegentliche Partie Schach oder Zauberschnippschnapp und hatten einige Fächer gemeinsam, aber lange nicht so viel, wie es gewesen war. Bisher war das einzige, für das Harry immer Zeit fand und welches sie außerhalb des Unterrichts teilten, Quidditch. Harry blieb beinahe immer nach dem Training länger da, um mit ihm über Quidditch zu reden. Es war unter anderem aus diesem Grund, dass Ron sich auf das kommende Spiel gegen die Slytherins freute. Nicht nur gab ihnen das mehr Stoff zu diskutieren, sondern es gab Ron auch eine Ausrede, um mehr Training anzuordnen.

Vielleicht war es nur die extra Zeit, die sie beim Quidditch gemeinsam verbrachten, was sie brauchten, um dort weiterzumachen, wo sie letztes Jahr aufgehört hatten. Ron dachte genau über das nach, als er von seinem Buch, das aufgeschlagen, aber ungelesen, auf seinem Schoß lag, hochsah und sah, wie sein bester Kumpel und Thema seiner Gedanken den Gemeinschaftsraum betrat. Ron konnte nicht erwarten, Harry über das Extratraining zu erzählen, ganz zu schweigen davon, das Training und die Extrazeit mit seinem besten Freund die sie ermöglichten wirklich zu haben.

OoOoO

Harry trat durch den Durchgang und das Porträt schloss sich hinter ihm. Er bemerkte Hermine und Ron, die beide vor dem Kamin saßen. Ron - das Buch auf seinem Schoß ignorierend - entdeckte ihn und winkte ihn zu sich. „Hey, Kumpel", grüßte Harry seinen Freund.

„Harry, unser erstes Spiel ist bald, ich habe daher einige extra Trainingsstunden arrangiert. Wir haben eine morgen um fünf und Sonntag um zehn und Dienstag ..."

„Whoa, Kumpel", unterbrach Harry. „Am Sonntag um die Zeit unterrichte ich, das weißt du."

„Es war die einzige Zeit am Sonntag, die funktioniert", sagte Ron ihm. „Es ist nur die jüngere Klasse. Du kannst sie diese Woche einfach absagen oder verschieben oder so. Kein Problem."

„Ich kann den Unterricht nicht einfach verschieben, Ron. Was würdest du dazu sagen, wenn deine Lehrer beginnen würden, einfach willkürlich ihren Unterricht zu verschieben, um es sich leichter zu machen? Den Unterricht zu verschieben würde den Stundenplan von allen stören. Du kannst das Training einfach ohne mich abhalten. Es ist nicht so, dass du den Sucher wirklich brauchst, oder?", sagte Harry vernünftig.

„Nun, wenn du den Unterricht nicht verschieben kannst, dann sage ihn ab", bestimmte Ron und stand von seinem Stuhl auf.

„Ich sage meinen Unterricht nicht ab, Ron", sagte Harry ruhig und schaute Ron fest in die Augen. „Der Unterricht ist wichtig, und du weißt das."

„Und Quidditch nicht?", fragte der hitzige Rotschopf.

„Du weißt, dass ich Quidditch liebe, Ron", versicherte Harry ihm und versuchte, sein Temperament unter Kontrolle zu behalten.

„Wir haben nicht mehr viel Zeit bis zu unserem ersten Spiel. Zwei Wochen, Harry. Wir müssen bereit sein. Ich werde die Saison nicht mit einer Niederlage gegen die Slytherins beginnen", Ron schüttelte es, als würde der bloße Gedanke an solch ein Geschehen ihn ekeln. „Und ich erwarte, dass du bei dem Training anwesend bist. Du musst entscheiden, was wichtiger für dich ist: Quidditch oder dein Unterricht."

„Das ist eine einfache Entscheidung, Kumpel", erwiderte Harry mit leiser Stimme und graute sich davor, was sicherlich gleich passieren würde. Das letzte, was er gerade wollte, war ein weiterer Streit mit Ron. Sie waren seit dem Beginn des Sommers immer wieder am Streiten und Harry wünschte wirklich, dass sie das hinter sich lassen und einfach nur wieder Freunde sein könnten. Das hier würde dabei nicht im Geringsten helfen.

„Ich wusste, dass du mich verstehen würdest", freute sich Ron selbstzufrieden. Er drehte sich um, um sich wieder hinzusetzen, als Harrys Stimme ihn aufhielt.

„Du hast mich missverstanden, Ron", sagte Harry ihm.

„Ich werde meinen Unterricht nicht für das Training absagen", sagte Harry seinem langjährigen besten Freund stoisch. „Dieser Unterricht ist das Wichtigste, was ich das ganze Jahr über machen werde."

„Was ist mit deiner Schulausbildung?", mischte sich Hermine schließlich wenig hilfreich ein, während Ron zur gleichen Zeit schrie: „Was ist mit Quidditch?"

„Das ist wichtiger als beides", sagte Harry seinen Freunden wahrheitsgemäß. „Ich werde am Sonntag nicht am Training teilnehmen", sagte er und schaute Ron direkt in die Augen.

„Dann wirst du nicht länger für mein Team spielen", war Rons hitzige Antwort darauf.

„Ronald Weasley!", rief Hermine aus. Ihre Augen waren groß und ihr Mund stand weit offen, bereit, um loszuschreien, aber Harry hielt eine Hand hoch, um sie aufzuhalten.

„Wenn es so sein muss", sagte Harry resigniert und fragte sich, wie sein angeblich bester Freund ihm so etwas antun konnte. Letztes Jahr hatte Umbridge ihn vom Quidditch verbannt, aber wenigstens wusste Harry, was er von ihr erwarten konnte. Sie hasste ihn aus tiefster Seele und wollte ihn leiden sehen. Aber Ron war angeblich sein bester Freund. Wie konnte sein bester Freund ihm einfach etwas wegnehmen, das er so sehr liebte?

„Ja, es muss sein. Vielleicht lasse ich dich wieder zurück ins Team, wenn du etwas Loyalität gegenüber deinem Team gelernt hast", schrie Ron fast und ging weg, die Treppen hoch zum Jungenschlafsaal. Harry sank auf den Platz, den Ron während ihrer Worte verlassen hatte und starrte ins Feuer.

Harrys Gefühle waren ein Gemisch aus Schmerz, Verrat und Wut. Er wollte entweder zum Raum der Wünsche verschwinden und einen Sandsack verkloppen oder noch besser die Treppen hochstürmen und etwas Verstand in Ron hämmern. Mehr als einmal erhob sich Harry, um aus dem Zimmer zu stürmen, nur um sich einen Moment später wieder fallen zu lassen. Er konnte einfach nicht glauben, dass Ron ihn aus dem Team geworfen hatte. Es war ein schlimmer Fall von Déjà Vu, aber dieses zweite Mal schmerzte noch viel mehr.

Er wurde von einer Hand auf seiner Schulter aus seinen Gedanken gerissen. Er schaute hoch und sah, wie seine lockenköpfige Freundin ihn voller Mitgefühl ansah: „Ich bin mir sicher, dass er es nicht so meinte, Harry. Er war nur wütend und hat sein Temperament verloren. Er wird sich beruhigen und verstehen."

Harry zuckte mit den Schultern. „Wenigstens kann er mir nicht meinen Besen wegnehmen wie Umbridge es getan hat, nicht wahr?", fragte Harry.

Hermine lächelte ihn an: „Du hast Recht. Ich hatte vergessen, dass Umbridge letztes Jahr deinen Besen konfisziert hatte."

Harry erwiderte ihr Lächeln, wenn auch etwas gezwungen. Die Tatsache, dass Hermine - Hermine! - vergessen konnte, was Umbridge ihm letztes Jahr angetan hatte, schmerzte ihn. Das war nicht etwas, das er schnell vergessen würde. Das Fliegen war eines der wenigen Dinge in seinem Leben, das ihm wirklich ein Gefühl der Ruhe brachte. Jeder, der in den letzten fünf Jahren etwas Zeit mit ihm verbracht hatte, würde das wissen. Er konnte nicht verstehen, wie sie es so leicht abtun konnte. Und - und das setzte dem Ganzen die Krönung auf - das eine Mal, wo er mit ihr über etwas reden wollte, das ihn beschäftigte, etwas, wozu ihn Hermine immer drängte, ging sie einfach weg, als sei es keine große Sache.

Er begann zu erkennen, wie sehr er, Ron und Hermine sich auseinanderlebten. Sie waren solide gewesen, praktisch unzertrennlich; zumindest hatte er immer so von ihnen gedacht. Aber er wusste, dass das nicht ganz stimmte. Sie hatten über die Jahre ihre Probleme gehabt. Ron hatte im vierten Schuljahr mit Eifersucht zu kämpfen gehabt. Ron und Hermine hatten sich den Großteil des dritten Schuljahrs in den Haaren gelegen. Und er war im dritten Schuljahr lange Zeit wegen seines Feuerblitzs' wütend auf Hermine gewesen.

Letztes Jahr war ebenfalls angespannt gewesen, obwohl er zugeben musste, dass das zum Großteil seine Schuld war. Er dachte noch immer von ihnen als seine besten Freunde, aber er konnte nicht anders als die wachsende Distanz zwischen ihnen zu fühlen. Aber zum Glück schienen dort, wo einige Brücken sich zu verlängern schienen, sich andere zu verkürzen. Er verstand sich so gut wie nie zuvor mit Neville. Er legte Wert darauf, gelegentlich mit Luna zu reden. Er schuldete ihr noch immer etwas dafür, dass sie letztens mit ihm geredet hatte, als alle anderen beim Abschlussfest waren. Und Ginny ... Nun, sie war ein Gottesgeschenk. Sie war dabei, seine beste Freundin zu werden.

Er war tatsächlich von dem ganzen erstaunt. Er hatte das Semester in der Annahme begonnen, dass er sich alleine fühlen würde, alles vor seinen Freunden verstecken und im Geheimen trainieren würde, ohne dass jemand Bescheid wüsste. Dass Ginny ihn auf frischer Tat ertappte, erwies sich als genau das, was er brauchte: jemand, mit dem er reden und dem er vertrauen konnte, nichts weiterzuerzählen oder etwas ohne seine Zustimmung zu unternehmen. Er musste sich keine Sorgen darüber machen, was er ihr erzählte, wie mit allen anderen. Sie forderte nichts und vertraute ihm, was es ihm einfach machte, ihr ebenfalls zu vertrauen.

Ron und Hermine hätten ihn in der Halloweennacht nie einfach gehen lassen, wie sie es getan hatte. Sie hätten entweder darauf bestanden, ihn zu begleiten oder gedroht, einem Professor zu erzählen, was er vorhatte, um ihm im Schloss zu behalten. Wahrscheinlich würde Ron für das erste und Hermine für das letztere plädieren.

Aber Ginny war anders. Sicher, sie ließ ihn ungern gehen und sie machte sich Sorgen um ihn. Er hatte das in der Nacht deutlich gesehen, als sie auf der Couch zusammengebrochen war. Aber er konnte ihr das nicht wirklich verübeln. Schließlich hatte er sich ebenfalls um Sirius Sorgen gemacht, als dieser im Grimmauld Platz feststeckte, und hatte befürchtet, dass er entweder vom Ministerium oder von Todessern gefangen genommen werden würde. Und nun machte er sich Sorgen, was Remus für den Orden tun könnte. Er konnte es also verstehen.

