Kapitel 22 Teil 1: In den Wahnsinn getrieben

Es war ein gefährliches Spiel, Doppelagent für die beiden mächtigsten Zauberer der Welt zu spielen. Severus war sehr stolz auf seine Fähigkeit, das Vertrauen vom Dunklen Lord und Albus Dumbledore zu besitzen. Dumbledore war von Natur aus eine vertrauensseligere Person. Er wollte den Menschen vertrauen, aber, versteh das nicht falsch, es war nicht einfach, ihn zu täuschen. Für Severus, der das Dunkle Mal trug, war Dumbledores Vertrauen nicht einfach zu gewinnen gewesen, aber als er erst einmal sein Vertrauen hatte, hatte er wenig Angst, es wieder zu verlieren.

Der Dunkle Lord auf der anderen Seite war eine ganz andere Sache. Jedes Zusammentreffen mit dem „Mann" war ein Test seiner Listigkeit. Alles, was es brauchte, war eine falsche Bewegung, ein kleiner Zweifel, der im Kopf des Dunklen Lords auftauchte und alles wäre verloren. Severus kannte seinen Einsatz in diesem Spiel: eine falsche Handlung und sein Leben wäre verloren - wenn er Glück hatte sofort.

Severus war sich ziemlich sicher, dass er das Spiel gerade verloren hatte.

Da Dumbledore und der Dunkle Lord beide dachten, das er ihr Doppelagent war, wurde von ihm natürlich erwartet, jeder Seite bestimmte Details zu verraten. Er würde nicht ihr Vertrauen genießen, wenn er nicht wenigstens ein paar hilfreiche Informationen hätte. Es war jedoch immer eine gefährliche Entscheidung, welche Details er weitergeben und welche er für sich behalten sollte. Es war hier, das wusste er nun, wo er seinen fatalen Fehler gemacht hatte.

Der Dunkle Lord riskierte ungern Snapes Präsenz in einer der Todesserangriffe. Wenn Severus seinen Doppelagentenstatus erhalten wollte, wäre es nicht gut, wenn ihn jeder erkannte - insbesondere jemand vom Ministerium. Man kann sich also Severus Überraschung vorstellen, als der Dunkle Lord auf Snapes Anwesenheit an diesem Abend bestand, als sie planten, das Heim des Leiters des Aurorenbüros, Rufus Scrimgeour, zu attackieren.

Er hatte den letzten Monat in seinem Zaubertranklaboratorium geschuftet und einen Zaubertrank kreiert, der die Gedanken des Trinkers angriff und die natürlichen Verteidigungslinien schwächte. Insbesondere machte der Zaubertrank den Trinker angreifbarer für den Imperiusfluch. Snape hatte aufgrund diesem Drang, den Zaubertrank zu kreieren, gefolgert, dass der Dunkle Lord keine Absichten hatte, bei dieser besonderen Operation teilzunehmen. Wenn der Dunkle Lord eine Schwäche hatte, dann war es Arroganz. Er übersah oft mögliche Hindernisse und dachte, er sei viel zu mächtig, um von Nebensächlichkeiten beeinträchtigt zu werden. Die Tatsache, dass der Dunkle Lord Severus befohlen hatte, diesen Trank vorzubereiten, sagte ihm, dass der Dunkle Lord erwartete, dass einer seiner Todesser den Imperiusfluch auf Scrimgeour legen würde.

Es schien - zumindest seiner eigenen Logik nach -, dass er in eine Falle gelockt worden war. Dumbledore hatte wegen Potters Warnung gezögert, aufgrund neuer Informationen zu handeln, aber Severus war unbesorgt gewesen. Er weigerte sich zu glauben, dass Potter irgendwie in der Lage war, irgendwelche Informationen vom Dunklen Lord zu erhalten, die Severus nicht hatte. Wenn der Dunkle Lord ihn des Verrats verdächtigte, war Severus sicher, dass er es wissen würde. Scrimgeour war zu wichtig, um ihn aufgrund unbegründeter Ängste eines verzogenen Bengels zu riskieren. Es schien, dass Potters Glück endlos war.

Als sie sich Scrimgeours Heim näherten, schien Voldemort kaum inne halten zu müssen, um die Schutzzauber niederzureißen. Es war erbärmlich, dass dies das Beste war, das das Ministerium leisten konnte. Sie bewegten sich schnell, auch wenn keine Eile in den Bewegungen des Dunklen Lords zu sehen war. Er schwebte beinahe, während Snape mit großen Schritten neben ihm ging.

Unter anderen Umständen wäre es als eine große Ehre angesehen worden, vom Dunklen Lord höchstpersönlich ausgesucht zu werden, ihn zu begleiten- und insbesondere der einzige zu sein. Stattdessen war Severus bereit und wartete darauf, sein Leben vor seinem Meister zu verteidigen. Er glaubte nicht, dass er dem Dunklen Lord entkommen konnte, aber wenn er sich genug wehrte, würde sein Tod vielleicht schnell auf dem Schlachtfeld statt langsam durch endlose Tortur sein.

Er hatte keine Angst vor dem Tod. Wenn er überhaupt im Moment etwas fühlte, dann war es tatsächlich Erleichterung. So sehr er auf die Art, wie er das Spiel spielte, stolz war, war er es müde, zu spielen. Er schätzte, das war ein Bereich, in dem er dem Dunklen Lord überlegen war, denn die Angst vor dem Tod war die einzige Angst, die der Dunkle Lord kannte.

Als sie sich dem Vordereingang näherten, hob der Dunkle Lord eine Hand und die Türen wurden aufgerissen. Fußschritte kündigten Scrimgeours Ankunft an, sein Zauberstab bereits gezogen, als er um die Ecke bog und ihre Anwesenheit bemerkte. Seine Augen wurden größer, als er sah, wer in sein Haus eindrang, aber man musste dem Mann zugute halten; er floh nicht. Stattdessen nahm er eine Duellierposition ein und bereitete sich vor, ihre Angriffe abzuwehren.

Der Dunkle Lord lachte und als Severus seinen Zauberstab zog, fragte er sich, was zum Teufel mit dem Orden los war.

OoOoOoOoOoOoOoO

„Mr. Potter," war McGonagalls Stimme über die Geräuschkulisse einpackender Schüler am Ende der Stunde zu hören. „Darf ich Sie auf ein Wort zu mir bitten?"

Harry lächelte seinen Freunden zu: „Ich seh' euch dann später, Leute." Er trat zur Seite, als sie alle an ihm vorbeigingen und verdrehte die Augen, als er Rons mitfühlenden und Hermines fragenden Blick sah. Er blieb hinter seinem Tisch stehen, bis die vorderen Reihen alle leer waren. Als die Tür sich hinter seinem letzten Klassenkameraden schloss, näherte sich Harry dem Tisch der Lehrerin.

„Wie geht es dir, Harry?", fragte sie warmherzig.

„Gut, danke", erwiderte Harry automatisch. Einen Augenblick später verstand er den Grund ihrer Frage und fügte hinzu: „Ich hatte in letzter Zeit nicht viele Visionen. Daher schlafe ich ziemlich gut."

„Das ist gut", sagte sie mit einem Lächeln. „Ich muss zugeben, dass ich besorgt war, als du einige Nächte zuvor inmitten unseres Ordenstreffens im Hauptquartier aufgetaucht bist. Ich fürchtete, dass du noch immer regelmäßig deine Visionen durchlebst."

„Ich tendiere dazu, sie zu bekommen, wann immer Voldemort starke Emotionen fühlt. Es passiert oft, wenn er in einen Angriff involviert ist.", erklärte Harry. „Er genießt sie sehr." Nach einer kurzen Pause fuhr er fort: „Aber seit er begonnen hat, sich über einen möglichen Spion zu sorgen, beteiligt er sich weniger."

„Das muss für dich eine Erleichterung sein", meinte sie.

„Ja, sehr sogar", erwiderte Harry. Eine kurze Stille folgte auf seine Aussage, bevor Harry fragte: „Ist das alles, über das du mit mir reden wolltest?"

Sie schüttelte den Kopf. „Nein, ich wollte dich darüber informieren, dass ich vorhabe, diesen Sonntag deinen Unterricht zu besuchen und wollte wissen, ob du nach der letzten Unterrichtsstunde ein wenig Zeit hast, um zu reden."

„Ah, ja, das ist kein Problem", sagte Harry. „Tatsächlich passt das ziemlich gut." Als er ihren neugierigen Blick sah, erklärte Harry: „Ich habe vor, meine FHA neu zu strukturieren und mich mehr auf Kampfsituationen zu konzentrieren, und wenn du da sein wirst, denke ich, wird das helfen, alles reibungsloser ablaufen zu lassen."

„Was sind deine Pläne?", fragte Minerva neugierig.

„Nun, das ist es, was ich mir vorstelle ..."

OoOoOoOoOoOoOoO

Sein Gespräch mit Minerva endete erst zu Beginn des Mittagessens. Als er endlich ankam, wurde das Essen bereits serviert. Ron hatte sogar seinen ersten Teller schon leer gegessen und holte sich gerade einen Nachschlag.

Harry winkte Ginny kurz zu, die bei ihren Freunden saß, bevor er sich neben Neville und gegenüber von Hermine hinsetzte. „Hey Leute", grüßte er warm und langte zu einer Platte mit belegten Brötchen.

„Hey, Harry", erwiderte Neville.

Ron sagte etwas unverständliches mit vollem Mund und erntete damit einen vorwurfsvollen Blick von Hermine. Sie wandte sich dann Harry zu und sagte: „Hallo Harry. Worüber wollte Professor McGonagall mit dir reden?"

Harry hielt sich davon ab, angesichts der vorherzusehenden Neugierde seiner Freundin die Augen zu verdrehen. „Meine HA-Klassen. Sie wird sie wieder dieses Wochenende besuchen."

„Was denkt sie über den Unterricht?", fragte Hermine. Sie beobachtete Harry genau und schien anscheinend das Essen auf ihrem Teller vergessen zu haben.

„Ich weiß nicht. Ich denke, sie ist insgesamt zufrieden", erwiderte Harry mit einem Schulterzucken. „Sie hat mir zumindest nicht gesagt, dass ich etwas ändern sollte. Sie hat Vorschläge gemacht und so, und heute hat sie mir mit ein paar Plänen geholfen, die ich vorbereite."

