Kapitel 26.2 Kampf oder Flucht
Harry hatte kein Zeitempfinden, als er weiter und weiterflog. Er fühlte, dass er sich näherte, als ganz plötzlich sein Eulensinn versagte. In einem Moment sagten ihm seine Sinne, was er benötigte, um seinen Kurs weiterzuverfolgen und gleich im nächsten Moment ... nichts. Es war, als sei ihm eine Augenbinde umgebunden worden und er nur noch Dunkelheit sehen konnte. Er hatte vergessen, das Hedwig ihm folgte, bis er in der Luft anhielt und sie neben ihm stoppte: „Hedwig! Kannst du Ginny immer noch finden?"
Harry konnte ihr Bedauern praktisch fühlen. „Nein, das kann ich nicht. Sie ist unerreichbar."
„Nein!", schrie Harry mental auf. „Ich gebe nicht auf."
Und so flog er weiter und folgte dem Weg, den seine Sinne ihm zuletzt angezeigt hatten. Er konnte nur hoffen, dass sie noch immer am selben Ort war. Solange er nicht vom Kurs abwich, konnte er sie noch immer finden. Er konnte seine Sinne verwenden, um größere Magiekonzentrationen auf seinem Weg zu lokalisieren. Er musste nur hoffen, dass es ausreichen würde, aber als mehr und mehr Zeit verging, verlor Harry immer mehr seine Hoffnung. Er war dem Weg weiterhin gefolgt, aber hatte bisher nichts Magisches gespürt. Doch er flog starrköpfig weiter und weigerte sich, eine Niederlage einzugestehen. Auch wenn er wenig Hoffnung hatte, sie zu finden, wusste er, dass diese kleine Hoffnung alles war, was ihm geblieben war.
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Albus trat schnell zur Seite, als Minerva ihm auch schon folgte. Die Küche war bereits halbgefüllt mit eilig ankommenden Ordensmitgliedern. Während sie warteten, bis die anderen ankamen, wandte Albus einen Verfolgungszauber an, um ihre vermissten Schüler zu finden. Der erste mit Miss Weasley als Fokus sagte ihm nichts. Der zweite jedoch, fokussiert auf Mr. Potter, war erfolgreich und zeigte nach Nordwesten. Als alle gerufenen Mitglieder angekommen waren, rief er alle zur Ordnung, um die Versammlung zu beginnen. Albus konnte es kaum ertragen, zu Molly zu schauen, die von Arthur getröstet wurde, während er die Situation kurz erklärte. Natürlich wurden sofort Fragen gestellt, auf die er keine Antwort hatte. „Ich weiß nicht, wie Mr. Potter feststellte, dass sie durch einen Portschlüssel entführt wurde, noch ob er überhaupt weiß, wohin sie gebracht wurde. Angesichts seiner Taten müssen wir jedoch annehmen, dass er irgendwelche Mittel hat, sie zu finden."
„Es ist möglich, dass sie in der Absicht entführt wurde, Harry aus dem Schloss zu locken", fügte Minerva hinzu. „Er könnte eine Nachricht erhalten haben mit der Information, wo sie festgehalten wird."
„Tatsächlich können wir diese Möglichkeit nicht ausschließen", stimmte Albus zu. „Ich versuchte einen Verfolgungszauber auf Miss Weasley anzuwenden, doch er misslang." Er musste ein Zusammenzucken unterdrücken, als Molly aufschluchzte. „Ich konnte jedoch feststellen, dass Mr. Potter sich nordwestlich von uns befindet. Ohne etwas von ihm - Blut, Haut, Haar - ist das die akkurateste Information, die wir haben können. Unser erster Schritt sollte es sein, Mr. Potter zu finden und ihn hierher zurückzubringen, um in Erfahrung zu bringen, was er weiß. Wenn er weiß, wohin Miss Weasley gebracht wurde, können wir beginnen, Vorbereitungen zu treffen, wie wir sie zurückbringen."
„Was ist, wenn Harry den Ort, wo Ginny gefangen gehalten wird, bereits erreicht hat, wenn wir ihn finden?", fragte Remus.
„Wenn er bereits gegen Todesser kämpft, tut was ihr könnt, um ihn und Miss Weasley zu beschützen", erwiderte Albus. „Es gibt Zeiten, in denen man handeln muss und es gibt Zeiten, in denen man sich zurückziehen muss, um Strategien zu überdenken. Ich vertraue darauf, dass ihr alle euren gesunden Menschenverstand verwendet."
Die Gruppe, die nach Harry suchen sollte, versammelte sich schnell auf dem kleinen Rasenstück hinter dem Hauptquartier. Sie standen alle mit Besen da, als sie sich darauf vorbereiteten, abzuheben. Remus drehte sich um und sagte zu den anderen: „Sind alle bereit?" Mehrere bestätigende Laute waren zu hören. „Also gut, ich habe Harry im Blick, also lasst uns losfliegen."
Als Albus zusah, wie sie sich in die Lüfte erhoben, konnte er nur hoffen, dass ihre Mission von Erfolg gekrönt sein würde. Er schaute ihnen nur noch einen Moment länger nach, bevor er sich umdrehte und wieder hineinging. Er ging direkt zum Kamin und flohte zurück in sein Büro. Er berichtete Ron und Hermine von seinen Plänen und fügte hinzu: „Nun, ich möchte, dass ihr beide etwas für mich macht. Damit einige der fortgeschritteneren Verfolgungszauber funktionieren können, brauchen wir ein Teil von Harry und Ginny. Ein Stück Haar, Haut, Blut, Speichel - jedes davon funktioniert. Ich möchte, dass ihr ihre Dinge durchsucht und einige Proben von jeden von ihnen findet und mir so schnell wie möglich bringt."
