Kapitel 16 Teil 2

Später an diesem Abend lag Harry in seinem Bett und schaute gedankenversunken hoch zum Baldachin. Es war ein langer Tag gewesen, aber es hätte viel schlimmer kommen können. Es gab nur eine Person, der er das zu verdanken hatte und er war sich sicher, dass er ihr das niemals zurückzahlen konnte. Er hatte nicht vorgehabt, die Vision mit Ginny zu teilen; er hatte nie vorgehabt, sie mit irgendjemandem zu teilen. Aber als er mit seinem Kopf in ihrem Schoß dagelegen war, hatte er sich ihr gegenüber öffnen wollen. Er war überrascht, wie sehr ihm das geholfen hatte. Was einst eine unüberwindbare Wand zu sein schien, war nun auf eine weitere Hürde auf seinem Weg geschrumpft.

Er konnte nicht anders als sich zu fragen, ob es nicht unangebracht war. War es in Ordnung, dass er lächelte und so tat, als sei nichts passiert? War es respektlos gegenüber den Opfern des Angriffs, einfach weiterzumachen und die Geschehnisse hinter sich zu lassen? Harry machte sich über diese Fragen Gedanken, als er in dieser Nacht im Bett lag. Er zwang sich schließlich, das Thema für den Moment beiseite zu legen, da er zu keiner Lösung kam. Er beschloss, dass er ein anderes Mal darüber nachdenken würde und konnte schließlich einschlafen.

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Am nächsten Nachmittag, als Harry Ginny mitteilte, dass er zum Raum der Wünsche ging, um zu trainieren, wurde er von ihrer Antwort überrascht. Sie schien schüchtern und nervös zu sein; zwei Dinge, die er seit über einem Jahr nicht mehr mit Ginny in Verbindung setzte. Er sah die Entschlossenheit auf ihrem Gesicht und fragte sich, was mit ihr los war.

„Würde es dir etwas ausmachen, wenn ich mich dir anschließen würde?", fragte sie ein wenig schüchtern.

Harry war von ihrer Bitte überrascht, und er brauchte einen Moment, um überhaupt zu realisieren, was sie ihn gefragt hatte. Als er nicht sofort antwortete, war kurz ein trauriger Ausdruck auf ihrem Gesicht zu sehen und sie begann wieder zu reden: „Egal. Ich weiß nicht, warum ich überhaupt gefragt habe. Ich möchte dich nicht aufhalten. Ich würde wahrscheinlich sowieso nur stören."

„Sei nicht albern", unterbrach Harry. „Natürlich kannst du kommen. Aber- äh- warum genau?"

Ginny lächelte erleichtert. „Ich hatte gehofft, du könntest mir zeigen, wie man die Trainingsdummies verwendet und mir vielleicht ein paar Tipps geben."

„Du möchtest anfangen zu trainieren?" fragte er leise.

„Ja, wenn es dir nichts ausmacht", sagte sie.

„Aber was ist, wenn der Unterricht wieder beginnt: wirst du nicht zu beschäftigt sein?", wollte Harry wissen.

Sie zuckte mit den Schultern. „Im Moment mache ich mir keine Gedanken um den Unterricht oder um die Z.A.G.s. Ich denke, die Dinge, die du mir beibringen kannst, sind viel wichtiger, meinst du nicht?"

Er hatte keine andere Wahl als zu nicken. Es war wahr. Gute Z.A.G-Ergebnisse wären nett, aber sie würden ihr nicht helfen, wenn sie einem Todesser gegenüberstehen würde. „Wenn du dir sicher bist ...?"

Sie nickte nachdrücklich.

„Nun, dann komm", sagte er und hielt ihr seine Hand hin. Als sie sie nahm, half er ihr hoch aus ihrem Stuhl. Er ließ widerwillig ihre Hand los, sobald sie stand, und sie gingen schnell zum Raum der Wünsche. Sobald sie drinnen waren, schloss Harry die Tür und errichtete Schutzzauber, um ihre Privatsphäre zu garantieren.

Das erste, was Harry tat, war, ihr zu zeigen, wie die Trainingsdummies funktionierten. Er demonstrierte, wie sie eingestellt wurden und warf die Zauber, von denen er wollte, dass die Dummies sie verwendeten. Dann aktivierte und deaktivierte er die Dummies und zeigte die verschiedenen Level, auf die sie eingestellt werden konnten. „Wenn du jemals vergessen solltest, wie es funktioniert, frag den Raum einfach für die Gebrauchsanweisung", schloss er.

Ginny nickte. „Gut."

„Nun, was für ein Training wolltest du absolvieren?", fragte er. „Die Dummies sollten ausreichen, um dir mit deinen Duellierfähigkeiten zu helfen. „Ich denke, du solltest die restliche Zeit damit verbringen, deine zauberstablosen Fähigkeiten auszuweiten."

„Was ist mit neuen Zaubersprüchen?", wollte sie wissen.

„Das ist ebenfalls wichtig, aber ich denke, deine zauberstablose Magie weiterzuentwickeln ist wichtiger", erklärte er geduldig. „Erst einmal ist es dir nicht gestattet, deinen Zauberstab außerhalb Hogwarts zu verwenden. Wenn du jetzt etwas bewirken willst, wirst du es ohne Zauberstab machen müssen. Ansonsten wirst du auf deinen siebzehnten Geburtstag warten müssen, bevor du wirklich etwas machen kannst." Sie nickte, um ihr Verständnis zu zeigen. „Aber noch wichtiger ist, dass es dir eine Waffe gibt, die die Todesser dir nicht abnehmen können. Lass uns annehmen, dass du mit deinem Zauberstab kämpfst und du wirst entwaffnet; die durchschnittliche Hexe und der durchschnittliche Zauberer wären praktisch hilflos. Und noch wichtiger ist, dass die Todesser annehmen würden, dass du vollständig hilflos wärst und sie würden vielleicht weniger wachsam sein. Selbst wenn du niemals dieselbe Kontrolle haben solltest, die du mit deinem Zauberstab hast: die Fähigkeit, einen schwachen Schockzauber ohne einen Zauberstab zaubern zu können, könnte eines Tages dein Leben retten."

Er hielt inne um den Gedanken wirken zu lassen. „Das macht Sinn", stimmte Ginny nach einem Moment der Stille zu.

„Nun, dann lass uns anfangen", sagte Harry.

„Warte, wirst du nicht selber trainieren?", fragte Ginny verwirrt.

„Jetzt werde ich dir mit deiner zauberstablosen Magie helfen", sagte Harry in einem Tonfall, der keine Widerworte zuließ.

Ginny schüttelte wild ihren Kopf. „Nein, ich möchte dir nicht im Weg sein. Mach du dein Ding, ich übe alleine."

Harry verdrehte die Augen. „Ginny, ich kann ein wenig Zeit erübrigen, um dir zu helfen. Außerdem möchte ich dir helfen. Nachdem ich eine Weile mit dir gearbeitet habe, kann ich noch ein wenig selber trainieren. Du bist mir nicht im Weg."

Sie schaute ihm einen langen Augenblick fest in die Augen, bevor sie zustimmend nickte. „Danke Harry."

„Gern geschehen", sagte er mit einem Lächeln. „Hast du seit unserem Animagusunterricht etwas geübt?"

Sie schüttelte verlegen ihren Kopf: „Nein, die Schule hatte mich fest im Griff und ich hatte keine Zeit."

„Das hatte ich angenommen", sagte er freundlich und versuchte zu vermitteln, dass er über ihr Geständnis nicht verärgert war. „Wir machen also da weiter, wo wir aufgehört haben."

„Okay", sagte sie.

Harry dachte daran, dass er einen Tisch und einen Federkiel benötigte und beides erschien einen Moment später. „Okay, wir werden klein anfangen. Lass den Federkiel schweben und bewege ihn durch das Zimmer."

Harry beobachtete, wie sich ihr Gesicht vor Konzentration zusammenzog. Sie biss leicht auf ihre Lippe, als sie ihre Hand in Richtung des Federkiels ausstreckte und Harry merkte, dass er seinen Blick nicht von ihrer Unterlippe nehmen konnte. Erst als sie frustriert schnaubte, konnte er seine Gedanken wieder auf das Hier und Jetzt konzentrieren. „Versuch den Zauber erst mit deinem Zauberstab auszuführen. Bekomme ein Gefühl für die Magie und probiere es dann noch einmal."

Sie nickte und ließ ihren Zauberstab aus ihrem Armhalfter schnappen. Sie führte den Zauber einige Male aus, bevor sie den Zauberstab wieder im Halfter verstaute. Sie konnte den Federkiel schweben lassen, als sie ihre Hand wieder zu ihm ausstreckte, aber es war zittrig, wenn man es mit der Kontrolle verglich, die sie mit ihrem Zauberstab gehabt hatte. Nachdem sie den Federkiel einige Male schweben hatte lassen und damit stetig ihre Kontrolle verbesserte, ließ er sie stattdessen den Tisch schweben. Sie kämpfte dieses Mal damit und konnte den Tisch nur wenige Zentimeter hoch schweben lassen, bevor er mit einem dumpfen Schlag wieder hinunterfiel. Sie versuchte es noch einmal mit ähnlichen Ergebnissen. Bei ihrem dritten Versuch zitterte der Tisch, hob aber nicht vom Boden ab. Sie schnaubte frustriert, und Harry wurde daran erinnert, wie er diese Fähigkeit gelernt hatte.

„Nimm dir eine Minute, um dich zu beruhigen", sagte er ihr. „Dann versuch es noch einmal. Umso frustrierter du wirst, umso schwerer wird es, deine Magie zu kontrollieren. Der Tisch wird entweder den Boden nicht verlassen oder wird ohne Kontrolle an die Decke fliegen. Deine Gefühle sind irgendwie an deine Magie gebunden - ich weiß nicht, in welchem Ausmaß - und beeinflussen deine Fähigkeit, Zauber zu kontrollieren. Unsere Gefühle beeinflussen aus irgendeinem Grund die meisten Zauber nicht sehr, wenn wir einen Zauberstab verwenden. Ich glaube, es ist, weil der Zauberstab als Fokus agiert, aber ich bin mir nicht ganz sicher."

Sie nickte, um ihr Verständnis zu zeigen. „Wann hast du es das erste Mal gelernt?", fragte sie ihn nach einem Moment der Stille.

„Eine Woche oder zwei nach Ferienbeginn", sagte er ihr ehrlich.

„Wie hast du es herausgefunden oder so viel darüber gelernt?", fragte sie. „Ich habe davon gehört, dass Zauberer es können, dass es aber jahrelanges Training benötigt und nur die mächtigsten Zauberer es jemals können."

„Ich habe ohne es zu bemerken in dem Sommer vor meinem fünften Schuljahr zauberstablose Magie verwendet, als die Dementoren angriffen", erklärte er. „Es war nichts Großes; ich habe meinen Zauberstab fallen lassen, nachdem mein Cousin mich geschlagen hatte und suchte nach ihm, aber es war zu dunkel, um etwas zu sehen und die Dementoren näherten sich schnell. Ich habe nicht einmal bewusst daran gedacht, aber ich habe Lumos gezaubert und mein Zauberstab hat sich sofort erhellt. Ich habe lange nicht darüber nachgedacht, aber ich habe im vergangenen Sommer über viele Dinge nachgedacht, und ich habe erkannt, was ich getan habe. Ich habe beschlossen, zu sehen, was ich sonst tun könnte und erreichte schließlich den Punkt, wo ich ohne Zauberstab so gut zaubern konnte wie mit einem."

„Wieso probierst du es nicht noch einmal mit dem Tisch?", fragte er und deutete mit seinem Kopf zu besagtem Objekt.

Sie nickte, holte tief Luft und streckte ihre Hand dann wieder in Richtung des Tisches aus. Als sich ihr Gesicht wieder vor Konzentration verzog, weigerte Harry sich, sich wieder ablenken zu lassen, stattdessen sagte er: „Du strengst dich zu sehr an. Es sollte nicht so schwierig sein, deine Magie zu dir zu rufen. Versuch nicht, sie hervorzuzwingen, ruf sie zu dir. Lass sie sich aufbauen, dann lass sie los."

Sie nickte. Ihr Gesicht war noch immer leicht vor Konzentration verzogen, aber es war besser als zuvor. Harry beobachtete, wie sie noch einmal tief Luft holte und ihre Hand ausstreckte. Der Tisch erhob sich fast einen Meter in die Höhe, bevor er wieder langsam zu Boden sank. „Ich habe es geschafft", rief Ginny aus.

„Natürlich hast du das", sagte Harry. „Jetzt versuch es noch einmal. Lass ihn höher schweben und halte ihn länger oben. Mach das immer und immer wieder, wobei du versuchst, dich jedesmal ein wenig zu verbessern. Und wenn du merkst, dass du frustriert wirst, konzentrier dich auf positive Gedanken, als würdest du einen Patronus heraufbeschwören. Ich werde mit den Dummies trainieren. Ruf einfach, wenn du mich brauchst."

„Danke", sagte sie mit einem dankbaren Lächeln.

„Gern geschehen", erwiderte er. „Viel Spaß!"

Sie streckte ihm die Zunge raus und er lachte, als er zu den Dummies ging. Er trainierte gute 45 Minuten, bevor er zurück zu Ginny ging. Sie war vom Tisch zum Bett übergegangen, und Harry wurde an sein eigenes Training für die zauberstablose Magie erinnert. Er gluckste, als das Bett vom Boden aufstieg und machte sich unsichtbar, so dass er sich an sie anschleichen konnte. Er näherte sich dem Bett und sprang auf es drauf, wobei er inmitten des Sprunges den Desillusionierungszauber auflöste. Ginny kreischte auf und zog ihre Hand zu sich, was dazu führte, dass das Bett auf den Boden krachte und Harry mit ihm. Als das Bett den Boden berührte, sprang Harry vom Bett auf und direkt vor Ginny: „Hey, Gin!"