„Was für Pläne?", meldete Neville sich zu Wort.

„Das wirst du früh genug sehen", wich Harry der Nachfrage lächelnd aus und widmete sich seinem Mittagessen.

Während er sein Essen kaute, fühlte er, wie seine Nackenhaare sich aufstellten. Er hatte das merkwürdige Gefühl, dass er beobachtet wurde. Er schaute zum Lehrertisch hoch und sah, dass Snape sein Bestes tat, um mit seinen Augen zwei Löcher in ihn zu brennen. Es war seit dem Ordenstreffen so. Harry schüttelte seinen Kopf und aß weiter. Was auch immer nicht mit Snape stimmte: Der Mann sah überhaupt nicht zufrieden aus. Harry konnte nichts dagegen tun, also tat er sein Bestes, um es sich aus dem Kopf zu schlagen.

Als es an der Zeit war, verließen Harry, Ron und Neville zusammen die Große Halle und gingen durch die Eingangshalle auf die Ländereien zu Hagrids Hütte. Harry wusste nicht, ob er sich vor dem Unterricht fürchten oder sich darauf freuen sollte. Der Greif war alles andere als uninteressant, aber Harry wusste nicht, wie er seine Versuche, Frieden mit dem Biest zu schließen, weiterführen sollte. Alle Vorstöße, die er machte, wurden mit Aggressionen beantwortet. Wie konnte er die Kreatur also davon überzeugen, dass er es gut meinte?

Eine Antwort war noch nicht in Sicht. Er beschloss, ein wenig über das Thema nachzuforschen. Es gab Berichte über Zauberer, die sich mit Greifen angefreundet hatten. Es musste also möglich sein. Vielleicht würden Ihre Berichte ihm neue Einsichten geben, wie man die Kreaturen für sich gewinnen konnte. Auf jeden Fall grüßte er den Greif mental, was wieder mit Feindseligkeit beantwortet wurde. Mit dem Entschluss, zu warten, bis er ein paar Nachforschungen angestellt hatte, sah er von weiteren Versuchen ab.

Nach dem Unterricht gingen Ron und Neville beide zu ihren nächsten Stunden und gaben Harry damit die Möglichkeit, ungehindert zum Raum der Wünsche zu gehen. Er verbrachte einige Zeit damit, Trainingsdummies in einem Korridor zu duellieren und testete verschiedene Strategien für einen so beengten Kampfort. Er erkannte, dass sein Trick mit dem Öl, welchen er in angewendet hatte, viel besser funktioniert hätte, wenn er gleich ein Incendio hinterhergeschickt hätte. Aber er bezweifelte, dass er die Auswirkungen ertragen könnte. Es war eine Sache, mehrere leblose Dummies zu Asche verbrennen zu sehen; es wäre eine andere Sache, das gleiche Schicksal einem lebenden Menschen angedeihen zu lassen - selbst einem Todesser.

Er wusste, dass er eventuell wenigstens ein Leben im Krieg nehmen musste, aber er wollte keinen gänzlich tödlichen Krieg beginnen. So naiv es sein mochte, hatte Harry keinen Wunsch, auch nur das Leben eines Todessers zu nehmen. Natürlich wusste er, das es wahrscheinlich war, dass er während des Krieges mehr als nur ein Leben nehmen würde, aber selbst mit diesem Wissen hatte er keine Eile, diesen ersten tödlichen Schlag auszuführen. Es gab außerdem einen Unterschied, jemanden zu töten und ihn zu foltern. Zu versuchen, jemanden bei Lebendigem Leib zu verbrennen, schien ein wenig extrem zu sein. Nichtsdestotrotz konnte er die Effektivität eines solchen Vorgehens nicht leugnen.

Davon abgesehen fand er heraus, dass Explosionszauber, die auf Wände oder Decken gerichtet waren, sich als ziemlich effektiv erwiesen, um ordentlichen Schaden anzurichten und gleichzeitig seine Gegner abzulenken. Er begann also, mit verschiedenen Verwandlungen und Animationen herumzuspielen- von dem Duell, das er zwischen Dumbledore und Voldemort im Zaubereiministerium beobachtet hatte, inspiriert. Ihm fehlte Dumbledores' Kontrolle, mit der er bewerkstelligt hatte, mehrere Statuen auf einmal zu beleben und sie schienen alle auf seinen Willen zu hören, ohne das er sich darauf konzentrieren musste. Wenn Harry seine ganze Aufmerksamkeit darauf konzentrierte, kämpfte er damit, nur zwei auf einmal aufrecht zu erhalten. Es war etwas, das er üben wollte.

Harry wurde in dieser Nacht eine weitere Vision erspart, auch wenn seine Narbe am Morgen ein wenig prickelte. Er fühlte, dass Voldemort frustriert war. Harry war der Meinung, dass es etwas mit dem Spion zu tun haben könnte, aber das war reine Spekulation. Schließlich war Snape noch immer quicklebendig, was auch immer das wert war. Harry hatte an diesem Tag vor dem Mittagessen Zaubertränke und er freute sich nicht auf den Unterricht. Was auch immer Snape mit Harry vorhatte, es war offensichtlich nichts Gutes. Der Unterricht würde wahrscheinlich Folter sein.

Er hatte keine Ahnung, wie Recht er hatte. Snape vergaß sogar die anderen Nicht-Slytherins im Unterricht zu beleidigen. Stattdessen war sein gesamter Hass auf Harry fixiert. Es war schwierig, im Unterricht zu arbeiten, während Snapes boshafter Blick fest auf ihn gerichtet war. Die anderen Schüler schienen es ebenfalls zu bemerken und mehrere von ihnen warfen ihm entweder fragende oder mitfühlende Blicke zu. Hermine war Teil der ersteren Gruppe, auch wenn sie nicht wagte, ihn deswegen zu fragen, solange Snapes Aufmerksamkeit so sehr auf ihn gerichtet war.

Nicht in der Lage, sich zu konzentrieren, schaute Harry schließlich hoch und erwiderte den Blick des Mannes. Einen Sekundenbruchteil später fühlte er, wie etwas gegen seine Gedankenbarrieren feuerte. Harry stolperte einen Schritt zurück. Während er seine Gedanken immer verteidigte, war der Angriff unerwartet gekommen und seine Barrieren hielten nur knapp stand. Er verstärkte schnell seine Verteidigung und richtete seine ganze Konzentration und seinen ganzen Willen auf den Vorgang.

„Harry, ist alles in Ordnung?", flüsterte Hermine neben ihm.

„Alles gut", schaffte er zu antworten, selbst als Snape einen weiteren Angriff startete, aber vorbereitet wie er war hielten Harrys Barrieren gegen die Attacke. Harrys Gedanken liefen auf Hochtouren, und er fragte sich, was der Auslöser dafür war, das der Mann so die Fassung verlor. Die Antwort war offensichtlich, aber es machte noch immer wenig Sinn.

Was auch immer am Wochenende zwischen Voldemort und Snape passiert war, es musste den Zaubertrankmeister aufgerüttelt haben. Harry wusste nicht, was Voldemort vorhatte oder was in der Nacht nach seiner Vision geschehen war, aber Snape war eindeutig aus irgendeinem Grund wütend auf Harry. Lag er was Voldemort anging falsch? War Snape wütend, dass Harry den Orden gewarnt hatte, sich einzumischen, wenn es in Wahrheit gar keine Gefahr gegeben hatte? Harry hatte vor, es herauszufinden.

Er musste nur eine weitere Sekunde warten, bevor Snape sich wieder gegen Harrys mentale Schutzschilde warf. Als er sich jedoch für einen weiteren Angriff sammelte, griff Harry an. Er hatte während seiner Nachforschungen gelernt, dass die Okklumentikschilde einer Person am schwächsten waren, wenn sie Legilimentik anwendete. Wenn man die Kraft bedachte, mit welcher Snape versuchte, in Harrys Gedanken einzudringen, vermutete Harry, dass er in der Lage sein könnte, durch Snapes Verteidigung hindurchzubrechen.

Er hatte Recht.

Snapes Schutzschilde waren stark, aber dank der Übung, die er durch Ginny gewonnen hatte, brach Harry hindurch, bevor Snape sich auf ihn einstellen konnte. Leider war das der einzige einfache Part. Da er nicht in Ginnys Privatsphäre eindringen wollte, hatte Harry keine Erfahrung damit, nach Erinnerungen in den Gedanken einer Person zu suchen. Er wurde von mehreren scheinbar willkürlich aufblitzenden Erinnerungen bombardiert. Sie flogen so schnell vorbei, dass Harry kaum etwas davon verstehen konnte, aber als er Voldemort in einer von ihnen bemerkte, klammerte er sich an ihr fest und folgte ihr.

Bevor er besonders weit kam, fühlte er, wie Snape gegen ihn ankämpfte. Harry wusste, dass es ein verlorener Kampf war. Seine Legilimentikkenntnisse waren noch neu und unausgereift, während Snape Okklumentik schon länger praktizierte als Harry am Leben war. Harry kehrte in seinen eigenen Kopf zurück und verstärkte eilig seine eigenen Barrieren für den Fall, dass Snape versuchte, einen Gegenangriff zu starten. Harry schaute zu dem Mann und sah ihn - nicht überraschend - vor Wut schnauben.

„Hinaus", bellte Snape. Seine Stimme schockte den Rest der Schüler, die alle den Kampf, der gerade ausgetragen worden war, nicht mitbekommen hatten. Harry musste nicht gesagt werden, dass Snape ihn meinte. Er packte schnell seine Sachen zusammen und verließ das Zimmer und wich den verwirrten Blicken aus, die auf ihn gerichtet waren, insbesondere Hermines.

Als er das Klassenzimmer verließ, fragte Harry sich, ob der Mann vorhatte, ihm nach draußen zu folgen. Seine Antwort kam in der Gestalt einer zuschlagenden Tür. Sein Glück preisend, einer weiteren Konfrontation mit Snape ausgewichen zu sein, ging Harry langsam hoch zu seinem Büro. Es war geplant, dass er sich dort nach dem Unterricht mit Ginny für ihre Okklumentikstunde treffen sollte und dachte, dass es das Beste sei, die Extrazeit dafür zu nutzen, seine in Aufruhr geratenen Gefühle zu beruhigen.

