Kapitel 25 Teil 2: Das Verschwinden

Nach dem Frühstück ging er direkt zum Raum der Wünsche. Es war noch eine ganze Stunde, bis seine Unterrichtsstunde mit der AHA beginnen würde, aber er wollte ein wenig mit seinem Zauberstab gegen seine Trainingsdummies üben- ohne jegliche zauberstablose Magie. Er war so daran gewöhnt, die ganze Zeit über zauberstablos zu duellieren, dass er keinen Fehler machen und seine zauberstablosen Fähigkeiten versehentlich vor Publikum zeigen wollte.

Es war über eine halbe Stunde später, während Harry in ein Duell gegen drei Trainingsdummies verwickelt war, dass die Tür zum Raum der Wünsche aufging und Professor McGonagall eintrat. Harry blickte zur Tür hinüber und bezahlte beinahe für seine kurze Unaufmerksamkeit. Selbst so konnte er dem Brandzauber nur gerade noch so ausweichen, bevor er die Dummies mit einem Gedanken verschwinden ließ und sich seinem Besucher zuwandte.

„Bitte entschuldige", meinte Professor McGonagall. „Ich wollte dich nicht unterbrechen."

Harry schüttelte den Kopf. „Mach dir keine Sorgen. Ich wollte mich nur aufwärmen."

Seine Hauslehrerin zog eine Augenbraue hoch. „Du siehst ein Duell gegen drei Gegner als Aufwärmen an? Ich möchte mir nicht ausmalen, was du als ein normales Duell bezeichnen würdest."

Harry gluckste leicht. „Nun, angesichts der Anzahl Gegner, denen ich bald entgegentreten werde, scheint mir drei gegen eins ein Kinderspiel zu sein."

„So ist es wohl", erwiderte Minerva. „Dennoch fühlst du dich der Aufgabe gewachsen?"

„Nur ein Weg, um es herauszufinden", erwiderte Harry unverbindlich.

„Sag mir, Harry. Wieviel hast du das Jahr über geübt?", fragte Minerva plötzlich.

Harry schaute sie musternd an. „Ich trainiere ziemlich regelmäßig. Ich muss schließlich einen Vorsprung auf meine Schüler haben."

Sie nickte. „Dennoch, überhaupt zu denken, dass du es gegen sieben oder mehr auf einmal aufnehmen könntest, musst du weit besser als sie sein. Du hast bereits sieben in einem Duell besiegt."

Harry zuckte mit den Schultern. „Das war am Anfang ihres Trainings. Sie sollten nun viel besser sein."

„Aber du erwartest noch immer, zu gewinnen, nicht wahr?", fragte sie nach.

Harry konnte nicht anders als sich zu wundern, worauf sie hinauswollte. „Ich hoffe tatsächlich, zu verlieren. Ich hoffe, sie können mich besiegen."

Ihr Blick war durchdringend, aber sie fragte nicht weiter. Nach einem Moment der Stille sprach Harry wieder. „Würdest du die Szene für unseren Kampf vorbereiten, wenn dir das nichts ausmacht? Auf diesem Weg werde ich keine Vorkenntnisse haben, die mir helfen."

„Sicher", stimmte sie zu. „Hattest du etwas Bestimmtes im Kopf?"

Harry schüttelte den Kopf. „Überrasch mich."

„Nun gut", antwortete sie. „Und was ist mit den Schülern, gegen die du kämpfen wirst?"

„Wir werden zur gleichen Zeit von entgegengesetzten Seiten aus den Raum betreten. Gib uns 5 Minuten, um uns an die Umgebung zu gewöhnen und den anderen die Möglichkeit zu geben, ihre Pläne anzupassen." meinte Harry.

„Und was sollen die Regeln für dieses Duell sein?"

„Nichts Tödliches offensichtlich", begann Harry. „Und keine Heil- oder Gegenzauber. Mit was auch immer man getroffen wird: Man behält es bis zum Ende des Duells. Sobald jemand außer Gefecht gesetzt wurde oder nicht mehr am Duell teilnehmen kann, scheidet derjenige aus. Davon abgesehen ist alles erlaubt. Das Duell ist erst vorbei, bis ich oder das ganze Team erledigt ist."

McGonagall antwortete mit einem kurzen Nicken. Die Zimmertür hatte sich geöffnet, als Harry mit Reden fertig war und die ersten seiner Schüler betraten den Raum. Es dauerte nicht lange, bevor der Rest der Klasse eintrudelte. Professor McGonagall trat an die Seite des Raumes, weg von der Schülermenge, die vor Harry stand. Als alle Schüler da waren, stellte Harry sich auf das schmale Podium und begann:

„Ich habe ein paar Ankündigungen zu machen, bevor wir beginnen", sagte Harry. Seine Stimme war mühelos in jeder Ecke des Raumes zu hören. „Zuerst einmal sind alle Stunden nach dieser abgesagt, bis die Examen vorbei sind. Wir werden am Sonntag nach dem letzten Tag der Examen zur gewohnten Zeit weitermachen. Auch wenn euer regulärer Unterricht beendet sein wird, erwarte ich, dass ihr alle hier seid.

Für den heutigen Unterricht habe ich etwas Besonderes geplant. Wir werden nichts Neues durchnehmen. Tatsächlich werden wir gar nichts durchnehmen. Unsere sieben fortgeschrittenen Schüler haben mich herausgefordert. Daher werdet ihr heute ein Schauduell zwischen diesen Schülern und mir beobachten." Harry erklärte die Regeln und offenbarte, dass Professor McGonagall als Schiedsrichter agieren würde, sollte es notwendig werden. „Nun, lasst uns beginnen. Professor, wenn Sie so freundlich wären?"

Professor McGonagall schritt entschlossen nach vorne und nachdem sie kurz inne gehalten hatte, trat sie zu einer neuen Tür, die in der Wand erschienen war. „Harry, du gehst durch diese Tür", sagte sie und deutete zu einer Tür, die rechts von derjenigen erschienen war, bei der sie stand. Sie deutete zu einer weiteren Tür zu ihrer Linken und wandte sich an seine Gegner: „Sie sieben durch diese. Der Rest von Ihnen geht hier hindurch." Sie öffnete die Tür vor sich und ließ die Schüler hindurchtreten.

Mit einem letzten Blick zu seiner Hauslehrerin und seinen sieben Gegnern öffnete Harry die Tür und betrat den Ort, der ihr Kampfplatz sein würde: Ein ziemlich dichter Wald. Seine Gedanken sprangen zurück zu seinen Erfahrungen mit dem Verbotenen Wald. Dieser Reproduktion fehlte das unheimliche Gefühl, welches der echte Wald in einem hervorrief, aber es war nichtsdestotrotz eine düstere Kulisse. Die Dunkelheit machte es schwer, zu sehen. Harry fragte sich, wie McGonagall und der Rest der Schüler das Duell beobachten würden, aber da sie im Raum der Wünsche waren, konnten sie vielleicht alles klarer sehen als Harry oder seine Gegner.

Harry drehte sich um und musterte seine Umgebung genauer und erwog verschiedene Taktiken, die er anwenden könnte. Er spielte kurz mit dem Gedanken, sich über die Baumgipfel zu erheben und aus der Höhe aus anzugreifen, verwarf die Idee aber wieder. Er wollte nichts zu dramatisches tun, da die Übung schlussendlich zu ihrem Nutzen sein sollte, nicht für seines. Er wollte, dass dies eine Begegnung mit einem realen Todesser simulierte und kein Todesser würde solche Anstrengungen ergreifen, wenn er Schulkinder angriff, insbesondere solche von ungeschützten Muggelfamilien. Ihr Angriff wäre geradlinig, da sie nicht den Drang verspüren würden, sich auf einen Kampf gegen Schüler vorzubereiten.

Dies im Hinterkopf behaltend bereitete Harry seinen Plan vor. Er würde sich einfach ihren Positionen nähern und sie in der Reihenfolge, wie er sie auffand, angreifen. Er hatte den Vorteil, seine Fähigkeit, Magie zu spüren, einsetzen zu können, aber er wollte sich nicht zu sehr darauf verlassen, da seinem Wissen nach kein Todesser diese Fähigkeit besaß. Dennoch es würde den Schülern schwer fallen, ihn unentdeckt anzugreifen.

Es dauerte nicht lange, bis er Professor McGonagalls magisch verstärkte Stimme hörte, die den Start des Duells ankündigte. Harry ließ seinen Zauberstab in seine Hand gleiten und wappnete sich innerlich. Die toten Blätter raschelten unter seinen Füßen, als er sich vorwärts bewegte. Sein Blick wanderte von links nach rechts, als er nach Zeichen von Bewegungen schaute. Seine Sinne waren in Alarmbereitschaft, aber der Raum simulierte einen Wind, der ein beinahe konstantes Rascheln um ihn herumaufrecht erhielt. Er war sicherlich ein paar Minuten lang von Baum zu Baum gegangen, bevor er irgendwelche Anzeichen seiner Gegner entdeckte.

Harry konnte nicht anders als zu grinsen, als er ihre Strategie erkannte - und merkte, wie sehr sie seinen eigenen Gedanken glich. Wenn er nicht seine Fähigkeit, Magie zu spüren, hätte, hätte er - als er vorbeiging - die beiden Schüler nie bemerkt, die in den Baumspitzen versteckt waren. Harry war nun vorgewarnt und wartete auf den Moment, in dem sie angreifen würden, aber der kam nicht. Er ging langsam weiter. Die beiden Bäume, auf denen sie saßen, waren mehrere Meter voneinander entfernt und Harrys Pfad führte ihn mehr oder weniger direkt zwischen sie hindurch. Er war in Alarmbereitschaft, als er hindurchging, immer darauf wartend, dass sie ihn überfielen, aber sie warteten noch immer. Als er einige Schritte weiterging, realisierte er, warum.

