Der Montag begann für Harry wie jeder andere Tag. Er wachte früh auf, traf Ginny im Gemeinschaftsraum, ging auf den Ländereien joggen und trainierte im Raum der Wünsche. Nach dem Frühstück hatte er eine Doppelstunde Verwandlung und danach ging Hermine zu Arithmantik, während Harry zum Gemeinschaftsraum zurückkehrte, um eine Runde Zaubererschnippschnapp mit Ron und Neville zu spielen. Das Mittagessen war eines der wenigen Mahlzeiten, bei denen Harry und Ginny getrennt aßen - das erste Anzeichen einer Unregelmäßigkeit.
Es war jedoch nach dem Mittagessen, als der Tag von seiner üblichen Norm abwich. Harry, Ron und Neville waren auf dem Weg zu Pflege Magischer Geschöpfe. Sie waren noch immer ein gutes Stück von Hagrids Hütte entfernt, als Harry etwas Merkwürdiges bemerkte. Ein Zaun war hinter der Hütte errichtet worden. Er konnte noch nicht sehen, was der Zaun umzäunen sollte, aber es überraschte ihn, da er ihn am Morgen noch nicht gesehen hatte. Dann wiederum wäre er einfach zu übersehen, wenn er nicht danach schaute. Er zeigte ihn Ron und Neville und die drei begannen zu mutmaßen, für was der Zaun da war.
„Ihr glaubt nicht, dass er die Knallrümpfigen Kröter zurückgebracht hat, oder?", fragte Neville und erbleichte ein wenig bei dem Gedanken.
„Nee", erwiderte Harry. „Es muss etwas schlimmeres sein."
„Wie kommst du darauf?", wollte Ron wissen.
Harry zuckte mit den Schultern, als er antwortete: „Hagrid hat das letzte Mal, als wir die Kröter durchgenommen haben, keinen Grund für einen Zaun gesehen."
„Mist", murmelte Neville.
Währenddessen rief Ron aus: „Ach du heilige Scheiße! Was könnte so gefährlich sein, dass selbst Hagrid denkt, dass wir durch einen Zaun geschützt werden müssen?"
„Denkst du, er hat Norbert zurückgeholt?", fragte Harry im Scherz.
Ron blieb abrupt stehen und zwang Harry damit, sich zu ihm umzudrehen: „Mach über so was keine Witze."
Harry verdrehte die Augen. „Dumbledore würde ihn keinen vollausgewachsenen Drachen in den Unterricht bringen lassen."
„Ich weiß nicht, Harry", ließ Neville sich vernehmen. „Dumbledore ist zuvor noch nie eingeschritten."
„Das ist wahr", gab Harry zu. „Aber selbst er muss irgendwo Grenzen setzen. Jetzt kommt oder wir kommen zu spät."
Und so gingen die drei weiter, besorgt darüber, was der Unterricht für sie in petto hielt. Als sie schließlich Hagrids' Hütte erreichten, sahen sie, dass die meisten in der Klasse vor dem Zaun standen und in die Ferne schauten, um zu sehen, was dort drin war. Soweit Harry sehen konnte, sah es leer aus.
„Kommt alle her", war Hagrids schallende Stimme zu hören und lenkte Harrys Aufmerksamkeit von dem umzäunten Bereich ab. „Ein paar von euch haben vielleicht bemerkt, dass ihr den Zaun nicht überwinden könnt und ich rate euch, es nicht zu versuchen. Dumbledore hat ihn extra so verzaubert, so dass keiner von euch verletzt wird."
Diese Aussage stoppte sofort Harrys sämtliche Gedankengänge. Wenn Hagrid diese Vorsichtsmaßnahmen ergriffen hatte, um ihre Sicherheit zu gewährleisten - Harry schluckte - dann konnte das nichts Gutes bedeuten. Sein Blick wanderte wieder zu dem Zaun und er fragte sich, was in dem Gehege war. Er schaute wieder zu Hagrid, als dieser fortfuhr: „Er ist im Moment ein wenig schüchtern, weil er sich noch nicht an sein neues Zuhause gewöhnt hat, aber ich werde versuchen, dass er sich euch vorstellt. Kommt alle zum Zaun, während ich ihn hole."
Mit einem unguten Gefühl in der Magengegend schaute Harry zu seinen Freunden, als sie sich dem Zaun näherten. Nicht überraschend war keiner der Schüler begierig darauf, sich zu sehr zu nähern. Nach mehreren Jahren des Unterrichts bei Hagrid waren sie alle klug genug, Abstand zu halten.
Sie sahen zu, wie Hagrid durch die Schutzzauber in den geschützten Bereich ging und immer weiter und weiter ging, bis selbst seine massige Gestalt nur noch als kleiner Punkt erschien. Nun überkam die Neugier ein paar der Schüler und sie traten ein wenig näher an den Zaun und versuchten, etwas in der Ferne zu erkennen.
Nach etwa 10 Minuten des Wartens hörte Harry etwas am Waldrand hinter dem Zaun. Zuerst war es weit entfernt und undeutlich, aber es begann lauter und lauter zu werden. Dumpfe Schritte waren zu hören, aber das konnte genauso gut Hagrid sein wie die Kreatur, die er mitbringen wollte. Die dumpfen Schritte wurden allerdings von gelegentlichem Kreischen begleitet. Wenn Harry raten müsste, würde er sagen, dass das Tier gegen das protestierte, was Hagrid versuchte. Was er versuchte wurde einen Moment später klar.
Hagrids Gestalt tauchte aus dem Wald auf, sein Rücken zu den Schülern gewandt. Er zog mit all seiner Kraft an einem Seil. Alles, was so viel Kraft benötigte, um bewegt zu werden, musste groß und stark sein; diese Erkenntnis half nicht, Harrys Sorgen zu zerstreuen.
Als die Kreatur aus dem Wald auftauchte, fühlte Harry, wie seine Kinnlade ohne sein Zutun hinunterklappte. „Nein", flüsterte er. „Er kann nicht ..."
Er drehte sich zu Ron und Neville und der letztere meinte: „Wenigstens ist es kein Drache."
„Verflucht", erwiderte Ron im Flüsterton.
„Ich bin geneigt Ron zuzustimmen", sagte Harry und sein Blick wanderte zurück zu der Kreatur.
Intelligente gelbe Augen musterten die Schülermenge, als die Kreatur weiterhin gegen Hagrid ankämpfte. Unbeirrt näherte sich der Halbriese immer weiter der Klasse. „Er ist ein wenig aufgeregt", grunzte Hagrid. „Aber er sollte nach einer Weile bessere Laune haben."
Harry war nicht geneigt, der Aussage zuzustimmen. Es sah nicht so aus, als würde die Kreatur Hagrid oder seiner Umwelt gegenüber in irgendeiner Weise oder Form freundlicher werden. Tatsächlich, wenn Blicke töten könnten - nun, ein Greif braucht nicht wirklich einen Todesblick, oder? Wie Hagrid glauben konnte, dass er einen Greif bändigen könnte, wusste Harry nicht. Wie genau kommuniziert man mit einem erzürnten magischen Tier?
Plötzlich fiel ihm etwas ein, was Hedwig ihm mal erzählt hatte. Alle magischen Tiere könnten mit ihren Gedanken kommunizieren, genauso wie das Eulen taten. Nun, wenn das wahr war, vielleicht könnte er verhindern, dass dies desaströs endete. „Hallo. Wir möchten dir nichts zu leide tun", sagte Harry mit Gedankenreden in - wie er hoffte - einer freundlichen und beruhigenden Stimme.
Sobald er es gesagt hatte, hörte der Greif auf, sich gegen Hagrid zu wehren. Sein Kopf und sein Blick wandten sich sofort zu Harry. Harry erwiderte den Blick gebannt, als eine Szene in seinem Kopf auftauchte. Er war statt Hagrid innerhalb des Zaunes und der Greif war genauso verärgert, wie er es jetzt war. Statt gegen das Seil zu kämpfen, das Harry in der Hand hielt, näherte sich der Greif ihm. Dann griff er plötzlich an.
Gerade als der Greif begann, seinen Körper aufzureißen, wurde Harry von Rons Stimme aus seiner Vision gerissen.
„Harry?"
„Mhm?", sagte Harry und schüttelte seinen Kopf, um ihn freizukriegen.
„Ich glaube, er mag dich, Harry", rief Hagrid gut gelaunt und schaute zwischen ihm und dem Greif, dessen Blick noch immer starr auf Harry gerichtet war, hin und her.
„Macht er Witze? Der Greif sieht so aus, als hätte er dich für seine Mahlzeit auserkoren", flüsterte Neville neben ihm.
