AN: Noch einmal ein Viertelkapitel, aber nä. Mal gehts wieder in normaler Länger weiter! Danke an guest, thomas und curylcuryl für eure Reviews!
Kapitel 23.2.2 : Vorhergesehen und nicht vorhergesehen
Harry ging an diesem Abend noch früher als gewöhnlich zu Bett. Ginny bestand praktisch darauf, aber er widersprach ihr nicht. Er wusste, dass er die Extraportion Schlaf brauchen würde, nun, da Voldemort aktiver wurde. Daher schlief er eine Stunde mehr als sonst, bevor er in dieser Nacht von einer weiteren Vision aufgeweckt wurde. Es war nicht viel, aber er war für jede Minute ungestörten Schlafes dankbar, die er bekam.
Sein Morgen und sein Nachmittag war mit seinen zwei Doppel-HA-unterrichtsstunden gefüllt. Nach dem FHA-unterricht war er ein wenig enttäuscht. Sie duellierten sich nun seit etwa einem Monat in lebensähnlichen Situationen und bisher war kaum eine Verbesserung zu sehen. Sie kannten ihre Zauber gut genug, aber oftmals wurde aus dem Duell ein offener Kampf. Da es nur ein freundschaftliches Duell war, schien keiner seiner Selbsterhaltung große Beachtung zu schenken. Er würde deswegen etwas unternehmen müssen; er war sich nur noch nicht sicher, was.
Harry litt in dieser Nacht unter einer weiteren Vision, aber seine Unruhe am nächsten Tag überdeckte seine Müdigkeit. In dieser Nacht war Vollmond und er wollte unbedingt die Chance nutzen, mit Remus zu reden. Er wollte nicht nur erfahren, was mit Ollivander geschehen war; er wollte auch erfahren, ob Remus schon Erfolg gehabt und ein Haus gefunden hatte.
Als es Abend wurde und sie sich aus dem Schloss schlichen, konnte Harry sich kaum zurückhalten, durch den Tunnel, der zur Heulenden Hütte führte, zu rennen. Es war nur Ginnys Anwesenheit, die ihn davon abhielt, seine Schritte zu beschleunigen. Schließlich erreichten sie die Falltür und Harry kletterte schnell hindurch. Dann drehte er sich um, um Ginny hochzuhelfen. Er entdeckte sofort Remus, der bereits in einem Sessel saß. Gegenüber von ihm war ein zweisitziges Sofa und zwischen den beiden Möbelstücken ein Tisch. Auf dem Tisch lag eine Mappe.
Nach einer kurzen Begrüßung verlor Harry keine Zeit, sich neben Ginny zu setzen und die Mappe in die Hand zu nehmen. „Was ist das?", fragte er, auch wenn er schon eine gute Idee hatte.
„Nur ein paar Informationen und Bilder", erwiderte Remus mit einem kleinen Lächeln.
„Von Häusern?", fragte Harry, auch wenn er im selben Moment die Mappe öffnete und damit seine eigene Frage beantwortete.
„Ja", antwortete Remus unnötigerweise.
Harry blätterte bereits durch die Mappe und er bemerkte, wie Ginny über seine Schulter schaute. Er lehnte sich zurück und hielt die Mappe zwischen ihre Körper, um ihr einen besseren Blick zu ermöglichen.
„Ich habe die Häuser, von denen ich dachte, dass du sie am meisten mögen wirst, nach oben getan", sagte Remus nach einer Minute. „Die zwei hinten sind in London; die ersten drei sind in Vororten. Ich habe versucht, Häuser auszusuchen, bei denen Parks in der Nähe sind, da ich weiß, dass du jeden Morgen joggst. Ich dachte, das wäre vielleicht ein wenig angenehmer als durch die Straßen zu laufen."
„Danke, Remus", erwiderte Harry und schaute von der Mappe hoch. „Es bedeutet mir wirklich sehr viel, dass du das alles herausgesucht hast und dass du okay mit allem bist."