Er lief in einen Hinterhalt. Er entdeckte drei weitere seiner Schüler, die einen Kreis um das Gebiet formten, das er nun betrat. Diese drei waren alle am Boden statt in den Bäumen wie ihre Kameraden. Und als Harry sich weiterbewegte, entdeckte er die letzten zwei, einen auf einem Baum direkt auf seinem Weg und einen anderen am Boden gleich an der Seite. Er war ungefähr in der Mitte der Falle, als die Hölle losbrach.

Sie griffen beinahe gleichzeitig an und sieben Zauber flogen aus allen Richtungen auf ihn zu. Harry reagierte blitzschnell; er errichtete ein Schild vor sich und rannte weiter nach vorne und außer Reichweite von fünf der sieben Flüchen. Sein Schild wehrte einen Fluch ab, während er dem Zauber des Schülers im Baum direkt vor ihm auswich. Obwohl Harry dank seiner magischen Sinne die exakten Positionen seiner Gegner benennen konnte, konnte er keinen von ihnen sehen. Sie waren unsichtbar.

Er warf schnell hintereinander vier Schockzauber in verschiedene Richtungen, da er die genauen Positionen derjenigen, die er angriff, eigentlich nicht kannte. Einer seiner Zauber zwang einen seiner Gegner, der am Boden agierte, sich zur Seite zu bewegen und Harry bemerkte die Bewegung. Bevor er jedoch handeln konnte, bemerkte er, wie ein weiteres Bündel Zauber auf ihn zukam und er schaute über die Schulter, bevor er sich duckte, sich hinwarf und sich aus der Schusslinie rollte. Während diesem Bewegungsablauf warf er einen weiteren Schockzauber auf die Position, wo er die Bewegung gesehen hatte, aber der Zauber traf einen Baum. Er wusste, dass der Schüler bereits eine andere Position bezogen hatte, aber er wollte den Schein wahren.

Harry blieb am Boden gekauert, sein Blick huschte ständig von links nach rechts und nahm alles um ihn herum auf, auf die nächste Tat wartend, aber seine Schüler zeigten unglaubliche Geduld. Sie waren damit zufrieden, abzuwarten, solange sie ihm gegenüber im Vorteil waren. Er war gezwungen, den nächsten Zug zu machen, aber was dieser Zug sein würde, war ihm ein Rätsel. Da er nicht seine Fähigkeit, Magie zu spüren, verwenden wollte, sollte er an sich keine Idee haben, wo auch nur einer der sieben war. Also konnte er sie nicht direkt angreifen. Zurück in den Mittelpunkt ihres Kreises zu gehen würde nur Probleme machen. Er war mehr oder weniger direkt auf der „Linie" ihres Kreises. Das Beste, was er tun könnte, war, dieser Linie zu folgen und zu hoffen, dass er einen seiner Schüler entdecken würde.

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Minerva schaute interessiert zu, wie Harry sich langsam durch den dämmrigen Wald hindurchbewegte. Sie war sofort von Harrys Schnelligkeit und seinen Reflexen beeindruckt. Aber auch von der Strategie seiner Schüler. Einen Moment lang war sie sich sicher gewesen, dass der Kampf nicht sehr lange dauern würde, aber Harry schien den Hinterhalt fast erwartet zu haben, und es hatte den Anschein, als wüsste er genau, was er tun musste, um dem Angriff auszuweichen, ohne auch nur alle Zauber, die auf ihn geworfen wurden, sehen zu können.

Sie wusste ungefähr, wo die sieben AHA-Schüler sich befanden, auch wenn ihre Tarnzauber es ziemlich schwer machten, sie im Auge zu behalten. Sie fragte sich jedoch, was Harry nun vorhatte. Es war klar, dass er den Kampf begonnen hatte, ohne eine Strategie zu haben, auch wenn sie das Gefühl hatte, dass dies eine taktische Entscheidung von ihm gewesen war, keine Arroganz. Er wollte ihnen eine Chance geben, doch sie hatte keinen Zweifel, dass er mit allem, was er hatte, kämpfen würde, um als Sieger vom Platz zu gehen.

Während Harry sich weiter an den Bereich des Hinterhalts hinarbeitete, entdeckte sie, wie einer seiner Gegner versuchte, behutsam aus Harrys Weg zu verschwinden. Sie war sich sicher, dass Harry dies ebenfalls bemerken würde, aber er zeigte mit keiner Miene, dass er etwas gesehen oder gehört hatte und ging einfach weiter. Gerade als er an dem besagten Schüler vorbeiging, handelte Harry plötzlich. Innerhalb eines Augenblicks griff er sein Opfer an und ließ einen richtigen Zauberhagel auf seinen Gegner los. Die ersten drei Zauber wurden von dem Schild, das der Schüler eilig errichtet hatte, absorbiert. Seine Kameraden griffen alle Harry an, aber keiner von ihnen war in einer guten Position, um ihrem Verbündeten zu helfen.

Harry wich den Flüchen aus und hörte dabei nie auf, Zauber zu werfen, bis der gegnerische Schüler schließlich einem Entwaffnungszauber, einem Wabbelbeinfluch und schließlich einem Schockzauber erlag. Harry drehte sich zu dem Rest seiner Gegner um und errichtete mühelos einen Schutzschild, um die letzten Zauber, die auf ihn geworfen wurden, abzublocken. Sobald er sich umgedreht hatte, hörten die verbliebenen sechs Schüler auf, Zauber zu werfen und nahmen ihr Geduldsspiel wieder auf. Sie konnte sehen, dass Harry bereits den Makel in ihrer Strategie gefunden hatte. Er musste wissen, dass ein paar von Ihnen in den Bäumen waren und sich daher nicht bewegen konnten. Diejenigen am Boden schienen sich zu sehr an ihre Strategie zu klammern, so dass sie sich nicht trauten, sich zu bewegen - selbst um ihrem Freund zu Hilfe zu kommen. Sie waren außerdem so weit voneinander entfernt, dass Harry in der Mitte ihres Kreises sein musste, um sicherzustellen, dass alle sieben ihn effektiv angreifen konnten. Solange er außerhalb der Mitte blieb, konnte er gegen ein oder zwei kämpfen statt gegen alle sieben auf einmal.

Natürlich nur angenommen, dass Harry sie finden konnte, was sich als schwierig herausstellte. Er ging weiter langsam den Rand des Kreises entlang und bewegte ständig seinen Kopf hin und her in dem Versuch, die anderen zu entdecken. Sie wusste ungefähr, wo jeder der sechs Schüler positioniert war, aber es war schwer, sie in ihrer unsichtbaren Gestalt im Auge zu behalten. Doch dann bemerkte sie eine Bewegung mehrere Meter hinter Harry. Er wurde verfolgt.

Eine Minute später entdeckte sie eine zweite Gestalt, die vorsichtig hinter Harry herging. Es schien, dass sie auch realisiert hatten, dass sie enger miteinander zusammen arbeiten mussten, um eine Chance zu haben. Sie schaute gespannt zu und wartete auf den Moment, an dem sie angreifen würden. Schließlich war der Moment gekommen und seine zwei Verfolger griffen gleichzeitig mit einem „Stupor" an.

Bevor ihre Zauberstabspitzen überhaupt mit den Flüchen aufleuchteten, war Harry bereits in Bewegung, duckte sich und rollte sich zur Seite, sprang dann schnell wieder auf und stellte sich seinen zwei Verfolgern entgegen, sein Zauberstab ausgestreckt. Als die beiden Schockzauber dort ankamen, wo Harry Momente zuvor gestanden war, hatte Harry bereits das Feuer erwidert. Seine anvisierten Ziele wichen seinen Zaubern aus und Harry wurde davon abgehalten, weiter anzugreifen, da drei Zauber aus unterschiedlichen Richtungen auf ihn zukamen.

Es schien, als wüsste er, wo die Zauber herkamen, ohne überhaupt zu schauen, als er einem Fluch auswich, sich unter einem anderen hinwegduckte und den dritten mit einem Schutzzauber abwehrte. Aber nun waren noch mehr Flüche auf dem Weg zu ihm und er hatte keine Zeit, eine Gegenoffensive zu starten. Seine Schüler hatten das Versteckspiel aufgegeben. Nun, da sie ihn wieder umzingelt hatten, nutzten sie diesen Vorteil aus. Minerva bemerkte, wie sich etwas Verschwommenes durch den Wald auf sie zubewegte, als jegliche Versuche des Versteckens aufgegeben wurden.

Währenddessen duckte Harry sich und wich einem Fluch nach dem anderen aus. Zwei der Schüler in den Bäumen waren in Schussweite, zusätzlich zu den dreien, die ihn vom Boden aus bedrängten. Er war wahrhaftig in der Unterzahl, und dennoch - als sie ihn beobachtete, war Minerva nie der Meinung, dass er sich übernommen hatte. Er war ständig in Bewegung. Er verwendete keine Schutzzauber, sondern verwendete seinen Zauberstab wann immer er konnte, um Flüche abzufeuern. Manche der Flüche waren so nah dran, dass sie nicht mit Sicherheit sagen konnte, ob sie ihn trafen oder nicht. Wenn er es je wurde, zeigte Harry keine Reaktion darauf. Nach einer Minute ohne Glück gegen diejenigen am Boden sandte Harry zwei schnelle Zauber hoch in die Bäume. Ein überraschtes „uff" und das Geräusch von zerbrechenden Ästen war zu hören, als eine verschwommene Gestalt aus dem Baum fiel. Mit nur einem Gedanken ließ Minerva den Fall des Schülers abfedern und der Schüler erlag sofort einem Schockzauber Harrys.

Eine weitere Gestalt rannte durch den Wald hin zu dem Geschehen. Ihr Desillusionierungszauber schien zu verblassen, da Minerva sie relativ gut sehen konnte. Sie war auf einem Baum auf der anderen Seite des Kreises gewesen und musste hinuntergeklettert sein, als sie realisierte, dass sie von ihrer Position aus nicht am Geschehen teilnehmen konnte. Harry war in einer schwierigen Situation: mit fünf seiner Schüler, die ihn umzingelten - vier am Boden und einem in einem Baum. Alle fünf warfen Fluch um Fluch auf ihn. Harry wich den Zaubern so gut er konnte aus und benutzte nur gelegentlich Schutzzauber. Plötzlich rannte er los, an einem Paar Schüler vorbei: Er traf einen von ihnen mit einem Schockzauber, als er vorbeirannte, bevor der Schüler überhaupt einen Schutzzauber errichten konnte.