Als die zwei Schüler eilig sein Büro verließen, drehte Albus sich um und suchte den Blick seines langjährigen Begleiters: „Fawkes, mein Freund, ich fürchte, ich habe einen schweren Fehler begangen."
Der Phönix trillerte ein beruhigendes Lied.
„Harry mag stark sein, aber ich fürchte, er wird für das hier nicht stark genug sein", sagte Dumbledore traurig und schüttelte den Kopf.
Fawkes antwortete mit einem weiteren kurzen Lied.
„Ich wünschte, ich hätte dein Vertrauen, mein Freund."
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Gerade als er begann, zu glauben, dass alles verloren war, fühlte Harry es. Unter ihm war eine große Konzentration an Magie. Schutzzauber, wenn er sich nicht irrte. Harry fühlte, wie ihm leichter ums Herz wurde. Das war es, das musste es sein. Er begann näher am Boden Kreise zu ziehen, bis er fühlte, dass er am Rand der Schutzschilde angekommen war, die das sehr große Anwesen bedeckten. Er begann an den Schutzschilden vorbei in Spiralen hinunterzufliegen, wobei er aufmerksam auf Schwankungen in der Magie achtete, aber er fühlte nichts. Er war sich nicht sicher, ob er es fühlen würde, wenn einer der Schutzschilde ausgelöst wurde, aber er nahm die fehlende Reaktion als ein gutes Zeichen auf und begann auf der Suche nach einem Weg nach innen um das große Gebäude herumzufliegen.
Hedwig flog wieder neben ihm und nachdem sie seine Aufmerksamkeit erregt hatte, führte sie ihn zu dem Eingang für die Posteulen. Sobald er im Gebäude war, verwandelte Harry sich zurück in seine Menschengestalt und holte schnell seinen Koffer hervor, vergrößerte ihn und holte seinen Tarnumhang heraus. Er verkleinerte seinen Koffer wieder und stopfte ihn zurück in seine Hosentasche. Dann nahm er sich eine Sekunde, um sicherzugehen, dass der Umhang ihn vollständig bedeckte. Er wandte sich wieder zu Hedwig und sagte: „Danke, Mädchen. Kannst du Remus für mich finden? Er kann auf die gleiche Weise reden wie wir, auch wenn er am Anfang vielleicht Probleme haben könnte, dich zu hören. Wenn du weder mich noch Ginny fühlen kannst, wenn du ihn erreichst, sag ihm, was du weißt und zeig ihm, wo wir sind."
Hedwig schuhute, um zu zeigen, dass sie verstanden hatte und flatterte sofort aus dem Fenster. Harry bereitete sich innerlich auf das vor, was auf ihn zukam. Er wusste nicht, wo er war, ganz zu Schweigen davon, welche Situation er vorfinden würde. Daher musste er sich auf wirklich alles vorbereiten. Es gab nur eine Tür im Raum, daher näherte Harry sich ihr vorsichtig. Er nutzte seine magischen Sinne und stellte fest, dass niemand auf der anderen Seite war. Harry öffnete die Tür langsam und trat einen Schritt in den Flur hinaus. Er schaute hin und her, um zu bestätigen, dass der Flur tatsächlich leer war und drehte sich dann um, um die Tür leise hinter sich zu schließen.
Er begann den Flur hinunterzugehen, seine Sinne - insbesondere seine magischen Sinne - in höchster Alarmbereitschaft. Er hatte keine Ahnung, wo Ginny festgehalten wurde oder ob dies überhaupt der Ort war, wohin sie gebracht worden war. Alles, was er im Moment tun konnte, war, den Ort zu erkunden und zu sehen, was er finden konnte. Bei jeder Tür, an der er vorbeiging, blieb er stehen, um sicherzugehen, dass er keine Menschen auf der anderen Seite hörte.
Er wusste nicht, was er tun würde, wenn er jemandem begegnen würde. Auf der einen Seite war es umso besser für ihn, umso länger seine Anwesenheit unbemerkt blieb. Auf der anderen Seite wollte er Ginny so schnell wie möglich finden. Er könnte stundenlang in diesem Haus herumlaufen, ohne sie zu finden. Sie war vielleicht nicht einmal da.
Harry beschloss, die erste Person, der er begegnete, auszufragen. Natürlich war das einfacher gesagt als getan. Wenn das ganze Anwesen nicht so gepflegt gewesen wäre, hätte Harry schwören können, dass es völlig verlassen war. Er wusste nicht, wie lange er die Flure entlang lief, aber die Zeit schien nicht vergehen zu wollen. Er hatte bereits zwei Etagen durchsucht und hatte gerade das Erdgeschoss erreicht, als er die magische Präsenz einer Person spürte.
Harry stand nahe an der Wand gerade außerhalb des Treppenhauses und darauf bedacht, keine Geräusche zu machen, als die Gestalt sich näherte. Die Schritte seines Zielobjekts hallten in den leeren Korridoren wieder und wurden mit jedem vergehenden Moment lauter. Als er dort stand und wartete, konnte Harry sich nur auf das Geräusch konzentrieren und er bemerkte, dass der Rhythmus der Schritte ungleichmäßig war. Als der Mann schließlich in sein Sichtfeld trat, bemerkte Harry sofort dessen platinblondes Haar. Malfoy! Nach Dracos Kommentar früher am Tag hätte er es wissen sollen. Wenn er herausfinden sollte, dass Draco Anteil an der ganzen Sache hatte, würde er das Frettchen zahlen lassen. Als der Todesser sich ihm immer weiter näherte, bemerkte Harry, dass er hinkte. Er fragte sich, wie der Mann diese Verletzung erlitten hatte, aber er drängte den Gedanken aus dem Kopf. Er hielt seinen Atem an, als Malfoy sich näherte. Er wollte keinen Laut von sich geben. Als Lucius die Tür zur Treppe öffnete, griff Harry an.
