AN: So, lieber spät als nie! An dieser Stelle ein letztes Mal dieses Jahr ein Dankeschön an meinen beta aragog. Außerdem muss ich leider ankündigen, dass es beim nächsten (vllt auch erst beim übernächsten update) es möglicherweise zu Verzögerungen kommt – bzw. ich ein Kapitel in noch kleinere teile aufschneiden werde. ich habe meinen gesamten Vorsprung aufgeholt und ich komme nicht zum übersetzen über die freien Tage werde ich auch in den Urlaub fahren , so dass ich nicht einmal da weitermachen kann…tut mit leid…
Dennoch schon einmal Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr! Vielen vielen Dank für eure Reviews, Favoriteneinträge und dass ihr dieser Geschichte jahrelang die Treue haltet!
Kapitel 23 Teil 1: Vorhergesehen und nicht Vorhergesehen
Ginny ließ die Trainingsdummies stoppen und drehte sich um, um Harry zuzuschauen, der blind vorwärts ging. Sein Kopf drehte sich von links nach rechts und es war klar, dass er keine Ahnung hatte, wo seine Gegner waren. In diesem Moment warf einer der Dummies einen Fluch auf Harry. Er reagierte innerhalb dem Bruchteil einer Sekunde, rollte sich zur Seite und warf einige eigene Flüche in die ungefähre Richtung des angreifenden Dummy. Keiner seiner Flüche traf das anvisierte Ziel und Ginny konnte einen gemurmelten Fluch hören.
Sie hatte ihn gewarnt, dass es einige Zeit brauchen würde, um sich an die fehlende Sicht zu gewöhnen, aber er hatte ihre Bedenken nur zur Seite gewischt, erklärend, dass er die Herausforderung in Angriff nehmen würde. Zugegeben: Er war in den vergangenen Wochen deutlich besser geworden. Sie konnte sich an den ersten Versuch erinnern, den sie beobachtet hatte: Harry war praktisch hin- und hergestolpert und von allen Seiten verhext worden. Sie konnte sich lebhaft an seine Haut erinnern, die durch unzählige Brandzauber immer röter wurde und seinen frustrierten und müden Gesichtsausdruck, als er zum Duschen gehumpelt war.
Nach zwei Wochen harter Arbeit konnte er nun ziemlich gut Zaubern ausweichen, auch wenn die Dummies nicht sehr aggressiv waren. Er würde auf härtere Angriffe hinarbeiten. Er konnte jedoch nichts tun, um einen Gegenangriff zu starten. Nachdem er den Flüchen ausgewichen war - worauf er bestand, da man bei Todessern nie wusste, was sie auf einen werfen würden -, schaffte er es nur selten, sein Ziel mit seinen Gegenflüchen zu treffen.
Als sie zusah, wie er sich wieder auf die Füße stellte und sein langsames Herumschleichen wieder aufnahm, entschied sie, sich einen kleinen Spaß zu erlauben. Sie zog ihren Zauberstab heraus und schlich sich zu ihm, immer bedacht, keine Geräusche zu verursachen. Als sie keine zwanzig Schritte mehr von ihm entfernt war, drehte Harry sich zu ihr um, seine Stirn verwirrt gerunzelt. Ginny blieb abrupt stehen und fragte sich, ob er sie gehört hatte, obwohl sie meinte, sie wäre lautlos gewesen. Harrys blinder Blick war unverwandt auf sie gerichtet und seine Verwirrung schien plötzlich in Verstehen umzuschlagen, als er seine Augenbinde hinunterriss und sagte: „Da dachtest du, du könntest dich an mich anschleichen, mhmm?"
Gerade in diesem Moment warf einer der Dummies hinter ihm einen Fluch. Harry drehte sich in letzter Sekunde zur Seite, aber es war zu spät, um dem Zauber auszuweichen. Der Brandzauber traf ihn an der Schulter und er zuckte vor Schmerz zusammen. Ohne dass ein Wort gesagt wurde, erstarrten die Dummies und verschwanden dann sofort.
Ginny fragte gleich darauf: „Woher wusstest du das?"
Harry schien seine Gedanken zu sammeln, bevor er meinte: „Ich konnte dich fühlen."
„Was?", fragte sie ohne Nachzudenken nach.
„So wie ich Magie fühle", erklärte Harry mit einem leichten Schulterzucken. „Ich weiß nicht, wie ich es erklären soll, aber ich konnte fühlen, wie du näher kommst. Ich wusste zuerst nicht, was es war, aber dann erkannte ich, dass es nur du sein konntest."
„Oh", sagte sie. Nach einem kurzen Schweigen fügte sie hinzu: „Nun, das sollte für heute reichen. Das ist der Grund, warum ich herübergekommen bin."
Harry warf ihr ein schiefes Grinsen zu, als er antwortete: „Ich glaube, du wolltest ein wenig mehr tun als mir nur zu sagen, dass es für heute reicht."
Ginny ignorierte den Kommentar und meinte: „Du wirst besser. Du hast ihn das letzte Mal fast getroffen."
Er schüttelte den Kopf. „Du hattest Recht", gab er zu. „Es ist viel schwerer als ich erwartet hatte."
„Du wirst es schaffen, Harry", sagte sie. „Du musst dir nur ein wenig Zeit geben."
„Außerdem", fügte sie hinzu, „ist es nicht so, als wärst du wirklich blind. Du musst nur den Flüchen ausweichen, die von hinten kommen."
„Stimmt", gab Harry zu. „Aber ich möchte den Punkt erreichen, an dem ich nicht einmal mehr darüber nachdenken muss. Wenn ich mich zu sehr darauf konzentriere, Zauber hinter meinem Rücken zu fühlen, laufe ich in Gefahr, von vorne getroffen zu werden."
Ginny zuckte mit den Schultern, da sie nicht wusste, was sie antworten sollte. „Ich gehe duschen." Als sie zum Badezimmer ging, konnte sie nicht anders als an den Tag zurückzudenken, der zu Harrys' neuem Trainingsregime geführt hatte. Es war ein ziemlich anstrengender Tag gewesen. Der Stress des Quidditchspiels war die kleinste ihrer Sorgen gewesen. Sie hatte sich Gedanken gemacht, als sie Harry das erste Mal hoch in der Luft mit Cho reden gesehen hatte, hatte sich dann aber wieder auf das Spiel konzentriert. Als sie jedoch sah, wie Harry sich kurz bevor er den Schnatz fing zu Cho wandte, konnte sie nicht anders als sich zu fragen, um was es da ging.
Sie war versucht gewesen, das Mädchen einfach zu verhexen, als sie bemerkte, wie Cho nach dem Spiel in die Nähe der Umkleideräume der Gryffindor-Jungs ging, aber sie beherrschte sich. Harry hatte schließlich sie gewählt, selbst als Cho ihm im letzten Semester die Chance gegeben hatte, ihre Beziehung wieder aufzunehmen. Ginny hatte geplant gehabt, sich in ihrem Zimmer aufzuhalten, bis sie ihre Gefühle wieder unter Kontrolle hatte. Schließlich vertraute sie Harry und sie wusste, dass er nicht länger an einer Beziehung mit Cho interessiert war, auch wenn sie dachte, dass er ein wenig naiv war, was ihre Beweggründe anging. Ihre Unsicherheit war nichts Neues. Cho war nur der Auslöser, der ihre Unsicherheit zum Vorschien brachte und als Harry in ihrem Raum auftauchte, hatte sie die Kontrolle verloren und ihm ihr Herz ausgeschüttet.
Wenn sie jetzt daran zurückdachte, war sie erstaunt darüber, wie Harry die Unterhaltung gehandhabt hatte. Sie wusste, dass die meisten Jungs ihre Selbstbeherrschung verloren und eine abwehrende Haltung angenommen hätten, aber er hatte ihre Sorgen Ernst genommen und war so gut er konnte auf sie eingegangen. So sehr sie auch hasste es zuzugeben: Sie hatte sich nach dieser Unterredung viel besser gefühlt. Egal wie wunderbar ihre Beziehung mit Harry war, hatte Ginny es nie ganz geschafft, ihre Zweifel und Ängste abzuschütteln. So sehr Harry sich über das ganze Jahr verändert hatte, war er dennoch noch immer ziemlich reserviert. Ihre Beziehung lief gut und sie wusste, dass sie sich keine Sorgen machen sollte, aber egal wie sehr sie sich bemühte: Sie konnte nicht anders als sich zu fragen, ob seine Gefühle auch nur annähernd so intensiv waren wie ihre.
Damals, als sie im zarten Alter von zehn Jahren am King's Cross Bahnhof Harry das erste Mal getroffen hatte, hatte sie sich in den Jungen verliebt gewähnt. Sie war in ihrer Jugend offensichtlich ein wenig töricht gewesen, aber wer konnte es einem Mädchen, das gerade den Helden ihrer Träume - buchstäblich - getroffen hatte vorwerfen? Nicht nur war Harry Potter, der-Junge-der-lebt, in den Gute-Nacht-Geschichten vertreten, die ihr Vater und gelegentlich auch Bill ihr erzählten; er kam auch mehr als einmal in ihren Träumen vor.
Aber nun - nun, da sie älter und reifer war - konnte sie nicht anders als sich zu fragen, ob ihr jüngeres Selbst Seherblut hatte. Sie war noch nicht ganz bereit, es Liebe zu nennen; es fühlte sich merkwürdig an, an diesem Punkt in ihrem Leben überhaupt darüber nachzudenken. Sie wusste nur, dass sie noch nie in ihrem Leben so viel für jemanden empfunden hatte. Sie hatten nie wirklich über ihre Gefühle oder ihre Beziehung geredet. Es war ihr nie in den Sinn gekommen. Alles war so wunderbar zwischen ihnen, das es schien, als wären Worte nicht einmal nötig.
Aber dann schlichen sich Zweifel in ihren Kopf. Was, wenn sie mehr in ihre Beziehung hineininterpretierte als da war? Ja, die Dinge waren großartig zwischen ihnen, aber was war mit der Zukunft? Wohin würde es führen? Sie wartete nicht auf einen Heiratsantrag - sie hätte ihn ordentlich verflucht für so eine Dummheit, wenn er so etwas versucht hätte -, aber sie musste wissen, wie er über ihre Beziehung fühlte. Sie musste es wissen, bevor sie noch mehr in sie investierte - in ihn -, aber sie wusste nicht, wie sie das Thema anschneiden sollte. Um die Wahrheit zu sagen: Ein Teil von ihr war vor Angst erstarrt gewesen, es zu tun.
Harry hatte an diesem Abend keine großen Erklärungen oder Versprechen abgegeben, aber er hatte genug gesagt, um all ihre Sorgen zu zerstreuen. Nur sein Tonfall war genug gewesen, um zu merken, dass er genauso überwältigt von seinen Gefühlen zu ihr war, wie sie es mit ihren Gefühlen zu ihm war. Seine Worte waren Balsam auf ihrer Seele gewesen. Seine Offenbarung gleich danach hatte sie gleich wieder in Aufruhr gesetzt. Die Prophezeiung hatte sie erst einmal fassungslos zurückgelassen. Sie konnte sich nicht vorstellen, wie er damit umgehen konnte, mit dem Wissen, dass er Voldemort gegenüberstehen und gewinnen musste - das er ihre einzige Hoffnung war.
