AN Übersetzer: Drei Jahre hat fake a smile gebraucht. Nun, für euch und
mich war es genauso lang: 3 ½ Jahre undknapp 500.000 Wörter sind es nun geworden um die deutsche Fassung zu kreieren. Das sind 1055 Word-Seiten. Diese Übersetzung wäre ohne meinen beta aragog nicht annähernd das was sie ist. Er war und ist unersetzlich. Vielen Dank an ihn und an euch Leser für die lange Treue! Jede Review, jeder Favoriteneintrat, jeder Klick war und bleibt mir eine ungemeine Motivation!
Man sieht sich hoffentlich in einem Monat pünktlich am 15. beim Sequel:
Free Life (Das Leben in Freiheit)
Kapitel 28: Heraus aus den Schatten
Harry funkelte den Schulleiter ein letztes Mal an, drehte sich auf dem Absatz um und ging zur Tür, welche jedoch zuschlug, bevor er sie erreichen konnte. „Wir sind hier noch nicht fertig, Mr. Potter."
Dumbledores Stimme strotzte vor Macht.
Sehr langsam drehte Harry sich zu dem Schuldirektor um, der nun aufrecht hinter seinem Schreibtisch stand. Er sagte nichts sondern erwiderte nur den Blick des Mannes. Alle Spuren eines liebenswürdigen, großväterlichen Schulleiters waren verschwunden und durch die mächtige Persona ersetzt worden, die sogar in einem Dunklen Lord Angst im Herzen wecken konnte.
„Ich brauche dein Versprechen, das du aufhören wirst dich in Kämpfe mit den Todessern zu involvieren", forderte der Schulleiter mit fester Stimme.
Harry zog die Augen zusammen: „Nein."
„Vielleicht hast du mich missverstanden", erwiderte Dumbledore. „Das war keine Bitte."
„Vielleicht haben Sie mich missverstanden, Schulleiter", erwiderte Harry ruhig, auch wenn er damit kämpfte, die Verachtung aus seiner Stimme herauszuhalten. „Ich bin nicht ihre Marionette. Sie müssen die Entscheidungen, die ich treffe nicht mögen, aber Sie werden respektieren müssen, dass es meine Entscheidungen sind."
„Da liegst du falsch, Mr. Mr. Potter", konterte der Mann und nahm sich deutlich zusammen. „Du bist noch immer minderjährig. Daher sind deine Entscheidungen nicht deine eigenen."
Harry lachte bellend, doch sein Lachen war ohne Humor: „Sie denken, die Dursleys werden mich aufhalten? Wenn sie glauben, dass es mich umbringen könnte, werden sie dafür sein. Das könnte das erste Mal sein, dass wir einer Meinung sind."
„Deine Tante und dein Onkel sind deine Erziehungsberechtigten in der Muggelwelt", erwiderte Dumbledore. „In der magischen Welt wird jedoch Hogwarts und daher dem Schulleiter eine Art Vormundschaft über die Angelegenheiten der muggelerzogenen Schüler in der Zaubererwelt eingeräumt. Da die Todesser ein Teil der Zaubererwelt sind, fällt deine Beteiligung an den Kämpfen unter meine Zuständigkeit."
„Komisch, aber das kümmert mich einen feuchten Dreck", sagte Harry.
„Bitte denke darüber nach, Harry", sagte Dumbledore und trat vor den Tisch. „Ich möchte dich zu nichts zwingen."
Harry hob ungläubig eine Augenbraue hoch. „Sie haben auf jedenfall eine merkwürdige Art, das zu zeigen."
„Aber ich werde es tun", fuhr Dumbledore fort, ohne Harrys Worte zu beachten. „Wenn du mir keine andere Wahl lässt."
„Es gibt eine Menge Möglichkeiten", erwiderte Harry und ballte seine Hände zu Fäusten. „Sie möchten nur keine andere anerkennen, als die, die sie bereits gewählt haben. Natürlich haben Sie mich bei dieser Entscheidungsfindung nie involviert, auch wenn es mein Leben ist, mit dem Sie spielen."