Er rannte schnell hinter den anderen Schüler, der halb-sichtbar geworden war und ließ damit den Hagel von Flüchen, der auf ihn gerichtet war, verstummen, da die anderen nicht ihren eigenen Kameraden treffen wollten. Harry begann Fluch um Fluch auf den Schüler, der ihm am nächsten war, zu werfen. Dieser hatte einen Schutzzauber errichtet, um den ersten Fluch abzuwehren und begann sich nun zu ducken und auszuweichen, um dem Rest zu entkommen. Die anderen zwei Schüler am Boden eilten herüber, um bessere Positionen beziehen zu können, aber als sie endlich freie Schussbahn auf Harry hatten, hatte er seinen Gegner bereits ausgeschaltet.

Minerva saß staunend da, als sie Harrys gewandte und fast anmutige Bewegungen beobachtete. Nur einmal zuvor in ihrem Leben hatte sie gesehen, wie jemand so duellierte. Als sie realisierte, wer die einzige andere Person war, die sich bewegen und kämpfen konnte wie Harry, gefror ihr das Blut in den Adern. Es war unmöglich! Sie schaute in geschockter Stille zu, wie er systematisch die verbliebenen Schüler außer Gefecht setzte. Der eine Schüler, der auf einem Baum verblieben war, kletterte hinunter, während Harry mit den anderen zwei beschäftigt war. Zumindest schien das seine Vorgaben gewesen zu sein. Harry musste die Tat jedoch bemerkt haben, denn er bekam es hin, den Schüler zu betäuben, bevor er auch nur den Grund erreichte.

Das ließ zwei übrig und selbst mit ihrer kombinierten Stärke waren sie kein gleichwertiger Gegner für Harry. Mit der Leichtigkeit, mit der er die Zauber warf, wäre Minerva nicht überrascht gewesen, wenn er einfach einen Schutzzauber aufrecht erhalten könnte, um ihre Flüche abzuwehren, bis sie ihre Energie erschöpft hatten, aber dazu kam es nicht. Innerhalb einer Minute war einer der Zwei gefallen und ließ damit nur noch einen übrig. Ehrenhalber musste man dem letzten Schüler zugute halten, dass er nicht aufgab. Er gab alles, aber es war nicht genug und er fiel ebenfalls, was das Duell beendete

Minerva war in ihren eigenen Gedanken verloren, so dass sie kaum bemerkte, als die Szene vor ihr verblasste. Die Bäume verschwanden und machten es für Harry einfacher, seine Schüler zu finden und aus ihrer Starre zu erlösen, aber sie konnte nichts anderes tun als da zu stehen und ins Nichts zu sehen. Ihre Gedanken überschlugen sich und sie weigerte sich, die logische Schlussfolgerung zu akzeptieren, die sich gebildet hatte, nachdem sie Harry hatte kämpfen sehen. Sie wurde erst aus ihrer Starre gerissen, als Harry sich ihr näherte und fragte: „Alles in Ordnung, Professor?"

Sie schreckte auf und hielt sich eine Hand an die Brust: „Was? Ja, ja. Alles gut. Mir war nur kurz ein wenig schwindelig."

„Soll ich Sie in den Krankenflügel bringen?", fragte er, seine Stimme voller Sorge.

„Nein, i... ich glaub, ich brauche nur etwas frische Luft. Wenn du mich entschuldigen würdest..." Und damit ging sie.

Sie verließ direkt den Raum und ging in ihr Büro. Sie ließ sich auf ihren Stuhl fallen und lehnte sich vor, ihre Ellbogen auf den Schreibtisch aufgestützt und ihren Kopf in den Händen. Konnte es sein? Es waren mehrere Monate vergangen, seit sie am Kampf um Hogsmeade beteiligt gewesen war. Stellte sie eine Verbindung her, wo es keine gab? Bildete sie es sich ein? Nicht zum ersten Mal in ihrem Leben wünschte sie sich, dass sie ein Denkarium besaß. Wenn sie einen objektiven Blick auf ihre Erinnerung bekommen könnte, vielleicht würde sie es dann verstehen.

Sie stand von ihrem Tisch auf, um genau das zu tun. Albus würde es nichts ausmachen, sie sein Denkarium benutzen zu lassen, aber er würde zweifellos wissen wollen, zu welchem Zweck sie es verwenden wollte. Wagte sie es, ihm ihren Verdacht zu verraten? Schließlich hatte sie keine Beweise. Wollte sie wirklich so etwas ansprechen, ohne einen Beweis zu haben? Nein, das würde keinen Sinn machen. Sie setzte sich wieder. Sie musste das Denkarium benutzen, aber sie wollte ihre Vermutungen noch nicht teilen - nicht, bis sie nicht mehr Informationen hatte, nicht, bis sie ihre Gedanken geordnet hatte.

Sie wusste, wo er das Denkarium in seinem Büro aufbewahrte. Sie dachte darüber nach, hineinzugehen und es sich zu holen, aber sie wollte es nicht stehlen. Sie wollte nur die Gelegenheit haben, es ohne sein Wissen zu verwenden. Sie würde nicht viel Zeit brauchen, nur ein paar Minuten. Es würde zu einer Zeit sein müssen, wenn Albus mit etwas beschäftigt war. Als sie auf ihre Uhr schaute, traf sie ihre Entscheidung. Es war ungewöhnlich für sie, eine Mahlzeit zu verpassen, es kam aber durchaus vor - insbesondere zu dieser Zeit im Schuljahr. Kurz nach Beginn des Mittagessens würde sie einfach in das Büro des Schulleiters gehen und das Denkarium verwenden.

Die Zeit verging nur im Schneckentempo, als sie wartete. Sie versuchte sich abzulenken, aber nichts konnte ihre Aufmerksamkeit festhalten. Keine Aufsätze oder Bücher konnten ihre Gedanken davon abhalten, zurückzuwandern zu dem, was sie gesehen hatte - zu dem, was sie in Verdacht hatte. Es brachte nichts. Es war qualvoll, auf die Uhr zu schauen und zu sehen, wie die Sekunden vergingen, aber Zeit vergeht, wenn auch oft langsamer als man es sich wünscht. Schließlich war es Zeit für das Mittagessen. Albus verpasste selten eine Mahlzeit, wenn es vermieden werden konnte. Sie war sich nicht sicher, ob es die Gelegenheit war, die Schülerschaft zu sehen oder die Kochkünste der Hauselfen, das ihn anzog, aber heute machte es keinen Unterschied. Alles, was wichtig war, war, das er dort sein und sein Büro unbeaufsichtigt sein würde.

Sie erreichte den Wasserspeier schnell und dieser sprang zur Seite, als sie das Passwort nannte. Die Treppe hochfahrend erkannte sie die eine Schwachstelle in ihrem Plan: die Porträts. Die Tatsache, dass sie das Büro des Schulleiters besuchte, während dieser abwesend war, war an sich nicht ungewöhnlich, aber sie nahm an, das sie ihn informieren würden, dass sie sein Denkarium verwendet hatte. Das war natürlich in der Annahme, dass sie bemerkten, was sie vorhatte. Das Denkarium wurde in einem Schrank aufbewahrt, dessen Türen - wenn sie geöffnet waren - den Blick der Porträts auf sie verdecken würden. Solange sie vorsichtig war, konnte sie sie davon abhalten, zu sehen, wie sie das Denkarium betrat und sie konnte sich eine plausible Entschuldigung ausdenken, sollte der Schulleiter fragen, was sie in seinem Büro gemacht hatte.

Die Entscheidung endgültig gefällt, öffnete sie die Tür und betrat entschlossen das Büro. Sie ging sofort zu dem besagten Schrank und öffnete die Türen so, dass sie ihre Tätigkeiten am besten verstecken würden. Sie beugte sich ein wenig vor, hielt sich ihren Zauberstab an ihren Kopf und holte die Erinnerung an den Kampf in Hogsmeade heraus. Nachdem sie die Erinnerung in der Steinschale deponiert hatte, rührte sie den Inhalt einmal mit ihrem Zauberstab um und tauchte dann einen Finger hinein.

Das unangenehme Gefühl, in eine Erinnerung zu fallen, kam über sie und sie fand sich plötzlich in den Straßen von Hogsmeade wieder - mit Zaubern, die um sie herumflogen. Sie ignorierte den Instinkt, Schutz zu suchen, wissend, dass sie durch die Erinnerung nicht verletzt werden konnte. Stattdessen wandte sie ihre Aufmerksamkeit zu den „Drei Besen", gerade als zwei rote Lichtstrahlen aus der Gasse hinausgeschossen kamen und zwei Todesser außer Gefecht setzten.

Als Jim aus den Schatten trat, trat Minerva automatisch näher. Sie legte unbewusst die Hälfte des Weges zwischen ihnen zurück. Er bewegte sich schnell, aber es war klar, dass er am verlieren war - bis er etwas tat, das unglaublich mutig aber auch unglaublich närrisch war. Er rannte direkt auf die Todesser zu und machte damit die Auseinandersetzung zu einem Nahkampf. Seine Strategie und seine Bewegungen waren so unglaublich ähnlich zu denen, die sie erst vor kurzem gesehen hatte. Als Harry mit einer Überzahl zu kämpfen hatte, war er sie genauso wie Jim im Nahkampf angegangen. Und die Art, wie sie sich bewegten: es war, als vollführten sie einen choreographierten Tanz. Wäre da nicht die Tatsache, dass Jim gegen Todesser und Harry gegen Schulkinder kämpfte, wäre sie geneigt, zu sagen, dass Harry der talentiertere von ihnen beiden war. Aber dann wiederum: Wenn sie die gleiche Person waren, würde es nur Sinn machen, dass er nach mehreren Monaten des zusätzlichen Trainings schneller und stärker geworden war.

