AN: Es gab da wohl ein Missverständnis…Das „ENDE Teil 1" hieß nicht Ende Geschichte, sondern Ende Kapitel 13 Teil 1. Sorry für diese Unklarheit…da hab ich mich ungeschickt ausgedrückt. Die Geschichte hat insgesamt 28 Kapitel. Ihr dürft also noch ein Weilchen weiterlesen : )
Vielen Dank an
MajorMajo
JuLLiiA
annette-ella
Für diese wunderbaren Reviews! Danke euch.
Kapitel 13 Teil 2: Königin des Dschungels
Malfoy wurde in den folgenden Tagen Opfer von einigen kleineren Streichen. Einer malte ein pinkes Herz auf den Rücken von Malfoys Roben. Innerhalb des Herzens stand in einer geschwungenen Schrift: „Draco Malfoy + Severus Snape" geschrieben. Dieser Streich ließ den Großteil der Schule fast den ganzen Tag lang unbemerkt von Malfoy in Gelächter ausbrechen. Snape war außer sich vor Wut, als Malfoy in den Roben seinen Klassenraum betrat, und nachdem er erfolglos versucht hatte, den Zauber zu entfernen, schickte er Malfoy in die Slytherinschlafsäle, um sich umzuziehen.
Aufgrund der scheinbar nicht enden wollenden und willkürlich passierenden Streiche sah Malfoy immer mitgenommener aus. Er war schreckhaft und nervös; er konnte nicht still sitzen und schaute immer über seine Schulter. Am Mittwoch beauftragten Harry und Ginny Dobby damit, ihm einige besondere Spezialitäten von Fred und George zu servieren. Beim Mittagessen verwandelte er sich für kurze Zeit in einen Kanarienvogel und beim Abendessen schwoll seine Zunge enorm an, bevor einer seiner Hauskameraden den Anstand hatte, ihm zu helfen.
Der Höhepunkt wurde am Donnerstag beim Mittagessen erreicht, als Malfoy einen ihrer subtileren Streiche auslöste und weder Harry noch Ginny konnten glücklicher mit den Ergebnissen sein. Während Malfoy versuchte, sein Essen zu genießen, erblickte Malfoy sein Spiegelbild in seinem Kelch, und der Anblick ließ ihn aufschreien und den Kelch in seinen Schoß fallen lassen, wobei er sich mit Kürbissaft bekleckerte. Aber dabei blieb es nicht.
Malfoy stürmte zum Lehrertisch direkt zu Snape, stampfte mit seinem Fuß auf und forderte: „Das geht zu weit! Schauen Sie, was sie mir angetan haben! Ich fordere Sie auf, herauszufinden, wer mir das antut und sie sofort von der Schule zu schmeißen!"
Snape funkelte ihn mit seinem typischen Blick an. „Ist etwas nicht in Ordnung, Mr. Malfoy?", fragte er verärgert.
Malfoy stotterte einige Momente lang. „Etwas nicht in Ordnung?", fragte er ungläubig. „Etwas nicht in Ordnung?", schrie er hysterisch. „Schauen Sie mich an! Schauen Sie, was sie meinem Gesicht angetan haben!" Er fuhr über sein Gesicht, um seine Worte zu unterstreichen. „Es könnte dauerhafter Schaden entstanden sein."
Snape schaute den Jungen vor ihm genau an und lehnte sich über den Lehrertisch, um besser sehen zu können: „Ich sehe nichts Außergewöhnliches."
Malfoy erstarrte und schaute den Mann ungläubig an. „Nichts Außergewöhnliches?", kreischte er. „Wie können Sie es wagen? Wollen Sie sagen, dass ich immer so aussehe?", fragte er und deutete wieder auf sein Gesicht.
„Mr. Malfoy", sagte Snape ungeduldig. „Ich schlage vor, dass Sie sofort damit aufhören, was auch immer Sie versuchen zu erreichen, und zu ihrem Platz zurückkehren."
Malfoy schaute links und rechts zu den anderen Professoren. Sicherlich würde einer von ihnen ihm zu Hilfe kommen. Die Hauslehrer nickten Snapes Worten zustimmend. Er wandte sich mit eisigen Blick wieder zu seinem Hauslehrer: „Wenn mein Vater davon hört ..."
„Muss ich Sie daran erinnern", unterbrach Snape ihn, „dass Ihr Vater ein entflohener Häftling ist. Wenn Sie Informationen über seinen jetzigen Aufenthaltsort haben, schlage ich Ihnen vor, die zuständige Behörde zu kontaktieren", sagte Snape.
Anscheinend kam die Botschaft bei dem hysterischen Jungen an, denn er führte seine Drohung nicht fort. Er stand für einen Moment stocksteif da und starrte Snape an, bevor er auf dem Absatz kehrtmachte und aus der Halle stürmte. Zu diesem Zeitpunkt versuchte die gesamte Halle, ihr Lachen unter Kontrolle zu halten. Es war ein aussichtsloses Unterfangen. Als Malfoy fast beim Ausgang war, hallte das Gelächter der Schüler von den Wänden wieder. Sie hatten gerade Draco Malfoy dabei beobachtet, wie er einen erstklassigen Wutanfall gehabt hatte und das- soweit sie sehen konnten - wegen nichts.
Nur Harry und Ginny wussten, was Malfoy veranlasst hatte, so zu reagieren. Jedem anderen gegenüber würde Malfoy ganz normal erscheinen. Aber für Draco schien es voller Schuppen zu sein, wenn er sein Gesicht berührte. Die Schuppen würden sich von seinem Gesicht abschälen, wenn er an ihnen kratzte und eine hässliche rosa Haut unter ihnen freilegen. Malfoy war bis zum nächsten Morgen nicht zu sehen und bis dahin war der Streich nicht mehr aktiv. Soweit sie wussten, fand niemand sonst je heraus worüber er geschwafelt hatte, auch wenn das die Hogwarts Gerüchteküche nicht daran hinderte, zu versuchen, die Lücke zu füllen.
Später am Abend stieg Harry die Treppen zum Büro des Schulleiters für ihren wöchentlichen Okklumentikunterricht hoch. Dumbledore bat ihn, einzutreten, bevor er auch nur anklopfen konnte und Harry trat in das immer vertrauter werdende Büro ein. Er begrüßte den Schulleiter und Fawkes, wie es seine Gewohnheit war, bevor er sich in den Sessel vor Dumbledores Schreibtisch setzte.
„Guten Abend, Harry. Ich hoffe, es geht dir gut?", fragte der alte Mann freundlich.
„Ja, Sir", erwiderte Harry.
„Ich habe mich gefragt, ob ich mich mit dir über den Zwischenfall unterhalten kann, den Miss Weasley und du letztes Wochenende erlebt habt", sagte er.
Harry nickte, nicht allzu überrascht über die Richtung, die die Unterhaltung eingeschlagen hatte.
„Lass mich erst sagen, dass ich sehr stolz darauf bin, wie ihr beiden die Situation gehandhabt habt. Ihr habt beide einen kühlen Kopf bewahrt und habt euch in potentiellen fatalen Umständen exzeptionell verhalten. Er hielt inne, als müsse er seine Gedanken sammeln, um seine nächste Äußerung auszuformulieren, aber Harry wusste, dass es mehr für den Effekt war. Er hatte das Gefühl, dass der Schulleiter genau wusste, was er als Nächstes sagen würde.
„Es macht mir jedoch Sorgen, dass ihr euch überhaupt in dieser Situation befunden habt", sagte er ziemlich herablassend. „Es macht mir Sorgen, dass ihr trotz eures Wissens über die Gefahren und den Zustand der Zaubererwelt in eine versteckte Gasse so weit außerhalb des Zentrums gegangen seid. Wir hatten dieses Mal Glück, dass die Angreifer so unerfahren waren, aber das nächste Mal haben wir vielleicht nicht soviel Glück. Ich möchte euch oder den anderen Schülern nicht die Hogsmeade-Ausflüge wegnehmen, aber ich muss euch bitten, in Zukunft umsichtiger vorzugehen."
Harry nickte, denn er traute sich im Moment nicht zu reden. Er wollte nichts mehr als den Mann anzuschreien, weil er ihn wie ein Kind behandelte, dass mit der Hand in der Keksdose erwischt wurde. Er wollte ihm sagen, dass er die Angreifer in die Gasse gelockt hatte, nicht andersrum, und dass er versucht hatte, die anderen Schüler und die Einwohner vor der unvermeidlichen Auseinandersetzung zu beschützen. Er kochte innerlich vor Wut, aber versuchte einen Ausdruck der Reue zu zeigen.
„Wunderbar. Ich wusste, du würdest es verstehen", sagte der alte Mann freundlich. „Nun zu unserem Unterricht ..."
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Ein weiterer Streich traf Malfoy am nächsten Tag. Der Streich färbte seine Zähne schwarz. Harry verpasste diesen beinahe, denn das erste Mal in seinem Leben versuchte Malfoy es zu vermeiden, seinen Mund zu öffnen. Der Zauber hielt ganze 24 Stunden an und Harry vermutete, dass Malfoy niemals zuvor so lange stumm gewesen war.
Die Streiche waren ein guter Weg, die Stimmung im Schloss zu heben, auch wenn diese im Normalfall jeden Morgen wieder sank, als der Tagesprophet weiterhin von den regelmäßigen Todesserangriffen in ganz Großbritannien berichtete. Es wurde ein richtiges Morgenritual, die Zeitung morgens aufzuschlagen, um zu sehen, wo die Todesser in der Nacht zuvor zugeschlagen hatten. Harry hatte keine Visionen von den Angriffen, aber seine Narbe machte ihm nun dauerhaft zu schaffen. Voldemort war glücklich, wieder Angst und Schrecken im ganzen Land zu verbreiten.
Als die Angriffe anhielten, ohne dass irgendwelche guten Neuigkeiten den Schrecken verminderten, kamen das Ministerium und besonders Fudge unter starken Beschuss der Journalisten. An diesem Samstag, nachdem er einen besonders kritischen Artikel über Minister Fudge gelesen hatte, wandte Harry sich an seine Freunde und sagte: „Ich verstehe nicht, wie er seine Position so lange halten konnte. Ich hatte angenommen, dass er arbeitslos sein würde, sobald herauskam, dass Voldemort trotz Fudges gegenteiliger Aussage tatsächlich bereits ein Jahr lang wieder zurück war." Harry warf Ron einen angewiderten Blick zu, da dieser bei Voldemorts Namen zusammengezuckt war. Sogar Neville zeigte nicht mehr eine solch augenscheinliche Reaktion wie Ron das tat. Hermine zeigte keine Reaktion, und sie sagte sogar seinen Namen, auch wenn sie ihn oft zusammenstotterte.
Hermine schaute von der Zeitung hoch, welche sie sofort an sich genommen hatte, nachdem Harry sie hingelegt hatte. „Das wäre vielleicht passiert, wenn V-Voldemort sich nicht so lange still verhalten hätte. Im letzten Juni hat er immer und immer wieder darüber geredet, wie schnell es passiert war, sich zu irren, da Voldemort viel schwächer als in der Vergangenheit ist. Er sagte, dass sie alles unter Kontrolle hatten und es nur eine Frage der Zeit wäre, bis er sicher hinter Schloss und Riegel in Askaban wäre."
„Das ist lächerlich", rief Harry aus.
