Kapitel 17.1: Mit dem Feuer spielen

„Natürlich ist es das Risiko wert, du Dummkopf", rief Sirius aus. Er ging einen Moment lang auf und ab, bevor er sich beruhigte und sich seinem Patensohn zuwandte. „Harry, das ist ernst."

Ein freches Grinsen tauchte auf Harrys Gesicht auf und er hielt seinem Paten seine ausgestreckte Hand hin. „Hallo Ernst, ich bin Harry", sagte er, als würde er sich vorstellen.

Er war überrascht, als Sirius seine Hand zur Seite schlug und ihn in eine feste Umarmung zog. „Du bist wirklich der Sohn deines Vaters", flüsterte er Harry ins Ohr. „Er machte die ganze Zeit denselben blöden Witz." Sirius ließ Harry aus der Umarmung, packte ihn aber an der Schulter, um Harry dazu zu bringen, ihm direkt in die Augen zu schauen. „Du möchtest wissen, was der Unterschied zwischen dir und deinem Dad ist?" Er ließ Harry nicht die Chance, zu antworten. „James hatte den Mut, Lily um ein Date zu bitten. Er war nicht zu feige, um etwas zu wagen und das Risiko einzugehen."

Harry fühlte sich, als hätte ihm gerade jemand eine Faust in den Magen gerammt. Verhielt er sich wie ein Feigling? Und was würde sein Vater sagen? Sirius war jedoch noch nicht fertig. Er begann hin- und herzugehen, während er weitermachte: „Und als Lily ihn abwies, hatte er die Courage, sie immer und immer wieder zu fragen. Er hat nicht aufgegeben und als Lily James sagte, dass er erwachsen werden müsste, wenn er jemals eine Chance bei ihr haben wollte, da war es genau das, was er tat. Dein Vater wusste, dass Lily die Eine für ihn war und er hatte nicht vor, dass ihm irgend etwas in die Quere kam. Ich dachte immer, er sei nicht ganz richtig im Kopf. Das war so, bis Lily nachgab und die beiden zusammenkamen. Das war der Zeitpunkt, als ich erkannte, das James der schlauste von uns allen war."

Sirius hörte auf, auf- und abzugehen und drehte sich zu Harry. Als er wieder sprach, war seine Stimme leise aber leidenschaftlich: „Ich habe James nie so glücklich gesehen, wie wenn er mit Lily zusammen war und wir hatten davor ein paar wirklich großartige Zeiten. Ich dachte, dein Vater sei verrückt, dass er Lily so sehr wollte. Ich glaubte nicht, dass das Leben besser werden könnte als es schon war. Ich lag falsch. Wenn es eine Sache gibt, die du von deinem Vater lernen solltest, dann dies: Liebe ist und wird immer das Risiko wert sein."

„Ja, und wenn ich wüsste, dass es Liebe ist, wäre alles viel einfacher", stöhnte Harry frustriert auf. „Ich meine, ich mag Ginny, ich steh auf sie, ich genieße es, Zeit mit ihr zu verbringen und ich finde sie attraktiv. Aber bedeutet das, dass ich sie liebe?"

„Du wirst es niemals wissen, bis du dem Ganzen eine Chance gegeben hast", erwiderte Sirius ruhig. „Dein Vater war sich sicher, dass Lily die Eine für ihn ist. Wie er sich so sicher war, werde ich niemals wissen, aber er hätte sich niemals verziehen, wenn er nicht wenigstens die Chance ergriffen hätte. Ich weiß nicht, ob Ginny wirklich die Eine für dich ist, aber verpass die Chance nicht. Du könntest es den Rest deines Lebens bereuen."

OoOoOoOoOoOoOoO

Harry wachte am Freitagmorgen mit Sirius Worten in seinem Kopf auf. Während er sich für sein morgendliches Workout anzog, spulte er die Konversation wieder und wieder in seinem Kopf ab. Er konnte den Worten seines Paten nicht widersprechen noch konnte er abstreiten, wie sehr er Ginny mochte. Als er im Gemeinschaftsraum wartete, beschloss er, ernsthaft über die Sache nachzudenken.

Er sah zu, wie Ginny die Treppen von ihrem Schlafsaal hinunterkam, ein müdes Lächeln im Gesicht, und seine Entschlossenheit fiel beinahe in dem gleichen Moment in sich zusammen. Sie gewöhnte sich noch immer an die frühen Morgen und Harry dachte, dass sie ausgesprochen süß aussah, wenn sie mürrisch war. Trotz des Verlangens, dass er für sie fühlte, hielt er sich in dem Wissen zurück, dass dies nichts war, dass er leichthin beginnen sollte. Er musste sich sicher sein, dass dies das war, was er wollte, bevor er Taten sprechen ließ.

„Guten Morgen, Gin", grüßte er sie gutgelaunt.

Sie streckte ihm die Zunge raus. „Du bist eindeutig zu munter so früh am Morgen", beschwerte sie sich halbherzig.

„Es ist auch schön, dich zu sehen", erwiderte er und ignorierte ihren Kommentar gänzlich. „Hast du gut geschlafen?"

„Ich habe wunderbar geschlafen, bis mein Wecker mich zu dieser unchristlichen Stunde geweckt hat", ließ sie vernehmen.

Harry lächelte sie nur an: „Bereit, zu gehen?"

Sie nickte schlaftrunken: „Ich verstehe noch immer nicht, warum wir so früh dafür aufstehen müssen."

„Oh, hör auf zu grummeln. Die frische Luft wird dich gleich aufwecken."

„Ich habe etwas, das dich aufwecken wird", murmelte Ginny kaum laut genug, so dass Harry es hören konnte.

„Was war das?", fragte er.

„Nichts", erwiderte Ginny.

„Verdammt richtig, nichts", versuchte Harry zu schimpfen, doch sein Lächeln verriet ihn. „Jetzt komm, oder wir werden zu wenig Zeit haben. " Er hielt ihr seinen Arm hin und sie legte ihre Hand auf seine Armbeuge. Er lächelte, als sie für ihr Morgenworkout hinaus auf die Ländereien gingen.

Beinahe zwei Stunden später fand sich Harry im Raum der Wünsche sitzend wieder und wartete darauf, dass Ginny fertig wurde, sich für den Tag zu richten. Sie brauchte immer ein wenig länger als er, aber es machte ihm nichts aus. Er würde lieber ein paar Minuten warten, als sie auf ihn warten zu lassen. Ginny kam mit einem Lächeln aus ihrem Umkleideraum heraus.

„Was machst du morgen?", fragte sie ihn.

Harry stand von seinem Platz auf und zuckte mit den Schultern: „Trainieren. Warum?"

„Ich habe mich gefragt, ob ich das Angebot, das du gestern gemacht hast, in Anspruch nehmen kann."

„Oh", erwiderte Harry leicht überrascht. „Ja, natürlich. Welche Uhrzeit hattest du dir vorgestellt?"

Sie zuckte mit den Schultern: „Nach dem Frühstück?"

„Okay, nach dem Frühstück", stimmte er einvernehmlich zu.

„Danke."

OoOoOoOoOoOoOoO

Wie versprochen begleitete Harry Ginny am nächsten Morgen nach dem Frühstück zu seinem Büro. Er war sich nicht ganz sicher, ob sie nur Gesellschaft haben oder einige ihrer Erinnerungen mit ihm teilen wollte. Daher hatte er nur für den Fall ein Buch zum Lesen dabei. Wie sich herausstellte, wollte Ginny beides. Es gab lange Abschnitte, während derer sie still war, aber dann fing sie aus dem Nichts an, ihm von ihrem ersten Mal auf einem Besen zu erzählen oder von der Zeit, als Fred und George Rons Bett mit Spinnen gefüllt hatten, nachdem er sie, Ginny, zum Weinen gebracht hatte. Dies war ein weiterer Zwischenfall, wie die Zwillinge zu Rons Spinnenphobie beigetragen hatten.

Sie teilte mit ihm mehrere Erinnerungen über das Leben im Fuchsbau mit ihrer Familie, das Spielen mit ihren Brüdern oder einfach nur Zeit zusammen im Wohnzimmer, wo sie die Einzelheiten ihrer Tage erzählt hatten. Sie erzählte, wie sie sich fühlte, die Jüngste zu sein, als jeder ihrer Brüder nach Hogwarts ging, bis sie schließlich während seines ersten Schuljahres die einzige war, die im Fuchsbau blieb. Sie erzählte ihm, wie sie und Ron in den Jahren vor seinem ersten Schuljahr auf Hogwarts viel miteinander gemacht hatten und wie er absolut gar nichts mehr mit ihr zu tun haben wollte, nachdem er im nächsten Sommer zurückkam.

Harry konnte ihre Angst förmlich sehen. Er wusste, was sie sich näherten und nun konnte er vermuten, warum sie so einfach von dem Tagebuch gefangen genommen worden war. Sie war einsam gewesen. Sie war beinahe ein Jahr lang allein gewesen, nur mit der Hoffnung, dass sie ihren besten Freund wiederhaben würde, wenn Ron zurückkam. Doch Ron ließ diese Hoffnung sehr effektiv im Nichts verschwinden. Als sie das Tagebuch gefunden hatte, musste sie glücklich gewesen sein, nun etwas gefunden zu haben, mit dem sie reden konnte. Und die Tatsache, dass das Tagebuch nicht in der Lage war, neue Freunde zu finden und sie zurücklassen konnte, musste für sie umso verlockender gewesen sein.

Sie verstummte, nachdem sie von dem Sommer vor ihrem ersten Schuljahr erzählt hatte. Harry streckte eine Hand aus und nahm ihre Hand, welche ein Sofakissen gepackt hatte. Er drückte sie tröstend und wünschte, dass er mehr für sie tun könnte, aber er wusste, das dies ein Kampf war, den Ginny selber ausfechten musste. Er hatte seine Vergangenheit ihn viel zu lange kontrollieren lassen, und während es ein zermürbender Prozess war, sich ihr zu stellen, musste es getan werden. Es war an der Zeit, dass Ginny ihre Dämonen besiegte.

Er blickte starr nach vorne, als er daran dachte, was Ginny sich nun entgegenstellen musste. Er fragte sich, an was sie sich von ihrem Martyrium erinnerte. Er wusste, dass sie einige Filmrisse in ihren Erinnerungen hatte, nachdem sie besessen worden war, aber er fragte sich, was genau sie sich bewusst war. Er konnte auch nicht anders als sich zu fragen, was Tom ihr gesagt oder ihr sogar im Tagebuch gezeigt hatte.

Er wurde von einem leisen Schniefen aus den Gedanken gerissen. Er wandte seinen Kopf und sah Tränenspuren auf Ginnys Wangen. Ohne sich bewusst dazu entschieden zu haben, drehte er sich zu ihr und - ihre Hand noch immer in seiner linken haltend - streckte er seine rechte Hand aus, um ihr sanft mit seinem Daumen die Tränen wegzuwischen. Ginny öffnete bei dem Kontakt ihre Augen weit, voller Panik und er fühlte, wie ihr Körper sich versteifte. Ihre Augen suchten sofort die seinen und Harry fühlte, wie sein Herz wegen ihrem Leid schmerzte. Sie atmete schwer, aber schien sich zu beruhigen, nachdem sie den Ursprung der Berührung identifiziert hatte. Er erkannte zu spät, dass sie ihn möglicherweise mit Tom Riddle verwechselt hatte.

Es würde schließlich Sinn machen, den Kontakt mit ihm in Verbindung zu bringen, wenn Tom in ihren Gedanken war. Wenn man dann noch die Tatsache berücksichtigte, dass der sechzehnjährige Tom Riddle Harry ähnlich sah, dann war Ginnys Reaktion vollständig nachvollziehbar. Ihr Blick wanderte sein Gesicht hinunter zu seiner rechten Schulter, dann seinen Arm entlang zu der Hand, die noch immer ihre Wange berührte. Harry saß erstarrt auf seinem Platz, unsicher, was er tun sollte. Sollte er seine Hand wegziehen? Ließ er sie sich unwohl fühlen? Oder würde es das nur schlimmer machen?

Am Ende war es Ginny, die ihn leitete. Er erinnerte sich, vor gar nicht so langer Zeit in einer ähnlichen Situation gewesen zu sein, wo er Trost gebraucht hatte und sie für ihn dagewesen war. Zu dem Zeitpunkt hätte er wahrscheinlich behauptet, dass er es nicht brauchte, aber er wusste nun, dass das nicht der Fall war. Ob sie es zugab oder nicht: Sie brauchte Trost und sie würde ihn kriegen. Er strich die letzte Träne von ihrer Wange und hob dann seine Hand, um dies auch auf ihrer anderen Wange zu tun. Harry beobachtete, wie Ginnys Augen jeder Bewegung, die seine Hand machte, folgten. Er konnte nicht sagen, was sie dachte oder fühlte, aber er nahm die Tatsache, dass sie ihn nicht wegschob, als gutes Zeichen auf.

Nachdem er ihre letzten Tränen weggewischt hatte, zog er seine Hand weg, aber nicht bevor er nicht ein letztes Mal über ihre Wange gestreichelt hatte. Als er gerade seine Hand wegzog, hielt Ginnys Hand seine gegen ihre Wange gepresst und hielt sie einen langen Moment an ihre Haut, während sie ihre Augen geschlossen hielt. Nach einem Moment ließ sie ihn los und Harrys Hand fiel in seinen Schoß. Ginny öffnete ihre Augen und schaute in seine. Harry schluckte schwer, bevor er fragte: „Möchtest du darüber reden?"

„Nicht wirklich", erwiderte sie, nachdem sie schwer geseufzt hatte.

Er drückte ihre Hand, bevor er sie losließ, auf seinen Schoß klopfte und sagte: „Leg dich hin."

Ihre Augen suchten seine, bevor sie nachgab. Sie rückte weg von ihm, legte ihre Beine dann über die Sofalehne und ließ sich nach hinten mit ihrem Kopf in seinen Schoß fallen.

Harrys rechte Hand bewegte sich sofort zu dem Gewicht, welches nun in seinem Schoß ruhte. Er legte seine Hand hinter ihren Kopf und fuhr mit seinen Fingern durch ihr Haar. Seine andere Hand suchte ihre, welche an ihrer Seite lag. Er saß da, schaute auf sie herunter und spielte eine Minute lang mit ihrem Haar, bevor er ziellos durch das Zimmer schaute. Nach einer Minute der Stille, während der Harrys Gedanken durch seinen Kopf wirbelten, als er versuchte, einen Weg zu finden, ihr zu helfen, begann sich eine Idee in seinem Kopf zu formen. Und bevor er den Plan noch einmal überdenken konnte, sagte er: „Ich hatte letzte Nacht eine weitere Vision."

Er schaute hinunter und sah, dass sie ihn mit großen Augen ansah.

