Kapitel 19.2: Verrate mir deine Geheimnisse
Die nächsten Tage vergingen im Flubberwurmtempo, als die Vorfreude auf den Valentinstag und das Hogsmeade-Wochenende größer wurde. Harry nutzte es aus, dass seine Freunde abgelenkt waren, um sich aus dem Schloss zu schleichen. Er wollte Ginny ein Geschenk geben, aber er hatte keine Ahnung, wo er anfangen sollte zu suchen. Selbst wenn er wollte, konnte er nicht Hermine oder eines der anderen Mädchen in Hogwarts fragen, da es zu kompliziert wäre, zu erklären, wie er das Geschenk organisiert hatte.
Er dachte kurz darüber nach, Jessica um Hilfe zu bitten, aber er überlegte es sich schnell anders. Es wäre ein wenig merkwürdig, sie zu bitten, ihm zu helfen, ein Geschenk für eine andere Frau zu kaufen. Außerdem wäre es schwierig, zu erklären, warum er zurück in London war. Er erinnerte sich, ein paar geeignete Läden gesehen zu haben, als er mit Jessica nahe ihres Kaufhauses gelaufen war, und dorthin wandte er sich, um Ginnys Geschenk zu finden.
Nach einem kurzen Zwischenstopp, um einige Galleonen in Pfund umzutauschen, wanderte Harry in ein Muggeljuweliergeschäft und überlegte, was er kaufen sollte. Er wollte nur ungern einen Ring kaufen, um zu verhindern, dass sie eine falsche Idee bekam. Deshalb entschied er sich für ein Armband, eine Kette oder Ohrringe. Nachdem er die Auslage gemustert hatte, schwirrte Harrys Kopf angesichts der großen Auswahl. Glücklicherweise näherte sich ihm ein freundlicher alter Mann hinterm Tresen und fragte ihn, ob er ihm helfen könnte.
Harry erklärte dem Mann, der ihn freundlich anlächelte, seine Situation. Der Mann zeigte Harry mehrere Stücke, von denen er sagte, dass sie bei der jüngeren Generation beliebt waren und davon suchte sich Harry ein Paar goldene Ohrringe aus. Er zahlte, dankte dem Mann für seine Hilfe und machte sich schnell auf den Weg zurück zum Schloss. Er hatte wenig Angst, von jemandem außer Ginny entdeckt zu werden, aber er wollte das Geschenk bis zum Valentinstag geheim halten. Der Rest der Woche war praktisch Folter, so langsam schienen die Tage zu vergehen.
Als das Wochenende schließlich da war, fühlte Harry sich erleichtert und gleichzeitig aufgeregt, als er sich schließlich auf den Weg in die Zaubererstadt machte. Es hatte sich so angefühlt, als würde das Wochenende nie kommen und jetzt war es endlich soweit. Als ihm eine kühle Brise eine Gänsehaut bescherte, rief Harry seine Magie herauf, um sich zu wärmen. Er ließ die Magie auch zu Ginny fließen und sie schenkte ihm als Antwort ein dankbares Lächeln.
Als sie gingen, dachte Harry an das letzte Jahr. Er war damals zur gleichen Zeit den gleichen ausgetretenen Pfad nach Hogsmeade entlanggegangen, neben ihm ein Mädchen, von dem er dachte, dass er Hals über Kopf in sie verliebt war. Zu der Zeit hatte er sich unwohl und unbehaglich gefühlt und Probleme gehabt, Gemeinsamkeiten mit einem Mädchen zu finden, das er kaum kannte. Ein Jahr zuvor war Harry diesen Pfad entlanggegangen, der direkt ins Desaster geführt hatte.
Das war das tolle an diesem Jahr und an diesem Valentinstag. An seiner Seite war ein Mädchen, von dem er sich sehr sicher war, dass er ihr verfallen war. Wenn er daran zurückdachte, fand Harry sein Verhalten vom vorigen Jahr ziemlich dämlich. Er hatte Cho nicht einmal gekannt; in was also hatte er sich verliebt? Ginny dagegen kannte er ziemlich gut und es schien, umso mehr er über sie lernte, umso mehr mochte er sie. Als sie dem Pfad folgten, hatten sie keine Probleme, Gemeinsamkeiten oder Themen zu finden, über die sie sich unterhielten und die gelegentliche Stille zwischen ihnen war nicht merkwürdig oder unbehaglich. Die Tatsache, dass sie keine ständige Unterhaltung aufrecht halten mussten, war ein Beweis, wie wohl sie sich in der Gegenwart des anderen fühlten. Ihre Beziehung zueinander war mühelos und natürlich.
Sie erreichten die Stadt inmitten der anderen Schüler, ohne ein echtes Ziel vor Augen zu haben. Harry wandte sich zu Ginny und fragte, was sie machen wollte.
„Eine Tasse Tee wäre gut", erwiderte sie. „Können wir zu Madam Puddifoots Café gehen?"
Harry schaute sie bei dieser Aussage voller Horror an. Er war außer am Valentinstag nie dort gewesen. Ihm war klar, dass es dort möglicherweise nicht immer so schrecklich war wie bei seinem einen Besuch mit Cho, aber da es wieder Valentinstag war, war das Geschäft wahrscheinlich ähnlich wie das letzte mal, vielleicht sogar genauso dekoriert. Er konnte nicht glauben, dass Ginny wirklich dorthin wollte. Dann verstand er. Ginny würde dort nicht hinwollen; sie hatte ihn nur auf den Arm genommen.
„Ha ha", sagte er. „Sehr lustig."
Sie lächelte ihn gewinnbringend an. „Dein Gesichtsausdruck war unbezahlbar."
„Ja, ja, lach du nur", erwiderte Harry. „Du denkst, es ist lustig, aber ich glaube nicht, dass ich dich jetzt noch küssen könnte, nicht mit dieser Szene in meinem Kopf."
„Oh, sei nicht so melodramatisch", lachte Ginny.
Er streckte ihr gespielt verärgert die Zunge raus.
„Vorsichtig, Mr. Potter", warnte Ginny. „Ich bin dafür bekannt, zu beißen." Ihr Tonfall hatte einen anzüglichen Unterton angenommen und sie zwinkerte ihm zu.
„Beiß einfach nicht zu fest, und ich denke, alles ist in Ordnung. Tatsächlich" witzelte Harry „werde ich es vielleicht genießen."
„Träum weiter, Potter", sagte Ginny und schubste ihn spielerisch.
Harry machte eine Bewegung, als wolle er sie zurückschubsen, doch stattdessen zog er sie für einen kurzen Kuss zu sich. Er trennte sich wieder von ihr und legte einen Arm um ihre Schultern, als sie beide auf der Hauptstraße durch die Stadt wanderten. Sie schauten meist nur in die Schaufenster, aber betraten auch einige Geschäfte. Keiner von ihnen musste etwas kaufen, und so waren sie damit zufrieden, den Spaziergang durch die Stadt zu genießen, bis die Zeit fürs Mittagessen kam.
Als der Mittag sich näherte, betraten sie die Drei Besen und sahen Neville und Hannah bereits in einer Sitzecke an der Wand sitzen. Harry winkte ihnen zu, als sie zu dem Tisch gingen und setzte sich neben Ginny. Als sie sich begrüßten, nahm Ginny seine Hand und verschränkte ihre Finger miteinander. Er drehte sich zu ihr und lächelte sie an.
„Ginny, ich liebe deine Ohrringe", meinte Hannah aufgeregt.
Harry wandte sich überrascht zu ihr und fragte sich, wie sie so schnell Ginnys Ohrringe hatte entdecken können. Er schaute zu Ginny, die ihm einen selbstzufriedenen Ich-habe-es-dir-gesagt-Blick zuwarf. Und sie hatte es ihm gesagt. Nicht länger warten könnend hatte Harry ihr an diesem Morgen die Ohrringe gegeben. Nachdem sie ihm ausgiebig gedankt hatte, hatte sie ihn gewarnt, dass - wenn sie den Schmuck tragen würde - jemand es sehen und etwas sagen würde. Harry hatte mit den Schultern gezuckt und entschieden, dass es es nicht Wert war, sich darüber Gedanken zu machen. Die Anderen würden es früher oder später herausfinden.
„Danke. Harry hat sie mir gegeben", erwiderte sie.
Als beide Köpfe auf der anderen Seite des Tisches sich zu ihm drehten, fühlte Harry, wie Röte seinen Hals hinauf in seine Wange schoss.
„Sie sind wunderschön", fuhr Hannah fort. „Ich muss sagen, du hast guten Geschmack."
„Äh - uh - danke", erwiderte Harry unbehaglich.
Ginny stieß ihm mit ihrem Ellbogen in die Seite. „Oh, hör auf, so schüchtern zu sein", rügte sie ihn neckend.