„Nun, natürlich ist es das", erwiderte Hermine offen. „Aber Voldemort hatte sich zu der Zeit ruhig verhalten und die Bedrohung fühlte sich für die meisten Menschen nicht echt an. Sie haben das, was er sagte, geglaubt." Sie trank einen Schluck Kürbissaft, bevor sie fortfuhr: „Dann war der Angriff auf die Winkelgasse diesen Sommer und niemand wurde verletzt, kaum Beschädigungen ... es hat Fudges Behauptungen nur unterstützt."
„Und nun, weil Fudge und alle anderen zufrieden damit waren, sich zurückzulehnen und die Tatsache zu genießen, dass im Moment alles ruhig war, sind wir absolut unvorbereitet auf den Krieg", fasste Harry zusammen.
„Damit hast du Recht", stimmte Neville zu. „Ich habe im Sommer meine Oma sagen hören, wie Professor Dumbledore sich für mehr Auroren und mehr Finanzierung für sie sowie für andere Maßnahmen eingesetzt hat, um sich auf den kommenden Konflikt vorzubereiten, aber Fudge bestand darauf, dass die Auroren mehr als kapabel wären, die Bedrohung zu handhaben."
„Haben die Auroren es überhaupt zu der Todesserattacke in der Winkelgasse diesen Sommer geschafft?", fragte Harry heftig.
Ron schüttelte den Kopf und beantwortete die Frage: „Nein. Als sie ankamen, waren die Todesser alle verschwunden. Wenn Professor Dumbledore nicht gekommen wäre ..." Er ließ den Satz unbeendet. „Und er hat es nicht einmal rechtzeitig geschafft, um Ginny zu helfen. Niemand weiß, wer sie gerettet hat, aber Merlin sei Dank für ihn, wer immer er auch ist." Ron fröstelte bei den Gedanken, was beinahe passiert wäre.
„Ich frage mich, ob der Orden irgendwelche Informationen über ihn gefunden hat", sagte Hermine und warf dabei Ginny einen verstohlenen Seitenblick zu. „Ginny sagt, er ist ein Animagus, aber er ist nicht beim Ministerium registriert. Ich habe in den Archiven nachgeschaut und in seiner Altersklasse war niemand aufgelistet, noch gab es Panther oder etwas ähnliches. Das einzige registrierte Katzenwesen ist Professor McGonagall."
„Ich frage mich, wie viele Leute, die die Verwandlung vollziehen, sich registrieren lassen", überlegte Harry laut. „Wenn ihr darüber nachdenkt, haben wir wenigstens fünf Animagi getroffen und von ihnen ist nur Professor McGonagall registriert. Mein Vater, Sirius und Wurmschwanz haben sich niemals registrieren lassen und Rita Kimmkorn ist ebenfalls nicht registriert."
„Da hast du Recht", gab Hermine zu. „Ich schätze, die Archive sind nicht sehr nützlich, da so wenige Menschen sich registrieren lassen. Und das Ministerium kann keine Möglichkeit haben, die Magie nachzuverfolgen, wenn so viele Menschen damit davongekommen sind, ohne erwischt zu werden. Noch dazu Hogwartsschüler."
„Das ist wahr", warf Ron ein. „Das Ministerium kann Magie nur nachverfolgen, wenn sie mit einem Zauberstab angewendet wird. Ich glaube, sie haben sehr primitive Möglichkeiten, Spontanzauber zu entdecken, aber ich bin mir nicht sicher, wie. Ich habe meine Mutter und meinen Vater vor kurzem darüber reden hören."
Harry lachte: „Das Ministerium ist anscheinend unfähig, irgendetwas hinzubekommen."
„Da werde ich nicht mit dir streiten", stimmte Neville zu. „Sogar meine Oma würde da wahrscheinlich zustimmen."
„Nun, alles, was ich dazu sagen kann, ist: umso schneller wir Fudge los sind, umso besser", grummelte Harry.
„Ich würde nicht damit rechnen", kommentierte Hermine mit einem besiegt klingenden und hoffnungslosen Seufzen.
„Wieso?", fragte Harry.
„Es ist nicht einfach, den Minister loszuwerden, und es ist erst einmal in der Geschichte passiert. Es gibt eine sehr große Chance, dass wir für den Rest seiner Amtszeit mit ihm vorlieb nehmen müssen", belehrte Hermine unbehaglich.
„Und wie lange dauert seine Amtszeit noch an?", fragte Harry und fürchtete bereits die Antwort.
„Um die zweieinhalb Jahre", sagte Hermine ihm nach kurzem Zögern.
„Verdammte zweieinhalb Jahre?", fragte Harry ungläubig nach. „Das Land wird bis dahin in Trümmern liegen. Es kann nicht ..." Harry konnte seinen Gefühlen keine Worte verleihen und daher stöhnte er nur auf und verbarg sein Gesicht in seinen Händen, während er unaufhörlich seinen Kopf schüttelte.
Ron währenddessen ließ ein „Verfluchte Hölle" verlauten, was Hermine auf den Plan rief.
„Ron, Sprache", schimpfte sie.
Ron schaute sie mit einem verletzten Blick an und klagte: „Wie kommt es, dass du mich immer korrigierst, aber niemanden sonst? Harry hat gerade ebenfalls geflucht, aber du hast es völlig ignoriert und mich angeschrien."
Harry hatte dasselbe bemerkt, hatte es aber nicht ansprechen wollen. Er dachte, es sei ziemlich lustig. Hermine öffnete und schloss ihren Mund einige Male, bevor sie eine passende Antwort formuliert hatte und schnappte: „Du bist Vertrauensschüler, Ron. Du solltest ein Vorbild sein." Sie schien ziemlich zufrieden mit ihrer Antwort zu sein. Sie lehnte sich auf der Bank zurück und warf Ron ein selbstzufriedenes Lächeln zu.
Natürlich ließ Ron ihr Grinsen mit seinen nächsten Worten verschwinden: „Ich mag vielleicht Vertrauensschüler sein, aber Harry ist ein Professor."
Hermine runzelte die Stirn und schaute zwischen Ron und Harry hin und her. Schließlich seufzte sie und sagte: „Du hast Recht, Ron. Ich habe es einfach vergessen, ehrlich. Es tut mir leid." Sie wandte sich dann an Harry und sagte: „Und Schande über dich, solche Worte in der Großen Halle zu verwenden, wo jeder dich hören könnte. Ein Professor zu sein ist eine große Verantwortung und du musst anfangen, es ernster zu nehmen."
„Unfassbar", murmelte Harry zu sich selbst, auch wenn es laut genug war, dass die anderen es hören konnten. „Du bist einfach ... ugh" Er stöhnte frustriert auf und fuhr sich mit seiner Hand durch sein Haar. Er wusste, dass sie ihm nichts Schlimmes gesagt hatte; Hermine war immer so, aber er fand, dass er von Hermine im Allgemeinen frustriert war. Und es wurmte ihn wirklich, dass sie seine Position als Professor da mit hineinzog. Sie tat so, als würde er regelmäßig seine Privilegien missbrauchen und würde seine Rolle nicht ernst nehmen. Er wusste, dass er verschwinden musste, bevor er wieder wütend auf sie werden würde. Er stand also von seinem Platz auf, nickte seinen Freunden kurz zu und schritt aus der Halle.
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Ginny hatte ihren Austausch bemerkt, auch wenn sie nicht hören konnte, was sie sagten. Sie warf Hermine einen vernichtenden Blick zu, als sie von der Bank aufstand und folgte Harry aus der Halle. Sie war froh, dass es ein Samstag war und sie sich daher keine Sorgen darüber machen musste, rechtzeitig zum Unterricht zu kommen. In seiner Frustration und seinem Ärger waren Harrys Schritte lang und schnell - zu schnell für sie, um Schritt zu halten, ganz zu schweigen davon, ihn einzuholen, ohne anzufangen zu rennen. Aber sie hatte eine ziemlich gute Idee, wohin er ging und so folgte sie ihm eilig.
Sie fragte sich, ob er ihre Gesellschaft überhaupt haben wollte, aber beschloss, dass es seine Entscheidung sein müsste. Wenn er sie nicht da haben wollte, hatte sie keinen Zweifel, dass er nicht zögern würde, ihr das zu sagen. Wenn Harry alleingelassen werden wollte, konnte er ziemlich deutlich werden. Er war ein Mann, der seine Privatsphäre zu schätzen wusste. Aber sie würde sich davon nicht abhalten lassen, es zu versuchen. Wenn sie abgewiesen werden würde, würde sie ohne Klage gehen und würde nur so lange bleiben, um ihm zu versichern, dass sie für ihn da sein würde, wenn er sie brauchte.
Sie ging hoch ins siebte Stockwerk zum Flur mit dem Porträt von Barnabas dem Bekloppten und sah, dass die Tür bereits da war. Sie ging zielstrebig darauf zu und drehte erfolglos am Türgriff. Sie war nicht überrascht zu sehen, dass zugeschlossen war. Harry war immer bedacht darauf, seine Privatsphäre zu wahren. Sie klopfte hart an die Tür und rief laut. „Harry?". Sie ging ein paar Schritte zurück und wartete. Nichts. Sie trat vor und pochte mit ihrer Faust gegen die Tür, während sie "Harry!" rief. Ein Moment verging, noch immer nichts.
Hätte sie mehr darüber nachgedacht, hätte sie das erwartet. Jedes Mal, wenn sie zu seinem Büro ging, verschloss er die Tür und legte Schutzzauber darüber. Sie konnte nur annehmen, dass er dasselbe tat, wenn er trainierte. Sie wusste nicht genau welche Zaubersprüche er verwendete, aber sie konnte nur annehmen, dass sie seine Privatsphäre gewährleisteten. Er würde sie nicht hören, da ihn keine Geräusche außerhalb des Raumes erreichen würden.
Sie trat ein paar Schritte zurück, bis ihr Körper an die steinerne Wand gegenüber der Tür traf. Was sollte sie nun tun? Sie konnte im Flur bleiben und warten, bis er herauskam, aber sie verwarf diese Idee schnell wieder. Wenn jemand vorbeilaufen würde, würde ihre Anwesenheit Fragen aufwerfen. Man brauchte kein Genie zu sein, um zu wissen, dass Harry es nicht wert schätzen würde, wenn man Aufmerksamkeit auf die Tatsache lenken würde, dass er sich aus irgendeinem Grund in den Raum der Wünsche eingeschlossen hatte. Außerdem fand sie es nicht sehr verlockend, wer weiß wie lang auf dem kalten, harten Steinboden zu sitzen, während Harry dort drinnen Merlin weiß was machte, um sein Temperament unter Kontrolle zu bringen.
Sie wollte allerdings nicht in den Gemeinschaftsraum zurückkehren. Sie war nicht in der Stimmung, Zeit mit ihren Klassenkameraden zu verbringen und sie würde sicherlich auch Hermine über den Weg laufen. Es war ziemlich traurig, wenn man bedachte, dass sie versuchte, einer ihrer besten Freundinnen auszuweichen, aber so war es. Hermine war das einzige Mädchen, dem Ginny sich auf Hogwarts nahe fühlte; das einzige Mädchen, dem sie Geheimnisse anvertrauen konnte. Sie hatten über die vergangenen Jahre eine enge Freundschaft aufgebaut. Anfangs durch ihre gemeinsame Frustration über den einzigartigen Ronald Weasley, auch wenn ihre Frustrationen vollständig andere Gründe hatten und auch wenn Hermine zu dem Zeitpunkt vielleicht was anderes gedacht hatte.