Minerva sah zu, wie Jim einen Todesser nach dem anderen ausschaltete und zuckte zusammen, als sie sah, wie ihn zwei Schneideflüche trafen. Es war erst, nachdem die Todesser verschwanden, dass sie einen guten Blick auf ihn erhaschte. Sie war geschockt über das, was sie sah. Wie hatte sie das übersehen können? Sein Haar und seine Augen waren anders und er hatte keine Narbe. Alles andere an ihm war jedoch genau gleich. Wie hatte sie das bisher noch nicht bemerken können? Dann wiederum waren sie nicht an einen Harry Potter gewöhnt, der so aussah. Der Harry Potter, den alle vor Augen hatten, war ein dürrer Junge mit Brille. Er hatte sich in diesem Jahr sehr verändert und dennoch hatte sie das Gefühl, dass sie nicht einmal die Hälfte wussten.

Sie verließ die Erinnerung und nahm sich einen Moment, um sich zu sammeln, bevor sie die Erinnerung wieder aus dem Denkarium herausholte und wieder in ihrem Kopf deponierte. Sie schloss dann den Schrank und verließ das Büro. Sie blickte hinunter auf ihre Armbanduhr und entschloss sich, schnell etwas zu Mittag zu essen, bevor sie zurück zum Raum der Wünsche gehen würde. Sie wollte Antworten und sie würde Harry nicht erlauben, den Raum zu verlassen, bis sie diese bekommen hatte.

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Harry war immer noch am Lächeln, als er seine gefallenen FHA-Schüler nach dem Kampf wieder aufweckte. Es war einige Male knapp gewesen. Er wäre beinahe geschlagen worden, aber am Ende hatte er gewonnen. Ein Teil von ihm war begeistert von seinem Erfolg. Adrenalin wurde noch immer durch seine Adern gepumpt und er fühlte sich, als ob er alles erreichen könnte. Aber ein anderer Teil von ihm hatte mehr von seinen Schülern sehen wollen. Er war mit dem Fortschritt, den sie über das Jahr gemacht hatten, zufrieden, aber er konnte nicht anders als zu denken, das es nicht ausreichte.

In dem Kampf gegen die AHA-schüler hatten seine Schüler wenig Chancen auf Erfolg gehabt, nachdem ihr erster Angriff misslungen war, bis sie ihre Strategie aufgegeben und einen Kampf mit allen Mitteln gegen ihn begonnen hatten. Harrys Erfahrung hatte ihm jedoch erlaubt, sie einen nach dem anderen systematisch außer Gefecht zu setzen. Sein Kampf gegen die FHA war ganz anders gewesen. Sie hatten noch nicht die Gelegenheit gehabt, ihn in Aktion zu sehen und hatten ihn hochgradig unterschätzt. Der Kampf war recht geradlinig gewesen. Sie hatten einfach versucht, ihn zu überwältigen, indem sie ihn gleichzeitig angriffen. Angesichts ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit war es keine schlechte Taktik, aber sie war letztendlich gescheitert. Da er sie unterrichtet hatte, wusste er, welche Schüler er zuerst angreifen musste, da sie am einfachsten zu eliminieren waren. Sobald ihre Anzahl sank, konnte Harry seine Aufmerksamkeit auf die stärkeren Duellanten richten, bis er sie schließlich alle besiegen konnte.

Er hielt Blaise, der ein wenig angeschlagen zu sein schien, nachdem er gerade erst wieder zu sich gekommen war, seine Hand hin. Der Slytherin packte die dargebotene Hand und stand gleich darauf wieder auf den Füßen. Harry war von dem Slytherin beeindruckt. Er hatte in allen Duellen hart gekämpft und er war tatsächlich ein begabter Duellant. Wenn er mit seinem Training weitermachte und seine Gewandtheit und Ausdauer verbesserte, konnte er großartig werden. „Guter Kampf", sagte Harry, als er Blaises Hand losließ.

„Das ist leicht für dich zu sagen. Du hast gewonnen", erwiderte Blaise ohne Bosheit.

Harry grinste und zuckte mit den Schultern. „Ich habe dich gewarnt, dass es nicht einfach sein würde, gegen mich zu kämpfen."

„Das hast du", erwiderte er mit einem nachdenklichen Gesichtsausdruck. Er sah so aus, als wollte er etwas fragen, überlegte es sich dann aber anders.

Als alle Schüler wieder zu sich gekommen waren, sprach Harry zur gesamten Klasse und dankte ihnen für ihre harte Arbeit im Schuljahr und im Duellierturnier und wünschte ihnen Glück für ihre Examen. Als die Schüler begannen, den Raum zu verlassen, bemerkte er, wie einige zu ihm gingen. Bevor alle Schüler den Raum verlassen hatten, trat Hermine zu ihm und wollte wissen: „Wo hast du gelernt, so zu kämpfen?"

Harry zog eine Augenbraue hoch. „Vor allem hier. Du vor allen anderen solltest das wissen."

„Was soll das heißen?", fragte sie.

Bevor er die Gelegenheit hatte, zu antworten, war eine andere Stimme zu hören: „Miss Granger, vielleicht können sie ihre Fragen zu einem späteren Zeitpunkt stellen. Ich würde gerne mit Mr. Potter reden." Harry sah dankbar zu Professor McGonagall. „Allein", fügte sie unnötigerweise hinzu.

Hermine sah so aus, als wäre ihr gerade gesagt worden, die Examen seien abgesagt worden. Sie brauchte einen Moment, um sich zu fangen, bevor sie antwortete: „Sicher Professor." Ohne ihn oder einen der anderen anzuschauen drehte sie sich auf dem Absatz um und marschierte aus dem Raum.

Harry blickte zu Ginny, Ron, Neville und Luna und sagte: „Ich sehe euch dann später, Leute."

Professor McGonagall stand still da, bis die Tür hinter ihnen zufiel. Sie wandte sich Harry zu und sagte: „Setz dich." Harry drehte sich um und fand einen Stuhl hinter sich. Beinahe im gleichen Moment, wie er sich schließlich hingesetzt hatte, fuhr sie fort: „Du schuldest mir einige Erklärungen."

„Äh - ist das so?", fragte Harry schwer von Begriff. Er hatte keine Ahnung, auf was sie sich bezog.

„Du hast eine einzigartige Art zu kämpfen, Harry", meinte seine Hauslehrerin, ihre Stimme streng und kontrolliert. „Eine Art, die ich bisher nur einmal in meinem Leben gesehen habe. Weißt du, wann dieses eine Mal war?"

Harry schaute sie mit großen Augen an. Seine Gedanken überschlugen sich und stellten Verbindungen her. Er fühlte sich wie erstarrt, unsicher, was er sagen oder wie er reagieren sollte.

„Ich sage es dir", sagte sie nach einer kurzen Pause. „Ich war letztes Halloween in Hogsmeade. Weißt du, was dort passiert ist, Harry?"

„Es wurde angegriffen", antwortete Harry, der schließlich seine Stimme wiedergefunden hatte.

„Ja, es wurde angegriffen", fuhr sie fort. „Und es wäre höchstwahrscheinlich zerstört worden, wenn nicht eine Person gewesen wäre - eine Person, die wir seit Monaten versuchen zu identifizieren und zu finden. Weißt du, wer diese Person ist?"

Harry wagte es nicht, diese Frage zu beantworten und erwiderte nur den starren Blick seiner Lehrerin.

Ihre dünnen Lippen formten ein einziges Wort: „Du."

„Professor ..."

„Stell dir meine Überraschung vor," schnitt sie ihm das Wort ab „als ich dich in einem freundschaftlichen Duell gegen deine Schüler beobachtete und ich stark an den Kampf in Hogsmeade erinnert wurde, wo ich einem jungen Mann, Jim, zusah, wie dieser gegen eine Gruppe Todesser duellierte und als Sieger hervorging. Unmöglich, dachte ich. Es ist unmöglich, dass diese zwei ein und dieselbe Person sind, also bin ich zum Büro des Schulleiters gegangen und habe mir sein Denkarium ausgeliehen. Und wer hätte es gedacht: Die Ähnlichkeit ist frappierend, solange man das Haar, die Augen und die Narbe außer Acht lässt."

„Dumbledore weiß Bescheid?", fragte Harry und fühlte, wie sich sein Magen umdrehte. Wenn das wahr war, würde er das Schloss sofort verlassen müssen. Sein Heim war bereit. Er würde nicht erlauben, dass Dumbledore ihn nun aufhielt.

„Nein, das tut er nicht", sagte sie. „Noch nicht."

Harry atmete tief aus. Er hatte gar nicht bemerkt, dass er die Luft angehalten hatte. „Professor - Minerva - bitte lass mich erklären", begann er.

„Ja, Potter. Bitte erkläre es mir", sagte sie. „Ich bin sehr neugierig, zu erfahren, was du dazu zu sagen hast."

Harry holte tief Luft. Er wusste, er hatte nur diese eine Chance. Wenn er sie nicht davon überzeugen konnte, es bis zum Ende des Schuljahres geheim zu halten, würde er keine andere Wahl haben als die Schule zu verlassen, bevor Dumbledore die Chance hatte, ihn aufzuhalten. „Was weißt du über die Prophezeiung?", fragte er. Es wurzelte alles in der Prophezeiung, daher war es ein guter Anfang.

„Ich kenne nicht den genauen Wortlaut, aber ich weiß genug", sagte sie grimmig.

„Du weißt also, was ich tun muss?", fragte Harry. Er bekam ein Nicken als Antwort. „Ich wusste es vor dem letzten Juni nicht", fuhr Harry fort. „Stell dir also meine Überraschung vor, als ich direkt nach dem Tod meines Patens endlich erfuhr, warum - warum meine Eltern umgebracht wurden, als ich ein Baby war - warum ich gezwungen war, bei Verwandten zu leben, die mich verabscheuen - warum Voldemort hinter mir her war, seit ich ein Baby war - warum Voldemort mich in die Mysteriumsabteilung locken wollte. Und stell dir meine Überraschung vor, als ich - nachdem ich dies erfuhr - wieder bei meinen Verwandten abgeladen wurde. Dumbledore hat die Lasten dieses Krieges und der gesamten Zaubererwelt auf meine Schultern gelegt und mich dann zu den Menschen zurückgeschickt, die mich hassen. Er erwartet von mir, Däumchen zu drehen und zu warten, bis er mich für bereit erklärt, im Krieg involviert zu werden."