Nach einem Augenblick richtete er seinen Blick wieder nach oben, bevor er fortfuhr: „Letzte Nacht hat er eine Zaubererfamilie angegriffen. Die einzigen, die da waren, war ein verheiratetes Paar, auch wenn ich ein paar Bilder mit Kindern auf ihrem Kaminsims gesehen habe." Er hielt einen Moment lang inne, als er sich vorstellte, wie diese Kinder von dem Schicksal ihrer Eltern erfuhren. Er schüttelte den Kopf, um die Gedanken abzuschütteln und fuhr fort: „Ich denke, dass sie schon erwachsen und bereits ausgezogen sind. Als Voldemort und die Todesser einbrachen, hat das Paar Panik bekommen. Sie haben nicht ihren Zauberstab ergriffen und versucht, sich zu wehren. Sie versuchten nicht einmal, zu fliehen."

Er hielt inne und starrte ins Nichts, bevor er seinen Blick wieder auf Ginny richtete. Sie schaute noch immer zu ihm hoch, die Sorge deutlich in ihren Augen zu sehen. Er lächelte traurig und fuhr mit seiner Erzählung fort: „Statt zu kämpfen versuchten sie, um ihr Leben zu feilschen. Sie boten Geld, ihr Heim, alle ihre Besitztümer und boten sogar an, sich den Todessern anzuschließen. Sie flehten und baten um ihr Leben, bis Voldemort es langweilig wurde und sie tötete. Selbst als Voldemort seine Frau tötete, stand der Ehemann nur nichtstuend da und schaute zu. Er machte keine Bewegung, um sie aufzuhalten oder den Fluch abzufangen. Alles, was er tat, war, zu betteln und zu bitten und zu weinen."

Er wickelte eine ihrer Haarsträhnen um seinen Finger, während er über seine Vision nachdachte. Es war nicht angenehm, es zu beobachten, noch war es einfach, es jemandem zu erzählen. Er zwang seine Gedanken wieder zurück zur Gegenwart, als er sich vorbereitete, weiterzureden. Er war sich nicht sicher, wie Ginny auf seine nächste Frage reagieren würde. Nach einer Minute der Stille fragte er: „Warum hast du das Tagebuch wieder von mir gestohlen?" Ihre Augen wurden größer, aber sie machte keine Anstalten, das Wort zu ergreifen. „Ich habe mich darüber gewundert. Er dachte, dass du Angst hattest, er würde mir all deine Geheimnisse verraten, aber das ist nicht der wahre Grund, oder?"

Ihr Mund klappte auf, aber kein Geräusch entkam ihm.

Er nahm seine vorige Tätigkeit wieder auf und fuhr mit seinen Fingern wieder durch ihr Haar, als er weiterredete: „Ich habe ihm zuerst geglaubt, aber umso mehr ich darüber nachdachte, umso mehr bezweifelte ich es. Deine Geheimnisse zu beschützen mag einen Anteil gehabt haben, aber ich glaube, dass viel mehr dahintersteckte."

„I... Ich hatte Angst", flüsterte Ginny.

„Wovor hattest du Angst", fragte Harry sanft, als er sie anschaute. Er drückte leicht unterstützend ihre Hand.

„Ich hatte Angst", sie brach ab und wandte ihren Kopf von ihm ab. „Ich hatte Angst, dass er dich auch täuschen würde." Sie seufzte und drehte ihren Kopf, so dass sie ihn wieder ansah. Ihre Augen schauten einen kurzen Moment in seine, bevor sie ihren Blick abwandte. „Er hatte zu diesem Zeitpunkt bereits einen so starken Halt von mir, dass er wusste, dass ich das Tagebuch zurückhatte, ohne dass ich hinein geschrieben hatte. Ich öffnete es in der Hoffnung, herauszufinden, was er dir geschrieben hatte oder du ihm und er begann mir zu schreiben. Er erzählte mir, dass er mit dir geredet hatte und er dir gesagt hatte, dass ich die Verantwortliche für die Angriffe war. Er sagte, du würdest mich aus Hogwarts werfen lassen. Dann sagte er, wie sehr du ihm vertrautest und das es nur eine Frage der Zeit war, bis er dich ebenfalls kontrollieren würde."

„Ich wusste, dass ich das Tagebuch nicht noch einmal wegwerfen konnte, denn dann könntest du es finden. Er hatte zu diesem Zeitpunkt genug Kontrolle über mich, dass er mich dazu zwingen konnte, das Tagebuch zu öffnen und zu lesen, was er geschrieben hatte." Ein Schaudern lief über ihren Rücken, als sie fortfuhr: „Jeden Tag fühlte es sich so an, als würde ich mehr von mir verlieren, und es gab nichts, das ich tun konnte, um es zu stoppen. Ich wollte es jemanden erzählen, aber ich hatte Angst. Die wenigen Male, wo ich es versuchte, geschah etwas, um mich zu unterbrechen oder Tom konnte die Kontrolle übernehmen und mich aufhalten."

Sie waren beide eine lange Zeit still, bevor er wieder sprach: „Siehst du den Unterschied?" Ihr Blick wanderte wieder zu ihm, die Frage deutlich in ihren Augen zu sehen. „Du hättest das Tagebuch bei mir lassen und mich meinem Schicksal überlassen können. Du hättest dich ergeben und sterben können, dein Schicksal akzeptierend. Du hast nie aufgehört, zu kämpfen. Das ist nichts, wofür du dich schämen musst. Ja, du hast ein paar Fehler gemacht, aber du warst elf Jahre alt. Denke nicht immer daran." Seine Stimme war voller Emotionen, als er fortfuhr: „Als du elf warst, bist du aufgestanden und hast gekämpft, wo sogar Erwachsene sich ergeben hätten und gestorben wären. Deine Vergangenheit hat dich außerdem zu der gemacht, die du heute bist und ich würde dich für nichts auf der Welt tauschen wollen."

Seine Hand glitt von ihrem Hinterkopf zu ihrer Wange, als er sie voller Zuneigung anschaute. Sie lächelte ihn zittrig an und Tränen tauchten in ihren Augenwinkeln auf. „Glaubst du das wirklich?", fragte sie ganz leise.

„Ja", erwiderte er. „Ich denke, du musst so über die Dinge denken, um mit ihnen zurechtzukommen. Du kannst nicht nur an die schlechten Dinge denken, sondern musst auf die Gesamtsituation achten. Wie, wenn Dumbledore mich nicht bei den Dursleys gelassen hätte, wäre ich heute eine ganz andere Person. Das macht es nicht besser, aber es hilft mir, es zu akzeptieren und es hinter mir zu lassen. Ich mag, wer ich heute bin. Und so gern ich auch meine Vergangenheit verändern würde: Du kannst sie nicht verändern, ohne auch dich selbst zu verändern."

Harry verstummte danach und beobachtete Ginny, als diese verdaute, was er gesagt hatte. „So habe ich darüber noch nie nachgedacht", sagte sie nach einer kurzen Stille.

„Du hast mir dabei geholfen, es so zu sehen", gab Harry zu.

Ginnys Augenbrauen näherten sich bei dieser Aussage ihrem Haaransatz. „Wie habe ich dir geholfen, zu diesem Ergebnis zu kommen?"

Harry lächelte milde. „Erinnerst du dich an das vorige Weihnachten, als ich dachte, ich könnte von Voldemort besessen sein?", fragte er. Sie nickte. „Du warst diejenige, die zu mir durchdrang. Und mich übrigens auch dazu gebracht hat, mich furchtbar zu fühlen. Der einzige Grund, warum du das tun konntest, war wegen deiner Vergangenheit. Ich habe diesen Sommer viel darüber nachgedacht, was du durchlitten hast und wie du dich trotz allem entwickelt hast. Ich erkannte, dass die Erfahrung dich nur stärker gemacht hat."

Sie schüttelte in seinem Schoss ihren Kopf: „Ich bin nicht stark. Schau mich an; ich kann nicht einmal an das, was mir passiert ist, denken. Ich möchte nicht daran denken. Ich habe mich so lange davor versteckt, aber ich habe es nie vergessen. Ich könnte es nicht vergessen, selbst wenn ich wollte. Ich kann ihn noch immer in mir fühlen", schloss sie so leise, dass es kaum ein Flüstern war.

Harry fühlte, wie er sich bei ihrem letzten Geständnis verspannte. „Was meinst du?", fragte er angespannt.

Sie antwortete nicht sofort, sondern starrte nur hoch zur Decke. Nach einem Moment drehte sie sich um, um ihm in die Augen zu schauen und sagte: „Du wirst von dieser Art von Bösem nicht berührt, ohne dass es Spuren hinterlässt."

Harry hob bei dieser Aussage unbewusst eine Hand zu seiner Narbe und schaute Ginny mit großen Augen an. Sie sah ihn mit einem gequälten Lächeln an. „Ich habe Gott sei Dank keine körperlichen Merkmale, aber ich kann eine leichte Spur von ihm spüren." Sie schluckte schwer, und als sie fortfuhr, war ein leichtes Zittern in ihrer Stimme: „Es ist, als sei ein kleiner Teil von mir für immer schmutzig oder mit einem Makel behaftet. Ich habe Glück, dass das alles ist, was von ihm übrig ist, aber dieses Bisschen ist eine ständige Erinnerung an das, was ich geschehen habe lassen." Ihre Stimme nahm einen stählernen, entschlossenen Klang an: „Es ist auch eine Erinnerung daran, warum ich nie wieder erlauben kann, dass so etwas geschieht."

OoOoOoOoOoOoOoO

Am nächsten Tag konnte Harry nicht aufhören, an Ginny und was sie über ihre Zeit mit dem Tagebuch zugegeben hatte zu denken. Er fragte sich, ob dieses Gefühl, das etwas zurückgeblieben war, nur ein Hirngespinst war, etwas, das sie sich selbst auferlegt hatte, oder ob es etwas mehr war. Konnte Tom einen kleinen Teil von sich selbst in ihr gelassen haben? War es auf irgendeine Weise seiner Verbindung, die er mit Voldemort teilte, ähnlich? Ob es so war oder nicht: Das Wissen, dass sie fühlte, als wäre sie für immer durch ihre Erfahrung beschmutzt, war die bittere Realität - Eine, die Harry sich umso schlechter fühlen ließ, das er vor diesem Jahr nie mit Ginny über ihre Erfahrung geredet hatte. Wenn es jemanden gab, der wusste, wie es sich anfühlte, dann war es sie.

Er war unsicher gewesen, wie er auf ihr Geständnis reagieren sollte und hatte sich dafür entschieden, ihre Hand zu drücken und mit seiner anderen Hand wieder durch ihr Haar zu fahren. Sie waren bis zum Mittagessen in dieser Position geblieben. Sie hatten danach nicht wirklich geredet, und Harry wusste nicht einmal, ob sie danach wieder mit der Aufgabe weitergemacht hatte, ihre Erinnerungen zu sortieren oder nicht. Es schien nicht richtig zu sein, sie zu diesem Zeitpunkt zu fragen, da er nicht wollte, dass sie sich gedrängt fühlte. Er wollte, dass sie sich die Zeit nahm, die sie brauchte, um ihre Gefühle zu verarbeiten.

Sie war den Rest des Abends etwas niedergeschlagen und nachdenklich gewesen, war aber am folgenden Morgen ihr normales, lebenslustiges Selbst. Er hatte das Gefühl, dass das Thema noch lange nicht abgeschlossen war, wusste es aber besser, als das Thema anzusprechen. Sie war nicht nur mehr als nur fähig, auf sich selbst aufzupassen, aber sie kam seit Jahren mit dem Trauma zurecht. Sollte sie jemals noch einmal darüber reden wollen, würde er da sein, um zu helfen. Bis dahin war er froh, dass er die normale Ginny zurückhatte.

Professor McGonagall hatte an diesem Morgen ihr Frühstück kurz unterbrochen, um Harry von ihrer Absicht zu berichten, an diesem Tag seinen Unterricht zu besuchen. Harry war ein wenig überrascht - nicht, dass sie seinen Unterricht beobachten würde, sondern dass sie entschieden hatte, ihn davor davon zu unterrichten. Er nahm an, dass sie nur höflich war, so dass er bei ihrem Auftauchen nicht überrascht wäre. Während er sein Frühstück aß, machte er sich Gedanken über seine Hauslehrerin. Sie hatte ihn in diesem Jahr oft erstaunt. Ihre Akzeptanz, ihn als eine Art Gleichgestellten zu sehen, hatte ihn geschockt, aber sie hatte das Versprechen eingehalten, dass sie am Anfang des Schuljahres gemacht hatte.

Ein Stups in seine Seite riss ihn aus seinen Gedanken. „Du bist so still. Worüber denkst du nach?", fragte Ginny ihn.

„Nichts", erwiderte er. Als Ginny skeptisch eine Augenbraue hochzog, sagte Harry: „Professor McGonagall." Ginnys Gesichtsausdruck veränderte sich nicht, was Harry zum Lachen brachte. „Sie hat mich im vergangenen Jahr oft überrascht."

„Wahrscheinlich nicht halb so oft wie du sie überrascht hast", meinte Ginny und lehnte sich an ihm vorbei, um ein paar Würstchen von seinem Teller zu stehlen.

Harry lachte noch etwas mehr, während er zuschaute, wie sie einen Teil seines Essens kaute und schluckte. „Das ist wahr", gab er zu und stupste mit seinem Knie gegen ihr Bein.

„Wie hat sie dich überrascht?", wollte Ginny wissen und stupste ebenfalls mit ihrem Bein gegen seines, während sie einen Speckstreifen von seinem Teller nahm.

Harry vertauschte ihren leeren Teller mit seinem und begann ihn mit mehr Essen aufzufüllen. „Sie hat mich normal behandelt - nicht wie ein Kind. Wusstest du, dass sie mich sogar gebeten hat, sie unter vier Augen Minerva zu nennen?"

„Du machst Witze", stammelte Ginny. Sie ignorierte den Teller voller Essen, den Harry vor sie gestellt hatte und nahm sich eine Gabel voll Rührei von Harrys neuem Teller.

Harry schaute sie einen Moment lang einfach nur an, bevor er regungslos antwortete: „Nein, mache ich nicht." Harry schüttelte den Kopf über sie und rutschte näher zu ihr, um gegen ihre Hüfte zu stoßen, gerade als sie die Eier zu ihrem Mund führte und ließ die Eier damit direkt von ihrer Gabel auf ihre Roben fallen. Er grinste frech, als er fortfuhr: „Sie hat mich beinahe wie einen Gleichgestellten behandelt. Wenn sie Dumbledore nicht so nahe stehen würde, würde ich wahrscheinlich versuchen, zu ihr zu gehen, um zusätzliche Hilfe für mein Training zu bekommen. Ich kann es aber nicht riskieren, ihr etwas zu zeigen, dass sie ihm später erzählen wird."