Remus zog eine Grimasse. „Nun, um ehrlich zu sein bin ich noch immer nicht ganz glücklich mit der Idee. Ich werde einer Menge Leuten Rede und Antwort stehen müssen, wenn sie erfahren, dass ich nicht nur von deinen Plänen wusste, sondern dass ich dir sogar geholfen habe. Aber ich verstehe, was deine Beweggründe sind. Und ehrlich: Jemand hätte schon vor langer Zeit eingreifen und dich von den Dursleys wegbringen sollen, egal welchen Schutz ihr Heim dir bietet."
Harry lächelte nur und widmete sich wieder der Mappe.
„Blättere noch einmal zum ersten", sagte Ginny leise.
Harry tat wie geheißen und schaute dann zu Remus hoch, während Ginny die Mappe aus seinen Händen nahm, um den Inhalt etwas genauer anzuschauen. „Ich wollte dich fragen, was mit Ollivander während des Angriffs geschehen ist? Ich bin nicht lange genug geblieben, um es herauszufinden und er war nicht in der Zeitung soweit ich das gesehen habe."
„Er ist in Sicherheit", sagte Remus. „Er wurde im Kampf verletzt und ins St. Mungo's gebracht, aber er ist bereits genesen."
„Hmmm", Harry dachte über diese Neuigkeiten nach. Nun, da er darüber nachdachte, war er überrascht, dass Voldemort ihn nicht auf diesen Misserfolg aufmerksam gemacht hatte. Normalerweise wurde Harry in eine Vision gezogen, wenn die Todesser eine Mission vermasselt hatten.
„Was denkst du gerade?", fragte Remus.
„Nun, es ist bloß ... Als ich die Vision hatte, hatte ich das Gefühl, als ob Voldemort etwas verheimlichen würde, als er den Befehl gab, Ollivander zu entführen", erklärte Harry. „Normalerweise habe ich für die Bestrafung der Todesser die besten Plätze, wenn ihnen etwas misslingt. Ich fragte mich, ob das ganze nur eine abgekartete Sache war."
„Ich schätze, es ist möglich", meinte Remus. „Du hattest seitdem keine Visionen mehr?"
Nun zog Harry eine Grimasse. „Ich hatte ein paar", gab er zu. „Aber sie hatten nichts mit der Winkelgasse zu tun." Als Remus die Stirn runzelte, fügte Harry widerwillig hinzu: „Er nimmt wieder an Angriffen teil. Es ist nicht besonders angenehm." Ginny drückte mitfühlend seine Hand.
„Das tut mir leid", sagte Remus.
Harry zuckte mit den Schultern. „Manche Dinge können nicht vermieden werden." An Ginny gewandt fragte er: „Was denkst du?"
Als sie ihn fragend anblickte, nickte er zu der Mappe in ihrer Hand. „Oh", sagte sie. „Nun, ich weiß nicht. Sie sind alle gut, aber ich glaube, ich mag das erste am meisten."
Er nahm die Mappe in die Hand und schaute noch einmal alle Optionen durch. Um die Wahrheit zu sagen, war es ihm ziemlich egal und er hatte keine wirklichen Vorlieben. Er wollte nur von den Dursleys weg und aus Dumbledores Reichweite gelangen. Und er wollte einen Platz, den er sein eigen nennen konnte - sein Heim. Er hatte sich nie Gedanken über die Details gemacht.
„Ich auch", sagte er nach ein paar Minuten. „Ich mag das erste". Er legte die Mappe wieder auf den Tisch und fragte an Remus gewandt: „Was müssen wir nun tun?"
Remus sah aus, als wollte er antworten, als sein Körper sich plötzlich anspannte: „Wir müssen später darüber reden", brachte er mühsam hervor. „Ihr verwandelt euch besser."