„Dein Verhalten im Moment unterstreicht nur, dass du noch nicht bereit für Verantwortung bist", tadelte der Schulleiter.
„Oh, verstehe ich das also richtig: Ich bin wütend, weil sie versuchen, mein Leben zu bestimmen und für Sie bedeutet das, dass ich nicht dazu bereit bin, meine eigenen Entscheidungen zu fällen?", wollte Harry wissen.
Dumbledore ignorierte seine Frage und sagte: „Dein Versprechen, Mr. Potter. Das ist alles, was ich möchte und dann kannst du gehen."
„Ich fürchte, das kann ich nicht tun", meinte Harry.
„Ich habe dir viele Freiheiten gelassen", sagte der Schulleiter. Harry konnte ein Schnauben nicht unterdrücken, aber Dumbledore fuhr fort, als ob Harry kein Laut von sich gegeben hätte. „Ich wollte nicht, dass du das Gefühl hast, in einem Käfig gefangen zu sein. Deine Beschützer im Ligusterweg waren immer unsichtbar. Im Schloss habe ich dir freie Hand gelassen. Solange du innerhalb der sicheren Mauern Hogwarts bliebst, sah ich keinen Grund, unnötige Beschränkungen hinzuzufügen. Nun sehe ich keine andere Alternative."
„Was haben Sie vor?", höhnte Harry. „Wollen Sie mich einsperren?"
Der Schulleiter schüttelte den Kopf: „Ich bin nicht dieser Tyrann als den du mich anzusehen scheinst. Ich habe kein Verlangen danach, dich einzusperren, doch du musst beschützt werden - auch vor dir selber."
Harry schüttelte traurig den Kopf. „Ich hatte gehofft, dass ich falsch lag", sagte er. „Ich habe es gehasst, Sie anzulügen und habe immer Zweifel gehegt und mich gefragt, ob Sie mich und meine Entscheidungen akzeptieren würden. Es sieht so aus, als wäre ich nicht nur paranoid gewesen."
„Du hast gelogen, weil du wusstest, dass ich und andere deine Taten missbilligen würden", konterte Dumbledore. „Das ist der Grund, warum sogar Mr. Weasley und Miss Granger nichts von deinen Handlungen im letzten Jahr wussten. Miss Granger war tatsächlich so besorgt um dich, dass sie es für angebracht ansah, letzte Nacht vor deinem Verschwinden meine Hilfe zu suchen."
Harrys Augen wurden größer und angesichts dieser Offenbarung zögerte er kurz, bevor er das Ganze beiseite schob. Er würde sich später mit Hermine befassen. „Glauben Sie wirklich, dass sie mich dazu bringen können, meine Taten anzuzweifeln?"; fragte Harry und lachte humorlos auf. „Ich habe zugegebenermaßen im vergangenen Jahr einige Fehler gemacht, aber ich habe auch viel Gutes getan - ich habe Leben gerettet. Ich werde das nie bereuen."
„Es scheint, als wären wir in einer Pattsituation", sagte Dumbledore ziemlich unnötigerweise. „Wenn du mir nicht dein Wort geben willst, fürchte ich, dass du die Konsequenzen nicht mögen wirst."
Harry reagierte nicht auf diese Aussage - weder verbal noch irgendwie anders. Sein Gesicht blieb ausdruckslos.
„Nun gut", fuhr Dumbledore nach einem kurzen Moment der Stille fort. Mit einem ausgezehrten Ausdruck auf seinem Gesicht winkte er mit seiner Hand und seine Bürotür öffnete sich wieder. „Ich bin mir sicher, dass du Miss Weasley im Krankenflügel besuchen möchtest. Ich werde dich nicht länger aufhalten."
Harry starrte ihn einen Moment lang an, bevor er sich umdrehte und wegging, seine Sinne in höchster Alarmbereitschaft haltend, bis er durch die Tür getreten und die steinerne Wendeltreppe hinunter hinaus in den Flur getreten war. Dumbledore hatte keine Anstalten gemacht, ihm zu folgen. Daher ging Harry in Richtung des Krankenflügels und graute sich bereits vor der Konfrontation, die er sicherlich mit den Weasleys, Hermine und wahrscheinlich Madame Pomfrey haben würde- und mit wem auch immer, der sonst noch in der Nähe war.