Sie schlug ihm auf den Arm und schaute ihn mürrisch an: „Pass auf, was du tust! Es hat gut funktioniert, bis du mich erschreckt hast."

Harry grinste sie an: „Du wirst lernen müssen, Ablenkungen auszublenden, aber ich schätze, dass ist eine Lektion für einen anderen Zeitpunkt. Komm, ich möchte sehen, wie du duellierst."

45 Minuten lang ließ Harry Ginny abwechselnd gegen die Dummies und ihn kämpfen. Wenn er gegen sie duellierte, sah er davon ab, zauberstablose Magie zu verwenden, um die Situation realistischer zu machen. Sie war besser als er erwartet hatte, aber er war eindeutig der bessere Duellant und musste es langsam angehen, um zu sehen, was sie wirklich konnte. Er bemerkte die Uhrzeit und entschied, dass es besser war, sich jetzt zu richten, wenn sie es rechtzeitig zum Abendessen schaffen wollten. Er stoppte die Dummies, gegen die Ginny sich duellierte und sagte ihr, sie solle duschen gehen. Zwei Duschräume erschienen dieses Mal für sie und sie beide betraten ihren jeweiligen Raum, um sich frisch zu machen, bevor sie fürs Abendessen hinunter in die Große Halle gingen.

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Kurz nachdem Harry und Ginny sich am Samstagmorgen fürs Frühstück in der fast leeren Großen Halle hingesetzt hatten, kamen zwei Eulen beinahe gleichzeitig an. Eine, welche Harry erkannte und die er mental grüßte, hatte einen Brief für Ginny. Die andere, unbekannte, Eule streckte ihr Bein aus, so dass er den angebundenen Brief entfernen konnte. Er rollte die Pergamentrolle aus und erkannte sofort die Schrift von Remus Lupin. Harry schaute hinüber und sah, dass Ginny bereits in ihren eigenen Brief vertieft war, einen Brief von ihren Eltern, nahm er an, und so begann Harry zu lesen.

Lieber Harry,

du hast Glück, dass das kein Heuler ist. Wenn die Umstände anders wären, hättest du Glück, dass das alles ist, was ich dir schicken würde. Wie die Dinge stehen, glaube ich, dass ich dir Dank schulde. Oder eher, wenn ich dir nicht danke, laufe ich Gefahr, ins nächste Jahrhundert gehext zu werden.

Dein ziemlich spitzbübisches Geschenk war deines Vaters würdig. Es scheint, dass du mehr als nur dort weitermachst, wo wir aufgehört haben. Irgendwelche Neuigkeiten, was das angeht? Habt ihr euch schon einen Namen überlegt? Was ist mit deiner Komplizin? Glaube nicht, dass ich nicht über Mr. Malfoys unglückliches Schicksal gehört habe, noch, dass ich nicht herausgefunden habe, wer die Ursache dafür ist.

Oh, hör auf, so eine Spaßbremse zu sein. Hey, Harry. Ich mochte die Puppe. Sie war süß. Und es hat den alten Wolf dazu gebracht, mich um ein Date zu bitten. Natürlich habe ich, nachdem ich die Puppe gesehen habe, nicht locker gelassen, bis er zugegeben hat, warum du sie ihm geschickt hast. Dann musste ich ihn überzeugen, dass er es mehr als wert ist, mit mir auszugehen, seine Wolfpersönlichkeit irrelevant. Kannst du es glauben?

Ja, das ist super, Dora, kann ich wieder mit meinem Brief weitermachen? Danke. Auch wenn ich denke, dass du eine kleine Rache für deine Aktion verdienst, bin ich im Moment viel zu glücklich, um mir darüber Gedanken zu machen. Du kommst für den Moment also damit davon. Auch wenn du vielleicht deinen eigenen Ratschlag annehmen solltest. Und wenn du nicht weißt, wovon ich rede, dann müssen wir wirklich mal ausgiebig miteinander reden. Nimm meinen Rat an und warte nicht zu lange. Du weißt nie, wie viel Zeit du hast, und du willst sie nicht verschwenden. Das sagst gerade du! Ja, nun, ich habe meine Lektion gelernt, und ich hoffe, du kannst aus meinen Fehlern lernen statt sie selber zu machen.

Wir haben davon gehört, was am Ende des Balls passiert ist. Ich weiß nicht, was genau du gesehen hast, aber ich kann mir vorstellen, dass es nicht besonders angenehm war. Ich weiß, dass es sich ein wenig dämlich anhört, aber versuch, dich nicht runterziehen zu lassen. Es gibt nichts, dass du hättest tun können, um es aufzuhalten. Lass es dein Leben nicht beeinflussen. Wenn du das tust, lässt du Voldemort gewinnen. Es tut mir leid, dass ich nicht da sein kann, um dir zu helfen, aber wenn du jemals reden möchtest, werde ich es zuwege bringen, ganz egal welcher Zeitpunkt im Monat.

Noch einmal danke und pass auf dich auf, Harry.

Herzliche Grüße

Remus Lupin und Tonks

PS: Ich meine es so. Sag ihr, wie du fühlst. Und wenn du Hilfe brauchst, einen guten Besenschrank zu finden ...Wem mache ich was vor? Du hast die Karte bei dir. Benutze sie.

Harry musste angesichts von Remus Postskriptum ein Erröten unterdrücken. Er rollte das Pergament zusammen und packte es in eine der Taschen seiner Roben, während er über Remus Nachricht nachdachte. Er fragte sich, wie der man seine Gefühle so gut erkannt hatte. War er so offensichtlich? Zu dem Zeitpunkt konnte er seine eigenen Gefühle nicht deuten und zu wissen, dass Remus sie in so kurzer Zeit herausgefunden hatte, machte Harry Sorgen und ein klein wenig peinlich berührt. Dann war da der Ratschlag, den Remus gegeben hatte. Er würde mehr darüber nachdenken müssen, aber nun war nicht die Zeit dafür, jetzt, wo Ginny direkt neben ihm saß.

Er dachte an Remus und Tonks und ein breites Grinsen erschien auf seinem Gesicht. Sein Geschenk hatte besser funktioniert als er erwartet hatte. Er war glücklich für die beiden und wusste, dass Tonks gut für Remus sein würde. Sie war spaßig und würde hoffentlich die lebensfrohe Seite an Remus herausbringen, so wie Harry sich den Mann vorstellte, als die Rumtreiber auf ihrem Höhepunkt gewesen waren.

Harry schaute zu Ginny hinüber und sah, wie diese geistesabwesend die Eule streichelte, die Ginnys Post ausgeliefert hatte und sie ließ ihren Blick zwischen der Eule und Harry hin- und herwandern. „Du hast meinen Eltern eine Eule zu Weihnachten gekauft?", fragte sie ihn mit einer hochgezogenen Augenbraue.

„Ja", sagte Harry. „Errol wird immer älter und mit den Todessern, die die Post abfangen, ist eine zuverlässige Eule in diesen Tagen eine Notwendigkeit. Dievas hier wird sich behaupten, nicht wahr?", sagte er an die Eule gewandt und strich ihr über die Federn. Seine Hand berührte dabei Ginnys, was Harry dazu veranlasste, sich zu ihr zu drehen und sie anzulächeln.

„Dievas?", fragte Ginny nach.

Harry zuckte mit den Schultern: „Er hatte bereits einen Namen."

„Oh, nun, das ist okay, schätze ich. Er ist eine wunderschöne Eule", kommentierte sie und drehte sich wieder zur Eule.

„Ich habe dir gesagt, dass du sie mögen würdest", sagte Harry mental zur Eule. Die einzige Antwort, die er bekam, war ein Ächzen, da Ginny über die Federn der Eule streichelte. Laut sagte er: „Ich glaube, du hast einen Freund gewonnen." Ginny lächelte ihn nur an. „Was haben deine Eltern gesagt?"

„Sie wollten, dass ich dir für die Eule danke und sie bestehen darauf, dass du das wirklich nicht hättest tun sollen." Ginny verdrehte ihre Augen und fuhr fort: „Aber wir wissen beide, dass das nichts bringen wird. Ehrlich, sie lieben die Eule. Mum hört sich sehr enthusiastisch an."

„Ich bin froh", erwiderte Harry zufrieden. „Was hat deine Mum zu der Kette gesagt? Und mochte dein Dad die Muggelelektrosachen?"

„Mum sagt, dass sie die Kette liebt. Sie waren sehr beliebt, als sie jünger war, und sie hatte sie vergessen. Sie sagt, dass es sehr beruhigend sei, eine ständige Bestätigung zu haben, dass wir alle in Sicherheit sind. Dad sagt, dass sie aufgehört hat, die Uhr mit sich herumzutragen", erzählte Ginny ihm aufgeregt. „und Dad ist begeistert, mehr Muggelspielzeug zum Spielen zu haben, so wie immer. Danke noch einmal, dass du seine Geschenke ausgesucht hast."

Harry lächelte über ihren Enthusiasmus. Ginny schien so viel Freude daran zu haben, Geschenke zu geben, wie sie zu erhalten. Er fand, dass er das sehr an ihr mochte. „Gern geschehen, Gin."

Sie erwiderte das Lächeln: „Von wem war deiner?"

Harry grinste frech: „Remus."

Ginny zog eine Augenbraue hoch: „Oh, was sagt er?" Sobald sie fertig geredet hatte, weiteten sich ihre Augen und sie erinnerte sich an etwas. „Mochte er sein Geschenk?", fragte sie mit einem breiten Lächeln.

„Ja, allerdings nicht so sehr wie Tonks", gluckste Harry. „Sie hat ihn dazu gezwungen zu erklären, warum ich ihm eine Metamorphmaguspuppe schicke."

Ginny brach in lautes Gelächter aus. „Oh, ich wünschte, ich hätte das gesehen", sagte sie, nachdem sie sich etwas beruhigt hatte.

„Ich auch", erwiderte Harry geistesabwesend, während seine Gedanken sich damit beschäftigten, wie die Szene sich hätte abspielen können.

„Nun", unterbrach Ginny ihn in seinen Gedanken. „Was ist passiert?"

„Nun, ich kenne nicht die ganze Geschichte, aber kurz gesagt sind Remus und Tonks jetzt zusammen", sagte Harry ihr selbstzufrieden.

Ginnys Lächeln wurde breiter. „Nun, wenn du kein Kuppler bist", kommentierte sie und lachte zu sich selbst. „Wir werden dir einen Bogen und Pfeile mit herzförmigen Spitzen besorgen müssen. Oh und ein paar Flügel ebenso. Unser eigener kleiner Amor."

Harry stupste sie mit seinem Arm an: „Gör."

Sie streckte ihm die Zunge raus. Harry imitierte sie und erinnerte sich dann an etwas anderes, dass Remus angesprochen hatte. „Wir müssen unsere Namen aussuchen", sagte er ihr leise.

Sie runzelte verwirrt die Stirn, aber bevor sie den Mund öffnen konnte, um die Frage zu stellen, konnte man die Erkenntnis auf ihrem Gesicht sehen; ihr Mund formte ein „Oh" und ihre Augenbrauen wanderten nach oben.

„Remus hat gefragt, ob wir schon etwas ausgesucht haben", erklärte Harry ihr.

Sie nickte. „Ich habe seitdem du es angesprochen hast nicht mehr wirklich daran gedacht und denke nicht einmal daran, das noch einmal vorzuschlagen", sagte sie warnend.

Harry lachte leise: „Ich würde es nicht wagen. Ich habe keine Lust, herauszufinden, wie es sich anfühlt, wenn meinen Popel Flügel wachsen und sie an meinem Gesicht kratzen."

Ginnys Lächeln nahm einen bösen Ausdruck an: „Nur zu wahr."

„Behalt es im Hinterkopf und versuch dir Vorschläge zu überlegen. Wir reden später mehr darüber", sagte er. Seine Augen wanderten zu Hermine, die gerade erst die Halle betreten hatte. Hermine war seit ihrer Unterhaltung am zweiten Weihnachtsfeiertag sehr nachdenklich gewesen. Ein unerwarteter Vorteil davon war, dass sie so in ihre Gedanken versunken war, dass sie Harry kaum Aufmerksamkeit schenkte und es ihm und Ginny so unglaublich einfach machte, ohne angesprochen zu werden zu verschwinden.

Ginnys Augen folgten seinem Blick. Sie drehte sich zu ihm um und nickte zustimmend. Sie widmeten sich ihrer Mahlzeit und grüßten Hermine höflich, als sie sich ihnen gegenüber hinsetzte. Kurz darauf gesellte sich Neville zu ihnen und schließlich Ron. Von da an war die Mahlzeit unbehaglich, da Ron Hermine ignorierte. Hermine versuchte nicht, Ron in eine Unterhaltung zu verwickeln, doch sie erkannte wenigstens seine Existenz an. Harry, Ginny und Neville hielten eine lockere Konversation am Laufen und sie überstanden alle das Essen intakt.

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Harry verbrachte den Rest des Tages trainierend oder lesend, auch wenn er nach dem Mittagessen ein Schachspiel mit Ron zuwege brachte. Sie redeten während des Spieles ein wenig über Quidditch, aber als Harry Hermine ansprach, machte Ron zu und weigerte sich, über ihre gemeinsame Freundin zu sprechen. Harry lehnte ein zweites Spiel ab, um sich wieder seinen Büchern widmen zu können. Er hatte es viel zu lange vor sich hergeschoben, nach einer Lösung zu suchen, um seine Verbindung zu Voldemort zu blockieren, und es wurde höchste Zeit, dass er ernsthaft danach suchte. Es war offensichtlich, dass Okklumentik dafür nicht geeignet war, aber Harry wusste keine Alternative. Das Problem war, dass er nicht einmal wusste, wie er mit Voldemort verbunden war. Niemand wusste das. Dumbledore hatte Okklumentik nur vorgeschlagen, weil die Verbindung an Legilimentik erinnerte. Es schien, die Verbindung war nicht ähnlich genug.