„Ich glaube, du hast Recht", sagte Harry, als er verstand, was gerade passiert war - und warum. Hedwig hatte ihm gesagt, dass alle magischen Tiere mit ihren Gedanken kommunizieren konnten, aber dass die meisten keine Sprache verwendeten. Stattdessen benutzten sie Bilder und Gefühle. Alles, was er getan hatte, war, die Aufmerksamkeit des Greifen auf sich zu ziehen. Von der Reaktion des Greifes zu urteilen dachte Harry, dass er auf der sicheren Seite war anzunehmen, dass der Greif ihn vernichten wollte. Er wandte sich wieder zu der Kreatur und sah, dass dessen Blick noch immer auf ihn gerichtet war.
Er brauchte einen Moment, um zu bemerken, dass Hagrid wieder redete. Was er hörte, verbesserte seine Laune nicht. Sie würden das restliche Jahr über immer wieder mit dem Greif arbeiten. Das würde kein einfaches Halbjahr werden.
Für den Rest des Tages war Hagrids neuestes Unterrichtsmaterial das Thema des Schlosses. Ein kleiner Anteil der Schüler war begeistert und staunte, dass ein echter Greif auf den Ländereien war. Der Rest der Schule konnte nicht wirklich fassen, dass irgendjemand so bescheuert sein konnte, so ein gefährliches Tier auf dem Schulgelände zu erlauben. Nicht nötig zu sagen, dass der Greif viele Debatten und Spekulationen auslöste.
„Ich verstehe nur nicht, was er sich dabei gedacht hat", rief Hermine an diesem Abend im Gemeinschaftsraum aus. „Greife sind gefährliche Kreaturen der Klasse vier. Es ist praktisch unmöglich, einen zu bändigen und selbst die, die gebändigt wurden, werden wegen ihres aggressiven Naturells normalerweise eingesetzt, um Schätze zu bewachen. Ich habe noch nie von einem Greif gelesen, der als zahm oder überhaupt als ungefährlich für Menschen betrachtet werden konnte."
„Glaub mir, dieser Greif sah ganz und gar nicht zahm aus", kommentierte Neville, der neben Harry saß.
„Er sah so aus, als wäre er dazu bereit, Harry bei lebendigen Leib zu fressen", fügte Ron hilfreich hinzu.
Harry schüttelte den Kopf über seinen Freund. Er konnte nicht leugnen, dass es wahr war, was Ron sagte, aber er würde lieber keine Aufmerksamkeit auf die Tatsache lenken, dass der Greif ganz auf ihn fokussiert war.
„Was meinst du?", fragte Hermine schrill. „Du hast das Gehege nicht betreten, oder? Bitte sag mir, dass du das nicht getan hast."
„Natürlich nicht", erwiderte Harry. „Wieso würde ich das tun?"
„Nun, wenn du das Gehege nicht betreten hast, warum hat der Greif sich auf dich konzentriert?", wollte sie wissen.
Harry zuckte mit den Schultern. „Verdammt soll ich sein, wenn ich das weiß. Außerdem hat Hagrid Dumbledore den Zaun mit Schutzzaubern belegen lassen, um uns draußen und den Greif drinnen zu behalten. Es ist also nicht so, als könnte ich einfach hineinspazieren."
Hermines Blick war noch einem Moment auf Harry fokussiert, aber sie fragte nicht weiter, worüber er froh war. Die vier arbeiteten schweigsam an ihren Hausaufgaben, bis Harry seine Sachen zusammenpackte und ihnen eine Gute Nacht wünschte. Er ging immer früher als alle seine Mitschüler ins Bett, aber selbst das war ein wenig früh für Harry. Seine Narbe hatte während des gesamten Abends lästig geprickelt und ihm Kopfschmerzen beschert. Es hinderte ihn daran, sich auf seine Hausaufgaben zu konzentrieren. Daher entschloss er sich, früher zu Bett zu gehen.
Er blieb kurz bei Ginny stehen, um ihr eine Gute Nacht zu wünschen. Harry ging die Treppen zu seinem Schlafsaal hoch und zog sich schnell seinen Pyjama an. Sobald er im Bett war, zog er sich in seine Gedanken zurück, um seine Erinnerungen an den Tag zu sortieren, bevor er sich entspannte und langsam einschlief.
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„Bitte sag mir, dass du gute Neuigkeiten für mich hast, Augustus", zischte Voldemort ungeduldig. Harry tat sein Bestes, seine Gedanken zu beruhigen und seine Gefühle wegzusperren - insbesondere seinen Ärger, dass sein Schlaf wieder unterbrochen worden war - als er seine ganze Aufmerksamkeit auf das Geschehen vor ihm richtete, um sicherzugehen, dass er nichts verpasste.
„Es tut mir Leid, mein Lord", erwiderte die verhüllte Gestalt, nicht in der Lage, ihm in die Augen zu schauen. „aber wir haben bisher noch nichts gehört. Wir wussten, dass es Zeit brauchen würde, die Schutzzauber zu umgehen. Ich bin mir sicher, dass es nicht mehr viel länger dauern wird." Harry konnte fühlen, wie erfreut Voldemort über die Angst war, welche der Mann zeigte.
„Meine Geduld hält nicht ewig", erwiderte Voldemort vernichtend, als er seinen Zauberstab in seiner Hand hin und her rollte und Vergnügen an der Art fand, wie der Blick seines Dieners seiner Tat folgte.
„Ja, mein Lord", sagte der Mann nervös. „Wenn es einen Weg gäbe, nach ihm zu sehen, ohne zu riskieren, ihn zu entlarven ... Aber bis er die Schutzzauber durchbrochen hat, kann ich nichts anderes tun als warten."
„Rookwood, du Narr", zischte Voldemort drohend. „Glaubst du, ich weiß das nicht? Ich habe dir erlaubt, deinem Cousin diesen Job zu geben, da du behauptet hast, er sei einer der talentiertesten Fluchbrecher, den du kennst. Wenn er an der Aufgabe scheitert", er hielt inne, um die Furcht, welche er von seinem Diener fühlte, genießen zu können. „wird sein Versagen dein Versagen sein."
„Mein Lord, er ist einer der besten in seinem Fach. Er wird Sie nicht enttäuschen."
„Du hoffst besser, dass dein Vertrauen in ihn nicht fehl am Platze ist", warnte Voldemort. „Dein Dienst mir gegenüber war in letzter Zeit mangelhaft. Versuche nicht, deine Nützlichkeit zu verlieren, sonst werde ich gezwungen sein, anderen Nutzen für dich zu finden."
„M... Mein L... Lord", stotterte der Mann.
„Geh!", kommandierte Voldemort und genoss, wie der Mann bei dem Klang seiner Stimme zusammenzuckte und aus dem Raum rannte. Er schaute weiter nach vorne, selbst als er eine Bewegung aus den Schatten an seiner Seite entdeckte. Erst als die Gestalt in der Mitte des Raumes war, sprach Voldemort: „Halte dich bereit, Lucius. Wir müssen schnell handeln. Die Auroren sind nicht so unfähig, nicht zu bemerken, wenn die Schutzzauber gebrochen sind. Ich erwarte, dass deine Männer sofort zur Stelle sein werden."
„Mein Lord", sagte Malfoy mit leicht geneigtem Kopf. „Ich werde eure Befehle erwarten."
„Gut", sagte Voldemort. Er machte kurz eine Pause, bevor er hinzufügte: „Wenn du mich dieses Mal enttäuscht, Lucius, werden die Konsequenzen schwer sein." Seine Stimme klang durch ihre unheimliche Ruhe bedrohlich.
„Wir werden Sie nicht enttäuschen, mein Lord."
Voldemort antwortete nicht, sondern wandte nur seinen Kopf von seinem Diener ab. Er war es müde, mit seinen Untergebenen zu reden. Harry fühlte, wie er in seinen eigenen Kopf zurückkehrte und dachte über das, was er beobachtet hatte, nach. Er wachte auf, setzte sich auf und war mehrere Minuten lang in Gedanken verloren. Was auch immer Voldemort plante, es musste etwas Großes sein.
Harry stieg aus dem Bett und zog sich leise an. Es war noch immer früh am Morgen, aber er wollte nicht warten. Ein Blick auf seine Armbanduhr sagte ihm, dass er Zeit haben würde, zurückzukommen, bevor Ginny aufwachte. Er trat aus dem Gemeinschaftsraum und machte sich auf den Weg zum Büro des Schulleiters, wobei seine Narbe die ganze schmerzte. Harry gab dem steinernen Wasserspeier das Passwort, als er sich näherte, und er sprang zur Seite, um Harry Zutritt zu gewähren.