„Solange ich mich zurückerinnern kann, war jeder Aspekt meines Lebens außerhalb meiner Kontrolle gewesen. Ich habe es satt. Ich konnte nicht einfach nur herumsitzen und darauf warten, bis das nächste schlimme Geschehen passiert - bis Voldemort seinen nächsten Zug macht. Ich kann nicht nur herumsitzen und warten, bis Dumbledore mich als alt genug oder vertrauenswürdig genug erklärt oder auf was auch immer er wartet. Menschen sterben, und ich bin der einzige, der es aufhalten kann."

„Aber sicherlich musst du verstehen ...", begann Minerva.

„Was verstehen?", unterbrach Harry. „Das ich zu jung bin? Bin ich das, Professor? Bin ich zu jung, um gegen Todesser zu kämpfen? Bin ich zu jung, um Voldemort entgegenzutreten? Denn ich glaube nicht, das Voldemort es einen feuchten Kehricht schert, wie jung ich bin. Er wird nicht aufhören, bis ich tot bin und nichts, was du, der Orden oder Dumbledore machen, wird ihn aufhalten."

„Ich verstehe, wie du dich fühlen musst", sagte sie.

„Tust du das, Professor?", fragte Harry, seine Stimme härter als er wollte. „Verstehst du, wie es sich anfühlt, zu wissen, dass du eines Tages Voldemort entgegentreten musst und nur einer von euch wird überleben?"

Sie schürzte die Lippen und ihr Blick war fest auf ihn gerichtet. Schließlich antwortete sie: „Nein, ich denke, das tue ich nicht. Die einzige Person, die es verstehen könnte, ist der Schulleiter."

Harry lächelte grimmig. „Ja. Er ist der einzige, der es verstehen kann, und doch weigert er sich. Er will mich davor bewahren."

„Sicherlich kannst du ihm deswegen keine Vorwürfe machen ", meinte Minerva.

„Oh, es ist eine bewundernswerte Absicht, schätze ich", erwiderte Harry. „Aber kann er es? Kann er mich davor bewahren?" Harry Blick war harsch, als er auf ihre Antwort wartete.

„Nein, ich schätze nicht."

„Genau", erwiderte Harry. „Verstehst du nicht? Es ist zu spät. Seit Voldemort zurückgekehrt ist, ist es zu spät dafür. Voldemort möchte mich tot sehen und er wird mich verfolgen. Dumbledore hat alles getan, um es aufzuhalten und doch bin ich Voldemort schon öfters gegenüber gestanden als ich es jemals gewollt habe."

„Also gut, ich verstehe deinen Standpunkt", gab sie zu. „Aber es gibt einen Unterschied zwischen der Vorbereitung auf den Moment, wenn Schwierigkeiten dich finden und loszugehen und Schwierigkeiten zu suchen."

Harry nickte, die Logik hinter der Aussage nachvollziehend. „Das ist wahr. Ich könnte einfach im Schloss bleiben und nur trainieren."

„Und dennoch hast du dich dazu entschieden, dich aus dem Schloss zu schleichen und an Kämpfen gegen vollausgebildete Todesser teilzunehmen", meinte sie.

„Ich habe nicht mit dieser Absicht begonnen", meinte Harry und dachte an seine verschiedenen Zusammentreffen mit Todessern. „Im Sommer hatte ich eine Vision und ich wusste, dass die Weasleys in Schwierigkeiten steckten. Ich konnte dem Orden nicht schnell genug Bescheid geben. Daher ging ich selber und habe Ginny gerettet. Als ich an Halloween nach Hogsmeade ging, hatte ich geplant, im Hintergrund zu bleiben und vereinzelte Todesser aus dem Hinterhalt anzugreifen, aber als ich sah, wie ihr in die Enge getrieben ward, wusste ich, dass ihr Hilfe braucht. Die Dinge haben sich von da einfach weiterentwickelt."

„Wenn du allerdings darüber nachdenkst", fuhr Harry fort, „Wenn ich Voldemort entgegentreten soll, brauche ich Erfahrung. Sicher, das Training hilft, aber es ist unmöglich, einen Kampf gegen die Todesser zu simulieren, ganz zu schweigen gegen Voldemort. Niemand - nicht ich, du oder Dumbledore - weiß, wann Voldemort mich wieder finden wird und keiner von uns kann sagen, wann die Zeit gekommen ist, dass die Prophezeiung erfüllt werden wird - mit seinem oder meinem Sieg. Ich persönlich würde lieber so gut wie möglich vorbereitet sein, wenn der Tag kommt."

„Aber warum die ganze Geheimhaltung?", fragte sie. „Es wäre für alle Beteiligten sicherer, wenn du mit uns zusammen statt auf dich allein gestellt arbeitest."

Harry lachte humorlos auf. „Klar. Du denkst, Dumbledore würde das erlauben? Er will mir nicht einmal verraten, was der Orden plant, ganz zu schweigen mich teilnehmen zu lassen. Ich habe versucht, ihn umzustimmen, aber er bewegt sich keinen Zentimeter. Nicht, bis ich nicht die Schule beendet habe. Als ob ein weiteres Jahr Unterricht mir wirklich dabei helfen wird, mich auf das, was kommen wird, vorzubereiten."

Er bemerkte, wie sie nach dieser Aussage wieder ihre Lippen schürzte, aber sie sagte nichts. Harry schluckte schwer und stellte die Frage, deren Antwort er fürchtete: „Was wirst du nun tun?"

Sie machte keine Anstalten, zu antworten, noch ließ sie sich anmerken, ob sie die Frage überhaupt gehört hatte. Harry überlegte, ob er sie noch einmal fragen sollte, als sie schließlich fragte: „Was denkst du sollte ich tun?"

Harry öffnete den Mund, um ihr genau zu sagen, was er gern hätte, was sie tun sollte, aber klappte den Mund wieder zu und hielt inne, um nachzudenken. Wenn er an ihrer Stelle wäre, was würde er tun? Nach einiger Zeit sagte er schließlich: „Es ist schwer zu sagen. Auf der einen Seite verstehe ich meinen eigenen Standpunkt und möchte es alles geheimhalten. Aber dann hast du eine Verantwortung als mein Professor und als meine Hauslehrerin, meine Sicherheit zu gewährleisten - und sicherzustellen, dass ich die Schulregeln befolge."

Sie nickte. „Das habe ich."

„Aber", fuhr Harry fort. „während ich noch immer ein Schüler bin, bin ich auch Assistenzprofessor. Daher gelten nicht alle Regeln für die Schüler für mich."

„Glaube nicht, dass ich dich wegen einer Formsache wie dieser laufen lasse", meinte sie.

„Denk eine Sekunde darüber nach", erwiderte Harry und hielt eine Hand hoch. „Wenn die Dinge anders lägen - kein Voldemort oder Krieg oder so etwas - und es wäre irgendein anderer Schüler, der zum Assistenzprofessor ernannt wurde, was wären die Regeln? Wäre es demjenigen erlaubt, während des Schuljahrs das Schulgelände zu verlassen, solange er den Unterricht besucht?"

Minervas Lippen waren so hart aufeinander gepresst,, dass ihr Mund nur noch ein Strich zu sein schien. „Ich glaube, es gibt einen Präzedenzfall, der besagt das, ja. Dir wäre es erlaubt, die Schule für angemessene Längen zu verlassen. Doch um fair zu sein: Du bist der erste minderjährige Assistenzprofessor, was eine andere Frage aufwirft." Sie hielt einen Moment lang inne, bevor sie fortfuhr: „Wie kommt es, das du außerhalb Hogwarts Magie verwenden kannst? Und so einfach von einem Ort zum anderen kommst?"

Harry zuckte zusammen, wissend, dass es keine Möglichkeit gab, dieser Frage auszuweichen, nun, da sie ausgesprochen worden war. Er wünschte sich nur, das er wüsste, was sie mit der Information vorhatte . Aber da er keinen Weg darum herum sah, antwortete er: „Ich kann zauberstablose Magie anwenden." Minerva zog eine Augenbraue hoch, was Harry veranlasste, hinzuzufügen: „Ich bin wirklich gut damit."

„Wie gut?", fragte sie.

„Mit den Zaubern, die ich kenne, besser als mit einem Zauberstab", sagte Harry freiheraus.

„Und Zauber, die du nicht kennst?", fragte seine Hauslehrerin nach.

„Ich finde es einfacher, mit einem Zauberstab zu lernen", erwiderte Harry.

„Ich verstehe", erwiderte sie. Weder ihre Stimme, noch ihr Gesichtsausdruck verriet ihre Gedanken. „Und wie gehst du von einem Ort zum anderen?"

„Ich kann apparieren - zauberstablos", gab er zu.

Minerva musterte ihn einen langen Moment lang. „Du musst mir verzeihen, wenn ich etwas skeptisch bin", erwiderte sie schließlich. „Solch ein Talent mit zauberstabloser Magie ist selten, selbst wenn man deine Jugend außer Acht lässt."

Harry zog eine Augenbraue hoch und mit einer Handbewegung beschwor er eine Plüschkatze hervor, die eine frappierende Ähnlichkeit mit Minervas Animagusgestalt hatte.

Ihre Augen wurden größer, als sie das heraufbeschworene Objekt anschaute. Dann verengte sie ihre Augen, als sie fragte: „Woher weiß ich, dass du nicht einfach den Raum die Katze hast kreieren lassen?"

Harry seufzte und ließ mit einer Handbewegung das unbelebte Tier verschwinden. „Versuch einen Schockzauber auf mich zu werfen", sagte er.