Er hatte den Schulleiter mehr als nur einmal gefragt, ob er noch andere Ideen hätte, wie die Verbindung blockiert werden könnte und jedesmal wurde er enttäuscht. Entweder hatte Dumbledore keine anderen Ideen oder der Mann verheimlichte wieder Dinge vor Harry. Harry wollte ersteres glauben. Dumbledore hatte keinen Grund, etwas geheim zu halten, das helfen könnte, die Verbindung zu blockieren oder aufrecht zu erhalten. Er wollte Harry offensichtlich helfen, die Verbindung unter Kontrolle zu halten, da er ihm Okklumentikunterricht gab.

Harry schaute jedes Buch über Legilimentik und Okklumentik durch, das er finden konnte. Er erschöpfte die begrenzten Vorräte der Bücherei ziemlich schnell. Er hatte bereits alle Bücher seiner eigenen Sammlung gelesen, also machte er einen schnellen Ausflug in die Winkelgasse, um zu sehen, ob er zusätzliche Bücher über dieses Thema auftreiben könnte. Er fand mehrere Fortgeschrittenen-Bücher, die ihn sicherlich einige Zeit beschäftigt halten würden. Er war sich nicht sicher, ob die Informationen in den Büchern ihm überhaupt helfen würden, aber er musste es versuchen. Wenigstens würde das Extrawissen ihm mit Ginnys kommendem Unterricht helfen. Sie arbeitete sich noch immer durch ihr eigenes Okklumentikbuch, um das Grundprinzip, dass die Disziplin benötigte, zu erlernen.

Der Donnerstagabend kam, bevor er es wirklich realisierte und Harry stieg die Wendeltreppe des Schulleiters für seine wöchentliche Okklumentikstunde hoch. Er freute sich nicht besonders auf diese Stunde. Er hatte nicht mehr mit dem Schulleiter gesprochen, seit er eine Woche zuvor die Vision gehabt hatte, und er fürchtete, dass der Mann sie besprechen wollte. Harry hatte sich mit der Erinnerung auseinandergesetzt und hatte nicht vor, dies noch einmal zu tun.

Dumbledore rief ihn in sein Büro, bevor Harry klopfen konnte, und so öffnete Harry die Tür und betrat den runden Raum. „Guten Abend, Professor", grüßte er. „Hallo Fawkes", fügte er hinzu und ging zu dem Phönix, um ihm einige Male über die Federn zu streichen. Fawkes trillerte eine Begrüßung und lehnte sich in Harrys Berührung. Die Laute des Phönixlieds stärkten Harry und erleichterten seine Last. Er lächelte den Phönix dankbar an und streichelte ihm noch einmal über die Federn.

„Dir ebenfalls einen guten Abend. Wie geht es dir, Harry?", fragte Dumbledore.

Harry argwöhnte, dass der Mann mit seiner Frage mehr meinte als nur die Standardbegrüßung. „So gut wie erwartet werden kann", erwiderte er und setzte sich vor den Schreibtisch des Schulleiters.

Dumbledore nickte erschöpft und starrte über seine aneinandergelegten Finger. „Gibt es irgendetwas, dass ich über deine Vision wissen sollte?", fragte er nach einer Minute der Stille.

„Ich glaube nicht" erwiderte Harry vorsichtig. „Ich habe nichts Hilfreiches gesehen, nur jede Menge Folter und Mord. Ich wäre zu Ihnen gekommen, wenn ich etwas Nützliches hätte."

„Ich hatte das angenommen, aber ich musste fragen", sagte er. „Ich werde dich nicht bitten, einen Teil der Erinnerung mit mir zu teilen. Ich bin später am Abend zu dem Ort des Angriffs gegangen und ich wage zu sagen, dass es mehr als nur grausam wäre, dich zu bitten, noch einmal zu durchleben, was du gesehen hast. Aber wenn du jemanden zum Reden brauchst, steht meine Tür dir immer offen", bot er freundlich an.

„Danke, Sir", erwiderte Harry ehrlich. Und er meinte es so, dafür, dass er nicht darum bat, die Erinnerung noch einmal zu durchleben und für das großzügige Angebot. Er hatte nicht vor, jemals mit ihm über die Vision zu reden, aber es war nett von ihm, es anzubieten. Wenige Menschen auf der Welt wären in der Lage, auf irgendeine Weise das Grauen, das er gesehen hatte, nachzuvollziehen. Harry wusste, dass der Schulleiter einer von ihnen war und es tröstete Harry ein wenig, dass die Option da war.

„Nun, sollen wir mit dem Unterricht weitermachen?", fragte der Schulleiter.

Harry nickte zuversichtlich. Dumbledore war in den letzten paar Stunden nicht in der Lage gewesen, in seinen Geist einzubrechen. Er brauchte seine gesamte Energie, um den Mann draußen zu halten, aber Harry war stolz auf sich, sich gegen einen der mächtigsten Zauberer der Welt behaupten zu können. Er erwiderte den festen Blick des Schulleiters und fühlte, wie die Präsenz des Mannes an seinen mentalen Barrieren herumprobierte. Er folgte den Bewegungen des Mannes und verstärkte den Bereich, um sich auf einen Überraschungsangriff vorzubereiten. Plötzlich fühlte er eine Präsenz auf der anderen Seite seines Verstandes. Das Problem war, dass die Präsenz vor ihm nicht verschwunden war. Er fühlte, wie beide sein Schild auf einmal angriffen, und er konnte gerade so den einen Angriff aufhalten und so brach die andere Präsenz nach nur fünf oder zehn Sekunden des Drucks durch seine Schutzschilde.

Harry gab seine derzeitige Position auf, um sich dem Eindringling entgegenzustellen und ihn herauszuwerfen, nur um Dumbledores Präsenz zu finden. Der Schulleiter war länger als jeder andere innerhalb seiner Schutzschilde, seitdem er sie erbaut hatte, und diese Erfahrung machte Harry Sorgen. Er hatte sich nicht per se für immun gehalten, aber viel vorbereiteter als das. Harry warf die Präsenz des Schulleiters ohne Gegenwehr hinaus. Nach einem Moment schüttelte Harry seinen Kopf und fokussierte sich wieder auf die funkelnden blauen Augen seines Lehrers.

„Wie haben Sie das gemacht?", fragte er. Er hatte eine vage Referenz von einem Meisterlegilimentiker gelesen, der in der Lage war, sein Bewusstsein aufzuteilen, um an zwei Orten gleichzeitig anzugreifen, aber er hatte niemals gute Informationen über diese Technik gefunden.

„An zwei Orten gleichzeitig anzugreifen?", fragte der Mann lächelnd.

Harry nickte: „Ja."

„Es ist eine fortgeschrittene Technik, die nur wenige meistern", erwiderte Dumbledore. „Sie erfordert, dass man sein Bewusstsein in zwei aufteilt, um den Verstand des Angegriffenen an zwei Orten gleichzeitig zu durchdringen."

Harry runzelte nachdenklich die Stirn: „Wie kann ich mich dagegen schützen?"

„Es gibt zwei Wege, wie du dich vor einem Angriff schützen kannst", erklärte der Mann in einem freundlichen Tonfall. „Du musst zuerst lernen, die Einschränkungen, die du dir aufgrund deiner Erfahrungen in der physischen Welt auferlegst, zu entfernen." Er hielt in seiner Erklärung inne, um Harry die Chance zu geben, die Idee zu verdauen.

Harry dachte über diese kryptische Erklärung nach. Einschränkungen der physischen Welt - was bedeutete das? Welche Grenzen legte er sich selbst auf? Die Antwort kam ihm ziemlich schnell. Er war an die Idee gewöhnt, dass er nur an einem Ort zu einem Zeitpunkt existieren konnte. Es war mit Ausnahme von Zeitreisen physisch unmöglich, an zwei Orten gleichzeitig zu existieren. Aber das war eine physische Einschränkung. Der Schulleiter hatte gerade bewiesen, dass es möglich war, mental gleichzeitig an zwei verschiedenen Orten zu existieren.

„Ich muss also lernen, mein Bewusstsein in zwei getrennte Einheiten aufzuspalten?", fragte Harry.

„Das ist eine Herangehensweise", stimmte der Schulleiter mit einem Lächeln zu. „Aber das ist nicht die einzige Methode. Die andere erfordert, dass du von dir nicht als jemand denkst, der in einer Gestalt oder Einheit existiert. Ich nehme an, dass ist die Art, wie die meisten Menschen Gott erklären. Du existierst überall zur gleichen Zeit und hast absolute Kontrolle über die Welt. Es gibt nur einen Bericht über einen Okklumentiker, der dieses Kunststück geschafft hat, und es ist unklar, ob diese Information auf einer Tatsache oder einem Mythos basiert. Die meisten sind einfach nicht in der Lage, ihre selbstauferlegten Beschränkungen loszulassen, das schließt mich ein. Ich ermuntere dich, die zweite Methode in der Zukunft zu versuchen, aber für den Moment bitte ich dich, dein Bewusstsein zwischen mehr als einer Einheit aufzuteilen."

Harry nickte geistesabwesend, während sein Verstand versuchte, alles zu verarbeiten, was ihm gerade gesagt wurde. Die zweite Methode interessierte ihn sehr. Die Parallele, die der Schulleiter zu Gott gezogen hatte, hatte Harrys Aufmerksamkeit geweckt. Es hörte sich so an, als würde er sich nie mehr Sorgen machen müssen, dass in seine Gedanken eingedrungen werden würde, wenn er die Methode beherrschen würde. Sein Bewusstsein aufzuteilen würde ihm helfen, den zweiteiligen Angriff aufzuhalten, aber was würde passieren, wenn ein dritter dazukommen würde? Er würde lernen müssen, sein Bewusstsein in drei Teile statt in zwei aufzuteilen. Er würde es dem Schulleiter zutrauen, genau das gemeistert zu haben. „Wer hat es geschafft?", fragte er nach ein paar Minuten.

„Es wird gesagt, dass Merlin der einzige Zauberer ist, der die Technik jemals gemeistert hat."

Harry lehnte sich in seinem Stuhl zurück. Er würde es gerne schaffen, aber wenn nur Merlin es jemals gemeistert hatte, hatte er wenig Hoffnung. Das würde ihn jedoch nicht davon abhalten, es zu versuchen, aber er würde tun was der Schulleiter ihm sagte und sich für den Moment darauf konzentrieren, sein Bewusstsein nur aufzuspalten. Er konzentrierte sich auf sein Inneres und beschwor das Bild herauf, das er konstruiert hatte, um seinen Verstand zu repräsentieren. Er sah alle seine Koffer, die umsichtig verschlossen und mit Schutzschilden belegt waren. Er schaute zu seiner Barriere, die wieder fest aufgerichtet war. Nach unten schauend sah er eine physische Repräsentation von sich selber, aber er wusste, dass sie nicht real war. Nichts davon war, es war alles nur symbolisch. Harry konzentrierte sich auf sich selber und wollte eine Kopie von sich zum Leben erwecken. Nach einer Minute schaute er nach oben und sah sein eigenes Gesicht, das ihn anschaute. Er lächelte triumphierend und sein Klon lächelte ihn ebenfalls breit an.

Harry schüttelte seinen Kopf, um wieder in die Gegenwart zurückzukommen und realisierte, dass er sich einfach in sich zurückgezogen hatte, ohne dem Schulleiter einen Hinweis oder eine Warnung zu geben: „Entschuldigen Sie, aber ich glaube, ich habe es jetzt."

Dumbledore lächelte nur als Antwort: „Sollen wir es noch einmal versuchen?"

Harry nickte. Er wartete nicht auf die zweite Präsenz, sondern beschwor seinen Klon herauf. Er folgte der Präsenz des Schulleiters und achtete nicht auf seinen Klon, bis er die zweite Präsenz auf der anderen Seite seines Verstandes auftauchen spürte. Er sandte den Klon hinüber, aber der Schulleiter griff schnell an. Während Harry besorgt war, wie er sein zweites Selbst hinüber bekam, um die zweite Präsenz zu blockieren, wurde er in seiner vorderen Verteidigung mit seiner ersten Präsenz nachlässig und Dumbledore konnte das zweite Mal an diesem Tag durch seine Schutzzauber dringen. Harry erkannte schnell, dass es viel schwerer war, sich auf zwei Dinge zu konzentrieren, als er es sich vorgestellt hatte.

Sie übten ein paar Mal, bevor der Unterricht zu Ende war. Harry konnte noch immer nicht beide Angriffe auf einmal abwehren, aber er wurde ein wenig besser darin, seine beiden Exemplare von sich selbst zu kontrollieren. Der Schulleiter versicherte ihm, dass es nur Übung benötigen würde, um es zu beherrschen.

Die Ferien waren beinahe vorbei und bald würde der Unterricht wieder beginnen. Harry und Ginny hatten einen Stundenplan zusammengestellt, so dass Ginny beinahe täglich mit Harry trainieren konnte. Sie planten auch für jede Woche ein Paar einstündige Trainingseinheiten ein, um an der Okklumentik zu arbeiten. Harry hatte seine Sorgen über Ginnys vollgestopften Terminkalender gezeigt, aber sie hatte seine Bedenken beiseite gewischt. Als er sie deswegen noch einmal ansprach, bestätigte sie, dass die Z.A.G. Ergebnisse unwichtig waren. Sie konzentrierte sich viel mehr aufs Training, so dass sie wirklich bei den Kriegsanstrengungen helfen konnte. Der Gedanke, dass Ginny bei den Kämpfen involviert sein könnte, behagte Harry nicht, aber er wusste es besser als das zu sagen. Sie war ein großes Mädchen, und zu versuchen, sie vor dem Krieg zu beschützen, würde ihn nur zu einem Heuchler machen. Stattdessen beschloss er, sicherzugehen, dass sie gut vorbereitet war.