Harry ließ sich von der Treppe hochtransportieren und klopfte an der Tür zu Dumbledores Büro. „Herein", rief die Stimme des alten Mannes von innen. Harry betrat das Zimmer und sah den Schulleiter hinter dem Schreibtisch sitzen, so als wäre es das natürlichste auf der Welt, dort zu einer so unchristlichen Stunde zu sein. „Guten Morgen, Mr. Potter ", grüßte er. „Womit habe ich das Vergnügen deines Besuches verdient?"
So müde wie Harry war entschied er sich, das übliche Geplänkel zu überspringen und sofort zum Punkt zu kommen. „Ich hatte eine weitere Vision."
„Setz dich", sagte Dumbledore und deutete auf einen der Plätze vor seinem Schreibtisch. Als Harry sich gesetzt hatte, fuhr er fort: „Nun, was hast du gesehen?"
Harry erklärte so detailreich wie möglich, was er durch seine neueste Vision gelernt hatte. Als er fertig war, lehnte sich Harry in seinem Stuhl zurück und beobachtete den Schulleiter. Eine längere Stille fiel über sie, bevor der alte Mann ein müdes Seufzen ausstieß und Harry sah die ersten Anzeichen von Ermüdung in seinem Gesicht.
Harry entschloss sich zu sprechen: „Sie verrät uns nicht viel außer, dass es jeden Moment passieren könnte - was auch immer das ist. In letzter Zeit hat meine Narbe mich auch mehr als normal behelligt und ich denke, es ist, weil Voldemort unruhig wird."
Dumbledore nickte: „Es schließt ein paar Dinge aus, wenn er sich am meisten sorgt, dass die Auroren merken könnten, dass sich jemand an den Schutzzaubern zu schaffen macht, aber es gibt viele Plätze, für die die Auroren zuständig sind. Ich werde mit Kingsley und Tonks reden und sie für merkwürdigen oder außergewöhnlichen Geschehnisse in Alarmbereitschaft setzen. Währenddessen müssen wir einfach auf mehr Informationen warten oder darauf, dass der Angriff beginnt."
„Sir, was ist mit Rookwoods Cousin?", fragte Harry. „Wissen Sie, wen die beiden meinten?"
Dumbledore seufzte erschöpft, bevor er antwortete: „Das ist eine Spur, die wir nachverfolgen werden, aber ich fürchte, es wird schwieriger sein, als du dir das vorstellst. Ohne zu wissen, ob es ein Cousin ersten Grades oder ein weitläufigerer Verwandter ist, könnte es Wochen dauern, jede Möglichkeit zu durchleuchten. Selbst wenn wir seine Identität erfahren, müssen wir ihn noch finden. Da wir ihr Ziel nicht kennen, haben wir keine Idee, wo wir anfangen sollten zu suchen und wo immer er auch ist, er wird wahrscheinlich sein Bestes geben, unbemerkt zu bleiben, während er versucht, die Schutzzauber aufzulösen."
Harry nickte müde und versuchte erfolglos, ein Gähnen zu unterdrücken. „Nun, es ist beinahe Zeit für meinen morgendlichen Lauf", sagte Harry und stand von seinem Stuhl auf. „Ich lasse Sie wissen, wenn ich mich noch an etwas erinnere oder wenn ich eine weitere Vision haben sollte."
„Danke, Harry", meinte der Schulleiter und Harry konnte die Aufrichtigkeit in seinen Worten hören. Irgendwie wusste Dumbledore, wie sehr es Harry belastete, dass er noch immer versuchte, ihn vor dem Krieg zu beschützen und wusste, dass ein Teil von Harry dies mit gleichen Taten erwidern wollte.
Harry verabschiedete sich und blieb kurz bei Fawkes Vogelstange stehen, um den Phönix zu grüßen und verließ dann das Büro. Er stolperte die Treppe hinunter und hinaus auf den Flur, wo er sich langsam auf den Weg zurück zum Gemeinschaftsraum machte. Ginny kam gerade erst die Treppen herunter, als er eintrat und schaute ihn verwirrt an, als er sich den beiden Treppen näherte.
„Ich hatte wieder eine Vision", erklärte Harry, als er sich ihr näherte.
Verstehen war auf ihrem Gesicht geschrieben und ohne ein Wort zu sagen, trat sie einen Schritt vor, schlang ihre Arme um ihn und hielt ihn fest in einer Umarmung. Er erwiderte die Umarmung und blieb einfach für eine Minute in ihren Armen stehen, atmete den Duft ihres Haares ein - frei von allen Shampoos oder anderen Mitteln - und seufzte zufrieden. Das erste Mal an diesem Morgen fühlte er, wie sein Körper sich entspannte. Er hatte bis zu diesem Moment nicht erkannt, wie angespannt er gewesen war.
Als sie ihn losließ, stellte Ginny sich auf ihre Zehenspitzen und küsste ihn auf die Wange. Harry fühlte, wie seine Lippen sich bei dieser Tat zu einem Lächeln verziehen wollten. „Danke, Ginny", flüsterte er. „Das habe ich wirklich gebraucht."
Er wurde mit einem breiten, umwerfenden Lächeln belohnt und er lehnte sich zu ihr hinunter, um ihr einen kurzen Kuss zu geben: „Lass mich mich umziehen, ich bin gleich wieder unten."
Seine Morgenroutine half Harry, wach zu werden und sich auf den Tag, der vor ihm lag, vorzubereiten. Er überlebte den Morgenunterricht, aber beim Mittagessen merkte er, wie er müder wurde. Nach dem Mittagessen ging Harry zu seinem Büro statt wie üblich für sein Training in den Raum der Wünsche zu gehen. Er holte sein Zaubertrankzubehör hervor und begann, die Zutaten für einen Stärkungstrank vorzubereiten. Er hatte das Gefühl, dass er ihn brauchen würde, um den restlichen Tag zu überstehen.
Er ließ sein Training ausfallen und machte es sich stattdessen auf seinem Sofa bequem, um zu lesen, während der Zaubertrank köchelte. Als Harry nach nur zehn Minuten abrupt wieder aufwachte, weil sein Kopf nach unten gesackt war, wusste er, dass er die richtige Entscheidung getroffen hatte, was den Zaubertrank betraf. Er stand auf und ging ein wenig hin und her in dem Versuch, sich ein wenig aufzuwecken, bevor er sich auf seinen Schreibtischstuhl setzte. Dies zwang ihn, sich aufrecht hinzusetzen und würde hoffentlich ausreichen, um ihn davon abzuhalten, wieder wegzudämmern.
Er fand, dass er sich in dieser aufrechten Position viel besser auf das, was er las, konzentrieren konnte und es dauerte nicht lange, bis der Zaubertrank bereit war. Er hatte ein paar Dosierungen gemacht und während er eine Dosierung zur Seite nahm, um sie gleich zu nehmen, füllte er den Rest des Zaubertranks ab und verstaute ihn in seinem Koffer. Er trank den Zaubertrank in einem Schluck und verbrachte noch ein wenig Zeit mit Lesen, bis er zum Zauberkunstunterricht gehen musste.
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Harrys Narbe plagte ihn die ganze Woche lang. Er konnte eine wachsende Vorfreude in Voldemorts Gefühlen spüren. Das bedeutete für Harry ständige Sorgen, begleitet von häufigen Kopfschmerzen. Es bedeutete auch, dass der wenige Schlaf, den er bekam, noch am besten als unruhig bezeichnet werden konnte. Es war ihm peinlich, Ginny gegenüber am Samstag zugeben zu müssen, dass er bereits seinen Vorrat an Stärkungstrank aufgebraucht hatte. Als sie ihn vor der Gefahr warnte, abhängig zu werden, wusste er, dass er besser nicht sofort wieder einen Kessel voll brauen sollte. Sie hatte Recht. Die Versuchung war einfach zu stark, wenn der Zaubertrank bereit stand. Er würde nur mehr machen, wenn er es unbedingt brauchte.
Statt an diesem Tag einen weiteren Zaubertrank zu nehmen, bestand Ginny darauf, dass er ein Nachmittagsschläfchen halten sollte. Sie bestand auch darauf, dass sie da sein sollte, um sicherzustellen, dass er sich ausruhte. Ein Teil von ihm wollte widersprechen, aber er wusste, dass er den Extraschlaf gut gebrauchen konnte und er war ihr dankbar, dass sie sich um ihn sorgte. Harry hatte nicht vor, vorzuschlagen, sein Bett im Koffer zu verwenden und so legte er sich stattdessen auf das Sofa in seinem Büro. Ginny setzte sich an ein Ende und er legte sich längs auf das Sofa, sein Kopf auf Ginnys Schoß liegend.
