Kapitel 14: Weihnachtsspaß

Die letzten Wochen des Semesters verflogen schnell. Bevor er es richtig begreifen konnte, erkannte Harry, dass es nur noch eine Woche bis zum Ende des Semesters, und zwei Wochen bis Weihnachten waren. Er musste noch immer den Großteil seiner Weihnachtseinkäufe machen, und Harry machte daher an dem Samstag seinen Ausflug in die Winkelgasse.

Er ging kurz nach dem Frühstück, um sich so viel Zeit wie möglich zu geben. Er musste in einem Ausflug viel erledigen und er wollte sichergehen, dass er genug Zeit für alles hatte. Die Gasse in seiner Verkleidung besuchend betrat Harry praktisch jedes Geschäft in der Winkelgasse. Wenn sein magischer Koffer nicht gewesen wäre, wäre er schnell überladen mit seinen Einkäufen gewesen. Den ganzen Morgen über ging er von Geschäft zu Geschäft, redete mit Ladeninhabern, schaute einen Artikel nach dem anderen an...es war anstrengend. Als es Mittag wurde, beschloss Harry, dass er eine Pause von allem brauchte. Er überlegte angestrengt, was er tun könnte, um etwas Abstand zu bekommen, als ihm eine Idee kam.

Er ging durch den Tropfenden Kessel und den Muggelausgang hinaus. Eine Telefonzelle war nicht weit die Straße hinunter und Harry ging schnell dorthin. Er legte rasch ein paar Privatsphärenzauber über sich selbst und seinen Koffer und suchte ein Kärtchen heraus, das er seit dem Sommer nicht gesehen hatte. Er wählte die Nummer, die darauf geschrieben war. Das Telefon klingelte mehrere Male, bevor es zum Anrufbeantworter überleitete. Niemand zuhause.

Er ließ seine Schultern hängen, aber er ließ sich nicht unterkriegen. Da er nur einen Ort kannte, an dem er nach ihr schauen konnte, ging er los zu dem Kaufhaus, wo er Jessica das erste Mal im Sommer kennengelernt hatte. Das Glück war mit ihm an diesem Tag, denn sobald er eintrat, entdeckte er Jessica, die mit einem Kunden an der Kasse stand. Er wartete, bis sie fertig war, bevor er sich näherte.

„Verzeihung, aber Sie würden nicht vielleicht in der Lage sein, mir bei der Auswahl einer neuen Garderobe zu helfen, oder?", fragte Harry sie.

Sie drehte sich eilig um. „Harry", schrie sie beinahe, ein breites Grinsen auf dem Gesicht. Sie sprang zu ihm und schlang ihre Arme um ihn. Er fing sie auf, seine Hände an ihren Hüften, und lachte über ihre Reaktion.

„Es ist gut, dich zu sehen", sagte er.

„Wie lang bist du schon in London? Wirst du lange bleiben? Wieso hast du nicht angerufen und es mich wissen lassen?", feuerte sie eine Frage nach der anderen ab, während sie ihn aus der festen Umarmung frei ließ.

„Lass sehen", überlegte Harry. „Ich bin heute Morgen erst angekommen, Ich bleibe nicht länger als einen Tag und ich habe nicht angerufen, weil ich nicht dachte, dass ich die Zeit hätte, um mich mit dir zu treffen. Offensichtlich habe ich mich getäuscht. Ich habe etwas Extrazeit zur Verfügung und brauche eine Pause, daher habe ich dich angerufen. Als du nicht geantwortet hast, wusste ich nur von einem Ort, an dem ich nach dir suchen könnte."

„Du bist also den ganzen Weg hierhergekommen, nur in der Hoffnung, dass ich arbeiten könnte?", fragte sie. Harry nickte mit einem verlegenen Grinsen auf dem Gesicht. „Das ist so süß, Harry. Es ist so gut, dich wiederzusehen."

„Ebenso", erwiderte Harry. „Ich muss tatsächlich ein paar Kleidungsstücke kaufen und ich habe ebenso das Bedürfnis nach einem netten Mittagessen. Glaubst du, du könntest mir aushelfen?"

„Mit den Kleidungsstücken- definitiv", sagte sie mit einem Lächeln. „Und ich habe eine einstündige Pause für das Mittagessen, aber bis dahin ist es noch eine Stunde."

„Nun, lass uns mit den Einkäufen beginnen und wenn es notwendig ist, kann ich dich hier treffen, wenn deine Pause ist. Das heißt natürlich, wenn du gerne mit mir zusammen essen möchtest", fügte Harry hinzu.

„Natürlich möchte ich", sagte sie. „Nun, dann komm; lass uns neue Klamotten für dich finden."

Sie führte ihn in die Männerabteilung und fragte Harry, was er benötigte. Er sagte ihr, dass er dickere Kleidung für die Wintermonate brauchte, besonders Workoutklamotten, die er in dem kalten Wetter tragen konnte und einige neue Oberteile. Er erklärte ihr, dass einige der Oberteile, die er letzten Sommer gekauft hatte, geschrumpft zu sein schienen. Sie zog amüsiert eine Augenbraue hoch.

„Irgendwie glaube ich nicht, dass die Oberteile schuld sind", kommentierte sie leichthin.

„Nun, natürlich nicht", erwiderte Harry schwer von Begriff. „Sie können nicht von alleine geschrumpft sein, nicht wahr? Sie müssen in der Waschmaschine geschrumpft sein oder so."

„Das ist nicht das, was ich meinte", sagte sie mit einem frechen Grinsen. „Hast du regelmäßig trainiert?"

Harry nickte stumm, nicht verstehend, worauf sie mit ihrer Frage hinauswollte. „Ja, Ich laufe und trainiere jeden Morgen. Warum?"

„Weil nicht die Oberteile schrumpfen, sondern du an Masse zulegst", sagte sie ihm. „Ehrlich. Nachdem du monatelang täglich trainiert hast, was hast du erwartet? Ich konnte es fühlen, als du mich umarmt hast und ich konnte es in dem Moment sehen, als ich dich das erste Mal richtig angeschaut habe."

Harry zog den Kopf ein und scharrte mit seinen Turnschuhen am Boden, von ihrem Kommentaren vollständig überrascht. „Noch immer bescheiden, wie ich sehe", sagte sie nett lächelnd.

Harry schaute zu ihr hoch und grinste sie leicht an. „Nun, ich versuche mein bestes", sagte er in dem Versuch, seine Fassung wiederzugewinnen.

Sie verbrachten die folgenden 45 Minuten damit, eine Vielzahl von neuen Kleidungsstücken zusammenzusuchen, um sie Harrys Garderobe hinzuzufügen. Da Jessica noch weitere fünfzehn Minuten bleiben musste, bevor sie ihre Mittagspause machen konnte, wanderten sie noch weitere zehn Minuten oder so zusammen im Laden umher, bevor sie zur Kasse gingen. Nachdem er gezahlt hatte, musste Jessica kurz nach hinten, um sich abzumelden.

Als sie zurückkam, lächelte sie Harry an und fragte: „Also, was hast du fürs Mittagessen geplant?"

Harry dachte darüber einen Moment nach: „Ich weiß nicht. Mir ist alles recht. Was ist mit dir? Gibt es etwas bestimmtes, dass du möchtest?"

Sie war einen Moment lang still, als sie überlegte: „Ich denke, ein Salat oder ein Sandwich wäre jetzt gerade richtig."

„Da habe ich nichts gegen einzuwenden", sagte Harry sofort. „Ähh, kennst du einen Ort in der Gegend?"

„Ja, es gibt ein Restaurant nur zwei Blocks weiter, wenn dir die Entfernung nichts ausmacht."