Ginny schloss sich auch weiterhin zum Workout mit Harry am Morgen an. Es bekam eine Art Spiel für sie, jeden Morgen zu beginnen, indem sie einen möglichen Rumtreibernamen für den anderen vorschlugen. Ginny hatte dieses begonnen und nach dem zweiten Morgen mit ungeheuerlichen Vorschlägen hatte Harry beschlossen, mitzumachen. Schließlich konnte er sie nicht damit davonkommen lassen, dass sie versuchte, ihn Mitternachtsritter*zu nennen, da er ihr „Ritter in mitternächtlicher Rüstung" war, ohne sich zu wehren. Am nächsten Morgen konterte er mit Glühwürmchen.** Jeden Morgen tauschten sie Namen aus, manchmal ernstzunehmende, manchmal alberne, aber keiner von ihnen konnte einen geeigneten Namen finden. Nach ihren üblichen Neckereien und dem Dehnen liefen die beiden in ihrem eigenen Tempo los. Ginny, deren Körper noch nicht an die Routine gewöhnt war, war nicht in der Lage, mit Harry mitzuhalten. Er versicherte ihr, dass er in einer ähnlichen Verfassung begonnen hatte. Er war zuversichtlich, dass sie in wenigen Wochen Fortschritte sehen würde.

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In der Nacht, bevor der Unterricht wieder begann, hatte Harry eine weitere Vision. Es schien, als hätte Voldemort sich dazu entschlossen, einen aktiveren Part im Krieg einzunehmen und Harry wurde mit Plätzen in der ersten Reihe beschenkt. Die Vision war nicht so lang oder schrecklich wie die erste, aber es war genug, um ihn ziemlich zittrig zurückzulassen. Er wachte auf und merkte, dass er sich auf seine Lippe biss, um sich vom Schreien abzuhalten. Seine Narbe brannte vor und Harry war übel. Er stolperte aus seinem Bett und zum Badezimmer, wo er mehrere Minuten lang tief atmend über dem Waschbecken lehnte, während er erfolglos versuchte, die Bilder aus seinem Kopf zu verbannen.

Das einzige, für was er dankbar war, war, dass er alle seine anderen Nächte mit Sirius verbracht hatte. Dank der Anwesenheit seines Patens wurde Harry nicht von Albträumen heimgesucht; stattdessen hörte er zu, wie Sirius ihm Geschichten von den Rumtreibern erzählte. Nur Visionen von Voldemort konnte Harry von seiner Zeit mit seinem Paten trennen, und er fürchtete sich davor, was passieren würde, wenn sein Pate völlig auf die andere Seite gehen würde. Entschließend, dass das nicht die Richtung war, die seine Gedanken nun gehen sollten, drehte er am Wasserhahn und spritzte sich kaltes Wasser ins Gesicht, bevor er hinunter zum Gemeinschaftsraum ging. Er glaubte nicht, dass er in dieser Nacht noch einmal schlafen könnte. Stattdessen holte er ein Buch „Legilimentik: Ein Führer, um die Verteidigungen des Verstandes zu überwinden"aus seinem Koffer und setzte sich an einen der Tische, um zu lesen, bis der Morgen kam.

Er erlaubte es sich, sich völlig in den Buchseiten zu verlieren und vergaß alles um sich herum. So war es einfacher, sein Gehirn nur auf die Wörter vor ihn zu konzentrieren. Es hielt seine Gedanken davon ab, zu weniger angenehmen Dingen zu wandern. Es hatte den zusätzlichen Effekt, ihn alle Zeit vergessen zu lassen. Er wusste nicht, wie lange er lesend an dem Tisch gesessen hatte, noch wie lange Ginny versucht hatte, seine Aufmerksamkeit zu erregen, aber als er sich ihr zuwandte, sah sie ziemlich genervt von ihm aus.

„Endlich", rief sie aus. „Was ist los mit dir? Ich habe jetzt schon mehrere Minuten lang versucht, deine Aufmerksamkeit zu erregen."

„Entschuldige", erwiderte Harry leise, als er sich ihr zuwandte. „Ich schätze, ich war in mein Buch vertieft." Er deutete auf das Buch, das nun geöffnet auf dem Tisch lag.

„Harry, ist alles in Ordnung?", fragte Ginny besorgt. „Wie lange liest du schon hier unten?"

Harry zuckte mit den Schultern. Er hatte absolut keine Ahnung. „Mir geht es gut", antwortete er und ignorierte die zweite Frage.

„So siehst du aber wirklich nicht aus", kommentierte Ginny skeptisch. Dann leuchtete ihr Gesicht verstehend auf. „Du hattest eine weitere Vision, nicht wahr? Oder einen Albtraum?"

„Eine Vision", erwiderte Harry mit leerer Stimme, als er sich für kurze Zeit in seinen Erinnerungen verlor. Er schüttelte schnell die Gedanken von sich; es würde nichts bringen, sich daran zu erinnern.

„Wir können heute Morgen das Training ausfallen lassen", schlug Ginny vor. „Wenn du darüber reden willst, bin ich für dich da."

Harry schüttelte nachdrücklich seinen Kopf: „Danke, aber ich glaube, ich brauche das Workout heute mehr als üblich. Gib mir eine Minute, um hochzurennen und mich umzuziehen, dann können wir losgehen."

Ginny nickte als Antwort und Harry ging schnell hoch in seinen Schlafsaal, um sich seine Trainingsklamotten anzuziehen. Er kam kurz darauf wieder hinunter und die beiden machten sich auf den Weg aus dem Gemeinschaftsraum hinaus und hinunter in die Eingangshalle. Sie traten hinaus in die kalte Morgenluft. Sobald sie das Ende der Steintreppen erreicht hatten, fiel Harry ohne Zögern und ohne sich zu dehnen in einen leichten Lauf.

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Ginny sah zu, wie Harry mit einer schnellen Geschwindigkeit loslief und seufzte müde. Sie durchlief ihre üblichen Dehnübungen, während sie ein Auge auf Harrys laufende Gestalt hatte. Er hielt ein brutales Tempo aufrecht, viel schneller als sonst, und Ginny wunderte sich, wie er es schaffte. Sie fing selbst in ihrem langsamen Tempo an zu joggen und fühlte sich ein wenig minderwertig. Harry hatte ihr versichert, dass er am Anfang des Sommers in so ziemlich der gleichen Verfassung begonnen hatte, aber wenn sie ihn jetzt beobachtete, fragte sich Ginny, ob sie jemals mit ihm mithalten könnte. Selbst an normalen Tagen war er viel schneller als sie.

Heute staunte sie über Harrys Ausdauer. Er joggte in einer halsbrecherischen Geschwindigkeit und seine Muskeln waren sichtlich gefordert. Ginny bewunderte den Anblick, als er sie ein weiteres Mal überholte und ihre Gedanken drifteten zurück zum Weihnachtsball; wie sie sich in seinen Armen gefühlt hatte, wie gut es sich angefühlt hatte, mit ihm unter dem Nachthimmel zu kuscheln, wie er ihr tief in die Augen geschaut hatte und sich zu ihr gebeugt hatte, um sie zu küssen. Aber sie hatten sich nie geküsst. Harry war in einer Vision gefangen gewesen, ähnlich wie in der vergangenen Nacht. Sie schüttelte ihren Kopf über ihre Gedanken. Nun war nicht die Zeit dafür. Egal wie begehrenswert Harry im Moment aussah, machte sie sich Sorgen um ihn. Sie fragte sich, wie gesund es für ihn war, sich so hart anzutreiben, aber sie wusste es besser als ihn darauf anzusprechen. Sie lief ihre übliche Entfernung und dehnte sich danach wieder. Harry beendete seine Runde und lief zu ihr, als sie gerade fertig wurde. Er sagte nichts. Er stand nur da, hart atmend und auf sie wartend.

„Du solltest dich auch dehnen, Harry", meinte sie. „Wenn ich mich richtig erinnere, warst du derjenige, der die Wichtigkeit davon betont hat."

Harry funkelte sie an, aber zu seiner Ehre hörte er auf ihren Ratschlag, auch wenn er es nur halbherzig tat. Nach ein paar Minuten gingen sie gemeinsam zurück zum Schloss. Harry ging mit langen schnellen Schritten, und Ginny hatte Mühe, mit ihm mitzuhalten. Sie hatten schon fast das dritte Stockwerk erreicht, als Ginny, die, dachte, dass Harry ein wenig langsamer gehen und seine Stimmung heben sollte, entschied, Harry spielerisch mit ihrer Schulter anzustoßen und ihn damit leicht gegen die Mauer schubste.

Harry drehte sich zu ihr, um sie anzufunkeln. Sie zwinkerte ihm zu und grinste ihn frech an. Er wandte seinen Blick wieder nach vorne und tat sein Bestes, um sie zu ignorieren. Ginny war niemand, der sich leicht geschlagen gab und so schubste Ginny Harry einen Moment später ein weiteres Mal. Harry zog seine Augen zusammen, machte aber nichts. Er ging weiterhin schnell weiter. Ginny grinste neben ihm und war im Begriff, ihn noch einmal zu schubsen, nur dieses Mal war Harry darauf vorbereitet. Er hielt mitten im Laufen inne und ließ Ginny damit ins Leere laufen. Er gab ihr mit seiner linken Hand einen kleinen Schubs gegen den Rücken und ließ sie damit gegen die Wand laufen.

Sie hielt beide Arme aus, um sich aufzufangen, bevor sie gegen die Steinmauer krachen würde und drehte sich um, um Harry anzufunkeln. Sie sah, wie er weiterging, sein Blick nach vorne gerichtet und sein Gesicht ausdruckslos. Oder zumindest beinahe ausdruckslos. Sie konnte sehen, wie seine Mundwinkel sich leicht nach oben zogen. Sie hielt ihren wütenden Blick aufrecht, konnte aber das Lächeln, das auf ihren Lippen lag, nicht zurückhalten. Harry ging an ihr vorbei und sie folgte ihm. Sie musste beinahe rennen, um es zu schaffen, aber sie näherte sich ihm, bis sie ihn beinahe berührte. Sie passte sich seinem Tempo an und trat ihm auf die Fersen.

Nach dem dritten Mal wirbelte Harry herum. „Kann ich Ihnen helfen, Professor Potter?", fragte sie unschuldig, als Harry still blieb.

„Das kannst du", erwiderte Harry. „Du kannst aufhören, mir auf die Fersen zu treten."

„Ich habe keine Ahnung, wovon Sie reden", tat Ginny unschuldig und klimperte mit ihren Augenbrauen.

„Du weißt genau, wovon ich rede", sagte Harry.

„Ich versuche nur zu laufen", bestand Ginny mit einem Grinsen. „Was ist dein Problem?"

„Wenn du gehen möchtest, dann kannst du vor mir gehen", sagte Harry ihr. Er schaute sie bedeutungsvoll an und wartete darauf, dass sie sich bewegte.

Sie lächelte ihn süß an und ging um Harry herum und den Flur entlang. Sie schaute hinter sich und sah Harry nur ein oder zwei Schritte hinter sich. Als sie wieder nach vorne schaute, hörte sie, wie seine Fußschritte sich beschleunigten. Sie hatte das Gefühl, dass er es ihr zurückzahlen wollte. Ohne nach hinten zu schauen, ging sie noch einen Schritt, blieb dann stehen, stellte sich fest hin und lehnte sich zurück, wobei sie ihren Kopf zur Seite drehte, um zu vermeiden, Harry damit zu treffen. Stattdessen traf ihre Schulter leicht gegen seine Brust. Sie wollte ihm nicht wehtun.

Harry stieß ein überraschtes "Umpf" bei dem Zusammenprall aus. „Es reicht", sagte er. Ginny fühlte, wie seine Arme sie umdrehten, so dass sie ihn anschaute. Er ging leicht in die Knie, legte einen Arm unter ihre Kniekehlen und warf sie sich dann ohne viel Federlesen über die Schulter. „Du hast es so gewollt."

Ginny kreischte überrascht auf und befahl lachend: „Lass mich runter."

„Das denke ich nicht", erwiderte Harry selbstzufrieden und lief weiter. „Du hattest offensichtlich Probleme zu laufen. Ich wollte nicht, dass du dich verletzt, also dachte ich, dass ich dir helfe."

„Mein Held", sagte Ginny gespielt verzückt. „Jetzt lass mich runter." Sie fühlte sich recht unwohl, so durch die Gegend getragen zu werden. Ihr einziger Trost war es, dass die Flure noch immer leer waren. Wenigstens war niemand da, um ihren Arsch in der Luft zu sehen.

„Nein", sagte Harry. „Das wird nicht passieren."

„Bitte?", bat Ginny. Sie fragte sich, ob ihr Gewicht ihn nicht anstrengen musste.

„Nein."

„Ich verspreche, dass ich ein braves Mädchen sein werde", schwor Ginny mit ihrer unschuldigsten Stimme.

„Klar", gab Harry sarkastisch zurück. „Das wird der Tag sein."

„Hey!", protestierte Ginny und gab Harry einen Klaps auf seinen Po. Sie konnte nicht anders als zu bemerken, wie fest er sich anfühlte. Sie schaute hinunter und bewunderte ihn einen Moment lang.

„Ohh, du bist ein freches kleines Ding, nicht wahr?", neckte Harry und erntete damit einen weiteren Klaps.

„Noch einmal!"

„Du bist krank, Potter", schimpfte Ginny stattdessen. Sie war froh, dass er ihr Gesicht nicht sehen konnte, denn sie konnte fühlen, wie es immer röter wurde.