Ginny drehte ihren Kopf zu ihm, zog ihre Augen für einen Augenblick zu schmalen Schlitzen zusammen, bevor sie die Eier von ihren Roben wischte. Sie war dabei, ein weiteres Mal etwas Rührei von ihm zu holen, als sie fragte: „Glaubst du nicht, dass du ein wenig ..." Sie ließ den Satz für einen Moment unbeendet in der Luft hängen, als sie ihr Rührei auf seine Roben fallen ließ, bevor sie weiterredete. „... paranoid bist?"

Er funkelte sie an und gab zu: „Vielleicht", während er das Ei von seinen Roben wischte. „Aber ich würde lieber kein Risiko eingehen. Du weißt, dass Dumbledore mich nicht die Hälfte der Dinge machen ließe, die ich seit Juni mache - noch würde das McGonagall, wenn sie es wüsste. Der einzige Unterschied ist, dass ich glaube, dass sie mich die Entscheidung treffen lassen würde, nachdem sie mir ordentlich ihre Meinung gesagt hat. Dumbledore würde die Entscheidung aus meinen Händen nehmen. Bis ich darauf vorbereitet bin, darf er nicht wissen, was ich tun kann, ansonsten werde ich in das Schloss gesperrt und zu den Dursleys geschickt werden, bis er mich als bereit erklärt, also vielleicht so in 10 oder 20 Jahren."

„Was heckt ihr beide jetzt aus?", unterbrach Neville ihre Unterhaltung.

Harry drehte sich um und sah Neville, der sich ihm gegenüber hinsetzte, während Ginny in gespielter Unschuld antwortete: „Wir? Etwas aushecken?"

„Ihr könnt schlimmer als die Zwillinge sein", sagte Neville, als sei es eine Tatsache. „Auch wenn ich sagen muss, dass mir euer Geschmack, was Streiche wie auch Opfer angeht, besser gefällt."

„Ich habe keine Ahnung, wovon du redest", sagte Harry mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht.

„Da bin ich mir sicher", erwiderte Neville mit einem Augenrollen und füllte seinen Teller. Er hielt mit einem Löffel in der Luft inne, während er sich an sie wandte: „Hermine verdächtigt euch, das wisst ihr? Ich habe sie nach eurem Zusammentreffen mit Snape darüber murmeln hören. Sie ist sich sicher, dass ihr es gewesen seid; sie weiß bloß nicht, wie ihr damit davongekommen seid."

„Wenn Hermine schlau wäre, würde sie es ruhen lassen", murmelte Ginny.

Neville lachte: „Viel Glück damit. Ich bin selber neugierig, aber ich weiß es besser als nachzuforschen. Ich bin nicht so gut mit der Magie, aber wenn ihr jemals einen Komplizen braucht, würde es mir nichts ausmachen, es ein paar Slytherins heimzuzahlen."

„Wir werden das im Kopf behalten. Und danke für die Warnung", sagte Harry.

„Kein Problem", erwiderte Neville und beförderte eine Gabel voll Ei in seinen Mund. Nachdem er hinuntergeschluckt hatte, legte er seine Gabel nieder. „Über was habt ihr euch nun wirklich unterhalten, wenn ihr die Frage gestattet?"

Harry drehte sich zu Ginny, als diese antwortete: „Professor McGonagall."

Nevilles Augenbrauen stiegen bis zu seinem Haaransatz hoch, während er von einem zum anderen schaute: „Meinst du das ernst?"

„Sie besucht heute meinen Unterricht", mischte Harry sich ein.

„Wer besucht heute deinen Unterricht?", fragte Hermine, als sie sich neben Neville und gegenüber von Ginny hinsetzte.

„Professor McGonagall", erwiderte Neville für Harry.

Hermine zog ihre Augenbrauen hoch. „Oh? Wird sie dich bewerten, oder ...?" Sie ließ den Satz unbeendet und schaute Harry erwartungsvoll an.

„Ich würde nicht bewerten sagen, nein", erwiderte Harry. Er versuchte einen Weg zu finden, um zu beschreiben, wie er es sah. „Sie hat beschlossen, einen aktiveren Part einzunehmen. Sie wird jeden Monat jeweils eine meiner Unterrichtsstunden besuchen und sich danach mit mir treffen, um den Unterricht zu besprechen und Informationen, die für meine Rolle als Assistenzprofessor von Belang sind, zu teilen."

Hermine stieß ein deutliches und kurzes „Hm" bei Harrys Erklärung aus.

„Was?", fragte Harry, in der Gewissheit, dass sie etwas auf dem Herzen hatte.

„Oh, es ist nichts. Ich denke einfach, dass sie das von Anfang an hätten machen sollen", sagte sie vorsichtig. „Es schien mir ein wenig verantwortungslos, dich allein zu lassen und niemals nach dir zu sehen oder so." Sie hielt eine Sekunde lang inne, bevor sie schnell hinzufügte: „Nicht, dass ich glaube, dass du beaufsichtigt werden müsstest oder so. Du bist ein wunderbarer Lehrer. Es hat mich nur immer ein wenig gewundert, dass sie dich überhaupt nicht beaufsichtigt haben."

„Es ist okay", erwiderte Harry. „Ich habe genauso gefühlt. Das ist der Grund, warum ich es überhaupt bei ihr angesprochen habe."

„Du hast es angesprochen?", fragte Hermine überrascht und, wenn Harry sich nicht irrte - mit ein wenig Stolz in ihrer Stimme.

„Ja", antwortete Harry, nicht sicher, was er von Hermines Tonfall halten sollte. „Ich habe genauso wie du gedacht. Es war merkwürdig, dass sie mir einfach freie Hand gelassen haben. Dumbledore hat die anderen Lehrer ermutigt, meinen Unterricht zu besuchen, hat aber nie ein System dafür etabliert. Und außer wenn Dumbledore einen Weg kennt, meinen Vertrag zu umgehen, hat er selber nie meinen Unterricht besucht."

„Glaubst du, er hat?", fragte Neville.

Harry zuckte mit den Schultern: „Ich glaube nicht, aber ich weiß es nicht. Er kennt die Zauber, die ich verwendet habe, und wenn jemand einen Weg um sie herum kennt, dann wäre es er. Ich sehe bloß nicht, warum er sich die Mühe machen sollte."

„Du siehst nicht, warum sich wer welche Mühe machen würde?", fragte Ron, als er sich neben Harry setzte und sofort begann, seinen Teller zu füllen.

Harry seufzte und war im Begriff zu antworten, als Ginny sich von seiner anderen Seite aus zu Wort meldete und eine kurze Zusammenfassung von dem, was bisher besprochen worden war, gab. Der Rest des Frühstücks verging mit nebensächlicher Konversation, während sie alle ausgiebig aßen. Nach dem Essen ging Harry direkt zum Raum der Wünsche, während die anderen zum Gryffindorturm zurückgingen. Er mochte es, den Raum vorzubereiten, bevor die Schüler kamen. Die Extrazeit gab ihm die Gelegenheit, seine Pläne für den Unterricht noch einmal durchzugehen. Heute war ein großer Tag für die Klasse, da sie seine Ausweichübungen begannen. Sie wurden gerade mit den Patroni fertig. Wie die FHA waren die meisten Schüler nicht in der Lage, einen gestaltlichen Patronus heraufzubeschwören. Der Großteil konnte jedoch einen dichten Nebel produzieren, was hoffentlich genug sein würde, um ihnen im Fall eines Dementorenangriffs etwas Extrazeit zu geben.

Er begann sofort damit, den Raum vorzubereiten und erschuf die verschiedenen Duellzirkel für die Ausweichübungen. Er nutzte die Zeit, die er mit zaubern verbrachte mental seine Pläne für die Einführung der Aktivität im Unterricht zu wiederholen. Er blieb bis eine Viertelstunde vor Beginn der Stunde allein, als Professor McGonagall den Raum betrat.

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Professor McGonagall schritt in den Raum der Wünsche und fand einen großen, fast leeren Raum vor, der kreisförmige Linien auf dem Boden hatte, welche sie von ihrem vorigen Besuch von Harrys Unterricht wiedererkannte. Harry, der einzige im Raum, schritt anscheinend gedankenverloren auf und ab. Ohne ein Anzeichen zu geben, dass er ihre Anwesenheit überhaupt bemerkt hatte, rief Harry aus: „Guten Morgen, Minerva."

„Guten Morgen, Harry", erwiderte sie und ging langsam auf ihn zu. „Alles bereit für deinen Unterricht?"

„Ja. Ich komme immer direkt nach dem Frühstück hierher", antwortete er und drehte sich zu ihr. „Ich brauche keine volle Stunde, um mich vorzubereiten, aber es ist nett, ein wenig Zeit für mich selbst vor dem Unterricht zu haben, um alle meine Gedanken zu ordnen."

„Das kann ich verstehen", erwiderte sie lächelnd. „Auch wenn ich länger gebraucht habe als du, um es zu erkennen."

„Nun, du hast nicht so sehr die Möglichkeit, wo der Unterricht doch direkt nach dem Frühstück beginnt", meinte er. „Obwohl ich denke, dass das der Grund sein wird, warum mehrere Professoren immer vor dem Ende der Mahlzeit gehen."

„Ja, du hast uns durchschaut", antwortete sie. Wissend, wie sie sich fühlte wenn ihre stille Vorunterrichtszeit unterbrochen wurde, entschied sie, ihm seine Ruhe zu lassen. „Nun, ich lasse dich mit deinen Gedanken allein. Wie zuvor werde ich den Unterricht nur beobachten. Außer wenn du mich um meine Mithilfe bittest, werde ich dich alles handhaben lassen, einen Notfall ausgenommen."

„Danke", sagte Harry mit einem Lächeln und fuhr mit seinem auf-und abgehen fort.

Sie ging zu einer Ecke des Raumes und zog ihren Zauberstab hervor, um sich einen Stuhl heraufzubeschwören. Bevor sie die Zauberformel überhaupt beginnen konnte, tauchte ein Holzstuhl mit gerader Rückenlehne vor ihren Augen auf. „alte Gewohnheiten lassen sich schwer ablegen", dachte sie zu sich selbst, während sie ihren Zauberstab wieder in ihren Roben verstaute und sich auf den Stuhl setzte. Sie kannte die Fähigkeiten des Raumes natürlich, aber war nicht daran gewöhnt, sie zur Verfügung zu haben. Sie gab sich damit zufrieden, Harry beim auf- und abgehen zu beobachten, während sie darauf wartete, dass der Unterricht begann.

Sie dachte über den jungen Mann vor ihr nach. Sie hatte in dieser Woche im Verwandlungsunterricht besonders auf ihn geachtet, konnte ihre Vermutungen über seine wahren Fähigkeiten jedoch weder bestätigen noch zurückweisen. Er blieb für sie ein Rätsel. Sie fragte sich, was seine Beweggründe sein könnten, sich zurückzuhalten, angenommen, dass das der Fall wäre. Wollte er aus dem Rampenlicht bleiben? Das würde auf jeden Fall zu seinem Charakter passen, aber sie bezweifelte, dass das der Grund war. Es schien zu banal zu sein.

Sie wurde in ihren Gedanken unterbrochen, als die Tür des Raumes sich öffnete und ein paar Schüler eintraten. Sie sah zu, wie Harry jeden Schüler mit Namen grüßte und sie fragte, wie die erste Woche Unterricht vergangen war. Es folgten kurz darauf mehr Schüler und sie alle wurden in irgendeiner Form von Harry begrüßt. Er sprach mit ein paar, winkte anderen zu und grüßte wenige mit einem Nicken. Es dauerte nicht lange, bis Harry nach vorne ging, um seinen Unterricht zu beginnen. Bevor er die Schüler ansprach, holte er eine Rolle Pergament heraus und murmelte ein paar Worte. Seine Augen schauten über die Menge und Minerva schaute an sich selbst hinunter, um zu sehen, dass sie leicht rot glühte. Sie hatte beinahe den Vertrag vergessen, den er all seine Schüler hatte unterschreiben lassen. Sie war am Anfang neugierig darüber gewesen, hatte es dann aber vergessen. Vielleicht würde sie ihn später danach fragen.

Als sie wieder hoch schaute, hatte Harry bereits das Pergament wieder in seinen Roben verstaut. Er verkündete, dass sie den Unterricht beginnen würden, in dem sie noch ein wenig ihre Patroni üben würden, gefolgt von einer neuen Aktivität, welche er zum gegebenen Zeitpunkt erklären würde. Sie sah zu, wie Harry von dem kleinen Podest stieg und sich einer Gruppe von sieben Schülern näherte, die nicht sofort begonnen hatten zu arbeiten. Neugierig geworden stand sie von ihrem Stuhl auf und ging an der Seite des Raumes entlang zu ihnen, um zu hören, was gesagt wurde.

„Wie läuft es mit euren Patroni?", fragte Harry in die Gruppe hinein.

Mary-Jo Clark, eine Fünftklässlerin aus Slytherin erwiderte überschwänglich: „Ich habe es geschafft! Ich habe einen gestaltlichen Patronus heraufbeschworen!"

Minerva zog überrascht über diese außergewöhnliche Leistung der Fünftklässlerin ihre Augenbraue hoch. Sie schaute von dem begeisterten Gesicht des Mädchens zu Harrys und fand dort denselben Gesichtsausdruck wie bei seiner Schülerin vor.

„Das ist fantastisch", rief Harry aus und seine Augen funkelten fast. „Welche Gestalt hat er angenommen?"

„Die eines Fuchses", antwortete sie ohne zu Zögern.

„Eine gerissene bist du, mhmm?", neckte Harry sie lächelnd. Mary-Jo errötete und zog ihren Kopf ein. „Glückwunsch, ich bin stolz auf dich."

„Danke", murmelte sie schüchtern.

Harry drehte seinen Kopf, um den Rest der Gruppe anzuschauen. „Ich weiß, dass ihr drei ihn bereits beherrscht", sagte er an die drei Schüler, die am weitesten zu seiner Linken standen. „Was ist mit dem Rest von euch?"

„Immer noch nur Nebel", sagte Nicholas, ein Viertklässler aus Gryffindor. Die anderen beiden nickten zustimmend.

„Hey, ich habe länger als drei Wochen gebraucht, um ihn zu erlernen und mich hat der Verteidigungslehrer unterrichtet. Außerdem habe ich den Nebel, den ihr im letzten Unterricht produziert habt, gesehen und er war stark. Bei allen von euch. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis eure Patroni Gestalt annehmen." Er lächelte die vier ermutigend an und Minerva bemerkte, wie sie sich bei Harrys Worten ein wenig aufrechter hinstellten. „Nun, ich möchte, dass ihr zu den anderen geht und für zehn Minuten eure Patroni übt. Dann möchte ich, dass Nicholas und Mary-Jo gegen den Rest von euch antreten."

