AN: Dieses Kapitel habe ich noch einmal aufgeteilt denn die nächsten beiden werden zusammenbleiben und das werden absolute Monster (vorraus. ca. 25 Seiten und über 35 Seiten)

Kapitel 26.1: Kampf oder Flucht

Ginny stolperte und fiel auf alle viere, als der Portschlüssel sie in einen ihr unbekannten Raum transportierte. Die Stimme, die sie grüßte, war ihr allerdings nur allzu gut bekannt.

„Nicht wen ich erwartet hatte", meinte die hochmütige Stimme hinter ihr. „aber es wird ausreichen müssen."

Sie behielt ihren Arm außer Sichtweite und ließ ihren Zauberstab aus ihrem Halfter in ihre Hand gleiten, bevor sie aufstand und sich umdrehte. Sie verengte die Augen, als sie den platinblonden Mann vor sich sah.

„Aber, aber", sagte er, als er den Zauberstab in ihrer Hand sah. „Was hoffst du damit anzustellen? Ich schlage vor, dass du ihn niederlegst, bevor du dir wehtust."

„Wo bin ich?", fragte Ginny autoritär und ignorierte die Drohung. Sie konnte ihren Blick nicht von ihrem Feind abwenden, um ihre Umgebung genauer in Augenschein zu nehmen, aber von dem wenigen, dass sie gesehen hatte, schien der Ort ziemlich extravagant zu sein.

„Wo sind meine Manieren?" fragte Lucius sich. Er machte eine allumfassende Handbewegung und sagte: „Willkommen in meinem bescheidenen Sommerhaus."

Ohne Vorwarnung hatte er plötzlich seinen Zauberstab in der Hand und ein Zauber mit ungesunder orangener Färbung flog auf sie zu. Ginny war jedoch vorbereitet und war dem Fluch bereits ausgewichen. Sie erwiderte das Feuer mit einigen ihrer eigenen Flüche. Malfoy wischte ihre Zauber mühelos beiseite und antwortete mit gleicher Münze. Da Ginny nicht wusste, was die meisten der Zauber waren, wich Ginny allen aus und hielt ihren Zauberstab bereit, um das Feuer zu erwidern.

Mit jedem weiteren Zauber, den Malfoy warf, schien sein hochnäsiges Grinsen mehr und mehr zu verblassen und machte Platz für seine wachsende Wut und Frustration. Anscheinend hatte er so viel Wiederstand nicht erwartet. Sie hatte jedoch keine Zeit, sich über diesen Fakt zu freuen, da sie zu beschäftigt damit war, um ihr Leben zu kämpfen. Als Malfoys Frust immer weiter wuchs, begann seine Konzentration nachzulassen. Er war so auf den Angriff fokussiert, dass er nicht rechtzeitig reagierte, um einen Schneidezauber abzuwehren. Lucius bückte sich, um eine Hand an sein verletztes Bein zu halten und Ginny nutzte die Chance, um schnell einen Schockzauber auf ihn zu werfen und ließ den älteren Malfoy damit bewusstlos werden.

Ginny wischte sich den Schweiß von ihrer Stirn, während sie sich vorsichtig dem auf dem Boden liegenden Todesser näherte. Sie erinnerte sich an etwas, das Harry ihr immer und immer wieder gesagt hatte und rief Malfoys Zauberstab zu sich. Der Zauberstab schoß aus Malfoys lebloser Hand und in Ginnys. Sie wollte den Zauberstab über ihrem Knie brechen, doch sie japste nur schmerzerfüllt auf, als der Zauberstab nicht brach. Nach einem Moment richtete sie ihren eigenen Zauberstab auf ihn, warf einen Schneidezauber und schnitt den Zauberstab damit genau in der Mitte durch.

Sie wandte ihre Aufmerksamkeit wieder Malfoys regloser Gestalt zu und bemerkte, wie sich um sein vom Schneidezauber getroffenes Bein eine Pfütze aus Blut sammelte. Sie kannte keine Heilzauber, um den Blutfluss aufzuhalten und sie hatte nicht vor, ihn aufzuwecken. Sie glaubte nicht, dass der Schnitt tief genug war, um ihn wirklich in Schwierigkeiten zu bringen, und da sie keine andere Möglichkeit sah, beschloss sie, ihn dort zu lassen und einen Weg nach draußen zu finden. Wenn sie es nach draußen geschafft hatte, konnte sie ihre Animagusfähigkeiten verwenden, um sich in eine Löwin zu verwandeln und schnell zu verschwinden. Doch zuerst musste sie einen Weg hinaus aus dem Gebäude finden.