Sie standen beide schnell auf und verwandelten sich in Katzen. Sie rangen ein wenig miteinander, aber nachdem Harry einmal zu oft gegähnt hatte, stoppte Ginny, wandte sich zu ihm und bedeutete ihm, sich hinzulegen. Er dachte darüber nach, sie zu ignorieren, aber entschied sich dagegen. Um die Wahrheit zu sagen: Er war erschöpft und sein Schlaf würde sowieso unterbrochen werden. Ginny stand über ihm, als er sich zusammenrollte, um zu schlafen. Erst nachdem er seine Augen geschlossen hatte, fühlte er, wie sie sich neben ihm zusammenrollte und eine Pfote über seine legte. Er versuchte, seine Augen zu öffnen, um sie noch einmal anzuschauen, aber der Schlaf begann ihn bereits zu übermannen. Seine Augen öffneten sich kaum, bevor sie wieder zufielen. Das letzte, was er sah, waren Ginnys Katzenaugen, die über ihn wachten, bevor der Schlaf ihn überwältigte.
OoOoOoOoOoOoOoO
Remus lief lautlos in der Hütte auf und ab. Er hatte Schwierigkeiten, zur Ruhe zu kommen - wie immer, wenn er in seiner Werwolfgestalt war. Mit dem Wolfsbanntrank war es einfacher, da er sich seiner selbst bewusst blieb und er war dankbar, dass er den Zaubertrank an diesem Abend genommen hatte. Dennoch war immer ein Gefühl der Unruhe und Ängstlichkeit vorhanden, das ihn davon abhielt, Schlaf zu bekommen. Während Harry und Ginny schliefen hatte er nur seine Gedanken und sein Herumwandern, welches die Zeit füllte.
Er schaute aus den Augenwinkeln zu den schlafenden Katzen. Nicht zum ersten Mal fragte er sich, wie er in diese Situation geraten war. Es war merkwürdig genug, dass James, Sirius und Peter in ihrer Hogwartszeit sich die Mühe gemacht hatten, aber das Harry und Ginny nun dasselbe für ihn taten ließ sein Herz anschwellen - und gleichzeitig schmerzhaft zusammenziehen. In den letzten fünfzehn Jahren war jeder Vollmond eine monatliche Erinnerung an alles gewesen, das er je gehabt hatte und was er verloren hatte. Harry und Ginny halfen ihm mehr als er ihnen je erklären könnte, aber zur selben Zeit bestärkte ihre Präsenz das verlorene Gefühl, das er hatte, wann immer er an seine Freunde dachte. Natürlich war das Gefühl noch viel schlimmer, wenn er seine Zeit allein verbrachte.
Sich umdrehend, um das schlafende Paar anzuschauen, konnte er nicht anders als zu lächeln. Wenigstens dachte er, dass er lächelte. Es war schwer zu sagen, wie die Geste auf dem Gesicht des Werwolfs aussah. Er würde es ihnen niemals sagen - außer wenn eine Möglichkeit zur Rache sich anbieten würde -, aber sie waren süß zusammen in ihrer Animagusgestalt. So reif wie sie sich normalerweise verhielten merkte er, wie jung sie waren, wenn sie als Katzen miteinander interagierten. Sie waren spielerisch, wenn sie miteinander rangen und liebevoll, wenn sie sich zur Ruhe legten. Er fühlte sich beinahe privilegiert, dass er beobachten durfte, wie sie miteinander umgingen. Es zeigte ein gewisses Maß an Vertrauen und zeigte auch, wie wohl sie sich in seiner Anwesenheit fühlten.
Als er das Paar musterte, konnte er ein leises Knurren von einer der schlafenden Katzen hören. Zuerst achtete er nicht darauf, da er annahm, dass einer von ihnen träumte, aber als das Geräusch lauter wurde, bemerkte er, wie Harry im Schlaf zu zucken begann und sich zu bewegen. Vorsichtig und besorgt tapste er zu dem Panther. Etwas stimmte nicht, das war sicher. Er hatte Harry noch nie so gesehen. Vielleicht hatte er einen Albtraum ... oder eine Vision.