Aber der Punkt war, dass sie ihm vertraute und sie ihn hatte gehen lassen. Sie hatte seinem Urteilsvermögen vertraut und ihn beim Wort genommen, als er versprochen hatte, dass er in einem Stück zurückkommen würde. Selbst danach hatte sie nicht wirklich etwas von ihm verlangt. Sie hatte ein paar Fragen, sicher, aber nicht zu nachforschend. Sie hätte viel mehr fragen können, aber sie hatte es nicht getan. Sie war immer umsichtig, ihn nicht nach mehr zu drängen als er bereit war, zu geben, und dafür war er ihr unendlich dankbar.

Er wurde wieder aus seinen Gedanken gerissen, als eine Person einen gepolsterten Fußhocker vor seinen Stuhl zog und sich darauf fallen ließ. Er war nur leicht überrascht, dass der Gegenstand seiner Gedanken mit einem leicht besorgten Gesichtsausdruck vor ihm saß. „Geht es dir gut, Harry? Du siehst aus, als würde dich etwas beschäftigen."

Harry lächelte etwas traurig aber dankbar: „Ja, es wird schon werden, aber ich bin mir fast sicher, dass ich gerade aus dem Quidditchteam geflogen bin."

„Wie bitte?", kreischte Ginny.

Mehrere Köpfe fuhren bei Ginnys lautem Ausruf zu ihnen herum. „Könntest du noch etwas mehr Aufmerksamkeit erregen? Ich glaube, Ron war vorher nicht laut genug", schnappte er.

Ginny zuckte zusammen. „Entschuldige", sagte sie reuevoll.

„Nein. Es tut mir leid. Ich wollte meine Laune nicht an dir auslassen", sagte Harry ihr und schaute ihr ernst in die Augen.

„Schon okay. Was ist also passiert?", fragte sie besorgt.

Harry seufzte und rieb sich mit seinen Händen übers Gesicht: „Nun, ich kam hier nach meiner Stunde bei Dumbledore an und Ron sagte, dass er zusätzliches Quidditchtraining anberaumt hat. Eines davon ist diesen Sonntag um zehn."

„Aber du unterrichtest um diese Uhrzeit", unterbrach Ginny. „Er weiß das."

„Ja, das tut er", stimmte Harry zu.

„Und er hat erwartet, dass du deinen Unterricht für das Training absagst?", riet Ginny.

„Korrekt", sagte Harry mit einem kleinen Lächeln.

„Nun, ich schätze, dass du nicht geneigt warst, dem Folge zu leisten", sagte sie vorlaut.

„Du bist eine Schlaue, nicht wahr?", erwiderte Harry frech.

Die Schlauste" ,antwortete sie lachend. „Was ist dann passiert?"

„Er hat mir gesagt, dass ich entscheiden muss, was wichtiger für mich ist", erklärte Harry. „Und ich sagte ihm, dass es keine andere Wahl für mich gäbe."

„Oh warte, warte, warte, lass mich raten", fiel Ginny ihm ins Wort. „Er wurde ganz selbstgefällig und hat angenommen, dass du Quidditch gewählt hast, richtig?"

Harry lächelte sie ehrlich an: „Nun, du kennst deinen Bruder ziemlich gut, dass muss ich zugeben."

„Und dann hat er dich aus dem Team geworfen?", fragte sie ihn.

„So ziemlich", sagte Harry. „Er sagte, dass niemand mit dieser Einstellung in seinem Team spielen würde oder irgendetwas in der Art. Dann ist er davongestürmt, hinauf in unseren Schlafsaal."

„Es tut mir leid, Harry", sagte Ginny ihm ehrlich und sah ihm suchend in die Augen.

„Es ist keine große Sache", zuckte Harry unverbindlich mit den Schultern. „Wenigstens nimmt mir dieses Jahr keiner den Besen. Ich kann so oder so noch immer fliegen." Er flüsterte den letzten Teil.

„Aber das ist nicht wirklich das, was dich beschäftigt, oder?", fragte sie ihn ernst. „Quidditch meine ich", erläuterte sie noch immer in seine Augen blickend.

Harry schaute ihr direkt in die Augen und grinste sie an: „Du bist wirklich gut, weißt du das."

„Ja, ich bekomme es von Zeit zu Zeit zu hören", antwortete sie hochnäsig und wischte sich nicht vorhandenen Staub von ihrer Schulter.

Harry antwortete mit einem kleinen Lachen und einem leichten Schlag auf die Schulter, der eher ein Klopfen war. „Lass es dir nicht zu Kopf steigen."

„Wer, ich?", erwiderte sie frech.

„Mhmm", antwortete er.

„Also: Worüber hast du nachgedacht, bevor ich zu dir gekommen bin", fragte sie ihn ernst, alle Anzeichen von Verspieltheit verschwunden.

Aber Harry war noch nicht fertig. „Über dich", antwortete er einfach.

„Sehr lustig, Potter", war ihre Antwort und sie gab ihm einen Klaps auf die Schulter. „Worüber hast du wirklich nachgedacht?"

„Über dich", sagte er ernst.

Sie musterte ihn mehrere Augenblicke lang genau, bevor sie die Ehrlichkeit seiner Antwort akzeptierte. „Warum über mich?", fragte sie erstaunt.

„Nun, ich habe darüber nachgedacht, wie ich mich dieses Jahr scheinbar von Ron und Hermine entferne", erklärte Harry ihr etwas traurig. Aber seine Stimmung wurde etwas leichter, als er fortfuhr: „Aber dann habe ich daran gedacht, wie ich dieses Jahr anderen näher stehe, wie Neville und Luna und besonders dir."

„Warum vor allem mir", fragte sie in einem Flüsterton.

„Du solltest die Antwort darauf wissen. Du musst dein Gespür verlieren", neckte er sie etwas, was ihn einen weiteren Schlag auf den Arm einbrachte. „Nun, ich denke, wir haben uns in letzter Zeit sehr eng angefreundet, du bist auf dem besten Weg meine beste Freundin zu werden."

„Und darüber hast du so tief nachgedacht, als ich zu dir herüber gekommen bin?", fragte sie ihn.

„Jep", sagte er ihr. Ich habe ganz ehrlich über dich nachgedacht."

„Nun, ich kann nicht sagen, dass ich es dir übel nehme, dass du über mich nachdenkst", erwiderte sie und fand ihren hochnäsigen Tonfall wieder.

„Oh ja? Und wieso das?", wollte er wissen.

„Nun, ich bin sehr intelligent und wunderschön und könnte jeden meiner Brüder in einem Duell besiegen", sagte sie, als sei es das logischste auf der Welt.

„Du hast loyal, vertrauenswürdig und großherzig vergessen", fügte Harry hinzu.

„Natürlich, das alles auch und so viel mehr. Es ist nur natürlich, dass du an mich denken würdest", sagte sie.

„Nun, das ist eine Erleichterung", Harry atmete tief aus und wischte sich über die Augenbraue. „Es ist gut zu wissen, dass ich einmal normal bin."

Sie kicherte über seinen Kommentar: „Es tut mir wegen Ron und der ganzen Quidditchsache leid, Harry", sagte sie ihm schließlich. „das nächste Mal, wenn ich ihn sehe, werde ich versuchen, etwas Verstand in ihn zu hexen."

„Danke", sagte Harry mit einem Lachen.

Sie waren einen Moment lang still. „Es ist nur so frustrierend, zu sehen, wie der beste Freund sich immer weiter von einem entfernt. Ich frage mich nur, was falsch gelaufen ist. Wieso gehen die Dinge zwischen uns in die Brüche. Warum?"

„Ich weiß nicht, ob es Antworten auf diese Fragen gibt, Harry", sagte Ginny ihm entschuldigend. „Wir werden alle erwachsen und nicht jeder entwickelt sich in dieselbe Richtung. Und manche wachsen nur körperlich. Fakt ist, das du über die letzten Monate sehr gewachsen und reifer geworden bist, zumindest finde ich das. Und während Ron und Hermine älter werden, sind sie nicht unbedingt reifer geworden."

Harry setzte gerade zum Sprechen an, als Ginny erriet, was er sagen wollte: „Ich versuche nicht zu sagen, dass es deine Schuld ist. Wir sind schließlich im Krieg. Es ist nur natürlich, dass besonders du gezwungen sein würdest schneller erwachsen zu werden, angesichts der Tatsache, dass du im Mittelpunkt von allem stehst. Vielleicht werden sie im Laufe der Zeit erwachsen, und du wirst in der Lage sein, die Nähe wiederzufinden, aber es gibt keinen Weg, es zu garantieren."

„Es gibt also nichts, was ich tun kann außer weiterzumachen und auf das Beste zu hoffen?", fragte Harry sie.

„Das ist alles, was wir tun können", erwiderte Ginny ernst.

Harry schaute ihr einen langen Moment in die Augen, bevor er antwortete: „Ich nehme an, ich habe einfach nie gedacht, dass ich Ron verlieren würde, aber nach dem weiß ich nicht, ob unsere Freundschaft je wieder dieselbe sein wird. Ich wusste, dass wir uns auseinanderleben, aber das hätte ich nie erwartet."

Ginny drückte sanft sein Knie, bevor sie ihre Büchertasche nahm und sich neben ihn setzte, um an ihren Hausaufgaben zu arbeiten.

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Der Rest der Nacht verlief ereignislos. Harry verbrachte seine Zeit mit Lesen, da er sich zu nichts anderem in der Lage fühlte. Er sah Ron überhaupt nicht, bis er zu Bett ging. Sein Freund war bereits im Bett, seine Vorhänge zugezogen. Harry seufzte und kletterte in sein eigenes Bett. Nach seinem üblichen Workout am nächsten Morgen ging Harry zum Frühstück. Er setzte sich wie immer zu seinen Freunden, aber Ron weigerte sich hartnäckig, Harrys Präsenz wahrzunehmen, und das führte zu einer sehr ungemütlichen Atmosphäre, die von allen in der Umgebung gefühlt wurde. Hermine und Neville taten ihr bestes, Ron zu ignorieren, aber es war ziemlich schwer.

Als es Zeit fürs Mittagessen war, ging Harry an seinem üblichen Platz am Tisch vorbei und winkte Hermine und Neville nur näherte sich derjenigen seiner besten Freunde mit dem längeren roten Haar und fragte: „Macht es dir etwas aus, wenn ich mich zu euch setze, Gin?"

Ginny schaute ihn voller Wärme an: „Überhaupt nicht, Harry." Sie rutschte ein wenig zur Seite und klopfte auf den leeren Platz auf der Bank an ihrer Seite. „Kennst du alle meine Freunde?", fragte sie ihn.

„Ich denke schon ", sagte Harry ihr, als er den Fünftklässlern um ihn herum zunickte: „Hallo zusammen."

Sie begrüßten ihn ebenfalls und der Rest der Mahlzeit verlief normal. Oder eben so normal, wie es sein konnte, ohne das er bei Ron und Hermine saß, mit denen er beinahe jede Mahlzeit, die er je in Hogwarts gegessen hatte, verbracht hatte. Tatsache war, das er seine Freunde vermisste. Nicht nur Ron, sondern auch Hermine. Zugegeben, sie redeten noch miteinander, aber sie standen sich nicht annähernd so nah wie in den vergangenen Jahren, und Harry würde alles geben, um bei den zweien zu sitzen und über nichts Besonderes zu reden.

Aber er genoss es, Zeit mit Ginny und ihren Freunden zu verbringen. Manche der Mädchen kicherte etwas viel, aber er tröstete sich mit der Tatsache, dass sie nicht annähernd so schlimm wie Lavender Brown und Parvati Patil waren. Colin Creevey war ebenfalls in der Nähe, aber sein Fanbetragen war verhaltener als in der Vergangenheit und strapazierte daher Harrys Nerven nicht mehr die ganze Zeit. Alles zusammen war es eine angenehme Erfahrung, und er beschloss, öfters mit Ginny und ihren Freunden zu essen. Es war schön, die Dinge etwas durcheinanderzuwirbeln und mit anderen Menschen zu reden.