Es gab nur eine Tür und daher näherte sie sich ihr vorsichtig. Sie öffnete sie langsam und spähte hinaus auf einen Flur, der mit verschiedenen Porträts und Wandteppichen verziert war. Sie war dankbar, dass er menschenleer war. Sie trat einen Schritt zurück, richtete ihren Zauberstab auf ihre Schläfe und warf den Desillusionierungszauber. Sie fühlte, wie eine Kälte ihren Körper durchfuhr und als diese ihre Zehen erreichte, wusste sie, dass der Zauber gelungen war. Tief durchatmend schlich sie sich hinaus auf den Flur und schloss die Tür hinter sich. Sie schaute sich um, sah aber keine Fenster oder irgendwelche Hinweise, welcher Weg sie zum nächsten Ausgang führen würde. Sie wählte eine Richtung aus und ging langsam den Flur hinunter auf der Suche nach einem Weg nach draußen.

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Harry bog um die Ecke, rannte weiter und sprang über das Geländer. Im Flug verwandelte er sich und flatterte mit den Flügen, um höher und höher zu steigen. Er flog durch die Flure zur Eulerei und achtete nicht auf die wenigen Schüler, an denen er vorbeikam. Er atmete erleichtert auf, als er fühlte, wie seine Eulensinne aktiv wurden und ihm genau sagten, wohin er fliegen musste, um Ginny zu finden. Wo immer sie auch war, sie war noch immer aufspürbar und das war ein sehr gutes Zeichen. Da er jedoch wusste, wer sie wahrscheinlich entführt hatte, würde dies nicht lange der Fall sein. Als er die Eulerei erreichte, flog er direkt aus einem der großen Fenster, durch das die Eulen ein- und ausflogen, ohne eine Sekunde anzuhalten. Als er hinaus in die Dunkelheit brach, sah er aus dem Augenwinkel eine weiße Gestalt.

Hedwig", rief Harry mental. „Ich habe es eilig. Ginny wurde entführt. Ich muss sie zurückholen."

Ich werde mit dir fliegen", erwiderte Hedwig.

Danach herrschte Stille. Harry flog so schnell er konnte, er wollte keine Sekunde verlieren. Er musste Ginny finden, bevor es zu spät war. Hedwig schien sein Bedürfnis für Stille zu verstehen und flog stumm hinter ihm her. Jeder Moment fühlte sich wie eine Ewigkeit an, als Harry immer weiterflog, nur ein Gedanke im Kopf. Er dachte nicht darüber nach, was passieren würde, wenn er sie fand. Er würde sich damit befassen, wenn er dort ankam. Sein einziger Gedanke war, dass er Ginny finden musste.

Er flog weiter und weiter. Kilometer um Kilometer überwand er, aber er bemerkte die Distanz nicht. Seine Eulensinne sagten ihm, dass er weiterfliegen musste. Die Muskeln in seinen Flügeln ermüdeten, als er sich immer weiter antrieb, aber er zog nicht mal in Erwägung, anzuhalten oder langsamer zu werden. Er würde nicht rasten, bis er sie gefunden und in Sicherheit gebracht hatte.

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Ron brauchte ein paar Sekunden, bis er Harrys Worte verarbeitet hatte, doch dann folgte er Harry so schnell er konnte. Als er um die Ecke bog, schaute er in der großen Halle mit den vielen sich bewegenden Treppen umher, konnte Harry aber nirgends entdecken. Nach kurzem Zögern rannte Ron die Treppe direkt vor ihm hinunter. So, wie er Harry kannte, war dieser entweder auf dem Weg zum Ausgang oder zu Dumbledores Büro.

Er fasste schnell die Entscheidung, erst einmal in der Eingangshalle nachzuschauen. Wenn Harry tatsächlich vorhatte, alleine zu gehen, wollte Ron nicht die Gelegenheit verpassen, ihn zu erwischen. Als er jedoch ankam, gab es kein Anzeichen von Harry. Von der Anstrengung schwer atmend wechselte Ron sofort die Richtung und wandte sich in Richtung des Büros des Schuleiters, als ihn eine Stimme inne halten ließ.

„Mr. Weasley, was machen Sie da?"

Ron war noch nie so erfreut gewesen, die strenge Stimme seiner Hauslehrerin zu hören. Er drehte sich um und sah, wie sie flink die Halle durchquerte und auf ihn zukam. „Pro-Professor", keuchte er und kämpfte damit, reden zu können, während er nach Luft schnappte. „Ginny - sie - verschwunden. Harry - ihr nach."