Behutsam lehnte er sich vor und stupste mit seiner Schnauze gegen Harrys Nacken. Harry zuckte im Schlaf, wachte aber nicht auf. Seine Bewegung ließ ihn gegen Ginny stoßen. Remus sah zu, wie sie ihre Augen verschlafen öffnete und ihr Mund sich in einem breiten Gähnen öffnete. Ihr Blick schaute einen Moment lang suchend umher, bevor sie zu erkennen schien, wo sie war. Sie fand seinen Blick und erwiderte ihn einen Augenblick lang, bevor Harry ein weiteres Mal knurrte und sich bewegte.
Ihr Blick wanderte zu dem Panther an ihrer Seite. Sie rieb ihr Gesicht an seinem, aber er wachte noch immer nicht auf. Von dem, was er von Harrys Visionen wusste, gab es nichts, das Harry aufwecken würde, bis es vorbei war. Daher fand er sich damit ab, zu warten. Ginny schien ähnlich zu denken. Sie leckte über Harrys Wange und ließ sich wieder vor ihm nieder. Ihr Blick wich nie von seinem Gesicht.
Als die Minuten vergingen wurde Harrys Knurren lauter und er bewegte sich mehr. Was sich wie Stunden später anfühlte, wachte Harry endlich abrupt auf und sprang auf. Ginny zögerte nicht, es ihm gleichzutun. Er schaute abrupt in Richtung der Bewegung und Remus könnte schwören, dass er jemanden "Ginny!" schreien hörte.
Remus bewegte seinen Kopf von links nach rechts, aber sie waren alleine im Zimmer. Ginny bewegte sich nach vorne, auch wenn sie auf keinster Weise ein Anzeichen gab, dass sie etwas gehört hatte. Harry blieb einfach stehen, aber als Ginny ihr Gesicht gegen seines rieb, lehnte er sich in die Berührung. Während sie Harry tröstete, dachte Remus über das Geschehene nach. Hatte er es sich vielleicht eingebildet? Er wandte seinen Blick ab, da er diesen privaten Moment zwischen den beiden nicht stören wollte. Nach einem Moment hörte er ein Seufzen, gefolgt von einem "Verdammter Voldemort."
Nun, das hatte er sich nicht eingebildet. Es war jedoch ein wenig merkwürdig. Er hörte es, zumindest irgendwie, aber gleichzeitig war es still im Raum. Er war sich ziemlich sicher, dass die Worte nicht laut ausgesprochen worden waren. Las er Harrys Gedanken? Aber nein, das machte keinen Sinn. Er wünschte, er könnte jetzt sofort mit Harry reden und ihn fragen, ob er eine Idee hatte, was passierte - nicht, dass er es erwartete, aber Harry hatte einige Überraschungen auf Lager. Die Fähigkeit, mit seinen Gedanken zu reden, wäre nicht zu weit hergeholt.
Da er annahm, dass es nicht schaden würde, es auszuprobieren - niemand würde davon erfahren müssen -, versuchte er mit Harry zu reden. Seine ersten Versuche schienen nicht zu funktionieren. Er konzentrierte sich noch einmal und versuchte es ein letztes Mal. "Hallo? Harry?" Remus sprang zurück, als Harry sich sofort umdrehte und ihn anstarrte. Harrys Blick traf auf seinen und Remus fragte zögernd: "Kannst du mich hören? "
"Ja", war die Antwort. "Kannst du mich hören? "
"Öh, ja", erwiderte Remus. "Du hast vorher nach Ginny gerufen und dann „Verdammter Voldemort" gesagt."
"Huh, es war nicht meine Absicht, Gedankenreden zu verwenden. Ich schätze, es ist eine instinktive Reaktion, wenn ich meinen Mund nicht bewegen kann", überlegte Harry.
"Gedankenreden?", fragte Remus.
"So nenne ich es. Anscheinend können alle magischen Tiere es bis zu einem gewissen Grad verwenden", erklärte Harry. "Ich schätze, Werwölfe zählen dazu." Als Remus diese Informationen verdaute, fügte Harry hinzu: "Genauso wie magische Eulen."