Er lag auf seinem Rücken und schaute zu ihrem lächelnden Gesicht hoch, während sie ihm mit ihren Fingern sanft durch sein Haar fuhr. Er erwiderte ihr Lächeln, drehte sich zur Seite und schloss friedvoll seine Augen.
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Während Harry in der Ungestörtheit seines Büros auf Ginnys Schoß ein Nickerchen hielt, las Hermine im Gemeinschaftsraum in Ruhe ein Buch, als Rons Stimme ihre Aufmerksamkeit vom Buch weglockte. „Hast du bemerkt, wie Harry und Ginny andauernd zur gleichen Zeit verschwunden zu sein scheinen?" Er sprach leise an ihrer Seite und setzte sich auf die Armlehne ihres Stuhles.
Hermine nahm sich die Zeit, die Seite in dem Buch zu markieren, wo sie stehen geblieben war, bevor sie es zuklappte und zu Ron hochschaute. „Du hast noch immer nichts anderes im Kopf?", fragte sie ihn leicht ungläubig und frustriert.
Ron ignorierte ihre Frage und starrte ins Feuer. „Es ist nur ..." Er hielt inne und schüttelte seinen Kopf, bevor er sich zu ihr umdrehte. „Fragst du dich nie, warum sie immer gemeinsam verschwunden sind? Fragst du dich nie, was sie tun könnten? Harry hat ein eigenes Büro. Sie könnten alles dort machen!"
Hermine runzelte die Stirn, als sie darüber nachdachte. Es war ein wenig verantwortungslos, Harry ein Büro zu geben, ohne zu kontrollieren, was er dort machte. Dann wiederum hatte Professor Dumbledore wahrscheinlich ein Auge auf alles. Er schien immer zu wissen, was geschah - insbesondere bei Harry. Sie vertraute darauf, dass der Professor Harry davon abhalten würde, sein Büro so zu verwenden wie viele Schüler die Besenschränke verwendeten. Außerdem wusste sie, dass Harry Ginny niemals ausnutzen würde.
Es war wahrscheinlich, dass Ron sich so darüber aufregte, weil er sich vorstellte, für was er das Büro verwenden würde, wenn er eins hätte. Dieser Gedanke jagte ihr insgeheim einen Wonneschauer über den Rücken, entrüstete Hermine aber auch. Sie wollte nicht als ein Mittel zur sexuellen Befriedigung angesehen werden. Sie wollte für ihren Verstand geschätzt werden. Wenn Ron ihren Körper bewunderte, wäre das nur ein Extrabonus.
„Was lässt dich glauben, dass sie irgendetwas tun, dass sie nicht sollten?", fragte Hermine.
„Was lässt dich denken, dass sie es nicht tun?", schoss Ron zurück.
„Sechs Jahre der Freundschaft", erwiderte Hermine angespannt, aber nicht streng. „Du verhältst dich unvernünftig, Ron. Das ist Harry, über den wir reden. Ginny wird feste Freunde haben, ob du es magst oder nicht. Du solltest froh sein, dass sie Harry ausgewählt hat. Wenigstens musst du dir keine Sorgen machen, dass er sie zu etwas drängt. Eher wird sie ihn drängen müssen."
„Ich will das nicht hören", rief Ron aus und hielt sich die Ohren zu. Nach einem Moment senkte er seine Hände wieder: „Außerdem, wenn es nichts gibt worüber ich mir Sorgen machen müsste, warum haben sie uns dann nichts gesagt? Wenn sie nichts tun, worüber wir nicht die Stirn runzeln würden, warum halten sie es dann geheim?"
Hermine musste einen Moment darüber nachdenken: „Ich weiß es nicht, Ron. Es könnte verschiedene Gründe haben. Sie könnten nicht einmal zusammen sein. Wir nehmen das nur an. Aber lass uns sagen, dass sie es sind. Sie möchten vielleicht nur vermeiden, ins Rampenlicht gerückt zu werden. Nach allem, was Harry durchgemacht hat, kann ich ihm nicht wirklich Vorwürfe machen, wenn er ein wenig Privatsphäre haben will. Oder vielleicht befürchten sie, dass du schlecht reagieren würdest. Sei ehrlich: du warst letztes Jahr nicht unbedingt nett zu Michael Corner. Und als du dachtest, dass Dean und Ginny zusammen sind, hast du dich auch gegen ihn gestellt. Vielleicht macht sich Harry Sorgen, dass es bei ihm genauso sein wird."
Es erklärte nicht, warum sie ebenfalls nicht eingeweiht worden war, aber angesichts der letzten Veränderungen in ihrer Beziehung zu Ron konnte sie verstehen, warum sie wie Ron behandelt wurde. So oder so schienen ihre Worte den gewünschten Effekt zu haben, denn Ron ließ sich leicht in seinem Stuhl zurückfallen und schien über das, was sie gesagt hatte, nachzudenken.
Nach einer Minute drehte Ron seinen Kopf zu ihr und fragte: „Glaubst du wirklich, dass er sich Sorgen machen könnte, es mir zu sagen?"
„Ja", erwiderte Hermine ehrlich. „Das glaube ich."
„Was soll ich tun? Einfach herumsitzen und darauf warten, bis sie sich entschließen, mir davon zu erzählen?", fragte Ron und fuhr sich mit der Hand durchs Haar.
„Wieso redest du nicht mit ihnen? Rede mit Harry. Frag ihn nach seiner Beziehung zu Ginny und lass ihn wissen, dass es okay ist, wenn er mit ihr zusammen sein will. Und bevor du auch nur daran denkst, warne ihn nicht davor, Ginny weh zu tun", sagte Hermine. „Es ist beleidigend, auch nur anzudeuten, dass er so etwas tun würde."
Sie sah, wie Ron die Stirn runzelte, was sie nur noch froher machte, dass sie es angesprochen hatte. Es würde ihm ähnlich sehen, den großen Bruder spielen zu wollen. „Du musst im Moment gar nichts machen", riet Hermine ihm. „Denk darüber nach und gewöhne dich an den Gedanken und rede dann mit Harry darüber. Ich bin mir sicher, dass, wenn du ihn ruhig und gesammelt ansprichst, er ehrlich mit dir sein wird."
„Vielleicht hast du Recht", murmelte Ron und nickte zu sich selbst.
Hermine streckte ihre Hand aus, um Rons Hand zu drücken und lächelte ihn warm an, als er sich zu ihr drehte. Er lächelte zurück und zufrieden schlug Hermine ihr Buch auf und las dort weiter, wo sie stehengeblieben war.
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Harry hatte seit Wochen nicht vernünftig geschlafen und sein Mittagsschlaf war viel zu früh zu Ende. Er fühlte sich danach erholter, aber er wusste, dass dieses Gefühl nicht lange anhalten würde. Es gab ihm genug Energie, um den Abend und seine beiden HA-Unterrichtsstunden am nächsten Tag zu überstehen. Seine AHA kam gut voran. Die Tatsache, dass er seinen Stundenplan vom vorigen Jahr hatte, half enorm, um den Ablauf zu vereinfachen.
Seine Elitegruppe in der AHA - wie er begonnen hatte, von ihnen zu denken - verbesserte schnell ihre Duellierfähigkeiten. Sie wurden besser darin, Bewegungen in ihre Trainingskämpfe mit einzubauen. Er verbot oft den Gebrauch von Schutzschilden, um diesen Aspekt des Kampfes noch zu verdeutlichen.
Sein FHA-Unterricht war ein wenig schwerer zu managen. Es war schwierig, sie zu gleichen Maßen Duelle austragen zu lassen und ihnen neue Zauber beizubringen. Zum einen war es unmöglich, etwa 30 Leute gleichzeitig duellieren zu lassen. Wenn sie also den Fokus aufs Duellieren legte, schaute ein Großteil der Klasse nur zu, während der Rest die Übung bekam, die sie so sehr brauchten. Er musste einen Weg finden, die Dinge ein wenig besser zu organisieren, aber noch war ihm keine Lösung eingefallen.
Harrys Energie begann kurz nach dem Abendessen zu verschwinden und nicht lange danach fühlte er sich total erschlagen. Er blieb nur kurz im Gemeinschaftsraum, bevor er sich entschuldigte und zu seinem Schlafsaal ging.
Harry war gerade dabei, seinen Schlafanzug anzuziehen, als Ron den Raum betrat. Es war merkwürdig, einen seiner Zimmergenossen selbst zu Harrys normaler Bettzeit hier zu sehen. Durch seine abendlichen Okklumentikübungen und seine frühen Morgende hatte Harry die Tendenz, früher als alle anderen Jungs in seinem Jahrgang ins Bett zu gehen. Wenn man bedachte, dass er selbst zu seinen Standards früh zu Bett ging, nahm er an, dass Ron aus einem besonderen Grund da war.