„Atmen Sie, Mr. Weasley", mahnte McGonagall. „Ich verstehe kein Wort von dem, was sie da sagen."

Ron brauchte ein paar Sekunden, um tief Atem zu holen, bevor er wiederholte: „Ginny wurde entführt und Harry ist ihr gefolgt."

Die Professorin erbleichte. „Entführt? Wie?"

Ron schüttelte den Kopf. „Ich war nicht da. Harry sagte, es war ein Portschlüssel."

„Und wo ist Mr. Potter?", wollte sie wissen und verengte die Augen zu Schlitzen.

Ron trat unbewusst einen Schritt zurück. „Ich weiß es nicht. Er ist weggerannt und ich habe versucht, ihm zu folgen, aber ich weiß nicht, wohin er gegangen ist. Er sagte, er würde sie zurückbringen."

„Folgen Sie mir", sagte sie und schritt eilig an Ron vorbei. „Schnell jetzt."

Mit seinen langen Beinen hatte Ron seine Hauslehrerin schnell eingeholt, da er sofort erkannte, dass sie in die Richtung unterwegs war, in die er ebenfalls gehen wollte. Sie erreichten kurz darauf den Eingang zu Dumbledores Büro. Die Professorin sagte das Passwort und er folgte ihr auf die Treppe, bevor diese begann, sich zu bewegen. Ohne sich die Mühe zu machen zu klopfen, öffnete Professor McGonagall die Tür und trat ein. Ron folgte ihr auf dem Fuß. Der Schulleiter und sein Gast drehten sich beide zu den Neuankömmlingen um.

„Ron", rief Hermine aus. „Du hast deine Meinung geändert."

Ron starrte sie entgeistert an. Er wusste nicht, wovon sie redete, aber dann erinnerte er sich urplötzlich an ihre Unterhaltung und er schaute finster. „Nein", sagte er kalt und kurz angebunden. Ohne auf eine Reaktion zu warten, drehte er sich zum Schulleiter und sagte: „Ginny wurde entführt und Harry ist ihr gefolgt."

Ron hatte noch nie einen solchen geschockten Gesichtsausdruck beim Schulleiter gesehen. Bevor Dumbledore seine Fassung wiedererlangen konnte, mischte Professor McGonagall sich ein. „Mr. Potter scheint zu glauben, dass sie durch die Hilfe eines Portschlüssels verschwand. Mr. Weasley scheint der einzige zu sein, der von den Umständen unterrichtet ist."

Der Schulleiter blickte zu Ron. „Wo ist Harry? Weiß er, wer deine Schwester entführt hat?"

„Ich weiß nicht, was passiert ist", erklärte Ron eilig. „Ich war auf dem Weg in die Bücherei, weil ich wusste, dass Harry dort ist. Ich musste etwas mit ihm besprechen." Er blickte kurz zu Hermine und schaute dann wieder zum Schulleiter, als er weiterredete: „Harry kam heraus, bevor ich die Bücherei erreichte und sagte nur, dass sie mithilfe eines Portschlüssels verschwunden ist und dass er sie zurückholen würde. Er ist an mir vorbeigerannt und ich wandte mich um, um ihm hinterherzurennen, aber als ich um die Ecke bog, konnte ich ihn nirgendwo entdecken. Ich weiß nicht, wohin er verschwunden ist."

„Minerva, alarmiere den Orden", befahl Dumbledore, als er vor seinen Schreibtisch trat. „Mr. Weasley, weißt du wo Harry seine Karte vom Schloss aufbewahrt?"

Ron schüttelte den Kopf. „Er hat sie in seinem Koffer aufbewahrt, aber sie ist nicht mehr dort. Ich glaube, er trägt sie bei sich - das, oder sie ist in seinem Büro."

Dumbledore runzelte kurz die Stirn, bevor er sagte: „Durchsuche sein Büro. Verwende „Phönixfeuer" als Passwort. Wenn du die Karte findest, bringe sie sofort hierher."

Ron nickte, um sein Verständnis zu signalisieren und drehte sich sofort um, um das Büro zu verlassen. Bevor er jedoch die Tür erreichen konnte, hörte er Professor McGonagalls Stimme: „Miss Granger, warum begleiten Sie nicht Mr. Weasley. Sie zusammen werden sein Büro schneller und effizienter durchsuchen können."