Er schaute zu ihr und lächelte. Er erkannte, dass er sich ein wenig albern über diese ganze Sache verhielt. Die Situation war nur so ungewohnt. Seine Beziehung mit Ginny war noch immer neu und so wenige wussten Bescheid, dass das Thema nie zur Sprache kam. Er nahm an, es würde nur ein wenig dauern, um sich daran zu gewöhnen, dass Menschen wussten, wie er fühlte.
„Und genießt ihr eure Verabredung?", fragte Harry und versuchte die Aufmerksamkeit von sich abzulenken.
Und tatsächlich. Eine Röte erschien auf Nevilles Wangen und Hannah zog schüchtern ihren Kopf ein und murmelte etwas, dass er nicht hörte.
„Okay, du bist also nicht der einzige schüchterne hier", sagte Ginny gutgelaunt. „Fühlst du dich nun besser?"
„Ja, in der Tat", erwiderte Harry. „Viel besser."
Madame Rosmerta unterbrach sie, um ihre Bestellungen aufzunehmen und sie fielen problemlos in eine Unterhaltung, sobald sie wieder gegangen war. Harry hielt sich davon ab, wie im vorigen Semester mit Rosmerta zu flirten. Er war der Meinung, dass es respektlos gegenüber Ginny wäre, mit einer anderen Frau zu flirten, während er mit ihr auf einem Date war - selbst wenn es nur im Spaß war. Harry war ein wenig überrascht, dass Rosmerta keine Anstalten machte, mit ihm oder Neville zu flirten, aber dann wiederum, erkannte sie vielleicht, dass sie beide auf einem Date waren und wollte es nicht riskieren, die Mädchen zu verärgern.
Die Unterhaltung wandte sich zuerst zur HA und dann schließlich zum Krieg. Hannah war insbesondere daran interessiert, zu hören, was Harry zu sagen hatte. Er nahm an, dass es Sinn machte, das sie auf ihn schaute, da er der einzige in einer Autoritätsposition war, der offen darüber redete und versuchte, ihnen die Mittel zu geben, mit der Situation fertig zu werden. Harry beschloss direkt zu sein.
„Kurz gesagt war und ist das Ministerium erschreckend unvorbereitet, die Situation handzuhaben. Fudge hat nicht nur ein ganzes Jahr der Vorbereitung verschwendet, er hat Voldemort auch freie Hand gelassen, so dass dieser seine Stärke aufbauen konnte. Die einzigen, die zu dieser Zeit aktiv gegen Voldemort gearbeitet haben, waren Dumbledore und seine Anhänger und diese taten wenig mehr als Informationen zu sammeln und daran zu arbeiten, Voldemort zu behindern und aufzuhalten. So weit ich das sehe, haben sie nie versucht, einen Todesser gefangen zu nehmen oder etwas, dass Voldemorts Streitkräfte beeinträchtigen würde."
„Nun, zugegeben", fuhr Harry fort, nachdem er einen Schluck von seinem Butterbier genommen hatte. „Wenn sie einen Todesser gefangengenommen hätten, hätte Fudge ihn wieder freigelassen, sobald der Todesser dem Ministerium übergeben worden wäre. So wie ich das sehe, scheinen die Ministeriumsauroren für so einen Konflikt nicht gut genug ausgebildet und auch zu wenige zu sein, um eine wahre Bedrohung für Voldemorts Streitmächte darzustellen. Dumbledores Gruppe geht es nicht anders. Im Moment ist es so, dass alles, was irgendjemand versucht, ist, die Schäden zu minimieren und selbst das wird nur halbwegs bewerkstelligt."
Am Tisch war es nach seiner Rede einige Zeit lang still. Die Aussichten waren nicht gut und es war nicht einfach, das zu akzeptieren. Hannah brach schließlich die Stille, indem sie sagte: „Ich habe gehört, dass sie vor einiger Zeit einen Angriff auf Madame Bones aufhalten konnten. Es tauchte nie in der Zeitung auf, aber Susan Bones hat einen Brief von ihrer Tante erhalten."
Harry wechselte einen schnellen Blick mit Ginny, bevor er seine Aufmerksamkeit wieder Hannah zuwandte: „Hat sie Einzelheiten über den Angriff erzählt oder gesagt, wer es war, der den Angriff aufgehalten hat?"
„Nein", erwiderte Hannah und schüttelte den Kopf. „Nein, nur dass es einen Angriff auf ihr Haus gab, aber das sie Wind davon bekommen hatten und den Angriff aufhalten konnten. Das ist vielversprechend, oder nicht? Ich meine, wenn sie nicht nur von dem Angriff erfahren haben, sondern ihn auch aufhalten konnten, müssen sie wenigstens etwas richtig machen."
Harry war sich nicht sicher, wie er ihr antworten sollte. Er schaute zu Neville hinüber und sah, wie dessen Ellbogen auf den Tisch gestützt waren, sein Kinn darauf gelegt, als er auf Harrys Antwort wartete. Hannah hatte einen hoffnungsvollen Ausdruck auf ihrem Gesicht, als suchte sie Trost in seiner Antwort. Er fühlte, wie Ginnys Hand beruhigend über sein Bein strich, während er darüber nachdachte. Er wollte ihnen Trost spenden, aber zugleich wollte er nicht lügen oder ihnen falsche Hoffnung geben.
„Nun, ich nehme an, das ist wahr", meinte Harry schließlich. „Es ist nur ein kleiner Sieg, aber es zeigt, dass es zumindest ein paar gibt, die in der Lage sind, die Todesser aufzuhalten. Wenn sie weiterhin diese kleinen Kämpfe gewinnen, können wir vielleicht seine Macht verringern."
Madame Rosmerta kam mit ihren Bestellungen und die Unterhaltung wandte sich wieder weniger schweren Themen zu, während sie ihr Essen genossen. Nachdem sie fertig waren und gezahlt hatten, fragte Neville, ob sie ein Dessert in der neuen Eisdiele holen wollten, welche an diesem Wochenende ihre große Eröffnung hatte. Harry schaute zu Ginny und nachdem sie einen kurzen Blick ausgetauscht hatten, stimmte sie schnell zu.
Harry und Ginny beschlossen, einen relativ einfachen Vanilleeisbecher mit Schokosoße und Erdbeeren zu teilen. Das einzige magische an diesem Eisbecher war, dass die Schokosoße verzaubert war, um warm zu bleiben und dennoch die Eiscreme nicht schneller schmelzen ließ, als sie es sonst tun würde. Harry achtete nicht genau darauf, was sich Neville und Hannah bestellten, außer dass sie beide ein eigenes Eis bestellten, auch wenn er bemerkte, dass sie teilten.
Nach dem deliziösen Dessert trennten Harry und Ginny sich von Neville und Hannah. Als sie die Eisdiele verließen, sah Harry, wie Ron und Hermine händchenhaltend die Drei Besen betraten. Der Anblick ließ ihn lächeln, auch wenn es ein wenig irritierend war. Es würde etwas dauern, um sich an ihre neue Beziehung zu gewöhnen.
Er nahm Ginny bei der Hand und führte sie von der Innenstadt weg hinter ein paar Häusern zu den Ausläufern der Stadt, wo er immer zur und aus der Stadt apparierte. In der Nähe war eine Anhöhe, die teilweise durch eine Reihe von Bäumen abgeschirmt war. Harry holte seinen Zauberstab aus seinem Halfter und beschwor eine große Decke auf das Gras herauf. „Ich dachte, wir könnten uns einfach ein bisschen zusammenhinlegen, wenn dir das Recht ist."
Sie lächelte ihn warm an und stellte sich auf Zehenspitzen, um ihm einen Kuss auf die Lippen zu geben. „Das hört sich wunderbar an."
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Ginny setzte sich auf die Decke und Harry folgte ihrem Beispiel. Sie streckte sich neben Harry aus. Als er dasselbe tat, fragte sie ihn: „Was machen wir jetzt?"
Er lächelte verhalten und antwortete: „Oh, ich weiß nicht, den Ausblick genießen ..."
„Den Ausblick, mhmm?", fragte sie. Ginny drehte ihren Kopf, um die Landschaft zu begutachten. Es war schön genug, nahm sie an. Das Gras war tiefgrün. Die Lichtung hatte einige vereinzelte Bäume und der Wald war hier dünn genug. so dass es einladender wirkte als die Bäume, die die Hogwartsländereien säumten. Als sie sich wieder umwandte, sah sie, wie Harry sie noch immer anschaute. Sein Blick war leicht nach unten gerichtet und blieb einen Moment hängen, bevor er hoch in ihre Augen schaute. „Genießt du den Ausblick?", fragte sie wagemutig.