Deren Kinnladen klappten beinahe bis zum Boden hinunter, bevor Harry fortfuhr: „Ihr werdet hinter einer meterhohen Wand verbarrikadiert sein. Eure Aufgabe wird es nur sein, die anderen aufzuhalten. Der Rest von euch wird versuchen, die beiden außer Gefecht zu setzen und ihre Position zu erobern. Alles ist erlaubt, aber keine Gegenflüche. Wenn ihr von einem Fluch getroffen werdet, müsst ihr damit leben. Wenn ihr Zeit dazu habt, fangt wieder von vorne an, dieses Mal mit Lindsey und Jack. Irgendwelche Fragen?"

Sieben Köpfe wurden verneinend geschüttelt.

„Also gut. Fangt an", kommandierte Harry. Die sieben gesellten sich zu ihren Klassenkameraden und begannen an ihren Patroni zu arbeiten, während Harry zwischen den Schülern umherwanderte, kommentierte und Ermutigungen gab. Minerva stand ein wenig abseits und fragte sich, was genau passierte. Warum bekamen sie besondere Anweisungen? Und um was ging es bei ihnen? Sie beschloss, ein Auge auf die sieben Schüler zu haben. Sie nahm an, dass sie in etwa zehn Minuten wissen würde, was los war.

Sie verbrachte die Zeit damit, die große Schülergruppe zu beobachten, während sie damit kämpften, den fortgeschrittenen Zauber zu meistern. Die Tatsache, dass jeder einzelne Schüler in der Lage war, einen dichten Nebel heraufzubeschwören, sprach entweder für das Kaliber der Schüler oder des Lehrers. Sie war geneigt, zu glauben, dass es größtenteils letzteres war.

Die zehn Minuten vergingen schnell und Minerva stellte sich unauffällig in die Nähe der Wand gerade außerhalb der Abgrenzung hin. Die Schüler gingen alle zusammen hinüber. Sie neckten sich alle gutgelaunt und die fünf zogen die zwei Schüler auf, welche sich hinter der Wand verbarrikadieren würden. Nach einer Minute trennten sich die Teams. Nicholas und Mary-Jo verschwanden aus ihrer Sicht hinter die Wand.

Die anderen fünf Schüler bildeten einen Kreis und sprachen im Flüsterton miteinander, während sie anscheinend ihre Strategie besprachen. Nach ein paar Minuten lösten sie den Kreis auf und Jack Trowers, ein Hufflepuff im fünften Jahr rief: „Bereit?". Eine Hand mit dem Daumen-hoch-Zeichen war über den Steinen zu sehen. „Wir kommen", kündigte Jack an.

Schnell wie ein Blitz rollten sich zwei Körper jeweils an die Ecke einer Seite der Mauer. Zwei Schockzauber verließen jeden Zauberstab, bevor die Schüler sich wieder hinter die Deckung ihrer Mauer rollen ließen. Als die fünf Angreifer schließlich erkannten, was passiert war, war einer der ihren gefallen und der Rest von ihnen schickte Zauber in Richtung der nun leeren Plätze.

Sobald sie wieder in Sicherheit waren, standen die beiden Schüler hinter der Mauer auf und feuerten Zauber von dem Moment an ab, ab dem sie zu sehen waren. Ein weiterer Schüler fiel einem Schockzauber zum Opfer, während ein anderer von einem geringfügigen Zauber getroffen wurde. Als die Angreifer endlich daran dachten, das Feuer zu erwidern, waren Nicholas und Mary-Jo wieder hinter dem Schutz der Mauer verschwunden.

Bevor sie die Chance hatten, sich wieder zu sammeln, traten Nicholas und Mary-Jo auf derselben Seite vor die Wand. Sie richteten eine Flut von Flüchen auf Jack. Der Hufflepuff war darauf vorbereitet, einen Fluch nach dem anderen abzuwehren, aber der gesammelte Angriff war zu viel. Er wehrte die ersten beiden Zauber ab, aber ein Petrificus Totalus kam durch und ließ ihn erstarren.

Mary-Jo und Nicholas verschwanden gerade noch rechtzeitig hinter der Mauer, um zu verhindern, dass sie von einem Hagel Zaubersprüchen, welche die anderen beiden sandten, getroffen wurden. Einen Moment später versuchten sie die gleiche Taktik auf der anderen Seite anzuwenden, aber ihre Angreifer waren dieses Mal vorbereitet. In dem Augenblick, als die zwei erschienen, flogen bereits Flüche auf sie zu.

Nicholas und Mary-Jo konnten einen ersten Fluch loslassen, aber nicht mehr. Die Flüche auf sie zurasen sehend und keine Zeit habend zu reagieren schubste Nicholas Mary-Jo hinter sich und schützte sie mit seinem eigenen Körper vor den Zaubern. Er wurde von einem Schockzauber ausgeknockt, genauso wie einer ihrer Angreifer.

Der Einzige, der von ihren Angreifern übrig war, war Ryan Jenkins, Mary-Jos Hausgenosse. Es war nun ein Einer-gegen-Einen-Kampf und Mary-Jo hatte den Vorteil der Deckung. Indem sie die Mauer verwendete, um sich vor Ryans Angriff zu schützen, war sie in der Lage, die Mauer zu verteidigen und schließlich den Slytherinjungen zu besiegen.

Als ihre Gegner alle außer Gefecht waren, stützte Mary-Jo ihre Hände auf ihre Knie, als sie versuchte, sich von den Anstrengungen zu erholen; die anderen waren alle noch auf die eine oder andere Art handlungsunfähig gemacht. Nach einem Moment ging Mary-Jo zu Nicholas und sprach den Gegenzauber. Sie lächelte ihn schüchtern an, als sie ihm dafür dankte, dass er sie gerettet hatte. Der Junge lächelte, zog seinen Kopf ein und murmelte etwas, dass Minerva nicht hörte.

Harry erschien scheinbar aus dem Nichts und begann bei den anderen Schülern die Gegenzauber anzuwenden. Als alle wieder wach und zauberfrei waren, stellte er sich vor die versammelte Gruppe. „Nun, ich hoffe, ihr habt alle etwas daraus gelernt. Zuerst einmal, unterschätzt niemals euren Gegner, egal wie die Chancen zu euren Gunsten stehen. Es kann sich schnell gegen euch wenden, wie ihr ohne Zweifel festgestellt habt. Außerdem ist die Position im Kampf von großer Bedeutung. Die bessere Position zu gewinnen und sie weise zu verwenden kann der Schlüssel zu eurem Sieg sein. Drittens, seid immer bereit. Eure Angreifer haben gerufen, dass der Kampf beginnt, aber ihr wart auf den Angriff, der folgte, nicht vorbereitet."

Er hielt inne und schaute von einem Schüler zum nächsten, während diese über seine Worte nachdachten. Nachdem sein Blick über jeden der Schüler gewandert war, ergriff er wieder das Wort: „Ich denke, das reicht für heute. Wir werden heute eine neue Aktivität beginnen, welche einige Zeit benötigen wird, um sie vorzubereiten. Geht wieder zurück zu euren Klassenkameraden."

Während die Schüler alle zum Rest der Klasse zurückkehrten und Harry zurück zum Podium ging, dachte Minerva über das nach, was sie gerade gesehen hatte. In diesen Unterrichtsstunden passierte offensichtlich mehr, als sie gewusst hatte. Sie wunderte sich über Harrys Entscheidung, diese sieben Schüler aus ihren Mitschülern herauszugreifen.

Sie konnte nicht anders als beeindruckt zu sein, aber auch von den anderen, von ihrer Art sich zu erholen und wie sie sich weigerten, aufzugeben, ganz zu schweigen von ihren Fähigkeiten, mit denen sie alle ihre Zauber geworfen hatten.

Ihre Überlegungen wurden unterbrochen, als Harry pfiff, um die Aufmerksamkeit der Klasse zu wecken. Er begann damit, die neuen Ausweichübungen zu erklären. Er tat jedoch mehr als die Aufgabe nur zu erklären. Er sagte ihnen auch deutlich, warum es so wichtig war, dass sie die Übung ernst nahmen. Um seinen Punkt zu unterstreichen, sagte er, würde er eine Demonstration machen.

Er wählte Patrick Klempsey aus, ein Jäger im Ravenclaw Quidditchteam in seinem fünften Schuljahr, um ihn bei der Demonstration zu helfen und instruierte den Jungen, wo er stehen sollte und was zu tun war. Er erklärte, wie die Übung funktionieren würde und rief Patrick dann zu sich, um zu beginnen. Harry begann einen pausenlosen Regen von Brandzaubern auf den Ravenclaw loszulassen, bis er schließlich mit dem Jungen Mitleid hatte und die Vorführung beendete.

Harry entfernte sofort jegliche andauernde Effekte des Brandzaubers und informierte Patrick, dass dieser nun an der Reihe war. Ein wölfisches Grinsen tauchte auf dem Gesicht des Jungen auf, die Vorfreude auf seine Rache, aber es sollte nicht sein. Wenn sie von Harrys Zauberschnelligkeit beeindruckt war, war das nichts gegen das Staunen, das sie angesichts der Behändigkeit, mit welcher Harry sich bewegte, fühlte.

Er rannte, sprang, drehte sich, ließ sich fallen, rollte und bewegte seinen Körper herum. Es war beinahe, als würde er auf eine merkwürdige Art tanzen, aber es war zur gleichen Zeit viel beeindruckender als selbst die fähigsten Tänzer, die etwas vorführten. Als Harry sich wand, um den Brandzaubern zu entgehen, welche Patrick so schnell er konnte abfeuerte, konnte sie nicht anders als zu fühlen, dass ihr diese Szene bekannt vorkam. Sie hatte das seltsame Gefühl eines Déjà-vu, aber sie konnte es nicht einordnen.

Als alles vorbei war, war es nicht klar, ob auch nur einer der Zauber Harry getroffen hatte. Es sah nicht so aus, als hätte er einen Gegenzauber gesprochen, er war also entweder unverhext oder einfach nur von den Auswirkungen unberührt. Patrick war vom Ende des Geschehens nicht besonders glücklich. Harry nickte ihm dankend zu und Patrick erwiderte die Geste mit einem angespannten Lächeln.

„Wie ihr sehen könnt, braucht ihr keinen Zauberstab, um euch gegen einen Angriff zu verteidigen", verkündete Harry der Klasse. „Es braucht viel Übung und harte Arbeit, um euren Körper an die Anstrengungen zu gewöhnen, aber die Fähigkeit könnte eines Tages euer Leben retten." Er ließ die Schüler sich zu zweit zusammenfinden und die Übung beginnen, wobei er denjenigen eine strenge Warnung gab, die entschieden, das Ganze nicht ernst zu nehmen. „Wenn ich sehe, dass einer es ruhig angehen lässt, wird derjenige das Privileg haben, gegen mich anzutreten, und ich kann euch garantieren, dass es keine angenehme Erfahrung wird."

„Er macht keine Scherze", verkündete Patrick reuevoll und entlockte der Schülermenge damit ein kleines Lachen.

Die Schüler teilten sich nach ein paar letzten Worten von Harry auf und fanden Partner. Die Übungen begannen und Harry begann seinen Rundgang durch den Raum. Er gab Vorschläge und ermahnte ein paar Schüler, die nicht den Anschein machten, ihr Bestes zu versuchen, ihre Partner zu verhexen, aber alles in allem verlief die neue Übung ohne Probleme.

Es dauerte nicht lange, bis er die Klasse zum aufhören aufforderte und die Schüler machten sich auf den Weg. Harry ließ sie ein wenig früher gehen, um den Schülern die Möglichkeit zu geben, sich vor dem Mittagessen frisch zu machen. Die sieben blieben hinter den anderen Schülern zurück.

„Ich hoffe, ihr erkennt alle, was für Vorteile es bringen kann, in der Lage zu sein, Zaubern auszuweichen", Sieben Köpfe nickten zustimmend. „Gut", fuhr Harry fort. „denn ich erwarte von nun an diese Fähigkeit in euren Kämpfen zu sehen. In Zukunft werden wir vielleicht über Wege reden, um eure Beweglichkeit und Ausdauer zu verbessern, aber für den Moment geht und duscht oder so; ihr stinkt."

Sie lachten und protestierten, aber gingen, um genau das zu tun. Sie konnte die Gruppe im Flur lachen und Witze reißen hören und sich von ihren Freunden verabschieden, als sie sich trennten. Sie konnte nicht anders als zu bemerken, dass die Gruppe, die aus sieben Schülern aus vier verschiedenen Häusern bestand, wunderbar miteinander auskam. Sie hatte niemals in ihren vielen Jahren auf Hogwarts eine solche eng verbundene Gruppe von Schülern von allen vier Häusern gesehen.

Sie ging hinüber zu Harry. Er hatte der Gruppe hinterhergeschaut und sie beobachtet, bis sie außer Sichtweite waren. Dann wanderte sein Blick zu ihr, als er erwartungsvoll auf ihren Kommentar wartete. Sie hatte nicht vor, ihn zu enttäuschen.

„Nun, ich muss sagen, Harry, dein Unterricht ist ein ziemliches Spektakel", begann sie.

„Oh?", fragte Harry mit einem humorvollen Unterton in der Stimme.

„Hat Patrick dich überhaupt getroffen?"

Ein Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus, als er antwortete: „Einmal, aber ich wollte alle denken lassen, dass ich unversehrt davongekommen bin. Ich denke, so ist es beeindruckender."

„Das ist es", stimmte sie zu. „Du hast deinen Standpunkt sehr effektiv klargemacht, würde ich sagen. Wo hast du gelernt, dich so zu bewegen?"

„Nun, ich habe geübt", sagte Harry ein wenig unbehaglich.

„Ich weiß, dass du morgens trainierst", sagte sie. „Aber es würde viel länger als ein Semester benötigen, um zu lernen, sich so zu bewegen."

Er verkreuzte seine Arme vor der Brust, als er antwortete: „Als ich jünger war, hatte ich keine Zaubersprüche, um mich zu beschützen. Ich habe mich daran gewöhnt, Dingen auszuweichen."

Ein Teil von ihr wollte das Thema weiterverfolgen, aber sie konnte sehen, dass Harry sich nicht wohl fühlte, darüber zu reden. Außerdem hatte sie das Thema oft genug mit dem Schulleiter besprochen. Sie bezweifelte, dass sie etwas von Harry erfahren würde, das der Mann nicht bereits wusste, auch wenn es ihre Meinung über das Thema nur festigte - als ob das nötig wäre.

„Nun", antwortete sie nach einer kurzen unangenehmen Stille. „Ich denke, wir sollten gehen, bevor wir das Mittagessen verpassen."

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Nach dem Mittagessen kehrte sie in den Raum der Wünsche zurück und besuchte Harrys FHA-Unterricht. Er brachte ihnen den Desillusionierungszauber bei, was ihr etwas Sorgen bereitete. Sie freute sich nicht über den Gedanken, eine Schule voller unsichtbarer Unruhestifter zu haben, aber sie konnte die Nützlichkeit des Zaubers nicht abstreiten.