Ron hielt nur einen Moment inne, bevor er das Büro verließ und die Treppen hinunterging. Er hatte den Flur schon zur Hälfte hinter sich gebracht, als Hermine ihn einholte. Ron ignorierte ihre Anwesenheit und blickte starr nach vorne, als er schnell zu Harrys Büro ging. Den Großteil des Weges waren sie stumm, doch als Harrys Bürotür in Sichtweite war, öffnete Hermine ihren Mund: „Ich habe dir gesagt, dass dies passieren würde."

Ron schaute zur Seite und funkelte sie an, bevor er sich wieder umwandte und seine Schritte verlängerte, um schneller zu laufen.

„Ich wusste, dass er früher oder später so etwas machen würde", murmelte Hermine laut genug, so dass er es hören konnte.

Ron blieb direkt vor der Tür stehen und drehte sich zu Hermine um: „Ist das alles, an was du gerade denken kannst?", wollte er wissen. „Das du Recht hattest und Harry sich in Gefahr begeben hat?" Ron starrte sie mit kalten Augen an und forderte sie praktisch auf, es zu wagen, etwas zu erwidern. Sie legte ihre Hände an ihre Hüften, als sie ihren Mund öffnete, aber Ron schnitt ihr das Wort ab, bevor sie etwas sagen konnte. „Falls du es vergessen hast: Meine Schwester ist irgendwo dort draußen und Harry hat sich nicht nur in Gefahr begeben. Er ist losgeeilt, um sie zu retten. Der einzige Grund, warum ich wütend auf Harry bin, ist die Tatsache, dass er nicht lange genug gewartet hat, um mich mitzunehmen."

„Aber wenn du mit ihm gegangen wärst, wäre niemand da gewesen, um Professor Dumbledore zu erzählen, was passiert ist", konterte Hermine hitzig, aber Ron ignorierte ihren Kommentar und sagte das Passwort. Als die Tür aufging, öffnete er sie vollends und betrat das Büro. Er war nur wenige Male in diesem Raum gewesen, aber er war ihm vertraut genug. Er begann mit Harrys Schreibtisch. Auf dem Tisch lagen ein paar Pergamentseiten herum, aber die Karte war nicht darunter. Er kontrollierte jede einzelne Schublade, fand aber in keiner von ihnen etwas. Als er mit der letzten fertig war, schaute er hoch und sah, dass Hermine die Bücherregale durchsuchte. Harry könnte sie in eine der Bücher versteckt haben, aber es würde ewig dauern, jedes einzelne anzuschauen. Sie hatten keine Zeit dafür.

Er holte seinen Zauberstab hervor und führte ihn in einem Bogen nach oben, während er: „Accio Karte der Rumtreiber" rief.

Er schaute sich um, um sich zu vergewissern, dass nichts passiert war. Er war sich nicht sicher, ob der Zauber funktionieren würde, aber es war den Versuch wert gewesen. Er schaute hinter dem Porträt des Gryffindorgemeinschaftsraums nach, aber dort war nichts. Er ging zu Hermine und schaute ein paar Bücher durch, bevor er sich anders entschied. „Das ist hoffnungslos. Wenn sie hier ist, hat er sie offensichtlich gut genug versteckt, dass wir sie nicht finden werden. Lass uns zurückgehen."

Er ging ohne nachzuschauen, ob sie ihm folgen würde.

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Ginny war davon überzeugt, dass sie in einer Art Labyrinth war. Sie lief bereits Merlin allein wusste wie lange herum und sie war keinen Schritt näher daran, einen Ausgang zu finden als zu dem Zeitpunkt, als sie begonnen hatte. Jeder Flur sah gleich aus. Manche der Gemälde waren anders, aber die Porträts sahen alle erschreckend gleich aus. Das Malfoy-Gen hatte sich in den Jahrhunderten nicht sehr verändert. Die unheimliche Ähnlichkeit zwischen den Porträts und Lucius ließ Ginny sich ständig fühlen, als würde sie von dem Mann verfolgt werden, den sie getroffen von einem Schockzauber und blutend zurückgelassen hatte.

Ginny war - seitdem sie Malfoy zurückgelassen hatte - niemanden begegnet, wofür sie sich glücklich schätzte, aber die Abwesenheit jeglicher anderer Personen in diesem palastartigen Irrgarten ließ alles nur noch schauriger erscheinen. Jede Minute, die verging, ließ sie angestrengter den Ausgang suchen. Ihr Schockzauber würde nicht ewig anhalten, und sie wünschte, dass sie ihn zumindest gefesselt hätte, bevor sie gegangen war. Wenn sie nicht bald den Ausgang fand, würde sie vielleicht teuer für ihren Fehler bezahlen.