Sein Blick wanderte wieder nach unten, bevor er wieder zu ihrem Gesicht hochwanderte. Ginny konnte fühlen, wie sie rot wurde. Er grinste sie gespielt unschuldig an und antwortete: „Sehr." Er streckte seine Hand aus, um sie an der Wange zu berühren. Ginny brauchte keine weitere Einladung. Sie lehnte sich zu ihm und nahm seine Lippen mit ihren gefangen. Harrys Hand blieb einige Momente lang an ihrer Wange liegen, bevor sie zu ihrem Haar und schließlich ihrem Rücken wanderte. Er zog ihren Körper zu sich und überwand damit den letzten Abstand, der zwischen ihnen gewesen war. Es war beinahe berauschend- der Kuss, das Gefühl ihres Körpers an seinem ...
Schließlich löste sie den Kuss und lehnte ihre Stirn gegen seine. Ihre Nasenspitzen berührten sich leicht. Harrys Augen blitzten und er begann seine Nase gegen ihre zu reiben. Sie konnte nicht anders als bei dieser Berührung zu kichern. Als ihr Blick auf seinen traf, wurde ihr mit einem Schlag klar, wie weit er gekommen war. Sie konnte sich daran erinnern, wie unbehaglich er sich nur mit einer kleinen Tat der Zuneigung gefühlt hatte, und dennoch war er nun hier mit ihr. Zu Küssen war eine Sache, denn das war vor allem durch Begehren und Lust zu erklären, aber die einfache Tat, seine Nase gegen ihre zu reiben oder sie einfach nur festzuhalten, bedeutete so viel mehr. Es war nicht durch Begehren oder Hormone begründet, sondern durch echte Zuneigung. Mit dem Wissen breitete sich ein warmes Gefühl des Wohlbehagens in ihren Körper aus.
Als sie dort gemeinsam lagen, legte sie ihren Kopf in seine Halsbeuge. Seine Hand strich sanft durch ihr Haar; es war eine ruhige und beruhigende Handlung. Sie wusste nicht, wie lange sie dort lagen, da die Bewegung so entspannend war, dass sie bald merkte, wie sich ihre Augen ohne ihr Zutun schlossen. In, was sich wie nur wenige Momente später anfühlte, wurde sie wieder abrupt in die Gegenwart zurückgeholt, als Harry sich unter ihr verspannte. Seine Hand verschwand aus ihrem Haar und sie war plötzlich hellwach.
Sie hob ihren Kopf, um zu ihm hochzuschauen und sah, dass sein Gesicht vor Schmerz verzogen, seine Augen zusammengekniffen und seine Hand gegen seine Narbe gepresst war. Sie legte ihren Arm um seine Schultern, hielt ihn fest und legte ihren Kopf neben seinen. Sie begann in sein Ohr zu flüstern und sagte ihm, dass alles in Ordnung sein würde, dass sie auf ihn aufpasse. Mit ihrer anderen Hand strich sie durch sein Haar, während sie weiterhin beruhigend in sein Ohr flüsterte. Sie wusste nicht, ob er sie hören konnte oder nicht, aber wenn es ihm auch nur einen kleinen Trost gab, war es das wert.
Mehrere Minuten später kam Harry wieder zu sich. Er atmete schwer, hatte aber nicht dieselbe drastische Reaktion wie beim letzten Mal, als sie während einer Vision bei ihm war. Sie hielt ihn einfach nur fest und war erleichtert, als er sie ebenfalls drückte. Sie blieben so einige Minuten sitzen, bevor Harry ihr ins Ohr flüsterte: „ Wir müssen gehen. Ich muss mit Dumbledore reden."
Sie nickte und stand auf. Sie wollte gerade die Decke zusammenlegen, als sie sich daran erinnerte, dass Harry sie heraufbeschworen hatte. Sie ließ ihn sie verschwinden und sie gingen dann schnellen Schrittes zurück zum Schloss. Sie waren beide still und in ihren Gedanken versunken. Ginny konnte nur annehmen, dass er über seine Vision nachdachte. Sie war neugierig, zu erfahren, was er gesehen hatte, wusste es aber besser, als ihn jetzt danach zu fragen. Sie würde warten, bis sie unter sich waren.
Stattdessen wanderten ihre Gedanken zu Voldemort und dem Krieg, der sich in der Zaubererwelt zusammenbraute. Sie war sich immer bewusst , dass dies passierte, aber innerhalb der sicheren Wände Hogwarts war es einfach, zu vergessen, wie real alles war - selbst mit all dem Training, das sie absolvierte. Es war Harrys Beteiligung, dass alles Wirklichkeit werden ließ, so wie jetzt auch. Wenn es nur sie und Harry in Zweisamkeit waren, war es einfach, alles andere zu vergessen. Dennoch wusste sie, dass dies nicht das letzte Mal sein würde, dass Voldemort stören würde. Sie wusste, dass sie kein wirklich normales Leben würden führen können, ein normales Paar sein könnten, bis Voldemort besiegt war.
Als sie die Eingangshalle betraten, nahm Harry ihre Hand und drückte sie leicht. „Ich sollte wahrscheinlich alleine mit Dumbledore reden", sagte er und schaute ihr in die Augen.
„Ja, ich dachte dasselbe", erwiderte sie sanft. Sie streckte sich, um ihm einen Kuss auf die Wange zu geben. „Ich werde in deinem Büro auf dich warten."
Er lächelte sie sanft an: „Danke, Gin." Dann wandte er sich um und ging davon. Ginny schaute ihm hinterher, bevor sie sich auf den Weg in sein Büro machte.
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Harry fühlte sich unbehaglich unter dem abwägenden Blick des alten Zauberers. Gerade als er im Begriff war, die Stille zu unterbrechen, fragte der Schulleiter: „Bist du dir sicher, dass dies keine falsche Vision war, die in deinem Kopf gepflanzt wurde?"
Harry musste ein frustriertes Seufzen unterdrücken: „Ja, Sir, ich bin mir sicher."
„Wie kannst du dir sicher sein?", wurde er gefragt. Kein Zweifel war in der Stimme zu hören, nur Interesse und Neugier.
„Ich habe in letzter Zeit viele Visionen gehabt", gab Harry zu. Er hatte es vermieden, die Visionen gegenüber jemand anderen als Ginny zuzugeben. Es konnte nichts gegen sie gemacht werden und er wollte sich nicht mehr mit ihnen beschäftigen als notwendig. Und er wollte wirklich keine unnötigen Fragen. „Er hat sich in letzter Zeit öfters an Angriffen beteiligt", sagte er erklärend.
„Ich verstehe", erwiderte Dumbledore und legte seine Finger unter sein Kinn. „Und du hast dadurch deine Visionen zu verstehen gelernt?"
„So könnte man das sagen, ja", meinte Harry. Er hielt inne, als er seine Antwort formulierte. „Voldemort scheint nicht so viel Kontrolle über die Verbindung zu haben wie er denkt. Ich habe bemerkt, dass er erst meine Präsenz bemerkt, wenn ich deutliche Reaktionen auf das habe, was zu dem Zeitpunkt passiert."
„Tatsächlich", fragte der Schulleiter offensichtlich interessiert.
„Seit ich diese Entdeckung gemacht habe, habe ich gelernt, meine Reaktionen unter Kontrolle zu behalten, um zu vermeiden, entdeckt zu werden. Ich hatte gehofft, dass er Informationen verraten würde, die helfen würden, zukünftige Angriffe aufzuhalten", fuhr Harry fort. „Bis heute habe ich nichts Nützliches erfahren. Ich habe ihn nur während Angriffen erlebt."
„Hast du den Gedanken in Betracht gezogen, dass, wenn du ihn unbeobachtet ausspionieren kannst, er dasselbe tun könnte?", fragte der Schulleiter.
Harry hielt inne. Um ehrlich zu sein, hatte er niemals an so etwas gedacht. Sein Bauchgefühl sagte ihm, dass es nicht so sein könnte, aber er konnte die Berechtigung des Gedankens nicht leugnen. „Daran hatte ich nicht gedacht", sagte er. „Auch wenn ich der Meinung bin, dass meine Narbe mir Hinweise auf seine Präsenz geben würde", fügte er hinzu, als ihm der Gedanke kam. „Sie schmerzt immer, wenn er mir nahe ist, egal ob physisch oder - äh - mental."
„Hat deine Narbe letztes Jahr während deiner Träume von der Mysteriumsabteilung geschmerzt?" wollte Dumbledore wissen.
„Nein", erwiderte Harry unbehaglich, als er daran zurückdachte. „Nein, das tat sie nicht. " Er hielt inne, bevor ihm ein weiterer Gedanke kam: „Dann wiederum musste Voldemort dafür nicht in meinem Kopf sein, oder? Er musste nur eine Vision oder einen Traum oder wie auch immer Sie es nennen möchten schicken."