Sobald sie sich von ihrem ersten Schock erholt hatte, erinnerte sie sich an verschiedene Dinge. Plötzlich machte alles viel mehr Sinn. Es erklärte, warum Voldemort so von Harry besessen war. Es war nicht nur eine Frage des Stolzes und es ging auch nicht nur darum, die Zaubererwelt zu demoralisieren, indem er ihnen ihren Retter und ihre Hoffnung wegnahm. Voldemort fürchtete die Prophezeiung. Solange Harry lebte, würde Voldemort immer den Tag fürchten, an dem Harry und die Prophezeiung ihn besiegen würden.
Die Prophezeiung erklärte auch Harrys Drang und Einsatz, was sein Training betraf. Es war ihr zuerst merkwürdig vorgekommen, dass er in einer so kurzen Zeitspanne so viel getan hatte und dass er so entschlossen und fokussiert war, zu trainieren und zu kämpfen. Nun machte alles einen Sinn. Er war nicht gewillt, zu warten, bis Dumbledore ihn als bereit erklärte. Umso länger er wartete, umso mehr Menschen würden sterben und umso weniger Zeit würde er haben, um sich vorzubereiten. Harrys Verantwortungsbewusstsein erlaubte ihm nicht, sich nach hinten zu lehnen und nichts zu tun, nicht, wenn er wusste, was seine Aufgabe sein würde.
Auch wenn sie um ihn und seine Zukunft fürchtete, vertraute sie auf Harry. Jeden Tag sah sie mit ihren eigenen Augen, was er in weniger als einem Jahr erreicht hatte. Sie wusste, wenn es jemand schaffen könnte - Dumbledore selber ausgenommen -, dann war es Harry. Nach Stunden des Nachdenkens am Nachmittag in ihrem Bett hatte sie sich selber geschworen, dass weder Voldemort noch die Prophezeiung sie einschüchtern würden. Sie war dann die Treppen zum Gemeinschaftsraum hinuntergestiegen, hatte sich auf Harrys Schoß fallen lassen und ihn vor aller Augen leidenschaftlich geküsst - sehr zu Rons Bestürzung.
Es war erst spät an diesem Abend gewesen, als Harry das Gefühl, das er bei dem Schnatz gefühlt hatte, erwähnte. Erst einige Tage später erkannten sie, was es bedeutete. Stunden später hatte Harry bereits mit seinem Training mit der Augenbinde im Raum der Wünsche begonnen. Sein Engagement hörte nie auf sie zu erstaunen. Sie wusste, selbst mit der Prophezeiung würden die meisten Menschen an seiner Stelle sich nicht so anstrengen, so wie Harry es tat.
So albern und klischeehaft es sich anhörte: Er war ihre Inspiration. Wenn es ihn nicht gäbe, das wusste sie, hätte sie nie begonnen zu trainieren. Das selbe konnte man über alle HA-Mitglieder sagen. Es war seinem Beispiel, dem sie folgte, aber angesichts ihrem Privatem Training mit Harry war es für sie zutreffender als für jeden anderen. Sie wünschte sich nur, dass sie so schnell lernen könnte wie Harry das zu tun schien. Auch wenn sie bei der zauberstablosen Magie Fortschritte machte, war es nur langsam.
Sie hatte endlich die ersten einfachen Zauber wie Wingardium Leviosa und Acciogemeistert. Nun versuchte sie, Grundzauber und Flüche zauberstablos zu werfen und hatte bisher nur wenig Erfolg. Ihre Kontrolle war nur sporadisch. Einige Zauber waren merklich schwächer als andere und sie tendierte dazu, viel schneller zu ermüden, als wenn sie ihren Zauberstab verwendete. Harry versicherte ihr, dass er das selbe am Anfang in seinem Training erlebt hatte und dass sie einfach durchhalten musste, um ihr Durchhaltevermögen aufzubauen.
Ihr Training mit den Dummies und - gelegentlich - mit Harry verlief viel besser, aber - wie Harry sie regelmäßig erinnerte - bis sie 17 war, konnte sie außerhalb Hogwarts nur zauberstablose Magie anwenden. Während dieser Teil des Trainings also sicherlich notwendig war, würde sie - bis sie zauberstablose Magie beherrschte - Harry nicht begleiten und helfen können, wenn dieser die Sicherheit des Schlosses verließ. Sie versuchte nicht mehr als notwendig über diese Tatsache nachzudenken.
Da war auch noch die Tatsache, dass sie Apparieren lernen musste, so dass sie tatsächlich Harry begleiten konnte, ohne jedesmalSeit-an-Seit mit ihm apparieren zu müssen, aber Apparierunterricht zu organisieren würde nicht einfach werden. Das Apparieren innerhalb Hogwarts war unmöglich. Selbst wenn sie es also ausprobieren wollte, würde sie die Schlossländereien verlassen müssen. Doch selbst dann würde sie die zauberstablose Magie beherrschen können müssen, bevor sie es überhaupt versuchen konnte, da die Benutzung ihres Zauberstabs außerhalb Hogwarts das Ministerium darauf aufmerksam machen würde, dass sie nicht nur außerhalb der Schule Magie anwandte, sondern auch apparierte, während sie noch minderjährig war. Sie wusste nicht, wie sie dieses besondere Hindernis umgehen könnten.
Sie hatte noch viel in ihrem Training zu erreichen und um die Sache noch Schlimmer zu machen, begannen ihre Lehrer Druck auszuüben, da die Z.A.G.s sich immer schneller näherten. Sie hatte entschieden, dass ihr Training mit Harry wichtiger als die Z.A.G.s war, aber sie konnte die Schule nicht einfach ignorieren. Sie musste alle Aufgaben, die ihr aufgegeben wurden, machen, und als das Jahr Fortschritt, nahm das immer mehr ihrer Zeit in Anspruch.
Nachdem sie fertig mit Duschen war, zog Ginny sich an und ging zurück in den Hauptraum, wo sie sich beinahe sofort Harry gegenübersah. Er lehnte sich hinunter und drückte ihr einen kurzen Kuss auf die Lippen. Sie grinste ihn an und fragte neckend: „Hast du deine neue Fähigkeit verwendet, um mich auszuspionieren, während ich da drin war?" Sie deutete mit ihrem Kopf in Richtung des Badezimmers, das sie gerade verlassen hatte.
„Ich schätze, das könntest du so sagen", gab Harry zu. „Nicht, dass es besonders aufregend wäre. Ich kann nichts sehen, aber nachdem ich dich vorher gefühlt habe, wollte ich sehen, ob ich es noch einmal könnte."
„Ist klar", erwiderte sie. Da sie ihn ein wenig necken wollte fügte sie hinzu: „Wenn du spicken wolltest, Potter, hättest du nur fragen müssen."
Ihr Grinsen wurde breiter, als sie sah, wie Harrys Blick ihren Körper hinunterglitt und er errötete. Auch wenn die Schulroben klobig waren und viel verdeckten, waren sie an bestimmten Bereichen ein wenig eng anliegend, und sie wusste, wohin Harrys Blick und seine Gedanken wanderten. Bei seinem Blick fühlte Ginny, wie ein Schauder ihren Rücken hinunterlief. Sie hatte sich noch nie so sexy gefühlt, wie in diesem Moment, als sie das unverhüllte Verlangen in seinem Blick sah. Sie zwinkerte ihm zu und nahm seine Hand: „Komm, du Perversling, oder wir kommen zu spät zum Abendessen."
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Harry ließ sich zur Tür ziehen, die aus dem Raum der Wünsche hinausführte, seine Gedanken und sein Blick noch immer ein wenig mit anderen Dingen beschäftigt. Bei Ginny war schließlich der Blick auf ihre Rückseite genauso lohnend wie auf ihre Vorderseite. Erst nachdem sie den Raum verlassen hatten, hörte er auf zu starren und begann, neben ihr statt hinter ihr her zu laufen. Er hielt ihre Hand weiterhin, auch wenn sie diese nicht mehr benutzte, um ihn zu führen.
Sie gingen zur Großen Halle und nahmen ihre Plätze am Gryffindortisch gegenüber von Ron und Hermine ein, wobei Harry neben Neville saß. Als Harry seinen Teller füllte, legte Hermine ihre Gabel nieder und fragte: „Und, was habt ihr beide heute Nachmittag gemacht?"
Harry zuckte mit keiner Wimper bei der Frage, auch wenn er wusste, dass sie nicht so harmlos war wie es schien. In den letzten zwei Wochen hatte Hermine sie ihm praktisch jedesmal gestellt, wenn er länger als eine Stunde entweder in seinem Büro oder im Raum der Wünsche verbrachte. „Wir haben ein wenig gelernt und ich habe am Unterrichtsplan für die HA gearbeitet", erwiderte er leichthin und biss dann von seiner Kartoffel ab.
„Oh?", meinte Hermine mit einer - wie es schien - etwas gezwungenen Überraschung. „Ich bin nach Kräuterkunde an deinem Büro vorbeigekommen und keiner hat geantwortet, als ich geklopft habe."
Harry musste dem Drang widerstehen, aufzustöhnen. Sie wurde immer hartnäckiger in ihren Nachforschungen. Es war ziemlich nervig. „Ich habe vor dem Abendessen einige Zeit im Raum der Wünsche verbracht, um einen neuen Zauberspruch zu üben, von dem ich überlege, ihn bald durchzunehmen."
„Wirklich?" Ihre Aufregung war nicht vollständig gestellt, als sie fragte: „Welchen Zauber?"
Bevor Harry jedoch antworten konnte, mischte Ron sich ein: „Um Himmels Willen, Hermine, lass den Mann essen."
Harry lächelte Ron dankbar an, bevor er sich wieder seiner Mahlzeit widmete. Neville nutzte die Unterbrechung, um etwas anzusprechen, dass sie in der heutigen Kräuterkundestunde durchgenommen hatten und lenkte damit Hermines Aufmerksamkeit auf sich. Harry blendete die Unterhaltung aus, während er überlegte, was er wegen Hermines Neugier unternehmen wollte. Die Tatsache, dass sie ein paar Fächer mehr belegt hatte, half ihm gelegentlich dabei, zu verschwinden, aber er wusste, dass Hermine sich nicht abhalten lassen würde. Es bestand kaum die Chance, dass sie herausfinden würde, wie er seine Zeit verbrachte, aber die Tatsache, dass sie Fragen stellte und aktiv versuchte, ihn zu verfolgen, machte sein Leben viel komplizierter. Interessant würde es jedoch werden, wenn er das nächste Mal das Schloss verlassen musste. Er würde besonders vorsichtig sein müssen, so dass Hermine seine Abwesenheit nicht bemerkte.
Nach dem Essen stieg Harry für ihre wöchentliche Okklumentikstunde die Treppe zu Dumbledores Büro hoch. Auch wenn sie die ganze Stunde über redeten, schnitten sie nichts von Bedeutung an. Tatsächlich hatten sie über nichts Wichtiges mehr geredet, seit Dumbledore Harry nach den Geschehnissen mit Snape wieder einmal außen vor gelassen hatte. Ohne ein Thema, dass ihn interessierte und ablenkte, konnte Harry sich während der Stunde konzentrieren und jeden Versuch Dumbledores, in seine Gedanken einzudringen, abwehren. Nach der Stunde ging Harry in den Gemeinschaftsraum zurück, wo er den restlichen Abend mit seinen Freunden und Hausgenossen verbrachte.