„Hey, Ron, was ist los?", grüßte Harry.
„Ich habe mich - äh - gefragt, ob wir uns eine Minute unterhalten könnten", bat Ron, sich deutlich unwohl fühlend.
Harry runzelte die Stirn und fragte sich, was Ron so nervös machte. „Sicher", erwiderte Harry und drehte sich von seinem Koffer weg, um sich auf sein Bett zu setzen. „Über was wolltest du mit mir sprechen?"
Ron setzte sich gegenüber von Harry auf sein eigenes Bett und rang einen Moment lang mit seinen Händen, bis er sagte: „Ich weiß, dass du und Ginny euch seit dem Sommer sehr gut versteht, aber ich konnte auch nicht anders als zu merken, dass ihr viel Zeit miteinander verbringt. Und ihr zwei scheint immer zur selben Zeit zu verschwinden. Ich habe mich nur gefragt, was zwischen euch passiert."
Das ließ Harry innehalten. Er wusste, dass die Wahrheit über seine Beziehung mit Ginny irgendwann ans Tageslicht kommen würde; dennoch fühlte er sich vollkommen unvorbereitet auf Rons Frage. Als er sich vorgestellt hatte, dass dies passierte, hatte er sich immer als denjenigen gesehen, der zu Ron ging, um es ihm zu sagen, nicht andersherum. Zum ersten Mal begann Harry die Entscheidung zu bedauern, seinem Freund diese Information vorenthalten zu haben. Er wusste jedoch, dass er nur eine Antwort geben konnte: „Ginny und ich sind zusammen." Er wappnete sich, nicht wissend, wie Ron auf diese einfache Aussage reagieren würde.
„Wie lange?", fragte Ron und wich Harrys Blick aus.
„Ein paar Wochen."
Ron nickte, als hätte er diese Antwort erwartet. Nach einem Moment schaute er hoch und fragte: „Wie kommt es, dass du es mir nicht gesagt hast?"
Harry atmete aus. Etwas an Rons Ton ließ ihn sich schuldig fühlen. Dennoch konnte er nicht anders als sich gestärkt zu fühlen, dass Ron die Neuigkeiten nicht schlecht aufnahm. Er wusste, dass er seine Worte nun mit Bedacht wählen musste, um die Situation nicht schlimmer zu machen. „Ich weiß nicht genau. Ein Teil davon war, dass ich besorgt war, wie du reagieren würdest. Ich weiß nicht wirklich, wie ich den Rest erklären soll. Ich wollte ... Ich wollte einfach, dass es etwas ist, das sie und ich teilen. Ich wollte nicht, dass es diese große Sache wird, über die jeder redet. Ich wollte einfach nur genießen, mit ihr zusammen zu sein, weißt du?"
„Nicht wirklich", erwiderte Ron mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen. „Ich weiß, dass ich genaugenommen nicht besonders nett zu Ginnys vorigen Freunden gewesen bin. Nun, nur den einen, wenn man Dean nicht mitzählt. Es ist nur ... Es fällt mir schwer. Ginny war schon immer meine kleine Schwester, weißt du? Ich weiß, dass sie nicht mehr so klein ist, aber es ist schwer, das zu akzeptieren. Es ist nicht, dass ich dir nicht vertraue. Du bist mein bester Kumpel. Es ist nur ... Ich werde nur einige Zeit brauchen, um mich daran zu gewöhnen, das ist alles."
Ein Lächeln breitete sich auf Harrys Gesicht aus. Das war so gut wie ein Segen, soweit ihn das anging. „Wir werden versuchen, nicht zu - ähm - du weißt schon." Harry hielt inne, als er versuchte, an ein gutes Wort zu denken.
„Ja", unterbrach Ron, ein wenig lauter als notwendig. „das wäre großartig."
Harry lächelte: „Entschuldige, dass wir nicht früher was gesagt haben."
„Es ist okay", erwiderte Ron. „Ich wünschte, du hättest, aber selbst ich könnte nicht garantieren, wie ich reagiert hätte, wenn ihr mich unvorbereitet erwischt hättet."
Die beiden lachten leise. „Lust auf eine Runde Schach?", fragte Ron einen Moment später.
Harry zögerte zu antworten. Um die Wahrheit zu sagen wollte er nichts mehr, als ins Bett zu kriechen und zu versuchen, so viel wie möglich zu schlafen. Es war jedoch schon einige Zeit her, seitdem er das letzte Mal mit Ron Schach gespielt hatte und er wusste, wie viel es seinem Freund bedeuten würde, selbst wenn es nur eine Runde war.
„Sicher, Kumpel", stimmte Harry zu.
Auch wenn Harry sein Bestes versuchte, zerstörte Ron systematisch Harrys Figuren, bis er Harrys König im Schachmatt hatte. Als Ron nach einer weiteren Runde fragte, lehnte Harry ab, indem er sagte, dass er leichte Kopfschmerzen hatte und deshalb plante, früh zu Bett zu gehen. Ron nickte und ging wieder zurück nach unten, um ein anderes Opfer zu finden, gegen das er Schach spielen konnte. Harry dachte kurz darüber nach, Ginny zu finden, um ihr über seine Unterhaltung mit Ron zu erzählen, entschied aber, dass das bis morgen Zeit hatte.
Nachdem er schnell seine Okklumentikübungen absolviert und seine Tageserinnerungen sortiert hatte, legte Harry sich hin und schloss die Augen. Nur wenige Stunden später wachte Harry abrupt auf. Er biss sich auf die Lippe, um ein Stöhnen zu unterdrücken, während er seine Hand gegen seine Narbe drückte. Er sprang lautlos aus dem Bett, zog den Pyjama aus und eine Jeans und ein schwarzes T-Shirt an. Er warf seine Schulroben über und eilte aus der Tür und die Treppen hinunter. In nur wenigen Sekunden durchquerte er den Gemeinschaftsraum und trat durch das Porträtloch, wobei er eine verwirrte und aufgeschreckte Fette Dame hinter sich zurückließ.
Er rannte die schattenhaften Flure entlang und flog praktisch die Treppen hinunter auf seinem Weg zum Büro des Schulleiters. Es war so wenig Zeit. Schwer atmend sagte er zu dem steinernen Wasserspeier das Passwort, sprintete die bewegliche Treppe hinauf und betrat das Büro, ohne sich mit Klopfen aufzuhalten.
Er brauchte nur eine halbe Sekunde, um den Schulleiter zu entdecken, der vor dem Kamin aufstand, Alarm auf seinem Gesicht geschrieben, bis er Harry in die Augen sah. „Es ist St. Mungos. Sie sind schon auf dem Weg", brachte Harry schwer atmend heraus.
„Ja, ich weiß", erwiderte Dumbledore ruhig. „Ich habe gerade den Orden informiert. Sie werden so schnell wie möglich dort sein, um den Angriff aufzuhalten."
Harry starrte den Mann eine Sekunde lang leer an, bevor er die Worte aufnehmen konnte. „Sie wussten, dass es St. Mungos war?", fragte er verwirrt und verraten.
„Ich habe vor weniger als zehn Minuten von Kingsley gehört, dass dort etwas mit den Schutzzaubern passiert. Seitdem habe ich alle kontaktiert, damit sie sich bereit machen können", antwortete Dumbledore.
Harry nickte. Er hatte keine Zeit, herumzustehen und zu plaudern. „Nun, ich schätze, ich lasse Sie dann in Ruhe alles managen", sagte Harry.
„Danke, Harry", erwiderte der Schulleiter.
Harry nickte, drehte sich um und ging hinaus. Er schloss die Tür hinter sich, bevor er die Treppe hinuntereilte. Er rannte in das erste Klassenzimmer, an dem er vorbeikam und ging zum Fenster. Harry rief mit Gedankensprechen nach Hedwig. Harry suchte das Zimmer ab, bis er ein Stück Pergament, einen Federkiel und ein Tintenfass fand. Er kritzelte schnell eine Nachricht für Ginny, um sie wissen zu lassen, was passierte und wo er war. Als er fertig war, schwebte Hedwig in den Raum. Er band schnell die Nachricht an ihr Bein und sagte ihr, sie solle den Brief zu Ginny bringen. Mit einem Schuhuhen flog Hedwig wieder aus dem Fenster.
Harry verwandelte sich eine Sekunde später und flog hinter seiner Eule aus dem Fenster. Er schlug schnell mit seinen Flügeln, um an Höhe und Schnelligkeit zu gewinnen. Er landete ein wenig außerhalb der Tore Hogwarts und wechselte schnell seine Kontaktlinsen zu den braunen, kürzte sein Haar und legte einen Kosmetikzauber über seine Narbe. Das getan, zog er seine Robe aus und stopfte sie in seinen Koffer, schrumpfte den Koffer und packte ihn wieder in seine Tasche. Eine Sekunde später war er verschwunden und ließ nur ein Flüstern zurück, als er disapparierte.