Malfoy hatte keine Chance. Harrys lautlose Ganzkörperklammer traf ihn von hinten. Harry ließ diesem Zauber sofort einen Schweigezauber folgen, um den Mann davon abzuhalten, jemanden auf seine missliche Lage aufmerksam zu machen. Malfoy fiel vornüber auf den Boden und- da er seine Hände nicht bewegen konnte, um sich aufzufangen- direkt auf sein Gesicht. Harry hatte kein Mitleid. Er trat schnell in das Treppenhaus, zog Malfoys Körper vollständig in den Raum und versuchte Malfoys Zauberstab an sich zu nehmen. Soweit er jedoch feststellen konnte, hatte Malfoy keinen bei sich. Selbst sein Aufrufezauber förderte keinen zutage.
Harry drehte sich um, schloss die Tür, warf ein paar Zauber über sie und verschloss sie damit. Dann machte er sie undurchdringbar. Das Treppenhaus war nicht der beste Ort, dies zu tun, aber Harry war verzweifelt. Er legte den Tarnumhang ab und ließ Malfoy mithilfe seines Zauberstabs schweben. Er drehte Malfoy auf seinen Rücken, so dass er sehen konnte, wer ihn so einfach bezwungen hatte. Unter anderen Umständen mochte Harry es genossen haben, wie die Augen des Mannes sich weiteten, als er ihn wiedererkannte, aber so, wie die Lage war, war er vollkommen ernst, als er das blutverschmierte Gesicht des Todessers vor ihm musterte.
Harry stellte sicher, dass er vor den Augen des Todessers seinen Zauberstab verwendete und nahm sich noch kurz die Zeit, einen schnellen Privatssphärenzauber zu errichten, um sicherzustellen, dass ihre Unterhaltung nicht gehört werden konnte. Er fesselte Malfoy dann, bevor er die Ganzkörperklammer und den Schweigezauber von ihm nahm. Er fragte: „Was hast du mit Ginny gemacht?"
Malfoys hämisches Grinsen hatte durch seine prekäre Situation etwas an Wirkung verloren, aber er schaffte es nichtsdestotrotz, Harrys Temperament anzuheizen. „Bist du über deine Hure besorgt, Potter? Sicherlich kann solch ein Stück Müll, wie sie es ist, schnell ersetzt werden."
Harrys Zauberstab war plötzlich ohne bewussten Gedankengang auf den Hals des Mannes gerichtet: „Sag mir, wo sie ist. Sofort."
„Glaubst du wirklich, du kannst sie retten?", spottete Malfoy. „Glaubst du, du kannst sie nehmen und einfach hinausspazieren? Du wirst es niemals lebend hier heraus schaffen."
Harry musterte den Todesser mit kaltem Blick: „Ich habe mich hereingeschlichen. Ich kann mich genausogut hinausschleichen." Er senkte seine Stimme, als eine tödliche Ruhe über ihn kam, lehnte sich nach vorne und sagte: „Du hast noch eine letzte Chance: Wo ist Ginny?"
Malfoy lachte lauthals: „Oder was?", fragte er.
„Oder ich werde mir die Information mit Gewalt holen", sagte Harry und erwiderte den Blick. Ohne eine weitere Warnung griff Harry Malfoys Gedanken an. Sein erster Angriff konnte Malfoys mentale Verteidigung nicht durchdringen, aber Harry griff Malfoys Schilde pausenlos an und gab dabei alles. Malfoy war offensichtlich ein fähiger Okklumentiker. Er schaffte es, Harrys Versuche, in seine Gedanken einzudringen, abzuwehren, aber Harry konnte seine Sorge spüren.
Er griff einen Punkt immer und immer wieder an und versuchte Malfoys Aufmerksamkeit auf diesen einen Punkt zu lenken. Dann, als er wieder die Schutzschilde angriff, teilte Harry sein Bewusstsein und griff an zwei Stellen gleichzeitig an. Das Manöver überraschte Malfoy und Harry konnte in seine Gedanken eindringen. Er wurde mit einem Sperrfeuer von schreckenserregenden Bildern konfrontiert, aber Harry schob sie schnell weg, seine Visionen hatten ihn auf das, was er sah, vorbereitet. Mit höchster Konzentration suchte Harry nach jeglichen Erinnerungen, die mit Ginny zu tun hatten. Er sah, wie Malfoy Tom Riddles Tagebuch in Ginnys Kessel rutschen ließ. Dann sah er, wie Ginny es schaffte, Malfoy während ihrer Auseinandersetzung zu besiegen. Kurz wallte Stolz in ihm auf, als er sah, wie sie den Todesser überwältigte, bevor er schließlich fand, nach was er suchte.
Malfoy hatte das Konferenzzimmer betreten, als Ginny befragt worden war. Harry beobachtete horrorerfüllt, wie Voldemort den Cruciatusfluch auf sie gerichtet hielt und dann versuchte, in ihre Gedanken einzudringen. Malfoy begann gegen Harry anzukämpfen und versuchte, ihn aus seinen Gedanken zu werfen. So krank die Erinnerung ihn auch machte, wehrte Harry doch den Todesser ab und schaute zu, wie Ginny ohnmächtig wurde. Lucius war mit der Aufgabe betraut worden, sie in ihrem neuen „Zuhause" einzuquartieren, während Voldemort seine Todesser ermunterte, ihr noch etwas mehr von ihrer einzigartigen Gastfreundschaft zu zeigen, nur mit der Warnung, dass sie sie am Leben lassen und ihren Verstand intakt halten sollten. Harry erlaubte sich nicht daran zu denken, was das für sie bedeutete und kämpfte mit aller Macht gegen Malfoys Versuche, ihn herauszudrängen, an, während er genau darauf achtete, wie Ginny aus dem Thronsaalähnlichen Raum gebracht wurde. Er kämpfte gegen Malfoy an, als er ihrem Weg bis zu der versteckten Tür folgte. Harry fühlte einen Ruck in der Erinnerung und konnte sich gerade noch lange genug halten, um das Passwort zu hören, das verwendet wurde, um die Tür zu öffnen, als er gewaltsam aus Malfoys Kopf befördert wurde.