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Nach dem Frühstück am nächsten Morgen hatte Harry vor, zum Raum der Wünsche zu gehen, um wieder zu trainieren. Er würde allein beginnen, aber Ginny würde ihm nach ihrem morgendlichen Unterricht Gesellschaft leisten. Während er die Treppe, die zum sechsten Stock führte, hochging, hörte er hinter sich einen unterdrückten Ausruf. Er drehte sich um, konnte aber nichts und niemanden entdecken. Er wandte sich wieder um, als ihm etwas einfiel. Er konzentrierte sich auf seinen neuen Sinn und versuchte, jegliche Magie in seiner Nähe zu finden. Die Wände gaben eine gleichmäßige Magieenergie ab, die so schwach war, dass er es kaum bemerkte, aber er konnte näher am Fuß der Treppe versteckt in einer Nische eine stärkere Magiequelle fühlen.
Er wunderte sich einen Moment lang, wo die Magie herkam, bevor er bemerkte, wie ähnlich sie der Magie war, die er am vorigen Tag gefühlt hatte, als Ginny versucht hatte, sich an ihn anzuschleichen. Er wurde verfolgt. Harry runzelte die Stirn und ging weiter, während er versuchte, zu erraten, warum er verfolgt wurde. Nun, er hatte eine ziemlich gute Ahnung. Die wirkliche Frage war, was er deswegen unternehmen sollte. Angesichts des Weges, den er eingeschlagen hatte, würde es seinem Verfolger schon klar sein, wohin er ging - es gab nichts Interessantes im sechsten Stock und es wäre ein ziemlicher Umweg, um so zum Gryffindorturm zu gelangen. Sein Ziel zu diesem Zeitpunkt zu verändern würde die Person, die ihn verfolgte, nur darauf aufmerksam machen, dass er ihre Anwesenheit bemerkt hatte, und ihr einen Grund geben, zu vermuten, dass er versuchte, zu verstecken, was er tat. Harry beschloss, einfach weiterzugehen, als sei alles wie immer.
Es stellte sich noch immer die Frage, was er tun sollte, sobald er sein Ziel erreichte. Sollte er den Raum so wie immer mit Schutzzaubern belegen? Es war möglich, dass sie ihn schon in der Vergangenheit verfolgt hatte: den Raum nicht mit Schutzzaubern zu belegen könnte daher verdächtig aussehen. Aber wenn sie ihm bisher noch nicht zum Raum der Wünsche gefolgt war, konnte er Fragen vermeiden, warum er den Raum mit Schutzzaubern belegte, wenn er angeblich nur Zauber übte, die er in seinem HA-unterricht verwenden wollte.
Als er um die Ecke bog und den Korridor mit dem Porträt von Barnabas dem Bekloppten erreichte, wusste Harry, dass ihm die Zeit weglief. Als er vor dem Porträt dreimal hin- und herging, fasste er einen Entschluss. Harry warf die Tür auf, trat ein und schloss sie hinter sich. Er verwendete seine üblichen Schutzzauber, fügte aber auch einen Zauber hinzu, der ihm erlaubte, durch die Tür hindurchzusehen und zu hören, als sei die Tür nicht vorhanden. Als er diesen letzten Zauber sprach, konnte er das Grinsen, das sich auf seinen Lippen ausbreitete, nicht unterdrücken, als er an das letzte Mal dachte, als er den Zauber angewandt hatte. Die Erinnerung an Snapes Reaktion, als Malfoy sich in Snapes Büro ausgezogen hatte, ließ immer ein Grinsen auf Harrys Lippen auftauchen.
Harry stand nur da, starrte auf die Öffnung beim Porträt von Barnabas dem Bekloppten und wartete darauf, dass sich sein Verfolger zeigte. Eine Minute verging und niemand kam. Harry runzelte die Stirn, bewegte sich aber nicht. Nach einer weiteren Minute drehte er sich auf dem Absatz um. Es brachte nichts, den ganzen Tag herumzustehen und Zeit zu verschwenden. Er hatte ursprünglich vorgehabt, mit dem Training mit der Augenbinde zu beginnen, aber er wollte ein Auge auf die Tür haben. Daher entschied er sich, diese Übung auf später zu verschieben.
Gerade als er seine „normaleren" Übungen mit den Trainingsdummies begann, bemerkte er eine Gestalt vor der Tür. Knapp einen Gedanken später verschwanden die Dummies und Harry ging zurück zur Tür. Von den Schatten verhüllt stand Hermine da. Auch wenn er sich sicher gewesen war, dass sie es war, konnte er das Gefühl der Verärgerung und des Verrats nicht unterdrücken, als er sie beim Spionieren erwischte. Traurigerweise hatte er nichts anderes von ihr erwartet, aber selbst dieses Wissen half nicht, um den Schmerz zu lindern. Er tat sein bestes, diese Gefühle beiseite zu schieben. Es war seine Wahl, sie im Dunklen zu lassen. Sie mochte nicht Recht haben, aber er wusste, dass sie nur so handelte wie es in ihrer Natur lag. Hermine streckte eine Hand aus und Harry beobachtete ein wenig amüsiert, wie ihre Hand sich scheinbar um etwas nichtexistentes schloss, auch wenn er wusste, dass es der Türknauf war. Beinahe nicht wahrnehmbar drehte sie ihr Handgelenk, nur um zu entdecken, dass die Tür verschlossen war.
Sie hatte das wohl erwartet, denn sie schien keineswegs überrascht oder beunruhigt zu sein. Sie nahm ihre Hand von der Klinke und zog ihren Zauberstab hervor. Dann flüsterte sie den Zauberspruch: „Alohomora."
Nichts passierte. Sie packte wieder die Türklinke, aber fand die Tür noch immer verschlossen vor. Sie schnaubte und runzelte dann die Stirn, während sie einen weiteren Zauber warf, welcher Harry leicht überraschte: "Aperiobex."
Dieser Zauber wurde verwendet, um alle Schutzzauber zu zeigen, die auf das Ziel gelegt waren. Anscheinend war sie vorbereitet gekommen, aber Harry fragte sich, ob sie erkennen würde, was der Zauber ihr zeigte. Hermine zog ihre Augenbrauen zusammen, als sie scheinbar Harry studierte, aber er wusste, dass sie in Wahrheit die Schutzzauber begutachtete, die er auf die Tür gelegt hatte. Sie langte in ihre Roben und holte einen Federkiel und eine Rolle Pergament hervor. Sie ging neben die Tür und verwendete die Wand, um einige Notizen zu machen. Harry hatte keinen Zweifel, wohin Hermine gehen würde, sobald sie ihre Beobachtungen niedergeschrieben hatte.
Da er der Meinung war, dass er nicht mehr erfahren würde, wenn er seine Freundin weiter beobachtete, kehrte Harry wieder zu seinem Training zurück. Er führte seine verschiedenen Übungen entschlossen durch, bis er hörte, wie sich die Tür öffnete. Er drehte sich um und sah, wie Ginny eintrat. Seit Ginny begonnen hatte, mit ihm zu trainieren, hatte Harry seine Schutzzauber leicht verändert, um ihr Einlass zu gewähren, sobald sie auf eine bestimmte Weise mit ihren Zauberstab gegen die Tür klopfte. Er war von dem Eingang zur Winkelgasse inspiriert worden.
Harry winkte ihr kurz zu, worauf hin sie: „Hey, Harry.", rief. Sie kam zu ihm herüber und gab ihm einen kurzen Kuss.
Er beschloss, sie lieber wegen Hermine zu warnen und sagte deshalb: „Wir haben vielleicht ein Problem." Er erklärte ihr dann, wie Hermine ihm gefolgt war und von ihrer Entdeckung der Schutzzauber, die er auf die Tür gelegt hatte.
„Ich kann nicht sagen, dass ich überrascht bin", erwiderte Ginny. „Tatsächlich dachte ich, dass sie uns schon vor langer Zeit verfolgt hätte."
„Ich auch", stimmte Harry zu. „Aber nun, da es soweit ist, musst du von nun an besonders vorsichtig sein, insbesondere wenn du die Abfolge an die Tür klopfst, um in den Raum gelassen zu werden."
Sie verdrehte die Augen. „Ich bin nicht blöd, Harry. Natürlich werde ich vorsichtig sein. Ich bin immer vorsichtig."
„Ich weiß", gab Harry zu. „Ich kann es mir einfach nicht erlauben, dass sie es herausfindet. Wir müssen es nur bis zum Sommer aushalten und dann wird das Geheimnis eh herauskommen. Aber ich kann es nicht riskieren, dass Dumbledore davor etwas mitbekommt."
„Ich weiß, Harry", sagte Ginny sanft und legte ihre Hand an seine Wange. „Du hast es so weit gebracht. Ich werde es nicht für dich ruinieren und du wirst das auch nicht. Alles, was Hermine weiß, ist, dass du diesen Raum benutzt und nicht gestört werden möchtest. Soweit sie weiß könnte der Raum die Schutzzauber errichtet haben, basierend darauf, was du wolltest."
Harry legte seinen Kopf zur Seite, als er über ihre Worte nachdachte. „Weißt du, daran hatte ich nicht gedacht. Aber mit allem anderen, was der Raum kann, wäre ich nicht überrascht, wenn er das auch könnte."
„Und wenn sogar Dumbledore keinen Zauber zu dir zuordnen konnte, wenn du zauberstablos zauberst, dann wird Hermine dies wohl auch nicht können", fügte Ginny hinzu.
Harry lächelte und lehnte sich zu ihr hinunter, um sie zu küssen. „Du hast Recht. Weißt du, ich glaube, ich habe dich gerne um mich herum", neckte Harry. „Ich werde dich wohl behalten."
Sie schlug ihm leicht auf den Arm. „Jemand muss dich im Zaum halten. Du kannst nicht alles tun, weißt du?"
„Aber fast," erwiderte Harry. „Aber du bist nicht hier, um zu sehen, was ich kann. Also lass sehen, was du kannst."
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Hermine verpasste an dem Tag das Mittagessen. Harry wusste nicht, ob er sich über ihre Abwesenheit freuen sollte oder nicht. Auf der einen Seite bewahrte ihn dies vor weiteren Ausfragereien. Auf der anderen Seite bedeutete es, dass Hermine zweifellos pausenlos in der Bücherei recherchierte, was für ihn nichts Gutes Bedeuten konnte. Er hatte keine Schutzzauber verwendet, die so fortgeschritten waren, dass sie sie nicht in der Hogwartsbibliothek finden würde. Sie wären nicht einfach zu finden, aber es war nur eine Frage der Zeit, bis sie alle Puzzleteile zusammengefügt hatte. Selbst nachdem sie es getan hatte, würde sie einen Weg an den Schutzzaubern vorbeifinden müssen, was nicht einfach sein würde.