Er war nach dem Essen schneller als seine Freunde beim VgdDK-Klassenzimmer und setzte sich auf seinen üblichen Platz. Als Ron und Hermine eintraten, wählte Ron sofort einen Platz auf der anderen Seite des Raumes. Hermine war zwischen ihren Freunden hin- und hergerissen und das nicht zum ersten Mal. Sie sah so aus, als würde sie zu Harry gehen, als Harry Mitleid mit ihr hatte. Er lächelte sie grimmig an und nickte in Rons Richtung. Sie schaute ihn fragend an, als ob sie wissen wollte „Bist du dir sicher?". Er nickte ihr zu.

Sie lächelte ihn warm an und formte die Worte" Dankeschön", als sie den Platz neben Ron einnahm. Neville währenddessen kam herein und setzte sich neben Harry. „Hey, Harry", grüßte ihn Neville.

„Schön, dich zu sehen, Neville", antwortete Harry ehrlich.

„Tut mir Leid wegen Ron", sagte Neville ihm.

„Danke, Neville, ich weiß das zu schätzen", sagte Harry ihm. „Es ist nur so frustrierend, zu sehen, wie schnell er eine fünfjährige Freundschaft wegwirft. Aber wenigstens zeigt es mir, wer meine wahren Freunde sind, nicht wahr?" Den letzten Teil sagte Harry mit einem bedeutungsvollen Blick auf den Jungen neben ihm, was nicht unbemerkt blieb.

Neville lächelte ihn dankbar an. „Ja", stimmte er zu. „Ich schätze, das tut es."

Der Rest des Tages verging auf ähnliche Weise. Harry saß beim Abendessen wieder bei Ginny. Am Ende der Mahlzeit kam McGonagall zum Gryffindortisch. Sie blieb nur kurz stehen, um mit Ron zu reden, bevor sie mit ihm im Schlepptau verschwand und dabei Harry einen nicht-sehr-freundlichen-Blick zuwarf.

Nach dem Essen forderte er Neville zu einer Partie Schach heraus, welches sich als ein ziemlich ebenbürtiges Spiel herausstellte. Neville schaffte am Ende gerade so, ihn zu besiegen, aber Harry konnte sich nicht erinnern, jemals so nah dran am Gewinnen gewesen zu sein. Er war es gewohnt, mit Ron zu spielen, oder seltener gegen Hermine und beide waren um Welten besser als er.

Während ihrer Partie erzählte Neville Harry über ein Kräuterkundeprojekt, an dem er mit Professor Sprout arbeitete. Vieles verstand er nicht, aber er freute sich für seinen Freund. Es hörte sich nach einer großen Sache an und Neville strahlte praktisch die ganze Zeit, als er darüber redete. Sie redeten auch ein wenig über die HA und wie sie dachten, dass der Unterricht verlief. Neville gab zu, dass er anfangs ziemlich skeptisch gewesen war, als Harry das erste Mal die Ausweichübungen im Unterricht vorgestellt hatte, aber nach mehreren Wochen des Trainings hatte er seine Meinung vollständig geändert.

Er verbrachte noch ein wenig Zeit mit Neville und Hermine redend, bevor er sich in sein Büro zurückzog, um an ein paar Sachen zu arbeiten. Die Wahrheit war, dass er wirklich einige Zeit aus dem Turm verschwinden musste. Professor Caldwell hatte ihm einige weitere Aufsätze zum Korrigieren gegeben, an denen er wahrscheinlich arbeiten sollte, aber er wollte wirklich allein über Metamorphmagi lesen. Seit Ginnys Kommentar Anfang der Woche hatte er es nicht erwarten können, mehr über die Fähigkeit zu erfahren und ob er tatsächlich einer war. Er durchsuchte die Regale der Bücherei auf der Suche nach Büchern über das Thema. Und nun stillte er seine Neugier, indem er über das Thema las.

Er fand einige gute Orientierungspunkte. Er lernte schnell, dass es viele verschiedene Level an Metamorphmagi gab. Manche - wie Tonks - hatten die komplette Kontrolle über ihre Erscheinung. Andere hatten unterschiedliche Level der Kontrolle. Manche waren nicht in der Lage, ihre allgemeine Körperstruktur zu verändern, konnten aber ansonsten alles verändern. Wieder andere konnten nur ihre Färbung, egal ob Haut, Haar oder, wie in Harrys Fall, nur die Haarlänge verändern. Es gab sogar einen Bericht von jemanden der nur in der Lage gewesen war das Wachstum seiner Nägel zu kontrollieren. Das wäre eine merkwürdige Fähigkeit.

Soweit Harry es verstand, gab es keine Möglichkeit, um sagen zu können, welches Level man hatte, außer zu versuchen, verschiedene Körperteile zu verändern und seine Grenzen herauszufinden. Harry begann mit etwas Leichtem. Er wusste, dass er seine Kopfhaarlänge verändern konnte. Also konzentrierte er sich zuerst auf sein Haar. Sein erster Versuch war mit seinen Barthaaren. Er wusste, dass einige seiner Freunde sich regelmäßig rasieren mussten; er musste dies nie. Er hatte nie wirklich darüber nachgedacht, genauso wie er sich vor diesem Sommer nie viel Gedanken um sein Haar gemacht hatte.

Aber nun fragte er sich, ob er dies ebenfalls unbewusst kontrollierte. An diesem Abend saß Harry also in seinem Büro, starrte in eine heraufbeschworenen Spiegel und konzentrierte sich darauf, sich einen Bart wachsen zu lassen. Als er nach einigen Minuten noch keinen Erfolg hatte, spielte er mit der Länge seiner Kopfhaare, um ein Gefühl dafür zu kriegen, wie er den Vorgang kontrollierte. Dann tat er sein Bestes, um dies für sein Gesicht zu übernehmen.

Diese Vorgehensweise funktionierte hervorragend und ihm wuchs bald ein dichter Vollbart. Er ließ ihn wachsen, bis er sich an Hagrid und dessen buschigen Bart erinnert fühlte. Er konnte nicht anders als über sich selbst zu lachen als er in den Spiegel schaute. Er konzentrierte sich darauf, sein Haar wieder schrumpfen zu lassen, bis er einen ordentlich aussehenden Bart hatte. Er ließ alles verschwinden, sobald er zufrieden war und konzentrierte sich darauf, nur einen Kinnbart wachsen zu lassen. Er benötigte einige Versuche, um es richtig hinzukriegen, aber er schaffte es eventuell das Haar genau dort wachsen zu lassen, wo er es wollte.

Harry musste den Drang unterdrücken, weiterzuexperimentieren. Es wurde spät und angesichts der Tatsache, wie Hermine in der Vergangenheit mit dem Zapfenstreich gehandelt hatte, wusste er, dass er einer formidablen Hexe im Gemeinschaftsraum gegenüberstehen würde, wenn er nicht bald zusammenpacken würde. Er machte sich also widerwillig zurück auf den Weg in den Turm zu seinen Hauskameraden.

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Anders als Harry gehofft hatte verflüchtigte sich die angespannte Atmosphäre nicht über das Wochenende. Ron ignorierte noch immer beharrlich seine Präsenz, nicht das Harry besonders dazu geneigt war mit Ron zu reden angesichts wie dieser sich benahm. Und er würde wahrscheinlich für einige Zeit nicht so geneigt sein. Aber zur gleichen Zeit fühlte Harry sich schlecht über die Belastung auf ihrer Freunde. Außerdem genoss er sein Leben mehr, wenn er sich nicht mit seinen Freunden stritt. Aber es gab nicht viel, was er machen konnte.

Ron musste selber damit zurechtkommen und erkennen, dass es mehr im Leben als Quidditch gab. Aber nicht nur das: Ron musste lernen, dass seine Taten Konsequenzen hatten. Er verlor zu schnell seine Beherrschung und attackierte seine Freunde. Und er wiederholte dieselben Fehler immer und immer wieder. Harry hatte ihm in der Vergangenheit schnell verziehen, aber er war nun nicht dazu bereit, dies zu tun. Sie waren keine Kinder mehr und Ron musste erwachsen werden. Wenn Ron wirklich darüber nachdachte und erkannte, was er getan hatte, er mit Harry reden würde und sich für alles entschuldigte, was er getan hatte und nicht nur „Tschuldige, das ich dich aus dem Team geschmissen habe" sagen würde: vielleicht könnte Harry dann in Betracht ziehen, ihm zu verzeihen. Nie und nimmer würde er Ron sich entschuldigen lassen und so tun, als wäre es nie passiert.

Eine Sache, die er während des ganzen Tumults bemerkte, war Rons verändertes Verhalten gegenüber Hermine. Sie waren sich natürlich immer nahe gestanden. Harry, Ron und Hermine waren seit mehreren Jahren beste Freunde. Aber Ron und Hermine kabbelten sich die meiste Zeit über die belanglosesten Dinge. Sie argumentierten immer und oft ziemlich nachdrücklich. Aber das schien nun nicht der Fall zu sein. Ron schien sein Bestes zu versuchen, um Frieden mit Hermine zu halten.

Harry konnte nicht sagen, ob es war, weil Ron wütend auf Harry war und daher nicht den Drang verspürte, mit Hermine zu streiten oder weil Ron einfach nur langsam erkannte, was er für Hermine fühlte. Mit dem sich nähernden Weihnachtsball wäre es ein günstiger Zeitpunkt, um nach seinen Gefühlen zu handeln. Sie hatten seit dem Tag, als der Weihnachtsball verkündet worden war, nicht mehr wirklich über den Ball geredet. Ron schien das Thema wie die Pest zu vermeiden, egal, ob es wegen der Tatsache war, dass Harry mit seiner kleinen Schwester hinging oder wegen der Spekulationen, welche Hexe er fragen würde.

Nicht das irgendjemand die Frage wirklich stellen musste. Es war für jeden offensichtlich, was Ron für Hermine fühlte, für jeden mit der Ausnahme von Ron und Hermine. Wenigstens etwas Gutes konnte aus diesem Durcheinander gewonnen werden, überlegte Harry und sagte dies auch Sonntagabend zu Ginny.

„Was meinst du?", fragte sie ihn und blickte kurz zu ihrer Freundin und ihrem Bruder, die zusammen auf einem Sofa vor dem Kamin saßen und lernten.

„Sag mir nicht, dass du es nicht sehen kannst", wollte er ungläubig wissen. „Und da dachte ich, ich wäre der begriffsstutzige."

„Was soll ich sehen können?", fragte sie nach und schaute zwischen Harry und dem Duo hin und her.

„Seit Ron mich aus dem Team geworfen hat, haben sie sich - soweit ich das sehen kann - nicht einmal gestritten", sagte Harry ihr. Er zog eine Augenbraue hoch und fügte hinzu: „Das muss ein Rekord für die beiden sein. Ich glaube, Ron versteht es langsam. Alles, was er machen muss, um alles festzumachen, ist, sie zum Ball zu fragen."

„Oh? Das ist es also, was du getan hast? Alles festgemacht, indem du mich zum Ball gebeten hast?", neckte sie ihn.

„Aber natürlich", erwiderte er selbstgefällig. Er wackelte mit seinen Augenbrauen für einen Augenblick, bevor er wieder ernst wurde. „Es wird langsam Zeit. Die beiden schleichen seit Jahren umeinander herum."