Harry näherte sich einer Treppe und schleppte sich mühsam hoch. Er begann schwer zu atmen, als würde er eine schwere Last tragen und ließ Ginny sich wieder über ihr Gewicht wundern. Dann erinnerte sie sich, mit wem sie es zu tun hatte und gab ihm einen weiteren harten Klaps auf den Po.

„Hey, der hat weh getan", beschwerte Harry sich gutgelaunt.

„Du hast es verdient", erwiderte Ginny.

„Okay, okay", gab er zu und gab das Schauspiel auf. „Du wiegst praktisch nichts", kommentierte er. Als ob er seinen Standpunkt unterstreichen wollte, ging er schneller, stürmte die letzten Treppen hoch und joggte den Flur im siebten Stock entlang.

„Harry", kreischte Ginny und brach dann in lautes Gelächter aus. Sie lachte noch immer, als sie das Porträt von Barnabas dem Bekloppten erreichten, der den Eingang zum Raum der Wünsche markierte. Harry lief auf und ab, Ginny noch immer über der Schulter. „Hey, Heldenjunge! Wir sind da; du kannst mich jetzt runterlassen."

Ja, Ma'am", erwiderte Harry. Er ging brav in die Knie und lehnte sich leicht nach vorne, um Ginnys Füßen zu erlauben, den Boden zu berühren.

„Schon besser", sagte Ginny, als sie sich aufrichtete. Sie ging zu der eben erschienenen Tür, um sie zu öffnen, aber sie wurde aufgehalten, als Harry sie am Arm packte, um sie zurück zu ihm zu ziehen. Als sie herumwirbelte, um ihn anzuschauen, fand sie sich in seiner Umarmung wieder. Sie legte ihre Arme um seine Hüfte, um die Geste zu erwidern.

„Danke", flüsterte Harry in ihr Haar.

Ginny musste ihn nicht fragen, warum er ihr dankte. Sie drückte ihn fest und antwortete: „Gern geschehen, Harry."

Die beiden betraten ihren Trainingsraum und begannen ihre übliche Morgenroutine. Ginny war ziemlich zufrieden, zu sehen, wie Harry sie mit einem Lächeln auf dem Gesicht anschaute, als er einen weiteren Klimmzug absolvierte. Es war eine Erleichterung, Harry wieder lächeln zu sehen und befriedigend zu wissen, dass sie diejenige war, die das Lächeln auf sein Gesicht gezaubert hatte.

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Harry schaute sich im Spiegel an, als er mit dem Kamm durch sein Haar fuhr. Er legte den Kamm nieder und schüttelte leicht den Kopf, um den Eindruck des "Gerade-gekämmt-sein" zu verlieren. Er grinste sein Spiegelbild an und schritt aus dem Raum. Er setzte sich auf eine Bank und klopfte müßig mit seinem Fuß, während er in seine Gedanken versank. Er war darauf bedacht, die Richtung, die seine Gedanken nahmen, zu kontrollieren, da er nicht die Schrecken der vorigen Nacht ein weiteres Mal erleben wollte.

Stattdessen dachte er an Ginny, der Grund, warum er auf einer Bank saß und darauf wartete, zur Großen Halle zu gehen. Natürlich war sie auch der Grund, warum er das mit einem Lächeln auf dem Gesicht tat. Sie hatte ziemlich effektiv seine Laune gehoben, und Harry hatte nicht die geringste Ahnung, wie sie das getan hatte. Nicht, das er sich beschwerte.

Dann wiederum hatte Ginny in letzter Zeit ein Talent dafür, seine Gedanken in Anspruch zu nehmen. Er hatte sich dabei ertappt, zur Zeit oft an sie zu denken und dachte an den Ratschlag, den Remus ihm gegeben hatte. Wenn sein Leben nur so einfach wäre. Es gab viele Dinge in seinem Leben, von denen sie nichts wusste und Remus ... Nun, wenn er von der Prophezeiung oder dem Training, dass Harry sich auferlegt hatte, wüsste, würde er die Situation wahrscheinlich auch nicht als so simpel ansehen.

Ginny betrat in dem Moment den Raum. „Bereit?", fragte sie ihn.

„Ja", antwortete er. „Lass uns runtergehen." Harry stand auf und trat zur Tür. Er hielt an, als er merkte, dass Ginny ihm nicht folgte. Er drehte sich zu ihr um und zog eine Augenbraue hoch.

„Was? Du meinst, ich muss runterlaufen?", fragte sie ungläubig. „Du bist mir vielleicht ein Held."

„Ich kann dich tragen, wenn du möchtest", drohte Harry und trat einen Schritt auf sie zu.

„Schon okay", sagte sie schnell. „Ich möchte ja nicht, dass du dich überanstrengst."

Harry schnaubte: „Klar." Er hielt ihr seinen Arm hin und sie ging zu ihm, um ihren Arm mit seinem zu verhaken. Die beiden liefen zusammen aus dem Zimmer und die Flure entlang zur Großen Halle. Sie gingen durch die Halle zum Gryffindortisch und setzten sich an der Mitte des langen Tisches nebeneinander hin. Der Raum begann sich gerade erst mit Schülern zu füllen und war daher noch ziemlich leer. Die beiden begannen auf ihren jeweiligen Teller Essen zu häufen und widmeten sich dann enthusiastisch ihrem Frühstück.

Als sie ihr Frühstück halb fertig gegessen hatten, kamen Ron, Hermine und Neville zu ihnen an den Tisch. „Euch allen einen guten Morgen", grüßte Harry sie.

„Wieso bist du so gutgelaunt", fragte Ron mürrisch, als er sich auf die Bank ihnen gegenüber setzte.

Harry schaute zu Ginny hinüber und lächelte sie an, was sie erwiderte. „Nichts", antwortete Harry wieder an Ron gewandt. „Ich hatte heute Morgen nur ein gutes Workout."

Ron ignorierte ihn und begann sofort zu essen. Hermine schaute ihn einen Moment lang fragend an, als würde sie versuchen, etwas herauszufinden. Sie begann dann methodisch ihren Teller zu füllen und fing an zu essen. Die Mahlzeit verging so normal wie möglich, mit Ron, der sich darüber beschwerte, dass der Unterricht wieder begann, bis dann die Morgenpost ankam.

Als Hermine der Eule, die den Tagespropheten auslieferte, einen Knut bezahlte und sie die Zeitung aufschlug, versteifte sich Harrys Körper und er blickte starr nach vorne. Er hörte, wie Hermine scharf einatmete, als sie die Überschrift auf dem Titelblatt las. Harry brauchte den Titel nicht zu lesen, um den Inhalt des Artikels zu kennen. Er fühlte, wie seine linke Hand sanft gedrückt wurde und schaute zu Ginny hinüber, die ihn besorgt beobachtete. Er warf ihr ein trauriges Lächeln zu und sie drückte seine Hand ein weiteres Mal sanft, als Hermine die Zeitung durchblätterte und anfing, laut vorzulesen.

Ginny hielt Harrys Hand, als Hermine ihn unwissentlich zwang, die furchtbare Vision, die er erst vor wenigen Stunden gehabt hatte, noch einmal zu durchleben. Er fühlte, wie Ginnys Daumen Kreise auf dem Knöchel seines eigenen Daumens zeichnete und konzentrierte sich auf dieses Gefühl, während er versuchte, Hermines Stimme auszublenden. Die Zeit verging und Harry hörte kaum ein Wort, dass um ihn herum gesprochen wurde. Schon bald stieß Ginny ihm in die Seite, um ihn aus seinen Gedanken zu reißen, da Hermine versuchte, seine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

„Komm Harry, oder wir werden zu spät zu Verwandlung kommen." Harry nickte ihr zu und wandte seinen Kopf dann zu Ginny. „Danke", sagte er lautlos und drückte ihre Hand, bevor er von der Bank aufstand.

Sie lächelte als Antwort warm und stand ebenfalls von ihrem Platz auf. „Was hast du jetzt? Doppelstunde Zaubertränke?", fragte er rhetorisch. Er zog eine Grimasse: „Viel Glück damit."

„Danke, Harry", antwortete sie. Die Gefühle in ihrer Stimme waren am ehesten als Dankbarkeit für seine Sympathie und Entsetzen über ihr wartendes Schicksal zu beschreiben. Er schubste sie spielerisch, als sie zu der Doppeltür liefen, die zur Eingangshalle führte. Sie drehte sich zu ihm und brach in Gekicher aus über die Ironie der Situation. „Danke, Harry", wiederholte sie in einem lebendigeren Tonfall.

Harry lächelte sie breit an, als sich ihre Wege trennten. Er war glücklich und stolz, dass er ihr ebenfalls hatte helfen können. Der Verwandlungsunterricht kam und verging. Hermine ging zu Arithmantik, und Harry lehnte ab, mit Ron und Neville zurück zum Gemeinschaftsraum zu gehen und zog es vor, sich in sein Büro zurückzuziehen, um weiter über Legilimentik zu lesen.

Harry aß sein Mittagessen mit Ginny und ihren Freunden, bevor er mit Ron für Pflege magischer Geschöpfe auf die Ländereien hinausging. Sie verbrachten die Unterrichtsstunde damit, die Dinge zu wiederholen, welche sie im vorigen Semester durchgenommen hatten. Doch Hagrid erwähnte, dass er in diesem Semester eine „tolle Überraschung" für sie hatte. Harry tauschte einen besorgten Blick mit Ron aus und sie fragten sich beide, welche Monstrosität Hagrid dieses Mal mitbringen würde.

Nachdem die Stunde vorbei war, stieg Ron den Nordturm für Wahrsagen hinauf, während Harry sich zum Raum der Wünsche zurückzog. Er hatte den Raum für etwa zwei Stunden für sich selbst, bis Ginny sich ihm anschloss. Sie würden sich heute wieder auf die zauberstablose Magie konzentrieren. Sie machte nicht so schnelle Fortschritte, wie er das gemacht hatte, aber sie machte definitiv Fortschritte, dann wiederum, als er es zuerst gelernt hatte, hatte er nichts anderes zu tun gehabt als den ganzen Tag lang zu üben.

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Am nächsten Morgen hatte Harry die ersten VgdDK- und Zaubertränkeunterrichtstunden des neuen Semesters. Die erste verging gut, wenn sie auch ein wenig langweilig war. Harry freute sich nicht auf Zaubertränke oder genauer gesagt: auf Unterricht mit Snape. Als er das Verteidigungsklassenzimmer verließ, verabschiedeten Ron und Neville sich von ihm. Neville verabschiedete sich auch von Hermine, Ron dagegen nicht, da er noch immer keine positiven Gefühle für Hermine hatte. Er ignorierte sie nicht mehr vollständig, aber er versuchte noch immer, wann immer es möglich war zu vermeiden, mit ihr zu reden. Harry war leicht überrascht, dass sie nicht mehr gestritten hatten. Er nahm an, dass Hermines verändertes Verhalten die Ursache war. Sie schien es nicht eilig zu haben, sich wieder mit Ron zu vertragen, auch wenn Harry vermutete, dass es eher etwas mit ihrer Verwirrung zu tun hatte.

Er und Hermine waren unter den ersten, die das Klassenzimmer betraten. Als der Beginn des Unterrichts unmittelbar bevorstand, kam Malfoy durch die Tür, ein Pergament in seiner Hand. Da er die Karte in letzter Zeit nicht begutachtet hatte, fragte sich Harry, ob der Zauber, den er auf den Türrahmen gelegt hatte, noch immer aktiv war. Er und Ginny hatten seit dem Semesterende keine neuen Streiche mehr hinzugefügt. Wenn auch keiner von ihnen das Thema ansprach, war Harry doch der Meinung, dass es besser war, die Dinge etwas abkühlen zu lassen, bevor Malfoy zu wütend, frustriert oder verzweifelt wurde. Verzweifelt sein war gefährlich. Harry erwartete, dass er dem Pfad seines Vaters folgen würde, aber selbst so wollte er nicht verantwortlich dafür sein, Malfoy auf diesen Weg getrieben zu haben.

Als Malfoy sich an seinen Tisch setzte und das Pergament auseinanderrollte, entdeckte Harry, dass der Zauber noch immer aktiv war. Er behielt einen ausdruckslosen Gesichtsausdruck bei, als Malfoy zu Snapes Tisch trat und das Pergament vor dessen Nase hin und her wedelte. Snapes Augen verengten sich und er drehte seinen Kopf, um Harry anzublicken: „Mr. Potter. Sie kommen hierher und geben mir ihren Zauberstab."

Harry drehte sich zu Hermine und sah, wie sie ihn mit einem kalkulierenden Blick im Gesicht musterte. Sie sah auch ein wenig besorgt aus, so als würde er gleich bei einem noch zu bestimmenden Regelbrechen erwischt werden. Harry zuckte mit den Schultern, stand von seinem Platz auf und trat nach vorne. Er ließ seinen Zauberstab aus seinem Halfter fahren und zeigte ihn dem Mann: „Darf ich fragen, um was es hier geht?"

„Sie werden mich in meinem Klassenzimmer mit dem angemessenen Respekt ansprechen", schnappte Snape.

„Schön", sagte Harry mit zusammengebissenen Zähnen. „Darf ich fragen, um was es hier geht, Sir?"

„Jemand hat Mr. Malfoy einen Streich gespielt", spuckte Snape. „Ich habe seinen Aufsatz diesen Morgen kontrolliert, um sicherzugehen, dass er ihn geschrieben hat und gerade hat er mir gezeigt, dass sein Aufsatz ausgelöscht worden ist und hat damit meinen Verdacht bestätigt, das jemand diesen und den letzten Aufsatz ausradiert haben muss. Du hast immer gedacht, dass du über den Regeln stehst, aber ich werde dich für die Sabotage von der harten Arbeit eines anderen Schülers aus der Schule hinauswerfen lassen."