Es brauchte eine Weile, bis seine sich überschlagenden Gedanken sich beruhigten . Er konnte noch immer nicht glauben, dass Snape ihn so offen angegriffen hatte. Er wollte mehr als alles andere wissen, was in dieser Nacht passiert war. Die Tatsache, dass er so direkt involviert war und dennoch nicht ins Vertrauen gezogen wurde, tat nichts, um Harrys Frustration mit dem Schulleiter zu lindern. Das wenigste, was der Schulleiter hätte tun können, wäre gewesen Harry wissen zu lassen, was geschehen war. Stattdessen konnte Harry nur hoffen, dass Remus ihn aufklären konnte, da Harry keinen anderen Weg sah, Antworten zu finden. Der Vollmond näherte sich glücklicherweise, aber für Harry konnte es nicht schnell genug gehen.

Als Ginny den Raum betrat, schien sie sofort seine Gedankenabwesenheit zu bemerken. „Was ist los?", fragte sie mit gerunzelter Stirn und setzte sich auf den Sessel ihm gegenüber hin.

„Wo fange ich an?", fragte Harry und begann dann seine Erklärung der Geschehnisse, die zu seiner vorzeitigen Entlassung von Zaubertränke geführt hatten.

Ginny war angemessen erzürnt, zu hören, dass Snape versucht hatte, in seine Gedanken einzudringen. Erst nachdem Harry ihr versichert hatte, dass er die Angelegenheit bei Dumbledore ansprechen würde, ließ Ginny das Thema fallen. Das geklärt widmeten sie sich wieder ihrer eigentlichen Agenda.

Ginny war weit mit ihren Okklumentikfähigkeiten gekommen. So wie es im Moment stand, konnte Harry seit den letzten paar Unterrichtsstunden nicht mehr in ihre Gedanken einbrechen. Er war sich nicht sicher, ob es seine eigenen Legilimentikfähigkeiten waren, die mangelhaft waren, oder ob ihre Okklumentikfähigkeiten einfach so gut geworden waren. Immerhin ließ sein Erfolg, in Snapes Gedanken eingedrungen zu sein, ihn letzteres vermuten. Am Anfang hatten sie mehr oder weniger gleich schnell Fortschritte gemacht, aber ab einem bestimmten Punkt begann Ginny ihn zu überflügeln.

Wenn alles nach Plan lief, würde sich dies nun ändern. Bis jetzt hatten sich ihre Stunden nur um Okklumentik gedreht, aber Harry hatte an diesem Tag etwas anderes vor. Als er an ihren Barrieren arbeitete und nach einem Schwachpunkt suchte, blickte Harry kurz hinunter auf Ginnys Lippen. „Weißt du, dass du eine Sommersprosse direkt über deiner Oberlippe hast?", sagte er. „Sie ist da ganz alleine und jedes Mal wenn ich sie sehe, kann ich dem Drang, sie zu küssen, kaum widerstehen."

Das funktionierte. Er fühlte, wie sie ihre Konzentration verlor und er nahm den Vorteil wahr, indem er durch ihre praktisch nichtexistenten Schutzschilde hindurchdrang. Als er einen Moment später ihren Kopf wieder verließ, sah er, wie Ginny ihn verärgert anschaute. „Das war ein gemeiner Trick", sagte sie. „Was sollte das?"

„Du musst lernen, deine Konzentration auch aufrecht zu erhalten, wenn du abgelenkt wirst. Erwartest du, dass Voldemort oder einer der Todesser dir erlauben, dich zurückzulehnen und zu entspannen, während du Anstalten machst, deine mentalen Barrieren zu stärken?", fragte Harry.

„Nein, aber ich erwarte auch nicht, dass sie darüber reden, mich zu küssen", grummelte Ginny, auch wenn ihr Ärger abgeflaut war. Nach einem Moment seufzte sie und schaute ihm in die Augen. „Ich hatte darüber gar nicht nachgedacht", gab sie leise zu.

Harry lächelte sie tröstend an: „Hatte ich auch nicht, bis Dumbledore denselben miesen Trick bei mir angewendet hat."

„Er hat dir gesagt, dass er eine deiner Sommersprossen küssen möchte?", fragte Ginny und lachte über ihren eigenen Witz.

„Ha Ha", erwiderte Harry. „Sehr lustig." Er verdrehte dramatisch seine Augen, aber lächelte dennoch. „Da du ohne Ablenkungen gut zurechtzukommen scheinst, dachte ich, dass es an der Zeit war, die Dinge ein wenig aufzurütteln."

„Und du hast es nie für nötig befunden, mir das zuvor zu sagen", meinte sie.

„Wo wäre denn da der Spaß?", fragte Harry. Als sie ihm ihre Zunge als Antwort herausstreckte, fuhr er fort: „Nun, damit - damit kann man viel Spaß haben."

Sie errötete leicht und ihre Zunge verschwand wieder in ihrem Mund. Harry gluckste leise. „Du bist süß, wenn du rot wirst", sagte er ihr. „ Als wir zuerst begannen, miteinander zu gehen, bist du öfters rot geworden, aber das machst du nicht mehr so oft."

Ginny zuckte mit den Schultern. „Ich fühle mich jetzt wohler mit dir - mit uns. Es gibt nicht mehr so viele Gründe, zu erröten."

Harry nickte. „Ich weiß. Ich schätze, das bedeutet nur, dass ich kreativer werden muss."

Sie lächelte breit: „Das stimmt wohl.".

Als sie schließlich wieder anfingen zu üben, konnte Harry Ginny mehrmals auf verschiedene Weise ablenken. Harry merkte, wie Ginny leicht frustriert darüber wurde, aber sie ließ sich nichts anmerken - oder vielleicht genoss sie einfach einige seiner Ablenkungsmanöver zu sehr, um sich darüber aufzuregen. Es war schwierig zu sagen.

OoOoOoOoOoOoOoO

Während des FHA-treffens am Mittwoch fragte Harry unauffällig vier seiner Schüler, nach dem Unterricht da zu bleiben. Sie warfen ihm einen fragenden Blick zu, aber nickten zustimmend, auch wenn Harry keine Details verriet. Am Ende des Unterrichts blieben seine vier handverlesenen Schüler zurück, aber Harry sagte nichts bis die Tür hinter dem letzten gehenden Schüler zufiel.

Harry hatte seinen Blick auf die vier Schüler gerichtet und konnte sehen, wie die Neugier in ihren Augen glänzte. „Ihr fragt euch alle sicher, warum ich euch gebeten habe, euch mit mir zu treffen." Es war keine Frage, aber vier Köpfe nickten dennoch. „Nun, ich brauche eure Hilfe."

„Was für Hilfe?", fragte Blaise, während Cho antwortete: „Was auch immer du brauchst, Harry."

„Das weiß ich zu schätzen, Cho, aber du möchtest dir vielleicht ein Beispiel an Blaise nehmen und hören, um was ich euch bitten möchte", erwiderte Harry lächelnd. „Die Kurzfassung ist, dass ich möchte, dass ihr mir helft, die Klasse zu unterrichten."

„Wieso brauchst du unsere Hilfe?", fragte Neville verwirrt.

„Ja, Harry, du machst schon einen wunderbaren Job", fügte Susan hinzu. „Ich verstehe nicht, warum du uns brauchen würdest."

Harry tat sein Bestes, um die Röte zu unterdrücken, die ihm in die Wange schoß, als er antwortete: „Danke. Aber der Grund, warum ich um eure Hilfe bitte, ist, weil ich vorhabe, mich mehr auf lebensechte Duelliersituationen zu konzentrieren. Um das zu tun, werde ich die Klassen in Gruppen aufteilen. Während zwei Gruppen gegeneinander kämpfen wird der Rest der Klasse weiter an ihren Zaubern arbeiten. Während ich die Duelle beaufsichtige, möchte ich, dass ihr für die restlichen Schüler verantwortlich seid."

Eine kurze Pause folgte auf Harrys Erklärung, aber die Stille war nur von kurzer Dauer, da Blaise fragte: „Du willst sagen, dass wir nicht in den Duellen kämpfen dürfen?"

„Huh?", fragte Harry verwirrt, bevor er erkannte, was er ausgelassen hatte: „Nein, ich meine, ja, ihr werdet noch immer an den Duellen teilnehmen, ich werde die Gruppen nur so arrangieren, dass mindestens zwei von euch die Zeit haben, sich um die Klasse zu kümmern."

„Oh, nun, das ist dann okay", erwiderte Blaise.

Harry lächelte und schaute von einem Schüler zum anderen. „So, was denkt ihr? Habt ihr irgendwelche Fragen?"

Neville öffnete und schloss seinen Mund einmal, bevor er seiner Frage Stimme verlieh: „Warum hast du uns ausgesucht?"

Harry runzelte die Stirn, als er antwortete: „Ich dachte, das wäre offensichtlich. Professor McGonagall dachte, dass es das Beste wäre, ein Mitglied von jedem Haus auszusuchen, so dass niemand glauben würde, dass ich jemanden vorziehe. Daher habe ich aus jedem Haus denjenigen ausgewählt, den ich als bestes geeignet für die Aufgabe erachte."

Harry konnte an Nevilles Gesichtsausdruck sehen, dass er es nicht geschafft hatte, die Frage seines Freundes zu beantworten. „Aber ... warum ...?", Neville ließ die Frage unvollständig, scheinbar nicht sicher, wie er sie in Worte fassen sollte.

„Ich glaube, was er versucht zu fragen, ist, warum du nicht Granger ausgewählt hast", meinte Blaise und wandte sich Zustimmung suchend an Neville. Harry tat dies ebenfalls und Neville nickte.

„Oh", sagte Harry, ein wenig verwirrt. „Nun, Hermine ist natürlich klug. Da muss man nicht darüber diskutieren, aber ich habe euch beide mit Schülern reden hören, die nicht weiterkommen. Die Leute reagieren viel besser zu dir als zu Hermine."

Neville zog seine Augenbrauen hoch. „Oh", sagte er ein wenig nervös und Harry konnte sehen, wie sich seine Wangen röteten: „Na dann."

„Irgendwelche anderen Fragen", fragte Harry.

Cho trat einen kleinen Schritt nach vorne, als sie fragte: „Werden wir den Stoff früher lernen, so dass wir ihn ordentlich weitergeben können?"