Der Schulleiter nickte: „Ja, ich verstehe. Wir müssen einfach hoffen, dass du Recht hast - zumindest für den Moment. Lass uns in der Zwischenzeit annehmen, dass deine Vision tatsächlich wahr ist. Kannst du dich an irgendetwas erinnern, dass darauf hinweisen würde, über was genau sie sprachen?"
Harry schüttelte hoffnungslos den Kopf: „Nein, Sir, das ist es ja gerade. Sie haben nie etwas Spezifisches gesagt - zumindest nicht, während ich da war. Sie sagten nur, dass sie eine Person vor Ort hätten und als Voldemort fragte, ob sie Probleme gehabt hätten, hinein zu gelangen, erwiderte der Todesser, dass niemand etwas ahnte. Sie hatten es problemlos hineingeschafft und ohne bemerkt zu werden. Voldemort war zufrieden gewesen und sagte, dass sie nur auf ein Signal warten müssten, dass die Schutzzauber durchbrochen worden seien. Dann könnten sie ..." Harry hielt einen Moment inne, um sich an den Wortlaut zu erinnern: „ihre Feinde auf eine Weise gefechtsunfähig machen, dass sie sich nicht erholen könnten."
Sie waren beide einen Moment lang still, als sie über die Information nachdachten. Harry war frustriert, dass er nicht mehr als diese wenigen Minuten beobachtet hatte. Zugleich erkannte er, wie lachhaft der Gedanke war, da er nichts mehr wollte, als das die Visionen endeten, sobald sie begannen. Dennoch: Wenn die Informationen ihnen halfen, Leben zu retten, hätte er gerne die zusätzlichen Schmerzen ertragen.
„Leider könnten sie praktisch alles meinen", sagte Dumbledore schließlich mit einem kleinen Seufzen. „Das Ministerium, den Orden ...", er ließ den Satz unbeendet. „Alles, was wir tun können, ist, besonders wachsam zu sein, bis wir die Bedrohung genauer identifizieren."
Harry nickte niedergeschlagen. Um die Wahrheit zu sagen, war dieses Ergebnis nicht unerwartet. Er hatte gehofft, dass der Schulleiter vielleicht andere Informationen hätte, die zusammen mit seinen ihnen Antworten geben könnten. Dann wiederum gab es keine Garantie, dass er die Informationen überhaupt mit Harry teilen würde, wenn er welche hätte.
„Bitte lass mich wissen, wenn du mehr Visionen haben solltest, die in Verbindung zu diesem Geschehen stehen könnten."
Harry nickte: „Das werde ich, Sir."
„Gut", sagte Dumbledore mit einem Lächeln. „Nun, ich möchte, dass du für den restlichen Tag alles über Voldemort vergisst. Es ist immerhin Valentinstag und wenn ich mich nicht irre, wird die junge Miss Weasley deine Rückkehr sehnsüchtig erwarten."
Harry fühlte, wie sein Mund aufklappte und er starrte den Schulleiter an.
„Ich bitte dich", fuhr Dumbledore mit einem Glucksen fort. „Du hast nicht erwarten können, dass etwas wie eine neue Freundin lange unbeachtet bleiben würde, oder?"
Harry schüttelte seinen Kopf: „Nein, ich bin nur überrascht, das ist alles. Die meisten meiner Freunde wissen es noch nicht einmal."
„Wir sind oft zu sehr in unsere eigenen Angelegenheiten verstrickt, um Dinge zu erkennen, die uns nicht direkt angehen", erwiderte Dumbledore. „Vor allem bei jungen Leuten und insbesondere wenn ihre Gedanken auf andere Dinge fokussiert sind."
Harry lächelte als Antwort. „Ich denke, Sie haben Recht. Ich werde dann mal zu Ginny zurückgehen."
Dumbledore lächelte ihn voller Wärme an. „Ich hoffe, ihr könnt den Rest eurer Verabredung in Ruhe verbringen."
„Danke, Sir", erwiderte Harry und winkte dem Schulleiter zum Abschied. Er verlor keine Zeit, das Büro zu verlassen und zu seinem Büro zu gehen. Schließlich wollte er seine Verabredung zu Ende bringen und er hatte eine letzte Überraschung für sie in petto.
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Am nächsten Morgen ließ Harry sich gerade von seiner Klimmzugstange fallen, als er Ginnys Stimme hörte: „Gibt es etwas, dass du nicht kannst?"
Harry musste kurz über die unerwartete Frage nachdenken, um sie zu verstehen. Selbst dann hatte er keine Ahnung, von was sie redete. „Was?"
„Ich kann einfach die Tatsache nicht verwinden, dass du auch kochen kannst", erwiderte sie. „Ich habe über den letzten Abend nachgedacht und, ich meine, es war keines von Mums Abendessen, aber noch immer sehr gut. Also habe ich darüber nachgedacht und ich habe mich gefragt, ob es etwas gibt, das du nicht gut kannst."
Harry zog bei diesem Kompliment den Kopf ein. Er glaubte nicht, dass er viele Dinge gut konnte. Er nahm an, dass er ganz gut im Quidditch war. Und das letzte Jahr über war er recht fähig in verschiedenen Magiearten geworden. Er dachte, dass seine Kochkünste okay waren - nichts, über das man ein Wort verlieren musste. Er hatte sich über den Sommer ein paar Kochbücher gekauft und in seinem Koffer mit ein paar Mahlzeiten herumexperimentiert, aber er sah sich nicht als einen besonderen Koch.
„Ich bin nicht ...„ begann Harry zu antworten.
„Harry", unterbrach Ginny ein wenig ungeduldig. „Versuch erst gar nicht, mir zu erzählen, dass du in vielen Dingen nicht so besonders gut bist. Sag mir eine Sache, die du nicht gut kannst, weil - mir fällt nichts ein."
„Kricket", sagte Harry und sagte damit das erste, das ihm in den Sinn kam. In der Muggelgrundschule hatten sie es im Sportunterricht gespielt und er war furchtbar gewesen.
„Was um Himmels Willen ist Kricket?", wollte sie wissen.
„Ein Muggelsport", erklärte er knapp.
„Nun, das zählt dann nicht", beschloss Ginny.
„Warum nicht?"
„Weil ich keine Ahnung habe, was das überhaupt ist", bestand sie.
„Also gut", erwiderte Harry. „Wie wäre es mit Arithmantik."
„Du lernst Arithmantik nicht einmal", antwortete sie und in ihrer Stimme lag eine leichte Verärgerung.
„Genau der Grund, warum ich nicht gut darin wäre", triumphierte Harry.
Sie schüttelte den Kopf: „Das zählt nicht."
„Schön", sagte er und versuchte, an etwas anderes zu denken. Ihm fiel schließlich etwas ein, dem sie nicht widersprechen konnte: „Okay, wie wäre es damit: Ich kann kein Kompliment annehmen."
Sie schaute ihn einen Moment lang leer an, bevor sie ihre Augen zusammenzog. Er grinste sie nur an: „Es ist wahr", meinte er. „Du sagst mir das andauernd."
„Das zählt auch nicht", verkündete sie.
„Nun, natürlich bin ich in allem gut, wenn alles, in dem ich nicht gut bin, nicht zählt", sagte Harry.
„Wie auch immer", schnaubte sie und verschränkte die Arme vor der Brust. Als er weiterhin grinste, streckte sie ihm die Zunge heraus.
Er machte eine Bewegung, als wolle er ihr in die Zunge beißen und küsste sie stattdessen.
Als sie sich wieder voneinander trennten, grinste sie ihn frech an. „Das ist okay. Ich habe gerade etwas gefunden, in dem du nicht gut bist", neckte sie ihn.
„Hey", protestierte Harry gespielt empört. Er wusste, dass sie Scherze machte, aber ein Teil von ihm fragte sich, ob ein Körnchen Wahrheit in dem steckte, was sie sagte. Schließlich hatte er vor Ginny nur ein einziges mal richtig geküsst- er zählte den mit Cho nicht - und es war auch nur ein kurzer gewesen. „Wenn ich nicht gut darin bin, warum willst du mich dann die ganze Zeit lang küssen?", wollte er wissen.
Ginny grinste ihn an: „Weil Übung den Meister macht."
Ein verstohlenes Lächeln tauchte auf seinen Lippen auf und er antwortete: „Nun, wenn ich so schrecklich bin, sollten wir vielleicht öfters üben."
„Ich denke, das könnte arrangiert werden", erwiderte Ginny mit einem sinnlichen Tonfall und legte ihre Arme um Harrys Nacken.