„Kein Scherz."

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Die folgende Woche verlief mehr oder weniger genauso. Harry übte weiterhin zusätzlich zu seinem normalen Training mit seinen Metamorphmagusfähigkeiten, aber bisher hatte er außer seiner Haarlänge noch keinen weiteren Erfolg gehabt, auch wenn er sehr über sich selbst gelacht hatte, als er es fertig gebracht hatte, seine Arm- und Beinhaare wachsen zu lassen. Er würde nicht so einfach aufgeben. Er war es gewohnt, seine Haarlänge zu kontrollieren, natürlich würde es am einfachsten sein. Er wusste nicht, ob er zusätzliche Fähigkeiten hatte, aber er würde sicherstellen, dass er sich so sehr anstrengte, wie er konnte, bevor er die Möglichkeit nicht mehr in Betracht ziehen würde.

Harry war froh zu sehen, dass Ron noch immer zu seinem HA-Unterricht auftauchte, obwohl er vermutete, dass Hermine ihn ein wenig drängen musste. Ron verhielt sich in keinem Fall freundlich, aber er war wenigstens etwas höflicher, da er Harry nicht vollständig ignorierte. Harry für seinen Teil versuchte sich so zu verhalten, als würde ihm das nichts ausmachen. Rons Verhalten verstärkte nur Harrys Gründe, warum er Dinge vor seinem Freund geheim hielt. Wenn Ron so über Quidditch reagierte, konnte Harry es sich nicht leisten, ihm Geheimnisse zu verraten. Man konnte ihm nicht vertrauen.

Harry verbrachte weiterhin viel Zeit mit Ginny und ihren Freunden. Er begann ihnen beim Wiederholen für die immer drohenden Z.A.G.s zu helfen. Ginny fand in ihm eine Quelle des Wissens für ihren Muggelkundeunterricht. Nicht, dass sie keine anderen muggelgeborenen Freunde hatte, die sie fragen konnte, aber diese waren oft mit ihren eigenen Schulaufgaben beschäftigt.

Harry war weiterhin seinem Unterricht voraus, ohne dass er sich sehr anstrengen musste. Die Tatsache, dass er nur fünf Fächer hatte zusammen mit seinen wachsenden Fähigkeiten und seinem wachsenden Interesse am Lesen machten wirklich einen Unterschied aus.

Er musste sich noch immer im Unterricht zurückhalten, um nicht zu viel Aufmerksamkeit auf seine immer-wachsenden Fähigkeiten zu lenken. Er war sich sicher, dass er die meisten Zauber im Unterricht beim ersten Versuch meistern könnte, aber er machte absichtlich am Anfang einige Fehler. Manchmal war er trotzdem der erste, der den Zauber meisterte, zu anderen Zeiten ließ er ein paar andere schneller sein. Auch mit all diesen Maßnahmen konnten seine Lehrer ihn nicht genug loben, sehr zu Hermines Bestürzung.

Hermine verbrachte noch immer ungeheuer viel Zeit mit Lernen und versuchte Harry voraus zu sein. Die Tatsache, dass sie mehrere zusätzliche Fächer gewählt hatte, schien in ihrem Kopf keinen Unterschied zu machen. Sie war entschlossen, die Beste in jedem Fach zu sein. Zuerst war er über Hermines Reaktion ein wenig amüsiert, aber als die Zeit verging, begann es ihm auch ein wenig weh zu tun. Statt sich für ihn zu freuen, wurde Hermine nur immer frustrierter und konzentrierter. Harry versuchte nicht zu sehr daran zu denken, da er im Moment nicht noch weitere deprimierende Gedanken brauchte.

Würde er nicht so viel lesen und trainieren, könnte Harry sich vorstellen, dass er in diesem Semester ziemlich gelangweilt gewesen wäre. In der Vergangenheit war der Unterricht viel schwerer gewesen: Teils wegen seiner fehlenden Anstrengungen und teils wegen seines ziemlich vollen Kalenders. Dieses Jahr war ganz anders. Der Unterricht war einfach. Die HA bereitete keine Probleme. Sein persönliches Training kam gut voran. Und ohne Quidditchtraining hatte er noch mehr freie Zeit, um die Magiearten zu studieren, die ihn interessierten.

Hermine war noch immer durch Ron und Harrys Entfremdung hin und her gerissen, aber Harry sagte ihr, dass es nichts gab, das sie tun konnte, um die Situation zu verbessern. Natürlich hinderte sie das nicht daran, andauernd zu versuchen, sie beide zum Reden zu bewegen. Harry hatte keine Absicht, dies im Moment zu tun, nicht bevor Ron sich entschuldigte. Das belastete seine Freundschaft zu Hermine. Während er fühlte, als würden sie sich immer weiter voneinander entfernen, wollte er ihre Freundschaft auch nicht verlieren. Also stellte Harry sicher, dass er Zeit mit Hermine verbrachte, während Ron beim Quidditchtraining war.

Hermine verbrachte die meiste Zeit mit Ron, zum größten Teil deswegen, weil Ron sie zurzeit in Beschlag zu nehmen schien, und sie fühlte sich schlecht darüber, Harry außen vor zu lassen. Harry wusste, wie sie über Ron fühlte, und er verstand daher, warum sie sich auf seine Seite schlug. Nichtsdestotrotz tat es dennoch weh, dass sie zu Ron hielt.

Es gab tägliche Berichte über Angriffe im Tagespropheten, was eine angespannte Atmosphäre schuf, aber die Routine der Schule und ihres alltäglichen Lebens konterte das adäquat. Das Leben im Gryffindorturm war relativ friedlich für die meisten Bewohner. Das beinhaltete jedoch nicht Ron, der mehr als nur einmal das Opfer von einem Scherz wurde und der offenen Feindschaft von vielen Hausmitgliedern gegenüberstand. Niemand von ihnen war begeistert, wie Ron Harry behandelte, noch von dem Verlust ihres Starsuchers. So ungefähr die einzige Person, die regelmäßig mit ihm redete, war Hermine, und zur Abwechslung verstanden sie sich einmal.

Das Quidditch-Team übte fieberhaft, nun, da sie ihren Ersatzsucher trainieren mussten. Die Ehre war Ginny zugefallen - sehr zu ihrem Missfallen, da sie im vorigen Jahr so eine bewundernswerte Arbeit geleistet hatte. Als Ron mit ihr darüber geredet hatte, war sie versucht gewesen, ihrem Bruder zu sagen, dass er es sich sonstwo hinstecken und jemand anderen finden sollte, der den Job machen möchte. Das Training am Freitag war unglaublich angespannt, erzählte Ginny Harry. Während Ron die Bälle weggeräumt hatte, hatten sie anscheinend in der Umkleide geredet und hatten überlegt, Ron zu sagen, wo genau er sich sein Kapitänsabzeichen hinstecken könnte.

Als Harry davon hörte, traf er sich mit dem Team - Ron ausgenommen und ohne dessen Wissen. Er sagte ihnen, dass er wollte, dass sie spielen, um zu gewinnen, auch wenn es ohne ihn war. Sie waren widerwillig, aber fügten sich schließlich seinen Wünschen. Das Training war noch immer angespannt und das Team nicht sehr freundlich zu Ron, aber die Situation hatte sich bedeutend entspannt. Es war gut, dass sie entschieden hatten, auch Reservespieler zu haben, da sie sonst zusätzlich noch einen brandneuen Jäger trainieren müssten. Wie die Situation war, war das Team nicht annähernd so stark wie es mit Harry als Sucher und Ginny als Jäger gewesen wäre, aber es war noch immer insgesamt ziemlich solide.

Harry war aber besorgt. Er wollte wirklich nicht gegen Slytherin verlieren. Es war außerdem sicher, dass diese mit schmutzigen Tricks spielen würden. Er machte sich nie über sich selbst dort oben sorgen. Er wusste, er konnte mit allem, was Malfoy und seine Gefolgsleute austeilten, zurechtkommen. Und sie konzentrierten sich immer auf ihn, da er der Sucher war, und so musste er sich nicht wirklich Sorgen um die anderen machen. Aber nun würde Ginny Sucher sein und Malfoy würde sich sicherlich auf sie konzentrieren.

Das war der Grund, warum Harry - nachdem Ravenclaw Hufflepuff am Samstag mit 240:100 niedergemacht hatte - Ginny hinaus auf das Quidditchfeld führte. Ginny zitterte fast vor Neugier, da Harry sich weigerte, ihr zu sagen, um was es ging. Als sie endlich das Spielfeld erreichten und er sie stoppte, brach es sofort aus ihr heraus: „Also, warum hast du mich hierher gebracht?"

„Ich habe eine Überraschung für dich", erwiderte er mysteriös. „Ich hätte das auch letztes Jahr getan, aber da die Umstände so waren, wie sie waren, konnte ich es nicht."

„Was?", fragte sie aufgeregt. Sie hatte Probleme, still zu stehen und wippte auf ihren Fußballen auf und ab.

„Du wirst es in einer Sekunde sehen", sagte er ihr, als er seinen Koffer aus seiner Hosentasche kramte. Er vergrößerte ihn und griff hinein, um eines seiner wertvollsten Besitztümer herauszuziehen. „Hier", sagte er und gab es ihr.

„Was?", fragte sie atemlos, spreizte ihre Hände und schüttelte ihren Kopf ungläubig.

„Ich möchte, dass du ihn benutzt", sagte er ihr, als er eine ihrer Hände nahm und sie um den Stiel seines Feuerblitzs legte. „Ich möchte nächste Woche sehen, wie du die Slytherins Staub fressen lässt."

„Harry, ich kann nicht", bestand sie und versuchte ihm den Besen zurückzugeben.

Harry schrumpfte seinen Koffer und steckte ihn schnell wieder ein: „Du kannst und du wirst. Du hattest kaum Training als Sucher und ich weiß, dass Malfoy jeden schmutzigen Trick, den er kennt, probieren wird, um dich zu erwischen. Niemand kann dich auf dem Feuerblitz erwischen. Du fliegst toll Ginny. Es ist eine Schande, dass du nur den Besen hast, den du hast. Jetzt los, du musst dich an den Besen gewöhnen."

Ginny schüttelte noch immer nachdrücklich ihren Kopf: „Aber ich kann ihn nicht annehmen. Sirius hat ihn dir gegeben. Was ist, wenn etwas geschieht? Du würdest mir nie verzeihen. Ich würde mir selbst nie verzeihen."

„Warum überlässt du nicht mir die Entscheidung was ich verzeihen würde und was nicht?", fragte er sie. „Sirius hat ihn mir gegeben. Und ich schätze den Besen. Aber Sirius hätte nicht gewollt, dass ich den Besen als irgendein geheiligtes Artefakt, das hinter Schloss und Riegel bleiben muss, behandele. Er würde wollen, dass der Besen benutzt wird, um den Gryffindors zu helfen, die Slytherins fertig zu machen. Du weißt, dass das wahr ist. Wenn du ihn also nicht für mich fliegen willst, fliege ihn für Sirius."

Sie hörte schließlich auf ihren Kopf zu schütteln und schaute ihm tief in die Augen, als er sprach. Als er Sirius erwähnte, begannen ihre Augen mit Tränen zu glitzern. Sobald er geendet hatte, warf sie ihre Arme um seinen Hals und umarmte ihn fest. „Oh Harry", rief sie, und die Tränen begannen ihre Wangen hinunterzulaufen.