„Überhaupt nicht." Die beiden gingen los. Sie redeten ein wenig über die Schule, während sie liefen. Jessica erzählte ihm alles über die Fächer, die sie gewählt hatte. Sie mochte ihren Literaturlehrer wirklich und genoss den Unterricht, aber ihr Chemielehrer war das reinste Monster. Harry gluckste nur. Zaubertränke war nicht so viel anders als Chemie.

Harry redete nach ihrer Aufforderung ebenfalls über die Schule, auch wenn die Details ein wenig verändert waren. Harry konnte seinen Naturwissenschaftenlehrer ebenfalls nicht ausstehen. Er sagte ihr, dass der Mann ihn von Anfang an nicht leiden konnte. Er erwähnte, dass sein Vater und er Rivalen gewesen waren, als sie Jahre zuvor die gleiche Schule besucht hatten und wie der Lehrer nun gerne abfällige Bemerkungen über Harry und dessen Vater machte.

Jessica reagierte wie erwartet. Sie war empört, dass ein Lehrer seinen Ärger über Harrys Vater auf Harry selbst übertrug, insbesondere da der Groll so alt war und Harrys Vater seit über fünfzehn Jahren tot war. „Wie sie einen solchen Mann unterrichten lassen können, begreife ich nicht", fasste sie zusammen.

„Da werde ich nicht widersprechen", erwiderte Harry. Die Unterhaltung drehte sich dann um heitere Themen, bis sie schließlich an Cid's Feinkostgeschäft ankamen. Sie bestellten schnell: Jessica einen Caesar Salat mit Hühnchen, Harry ein Putenbrust und Käsesandwich. Harry erzählte ihr von den Häusern an seiner Schule und wie jedes einen Lehrer als Hauslehrer hatte. Er berichtete über Professor McGonagall und wie er ihr trotz ihres strengen Verhaltens in diesem Jahr viel näher gekommen war, da er sie außerhalb des Klassenzimmers getroffen hatte und sogar eine Art Freundschaft mit ihr geschlossen hatte. Als Jessica ihn nach mehr Informationen fragte, erwähnte er seine Tanzstunden mit ihr, was ihre Konversation auf den kommenden Ball lenkte.

Jessica war insbesondere daran interessiert, von seiner Verabredung zum Ball zu hören: „Wie heißt sie? Wie sieht sie aus? Ist sie nett? Magst du sie? Geht ihr als Freunde oder als mehr? Erzähl mir alles über sie."

Harry hatte kaum Zeit, ihre Fragen zu beantworten. Er erzählte ihr ein wenig von Ginny. Sie war die kleine Schwester seines besten Kumpels und sie war einige Jahre zuvor ein wenig in ihn verschossen gewesen. Sie waren seit kurzer Zeit beste Freunde und er vertraute ihr mehr als er je jemanden vertraut hatte.

Jessica fragte mehrmals nach seinen Gefühlen für Ginny, aber Harry blieb standhaft dabei, dass sie seine beste Freundin war. Nachdem sie ihre Mahlzeit beendet hatten, ging Harry mit ihr zurück zum Kaufhaus. Als sie die Türen erreichten, wandte er sich ihr zu und sagte: „Es war schön dich wieder zu sehen. Vielen Dank für deine Hilfe mit dem Einkaufen." Er hob seine Einkaufstaschen hoch, die noch immer in seiner Hand waren.

„Es war mir ein Vergnügen. Vielen Dank fürs Mittagessen und fürs Vorbeischauen. Es war eine wirklich angenehme Überraschung", sagte sie ihm. Sie zog ihn in eine Umarmung, welche er erwiderte. Nach einem Moment ließ sie ihn wieder los und begann zurückzutreten, auch wenn sie ihn erst ganz losließ, nachdem sie ihm einen Kuss auf die Wange gegeben hatte. „Lass von dir hören, Harry."

„Das werde ich. Ciao Jessica", sagte er winkend, als sie zur Tür ging.

„Ciao Harry", sagte sie, den Gruß erwidernd, bevor sie sich umdrehte und zurück in den Laden ging. Er ließ seinen Blick nur eine Sekunde auf ihr ruhen. Erkennend, dass er schon genug Zeit verschwendet hatte, widmete er sich wieder seinen Einkäufen. Er hatte einige Stopps in Muggellondon. Dazu gehörte es, etwas im Auftrag von Ginny für Mr. Weasley zu holen. Von der Besessenheit ihres Vaters, an allen Muggelsachen wissend, wollte sie ihm etwas aus der Muggelwelt kaufen. Nicht in der Lage, dies selbst zu tun, hatte sie sich Harrys Hilfe gesichert.

Harry war nur zu glücklich, seine Dienste anzubieten. Er hatte sowieso geplant, einen Stopp in Muggellondon einzulegen, es machte ihm also wirklich keine Umstände. Als er sie fragte, was er für ihren Vater besorgen sollte, hatte Ginny nicht wirklich eine Idee, was er kaufen sollte. Sie sagte, etwas Elektrisches wäre gut, vorzugsweise etwas, dass Batterien verwendete. Harry war positiv überrascht, dass sie die ganze Terminologie richtig verwendete. Sie schien in dieser Sache nicht nach ihrer Familie zu kommen.

Harry kaufte ein paar kleine, batteriebetriebene Geräte für sie, um sie ihrem Vater zu geben. Er erledigte schnell seine eigenen Muggeleinkäufe, bevor er zur Winkelgasse zurückkehrte, um seinen Shoppingtrip zu beenden. Als er schließlich fertig war, war es beinahe Zeit fürs Abendessen auf Hogwarts und so eilte er schnell zurück ins Schloss, um zurückzukehren, bevor jemand zu argwöhnisch über seine Abwesenheit werden würde. Glücklicherweise waren die meisten Schüler viel zu sehr mit Hausaufgaben beschäftigt, als das sie viel mitbekommen würden, denn ihre Lehrer versuchten so viel wie möglich in die Zeit vor das Semesterende zu stopfen. Seine ganztägige Abwesenheit wurde praktisch nicht bemerkt.

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Nach dem Abendessen zogen sich Harry und Ginny in sein Büro zurück. Sie hatten in den letzten Wochen nicht viel Zeit miteinander verbracht. Für Ginny wurde der Unterricht immer anstrengender, da die Lehrer die Fünftklässler in Vorbereitung auf die Z.A.G.s im Frühling mit Arbeit überhäuften. Ohne ihren Animagusunterricht gab es keinen besonderen Grund, sich regelmäßig privat zu treffen. Eine Woche zuvor hatten sie einige der Streiche für Draco erneuert und einige neue vorbereitet, aber ansonsten hatten sie sich nur kurz oder in dem überfüllten Gemeinschaftsraum gesehen.

Nachdem sie es sich gemütlich gemacht hatte, fragte sie ihn über seinen Einkaufstag aus und Harry erzählte ihr die Kurzversion des Tages. Er sagte ihr, dass es ein ziemlich langer Tag gewesen war, aber er zufrieden sei, denn er hatte alles gefunden, was er brauchte. Er sagte ihr, dass er sich insbesondere darauf freute, ihre Reaktion auf das Geschenk zu sehen, dass er für sie ausgesucht hatte. Um die Wahrheit zu sagen war er aufgeregt und nervös. Er hatte viel mehr Geld ausgegeben als er beabsichtigt hatte, aber ihm war ein Angebot gemacht worden, dass er nicht abschlagen konnte.