Als sie sich mehrere Minuten später wieder voneinander lösten, brauchte Harry einen Moment, um sich wieder zu fassen. Als er auf seine Armbanduhr schaute, schüttelte er seine Desorientierung ab: „Wir sollten duschen. " Als er zu Ginny hinunterschaute, fügte er hinzu: „Ich denke, das wird für mich besser eine kalte Dusche."
„Wieso das denn?", fragte Ginny verführerisch und fuhr mit ihren Händen über seine Brust zu seinem Nacken hoch. Ihre Finger spielten mit seinem Haar an seinem Nacken und presste ihren Körper gegen seinen, während sie ihn für einen langanhaltenden Kuss zu sich hinunterzog, der Harry völlig aus der Bahn warf.
Harry ächzte, als sie sich von ihm trennte: „Deshalb."
Ginny lächelte ihm über die Schulter zu, als sie in ihr Badezimmer ging. Er folgte ihr mit den Augen und bewunderte, wie sie ihre Hüften wiegte, bis er sie nicht mehr sehen konnte. Er schüttelte sich und ging ebenfalls duschen.
Das kalte Wasser tat, was es sollte und erlaubte Harrys Körper und Geist sich zu entspannen und wieder normaler zu funktionieren. Das war auch gut so, denn das letzte, was Harry brauchte, war, an diesem Morgen in seinem AHA-unterricht abgelenkt zu sein. Die Klasse gewöhnte sich an die neue Routine, welche die Ausweichübung in jedem Unterricht beinhaltete, aber so groß wie die Klasse war, musste er die ganze Zeit achtsam sein für den Fall, dass etwas passieren sollte.
Seine sieben fortgeschrittenen Schüler in der AHA hatten ein wenig Schwierigkeiten, sich an das Konzept in ihren Übungsduellen zu gewöhnen. Es war eine Sache, sie eine Übung absolvieren zu lassen, wo ausweichen das Einzige war, an das sie denken mussten, aber wenn Harry sie ein echtes Duellszenario durchspielen ließ, tendierten sie dazu, in alte Muster zu fallen. Sie schienen eine Minute lang nur aufs Ausweichen fokussiert zu sein und in der anderen Minute stehen zu bleiben und sich aufs zaubern zu konzentrieren. Es fiel ihnen schwer, sich daran zu gewöhnen, Zauber zu werfen, während sie sich bewegten.
Seine FHA ging auch neue Wege. Er hatte sich in letzter Zeit auf etwas konzentriert, dass er kreatives Duellieren nannte. Nach seinem letzten Kampf hatte Harry zu schätzen gelernt, dass manchmal ein wenig kreatives Denken die beste Art war, ein Duell handzuhaben, bei dem man entweder einem überlegenen Gegner gegenüberstand oder die schlechtere Position hatte. Man kann sich nicht gegen etwas verteidigen, was man nicht vorhersagen kann. Wenn man sich einen kreativen Weg ausdenkt, einen Gegner auszuschalten, der nicht von einem üblichen Schild blockiert wird, hat man einen großen Vorteil im Kampf.
Die Ergebnisse dieser Übungen waren ziemlich überraschend in ihrer Vielfalt. Harry ließ nur wenige Paare gleichzeitig an diesen Duellen arbeiten. Zum einen dachte er, dass es zum Vorteil der ganzen Klasse war, wenn sie sehen konnten, was den anderen einfiel. Es könnte helfen, ihre eigene Kreativität anzufachen. Er fürchtete auch die Gefahr, welche so unvorhersehbare Duelle mit sich bringen könnten, und er wollte gleich zur Stelle sein, sollte etwas schief laufen. Außerdem wollte er sehen, was die Studenten sich ausdachten. Er konnte vielleicht selber etwas davon verwenden.
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Später am Tag ging Harry mit seinen Freunden zum Abendessen hinunter. Gerade als sie die Eingangshalle betraten, hörten sie eine näselnde Stimme.
„So sehr ich es auch hasse, es zuzugeben, aber selbst du kannst jemand besseren abbekommen als das, Potter. Ich meine, eine Weasley? Wirklich? Ist sie so leicht zu haben?"
Als er sich langsam umdrehte, hatte Harry Probleme, sein Temperament im Zaum zu halten. Er wusste, dass Draco nur versuchte, ihn zu provozieren und er konnte es sich nicht leisten, die Kontrolle zu verlieren. Das wäre genau das, was Snape benutzen würde, um ihm Nachsitzen zu geben, oder sogar schlimmer, ihm seine Professur abzuerkennen.
„Wovon verdammt nochmal redest du?", wollte Ron hitzköpfig wissen und trat einen Schritt auf Malfoy zu.
„Ich wusste immer, dass du dumm bist, Weasley, aber selbst du kannst nicht so schwer von Begriff sein", meinte Malfoy und richtete seinen ungläubigen Blick auf Ron. Nach einer kurzen Pause fuhr er fort: „Du hast wirklich keine Ahnung, oder?", fragte er mit einem bösartigen Lächeln. „Soso, Potter versucht, es geheim zu halten. Wenn du es nur auch so machen würdest. Mir ist gestern beinahe mein Mittagessen hochgekommen, als ich dich mit deiner Schlammbluthure gesehen habe."
Harry konnte Ron nicht aufhalten, so schnell reagierte dieser.
„Ron, nein", schrie Hermine, als er losstürmte. Harry musste sich davon abhalten, Ron zauberstablos zu versteinern, was dem Jungen die Zeit gab, Malfoy einen Fausthieb zu versetzen, bevor Harry beide mit seinem Zauberstab lähmen konnte.
„Nachsitzen bei Filch, für euch beide", sagte Harry als er zwischen sie trat. „Ron, du hast morgen um 8:00 Uhr Nachsitzen und Draco zur gleichen Zeit am Tag darauf."
„Was? ", rief Malfoy. Seine Hand war dort, wo er getroffen worden war, an seinem Gesicht festgefroren. Harry konnte sehen, wie die Haut sich dunkel verfärbte. „Du kannst mir kein Nachsitzen geben!"
Zur gleichen Zeit wollte Ron wissen: „Wieso gibst du mir Nachsitzen? Er hat angefangen." Er stand leicht gebeugt da, da er sich noch nicht wieder aufgerichtet hatte, nachdem er mit seinem Körper dem Fausthieb gefolgt war.
Sich an Malfoy wendend sagte Harry: „Ich denke, du wirst erkennen, dass ich dir Nachsitzen gegeben habe. Wenn du entscheidest, nicht aufzutauchen, wird es eine Woche. Was dich angeht, Ron", fuhr er an seinen Freund gewandt fort. „Während Malfoy dich provoziert hat, bist du noch immer selber für deine Taten verantwortlich."
„Was geht hier vor?", wollte eine scharfe Stimme wissen und übertönte das Ende von Harrys Aussage. Harry musste nicht über die Schulter sehen, um die Quelle der Stimme zu erkennen. Perfekt.
„Weasley hat mich geschlagen und Potter hat mich verhext und mir dann Nachsitzen erteilt", behauptete Malfoy mit einem triumphierenden Lächeln.
„Ist das so?", fragte Snape mit einem höhnischen Lächeln.
„Nein, das ist nicht so", sagte Harry und wandte sich an den Hauslehrer von Slytherin. „Draco hat Ron dazu provoziert, ihn anzugreifen und ich habe sie beide versteinert, um die Situation zu entschärfen. Ich habe beiden Nachsitzen gegeben: Ron, weil er angegriffen hat und Draco, weil er die Konfrontation begonnen hat."
„Mr. Malfoy ist mein Schüler", sagte Snape mit einem bösartigen Blick. „Wenn eine Strafe notwendig sein sollte, werde ich sie bestimmen."
„Ich denke nicht", sagte Harry so ruhig wie möglich. Er wollte nichts mehr als Snape zurechtzuweisen, aber er wusste, dass er seine Gefühle unter Kontrolle halten musste. Er wählte seine Worte mit bedacht, als er weiterredete: „Da Sie nicht da waren, um zu sehen, was geschah, wird meine Beurteilung ausreichen müssen."
„Sie denken also, Sie können einfach umhergehen und ihre Macht missbrauchen und Nachsitzen an die Mitglieder meines Hauses verteilen, wie es Ihnen gefällt?", wollte Snape wissen und trat einen Schritt näher zu Harry. Snape war nur wenige Zentimeter größer als Harry, sie waren also beinahe auf Augenhöhe. „Ich denke nicht. Denn egal was sie glauben, Potter, Sie sind immer noch nur ein Schüler. Und Mr. Malfoy wird keine von Ihnen verhängte Strafe absolvieren, noch wird das ein anderer meiner Schüler."