Ihre enge Freundschaft löste sich vor ihren Augen auf. Ginny war nicht in Eile, etwas deswegen zu unternehmen. Nicht, wenn Hermine sich so verhielt, wie sie es tat, auch wenn sie verstehen konnte, warum Hermine so handelte. Harry verbarg viele Dinge vor ihr und Ron. Hermine sah das und wusste nicht, was sie davon halten sollte. Über die letzten fünf Jahre waren Ron und sie Harrys beste Freunde gewesen, die einzigen beiden Personen - von Sirius abgesehen -, denen er wirklich vertraute. Harrys Sinneswandel verwirrte Hermine ungemein und sie nahm einfach an, dass etwas nicht mit ihm stimmte. Wenn Harry nicht so geheimnisvoll wäre, würde Hermine sich sicherlich schnell anders verhalten. Das entschuldigte natürlich nicht Hermines Verhalten, aber Harry musste wissen, dass er zumindest teilweise Schuld an der Spannung zwischen ihnen war.
Sie machte Harry deswegen keine Vorwürfe. Sie konnte verstehen, warum er Geheimnisse vor Hermine hatte. Sie stimmte seinen Gründen vollständig zu. Er musste allerdings nicht so sturköpfig darüber sein. Sie beschloss, mit ihm darüber zu reden, bevor die Dinge noch schlimmer werden würden. Unglücklicherweise hatte es sich schon herausgestellt, dass mit Hermine zu reden nichts brachte. Dafür, dass sie die schlauste Hexe in ihrem Alter war, konnte sie manchmal ziemlich schwer von Begriff sein.
Sie vertraute zu sehr auf ihre Bücher. Ihre Bücher hatten ihr gesagt, wie jemand mit Trauer über den Verlust eines geliebten Menschen umgehen sollte und als die Realität anders war, konnte sie nicht damit umgehen. Was tat sie also? Sie versuchte, die Welt um sich herum so zu verbiegen, dass sie zu ihrem Sachbuchwunderland passte. Sie versuchte Harry dazu zu zwingen, um Sirius zu trauern, so wie die Bücher ihr sagten, dass er es sollte, und sie attackierte jeden, der Harry so akzeptierte, wie er war. Sie gefährdete die beiden wichtigsten Freundschaften, die sie hatte, und sie machte keine Anstalten, damit aufzuhören. Ginny hatte versucht, ihr ihr derzeitiges Verhalten auszureden, aber es war sinnlos.
Sie war nicht einmal wirklich furchtbar zu Ginny. Es war nur Ginnys enger werdende Freundschaft zu Harry, die die Probleme verursachte. Manche Menschen würden es als falsch für Ginny halten, ihre Freundschaft mit Hermine in dieser Situation aufzugeben. Schließlich war Hermine technisch gesehen länger ihre Freundin gewesen. Darum ging es aber nicht. Harry brauchte sie auf eine Weise, die Hermine wahrscheinlich nie verstehen würde. Sie würde es verdammt sicher nie aus ihren Büchern lernen.
Die Tatsache, dass sie die Einzige war, die über seine zauberstablose Magie, seine Animagusfähigkeiten (auch wenn Remus über den Panther Bescheid wusste, wusste er nichts über die Eule), seine Duellierfähigkeiten und den verdammten Schrank unter der Treppe Bescheid wusste ... Harry brauchte jemanden, dem er vertrauen konnte. Er hatte nie wirklich jemanden gehabt, dem er sein absolutes Vertrauen schenken konnte, und Ginny war entschlossen, diese Person zu sein. Nicht nur wollte sie diese Person sein, sie hatte auch das Gefühl, dass sie ihm das schuldig war. Er hatte ihr Leben mehr als nur einmal gerettet. Sie hatte das erste seiner Geheimnisse aufgrund einer seiner Rettungen erfahren. Und statt sie wegzustoßen oder einen Gedächtniszauber an ihr anzuwenden, hatte er sie willkommen geheißen und noch mehr von sich preisgegeben. Er begann bereits ihr zu vertrauen und sie würde das nicht gefährden, nur weil Hermine einen verdammten Stock im Arsch hatte.
Ginny schüttelte ihren Kopf, um sich aus ihren Gedanken zu reißen. Sie brauchte einen privaten Platz, wo sie von niemandem gestört werden würde. Der Gryffindorturm kam nicht in Frage und sie wollte kein leeres Klassenzimmer riskieren. Es könnte jederzeit jemand vorbeikommen. Dann kam ihr ein Gedanke. Es gab einen Ort, an den sie gehen konnte und wo nur eine weitere Person Zugang hatte, und er war die einzige Person, von der ihr es nichts ausmachen würde seine Gesellschaft zu haben. Schnell zu einer Entscheidung kommend ging Ginny in das fünfte Stockwerk und in Harrys Büro.
Sie schloss die Tür hinter sich und ließ sich auf einen der Stühle dort fallen, auch wenn es nicht ihr Büro sondern Harrys war. Sie verbrachte so viel Zeit dort, dass sie sich daran gewöhnt hatte, es sich bequem zu machen und es als eine Art eigenes Wohnzimmer zu betrachten, in dem sie immer willkommen war. Sie schaute kurz zum leeren Kamin und machte mit einer Zauberstabbewegung und einem gemurmelten Incendio ein Feuer.
Nun, da sie dort war und alleine, brauchte sie etwas, um sich zu beschäftigen. Sie dachte an die Aufsätze, die sie schreiben musste, konnte sich aber nicht motivieren, zu ihrem Schlafsaal zurückzukehren, um sie zu holen. Das war ihr Z.A.G-jahr, und während ihre Lehrer entschlossen zu sein schienen, so viel wie möglich durchzunehmen, bevor die Ferien begannen, machte Ginny sich noch keine allzu großen Sorgen. Dank ihrer heutigen Untätigkeit würde sie morgen vielleicht einen besonders hektischen Tag haben, aber sie würde deswegen nicht zurückfallen.
Sie durchforstete ihr Gehirn nach einer Idee, was sie tun könnte, um sich die Zeit zu vertreiben. Sie nahm ihre Beine vom Boden und winkelte sie auf dem Sofa an und dachte über das vorige Wochenende nach, welches sie mit Weihnachtseinkäufen in Hogsmeade verbracht hatte. Sie ging die Liste ihrer engsten Freunde und ihrer Familie durch, um sicherzugehen, dass sie niemanden vergessen hatte. Sie hatte Geschenke für ihre Mutter, ihren Vater, allen ihren Brüdern, ihren Zimmerkameraden, Hermine, Luna und Neville besorgt. Damit blieb nur noch Harry übrig, aber sie wusste bereits, was sie ihm schenken würde.
Sie war fest entschlossen, das perfekte Geschenk für Harry zu besorgen. Sie waren sich in diesem Semester nicht nur sehr nahe gekommen, er hatte ihr auch im August das beste Geburtstagsgeschenk gegeben, dass sie jemals bekommen hatte, und sie war fest entschlossen, diese Geste zu erwidern. Smaragd, ihre pechschwarze Katze - sie konnte nicht mehr als Kätzchen bezeichnet werden, da sie in den letzten Monaten sehr gewachsen war - bedeutete Ginny viel. Ginny liebte Katzen nicht nur sehr, sondern wollte schon immer ein eigenes Haustier haben.
Und das war genau, was Mara für sie war: Ein eigenes Haustier. Sie war nicht nur das Haustier der Familie oder das Haustier von jemandem, mit dem sie sich gut verstand, wie Krummbein; Smaragd war ihre eigene Katze. Mara schien es auch zu genießen, Ginny zu gehören, denn die schwarze Katze war sehr eigen mit der Gesellschaft, die sie duldete. Es gab nur eine Person neben Ginny, der Mara sich jemals näherte und deren Aufmerksamkeit sie suchte und Ginny billigte ihre Wahl.
Mara war das perfekteste Geschenk, das ihr jemals jemand gegeben hatte. Sie hielt es ihrer Familie nicht vor, dass sie ihr nie so etwas wundervolles wie Smaragd gegeben hatten. Ihre Familie hatte nicht viel Geld und so halfen sich ihre Eltern meistens mit selbstgemachten Geschenken. Ginny liebte ihre Weasley-Pullis und würde sie gegen nichts in der Welt eintauschen. Und sie schätzte jedes Geschenk, das sie bekam, sogar Rons Schokoladenfrösche und diverse andere Süßigkeiten. Sie lachte, als sie sich an etwas erinnerte, das Harry ihr im Sommer geschrieben hatte.
Ron hatte ihm Chudley Cannons Fanartikel geschickt. Das war so typisch Ron. Er kaufte anderen, was er selber wollte. Er war so unglaublich süß und fehlgeleitet, dass sie nicht wusste, ob sie lachen oder ihrem Bruder einen Klaps auf den Hinterkopf geben sollte. Sie war nur froh, dass er ihr nichts von den Cannons kaufte. Süßigkeiten waren immer gut.
Sie hatte sehr lange darüber nachgedacht, was sie Harry schenken würde, bis die Antwort sie plötzlich überkam. Es war auf vielerlei Art ein offensichtliches Geschenk, aber sie war sich sicher, dass niemand sonst daran denken würde, es ihm zu schenken, noch würden sie Geld dafür ausgeben. Es hatte sie manche Galleone gekostet, und sie war gezwungen gewesen, Fred und George um ein Darlehen zu bitten und hatte versprochen, es abzuarbeiten. Als sie ihnen gesagt hatte, für was das Geld gedacht war, sagten sie ihr, dass sie sich keine Sorgen machen sollte. Sie schuldeten Harry so viel, dass sie froh waren, etwas zu seinem Geschenk beisteuern zu können. Aber sie bestand dennoch darauf, einen Weg zu finden, ihnen das Geld zurückzuzahlen.
Sie konnte es nicht in Hogsmeade kaufen; sie wusste jedoch, dass es in der Winkelgasse erhältlich war. Sie überredete Fred und George, es für sie zu bestellen, da sie mit ihrem Laden praktischerweise gleich um die Ecke waren. Es würde lange vor Weihnachten ankommen. Sie hoffte, dass er es so gern mögen würde, wie sie dachte, dass er es würde. Sie wusste aber, dass es der Gedanke war, der zählte. Sie hatte gesehen, wie Harry auf jedes Geschenk reagierte, das er bekam: er würde es lieben, wenn auch nur aus dem einzigen Grund, dass sie daran gedacht hatte, es ihm zu schenken. Sosehr er auch darüber Witze riss, dass Ron ihm ein Chudley Cannons Poster geschenkt hatte, wusste Ginny, dass er das Geschenk dennoch wertschätzte - nicht für sich selber, aber für die Freundschaft und den Gedanken, der dahinter steckte.
Ginny hatte noch immer viel Zeit totzuschlagen und wusste nicht, was sie machen sollte. Sie schaute sich in seinem Büro um und stellte ihre Beine wieder auf den Boden. Sie sah seinen Feuerblitz an der Wand hängen und konnte sich gerade noch daran hindern, das Gesicht zu verziehen, wissend, dass sie der Grund war, warum er dort hing und nicht zu gebrauchen war. Mehrere Bücher standen auf einem Regal an der Wand, und sie war versucht, sie nach etwas Interessantem durchzuschauen, aber sie hatte das Gefühl, dass sie damit in seine Privatsphäre eindringen würde. Sie war schließlich nicht wirklich in sein Büro eingeladen worden. Sie hatte sich selber eingeladen und sie wollte nicht noch mehr in seine Privatsphäre eindringen, indem sie ohne seine Erlaubnis seine Dinge begutachtete und hielt sich deshalb zurück.