„Gute Frage", sagte Harry. „Wir werden das jeden Sonntag tun, und die erste halbe Stunde des Unterrichts wird wie gehabt verlaufen. Danach werden wir uns aufteilen und jede Gruppe wird etwa eine halbe Stunde Zeit für die Übungsduelle haben." Harry blickte kurz von einem zum anderen, um sicherzugehen, dass sie ihm alle folgten. „Am folgenden Sonntag werden wir nur wiederholen, um jedem eine Chance zu geben, sich an die neue Routine zu gewöhnen. Wenn ihr danach früher kommen wollt, seid ihr mehr als nur willkommen. Ich bin immer schon hier, lange bevor der Unterricht beginnt, aber ich denke, dass die erste halbe Stunde wahrscheinlich mehr als genug Zeit für euch sein wird, um den Stoff zu begreifen."

„Sonst noch etwas?", fragte er. Die vier schauten einander einen Moment lang an, bevor sie alle ihren Kopf schüttelten. „So, was sagt ihr? Seid ihr bereit zu helfen?"

Alle vier stimmten zu. „Großartig", erwiderte Harry ein wenig erleichtert. „Und dankeschön. Es wäre wahrscheinlich am besten, wenn ihr am Sonntag ein wenig früher kommen würdet, nur um letzte Fragen, die aufkommen könnten, zu besprechen." Das gesagt, schickte Harry sie alle fort und ging mit Neville zurück zum Gryffindorturm, wo er seinen Abend lesend verbrachte.

Am Abend darauf hatte er eine weitere Okklumentikstunde mit Dumbledore. Harry war ziemlich gut darin geworden, seine Konzentration aufzuteilen, um die Doppelattacken von Dumbledore aufzuhalten. Gelegentlich konnte Dumbledore an Harrys Verteidigungslinien vorbeischlüpfen, aber es war selten und geschah immer, wenn Harry seine Konzentration verlor. Sie hatten begonnen, andere Dinge zu tun, während sie ihre internen Kämpfe ausfochten. Sie redeten für gewöhnlich, auch wenn sie selten Themen, die für Harry von Interesse waren, anschnitten. Harry konnte seine Konzentration für einen Großteil ihrer Unterhaltungen aufrecht erhalten, doch hin und wieder konnte der Schulleiter Harry genug ablenken, um einen Vorteil daraus zu ziehen.

Harry hoffte, dass seine Fortschritte seine Konzentration in zwei aufzuteilen sich auch auf seine Legilimentik auswirken würde. Es war nur eine Frage der Zeit, bis Ginny einen Punkt erreichen würde, an dem sie Ablenkungen ausblenden könnte, um seine Angriffe abzuwehren. Wenn er sich nicht irrte, machte sie noch schneller Fortschritte als er, was, laut Dumbledore, schon sehr bemerkenswert gewesen war.

Sein Versprechen gegenüber Ginny haltend lenkte Harry ihre Unterhaltung zu ernsteren Themen. „Hat Professor Snape mit Ihnen über unsere Zaubertrankstunde am Dienstag geredet?", fragte er. Tatsächlich war er ziemlich neugierig, die Antwort auf diese Frage zu hören. Er war geschockt gewesen, dass Snape ihn nicht später am Tag zu sich gerufen hatte in einem Versuch, ihn von der Schule zu verweisen. Snape schien Harry im Moment vollständig zu ignorieren, was Harry nur Recht war.

„Nein, ich fürchte nicht", erwiderte der Schulleiter mit nur den leichtesten Anzeichen von Unbehagen. „Ist etwas passiert, was du mir erzählen möchtest?"

Harry zögerte, erstaunt, dass der Mann nichts davon wusste. Dann wiederum würde Snape sein eigenes Vergehen nicht zugeben wollen, ganz zu schweigen von der Tatsache, dass Harry seine mentalen Barrieren durchbrochen hatte. „Das kann man so sagen, schätze ich", erwiderte er. Er fuhr sich mit der Hand durchs Haar, während er sich seine Worte zurechtlegte. „Er hat versucht, in meinen Kopf einzudringen", sagte Harry und blickte dem Mann direkt in die Augen.

Dumbledore verschränkte die Finger unter seinem Kinn. „Ist das so?", fragte er, als ob Harry ihm gerade die harmlosesten Neuigkeiten berichtet hätte.

„Ja", erwiderte Harry, verärgert über das nonchalante Verhalten des Mannes. „Glücklicherweise waren meine Okklumentikschutzschilde stark genug."

„Ich habe keinen Zweifel, dass dem so war", erwiderte Dumbledore und nickte Harry zu, als würde er ihn loben.

„Es belastet Sie nicht, dass einer Ihrer Professoren versucht hat, in meine Gedanken einzudringen?", fragte Harry und versuchte den stoischen Tonfall und Gesichtsausdruck des Schulleiters zu imitieren.

„Das tut es sicherlich," gab Dumbledore zu.

„Und was haben Sie vor, deswegen zu unternehmen?", bohrte Harry nach.

„Sei versichert, dass ich eine Unterhaltung mit Severus haben werde", sagte Dumbledore.

Harry musste dem Drang widerstehen, seine Augen zu verdrehen. Er konnte sich genau vorstellen, wie viel das bringen würde. In dem Wissen, dass es zweifellos im Laufe der Unterhaltung zur Sprache kommen würde, war Harry der Meinung, dass es besser war, das andere wichtige Detail des Zusammentreffens zur Sprache zu bringen. „Ich bin in Snapes Gedanken eingedrungen", sagte er in einem neutralen Tonfall.

Dumbledores Augenbrauen berührten fast seinen Haaransatz, bevor er seine Reaktion unter Kontrolle bringen und er seinen Gesichtsausdruck der milden Neugier wieder aufsetzen konnte: „Oh?"

„Seit der Nacht, in der ich in das Ordenstreffen geplatzt bin, starrt er mich während der Essenszeiten an", erklärte Harry. „Ich sehe, dass er nicht glücklich mit mir ist - nicht, dass er es jemals war. Als er versuchte, im Unterricht in meine Gedanken einzudringen, hat meine Neugier wohl die Überhand gewonnen."

„Ich schätze, dann seid ihr dabei zu zweit," kommentierte Dumbledore.

„Ja", erwiderte Harry. „So ist es wohl. Ich wollte wissen, was in dieser Nacht passiert ist."

„Ich habe dir einmal gesagt, Harry, dass dein Vater Severus'Leben gerettet hat," meinte Dumbledore „und dass das etwas war, was Severus ihm niemals verziehen hat." Harry nickte. Er erinnerte sich an die Unterhaltung. „In dieser Nacht hast du dasselbe geschafft, und ich fürchte, Severus war nicht besonders erfreut, zu erfahren, dass er einem weiteren Potter eine Lebensschuld schuldet."

Harry schüttelte voller Abscheu den Kopf. Snape und er mochten sich nicht, aber das es von all den Dingen, für die er ihn hassen könnte, die Tatsache war, dass er Snapes Leben gerettet hatte, war - nun, es war genauso lächerlich wie alle anderen von Snapes Gründen. Es machte keinen Sinn, sich darüber Gedanken zu machen, da er es nie verstehen würde. „Was ist dann passiert? Ich nehme an, dass der Orden beschlossen hat, meinen Ratschlag anzunehmen?"

„Es war bei Weitem keine einstimmige Entscheidung", erklärte Dumbledore. „Einige im Orden waren skeptisch angesichts der vergangenen Umstände, was deine Visionen angeht."

Harry nickte. Er hatte dies von den Reaktionen zu seinen Aussagen während des Ordenstreffens vermutet. „Ich schätze, dass ist unausweichlich."

„Ja, ich bin mir sicher, dass du verstehst. Es war nichts gegen dich. Sie waren nur umsichtig und wollten verhindern, dass sich die Vergangenheit wiederholt."

„Ja", sagte Harry und widerstand wieder dem Versuch, die Augen zu verdrehen. Die Meinung des Ordens war ihm ziemlich gleichgültig. Solange sie sich weigerten, ihn als etwas anderes als ein Kind anzusehen, hatte Harry kein Interesse an ihnen, von ihrer Zusammenarbeit mit Jim einmal abgesehen. Er fühlte, wie Dumbledore plötzlich seine Gedanken angriff und versuchte, die angegriffene Stelle zu verstärken, aber seine Konzentration hatte zu sehr nachgelassen und er fühlte, wie etwas an einem anderen Punkt durch seine Schutzschilde brach. Einen Augenblick später verfluchte Harry sich selbst. Er hatte ganz den Grund ihres Treffens vergessen.

„Entschuldigung", sagte er nach einem Moment zu Dumbledore. „Ich habe mich ablenken lassen."

Der Zauberer lächelte nur warm: „Kein Grund sich zu entschuldigen, Harry. Das ist schließlich der Grund, warum wir hier sind."

Harry nickte. Er dachte darüber nach, das Thema Snape und der Orden fallen zu lassen in der Annahme, dass Dumbledore ihn nur wie immer außen vor lassen würde, aber etwas spornte ihn dennoch an. Vielleicht wollte er dem Mann nur eine weitere Chance geben. „Also, hat Professor Snape etwas über die Nacht gesagt?"

„Er hat ein paar Kommentare fallen lassen, die deine Vermutungen bestätigen", antwortete Dumbledore vage.

„Was war die Falle?", fragte Harry. „Gab es einen Angriff?"

Dumbledore lächelte Harry freundlich an als er antwortete: „Es tut mir leid, Harry, aber das bewegt sich nun in Ordensangelegenheiten. Vielleicht werden wir darüber reden, dich in den Orden aufzunehmen, nachdem du Hogwarts verlassen hast, aber bis dahin fürchte ich sind Ordensangelegenheiten tabu."

Harry unterdrückte seine Verärgerung in dem Wissen, dass es ihm nichts bringen würde. Er hätte das Thema überhaupt nicht weiter verfolgen sollen, da er genau wusste, wo es hinführen würde. Er fühlte wieder, wie der Schulleiter seine mentalen Barrieren an zwei Orten gleichzeitig angriff, aber dieses Mal war Harry darauf vorbereitet. Seine Schutzschilde hielten und er lächelte, als der Schulleiter sich zurückzog - nur das sein Lächeln nichts mit Okklumentik zu tun hatte. Harry hatte nun andere Quellen und er würde Remus am folgenden Abend treffen.