„Schh", flüsterte er in ihr Ohr und seine Arme schlangen sich um sie, um die Geste zu erwidern. „Er hat dich immer gemocht. Er hat erzählt, dass ihr beide über den Sommer und den Weihnachtsferien geredet habt. Er sagte, dass du ihn sehr an meine Mum und meinen Dad erinnerst, als sie zusammen auf Hogwarts waren. Er sagte, du hast den Rumtreibergeist in dir." Er streichelte sanft über ihren Rücken in dem Versuch, sie zu trösten. „Ich denke, er wäre froh, dich da draußen fliegen zu sehen. Ich denke, er würde wollen, dass du nächste Woche Malfoy Staub fressen lässt."

Sie schluchzte, als er ihr erzählte, was Sirius über sie gesagt hatte. Sie fragte sich, wann er die Gelegenheit gehabt hatte, Harry dies über sie zu erzählen und war erstaunt, dass sie überhaupt in der wenigen Zeit, die sie gemeinsam gehabt hatten, über sie geredet hatten. Sie hatte immer gedacht, dass Harry sie vor dem vergangenen Sommer nie wirklich wahrgenommen hatte. Natürlich hatte sie Recht, da diese Konversation zwischen Harry und seinem Paten sich erst in dem Sommer, nachdem Sirius gestorben war, abgespielt hatte. Aber sie konnte das nicht wissen.

Sie umarmte ihn einige Minuten lang, bevor sie sich einigermaßen wieder unter Kontrolle hatte. Sie rieb ihre Augen am Ärmel ihrer Robe trocken, um zu versuchen, die Hinweise auf ihre Tränen zu löschen. Das war das zweite Mal in diesem Semester, dass sie zusammengebrochen war und an Harrys Schulter geweint hatte und sie war ein wenig peinlich berührt. Sie weinte normalerweise nicht viel. Aber sie war insgeheim beeindruckt von ihm. Soweit es sie anging, war er beide Male sehr gut darin gewesen, sie zu trösten. Sie wusste nicht, was Hermine meinte, wenn sie sagte, dass Harry nicht mit weinenden Mädchen umgehen konnte.

Nachdem sie ihr Gesicht so gut wie möglich abgewischt hatte, löste sie sich von ihm und ließ ihre Arme zur Seite fallen. Er löste seinen Griff, aber statt sie komplett loszulassen, fuhr er mit seinen Händen ihren Rücken hoch bis er sie an den Schultern packte und sie eine Armeslänge von ihm entfernt hielt. „Alles okay?", fragte er sie sanft.

Sie nickte und wischte sich wieder über die Augen, um zu verhindern, dass sie wieder anfing zu weinen. Nach einem Moment hatte sie ihre Fassung soweit wiedergewonnen, um antworten zu können: „Ja, danke. Es ist nur ... Ich vermisse ihn noch immer, weißt du?" Harry nickte. „Ich kann dir gar nicht sagen, wieviel es mir bedeutet, dass du mir vertraust, deinen Feuerblitz zu fliegen." Sie erkannte erst, dass sie den Besen noch immer in der Hand hielt, als sie auf diesen deutete, um ihre Aussage zu unterstreichen. „Und ich kann nicht glauben, dass Sirius das alles gesagt hat", fuhr sie erstaunt fort.

„Nun, glaube es", sagte Harry fröhlich. „Er sagte, du seist großartig. Hat mir sogar gesagt, dass es ihm nichts ausmachen würde, wenn du eines Tages seine Patentochter werden würdest", fügte er in der Hoffnung hinzu, die Situation aufzulockern.

Ginnys Hand fuhr zu ihrem Mund und ihre Augen drohten aus ihren Höhlen zu fallen. „Das hat er nicht", rief sie aus.

Harry grinste sie an: „Er hat."

Ginny starrte ihn einen Moment mit großen Augen an, bevor ihre Mundwinkel zuckten. Einen weiteren Moment später lachte sie auf und Harry folgte ihrem Beispiel. Und schon bald lachten beide freiheraus, Ginny lag vor Lachen fast auf dem Boden.

Nach einem Moment schaffte sie es, zu sagen: „Ich kann nicht fassen, das er das gesagt hat."

„Ich weiß", stimmte Harry zu. „Er hat mich damit ein wenig überrascht. Nicht, das die Idee unerfreulich wäre oder so", fügte er schnell hinzu, plötzlich besorgt, das er sie beleidigen könnte. „Aber er sagte es wie aus dem Nichts und ich bin noch jung und alles. Ich habe nie wirklich zuvor über Heirat nachgedacht."

„Nun, wenn wir versuchen, Sirius Wünsche zu ehren", sagte sie anzüglich und näherte sich ihm, ihre Schulter rieb gegen ihn. Sie schaute ihn von unterhalb ihrer Wimpern für einen Moment süß an, bevor sie fortfuhr: „Dann werde ich wohl deinen Feuerblitz fliegen." Sie lachte herzhaft, als sie davonsprintete und auf den Besen sprang. Sie flog einen Zirkel um ihn herum und lachte über seinen erstaunten Gesichtsausdruck. „Mach den Mund zu, Harry. Du hast doch nicht geglaubt, dass ich mir dir so einfach hingebe, oder?", neckte sie.

Harry konnte nur mit dem Kopf schütteln, als er zu ihrer fliegenden Gestalt hochschaute und lachte schließlich mit ihr. Sie hatte ihn definitiv überlistet. Sie flog einige Male um das Spielfeld und er ließ sich auf das Gras fallen, um zuzuschauen. Nach etwa zehn Minuten oder so landete sie direkt neben Harry. „Hast du vor, den ganzen Tag hier herumzusitzen und mir beim Fliegen zuzuschauen?", fragte sie ihn.

„Warum nicht?", war seine Antwort. „Du bist eine ausgezeichnete Fliegerin."

„Nah", schüttelte sie ihren Kopf verneinend.

„Ich meine es. Es sieht so aus, als sei der Feuerblitz für dich kreiert worden", bestand er darauf.

Sie errötete bei seinem Lob, obwohl man es nicht sehr gut sehen konnte, da ihr Gesicht bereits vom Fliegen erhitzt war. „Aber ernsthaft: Ist es nicht langweilig, nur hier herumzusitzen?", fragte sie ihn.

Harry schüttelte den Kopf: „Es macht mir wirklich nichts aus. Fliege solange du möchtest."

Sie flog weitere zehn Minuten um das Spielfeld, bevor sie neben Harry landete. Sie stieg nicht vom Besen. Harry stand auf und fragte: „Schon fertig? Ich hatte angenommen, dass du noch mindestens eine halbe Stunde fliegen würdest."

Sie schüttelte den Kopf: „Ich bin noch nicht fertig. Aber ich lasse dich nicht einfach hier herumsitzen, mit nichts anderes zu tun als mich zu beobachten ..."

„ES ist okay, wirklich", unterbrach Harry. „Außerdem glaube ich nicht, dass es die beste Idee wäre, wenn du alleine hier draußen wärst, vor allem da es bald dunkel wird."

Ginny hielt eine Hand in die Höhe, um Harry zu stoppen. „Du hast mich missverstanden. Ich lasse dich nicht einfach hier herumsitzen, ohne dass du etwas zu tun hast, wenn auf diesem Ding mehr als genug Platz für zwei ist", sie klopfte leicht gegen den Besenstiel, um ihre Worte zu unterstreichen. „Was sagst du dazu Harry? Bereit zu fliegen?"

Harry schaute sie für einen Augenblick an, als sei ihr ein zweiter Kopf gewachsen: „Meinst du das ernst?"

„Warum nicht?", fragte sie ihn. „Außer du möchtest den Besen nicht mit meiner Wenigkeit teilen.", sagte sie und zog einen Schmollmund.

„Oh, hör auf, so ein Gesicht zu ziehen, Weasley," neckte Harry. „Ich bin noch nie zusammen mit jemandem auf einem Besen geflogen. Bist du sicher, dass es sicher ist?"

Ginny nickte: „Bill hat mich einmal mitgenommen, als ich sechs oder sieben war."

„Ja, aber wir sind beide ausgewachsen. Bis du dir sicher, dass es für zwei Erwachsene sicher ist", wollte Harry wissen.

„Ja, Harry. Ich habe seitdem nicht mehr mit jemanden den Besen geteilt, aber ich kenne andere, die es haben. Und der Besen ist absolut in der Lage, zwei ausgewachsene Personen zu tragen. Wir sind beide ziemlich klein. Wir sollten also mehr als sicher sein", erklärte sie ihm.

„Wen nennst du hier klein? Ich bin mindestens zehn cm größer als du", witzelte Harry. Er wusste, dass er für einen Jungen in seinem Alter ein wenig schmal geraten war. Aber er betrachtete sich nicht als so klein. So, wie er es sah, war er ein wenig unter dem Durchschnitt und noch immer am Wachsen. Doch wenn er nahe einer der sechs Weasleybrüder war, war er sich sicher, dass er ein wenig klein aussah, da sie alle ziemlich groß waren, so wie Ron, oder etwas muskulöser, so wie die Zwillinge. So gesehen konnte er verstehen, warum sie ihn als klein bezeichnete.

Sie lehnte sich ein wenig von ihm weg und musterte ihn genau von oben bis unten. „Ich glaube ja, ich nenne dich klein", neckte sie ihn. „Also, fliegst du jetzt mit mir oder nicht?"

„Wie du befiehlst", sagte Harry, verbeugte sich spöttisch und tat sein bestes, den Blick, den sie ihm zuwarf, zu ignorieren. Seine Reaktion darauf, wie sie ihn ansah, war etwas, über das er später nachdenken musste. Heute Nacht seine Erinnerungen zu sortieren würde ein interessantes Erlebnis werden.

„Wie hast du dir das gedacht?"

Sie dachte eine Sekunde darüber nach: „Warum setzt du dich nicht vor mich und ich halte mich an deiner Hüfte fest?"

Harry nickte und trat einen Schritt vor, bevor er seine Meinung änderte: „Warte. Du bist diejenige, die mit dem Feuerblitz üben soll. Du kannst nicht üben, wenn ich derjenige bin, der ihn fliegt."

Ginny wischte seine Bedenken beiseite: „Das ist kein Problem. Ich werde noch immer ein Gefühl dafür kriegen, was er kann. Ich bekomme wahrscheinlich sogar ein besseres Gefühl für ihn, da du gewohnt bist ihn zu fliegen. Du weißt was er kann. Außerdem habe ich eine ganze Woche Training vor mir, um mich an ihn zu gewöhnen. Wusstest du, dass wir diese Woche jeden Tag Training haben?"

Harry lachte: „Das hört sich definitiv nach Ron an. Es würde mich überraschen, wenn er diese Woche auch nur eine seiner Hausaufgaben vervollständigt."

„So sieht es aus", stimmte sie zu. „Jetzt steig auf. Ich kann es nicht erwarten, wieder in der Luft zu sein."

„Wie du wünscht", erwiderte Harry. Er setzte sich vor Ginny auf den Besenstiel und packte den Stiel mit beiden Händen.

„Rutsch zurück", kommandierte sie. „Du kannst dort oben nicht fliegen." Harry begann langsam zurückzurutschen, bedacht, ihr nicht zu Nahe zu kommen. „Oh, ernsthaft", rief Ginny frustriert aus. Sie fasste ihn an die Hüften und zog ihn kräftig zu sich, so dass ihre Körper aneinandergepresst waren. „Ich werde dich nicht beißen, Harry. Nun, außer du fragst natürlich. Du wirst mich nicht fragen, oder?"