Harry fand schnell sein Gleichgewicht in seinem Körper wieder und legte sofort einen Schockzauber auf Malfoy. Harry positionierte den Körper des Todessers so, dass er aus dem Weg war und warf einen Desillusionierungszauber über ihn. Da er sich nicht bewegen würde, sollte der Zauber ihn einige Zeit lang vollständig unsichtbar machen. Harry warf den Tarnumhang wieder über sich und trat in den Flur. Es war an der Zeit, Ginny zu finden und von hier zu verschwinden.
Harry konzentrierte sich auf die Erinnerung, die er von Malfoy herausgepresst hatte und lief den Flur entlang. Nach einer kurzen Zeit endete der Flur in einem großen Raum mit einer zweiflügeligen Tür an einem Ende, aber diese Tür beachtete Harry nicht. Er schritt gezielt durch den Raum zu einer kleinen Nebentür.
Als er den Raum zur Hälfte durchschritten hatte, stolperte er und unterdrückte ein Japsen, als seine Narbe plötzlich schmerzhaft brannte. Er bedeckte die Narbe mit einer Hand und zwang sich, weiterzugehen. Voldemort war in der Nähe und umso länger er blieb, umso größer war die Chance, dass Voldemort ihn finden würde. Harry war sich nicht sicher, wie ihre Verbindung funktionierte, aber es war vernünftig, anzunehmen, dass, wenn Harry Voldemorts Nähe spüren konnte, es umgekehrt ebenso der Fall sein könnte.
Mit diesem Gedanken im Hinterkopf lief Harry schneller. Als er die Tür erreichte, spürte er zwei Menschen auf der anderen Seite. Er wappnete sich, drehte langsam am Türknauf und warf die Tür dann weit auf. Er warf zwei Flüche, bevor die Tür auch nur gegen die Wand knallen konnte. Die beiden in Roben gehüllte Männer drehten sich gleichzeitig um, aber waren zu langsam: zwei Schockzauber brachten sie zu Fall.
Harry hatte die Distanz zwischen sich und den Männern bereits zur Hälfte hinter sich gebracht als sie fielen. Er rief schnell ihre Zauberstäbe zu sich und fesselte und desillusionierte dann ihre Körper. Er ließ sie dann in der Halle liegen. Harry begann zu joggen und verschwendete keinen weiteren Gedanken an die gefallenen Todesser. Er konnte nicht zu schnell laufen, da er sonst über seinen Tarnumhang fallen würde, aber er lief so schnell er konnte, ohne sein heimliches Weitergehen aufzugeben.
Nachdem er um zwei weitere Ecken gebogen war, erreichte er sein Ziel. Was wie eine gewöhnliche weiße Wand aussah, war in Wirklichkeit viel mehr. Selbst ohne das Wissen von der Existenz der Tür hätte Harry sie bemerkt, da die Magiekonzentration in diesem Bereich für seine Sinne so subtil wie ein leuchtendes Neonschild war. Wäre jedoch Malfoys Wissen nicht, würde er nicht wissen, wie er an den Schutzzaubern vorbeikommen könnte, die die Tür verbargen.
Er ließ seinen Zauberstab aus seinem Halfter gleiten und klopfte mit ihm gegen eine bestimmte Stelle an der Wand, als er sagte: „Möge dein Blut immer rein sein." Bei jedem Wort klopfte er gegen einen anderen Teil der Wand. Als er das letzte Wort sagte, spannte Harry seine Muskeln an, als er sich darauf vorbereitete, durch die Öffnung zu gehen. Doch die Öffnung erschien nicht. Stattdessen beobachtete Harry einen Magieausbruch hinter der Wand. Reflexartig hob er seine Hand und errichtete ein Schild vor sich, gerade als die Magie nach draußen in seine Richtung explodierte. Sein Schild ertrug den Großteil des Angriffs, aber die reine Kraft dahinter warf Harry zurück, bis er gegen die gegenüberliegende Wand krachte.
Die Stärke des Aufpralls ließ Harry verwirrt und desorientiert zurück und er ließ sich auf seine Knie fallen, um zu verhindern, dass er hinfiel. Als er seinen Kopf schüttelte, um zu versuchen, die Benommenheit abzuschütteln, bemerkte er einen schrillen Pfeifton, der durch die Flure hallte. Fluchend sprang Harry auf die Füße. Wenn bisher niemand seine Anwesenheit bemerkt hatte, dann hatten sie es spätestens jetzt. Malfoy musste seine Erinnerung verändert haben, bevor er Harry aus seinem Kopf gedrängt hatte. Was auch immer passiert war: Harry musste durch diese Tür gelangen und zwar schnell, bevor er gefunden werden würde.
Er konnte noch immer die Magie klar hinter der falschen Wand spüren, aber er wusste nicht, wie er an ihr vorbeikommen sollte. Da seine Anwesenheit bereits aufgeflogen war, beschloss er, direkt anzugreifen und sich den Weg freizusprengen. Unglücklicherweise schien sein Explosionszauber wenig Auswirkungen zu haben. Nach drei Versuchen war es deutlich, dass es nicht funktionieren würde. Frustriert trat Harry zu der Wand und legte seine Handfläche direkt dorthin, wo die Tür sein sollte. Er war sich nicht sicher, ob er es sich nur eingebildet hatte, aber er dachte, dass er gefühlt haben könnte, wie die Wand leicht auf seine Hand reagiert hatte.