„Exzellent", lobte Dumbledore. „Du überrascht mich immer wieder mit deinen Fähigkeiten. Ich schätze, das beendet unseren Unterricht für heute Abend. Behalte deine abendlichen Übungen bei und wir treffen uns dann nächste Woche wieder hier."

„Danke Schulleiter", erwiderte Harry so bescheiden wie er konnte. „Noch einen schönen Abend." Bevor er ging, hielt er kurz bei Fawkes Vogelstange an und wünschte dem Phönix ebenfalls gute Nacht. Fawkes lehnte sich in seine Berührung und trillerte sanft. Als Harry in die Augen des Phönix schaute, sah er beinahe sofort wieder weg, aber er konnte sich dem Phönix nicht verweigern. Es gab Zeiten, wo er einfach so frustriert mit den Schulleiter wurde, dass er den Mann nur vergessen und ihn als hoffnungslosen Fall aufgeben wollte. Aber egal, wie frustrierend es war: Er würde Dumbledore nie aufgeben. Mit einem traurigen Lächeln auf dem Gesicht erwiderte Harry Fawkes Blick und flüsterte mental: „Ich verspreche es." Während er Fawkes ein letztes Mal über das Federkleid strich, schaute Harry zum Schulleiter hoch, um zu sehen, ob er ihren Austausch gesehen hatte, aber er schien unbesorgt zu sein. Gleich darauf verließ Harry das Büro und ging für den Abend zurück zum Gryffindorturm.

Als Harry an diesem Abend in seinem Bett lag, dachte er über das Versprechen nach, dass er gegeben hatte. Er war überrascht, dass Fawkes es von ihm verlangt hatte, aber er zweifelte nicht an den Absichten des Phönix. Es war klar, dass Fawkes wollte, was das Beste für ihn war und Harry war sich ziemlich sicher, dass Fawkes ein besseres Verständnis davon hatte, was er brauchte, als Harry selber. Es war klar, dass der Phönix das Gefühl hatte, dass Dumbledore irgendwann verstehen würde. Als er einschlief, konnte Harry nur hoffen, dass diese Zeit eher früher als später kommen würde.

OoOoOoOoOoOoOoO

Der nächste Tag war ein sehr hektischer Tag für Harry. Er hatte nicht nur vor, in der Nacht zur Heulenden Hütte zu gehen, er hatte außerdem noch ein langes Quidditchtraining am Nachmittag, da ihr nächstes Spiel sich rasch näherte. Das Team spielte sich immer mehr ein und arbeitete geschlossen zusammen und sie spielten sogar besser als vor den Ferien.

Harry hatte seine alte Routine wieder aufgenommen, sich nach fast jedem Training länger in den Umkleideräumen aufzuhalten, um mit Ron zu reden. Er hatte nicht nur das Gefühl, dass dies seine Aufgabe als Kokapitän war; er genoss auch die Chance, etwas Zeit mit seinem langjährigen Freund zu verbringen. Da das Spiel nur noch eine Woche entfernt war, konnte Harry sehen, wie sein Freund jeden Tag nervöser wurde. Sobald ihr letzter Teamkollege gegangen war, begann Ron sofort über verschiedene Spielstrategien, Taktiken und Personen, auf die sie beim Ravenclaw-Team achten mussten, zu reden.

Nachdem er seinem Freund ein paar Minuten lang zugehört hatte, schnitt Harry ihm schließlich das Wort ab: „Du musst dich beruhigen, Kumpel. Du machst dich nur verrückt, wenn du so weitermachst."

Ron schaute ihn ungläubig an: „Wie kannst du so ruhig sein? Das Spiel ist in einer Woche. Eine Woche, Harry! Wir haben nur noch wenige Trainingseinheiten, um alles vorzubereiten. Wir haben nicht genug Zeit."

„Was das angeht", meinte Harry. „Ich habe gedacht, wir lassen es diese Woche noch ruhig angehen, um alle vor dem Spiel zu entspannen."

„Es ruhig angehen lassen?", Ron schaute Harry an, als sehe er ihn zum ersten Mal. „Es ruhig angehen lassen?Wie können wir es in der letzten Woche Training ruhig angehen lassen? Wir werden am Spieltag total unvorbereitet sein."

„Wir haben uns über die letzten Monate vorbereitet", sagte Harry ruhig. „Das Team nun auszulaugen wird uns nicht helfen. Es wird sie nur für das Spiel selber ermüden. Das Beste, was wir nun tun können, ist, etwas Spaß zu haben, ihr Selbstvertrauen aufzubauen und sicherzugehen, dass das Team für das Spiel ausgeruht ist."

„Du bist verrückt", murmelte Ron nur gerade so laut, dass Harry ihn hören konnte.

Harry musste sein Lachen unterdrücken. „Vielleicht bin ich das, aber vertraue darin auf mich."

Ron schien eine lange Minute lang mit dem Konzept kämpfen zu müssen, bevor er sich damit anfreunden konnte. „Was denkst du also, was wir diese Woche tun sollten?"

„Mach ein paar einfache Trainingseinheiten. Wiederhole unsere Taktiken und Strategien. Erschöpfe das Team nicht und versuche nicht, etwas Neues einzuführen. Jetzt ist die Zeit, um zu perfektionieren, was wir bereits tun. Wir haben unsere Strategien bereits ausgewählt und wir müssen uns an sie halten, um niemanden zu verwirren."

„Okay", erwiderte Ron. „Das können wir tun." Er zögerte eine Sekunde: „Du bist dir sicher, dass das eine gute Idee ist? Leichtes Training und alles andere?"

Harry gluckste: „Vertrau mir."

„Also gut, Kumpel."

OoOoOoOoOoOoOoO

Es war bereits ziemlich spät, als er zurück im Gemeinschaftsraum ankam und daher dauerte es nicht lange, bis es an der Zeit war, zu gehen. Er traf Ginny im Tunnel unter der Peitschenden Weide, wo sie ihren Weg durch den niedrigen Tunnel zur Hütte begannen. Sie wanderten ohne zu reden, was Harry die Gelegenheit gab, nachzudenken. Er wollte mit Remus über etwas reden, aber er war nervös, dass es zu früh sein könnte.

Harry hatte in letzter Zeit viel über seine Pläne für den Sommer nachgedacht. Es waren noch immer einige Monate bis dahin, aber er wusste, dass er eine Menge Pläne machen musste, wenn er das Versprechen, das er sich selbst gegeben hatte, erfüllen wollte. Es würde schwierig werden, einen guten Platz zu finden, wo er leben konnte, während er in Hogwarts lebte. Er war sehr geübt darin geworden, sich aus Hogwarts zu schleichen, aber er musste dabei vorsichtig sein. Sich während der Tageszeit herauszuschleichen war immer ein viel schwierigeres Unterfangen als dies während der Nacht zu tun.

Er hatte unter der Woche hin und her überlegt, ob er Remus um Hilfe bitten sollte oder nicht. Auf der einen Seite würde es Harrys Leben viel einfacher machen, aber Remus hatte gerade erst von Harrys Geheimnis erfahren und wäre vielleicht nicht begeistert von der Idee. Außerdem würde es viel von dem Mann abverlangen, aber Harry wusste, dass er Remus früher oder später von seinem Plan erzählen musste. Es wäre unhöflich, ihn nicht über seine Pläne zu informieren, nun, da der Mann seine Geheimnisse bewahrte und er wusste, dass Remus noch immer nein sagen konnte, wenn es zu viel Arbeit für ihn sein würde.

Daher hatte er beschlossen, Remus um Hilfe zu bitten, aber das machte das Ganze nicht weniger einschüchternd. Sie waren kurz darauf in der heulenden Hütte und - wie immer - wartete Remus auf sie, als sie ankamen.

„Guten Abend, Remus", grüßte Harry, als er aus der Falltür hinauskletterte. Nachdem er seinem Freund zugenickt hatte, drehte Harry sich um, um Ginny hochzuhelfen.

„Hallo, Harry", erwiderte Remus, während Harry sich abgewandt hatte. „Ginny", fügte er hinzu, als sie den Raum betrat.

„Hi, Remus", grüßte Ginny ebenfalls.

Harry schaute sich im Zimmer um und bemerkte, dass Remus bereits ein kleines Sofa und einen Sessel heraufbeschworen hatte. Er führte Ginny zu ersterem, während Remus sich auf letzteren setzte. Nachdem sie sich kurz über ihre alltäglichen Neuigkeiten unterhalten hatten, lenkte Harry ihre Unterhaltung auf ernstere Themen. Bevor er seine Pläne für den Sommer erwähnte, gab es etwas, dass er wissen wollte: „Remus? Was ist am Wochenende mit Snape passiert? Dumbledore hat zugegeben, dass der Orden meinen Ratschlag Folge geleistet hat, aber er wollte nicht mehr als das sagen."

„Nachdem es lange besprochen worden war, konnte Dumbledore den Orden überzeugen, dir eine Chance zu geben. Oder eher: Dumbledore ließ die Gegner verstummen, indem er darauf pochte, dass Snapes Leben zu wichtig war, um es so leichtsinnig aufs Spiel zu setzen", erklärte Remus. „Er war der Meinung, dass - solange es eine Chance gab, dass deine Information korrekt war - wir so handeln sollten, dass wir unsere einzige vertrauenswürdige Quelle innerhalb Voldemorts Streitmacht bewahren."

„Eure einzige vertrauenswürdige Quelle?", fragte Harry. „Aber was ist jetzt? Nachdem meine Information sich wieder als richtig erwiesen hat?"

Remus seufzte und strich sich mit einer Hand über das müde Gesicht: „Er ist noch immer der Meinung, dass wir sehr vorsichtig sein sollten, wenn wir es mit deinen Visionen zu tun haben. Er macht sich Sorgen, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis Voldemort erkennt, was los ist und sie gegen dich verwendet."

Er fühlte, wie Ginny bei Remus Worten seine Hand in ihre nahm und konnte den Ärger in seiner Stimme hören, als er sagte: „Ich verstehe."

„Er meint es nicht als eine Beleidigung, Harry", sagte Remus mitfühlend. „Er hat mehr als nur einen Krieg miterlebt. Das hat ihn gelehrt, vorsichtig- sogar argwöhnisch - zu sein."