Nachdem sie zwei weitere identisch aussehende Flure durchquert hatte, begann sie zu glauben, dass die Korridore, die sie durchlief alle in einem großem Kreis miteinander verbunden waren - ohne einen erkennbaren Weg nach draußen. Sie wollte keine Türen öffnen, da sie fürchtete, dass Menschen dahinter waren und sie selbst mit ihrem Tarnzauber wissen würden, dass sie da war. Als die Zeit jedoch verging, fühlte sie, dass sie keine Wahl hatte. Sie erreichte eine vielversprechende Tür, griff behutsam nach dem Türknauf und drehte langsam an ihm.

Sie war verschlossen. Ginny richtete ihren Zauberstab auf die Tür und dachte: „Alohomora." Sie unterdrückte ein frustriertes Aufseufzen, als nichts geschah. Was auch immer hinter der Tür war: Jemand hatte offensichtlich einen fortgeschrittenen Verschließzauber auf die Tür gelegt und Ginny wusste nicht, wie sie diesen umgehen konnte, ohne die ganze Tür wegzusprengen. Sie hatte keine andere Wahl als weiterzugehen.

Als sie die nächste Tür erreichte, drehte sie vorsichtig an deren Türknauf und eine Welle der Erleichterung durchlief sie, als sie keinen Widerstand fühlte. Sie öffnete bedachtsam die Tür und schielte hinein. Es war ein Treppenaufgang. Sie trat schnell ein und schloss die Tür hinter sich. Darauf bedacht, ihre Schritte leise zu halten, eilte sie schnell die Treppen hinunter ins Erdgeschoss.

In der Hoffnung, dass sie wirklich das Erdgeschoss erreicht hatte, öffnete sie langsam die Tür und betete, dass niemand auf der anderen Seite war. Sie hatte Glück, denn der Flur war verlassen. Sie schaute nach beiden Seiten und sah, dass ein Weg in einen größeren Raum führte. Daher ging sie diesen entlang, um nachzuschauen. Der Raum war ebenfalls leer und auf einer Seite war eine große, kunstvoll verzierte zweiflügelige Tür. Da es keine Fenster gab, war sie nicht davon überzeugt, dass sie ihren Ausgang gefunden hatte, aber sie hatte die Hoffnung, dass die Türen sie dorthin führen würden.

Sie näherte sich bedachtsam der Tür und stieß sie vorsichtig auf, wobei sie um die Tür herum hineinspähte. Was sie sah, ließ ihr Herz vor Schreck eine Sekunde stehen bleiben. Zitternd begann sie die Tür wieder zu schließen, als diese plötzlich abrupt aufgerissen wurde. Ginny machte förmlich einen Satz nach hinten, als die Tür lautstark an die Wand knallte und bevor Ginny reagieren konnte, bemerkte sie, dass ihr Desillusionierungszauber entfernt worden war. Ginny starrte voller Grauen auf ein Meer von schwarzen Umhängen und weißen Masken. Am anderen Ende des Raumes stand der Schemen eines Mannes, von dem sie gehofft hatte, ihn nie wieder sehen zu müssen.

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Mit jedem weiteren vergehenden Moment wurde es Albus klarer, dass es eine lange Nacht werden würde. Als ob zwei verschwundene Schüler nicht genug wären, war eine sprichwörtliche Bombe geplatzt: Minerva hatte bereits eine ganze Woche Bescheid gewusst und es für angebracht gehalten es vor ihm zu verheimlichen! Er konnte nun vollständig verstehen, warum Miss Granger so besorgt gewesen war, als sie ihn früher an diesem Abend angesprochen hatte. Sie hatten nicht viel Zeit gehabt, sich zu unterhalten, aber sie hatte dem Grund ihrer Sorgen Ausdruck verleihen können. Er bezweifelte, dass sie auch nur ahnte, wie berechtigt ihre Sorgen waren.

Er schüttelte den Kopf und musterte seine langjährige Freundin und Kollegin über seine halbmondförmigen Gläser hinweg. Objektiv gesehen verstand er ihre Gründe, warum sie zugestimmt hatte, dies vor ihm geheim zu halten. Aber dennoch konnte er die Entscheidung nicht gutheißen. Mit allem, das auf dem Spiel stand und mit allem, was der Orden für die Kriegsanstrengungen tat: wie sie so etwas für sich selbst behalten konnte, lag außerhalb seines Verständnisses. Mit leicht gerunzelter Stirn sprach er: „Während ich wünschte, dass du mich schon zuvor von deinen Entdeckungen unterrichtet hättest, liegt die Vergangenheit hinter uns. Es ist zu spät, dieser Situation zu entgehen, daher müssen wir nun alles tun, um die Situation zu entschärfen und unsere zwei verschwundenen Schüler zurückzubringen."