Verzweifelt eine Lösung zu finden, begann er seine Magie zu sammeln. Er fühlte wie sie sich direkt in seiner Hand sammelte, dann zog er seinen Arm zurück. Als er seine Hand in Richtung der Wand schnellen ließ, sandte er seine Magie mit. Er hatte keinen besonderen Zauber im Kopf. Alles an das er denken konnte war die Hoffnung, dass dies irgendwie funktionieren würde, so dass er zu Ginny gelangen konnte. Unglaublicherweise sah er, wie ein Teil des Durchgangs kurz zu sehen war, als die Magie durch seine Hand in die Wand floss. Ermuntert zwang Harry mehr seiner Magie in einem stetigen Fluss in die Wand. Als der Durchgang wieder zu sehen war, reagierte Harry sofort und zwängte sich hindurch, wobei er den Magiefluss erst beendete, als er auf der anderen Seite war.
Als er sich umschaute, fand Harry sich am oberen Ende einer steinernen Treppe wieder. Ohne eine andere Möglichkeit zu haben, begann Harry hinunterzugehen, Hoffnung in seinem Herzen. Ginny musste in der Nähe sein.
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Alle paar Minuten warf Remus wieder den Verfolgungszauber, um sicherzugehen, dass sie nicht vom Kurs abwichen und dass Harry noch immer auffindbar war. Er hatte vor, ein ernstes Gespräch mit Harry zu führen, sobald er ihn gefunden hatte. Er mochte Harry in seinem Bestreben nach Unabhängigkeit unterstützen, aber er befürwortete Harrys Neigung, einfach loszurennen, ohne zuerst jemanden Bescheid zu sagen oder Hilfe zu holen, in keinster Weise. Er konnte verstehen, warum Harry nicht zu Dumbledore gegangen war, aber Remus hatte Harry deutlich klar gemacht, dass er immer da sein würde und gewillt war, auf jegliche Weise zu helfen.
Und Minerva anscheinend auch. Das hatte ihn unvorbereitet getroffen. Während Dumbledore keine Details genannt hatte, hatte er gesagt, dass die Informationen, die Harry mit Jim verknüpfte, von ihr gekommen waren und er nahm an, dass sie es vom dem Moment an gewusst hatte, als Harry verschwunden war, was bedeutete, dass sie Harrys Geheimnis gekannt und entschieden hatte, es vor Dumbledore und dem Orden geheim zu halten. Zumindest bis Harry zu seiner Einmannrettungsmission aufgebrochen war.
Er verdrängte die Gedanken aus seinem Kopf und warf noch einmal den Verfolgungszauber. Das Ergebnis ließ ihn abrupt in der Luft stoppen, was ihn überraschte Reaktionen seiner Begleiter einbrachte, als diese zur Seite wichen, um ihm auszuweichen und gezwungen waren, zu ihm zurückzufliegen. Verzweifelt warf Remus den Zauber ein zweites und ein drittes Mal - mit demselben Ergebnis.
„Was ist, Remus?", fragte Kingsley, als Tonks neben Remus anhielt und eine Hand auf seine Schulter legte.
Remus schaute hoch und erwiderte den Blick des Aurors: „Der Zauber hat aufgehört zu funktionieren. Ich habe ihn verloren!"
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Als sie erwachte, war das erste, was sie spürte, Schmerz. Jeder Zentimeter ihres Körpers tat weh, von ihren Fingern zu ihren Zehen und von ihrer Haut zu ihren Knochen. Das sie auf rauem Stein lag, half nicht dabei ihre Schmerzen zu lindern. Trotz dieser körperlichen Beschwerden erwachte sie nur langsam. Ihr Kopf war wie vernebelt und sie brauchte einen Moment, um zu realisieren, dass die Dunkelheit vor allem daraus resultierte, dass ihre Augen geschlossen waren. Als sie sie langsam öffnete, entdeckte sie, dass der Raum nur wenig erleuchtet war. Sie lag auf ihrem Rücken und drehte langsam ihren Kopf zur Seite und war überrascht, Gitterstäbe zu sehen, die vom Boden bis hoch zur Decke reichten. Direkt außerhalb der Gitterstäbe standen zwei Männer in schwarzen Umhängen.
Das war der Moment, als ihre Erinnerungen wieder zu ihr zurückkamen. Sie setzte sich abrupt auf und bedauerte diese Handlung sofort, da diese den Schmerz in ihrem Körper nur verstärkten und ihre Kopfschmerzen aufflammen ließ. Sie legte eine Hand an ihre Schläfe und stöhnte gequält auf.
„Na, was sagt man dazu. Der Ehrengast ist wach", spottete einer ihrer Kidnapper. „Wie gefallen dir deine Räumlichkeiten?"
Ginny ignorierte die höhnische Frage und schaute sich in ihrem Gefängnis um. An drei Seiten war sie von Steinwänden umgeben. Die Decke und der Boden waren ebenfalls aus Stein. Die letzte Wand bestand aus den Gitterstäben, die sie bereits gesehen hatte. Es war der einzige Weg aus ihrer Zelle hinaus.
„Es sind furchtbare Manieren, eine Frage zu ignorieren", fuhr der Mann nach einem Moment fort. „Nun, Gast oder nicht, man sollte immer gute Manieren zeigen. Würdest du das nicht auch sagen, Roberts?"
„Das würde ich", erwiderte der andere. „Tatsächlich würde ich sagen, dass die Lady bestraft werden muss."
„Recht hast du, mein guter Mann", stimmte der erste zu. „Schlechte Manieren sollten nie unbestraft bleiben." Er zog seinen Zauberstab aus der Tasche, zeichnete ein kompliziertes Muster über die Zellentür und ließ diese damit nach innen aufspringen. „Roberts, sei so gut und bring mir den Zaubertrank", rief er über die Schulter. „Ich ziehe sie spritzig vor."