Sie beschloss schließlich, zu tun, was sie meistens tat, wenn sie in Harrys Büro war. Sie ließ ihre Magie durch sich hindurch fließen und konzentrierte sich auf ihre Hand. Sie wollte, dass sie sich in eine goldfarbene Pfote verwandelte und Momente später war sie erfolgreich. Seit sie im letzten Monat das erste Mal die Verwandlung durchgeführt hatte, war sie besser und besser mit den teilweisen Verwandlungen geworden. Sie hatte auch mehrere Bücher gelesen, die sie in der Bücherei gefunden hatte und die das Animagustraining thematisierten. Harrys Methoden waren komplett unorthodox, aber sie konnte die Ergebnisse nicht leugnen. Den Büchern zufolge sollte eine erfahrene Person Monate, möglicherweise Jahre des intensiven Lernens und Trainierens benötigen, um die Verwandlung zu schaffen.
Es hätte monatelanges tägliches Training bedürfen sollen, um sie zu diesem Punkt zu bringen, an dem sie nun war. Nachdem Harry ihr den nötigen Schubs gegeben hatte, indem er sie seine Magie hatte fühlen lassen, hatte sie schnell verstanden. Die Tatsache, dass sie die letzten Monate über zauberstablose Magie geübt hatte, half ihr immens. Sie konnte nun ihre Magie ohne Probleme zu sich rufen und auch wenn sie nicht wie Harry so wie sie wollte zaubern konnte, konnte sie praktisch jedes ihrer Körperteile verwandeln.
Sie hatte bisher noch nicht die ganze Verwandlung versucht. Sie wusste, dass das eine gefährliche Steigerung war, aber sie fühlte, das sie bereit war. Sie konnte beide Hände und beide Füße in Pfoten verwandeln. Sie konnte ihren Kopf verwandeln. Sie konnte ihren Oberkörper verwandeln. Was hinderte sie daran, die vollständige Verwandlung auszuführen? Nichts, wirklich. Sie hatte es vor kurzem mit Harry besprochen und sie hatten beschlossen, dass sie es bald versuchen würde.
Sie verwandelte weiterhin Teile ihres Körpers hin und her. Sie verwandelte ihre Hand hin und her, dann ihren gesamten Arm. Sie tat dasselbe mit der anderen Hand und dem anderen Arm, dann verwandelte sie beide gemeinsam. Sie wiederholte den Vorgang mit ihren Beinen. Sie verwandelte ihren linken Fuß hin und her, dann ihr gesamtes Bein. Sie tat dasselbe mit dem rechten, bevor sie beide Beine zur selben Zeit verwandelte. Sie verwandelte sich zurück in ihre menschliche Gestalt und verwandelte dann alle vier Gliedmaßen zur selben Zeit.
Von ihrem fortwährenden Erfolg bestärkt stand Ginny von ihrem Sitz auf und ging auf dem Boden auf alle viere. Sie verwandelte alles bis auf ihren Kopf in eine Löwin und hatte das merkwürdige Empfinden, beinahe eine vollständige Löwin zu sein. Mit ein wenig Anstrengung verwandelte sie sich wieder zurück in ihre menschliche Gestalt. Sie holte tief Luft und machte sich bereit, dann versuchte sie die vollständige Verwandlung. Sie fühlte, wie sich ihr Körper wandelte, sich an manchen Stellen ausdehnte, an anderen kleiner wurde, zog und drückte. Nach einem langen Moment, stand sie auf allen vieren, bereit, loszuspringen.
Sie experimentierte kurz damit, ihre Klauen einzuziehen und auszufahren. Sie hatte dies schon einmal gemacht, als sie mit der teilweisen Verwandlung experimentiert hatte, aber sie staunte noch immer über das Gefühl und den Anblick ihrer tödlichen Krallen. Sie knurrte, als sie für eine kleine Weile im Büro auf und ab schritt. Sie setzte sich vor den Kamin, bevor sie wieder die Position einnahm, um jederzeit losspringen zu können.
Sie sprang auf den Stuhl, auf dem sie vor ein paar Minuten noch gesessen war und rollte sich zu einem Ball zusammen, während sie zufrieden schnurrte. Sie stellte sich Harrys Gesicht vor, wenn er in sein Büro treten und eine Löwin auf ihn warten sehen würde. Sie grinste so gut sie es als Katze konnte und ihr Schnurren wurde lauter. Bevor sie sich ganz vergaß verwandelte Ginny sich zurück in ihre menschliche Gestalt, um sicherzugehen, dass sie es noch immer konnte. Ihre Verwandlung war lange nicht so schnell oder flüssig wie Harrys. Es brauchte einen Moment, bis die Verwandlung vollzogen war, aber sie schaffte es ohne Schwierigkeiten.
Ginny lächelte zu sich selbst und verwandelte sich wieder. Sie begann durch den ganzen Magiegebrauch müde zu werden und sprang daher auf das Sofa, um es sich gemütlich zu machen und sich auszuruhen, bevor Harry ankam. Sie erlaubte es sich, ihre Augen zu schließen und ihr Körper entspannte sich in der Wärme und der Sanftheit der Sofakissen.
Etwas später wurde sie von dem Klang sich nähernder Schritte im Flur geweckt. Ihre Ohren richteten sich bei dem Geräusch auf und sie setzte sich auf dem Sofa auf. Sie sprang hinunter auf den Boden und kauerte sich hin, bereit, sofort loszuspringen. Sie beobachtete aufmerksam die Tür und hörte die Schritte direkt vor ihr. Der Türgriff bewegte sich und die Tür schwang auf.
Harry stand einen Moment lang im Schatten des Türrahmens, bevor er eintrat. Er bemerkte sie nicht sofort. Er schloss die Tür hinter sich und drehte sich zu seinem Schreibtisch. Mit einem leisen Knurren sprang sie auf ihn los. Mit dieser minimalen Warnung hatte Harry begonnen, sich zu bewegen, aber er konnte nicht viel machen, bis Ginny ihn bereits erreicht hatte. Sie warf ihn zu Boden und hielt ihn mit ihren Pfoten an seiner Brust unten fest, während sie ihm tief in die Augen schaute und sich vorlehnte, um über seine Wange zu lecken.
„Ginny?", fragte er ungläubig.
Ginny schnurrte antwortend und rieb ihre Nase an seiner Wange.
„Du hast es geschafft", rief Harry begeistert aus. „Das ist wundervoll. Glückwunsch." Er strahlte sie an, noch immer unter ihrem Gewicht gefangen. Dann verdunkelte sich sein Gesichtsausdruck etwas. „Warum hast du nicht auf mich gewartet? Die Verwandlung ist gefährlich. Es hätte etwas passieren können."
Ginny tat ihr Bestes, um reumütig auszusehen, indem sie ihr Gesicht auf seine Brust legte und mit ihrer Pfote ihre Augen verdeckte. Harry konnte das Lachen angesichts dieses Handelns nicht zurückhalten: Es war süß und unglaublich lustig. Sie leckte ihm ein weiteres Mal in Anerkennung über die Wange. Harry schaute zu ihr herunter und hob eine Hand, um ihr durchs Fell zu streicheln. Sie lehnte sich in seine Hand und Harry lächelte, als er ihr die Ohren kraulte. Sie schnurrte, während er sie weiterkraulte.
Schließlich ließ Harry seine Hand wieder sinken und fragte: „Hast du vor, mich in naher Zukunft wieder aufstehen zu lassen oder hattest du vor, mich die ganze Nacht auf den Boden zu pinnen? Nicht, dass es eine allzu unangenehme Aussicht ist", fügte Harry mit einem neckenden Augenzwinkern hinzu. Das gesagt verwandelte Harry sich in einen Panther und befreite sich schnell aus ihrem Halt. Bevor sie die Chance hatte sich zu erholen, sprang er auf sie und rang sie spielerisch zu Boden. Er schlug spielerisch mit seinen Pfoten nach ihr und war dabei bedacht, dass seine Krallen eingezogen waren, um ihr nicht weh zu tun.
Er hatte sie schnell auf den Rücken geworfen. Seine Vorderpfoten drückten ihren Oberkörper auf den Boden. Sie attackierte ihn mit ihrer eigenen Vorderpfote und ihre Krallen schnitten in sein Gesicht. Er sprang mit Schmerzen weg von ihr und verwandelte sich schnell zurück in seine menschliche Gestalt. „Merlin, Ginny!", rief er und hielt eine Hand an sein blutiges Gesicht. Er nahm seine Hand weg von seinem Gesicht und sah, dass sie mit seinem Blut bedeckt war.
Innerhalb eines Augenblicks hatte Ginny sich wieder in ihre menschliche Gestalt zurückverwandelt und eilte zu ihm. „Es tut mir so leid, Harry. Das war keine Absicht", sprudelte eine Entschuldigung aus ihr heraus. „Ich bin nicht daran gewöhnt, in Tiergestalt zu sein. Ich habe eine Sekunde lang meinen Instinkten die Führung überlassen und ..." Sie wedelte mit ihren Händen und deutete auf Harrys Gesicht.
„Schon okay", sagte er mit einem Seufzen. „Ich hätte dich nicht so zu Boden reißen sollen, besonders so kurz nachdem du die Verwandlung gemeistert hast. Ich dachte nur, es wäre spaßig, eine andere Katze als Gesellschaft zu haben."
Sie schritt zu ihm und hielt ihre Hand an sein Gesicht. „Lass mich das ansehen", sagte sie in einer sanften Stimme.
„Nein, ist schon okay", erwiderte Harry. Er begann bereits seine Magie zu sich zu rufen, um die Wunde zu heilen. Er zog langsam seine Hand über die Schnittwunden, die sein Gesicht verunstalteten und ließ seine Magie in die Wunde fließen. Er konnte fühlen, wie die Haut unter seinen Fingerspitzen heilte.
Ginny bewunderte Harrys heilende Hand, so erschien es ihr zumindest, auch wenn sie theoretisch wusste, dass er durch seine Hand einen Zauber fließen ließ. Sie trat einen Schritt zu ihm, als er seine Hand von seinem Gesicht nahm und sie streckte vorsichtig ihre eigenen Hände zu ihm aus, um sein neuverheiltes Gesicht zu begutachten. „Es sieht viel besser aus, auch wenn man noch immer ganz fein die Klauenspuren sehen kann", meinte sie, während sie mit ihren Fingern an den rosanen Linien, die seine Haut zeichnete, entlangfuhr. Sie schaute ihm in die Augen und sah, wie er sie anschaute. „Wir benötigen etwas, um dich zu säubern, Mr. Potter. Es kann nicht angehen, dass du mit blutüberströmten Gesicht durch die Flure rennst, nicht wahr?"
Ginny versuchte an etwas zu denken, dass sie tun konnte, um zu helfen, aber ihr fiel nichts ein. „Alles, das mir einfällt, ist ein "Ratzeputz", aber ich glaube nicht, dass dies die beste Möglichkeit ist, um dein Gesicht zu säubern", sagte sie ihm schließlich.
Er lachte leise und sagte: „Nein, ich denke nicht, dass das sehr angenehm wäre." Mit einer Handbewegung beschwor er eine Schüssel herauf. Eine weitere Handbewegung füllte sie mit Wasser. Seine letzte Tat war es, einen Waschlappen heraufzubeschwören, welchen er in die Schüssel voll Wasser tunkte und zu seinem Gesicht führte.