Er schaute kurz zur Tür und sagte: „Wo wir gerade davon sprechen: Ich glaube, Mr. Weasley und Miss Granger kehren gerade zurück." Wie gerufen öffnete sich die Tür und die zwei Schüler traten ein. „Die Karte?", fragte Albus, obwohl das fehlende Pergament in ihren Händen ihm die Antwort bereits verriet.

Ron schüttelte den Kopf. „Nein. Wenn sie dort war, dann hat er sie gut versteckt."

„So ist es wohl", erwiderte Albus. „Ich dachte mir, dass dies der Fall sein würde. Nun, ich möchte, dass ihr zwei hier bleibt, während Professor McGonagall und ich zum Hauptquartier flohen. Der Orden versammelt sich gerade, und ich versichere euch, das wir alles in unserer Macht stehende tun werden, um Miss Weasley und Mr. Potter sicher zurückzubringen."

„Ich komme mit", erklärte Mr. Weasley sofort und Miss Granger nickte zustimmend mit dem Kopf.

Albus runzelte die Stirn, als er seine zwei Schüler musterte. „Es tut mir leid. Ich weiß, wie besorgt ihr um eure Freunde und deine Schwester seid, aber Ordensgeschäfte sind noch immer Ordensgeschäfte."

„Aber sie ist meine Schwester!", rief Ron aus.

„Umso mehr ein Grund, aufzuhören zu diskutieren und uns zu erlauben, unsere Arbeit zu erledigen", mischte sich die stellvertretende Schulleiterin ein. Ihre Gesichtszüge wurden weicher, als sie fortfuhr: „Ich verstehe eure Sorge um Ginny und Harry, aber eure Anwesenheit würde uns nur behindern und sie in größere Gefahr bringen."

„So ist es", stimmte Albus zu. „Ihr könnt in meinem Büro bleiben, wenn ihr dies wünscht und ich werde sicherstellen, dass euch so schnell wie möglich Neuigkeiten erreichen." Keiner der beiden Schüler schien damit zufrieden zu sein, aber sie diskutierten nicht weiter. Albus nickte seiner stellvertretenden Schulleiterin zu, ging zum Kamin und warf eine Prise Flohpulver in die Feuerstelle, während er: „Grimmauldplatz Nr. 12!" rief.

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„Ginevra Weasley, nehme ich an?" Die Stimme der Kreatur war nicht mehr als ein Zischen, dennoch war sie deutlich im gesamten Raum zu hören.

Sie versuchte wegzulaufen, aber bevor sie sich auch nur ganz umdrehen konnte, spürte sie, wie sie am Platz festgefroren war. „Nein, nein. Du willst jetzt schon gehen? Wir wurden einander noch nicht einmal richtig vorgestellt", schalt Voldemort, als sei er ein Elternteil, das versuchte, seinem Kind Manieren beizubringen. „Wobei - von dem was mir erzählt worden ist, hattest du bereits das Vergnügen."

Ginny schluckte unbewusst, während sie gleichzeitig ihre Okklumentikschilde aufrichtete. Was ihr auch immer zustoßen mochte, sie würde ihm nicht die Genugtuung geben, sie zu brechen. Sie war stärker als damals mit dem Tagebuch. Voldemort würde nicht sehen, was das Tagebuch ihr angetan hatte, noch würde er eines von Harrys Geheimnissen erfahren.

Voldemort ging einige Schritte auf seinem Podium nach vorne: „Komm und leiste mir Gesellschaft."

Sie stand festgefroren an ihrem Platz, aber eine Handbewegung von Voldemort genügte und ihr Körper begann sich gegen ihren Willen zu bewegen. Es war merkwürdig; als würde sie das erste Mal in diesem Körper laufen und wäre noch nicht daran gewöhnt, aber sie konnte nichts tun, um es aufzuhalten. Die Todessermenge vor ihr teilte sich und sie ging mit abgehackten Bewegungen nach vorne zu Voldemort auf das Podium. „Nun, vielleicht möchtest du mir verraten, warum du hier bist. Du bist nicht wen ich erwartet habe. Und wo ist Lucius?"

Ginny erlaubte ein kleines Grinsen über ihre Lippen spielen zu lassen, als sie sich daran erinnerte, was sie mit dem Mann gemacht hatte, doch Voldemort entging das Lächeln nicht.