Harry musste ein Schnauben unterdrücken. Verweisung der Schule für die Sabotage von der harten Arbeit eines anderen Schülers? Wenn das die Strafe wäre, wäre Slytherin ein ziemlich kleines Haus und Snape hätte keinen Job auf Hogwarts. Trotz seiner Beteiligung an dem Streich war Harry nicht besorgt. Er konnte nicht mit ihm in Verbindung gebracht werden, besonders nicht durch seinen Zauberstab, da die Zauber alle zauberstablos gesprochen worden waren. Snape würde nichts finden, um ihn zu belasten. Harry bezweifelte, dass das den Mann davon abhalten würde, zu versuchen, ihn zu bestrafen, aber er war darauf vorbereitet, sich ihm entgegenzustellen.

„Prior Incantato," sagte Snape und stieß mit seinem Zauberstab in Richtung von Harrys, welchen der Mann in seiner linken Hand hielt. Alles, was der Zauberstab zeigte, waren ein paar Basisflüche, die er am Ende des VgdDK-unterrichts in einem Duell verwendet hatte. Snape schaute den Zauberstab finster an und schaute dann zu Harry, wobei sein finsterer Blick einem höhnischem Lächeln wich. Unbeirrt wandte der Mann sich an Malfoy: „Wo waren Sie, als das Pergament verändert wurde?"

„Ich habe es im Korridor geprüft, bevor ich das Klassenzimmer betreten habe", erklärte Malfoy. „Als ich es noch einmal an meinem Schreibtisch überprüft habe, war die ganze Tinte verschwunden."

Snape nickte und ging zu Malfoys Tisch. Harry blieb vorne im Raum stehen. Snape hatte noch immer seinen Zauberstab in der linken Hand. Der Mann wedelte mit seinem Zauberstab über Malfoys Tisch und runzelte dann die Stirn. Er schüttelte leicht seinen Kopf und ging dann zur Tür. Er wedelte den Zauberstab ein weiteres Mal und dieses Mal breitete sich ein böses Grinsen auf seinem Gesicht aus. Er wedelte seinen Zauberstab aufgeregt über den Türrahmen und stieß diesen dann in Richtung von Harrys Zauberstab. Sein Gesicht nahm einen enttäuschten Ausdruck an, aber sofort tauchte ein verärgerter und finsterer Blick auf seinem Gesicht auf. Er ging zielstrebig zurück nach vorne und wedelte mit seinem Zauberstab über die Tafel: „Die Anweisungen für den heutigen Zaubertrank. Es gibt keinen Grund, warum einer von Ihnen reden sollte. Mr. Malfoy, zurück an Ihren Tisch. Mr. Potter, folgen Sie mir."

Warum war er nicht überrascht? Snape schleppte Harry eindeutig zum Büro des Schulleiters, um zu versuchen, seine Drohung wahr werden zu lassen, die Tatsache ignorierend, dass er nicht in der Lage war, Harry mit den Streichen in Verbindung zu bringen. Als Snape aus dem Klassenzimmer stürmte, folgte Harry in seinem Windschatten. Wo Snapes Gang von seiner Wut und Frustration zeugte, war Harrys ganz ruhig. Für einen Mann, der angeblich so ein fähiger Okklumentiker war, hatte Snape einige Probleme, seine Emotionen zu kontrollieren, welche praktisch aus ihm herausströmten.

Als sie den steinernen Wasserspeier erreichten, der den Eingang zum Büro des Schulleiters bewachte, spuckte Snape das Passwort aus und Harry musste ein Lachen unterdrücken. Harry hatte nicht gewusst, dass die Worte „Jelly-Belly-Geleebohnen" mit so viel Abscheu ausgesprochen werden konnten. Snape stampfte die Treppe nach oben, sich nicht darum kümmernd, ob Harry ihm folgte oder nicht. Harry trat auf die Steintreppe und ließ sich nach oben zu der Tür des Schulleiters tragen. Als Harry es nach oben geschafft hatte, war Snape bereits hineingestürmt und ging hin und her, während er Harrys Charakter in der Luft zerriss: „ ...zum letzten Mal! Der Junge missachtet die Regeln bei jeder Gelegenheit. Er ist schlimmer als sein Vater und sein räudiger Köter eines Paten."

Harry brauchte all seine Selbstkontrolle, um den Mann nicht sofort zu verfluchen, scheiß auf die Konsequenzen. Hätte Snape seinen Zauberstab nicht konfisziert, hätte er es vielleicht gemacht. Stattdessen trat er mit zwei großen Schritten in den Raum und unterbrach Snapes Tirade: „Ich wäre vorsichtig mit dem, was ich sage, wenn ich an Ihrer Stelle wäre."

Snape drehte sich auf dem Absatz herum, ein wildes Leuchten in seinen Augen. Er hob seinen Zauberstab, so dass dessen Spitze auf Harry gerichtet war: „Oh wirklich? Und wieso?"

„Sie erleben es vielleicht, dass Sie Ihre Worte bedauern, dann wiederum, vielleicht erleben Sie es auch nicht", sagte Harry ruhig und schaute dem Mann fest in die Augen.

Harry konnte sehen, wie Snapes Fingerknöchel sich weiß färbten, als er den Griff um den Zauberstab festigte: „Drohst du mir?"

Harry zog eine Augenbraue hoch. „Wie könnte ich Ihnen drohen? Ich habe nicht einmal einen Zauberstab. Es scheint mir so, als wären Sie derjenige, der einen Zauberstab auf mich gerichtet hat und bereit ist, anzugreifen. Sehr bedrohlich, dass versichere ich Ihnen", sagte er im Plauderton.

Snapes Gesicht nahm eine rote Farbe an und er bewegte seinen rechten Arm, als würde er einen Zauber ausführen wollen.

„Genug", hallte Dumbledores Stimme voller Autorität durch das Zimmer.

Snapes Arm fiel hinunter an seine Seite, aber er schaute Harry weiter hasserfüllt an. Harry drehte seinen Körper zum Schulleiter, wobei er Snape seinen Rücken zuwandte, als er den Mann grüßte: „Guten Morgen, Professor Dumbledore."

„Guten Morgen, Harry", grüßte der Professor ebenfalls. „Vielleicht möchtest du mir erklären, wieso du zu dieser Uhrzeit in meinem Büro bist?"

„Ich werde mein bestes versuchen", erwiderte Harry. „Ich war im Zaubertränkeunterricht und habe meinen Arbeitsplatz vorbereitet, als Draco Malfoy den Raum betrat. Nachdem er zu seinem Schreibtisch ging, lief er nach vorne und sagte etwas darüber, dass etwas auf seinem Pergament ausgelöscht worden war. Ich bin mir nicht ganz sicher was er sagte, da ich nur Teile ihrer Unterhaltung hörte." Harry konnte hören, wie Snape hinter ihm hin- und herging, aber er schenkte dem Mann keine Aufmerksamkeit und fuhr mit seiner Geschichte fort. „Sn... Professor Snape hat mich nach vorne gerufen und mich nach meinem Zauberstab gefragt - welchen er mir noch immer nicht zurückgegeben hat - und hat Prior Incantato an ihm angewendet. Er hat nicht die Ergebnisse bekommen, die er erhofft hatte. Er fragte Draco, wo er gewesen war, als das Pergament beeinträchtigt worden war und Draco war sich nicht sicher, aber dachte, dass es irgendwo zwischen der Tür und seinem Tisch geschehen ist."

Hinter ihm begann Snape leise vor sich hin zu murmeln, aber Harry tat sein bestes, ihn auszublenden. Er war sich sicher, dass der Mann seinen Namen zusammen mit dem seines Vaters und Sirius' verfluchte. Es gab also keinen Grund, Snape zuzuhören. „Professor Snape ging dann zu Dracos Tisch und bewegte seinen Zauberstab einige Male über ihn. Ich nehme an, dass er nach verbliebenen Magiespuren suchte. Ich glaube nicht, dass er welche am Tisch gefunden hatte, daher ging er als nächstes zur Tür. Es sah so aus, als hätte er dort etwas gefunden, auch wenn ich mir nicht sicher bin, was. Er hat einen anderen Zauberspruch verwendet, den ich nicht kenne. Er hat mit seinem Zauberstab über die Tür gewedelt und dann mit diesen auf meinem Zauberstab gezeigt. Ich glaube nicht, dass es ihm die Ergebnisse gegeben hat, die er gesucht hat."

„Weil er einen Weg gefunden hat, seine Magische Signatur zu verbergen", rief Snape voller Hass. „Der Junge ist ein Unruhestifter. Er hat nun schon zweimal die Arbeit eines anderen Schülers zerstört und behindert damit Mr. Malfoys Fähigkeit, zu lernen. Ich will, das er sofort der Schule verwiesen wird."

Harry drehte sich nicht einmal um, um Snapes Anwesenheit anzuerkennen. Er schaute weiterhin den Schulleiter an, neugierig, wie der Mann die Situation handhaben würde.

Dumbledore blickte müde über seine Halbmondbrille zu seinem Zaubertrankmeister. Harry konnte kein Mitleid für den Mann empfinden, trotz der Tatsache, dass er die Situation kreiert hatte, indem er Malfoy einen Streich gespielt hatte. Soweit es ihn anging, verdiente Snape alles, was ihm widerfahren würde, und der Schulleiter verdiente es, sich mit Snapes Mist auseinandersetzen zu müssen. Schließlich war er derjenige, der Snape den Job gegeben hatte, unabhängig davon, wie unqualifiziert Snape war, zu unterrichten. Außerdem schien er wenig Probleme damit zu haben, Harry jeden Tag mit Snapes unbegründeten Hass auf ihn fertig werden zu lassen. Nein, Harry hatte überhaupt kein Mitleid mit dem Mann.

„Harry", der Schulleiter drehte seinen Kopf zu ihm, um ihn anzusprechen. „Habe ich Recht, wenn ich sage, dass du eine Freistunde vor dem Mittagessen hast?"

„Ja, Sir", erwiderte Harry, leicht überrascht, dass Dumbledore seinen Stundenplan auswendig kannte. Er fragte sich, wie viel Aufmerksamkeit Dumbledore ihm schenkte?

„Nun gut. Severus, geh zurück ins Klassenzimmer. Harry und ich werden am Ende des Unterrichts hinunterkommen und die Sache untersuchen." Der Ton des Schulleiters war ruhig, ließ aber keinen Widerspruch zu.

„Ja, Schulleiter", brachte Snape mit zusammengebissenen Zähnen hervor. Er drehte sich auf dem Absatz um und hatte die Tür gerade erreicht, als Harry sich zu Wort meldete.

„Mein Zauberstab, Sir", sagte er und streckte seine Hand aus.

Snape erstarrte, seine Hand am Türknauf. Er blieb so mehrere Sekunden stehen, bevor er Harrys Zauberstab auf einen in der Nähe stehenden Tisch legte und aus dem Büro stürmte. Harry ging ruhig zum Tisch, nahm seinen Zauberstab an sich und ließ ihn wieder in den Halfter gleiten. „Darf ich gehen oder möchten Sie, dass ich hier bei Ihnen bleibe, bis der Unterricht zu Ende ist?", fragte er an den Schulleiter gewandt. Er hielt seinen Tonfall neutral, so als wäre ihm die Antwort gleich.

Der Schuleiter seufzte: „Ich denke, um den Schein zu wahren wäre es das Beste, wenn du hier bleiben würdest. Bis zum Ende der jetzigen Unterrichtsstunde sind es", Dumbledore holte eine Taschenuhr aus seinen Roben hervor, „nur noch dreißig Minuten."

Harry nickte und schritt wieder zurück hinein ins Zimmer. Er bemerkte Fawkes auf seiner Sitzstange sitzend und ihn anschauend und Harry ging zu dem Vogel. Er hielt seine Hand aus, so dass Fawkes diese sanft berühren konnte, bevor Harry seine Finger durch Fawkes Federn gleiten ließ. Er fuhr fort, den Phönix liebevoll zu streicheln, als Harry sich an den Schulleiter wandte: „Wie haben Sie Fawkes gefunden, Sir? Ich hoffe, es macht Ihnen nichts aus, das ich frage."

„Es war nicht ich, der Fawkes gefunden hat", erwiderte dieser nach einer kurzen Pause. Er war kurz in sich versunken, als sei er in einer Erinnerung versunken. Harry konnte nicht sagen, ob es eine gute war oder nicht. „Es war Fawkes, der mich gefunden hat. Oder besser gesagt, mich gerettet hat."

„Gerettet?", fragte Harry fasziniert.

„So ist es. Fawkes ist der einzige Grund, warum ich heute am Leben bin", sagte er Harry nüchtern. Kein Funkeln war in den Augen des Mannes zu sehen. Tatsächlich, dachte Harry, sahen sie für einen Augenblick gequält aus. „Wie viel weißt du über den Großen Krieg in den '40er Jahren mit Grindelwald?"

„Ähh ... Ich weiß, dass Sie ihn besiegt haben", sagte Harry lahm und erkannte, dass das wirklich alles war, was er über dieses Thema wusste.

„Es war eine sehr dunkle Zeit", erklärte Dumbledore. „Der größte Unterschied zwischen Grindelwald und Voldemort ist, dass Grindelwald offen Krieg erklärt hatte und auf einem Kriegsschauplatz kämpfte. Tom zieht einen subtileren Krieg vor. Er greift in tiefster Nacht schutzlose Opfer an. Tom verbreitet Terror, und das ist der Grund, warum so viele seinen Namen fürchten. Aber täusche dich nicht: Grindelwald war genauso mächtig, und viele gute Zauberer und Hexen starben im Großen Krieg."