„Lass mich" sagte sie und griff nach dem Tuch. Er zögerte und schaute ihr wieder in die Augen. Nach einem Moment, als er noch immer keine Bewegung gemacht hatte, schnappte sie: „Du wirst Schwierigkeiten haben, dich ohne Spiegel selbst zu säubern. Außerdem bin ich sowieso diejenige, die verantwortlich ist. Das Wenigste, das ich tun kann, ist, dir zu helfen."
Er reichte ihr den Waschlappen und hob sein Kinn. „Komm hier herüber", sagte sie und zog ihn zu einem der Sessel. Sie zwang ihn, sich hinzusetzen und machte es sich auf der Armlehne bequem, den Waschlappen noch immer in der Hand. Sie drehte seinen Kopf von sich weg, so dass sie einen besseren Blick auf die betroffene Wange hatte. Sie begann behutsam, das Blut von seiner gebräunten Haut zu entfernen. Sie bemerkte, dass die Zeit, die er mit Laufen und Fliegen verbrachte, sich positiv auswirkte. Er war nicht länger so blass wie er früher gewesen war.
Ginny begann mit sanften Bewegungen, aber als einige rote Stellen auf seiner Haut sich weigerten, sich entfernen zu lassen, begann sie den Druck leicht zu erhöhen. Schließlich waren alle Hinweise auf das Blut verschwunden. Sie drehte seinen Kopf, um zu schauen, ob sie etwas übersehen hatte. Sie fand etwas Blut unterhalb seines Kieferknochens und entfernte es schnell. Nachdem sie ihn noch einmal begutachtet hatte, erklärte sie ihn für vollständig sauber und legte den blutbefleckten Waschlappen zurück in die heraufbeschworene Schüssel. „Wie neu", rief sie aus und stand von ihrem Platz auf, sich bewusst sein, wie nahe sie ihm war.
„Danke", sagte er ihr. Er schaute nur kurz zu ihr, bevor er wieder zur anderen Seite des Raumes guckte. „Was hast du eigentlich in meinem Büro gemacht? Und wieso hast du dich hier ohne mich verwandelt?", brach er schließlich die Stille, die sich zwischen ihnen breitgemacht hatte.
„Nachdem du aus der Großen Halle gestürmt bist, bin ich dir zum Raum der Wünsche gefolgt", sagte sie ihm und setzte sich auf den Stuhl ihm gegenüber. „Als ich dort ankam, hattest du die Tür bereits abgeschlossen und du hast mich nicht nach dir rufen hören. Ich wollte nicht zum Gemeinschaftsraum gehen und wollte etwas Zeit für mich haben. Das war der beste Platz, der mir eingefallen ist. Nachdem ich hier hergekommen bin, ist mir aufgefallen, dass ich nichts da hatte, um mir die Zeit zu vertreiben und begann daher mit den teilweisen Verwandlungen und beschloss schließlich, die vollständige Verwandlung zu versuchen. Ich hatte nicht vor, es auszuprobieren, es ist einfach passiert. Ich war zuversichtlich, dass ich es tun könnte und es hat geklappt. Ich habe es geschafft." Am Ende staunte sie über ihre eigene Leistung.
„Ich bin stolz auf dich", sagte Harry ihr ehrlich. Seine grünen Augen schauten in ihre braunen. „Auch wenn ich nicht sagen kann, dass ich überrascht bin. Ich wusste, dass du es bald schaffen würdest."
„Dank dir", erwiderte sie. Harry lachte über die Idee, aber sie bestand darauf: „Ich meine es so, Harry. Ich habe einige Bücher über die Animagusverwandlung gelesen, und es wäre eigentlich undenkbar, dass ich so schnelle Fortschritte gemacht habe. Auch mit dem täglichen Training hätte ich die Verwandlung nicht so schnell zustande bringen sollen."
„Das beweist nur, dass du keine gewöhnliche Hexe bist", erwiderte Harry und lehnte sich in seinem Stuhl zurück. „Es hat nichts mit mir zu tun."
„Wer war derjenige, der mich unterrichtet hat?", fragte Ginny. „Wer war derjenige, der die Idee hatte, mir zuerst zauberstablose Magie beizubringen? Das steht in keinem der Bücher. Das war deine Idee, Harry. Und wer war derjenige, der sich überlegt hatte, mir zu zeigen, wie die Magie sich anfühlt, um es mir einfacher zu machen? Ich wusste nicht einmal, dass so etwas möglich ist, bist du es mir gezeigt hast", Ginnys Tonfall war nachdrücklich. Sie würde sich nicht umstimmen lassen.
„Ich wusste es auch nicht", sagte er schulterzuckend. „Ich habe es nur aus einer Laune heraus versucht."
„Und es hat mir unglaublich viel geholfen", beharrte sie auf ihrem Standpunkt. „Ohne dich hätte ich es niemals geschafft. Danke, Harry."
Harry winkte ihre Aussage beiseite. „Es gibt nichts zu danken. Ich habe unser Training genossen und ich habe dadurch mehr über die Verwandlung und meine Magie gelernt."
„Wieso kannst du nicht einfach mein Dankeschön annehmen?", grummelte Ginny. „Ehrlich, alles, was ich möchte, ist, dir für deine Hilfe zu danken und du bist aus irgendeinem Grund dazu entschlossen, mich nicht zu lassen."
Harry hielt seine Hand in einer beruhigenden hoch ): „Okay, okay. Ich weiß, ich bin schwierig. Du musst mir das nicht sagen. Aber wenn es dich glücklich macht, dann: Gern geschehen. Es hat wirklich Spaß gemacht, dich zu unterrichten."
Ginny lächelte breit. „Danke, Harry. Es ist zu schade, dass ich so schnell gelernt habe, jetzt haben wir gar keine Ausrede mehr, warum wir uns so oft treffen", neckte sie ihn keck.
„Oh, ich bin mir sicher, dass mir etwas einfallen könnte", meinte Harry trocken.
„Ist das so, mhm?", fragte Ginny nach.
„Natürlich", erwiderte Harry. „Ich habe ein ziemlich großes Wissen über Magie und Verteidigung. Es sollte nicht zu schwer sein, etwas zu finden, dass ich dir beibringen kann."
„Wissen Sie, Professor Potter, Ihr Ego scheint in beängstigenden Maße anzuschwellen", sagte Ginny ziemlich ernst. „Vielleicht wäre es besser, wenn du die gewonnene Zeit dazu verwendest, einen Zauber zu erfinden, der dich auf den Boden der Tatsachen zurückbringt, bevor all die heiße Luft in deinem Kopf dich wegschweben lässt."
Harry musterte sie einen Moment lang und bemerkte das freche Glitzern in ihren Augen. „Ich weiß nicht, Miss Weasley. Ich denke, es ist bereits zu spät dafür" sagte Harry und stand von seinem Platz auf. Er versuchte dann etwas, von dem er niemals überhaupt gedacht hatte, dass er es versuchen würde. Er ließ sich mehrere Zentimeter über dem Boden schweben. „Wenn du die Verwandlung nur früher geschafft und dir diesen Plan früher überlegt hättest, hätte ich vielleicht die Zeit gehabt, mich selbst zu retten. Doch, oh weh, ich fürchte es ist zu spät." Harry hielt eine Hand an seine Stirn und tat so, als würde er gleich in Ohnmacht fallen.
„Oi, genug damit Potter", ließ Ginny sich vernehmen, stand von ihrem Platz auf und schubste Harry spielerisch.
„He, pass auf, Weasley. Ich schwebe hier", schimpfte Harry.
„Was es umso einfacher macht, dich herumzuschubsen", erwiderte Ginny. Sie schubste ihn ein weiteres Mal und beförderte Harry damit einen guten Meter weiter, bevor Harry sich selbst stoppen konnte.
„Du hast es so gewollt", warnte Harry, schwebte zu Boden und ließ stattdessen Ginny mehrere Zentimeter in der Luft schweben.
„Harry", kreischte sie. „Was tust du? Lass mich runter." Sie fuchtelte mit den Armen herum und versuchte, sich unter Kontrolle zu bekommen, aber sie musste sich keine Sorgen machen. Harry hielt sie konstant in der Luft.
„Nun bin ich an der Reihe, Miss Weasley", belehrte Harry, während er langsam vor ihr hin und her ging. „Das nächste Mal wirst du vielleicht zweimal darüber nachdenken, bevor du versuchst, deinen weisen und mächtigen Lehrer herumzuschubsen."
„Vergib mir, oh Weiser Mann", flehte Ginny spielerisch. „Ich weiß nicht, was ich mir dabei dachte. Bitte. Ich werde alles tun, um was du mich bittest."
Harry grinste. „Sei Vorsichtig mit dem, was du mir versprichst, Miss Weasley. Du weißt nie, um was ich bitten könnte." Er wackelte anzüglich mit seinen Augenbrauen und sie leuchtete bei der Anspielung rot wie eine Tomate auf. „Aber du musst dir keine Sorgen machen. Ich denke, ich kann mich mit einer Verbeugung und deiner Bitte um Verzeihung zufriedengeben."
Harry ließ Ginny zu Boden schweben und schaute sie erwartungsvoll an. Ginny brauchte einen Moment, um sich zu sammeln, wandte sich dann zu Harry und schaute ihm in die Augen: „Wenn du glaubst, dass ich mich vor dir verbeuge, Harry, dann hast du dich aber getäuscht."
„Ich glaube, du hast versprochen, alles zu tun, um das ich dich bitte", erwiderte Harry. „Ich glaube nicht, dass das zu viel verlangt ist." Als Ginny sich nicht rührte, sondern ihm nur weiter herausfordernd in die Augen schaute, nahm Harry die Sache in die Hand. „Ich sagte: Verbeug dich", befahl Harry und streckte sein Magie aus, um Ginny zum Verbeugen zu zwingen.
Ein überwältigendes Gefühl des Déjà-vus durchfuhr Harry, und sein spielerisches Grinsen verschwand schlagartig von seinem Gesicht. Er sah sich plötzlich auf einem Friedhof von Personen in dunklen Roben und Masken umgeben. Harrys Bein pochte schmerzhaft von seinem Zusammentreffen mit der Spinne, die den Pokal des Trimagischen Turniers bewachte. Er fand sich mit seinem Tod ab, aber weigerte sich, ohne Gegenwehr aufzugeben, weigerte sich, Voldemort mit ihm spielen zu lassen.
Voldemort wollte ein Duell, ein formelles Duell. Er befahl Harry, sich zu verbeugen, aber Harry weigerte sich, ihm die Genugtuung zu geben. Voldemorts schrille Stimme durchbrach die kühle Luft: „Ich sagte: Verbeug dich". Und Harrys Rückgrat wurde nach vorne gebogen, als würde eine unsichtbare Hand es erbarmungslos nach unten zwingen. Das Gelächter der Todesser umgab ihn.
Und plötzlich war Harry wieder in seinem Büro. Ginny hob grinsend ihren Kopf. „Das ist ein netter, kleiner Trick, Potter. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich behaupten, dass du Übung hattest."
Ginnys neckender Tonfall verging ihr, als sie Harrys vollständig verändertes Verhalten bemerkte. Ihr Lächeln verschwand und sie eilte zu ihm, um die Entfernung zwischen ihnen zu überwinden. „Harry? Harry was ist los?", fragte sie ihn sanft und drängend, während sie eine Hand ausstreckte, um seine Schulter zu drücken.