Ron schien verwirrt und ein wenig von dem Fernbleiben seiner Freundin verstimm zu sein, aber er tat sein Bestes, um es zu verstecken, indem er genug Essen in sich hineinstopfte, um einen voll ausgewachsenen Drachen satt zu machen. Die wahre Überraschung für Ron und Harry kam, als sie im Verteidigungsunterricht saßen und die Sekunden bis zum Beginn der Stunde vergingen. Gerade als Professor Caldwell aufstand, sprang die Tür auf und eine gehetzte Hermine eilte herein und murmelte eine Entschuldigung, als sie zu ihrem Platz ging und dabei einen Seitenblick in Harrys Richtung warf.
„Ich frage mich, was in sie gefahren ist", flüsterte Neville neben ihm.
Harry drehte leicht seinen Kopf, um Neville anzuschauen und sah, wie der Junge ihn statt Hermine anschaute. Sein Gesichtsausdruck war beinahe unleserlich, als Harry erwiderte: „Keine Ahnung."
Jegliche weitere Unterhaltung wurde unmöglich, als Professor Caldwell die Klasse um Aufmerksamkeit bat, aber Harry war mit den Gedanken woanders. Etwas in dem Blick, den Neville ihm zugeworfen hatte, sagte ihm, dass dieser mehr wusste als er sagte, aber wie viel mehr? Er würde Neville als niemanden ansehen, der ihn so wie Hermine ausspionieren würde, aber Harry vermutete, dass Neville mehr bemerkte, als er sich anmerken ließ.
Als er am Ende des Unterrichtes zusammenpackte, war Harry überrascht, als Neville sich zu ihm hinüberlehnte und flüsterte: „Ich habe mich gefragt, ob ich mit dir reden könnte - allein."
Harry richtete sich auf und schaute zu Neville, der ein wenig nervös zu sein schien. Es war eine Emotion, die immer weniger in ihm auftauchte, als Neville immer mehr Selbstvertrauen in sich und seine Fähigkeiten fand, und Harry fragte sich, was es war, das dieses Gefühl in ihm wachrief.
Harrys Gedanken stellte sofort die Verbindung mit dem Beginn des Unterrichtes und dem Blick, den Neville ihm zugeworfen hatte, her. Harry hoffte ehrlich, dass er nicht noch einen weiteren Freund haben würde, der seine Geheimnisse in Erfahrung bringen wollte.
„Sicher, Neville", erwiderte er. „Wir können in meinem Büro reden."
Neville nickte zustimmend und nahm seine Tasche. Harry warf sich seine eigene Tasche über die Schulter und führte Neville aus dem Klassenzimmer. Als sie durch die Korridore liefen, waren sie beide schweigsam. Es war nicht unbedingt eine angenehme Stille und Harrys Neugier wuchs mit jedem Schritt. Als sie schließlich sein Büro betraten, war er begierig zu erfahren, was Neville wollte. Leider sah Neville nicht aus, als fühlte er sich bereit und schien keine Eile zu haben, zu reden, trotz der Tatsache, dass er es gewesen war, der dieses Treffen initiiert hatte.
Harry schlug vor, sich zu setzen, aber Neville winkte das Angebot ab. Harry lehnte sich gegen seinen Schreibtisch, wobei er halb auf der Tischplatte saß und musterte seinen Freund. Nachdem er Neville einen Moment Zeit gelassen hatte, um zu beginnen, fragte Harry nach: „Was ist es, worüber du mit mir reden wolltest?"
Neville schien seinen Mut zusammenzusammeln, als er begann: „Nun, morgen in einer Woche ist ein Hogsmeade-Wochenende und Hannahs Geburtstag nähert sich. Ich hatte nicht wirklich geplant, eine Freundin zu haben und, nun, Oma war immer ein wenig merkwürdig, wenn es darum ging, mir Geld zu schicken. Außerdem habe ich ihr noch nicht von Hannah erzählt. Nun, ich habe ihr gesagt, dass wir gemeinsam auf den Weihnachtsball gingen, aber noch nicht, dass wir miteinander gehen."
„Neville", unterbrach Harry leise lachend. „Du schwafelst."
„Ja, ich schätze, das tue ich", stimmte er mit einem Seufzen zu. Nach einem Moment streckte er sich und schien sich innerlich zu wappnen für was auch immer ihn antrieb. „Was ich versuche, zu fragen, ist, ob du ein wenig Geld übrig hast, das du mir borgen würdest, um Hannahs Geschenk zu kaufen."
Harry brauchte einen Moment, um sich von seiner Überraschung über diese Bitte zu erholen, aber als er antwortete, war er nur glücklich, dass diese Unterhaltung absolut nichts damit zu tun hatte, warum Hermine ihm nachschnüffelte. „Sicher, das ist kein Problem."
„Ich verspreche dir, dass ich es dir zurückzahlen werde", sagte Neville schnell. „Ich weiß nur noch nicht, wann ich die Chance dazu bekommen werde."
„Es ist okay, Neville", versicherte Harry ihm. „Das macht mir keine Sorgen. Wie viel brauchst du?"
„Ich weiß nicht", erwiderte er. „Ich weiß noch nicht, was ich ihr holen soll. Ich wollte mal in ein paar Läden gehen und schauen, was ich finden könnte." Er hielt einen Moment inne, bevor er fragte: „Wieviel glaubst du, sollte ich für ein Geburtstagsgeschenk ausgeben?"
Harry schüttelte den Kopf: „Ich habe keine Ahnung, Kumpel. Ich bin so unerfahren wie du es bist. Ginnys Geburtstag ist erst im August."
„Aber hast du ihr nicht Smaragd gekauft?", fragte Neville.
„Ja, das stimmt", meinte Harry. „Aber wir sind zu der Zeit nicht miteinander gegangen. Das war also etwas anderes."
Neville schnaubte belustigt. „Sie liebt die Katze."
Harry zuckte mit den Schultern. Da er nicht wusste, wie er antworten sollte, wechselte er das Thema zurück zum Ursprünglichen: „Also, was denkst du dann?"
„Ich möchte dich nicht Knutlos zurücklassen", begann Neville.
Harry schüttelte den Kopf, als er einwarf: „Das stellt kein Problem dar."
„Nun, ich habe noch immer ein wenig Geld übrig. Wenn ich mir vielleicht fünf Galleonen leihen könnte, sollte das genug sein", meinte Neville.
„Das ist okay", stimmte Harry zu. Sein Geldbeutel war in seinem Koffer und er dachte kurz darüber nach, ihn einfach herauszuholen und die Münzen sofort an Ort und Stelle herauszunehmen, aber entschied sich dagegen. Es war egal, ob er der Überzeugung war, dass er Neville vertrauen konnte; es war einfacher, so viel wie möglich für sich zu behalten. „Ich habe kein Geld dabei, ich muss es dir also später geben. Erinnere mich einfach daran, falls ich es vergessen sollte."
„Ja, hört sich gut an", sagte Neville. „Und danke, Harry."
„Jederzeit, Neville", war Harrys Antwort.
Lächelnd streckte Neville sich einen Moment lang und sagte dann: „Ich schätze, ich verschwinde dann mal. Ich bin mir sicher, dass du eine Menge zu tun hast."
Irgendetwas in der Art, wie er das sagte, ließ Harry innehalten. „Wieso sagst du das?", fragte Harry neugierig.
Neville zuckte mit den Schultern. „In letzter Zeit bist du immer beschäftigt." Damit schritt er zur Tür und rief über die Schulter: „Bis später, Harry."
„Bis später, Neville", erwiderte Harry, bevor die Tür hinter seinem Freund zufiel. Einen Moment lang stand Harry nur da und schüttelte den Kopf. Hermine mochte ihn als ein Rätsel ansehen, aber gerade hatte Harry Schwierigkeiten, Neville zu verstehen. Er war sich beinahe sicher, dass Neville etwas wusste, aber abgesehen von dem gelegentlichen wissenden Blick erkannte er niemals an, dass etwas merkwürdiges vonstatten ging. Neville hatte oft eingegriffen, wann immer Hermine im vergangenen Jahr bei ihren Fragen zu nachdrücklich wurde. Zuerst hatte Harry es einfach akzeptiert, aber nun begann er, zu vermuten, dass Neville wusste, dass mehr los war.
Vielleicht interpretierte Harry zu viel hinein oder vielleicht wollte Neville nur nicht zu neugierig sein. Egal was es war: Harry wusste, dass er wie gewohnt weitermachen musste. Wenn Neville plante, etwas mit dem Wissen, das er möglicherweise hatte, anzustellen, gab es wenig, was er deswegen unternehmen konnte außer alles zu tun, damit er nicht noch mehr erfuhr. Wenn Neville jemals entschied, ihn zu konfrontieren, würde Harry sich zu diesem Zeitpunkt darum kümmern. Schließlich musste er nur bis zum Schuljahresende durchhalten, dann würde eh alles offengelegt werden und Neville schien keine Bedrohung für dieses Ziel zu sein. Er war immer jemand gewesen, der die Privatsphäre einer Person respektierte.
Solange er Zeit für sich in seinem Büro hatte, beschloss Harry, sich wieder seinem Studium von Schutzzaubern zu widmen. Das war ein Thema, von dem er nicht genug kriegen konnte. Es schien so viele Feinheiten beim Errichten von Schutzzaubern zu geben. Er hatte sich bisher nur oberflächlich mit den einfacheren Schutzzaubern beschäftigt, aber die, die er um sein neues Heim legen wollte, insbesondere wenn sie miteinander kombiniert werden, würden seine Fähigkeiten an ihre Grenzen bringen, und er hatte vor, für diese Herausforderung vorbereitet zu sein.
Es war noch immer eine Woche bis zum nächsten Vollmond, aber Harry freute sich bereits darauf, Remus wiederzusehen. Er war gespannt, ob Remus schon Fortschritte gemacht hatte, was sein neues Heim anging. Umso früher sie beginnen konnten, umso besser. Harry wusste nicht viel über die Vorgehensweise, aber er nahm an, dass es einige Zeit in Anspruch nehmen würde, zu verhandeln und den Kauf abzuschließen. Erst nachdem sie all das erledigt hatten, konnten sie damit beginnen, die Schutzzauber über das Anwesen zu legen und er wollte ausreichend Zeit dazu haben, sich auf die Schutzzauber zu konzentrieren, für den Fall, dass Probleme auftauchen sollten.
OoOoOoOoOoOoOoO
In dieser Nacht begann Harrys Schlaf friedvoll, aber als die Stunden vergingen, wurde er immer unruhiger. Als der Morgen nahte, wurde er über die Verbindung, die er mit Voldemort teilte, gezogen. Um sich auf die kommenden Unannehmlichkeiten vorzubereiten, verwendete Harry seine Okklumentikfähigkeiten, um seine ganzen Gefühle und Emotionen auszublenden, als er das Dämmerlicht von Voldemorts Schlupfwinkel sah. Vor ihm knieten bereits fünf Todesser.
„Ich habe heute einen besonderen Auftrag für euch", zischte Voldemort an die verhüllten Gestalten gerichtet. „Während die anderen offen angreifen und alles, was in ihrem Weg steht, töten oder zerstören werden, werdet ihr fünf sie als Ablenkung benutzen, um mein wahres Ziel zu erreichen. Es ist kein Zufall, dass Harry Potter einen Zauberstab besitzt, der der Bruder zu dem meinen ist. Eure Inkompetenz hat mich den Inhalt der Prophezeiung gekostet. Nun gebe ich euch die Chance, eure Schuld einzulösen.