Harry war sich unsicher, was er von der Geschichte oder vom Tonfall des Schulleiters halten sollte, doch er konnte nicht anders als aufmerksam zuzuhören, als der Mann fortfuhr: „Grindelwald und ich haben uns während des Verlaufes des Krieges mehrmals duelliert und wir waren uns ebenbürtig. Der Unterschied zwischen uns beiden war, dass er der einzige Anführer seiner Truppen war. Ich war höchstens ehrenhalber ein Anführer. Grindelwalds Armee wäre ohne seine Führung auseinandergefallen. Mein Verlust wäre von unserer Armee gefühlt worden, aber es gab andere Anführer. Ich wusste, dass ich Grindelwald beseitigen musste, wenn ich eine Gelegenheit haben würde, egal zu welchem Preis."

Der Schulleiter stand auf und trat zu seinem geliebten Phönix. Seine Augen funkelten, aber es war nicht das Funkeln, das Harry gewohnt war. Er erkannte, dass der Schulleiter Tränen in den Augen hatte. Er trat einen halben Schritt zurück und sah zu, wie Dumbledore seinen Arm für Fawkes ausstreckte, der sich in die Berührung des Mannes hineinlehnte und eine tiefempfundene Note trillerte. Der Phönix erhob sich von seiner Sitzstange und ließ sich auf Dumbledores Schulter nieder, wo er leise und sanft sang.

„Wir sind uns wieder auf dem Schlachtfeld gegenübergestanden und die Gelegenheit bot sich an. Er war aus dem Gleichgewicht, und als er begann, den Todesfluch zu zaubern, hatte ich die Wahl: Ich konnte ausweichen oder ich konnte den Feind ausschalten und mich dabei opfern. Ich habe letzteres gewählt."

Fawkes trillerte einen traurigen Ton und rieb seinen Kopf liebevoll an Dumbledores Wange. „Es war das erste und das letzte Mal, dass ich einen Unverzeihlichen angewendet habe", sagte er nach einem Moment der Stille. „Mein einziger Trost zu diesem Zeitpunkt war, dass ich wusste, dass mein Opfer nicht umsonst gewesen war." Harry war sich nicht sicher, ob er das Opfer seines Lebens oder seiner Prinzipien meinte, als er den Fluch benutzte. Er hatte das Gefühl, das es beides war. „Gerade als das grüne Licht mich treffen würde, tauchten Flammen vor mir auf und Fawkes fing den Fluch ab."

Er ging wieder zurück hinter seinen Schreibtisch und setzte sich langsam wieder auf seinen Stuhl. Harry setzte sich auf den Sessel vor dem Schreibtisch. „Der Kampf wurde um mich herum noch immer ausgetragen, aber ich habe davon nichts mitbekommen. Ich schaute hinunter und sah, wie ein nacktes Küken aus der Asche vor meinen Füßen auftauchte. Ich bückte mich, nahm es in meine Hand und hielt es an meine Roben", der Schulleiter hielt hier wieder in seiner Geschichte inne und Harry fühlte sich wie erstarrt, während er dem müden alten Mann zuschaute, der selbst fünfzig Jahre später seine inneren Dämonen bekämpfte.

Dumbledore schüttelte sich aus seinen Gedanken. „Ich habe das Schlachtfeld kurz danach verlassen und habe Fawkes mitgenommen. Ich habe mich um ihn gekümmert, bis er wieder seine ausgewachsene Größe hatte. Es war das mindeste, was ich für ihn tun konnte. Ich hatte erwartet, dass Fawkes gehen würde, sobald er konnte, aber er tat es niemals. Er hat mir durch die Nachwehen des Krieges geholfen und er ist seitdem ein ständiger Quell des Trostes und der Beratung", sagte er voller Zuneigung und streckte sich, um Fawkes direkt unter seinem Schnabel zu kraulen, was ihm einen kurzen Liedausschnitt einbrachte.

Harry war neugierig über die letzte Aussage. Trost konnte er verstehen. Das Phönixlied beruhigte immer seine Sorgen und ließ ihn sich besser, zufriedener fühlen. Beratung auf der anderen Seite verstand er nicht ganz: „Beratung, Sir?"

„So ist es, Harry", erwiderte der Schulleiter und schaute ihn an.

„Sie können also mit Fawkes kommunizieren?", fragte er.

„So einfach ist es nicht, fürchte ich", erklärte Dumbledore. „Ich bin der Meinung, dass Fawkes alles versteht, was wir sagen." Als ob er es bestätigen wollte, trillerte der Phönix einen kurzen Ton. Das Lied beinhaltete keine Worte, aber Harry hatte den Eindruck, als würde Fawkes seine Zustimmung signalisieren. „Ich denke, Fawkes hat deine Frage gerade besser beantwortet, als ich das jemals könnte." Harry zog eine Augenbraue fragend hoch. „Hast du es nicht gefühlt?"

Harry hielt einen Moment inne, bevor er antwortete: „Es hat sich so angefühlt ...als ob Fawkes ihnen zustimmen würde, aber ich weiß nicht genau, warum."

Dumbledores Bart zuckte, als ein Lächeln sich auf seinem Gesicht ausbreitete: „Ja, ich erinnere mich, dass es anfangs eine merkwürdige Erfahrung war. Soweit ich weiß, hat Fawkes keine Möglichkeit, tatsächlich mit Menschen zu reden, aber er hat seinen eigenen Weg der Kommunikation, wie du gerade gesehen hast. Wenn ich eine schwere Entscheidung vor mir habe, wende ich mich oft an Fawkes für einen Ratschlag, um sicherzugehen, dass ich die richtige Entscheidung treffe. Ich könnte keinen besseren Vertrauten oder Ratgeber haben. Ich wünschte nur, dass ich öfters auf ihn hören würde."

„Sir?", fragte Harry. Er fühlte sich, als würde er schnüffeln, aber dann wiederum hätte der Schulleiter es wahrscheinlich nicht angesprochen, wenn er nicht wollen würde, dass er es weiß.

„Fawkes war in den letzten anderthalb Jahren oft enttäuscht", erklärte Dumbledore kryptisch. „In diesen Momenten sagte ich mir selber, das Fawkes nur über die Wendung, die der Krieg genommen hatte, aufgebracht war, aber selbst dann hörte es sich ein wenig leer an. Ich glaube, dass Fawkes mit vielen meiner Entscheidungen im letzten Jahr nicht einverstanden war und ich hätte auf ihn hören sollen."

Harry wunderte sich über die Ursache von Fawkes Meinungsverschiedenheit. Er vermutete, dass er eine ziemlich gute Idee haben könnte, aber warum sprach der Schulleiter es jetzt wieder an? „Und was sagt er nun?", fragte Harry ihn. Er wartete mit angehaltenem Atem auf die Antwort.

Der Schulleiter seufzte müde. „Ich bin auf dem richtigem Weg, aber mir steht noch ein langer Weg bevor", gab er erschöpft zu.

Als Fawkes seinen Schnabel an Dumbledores Wange rieb, schaute Harry auf seine Hände in seinem Schoß hinunter. Bis zu diesem Moment hatte er sich nicht schuldig gefühlt, den Schulleiter oder seine Freunde zu täuschen. Er fragte sich, was Fawkes ihm sagen würde, wenn er die Gelegenheit hätte. Harry schaute wieder hoch und erwiderte den Blick des Mannes: „Ich bin mir sicher, dass er versteht, dass es nicht einfach ist, sich zu verändern und dass er froh ist, dass Sie es versuchen."

Dumbledore lächelte ein wenig breiter und das Funkeln in seinen Augen kehrte andeutungsweise zurück: „Ich bezweifele nicht, dass er das ist." Er holte seine Taschenuhr wieder aus seinen Roben hervor. „Ich denke, wir gehen am besten hinunter zum Zaubertrankklassenzimmer, der Unterricht sollte bald beendet sein."

Harry nickte antwortend und stand von seinem Platz auf. Als Dumbledore dasselbe tat, flog Fawkes zurück zu seiner Sitzstange. Die beiden Zauberer verließen den Raum schweigend. Nach dieser letzten Unterhaltung hatte Harry eine Menge, über das er nachdenken konnte, und der Schulleiter schien zufrieden damit zu sein, Harry die Zeit zu geben, um die Dinge zu verarbeiten. Die Erfahrung verfolgte ihn offensichtlich noch immer. Harry fragte sich, mit wie vielen Menschen Dumbledore diese Geschichte geteilt hatte. Er bezweifelte irgendwie, dass viele Menschen die volle Geschichte kannten, wie Dumbledore Grindelwald besiegt hatte, und er fühlte sich geehrt, einer davon zu sein.

Er wusste aber, dass es einen Grund gab, warum Dumbledore sich entschlossen hatte, die Geschichte mit ihm zu teilen. Er versuchte offensichtlich seine Beweggründe zu zeigen, warum er versuchte, Harry vor seinem Schicksal zu schützen, aber er dachte, dass es mehr als das war. Versuchte der Schulleiter, ihn auf seine Rolle im Krieg vorzubereiten? Ihn darauf vorzubereiten, wie es sich anfühlen würde, verantwortlich dafür zu sein, ein Leben zu nehmen? Der Gedanke ließ Harry schaudern. Harry hatte keinen Zweifel, dass Voldemort getötet werden musste, dieses Mal wirklich. Doch er zog es vor, nicht zu viel darüber nachzudenken. Er würde tun, was nötig ist und sich danach über die Folgen Gedanken machen.

Sie erreichten das Zaubertränkeklassenzimmer gerade, als die Schüler ihn verließen. Harry nickte allen bis auf ein paar Slytherins begrüßend zu. Er lächelte ein wenig und zuckte mit den Schultern, als er Hermines fragenden Blick sah. Von ihrem Gesichtsausdruck schloss er, dass er ernste Schwierigkeiten hatte. Sie warteten, bis alle Schüler das Zimmer verlassen hatten, bevor sie eintraten. Snape stand mit einem bösartigen Blick ungeduldig vor seinem Schreibtisch. Harry behielt einen neutralen Gesichtsausdruck aufrecht, als er in das Zimmer trat.

„Ah, Severus, wie verlief der restliche Unterricht?", fragte Dumbledore in seiner üblichen Weise.

„Gut", spuckte Snape ungeduldig. „Können wir anfangen?"

„Natürlich, natürlich", erwiderte Dumbledore. „Ich nehme an, dass du Unterricht vorbereiten musst. Nun, du sagtest, der Zauber sei an der Tür?"

„Ja", erwiderte Snape eisig. „Potter hat ihn auf die Tür gelegt, um Dracos Pergament leer werden zu lassen, sobald dieser durch sie ging."

Der Schulleiter ignorierte Snapes Kommentar und wandte sich der Tür zu. Er ließ seinen Zauberstab einen großen Bogen machen und seine Augenbrauen waren nachdenklich zusammengezogen. Er blieb eine ganze Minute lang in dieser Position, sein Zauberstab noch immer am Endpunkt des Bogens, bevor er sich zu den anderen umdrehte. „Ein brillanter Zauber. Er ist - wie du sagtest - direkt auf Mr. Malfoy abgestimmt und ist so eingestellt, dass er Tinte von jedem Pergament auslöscht, das Mr. Malfoy mit seiner Haut berührt. Alles, das in seinen Roben oder in seiner Tasche verstaut war, wäre davon nicht betroffen. Ziemlich raffiniert." Harry musste das stolze Lächeln, das sich auf sein Gesicht schleichen wollte, niederkämpfen.

„Ja, nun, so clever wie er sicherlich ist", sagte Snape und seine Stimme tropfte vor Sarkasmus. „hat Mr. Potter bei mindestens zwei Gelegenheiten die Arbeit einer meiner Schüler sabotiert. Ich will, das er der Schule verwiesen wird."

„Das muss noch geprüft werden", erwiderte Dumbledore ruhig. „Harry, deinen Zauberstab bitte", sagte er und streckte seine Hand aus.

Harry bewegte sein Handgelenk und fing den Zauberstab in seiner Hand. Er warf ihn leicht in die Höhe und fing ihn an der Spitze, bevor er dem Schulleiter den Griff entgegenstreckte.

„Danke", sagte der Schulleiter. Er drehte sich wieder um und bewegte den Zauberstab über den Eingang, gefolgt von einem Stoß mit Harrys Zauberstab und wiederholte damit Snapes voriges Handeln. Er hielt einen Moment inne, als er die Spitze von Harrys Zauberstab untersuchte und nahm dann Harrys Zauberstab in seine rechte Hand. Er zeichnete ein kompliziertes Muster über die Tür und machte wieder eine Pause, um etwas genauer zu betrachten, das Harry nicht sehen konnte. Nach einem Moment schüttelte er seinen Kopf. „Die Zauber wurden nicht mit diesem Zauberstab errichtet, auch wenn du sehr wohl Recht haben könntest, dass ein Signaturverbergungszauber verwendet wurde. Ohne den Zauberstab, der den Zauber gezaubert hat, fürchte ich, werde ich den Übeltäter nicht überführen können."

Snapes Gesichtszüge entglitten ihm. „Was?", fragte er, sein Gesicht vor Ärger rot. „Wollen Sie mir sagen, dass mein Schüler mehrere Tage Arbeit verloren hat und Potter unbestraft davonkommt?" Er ging zwei Schritte auf Harry zu und holte seinen Zauberstab hervor. „Wenn Sie ihn nicht bestrafen, werde ich das tun!"

Dumbledore machte eine Bewegung, um den Zaubertrankmeister abzuhalten, bevor ein Fluch ausgesprochen werden konnte, aber es erwies sich als unnötig. Als Snape ihm den Zauberstab unter die Nase hielt, reagierte Harry. Er duckte sich und trat nach vorne, um mit seiner Ferse kräftig auf Snapes Zehen zu treten. Er drückte sich nach oben, streckte seine Hand aus und schnappte dem Mann den Zauberstab aus der Hand, als dieser vor Schmerzen aufheulte. Harry duckte sich und trat mehrere Schritte zurück, wobei er Snapes eigenen Zauberstab auf ihn gerichtet hielt, bereit, anzugreifen, wenn es nötig sein sollte.