Sie starrte ihn einen Moment lang an, bevor sie langsam ihren Zauberstab hervorholte und ihn auf ihn richtete. Harry zeigte keine Reaktion, als sie die Zauberstabbewegungen ausführte und sie einen hellroten Zauber aus nächster Nähe auf ihn warf. Er hob nur seine Hand und beschwor damit einen Schutzschild hervor, der den Zauber abwehrte.

„Ist das ausreichend?", fragte er emotionslos. „Oder benötigst du noch eine weitere Demonstration?"

„Nein", erwiderte sie matt. „Das reicht für den Moment."

Die beiden saßen einige Minuten still da und musterten einander. Harry dachte, dass sie zumindest seine Perspektive in Betracht zog, was alles war, was er von ihr verlangen konnte. Wenn sie noch immer entschied, Dumbledore alles zu erzählen, wäre es ungemein lästig für ihn, aber nicht mehr. Er würde nur seinen Zeitplan nach vorne verlegen und Hogwarts früher verlassen müssen. Es war nichts, das er tun wollte, aber er war darauf vorbereitet, es zu tun, sollte es soweit kommen.

Schließlich bewegte Minerva sich auf ihrem Stuhl und brach die Stille: „Ich befinde mich hier in einer etwas heiklen Situation, Mr. Potter. Deine Argumente sind durchdacht und würden ausreichen, um mich davon zu überzeugen, dass du Teil des Ordens des Phönixes sein solltest. Das ist jedoch nicht das, um was du mich bittest. Ich habe Verantwortung gegenüber der Schule und des Ordens, den Schulleiter davon zu unterrichten, was ich heute gelernt habe, aber wenn ich mich nicht irre, könnte das die Umstände verschlimmern. Sag mir, Harry: Wenn ich dir sagen würde, dass ich direkt in das Büro des Schulleiters gehen würde, um ihm von deinen Fähigkeiten zu berichten, was würdest du tun?"

Harry zögerte nicht, als er antwortete: „Ich würde dir danken, dass du mich und meinen Standpunkt angehört hast und dich gehen lassen." Er kämpfte damit, einen ruhigen, höflichen Tonfall beizubehalten.

„Mich gehen lassen?", fragte sie ungläubig. Harry zuckte nur mit den Schultern und sie redete weiter: „Was du in deiner Antwort praktischerweise ausgelassen hast, ist, was du machen würdest, direkt nachdem ich den Raum verlassen habe."

„Ich würde diese Frage um ehrlich zu sein lieber nicht beantworten", gab er zu.

Sie nickte, als hätte sie diese ausweichende Antwort erwartet und fragte dann: „Wie schnell könntest du das Schloss und die Ländereien verlassen?", fragte sie.

Harry grinste verschmitzt. „Schneller als du das Büro des Schulleiters erreichen könntest - selbst in deiner Animagusgestalt."

„Was mich daran erinnert", meinte Minerva. „Ich hatte vorgehabt, dich zu fragen, ob du im nächsten Schuljahr die Animagusverwandlung lernen möchtest, aber angesichts meiner neuen Erkenntnisse frage ich mich, ob du meine Instruktionen benötigst."

Harry rutschte etwas auf seinem Stuhl hin und her. „Äh - nein, nicht wirklich."

„Möchtest du es mir zeigen?", fragte sie.

Harry seufzte und überlegte kurz, bevor er sich entschied. Angesichts dessen, was sie wusste, war sie sicherlich schon zu dem Schluss gekommen, das seine Gestalt ein Panther war. Das war also genau das, was er ihr zeigen würde. Er stand auf und erlaubte seiner Magie zu fließen und fühlte schnell, wie die Verwandlung seinen Körper veränderte, bis er auf allen vieren vor seiner Hauslehrerin stand.

Als er sich in seine menschliche Gestalt zurückverwandelte, grinste die Professorin und meinte: „Ich wusste, dass du eine Katzenart sein musst."

Da Harry ihre Unterhaltung wieder zum ursprünglichen Thema zurückbringen wollte, sagte er: „Es scheint, als wären wir vom Thema abgekommen."

„So ist es wohl", kommentierte sie. „Erlaube mir offen zu sein. Ich zögere, mit dem Schulleiter über meine Entdeckungen zu reden, da ich wenig Zweifel habe, dass dieses Vorgehen nur dazu dienen wird, dich noch mehr vom Orden im Allgemeinen und von mir und dem Schulleiter im Speziellen abschrecken wird. Würdest du sagen, dass das eine akkurate Einschätzung ist?"

Harry nickte. „Ja, das würde ich sagen." Ein Lächeln bildete sich auf seinen Lippen.

„Ich fühle mich allerdings nicht wohl dabei, deine Aktivitäten wissentlich zu ignorieren. Was du tust ist gefährlich und närrisch." Sie hielt eine Hand hoch, um seine Einwände aufzuhalten. „Ich sage nicht, dass du zu jung oder unfähig bist. Ganz im Gegenteil. Ich habe gesehen, zu was du fähig bist und stimme zu, dass es unklug wäre, zu versuchen, dich zu diesem Zeitpunkt aus dem Krieg heraushalten zu wollen, aber ich kann dein Vorgehen nicht unterstützen - allein in den Kampf zu ziehen ist närrisch bis zur völligen Blödheit."

„Ich stimme dir zu", unterbrach Harry schnell. „Ich war in ein paar unangenehmen Situationen, die wahrscheinlich vermieden hätten werden können, wenn ich mit dem Orden zusammen statt alleine gearbeitet hätte. Ich habe die Entscheidung bereits getroffen, zu versuchen, zu vermeiden, alleine in die Schlacht zu ziehen und stärker mit dem Orden zusammenzuarbeiten."

Sie schürzte die Lippen. „Nicht alle im Orden wollen Jim vertrauen."

Harry nickte: „Diesen Eindruck habe ich auch. Remus war von Anfang bereit, mit mir zusammenzuarbeiten, und ich glaube, Tonks ist nun bereit, einzulenken und ebenfalls mit mir zusammenzuarbeiten. Wir haben in der Winkelgasse einander das Leben gerettet."

Ihr Gesicht nahm einen spekulativen Ausdruck an und sie öffnete ihren Mund, doch sie klappte ihn abrupt wieder zu und schüttelte den Kopf: „Ich hoffe, du realisierst, dass dies nur eine temporäre Lösung ist. Früher oder später wird die Wahrheit herauskommen und es wird eher früher als später sein."

„Ich weiß", gab Harry zu. „Ich brauche nur noch etwas Zeit. Ich verspreche dir, zu Beginn des nächsten Schuljahres mit Dumbledore zu reden, wenn nicht sogar noch früher." Er mochte es nicht, sie irrezuführen, doch während sie bereit zu sein schien, die Situation, wie sie war, zu akzeptieren, war er sich nicht sicher, wie sie auf seine Pläne für den Sommer reagieren würde, und er war nicht gewillt, das Risiko einzugehen, es ihr zu erzählen. „Heißt das, du wirst mein Geheimnis für dich behalten?", fragte Harry hoffnungsvoll.

Mit einem Seufzen antwortete sie: „Ich habe das Gefühl, dass ich es bedauern werde, aber ja, ich werde dein Geheimnis für mich behalten. Sollte der Schulleiter jedoch direkt fragen, werde ich nicht lügen. Solltest du außerdem etwas besonders närrisches tun und damit dein Leben in Gefahr bringen, behalte ich mir das Recht vor, meine Meinung zu ändern."

Harry lächelte: „Danke, Minerva."

„Gern geschehen, Harry", antwortete sie. „Nun gehst du besser zurück zu deinen Freunden; ich denke, sie haben ebenfalls eine Menge Fragen an dich." Harry musste keinen besonders guten Job gemacht haben, eine Grimasse zu unterdrücken, denn sie fügte hinzu: „Sie haben keine Ahnung, oder? Ron und Hermine meine ich."

Harry runzelte die Stirn und schüttelte den Kopf. „Nein, ich würde beiden mein Leben anvertrauen, aber nicht meine Freiheit."

„Siehst du das so an?", fragte sie. „Freiheit?"

Harry musterte ihr Gesicht einen Moment lang und sah nichts als ehrliche Neugier. „Das erste Mal in meinem Leben", begann er. „fühle ich, als hätte ich Kontrolle über mein eigenes Leben. Es geht nicht nur um den Krieg oder das Gefühl der Verantwortung; es ist mein Leben und ich habe es satt, das andere mir sagen, wie ich es zu leben habe."

„Gut gesagt", erwiderte sie und nickte. „Nun gut. Für den Moment werde ich deine Wünsche respektieren und in Zukunft werde ich alles tun, um deine Freiheit zu garantieren - solange du verantwortungsvoll mit ihr umgehst."

„Danke", erwiderte Harry. Er lächelte die Frau an, die seit langem seine Professorin und Hauslehrerin war, die er aber mehr und mehr als eine Freundin ansah. Als er den Raum der Wünsche verließ, fühlte Harry sich, als sei ihm eine große Last von den Schultern gefallen. Er konnte kaum glauben, dass die Konversation so gut verlaufen war. Seine Hauslehrerin war im Verlauf des Jahres für ihn immer menschlicher geworden. Er konnte nicht anders als froh zu sein, dass er sich die Zeit genommen hatte, die Person hinter der Fassade, die sie den Schülern zeigte, kennenzulernen. Im Unterricht war sie streng und kompromisslos, aber dann wiederum war sie die Lehrerin. Sie war in einer Machtposition und erwartete von ihren Schülern, dass diese dies respektierten. Wenn man sie aus dieser schulischen Umgebung nahm, war sie noch immer eine strikte und strenge Person, aber sie war bereit, zuzuhören und einen anderen Standpunkt zu überdenken und Kompromisse einzugehen. Ihre Fähigkeiten als Lehrerin konnten nicht in Zweifel gezogen werden, aber Harry zog ihre Persönlichkeit außerhalb des Unterrichts definitiv vor.

Seine Ankunft im Gryffindor-Gemeinschaftsraum blieb von seinem Freundeskreis nicht unbemerkt. Ron, Hermine, Neville und Ginny schauten alle hoch, als er durch das Porträtloch trat. Ginny sah erleichtert aus, ihn zu sehen, während die anderen vor allem wissbegierig erschienen. Harry holte tief Luft, bevor er zu ihnen ging.