"Eulen?", fragte Remus nach. "Willst du damit sagen, dass du in deiner Eulengestalt reden kannst? Mit anderen Eulen?"
"So habe ich diese Fähigkeit entdeckt", begann Harry zu erklären, aber wurde unterbrochen, als Ginny ihn in die Seite stupste. "Mist. Ich weiß nicht, wie ich ihr erklären soll, dass ich mit dir reden kann."
"Geh mit ihr in das Nebenzimmer und verwandele dich", schlug Remus vor. "Ich werde hier auf euch warten."
„Okay."
OoOoOoOoOoOoOoO
Harry drehte sich zu Ginny und mit einer Kopfbewegung machte er ihr deutlich, dass sie ihm folgen sollte. Er stupste gegen die Tür, so dass sie hinter ihnen zufiel und verwandelte sich dann zurück in seine menschliche Gestalt. Ginny tat es ihm sofort gleich.
„Was ist los? Geht es dir gut?", fragte Ginny, ihre Sorge deutlich zu hören.
„Mir geht es gut", sagte Harry. „Oder so gut wie es mir unter den Umständen gehen kann", verbesserte er.
„Vision?"
Harry nickte. „Und was los ist? Nun, es scheint, dass Werwölfe Gedankenreden beherrschen."
„Gedankenreden?", fragte sie. „Oh, du meinst, so wie du mit Eulen redest?"
„Und anderen magischen Tieren, ja", erwiderte Harry. „Ich habe Gedankenreden angewandt, ohne dass ich es realisierte und Remus hörte mich und konnte mir antworten."
„Das heißt, du und Remus könnt miteinander reden, wenn er in seiner Werwolfgestalt gefangen ist", meinte sie. Harry war der Meinung, dass sie es eher für sich selber als für ihn laut aussprach.
„Ja, es scheint so", erwiderte Harry. „Ich denke, ich werde ein wenig länger aufbleiben und hoffentlich ein paar weitere Details ausarbeiten, was das Haus angeht."
„Bist du dir sicher?", fragte Ginny. „Du hast in letzter Zeit schlecht geschlafen; du solltest versuchen, noch ein wenig zu schlafen."
„Ich glaube nicht, dass das eine Option sein wird", war Harrys Meinung. „Ich kann nie nach einer Vision schlafen und ich habe es versucht."
Ginny hielt ihre Hände beruhigend in die Höhe: „Okay, okay. Ich mache mir nur Sorgen um dich."
„Ich weiß", sagte er sanft. Er streckte seine Hand aus, zog sie in eine Umarmung und gab ihr einen Kuss auf ihren Scheitel.
„Möchtest du, dass ich mit dir aufbleibe und euch Gesellschaft leiste?", fragte sie, ihre Worte durch seinen Oberkörper gedämpft.
Harry schüttelte den Kopf. „Du solltest schlafen gehen", sagte er. „Nur weil ich nicht schlafen kann, heißt das nicht, dass du darunter leiden musst." Er trat zurück und konnte ihren inneren Konflikt auf ihrem Gesicht sehen. „Ich werde mich mit dir zusammen hinlegen, aber du wirst uns nicht hören können. Schlaf also einfach. Ich verspreche, ich werde deinem Beispiel folgen, sobald ich kann." Er bezweifelte, dass er in dieser Nacht noch Schlaf bekommen würde, aber er dachte, es wäre das Beste, diese Tatsache nicht laut auszusprechen. Ginnys zweifelnder Gesichtsausdruck sagte ihm, dass sie seine Worte durchschaute, aber sie nickte dennoch.
„Okay, Harry."
Er lächelte warm und legte eine Hand an ihre Wange. Er lehnte sich hinunter und gab ihr einen kurzen Kuss auf die Lippen. „Gute Nacht, Gin."
„Nacht Harry", erwiderte sie sanft.