Natürlich versuchte sie, ihm mehr Informationen über ihr Geschenk zu entlocken, aber sie hätte genauso gut eine Wand ausfragen können. Harry weigerte sich, ihr auch nur einen Hinweis zu geben. Als sie schließlich aufgab, fragte sie nach dem Rest der Zeit, die er außerhalb des Schlosses verbracht hatte. Harry erzählte ihr, dass er schnell genug von dem ganzen Shopping gehabt hatte und von seiner Entscheidung, Jessica nach einem gemeinsamen Mittagessen zu fragen.

Ginny war danach merklich ruhig und abgelenkt, aber Harry fuhr mit seiner Geschichte fort. Er war nicht sicher, was sie beschäftigte, aber er wusste, dass etwas, das er gesagt hatte, sie getroffen hatte. Als er ihr sagte, dass er einige Muggelelektrosachen für sie gekauft hatte, um sie ihrem Vater zu geben, reagierte Ginny nicht. Harry beschloss, dass das genug war. Er lehnte sich nach vorne und schnippte direkt vor ihren Augen mit seinen Fingern.

Ginny sprang von ihrem Platz auf, während sie gleichzeitig seine Hand beiseite wischte. „Wieso hast du das gemacht?", schrie sie ihn praktisch an.

„Du warst in deiner eigenen kleinen Welt", erwiderte Harry ruhig. „Du hast nicht ein Wort von dem gehört, was ich in den letzten Minuten gesagt habe."

Sie formte das Wort „Oh", auch wenn sie es nicht sagte. „Entschuldige", sagte sie nach einem kurzen Moment der Stille. Sie setzte sich wieder.

„Es ist okay", erwiderte Harry mit einem Schulterzucken. „Über was hast du nachgedacht?"

„Mhmm?"

„Als du in deiner eigenen Welt warst," antwortete Harry. „Über was hast du nachgedacht?"

„Oh", sagte sie lauter als nötig, und ihre Wangen nahmen eine leichte rötliche Färbung an. „Nichts, wirklich."

Nachdem er ihre Reaktion gesehen hatte, war Harry noch mehr an ihren Gedanken interessiert. „Nicht nichts", sagte Harry. „Sag schon, an was hast du gedacht?"

„Es war nichts, Harry", bestand sie. „Also was hab ich verpasst? Wie geht es Jessica?"

„Gut", antwortete Harry. „Es war schön sie wiederzusehen ..."

„Aber ...?", hakte Ginny nach, fühlend, dass Harry noch mehr über dieses Thema zu sagen hatte.

„Ich weiß nicht", antwortete Harry. „Es ist nur, dass ich in den letzten Monaten nicht wirklich viel an sie gedacht habe. Ich weiß nicht, was ich erwartet habe. Wir sind nur das eine Mal im Sommer zusammen ausgegangen und wir haben beschlossen, Freunde zu bleiben. Es war die richtige Entscheidung. Ich wusste es dann und ich weiß es jetzt."

„Aber du hast noch immer Gefühle für sie", vervollständigte Ginny ein wenig missmutig.

„Nein", antwortete Harry ohne eine Miene zu verziehen. „Das habe ich wirklich nicht. Das ist es ja. Es hat sich nicht gleich angefühlt. Es hat etwas gefehlt, etwas wie ein ... äh ..."

„Funken?", fragte Ginny.

„Ja! Genau das ist es. Es war einfach nicht da. Versteh mich nicht falsch, ich habe es noch immer genossen sie wiederzusehen und mit ihr zu reden, aber es war einfach nichts zwischen uns."

Ginnys Stimmung hellte sich merklich auf und Harry sagte ihr noch einmal, dass er einige Muggelelektrosachen für sie gekauft hatte, um sie ihrem Vater zu geben. Sie dankte ihm mehrmals und versprach ihm, ihm so schnell sie konnte das Geld zu geben. Harry zuckte nur mit den Schultern. Das Geld war ihm egal. Er würde sie weder davon abhalten, ihm das Geld zurückzuzahlen, noch würde er sie daran erinnern.

„Haben Hermine oder Ron nach mir gefragt?", fragte er sie die Antwort fürchtend.

„Sie haben sich gewundert, wo du den ganzen Tag warst", erwiderte sie. „Aber ich glaube nicht, dass sie zu lange darüber nachgedacht haben. Inzwischen sind sie daran gewöhnt, dass du verschwindest und sie waren zu sehr mit Hausaufgaben beschäftigt, um der Tatsache zu viel Aufmerksamkeit zu schenken. "

Harry seufzte erleichtert auf: „Das ist gut zu hören."

„Ich nehme an, dass du ihnen noch nichts erzählt hast", sagte sie neutral.

Er fuhr sich mit seinen Fingern durchs Haar. „Es ist nicht so, dass ich nicht darüber nachgedacht hätte", sagte er. „Ich weiß nur nicht, was ich ihnen erzählen soll. Wenn Hermine eine Ahnung von dem bekommt, was ich wirklich mache, wird sie sofort ohne noch einmal darüber nachzudenken zu Dumbledore rennen. Ich hasse es, ihr und Ron Dinge zu verschweigen, aber ich muss. Sie könnten problemlos alles ruinieren, an dem ich so hart gearbeitet habe."

„Ich weiß, Harry", beruhigte Ginny. „Ich habe dir gesagt, dass ich verstehe, warum du so handelst wie du es tust und ich stimme deiner Begründung zu. Aber es muss etwas geben, das du ihnen sagen kannst, dass nichts Wichtiges verrät. Denk einfach darüber nach und überleg dir etwas, was du mit ihnen teilen kannst. Selbst wenn es anfangs nur etwas Kleines ist, jedes kleines bisschen zählt."

Harry schaute hoch und erwiderte ihren Blick: „Ich weiß. Und danke." Sie schwiegen eine Minute lang, bevor Harry etwas zur Sprache brachte, über das er schon einige Zeit nachdachte: „Gin?"

„Hmm?"

„Weißt du noch, wie du dich das erste Mal verwandelt hast und wir darüber Scherze gemacht haben, wie die Zeit, als wir gemeinsam trainiert haben, zu Ende sei und ich sagte, ich wäre sicher, ich könnte etwas anderes finden, dass ich dir beibringen könnte?", fragte er zögernd.

„Ja", erwiderte sie aufmerksam.

„Nun, es gibt etwas, dass ich dir beibringen möchte, wenn du bereit bist, es zu lernen", sagte Harry ihr vorsichtig.

„Okay", sagte sie, das Wort langziehend. „Was möchtest du mir beibringen?"

„Okklumentik", sagte Harry einfach und beobachtete aufmerksam ihre Reaktion. Er war tatsächlich ziemlich nervös, wie offen sie der Idee gegenüberstehen würde. Sie wusste mehr über ihn und seine Geheimnisse als jeder andere, und sie hatte keine Möglichkeit, das Wissen vor neugierigen Menschen zu beschützen. Es war für sie nicht sicher, das zu wissen, was sie wusste, ohne die Information vor einem geübten Legilimentiker geheim halten zu können.

Es war eine selbstsüchtige Bitte von ihm. Er wollte seine Geheimnisse bewahren, so gut er konnte, und das erforderte es, sicherzugehen, dass Ginny sie so gut beschützen konnte wie er. Ein großer Teil von ihm wollte ihr außerdem noch mehr erzählen. Die Prophezeiung lastete noch immer schwer auf ihm. Sirius ausgenommen hatte Harry niemanden, mit dem er darüber reden konnte. Und so beruhigend es war, Sirius zum Reden zu haben, konnte Harry nicht anders als zu wünschen, dass er jemand anderes hätte, jemanden in seinem Alter, jemand, der für ihn da war, der ihn verstehen und unterstützen konnte, wenn Harry sich überfordert fühlte. Er wusste, er konnte sich dafür nur an eine Person wenden.