Die Hälfte des Unterrichtes verging damit, den Zauber zu üben, und die meisten Schüler beherrschten ihn ausreichend, als die Übung als beendet erklärt wurde. Die andere Hälfte des Unterrichtes war mit Ausweich- und Duellierübungen gefüllt. Es war ein wenig anarchisch, so viele Schüler in so vielen Teilen des Raumes auf einmal duellieren zu haben, aber Harry kontrollierte das Chaos bemerkenswert gut. Er war scheinbar immer da, um Tipps und Vorschläge zu machen, aber er blieb nie zu lange bei einem Team. Sie konnte sehen, dass er anstrebte, allen seinen Schülern gleich viel Aufmerksamkeit zu schenken.

Sie bemerkte, dass die offene Feindseligkeit unterhalb der Schüler, welche sie im letzten Semester bemerkt hatte, verschwunden war, doch sie war nicht überzeugt, dass das Problem gelöst war. Wo sie in seiner AHA-klasse eine Gruppe gesehen hatte, die vollständig integriert war, gab es in der FHA viele Schüler, die höflich - wenn auch noch ein wenig vorsichtig - im Umgang mit den Slytherins waren, aber die meisten Schüler ignorierten das Paar einfach. Sie nahm an, dass es abwegig war, zu erwarten, dass sie sich mochten, aber wenigstens waren sie gewillt, friedlich zusammenzuarbeiten.

Harry beendete den Unterricht und sagte noch ein paar letzte Worte, mit denen er seine Schüler für ihre gute Arbeit lobte. Als die Schüler das Klassenzimmer verließen, ging sie in Gedanken noch einmal durch, was sie an diesem Tag gesehen hatte und was sie mit Harry besprechen wollte. Sie hatte ihm nicht viel über Lehrerangelegenheiten zu sagen; ihre Gedanken waren also nur auf seinen Unterricht konzentriert.

Als die letzten Schüler weg waren, drehte Harry sich erwartungsvoll zu ihr. Sie ließ sich Zeit, zu ihm zu gehen, um sich die nötige Zeit zu geben ihre Gedanken zu ordnen. Sie blieb einen Meter vor ihm stehen und schaute ihm in die Augen. Er erwiderte ihren Blick unerschrocken.

„Wann hast du die sieben Schüler aus deiner ersten Klasse von dem Rest abgesplittet?", fragte sie. Sie war sehr neugierig über die Gruppe.

Er zögerte einen Moment und sein Blick ging in die Ferne, bevor er antwortete: „Vor ein paar Wochen."

„Darf ich fragen, warum?"

„Sicher", erwiderte Harry, während er sich mit seiner Hand über den Nacken strich. „Sie sind weiter fortgeschritten als der Rest der Klasse. Sie sind immer unter den ersten, die jeden Zauber meistern und verbringen viel Zeit damit, den anderen zu helfen, die Schwierigkeiten haben."

„Wieso lässt du sie also nicht deiner anderen Klasse beitreten?", fragte sie neugierig.

„Es gibt verschiedene Gründe. Erst einmal brauche ich ihre Hilfe, wenn man die Größe der Klasse bedenkt. Wenn alle einen neuen Zauber lernen, brauche ich sie, um den Zauber schnell zu meistern, um dann ein paar ihrer Mitschüler zu helfen. Dadurch geht alles viel schneller, denn bei einer so großen Klasse bräuchte ich zu lange, wenn ich alles alleine machen müsste", erklärte Harry. „Zweitens würden sie Privatunterricht brauchen, um sie auf das Level der fortgeschrittenen Klasse zu bringen und sie hätten dafür einige Zeit gebraucht. Drittens gibt es ihnen die Möglichkeit, mir nicht nur im Unterricht zu helfen, sondern auch ein anderes Training als die anderen zu erhalten. Die Fortgeschrittenenklasse hat ein wenig des Kampftrainings, aber nicht so viel, wie die sieben im Moment bekommen."

Sie nickte bei jedem Punkt, während sie das, was er ihr sagte, überdachte. Es machte aus seiner Perspektive aus Sinn, sie in ihrer jetzigen Klasse zu lassen. Die sieben schienen die Verantwortung, halbeigenverantwortlich zu arbeiten, gut zu handhaben. Sie hatte nur noch eine Sache, über die sie sich sorgte: „Was ist mit dem Rest der Klasse? Was denken sie darüber, dass diese sieben herausgepickt wurden?"

Harry zuckte mit den Schultern. „Ich habe mit der ganzen Klasse darüber geredet. Es ist nicht gerade ein Geheimnis, dass manche Schüler schneller als andere Fortschritte machen. Sie haben akzeptiert, was ich sagte. Ich habe keine daraus resultierenden Probleme bemerkt. Daher nehme ich an, dass sie damit einverstanden sind."

Sie nickte zustimmend: „Du musst immer vorsichtig sein, wenn du Schüler auf diese Weise herauspickst. Du weißt nie, wie die Klasse als ganzes oder als Einzelpersonen darauf reagiert. Es ist wichtig, deine Klasse immer in den Mittelpunkt zu stellen, denn wenn sie etwas von dir lernen sollen, müssen sie dazu gewillt sein."

Sie hielt inne, als sie überlegte, wie sie das nächste Thema anschneiden sollte: „Weißt du, was das größte Problem ist, welches die meisten Menschen haben, wenn sie Mitschüler oder Schüler, die beinahe so alt sind wie sie, unterrichten?"

Sie sah, wie Harry seinen Kopf verneinend schüttelte, bevor er sagte: „Nein."

„Respekt", antwortete sie nur. „Um effektiv unterrichten zu können, musst du den Respekt deiner Schüler haben. Es ist schwer, diese Art von Respekt zu verdienen, besonders von deinen Mitschülern." Harry nickte und sie fuhr fort: „Respektierst du mich, Harry?"

Sein Kopf bewegte sich bestätigend, als er antwortete: „Ja, natürlich."

„Und was ist mit Professor Snape?", fragte sie. Als Harry zögerte, spielte ein Lächeln um ihre Mundwinkel. „Du kannst ehrlich antworten.", versicherte sie ihm.

„Nein", sagte er langgezogen.

„Und wer von uns findest du ist ein effektiverer Lehrer?", fragte sie. Sie fügte dann hinzu: „Bitte sei ganz ehrlich."

„Das bist du", antwortete er fest. „Sn... Professor Snape würde sich eher über einen Schüler lustig machen als ihm seine Hilfe anzubieten."

Sie unterdrückte ein Seufzen, als sie nickte: „Severus denkt, er kann durch Schikane Respekt verdienen. Stattdessen bekommt er nur Groll zurück. Er ist damit erfolgreich, seine Klassen ruhig zu halten, aber wenn es ums Unterrichten geht, sind seine Methoden mangelhaft." Einen Augenblick später fügte sie hinzu: „ Das sollst du niemandem weitersagen."

Harry schüttelte wieder den Kopf: „Das werde ich nicht."

„Den Punkt, den ich versuche, zu vermitteln, ist, dass Respekt für jeden Professor wichtig ist, um effektiv unterrichten zu können. Es ist schwierig, den erforderlichen Level Respekt zu verdienen, da deine Schüler dich freiwillig nicht als einen Gleichgestellten, sondern als Autoritätsperson anerkennen müssen. Diesen Level an Respekt unter seinen Mitschülern zu verdienen - und in diesem jungen Alter - ist außerordentlich schwierig." Sie hielt inne, bevor sie fortfuhr: „Es reicht nicht, seine Mitschüler zu übertreffen. Deine Schüler respektieren dich nicht einfach, nur weil du fähiger bist und mehr Wissen hast als sie; sie respektieren dich als Person. Wenn du den Respekt deiner Schüler hast, werden sie die Arbeit tun, die du von ihnen verlangst und sie werden von dir lernen." Sie atmete aus, bevor sie fortfuhr. „Ich glaube, dass du den Respekt von jedem einzelnen deiner Schüler hast, Harry."

Harry zog seinen Kopf ein. Sie konnte sehen, wie unwohl er sich mit dem fühlte, was sie sagte, aber sie wusste auch, dass es gesagt werden musste. Eines Tages würde er lernen müssen, ein Kompliment anzunehmen. „Dann und wann gibt es einen Lehrer, der auf einem tieferen Level mit seinen Schülern eine Verbindung aufbaut. Seine Schüler respektieren ihn nicht nur, sie schauen zu ihm hoch, bewundern ihn und sind von ihm inspiriert. Er motiviert seine Schüler, härter zu arbeiten als er es jemals von ihnen erwarten würde und spornt sie an, ihre Grenzen zu überschreiten." Sie atmete tief aus, bevor sie fortfuhr: „Ich denke, dass du das Potential hast, dieser Lehrer zu sein, Harry."

Sein Kopf fuhr bei dieser Aussage hoch und sein Blick traf einen langen Moment auf ihren, bevor er wegschaute. Sie konnte nicht erkennen, was er dachte.

„Wenn nicht der Rest deiner Schüler," bestand sie, „so beginnen die sieben Schüler aus deiner ersten Klasse bereits dich auf diese Weise zu sehen. Ich sage dir das nicht grundlos." Sein Blick suchte wieder ihren, aber er sagte nichts. „Es ist eine große Verantwortung, solches Ansehen zu haben. Ich vertraue darauf, dass du damit umgehen kannst, aber du solltest es im Hinterkopf behalten, wenn du deine Taten überdenkst. Du bist in gewisser Weise verantwortlich dafür, wie deine Schüler zu jungen Erwachsenen heranwachsen und sich entwickeln."

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Minerva hatte Harry viel zum Denken gegeben, als er später abends im Bett lag. Er hatte niemals an den Einfluss gedacht, den er auf seine Schüler hatte. Er hatte nur in dem Sinne daran gedacht, dass seine Schüler die Arbeit taten, die er von ihnen verlangte. Er beschloss, mehr darauf zu achten, wie er sich vor anderen verhielt, insbesondere seinen Schülern und wie seine Schüler auf ihn im Unterricht reagierten. Er beendete das Sortieren seiner Erinnerungen des Tages und schlief ein.

Sirius wartete wie immer und begann, Harry mehr Geschichten zu erzählen. Dieses Mal jedoch keine Erzählungen von den Rumtreibern, sondern von der Romanze von James und Lily Potter. Er drängte Harry niemals gezielt nach seinen Gefühlen für Ginny zu handeln, worüber Harry dankbar war, aber die Botschaft war deutlich genug. Die Wahrheit war, dass Harry Schwierigkeiten hatte, Gründe zu finden, Ginny nicht zu sagen, wie er fühlte. Er mochte es, das er trotz der Art, wie seine Beziehung mit Cho geendet hatte, er sich niemals Sorgen machen musste, dass sich das wiederholen würde. Er und Cho hatten niemals eine nennenswerte Beziehung gehabt, abgesehen von ihrer kurzen flüchtigen Romanze. Es war also kein Wunder, dass es so schnell vorbei war. Er hatte Vertrauen darin, dass die Dinge mit Ginny auf die eine oder andere Weise funktionieren würden - als Freunde oder etwas mehr.

Sirius' Geschichten spielten dabei definitiv eine Rolle. Fast jede Nacht hörte Harry, wie glücklich James gewesen war, als er es geschafft hatte, Lilys Freundschaft zu erlangen - keine einfache Tat angesichts des Widerstands seiner Mum - und die reine Freude, die er fühlte, als ihre Beziehung sich zu etwas Tieferem entwickelte. Harry wünschte, er könnte sich sicherer sein, was er fühlte, wie sein Vater es gewesen war, aber er blieb sich über die Tiefe seiner Gefühle zu Ginny unsicher. Er wusste, er mochte sie, aber er war sich nicht sicher, ob es Liebe war, noch war er sich ohne Zweifel sicher, dass Ginny das einzige Mädchen für ihn war. Er wusste, seine Situation war eine andere als die seines Vaters, dennoch konnte er nicht anders als dasselbe für sich selbst zu wollen.

Die Woche verging und Harrys Gedanken fochten einen Kampf miteinander aus, aber jeden Tag verschwand sein Widerstand ein wenig mehr. Er machte sich noch immer Sorgen über die Auswirkungen einer fehlgeschlagenen Romanze, aber wollte sich nicht von seinen Ängsten beherrschen lassen. Er wollte Ginny. Er könnte den ganzen Tag damit verbringen, alle Eigenschaften, die er an ihr mochte, aufzuzählen, und es war ein täglicher Kampf, sich davon abzuhalten, mit seinen Gefühlen ihr gegenüber einfach herauszuplatzen oder zu versuchen, einen Kuss von ihr zu stehlen.

Es war Dienstagabend, als er im Bett lag und über seine Situation mit Ginny nachdachte, als ihm ein Gedanke kam. Vorsichtig, um niemanden aufzuwecken, vergrößerte er seinen Koffer auf seinem Bett innerhalb der Vorhänge. Er durchsuchte leise seine Besitztümer, bis er fand, wonach er gesucht hatte: ein Umschlag mit seinem Namen darauf. Er schrumpfte seinen Koffer wieder und packte ihn weg. Danach nahm er den Umschlag wieder in seine Hände und drehte ihn herum, während er ihn anstarrte.

Er nahm vorsichtig zwei Blatt Pergament heraus. Er legte eins zusammen mit dem Umschlag auf seinen Schoß, während er das andere Pergamentblatt auseinanderfaltete. Die blumige Schrift seiner Mutter war auf der Seite zu sehen. Er las den gesamten Brief durch, doch es war am Ende des Briefes, wo er fand, wonach er suchte.

Stehe zu dem, an das du glaubst und erfülle dir deine Träume. Lass dir dein Leben von niemandem bestimmen. Es ist dein Leben und du entscheidest, wie du es leben willst. Und wenn du Liebe findest, halte dich an ihr fest - mit allem, was du hast. Glaube mir, wenn ich dir sage, dass es dies wert ist

Die Tränen wegwischend, die sich in seinen Augenwinkeln gesammelt hatten, faltete Harry das Pergament vorsichtig wieder zusammen und nahm das andere Blatt von seinem Schoß. Es war der Brief seines Vaters, der ihn dazu gebracht hatte, die Briefe aus dem Koffer herauszusuchen, und es war der Ratschlag seines Vaters, den Harry wollte. Er fand ihn.

Eines Tages wirst du eine Frau finden, die alles in sich vereint, worauf du in einem Partner hoffen kannst. Wenn du die Eine findest, lass sie niemals gehen. Kämpfe bis zum Ende der Welt für sie, wenn du musst. Es wird nie einen wichtigeren Kampf geben als den einen, den du um die Liebe deines Lebens ausfechten wirst.