Sie verwandelten sich beide zurück in ihre Katzengestalten. Erst dann bemerkte Harry, dass die Tür geschlossen war und dass das Drehen eines Türknaufs mit Pfoten eine schwierige Angelegenheit war. Er verwandelte sich wieder zurück in seine Menschengestalt und mit einem schiefen Grinsen öffnete er die Tür einen Spalt breit. Er verwandelte sich sofort wieder in einen Panther und öffnete die Tür mit seiner Pfote. Als er den Nebenraum betrat, bemerkte er, wie Remus auf dem Holzboden hin- und herging.
"Ich habe sie über meine Vision und das wir reden können aufgeklärt", erklärte Harry. "Sie geht jetzt wieder schlafen."
Remus antwortete nicht, sondern schaute nur zu, wie sie sich wieder hinlegten. Wie versprochen legte Harry sich neben Ginny, aber statt seine Augen zu schließen, um zu versuchen, einzuschlafen, schaute er zu Remus. Er schaute zurück, um sicherzugehen, dass Ginny ihre Augen geschlossen hatte, was sie nicht getan hatte .Sie schauten sich einen Augenblick lang in die Augen, bis Ginny gähnte. Danach fielen ihr die Augen zu und Harry drehte sich wieder zu dem Werwolf. "So, wo waren wir?", fragte Harry.
"Ich glaube, du wolltest mir gerade über deine Fähigkeit, mit Eulen zu reden, berichten", antwortete Remus.
"Genau. Nun, ich habe es im Sommer herausgefunden", erklärte Harry. "Ich dachte, es könnte ein Spaß sein, Hedwig meine Eulenanimagusgestalt zu zeigen. Als ich mich in eine Eule verwandelte, hörte ich eine Stimme in meinem Kopf. Ich glaube, sie hat mich gefragt, ob ich es sei. Ich habe es danach schnell gelernt und ich konnte es schließlich sogar außerhalb meiner Eulengestalt anwenden.
"Das ist eine nützliche Fähigkeit", meinte Remus.
"Mehr als ich je erwartet hatte", sagte Harry. "Du wirst überrascht sein, wie viel Eulen mitbekommen. Erinnerst du dich noch an die Nacht, als ich zu Amelia Bones Haus gekommen bin?" Ohne auf eine Antwort zu warten fuhr Harry fort: "Ich habe durch eine Eule von dem Angriff erfahren. Sie tauchte in der Großen Halle auf, um Dumbledore einen Brief zu übergeben. Daher wusste ich, das etwas im Gange war und ich konnte sie überzeugen, es mir zu verraten."
"Das ist unglaublich", erwiderte Remus.
"Ja, aber genug von Eulen", sagte Harry. "Ich hatte gehofft, wir könnten noch mehr über das Haus reden. Ich möchte so schnell wie möglich fortfahren."
Sie verbrachten den Rest des Abends mit Reden. Remus informierte ihn, dass das Paar, dem das Haus zur Zeit gehörte, bereits ausgezogen war. Daher würde es hoffentlich keine Probleme geben, den Ablauf ein wenig zu beschleunigen. Wenn alles gut ging, könnte er das Haus bis zum nächsten Vollmond erwerben, was Harry mehr als genug Zeit geben würde, seine Schutzzauber zu errichten. Nachdem das Thema erschöpft war, redeten sie ein wenig mehr über den Kampf in der Winkelgasse und dem Krieg im Allgemeinen. Remus erzählte ihm, dass mehrere Ordensmitglieder tatsächlich vor dem Kampf eine schwarze Eule über die Gasse hatten fliegen sehen. Während keiner von ihnen bestätigen konnte, dass es ein Animagus war, wurde dennoch im Allgemeinen angenommen, dass es entweder Jim oder sein Zwilling war, welcher die Gasse erkundet hatte.