Bringt mir den Zauberstabmacher", fuhr er fort. Harry musste seine Überraschung unterdrücken, als er Voldemorts Ziel erfuhr: Ollivander, der unheimliche alte Zauberstabmacher. „Ich möchte Antworten, und wer könnte besser dafür geeignet sein als derjenige, der beide Zauberstäbe herstellte." Er konnte fühlen, dass noch mehr dahintersteckte als Voldemort sagte, und er fragte sich, ob der Dunkle Lord wirklich glaubte, dass Ollivander ihm Antworten geben konnte. Vielleicht war das nur ein weiterer seiner Versuche, einen möglichen Spion herauszufinden. Unglücklicherweise beschützte Voldemort seine Gedanken, so dass Harry nicht mehr als unklare Gefühle fühlen konnte.
„Ja, mein Lord", erwiderte die Gruppe im Chor. Als sie dies taten, konnte Harry das erste Mal einige ihrer Gesichter sehen. Er würde die Gesichter von Lucius Malfoy und Bellatrix Lestrange überall wiedererkennen.
„Enttäuscht mich nicht", zischte Voldemort und sein Blick blieb auf Lucius Gesicht haften. Er war erfreut, Angst in den Augen des Mannes zu sehen, bevor Lucius wieder auf den Boden schaute. Harry war sich nicht sicher, ob er die Angst des Mannes willkommen heißen sollte oder von den Emotionen, die Voldemort fühlte, abgestoßen zu sein. Zwischen dem älteren Malfoy und Harry war sicherlich keinerlei Sympathie verloren gegangen, aber er war sich nicht sicher, ob er Voldemorts besondere Art der Bestrafung auch nur irgendjemanden wünschen wollte. Aber wenn es jemand verdiente, dann war Malfoy fast erster auf der Liste.
Als die Vision verblasste und Harry fühlte, wie er in seinen eigenen Körper zurückkehrte, überlegte er, was zu tun war. Er stieg aus dem Bett und zog sich an. Natürlich würde seine erste Tat sein, Dumbledore zu informieren, so dass der Orden in Alarmbereitschaft versetzt werden konnte. Aber was würde er dann mit der Situation machen? Er wusste, dass der Angriff irgendwann an diesem Morgen stattfinden würde, aber es wäre zu riskant, den ganzen Morgen außerhalb des Schlosses zu verbringen. Glücklicherweise war Samstag, so musste er sich keine Gedanken darüber machen, Unterricht zu versäumen. Unglücklicherweise würde wahrscheinlich jemand - höchstwahrscheinlich Hermine - seine Abwesenheit bemerken, wenn er zu lange verschwand. Wenn die Neuigkeiten über den Angriff kommen würden, war die Chance nicht schlecht, dass sie die Verbindung ziehen würde. Es war ein Risiko, das er nicht eingehen konnte.
Er war jedoch nicht gewillt, sich einfach nach hinten zu lehnen und die Dinge dem Orden zu überlassen. Solange er gesund war und kämpfen konnte, wollte er seinen Teil beitragen. Er erreichte Dumbledores Büro, ohne zu einem Ergebnis zu kommen. Harry sagte das Passwort und fuhr mit der Treppe hinauf zum Büro des Schulleiters, wo er laut anklopfte.
„Herein", war Dumbledores Stimme grüßend zu hören.
Harry öffnete die Tür und war angesichts der frühen Stunde überrascht, zu sehen, dass der Schulleiter nicht alleine war. Vor seinem Schreibtisch saßen die Professoren McGonagall und Snape.
„Guten Morgen, Harry", grüßte Dumbledore. „Was gibt uns die Ehre dieses Besuchs?"
Harry sah ein Zucken in Snapes Schultern bei dem Wort "Ehre", aber er ignorierte ihn. „Guten Morgen Schulleiter und Guten Morgen Professoren", grüßte Harry kurz. „Ich hatte heute Nacht eine weitere Vision."
Harry bemerkte, wie Snapes Augen sich verengten und McGonagall sich aufrechter hinsetzte - eine Leistung, die Harry für unmöglich gehalten hätte. Dumbledore nickte nur, als ob er dies erwartet hätte. Aus welchem anderen Grund sollte Harry so früh am Morgen in seinem Büro sein?
„Und was hast du gesehen?", fragte Dumbledore in einem ruhigen Tonfall nach.
„Er plant am heutigen Morgen einen Angriff auf die Winkelgasse", erwiderte Harry. „Ich bin mir über die Details des Hauptangriffs nicht sicher, aber er ist eh nur eine Ablenkung. Voldemort hat sich mit 5 Todessern getroffen - die einzigen, die ich sehen und erkennen konnte, waren Lucius Malfoy und Bellatrix Lestrange. Er hat ihnen die Aufgabe übertragen, Ollivander zu entführen, während die anderen die Aufmerksamkeit der Auroren auf sich ziehen sollen."
„Ollivander?", wiederholte Dumbledore fragend.
Harry zuckte mit den Schultern. „Er sagte, er möchte mehr über die Verbindung zwischen unseren Zauberstäben herausfinden. Er könnte glauben, dass unsere Bruderzauberstäbe irgendwie mit der Prophezeiung zusammenhängen."
„Du bist dir nicht sicher?", wollte McGonagall wissen.
„Nein", sagte Harry. „Alles, was er sagte, war, dass es kein Zufall sei, dass wir den gleichen Zauberstabkern haben."
„Verstehe", meinte Dumbledore. An Snape gewandt fragte er: „Severus, hast du etwas davon gehört?"
Snape wandte seinen Blick von Harry ab, nur um den Kopf zu schütteln. „Nein", erwiderte er. Harry anfunkelnd fuhr er fort: „Der Dunkle Lord hat nichts erwähnt."
„Ich bin der Meinung, dass mehr dahinter stecken könnte", sagte Harry unsicher. „Ich glaube, dass er immer noch versuchen könnte, einen möglichen Spion ausfindig zu machen."
„Du glaubst?", fragte Dumbledore, während Snape abschätzig schnaubte. Ein bedeutsamer Blick vom Schulleiter hielt Snape davon ab, etwas zu sagen. Der Blick des Schulleiters wanderte wieder zu Harry zurück, als er auf eine Antwort wartete.
„Nun, ich bin mir nicht sicher", war Harrys Antwort. „Er war schwer zu lesen. Ich hatte das Gefühl, dass er ihnen einiges verschwieg, aber er war nicht so angespannt oder so wie letztes Mal." Wenn möglich wurde Snapes Funkeln bei diesem Satz nur noch vernichtender.
„Nun Gut", sagte Dumbledore. „Gibt es sonst etwas, an das du dich erinnern kannst? Eine Uhrzeit? Oder irgendwelche anderen Details, die uns helfen könnten?"
„Nein." Harry schüttelte den Kopf. „Er sagte nur, dass es am Morgen geschehen würde - sonst nichts."
„Danke, Harry", erwiderte Dumbledore. „Das war sehr hilfreich."
Harry musste die aufflammende Verärgerung in sich niederkämpfen, die er bei diesem implizierten „Rauswurf" fühlte. Bedacht darauf, seine Stimme neutral zu halten, sagte er: „Gern geschehen." Damit nickte er noch einmal McGonagall zu, erwiderte kurz Fawkes Blick, bevor er sich auf der Stelle umdrehte und den Raum verließ. Er holte tief Luft und überlegte kurz, zu bleiben, um zu lauschen, aber er hatte das Gefühl, dass dies zu riskant sein würde und ging stattdessen die Treppe hinunter. Dumbledore hatte aller Wahrscheinlichkeit nach einen Weg, zu überwachen, was außerhalb seiner Tür geschah - wenn er nicht sogar einfach wie Moody direkt durch Wände sehen konnte. Harry würde es ihm zutrauen.
Das löste einen beängstigenden Gedanken in ihm aus. Was, wenn Dumbledore durch Wände sehen konnte? Wenn er jemals mehr darüber herausfinden wollte, was Harry in seinen Trainingseinheiten im Raum der Wünsche machte oder selbst in der Privatsphäre seines Büros, würde Dumbledore vielleicht nicht einmal das Zimmer betreten oder die Schutzzauber umgehen müssen. Er könnte möglicherweise einfach durch die Wände sehen. Harry war sich angesichts der Eigenschaften des Raums der Wünsche unsicher, ob dies möglich war oder nicht, aber es sollte definitiv für das Büro gelten. Er schwor sich, in Zukunft viel vorsichtiger zu sein. Die Tatsache, dass Dumbledore ihn bisher noch nicht erwischt hatte, ließ vermuten, dass dem Mann entweder diese besondere Fähigkeit fehlte oder dass er innerhalb des Schlosses Harry nicht weiter beobachtete. So oder so: Harry konnte nichts für gegeben annehmen und beschloss, dass er besser nach Wegen suchen sollte, wie er so eine Fähigkeit blockieren könnte. Er erinnerte sich vage, etwas über einen Schutzzauber gelesen zu haben, der helfen könnte, aber er müsste es noch einmal nachschlagen, um sicher zu sein.
Während Harry zum Gryffindorturm ging, richteten sich seine Gedanken wieder auf den drohenden Angriff auf die Winkelgasse. Harry seufzte, sah aber keine andere Möglichkeit. Selbst wenn er irgendwie einen Weg finden würde, unterrichtet zu werden, sobald der Angriff begann: Bis er es geschafft hätte, das Schloss zu verlassen und zu apparieren, konnte der Kampf bereits vorbei sein. Er würde einfach hoffen müssen, dass seine Abwesenheit nicht zu viel Aufmerksamkeit erregen würde. Er hatte jedoch noch immer Zeit, denn die Sonne ging gerade erst auf. Die Todesser würden erst angreifen, wenn die Winkelgasse voller Menschen war.
Er holte eines seiner Bücher über Schutzzauber und las im Gemeinschaftsraum, bis Ginny die Treppe für ihr morgendliches Workout hinunterkam. Er errichtete schnell einen Privatsphärenschutzzauber und berichtete ihr, was passierte. Nachdem er es kurz überdacht hatte, entschied er, dass er Zeit für ihren üblichen morgendlichen Lauf hatte, bevor er zur Winkelgasse ging - er wollte nicht, dass jemand eine Änderung in seiner normalen morgendlichen Routine bemerkte. Da er sich vor dem Kampf nicht ermüden wollte, lief er neben Ginny her. Sie hatte sich - seit sie vor ein paar Monaten begonnen hatte - merklich verbessert, aber jeden Schritt, den sie machte, machte Harry auch - und seine Schrittlänge war ein wenig größer als ihrer. Der Lauf war für Harry eher erfrischend als ermüdend.
Nachdem er sich gedehnt hatte, begleitete er Ginny zum Raum der Wünsche. Statt ihr Gesellschaft zu leisten, beschloss er, zur Winkelgasse zu gehen. Nach einer kurzen, aber intensiven Verabschiedung, vollzog Harry seine Verwandlung in Jim, warf sich den Tarnumhang über die Schultern und machte sich auf den Weg zur Eulerei. Nachdem er sich in seine Eulengestalt verwandelt hatte, grüßte er Hedwig, aber lehnte ihr Angebot, mit ihm zu fliegen, ab. Er plante, zu apparieren, sobald er das Schulgelände verlassen hatte.