Er tauchte in Muggellondon außerhalb eines heruntergekommenen Kaufhauses auf, welches ein Schild im Fenster hatte, um die Einkaufenden wissen zu lassen, dass es wegen Renovierung geschlossen war. Harry achtete nicht auf das Schild, als er zu dem Schaufenster mit der Mannequin ging. Er legte seine Hand auf das Glas und merkte, dass es noch immer solide war. Er schaute der Dummy in die Augen und sagte schnell: „Ich bin hier, um die Todesser zu vertreiben."
Für einen Bruchteil einer Sekunde passierte nichts. Harry war bereit, Explosionszauber zu werfen, um sich einen Weg in das Krankenhaus zu ebnen, aber dann bedeutete ihm die Dummy, näher zu kommen und erlaubte ihm, in die Lobby von St. Mungos zu treten.
Er schaute sich um, um herauszufinden, wo er gebraucht werden würde und war überrascht, wie ruhig alles zu sein schien. „Sie haben wohl noch nicht angegriffen", dachte sich Harry und ein Gefühl der Erleichterung überkam ihn. Er atmete tief aus, als er überlegte, was er tun sollte.
[*]
Gerade in diesem Moment war ein lautes Krachen in dem bereits lauten Raum zu hören. Erschreckt hielten alle inne, um zur Decke hochzuschauen, als ob sie erwarteten, dass die Ursache des Geräusches vor ihren Augen auftauchen würde. Harry wusste, dass seine Zeit gerade abgelaufen war. Während alle anderen noch erstarrt waren, eilte Harry die Treppen hoch und nahm dabei zwei - manchmal drei - Treppenstufen auf einmal. Als er den ersten Stock erreichte, schaute er den Korridor hinunter, konnte aber nichts sehen, dass andeuten könnte, dass Todesser dort waren und so ging er weiter nach oben. Als er die zweite Etage erreichte, sah er sie und musste einem Fluch ausweichen, der in seine Richtung flog.
Um die Ecke lugend nahm Harry sich eine Sekunde, um seine Gegner zu taxieren. Nur auf dem Flur waren schon ein Dutzend. Harry wusste keine bessere Alternative als sein Versteck zu verlassen und so schnell er konnte Flüche auf sie zu werfen. Leider waren die Todesser auf seinen Angriff vorbereitet. Sie hatten genügend Zeit, Schilde zu errichten, um seinen Zauberspruchregen aufzuhalten, und weil sie so zahlreich waren, hatten sie Zeit, Flüche zu ihm zurückzuschicken und Harry damit wieder um die Ecke zu treiben. Harry schützte seinen Kopf mit seinen Händen, als die Flüche die Treppe hinter ihm trafen und dadurch Steinbrocken durch die Luft flogen. Wenn die Treppe noch mehr in Mitleidenschaft gezogen würde, würde sie Gefahr laufen, zusammenzubrechen und damit seine einzige Fluchtroute versperren.
Er musste sich ihnen nähern, wenn er auch nur die Hoffnung haben wollte, eine Chance in diesem Kampf zu haben; sie waren einfach zu zahlreich und sie waren zu weit weg, als das er eine Chance gehabt hätte, zu gewinnen. Der enge Flur machte es jedoch schwierig, sich ihnen zu nähern. Er schielte noch einmal kurz um die Ecke und musste sich schnell zurückziehen, als mehrere Todesser eine Reihe von Flüchen auf ihn warfen, die hinter Harry noch mehr Zerstörung anrichteten.
Tief Luft holend machte Harry sich bereit. Ein paar Meter den Flur hinunter war eine offene Tür, und er würde versuchen, dort hin zu gelangen. Heimlichkeit vergessend sprang er auf den Flur hinaus, mit beiden Händen Flüche werfend. Sich duckend rannte er schnell zur offenen Tür. Er schaute sich um und sah mehrere Patienten, die ihn alarmiert anschauten. „Geht in Deckung, wenn ihr könnt", sagte er ihnen. „Die Todesser sind da."
Harry wartete nicht, um zu sehen, ob sie seiner Warnung folgten. Er spähte durch die Schlitze, die durch die Türangeln entstanden und durchforstete sein Gehirn nach einer Strategie. Er brauchte eine Möglichkeit, um die Todessergruppe abzulenken oder bewegungsunfähig zu machen, um sich die nötige Zeit zu verschaffen, angreifen zu können. Er dachte an seinen HA-unterricht. Da war etwas, beinahe in Reichweite, wenn er sich nur daran erinnern könnte.
Dann fiel es ihm ein. Er trat aus der Tür und warf mit seiner Zauberstabhand Flüche, während er mit seiner linken Hand einen Ölstrahl auf die Todesser schoss. Sie brauchten einen Moment, um zu verstehen, was passierte und einer von ihnen die Flüssigkeit blockierte. Harry musste sich wieder in den Raum zurückziehen, um einen weiteren Schwall Flüchen auszuweichen. Er konnte noch sehen, wie ein paar Todesser auf dem Öl ausrutschten und einige ihrer Kameraden mit hinunterzogen. Einen Moment später eilte Harry wieder hinaus auf den Flur und feuerte dabei Flüche. Leider waren einige der Todesser darauf vorbereitet und einer von ihnen war schlau genug, „Colloportus*" auf die Tür zu zaubern. Der Zauber traf sie nur eine Sekunde nachdem er den Flur betreten hatte.
Als das Geräusch der zuschlagenden Tür in seinen Ohren hallte, wusste Harry, dass er in Schwierigkeiten steckte. Er hatte keine Zeit, über sein Schicksal nachzusinnen, denn eine Flut von Flüchen kam auf ihn zu. Einer der verhüllten Figuren ließ das Öl auf dem Boden verschwinden, während die anderen ihre Aufmerksamkeit auf Harry richteten. Harry konnte einige Flüche abwehren und anderen ausweichen, aber schon bald wurde er von Flüchen bombardiert, als die wenigen Todesser, die seinem Ölzauber zum Opfer gefallen waren, wieder zu sich fanden.
In diesem Fluchaufgebot war eine blassgrüne Farbe, die Harry nur zu gut kannte. Als er dem Todesfluch auswich, hatte Harry keine andere Wahl als sich von einem anderen Zauber treffen zu lassen. Sein Schutzzauber konnte der Macht des Zaubers nicht widerstehen, aber er lenkte den Zauber gut genug ab, dass dieser Harrys Schulter statt dessen Brust traf.
Harry stieß ein schmerzerfülltes Stöhnen aus, als er mehrere Schritte nach hinten geworfen wurde. Er fühlte ein furchtbares Reißen an seiner Schulter und merkte, dass er seinen linken Arm nicht mehr bewegen konnte. Die Kraft des Zaubers hatte Harrys Konzentration gebrochen und er wurde schnell von zwei weiteren Zaubern getroffen. Der erste hinterließ eine klaffende Wunde an seinem Oberkörper. Der zweite Zauber jedoch ließ Harry sich in Qualen auf dem Boden winden.
Die Flüche hörten auf, geworfen zu werden, aber Harry merkte es nicht. Er war zu sehr von dem unbeschreiblichen Schmerz abgelenkt, der jeden Zentimeter seines Körpers betraf. Es war unmöglich, den Schmerz auf eine Region zu beschränken oder ihn zu verstehen. Er war stechend, beißend, durchdringend, kneifend, brennend, zerreißend—alle Arten von Schmerz, die man erfahren konnte.
Dann, plötzlich, war er verschwunden. An seine Stelle trat ein pochender, dumpfer Schmerz, der seinen gesamten Körper durchfuhr. Seine Atempause war jedoch nur kurz, da der Schmerz mit voller Wucht zurückkehrte und einen wilden Schrei seiner Kehle entlockte. Eine Ewigkeit schien zu vergehen, aber der Schmerz verschwand wieder, nur um wenige Sekunden später wieder zu beginnen. Als der Schmerz wieder aufhörte, dachte Harry, dass er Stimmen und Gelächter hören konnte, aber er konnte sich nicht auf die Geräusche konzentrieren.
Durch die Schmerzen in seinem Körper und in seinem Geist begann Harry sich zu fragen, ob das das Ende für ihn sein würde. Eine plötzliche Angst überkam ihn. Er musste noch so viel erreichen. Er hatte erst begonnen, zu trainieren, zu kämpfen und zu helfen. Es war sein Schicksal - seine Pflicht - Voldemort zu besiegen. Was würde aus der Welt werden, wenn er nicht länger da sein würde, um Voldemort aufzuhalten?