„Ich sehe", sagte er nur. „Armselig, das so ein Mann wie er ein Kind nicht handhaben konnte. Aber nun gut. Du bist nun hier, und doch bist du nicht die Person, die ich wollte. Enttäuschend, aber du wirst ausreichen müssen. Ja", seine Stimme nahm einen lebhafteren Klang an. „Ja, ich denke, du wirst dich gut machen. Wenn ich Potter nicht haben konnte, wer ist besser als seine Freundin? Nun, lass mich sehen, was du mir über den Jungen sagen kannst."

Ginny wappnete sich, als sie fühlte, wie Voldemort in ihre Gedanken eindrang. Als er auf ihre Schutzschilde traf, griff er sofort an, aber sie hielt stand. Voldemort war jedoch nicht so einfach besiegt und er schlug immer weiter auf ihre Schutzschilde ein. Ginny biss ihre Zähne zusammen, richtete ihre gesamte Konzentration auf ihre Okklumentikschutzschilde und weigerte sich, auch nur einen Millimeter nachzugeben. Sie kämpften eine Weile gegeneinander, bevor sie fühlte, wie die Schlange sich zurückzog. Sie atmete schwer von den Anstrengungen und sie hielt ihren Blick auf den Boden gesenkt. Auch wenn ihre Schutzzauber gehalten hatten, hatte sie sich seit ihrem ersten Schuljahr nicht mehr so verletzt gefühlt und hier war derselbe Mann und versuchte es noch einmal.

„Interessant", flüsterte der Dunkle Lord. „Deine Gedanken sind gut geschützt, insbesondere für jemanden, der so jung ist." Seine Lippen formten sich zu einem krummen Grinsen. „Aber mach dir nicht vor, glauben zu können, dass du gegen mich standhalten kannst, Mädchen. Ein Kopf mit geschützten Gedanken ist einer, der etwas zu verstecken hat, und ich werde deine Geheimnisse erfahren. Ich werde dich brechen!"

Ginny zwang sich, nicht zu reagieren. Sie sammelte all ihren Mut zusammen und hob ihren Kopf, um den selbsternannten Dunklen Lord herausfordernd anzufunkeln. Sie schwor sich, dass sie dies nie mehr geschehen lassen würde. Sie hörte nur mit halbem Ohr seinen Worten zu, während sie versuchte, einen Weg aus ihrer Situation zu finden. Sie wusste, dass sie keine Chance gegen Voldemort hatte, aber wenn sie ihm entkommen könnte, könnte sie eine Chance haben, den Todessern zu entwischen. Sie versuchte ihren Zauberstab unbemerkt wieder in den Halfter an ihrem Arm zu stecken. Es war so verzaubert, dass er unsichtbar und nicht aufrufbar war, sobald ihr Zauberstab in ihm steckte. Daher war die Chance vorhanden, dass sie vergessen würden, ihr den Zauberstab wegzunehmen.

Unglücklicherweise war Voldemort zu aufmerksam. „Nein, nein, den nehme ich." Er hielt seine schuppige Hand hoch, aber Ginny ignorierte ihn. Wissend, dass ihr Vorhaben nun sinnlos war, behielt sie den Zauberstab in der Hand. Bevor sie jedoch die Chance hatte, zu reagieren, hatte Voldemort seinen eigenen Zauberstab in der Hand: „Imperio!"

Ein Nebel legte sich über Ginnys Gedanken. Sie fühlte sich vollständig entspannt und wohl und fragte sich, warum sie jemals etwas anderes fühlen sollte. Es war so ein schönes Gefühl. Da war eine angenehme Stimme, die ihr befahl, etwas zu tun. Was wollte sie? Einen Zauberstab? Ihren Zauberstab. Die Stimme wollte ihren Zauberstab.

Sie streckte ihre Hand aus und Voldemort nahm ihr den Zauberstab aus ihrer Hand. Es kümmerte sie nicht. Sie brauchte sowieso keinen Zauberstab. Warum sollte sie ihn also behalten? Alles, was sie wollte, war, zu entspannen, aber die Stimme war zurück. Was wollte sie dieses Mal? Das sie ihr von Harry erzählte? Ginny lächelte. Sie liebte Harry. Sie könnte den ganzen Tag an ihn denken und über ihn reden. Aber warte. Warum wollte die Stimme etwas über Harry erfahren? Harry mochte seine Privatsphäre. Er würde es nicht mögen, wenn sie einfach mit irgendjemanden über ihn sprach. Wer war überhaupt diese Stimme? Und warum versuchte sie die ganze Zeit, ihr zu sagen, was sie tun sollte?

Der Nebel begann sich zu lichten. Voldemort! Sie durfte ihm nichts sagen.