Remus fragte ihn, wie die Schule lief. Daher berichtete Harry kurz über den Unterricht und dann über seine Tätigkeit mit der HA. Das führte zu seinem Privatunterricht mit Ginny. Harry beichtete Remus seine Sorge über ihre Teilnahme am Krieg. Während er in seinem Kopf wusste, dass es ihre Entscheidung war und das er sie nur vorbereiten und sicher gehen konnte, dass sie bereit war, wollte ein anderer Teil von ihm sie in einem Schloss einsperren, in Sicherheit vor allen Gefahren. Remus konnte mit ihm mitfühlen, da Tonks nicht nur aktives Mitglied des Ordens sondern auch noch ein Auror war. Schlussendlich musste er einfach darauf vertrauen, dass sie auf sich selbst aufpassen konnte.
Harry war beinahe überrascht, als der Morgen kam und Remus sich in seine menschliche Gestalt zurückverwandelte. Er atmete schwer, nachdem die Verwandlung vollzogen war und Harry konnte das Mitleid, das er für den Mann fühlte, nicht unterdrücken. Es war nicht fair, dass er jeden Monat diese schmerzhafte Verwandlung durchleiden musste. Harry wünschte, dass es etwas geben würde, was er machen könnte, aber er wusste, es gab nichts. Er schüttelte den Kopf und drehte sich zu Ginny. Sie schnurrte leise im Schlaf und entlockte Harry damit ein Lächeln - so sehr ein Panther Lächeln konnte. Er leckte ihr einige Male über die Wange, bevor sie aufwachte. Sie verwandelten sich wenige Momente später zurück und Ginny fragte sofort: „Du hast überhaupt nicht geschlafen oder?"
Harry konnte nur mit den Schultern zucken. Sie bedrängte ihn nicht, sie streckte sich nur nach ihm aus und zog ihn in eine Umarmung, welche er gerne erwiderte. Er vergrub seine Nase in ihren Haaren und holte tief durch die Nase Luft, den Duft genießend. Als er sich zurückzog, wandte er sich wieder an Remus. Er entdeckte, dass der Mann sie mit einem müden aber liebevollen Lächeln beobachtete. „Ihr solltet ins Schloss zurückkehren", sagte er mit schroffer Stimme.
Harry nickte. „Bis Bald, Remus."
„Hoffentlich nicht zu bald", erwiderte Remus. „Tschüss Harry. Ginny."
Ginny erwiderte seine Verabschiedung und Harry führte sie hinunter in den Tunnel, der sie zurück nach Hogwarts führen würde. Sie schlichen sich zurück in das Schloss und in Harrys Büro. Harry hatte geplant, zu duschen und sich für den Tag fertig zu machen, aber Ginny wollte davon nichts hören.
„Nein, Harry", bestand sie. „Du hast gestern Nacht kaum geschlafen und ich bezweifle, dass du innerhalb der letzten Woche auch nur einmal durchgeschlafen hast."
„Habe ich wohl", unterbrach Harry leicht empört. Es war nicht so, als wolle er nicht schlafen; er konnte es nur nicht nach einer Vision. Ginny funkelte ihn nur an und zog eine Augenbraue hoch. Nach einem Moment unter ihrem Blick fügte er recht kleinlaut hinzu: „Einmal."
„Das habe ich mir gedacht. Bett. Sofort!"
„Das ist sinnlos", weigerte sich Harry. „Ich kann nicht schlafen. Ich habe es versucht, aber ich liege dann nur da und denke darüber nach, was passiert ist. Ich wünschte, ich könnte schlafen, ehrlich."
Ginnys Blick wurde weicher und sie trat zu ihm, nahm eine seiner Hände in ihre und fragte sanft: „Was ist, wenn ich mich mit dir hinlege?"
Harry zuckte mit den Schultern. Er sah ehrlich nicht, wie das helfen sollte, aber wenigstens würde er nicht im Bett liegen und an die Decke starren. „Okay", stimmte er zu. Unter anderen Umständen wäre er begeistert, ein Bett mit Ginny zu teilen und ein Teil von ihm war es noch immer, selbst mit dem Wissen, dass nichts passieren würde. Aber dennoch: Selbst wenn alles, was sie tun würden, wäre, für ein paar Stunden zusammen im Bett zu liegen, wäre es seiner Meinung nach sinnvoll verbrachte Zeit.