„Ich weiß", meinte Harry und beruhigte sich etwas. „Ich kann es ihm nicht wirklich übel nehmen. Aber dennoch: Ist ein wenig Loyalität zuviel verlangt?" Ginny drückte seine Hand und streichelte mit ihrem Daumen über seine Fingerknöchel.

„Nein, ist es nicht", antwortete Remus leise, aber mit Überzeugung.

Es wurde nach diesen Worten kurz still zwischen ihnen, bevor Harry schließlich fragte: „Zu wem wollte Voldemort?"

„Rufus Scrimgeour."

Harry zog seine Augenbrauen hoch. Der Name kam ihm bekannt vor, aber er wusste nicht, wo er ihn schon einmal gehört hatte. Er hörte, wie Ginny „Rufus Scrimgeour" zu sich selbst flüsterte, bevor sie fragte: „Ist er nicht ein Auror oder so?"

„Kann man so sagen", erwiderte Remus. „Er ist der Leiter des Aurorenbüros im Ministerium."

„Was ist passiert?", fragte Harry. „Für was war der Zaubertrank?"

„Er schwächt den Willen des Trinkenden; er macht es einfacher für einen Legilimentiker, in seine Gedanken einzubrechen und damit einfacher, ihn mit dem Imperiusfluch zu belegen - genau was Voldemort vor hatte."

Ginny japste und Harry fragte: „Der Leiter des Aurorenbüros steht unter dem Imperius?"

„Unglücklicherweise ja", sagte Remus und fuhr sich müde mit der Hand übers Gesicht. „Auf der positiven Seite wissen wir davon und haben Tonks und Kingsley im Büro. Sobald wir die Gelegenheit dazu haben, werden wir uns darum kümmern." Remus hielt einen Moment inne, bevor er hinzufügte: „Wir müssen nur hoffen, dass zuvor keine ernsten Schäden entstehen."

Harry konnte nur nicken. Ginny drückte sanft seine Hand und Harry drehte sich zu ihr um und lächelte sie an.

Sie erwiderte sein Lächeln, bevor sie sich an Remus wandte und fragte: „Habt ihr irgendwelche Hinweise auf irgendwelche geplanten Angriffe oder so etwas?"

Harry wandte seine Aufmerksamkeit ebenfalls zu Remus, der seinen Kopf schüttelte: „Ich fürchte nicht. Wir hören selten etwas im frühen Stadium. Wenn wir einen Hinweis bekommen, ist es gewöhnlich nicht viel früher als einen Tag vor dem Angriff."

„Gab es noch mehr Gespräche über Jim?" ,wollte Ginny wissen.

„Nichts Neues", sagte er. „Er wurde einige Male erwähnt, aber niemand hat neue Ideen."

Eine kurze Stille folgte auf diese Aussage. Harry erkannte, dass dies seine Gelegenheit war. Er unterdrückte seine Nervosität und räusperte sich. „Ich habe mich gefragt, ob ich dich um einen Gefallen bitten kann."

„Natürlich", erwiderte Remus. „Um was geht es?"

Harry schluckte schwer, fuhr aber fort: „Nun, ich habe geplant, diesen Sommer mein eigenes Heim zu haben. Ich habe es satt, meine Sommer bei den Dursleys zu verbringen, aber ich habe nicht wirklich die Zeit dazu oder die Gelegenheit, tatsächlich nach einem Haus zu schauen." Er hielt kurz inne und musterte Remus' Gesicht, um zu sehen, wie er es aufnahm. „Ich habe mich gefragt, ob du mir vielleicht helfen würdest, ein Haus zu finden." Ginny drückte wieder seine Hand, ließ dann los und strich mit ihrer Hand über seinen Arm und über seinen Rücken, wo sie begann, in sanften Kreisen zu streicheln. Harry drehte sich um und lächelte sie an. Er legte seine Hand auf ihr Knie, um dieses als Dankeschön zu drücken.

„Ich bin mir nicht sicher, ob das eine gute Idee ist", sagte Remus unbehaglich und zog Harrys Aufmerksamkeit damit wieder auf sich. „Ich weiß, dass du auf dich selbst aufpassen kannst, aber es ist nicht sicher für dich, dich so verwundbar zu machen. Und Dumbledore wird dich nicht einfach so gehen lassen. Er wird dich suchen."

Harry wischte die Bedenken beiseite: „Ich habe den Fideliuszauber recherchiert. Ich denke, mit ein wenig Übung werde ich ihn über das Haus legen können."

Remus schaute ihn kurz mit offenen Mund an, bevor er fragte: „Wie hast du - Wo hast du ein Buch über den Fideliuszauber gefunden? Das ist nicht wirklich ein gebräuchlicher Zauber."

„In meinem Verlies", erwiderte Harry. Als er die Verwirrung auf Remus Gesicht sah, erläuterte er: „Das Potterverlies. Ich habe es im Sommer unter meine Kontrolle bekommen und habe einige Zeit damit verbracht, ein wenig darin zu stöbern. Ich habe erst damit angefangen, aber ich habe sichergestellt, erst die Bücherregale durchzuschauen. Es gab einige seltene Bücher, die meine Aufmerksamkeit erregt haben."

„Und du glaubst, du kannst ihn wirklich zaubern?", fragte Remus nach und hörte sich nicht sonderlich überzeugt an.

„Wie ich sagte: Es wird vielleicht ein wenig Übung bedürfen, aber ich denke, es sollte mir gelingen", meinte Harry.

„Nun, hast du über andere Schutzmaßnahmen nachgedacht? Der Fideliuszauber ist großartig, aber wenn du das Haus nicht unauffindbar machst, werden die Leute noch immer den ungefähren Standort des Hauses herausfinden können, selbst wenn sie nicht eintreten können", fuhr Remus fort.

„Ja, ich habe darüber gelesen und auch über einige andere Schutzzauber", sagte Harry.

„Du hast also wirklich darüber nachgedacht", sagte Remus mit einem fast fragenden Unterton in seiner Stimme. „Bist du sicher, dass du das machen möchtest? Hast du über alle Auswirkungen nachgedacht? Dumbledore wird den Orden den ganzen Sommer nach dir suchen lassen, Himmel, er wird ebenfalls nach dir suchen."

„Ich weiß, Remus", erwiderte Harry ernst. „Ich weiß, dass es eine Menge Probleme für viele Leute verursachen wird, aber ich bin es leid, mein Leben von anderen diktiert zu bekommen. Ich weiß es zu schätzen, dass der Orden auf mich aufpasst, das tue ich wirklich. Aber die Zeit, als ich das brauchte, ist vorbei. Wenn es einen Weg gäbe, dies zu tun, ohne Probleme zu verursachen, würde ich diesen gerne beschreiten. Aber den gibt es nicht." Er hielt einen Moment inne und dachte über eine neue Idee nach. Er hatte nie darüber nachgedacht, aber es sollte es einfacher für den Orden machen, seine Unabhängigkeit zu akzeptieren.

Harry fasste einen Entschluss, straffte seine Schultern und sagte: „Sobald Sommer ist, werde ich dem Orden verraten, das ich Jim bin. Sie sollten dann wenigstens wissen, dass ich mich selber um mich kümmern kann. Ich weiß, dass sie das nicht davon abhalten wird, zu versuchen, mich zu finden, aber es wird hoffentlich einige ihrer Sorgen mindern."

Remus war einige Zeit lang still. Harry bewegte sich nicht, sein Blick wandte sich nie von dem Mann ab. Er fühlte Ginnys Präsenz neben sich; ihre Anwesenheit war beruhigend und tröstlich. Endlich seufzte Remus schwer und erwiderte Harrys Blick: „Also gut. Ich werde dir helfen, ein Haus zu finden." Harry atmete tief aus, wobei er sich nicht erinnern konnte, den Atem angehalten zu haben. „Aber wenn einer der Schutzzauber nicht funktioniert, dann gilt der Deal nicht mehr und du wirst entweder zu deinen Verwandten zurückkehren oder dich anders mit Dumbledore einigen. Deal?"

„Deal", sagte Harry ohne zu zögern und schwor im Stillen, sich von nun an auf Schutzzauber zu konzentrieren. Wenn das Semester zu Ende war, hatte er vor, sein Haus bereits voll geschützt und bereit für seinen Einzug zu haben.

Nur wenige Minuten später warnte Remus sie, sich zu verwandeln. Nachdem sie in ihren Animagusgestalten ein wenig herumgetobt hatten, rollte Harry sich neben Ginny in ihren Löwinnengestalt zusammen und schlief ein. Nur wenige Stunden später weckte Remus sie auf und schickte sie zurück ins Schloss.

Sie konnten noch ein paar Stunden schlafen, bevor sie aufstehen mussten. Sie hatten an diesem Nachmittag wieder Quidditchtraining. Wie sie es besprochen hatten, ging Ron es locker an. Er forderte sie noch immer, aber nicht mehr so sehr wie in den vergangenen Wochen. Harry war der Meinung, dass es alles in allem ein gutes Training gewesen war und sagte dies danach auch zu Ron.

Harry verbrachte den Rest des Tages damit, über die Schutzzauber zu lesen, die er um sein Haus herum errichten wollte. Er wollte sich auf diese Aufgabe konzentrieren, bis er sicher war, alle notwendigen Schutzzauber zu werfen, so dass er sich später keine Sorgen darüber machen musste. Am nächsten Tag hatte Harry wieder seine beiden HA-Klassen - beide wurden von Professor McGonagall besucht. Die AHA verging ohne besondere Vorkommnisse; seine sieben fortgeschrittenen Schüler kämpften wieder gegeneinander statt gegen Harry.

Nach dem Unterricht ging Harry mit Professor McGonagall zur Großen Halle hinunter und redete mit ihr über die Details der kommenden Unterrichtsstunde. Harry aß schnell sein Mittagessen und ging nur wenige Minuten später zurück zum Raum der Wünsche. Er wollte Extrazeit, um sicherzugehen, dass der Raum so vorbereitet war wie er es wollte.

Professor McGonagall kam an, während er noch immer alles überprüfte. Sie ließ ihn in Ruhe, bis er zufrieden war, dass alles so war wie es sein sollte und zu ihr ging. „Alles bereit?", fragte sie.