Er beobachtete diese Person, wie diese seine Bitte verdaute. Ihr Gesicht hatte zuerst ihren Schock gezeigt. Sie war auf diese Bitte nicht vorbereitet. Nicht, dass Harry ihr das vorwerfen konnte. Sie war nachdenklich und aufmerksam gewesen. Sie dachte darüber nach und versuchte wahrscheinlich, den Grund seiner Bitte herauszufinden. Als die Stille anhielt, begann Harry nervöser zu werden. Es war ihm sehr wichtig, Er hoffte verzweifelt, dass sie zustimmen würde, aber er war bereit, sie zu überzeugen; wenn es sein musste, mit allen Mitteln, die es dafür brauchte.

Genau dann schaute Ginny wieder zu ihm. „Das ist dir wichtig", sagte sie, mehr als das sie fragte. Harry nickte. „Wann fangen wir an?"

Harry lächelte. „Du wirst es dann also machen?", fragte er in einer Mischung aus Hoffnung und Unglaube.

„Ja", sagte sie einfach. „Ich weiß, du würdest mich nicht bitten, es zu lernen, wenn es nicht für dich und für alles, was du tust, wichtig wäre. Wenn ich die Einzige bin, die weiß, was du tust, dann ist es offensichtlich wichtig, dass ich eine Möglichkeit habe, dieses Wissen zu beschützen." Harry nickte eifrig. „Und etwas sagt mir, dass mehr zu der Geschichte gehört als das, was du mir erzählt hast." Harry nickte wieder, wenn auch weniger heftig. „Das dachte ich mir. Das ist genug für mich."

„Wir müssen nicht gleich beginnen", sagte Harry. „Ich weiß, dass du diese Woche mit der Schule beschäftigt sein wirst und ich möchte da nicht im Weg stehen. Aber wenn du dazu bereit bist, können wir über die Ferien beginnen."

„Hört sich gut an", sagte sie ihm.

Nach einem kurzen Moment der Stille lehnte Harry sich nach vorne und nahm eine von Ginnys Händen in seine. „Danke, Ginny", sagte er ihr ernst und gefühlvoll, während er ihr direkt in die Augen schaute.

Sie drückte seine Hand: „Du musst mir nicht danken, Harry. Du bist derjenige, der mir eine sehr nützliche und wertvolle Fähigkeit beibringen wird. Ich sollte dir danken."

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Am nächsten Morgen bekam Harry beim Frühstück einen Brief von Fred und George. Anhand der Handschrift und der Farbe der Tinte wissend, von wem er war, verstaute Harry den Brief in seiner Robe und aß weiter. Er wurde jedoch von einer wissbegierigen Stimme unterbrochen.

„Willst du den Brief nicht lesen?", fragte Hermine ihn.

Harry schaute zu ihr: „Ja, ich hatte vor, ihn später zu lesen."

„Von wem ist er?", fragte sie nach.

Harry seufzte und fuhr sich mit der Hand durchs Haar. Die Worte lagen ihm auf der Zunge, Hermine zu sagen, dass es sie nichts anging, als er sich daran erinnerte, was Ginny ihm gesagt hatte. Selbst etwas Kleines und scheinbar Unbedeutendes könnte viel ausmachen. Er atmete aus und schaute wieder zu Hermine. „Fred und George", antwortete er.

Ihre Augenbrauen berührten ihren Haaransatz, aber es war Ron, der zuerst antwortete: „Wieso schreiben sie dir?"

„Sie schreiben mir einmal im Monat, um über ihr Geschäft zu berichten. Sie erzählen mir, wie es läuft und geben mir einen Umsatzbericht", erklärte Harry.

„Wieso das?" fragte Ron.

„Weil sie mich zum Teilhaber an ihrem Laden gemacht haben", erwiderte Harry unbehaglich, die Explosion seines Freundes fürchtend.

„Oh", sagte Ron. Er sah so aus, als würde er noch gern etwas hinzufügen, aber er widmete sich stattdessen wieder seinem Frühstück.

„Und das ist alles, über was sie dir schreiben?", hakte Hermine nach.

Harry seufzte wieder. „Nicht wirklich", sagte er ihr. „So hat es begonnen, aber nun schreiben sie mir ebenfalls über ein Nebenprojekt, an dem sie arbeiten."

Hermines Augenbrauen berührten diesmal ihren Haaransatz. Rons Aufmerksamkeit wurde ein zweites Mal vom Frühstück ab- und auf Harry gelenkt, eine seltene Meisterleistung. Neville hörte ebenfalls aufmerksam zu, deutlich an ihrer Unterhaltung interessiert. Neben ihm langte Ginny unter den Tisch und drückte unterstützend Harrys Knie. Als er sich zu ihr drehte, lächelte sie ihn aufmunternd an, nickte ihm zu - und gab ihm damit die Ermunterung, die er brauchte, um weiterzureden.

„Und was für ein Projekt ist das?", fragte Hermine. Ihre Stimme verlor an Volumen. Sie merkte offensichtlich, dass dies etwas war, das die Menschen um sie herum nicht hören mussten. Er war dankbar für ihre Diskretion.

„Ein paar Monate zuvor hat Dumbledore erwähnt, dass die Zwillinge versuchen, dem Orden beizutreten, aber dass er noch immer zögerte, sie zu lassen, da sie noch immer so jung seien ... gerade erst fertig mit der Schule. Ihr versteht schon. Ich war der Meinung, dass er sie sehr unterschätzte. Sie waren nicht so gut in der Schule, aber sie sind wirklich brillant. Sie haben sich einfach auf weniger konventionelle Themen konzentriert."

Hermine schaute etwas missmutig, blieb aber glücklicherweise still.

Harry fuhr fort: „Ich habe mir überlegt, dass sie mit der richtigen Motivation und einem Schubs in die richtige Richtung eine große Hilfe im Krieg sein könnten. Was haben sie in den letzten Jahren gemacht, wenn nicht Sachen zu erfinden. Sicher, alle ihre Erfindungen waren für Streiche gedacht, aber das schmälert ihre Brillanz nicht. Stellt euch nur vor, wenn ihr dieses kreative Genie nehmt und es auf die Kriegsanstrengungen lenkt."

Er hielt inne, um ihnen die Chance zu geben, zu verarbeiten, was er gerade gesagt hatte. Nach einem Moment meldete Hermine sich zu Wort: „Du hast also was gemacht ... ihnen einen Schubs in die richtige Richtung gegeben?"

„Das könnte man so sagen", sagte Harry mit einem kleinen Grinsen. „Ich habe ihnen eine Idee gegeben. Wenn sie dem Orden beitreten wollen, würden sie höchstwahrscheinlich ihre Plätze verdienen müssen. Ich hatte ein paar Ideen für Dinge, die sie entwickeln und Dumbledore im Austausch für den Beitritt zum Orden präsentieren könnten. Ich schätze, die Ideen werden nur der Anfang sein. Sobald sie sich reingefunden haben, wird ihre Kreativität überhand nehmen und die Todesser werden nicht wissen, was ihnen geschieht."

Ron starrte ihn mit offenem Mund an. Hermine sah nachdenklich aus, während sie sich ohne Zweifel die Anarchie vorstellte, die die Zwillinge in den Reihen der Todesser verbreiten würden. Neville währenddessen grinste böse. „Das ist brillant", sagte er. „So sehr ich es auch hasste, das Opfer ihrer Witze zu sein, kann ich nicht leugnen, dass sie gut waren. Sehr gut."

Hermine schaute wieder zu ihm. „Was ist für dich drin?", fragte sie ihn.