Sie gingen nacheinander ins Badezimmer. Ginny hatte sich angewöhnt, ein paar Kleidungsstücke inklusive einem Nachthemd in Harrys Koffer aufzubewahren. Sie beendeten die Nacht mit einem Vollmond normalerweise schlafend in seinem Koffer und ließen ihre übliche morgendliche Routine ausfallen. Daher machte es Sinn, Kleidung in Reichweite zu haben. Nur in seinen Boxershorts und einem T-Shirt bekleidet kroch Harry neben Ginny ins Bett. Sie lagen nun einander zugewandt unter der Bettdecke und Harry war unsicher, was er tun sollte. „Hey", sagte er.
„Hey."
Er lehnte sich vor und küsste sie. Ihre Lippen waren sanft und einladend. Nach einem Moment fuhr er mit seiner Hand von ihrem Ellbogen ab ihren Arm hoch. Als er seinen Arm zu ihrem Rücken bewegte, versuchte er, den Abstand zwischen ihnen zu verringern, aber Ginny beendete den Kuss abrupt und zog sich zurück, wobei sie ein wenig schwerer atmete. „Glaub nicht, dass du mich austricksen kannst", schalt sie. „Du sollst schlafen, Potter."
„Richtig", sagte er in seinen nicht vorhandenen Bart hinein, aber angesichts ihrer Nähe zueinander wusste er, dass sie ihn gehört hatte.
„Dreh dich um", befahl sie.
Harry erwiderte ihren Blick einen Moment lang und dachte darüber nach, sich zu widersetzen, aber ließ es dann lieber bleiben. Wenn sie entschlossen war, etwas zu tun, brachte es nichts. Also drehte er sich um. Er war leicht überrascht, als er fühlte, wie sie sich von hinten an ihn schmiegte. Sie legte ihren rechten Arm um ihn und er nahm ihre Hand in seine, um sie zu seinem Oberkörper zu führen. Er drehte seinen Kopf ein wenig, um über seine Schulter schauen zu können. Er entdeckte, dass sie ihn mit einem liebevollen Lächeln auf den Lippen anschaute. Sie stützte sich auf ihren Ellbogen. „Schließ deine Augen", flüsterte sie. „Ich werde über dich wachen."
Er fühlte sich ein wenig albern, sie das sagen zu hören, aber gleichzeitig konnte er die Wärme, die bei diesem Satz in ihm aufstieg, nicht unterdrücken. Er hatte nie jemanden gehabt, der über ihn wachte. Solange er sich zurückerinnern konnte, hatte er auf sich selber aufpassen müssen. Wenn es jemand anderes gewesen wäre, das wusste er, wäre er zornig, dass sie den Bedarf fühlte, sich um ihn zu kümmern, als ob er nicht selber auf sich aufpassen könnte, aber er wusste, das war nicht der Fall mit Ginny. Ein Bild seiner neuen Patronusgestalt tauchte vor seinem inneren Auge auf. Die silberne Löwin, die auf Ginnys Animagusgestalt beruhte. Er lächelte Ginny an und führte ihre Hand dann zu seinen Lippen, um ihr einen Kuss auf die Fingerknöchel zu geben. Er öffnete den Mund, um ihr von seinem Patronus zu erzählen, aber bevor er auch nur einen Laut aussprechen konnte, fühlte er, wie sie ihren Finger gegen seine Lippen presste.
„Schhh", beruhigte sie sanft. „Schlaf, Harry."
Er gab auf und drehte seinen Kopf in Richtung der Wand, ihre Hand fest an seine Brust gepresst und erlaubte, dass seine Augen zufielen. Er fühlte, wie sie begann, mit ihrer anderen Hand leicht mit seinem Haar zu spielen und empfand es als beruhigend. Er holte tief Luft und genoss es. Bevor er es richtig wahrnahm, fiel er in einen tiefen, entspannenden Schlaf.
END 23.2