„Ich denke schon", antwortete er. Die Tür öffnete sich gleich darauf und vier Schüler traten gemeinsam ein. Ein Jahr zuvor wäre es ein merkwürdiger Anblick gewesen, diese vier Schüler zusammen zu sehen, dennoch waren sie nun hier, keine Freunde, aber sich wohl genug in der Gegenwart der anderen fühlend. „Hey, danke, dass ihr früher gekommen seid."

Antworten von „Gern geschehen" bis „Kein Problem" waren die Erwiderung.

„Ihr wisst bereits, was ich möchte und was ihr tun sollt. Ich nehme an, dass keiner von euch sich es anders überlegt hat?" Er hielt inne und vier Köpfe wurden verneinend geschüttelt. „Exzellent. Hat jemand noch eine Frage?"

„Ja", meinte Blaise. „Was macht Professor McGonagall hier?" Seine Stimme war leise genug, dass die Professorin ihren Namen nicht hörte - entweder das oder sie entschied nur, nicht darauf zu reagieren.

„Es ist ein Zufall, dass sie ausgerechnet heute da ist", erwiderte Harry. „Sie beobachtet einmal im Monat meinen Unterricht. Sie wird zwischen den Duellen und den Zauberübungen hin und hergehen, aber nur eingreifen, wenn sie es für notwendig erachtet. Während ich beschäftigt bin, seid ihr verantwortlich und sie wird nichts unternehmen, was eure Autorität untergräbt."

Das schien Blaise zufrieden zu stellen, der zustimmend nickte. „Ich habe eine Frage", sagte Susan einen Moment später.

Harry drehte sich zu ihr um und lächelte ihr zu, als er fragte: „Was denn?"

„Was für eine Autorität haben wir? Ich meine, wenn einer der Schüler Ärger macht, wie sollen wir das handhaben?"

„Das ist eine gute Frage", erwiderte Harry. „Daran habe ich nicht gedacht. Ich schätze, dass überlasse ich euch. Ihr könnt Nachsitzen verteilen oder Hauspunkte nehmen, wenn ihr es für angemessen haltet. Denkt auch daran, dass immer zwei von euch gleichzeitig die Leitung übernehmen. Ich möchte, dass ihr euch gegenseitig unterstützt, sollten Probleme auftauchen. Wenn etwas passiert und ihr mich braucht, bin ich nur im Raum nebenan."

Die Zimmertür öffnete sich und mehr Schüler begannen einzutreten. Als sich die Tür hinter dem letzten Schüler schloss, bat Harry um die Aufmerksamkeit der Klasse. „Wir werden heute etwas anders als sonst beginnen", verkündete er. Er erklärte, was sie tun würden und stellte Neville, Susan, Cho und Blaise als seine Assistenten vor. Er konnte den verletzten Blick in Hermines Augensehen, aber es gab nichts, was er im Moment deswegen tun könnte. Nachdem er ein paar Fragen beantwortet hatte, verkündete Harry die Gruppen.

Zu sagen, dass die Klasse interessiert war, wäre eine Untertreibung. Harry war immer wieder von den Fähigkeiten des Raumes begeistert. Er hatte nie daran gedacht, die Duellsituationen lebensecht zu machen, aber es war genau das, was Professor McGonagall vorgeschlagen hatte und es funktionierte wunderbar. Die Klasse wurde in sechs Teams aufgeteilt. Immer zwei Teams auf einmal betraten eine Gasse, die die Winkelgasse zu sein schien. Der einzige bemerkenswerte Unterschied von der echten war, das dieser Ort verlassen war - und die Schaufenster waren größtenteils leer.

Die Tür zum Nebenraum innerhalb des Raumes der Wünsche war auf einem der Dächer platziert, von wo aus Harry beschlossen hatte zu beobachten. Die Teams kletterten beide hinunter und gingen zu ihren Startpositionen. Harry hatte beschlossen, die Regeln für den ersten Tag einfach zu halten. Jedes Team hatte nur ein Ziel: das andere Team außer Gefecht zu setzen. Harry warnte sie davor, potenziell tödliche Flüche zu verwenden, aber er war bereit, einen Schutzzauber zu werfen, sollte jemand irgendwelche dummen Ideen bekommen. Er hatte ihnen ein paar Flüche beigebracht, welche er ihnen verboten hatte zu benutzen, daher wusste er sehr wohl, dass sie dazu fähig waren.

Harry hatte gemischte Gefühle über die Ergebnisse der Übung. Es war alles ziemlich hektisch gewesen und kein Team schien viel Zeit damit verbracht zu haben, sich eine Strategie zu überlegen. Es war allerdings erst ihr erster Tag gewesen und sie hatten noch immer Zeit, sich zu verbessern. Nachdem der letzte Schüler gegangen war, drehte er sich zu Professor McGonagall um und zog fragend eine Augenbraue hoch.

„Wie denkst du lief es?", fragte sie.

„Bitte setz dich", sagte er, als sich zwei Sessel im Zimmer materialisierten. „Es gibt keinen Grund zu stehen." Als Harry zu einem der Sessel ging, verschwand der andere und wurde durch einen hölzernen Stuhl mit gerader Lehne ersetzt. „Du musst Professor Dumbledores Büro wirklich hassen", meinte er leichthin.

Zu seiner Überraschung lachte sie. „Ich finde, seine Stühle sind furchtbar für die Haltung", erwiderte sie. „Dann wiederum: Wenn ich in seinem Alter bin, frage ich mich, wie sehr mich Haltung noch kümmern wird."

Harry lächelte. „Wahrscheinlich nicht viel", erwiderte er. „Wie haben sich meine vier Assistenten angestellt?"

„Sehr gut", erwiderte sie. „Du hast eine gute Wahl getroffen." Sie zögerte einen Moment, bevor sie hinzufügte: „Ich muss zugeben, dass ich dein Urteilsvermögen in Frage gestellt habe, als du Mr. Longbottom statt Miss Granger gewählt hast. Ich weiß, dass du dieses Jahr deine Unstimmigkeiten mit Miss Granger hattest und ich habe befürchtet, dass du sie dein Urteilsvermögen hast trüben lassen. Mr. Longbottom hat sich gut geschlagen; ich hätte ihn nicht unterschätzen sollen."

Harry lächelte breit. „Er ist weit gekommen. Ich glaube du hast es noch nicht so oft gesehen, da er noch immer von dir eingeschüchtert ist."

„Ich schätze, es gibt ein paar Nachteile, ein strenger Professor zu sein", gab sie zu.

Harry nickte.

„Du hast aber meine Frage nicht beantwortet", meinte McGonagall. „Was hast du von der Unterrichtsstunde gehalten?"

Harry nahm sich einen Moment, um seine Antwort zu überdenken, bevor er etwas sagte: „Ich denke, insgesamt ist es ganz gut gelaufen. Es gibt viele Verbesserungsmöglichkeiten, natürlich, aber für die erste Unterrichtsstunde haben sie sich so gut geschlagen wie erwartet."

McGonagall nickte. „Ich habe nicht so viel von den Kämpfen gesehen wie du, aber ich denke mehr oder weniger genauso. Sie benutzten kaum Strategien, aber ihre Zauberfähigkeiten und Duellierfähigkeiten waren besser als ich erwartet hatte. Sie wurden gut unterrichtet." Ein Lächeln tauchte auf ihrem Gesicht auf, als sie letzteres sagte und Harry musste dem Drang widerstehen, auf den Boden zu schauen, als er fühlte, wie die Röte in seine Wangen schoss.

„Danke."

Sie erwiderte seinen Blick und neigte leicht ihren Kopf, um seinen Dank anzuerkennen. „Ich habe heute Morgen in der ersten Unterrichtsstunde etwas Interessantes gehört."

„Oh?", fragte er und fragte sich, was sie gehört haben könnte.

„Als deine sieben fortgeschrittenen Schüler sich von dem Rest der Klasse trennten, hatte ich ein kurzes Gespräch mit ihnen", erklärte sie. „Ich wollte eine Chance haben, mit ihnen über ihre -", sie hielt inne, als sie nach den richtigen Worten suchte - „Extraaktivitäten zu reden. Sie waren alle sehr enthusiastisch, insbesondere als sie über dich redeten, Harry. Es ist eindeutig, dass sie zu dir aufschauen." Harry bemerkte ein Glänzen in ihren Augen, als sie fortfuhr: „Deine Eltern wären so stolz auf dich."

Diese Worte ließen Harry innerlich erstarren. Er hatte in letzter Zeit nicht viel an seine Eltern gedacht. Er schätzte, dass dies nur natürlich war. Als er älter wurde, dachte er immer weniger an sie. Die Tatsache, dass er sich so beschäftigt hielt, verstärkte die Tatsache nur. In diesem kurzen Augenblick fragte er sich, was seine Eltern von ihm in diesem Moment denken würden, mit seinen Lügen und seiner Beteiligung am Krieg. Würden Sie auch alles tun, um ihm keine Informationen weiterzugeben? Oder würden sie ihm erlauben, seine eigenen Entscheidungen zu treffen? Er hatte nicht viel Zeit, um darüber nachzudenken.

McGonagall fuhr nach einem Moment fort: „Das wirklich Interessante, was sie mir erzählten, war jedoch, als sie mir über euer Übungsduell vor einigen Wochen erzählten." Sie lehnte sich in ihrem Stuhl vor. „Es hörte sich so an, als ob du ein ziemliches Schauspiel abgezogen hast."

Harry, den noch immer ihre Bemerkung über seine Eltern beschäftigte, konnte als Antwort nur nicken.

„Ich war zuerst besorgt," sagte sie beinahe nebenbei, „wie du damit umgehen würdest, Schüler und Professor zu sein." Sie stand von ihrem Stuhl auf und stellte sich neben ihn, eine Hand auf die Lehne gestützt. „Ich kann mir niemanden vorstellen, der es besser hätte handhaben können als du. Deine Präsenz allein scheint den Respekt deiner Schüler zu befehligen und dennoch bist du so ansprechbar wie jeder andere Schüler in der Schule. Deine Fähigkeit, das Material erfolgreich zu unterrichten, steht außer Frage. Und deine Noten in der Schule sind besser als sie es in den vergangenen Jahren waren."

„Du hast mir gegenüber erwähnt, dass du es seltsam fandest, dass keiner der Lehrer jemals zu dir gesandt wurde, um deinen Unterricht zu beobachten und ich habe dir zu der Zeit zugestimmt", fuhr sie fort. „Nach nur wenigen Besuchen in deinem Unterricht ist klar, dass du keine Kontrolle brauchst. Du bist mehr als fähig, deine Verantwortungen allein handzuhaben."