Harry zuckte mit den Schultern: „Ich habe nicht wirklich darüber nachgedacht. Dann wiederum mag es ganz gut sein, sie in meiner Schuld zu haben."

„Du meinst noch mehr in deiner Schuld", verbesserte Ron. „Vergiss nicht, der einzige Grund, warum sie jetzt ein Geschäft haben, ist das Geld, das du ihnen gegeben hast."

Harry konnte nur nicken.

„Du sagtest, das war ein paar Monate zuvor?", fragte Hermine. Harry nickte, ihre Antwort fürchtend. „Warum hast du es also nicht schon früher angesprochen? Wieso hast du es vor uns geheim gehalten?"

„Ich weiß nicht", erwiderte Harry unbehaglich. „Ich dachte nicht, dass es so wichtig sei. Ich wusste nicht einmal, ob etwas daraus werden würde. Ich hätte es angesprochen, sobald ich mehr Informationen hätte."

„Du hättest uns trotzdem davon erzählen können", fuhr Hermine fort. „Ginny wusste es offensichtlich schon." Sie warf Ginny einen vernichtenden Blick zu, als sie das sagte. „Wenn es wichtig genug ist, um es ihr zu erzählen, warum dann nicht uns?"

„Ginny ist meine beste Freundin", erwiderte Harry und versuchte sich nicht aufzuregen. „Sie war bei mir, als ich die Eule mit der Idee wegschickte."

„Was sind wir dann?", fragte Hermine hitzig und ihre Stimme wurde lauter. „Wir waren deine besten Freunde! Wieso stößt du uns weg? Wieso hast du Geheimnisse vor uns?"

„Ich glaube kaum, dass hier der richtige Ort und die richtige Zeit dafür ist, Hermine", erwiderte ein niedergeschlagener Harry. Die Unterhaltung verlief nicht so wie er gehofft hatte.

Hermine schnaubte gereizt. „Genau, und ich bin mir sicher, dass du dir große Mühe geben wirst, um eine geeignete Zeit und einen geeigneten Ort zu finden", sagte Hermine vernichtend. „Weil Freunde so hoch auf deiner Prioritätenliste stehen."

„Schön", spuckte Harry aus und gab seinen Emotionen nach. „Du willst die Wahrheit wissen?" Ohne auf eine Antwort zu warten, fuhr er fort: „Wenn du etwas weniger Zeit damit verbringen würdest zu versuchen die ganzen schmerzhaften Details meines Lebens aus mir herauszupressen und mich wie eine Person statt eines weiteren Ding, von dem du besessen bist, behandeln würdest, vielleicht hätte ich dir dann schon davor davon erzählt. So wie die Dinge stehen hast du das ganze Semester nichts anderes gemacht als mich zu bedrängen und zu verfolgen, um mit dir über Sirius zu reden, um mich dir zu öffnen und alle kleinen schmutzigen Details meines Lebens zu verraten. Du scheinst zu denken, du wärst die Einzige, die mich retten kann. Ich frage dich: Warum glaubst du, dass du mich retten kannst?"

Seine Stimme wurde eisig, als er weiterredete. Seine Augen schauten direkt in Hermines: „Wie kannst du glauben, überhaupt ansatzweise verstehen zu können, was ich durchmache? Wen hast du verloren? Wer wurde vor deinen Augen ermordet? Wann hast du jemals das Wissen gehabt, dass du einen großen Beitrag dazu geleistet hast, dass jemand, den du liebst, umgebracht wurde? Beantworte mir das, Hermine. Nur weil ich nicht mit dir darüber geredet habe, heißt das nicht, dass ich mit niemanden darüber geredet habe. Was glaubst du habe ich mit Remus gemacht, als ich ihn im Sommer gesehen habe, oder in unseren Briefen? Und Ginny ebenso?

Sie haben es erlebt. Sie wissen, wie es ist. Ich habe mit ihnen darüber geredet und mir geht es jetzt ganz gut. Ich vermisse Sirius noch immer. Ich wünsche mir noch immer, dass die Dinge anders verlaufen wären. Das wird sich niemals ändern, aber ich bin nicht zerbrochen. Ich brauche dich nicht, um mich wieder zusammenzufügen. Um es direkt zu sagen: Die Tatsache, dass du so unerbittlich warst in deinem Streben, mir zu helfen," - Harry spuckte das Wort förmlich aus- „zeigt, wie wenig du verstehst, was ich durchgemacht habe. Jedes Mal, wenn du mich gedrängt hast, hast du mir nur mehr und mehr Gründe gegeben, Dinge vor dir geheim zu halten. Statt mich zu fragen, warum ich es dir nicht früher erzählt habe, solltest du dich selber fragen, warum ich es dir erzählen hätte sollen."

Harry stand abrupt auf. Er trat über die Bank und ging in langen Schritten zu den großen Türen. Seine Roben bauschten sich bedrohlich hinter ihm.

Hermine machte Anstalten, aufzustehen und ihm zu folgen, aber Ginny hielt sie auf: „Setz dich, Hermine." Das wildgelockte Mädchen sank zurück auf ihrem Platz, auch wenn sie bereit zu sein schien, eine Meuterei anzuzetteln. „Du hast schon genug Schaden angerichtet, weil du nicht über deine Handlungen nachgedacht hast. Wie glaubst du habe ich mich die letzten Monate gefühlt, als du mich angeklagt hast, Harry auszunutzen? Du verhältst dich so, als seist du die einzige, die sich um ihn kümmert und versucht, ihm zu helfen, aber du bist diejenige, die den meisten Schaden anrichtet. Du kannst dir nicht einmal vorstellen, was du ihn die letzten Monate durchmachen hast lassen. Er hat so wenige Menschen in seinem Leben, von denen er fühlt, dass er ihnen vertrauen kann und jeden Tag gibst du ihm mehr Gründe, dir nicht zu vertrauen. Setz dich und denk darüber nach."

Damit stand Ginny auf und verließ eilig die Halle. Da sie ihre Fehler nicht wiederholen wollte, joggte Ginny zum Raum der Wünsche. Sie kam auf ihrem Weg an ein paar vereinzelten Schülern vorbei. Sie starrten sie an, aber gingen ihr ohne Widerstand aus dem Weg. Sie war überrascht, als sie in den Flur mit dem Porträt von Barnabas dem Bekloppten kam und Harry dort sah, der eine Tür offen hielt.

Sie blieb abrupt stehen und Harry fragte sie daher: „Kommst du oder nicht?" Sein Tonfall war neutral und verriet keine seiner Emotionen.

Ginny nickte und lächelte Harry zu, als sie zu ihm und durch die geöffnete Tür ging. Harry folgte ihr und schloss die Tür hinter sich. Ginny drehte sich zu ihm um, um ihn anzusehen. „Du hast auf mich gewartet", sagte sie halb und fragte sie halb überrascht.

Harry zuckte mit den Schultern: „Das letzte Mal, als ich aus der Großen Halle gestürmt bin, bist du mir gefolgt und wurdest ausgesperrt." Er schaute auf seine Turnschuhe hinunter und schrammte mit seinem Schuh auf dem Steinboden: „Ich dachte, du würdest mir vielleicht wieder folgen."

„Da hast du richtig gedacht", sagte Ginny mit einem Lächeln. „Hermine war bereit, hinter dir herzurennen, aber ich habe sie dazu gebracht, sich wieder zu setzen und habe ihr gesagt, dass sie lang und ausführlich über das, was sie sagte, nachdenken soll."

„Danke", sagte Harry dankbar. „Ich glaube nicht, dass ich im Moment einen weiteren Streit mit ihr hätte ertragen können."