„Ja", erwiderte der andere. „Ich habe den Zaubertrank gleich hier."
Ersterer stand im Türrahmen ihrer Zelle und nahm den Zaubertrank von dem zweiten und trat zu ihr. Ginny krabbelte rückwärts weg von dem Mann. Ihre Muskeln protestierten dabei gegen die Bewegungen. Viel zu schnell traf sie auf die Steinwand und kauerte sich in die Ecke des Raumes. Er näherte sich ihr langsam und kniete sich vor ihr hin. Ginny lehnte sich angewidert von dem Mann weg, als dieser forderte: „Mach den Mund auf!"
Ginny wandte ihren Kopf ab und verschloss ihren Mund. Was auch immer sie vorhatten, sie wusste, dass es nichts Gutes für sie bedeuten würde. Sie hasste sich selbst dafür, dass sie solch eine Schwäche zeigte, aber sie hatte kaum die Kraft, ihre Arme zu heben, ganz zu Schweigen davon, zu versuchen, gegen zwei Todesser zu kämpfen. Sie japste vor Schmerzen auf, als er eine Handvoll ihres Haares packte und ihren Kopf mit Gewalt nach hinten zwang. Er ließ schnell den Inhalt des Kelches in ihren offenen Mund rinnen, was Ginny würgen ließ, als der Zaubertrank ihre Kehle hinunterrann.
Ginny hustete und versuchte, so viel von dem Zaubertrank auszuspucken wie sie konnte, aber sie hatte bereits mehr als genug verschluckt. Überraschenderweise begann sie sich besser zu fühlen, als der Zaubertrank zu wirken begann. Wo ihr Körper sich zuvor träge und schwerfällig angefühlt hatte, begann sie sich nun wieder normaler zu fühlen. Der andauernde Schmerz war noch immer da, aber Ginny fühlte, wie einiges ihrer Kraft und Energie wieder zurückkehrte. Sie war überrascht, als sie fühlte, wie ihr Kopf ein weiteres Mal nach hinten gezogen wurde, aber sie kämpfte nicht dagegen an, als mehr Zaubertrank ihre Kehle hinuntergeleert wurde. Was auch immer dieser Zaubertrank war, er schien ihr zu helfen und sie hatte vor, dies voll auszunutzen.
Als sie durch den Zaubertrank zu würgen begann und versuchte, nichts davon bei ihrem Hustenanfall zu verlieren, fühlte sie ein Ziehen in ihrem Haar und Ginny wurde auf die Füße gezwungen. „Jetzt spielen wir", grinste der Mann anzüglich. Sie begann sich gerade zu ihm umzudrehen, als etwas gegen ihre Brust traf. Bevor sie richtig realisiert hatte, dass es die Hand ihres Kidnappers war, stieß sie schon ihre Handfläche gegen seinen Magen und presste mit ihrer Magie. Sie ließ den Mann damit gegen die Wand der Zelle fliegen. Sie fühlte ein Ziehen, denn der Mann hielt sie an der Bluse fest. Die Knöpfe der Bluse flogen weg und ihr Kragen zerriss, bevor er losließ und Ginny damit entblößt zurückließ. Sie verschwendete jedoch auf diese Tatsache keinen Gedanken, denn sie bemerkte, wie der zweite Wächter seinen Zauberstab aus seinen Roben herausfischte.
Als der Mann seinen Zauberstab auf sie richtete, trat Ginny einen Schritt vor und konzentrierte sich, um einen Schockzauber durch ihre Hand auf den Todesser zu werfen. Der Lichtstrahl war ein leuchtendes Rot, als er die kurze Distanz zwischen ihnen überwand und der Mann fiel sofort auf den Boden. Sie drehte sich zurück zu dem ersten Mann und sah, wie er halbaufgerichtet gegen die Steinwand gelehnt dalag, eindeutig ohnmächtig. Sie atmete erleichtert aus und nahm die beiden Zauberstäbe der Männer an sich. Sie stopfte einen der Zauberstäbe in ihre Hosentasche, hielt den anderen in ihrer Zauberstabhand und fesselte schnell beide Männer. Sie drehte sich um und näherte sich der Tür ihrer Zelle.
Sie lauschte angespannt, konnte aber nichts hören, dass auf die Anwesenheit von weiteren Bewachern hinweisen würde. Vorsichtig lugte sie aus ihrer Zelle hervor und schaute in beide Richtungen des Flures. Der Platz schien verlassen zu sein. Sie begann die von Zellen gesäumten Korridore entlang zu laufen und sah, dass ihre Zelle die einzige gewesen zu sein schien, die belegt gewesen war. Sie ging in Richtung einer Tür, von der sie hoffte, dass sie sie aus diesem Ort hinausführen würde. Als sie sich der Tür näherte, hörte sie auf der anderen Seite eilige Schritte und sie hob ihren Zauberstab. Es vergingen ein paar Momente, in der sie beinahe alle Vorsicht fahren ließ, bevor die Tür aufknallte.
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Harry rannte so schnell er konnte die Treppe hinunter. Als er unten ankam, warf er die Tür auf. Bevor sie gegen die Wand knallen konnte, hatte Harry zwei stumme Everberos abgefeuert. Einer traf sein Ziel und warf den Todesser ein paar Meter nach hinten. Der andere Zauber prallte an dem schnell errichteten Schild des zweiten Todessers ab. Ohne Zögern warf Harry einen Explosionszauber auf die Decke über dem Kopf des Mannes. Harry war gezwungen, zur Seite auszuweichen, als ein lilaner Zauber vom Zauberstab seines Gegners auf ihn zuflog, aber die fallenden Steinbrocken verhinderten, dass der Mann einen weiteren Zauber abfeuerte und Harrys schneller Schockzauber machte ihn gefechtsunfähig. Harry eilte nach vorne und trat über die gefallenen Todesser. Sein Umhang blieb jedoch hängen, was ihn zum Stolpern brachte.