Ohne Vorwarnung wollte Hermine direkt wissen: „Was meintest du damit, dass ich vor allen anderen wissen sollte, wo du gelernt hast zu kämpfen?"

Harry zog eine Augenbraue hoch und schaute die anderen an: „Hey Leute", grüßte er, bevor er sich wieder zu Hermine wandte: „Ich glaube, du weißt genau, was ich meine. Du folgst mir schon seit Wochen."

Hermines Kinn klappte herunter und nach einem Moment begann ihr Mund sich zu bewegen, ohne dass ein Laut zu hören war. Schließlich schaffte sie es zu murmeln: „DU wusstest es?", Harry nickte nur. „Und du hast nichts getan?"

Er zuckte mit den Schultern. „Wieso sollte ich etwas tun? Es ist nicht so, als ob du mein Training gestört hättest. Wenn du deine Zeit verschwenden wolltest, mir zu folgen, ist das deine Angelegenheit."

Sie funkelte ihn an. „Und doch hast du keine Anstalten gemacht, mich einzuladen oder mir zu sagen, was du tust."

„Wieso sollte ich mir die Mühe machen, dich einzuladen, wenn du selbst die Initiative ergriffen hast, mich auszuspionieren?", fragte Harry und hielt seine Stimme ruhig, als würden sie nichts bedeutsameres als das Wetter bereden.

„Ich müsste dich nicht ausspionieren, wenn du nicht so viele Geheimnisse vor uns hättest", kreischte Hermine.

Harry schaute um sich herum und sah mehrere Köpfe, die sich nach Hermines Ausruf zu ihnen gedreht hatten. Er wandte seinen Blick wieder auf Hermine und starrte sie einen Moment lang vielsagend an, bevor er leise antwortete: „Ist es dir nie in den Sinn gekommen, dass ich etwas Privatsphäre zu schätzen wüsste? Oder hat der Junge-der-lebt dieses Privileg nicht?"

„Oh, hör auf, dich zu verhalten, als wärst du immer der Geschädigte", schimpfte Hermine. „Du bist schon das ganze Jahr lang herumgeschlichen und bist unseren Fragen ausgewichen und wir haben es satt."

„Wir?", fragte Harry.

Hermine nickte entschlossen: „Ron stimmt mir zu."

Nach Rons Gesichtsausdruck zu urteilen war es für Harry ziemlich klar, dass dieser nie solche Behauptungen gemacht hatte und sich so weit wie möglich von dieser Unterhaltung fernhalten wollte. Leider hatte er keine Wahl, denn Hermine drehte sich zu ihm und fragte: „Nicht wahr, Ron?"

Harry schaute neugierig zu Ron und fragte sich, wie er auf diese Situation reagieren würde, während Hermine ihn anfunkelte und ungeduldig mit ihrem Fuß auf den Boden klopfte.

„Äh ... nun, ich stimme dir zu, dass Harry dieses Jahr viel Zeit ohne uns verbracht hat", erwiderte er langsam, scheinbar jedes Wort einzeln und mit Bedacht auswählend. Es war deutlich, dass Hermine mit seiner Antwort nicht zufrieden war. „Hermine", sagte Ron, als er seine Hand ausstreckte, um ihre Hand in seine zu nehmen.

Hermine zog ihre Hand zurück, als hätte seine Berührung ihre Haut verbrannt. „Fass mich nicht an", schimpfte sie und drehte sich dann wieder zu Harry zurück. Sie sah daher nicht den verletzten und darauf folgenden wütenden Ausdruck auf Rons Gesicht. „Du magst ihn zu sehr eingeschüchtert haben, Fragen zu stellen, aber ich werde nicht so einfach aufgeben."

„Das ist offensichtlich", murmelte Neville und brachte Harry damit zum Grinsen.

Bevor Hermine jedoch ihre Wut auf Neville richten konnte, sagte Harry: „Ja, ich habe dieses Jahr weniger Zeit mit euch verbracht. Ich hatte dieses Jahr viel zu tun, und um ehrlich zu sein, brauchte ich etwas Zeit abseits von euch. Ich weiß, dass du daran gewöhnt bist, jedes kleinste Detail meines Lebens zu kennen, aber du wirst dich daran gewöhnen müssen, mir etwas Privatsphäre zu gewähren, denn das wird sich nicht ändern. Und ganz ehrlich: Umso mehr du drängst, umso weniger Lust habe ich, etwas mit dir zu teilen. Du kannst also weiter versuchen, mich zu drängen, dir jedes kleine Detail in meinem Leben mitzuteilen, aber erwarte nicht, dass ich deinen Forderungen nachgeben werde."

„Natürlich gibst du mir die Schuld" erwiderte Hermine hitzig. „Du lässt mich hier als den Bösewicht dastehen, während du das wahre Problem vermeidest. Das macht es nur noch offensichtlicher, dass du dich weigerst, die Frage zu beantworten."

„Sieht es so aus, als würde ich versuchen, die Tatsache zu verstecken?", antwortete Harry mit einer Gegenfrage und kämpfte damit, seinen Ärger und seine Frustration zu unterdrücken. „Ja, ich habe mehr Zeit allein verbracht. Nein, ich weiß es nicht zu schätzen, dass du versuchst, dich in jedes Detail meines Lebens einzumischen. Ja, ich weigere mich, deine Fragen zu beantworten. Warum? Weil anders als du vielleicht denkst geht es dich einen feuchten Kehricht an. Man könnte glauben, dass du es nach einem Jahr verstehen würdest. Dennoch weigerst du dich, es zu verstehen. Du hast nicht das Recht, jedes Detail meines Lebens zu kennen. Ich entscheide, was ich mit dir teilen möchte. Und wenn ich bereit bin, etwas zu teilen, werde ich zu dir kommen. Bis dahin behältst du entweder deine Fragen für dich oder du verschwindest."

Bevor Hermine antworten konnte, sprang Ginny auf und hielt eine Hand hoch. „Lass es, Hermine."

„Natürlich kommst du ihm zu Hilfe", murmelte Hermine laut genug, dass sie es alle hören konnten.

„Also gut. Ich hab genug", unterbrach Neville. „Du", sagte er und zeigte auf Hermine. „Hörst auf zu reden." Als Hermine ihren Mund öffnete, ließ Neville seinen Zauberstab in seine Hand gleiten und warf innerhalb eines Augenblicks einen Schweigezauber. „Da. Das ist viel besser."

Hermine schien dem nicht zuzustimmen, da sie eifrig weitersprach und Harry hatte das Gefühl, das - wenn Hermine nicht stumm gezaubert worden wäre - sie Flüche von ihr hören würden, die Harry nie von Hermine erwartet hätte.

Neville wandte seine Aufmerksamkeit zu Harry und Ginny und sagte leise: „Ihr beide habt das Recht auf Privatsphäre, egal, was sie sagt."

„Danke Neville", meinte Harry.

Neville winkte ab. „Nicht der Rede wert. Nun, ich weiß nicht, wie lange der Schweigezauber anhalten wird und ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich möchte nicht hier sein, wenn er nicht mehr wirkt."

Harry nickte. Er konnte bereits sehen, wie Hermine ihren Zauberstab in der Hand hielt und versuchte, den Zauber stumm aufzuheben. Ron saß neben ihr und machte keine Anstalten, ihr zu helfen und schien Hermines missliche Lage zu genießen. Harry war überrascht, dass Hermine Ron nicht um Hilfe bat. Er war sich sicher, dass Ron den Zauber für sie entfernen würde, wenn sie nur fragen würde. Er zuckte mit den Schultern und wandte sich an Neville und Ginny. „Wollt ihr in meinem Büro lernen?", fragte er. „Dort haben wir zumindest Privatsphäre."

Ginny stimmte sofort zu und Neville nickte, um ebenfalls seine Zustimmung zu zeigen. Nachdem sie ihre Bücher zusammengesucht hatten, zogen die drei sich in Harrys Büro zurück und verbrachten den Großteil des Nachmittags und des Abends mit wiederholen. Harry verbrachte mehr Zeit damit, Neville und Ginny zu helfen, statt selber zu lernen, aber er war über die Examen nicht allzu sehr besorgt.

OoOoOoOoOoOoOoO

Die folgende Woche war etwas angespannt, wenn auch nicht so schlimm wie es hätte sein können. Hermine vermied jegliche Interaktion mit Harry, Ginny und Neville. Sie war so in ihre Examensvorbereitungen vertieft, dass sie Ron kaum Aufmerksamkeit schenkte. Selbst während der Mahlzeiten saßen Ron und Hermine zwar beieinander, aber Harry sah, dass Hermine immer ein Buch vor sich aufgeschlagen hatte. Ron schien Harry, Neville oder Ginny die Konfrontation nicht nachzutragen. Und sobald Hermine nicht in der Nähe war, verhielt er sich, als sei nichts passiert. Wenn Hermine jedoch da war, hielt er Abstand, auch wenn Harry merkte, dass Ron mit diesem Arrangement nicht zufrieden war. Schließlich verbrachte Hermine ihre ganze Zeit mit lernen und Ron war schon immer leicht abgelenkt.

Harry absolvierte seine Examen ohne nennenswerte Schwierigkeiten. Er konnte nicht in allen seinen Fächern ein Ohnegleichen garantieren, aber er wusste, dass er gut abgeschnitten hatte. Zaubertränke war die einzige Ausnahme und das war mehr wegen Snapes Voreingenommenheit als Harrys Leistung während des Examens. Er war sich sicher, dass er in allen anderen Examen gut genug gewesen war, um ohne Probleme versetzt zu werden. Am Ende der Woche hatte Ginny fünf ihrer acht Z.A.G.s abgelegt und nur Pflege magischer Geschöpfe, Muggelkunde und Geschichte der Zauberei waren noch übrig. Sie schien entspannter zu sein, nun, da sie beinahe fertig war.