Ginny nickte: „Hoffentlich wird Hermine die Zeit nutzen, um wirklich über das, was du sagtest, nachzudenken und sich zu beruhigen, bevor sie dich aufspürt. Wenn sie das nicht tut, werden die Dinge wahrscheinlich hässlich werden."

Harry fuhr sich mit seinen Händen durchs Haar und zog frustriert daran. „Ich weiß. Ich habe es versucht, Ginny", sagte er und schaute zu ihr hoch. Er begann vor ihr auf und ab zu gehen, als er fortfuhr: „Zuerst wollte ich ihr sagen, dass der Brief sie nichts angeht, aber dann habe ich mich daran erinnert, was du gesagt hast. Das es nicht so bedeutungsvoll war, dass es ein Geheimnis bleiben musste, also habe ich es versucht, aber ..."

Ginny trat in Harrys Weg als dieser sich gerade umdrehte und dieser blieb abrupt stehen. „Ich weiß, Harry", sagte sie beruhigend und nahm sein Gesicht zwischen ihre Hände, um ihn dazu zu zwingen, sie anzuschauen. „Ich war da, du erinnerst dich? Ich weiß, dass du es versuchst. Das ist alles, was du tun kannst. Es benötigt mehr als nur eine Person, damit eine Freundschaft funktioniert. Hermine muss bereit sein, dir auf halbem Wege entgegenzukommen. Du hast den ersten Schritt gemacht. Alles, dass du nun tun kannst, ist, zu warten, ob sie gewillt ist, dasselbe zu tun."

Harry nickte in ihren Händen und Ginny sah, wie er vor ihren Augen zusammenfiel. Sein Ärger und seine Frustration verflogen und ließen nur noch Abgekämpftheit und Müdigkeit zurück. Er war - und das war wörtlich zu nehmen - körperlich ermüdet von seinen Kämpfen mit ihr. Ginny dankte in ihren Gedanken dem Raum vielmals, als ein Sofa hinter Harry auftauchte. Sie führte ihn umsichtig zu der Couch und setzte sich neben ihn hin.

Harry starrte starr geradeaus, aber als Ginny sein Bein kurz oberhalb seines Knies leicht drückte, nahm Harry ihre Hand und drückte diese in Erwiderung. Sein Bedürfnis nach Trost spürend nahm Ginny seine Hand mit ihrer und legte seinen Arm um ihre Schultern. Sie schaute zu ihm hoch und er drehte schließlich seinen Kopf, um zu ihr hinunterzuschauen. Er lächelte sie ganz leicht an und drückte ihre Schulter, während er sie näher an sich zog. Das war ausreichende Ermutigung für sie, um sich näher an ihn heranzukuscheln und seine Brust als ihr Kissen zu verwenden.

Sie redeten nicht, das brauchten sie nicht. Nichts, dass sie sagen könnte, würde ihm helfen und es würde definitiv nicht die Situation verändern. Er brauchte keine Plattitüden oder falsche Versprechen. Er brauchte nur zu wissen, dass sie für ihn da war. Auch wenn er selbst dieses Bedürfnis nicht realisierte, sie sah es. So stark und unabhängig er war hatte Harry zu viel Zeit allein verbracht. Die Zeit mit den Dursleys hatte Narben hinterlassen.

In der Vergangenheit waren Ron und Hermine seine Nabelschnur gewesen. Sie waren diejenigen, auf die er sich konzentrierte, wenn die Dinge hart wurden. Sie waren seine Hoffnung auf ein besseres Leben. Sie wusste, dass es für ihn nicht einfach sein konnte, zu sehen, wie dieses Band immer dünner wurde. Sie konnte nichts machen, um ihm zu helfen. Die drei mussten selbst zu einer Einigung kommen. Alles, das sie tun konnte, war, ihre eigene Unterstützung und Liebe anzubieten, und das war eines der Dinge, von denen sie wusste, dass sie damit niemals aufhören würde.

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Mehrere Stunden und ein privates Mittagessen später gingen Harry und Ginny zurück zum Gryffindorturm. Ginny hatte viel zu tun und Harry konnte nicht abstreiten, dass auch er einiges zu tun hatte. Die beiden traten in den Gemeinschaftsraum und, so unauffällig wie möglich bahnten sie sich einen Weg zu einem leeren Tisch in einer Ecke des Raumes. Sie saßen noch keine zwei Minuten, als Harry fühlte, wie sich ihm jemand von hinten näherte.

Nach einem Moment sagte diese Person: „Harry, können wir reden?"

Harry seufzte und sah seine Vermutungen, wer es war, bestätigt. „Sicher Hermine", sagte er und drehte sich nur teilweise um, so dass er ihr nicht ganz ins Gesicht schaute. Sie zog den Stuhl zu seiner Rechten zu sich und setzte sich. Sie saß für einen Moment nur da und schaute hinunter auf den Tisch, was Harry dazu veranlasste, sich zu ihr zu drehen und eine Augenbraue hochzuziehen, während er darauf wartete, dass sie begann. Aus dem Augenwinkel konnte er Ginny ihm gegenüber sitzen sehen, die Hermine misstrauisch beäugte.

Ohne ihren Kopf zu heben, begann Hermine zu reden: „Es tut mir leid." Sie seufzte laut. „Es tut mir leid, dass ich dich so sehr bedrängt habe. Ich hatte einfach das Gefühl, dass du mich aussperrst und ich war besorgt, dass du alle aussperrst. Ich dachte einfach nicht, dass du mit jemanden darüber redetest."

Seine Augen waren noch immer auf ihr buschiges Haar gerichtet: „Hermine, schau mich an." Sie bewegte sich einen langen Moment lang nicht, bis sie schließlich, langsam ihren Kopf hob, um seinen Blick zu erwidern: „Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Ich habe dir unzählige Male gesagt, dass es mir gut geht und ich alles unter Kontrolle habe, aber du hast mir nicht einmal geglaubt. Du hast mir nicht einmal vertraut, auf mich selber aufzupassen und du hast einfach angenommen, dass ich dich brauche, um die Bruchstücke meines Lebens zusammenzufügen. Du hast täglich gezeigt, wie wenig du mir vertraust und wie wenig Respekt du für mich hast."

Sie schüttelte ihren Kopf und ihr Haar flog in alle Richtungen: „Harry, ich.."

„Lass es einfach, Hermine", sagte Harry und hielt eine Hand hoch, um ihren Versuch aufzuhalten. „Du kannst nicht leugnen, dass du überhaupt kein Vertrauen in mich hattest, dass ich Sirius Tod ohne deine Hilfe verarbeiten könnte. Und es zu versuchen, würde die Sache nur schlimmer machen." Harry sah aus dem Augenwinkel, wie Ginny nickte. Er war dankbar für ihre stumme Unterstützung. „Das traurigste ist, dass ich keine Ahnung habe, warum du denkst, ich bräuchte deine Hilfe so sehr. Habe ich dir während des Semesters den Eindruck gegeben, dass ich depressiv sei oder meine wahren Gefühle verstecke?"

„Du warst so distanziert", erwiderte Hermine. „Ich habe einfach angenommen ..."

„Ich war distanziert, weil ich nicht über Sirius reden wollte", unterbrach Harry, „und das war alles, an dem du interessiert warst. Wir konnten kaum eine Unterhaltung führen, ohne dass du es angesprochen hast oder ach so subtil direkt vor meinen Augen ein Buch aufgeschlagen hast, dass von der Verarbeitung der Trauer handelte. Außerdem habe ich dieses Jahr die Schule ernster genommen. Das ist eine Sache, von der ich dachte, dass du sie verstehen würdest. Ich habe in meinem Büro viel gelesen und meine Hausaufgaben erledigt und ich habe ebenfalls über andere Themen gelesen, um mich auf meinen HA-Unterricht vorzubereiten. Trotz allem, was du glaubst, nehme ich meine Rolle als Assistenzprofessor sehr ernst."