Ginny.
Er hatte keine Gelegenheit gehabt, sich zu verabschieden und er würde sie nie wieder sehen. Und was noch schlimmer war, wie würde ihr Leben sein, immer kämpfend und sich versteckend? Das war ein ernüchternder Gedanke und er hielt ihn fest, als er langsam wieder zur Besinnung kam. Er musste kämpfen, dies überleben, für Ginny. Harry schaute sich benebelt um und erfasste das erste Mal seine Umgebung. Er sah eine kleine Menge Todesser um ihn herum stehen, redend und lachend. Er konzentrierte sich auf ihre Stimmen und erkannte, dass sie darüber diskutierten, wer Harry als nächstes verfluchen durfte - und wer das Vergnügen haben dürfe, ihn zu töten.
Als die Entscheidung gefallen war, richtete eine der maskierten Personen seinen Zauberstab auf Harry, während die anderen zuschauten und ungeduldig warteten. Alles erschien Harry so, als würde es in halber Geschwindigkeit geschehen. Als der Mann seinen Zauberstab bewegte, hob Harry mühevoll seine rechte Hand und streckte sie in Richtung des Angreifers. Die Todesser lachten alle und spotteten über die Geste, welche sie als eine Bitte um Gnade ansahen. Das Gelächter stoppte jedoch, als ein tiefroter Lichtstrahl von Harrys Handfläche flog und den Todesser gegen die Wand warf. Der Mann fiel ohnmächtig zu Boden.
Der Zauber ließ Harry sich energielos fühlen und er fragte sich, ob er die Kraft hatte, die Nacht zu überstehen - aber er musste es versuchen. Die anderen Todesser waren kurz erstarrt und ließen Harry damit genug Zeit, wieder anzugreifen, bevor sein Ziel sich schützen konnte.
Sein drittes Ziel konnte gerade rechtzeitig einen Schutzzauber errichten, um Harrys Fluch abzuwehren. Die Kraft des Fluches reichte aus, um den Mann gegen die Wand zu werfen, aber er war noch immer bei Bewusstsein, wenn auch ein wenig mitgenommen. Als sich Harry dem nächsten Todesser zuwandte, war dieser bereits dabei, eine Bewegung mit dem Zauberstab auszuführen. "Avada Keda..."
Ein grelles Licht umleuchtete den Mann von hinten. Seine Stimme brach ab und er fiel seitlich zu Boden. Die beiden Todesser, die noch immer um Harry herumstanden, wandten ihre Aufmerksamkeit den Flur hinunter und gaben Harry damit die Gelegenheit, anzugreifen. Er warf erschöpft einen Schockzauber auf einen der Männer und trat dem anderen gegen das Knie. Der erste war sofort außer Gefecht gesetzt, während Harrys Tritt den anderen in einen anderen Zauber taumeln ließ. Harry wandte sich zurück zu dem Todesser, den er benommen zurückgelassen hatte und entdeckte, dass er bereits außer Gefecht gesetzt worden war.
Er hob seinen Kopf hoch genug, um seinen Retter sehen zu können, bevor er seinen Kopf wieder fallen ließ. Er würde vielleicht überleben.
OoOoOoOoOoOoOoO
Remus ging wachsam den Flur entlang, der voller Körper war und schaute in Türen und Fenster, um Bedrohungen zu entdecken, als er sich auf den Weg zu Jim machte. Er drehte sich zu seinen Kameraden um und sagte: „Sieht sauber aus."
Er ging zwei weitere Schritte nach vorne und kniete sich dann neben den jungen Mann hin: „Alles okay?", fragte er besorgt. Als er es sagte, merkte er, was für eine dumme Frage das war. Der Junge sah einfach furchtbar aus.
„Wunderbar", sagte der Junge und zog eine Grimasse. „Gut, dich wiederzusehen."
Remus konnte das Zucken an seinen Mundwinkeln nicht unterdrücken. Wenn er noch immer Sinn für Humor hatte, dann konnte das nur ein gutes Zeichen sein. „Ebenfalls. Ich wünschte, wir könnten uns unter besseren Umständen treffen." Er schaute sich kurz um und sah, dass Tonks und ihr Partner Ben die Räume durchsuchten. Er schaute wieder hinunter und fragte: „Wo bist du verletzt?"
„Überall", erwiderte Jim angespannt. „Cruciatus hat diesen Effekt." Remus nickte ernst und Jim fügte hinzu: „Aber ich kann meinen linken Arm nicht bewegen."
„Du hast auch eine Wunde am Oberkörper", sagte Remus wie nebenbei.
„Mhm?", meinte Jim und versuchte seinen Kopf zu heben, um auf seinen Oberkörper zu schauen. Remus fragte sich kurz, wie er die Wunde hatte übersehen können, aber der Cruciatusfluch war genug, um einen alles vergessen zu lassen.
„Die Wunde kann ich schnell heilen", sagte Remus. Er riss Jims Shirt ein wenig weiter auf, als wollte er besseren Zugang zu der Wunde und bestätigte damit seine Vermutung: er hatte keine Narbe. Keine weitere Zeit verlierend hielt Remus seinen Zauberstab über die Wunde. Es verging keine Minute, bis Jims Oberkörper so gut wie neu aussah. „Nun", sagte er, sobald er fertig war. „Lass uns einen Blick auf deinen Arm werfen." Er musterte ihn genauer und sah schnell, was los war. „Es sieht so aus, als sei dein Arm ausgekugelt. Ich könnte es wahrscheinlich heilen, aber Tonks hat mehr Heilertraining als ich. Warte eine Sekunde."
Remus stand auf, um sich nach Tonks umzuschauen, während seine Gedanken um seine letzte Entdeckung kreisten. Unglücklicherweise für seine aufgewühlten Gedanken brauchte er nur eine Minute, um sie zu finden. „Tonks, ich brauche deine Hilfe", rief er und betrat den Raum. „Er hat seinen Arm ausgekugelt, und ich möchte es nicht riskieren, es schlimmer zu machen."
„Wir sind in einem Krankenhaus, weißt du, Remus", erwiderte Tonks. „sollten wir ihn nicht einfach zu einem Heiler bringen?"
„Ich dachte, sie versuchten, alle zu evakuieren?", war Remus Antwort. „Außerdem, wenn wir ihn selbst wieder hinbekommen, könnte sich das vorteilhaft erweisen."
„Vorteilhaft?", fragte sie skeptisch.
Remus hatte nur kurz mit Tonks über Jim geredet. Sie war nicht besonders von der Einstellung des Jungen bei ihrem letzten Treffen beeindruckt gewesen und Remus war der Meinung, dass er mehr erfahren musste, bevor er seine Vermutungen über seine wahre Identität teilen wollte. „Du weißt, wie sehr Dumbledore mehr über ihn wissen will", erwiderte er. „Wenn wir sein Vertrauen gewinnen können, könnten wir vielleicht mehr über ihn erfahren, vielleicht sogar einen neuen Verbündeten gewinnen."
„Okay, okay", sagte Tonks. „Du gewinnst. Lass uns ihn heilen."
Remus lächelte und folgte Tonks aus dem Zimmer. Er kniete sich rechts neben Jim hin und erklärte: „Es ist sein linker Arm."
Tonks nickte und kniete sich links neben Jim hin. „Weißt du, von was du getroffen wurdest?", fragte sie kurz angebunden.
Jim schüttelte den Kopf: „Nein, Sie waren zu zahlreich und es geschah so schnell. Ich konnte einen Schutzzauber errichten, aber es war nicht genug, um den Zauber aufzuhalten."
„Okay, dann lass mich sehen, mit was wir es zu tun haben", sagte Tonks und nahm vorsichtig seinen Arm in ihre Hände.
Remus war froh zu sehen, dass sie so sanft wie möglich war. Er beobachtete, wie Jim bei der Berührung zusammenzuckte, aber der Junge ließ keinen Laut des Schmerzes oder des Protestes hören. Seinen Arm noch immer mit einer Hand haltend bewegte Tonks ihren Zauberstab über seine Schulter und seinen Arm. Ein sanftes blaues Licht erschien an ihrer Zauberstabspitze, als sie ihre Diagnosezauber ausführte. Eine Minute später schaute Tonks zu Remus hoch, bevor sie Jim ins Gesicht schaute: „Außer deiner ausgekugelten Schulter hast du auch ein paar Brüche. Ich sollte sie heilen können, außer du möchtest lieber auf einen Heiler warten."
„Nein", erwiderte Jim. „Mach. Ich vertraue dir."