„Wenn jemand seine Macht missbraucht, dann sind Sie das", schoss Harry entschieden zurück. Er atmete tief ein, um sich zu beruhigen und fuhr fort: „Wenn Sie ein Problem mit den Strafen haben, die ich vergebe, reden Sie mit dem Schulleiter. Ich bin bereit, meine Erinnerungen an diese Geschehnisse in ein Denkarium zu geben, so dass er entscheiden kann", sagte Harry. „In der Zwischenzeit werde ich Mister Filch informieren, dass er Draco morgen Abend um 8:00 Uhr erwarten kann."
Das gesagt hob Harry die Ganzkörperklammerzauber auf, die er geworfen hatte und wandte sich ab. Er hielt inne, als er sah, wie Snape in seine Roben griff und sagte: „Sie wagen es, Sie kleiner ..."
„Ich wäre an Ihrer Stelle vorsichtig, Professor", unterbrach Harry und drehte sich zu Snape um. „Sie wollten doch keine Szene machen?" Er hielt inne und ließ seinen Blick wandern. „Hier sind viel zu viele Augenzeugen." Er schaute Snape in die Augen und tat sein bestes, die pulsierende Ader, die auf der Stirn des Mannes aufgetaucht war, zu ignorieren. „Außerdem", fuhr Harry mit leiserer Stimme fort, „Ich denke, Sie erinnern sich daran, was das letzte Mal passierte, als Sie einen Zauberstab auf mich richteten."
Snapes Gesicht verzog sich zu einer hässlichen Grimasse aus purem Hass, als sie einander niederstarrten. Sie blieben so für beinahe eine Minute, bevor Snape schließlich seine Hand ohne Zauberstab aus der Robe zog.
„Das ist noch nicht vorbei, Potter", spuckte Snape, drehte sich um und stürmte durch die Türen der Großen Halle.
Harry verlor keine Zeit, die Große Halle zu betreten und zum Gryffindortisch zu gehen. Er ignorierte die geflüsterten Unterhaltungen der Schüler, die sich um sie herum versammelt hatten. Seine Freunde setzten sich kurz darauf neben ihn. Ron schien etwas niedergeschlagen, aber nicht überaus verärgert über das Zusammentreffen zu sein. Es war Hermine, die einen beinahe empörten Gesichtsausdruck hatte.
„Ich kann nicht fassen, dass du so mit einem Professor geredet hast, Harry", schimpfte sie, als sie sich ihm gegenüber hinsetzte.
„Ich glaube, du vergisst, dass Harry ein Professor ist", mischte Neville sich neben Harry ein.
Hermine sprach weiter, als hätte Neville nichts gesagt: „Du hast gerade seine Autorität vor der halben Schule unterminiert", fuhr sie mit ihrer Zurechtweisung fort. „Und nicht nur das, du hast ihm auch noch gedroht."
Harry schlug frustriert mit seiner Faust auf den Tisch. „Bist du wirklich so blind?", fragte Harry ungläubig. „Willst du wirklich hier sitzen und mich beschuldigen, seine Autorität untergraben zu haben?" Er hielt inne und schaute Hermine erwartungsvoll an. „Nun?", wollte er wissen, nachdem sie nichts sagte.
„Ich gebe zu, dass er sich vielleicht ein wenig unangebracht verhalten hat ...", begann sie.
„Ein wenig?", fragte Ginny nach, die neben Harry saß und Unglaube war deutlich in ihrer Stimme zu hören.
Wieder ignorierte Hermine die Unterbrechung, als sie fortfuhr: „Aber er ist noch immer ein Professor und verdient es, mit Respekt behandelt zu werden."
„Respekt wird nicht jedem selbstverständlich entgegengebracht", meinte Harry und dachte an seine Unterhaltung mit Professor McGonagall über dieses Thema zurück. „Man verdient ihn sich."
„Und als Professor hat er unseren Respekt verdient", sagte Hermine triumphierend.
„Du denkst also, dass jede Autoritätsperson unseren Respekt verdient?", wollte Harry erzürnt wissen und sein Blick durchbohrte Hermine förmlich. „Als nächstes wirst du mir erzählen, dass ich Fudge respektieren sollte, weil er Minister ist, lass uns die Tatsache vergessen, dass er beinahe ein Jahr damit verbracht hat, meinen Namen durch den Schmutz zu ziehen, weil er zu feige war, zuzugeben, dass Voldemort zurück ist. Oh, und lass uns nicht den Respekt vergessen, den ich meiner Tante und meinem Onkel entgegegenbringen soll, sie sind schließlich meine Vormünder, sie müssen daher meinen Respekt verdient haben."
Hermine zuckte zusammen, als er seine Verwandten erwähnte und er fühlte ein verdrehtes Zufriedenheitsgefühl bei ihrer Reaktion. Sie hatte in letzter Zeit ein wahres Talent dafür, ihm auf die Nerven zu gehen. Ginny nahm unter dem Tisch seine Hand in ihre und drückte sie tröstend. Niemand sprach für einen langen Moment. Nur die allgemeinen Geräusche in der vollen Großen Halle verhinderten, dass die Stille unerträglich wurde. Schließlich redete Harry in einem viel ruhigeren Tonfall weiter: „Nur weil eine Person eine Machtstellung innehat, verdient sie damit nicht automatisch deinen Respekt. Sie müssen diesen Respekt verdienen, indem sie dir beweisen, dass sie diese Macht nicht ausnutzen."
Die Gruppe war wieder still. Harry musterte Hermine einen Moment lang und war zufrieden, zu sehen, dass sie das, was er gesagt hatte, wenigstens überdenken würde, bevor sie ihre eigenen Schlüsse zog.
„Was ist das letzte Mal passiert, als er seinen Zauberstab auf dich gerichtet hat?", fragte Ron, der neben Hermine saß, und brach damit den Moment der Stille.
Harry drehte seinen Kopf zu seinem Freund. Es war schwer, Rons Gefühle zu erkennen. Er schien noch immer nicht glücklich über die Situation zu sein, aber es sah so aus, als würde er es Harry nicht vorwerfen. „Ich habe ihn entwaffnet", sagte Harry kurz und bündig.
„Du hast einen Professor angegriffen", kreischte Hermine beinahe.
Mehrere Köpfe wandten sich in ihre Richtung und lauschten aufmerksam auf seine Antwort. Harry drehte sich um und funkelte Hermine an. Diese schaute ihn voller Horror an, dass er so etwas getan haben könnte.
„Halt die Klappe, Hermine", schimpften Neville und Ginny gleichzeitig. Die Beiden lehnten sich nach vorne, um an Harry vorbei einen Blick zu wechseln und wandten ihre Blicke dann beide synchron zu Hermine, die zumindest den Anstand hatte, nach ihrem Ausbruch schuldbewusst zu schauen. Harry gluckste, als er seinen Kopf schüttelte und beschloss, die Frage einfach zu ignorieren. Er hatte ihr gerade eine Menge gesagt und wollte nicht noch mehr hinzufügen. Man konnte nicht erwarten, dass sich jemand über Nacht veränderte.
„Wie hast du ihn entwaffnet?", fragte Ron einen Moment darauf nach, ein begeistertes Funkeln in den Augen.
Harry lachte auf und schaute hoch. Seinen Kopf schüttelnd erwiderte er: „Ein anderes Mal, Ron."
Glücklicherweise akzeptierte Ron sein kurzfristiges Ausweichen und ließ das Thema fallen. Die Mahlzeit verging danach ein wenig friedvoller. Nach dem Abendessen ging Harry zurück zum Gemeinschaftsraum, um sich zu entspannen und mit seinen Freunden eine Runde Karten zu spielen. Hermine hatte seine Einladung zum Spielen abgelehnt und saß mit einem Buch in ihrem Schoß in ihrer Nähe, doch Harry glaubte nicht, dass sie tatsächlich las. Er war nur wenig überrascht, als Hermine eine Stunde später aufstand und ihr Spiel unterbrach.
„Ich wollte nur sagen, dass es mir leid tut, was ich vorhin gesagt habe", sagte sie, ihren Blick auf Harry gerichtet. „Ich habe darüber nachgedacht und ich stimme zu, dass der Professortitel allein keinen Respekt verdient. Während ich Professor Snape für seine Zaubertrankfähigkeiten respektiere, hattest du Recht, als du sagtest, dass er unseren Respekt nicht als Autoritätsfigur verdient hat. Das bedeutet nicht, dass wir ihm gegenüber respektlos sein sollten, aber ich verstehe, dass du nur versucht hast, zu verhindern, dass er deine eigene Autorität untergräbt. Es tut mir leid, dass ich falsche Schlüsse gezogen habe."
„Entschuldigung angenommen", erwiderte Harry mit einem Lächeln. Dann fügte er hinzu: „Unter einer Bedingung." Hermine zog ihre Augenbrauen hoch, als Harry fortfuhr: „Du legst deine Bücher zur Seite und spielst mit uns eine Runde Zaubererschnippschnapp."