Er wusste nicht, ob Ginny die Liebe seines Lebens war und er wusste, dass die Situation eine ganz andere als die seines Vaters war, als dieser Harrys Mutter zum Ausgehen überreden wollte. Aber die Worte seines Vaters hallten in seinem Kopf wider, als er in dieser Nacht in seinem Bett lag und ließen wenig Zweifel aufkommen, was für einen Ratschlag sein Vater ihm geben würde, wenn dieser die Chance hätte. Er teilte diese Erkenntnis in dieser Nacht nicht Sirius mit, selbst als sein Pate ihm weiterhin Geschichten über seine Eltern erzählte. Harry brauchte die Zeit, um ohne zusätzlichen Druck darüber nachzudenken.

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Am nächsten Morgen wurde sein Frühstück von der Ankunft einer Eule unterbrochen. Fred und George hatten ihm einen Brief geschickt.

An unseren glückverheißenden, gabenreichen Geldgeber,

in diesem Brief ist unser üblicher Entwicklungsbericht über das Geschäft enthalten. Wie du ohne Zweifel sehen kannst, laufen die Dinge gut. Du magst auch daran interessiert sein, zu wissen, dass unser kleines Nebenprojekt gut vorankommt. Wir hoffen, uns irgendwann im Februar mit D treffen zu können, um ihm eine Demonstration zu geben und ihm ein Angebot zu machen. Als der Kopf hinter dem Projekt dachten wir, dass du möglicherweise deine eigene kleine Demonstration haben möchtest. Lass uns wissen wann und wo.

Herzliche Grüße,

F&G

Der Brief war so absurd in seiner scheinbaren Formalität, dass Harry davon leicht verwirrt war. Entweder hatten die Zwillinge eine neue Komödienart für sich entdeckt, oder die Geschäftswelt brachte eine neue, ernstere Seite an den Streichespielern hervor. Angesichts der Grußformel neigte Harry zu Ersterem. Er war so oder so recht gespannt, zu sehen, was die Zwillinge entwickelt hatten. Er hatte Zeit, sich bei ihnen zu melden. Es war erst Mitte Januar. Er beschloss, darüber nachzudenken, wo und wann die beste Zeit wäre, eine „Demonstration", wie sie es genannt hatten, zu arrangieren.

Er zeigte Ginny später am Tag den Brief und ihre Reaktion war wie die seine. Sie war sich sehr unsicher, was sie von dem Tonfall des Briefes halten sollte, aber sie war ebenfalls neugierig, herauszufinden, was ihre Brüder sich ausgedacht hatten. Sie fragte sogar Harry, ob sie mit zu dieser Demonstration gehen könnte und Harry stimmte dem sofort zu.

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Ginny lag am Freitagabend unter ihrer warmen Decke gekuschelt in ihrem Bett. Sie hatte es sich in der letzten Woche angewöhnt, früh zu Bett zu gehen, um sich etwas private Zeit für die weitere Ordnung ihrer Erinnerungen zu geben. Sie hatte vor etwa einer Woche mit dieser beängstigenden Aufgabe begonnen. Was an einem Zeitpunkt überwältigend ausgesehen hatte, ging langsam dem Ende entgegen. Sie hatte die meisten Erinnerungen chronologisch abgearbeitet und war nun beim letzten Semester angelangt.

Als sie ihre unzähligen Erinnerungen vom letzten Herbst noch einmal durchlebte, war es unmöglich, nicht zu bemerken, dass eine Person schnell eine bedeutende Rolle in ihrem Leben eingenommen hatte. Er entwickelte sich von einem Bekannten zu einem Freund und nun zu so viel mehr. Was das mehr war, konnte sie nicht benennen. Sie wusste, was sie wollte, was es war, aber sie war noch nicht sicher, ob ihr Wunsch erfüllt werden würde. Umso mehr Erinnerungen sie von Harry sortierte, umso mehr dachte sie über ihre Beziehung zu ihm nach. Sie wünschte, Harry würde ihr einfach irgendein Zeichen geben, was er dachte, aber sie konnte nichts aus seinem Verhalten seit dem Ball herauslesen. Es war beinahe, als wollte er vergessen, dass sie sich beinahe geküsst hatten.

Wenigstens hatte sie das bis Anfang der Woche gedacht. Nun war sie sich nicht einmal mehr sicher, was sie dachte. Es hatte alles am Wochenende begonnen, als sie Harry gebeten hatte, ihr Gesellschaft zu leisten, während sie ihre Erinnerungen durchging. Sie hatte nicht wirklich geplant gehabt, viel davon mit ihm zu teilen, aber als sie einige ihrer älteren Erinnerungen ein zweites Mal durchlebte, hatte sie den Drang verspürt, sie mit Harry zu teilen. Sie erkannte, dass er nicht viele gute Kindheitserinnerungen hatte und sie hoffte, dass er sie vielleicht stellvertretend durch sie genießen konnte.

Es war schön gewesen, diese Erinnerungen mit Harry zu teilen. Sie waren nicht alle glücklich, aber das Leben war nie perfekt. Was wichtig war, war, dass sie eine Familie hatte, die sie liebte. Als sie sich jedoch der Zeit näherte, als sie nach Hogwarts ging, wurde es schwer, über die Erinnerungen zu reden. Sie wusste, sie würde sich wieder mit dem Tagebuch und Tom auseinandersetzen müssen - Harry hatte sie ausdrücklich davor gewarnt -, aber es tatsächlich zu tun war schwieriger als sie es sich je vorgestellt hatte.

Dann schritt Harry ein. Es war noch immer ein anstrengender Prozess, aber das sie bei Harry Trost und Bestärkung finden konnte, machte den ganzen Unterschied aus. Es waren nicht nur seine Worte, sondern auch der körperliche Trost, den er ihr spendete. Er half ihr, in der Gegenwart zu bleiben und gab ihr Halt, als sie sich durch die ganzen Erinnerungen durchzwang.

Seitdem hatte es ein paar Momente gegeben, wo Harry scheinbar mit ihr geflirtet hatte, aber sie war sich niemals ganz sicher, ob sie nur zu angestrengt Ausschau hielt und sich Dinge einbildete. Sie schämte sich ein wenig für ihren Wunsch, dass Harry endlich zu Potte kam und sie wissen lassen würde, wie er fühlt. Sie wusste, dass es keine einfache Zeit für ihn war. Zugegeben: Keine Zeit schien für Harry einfach zu sein, aber mit den Visionen, die er in letzter Zeit durchlebt hatte, konnte sie verstehen, wenn er sich einfach nicht zu Taten durchringen konnte. Aber sie wusste nicht, ob das überhaupt der Fall war. Soweit sie wusste, konnte er Bedenken haben und entschieden haben, keine Beziehung mit ihr eingehen zu wollen. Wenn es so war, bezweifelte sie, dass er die Situation jemals ansprechen würde und einfach weiterhin ihr Freund sein würde, so wie er es die letzten paar Wochen getan hatte.

Es war ein frustrierender Gedankenzirkel. Das Warten wäre um so vieles einfacher, wenn sie nur ein Anzeichen hätte, ob er noch darüber nachdachte oder nicht. Wenn er nur Freundschaft wollte, wäre sie natürlich verletzt, aber sie könnte es verkraften. Sie musste nur ein für alle mal wissen, wo ihre Beziehung stand. Sie konnte sich nicht entscheiden, ob sie das Thema ansprechen sollte oder nicht. Sie wollte nicht, dass er dachte, dass sie versuchte, seine Entscheidung zu beschleunigen. Das letzte, was sie wollte, war, ihn zusätzlichem Druck auszusetzen. Sie beschloss, noch ein wenig länger zu warten. Sie würde weiter nach Zeichen Ausschau halten, wenn sie mit Harry zusammen war und vermeiden, zu viel an ihn zu denken, wenn sie getrennt waren - oder es zumindest versuchen.

Sie hatte Harry gesagt, dass sie an diesem Abend ihre Erinnerungen zu Ende sortieren würde und sie hatten daher ihre erste Okklumentikstunde auf den folgenden Tag nach dem Mittagessen gelegt. Sie zwang sich, ihre Gedanken von Harry abzulenken und sich wieder der Aufgabe zuzuwenden, ihre verbliebenen Erinnerungen zu sortieren. Eine Stunde später war sie fertig damit, die heutigen Erinnerungen zu sortieren. Mit einem Lächeln auf ihrem Gesicht über diese Leistung erlaubte sie es sich schließlich, einzuschlafen.

Am nächsten Morgen war Ginny angespannt, wissend, dass sie an diesem Nachmittag einen neuen Abschnitt ihres Trainings beginnen würde. Zur Mittagszeit verwandelte sich ihre Angespanntheit in Nervosität. Sie wusste, dass sie sich keine Sorgen machen musste. Sie vertraute Harry. Trotzdem war sie nicht in der Lage, den Gedanken abzuschütteln, dass in weniger als einer Stunde jemand versuchen würde, in ihre Gedanken einzudringen. Sie konnte nicht anders als sich Sorgen zu machen, dass ihre Gedanken gelesen werden würden, auch wenn sie wusste, dass Harry niemals absichtlich ihre Privatsphäre auf diesem Weg verletzen würde.

Harry hatte jedoch zugegeben, dass er niemals zuvor Legilimentik angewendet hatte und dass ein Lernprozess dabei sein würde. Sie war unsicher, wie genau sich das manifestieren würde. Vielleicht würde er eine Weile brauchen, nur um den Zauber zum funktionieren zu bringen. Oder vielleicht würde er anfangs nicht in der Lage sein, ihn zu kontrollieren. Was bedeuten würde, dass er in ihre Gedanken einbrechen könnte und nicht wissen würde, wie er wieder herauskam, ohne etwas Privates zu sehen.

Sie wusste, dass das Sortieren ihrer Gedanken dies verhindern sollte, aber sie war sich nicht sicher, ob sie es überhaupt richtig gemacht hatte. Würden ihre Erinnerungen weggeschlossen und aus Sichtweite bleiben, wenn Harry in ihre Gedanken eindringen würde? Sie hoffte es.

Das Essen war viel zu schnell vorbei und sie entschuldigte sich bei ihren Freunden. Es war selten, dass Harry und Ginny während einer Mahlzeit nicht zusammensaßen, aber an diesem Tag hatten sie es so arrangiert, dass sie getrennt bei ihren jeweiligen Freunden saßen. Das gab ihnen nicht nur die Möglichkeit, Zeit mit ihren jeweiligen Freunden zu verbringen. Es erlaubte ihnen auch, zu verschiedenen Zeiten zu gehen und sich in seinem Büro zu treffen, ohne dass jemand etwas ahnte.

Sie ging zuerst und wandte sich in Richtung der Bücherei. Als sie jedoch den vierten Stock erreichte, ging sie weiter zum fünften und den Flur entlang zu Harrys Büro. Sie trat ein und setzte sich in einen der Sessel, während sie auf Harrys Eintreffen wartete. Es dauerte nicht lange, denn Harry trat nur wenige Minuten später ein. Er lächelte ihr zu, als er sie in dem Sessel sitzen sah. Mit einer Handbewegung machte er in dem Kamin zu ihrer linken ein Feuer. Er wählte den Sessel ihr gegenüber und grüßte sie: „Hey".

„Hey", sagte sie ebenfalls. „Wie war das Mittagessen?"

„Es war okay", erwiderte er. „Wie immer, wirklich. Ron und Hermine streiten sich wieder - es ist allerdings besser als die unangenehme Stille. Ich schätze, ich sollte mich nicht beschweren. Neville hat die Dinge erträglich gemacht."

„Das ist gut", sagte sie ein wenig geistesabwesend. Ihre Gedanken wanderten wieder zu der bevorstehenden Unterrichtsstunde.

„Ich habe dich heute beim Mittagessen vermisst", sagte er unvermittelt.

Das war genug, um ihre Aufmerksamkeit zu erregen. Ihre Augen schauten zu ihm und sie richtete sich in ihrem Sessel auf. „Oh?", sagte sie unverbindlich.

Seine Wangen färbten sich ganz leicht, beinahe unmerklich, rosa und er fuhr fort: „Wir essen immer gemeinsam zu Mittag. Es hat sich einfach nicht richtig ohne dich angefühlt."

Sie lächelte breit bei seinem Geständnis. Er hatte über die letzten paar Tage mehrere Kommentare wie diesen gemacht. Sie war sich nicht sicher, aber sie glaubte, dass er versuchen könnte, ihr zu sagen, wie er über sie fühlte- auf seine eigene einzigartige Weise. Es war irgendwie süß, musste sie vor sich selber zugeben, aber noch immer ein wenig frustrierend. Sie wollte, dass er sie endlich küsste, aber sie konnte nicht wirklich ärgerlich mit ihm sein, dass er sich Zeit ließ, wenn er solche Kommentare fallen ließ.

„Ich habe dich auch vermisst", antwortete sie. „Die Mädels haben über dieses Drama im Magischen Rundfunk geredet und ich hatte unglücklicherweise nicht Neville, um mir zu helfen, bei Verstand zu bleiben."

„Es gibt Dramen im Magischen Rundfunk?", fragte Harry schwer von Begriff.

„Ja, und sie sind furchtbar. Du kennst diese Art von Geschichten, wo es diese Charaktere gibt, die ineinander verliebt sind, aber verschiedene Umstände zu den unpraktischsten Momenten halten sie immer wieder voneinander fern", erklärte sie. „Und dann gibt es bei jeder Gelegenheit zügellose Betrügereien und Affären zwischen den verschiedenen Charakteren."

„Oh, du meinst wie eine Seifenoper?", fragte Harry.

Ginny verzog ihr Gesicht, als sie versuchte, das, was er sagte, einzuordnen, als es ihr einfiel: „Nein. Niemand singt und es gibt keine fetten Damen oder so etwas."

Harry lachte herzhaft auf und verwirrte Ginny damit. Sie könnte schwören, dass das eine Oper war, sie hatte es in Muggelkunde gelernt. „Nein", schaffte es Harry zwischen zwei Lachern zu sagen. „Keine Oper, eine Seifenoper. Es ist eine Art von Show, die im Fernsehen in der Muggelwelt kommt. Es ist dieselbe Grundhandlung."

„Oh", erwiderte sie, über ihren Fehler peinlich berührt. „Nun, warum wird es dann Seifenoper genannt, wenn es nicht mal wie eine Oper ist?"

Harry zuckte mit den Schultern. „Weiß nicht", erwiderte er. „Es wird einfach so genannt."

„Nun, sie könnten die Dinge ein wenig einfacher für mich machen, wenn sie den Dingen Namen geben würden, die Sinn machen", grummelte sie gutmütig.

„Ich werde sicherstellen, es sie wissen zu lassen", neckte er.

„Dann ist gut", sagte sie, und vervollständigte ihren Satz gleich darauf mit einem : „Blödmann."

Harry grinste nur als Antwort. Es gab einen Moment der Stille, als die Unterhaltung erstarb und sie merkte, wie ihre Gedanken wieder zu dem Beinahe-Kuss am Ende des Balles mit Harry wanderten.