Harry fühlte einen kleinen Funken Freude, als er sie bei diesem Kommentar zusammenzucken sah. „Es tut mir leid, Harry. Ich hätte das nicht sagen sollen. Es ist nur ... wir waren in der Großen Halle und alle hätten hören können, ..."

„Was ist mit allen anderen Zeiten?", fragte Harry ungläubig. „Das ist nicht das erste Mal, dass du mich deswegen zur Schnecke machst. Jedesmal wenn ich ein paar Minuten nach dem regulären Zapfenstreich auftauche, schimpfst du und klagst mich an, meine Position auszunutzen."

„Es tut mir leid, Harry", sagte Hermine niedergeschlagen. „Ich schätze, ich war in letzter Zeit nicht die beste Freundin für dich."

„Du musst wissen, Hermine, das es nicht meine Absicht war, Distanz zwischen uns aufzubauen", sagte Harry ihr ehrlich. „Aber es gibt Dinge, bei denen ich mich einfach nicht wohl fühle, sie mit dir zu teilen. Wenn du mir die nötige Zeit und Freiraum gegeben hättest, hätte sich das vielleicht geändert. Jedesmal, wenn du mich gedrängt hast, hast du meine Entscheidung, nicht zu dir zu kommen, nur bestärkt. Wenn du auch nur ein wenig verstanden hättest, was ich durchmachte oder wie ich mich fühlte, dann hättest du gewusst, dass du mich nicht zum Reden zwingen könntest. Ich weiß, dass du nur helfen wolltest, aber du musst verstehen, dass du nicht immer jedem helfen kannst, und zu versuchen, anderen deine Hilfe aufzuzwingen, macht die Dinge nur schlimmer." Harry war versucht, die Hauselfen und .R anzusprechen, aber er nahm an, dass jetzt wahrscheinlich nicht die beste Zeit dafür war, wenn man ihre brüchige Freundschaft betrachtete.

Er schüttelte seinen Kopf, um diese Gedanken loszuwerden und konzentrierte sich wieder auf das eigentliche Thema. „Du neigst dazu, eine Situation immer unter deiner Kontrolle haben zu wollen. Das ist schon jahrelang mit Ron und mir der Fall gewesen. Jedesmal, wenn wir gemeinsam lernen, reißt du die Kontrolle an dich. Jedesmal, wenn wir versuchen, ein Problem zu lösen, reißt du die Kontrolle an dich. Aber du kannst nicht erwarten, dass ich dir die Kontrolle über mein Leben überlasse. Du musst mich genügend respektieren, um mich meine eigenen Entscheidungen fällen zu lassen, und wenn ich dir sage, etwas ruhen zu lassen, oder dass ich über etwas nicht reden möchte, dann musst du das respektieren. Du solltest meine Schwester sein und nicht meine Mutter oder meine Lehrerin, aber du behandelst mich, als sei ich ein kleines Kind, dem die ganze Zeit gesagt werden muss, was es machen muss."

Hermine nickte langsam. Es war deutlich zu sehen, dass sie zumindest versuchte, alles, was er sagte, in sich aufzunehmen. „Ich erwarte nicht viel, Hermine", sagte Harry nach einem Moment der Stille. „Nur, das du mich als einen Gleichgestellten behandelst."

„Du glaubst wirklich, dass ich dich wie ein Kind behandele?", fragte sie ihn zögernd.

„Ja", erwiderte Harry freiheraus. „Um ehrlich zu sein, hast du das auf eine Weise schon immer gemacht. Es hat mich in der Vergangenheit nicht so sehr gestört, weil ich wusste, dass du die meiste Zeit Recht hattest. Wenn du Ron und mich dazu gedrängt hast, mehr zu lernen oder unsere Hausaufgaben zu machen, wusste ich immer, dass du Recht hast, aber der feine Unterschied ist, dass ich die Wahl getroffen habe, deinem Ratschlag zu folgen, nicht deinen Befehlen. Du kannst mir nicht sagen, was ich tun soll, Hermine. Mach mir Vorschläge, wenn du möchtest, aber dann musst du akzeptieren, wenn ich deinem Ratschlag nicht folge. Ich muss wissen, dass du bereit bist mich mein eigenes Leben leben zu lassen."

„Ich ... ich werde es versuchen", sagte Hermine ihm aufrichtig. „Ich hatte niemals die Absicht, dich zu kontrollieren; ich habe mich einfach ..." Sie ließ den Satz unbeendet.

„... daran gewöhnt, dass ich deinen Befehlen folge leiste?", fragte Harry sie.

„Nein", rief Hermine aus und schüttelte ihren Kopf nachdrücklich. „Das ist es nicht. Es ist nur ... Ich wollte dir helfen. Du warst im Juni so verzweifelt und du hast dich selbst isoliert. Ich habe mir selbst versprochen, dass ich dich das nicht alleine durchstehen lassen würde. Ich kenne dich, Harry. Und ich habe gesehen, wie du immer versuchst, deine Lasten alleine zu tragen. Du fragst nie um Hilfe. Ich wollte mich nicht zurücklehnen und zuschauen, wie du dich alleine abkämpfst."

„Aber wenn du deine Augen nicht verschlossen hättest, hättest du gesehen, dass ich nicht alleine war", konterte Harry. „Ich weiß es zu schätzen, dass du helfen wolltest, Hermine. Das tue ich wirklich. Aber ich habe eine andere Art von Hilfe von dir gebraucht. Etwas, das du mir immer und immer wieder verweigert hast." Bei ihrem fragenden Blick fuhr er fort: „Ich habe einfach nur meine Freunde gebraucht, Hermine."

„Ich bin noch immer deine Freundin, Harry", meinte Hermine.

„Du hast dich auf jeden Fall nicht so verhalten. Zwischen dir und Ron war ich nah dran, dieses Jahr durchzudrehen, und wenn Ginny nicht wäre, wäre es wahrscheinlich so weit gekommen." Nachdem er dies gesagt hatte, wandte er sich an diese und lächelte sie dankbar an, bevor er seine Aufmerksamkeit wieder Hermine zuwandte.

Sie nickte bedrückt über seine Aussage: „Ich weiß nicht, was ich noch sagen soll."

„Sag mir, dass du aufhören wirst, mir hinterherzujagen. Sag mir, dass du aufhören wirst, mich dazu zu drängen, mehr mit dir zu teilen als ich bereit bin. Sag mir, dass du anfangen wirst, mich mit Respekt und Würde zu behandeln. Sag mir, dass du anfangen wirst, als meine Freundin zu handeln. Du solltest eine Schwester für mich sein, sag mir, dass du anfangen wirst, so zu handeln."

Hermine deutete ein Nicken an: „Ich denke, das kann ich tun."

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Es war erst viel später an diesem Abend, dass Harry die Gelegenheit hatte, den Brief der Zwillinge zu lesen. Ihr Geschäft lief gut und Harry erfuhr von ihren vage gehaltenen Kommentaren, dass ihr neues Nebenprojekt gute Fortschritte machte. Sie teilten ihm aufgrund der vertraulichen Natur der Information und der Angst, dass Todesser die Post abfangen könnten, nicht viele Details mit. Harry schickte ihnen eine Antwort und hatte unter anderem eine kleine Bitte, nur ein kleines Extra, das er sich ausgedacht hatte, um den Weihnachtsball ein wenig unvergesslicher für alle zu machen.