Harry war gerade mit dem vorzüglichen Mittagessen fertig geworden, dass an diesem Samstag von den Hogwartshauselfen vorbereitet worden war, als er plötzlich fühlte, wie sich seine Nackenhaare sträubten. Er fühlte, wie drei Leute sich ihm von hinten näherten. Ohne sich umdrehen zu müssen wusste er, wer es war. Harry schaute über den Tisch hinweg und erwiderte Nevilles Blick, wobei er leicht seinen Kopf schüttelte, um Neville daran zu hindern, etwas zu sagen. „Was willst du, Malfoy", fragte Harry, als er sich zu den Slytherins umdrehte.

Ein höhnisches Lächeln auf dem Gesicht begann Malfoy: „Du kannst dich nicht viel länger verstecken, Potter. Sobald du volljährig bist, wird die ganze Zaubererwelt sehen, wie wertlos du bist."

Harry grinste. „Nun, glücklicherweise wissen wir bereits, wie bemitleidenswert du bist. Was mich betrifft, mache ich mir keine großen Gedanken, was die Zaubererwelt denkt. Nachdem du ein Dutzend Mal vom Retter zum Sündenbock und wieder zurück gegangen bist, hört man einfach auf, sich darum zu kümmern. Warum schleichst du dich also nicht wieder zurück an den Slytherintisch und lässt uns in Ruhe essen?"

„Du denkst, du bist so etwas Besonderes, nicht wahr Potter?", erwiderte Malfoy. „Nur wegen dieser blöden Narbe auf deiner Stirn. Du dachtest, du hättest den Dunklen Lord besiegt, aber wir wissen alle, wie das ausging. Du konntest ihn damals nicht besiegen und es ist nur eine Frage der Zeit, bis ..."

„Verpiss dich, Malfoy", unterbrach eine vertraute Stimme.

Harry wandte den Kopf und sah, wie Ron sich näherte. Hermine war nicht weit hinter ihm, die Stirn gerunzelt.

„Mach dir keine Sorgen, Ron", sagte Harry. Er wandte sich wieder an den blonden Slytherin und fuhr fort: „Draco wollte gerade gehen."

Malfoy funkelte Harry einen Moment lang an: „Du wirst bekommen, was du verdienst, Potter - bald."

„Das höre ich nun schon seit sechs Jahren", kommentierte Harry leicht. „Du verzeihst mir sicherlich, wenn die Worte etwas an Bedeutung verloren haben."

Mit einem letzten, höhnischen Lächeln drehte Malfoy sich auf dem Absatz um und ging schnell davon, seine zwei Helfershelfer folgten ihm. Harry schüttelte den Kopf und nickte Ron dankend zu, bevor er sich umdrehte. „Nun, das war so angenehm wie immer", meinte er. Zu Ginny gewandt fragte er: „Möchtest du Hilfe beim Lernen?"

„Sicher", stimmte sie zu.

„Mein Büro?", fragte Harry.

„Macht es dir etwas aus, wenn wir in die Bücherei gehen?", bat Ginny. „Ich glaube, ein paar meiner Freunde könnten ebenfalls etwas Hilfe gebrauchen."

„Klar", erwiderte Harry. „Kein Problem. Bist du bereit?"

„Ja", sagte sie, als sie seinen Kelch nahm und den Rest seines Kürbissaftes trank. „Ich bin bereit."

Harry grinste sie an, als er sich vorbeugte, um ihr einen kleinen Kuss auf die Wange zu geben, bevor er von der Bank aufstand. „Bis später, Neville", sagte er und nickte seinem Freund zu.

„Ja. Viel Spaß", sagte er.

„Danke", meinte Harry und verdrehte die Augen, was ihm ein kleines Lachen einbrachte. Er drehte sich zu Ginny, hielt ihr seinen Arm hin und sagte: „Sollen wir, meine Dame?"

„Natürlich, mein Herr", erwiderte sie und legte ihre Hand auf seine Ellenbeuge. Zusammen gingen sie zum Gryffindorturm, so dass Ginny ihre Bücher holen konnte, bevor sie zur Bibliothek gingen.

OoOoOoOoOoOoOoO

Während Harry und Ginny auf dem Weg zur Bücherei waren, schleppte Hermine Ron in ein unbenutztes Klassenzimmer im dritten Stock. Ron hatte ein blödes Lächeln auf den Lippen in Vorfreude auf das, was kommen würde, aber das Lächeln verschwand schnell von seinem Gesicht, als er Hermines Gesichtsausdruck sah.

„Ich weiß, dass du versuchst, alles, was Harry angeht, auszublenden und versuchst, bei ihm lieb Kind zu machen", sagte sie, als ob seine Gedanken auf seine Stirn geschrieben waren. Er war sich ziemlich sicher, dass sie es nicht waren. „Aber das dauert nun lange genug an. Ich habe versucht, nett zu sein, aber er ist eindeutig außer Kontrolle und Professor Dumbledore muss darüber Bescheid wissen, bevor es zu weit geht. Bist du also auf meiner Seite?"

Ron runzelte verwirrt die Stirn: „Warte, dein Plan ist also, zu Dumbledore zu gehen und ihm was zu erzählen? Das Harry außer Kontrolle ist?"

„Ja", sagte Hermine und nickte nachdrücklich. Sie schien zufrieden zu sein. „Er wird wissen, was zu tun ist, um Harry zu erreichen."

„Und warum glaubst du ist Harry außer Kontrolle?", fragte Ron.

„Ehrlich, Ron", schnaubte sie. „Er trainiert im Geheimen und versteckt sich vor uns - selbst vor den Professoren. Sie müssen wissen, was los ist."

„Äh ... warum?", fragte Ron. Er verstand wirklich nicht, warum sie so besessen davon war, zu wissen, was Harry die ganze Zeit tat. Man könnte meinen, dass sie in ihn verschossen war, aber Harry war mit seiner Schwester zusammen - und Hermine war mit ihm zusammen. Oder nicht?

„Du kannst manchmal so schwer von Begriff sein", fauchte Hermine. „Was, wenn etwas passiert? Er könnte wegrennen und etwas Dummes tun und wir wären nicht da, um ihn davon abzuhalten."

„Oder ihm zu helfen", fügte Ron hinzu. Er fand es ärgerlich, dass sie automatisch annahm, dass - egal, welche Entscheidung Harry auch traf - es dumm wäre.

„Genau", stimmte sie ihm zu. „Du bist also meiner Meinung?"

„Was? Nein!", rief Ron aus und schüttelte nachdrücklich seinen Kopf. „Ich werde nicht hinter seinem Rücken so etwas tun."

„Wir reden von Professor Dumbledore", bestand Hermine. „Es ist für Harrys eigenes Wohl."

„Wie ist es für Harrys eigenes Wohl?", wollte Ron wissen. „Er scheint gut zurecht zu kommen."

„Natürlich scheint er gut zurechtzukommen", erwiderte Hermine. „Der Punkt ist, dass wir nicht wissen, was geschieht, weil er uns völlig ausgeschlossen hat. Hast du dich je gefragt, warum? Warum verspürt er den Drang, Dinge vor uns geheim zu halten?" Ron schüttelte den Kopf, nicht in der Lage, die Frage zu beantworten, aber Hermine wartete auf keine Antwort. „Außer er tut etwas, von dem er weiß, dass wir es nicht unterstützen würden."

Ron runzelte die Stirn. Hinter der Aussage steckte eine Logik, die er nicht leugnen konnte. Warum sonst würde er etwas vor ihnen verheimlichen? Warum tat Harry dies? Er dachte wahrscheinlich, dass er sie beschützte. Oder er fühlte sich schuldig, weil er sie in den Kampf gegen die Todesser in der Mysteriumsabteilung verwickelt hatte und wollte sie nicht noch einmal in Gefahr bringen. Das hörte sich mehr nach dem Harry an, den er kannte. Aber was konnte er tun, um Harry zu überzeugen, ihn wieder ins Vertrauen zu ziehen? Zu Dumbledore zu gehen stand außer Frage. Das würde alles nur schlimmer machen. Das konnte er klar sehen. Er würde später darüber nachdenken, aber jetzt musste er Hermine erst zur Vernunft bringen.

„So ist Harry nicht", argumentierte Ron. „Vertrau mir, zu Dumbledore zu gehen wird es nur schlimmer machen. Wir können uns zusammensetzen und darüber reden, wie wir fortfahren sollen, aber du musst versprechen, niemanden sonst davon zu erzählen."

„Ich muss gar nichts machen", fauchte Hermine. „Und wenn du weißt, was gut für dich ist, würdest du mit mir kommen."

„Nein", schüttelte Ron den Kopf. „Das kann ich nicht." Er drehte sich um und ging zur Tür.

„Wo gehst du hin?", wollte Hermine wissen.

Ron wandte seinen Kopf zu ihr und sagte: „Ich gehe Harry warnen."

„Ronald Weasley", rief Hermine. „Wenn du durch diese Tür trittst, dann ist es mit uns vorbei."

Ron war überrascht, dass ihm diese Ankündigung nicht im Geringsten etwas ausmachte. „Das ist okay für mich."

Ohne einen weiteren Gedanken zu verschwenden drehte er sich wieder zur Tür, öffnete sie und ließ sie hinter sich zukrachen. Er ging in Richtung der Bücherei, da er Harry und Ginny hatte sagen hören, dass sie nach dem Mittagessen dorthin gehen wollten. Gerade als die Türen zur Bibliothek in Sichtweite waren, wurden diese weit aufgerissen und eine Gestalt stürzte aus der Bücherei. Ron war geschockt zu sehen, dass diese Gestalt Harry war. Er hielt seine Hand hoch und fragte: „Was ist los? Was ist passiert?"

Harry hielt inne und schaute ihn an. Ron würde nie den Ausdruck in Harrys Augen vergessen. „Ginny", sagte Harry. „Sie wurde gerade von einem Portschlüssel wegtransportiert."

Als Ron die Worte verarbeitet hatte, war Harry bereits weitergerannt. „Was?", rief er. „Wo gehst du hin?"

„Ich bringe sie zurück!"

Ende Kapitel 25.2

Vielen Dank fürs Lesen und Reviewen!