„Er schaute sie kurz über seine Schulter an. „Es tut mir leid, dich enttäuschen zu müssen, aber heute werden keine Bissanfragen gemacht werden", sagte er ein wenig aufgeblasen, bevor er zwinkerte. „Ich wollte dir nicht zu nahe kommen oder dich unkomfortabel fühlen lassen."

„Keine große Sache. Aber wir müssen uns nah sein, damit das hier funktioniert."

Harry nickte und schaute nach vorne: „Bist du bereit?"

Sie legte ihre Hände an seine Hüfte. „Wann immer du soweit bist", sagte sie ihm, sobald sie sich fest hielt.

„Dann geht's los", rief Harry über seine Schulter. Einen Moment später stieß er sich vom Boden ab und erhob sich in die Luft. Er flog anfangs zögerlich und langsam, um sich an das zusätzliche Gewicht auf dem Besen zu gewöhnen.

„Komm schon, Harry", rief sie aus. „Ich weiß, dass du besser fliegen kannst. Zeig mir, was du kannst."

„Du wolltest es so", rief Harry über seine Schulter. Und damit flog er los, als hätte ihn eine Kanone abgefeuert. Er begann, scharfe Wendungen zu machen und flog im Zickzack über das Spielfeld. Er entspannte sich, als er begann, natürlicher zu fliegen. Er erlaubte dem Feuerblitz, Maximalgeschwindigkeit zu erreichen und begann die Luftströmungen zu seinem Vorteil zu benutzen, wie er es im Training gelernt hatte.

Bald hatte er sich vollständig entspannt und flog, als sei er der einzige auf dem Besen. Er drehte ein paar Loopings und Rollen und entlockte seinem Passagier damit ein paar Freudenschreie. Er flog hoch hinauf in den Himmel und begann einen seiner patentierten unbesonnenen Sturzflüge. Ginny kreischte den gesamten Weg hinunter. Als er sich dem Boden näherte, festigte sich ihr Griff um seine Hüfte. Sie war fest an ihn gepresst, Brust an Rücken und ihr Kopf gegen seine Halsbeuge gelehnt.

Er bemerkte, dass sie fest an ihn gepresst war und konnte nicht anders, als alle Körperteile, die an seinen Körper gepresst waren, zu bemerken. Einen Besenstiel zu teilen hatte definitiv Vorteile. Er konnte nichts gegen das warme Gefühl, das sein Körper durchflutete, tun, noch wollte er es, als er darüber nachdachte. Er musste sich aus seinen Gedanken reißen, da der Boden sich schnell näherte.

Er hielt im letztmöglichen Augenblick ihren Fall auf, so wie er es immer tat und wenn sie keine Schuhe getragen hätte, hätte sie die Grashalme an ihren Zehenspitzen fühlen können. Sie flogen den restlichen Nachmittag glücklich herum. Sie blieben viel länger als Harry ursprünglich vorgehabt hatte. Als sie endlich landete und sich in Richtung des Schlosses aufmachten, waren die Ländereien vollständig in Dunkelheit gehüllt und sie hatten das Abendessen verpasst.

Sie gingen direkt in die Küche. Dobby grüßte sie auf seine übliche Weise, überaus begeistert den größten Zauberer der Welt und seine Miss Wheezy zu sehen. Sie bekamen ein Festessen, geeignet für Könige, vorgesetzt und verbrachten die ganze Zeit damit, zu Essen, zu Lachen und sich an der vorzüglichen Mahlzeit sattzuessen.

Als Harry daran zurückdachte, konnte er sich nicht daran erinnern, einen Tag jemals so genossen zu haben wie diesen. Er hatte ein Quidditchspiel angeguckt, das sehr gut gespielt gewesen war. Es war ein spannendes Spiel gewesen, 90:100 für Hufflepuff, bis Cho den Schnatz gefangen und damit den Sieg für Ravenclaw besiegelt hatte. Danach hatte er Ginny mitgenommen, um ihr seinen Feuerblitz auszuleihen und es endete damit, dass sie gemeinsam geflogen waren. Es gab nichts, das Harry mehr genoss als zu fliegen und er hatte entdeckt, dass mit jemand anderen gemeinsam zu fliegen das Erlebnis nur noch besser machte.

Das private Festessen danach war nur noch das Sahnehäubchen. Er hatte nicht erkannt, wie offen er war, wenn er bei Ginny war, wie all seine Sorgen und Nöte einfach wie weggewischt waren und ihn den Moment genießen ließ. Er wusste nur, dass sie immer wichtiger für ihn wurde und er war froh darüber. Er genoss es mehr als er sich je hatte vorstellen können, Zeit mit ihr zu verbringen. Es machte einfach Spaß, bei ihr zu sein. Sie redeten über ernste Themen, aber sie fand immer einen Weg, um die Dinge ins rechte Licht zu rücken. Sie konnte ihn immer zum Lachen bringen. Und das berücksichtigte noch nicht die Momente, wenn sie nur Zeit zusammen verbrachten und Spaß hatten.

In dieser Nacht sortierte Harry wie immer seine neuen Erinnerungen, um sie in den verschiedenen Koffern in seinem Kopf zu verstauen. Als er die Erinnerung an seinen richtigen Platz sortierte, tat er etwas, dass er erst mit wenigen ausgewählten Erinnerungen gemacht hatte. Er verdoppelte die Erinnerung und verstaute eine an ihren richtigen Platz und die andere in einem besonderen Koffer. Einen Koffer, in dem nur wenige Erinnerungen waren. Ein Koffer, wo er seine Gedanken verstaute, die er verwendete, um einen Patronus zu erschaffen.

OoOoOoOoOoOoOoO

Die nächste Woche verging schnell. Harry verbrachte die meiste Zeit entweder mit Lesen oder Trainieren. Er gab das Metamorphmagustraining für den Moment auf, da er abgesehen vom Haarwachstum keine Fortschritte machte. Er widmete sich wieder seinen üblichen Studienthemen: Schutzzauber (er las ein Buch über den Fideliuszauber), Heilungszauber (gebrochene Knochen waren als nächstes an der Reihe) und Verteidigung.

Samstagmorgen kam schneller als gedacht, und er fühlte sich ein wenig melancholisch. Er wünschte, er könnte heute spielen, aber er wusste, dass es nicht das Ende der Welt war. Er strengte sich an, ein tapferes Gesicht zu machen, als er seinem Team während des Frühstücks Glück wünschte. Schon nach nicht einmal der Hälfte des Frühstücks marschierte das Team hinaus zum Spielfeld und Harry schaute ihnen sehnsüchtig nach.

„Du vermisst es wirklich, nicht wahr?", fragte Hermine, die auf dem Platz neben ihm saß und legte eine Hand auf seinen Arm.

„Ich liebe zu spielen, aber es ist wirklich nicht das Ende der Welt", sagte Harry ihr und schaute ihr in die Augen. „Ich wünschte, ich könnte heute dort draußen sein, aber es ist mehr als das. Ich meine, letztes Jahr wurde ich von Umbridge vom Quidditch verbannt. Es war furchtbar, aber nicht unbedingt unerwartet. Sie hasst mich. Was ist Rons Entschuldigung? Wir sind eigentlich Freunde und er hat mich ohne guten Grund aus dem Team geworfen. Wie soll ich darüber fühlen?"

„Ich bin mir sicher, dass er es bald einsehen wird, Harry", sagte sie tröstend. „Er ist wegen dem Spiel nur sehr gestresst. Ich wette, er wird sich noch heute Abend bei dir entschuldigen", sie hielt kurz inne, bevor sie hinzufügte: „Angenommen wir gewinnen natürlich."

„Ja", stimmte Harry zu. „Wenn wir verlieren, wird er mir wahrscheinlich die Schuld geben und noch wütender werden."

Hermine tätschelte nur sanft in einer tröstenden Geste seinen Arm,, widersprach ihm aber nicht: „Nun, niemand sonst wir dir die Schuld geben, Harry."

„Ich hoffe doch nicht", erwiderte Harry.

„Keine Sorge, Harry", meldete sich Neville ihm gegenüber zu Wort. „Wir wissen alle, dass du da draußen wärst, wenn du könntest. Ron ist nur manchmal ein dickköpfiger Blödmann."

„Schön gesagt, Neville", sagte Harry ohne eine Miene zu verziehen. „Es ist schön, so einen guten Freund an meiner Seite zu haben."

Sie gingen bald in Richtung des Spielfeldes, um gute Sitze zu bekommen. Es war noch immer eine merkwürdige und niederschlagende Erfahrung für Harry, am Tag des Gryffindorspiels zu den Tribünen statt zu den Umkleideräumen zu gehen. Das war das dritte Spiel hintereinander, bei dem er als Zuschauer statt als Spieler agierte. Es war auch das dritte Spiel jemals, seit er für das erste Spiel in seinem ersten Schuljahr zum Sucher ernannt worden war.

Wenigstens für die letzten zwei Spiele konnte er seine Abscheu auf Umbridge lenken, die er abgrundtief hasste. Nun hatte er seinem vermeintlich besten Freund für seine derzeitige Situation zu danken. Der Gedanke allein ließ seinen Ärger auf Ron wieder aufleben. Harry wollte draußen auf dem Spielfeld mit den anderen sein, und es war nur Rons Dummheit, die ihn am Spielfeldrand hielt.

Nach kurzer Zeit hallte die Stimme des Stadionsprechers über das Spielfeld: „Guten Tag, alle. Mein Name ist Adam Cleary und ich übernehme den Kommentatorjob von Lee Jordan, der letztes Jahr seinen Abschluss gemacht hat. Das scheint ein großartiges Spiel zu werden, so wie das, welches wir letzte Woche zwischen Ravenclaw und Hufflepuff gesehen haben. Die schockierendste Neuigkeit vor dem anstehenden Spiel ist die Abwesenheit von Harry Potter in den Reihen der Gryffindors.

Potter wurde erst kürzlich wieder in das Team aufgenommen, nachdem er die letzten zwei Spiele des vergangenen Jahres verpasst hatte, da er von Umbridge ein Quidditchverbot auferlegt bekam." Ein Chorus von Buhs war zu hören. „Ja, ja, ich denke, es ist sicher, zu sagen, dass wir alle glücklich sind, sie nicht mehr hier zu haben. Potter wurde am Anfang des Semesters wieder in das Team integriert, aber Teamkapitän Ron Weasley hat ihn aus dem Team geworfen, nachdem er sich geweigert hatte, zu einem Training zwei Wochen zuvor aufzutauchen. Ich habe von Quellen in Gryffindor gehört, dass Weasley das Training zur gleichen Zeit gelegt hatte wie der Unterricht stattfindet, den Potter dieses Jahr unterrichtet und von Potter verlangte, seinen Unterricht abzusagen oder aus dem Team zu fliegen.

Unnötig zu erwähnen, dass Potter seinen Unterricht über Quidditch gestellt hat. Ich bin mir über die Weisheit von Weasleys Entscheidung nicht sicher. Potter hat erst einmal ein Spiel, in dem er gespielt hat, verloren und in aller Fairness muss man sagen, dass er während dieses Spiels von Dementoren angegriffen worden ist. Man muss sich fragen, ob die Macht des Kapitänsamt Weasley zu Kopf gestiegen ist. Wenn Gryffindor das Spiel verliert, wäre ich nicht überrascht, wenn er gebeten werden würde, sein Kapitänsamt abzugeben.