Harrys Blick flog zu ihr und sie war von dessen Intensität überrascht. Seine grünen Augen waren wie ein Fenster zu seiner geplagten Seele. Sein Schmerz lag frei für sie sichtbar vor ihr und sie fühlte, wie ein schweres Gewicht sich in ihrer Brust breitmachte und es ihr schwer machte, zu atmen. Den einzigen zusammenhängenden Gedanken, den sie fassen konnte, war: „Was ist passiert?" Einen Moment lang war alles in Ordnung und er neckte sie, und im nächsten Moment war er voller Schmerz.
Harry blickte zu Boden und begann so schnell etwas zu murmeln, dass es beinahe nicht verständlich war: „Ich weiß nicht, was in mich gefahren ist. Es tut mir leid. Ich bin wirklich nicht so wie er, ich schwöre es." Er schüttelte einige Male abwehrend seinen Kopf.
„Schh, Harry", flüsterte Ginny beruhigend und überhaupt nicht verstehend, was los war. Sie hielt ihn an seinen Schultern und führte ihn zum Sofa. Sie zwang ihn dazu, sich zu setzen und da sie keine bessere Idee hatte, kniete sie sich über ihn und drückte sein Gesicht nach oben, so dass sie ihm in die Augen schauen konnte: „Sag mir, was los ist, Harry."
Er schaute nur ins Nichts, als würde er sie nicht einmal vor sich sehen. Er zeigte keine Anzeichen, dass er ihre Frage überhaupt gehört hatte, aber der Ausdruck auf seinem Gesicht war sehr aufschlussreich. Es war Horror und Scham. Sie hatte keine Ahnung, warum er so reagierte, sie wusste nur, dass er Trost brauchte.
„Es ist okay, Harry. Ich bin nicht wütend auf dich", sagte Ginny ihm ehrlich und strich mit ihrer Hand über seine Wange und durch sein Haar, in der Hoffnung seine Ängste zu zerstreuen. Sie wusste ehrlich nicht, was ihn so aus der Fassung gebracht hatte. Er hatte sich jedoch für etwas entschuldigt und so hoffte sie, dass er sich beruhigen würde, sobald er realisierte, dass sie über nichts verärgert war. Nach einem Moment lehnte sie sich nach vorne und umarmte ihn. Mit einer Hand strich sie ihm weiterhin durchs Haar, mit der anderen streichelte sie seinen Rücken. Harry hob langsam seine Hände, um die Umarmung zu erwidern und lehnte seinen Kopf an ihre Schulter. Er schien sich an ihr festzuhalten, als hinge sein Leben davon ab. Schließlich begann sein Griff sich zu lockern. Als sie fühlte, wie sein Körper sich ebenfalls entspannte, lehnte sie sich zurück und sie fragte ihn wieder: „Was ist los, Harry?"
Seine gespenstischen grünen Augen schauten wieder in ihre warmen braunen Augen und er antwortete zögernd: „Voldemort. Er ... Ich wollte nicht ... Ich bin nicht wie er. Es tut mir leid, ich ..."
„Nun, natürlich bist du nicht wie er", brach es aus Ginny heraus, von seiner Antwort völlig überrascht. Sie war bei seiner Aussage überrascht nach hinten gezuckt und hatte beinahe das Gleichgewicht verloren. Sobald sie es wiedergefunden hatte, fragte sie: „Wieso würdest du so etwas denken? Noch besser: warum machst du dir Sorgen, dass ich so etwas denken würde?"
„Ich ... ich habe dich dazu gezwungen, dich zu verbeugen, du wolltest es nicht, aber ich habe dich dazu gezwungen. Ich habe es nicht so gemeint. Es tut mir leid.", sagte Harry mit einer alarmierenden Aufrichtigkeit.
„Schh, es war nur ein Scherz, Harry. Wir haben nur herumgealbert. Ich bin nicht wütend auf dich. Warum hat dich das so mitgenommen?" Sie sprach sanft und beruhigend und hoffte, herauszufinden, was ihn so beunruhigte. Sie war selbst beunruhigt. Harry, der Inbegriff von Stärke, vor ihren Augen zusammenbrechen zu sehen, und sie war entschlossen, herauszufinden, was es verursacht hatte und ihm zu helfen, es zu überwinden.
„Es war wie auf dem Friedhof", antwortete Harry in einer gequälten Stimme, die sie nicht mit ihm in Verbindung bringen konnte. „Er hat mich dazu gezwungen. Ich wollte es nicht, aber er hat mich gezwungen. Ich konnte nichts tun, um ihn aufzuhalten und ich habe dir dasselbe angetan. Aber ich wollte es nicht, ich habe nicht nachgedacht." Seine Augen flehten sie um Vergebung seiner vorgeblichen Vergehen an.
„Friedhof?", fragte sie nach. „Du meinst, als Voldemort wiedergeboren wurde?" Er nickte als Antwort. „Er hat dich dazu gezwungen, dich zu verbeugen?", hakte sie nach. Ein weiteres Nicken. „Und nun denkst du, weil du mich dazu gezwungen hast, mich vor dir zu verbeugen, dass du keinen Deut besser bist als er?" fragte sie, begreifend. Ein weiteres niedergeschlagenes Nicken. „Oh Harry", rief sie aus, rutschte auf seinem Schoß nach vorne und nahm sein Gesicht zwischen ihre Hände, wobei sie ihr eigenes so nahe an ihn brachte, dass ihre Nasen sich beinahe berührten. Sie ließ ihm keine andere Wahl als ihr in die Augen zu schauen. „Du bist nicht im Geringsten wie er. Ich könnte das nie von dir denken, und du solltest das auch nicht. Voldemort hat dich dazu gezwungen, sich vor ihm zu verbeugen, weil er sich erheben wollte, während er dich erniedrigte. So bist du nicht. Du hast mich im Spiel dazu gezwungen, mich zu verbeugen, um Spaß zu haben, nicht wahr?"
Harry nickte in ihren Händen und er suchte ihr Gesicht nach Zeichen von Unehrlichkeit ab. Sie musste seine Inspektion bestanden haben, denn er lächelte sie leicht an und er sagte: „Du hast seinen Namen gesagt."
Sie starrte ihn eine ganze Minute lang an, bevor sie verstand, was er gesagt hatte: „Das habe ich", gab sie zu, über sich selbst überrascht.
„Danke Ginny", sagte er ihr ehrlich. Er ließ seinen Kopf auf ihre Schulter fallen und legte wieder beide Arme um sie, um sie in eine feste Umarmung zu ziehen. „Was würde ich nur ohne dich tun", murmelte er ihr in ihr Ohr.
Als er sie aus der Umarmung ließ, glitt sie von ihm runter auf ihre Knie und grinste ihn an: „Du würdest ohne Zweifel in Selbstmitleid zerfließen."
„Du hast wahrscheinlich recht", gab Harry zu. „Ich schätze, ich habe Glück, dass du hier bist, um mir zu helfen."
„Ich weiß nicht, wie du je ohne mich ausgekommen bist", neckte sie und tätschelte ihm spielerisch seine Knie, als sie aufstand.
Harry streckte ihr die Zunge heraus. „Lass mich deine Verwandlung noch einmal sehen", sagte Harry zu ihr.
„Wenn du darauf bestehst", sagte Ginny mit einem falschen Seufzen, über die Entschuldigung froh, das Thema wechseln zu können. Einen Moment später stand eine Löwin mit goldenem Fell vor dem Sofa.
Harry musterte sie einen Moment lang. Wenn der Feuerschein sie gerade so im richtigen Winkel beleuchtete, konnte er einen rötlichen Farbstich in ihrem Fell sehen, ohne Zweifel zu Ehren ihres feuerroten Haars.
Er nahm ihr Gesicht zwischen seine Hände, um sie genauer zu betrachten und kraulte sie währenddessen hinter den Ohren. Er grinste amüsiert, als sie daraufhin anfing zu schnurren. Zu seiner Überraschung entdeckte er - so nahm er an - ihre identifizierenden Merkmale. Es waren einige braune Tupfen auf dem Fell auf ihrem Gesicht verteilt. Es schien so, dass sie selbst in Löwenform ihren Sommersprossen nicht entkommen konnte. Er lachte laut auf: „Du hast Sommersprossen", sagte er, sobald er sich beruhigt hatte.
Ginny zog ihren Kopf aus seinem Griff und verwandelte sich zurück in ihre menschliche Gestalt. „Was meinst du? Warum lachst du?", wollte sie wissen. Sie stand mit ihren Händen an ihren Hüften gestemmt vor ihm und sah genauso furchteinflößend wie ihre Mutter aus.
Harry war nicht abgeschreckt. Sie wusste, dass sie nur ein „Beller" war. Sie würde nur beißen, wenn er ihr jede Menge Gründe dafür geben würde, und er war der Meinung, dass er nicht närrisch genug war, sie soweit zu bringen. „Du hast braune Tupfen im Fell auf deinem Gesicht. Ich glaube, sie sind deine identifizierenden Merkmale." Er musterte ihr Gesicht noch einmal. „Sie stimmen mit den Sommersprossen auf deinem Gesicht überein", fügte Harry mit einem selbstzufriedenen Grinsen hinzu.
„Harry James Potter", rief Ginny. Harry sah noch immer völlig reuelos aus. „Ich meistere die Verwandlung in eine Löwin und alles, was du tust, ist, dich über meine Sommersprossen lustig zu machen?"
„Nun, es war nur der Gedanke, den ich hatte, der lustig war", erwiderte Harry, noch immer wie verrückt grinsend.
„Oh, und was war dieser Gedanke", wollte Ginny wissen.
„Nun, mit den ganzen Streichen, die wir ausgeführt haben, dachte ich, es wäre cool, wenn wir in die Fußstapfen von meinem Vater und Sirius treten würden", erklärte Harry. „Mit Fred und George, die nicht länger da sind, fehlt der Schule Unfug, und ich dachte, es wäre an der Zeit, dass die Rumtreiber wieder zurückkehren würden. Ich hatte vor, es anzusprechen, sobald du die Verwandlung geschafft hast, da alle Rumtreiber Animagi waren."
Ginnys Gesichtsausdruck wurde sofort weicher: „Oh, Harry, das ist so süß. Ich würde furchtbar gerne ein Rumtreiber mit dir sein." So schnell wie ihr Gesichtsausdruck weichere Züge angenommen hatte, so schnell nahm es einen argwöhnischen Ausdruck an: „Das erklärt noch immer nicht, warum du mich ausgelacht hast."
„Nun, ich wusste, dass wir eventuell Rumtreibernamen für uns aussuchen müssten, die zu unseren Tieren passen. Als ich deine Sommersprossen sah, dachte ich sofort daran, wie lustig es wäre, dich Sommersprosse zu nennen", sagte Harry und hatte Schwierigkeiten, sein Vergnügen unter Kontrolle zu halten.
„Harry James Potter!", kreischte Ginny das zweite Mal in genau so vielen Minuten „Du wirst diesen Gedanken aus deinem Kopf streichen oder ich werde es für dich tun. Du wirst mich nicht Sommersprosse nennen." Ihre Hände waren wieder an ihre Hüften gestemmt und sie stampfte unterstreichend mit ihrem Fuß auf. Harry wusste, dass sie nahe an dem Punkt war, an dem sie zuerst verhexen und dann erst Fragen stellen würde.
Er hielt seine Hände in einer beruhigenden Geste vor sich aus ausgestreckt: „Ich würde nicht wirklich versuchen, dich so zu nennen", versicherte Harry ihr. „Aber der Gedanke ist einfach in meinem Kopf aufgetaucht, und ich konnte nicht anders als zu lachen. Sommersprosse wäre kaum ein angemessener Name für einen Rumtreiber."