Snape fluchte mit einem breiten Vokabular, als der Zorn ihn übermannte. Er stellte seinen schmerzenden Fuß auf den Boden und starrte Harry in die Augen: „Wie kannst du es wagen? Einen Lehrer anzugreifen? Dieses Mal wirst du auf jedenfall der Schule verwiesen, du verwöhnter, aufmerksamkeitssuchender ..."

„Das ist genug", bellte Dumbledore und ließ damit Snapes Tirade verstummen. Snape wandte sich an den Schulleiter und grinste selbstzufrieden, als er dort den Blick voller Ärger und Enttäuschung sah. Dumbledore schüttelte seinen Kopf und wandte sich an Harry, einen Schritt auf ihn zugehend. Er hielt seine Hand für Snapes Zauberstab aus. Harry schaute in die freundlichen blauen Augen des Schulleiters, nickte und gab ihm den Zauberstab. „Danke", sagte er und gab Harry seinen eigenen Zauberstab wieder. „Du darfst gehen, Harry."

Harry nickte. Er drehte sich um, um Snape ein letztes Mal einen Blick zuzuwerfen und sah, wie der Mann stammelte und keine Worte zu finden schien. Harry drehte sich wieder zur Tür und ging ruhig durch sie hindurch. Kurz bevor die Tür zufiel, konnte er hören, wie ein eindeutig verärgerter Dumbledore sich Snape zuwandte. Harry lächelte breit; vielleicht versuchte Dumbledore es wirklich, aber er hatte noch einen langen Weg vor sich.

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Die nächsten beiden Tage verliefen für Harry viel weniger ereignisreich. Er war gezwungen, am Dienstag während des Mittagessens seinen Freunden die Geschehnisse zu erzählen. Er und Ginny tauschten ein geheimnisvolles Lächeln aus, als er ihnen berichtete, dass der Schulleiter bestätigt hatte, dass er den Zauber nicht errichtet hatte. Harry verschwieg die Unterhaltung, die er mit Dumbledore in seinem Büro gehabt hatte und die Konfrontation mit Snape nach dem Unterricht. Ersteres war nicht sein Geheimnis, um es weiterzusagen und er schätzte, dass die zweite Sache nichts war, dass der Schulleiter herumerzählt haben wollte, auch wenn er vorhatte, es Ginny zu erzählen, sobald er sie alleine erwischte. Da sie Komplizin war, hatte sie jedes Recht, vom zusätzlichen Bonus ihres Streiches zu wissen.

Er bekam die Chance dazu erst am folgenden Morgen während ihres Workout. Sie lachten gemeinsam über Snapes Unfähigkeit, sein Temperament zu zügeln. Harry hatte an diesem Nachmittag wieder Zaubertränke. Eine Doppelstunde. Snape ignorierte ihn entschlossen, was Harry nur Recht war; es schlug definitiv seine normale Behandlung im Zaubertränkeunterricht.

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Am nächsten Morgen vertraute Ginny ihm an, dass sie das Okklumentikbuch, welches er ihr gegeben hatte, beendet hatte und an diesem Abend beginnen würde, ihre Gedanken zu ordnen. Harry war stolz auf sie, aber auch nervös. Es war ein schwerer und anstrengender Prozess für ihn gewesen und er wünschte, dass er ihr irgendwie die Schwierigkeiten ersparen könnte. Stattdessen sagte er ihr: „Ich möchte nur, dass du weißt, dass ich für dich da bin, wenn du mich brauchst. Du musst mir nichts mitteilen, auch wenn es dir sicherlich freisteht, aber wenn du auch nur möchtest, dass ich bei dir bin, während du deine Erinnerungen sortierst, wäre ich mehr als nur froh, dir zu helfen."

Ginny lächelte als Antwort und sagte Harry, dass sie das Angebot vielleicht annehmen würde. Harry hoffte ehrlich, dass sie es tun würde, auch wenn er Schwierigkeiten hatte, zu verstehen, warum das so war. Seine logische Antwort war, dass er wusste, wie schwierig der Prozess sein würde und er nicht wollte, dass sie es alleine durchstehen musste, aber eine andere, immer lauter werdende Seite von ihm bestand darauf, dass es so war, weil er derjenige sein wollte, an den sie sich wandte, wenn sie jemanden brauchte, dem sie vertraute und sich anvertrauen wollte. Harry konnte die Wahrheit beider Seiten nicht abstreiten, auch wenn die letztere zum Nachdenken anregte.

Er war nicht so naiv, nicht zu bemerken, was mit ihm passierte. Ginny war ihm sehr wichtig und er mochte sie sehr - mehr als jeden anderen in seinem Leben. Er erkannte auch, dass er Ginny auf eine andere Weise mochte als seine anderen Freunde. Dann wiederum konnte er nicht sagen, dass es sich ähnlich zu dem anfühlte, was er für Cho oder sogar Jessica gefühlt hatte. Es war vielmehr eine Kombination von den beiden Gefühlen. Ginny war seine beste Freundin, aber sie war auch viel mehr als das.

Der Weihnachtsball war ein bedeutender Weckruf für ihn gewesen. Er hatte die wahren Ausmaße seiner Gefühle für Ginny bis zu dieser Nacht nicht erfasst, bis es ihm vor Augen geführt wurde - wiederholt. Als er am nächsten Morgen seine Erinnerungen sortiert hatte, hatte er den Abend schnell abgearbeitet, weil er so auf die Vision fokussiert gewesen war. Er hatte seitdem die Erinnerungen an den Ball noch einmal angeschaut - mehr als einmal - und konnte einen Blick auf sich und mehrere Blicke auf Ginny werfen.

Er hatte die Tatsache erkannt, dass er den gesamten Abend ziemlich in Ginnys Anwesenheit gefangen war. Er müsste blind sein, um die Tatsache zu übersehen, dass er sie unglaublich attraktiv fand, dann wiederum müsste er blind sein, wenn er sie nicht attraktiv fände. Die Frage war nicht, was er für Ginny fühlte. Allein an sie zu denken machte die Antwort schmerzhaft offensichtlich. Nein, die Frage war, was er deswegen machen sollte.

Er wusste, was er deswegen unternehmen wollte. Er wollte das beenden, was Voldemort am Abend des Balles unterbrochen hatte. Und wenn er nicht falsch lag - und er hoffte inständig, dass dies nicht der Fall war -, wollte Ginny dasselbe. Während er die Erinnerung studiert hatte, hatte er nicht nur bewundert, wie Ginny in ihren Festroben aussah, was - nebenbei bemerkt - eine ständige und ziemlich erfreuliche Ablenkung war, sondern stattdessen auch versucht, ihre Gefühle herauszufinden. Wenn er seine Konzentration erfolgreich aufrechterhielt, fand Harry mehrere Anzeichen, dass Ginny wie er fühlte.

Ihre leisen Seufzer der Freude, die er als Ausgeburten seiner Fantasie abgetan hatte, ließen ihn inne hallten. Hatte er sie nur erfunden? Seine Erinnerung überdenkend war er nicht länger überzeugt, dass ihre leisen Seufzer Wunschdenken gewesen waren, insbesondere wenn ihre Gefühle seine eigenen zu diesem Zeitpunkt widerspiegelten. Irgendetwas fühlte Harry, wenn er Ginny so nahe an sich halten konnte, aber Harry konnte dem keine Worte verleihen. Das Gefühl der nackten Haut ihres Rückens unter seinen Händen ließ ein Kribbeln seine Wirbelsäule entlangschießen. Die Berührung ihrer Arme, die um seinen Nacken geschlungen waren, ließen ihn sich innerlich warm fühlen. Als er an seine Tänze mit Hannah, Hermine und Minerva dachte, erstaunte ihn der Unterschied. Er war überrascht, dass er nicht laut vor Freude geseufzt hatte, als er Ginnys Umarmung erwidert hatte.

Ihr Lächeln war ein anderer Hinweis. Harry konnte nicht fassen, dass er es noch nicht zuvor bemerkt hatte, aber sie lächelte ihn anders an. Er beobachtete sie während des Essens, als sie mit ihren Freunden redete und lachte. Sie lächelte beinahe die ganze Zeit, aber als sie sich zu ihm drehte, wurde ihr Lächeln breiter und das süßeste kleine Grübchen bildete sich auf ihrer rechten Wange. Dieses Grübchen hatte ihn mehr als nur einmal abgelenkt. Er sah dasselbe den ganzen Abend über; ihr Lächeln war breiter, wenn es an ihn gerichtet war.

Was sie allerdings wirklich verriet, waren ihre Augen. Harry versuchte Worte zu finden, die ausdrückten, was er in ihren Augen sah, scheiterte aber spektakulär. Wenn ihre wunderschönen braunen Augen auf ihn gerichtet waren, schienen sie mit Gefühlen zu schimmern. Sie waren warm, einladend und tief. Harry war öfters als er zugeben wollte in ihren Augen verloren gewesen. Er hatte sie auch einige Male dabei erwischt, wie sie ihn verstohlen gemustert hatte, was Harry sich ziemlich selbstzufrieden fühlen ließ.

Trotz dieser ermutigenden Zeichen hatte er dennoch Zweifel. Dann erinnerte er sich an das Ende des Abends, als sie kuschelten, um das Feuerwerk gemeinsam anzuschauen. Er genoss das Gefühl, sie an sich gepresst zu haben, aber er musste sich aus den Erinnerungen reißen, um sich zu konzentrieren. Ginny schien den Kontakt ebenfalls genossen zu haben. Tatsächlich hatte sie sich vom Beginn des Feuerwerks bis zum Ende mehrmals enger an Harry gekuschelt. Dann war das Feuerwerk zu Ende gewesen und Harry hatte sich dabei ertappt, sich zu ihr zu beugen, um sie zu küssen. Was am meisten bedeutete, war, zu sehen, dass Ginny ihre Augen geschlossen und sich zu ihm gelehnt hatte, ihre Lippen leicht geöffnet. Sie hatte den Kuss gewollt.

Es sollte eine einfache Entscheidung für ihn sein, erkannte er, aber das war es nicht. Trotz des ziemlich lautstarken Teils von ihm, das ihn drängte, seinen Hintern zu bewegen und sie zu küssen, hielt ihn ein anderer Teil zurück. Was würde passieren, wenn das Ganze nicht funktionieren würde? Was, wenn er die Situation falsch interpretiert hatte und Ginny nicht wie er fühlte? Was, wenn sie nur in der Magie des Abends gefangen gewesen war? Oder was, wenn sie das gleiche fühlte, aber ihre Beziehung nicht hielt?

Harry wusste, dass seine Beziehungserfahrungen ziemlich furchtbar waren. Die einzige Person, mit der er wirklich ausgegangen war, wenn auch nur für kurze Zeit, war Cho gewesen und das war katastrophal gewesen. Er war sich so sicher gewesen, was er wollte, das sie war, was er wollte. Aber als sie wirklich eine Verabredung gehabt hatten, hatten sie nichts, über das sie reden konnten, keine Gemeinsamkeiten und die Dinge hatten sich schnell von schlimm zu entsetzlich gewandelt. Die Situation mit Ginny war allerdings anders, spekulierte er. Er wusste, dass er und Ginny viel gemeinsam hatten, aber es gab noch immer die Möglichkeit, dass die Beziehung scheitern würde. Könnte ihre Freundschaft überleben?

Harry verließ sich sehr auf Ginny. Sie war seine beste Freundin und einzige Vertraute. Wenn die Dinge schiefgehen und er sie für sein Leben verlieren würde ... Harry wollte nicht darüber nachdenken, Ron und Hermine waren noch immer seine Freunde, aber zwischen ihnen war zu viel Distanz im Moment. Er befreundete sich immer besser mit Neville, aber er bezweifelte, dass irgendjemand die Leere füllen könnte, welche durch Ginnys Abwesenheit entstehen würde. Dann musste er all seine Geheimnisse und ihr Training in Betracht ziehen. Wären Sie in der Lage, weiterhin zusammenzuarbeiten? Er fürchtete nicht, dass Ginny seine Geheimnisse verraten würde, aber er stützte sich auf sie. Er genoss es, dass er ihr Dinge mitteilen konnte, welche er nie zuvor jemanden verraten hatte. Er fürchtete, das zu verlieren.

Er wollte mehr von seiner Beziehung zu Ginny, aber er hatte Angst, zu verlieren, was sie bereits hatten. War es das Risiko wert?

ENDE KAPITEL

*Mitternachtsritter: engl: Mid-knight versus midnight also Mitritter versus Mitternacht. Bei der Aussprache ist zwischen knight und night kein Unterschied zu hören, das wird erst bei der Schreibweise deutlich. Ein typisches Wortspiel, das in der Übersetzung nur verloren gehen kann.

** Das englische Wort für Glühwürmchen ist „Firefly" , was wortwörtlich „Feuerfliege" heißt. Was für mich klar eine Anspielung an Ginnys rotes Haar und ihre „Größe" ist. Das kommt bei Glühwürmchen nur begrenzt rüber.

Vielen Dank an die alten und neuen Reviewer:

WakkaCwC

MFG

Ginny in love

Easal: mir geht's genauso. TC ist so ziemlch die einzige Geschichte mit Harry/Ginny

die ich mag.

Colin McGarrett

Dragon493

Inferno1990: bissle Geduld noch, dauert nicht mehr lange..

Deifi1982

Mimaja

Glamourgirl

Vielen Dank für die Reviews:

Guest

Annette-ella

Curylcuryl

Feahthum