Gryffindor und Slytherin verbindet eine legendäre Rivalität, dieses Spiel verspricht also hitzig und ein erbittertes Spiel zu werden. Und hier kommt nun das Slytherinteam mit Nott, Crabbe, Goyle, Harper, Baddock, Triers, und Kapitän Draco Malfoy." Die Ansage wurde mit Buhrufen von drei Viertel des Stadiums beantwortet. Laute Beifallsrufe waren von den grün und silber bekleideten Mitgliedern des Slytherinhauses zu hören.

„Und nun das Gryffindorteam mit Weasley, Kirke, Sloper, Bell, Owens, Torrent und Kapitän Ron Weasley." Die Buhrufe der Slytherins wurden von den Beifallsrufen, die durch das ganze Stadion hallten, überdeckt. „Und die Teams positionieren sich in der Mitte des Spielfelds. Die Kapitäne Weasley und Malfoy schütteln die Hände. Madame Hooch hat den Schnatz freigelassen und sie wird jeden Moment den Quaffel hochwerfen. Es geht los!"

„Katie Bell von Gryffindor hat sich den Quaffel geschnappt und rast zu den Slytherintoren. Sie weicht einem Klatscher aus, den Crabbe in ihre Richtung gelenkt hat und passt zu Owens. Owens fängt den Quaffle und fliegt an einem gegnerischen Jäger vorbei. Sie nähert sich Nott und den Toren. Sie wendet sich nach links, Nott versucht abzufangen, aber Owens schießt den Ball zu Teamkameradin Bell, die den Ball ohne Probleme durch den rechten Reifen wirft. Zehn zu nichts für Gryffindor."

Das Spiel begann zu Gryffindors Gunsten. Katie und Stephanie spielten großartig zusammen. Nate war deutlich nervös und brauchte eine Weile, um ins Spiel zu kommen. Die höhnischen Rufe der Slytherins halfen seinen Nerven nicht im Geringsten, genauso wenig wie die wiederholten Versuche von Crabbe und Goyle, ihn von seinem Besen zu werfen. Ron konnte die ersten Schüsse auf das Tor aufhalten und bald führte Gryffindor 30:0.

Das Glück hielt jedoch nicht lange an. Wie erwartet hielt Malfoy nichts zurück, um Gryffindor zu besiegen. Ihre Treiber und Jäger versuchten oft, die Gryffindorjäger zu foulen, wenn Madame Hooch nicht hinsah. Malfoy blieb in der Nähe von Ron, als Harper mit dem Quaffel auf das Tor zuschoss. Harry konnte sich vorstellen, was Malfoy zu Ron sagte, um diesen abzulenken. Er konnte an der Strategie nichts aussetzen, von der Tatsache mal abgesehen, dass es unfair war. Ron nahm sich selbst aus dem Spiel, als er einen Sturzflug machte und auf Harpers Täuschung hineinfiel. Der Punktestand war nun 30:10.

Egal, ob es das erste Tor oder das, was Malfoy zu ihm gesagt hatte, gewesen war, aber Rons Selbstvertrauen litt danach und erlaubte Slytherin, schnell aufzuholen. Gryffindors Jäger kämpften hart, aber die Fouls zahlten sich eventuell aus. Und Nates Nervosität und mangelnde Erfahrung machte ihn eher zu einer Last als alles andere. Er hatte Probleme, den Quaffel zu halten, wenn ein Klatscher oder ein Slytherin sich näherte. Katie gab alles, bereits an das schmutzige Spiel des Slytherinsteams gewöhnt und Stephanie spielte wirklich bewundernswert für ihr erstes Spiel. Aber sie waren im Nachteil.

Ron war noch immer in der Lage, eine gute Menge der Torschüsse abzuwehren, aber der Spielstand war schnell 110:60 für Slytherin. Der Schnatz war noch nicht zu sehen gewesen, aber das bedeutete nicht, dass die Sucher gelangweilt waren. Malfoy verpasste keine Gelegenheit, um dem nächsten Gryffindorspieler höhnische Bemerkungen zuzurufen, und er schien Gefallen daran zu finden, den Besen von Ginny zu streifen. Ginny war beschäftigt damit, Klatschern auszuweichen und Malfoy mit ihren Ellbogen zu rammen, sobald er ihr zu nahe kam. Harry war unglaublich froh, dass er ihr seinen Feuerblitz geliehen hatte, als er sah, wie sie dessen Beschleunigung verwendete, um Verletzungen zu vermeiden.

Das Spiel verlief weiterhin auf diese Weise, und der Spielstand war 180:80 für Slytherin, als der Schnatz das erste Mal auftauchte. Ginny entdeckte ihn hoch oben im Himmel weit entfernt von ihrer derzeitigen Position. Sie schoss ohne Warnung los und näherte sich schnell dem goldenen Ball. Der Schnatz raste los, als Ginny sich ihm näherte, aber er hatte keine Chance gegen die Schnelligkeit des Feuerblitzes. Nach etwa 30 Sekunden der Jagd schlossen sich Ginnys Finger um den geflügelten Ball und das Spiel war vorüber.

Als Ginny triumphierend ihre Faust in den Himmel reckte und den Schnatz für alle sichtbar hochhielt, grinste Harry breit. Sein Lächeln verschwand aber schnell, als Augenblicke später etwas grün und silbernes von hinten direkt in Ginny rammte. Harry konnte ihren überraschten Blick sehen, als sie von ihrem Besen rutschte, welchen sie während ihrer Feier nur mit ihren Beinen umklammert hatte. Sie war gute fünfzig Meter über dem Boden, als sie fiel, aber die Entfernung verkürzte sich rapide.

Harry reagierte, bevor er überhaupt bewusst darüber nachdachte. Er sprach bereits den Zauber, als sein Zauberstab aus dem Halfter fuhr. Da der Zauberstab mehr eine Formalität war, um unangenehme Fragen zu vermeiden, war es für ihn nicht wirklich von Bedeutung. Er überlegte nicht wirklich, was er zauberte, nur dass er Ginnys Fall aufhalten und sie in Sicherheit bringen musste. Seine Magie interpretierte Sicherheit anscheinend als „in seinen Armen", da ihr Fall stoppte, als sie halbwegs am Boden war und sie begann, zu den Gryffindortribünen zu schweben, während Harry die Treppen zur Bande hinuntersprang.

Sie flog direkt in seine Arme. Er hielt sie fest in seinen Armen, während sie ihre Arme um seinen Hals schlang und sich so fest sie konnte festhielt. Harry für seinen Teil schien es nicht im Geringsten etwas auszumachen, und er wäre zufrieden damit, sie den Rest des Tages festzuhalten. Sein Herz pochte noch immer wild in seiner Brust, das Adrenalin der letzten Minute pulsierte noch immer durch seine Adern.

Als er dort stand und Ginny an seine Brust hielt, konnte er nicht anders als an die zu denken, die er bereits verloren hatte, seine Mutter und seinen Vater, Cedric und Sirius. Er glaubte nicht, dass er einen weiteren Verlust ertragen könnte, vor allem nicht jemanden, der ihm so nahe stand. Und der Gedanke ließ ihn sie nur noch fester an sich pressen.

Es verging eine Minute, bevor sie sich irgendetwas, das um sie herum passierte, gewahr wurden. Sie hatten beide ihre Augen geschlossen, als sie sich im Arm hielten. Harry öffnete schließlich seine Augen und bemerkte die Menschenmenge um sie herum. Sie alle schauten unsicher aus, wie sie sich den beiden nähern sollten. Eine tiefe Röte färbte seine Wangen, aber er schüttelte seine Verlegenheit so gut er konnte ab und konzentrierte sich wieder auf das rothaarige Mädchen in seinen Armen. „Alles okay?", fragte er sie sanft.

Sie nickte an seiner Schulter, bevor sie: „Mhmm" sagte. Aber sie ließ ihn nicht los.

„Du bist nicht verletzt, oder? Du hast am Ende einen ganz schönen Schlag abbekommen und du wurdest auch während des Spiels einige Male getroffen", sagte Harry und seine Sorge war in seiner Stimme zu hören.

„Mir geht es gut", sagte sie in seine Schulter. „Ich brauche nur eine Minute."

„Lass dir Zeit", sagte er ihr ehrlich. „Das war übrigens ein großartiger Fang. Malfoy hatte keine Chance. Du warst da draußen brillant. Ich hätte es selber nicht viel besser machen können." Er hoffte, ihre Aufmerksamkeit auf etwas anderes zu lenken als an ihren Fall würde ihr mit ihren Ängsten helfen.

„Danke", antwortete sie. Sie hielt ihn noch für eine weitere Minute fest, bevor sie ihren Griff schließlich löste und einen Schritt zurücktrat. Sie hielt eine Hand vor den Mund, als sie etwas realisierte: „Oh nein, dein Feuerblitz. Ist damit alles in Ordnung? Er ist nicht zerbrochen, oder? Oh, ich wusste einfach, dass so etwas passieren würde. Es tut mir so leid, Harry. Ich werde einen Weg finden, um es wieder gut zu machen."

„Schh", sagte Harry und hielt einen Finger an ihre Lippen. „Ich weiß nicht, was mit dem Besen geschehen ist. Der Besen könnte mir nicht weniger egal sein. Meine einzige Sorge bist du. Bist du sicher, dass es dir gut geht?"

„Mir geht es gut", sagte sie ihm.

„Also jetzt wirklich. Jedesmal, wenn ich den Leuten sage, dass es mir gut geht, werde ich beschuldigt, zu lügen" beschwerte Harry sich gespielt, was ihm ein Kichern einbrachte.

„Weil deine Definition von „Mir geht es gut" „nicht tod" ist", erwiderte sie mit beinahe ihrer üblichen Frechheit.

Harry schnaubte nur in gespielter Empörung. Aber ein weiteres Gespräch wurde unterbunden, als die Menschenmenge sich schließlich auf sie stürzte. Sie waren entschlossen, ihnen beide zu ihrem Fang zu gratulieren. Ginny für ihren Fang des Schnatzes und Harry für seinen Fang von Ginny. Ginny sagte ihm, dass sie zu den Umkleideräumen gehen würde, als sie getrennt wurden, und er rief ihr zu, dass er sie im Gemeinschaftsraum sehen würde.

Danach versuchte Harry sein Bestes, aus der Menschenmenge zu entkommen, um zurück ins Schloss zu gelangen. Er brauchte wirklich einen Moment für sich, um seine Emotionen zu beruhigen. Es wartete außerdem eine Party auf ihn. Er hatte nicht nur drei kleine Fässer Butterbier anzubieten, sondern er hatte auch Anfang der Woche mit Dobby geredet, um kleine Snacks nach dem Spiel zu haben. Harry wollte kurz in die Küche gehen, um zu sehen, ob alles nach Plan verlief und dann in den Gemeinschaftsraum gehen, um alles vorzubereiten.

Zwei Augenpaare folgten seinem Weg, und die Besitzer fragten sich dasselbe. Wie hatte er es getan? Dumbledore wusste aus Erfahrung, wie schwer es war, jemanden während eines Falles zu stoppen. Es war mehr als einmal in seinen Jahren als Schulleiter vorgekommen, dass ein Schüler gefallen oder vom Besen gestoßen worden war. Er war immer schnell genug gewesen, um ihren Fall vor dem Aufprall zu verlangsamen und einmal hatte er es geschafft, den Fall eines Schülers komplett aufzuhalten, aber man musste zugeben, dass er viel höher in der Luft gewesen war und somit Dumbledore ein paar Extrasekunden Zeit gegeben hatte, um zu reagieren und selbst dann war es keine einfache Aufgabe gewesen.