Sobald Harry sich außerhalb des Schlossgeländes wieder in seine menschliche Gestalt zurückverwandelt hatte, apparierte er zur Winkelgasse, natürlich noch immer unter seinem Tarnumhang. Er verschwand schnell in einer Nebengasse und verwandelte sich wieder in seine Eulengestalt. Er hoffte, dass jemand vom Orden bemerken würde, wie er vor dem Kampf herumflog, um ihren Glauben zu bestärken, dass er tatsächlich zwei Personen war. Während er hoffte, dass sie ihn entdeckten, suchte Harry die Umgebung nach Ordensmitgliedern ab, die er als Jim kennengelernt hatte. Er hatte seine Lektion in St. Mungos gelernt und wusste, dass es besser war, mit dem Orden zusammenzuarbeiten als allein vorzugehen. Es gab zu viele Risiken, dass etwas schief gehen könnte.
Er sah Kingsley zuerst, entschied sich aber dagegen, zu dem Auroren zu gehen. Er kannte Kingsley nicht gut und er wusste nicht, wie er reagieren würde, wenn Jim versuchen würde, mit ihm zusammenzuarbeiten. Nachdem er über die ganze Winkelgasse geflogen war, konnte Harry kein anderes Ordensmitglied entdecken und so beschloss er, näher am Boden zu fliegen, um einen besseren Blick erhaschen zu können.
Harry flog von Dach zu Dach und blieb nie mehr als eine Minute an einem Ort, während er die Umgebung auskundschaftete. Er war der Meinung, dass er Tonks in der Nähe von Gringotts entdeckt hatte, aber er war sich nicht sicher. Angesichts ihrer Fähigkeiten war sie schwer zu finden - außer wenn sie ihr Haar pink, lila, blau oder irgendeine andere exotische Farbe färbte. Als er versuchte, zu entscheiden, ob sie es war oder nicht, realisierte er, dass Jim nichts über ihre Metamorphmagifähigkeiten wissen würde, und daher gab es keine Möglichkeit, sich Tonks als Jim zu nähern, außer sie würde genauso aussehen wie in St. Mungos oder bei Madame Bones'Haus, was sie nicht tat.
Dennoch: Wenn es Tonks war, dann standen die Chancen gut, dass Remus in der Nähe sein würde. Beide Male, als er sie zuvor getroffen hatte, waren sie nie weit voneinander entfernt gewesen. Und tatsächlich: Er brauchte nur eine weitere Minute, bis er Remus aus einem Fenster in einem Laden in der Nähe herausschauen sah.
Harry flog von seinem derzeitigen Landeplatz weg und in eine verlassene Gasse, bevor er sich in seine Menschengestalt zurückverwandelte. Er trug noch immer seinen Tarnumhang und er zog diesen daher aus und verstaute ihn schnell in seinem Koffer. Nachdem er überprüft hatte, dass er ordentlich maskiert war, trat er in die Winkelgasse hinaus und ging zu dem Geschäft hinüber, in dem er Remus gesehen hatte. Als er sah, wie eine Frau vorbeilief, von der er dachte, dass sie Tonks sein könnte, bemerkte er, wie ihr Blick auf ihm haften blieb. Er konzentrierte sich darauf, zu versuchen, ihre Magie zu fühlen, aber wurde von der Vielzahl an Zauberern und Hexen um ihn herum bombardiert. Er konnte sich nicht auf Tonks allein fokussieren und der Versuch, genau dies zu tun, ließ ihn beinahe über seine eigenen Füße stolpern. Er gab auf und fuhr auf seinem Weg zu Remus fort.
Als er den Laden erreichte, schaute er Remus einen Sekundenbruchteil lang in die Augen, bevor er weiter zur Türe ging. Als er sie öffnete, schaute er zurück und bemerkte, dass Tonks ihm in kurzem Abstand folgte. Er betrat das Geschäft und ging zu Remus hinüber. „Was für ein Zufall, dich hier zu treffen", grüßte Harry und grinste, als Remus die Augen verdrehte. „Witzig. Man könnte meinen, dass du uns folgst."
„Eher nicht", erwiderte Harry. „Wenn du dich daran erinnern möchtest: Ich war vor euch im St. Mungos."
„Und wenn du dich daran erinnern möchtest," meldete Tonks sich hinter ihm brüsk zu Wort, „hättest du dich umgebracht, wenn wir dir nicht zur Hilfe gekommen wären."
Harry drehte sich langsam um, um die Hexe anzuschauen: „Ich schätze, wir sind dann quitt."
„Ruhig, Tonks", beruhigte Remus. „Wir sind alle auf der selben Seite."
„Ich weiß, auf welcher Seite wir sind.", meinte Tonks. „Seine Seite muss erst noch festgestellt werden."
Harry grinste, als er erkannte, dass Remus ihm gerade die perfekte Gelegenheit gegeben hatte. „Tonks? Du siehst überhaupt nicht aus ..." er hielt inne und ein Ausdruck der plötzlichen Erkenntnis legte sich auf sein Gesicht. „Metamorphmagi?", fragte er Tonks.
Sie verzog ihr Gesicht und schaute zu Remus: „Gut gemacht, Wolfie."
„Wolfie?", wiederholte Harry. Dann leuchteten seine Augen auf.
„Tonks!", rief Remus aus.
Sie schien ihren Fehler zu erkennen, denn sie schaute sofort zerknirscht aus und flüsterte: „Sorry."
Harry drehte sich zu Remus und fragte leise: „Werwolf?"
Remus nickte nur, sein Blick auf den Boden gerichtet. Er spielte seinen Part großartig. Harry nickte kurz. „Ich kannte einen Werwolf, als ich jünger war. Er war ein guter Kerl."
„Nun, wie auch immer", meinte Remus und wechselte demonstrativ das Thema. „Was bringt dich hierher?"
„Nun, ich nehme an, dasselbe, was euch hierherbringt", erwiderte Harry.
„Und woher weißt du, warum wir hier sind?", fragte Tonks argwöhnisch nach.
„Warum sonst solltet ihr hier sein?", war Harrys Antwort. „Ihr könntet eure Anwesenheit in der Winkelgasse vielleicht erklären, wenn ihr - genauso wie der Rest eures Teams - nicht alle nur herumstehen [würdet] und die Menge beobachten würdet." Er schüttelte den Kopf. „Ihr seid nicht gerade unauffällig."
„Ja, nun, nicht jeder von uns ist so gut, sein wahres Ich zu verstecken", erwiderte Tonks und schaute ihn streng an. Von der Metamorphmagus kommend hörte sich das lustig an, aber Harry war sich nun relativ sicher, dass wenigstens ein Ordensmitglied ihn herumfliegen hatte sehen.
Als Antwort zog er nur eine Augenbraue hoch. „Hat eure Informationsquelle euch irgendwelche Details gegeben, was passieren wird?", fragte Harry in dem Versuch, das Thema zu wechseln und einen Weg zu finden, seine Tarnung zu verbessern.
„Unsere Informationsquelle?", fragte Remus.
„Nun, außer ihr ratet willkürlich, wo der nächste Todesserangriff stattfinden wird, nehme ich an, dass ihr irgendeine Art Informant in Voldemorts Zirkel habt", meinte Harry.
Tonks schaute bei der Erwähnung von Voldemorts Name abrupt hoch. Ihr Blick war kalkulierend, als sie ihn genau musterte. „Wir wissen nicht viel", erwiderte sie ruhig.
„Aber wir wissen ein wenig", meldete sich Remus zu Wort. „Wir erwarten einen großen Angriff auf die Winkelgasse, aber das ist nur ein Ablenkungsmanöver."
„Ein Ablenkungsmanöver?", fragte Harry und tat überrascht.
Tonks räusperte sich demonstrativ und Remus schaute ihr in die Augen, als er sagte: „Wenn wir zusammenarbeiten, dann wäre es vielleicht das Beste, unsere Informationen einander mitzuteilen."
Tonks Blick sagte deutlich, was sie dachte: Ich vertraue ihm nicht.
„Was ist also das wahre Ziel?", fragte Harry an Remus gewandt.
„Ollivander."
„Der Zauberstabmacher?", fragte Harry. „Was will Voldemort von ihm?"
„Wir wissen es nicht", sagte Tonks schnell, als sei sie besorgt, dass Remus ihm alles erzählen würde, wenn er auch nur den Hauch einer Chance hätte.
Harry schaute Tonks einen Moment lang an, bevor er die offensichtliche Frage stellte. „Wenn Ollivander das Ziel ist, warum beschützt ihr dann nicht sein Geschäft?"
„Wir haben andere, die ihn beschützen", meinte Remus. „Aber wir brauchen auch Leute, die helfen, den Rest der Todesser unter Kontrolle zu bringen."
Harry nickte: „Macht Sinn."
„Was ist mit dir?", fragte Tonks. „Hat deine Informationsquelle dir noch etwas gesagt?"
Harry schüttelte den Kopf. „Alles, was ich weiß, ist, dass hier irgendwann am Morgen ein Angriff stattfinden soll. Ich wusste nicht, dass es ein anderes Ziel gibt, bis du dies gesagt hast." Harry legte seinen Kopf leicht zur Seite, als er eine Idee hatte. Er dachte einen Moment darüber nach, bevor er sich entschloss, sie umzusetzen: „Kann ich dich etwas fragen?", meinte Harry an Tonks gerichtet. Er zögerte einen Moment, bevor er fortfuhr: „Warum vertraust du mir nicht?"
„Du hast uns nicht viele Gründe gegeben, dir zu vertrauen", erwiderte Tonks kurzangebunden.
„Dir zu helfen - vielleicht sogar dein Leben gerettet zu haben - und mehrmals an deiner Seite Todesser bekämpft zu haben reicht nicht, um dein Vertrauen zu gewinnen?", fragte er. Er war wirklich neugierig. Er wollte wissen, was es war, dass Tonks ihm misstrauen ließ.
„Wieso bleibst du nie nach einem Kampf?", war Tonks Antwort. „Wir wissen nichts über dich. Wir wissen nicht, was deine Ziele sind. Sicher, du kämpfst im Moment auf unserer Seite, aber wir wissen nicht, warum du kämpfst. Kämpfst du gegen Todesser im Allgemeinen oder suchst du nach einem bestimmten? Und was passiert, wenn es keine Todesser mehr gibt? Wirst du dann noch immer unser Verbündeter sein?"
Harry nickte leicht. „Das sind interessante Fragen. Ich kann dir nicht alle Antworten geben, die du möchtest, aber ich denke, da wir so oft miteinander arbeiten, ist ein wenig Vertrauen angebracht. Ich bin der Sache verschrieben und habe nicht vor, aufzuhören, bis die Arbeit getan ist. Das bedeutet keine Todesser und kein Voldemort mehr. Ich habe mir noch keine großen Gedanken darüber gemacht, was ich danach machen werde, aber ich glaube nicht, dass du dir Sorgen machen musst. Alles, was ich möchte, ist, diesen Krieg zu beenden."