Sie lächelte über seine Forderung und gab nach einem vorgegebenen Widerstand nach. Hermine blieb bei ihnen, bis sie und Ron zu einem Vertrauensschülertreffen gehen mussten.
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Als Ron und Hermine nach ihrem Treffen zurück zum Gryffindorturm gingen, wanderten Rons Gedanken zurück zu Malfoys Kommentaren. Die Andeutung über Harry und seine Schwester war ihm zu dem Zeitpunkt nicht ganz aufgegangen, aber nun konnte er nicht anders als darüber nachzudenken. Schließlich - sie wollten gerade die letzte Abzweigung nehmen, um zum Porträt der Fetten Dame zu gelangen - zog Ron an Hermines Ärmel.
Sie blieb stehen und schaute ihn fragend an, während er versuchte, seine Frage zu formulieren: „Was meinst du, was Malfoy vorher gemeint hat?" Er suchte ihr Gesicht nach einer Antwort ab und sie schien beinahe widerwillig zu antworten. „Du glaubst nicht, dass Ginny und Harry ...zusammen sind, oder?
„Ich weiß es nicht", erwiderte Hermine schließlich. Ihre Stimme klang zögerlich: „Sie könnten zusammen sein und wenn nicht, denke ich, wird es früher oder später passieren."
Er hatte diese Antwort befürchtet. Er konnte es nicht genau erklären, aber nur der Gedanke an Ginny, die einen Jungen küsst, war genug, um sich übergeben und den betreffenden Kerl zu Brei schlagen zu wollen. Die Tatsache, dass der Kerl Harry war, machte die Situation nur noch komplizierter. Harry war ein ordentlicher Kerl. Er wusste also, dass er sich keine Sorgen machen musste. Aber er betrachtete sich selber auch als einen ordentlichen Kerl und angesichts der Dinge, die er gerne mit Hermine machen würde ... Konnte man ihm wirklich Vorwürfe machen, dass er jeden Jungen aufhalten wollte, der Ähnliches mit Ginny vorhatte?
„Weißt du", unterbrach Hermine seine Gedanken. „Du wirst dich früher oder später daran gewöhnen müssen, dass sie sich mit Jungs trifft und fällt dir ehrlich jemand ein, dem du mehr Vertrauen kannst als Harry?"
„Nein", gab Ron widerwillig zu und es war wahr. Es fiel ihm niemand ein, dem er seine Schwester eher anvertrauen würde als Harry. Doch das war kaum ein Trost. Der Punkt war, dass er keinem Kerl mit seiner Schwester vertraute.
„Worüber machst du dir so viele Sorgen?", fragte Hermine.
„Jeder Junge will das gleiche, Hermine", brach es aus Ron heraus. Nachdem er das gesagt hatte, wünschte er sich, dass er es nicht gesagt hätte und schaute auf seine Schuhe herunter, um Hermines Reaktion nicht sehen zu müssen.
„Oh? Und was wäre das wohl?" fragte sie mit einem scharfen Unterton in der Stimme.
Ron seufzte, als er ihr in die Augen schaute. Er wusste, dass er sich auf dünnem Eis bewegte und vorsichtig sein musste. „Jungs denken über Mädchen auf eine Weise, von der ich nicht will, dass irgendjemand so von Ginny denkt. Und nur der Gedanke daran, was irgendein Kerl mit Ginny tun möchte ..." Rons Stimme wurde immer lauter, bis er sich selbst unterbrach und sich dazu zwang, den Gedanken nicht zu Ende zu bringen.
„Ginny ist kein wehrloses kleines Mädchen", sagte Hermine. Ron war versucht, die Augen zu verdrehen, überlegte es sich aber anders. „Sie ist mehr als fähig, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen und auf sich aufzupassen. Und umso mehr du versuchst, dich einzumischen, umso mehr wird sie dich dafür verabscheuen."
„Ich weiß, dass Ginny auf sich selber aufpassen kann", erwiderte Ron. „Es sind die Dinge, die sie mit den Jungs machen will, die mir Sorgen machen."
„Das ist nicht deine Entscheidung", tadelte Hermine.
„Das weiß ich!", rief Ron aus und fuhr sich frustriert durch die Haare. „Ich kann nicht anders. Sie ist meine kleine Schwester und ich möchte sie nicht mit jemanden sehen oder überhaupt sie mir mit jemanden vorstellen."
„Du bist so ein furchtbarer Heuchler", brach es frustriert aus Hermine heraus. „Ginnys Tugend muss beschützt werden, und gleichzeitig ist dir die Tugend jedes anderen Mädchens egal. Was du zu vergessen scheinst, " belehrte sie „ist, dass Ginny ihre eigene Person ist. Sie ist nicht nur deine Schwester. Sie ist wie jedes dieser anderen Mädchen. Sie hat ihre eigenen Vorstellungen - ihre eigenen Wünsche und Verlangen. Du musst aufhören, sie nur als deine Schwester zu sehen und von ihr als der jungen Frau denken, die sie ist." Hermine hielt inne, bevor sie fortfuhr: „Wie würdest du dich an ihrer Stelle fühlen? Was, wenn sie oder einer deiner Brüder dagegen wäre, dass du mit mir zusammenkommst? Wie würdest du dich fühlen, wenn sie sich so in dein Leben einmischen würden?"
Ron fühlte, wie seine Gedanken sich überschlugen, als er über ihre Fragen nachdachte. Wenn er ehrlich zu sich war, dann wusste er, dass er es hassen würde, wenn einer seiner Geschwister sich so in sein Leben einmischen würde. Es änderte nichts daran, wie er über Ginny und jeden Jungen dachte, mit dem sie sich treffen würde, aber er beschloss, zu versuchen, sich zu bessern. Solange er sie nicht mit einem anderen Jungen sehen oder davon hören würde, nahm er an, dass er damit fertig werden würde.
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Harry wurde am nächsten Morgen in Dumbledores Büro gerufen, um die Strafe, die er Malfoy gegeben hatte, zu besprechen. Nach einer ruhigen Erklärung der Geschehnisse von ihm und einer langandauernden Tirade von Snape, wie verwöhnt und wie ähnlich Harry seinem Vater war, verkündete Dumbledore, dass die Strafe so bleiben würde wie Harry sie angeordnet hatte. Als der Schulleiter ihm für seine Zeit dankte, meinte Harry höflich: „Gern geschehen", und verließ das Büro.
Diese Aufregung hinter sich verging die Woche für Harry nur langsam, da er seine Gedanken nicht davon abhalten konnte, um Dumbledore und seine letzte Vision zu kreisen. Es war frustrierend, der Wahrheit so nahe zu sein und sie dennoch außer Reichweite zu wissen. Egal wie sehr er darüber nachdachte, er kam zu keinem Ergebnis. Es gab zu viele Orte, die Voldemort gemeint haben konnte, um überhaupt zu versuchen, sie alle unter Beobachtung zu stellen, und die Tatsache, dass er keinerlei Ideen hatte, wann der Angriff überhaupt stattfinden würde, half nicht.
Er sprach während seiner wöchentlichen Okklumentikstunde mit Dumbledore darüber, aber der alte Mann riet Harry nur, für den Moment nicht über die Sache nachzudenken. „Es bringt nichts, über Dinge nachzudenken, über die wir keine Kontrolle haben", hatte er gesagt. Harry konnte Dumbledores Logik nicht widersprechen, aber auch wenn er zustimmte, fiel es ihm schwer, die Sache ruhen zu lassen.
Auf Ginnys Drängen schloss er das Thema schließlich in seinen Gedanken weg, um sich davon abzuhalten, weiter darüber nachzudenken. Er machte überhaupt keine Fortschritte und alles, was es brachte, war, ihn abzulenken und ihm schlechte Laune zu bescheren, etwas, was Ginny sich nicht scheute anzusprechen. Sie benutzte ihre eigene Art der Therapie, um ihm zu helfen, sich zu entspannen, nachdem er ihrer Bitte nachgegeben hatte. Am Wochenende war Harry wieder sein normales Selbst und stellte sicher, Ginny ordentlich dafür zu danken. Danach beschloss er, dass er in Zukunft mehr Gründe finden musste, um ihr zu danken.
Am Samstag war Vollmond und Harry war ein wenig besorgt darüber, Remus wiederzusehen. Das letzte Mal, als er den Mann gesehen hatte, war es als „Jim" gewesen, seine Tarnpersönlichkeit mit dem unglaublich originellen Namen. Er fühlte sich schlecht wegen des Umstandes, wie er Remus als Jim behandelt hatte und wünschte, dass es einen Weg gab, wie er es wieder gut machen konnte. Aber er wusste, dass es nichts gab, das er tun konnte - zumindest nicht als Harry. Vielleicht konnte er, wenn Jim wieder mit Remus zusammentreffen würde, ein wenig freundlicher sein.