Harry lächelte, wissend, dass solch ein Kompliment und solch ein Vertrauensbeweis nicht schnell von seiner strengen Hauslehrerin vergeben wurde. „Danke Minerva." Zum ersten Mal fühlte sich ihr Name nicht seltsam auf seinen Lippen an.

„Gern geschehen, Harry", erwiderte sie voller Wärme. „Natürlich, wenn du jemals meine Hilfe oder meinen Rat brauchst, steht meine Tür immer für dich offen." Harry nickte und sie lächelte ihm zu, als sie hinzufügte: „Ich möchte dich nur um einen Gefallen bitten."

Harry zog seine Augenbrauen zusammen. „Was denn?"

„Wenn es in Ordnung für dich ist, möchte ich das nächste Mal, wenn du an einem Übungsduell teilnimmst, zusehen."

Ein breites Lächeln tauchte auf Harrys Gesicht auf. „Ich denke, das kann ich arrangieren."

Ihr Treffen dauerte nicht viel länger an und Harry kehrte bald in den Gryffindorturm und zu seinen Freunden zurück. Während des ganzen Abends, egal ob Harry las, Hausaufgaben machte oder Spiele spielte, konnte er nicht anders als zu bemerken, dass Hermine oft zu ihm schaute, ihm aber nie in die Augen schaute. Harry hatte wenig Zweifel, was Hermine beschäftigte, aber er hatte keine Ambitionen, sie deswegen anzusprechen. Er hoffte, dass sie es ohne ihn überwand. Als Harry sich am Ende des Abends zurückzog, ohne dass Hermine es angesprochen hatte, dachte er, dass er vielleicht Glück gehabt hatte.

Am nächsten Tag jedoch verhielt Hermine sich in seiner Nähe weiterhin merkwürdig und Harry war sich sicher, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis sie ihn ansprechen würde. Seine Unterrichtsstunde in Pflege für magische Geschöpfe an diesem Nachmittag erinnerte Harry daran, dass er Greife recherchieren wollte, aber er verschob dies für den Moment auf später. Bis er seinen Fähigkeiten vertraute, alle Schutzschilde, die er für sein neues Zuhause werfen musste, zaubern zu können, beabsichtigte er, seine gesamte freie Zeit auf diese Aufgabe zu verwenden. Er hoffte, dass er vor dem Ende des Semesters dennoch Zeit haben würde, bei dem Greif Fortschritte zu machen.

Erst am nächsten Abend nahm Hermine ihn schließlich zur Seite und bat ihn um ein Gespräch. Harry stimmte widerwillig zu. Ihr Drang, mit ihm zu reden, war deutlich zu sehen und doch schien sie beinahe widerwillig zu sein, die Unterhaltung zu beginnen. Gerade als Harry das Gespräch beginnen wollte, begann sie zu reden: „Hör zu, ich weiß, ich habe eigentlich nicht das Recht, zu hinterfragen, wie du deinen Unterricht gestaltest, aber ich habe mich gefragt, warum du Neville statt mich gewählt hast, die Übungen zu leiten, während du beschäftigt bist. Es ist nicht so, dass ich glaube, dass Neville nicht dazu fähig ist", fügte sie schnell hinzu. „Es ist nur, dass niemand das Unterrichtsmaterial so gut versteht wie ich. Ich weiß, dass du eine Weile wütend mit mir gewesen bist, weil du denkst, dass ich andauernd nur an dir herumnörgele, aber ich glaube nicht, dass es klug ist, Entscheidungen aufgrund deines Privatlebens zu fällen."

Harry starrte Hermine an, als sei ihr ein dritter Kopf gewachsen. „Und du glaubst, nicht nur weil du einer meiner besten Freunde bist, dass du die Aufgabe hättest bekommen sollen? Oder weil die DA letztes Jahr deine Idee war, es daher dein Recht ist?", fragte Harry sie hitzig.

„Natürlich nicht", erwiderte Hermine außer sich.

Harry musste ein paar Mal tief Luft holen, um sich zu beruhigen, bevor er noch etwas sagte. Er wollte einen Streit mit ihr vermeiden und er wusste, wenn er seine Gefühle mit sich durchgehen lassen würde, würde genau das passieren. „Es gibt zwei Hauptgründe, warum ich Neville statt dich gewählt habe. Der erste ist, wie du bereits sagtest, dass du das Unterrichtsmaterial besser als jeder andere verstehst."

„Aber das macht keinen Sinn", protestierte Hermine.

„Wenn du mich vielleicht zu Ende erklären lassen würdest", schlug Harry vor. Hermine warf ihm einen angesäuerten Blick zu, aber sie bedeutete ihm, fortzufahren. „Das Problem ist, dass du das Material so gut verstehst, dass du nicht weißt, wie du es erklären sollst, so dass andere es verstehen. Du verstehst alles, was du in einem Textbuch liest. Wenn dir also jemand eine Frage stellt, gibst du eine Textbuchähnliche Antwort. Das Problem ist aber, dass eine Menge Leute das Buch nicht verstehen, was der Grund ist, warum sie die Frage überhaupt stellen. Ihnen das Textbuch noch einmal vorzusagen hilft ihnen also nicht. Oder?"

„Du sagst also, dass ich nur wiederholen kann, was im Buch steht?", fragte Hermine eindeutig aufgebracht.

„Nicht genau", sagte Harry. „Was ich sage, ist, dass du nie innehältst, um eine einfachere Erklärung zu finden, weil du verstehst, was im Buch steht."

„Und Neville macht das?", fragte sie skeptisch.

„Ja", sagte Harry. „Neville weiß genau, wie es ist nicht zu verstehen. Daher weiß er auch, wie er seine Erklärungen vereinfachen kann, so dass andere ihm folgen können."

„Und was ist der andere Grund", wollte Hermine wissen.

Harry zuckte zusammen und wünschte, dass er seine Gründe nicht aufgezählt hätte. „Nun, ich wollte vier Personen, die gut zusammenarbeiten, ohne dass einer von ihnen versucht, ..." Er hielt inne, um nach den richtigen Worten zu suchen. „die Kontrolle zu übernehmen."

„Und du glaubst, dass ich das machen würde?"

„Nun, du hast die Tendenz dazu, Dinge in die Hand nehmen zu wollen - insbesondere was schulische Angelegenheiten angeht", erklärte Harry.

Hermine sah so aus, als wolle sie darüber diskutieren, aber sie hielt sich zurück. Harry nutzte diese Gelegenheit, um hinzuzufügen: „Schau, es ist nicht so, dass ich dich nicht für fähig halte und es ist nicht so, dass ich wütend auf dich wäre oder so. Ich bin einfach der Meinung, dass Neville besser auf die Kriterien passte, auf die ich geachtet habe."

„Und das hat absolut nichts mit den Problemen zu tun, welche du dieses Jahr mit mir hattest", fragte sie, ihre Stimme noch voller Skepsis.

„Nein, Hermine", erwiderte Harry ein wenig frustriert. „Das hat nichts damit zu tun."

„Und es hat nichts mit dem zu tun, was du vor Ron und mir dieses Jahr verheimlichst?"

Harry musste sich davon abhalten, sofort mit einer Verneinung zu antworten. „Wovon redest du?", fragte er und tat sein bestes, verwirrt zu klingen.

Hermine verdrehte die Augen. „Tu nicht unschuldig. Es bräuchte schon einen Idioten, um nicht zu bemerken, dass du etwas geheim hältst. Nach all den Diskussionen im letzten Semester dachte ich, ich würde dir ein wenig Freiraum lassen, so dass du zu mir kommst, aber es scheint nicht so, als hättest du das vor. Es kommt mir so vor, als würdest du versuchen, mich auf Armeslänge zu halten."

„Wieso glaubst du, dass ich etwas geheim halte?", fragte Harry, um Zeit zu gewinnen und um zu versuchen, herauszufinden, worauf sie ihre Vermutungen basierten. Er musste das Wissen, um sich eine plausible Erklärung auszudenken.

„Abgesehen von der Tatsache, dass du praktisch jeden Tag für mehrere Stunden verschwindest mit der Ausrede, dass du in deinem Büro arbeitest?", fragte Hermine.

„Ich habe dieses Jahr viel zu tun", meinte Harry defensiv. „Zwischen dem U.T.Z-unterricht, dem Ausarbeiten von einem Unterrichtsplan für die HA, ganz zu schweigen vom Verbessern der Aufsätze für Professor Caldwell, brauche ich jede freie Minute, die ich kriegen kann."

„Außerdem", fügte er hinzu „mag ich die Privatsphäre - und die Ruhe."

„Klar", redete Hermine weiter. „Abgesehen von der Tatsache, dass weder Ron noch ich jemals in deinem Büro willkommen waren. Wir haben kaum die Tür davon gesehen, ganz zu schweigen das Innere. Die einzige Person, die willkommen zu sein scheint, ist Ginny, und ich weiß, dass sie dir dort schon länger Gesellschaft leistet als ihr beide knutscht."

Harry war insgeheim erstaunt, dass Hermine den letzten Teil ohne eine Regung sagen konnte und Harry wurde immer aufgebrachter über das Kreuzverhör, dem er ausgesetzt wurde. „Es ist so, wie ich sagte", meinte er. „Ich verwende das Büro für Hausaufgaben und um zu lernen und meinen HA-unterricht zu planen. Es ist auch ein privater Ort für Ginny und mich, um zu reden - unter anderem." Letzteres war eine direkte Anspielung auf das Knutschen, wie Hermine es so gefühllos nannte, aber es deckte auch ihren Okklumentikunterricht und was sie sonst noch so taten ab.

„Was immer du sagst, Harry", kommentierte Hermine. „Wenn du es nicht mit mir teilen willst, ist das deine Entscheidung. Aber glaube nicht, dass ich einfach hier stehe und mich anlügen lasse." Damit drehte sie sich auf der Stelle um, ging davon und ließ Harry sprachlos zurück. Er hatte geglaubt, dass er seine Tätigkeiten viel besser versteckt gehabt hatte, aber anscheinend hatte er seiner langjährigen Freundin nicht genug zugetraut. Er würde vorsichtiger sein müssen.

Ende Teil 22.1