„Sag mir alles, was du über Harry Potter weißt", zischte die Stimme.

Ginny verengte ihre Augen: „Nein."

Voldemorts Augen schienen in einem noch unheilvolleren Rot zu leuchten. „Du hast etwas Widerstandskraft in dir, aber es wird dir nichts bringen. Sag mir, was ich wissen will und dein Tod kann schnell und schmerzlos sein. Aber denke daran: du wirst mir sagen, was ich wissen möchte und dann wirst du mich darum anflehen, dein Leben zu beenden."

„Fahr zur Hölle", war Ginnys deutliche Antwort.

Mit einem verächtlichen Lächeln winkte Voldemort ihren Kommentar ab. „Die Hölle ist für Sterbliche. Ich bin unsterblich."

„Wir wissen beide, dass das nicht wahr ist. Nicht so lange Harry am Leben ist", stichelte sie mutig.

Voldemorts Gesicht nahm einen furchterregenden Ausdruck an und er rief: „Crucio!"

Schmerz, heftiger, allumfassender Schmerz. Das war alles was sie wusste. Jeder andere Gedanke, den sie gehabt hatte, war verschwunden. Alles, was geblieben war, war die stechende, brennende, beißende Höllenqual, die jede einzelne ihrer Nervenbahnen durchzog. Und dann war der Schmerz verschwunden. Sie blieb reglos auf dem Boden liegen- sie hatte nicht einmal bemerkt, dass sie gefallen war -, bis eine Hand sie an ihrem Nacken packte und ihren Kopf hob. Rote Augen blickten in ihre braunen, und sie fühlte, wie Voldemort in ihre Gedanken eindrang.

Ginny fühlte, wie ein kleiner Teil von ihr als Reaktion auf Voldemorts Präsenz sich rührte, ein Teil, von dem sie lange versucht hatte, zu verleugnen, dass er existierte. Die Zerstörung von Riddles Tagebuch hatte sie von seiner Kontrolle befreit, aber sie hatte immer das Gefühl gehabt, dass er sie nie ganz verlassen hatte. Sie hatte immer eine anhaltende Präsenz von Tom Riddle in sich gefühlt. Nun wusste sie ein für alle Mal, dass es stimmte. Sie stärkte ihren Willen und unterdrückte den Teil in ihr, den Riddle zurückgelassen hatte. Sie sammelte dann alle Energie, die sie noch hatte, zusammen, um Voldemort aus ihren Gedanken hinauszubefördern. Mit großer Anstrengung schaffte sie es, sein Fortschreiten aufzuhalten und langsam, ganz langsam, konnte sie ihn zurückdrängen. Schließlich drängte sie ihn vollständig hinaus und sackte auf dem Boden zusammen.

„Du wirst mir sagen, was du weißt", forderte Voldemort. „Crucio!"

Der Schmerz kehrte in voller Stärke zurück. Sie lag am Boden, jeder Muskel angespannt und zuckend, als sie die Folter aus der Hölle auf Erden durchlitt. Es blendete alles andere aus, bis sie nur noch Schmerz kannte und dann hörte es endlich auf.

„Bist du bereit, mir zu sagen, was ich wissen will?", wollte eine zischende Stimme wissen. Er lehnte sich zu ihr hinunter und flüsterte in ihr Ohr: „Ich kann den Teil in dir fühlen, der mir nachgeben will. Der sich wieder seinem Meister anschließen will."

Ginny konnte ein Schaudern nicht unterdrücken, der ihr den Rücken hinunterlief, aber sie tat ihr Bestes, seine Worte zu ignorieren. Sie weigerte sich, ihm zu erlauben, wieder solch eine Kontrolle über sie zu erlangen. Sie fühlte, wie er aufstand und sich etwas von ihr entfernte und dann, einen Moment später, kehrte der Schmerz zurück. Als er wieder aufhörte, griff Voldemort wieder ihre Gedanken an. Es dauerte noch länger, bis sie ihn wieder hinauskomplimentieren konnte. Der Vorgang wurde noch zweimal wiederholt und jedes Mal konnte sie fühlen, wie sie immer schwächer wurde. Sie wusste, dass sie bei diesem Tempo nicht viel länger durchhalten könnte. Er hielt sie dieses Mal noch länger unter dem Cruciatusfluch und sie war sich sicher, dass ihr Körper nicht viel mehr ertragen konnte. Als Voldemort den Fluch von ihr nahm, sackte ihr Körper zusammen und Ginny fühlte, wie ein Nichts sie umgab, als sie ohnmächtig wurde.

FIN. 26.1