„Na, dann verwandele du dich doch noch einmal. Vielleicht kann ich etwas finden, um mich über dich lustig zu machen", grummelte Ginny, doch der größte Teil ihres Feuers schien verglommen zu sein.
„Du hast mich bereits verwandelt gesehen", sagte Harry ihr.
„Ja, aber ich hatte nicht die Gelegenheit, dich genauer zu betrachten. Du warst ein wenig damit beschäftigt, mein Leben zu retten, du erinnerst dich?"
„Oh. Stimmt.", Harry schüttelte über sich selbst den Kopf. Das wäre eigentlich offensichtlich gewesen. Manchmal fragte er sich, warum er redete, bevor er nachdachte. „Also gut." Harry verwandelte sich in einen Panther und trabte zu Ginny, um sich inspizieren zu lassen.
Ginny ließ sich in den nächsten Armsessel fallen und nahm sein Gesicht zwischen ihre Hände, um seine Panthergestalt zu mustern. „Nun, die grünen Augen sind das offensichtlichste. Das war das erste, was ich bemerkte, als ich dich das erste Mal sah." Sie schaute sein Fell genauer an. „Hmmm", murmelte sie, während sie seine Stirn begutachtete. Harry trat einen Schritt zurück und schaute sie mit einem - wie er hoffte - neugierigen Gesichtsausdruck an. Er wusste nie, wie er aussah, wenn er in seiner Tiergestalt war. Er musste zumindest etwas erfolgreich gewesen sein, denn Ginny erklärte: „Oh, es ist nichts, Harry. Ich hatte nur irgendwie erwartet, dass eine Kennzeichnung oder etwas da sein würde, wo deine Narbe wäre, aber es gibt nichts. Ich schätze, du bist glücklich darüber, dass zu hören."
Sie musterte ihn noch einmal. Sie grinste, als sie eine weitere Besonderheit an seiner Gestalt bemerkte. „Nun, alles in allem siehst du ziemlich normal aus ... bis auf ... das Fell, das hier in einem merkwürdigen Winkel absteht", sagte sie und berührte seinen Hinterkopf.
Einen Augenblick später stand Harry vor ihr. „Nein, wirklich? Ich dachte, ich hätte das Problem aus der Welt geschaffen, als ich mein Haar habe wachsen lassen. Es war klar, dass es mich bis in meine Tiergestalt verfolgen würde", sagte Harry voller Abscheu.
„Na, na", beruhigte Ginny. „Das ist nichts, über das du dich aufregen musst. Ich habe dein Haar davor immer gemocht", sagte sie, ihr Blick ins Nirgendwo gerichtet. „Nicht, dass ich dein Haar jetzt nicht mögen würde. Es bist einfach nicht du. Es sieht gut aus, so wie es jetzt ist, aber davor war es einzigartig. Ich weiß nicht, wie ich es besser erklären soll."
„Äh, danke?", sagte Harry unsicher. „Ich kann es immer noch so verändern wie es früher war."
„Sei nicht albern", winkte Ginny den Gedanken mit einer Handbewegung ab. „Du solltest dein Aussehen nicht für mich ändern. Lass dein Haar so, wie es dir gefällt. Ehrlich, es sieht gut aus, so wie es jetzt ist."
„Bist du sicher?", fragte Harry in einem seltenen Moment der Unsicherheit. Er machte sich Sorgen, dass sein Haar wirklich nicht so gut aussah wie er dachte. Was, wenn er die letzten Monate wie ein Idiot aussehend herumgelaufen war?
„Bist du blind, Harry?", antwortete Ginny mit einer Gegenfrage und verwirrte Harry damit völlig.
„Was meinst du?"
„Ehrlich, bemerkst du nicht, wie die Hälfte der Mädchen in diesem Schloss dich anstarren?", fragte Ginny verzweifelt.
Harry zuckte nur halbherzig mit den Schultern und setzte sich auf die Couch: „Die Menschen starren mich immer an. Als ich klein war, war es, weil ich immer Dudleys riesige alte Klamotten getragen habe und meine Tante und mein Onkel jeden erzählt haben, ich sei ein Unruhestifter. Als ich in die Zaubererwelt kam, war es, weil irgendein dunkler Zauberer nicht in der Lage war, mich zu töten, als ich ein Baby war. Seitdem bin ich angestarrt worden, weil ich : der Erbe von Slytherin war, der Champion, der sich in das Trimagische Turnier geschummelt hat, der Junge der lebte, während Cedric starb und der verrückte, aufmerksamkeitsheischende, lügenverbreitende Junge war, als den mich der Tagesprophet letztes Jahr hingestellt hat. Ich weiß, dass die Menschen mich anstarren: Ich habe nur aufgehört, darauf zu achten."
Ginny seufzte schwer: „Ernsthaft, Harry, du siehst toll aus. Du siehst so anders aus als letztes Jahr, dass ich erst überrascht war, als ich dich das erste Mal sah. Und du weißt, dass Ron und Hermines Reaktionen sogar noch schlimmer waren. Es ist aus keinem schlechten Grund. Du siehst toll aus, reifer. Du siehst mehr wie ein Mann aus, Harry. Du bist ein Mann unter Jungen und die Mädchen haben es bemerkt."
„Und meine langen Haare haben das bewirkt?", fragte Harry schwer von Begriff.
Ginny lachte auf: „Kaum. Aber das Haar unterstreicht die Veränderung. So viel ist anders, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Du bist über den Sommer etwas gewachsen, ein wenig in der Größe, aber größtenteils im Körperbau. Du bist immer ein mageres kleines Ding gewesen. Nimm mir das nicht übel, aber so war es. Du hast jedoch Muskeln bekommen. Das Laufen und das Workout hat Wunder bewirkt. Aber es ist mehr als das, du hast eine andere Ausstrahlung. Du bist nicht länger der Junge, der nervös und unsicher war, der immer von dem Rampenlicht zurückschreckte. Du hast Selbstvertrauen, bist selbstsicher. Die Aufmerksamkeit der Menschen macht dir nichts aus, du hast es sogar selbst zugegeben. Das alles zusammen bildet einen ganz anderen Harry Potter als den, den wir sonst gesehen haben."
„Ich habe nie wirklich darüber nachgedacht", sagte Harry ehrlich.
„Das ist ein Teil der Anziehungskraft, Harry. Du bist dieser tolle, gutaussehende Junge und du bemerkst es nicht einmal. Du spielst dich nicht selbst auf, wie die meisten Jungs es versuchen, und du hast weit mehr mit dem du angeben kannst als jeder Schüler hier. Und Merlin, Harry, du bist mächtig. Die Menschen werden von Natur aus von Macht angezogen und du hast es im Überfluss. Als du mich das Scheinduell im Raum der Wünsche beobachten hast lassen, konnte ich meinen Augen nicht trauen. Ich habe noch nie jemand so duellieren sehen und du tust das alles auch noch zauberstablos."
„Aber niemand sonst weiß davon oder hat es gesehen", warf Harry ein. „Abgesehen von dir weiß niemand, was ich kann."
Ginny warf ihm einen mitleidigen Blick zu, in den auch ein wenig Frustration gemischt war. Harry konnte einfach nicht verstehen, wie andere Menschen ihn sahen. „Sie müssen das nicht sehen, um zu wissen, dass du mächtig bist. Ein Großteil von ihnen sieht es jedesmal, wenn du vortrittst, um die D-HA zu unterrichten. Alle haben dich im Trimagischen Turnier gesehen. Du warst um Jahre jünger als alle anderen, aber du hast es dennoch geschafft, mit ihnen mitzuhalten und sie sogar zu übertrumpfen. Die Menschen können es im Unterricht sehen. Von dem, was ich höre, machst du Hermine Konkurrenz und das sagt was."
Ginny lehnte sich vor: „Ich möchte, dass du wirklich hörst, was ich jetzt sage, Harry. Du bist ein toller Kerl. Ein großartiger Anführer. Du bist mächtig und stark und zur selben Zeit freundlich und mitfühlend. Du hast Selbstvertrauen und bist gleichzeitig beinahe übermäßig bescheiden. Und du bist ohne Zweifel einer der attraktivsten Jungen auf Hogwarts. Eines Tages wirst du ein Mädchen sehr glücklich machen, Harry."
‚Und ich wünschte, ich wäre es.' Der Gedanke kam urplötzlich in Ginnys Kopf und sie lehnte sich zurück, als sie vollständig realisierte, was sie gerade gedacht hatte. Es war wahr; sie wünschte wirklich, dass sie es war. Sie hatte vor langer Zeit ihre Verknalltheit in Harry Potter aufgegeben, zumindest wenn man zwei Jahre als lange betrachtete. Am Ende ihres dritten Schuljahres hatte sie offiziell aufgegeben und sich mehr auf sich selbst konzentriert. Sie mochte Harry noch immer - das konnte sie nicht abstreiten -, aber sie ließ die romantischen Gefühle gehen. Wenn er ein Teil ihres Lebens sein würde, dann würde er das als ein Freund sein.
Seit sie diese Entscheidung gefällt hatte, hatte sie sich selbst nicht erlaubt, an mehr als an Freundschaft mit Harry zu denken. Sie war schließlich in der Lage, sich selbst davon zu überzeugen, dass sie tatsächlich über Harry Potter hinweg war und dies mochte wirklich der Fall gewesen sein. Dann war es soweit und sie hatte sich wieder in ihn verguckt, aber dieses Mal war es anders. Sie war kein kleines begeistertes Fangirl und Harry war kein zwölfjähriger Junge, der schnell peinlich berührt war und keine Ahnung hatte, was Mädchen anging.
Dieses Mal waren sie Freunde. Um ganz ehrlich zu sein, war er schnell zu ihrem besten Freund geworden. Sie verstanden sich sehr gut. Es fehlte ihnen nie an Konversation und sie hatten gemeinsam immer Spaß. Sie hatte nie gesehen, dass Harry in den letzten vier Jahren auf Hogwarts so viel Spaß gehabt hatte und sie hatte geschaut, auch wenn sie das nie zugeben würde. Sie wusste, dass sie nicht alleine für Harrys Vergnügen verantwortlich in diesem Jahr war, aber sie konnte nicht anders als zu denken, dass sie zumindest einen wichtigen Part gespielt hatte.
Über die letzten Monate hatte sie den wahren Harry Potter kennen gelernt, nicht die romantisierte Version von ihm, die sie in den ersten Jahren von ihm gehabt hatte. Das lustige war, dass die beiden Versionen kaum verschieden waren. Der echte Harry hatte alle Qualitäten, die ihr Traumharry ebenfalls hatte, aber er hatte viel mehr Tiefe. Dieser Harry hatte eine tragische Vergangenheit, die weit mehr als nur den Tod seiner Eltern beinhaltete. Der echte Harry hatte das schlimmste Leben von jedem, den sie kannte, und dennoch war er eine gute Person. Die Realität machte Harry nur noch anziehender.
Sie konnte es kaum fassen, aber ihr imaginärer Harry konnte mit dem echten nicht mithalten. Harry war bei weitem nicht perfekt. Das letzte Jahr war das perfekte Beispiel dafür, mit seiner Nachdenklichkeit und seinem Temperament. Sie hatte in diesem Jahr mehr davon erwartet, aber Harry hatte anderes vor. Er erholte sich von einer weiteren Tragödie in seinem Leben, weit besser als jeder hätte hoffen können. Er war auch vorschnell, niemals gewillt, sich zurückzulehnen und andere die Dinge handhaben zu lassen. Die Tatsache, dass er darauf bestand, sich aus dem Schloss zu schleichen, um den Orden an Halloween beim Kämpfen zu unterstützen war, ein Beispiel dafür, aber das war auch einer der Dinge, die sie an ihm liebte. Er war nicht gewillt, zuzuschauen, während andere verletzt oder in Gefahr waren. Er hielt niemals inne, um seine eigene Sicherheit zu bedenken, wenn er andere sah, die seine Hilfe brauchten.