Remus lächelte Tonks kurz zu und sie verdrehte die Augen. Sie murmelte dann ein paar Zauber über Jims Schulter und verkündete nach ein paar Minuten: „So, dass sollte alles sein. Du solltest versuchen, einige Zeit nichts zu anstrengendes zu machen, aber davon abgesehen bist du so gut wie neu."
„Danke", erwiderte Jim. Als er sich aufsetzte, legte Remus einen Arm um ihn, um ihm hochzuhelfen. „Danke", sagte er und schaute Remus direkt in die Augen. Da war etwas in seinen Augen, etwas, das Remus bekannt vorkam. Er erwartete beinahe Harrys grüne Augen zu sehen, stattdessen schaute er nur in Jims braune Augen.
„Sind das alle?", fragte Jim, während er sich umschaute.
„Ich weiß nicht", erwiderte Remus. „Als wir dich hier sahen, haben wir uns von dem Rest der Gruppe getrennt. Sie könnten noch immer woanders kämpfen."
„Nun, was machen wir dann noch immer hier?" Jim stützte seine rechte Hand auf den Boden und stand auf. Remus machte eine Bewegung, um ihm hochzuhelfen, aber der Junge schaffte es ohne ihn.
Er sah zuerst ein wenig unsicher auf den Beinen aus, aber fand schnell sein Gleichgewicht.
„Bist du dir sicher, dass es dir gut geht?", fragte Remus besorgt. „Du sagtest, dass der Cruciatusfluch auf dich geworfen wurde."
„Es war nicht das erste Mal", erwiderte Jim knapp.
Remus fühlte sich ein wenig verloren. „Nun, bleib wenigstens bei uns. Wir sind alle sicherer, wenn wir zusammenbleiben."
Jim schien einen Moment darüber nachzudenken, bevor er nickte. „Also gut. Wie gut habt ihr die Etage durchsucht?"
„Bisher nur diesen Flur", rief Bens Stimme einige Meter weiter weg, während er zurück zur Gruppe ging. „Mehrere der Räume sind zerstört und die einzigen Todesser sind die, die hier liegen."
„Sollen wir dem Korridor weiter folgen?", fragte Remus.
„Wir sollten erst etwas mit den Todessern machen", unterbrach Jim und deutete auf die herumliegenden Körper. „Weiß jemand von euch, wie man Anti-Portschlüssel-Schutzzauber errichtet?"
Remus nickte: „Ja, aber wäre es nicht einfacher, ihre Portschlüssel wegzunehmen?"
Jim schüttelte den Kopf. „Ich habe das letzte Mal, als wir uns trafen, versucht, sie zu mir zu rufen, erinnerst du dich? Sie haben einen Weg darum herum gefunden."
„Wir sollten sie alle zusammen in eines der Zimmer legen", meinte Ben. „Dieses hier ist leer", sagte er und deutete auf eine offene Tür etwas weiter den Flur hinunter.
„Fessele sie und zerbreche auch ihre Zauberstäbe", sagte Jim. "Es kann nicht schaden, gründlich vorzugehen."
Remus nickte und sie begannen mit der Arbeit. Es dauerte nur wenige Minuten, alle zusammenzusuchen. Sie legten sie in eine Ecke des Raumes. Tonks fragte Harry, ob er Hilfe wollte, aber er schüttelte den Kopf. Der Bereich war klein genug, dass es nicht zu erschöpfend sein sollte, um es handhaben zu können. Er brauchte mehrere Minuten, um die Schutzzauber zu errichten. Sie waren nicht seine beste Arbeit und würden nicht länger als einen Tag halten, höchstens zwei, aber sie sollten ausreichen.
Nachdem er fertig war, versammelten sie sich im Flur. „Nun, sollen wir den Rest der Etage absuchen?", fragte Remus.
Tonks nickte. „Ben und ich gehen vor, ihr beide gebt uns Deckung", gab sie an, bevor sie ihrem Partner zunickte und losging.
Remus blickte zu Jim. Er schien nicht erfreut darüber zu sein, Befehle zu erhalten, aber widersprach Gott sei Dank nicht. Er wandte sich um, um zu Remus zu schauen, nickte ihm zu, und folgte dann den beiden Auroren.
Remus eilte ihm schnell nach, bis er Jim einholte. „ Woher wusstest du, dass du hier sein musst?", fragte er neugierig im Flüsterton.
Jim schaute ihn ausdruckslos an: „Ich habe meine Quellen."
Remus fragte sich, was für eine Quelle ein Junge seines Alters haben könnte. Für eine normale Person war die einzige Möglichkeit, die Remus sich vorstellen konnte, entweder ein Ordensmitglied oder ein Todesser - und es müsste dann wahrscheinlich auch noch ein Mitglied des Inneren Zirkels sein. Wenn es jedoch Harry war - was hatte Dumbledore ihnen letzte Woche erzählt? Harry glaubte, er könnte beobachten, was Voldemort tat, ohne dass Voldemort seine Anwesenheit bemerkte. Das wäre die ultimative Quelle.
Sie gingen für eine Weile stumm weiter, während Tonks und Ben jeden Raum, an dem sie vorbeikamen, nach Anzeichen von Todessern untersuchten. Dann riss Jim Remus aus seinen Gedanken: „Es tut mir leid, dass ich so kurz angebunden war - das letzte Mal, meine ich."
Remus zog eine Augenbraue angesichts dieser Entschuldigung hoch und antworte: „Mach dir keine Sorgen…Es überraschte ihn, dass Jim sich für sein Verhalten entschuldigte. Er war kurz angebunden gewesen, ja, aber er hatte auch gerade ihr Leben gerettet und sich dabei beinahe selbst umgebracht. Er konnte sich einfach nicht vorstellen, dass ein völlig Fremder sich darüber Gedanken machen würde, insbesondere angesichts der Situation, in der sie gewesen waren. „Wir waren alle gestresst. Das passiert."
Jim nickte und drehte sich wieder nach vorne. Remus folgte seinem Beispiel und ging gedankenverloren weiter. Er durchforstete sein Gehirn, um einen Weg zu finden, mehr über Jim zu lernen, um seine Vermutung entweder zu bestätigen oder zu widerlegen - zu versuchen, ihn dazu zu bringen, sich zu verplappern und etwas über seine Identität zu erfahren. Dann fiel ihm etwas ein: „Arbeitest du immer alleine?"
Jim blieb stehen, als die beiden Auroren ein Zimmer betraten: „Ja, warum?"
„Ich bin nur neugierig, das ist alles", erwiderte Remus lässig. Das eliminierte die Zwillingstheorie, außer er log, aber Remus glaubte es nicht. Jim hatte sich überrascht angehört, diese Frage gestellt zu bekommen. Er war entweder ehrlich oder ein unglaublicher Schauspieler. „Wir haben in den letzten Monaten viel über dich nachgedacht. Wir haben versucht, herauszufinden, wer du bist und warum du kämpfst. Ich hoffe, du nimmst uns das nicht krumm", fügte Remus hinzu, als er den Ausdruck auf Jims Gesicht sah. „Aber wir sind mitten in einem Krieg und wir mussten sicher sein, wo du stehst."
Es blieb still zwischen ihnen, bis sie weitergingen. „Und was habt ihr herausgefunden?", fragte Jim, bevor Remus seine gezwungene Ruhe interpretieren konnte.
„So gut wie nichts", erwiderte Remus mit einem schiefen Grinsen. „Außer ..." Er ließ den Satz unbeendet.
„Außer was?", fragte Jim besorgt.
„Nun, wir glauben, dass du ein Pantheranimagus bist", sagte Remus ihm dreist. Er bemerkte, wie Jims Augen einen Moment größer wurden, bevor er seine Gesichtszüge wieder unter Kontrolle hatte.
„Oh, was lässt euch dass denken?" Jims Stimme war ohne jegliche Regung.
„Ginny Weasley", erwiderte Remus. „Du hast im Sommer ihr Leben in der Winkelgasse gerettet." Er lächelte Jim an, als er hinzufügte: „Weißt du, es ist merkwürdig, aber du bist die zweite Person, die ich kenne, die diese Gestalt hat."
„Wirklich?", fragte Jim.
Sie blieben stehen, als die zwei Auroren einen weiteren Raum betraten. Remus drehte sich zu Jim um, um dessen Gesicht genau mustern zu können. Die Augen und Haare waren anders, und die fehlende Narbe half, um seine Identität zu verbergen, aber er hatte keinen Zweifel mehr.
„Ein merkwürdiger Zufall, glaubst du nicht auch, Harry?"
ENDE
*zur Erinnerung: Mit dem Zauberspruch Colloportus wird eine Tür magisch so versiegelt, dass sie durch den Alohomora-Zauber nicht zu öffnen ist. wiki/Colloportus
[*] (AN: hier fehlt etwas, aber das fehlt auch im Original ... )