Als Miss Weasley von ihrem Besen gestoßen worden war, hatte Dumbledore sofort reagiert, aber als er einen Zauber sprechen wollte, war sie bereits gerettet worden. Er brauchte nicht lange, um Harry in der Menge zu entdecken, Zauberstab ausgestreckt und auf dem Weg zur jungen Ginevra. Er konnte nicht anders als sich zu fragen, wie Harry so schnell hatte reagieren können, noch konnte er anders als sich über die Macht und die Kontrolle über seine Magie zu wundern, welche der Junge hatte. Dass er es geschafft hatte, ihren Fall aufzuhalten und sie praktisch zu sich zu rufen, ohne ihr Schaden zuzufügen, war eine bemerkenswerte Leistung, besonders für jemanden, der so jung war.

Vielleicht begann Harry seine Kräfte zu erkennen. Er hatte von seinen Professoren - Severus ausgenommen - über Harrys außerordentliche Verbesserung in diesem Jahr gehört. Der Schulleiter konnte sich nicht helfen, als daran interessiert zu sein, wie weit Harry sich entwickelt hatte und wie weit er sich noch entwickeln würde.

Hermine dachte etwa dasselbe. Sie war während des Spiels direkt neben Harry gesessen und sie hatte ihn von der Seite beobachtet, als Ginny gefallen war, für einen Moment von Schock und Angst gelähmt, genau wie ihre Klassenkameraden. Als Ginnys Fall sich verlangsamte, kam sie wieder zu sich und bemerkte, dass Harry nicht länger neben ihr war. Sie hatte nicht einmal gesehen, dass er sich bewegt hatte.

Als Ginny sicher in seinen Armen war, sah sie wie der Rest des Hauses, wie die beiden sich ohne sich zurückzuhalten umklammerten. Sie konnte ihnen die Reaktion nicht übel nehmen, angesichts der Situation, aber sie fing, wie alle anderen an, sich unwohl zu fühlen, als die beiden sich weiterhin umarmten, in ihre eigene kleine Welt verloren. Als sie das Paar beobachtete, fragte sie sich, wie er es hinbekommen hatte. Sie konnte es nicht aus persönlicher Erfahrung sagen, aber sie hatte genug gelesen, um zu wissen, wie schwer es ist, den Fall von jemanden aufzuhalten. Sie hatte sogar zugeschaut, wie Dumbledore drei Jahre zuvor Harrys Fall nur verlangsamen konnte, als ihn Dementoren angegriffen hatten.

Wenn Dumbledore Harrys Fall nicht vollständig aufhalten konnte, wie konnte es Harry dann bei Ginny? Er hatte in letzter Zeit viele unglaubliche Dinge im Unterricht getan, Zauber schnell gelernt und viel Talent gezeigt, ohne dass er sich zu sehr anstrengte, während er in den vergangenen Jahren immer gekämpft hatte, um einen Zauber zu meistern. Aber ohne Hinweise konnte sie wenig machen. Ihr Gehirn arbeitete hart, als Harry und Ginny dort standen und sich ihres Publikums nicht bewusst waren.

Sie hatte Harrys Gesicht betrachtet, als dieser schließlich seine Augen geöffnet hatte und realisierte, was für ein Spektakel sie boten. Sie schaute zu, als er es erkannte und errötete. Aber sie sah wie er es unterdrückte und alles um ihn herum ignorierte, als er begann, Ginny etwas zuzuflüstern. Hermine konnte nicht hören, was er sagte. Sie konnte nur annehmen, dass er sicherstellen wollte, s mit ihr alles in Ordnung war. Sie konnte seine Sorge und die Angst in seinem Gesicht sehen, aber sie sah auch etwas, das sie nicht erwartet hatte: Zuneigung. Sie wusste, dass die beiden sich in der letzten Zeit sehr gut verstanden, aber sie hatte nicht gewusst, wie gut sie sich verstanden.

Sie hatte niemals zuvor solch einen Ausdruck auf Harrys Gesicht gesehen, aber sie konnte nicht sagen, dass sie völlig überrascht war. Sie hatte es schließlich vorausgesehen und hatte versucht, Ginny zu warnen. Harry fokussierte sich auf sie. Er hatte die Person verloren, die ihm am Meisten bedeutet hatte und er brauchte jemanden, der diesen Platz einnahm, jemand, auf den er all seine Hoffnungen und Träume lenken konnte und Ginny passte perfekt. Sie war großartig: wunderschön, lustig, intelligent, ein guter Freund und vor allem war sie bereit, bei Harrys Farce mitzumachen und nicht bereit, ihn mit etwas zu konfrontieren, was ihn belastete.

Sie wünschte, sie könnte glücklich für ihre beiden Freunde sein, aber sie wusste, dass es zum Scheitern verurteilt war. Es war traurig, wirklich, denn sie hatte immer gedacht, dass sie unter den richtigen Umständen toll zusammen sein könnten. Sie beschloss noch einmal mit Ginny zu reden, bevor es zu spät sein würde.

OoOoOoOoOoOoOoO

Statt mit dem Rest des Teams und seinem gesamten Haus zu feiern, hielt Ron sich im Hintergrund und schaute zu. Sein Team hatte gerade unter seiner Führung das erste Spiel der Saison gewonnen. Er war der Kapitän des Teams. Er hatte alle ihre Spielzüge und Strategien geplant, auch wenn er oft Harrys Hilfe gehabt hatte. Aber niemand bemerkte seine Abwesenheit; und er versuchte, sich das nicht zu sehr zu Herzen zu nehmen. Ihre Aufmerksamkeit war auf zwei Personen konzentriert: Seine Schwester Ginny und seinem besten Freund Harry.

Das erste Mal in seinem Leben missgönnte Ron keinem von ihnen das Rampenlicht. Ron war der Kapitän des Teams und sie hatten unter seiner Führung gewonnen, aber es war nicht wegen seiner Führung, wegen der sie das Spiel gewonnen hatten. Ginny hatte das Spiel gewonnen. Wenn sie den Schnatz nicht zu dem Zeitpunkt gefangen hätte, als sie ihn gefangen hatte, wäre der Punktestand weiterhin zugunsten der Slytherins gewesen, und es wäre nicht mehr lang gewesen, bis der Sieg außer Reichweite gewesen wäre. Es war seine Führung, die sie in die Situation gebracht hatten und dass schnell zu ihrer Niederlage geführt haben hätte können.

Er hatte achtzehn Tore zugelassen. Und seine Jäger hatten nur acht geschossen. Er konnte ihnen aber nicht die Schuld geben. Er hatte ein Teil ihres Teams weggenommen und den Rhythmus ruiniert, den die drei Mädchen über die letzten Monate aufgebaut hatten. Er hatte Slytherin unterschätzt und sie hätten das Spiel verlieren müssen. Und sie hätten, wenn seine Schwester ihn nicht auf dem Besen seines besten Freundes gerettet hätte.

Das erste Training, nachdem er Harry aus dem Team geworfen hatte, war furchtbar gewesen. Danach hatte das Team hart gearbeitet, um sich an die Veränderung, die er ihnen aufgezwungen hatte, zu gewöhnen. Nicht dass sie viel zu ihm gesagt hatten. Er wusste nicht, warum sie wieder angefangen hatten zu trainieren, aber er konnte nur von Glück reden, dass sie es getan hatten.

In der letzten Woche war er an einem Abend im Büro für den Kapitän gewesen und hatte angeblich an Strategien gearbeitet, als er zufällig jemanden der Reservespieler gehört hatte. Der Kerl hatte über jemanden gesprochen, der ein furchtbarer Idiot zu sein schien. Er hatte einige Minuten gebraucht, um zu verstehen, dass sie über ihn geredet hatten und wie er Harry behandelt hatte.

Ron war bereit, zuzugeben, dass er Harry wahrscheinlich nicht aus dem Team hätte werfen sollen. Er hatte das bereits zugegeben. Nicht laut, natürlich, aber in seinem Kopf. Er wusste, dass er einen Fehler gemacht hatte. Er hätte auf Händen und Füßen kriechen sollen, als er das erkannt hatte und Harry anflehen sollen, ihm zu verzeihen und wieder in das Team einzutreten, aber das hatte er nicht. Nein, er hatte entschieden, dass es warten konnte, bis sich die ganze Sache ein wenig beruhigt hatte. Dann konnte er zugeben, dass er vielleicht übertrieben hatte, und alles könnte wieder so werden, wie es davor war. Er hatte in dieser Freundschaft bereits zuvor einige ziemliche große Fehler gemacht und Harry hatte ihm immer verziehen. Er war also nicht allzu sehr besorgt.

Das hatte er die letzte Woche über gedacht. Sie würden trotz Harrys Abwesenheit das Spiel gewinnen. Alle wären bester Stimmung und es wäre der perfekte Zeitpunkt, um die Sache hinter sich zu lassen. Es hatte sich nach einem guten Plan angehört, aber dann wiederum, alles hätte sich gut angehört, was es weiter nach hinten verschoben hat. Nun, da er sich der Tatsachen stellen musste, es tatsächlich durchzuziehen, hatte er Bedenken.

Es half nicht, dass Harry das Leben seiner Schwester gerettet hatte, und das nicht zum ersten Mal. Er war unglaublich glücklich, dass Harry Ginny gerettet hatte, aber er fühlte sich nun noch schlechter über die Situation. Nun da das Spiel vorbei war und die Anspannung vergangen war, konnte Ron nicht anders als an den Streit zu denken, der zu seiner und Harrys Entfremdung geführt hatte. Harry hatte ihm gesagt, dass er erkennen muss, dass es wichtigere Dinge als Quidditch gibt.

Der Fall seiner Schwester war eine kräftige Erinnerung an das, was Hermine versucht hatte, ihm in den letzten zwei Wochen zu erklären und was nun in der Welt auf dem Spiel stand. Menschen starben. Jeden Morgen gab es Berichte über Angriffe im Tagespropheten und das gesamte Schloss war rastlos und fühlte sich hilflos. Ron wusste, wieder dank Hermine, dass Harrys Unterricht für ihn ein Weg war, um sich in diesem Krieg gebraucht zu fühlen, das Gefühl zu haben, dass er wirklich etwas tat. Und wenn die ganzen Anstrengungen auch nur ein Leben rettete, wusste er, dass Harry denken würde, dass das die Anstrengungen wert wäre. Ron konnte nicht sagen, dass er anderer Meinung war.

Ron verließ das Spielfeld und betrat mit gemischten Gefühlen die Umkleide. Es belastete ihn noch immer ein wenig, wie er gegenüber dem Team versagt hatte und er konnte auch nicht anders als zu bemerken, wie sehr er den mitreißenden Chorus von „Weasley ist unser King" in seinen Ehren von den Gryffindorfans gesungen vermisste. Auf der positiven Seite: sie hatten gewonnen und er hatte gesehen, wie Malfoy von Madam Hooch zusammengestaucht wurde für das, was er Ginny angetan hatte und nach einer schnellen Entschuldigung würde er seinen besten Freund zurückhaben. Mit diesem Gedanken im Kopf entschloss er, dass er es nicht erwarten konnte, zurück zum Turm zu gehen. Es würde sicherlich jemand dafür sorgen, dass sie eine verdammt großartige Party haben würden, um den Sieg zu feiern.

ENDE Kapitel

Danke an

Curylcuryl, annette-elle und JuLLiiA für die Reviews

JuLLiiA: Nein, Harry, wäre nicht stärker mit Zauberstab. Mit Zauberstab würde er die einzelnen Zaubersprüche benötigen, aber durch seine zauberstablose Magie geht es schneller…und er kann sogar zwei Hände benutzen und dadurch zwei Zauber auf einmal verwenden!