Ginny wurde aus ihren Gedanken gerissen, als Harry sich ein wenig unbehaglich räusperte und sagte: „Nun, was ist mit dir?"
Ginny starrte ihn eine Minute lang an und versuchte herauszufinden, über was um Merlins Willen er redete. Sie gab auf und fragte: „Was ist mit mir?"
„Wenn du so eifrig bist, zu bemerken, wie die Menschen mich anschauen, dann hast du sicherlich auch die Aufmerksamkeit, die dir geschenkt wird, bemerkt", antwortete Harry mit einem Grinsen.
Ginny lachte unbehaglich auf: „Ich? Ja, ist klar. Du musst das nicht sagen, Harry."
„Wenn du mir die Augen öffnen kannst, wieso kann ich nicht dasselbe für dich tun? Weißt du, mir wurden einige tödliche Blicke zugeworfen, nachdem ich dich zum Ball gefragt habe, bevor jemand anderes überhaupt die Chance dazu hatte. Ich war tagelang wachsam, immer halb in der Annahme, dass ich verhext werden würde, sobald ich um eine Ecke bog" sagte Harry ihr nur halb scherzend.
„Ha, Ha, Harry", gab Ginny zurück. „Sehr lustig. Aber ich habe es ernst gemeint."
„Und was lässt dich denken, dass ich es nicht tue?", fragte Harry sofort zurück. „Ok, ich habe nicht wirklich um mein Leben gefürchtet oder so, aber ich habe einige gemeine Blicke geerntet, nachdem der Ball verkündet worden war. Und das berücksichtigt noch nicht einmal deinen Bruder."
„Ich glaube, du übertreibst ein wenig, Harry. Ich kann ein oder zwei glauben, mehr nicht", erwiderte Ginny verlegen.
„Und da ist die Bescheidenheit", erwiderte Harry mit einem Grinsen. „Ernsthaft, Ginny. Du bist selber erwachsener geworden. Sicher, du bist noch immer winzig, aber wenn es dir nichts ausmacht, wenn ich es sage, aber du bist an all den richtigen Stellen gewachsen", sagte Harry ihr mit einem Wackeln seiner Augenbrauen. „Du bist wunderschön, Gin. Ich weiß, dass ich den Neid einer Menge Jungs auf mich gezogen habe."
„Das ist also alles, was ich bin", fragte Ginny ihn. „ein heißer Körper, den Jungs anzüglich anschauen und herumzeigen können?"
„Du weißt, dass das nicht das ist, was ich meinte", schimpfte Harry. „Du bist einer der stärksten Menschen, die ich kenne."
„Wie bin ich stark?", fragte Ginny und dachte an die Schwäche, die sie in ihrem ersten Schuljahr gezeigt hatte.
„Habe ich dir jemals erzählt, was in der Nacht passierte, als ich Bellatrix Lestrange in der Mysteriumsabteilung verfolgt habe", fragte Harry plötzlich.
„Ähh ... nein, ich glaube nicht", erwiderte Ginny zögernd.
„Nun, es ist tatsächlich eine Menge passiert, aber Voldemort ist aufgetaucht und er und Dumbledore haben sich duelliert. Dann, nach einer Weile, verschwand Voldemort und hat Besitz von mir ergriffen", sagte Harry ihr und beobachtete sie genau.
Ihre Augen suchten seine und blitzten feurig, als er seinen letzten Satz sagte, aber sie sagte nichts. „Ich kann nicht einmal beginnen zu beschreiben wie es sich anfühlt, noch sollte ich es dir beschreiben müssen. Er hat nur wenige Minuten von mir Besitz ergriffen und ich konnte es nicht ertragen. Ich war nach diesen wenigen kurzen Minuten bereit, Dumbledore anzuflehen, mich einfach zu töten und alles hinter mir zu lassen, aber du hast ihn monatelang bekämpft, Ginny. Monate. Du möchtest über Stärke reden? Das ist Stärke. Ich hätte nicht die Stärke gehabt, das zu überleben, vor allem nicht alleine. Du zollst dir selbst nicht genug Anerkennung." Ginny sah von Harry weg, als dieser wieder begann zu reden, aber er weigerte sich, seinen Blick abzuwenden und schaute sie noch immer auf ihre Reaktion wartend an.
Ginny war lange Zeit stumm, ihr Blick auf den Boden gerichtet. Nach mehreren langandauernden stillen schaute sie ihm schließlich in die Augen. Ihre Augen glitzerten vor unvergossenen Tränen. „Ich war schwach", bekundete sie leise. „Ich hatte Angst, jemanden davon zu erzählen. Wenn ich nicht so dumm und schwach gewesen wäre, wäre ich gar nicht erst Opfer dieser Falle geworden, und ich hätte lange, bevor es so sehr eskaliert ist, um Hilfe gebeten."
„Schwachsinn", unterbrach Harry sie. Er stand vom Sofa auf und begann in seinem Büro auf und ab zu laufen. „Ja, du hast Fehler gemacht. Du warst naiv und ein wenig närrisch, verständlich bei einem elfjährigen Mädchen, dass das erste Mal von Zuhause fort ist. Du bist auf einen Trick hereingefallen, der von einem der schlausten Zauberer in der Welt ausgedacht worden war, aber du warst niemals schwach. Du warst sturköpfig und närrisch, nicht um Hilfe gebeten zu haben, aber du hast ihn monatelang bekämpft, Ginny. Eine schwache Person hätte schon längst aufgegeben gehabt."
„Aber das ist nicht, wo deine wahre Stärke sich zeigt", fuhr Harry fort, bevor sie die Möglichkeit hatte, etwas zu sagen. „Du hast seitdem jeden Tag deine wahre Stärke gezeigt. Schau dich an. Du hast allen Grund dazu, die Welt zu hassen, wütend zu sein über das, was dir widerfahren ist, aber das bist du nicht. Du hast Monate in seinen Fängen verbracht und du hast es dich nicht zerstören lassen. Wenn es jemanden gibt, der verstehen kann, was du durchgemacht hast, dann bin ich das. Und offen gesagt: Ich weiß nicht, wie du es geschafft hast, es zu überwinden, aber dennoch hast du es. Du hast es überwunden, ohne deinen Kampfgeist zu verlieren, und ich bin jeden Tag, den ich dich sehe, von dieser Stärke erstaunt. Also wage es nicht, mir zu erzählen, dass du schwach bist."
Ginny stand auf und hielt Harrys auf- und abgehen auf, indem sie ihn in ihre Arme nahm und ihren Kopf gegen seine Brust lehnte. Harry erwiderte ihre Umarmung und drückte sie fest. Sie standen eine gute Minute so da, sich einfach festhaltend, bis Ginny sich auf Zehenspitzen stellte und ihm: „Danke" ins Ohr flüsterte.
Harry erzitterte leicht, als er ihren warmen Atem an seinem Ohr spürte. Sie trennten sich einen Moment später. Ginny schaute nervös zu ihm hoch. „Wenn wir diese Unterhaltung schon haben, möchte ich noch etwas anderes ansprechen."
„Das wäre?", fragte Harry in einer Mischung aus Neugier und Befürchtungen.
„Nun, es geht um Hermine", begann Ginny. „Und auch ein wenig um Ron. Ich weiß, dass du das ganze Semester Probleme mit ihnen hattest und ich weiß, ich habe nicht unbedingt das Recht, mich einzumischen, aber ich hasse es, zu sehen, wie ihr euch mehr und mehr voneinander entfernt. Ich denke, du bist ein wenig streng mit ihnen."
Harry machte Anstalten, sie zu unterbrechen, aber Ginny hielt eine Hand hoch, um ihn aufzuhalten: „Warte, lass mich das näher erläutern. Sie haben sich das ganze Semester über unangemessen verhalten, aber sie hatten Gründe, warum sie so gehandelt haben. Du hast eine bewusste Entscheidung getroffen, Geheimnisse vor ihnen zu haben, aber sie wissen nicht, was passiert ist oder warum du die Distanz zwischen ihnen aufgebaut hast. Das entschuldigt ihr Verhalten nicht, aber du kannst ihnen nicht die ganze Schuld geben. Du hast all das in Bewegung gesetzt."
„Nun, was schlägst du vor, soll ich tun", fragte Harry ein wenig gereizt.
„Kein Grund, schnippisch zu werden", schimpfte Ginny leicht.
Harry seufzte: „Es tut mir leid. Ich bin nur so frustriert, was die beiden angeht."
„Ich weiß", fühlte Ginny mit ihm. „Die Wahrheit ist, ich auch. Aber wenn du nicht etwas tust, wird es immer weiter bergab gehen, bis du nicht einmal mehr ertragen kannst, Zeit mit ihnen zu verbringen und ich weiß, dass du das nicht willst."
„Was kann ich also tun?", fragte Harry.
„Du musst etwas finden, dass du mit ihnen teilen kannst. Es kann etwas Unbedeutendes für dich sein, aber es muss für sie etwas von Bedeutung sein. Besonders für Hermine. Du musst sie so fühlen lassen, dass du ihnen noch immer vertraust und ihnen Vertrauen schenkst. Sie brauchen diese Bestätigung, dass du sie nicht einfach zurücklässt."
Harry nickte nachdenklich: „Du glaubst, das wird funktionieren?"
Ginny lächelte ihn beruhigend an: „Das tue ich."
Harry trat vor und legte seine Arme wieder um sie, um sie fest zu umarmen. „Danke", sagte er gefühlvoll. Er fühlte sich irgendwie leichter, als hätte seine Bürde gerade ein wenig an Gewicht verloren, nun, da er eine Idee hatte, wie er die Beziehung zwischen sich und seinen beiden früheren besten Freunden verbessern könnte. Er hatte bis zu diesem Moment nicht realisiert, wie sehr ihre Schwierigkeiten ihn beeinflusst hatten.
„Gern geschehen, Harry", erwiderte Ginny, während sie die Umarmung erwiderte.
Sie trennten sich und Harry grinste sie an: „So, nun, da wir die ganze Gefühlsduselei aus dem Weg geschafft haben: Möchtest du für einen Ausflug in den Wald gehen?"
„Was? Jetzt?", fragte Ginny, während sie sich auf die Stuhllehne des Sessels setzte, von dem sie erst wenige Minuten zuvor aufgestanden war.
„Warum nicht? Außer du hast Angst, erwischt zu werden", schlug Harry vor und zog eine Augenbraue hoch.
„Ich würde kein sehr guter Rumtreiber sein, wenn das der Fall wäre", sagte Ginny.
„Das höre ich gerne. Lass mich meinen Tarnumhang holen, dann können wir uns in den Wald schleichen. Sobald wir drinnen sind, sollte es kein Problem sein, den Tarnumhang auszuziehen und uns zu verwandeln. Von da an ist alles das reine Vergnügen."
„Das hört sich so an, als hättest du damit Erfahrung", erwiderte Ginny neckisch.
„Das könnte man so sagen" erwiderte Harry mit einem Grinsen. „Lass uns gehen."
Ende Kapitel 13.2