„Nun", sagte Harry in die Stille hinein und unterbrach ihre Gedanken. „Sollen wir anfangen?"

Sie atmete aus. „Ich schätze", erwiderte sie stumpf.

„Du musst das nicht machen, weißt du", sagte er. „Wenn du nicht möchtest, können wir ..."

„Nein", unterbrach sie. „Es ist nicht das. Ich bin einfach so nervös."

„Das ist verständlich", beruhigte Harry sie. „Ich weiß nicht, was ich dir sagen soll. Als ich den Unterricht bei Snape begann, war dieser ganz sicher nicht angenehm, und als ich mit Dumbledore begann, war ich bereits ziemlich gut darin. Ich denke, Dumbledores Herangehensweise wäre von Anfang an angenehmer gewesen, aber ich kann das nicht mit Sicherheit sagen. Alles, was ich sagen kann, ist, dass ich versuchen werde, sanft zu sein. Wenn ich dich verletze oder du dich auf irgendeine Art unwohl fühlst, können wir jederzeit aufhören."

„Danke Harry", erwiderte Ginny dankbar. Er hatte ihre Sorgen noch nicht ganz beschwichtigt, aber es war gut, zu wissen, dass er sein Bestes tun würde, um es für sie so angenehm wie möglich zu machen. Zu wissen, dass sie nur fragen musste und er würde aufhören war ebenfalls beruhigend.

Sie sammelte all ihren Mut zusammen und richtete sich auf ihrem Stuhl auf: „Also gut, ich bin bereit."

Harry lächelte sie ermutigend an und sie musste sich anstrengen, ihre Gedanken auf die bevorstehende Aufgabe zu konzentrieren. „Okay. Schließ deine Augen und stell dir das Innere deines Geistes vor. Es gibt keine Wände nur freie Fläche. Jetzt möchte ich, dass du dir vorstellst, dass du eine Mauer darum baust, eine starke Mauer, undurchdringbar."

Ginny tat wie geheißen. Sie beschwor eine physische Repräsentation ihres Geistes herauf und stellte sich vor, wie sich eine Mauer darum herum bildete und sie vor Angriffen beschützen und bewahren würde.

„Hast du die Mauer aufgebaut?", fragte Harry nach einer Weile. Sie nickte. „Okay, halte die Mauer um deine Gedanken aufrecht und öffne deine Augen." Sie tat dies und sah Harry vor sich, sie eindringlich anschauend. Wenn sie jemand anders vor sich vorgefunden hätte, nachdem sie ihre Augen geöffnet hatte, wäre sie wahrscheinlich beunruhigt gewesen und mehr als nur ein wenig ängstlich. „Nun, du musst Augenkontakt mit mir aufrecht erhalten. Es sollte mir helfen, die Legilimentik ordentlich anwenden zu können."

Sie nickte und schaute ihm direkt in die Augen: „Okay."

„Bist du bereit?", fragte er leise.

Sie neigte ihren Kopf leicht, wobei sie niemals den Augenkontakt mit Harry verlor. Sie hörte, wie ein geflüstertes „Legilimens", Harrys Lippen verließ, kurz bevor sie eine fremde Präsenz in ihren Gedanken spürte. Sie konnte die Präsenz gerade außerhalb der Mauern, die sie gerade aufgebaut hatte, fühlen. Sie fragte sich, ob die Mauern halten würden. Was würde er sehen, wenn die Mauern zusammenbrechen würden? Sie würde es gleich herausfinden.

Sie fühlte, wie Harry plötzlich durch die Mauer brach und ihre Gedanken richtig betrat. Sie konnte sehen, wie in ihrem Hinterkopf sich Erinnerungen abspielten. Es war früher am Tag beim Mittagessen gewesen. Während ihre Freunde sich über ihr kitschiges Drama unterhielten, schaute sie zu Harry hinüber und sah, wie er mit Neville über Ron und Hermine lachte. Die Szene verblasste, nur um von einer anderen ersetzt zu werden, an die sie in letzter Zeit öfters denken musste, eine Szene, an die sie keine zehn Minuten vorher gedacht hatte.

Sie lag unter den Sternen in der kalten Nachtluft. Ihr war warm, trotz der Tatsache, dass sie nur in ihren Festroben war. Harry lehnte sich vor und sie konnte ihr Herz höher schlagen fühlen, als sie ihre Augen schloss und sich zu ihm vorlehnte. Einen Moment lang fühlte sie, als würde ihr Herz zerplatzen, als sie Harrys gequälten Schrei hörte und ihre Augen öffneten sich wieder.

Sie fühlte, wie Harrys Präsenz plötzlich verschwand und sie zur Gegenwart zurückkam. Sie merkte, dass ihre Augen noch immer geschlossen waren, nur erinnerte sie sich nicht, sie geschlossen zu haben. Sie saß erstarrt auf ihrem Stuhl, voller Angst, ihre Augen zu öffnen und zu sehen, wie Harry sie anschaute. Hatte er die Erinnerung gesehen? Natürlich hatte er das. Das war, was Legilimentik tat. Es erlaubte jemanden, die Gedanken zu lesen. Sie wollte frustriert aufschreien. Warum hatte es diese Erinnerung sein müssen? Sie sollte weggesperrt sein.

Selbst mit geschlossenen Augen konnte sie Harrys Augen auf sich spüren. Was würde er sagen? Würde er so tun, als wäre nichts passiert? Gerade als sie beschlossen hatte, ihm mehr Zeit zu geben, um eine Entscheidung zu treffen, musste das passieren und alles ruinieren. Sie fühlte sich, als wäre sie wieder elf Jahre alt und hatte gerade ihren Ellbogen in die Butter versenkt. Sie hatte sich vor langer Zeit versprochen, dass sie niemals wieder so fühlen würde, und sie hatte hart daran gearbeitet, ihre Gefühle für Harry zu überwinden, um eine weitere Situation wie diese zu vermeiden. Dann hatte sie wieder Gefühle für ihn entwickeln müssen und hatte dies geschehen lassen. Sie wünschte sich, dass der Boden sich einfach auftun und sie verschlingen würde.

OoOoOoOoOoOoOoO

Harry war mehr als nur ein wenig überrascht. Er war in der Lage gewesen, bei seinem ersten Versuch Legilimentik anzuwenden. Er war in Ginnys Gedanken eingedrungen und hatte zwei von Ginnys Erinnerungen gesehen - er hatte sie nicht nur gesehen, sondern auch einen Widerhall ihrer Gefühle während dieser Momente. Er hatte sie unwissentlich beim Mittagessen zum Lächeln gebracht; sie war glücklich gewesen, ihn lachen zu sehen.

Dann sah er die gleiche Erinnerung, über welche er seit Wochen nachdachte. Es von ihrer Perspektive aus sehend konnte er Ginnys Gefühle empfinden, als er sich zu ihr lehnte, um sie zu küssen. Er fühlte Freude, aber da war auch noch Verlangen. Es war unwirklich, aber auch schmeichelhaft, ihr Verlangen auf sich gerichtet zu fühlen. Er konnte die rote Farbe nicht ganz aus seinen Wangen halten. Ginny Weasley wollte ihn.

Gerade bevor er ihre Gedanken verlassen wollte, hatte er ihre Beschämung darüber gefühlt, was er sah und ihre Unsicherheit, wie die Dinge zwischen ihnen waren. Sie fürchtete, dass er seine Meinung geändert hatte. Er sah, dass er nicht der einzige war, der viel über die Angelegenheit nachgedacht hatte. Während er hin- und her überlegt hatte, was er wegen seiner Gefühle machen sollte, hatte sie sich gefragt, was seine Gefühle wirklich waren, da er seitdem so getan hatte, als wäre der Beinahe-Kuss nie passiert. Wenn er weiterhin so gehandelt hätte, hätte sie höchstwahrscheinlich angenommen, dass er seine Meinung geändert oder entschieden hatte, dass es ein Fehler gewesen war.

Er konnte es nicht erlauben, dass sie weiterhin zweifelte. Er schuldete es ihr, zumindest ihr gegenüber ehrlich und offen über seine Gefühle zu sein. Er wollte nicht, dass sie auch nur eine Sekunde lang dachte, dass sie ungewollt oder es nicht wert war. Er schaute sie an, wie sie vor ihm saß. Sie hatte ihre Augen noch nicht geöffnet, und er saß da und wartete darauf, dass sie dies tat, bevor er begann. Als ihre Augen Minute um Minute noch immer fest geschlossen blieben und ihr Kopf auf den Boden gerichtet war, wählte er einen anderen Weg. „Ginny?", fragte er zögernd.

Er hasste sich in dem Moment selbst, als er sie beobachtete. Er konnte fühlen, wie sich sein Herz schmerzhaft zusammenzog, als sie dort beschämt saß, unsicher über sich selbst und seine Gefühle. Er konnte nicht zuschauen, wie sie nur einen weiteren Moment länger litt, und so stand er von seinem Platz auf und kniete sich vor ihr hin. Er streckte eine Hand aus und drückte ihr Kinn nach oben auf seine Kopfhöhe. „Ginny", sagte er noch einmal.

Mit einem hörbaren Seufzen öffnete sie ihre Augen, aber sie schaute noch immer nach unten. Harry zögerte einen Moment, seine Hand noch immer an ihrem Kinn. Er wollte etwas sagen, um ihre Ängste zu zerstreuen und um sie wissen zu lassen, wie er über sie fühlte, aber er konnte die Worte nicht finden. Er fühlte sich wie erstarrt, während seine Gedanken sich überschlugen, auf der Suche nach einem Weg um es ihr zu sagen. Ganz langsam richtete Ginny ihren Blick nach oben, bis sie seinen Blick erwiderte.

In dem Moment, als sich ihre Blicke trafen, hörte Harry abrupt auf zu denken. Das Zimmer verblasste und alles, was übrig blieb, war Ginny. Er strich mit seiner Hand ihren Kiefer entlang und rieb mit seinem Daumenballen über ihre Wange, während er sanft ihr Gesicht nach oben neigte und sich zu ihr lehnte. Der nächste Sekundenbruchteil schien unerträglich langsam zu vergehen, als er die Distanz zwischen ihnen überwand.

Er konnte plötzlich ihre warmen, leicht geöffneten Lippen an seinen fühlen. Für einen kurzen Moment bewegten sie sich beide nicht, als ihre Lippen die des anderen berührten. Er fühlte, wie Ginny zufrieden seufzte und der Moment war gebrochen. Er begann seine Lippen zu bewegen und konnte fühlen, wie sich ihre antwortend bewegten. Ihre Hand strich gegen seine Wange und blieb in der Nähe seines Kiefers liegen, während ihre Finger mit dem Haar in seinem Nacken spielten.

Harry konnte nicht annähernd beschreiben was er fühlte, als er Ginny küsste. Er legte alles, was er fühlte, in diesen Kuss - die ganze Unsicherheit und Angst und das Verlangen und die Leidenschaft, die er für sie fühlte - und er konnte dieselben Gefühle bei Ginny fühlen.

Der Kuss dauerte nicht lange an. Es war nur wenige kurze Sekunden später, dass sie sich voneinander lösten. Ihre Blicke trafen sich. Kein Wort wurde gesagt, noch war das notwendig. Harry liebkoste die sanfte Haut ihrer Wange mit seinem Daumenballen, bevor er sich wieder zu ihr lehnte, um ihr einen kurzen, innigen Kuss auf die Lippen zu geben.

Als seine Lippen sich von ihren trennten, neigte er seinen Kopf leicht nach vorne, so dass seine Stirn gegen ihre lehnte. Mit seiner Hand noch immer an ihrer Wange und ihrer an seinem Nacken lächelten die beiden sich an.

Gerade als Harry seinen Mund öffnen wollte, um zu versuchen, seine Taten über die vergangenen Wochen zu erklären, zog Ginny ihn für einen weiteren Kuss zu sich. Während ihr letzter Kuss träge und süß gewesen war, war dieser drängender und leidenschaftlicher. Er konnte Ginnys Lippen voller Stärke und Verlangen an seinen fühlen, und er war nur zu glücklich, dies zu erwidern. Eine ihrer Hände packte sein Haar an seinem Hinterkopf, während ihre andere zu seinem Rücken wanderte. Harry legte eine seiner eigenen Hände auf Ginnys Hinterkopf und ließ ihr Haar durch seine Finger gleiten, während seine Lippen sich weiterhin gegen ihre bewegten.

Sie lösten sich nach einer Weile voneinander, beide schwer atmend. Harry lehnte sich nach vorne, um seinen Kopf in ihren Schoß zu legen und legte seine Arme um ihren Rücken, während er wieder zu Atem kam. Ginny legte ihre Hand wieder an seinen Kopf und fuhr sanft mit ihren Fingern durch sein Haar, während sie einfach da saßen. Harry hätte den ganzen Abend so verbringen können, aber er musste einige Dinge, die ihm auf dem Herzen lagen, loswerden. Ginny verdiente eine Erklärung, vor allem über sein Verhalten der letzten Wochen, aber sie musste auch wissen, auf was genau sie sich einließ, wenn sie mit Harry eine Beziehung einging.

Und so zwang sich Harry, sich von ihrem Schoß aufzurichten und setzte sich auf seine Fersen, als er vor ihr kniete. „Ich denke, wir müssen reden", sagte er ihr und hatte noch immer ein leicht dümmliches Lächeln auf dem Gesicht.

Sie nickte zustimmend.

„Es tut mir leid, dass ich die vergangenen Wochen solch ein unsensibler Blödmann gewesen bin", sagte er ihr aufrichtig.

„Es ist okay, Harry", warf sie ein. „Ich verstehe."

„Nein, es ist nicht okay", erwiderte er. „Ich habe nicht einmal daran gedacht, wie du dich fühlst oder was du denkst. Ich war verwirrt und hatte Angst und ich wusste nicht, was ich tun sollte." Er atmete tief aus, bevor er fortfuhr. „Ich mag dich, Ginny. Das beschreibt es nicht einmal annähernd. Du bist meine beste Freundin, aber du bist auch mehr als das. Du bist die wichtigste Person in meinem Leben. Ich denke die ganze Zeit an dich. Ich habe die letzten Wochen ständig an den Abend des Balls gedacht. Ich kann nicht aufhören, daran zu denken, noch aufhören, an dich zu denken. Du weißt nicht, wie oft ich da weitermachen wollte, wo wir aufgehört hatten und dich küssen."