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Remus wanderte auf dem Holzboden hin und her. Er würde vor seiner Verwandlung nicht viel Zeit haben, er musste also schnell sein. Er hatte noch keinen genauen Plan, wie er Harrys Oberkörper zu Gesicht bekommen wollte und er bedauerte dies. Es verstärkte seine Anspannung nur. Er musste die Wahrheit wissen, aber zur gleichen Zeit konnte er nicht anders als sich zu fragen, was er mit der Wahrheit machen würde, wenn er sie herausgefunden hatte.
Was, wenn Harry wirklich der Fremde war? Was sollte er machen? Sollte er es jemandem erzählen? Sollte er Harry mit dem Wissen konfrontieren? Während des Angriffes hatte er wenig Probleme damit gehabt, Anweisungen des jungen Mannes anzunehmen, der nicht nur ihre Leben gerettet hatte, sondern auch gezeigt hatte, dass er mehr als nur fähig auf dem Schlachtfeld war. Es war schwierig, die beiden Personen als eine zu betrachten. . Könnte er es bei Harry? Könnte er Harrys Alter vergessen und ihn in demselben Licht sehen wie Jim in dieser Nacht?
Es gab nur einen Weg, das herauszufinden. Remus hörte auf, hin und her zu gehen, als er unter sich sich nähernde Fußschritte hörte. Gedämpfte Stimmen folgten und kurz darauf öffnete sich die Falltür und machte den Blick auf Harry und dann Ginny frei.
„Abend, Remus", grüßte Harry mit einem Lächeln.
„Hallo Harry, Ginny", antwortete er und nickte der letzteren zu.
„Hi Pro... Remus", sagte Ginny. „Wie geht es dir?"
„Alles zusammengenommen nicht schlecht", erwiderte er mit einem Lächeln. „Wie steht es bei euch beiden?"
„Sehr gut", antwortete Ginny und verschränkte ihre Finger mit Harrys.
„Habt ihr das Valentinstagswochenende genossen?", hakte er nach. Die beiden Teenager grinsten beide gleich breit, als sie einen kurzen Blick austauschten, bevor sie ihm wieder ihre Aufmerksamkeit zuwandten. Er bemerkte, dass ihre Wangen leicht pink angehaucht waren, was sein Grinsen größer werden ließ.
„Ja", erwiderte Harry ein wenig unwohl. „Es war - ähm - sehr schön." Seine Stimme hatte wieder einen normalen Klang, als er fragte: „Was ist mit dir? Hast du etwas Besonderes mit Tonks unternommen?"
„Wir haben den Abend gemeinsam verbracht, ja", sagte er und sah keinen Grund, mehr ins Detail zu gehen. Er war sich nicht sicher, ob er das Grinsen auf Harrys Gesicht mochte, welches seiner Aussage folgte. Daher beschloss er, das Thema zu wechseln, bevor Harry eine Chance hatte, weiter nachzufragen. „Wie ist das Leben auf Hogwarts? Quidditch muss inzwischen wieder begonnen haben. Seid ihr deswegen sehr aufgeregt?"
„Oh ja", erwiderte Harry sofort. „Habe ich dir gesagt, dass ich einen neuen Besen habe?" Remus schüttelte den Kopf. „Es ist das neueste Nimbusmodel, der 2050. Er ist nur wenig schneller als der Feuerblitz, aber seine Beschleunigung und seine Manövrierfähigkeit sind deutlich besser."
„Was hat dich dazu bewogen, ihn zu kaufen?", fragte Remus nach. Er war neugierig, warum jemand mit einem Feuerblitz das Bedürfnis verspürte, einen neuen Besen zu kaufen.
„Das ist meine Schuld", mischte Ginny sich mit einem schuldbewussten Gesichtsausdruck ein.
„Es war nicht deine Schuld", unterbrach Harry.
„Nun, ich habe zu dem Zeitpunkt den Besen geflogen", war Ginnys Antwort. Remus Blick flog zwischen den beiden hin und her, als sie miteinander redeten und blieb schließlich an Ginny hängen, als sie sagte: „Wie auch immer. Als ich während unseres Spieles gegen Slytherin von Harrys Feuerblitz heruntergeschmissen wurde, wurde der Besen angeknackst."
„Ah", antwortete Remus. „Ich schätze, das macht dann Sinn." Stille breitete sich zwischen dem Trio aus, als Remus versuchte, einen Weg zu finden, wie er Harrys Oberkörper zu Gesicht bekommen könnte, ohne offensichtlich zu sein. Er konnte fühlen, dass die Verwandlung bald beginnen würde und er fürchtete, dass er seine Gelegenheit verpassen würde. In Gedanken beschimpfte er sich selbst, als ihm eine Idee kam. Es war so einfach und es garantierte ihm so gut wie eine Antwort.
Remus warnte die anderen, sich zu verwandeln, da nur noch wenig Zeit blieb. Und wirklich, keine Minute später begann er die Verwandlung zu fühlen - den Schmerz, als verschiedene Körperteile entweder langgezogen oder zusammengezogen wurden. Er fühlte, wie der Wolf in ihm zum Leben erwachte und um Kontrolle seiner Gedanken kämpfte. Der Wolfsbannzaubertrank half ihm jedoch, das Biest zu unterdrücken und erlaubte es Remus, sein Bewusstsein zu behalten.
Kurz nachdem die Verwandlung vollendet war, begannen die drei Tiere zu spielen und zu ringen. Es war an der Zeit für Remus, seinen Plan in die Tat umzusetzen. Er hatte während seiner eigenen Zeit in Hogwarts gelernt, dass während der Animagusverwandlung alle Verletzungen mitgenommen wurden. Alle Verletzungen, die Harry in seiner menschlichen Gestalt erlitten hatte, würden also beim Panther ungefähr an derselben Stelle auftauchen.
Als sie miteinander rangen, schaffte es Remus, Harry auf den Rücken zu drehen und den Panther unten zu halten. Harry reagierte nicht erfreut darauf, auf seinen Rücken gedrückt zu werden, aber Remus konnte nicht sagen, dass er Schmerzen zeigte. Er hatte auch einen klaren Blick auf Harrys Brust bekommen und konnte nichts außer glattem schwarzem Fell sehen. Er ließ Harry nach wenigen Sekunden wieder frei oder besser gesagt, eine angreifende Ginny zwang ihn, Harry loszulassen.
Sie kamen schließlich zur Ruhe und er schaute zu, wie Harry und Ginny sich liebkosten und zusammen auf dem ausgetretenen Kaminvorleger hinlegten. Als sie einschliefen, dachte Remus über die nächtlichen Geschehnisse nach. Nun, außer glücklich über seine Entdeckung zu sein, war er auch enttäuscht. War er so verzweifelt, die Wahrheit zu erfahren, dass er wollte, dass Harry Jim war, nur damit das Rätsel gelöst war? Er war sich so sicher gewesen, dass es Harry war. Selbst nachdem er von dem möglichen Vogelanimagus gehört hatte, hatte er es irgendwie geschafft, sich selbst davon zu überzeugen, dass es Harry war. Er schüttelte den Kopf und fragte sich, wo seine Gedanken waren. Wie konnte er ein paar Zufälle und einen einfachen Traum sein Urteilsvermögen trüben lassen?
„Weil es mehr als nur ein paar Zufälle waren", erinnerte ihn eine Stimme in seinem Kopf. Es brachte nichts, zu leugnen, dass es mutig wäre, zu sagen, dass alles ein Zufall war. Dann wiederum war es genauso schwer zu glauben, dass Harry Jim war. Er hatte seit dem Angriff viel zu oft über das Thema hin und her überlegt. Er wusste tief in sich drin, dass er nicht wollte, das Jim Harry war und so sehr er es auch wollte, wusste Remus, dass er in dieser Nacht nichts bewiesen hatte. Alles, was er bewiesen hatte, war, dass Harrys Oberkörper unverletzt war. Na und? Es war nur Jims Erzählung, die ihn zu der Vermutung veranlasst hatte, zu glauben, dass es das Teufelsfeuer war. Es hätte genausogut ein anderer, weniger schwerwiegender Fluch sein können.
Er war nicht enttäuscht, dass Harry nicht Jim war. Seine Enttäuschung lag in der Tatsache, dass er die Antworten nicht so schnell haben würde. Als er das friedlich schlafende Paar beobachtete, konnte er nicht anders als sich zu fragen, welche Geheimnisse sie hatten. Es gab einen kleinen Trost, den er von der Szene vor sich bekam: Wenigstens war Harry - egal, was er durchleben mochte - nicht alleine.
Ende Kap 19.2