„Und wie wissen wir, dass du uns die Wahrheit sagst?", fragte Tonks.
Harry zuckte mit den Schultern. „Ich habe keinen Grund zu lügen. Schau, nach dem was im Krankenhaus geschehen ist, habe ich einige Dinge realisiert. Wenn ihr beide und euer Partner nicht gewesen wärt, wäre ich in dieser Nacht gestorben. Wenn ich diese Dinge bis zum Ende durchziehen möchte, werde ich ein wenig Hilfe brauchen. Also, solange wir dasselbe Ziel haben, hatte ich gehofft, dass ihr gewillt seid, zusammenzuarbeiten."
„Ich denke, das ist eine gute Idee", meinte Remus. „Vielleicht kannst du darüber nachdenken, ob du in Zukunft nicht ein wenig enger mit uns zusammenarbeiten möchtest."
Harry runzelte die Stirn und fragte sich, was Remus beabsichtigte. „Wieso verschieben wir diese Unterredung nicht auf einen späteren Zeitpunkt? Wir sollten die Augen für Todesser aufhalten, oder nicht?"
Tonks grummelte ein wenig und murmelte etwas, dass sich wie eine Verabschiedung anhörte, als sie den Laden verließ. Sobald die Tür zufiel, drehte Harry sich zu Remus um und zwinkerte ihm zu. Sein Lächeln verschwand jedoch von seinen Lippen, als er fühlte, wie eine Kälte sich in seinem Oberkörper ausbreitete.
Remus musste die Veränderung bemerkt haben, denn er fragte: „Was ist los?"
Als das Gefühl sich verstärkte und die Kälte sich in seinem Körper ausbreitete, konnte Harry Schreie aus der Ferne hören. Auch wenn er nicht sagen konnte, ob sie echt waren oder nur in seinem Kopf, wusste er, was es verursachte. Nur eines konnte dieses Gefühl hervorrufen. Er drehte sich zu Remus, der ihn noch immer besorgt anschaute. Wie konnte dieser dies nicht fühlen?
„Dementoren", flüsterte Harry. Als Remus Augen größer wurden, kam Harry etwas in den Sinn: „Remus, ich kann nicht ..." Er senkte seine Stimme, bis er nur noch flüsterte: „Jeder kennt meinen Hirschpatronus. Wenn jemand ihn sieht, ist meine Tarnung dahin."
Remus musterte ihn einen Moment lang, bevor er antwortete: „Bleib in meiner Nähe. Mein Patronus war nie sehr stark, aber es sollte genug für uns beide sein."
Harry nickte, aber das Gefühl wurde nur noch stärker, umso mehr Sekunden vergingen.
„Ich kann es auch fühlen", sagte Remus. „Komm, hier im Laden sind wir zu nichts nutze."
Harry folgte Remus hinaus in die Winkelgasse und begann sofort die Umgebung links und rechts von ihm abzusuchen. Er konnte die dunklen Gestalten nicht sehen, aber es war klar, dass sie sich näherten. Er sah Tonks nur einen Laden weiter rechts auf der anderen Straßenseite. Er war überrascht zu sehen, dass Remus in die andere Richtung schaute, aber realisierte dann, dass der Mann ihr vertraute, auf sich selber aufzupassen. Er fragte sich, ob er dasselbe tun könnte, wenn Ginny hier wäre.
Sein Gedankengang wurde unterbrochen, als er den ersten Schrei hörte - den ersten realen Schrei. Herumwirbelnd sah er die dunkel verhüllten Gestalten von den Dächern hinunterschweben. Als er hochsah, sah er, wie einige in der Nähe hinunterkamen. „Remus", warnte er. „Bist du bereit für deinen Patronus?"
Statt einer Antwort hörte er die Zauberformel: „Expecto Patronum."
Harry schaute kurz hinüber und sah, wie eine silberne Gestalt sich formte. Sie war nahe am Boden und ziemlich klein, aber Harry konnte nicht schnell genug erkennen, um was für ein Tier es sich handelte, noch glaubte er, dass nun die beste Zeit dafür war, um zu fragen. Hexen und Zauberer rannten ziellos die Straßen entlang. Jeder rannte von einer einzelnen Bedrohung weg, nicht wissend, dass die Bedrohung von allen Seiten kam. Er konnte die verteilten Ordensmitglieder bemerkenswert schnell entdecken, da sie die einzigen waren, die in diesem Chaos ein Mindestmaß an Fassung zeigten. Sie hielten dem Ansturm stand, während sie ihre Patroni losschickten, um die Bedrohung einzudämmen.
Harry seinerseits fühlte sich hilflos und nutzlos, als er nur danebenstand, den falschen Zauberstab bereithaltend, während er zusah, wie die Patronigestalten des Ordens versuchten, die Dementoren aufzuhalten. Das Gefühl verging in dem Moment, als er eine Gruppe Todesser bemerkte, die aus einer kleinen Gasse zwischen zwei Läden herauskamen. Harry verlor keine Zeit und begann Flüche auf die schwarzberobten Gestalten zu werfen.
Sie kamen in der Nähe von Tonks heraus und Harry blickte zu ihr hinüber und sah, dass sie noch immer damit beschäftigt war, ihren Patronus zu navigieren und die sich nähernden Todesser nicht bemerkt hatte. Während er einen Schutzzauber vor sie zauberte, rief Harry aus: „Tonks!"
Sie hielt mitten in ihrer Drehung inne, als sie den Lichtstrahl bemerkte, der nur wenige Zentimeter vor ihrem Gesicht zurückgeworfen wurde. Harry bahnte sich einen Weg zu ihr, während sie gegen die Todesser duellierte. Es war reines Chaos. Harry manövrierte um vereinzelte Einkaufende herum und versuchte, die Flüche von ihnen abzuwenden, während er seinen eigenen Angriff fortführte. Von dem fünf, die aus der Gasse aufgetaucht waren, waren nur noch zwei auf den Beinen, aber andere Gruppen tauchten auf der Straße auf und da die meisten der Ordensmitglieder beschäftigt waren, drängten sich die Dementoren an den verblassenden Patroni vorbei.
Harry bahnte sich weiter seinen Weg und kämpfte nun gegen eine neue Welle Todesser. Als er eine Gruppe Dementoren sah, die aus ihrer Eingrenzung ausbrachen und sich auf eine Mutter und ihre zwei Kinder stürzten, zögerte Harry keine Sekunde. Egal was die Konsequenzen sein würden .Er würde nicht untätig danebenstehen, während andere in Gefahr waren. Während er in der Vergangenheit Schwierigkeiten gehabt hatte, eine Erinnerung zu finden, die stark genug war, um einen gestaltlichen Patronus heraufzubeschwören, hatte er nun keine Probleme. Mit einem Bild von Ginny in seinen Gedanken rief er: „Expecto Patronum!"
Keine Sekunde verlierend begann er sofort wieder, Zauber auf die Todesser zu werfen. Aus dem Augenwinkel konnte er sehen, wie der glänzende silberne Nebel Gestalt annahm.
Er hielt geschockt inne, denn die Gestalt, die die Gasse hinunterrannte, war nicht die, die er erwartet hatte. Der königliche Hirsch, der ihn jahrelang vor Dementoren beschützt hatte, war verschwunden. Als das Tier die widerlichen Kreaturen angriff - gerade noch rechtzeitig -, klappte Harrys Mund erstaunt auf, als er erkannte, welche Gestalt sein Patronus angenommen hatte.
Er musste für die kurze Unaufmerksamkeit bezahlen, denn Harry fühlte, wie ihn etwas von der Seite traf. Als er zu Boden fiel, bemerkte er einen grünen Lichtstrahl, der an ihm vorüberzischte und in das Gebäude neben ihn einschlug und Steinstücke überallhin verteilte. Er traf auf den Boden auf, schlitterte auf dem Straßenpflaster entlang und ein schweres Gewicht fiel auf ihn. Er machte Anstalten, das Gewicht von sich wegzudrücken, bis er bemerkte, dass das Gewicht tatsächlich Tonks war. „Was ist los? Noch nie einen Patronus heraufbeschworen?", fragte sie, als sie ihm in der Deckung eines Alkoven hochhalf.
Harry schüttelte den Kopf. Er brauchte einen Moment, bis er die Situation und Tonks Worte realisierte. „Nein", sagte er schließlich.
„Nun, du kannst ihn später bewundern", meinte sie.
„Richtig", erwiderte Harry und unterdrückte die leichte Verärgerung, die er bei ihren Worten fühlte. Immerhin hatte sie gerade sein Leben gerettet. „Danke", flüsterte er.
Sie zuckte mit den Schultern. „Konnte dich nicht gehen lassen in dem Wissen, dass ich dir noch was schulde", neckte sie. „Nun, wie wäre es, wenn wir uns wieder einmischen?"
Ohne auf seine Antwort zu warten, stürzte sie sich wieder ins Kampfgetümmel. Harry zögerte kaum, bevor er ihr folgte. Er erkannte bald, wohin sie ging, denn er entdeckte Remus, der zwei Geschäfte weiter gegen ein paar Todesser kämpfte. Harry versuchte die Körper auf dem Boden zu ignorieren, als sie sich vorarbeiteten. Manche von ihnen trugen die verräterischen Roben der Todesser, aber der Großteil trug die normalen Alltagsroben. Doch im Moment konnte er nicht darüber nachdenken.
Sie erreichten Remus schnell und begannen sofort, sich ein Gefecht mit einer weiteren Gruppe Todesser zu liefern. Sie standen hinter einer kleinen Steinmauer und Harry fand es ein wenig frustrierend, Seite an Seite mit Remus und Tonks zu arbeiten, da es seine Fähigkeit, sich viel zu bewegen, eliminierte. Er war praktisch hinter der Mauer an ihrer Seite gefangen, während sie versuchten, die kleine Gruppe Todesser vor ihnen zu besiegen.
Es war schwierig, hinter ihrer Deckung Fortschritte zu machen. Harry wurde merklich an sein Übungsduell in seiner AHA-klasse erinnert, wo er gegen seine sieben fortgeschrittenen Schüler angetreten war. Sie hatten sich auf ihre Deckung verlassen und es war ihr Niedergang gewesen. Es war zu einfach, zu erkennen, woher die Zauber kamen. Man hatte zu viel Zeit, entweder einen Schutzzauber zu errichten oder auszuweichen. Harry duckte sich hinter der Mauer, als ein grüner Fluch auf ihn zu kam. Er traf oben auf die Mauer auf und sandte Steinstücke über seine gebückte Gestalt.
Das war sinnlos. An Remus gewandt fragte er: „Hast du noch ein paar dieser magischen Granaten?"
Remus Augen weiteten sich einen Moment lang, dann nickte er und griff in seine Tasche, um zwei der besagten Gegenstände herauszuholen. Harry grinste, nahm die beiden Bälle und drückte auf die Knöpfe. Er zählte in seinem Kopf. Eins. Zwei. Er richtete sich auf und warf die beiden Kugeln, wobei er an seine beiden Kameraden gerichtet schrie: „Gebt mir Deckung!" Drei. Harry sprang über die Mauer und sprintete zu der Deckung der Todesser, wobei er zauberstablos einen Schutzzauber vor sich selbst errichtete. Vier.