Er zog den Tarnumhang von seinem Kopf hinunter und löste ihn von dem Stein. Da er keinen Grund mehr für Heimlichkeiten sah, rollte Harry den Umhang zusammen und stopfte ihn in sein Shirt. Ein schneller Klebezauber später war der Umhang fest am Platz und Harry konnte seinen Weg weiterverfolgen. Malfoy hatte Harry aus seinem Kopf geworfen, gleich nachdem dieser durch die Tür zur Treppe getreten war. Daher wusste Harry nicht, wo sie genau war. Er hatte wenig andere Möglichkeiten als weiterzugehen.
Der Flur war recht lang. Jede Zelle, an der er vorbeiging, war leer. Daher ging Harry weiter. Am Ende des Flures erschien zu seiner rechten eine Tür. Er konnte eine weitere Person auf der anderen Seite fühlen und bereitete sich darauf vor, einen weiteren Todesser zu überwältigen, als er realisierte, dass ihm die Präsenz bekannt vorkam. Er brauchte nur eine Sekunde, bis sein Gehirn die Verbindung herstellte und als dies geschah, konnte er fühlen, wie sein Herz in seiner Brust klopfte. Er warf die Tür aufgeregt auf und eilte hindurch, nur um schnell einem Schockzauber auszuweichen, der ihn beinahe nichtsahnend erwischt hätte.
„Ginny, ich bin's", rief er, bereit, von der Wand, an der er stand, wegzuspringen, sollte sie einen weiteren Zauber werfen.
„Harry?" Ihre Stimme war leise und unsicher, als ob sie sich nicht sicher sei, ob er real oder eine Illusion war. Sie stand wie festgefroren da.
„Ginny", erwiderte Harry sanft und ging ein paar zögernde Schritte auf sie zu, bevor er schnell die Distanz zwischen ihnen überwand und seine Arme um sie legte. Erleichterung durchfloss ihn, als er sie in seinen Armen hielt. „Ich dachte, ich würde dich niemals finden."
Sie stand einen Moment nur unbeholfen da, bevor ihre Arme ihn umschlangen und sie seine Umarmung erwiderte.
„Harry", wimmerte sie und er erkannte, dass sie weinte.
Er hielt sie fest an seine Brust gedrückt und fuhr tröstend mit einer Hand durch ihr Haar und ihren Rücken hinunter. „Es ist alles gut", flüsterte er. „Wir werden von hier verschwinden." Er drückte sie kurz, bevor er die Umarmung löste und einen Schritt zurückging. Sie versuchte ihn bei sich zu behalten, aber Harry setzte sich durch. Als er sich die Zeit nahm, sie zu mustern, bemerkte er den Zustand ihrer Bluse und seine Augen zogen sich sofort zusammen. Er öffnete seinen Mund, um sie zu fragen, wer dies getan hatte, aber er ließ ihn wieder zuschnappen. Das war nicht der Augenblick für Rache. „Hör zu, wir haben nicht viel Zeit, bis sie uns finden werden." Harry suchte einen Moment lang etwas in seiner Tasche, bis er einen kleinen Stein herauszog. „Ich weiß nicht, ob er hier funktionieren wird, aber es ist einen Versuch wert. Das hier ist ein Portschlüssel."
Harry hielt ihn so hin, dass Ginny ihn berühren konnte, aber als er den Portschlüssel aktivierte, passierte nichts. „Verdammt." Er schaute ihr in die Augen. „Es muss Antiportschlüsselschutzzauber hier unten geben. Wir müssen hinauskommen, bevor er funktioniert."
Ginny nickte mitgenommen und sammelte sich. Nach einem Moment nickte sie fest und sagte: „Lass uns gehen."
Harry führte sie den Weg zurück, den er gekommen war- durch die Tür und den Flur entlang. Bevor sie den Weg zur Hälfte hinter sich gebracht hatten, erschienen mehrere Todesser von der Treppe. Die Distanz in Kombination mit dem engen Flur machte einen Kampf unmöglich. Seine Zauber waren alle abwehrbar, während ihre dies nicht waren. Sie würden zu viel Zeit haben, um auf seine Zauber zu reagieren, als das sie einen Effekt haben würden. Er würde es nicht riskieren, Ginny hier zu verlieren. „Zurück", befahl er.
Nie den Blick von den Todessern abwendend begannen sie, rückwärts zu der Tür zurückzugehen, die zu Ginnys Zelle führte. Sie waren gezwungen, einigen Zaubern auszuweichen, aber die Todesser schienen damit zufrieden zu sein, sie nur nach hinten zu drängen. Und warum auch nicht? Soweit Harry wusste, blockierten sie den einzigen Ausgang. Harry folgte Ginny durch die Tür und führte sie sofort in eine der Ecken gleich bei der Tür. Er gab Ginny eilig Instruktionen, einen Desillusionierungszauber auf sich zu werfen und sprintete dann zwanzig Meter weiter den Flur entlang, wo er eine einfache Illusion von ihnen beiden aufrichtete, wie sie mitten im Flur standen. Es war nicht seine beste Arbeit und würde aus der Nähe nicht standhalten, aber es würde sie hoffentlich in den Raum locken.
Er rannte wieder zurück und positionierte sich in der Ecke gegenüber von Ginny, wo er einen Desillusionierungszauber über sich warf - nur Augenblicke, bevor die Todesser ankamen. „Gebt auf, solange ihr könnt", rief einer von ihnen, als sie durch die Tür traten.
„Ja, vielleicht schonen wir euch dann", fügte ein anderer hinzu. „und lassen euren Tod schnell und schmerzlos sein."