Während die meisten Schüler in den letzten Wochen des Semesters mit Schulaufgaben überschüttet waren, war Harry in den meisten Fächern noch immer weit voraus. Das einzige Fach, das viel Zeit in Anspruch nahm, war Zaubertränke und das war mehr wegen Snapes Rachsucht als irgendwelcher Schwierigkeiten mit den Themen. Im Vergleich zum Rest der Schülerschaft hätte Harry jedoch schon Ferien haben können. Das änderte sich in dieser Woche.

Es war nun der Anfang der letzten Woche des Semesters und sogar Harry begann die Auswirkungen von den vielen Informationen, mit denen sie vor den Weihnachtsferien vollgestopft wurden, zu fühlen. Hermine insbesondere sah so aus, als würde sie jeden Moment einen Nervenzusammenbruch haben. Die Fünft- und Siebtklässler sahen ebenfalls sehr mitgenommen aus. Die Lehrer waren in seinem fünften Schuljahr gnadenlos gewesen, was die Z.A.G.s anging, und er nahm an, dass sie - was die U.T.Z.e anging - noch schlimmer waren. Aber für den Moment war er zwischen den beiden die Ruhe vor dem Sturm, wenn man so möchte.

Das gleiche galt für den Krieg. Die Todesserangriffe hatten ohne einen bestimmten Grund begonnen, etwas nachzulassen. Das Ministerium spielte es hoch, als hätten sie eigenhändig mehrere Angriffe vereitelt, aber in Wirklichkeit griffen die Todesser nur weniger an. Statt das als ein gutes Zeichen zu sehen, nahm es Harry, als was er es betrachtete: Ärger. Die Todesser würden sich nur aus einem bestimmten Grund zurückziehen, und was auch immer es war, dieser Grund konnte nichts Gutes bedeuten.

Zusätzlich zu seinen eigenen Hausaufgaben hatte er ebenfalls Aufsätze für Professor McGonagall und Professor Caldwell zu korrigieren. Die zusätzliche Arbeit beeinträchtigte in dieser Woche seine Trainingszeit, aber er war der Ansicht, dass das Verpassen von ein oder zwei Trainingseinheiten nicht das Ende der Welt war.

Harry freute sich auf die kommenden Ferien. Er hoffte, dass er eine weitere Chance haben würde, mit Ginny in ihren Katzenformen in den Wald zu gehen. Sie hatten in ihrer ersten Nacht viel Spaß gehabt. Harry verbrachte nicht viel Zeit in seiner Panthergestalt. Er genoss das Fliegen so sehr, dass er sich normalerweise für seine Eulengestalt entschied, wann immer er den Drang verspürte, sich zu verwandeln. Außerdem gab ihm das die Gelegenheit, mit Hedwig zu fliegen und zu reden. Während er seine Eulengestalt liebte, war es ebenfalls sehr viel Spaß, einen anderen Animagus um sich zu haben, um zu spielen, zu jagen und zu ringen. Er erkannte schlussendlich, wieviel Spaß die Rumtreiber gehabt hatten, und er fühlte sich daher seinem Dad und Sirius ein klein wenig näher.

Harry gab McGonagall nach dem Verwandlungsunterricht einen Stapel korrigierter Zweitklässleraufsätze. Sie akzeptierte sie mit einem Lächeln und einem „Danke". Harry lächelte nur und verschwand zu seinem Büro, um an seinem Zaubertrankaufsatz zu arbeiten: er hatte ihn bereits viel zu lange vor sich hergeschoben. Fünf Rollen Pergament über die Zutaten von Veritaserum und was jede zu dem Zaubertrank beisteuerte. Ein ziemliches Unterfangen, insbesondere wenn er in zwei Tagen abzugeben war.

Zu Harrys Glück war Veritaserum eines der Themen, von denen er sichergestellt hatte, dass er sich über den Sommer damit beschäftigt hatte. Harry wusste, dass er mit dem Feuer spielte und er wusste, dass die anderen ihm eventuell auf die Schliche kommen würden. Er musste daher wissen, was gegen ihn verwendet werden konnte, wenn er geschnappt werden würde. Er konnte sich nicht vorstellen, das Dumbledore Veritaserum verwenden würde. Snape oder das Ministerium dagegen schon. Dolores Umbridge war Beweis genug, dass das Ministerium höchstwahrscheinlich nicht zögern würde, ihm Veritaserum zu verabreichen. Voldemort würde wahrscheinlich eher Folter verwenden, wenn er Harry nicht einfach gleich umbringen würde.

Es war also nur natürlich, dass Harry sich mit diesem bestimmten Zaubertrank beschäftigt hatte. Er hatte gehört, dass es möglich war, seine Auswirkungen zu bekämpfen und zu überwinden, und Harry wollte wissen, wie. Zugegeben, er hatte nicht viel gelernt, um ihm in diesem Unterfangen zu helfen. Harry hatte bereits im Detail über den Aufbau des Zaubertranks, die Schlüsselzutaten miteingeschlossen gelesen und was jede von ihnen zu dem Endresultat beitrug. Er hatte wenig Informationen darüber gefunden, wie man die Auswirkungen aufhalten konnte. Seine wenigen Funde waren jedoch vielversprechend. Man benötigt einen starken Geist, um die Effekte des Veritaserums zu blockieren, ähnlich wie man den Imperiusfluch blockieren kann. Harry war bereits ein Experte, was den letzteren anging, hatte er doch dem Fluch von Voldemort selbst widerstanden. Harry hoffte, dass die Fähigkeit auch für das Veritaserum gelten würde.

Harry machte sich sofort an die Arbeit, nachdem er sein Büro betreten hatte. Er würde zumindest den Anfang des Aufsatzes aus dem Gedächtnis schreiben können und er hatte alle Referenzen, die er benötigte, in seiner eigenen Bücherei. Wenigstens musste er keine Nachforschungen anstellen. Er suchte ein Tintenfass, einen Federkiel und mehrere Rollen Pergament hervor und begann zu schreiben.

Als Harry seinen Federkiel niederlegte, um hinunter in die Große Halle zum Mittagessen zu gehen, hatte er Krämpfe in seiner Hand. Der Federkiel war in den letzten anderthalb Stunden kaum zur Ruhe gekommen, als Harry sich daran gemacht hatte, alles, was er über das komplizierte und potente Wahrheitsserum wusste, niederzuschreiben. Nun war er eine halbe Stunde zu spät für den Beginn des Mittagessens und musste in Eile essen, um rechtzeitig zu Hagrids Unterricht zu kommen.

Er beschloss sein Training an diesem Tag ausfallen zu lassen und zu seinem Büro zurückzukehren. Auf dem Weg durch die steinernen Flure des Schlosses führte er eine innere Debatte: Sollte er sofort mit Snapes Aufsatz weitermachen? Oder sollte er anfangen, an Professor Caldwells Aufsätzen zu arbeiten? Er entschied sich schließlich für die erstere Variante. Sollte er irgendwann eine Pause benötigen, dann könnte er noch immer zweiteres in Angriff nehmen.

Am nächsten Tag ließ er wieder sein Training ausfallen, um den Aufsatz fertigzustellen. Es störte ihn ein wenig, dass er zwei aufeinanderfolgende Trainingseinheiten verpasste, aber er lief noch immer morgens und absolvierte sein Workout. Er nahm also an, dass die Unterbrechung sich nicht zu sehr auf ihn auswirken würde. Er konnte den Aufsatz relativ früh an diesem Abend fertigstellen und war ziemlich zufrieden mit seiner Arbeit. Er bezweifelte, dass er eine gute Note dafür bekommen würde, aber er führte das eher auf Snapes Voreingenommenheit als auf die Qualität seiner Arbeit zurück.

ENDE Kapitel 14.1