Die Granaten explodierten direkt hinter der Gruppe Todesser und störte sie beim Zaubern und gaben damit Harry den Augenblick, den er brauchte. Er warf bereits einen mächtigen Sprengzauber auf die Gruppe und setzte damit zwei der sechs außer Gefecht. Harry wich auf die Seite aus, während er weiterhin Flüche auf die Todesser warf und Tonks und Remus damit die Möglichkeit gab, ihre eigenen Zauber hinzuzufügen. Innerhalb weniger Momente war die gesamte Gruppe besiegt.
Die Gefahr war jedoch noch lange nicht vorüber, denn Kämpfe wurden noch auf der ganzen Winkelgasse ausgetragen. Keine Zeit verlierend rief Harry die sechs Zauberstäbe zu sich und zerstörte sie schnell, während Remus und Tonks sich näherten. Remus hatte die Stirn leicht gerunzelt, sagte aber nichts. Zuletzt versuchte Harry, alle Portschlüssel, die die sechs am Boden liegenden Todesser am Körper trugen, zu sich zu rufen, war aber nicht überrascht, als nichts passierte.
An Remus gewandt fragte er: „Kannst du einen weiteren Antiportschlüsselschutzzauber errichten?"
„Sicher", sagte Remus zustimmend und drehte sich um, um genau dies zu tun.
Harry wandte seine Aufmerksamkeit wieder auf die ohnmächtigen in Roben gekleideten Gestalten und begann sofort damit, sie zu fesseln. Tonks folgte einen Moment später seinem Beispiel. Als Harry zum nächsten Körper ging, fühlte er Tonks Blick auf sich und drehte sich mit hochgezogener Augenbraue zu ihr.
„Wo hast du gelernt, so zu kämpfen?", fragte sie. Das offene Misstrauen und die Abneigung, welche sie ihm vor dem Kampf gezeigt hatte, war sehr zu Harrys Freude verschwunden, und er konnte die Neugier in ihren Augen sehen.
„Was meinst du?", fragte er und schaute zu Remus hinüber, der noch immer an den Schutzzaubern arbeitete. Er ging zu einem weiteren Todesser und Tonks tat dasselbe.
„Wir nehmen viele verschiedene Kampfstile im Aurorentraining durch", erwiderte Tonks. „Aber ich habe noch nie jemanden so wie dich kämpfen sehen. Ich habe mich nur gefragt, wo du es gelernt hast."
Harry zuckte mit den Schultern. „Ich habe es mir größtenteils selber beigebracht", gab er mit einem Grinsen zu. Er drehte sich von ihr weg und fesselte den letzten Todesser.
„Größtenteils?", fragte sie nach.
Bevor er über eine Antwort nachdenken konnte, unterbrach Remus sie: „Fertig."
Sie beförderten schnell die Körper - es waren etwa ein Dutzend - in den von Schutzzaubern umgebenen Bereich und sie bewegten sich weiter die Winkelgasse voran wo sie sich mit ein paar Auroren - oder vielleicht auch Ordensmitglieder; Harry war sich nicht sicher - zusammentaten. Als sie einer weiteren Gruppe Dementoren begegneten, war Harry der erste, der seinen Patronus heraufbeschwor, was ihm einen überraschten Blick von Remus einbrachte. Er tat sein bestes, den Blick zu ignorieren, während er der silbernen Löwin zusah, die die übelriechenden Kreaturen zusammentrieb. Er hatte nicht die Zeit, um seinen Blick länger auf seinen Patronus zu richten, da von einer weiteren Gruppe Todesser verschiedene Zauber in ihre Richtung geflogen kamen , die eine kleine Gasse zwischen zwei Gebäuden als Deckung benutzten.
Als Harry sich an die Gruppe anschlich, konnte er hinter sie in die Gasse sehen, wo zwei Todesser ihre Zauberstäbe auf eine junge Frau und ihr Kind gerichtet hatten. Er konnte die Schreie hören, die aus der Kehle der Frau gerissen wurden, als sie sich vor Schmerz windend auf dem Boden lag. Harry sah rot.
Er sprang aus seiner Deckung hervor und warf mehrere Explosionszauber über die Köpfe der Todesser hinweg. Die Zauber trafen auf das Gebäude und ließen Steinbrocken auf die Köpfe seiner Feinde fallen. Harry verlor keine Zeit, rannte auf sie zu und dachte kaum darüber nach, während er sie schnell mit Schockzaubern belegte. Er lief in die Gasse, [und] überraschte die Peiniger und setzte sie schnell außer Gefecht, nicht einmal bewusst wahrnehmend, mit welchen Zaubern er sie traf.
Er kniete sich hin, um ihre Opfer zu untersuchen. Die Mutter hielt ihr Kind fest in den Armen. Harry konnte nun sehen, dass es sehr jung war, vielleicht ein Jahr alt. Das Baby weinte und das Geräusch war herzzerreißend. Die Mutter lag nur auf dem Boden und hielt es an sich. „Sind Sie okay?", fragte er die Mutter und streckte seine Hand aus, berührte sie jedoch nicht, da er nicht wusste, welche Verletzungen sie haben mochte.
Sie antwortete nicht; sie schien seine Anwesenheit nicht einmal zu bemerken. Keine andere Lösung sehend packte Harry sie bei der Schulter und schüttelte sie leicht. „Können Sie mich hören?", fragte er. „Ist alles in Ordnung?"
Ihr Blick wanderte langsam zu ihm, als hätte sie Schwierigkeiten, sich auf ihn zu fokussieren. Schließlich richtete sich ihr Blick auf ihn und der Terror auf ihrem Gesicht schien zu verschwinden, als sie ihn dort sah: „M- Mein Baby", japste sie schwer atmend.
Harry musterte das Baby genauer und fragte sich, ob es vielleicht verletzt worden war, aber er konnte nichts entdecken. Er hielt eine Hand an die Wange des Kindes und strich sanft über die Haut, was es seine Augen öffnen ließ, während es weiterschrie. Anders als seine Mutter hatte es keine Schwierigkeiten, Harry mit seinem Blick zu fixieren, doch es schien Freund und Feind nicht auseinanderhalten zu können, denn seine Anwesenheit schien nicht zu helfen, um es zu beruhigen.
Er wandte sich wieder zu der Mutter und fragte: „Werdet ihr in Ordnung sein?"
Sie schien schließlich wieder zu sich zu kommen und nickte zitternd. Sie versuchte sich aufzusetzen und Harry legte umsichtig einen Arm um ihren Rücken, um ihr zu helfen. Er half ihr, sich in einer aufrechten Position an die Wand zu lehnen und die Mutter schaute ihm noch einmal in die Augen. „Danke", sagte sie. Ihr Blick blieb nur noch einen Moment länger auf ihn gerichtet, bevor sie sich wieder auf ihr Kind konzentrierte.
Harry murmelte „Gern geschehen" und stand schnell auf. Er rief die Zauberstäbe der in der Nähe befindlichen Todesser zu sich und brach sie schnell entzwei. Er musste über den Steinhaufen und die Körper am Eingang der Gasse klettern, bevor er wieder zurück auf die Straße gelangen konnte. Es schien die Bedeutung des Wortes auszureizen, aber es schien ruhiger zu werden und er bemerkte, dass die Kämpfe sich nun scheinbar auf den Abschnitt zu seiner Linken beschränkten. Er entdeckte Remus und Tonks ein paar Geschäfte weiter und rannte schnell zu ihnen, um sich ihnen wieder anzuschließen.
Als er neben Remus ankam, drehte der Mann sich zu ihm und fragte: „Geht es ihnen gut?"
Harry runzelte kurz die Stirn, bis er erkannte, dass Remus sich kurz nach ihm in der Gasse umgesehen haben musste, bevor er die Straße weitergegangen war. „Ja. Die Mutter war ein wenig mitgenommen, aber sie sollte in Ordnung sein. Ich glaube nicht, dass sie der Tochter etwas angetan haben."
Remus nickte. „Gut.", sagte er und wandte sich wieder dem Kampf zu.
Es war nur wenige Minuten später, als die Todesser schließlich zu verstehen schienen, dass ihre Anzahl sich verringerte. Das war der Zeitpunkt, als einer von ihnen vorhersehbarerweise einen Portschlüssel herausholte und sie alle verschwanden. Harry fluchte, als er realisierte, dass sie sich zwar die Zeit genommen hatten, Schutzzauber um eine kleine Gruppe Todesser zu legen, er aber vergessen hatte, dies für den Rest zu tun.
Remus wandte sich an Harry: „Nun, ich schätze, das bedeutet, dass du nun gehst."
„Schade", meinte Tonks, als sie neben Remus trat. „Ich habe gerade begonnen, deine Gesellschaft zu genießen."
Harry musste den Drang unterdrücken, seine Augen zu verdrehen. „Ebenfalls", erwiderte er. Als er seinen Blick auf seine Umgebung richtete, war Harry entsetzt, zu sehen, in welchem Ausmaß die Winkelgasse zerstört worden war. Wenn das das war, was die Todesser erreichen konnten, wenn er und der Orden auf einen Angriff vorbereitet waren, fürchtete Harry sich davor, wie es aussehen würde, wenn niemand gewusst hätte, was geschehen würde. Körper lagen überall herum und keiner der Gebäude schien unversehrt zu sein, auch wenn einige schlimmer aussahen als andere.
Ein Teil von Harry wollte dem Drang zu gehen widerstehen, wissend, dass s seine Hilfe hier noch immer gebraucht wurde, aber er wusste, dass er nicht bleiben konnte. Es war ein zu großes Risiko. Ohne den Kampf, der um sie herum tobte, würden die Ordensmitglieder zweifellos mit ihm reden wollen und er wollte ihnen keine Möglichkeit geben, etwas über ihn in Erfahrung zu bringen. Er reizte außerdem sein Glück aus, je länger er von Hogwarts fernblieb. Umso länger er wegblieb, umso wahrscheinlicher war es, dass jemand entdecken würde, dass er nicht da war. „Es tut mir leid, dass ich euch nicht bei den Aufräumarbeiten helfen kann", sagte er zu den beiden und hoffte, dass sie beide, insbesondere Tonks, seine Aufrichtigkeit in seinen Worten hören konnten.
Er schaute beiden kurz in die Augen, dann disapparierte er und tauchte an seiner üblichen Stelle im Außenbereich von Hogsmeade auf. Er ließ schnell seine Tarnung verschwinden und flog in seiner Eulengestalt zurück nach Hogwarts. Harry benutzte seinen Tarnumhang, um sich durch die Korridore zu bewegen und war besonders vorsichtig, gegen keinen der umherwandernden Schüler zu laufen oder ein Geräusch zu verursachen. Als er sein Büro schließlich erreichte, trat er ein und öffnete sofort seinen Koffer. Er duschte im Badezimmer seines Koffers und heilte schnell die kleinen Wunden und Prellungen, die er sich im Kampf zugezogen hatte. Danach zog Harry seine normalen Schulroben an und erkannte nach einem Blick auf die Uhr, dass das Mittagessen bald beginnen würde.
Ende 23.1
Danke an "Thomas" für die Review!