Als der fünfte und letzte der Gruppe den Raum betrat, hielt Harry seine beiden Hände hoch und zielte auf zwei der verhüllten Gestalten. Sobald sie ein paar Schritte in den Raum getreten waren, hielt der Anführer an und sagte: „Was zum ..."
Harry sandte zwei Explosionszauber in die Gruppe. Die beiden Zauber trafen zwei der Gestalten am Rücken und schleuderten sie gegen ihre Kameraden. Ginny hatte - wie es schien - gerade ein Paar Schockzauber in die Gruppe gesandt, als er sich zu ihr drehte und ihre Hand packte. „Lass uns gehen."
Er eilte mit Ginny durch die Tür, nur um zu entdecken, dass sie noch mehr Gesellschaft hatten. Mindestens ein Dutzend Todesser füllten den Flur, aber sie machten keine Anstalten, sich ihnen zu nähern. Der aufflammende Schmerz in seiner Narbe war seine einzige Warnung, als - zu seinem Horror - Voldemort aus dem Treppenhaus trat: „So nett von dir, uns Gesellschaft zu leisten, Harry Potter."
Harry blieb nicht stehen, um zu hören, was er sonst zu sagen hatte. Er packte Ginny und eilte in den anderen Korridor. Ein paar der Todesser kämpften sich auf die Füße. Harry warf schnell Schockzauber auf zwei von ihnen, aber der dritte war schnell genug, um Ginnys Schockzauber abzuwehren. Harry und Ginny feuerten gemeinsam eine Sturzflut an Flüchen und Zaubern auf den Mann, bis der Schutzschild des Mannes fiel und er ihrer gemeinsamen Zauberei zum Opfer fiel. Harry packte Ginny, eilte den Flur hinunter und suchte nach weiteren möglichen Ausgängen. Als sie das Ende des Flures erreichten, entdeckten sie jedoch, dass es eine Sackgasse war. Sie waren gefangen.
„Was sollen wir machen?", fragte Ginny, die Verzweiflung deutlich in ihrer Stimme zu hören.
Harry schaute zu ihr und wünschte, dass er ihr versprechen könnte, dass alles gut enden, dass sie hier herausfinden würden, aber er konnte ihr solche Versprechen nicht geben. Harry dachte angestrengt nach und versuchte sich an etwas in seinen Studien und seinem Training im letzten Jahr zu erinnern, das ihnen helfen würde, hier herauszukommen. Er dachte kurz darüber nach, sie in ihren Animagusgestalten anzugreifen, aber das war viel zu riskant. Zu versuchen, gegen Voldemort zu duellieren, insbesondere mit Ginnys Anwesenheit, kam nicht in Frage. Harry wusste, dass er nicht bereit war, ihm gegenüberzustehen und er wusste, dass Voldemort nicht zögern würde, Ginny gegen ihn zu verwenden.
Als sie dastanden, bemerkte Harry, wie die ersten der Todesser begannen, den Flur zu betreten. Er packte daher Ginny und zog sie in die letzte Zelle. Er wollte so viel Zeit schinden wie er konnte. Er ging im Kopf jeden erdenklichen Plan durch, um sie von hier fortzubekommen und er wies jeden von ihnen in dem Moment ab, als er an ihn dachte. Sie hatten keine Chance in einem Kampf, und gleichzeitig gab es keinen Weg zu fliehen.
Harry schaute auf den Zauberstab in seiner Hand hinunter und - einer plötzlichen Inspiration folgend - kniff er seine Augen zusammen und konzentrierte sich mit allem, das er hatte. Er sandte seine Gedanken auf die gleiche Weise aus, wie er das tat, wenn er Gedankenreden verwendete und rief seine Bitte: „Fawkes! Ich brauche deine Hilfe!"
Als Harry seine Augen öffnete, sah er nicht das verräterische Aufblitzen von Flammen, das die Ankunft seines Phönixfreundes verkünden würde und er fühlte, wie sein Herz fiel. Er unterdrückte das Gefühl der Hoffnungslosigkeit. Wenn er besiegt werden sollte, dann würde er dies kämpfend tun. Harry hielt Ginnys Hand fest, als er seinen Zauberstab hob. Er konnte die Schritte der sich ihnen nähernden Todesser bereits hören.
Er drehte sich um und schaute tief in Ginnys Augen, als er eine recht merkwürdige Sensation bemerkte. Sein Zauberstab schien sich zu erwärmen. Es war merklich warm und schien nur noch wärmer zu werden, je mehr Sekunden vergingen. Zur gleichen Zeit konnte er einen Anstieg von Magie in dem Zauberstab selbst spüren, ohne jegliche Verbindung zu ihm. Harrys Augen wurden größer, als er überlegte, was dies bedeuten konnte. Er zog Ginny fest an sich und konzentrierte sich darauf, seine Magie in seine Zauberstabhand und damit in seinen Zauberstab zu drücken, um die dort vorhandene Magie mit seiner eigenen zu stärken.
Die Magiekonzentration erhöhte sich schnell. Flammen brachen aus der Spitze seines Zauberstabes hervor und begannen sich dann über die gesamte Länge und dann hinunter zu Harrys Hand auszubreiten. Sie waren warm, aber es war eine angenehme Wärme, die keine Schmerzen mit sich brachte. Es erschien wie flüssiges Feuer, als es seinen Arm schnell umfing und sich schnell auf seinen Körper ausbreitete. Harry hielt Ginny fest an sich gepresst, als er fortfuhr, die Magie zu stärken. Er wollte, dass es funktionierte, dass es sie von hier fortbrachte - sie nach Hause brachte. Nach einem weiteren Moment umhüllten die Flammen sie gänzlich. Gerade als Harry die weiße Maske eines Todessers in der Zelle sah, brach die Magie aus und Harry und Ginny verschwanden.
END OF CH 26
AN: Nächstes Mal gibts wieder ein längeres Kapitel. Versprochen!