Er kratzte sich nervös am Nacken, als er fühlte, wie bei seinem Geständnis Wärme in seine Wange schoss. „Aber zur gleichen Zeit habe ich gezögert, etwas deswegen zu unternehmen - aus mehreren Gründen. Der erste und offensichtlichste ist die Gefahr, in die ich dich bringen würde, wenn es bekannt werden würde, dass wir zusammen sind." Er hielt seine Hand nach oben, um der Unterbrechung zuvorzukommen, die ihr schon auf der Zunge lag. „Ich weiß, dass es dumm ist, das musst du mir nicht sagen. Ich habe das selbst herausgefunden. Über was ich mir wirklich Sorgen gemacht habe, war, was passieren würde, wenn es nicht funktionieren würde. Ich meine, du bist meine beste Freundin. Du bist die einzige, die weiß, was ich alles kann und was ich seit Juni mache. Wir verbringen so viel Zeit miteinander, das Workout morgens, das Training, und einfach nur gemeinsam essen oder in meinem Büro oder im Gemeinschaftsraum Zeit miteinander verbringen. Unsere Freundschaft ist noch immer so neu und doch kann ich mir mein Leben ohne dich nicht vorstellen. Wenn die Dinge zwischen uns nicht funktionieren würden und ich dich als Freundin verlieren würde ...Ich ..."

Er beendete den Satz nicht, nicht in der Lage, zu sagen, was genau ihm das antun würde.

„Schh", sagte Ginny. Sie glitt von ihrem Stuhl hinunter vor ihm auf die Knie. Sie streckte ihre Hand aus und nahm seine beiden Hände in ihre. „Glaubst du nicht, dass ich mir um die gleichen Dinge Sorgen gemacht habe? Es ist in Ordnung, Ängste zu haben, Harry, aber du kannst diese Ängste dich nicht kontrollieren lassen und ich lasse meine Ängste nicht mich kontrollieren. Ich möchte das, Harry, und wenn du es auch willst, dann lass deine Ängste dich nicht zurückhalten. Wir werden die Dinge langsam angehen lassen, so dass wir uns nicht übernehmen. Wenn wir entscheiden, dass wir nur als Freunde besser dran sind, dann werden wir es wenigstens wissen. Wenn wir dem Ganzen nicht wenigstens eine Chance geben, werden wir uns immer fragen, was hätte sein können."

„Du hast Recht", sagte Harry und drückte ihre Hände. „Ich weiß, dass du Recht hast, aber es gibt so vieles, von dem du nichts weißt, Dinge, die ich machen muss. Ist es fair von mir, dich in das Ganze hineinzuziehen?"

„Warum lässt du mich das nicht entscheiden?", erwiderte sie und drückte seine Hände ein wenig fester als es notwendig war.

„Weil es Dinge gibt, die ich dir nicht sagen kann - noch nicht" war seine Antwort und zog seine Hände aus ihren, um sich frustriert durch sein Haar zu fahren. „Nicht, bis du ..."

„... Okklumentik gelernt hast", beendete sie für ihn. Sie war einen Moment lang still, ihr Blick war richtungslos. Ihre Hände legte sie auf seine Knie und ihre Augen suchten die seinen, als sie ruhig fortfuhr. „Also gehen wir es langsam an. Ich werde weiterhin trainieren und du kannst es mir sagen, wenn du glaubst, dass ich bereit bin."

Er lächelte daraufhin. Alle seine Ängste und alle seine Sorgen waren beigelegt. Sie wusste nicht alles, was er machen musste, aber sie hatte eine gute Idee und wusste, dass es viele Dinge gab, die er ihr nicht sagen konnte. Doch sie wollte ihn trotzdem. Er fühlte sich leichter, so als wäre ihm gerade ein großes Gewicht vom Herzen gefallen.

Manche Dinge waren das Risiko wert.

OoOoOoOoOoOoOoO

Es war eine unausgesprochene Übereinkunft, dass die beiden die Neuigkeiten von der Veränderung in ihrer Beziehung nicht mitteilten. Als sie später am Nachmittag zum Gryffindorgemeinschaftsraum zurückkehrten, verhielten sie sich wie immer. Der einzige Hinweis, dass sich etwas zwischen ihnen verändert hatte, war, dass sie geheimnisvolle Lächeln austauschten, wenn niemand schaute. Sie waren bereits alle daran gewöhnt, dass die beiden einen Großteil ihrer Zeit miteinander verbrachten. Dass sie nebeneinander auf dem Sofa vor dem Kamin saßen war daher nicht ungewöhnlich.

Ginny holte ihr Verwandlungsbuch heraus, um an einem Aufsatz zu arbeiten, während Harry anfing, das Buch, das Hermine ihm zu Weihnachten geschenkt hatte, zu lesen. Ginny lehnte mit ihrem Rücken an der Armlehne und hatte ihre Knie hochgezogen, so dass sie sie als Schreibunterlage verwenden konnte. Sie grub ihre Zehen unter Harrys Roben. Als er sich ihr zuwandte, um sie anzuschauen, sagte sie einfach: „Meine Zehen sind kalt."

Harry lächelte nur statt zu antworten und wandte sich wieder seinem Buch zu. Er war sehr daran interessiert, herauszufinden, ob das Buch ihm etwas liefern würde, das er für sein Training oder sogar für seinen HA-Unterricht verwenden könnte. Das Buch konzentrierte sich nicht auf eine Kampfsportart im Besonderen, sondern behandelte mehr die dahinterliegenden Konzepte der meisten Kampfsportarten.

Das Buch handelte von so einfachen Dingen wie die richtige Art zu Laufen, seinen Körperschwerpunkt so zu verlagern, so dass man seine Bewegungen nicht behinderte und die Energie, die man bei einer einfachen Tat verwendet, minimierte.

Es gab einen kurzen Abriss von Techniken, um die Flexibilität und Beweglichkeit zu verbessern. Es beschrieb auch den richtigen Weg zu fallen, um den Effekt auf den Körper zu minimieren.

Harry war von dem Buch fasziniert und dennoch fand er es zugleich schwierig, sich auf das Buch zu konzentrieren. Stattdessen bemerkte er, wie seine Gedanken und seine Blicke zu der wunderschönen Hexe neben ihm wanderten. Sie lächelten sich öfters an, während sie vor dem Abendessen arbeiteten, und er merkte kaum, dass überhaupt Zeit vergangen war, als Ginny gegen seine Schulter stupste und damit seine fragile Konzentration völlig brach. „Gutes Buch?", fragte Ginny leise.

„Ja, es ist interessant", erwiderte er und merkte sich die Seitennummer, auf der er war, bevor er das Buch zuklappte. „Hast du deinen Aufsatz beendet?"

„Beinahe", antwortete sie. „Es ist Zeit fürs Abendessen."

„Oh." Er hatte nicht bemerkt, dass so viel Zeit vergangen war. „Sollen wir dann hinunter gehen?"

Sie lächelte als Antwort und die beiden gingen hinunter zur Großen Halle zum Essen. Der Rest des Abends verging ohne großes Trara. Als es Zeit wurde, Gute Nacht zu sagen, waren Harry und Ginny beide ein wenig unwillig. Seit den Küssen in Harrys Büro hatten sie sich nicht aus den Augen gelassen, gelegentliche Toilettengänge ausgenommen, und keiner der beiden freute sich, den anderen zu verlassen.

Sie schafften es schließlich, sich die Treppen hochzuschleppen, die zu ihren jeweiligen Schlafsälen führten. Sich der Blicke der anderen im Raum bewusst, hielten sie die Verabschiedung kurz. Harry wollte Ginny einen GuteNachtkuss geben, aber er war nicht bereit, das Geheimnis ihrer Beziehung zu verraten. Was er nicht mit seinen Lippen sagen konnte, sagte er mit seinen Augen und seiner Hand, als er diese ausstreckte, um ihre Hand leicht zu drücken. „Gute Nacht, Ginny", sagte er sanft, seine Stimme voller Emotionen.

„Gute Nacht, Harry", erwiderte Ginny. Sie lächelte, als sie sich umdrehte und ging die Treppe hoch. Harry schaute ihr einen Moment hinterher, bevor er sich umdrehte und seine eigene Treppe hochging. Nachdem er seine Erinnerungen des Tages sortiert hatte - er fügte eine weitere seinen Patronus-Erinnerungen hinzu -, lag er im Bett und dachte über den Tag und vor allem über Ginny nach. Er war sich nicht sicher, warum er wollte, dass ihre Beziehung ein Geheimnis blieb. Ein Teil von ihm wollte es der ganzen Welt verkünden, dennoch zögerte er.

Nachdem er mehrmals dem prüfenden Blick der Zaubererwelt ausgesetzt gewesen war, wollte Harry nichts tun, das ihn wieder in dem Mittelpunkt rücken konnte, selbst für etwas, das ihn glücklich machte. Ihre Beziehung war etwas, dass sie beide teilten. Es ging niemand anderen etwas an, und er zog es vor, es so zu belassen, zumindest für die nächste Zeit. Er würde sich selbst anlügen, wenn er nicht zugeben würde, dass ein kleiner Teil von ihm das Geheimnis für Ginnys Wohl bewahren wollte. Er würde sich niemals selbst vergeben, wenn sie wegen ihm zu einem Ziel werden würde.

Er versuchte, diese Gedanken aus seinen Kopf zu verbannen. Es war nicht gut, sich auf seine Ängste zu konzentrieren. Seine Sorgen würden ihn nicht daran hindern, glücklich zu sein. Ein Lächeln breitete sich auf seinen Lippen aus, als seine Gedanken zu Ginny wanderten und er konnte es kaum erwarten, sie am nächsten Morgen wiederzusehen. Mit diesen Gedanken schlief er ein.

OoOoOoOoOoOoOoO

Harry konnte das Grinsen, das auf seinen Lippen lag nicht unterdrücken, als Sirius zu sehen war. Nun konnte er endlich mit jemanden über Ginny reden.

„Also gut. Wieso grinst du wie ein Idiot?", grüßte Sirius neugierig.

Harrys Lächeln wurde breiter.

„Warte mal eine Minute", sagte Sirius ernst. „Ich kenne dieses Lächeln. Du hast es verdammt noch mal getan, nicht wahr?" Ein breites Grinsen war auf seinem Gesicht. „Ich würde alles darauf verwetten. Du hast mit Ginny geknutscht, oder nicht? Krone hatte dasselbe dämliche Grinsen im Gesicht, nachdem er das erste Mal Lily geküsst hatte."

Harry konnte fühlen, wie die Haut auf seinem Gesicht sich noch mehr spannte, blieb aber stumm.

„Nun, lass mich hier nicht hängen", sagte Sirius. „Was ist passiert? Wie war es?"

„Brillant", erwiderte Harry mit leichter Ehrfurcht in seiner Stimme. „Es war brillant. Wir hatten gerade mit ihrer ersten Okklumentikstunde begonnen und ich konnte in ihre Gedanken einbrechen. Ich habe eine Erinnerung an das Mittagessen von heute gesehen, aber dann wechselte es zu ihrer Erinnerung an den Moment, als wir uns an Weihnachten fast geküsst hatten. In diesem Moment habe ich erkannt, was ich ihr antat, indem ich nicht nach meinen Gefühlen handelte. Sie musste sich fragen, ob ich meine Meinung geändert hatte oder nicht. Sie war sich nicht sicher, wie ich über sie fühlte. Ich wusste, ich musste es ihr sagen."

„Mach schneller und komm zum guten Teil", quengelte Sirius gutgelaunt.

„Ich komme dazu", erwiderte Harry mit einem Augenverdrehen. „Nun, wo war ich, bevor ich so unverschämt unterbrochen wurde?" Harry konnte sehen, wie Sirius ebenfalls die Augen verdrehte. „Ich habe versucht, Worte zu finden, um ihr zu sagen, wie ich fühle, aber mein Kopf war leer. Und dann schaute sie mir in die Augen und ich in ihre und ich habe sie einfach geküsst", sagte Harry und seine Stimme war leicht von dem Wunder erfüllt.

Sirius Grinsen war noch größer als zuvor. „Das ist mein Junge", sagte er und klopfte Harry auf die Schulter.

Harry konnte nicht anders als zu lächeln, so unbeirrbar wie Sirius im Moment war. Er, Harry, hatte Ginny geküsst. Und er erwartete, sie in Zukunft wieder küssen zu können. Das war Grund genug, zu feiern.

„Es wird auch verdammt noch mal Zeit", fuhr Sirius leicht aufgewühlt fort. „Ich begann zu denken, dass ich nicht da sein würde, um den Tag zu sehen."

Dieser Kommentar weckte Harrys Aufmerksamkeit.

„Du hast dir wirklich Sorgen darüber gemacht, oder?", fragte Harry seinen Paten und das Grinsen verschwand aus seinem Gesicht. Er wusste, dass Sirius fühlte, dass seine Zeit zu Ende ging. Harry hatte es nicht vergessen, aber er hoffte, dass er mehr Zeit haben würde, als er ursprünglich dachte, da Sirius es nicht angesprochen hatte. Er fühlte, wie sein Magen sich zusammenzog, als er auf Sirius Antwort wartete.

„Ja", gab Sirius zu, seine Stimme müde und angespannt. „Jeden Tag fühle ich die Anziehung mehr und mehr. Ich habe mir Sorgen gemacht, dass mein Gehen die Dinge mit Ginny nur verzögern würde und ich wollte nicht, dass das passiert. Du wirst sie mehr denn je brauchen, wenn ich nicht mehr da bin."

Harry fühlte einen Kloß in seinem Hals. Er versuchte zu schlucken, aber es ging nicht. Er kniff seine Augen fest zusammen, um die Tränen aufzuhalten, welche er in seinen Augenwinkeln fühlen konnte.

„Nun, da ich weiß, dass sich jemand um dich kümmert," fuhr Sirius fort, seine Augen ein winziges bisschen tränenverschleiert, „kann ich in Frieden gehen."

„Ich möchte nicht, dass du gehst", brach es aus Harry heraus, seine Stimme brach mit den ganzen Emotionen ... Er fühlte sich dumm, es gesagt zu haben; er wusste, dass er nichts machen konnte, um es zu verhindern. Sirius war tot, aber egal wie oft er es sich sagte: Es machte keinen Unterschied. Er stand Sirius nun näher als er seinem Paten je gewesen war, als dieser noch am Leben gewesen war und nun würde Sirius für immer auf die andere Seite gehen.

„Ich weiß, Harry", erwiderte Sirius und packte Harry an den Schultern. „Wenn ich könnte, würde ich dich durch die Widrigkeiten, die vor dir liegen, begleiten. Ich wünschte, ich könnte jeden Schritt auf dem Weg für dich da sein, aber meine Zeit ist vorbei. Es ist für andere an der Zeit, diese Rolle für dich zu füllen. Lass sie für dich da sein, Harry. Lass Ginny für dich da sein. Lass deine Freunde und Remus für dich da sein. Egal wie stark du bist, mit deinen Freunden wirst du immer stärker sein."

Harry trat nach vorne und warf seine Arme um seinen Paten. Er erkannte den Ernst von dem, was gesagt wurde und was es wirklich bedeutete. Sirius wusste, dass seine Zeit vorbei war und dass er nun jeden Tag auf die andere Seite wechseln könnte und er bereitete sich darauf vor.

ENDE 17.1

Danke an annette-ella und guest für die Reviews!