Als er den Eingang erreichte, hielt er vor der zweiflügeligen Tür an und holte noch einmal tief Luft, bevor er die Türen aufstieß und eintrat.
OoOoOoOoOoOoOoO
Ginny scheute sich ein wenig davor, sich von ihrer Mutter aus Dumbledores Büro führen zu lassen. Sie hatte keinen Zweifel an den Absichten des Schulleiters und trotz Harrys Beharren, dass es ein Kampf war, den er austragen musste, fühlte es sich nicht richtig an, ihn allein zurückzulassen. Als sie jedoch zu ihrer Mutter schaute, wusste sie, dass selbst ein Versuch, zum Büro des Schulleiters zurückzukehren, nicht in Frage kam. Nach den ganzen Sorgen, die ihre Mutter sich gemacht hatte, war ein Besuch im Krankenflügel das Wenigste, was sie tun konnte, um zu helfen, dass es ihr wieder besser ging. Und wenn sie ehrlich mit sich selbst war, wusste Ginny, dass sie ein paar Schmerztränke gebrauchen konnte.
Sie seufzte, als sie den Krankenflügel betrat. Madame Pomfrey kam aus ihrem Büro geeilt und zögerte nicht, Ginny zu drängen, sich auf eins der Betten zu setzen. Ginnys Mutter und die Matrone redeten über sie, als sei sie nicht einmal da, was recht ärgerlich war. Sie war kein Kind, das nicht für sich selbst sprechen konnte. Sie erwiderte einen Moment lang Rons Blick und er zeigte seine Zustimmung mit einem Verdrehen der Augen. „Ich bin direkt hier, nur zur Information" unterbrach Ginny die beiden Frauen. „Da ich diejenige war, die da war, sollte vielleicht ich gefragt werden, was mir fehlt."
Ihre Mutter runzelte die Stirn und öffnete ihren Mund, um etwas zu sagen, aber Madame Pomfrey kam ihr zuvor: „Also gut Miss Weasley. Was fehlt dir denn?"
„Ich bin nur verspannt", erwiderte Ginny ausweichend.
„Von was genau?", fragte die Matrone nach.
Sie verdrängte die Erinnerung an die Folter, die sie ertragen hatte und erwiderte in einem sachlichem Tonfall: „Dem Cruciatusfluch." Ihre Mutter machte ein Geräusch, als würde sie aufschluchzen, was Ginny beinahe die Kontrolle über ihre Emotionen verlieren ließ, aber sie weigerte sich, zu erlauben, dass nur die Erinnerung an den Schmerz Macht über sie bekam.
Madame Pomfrey runzelte die Stirn und fragte: „Wie lange wurdest du unter dem Fluch gehalten?"
Ginny unterdrückte ein Schaudern und zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht." Ihr Vater legte eine tröstende Hand auf ihre Schulter und sie schaute mit einem kleinen Lächeln zu ihm auf.
„Mehrere Male?", fragte die Medihexe.
Ginny nickte. „Ja, ein paar Mal." Ihre Mutter wimmerte leise und ging ans Kopfende des Bettes. Sie begann mit ihren Fingern durch Ginnys Haar zu fahren, während sie die andere Hand an ihren Mund hielt - wahrscheinlich um sich vom Weinen abzuhalten.
Madame Pomfrey schnalzte mit der Zunge und ging zu einem Schränkchen voller Zaubertrankphiolen. Sie wählte eine aus und brachte sie zu ihr.
„Trink das", forderte Pomfrey. „Alles."
Ginny warf ihr einen zweifelnden Blick zu, bevor sie zustimmend nickte. Sie schluckte den Zaubertrank schnell hinunter und akzeptierte dankbar den Kelch Wasser, der ihr in die Hände gedrückt wurde, um den widerlichen Geschmack wegzuspülen.
„Ich möchte, dass du für die nächste Stunde hier im Bett bleibst, während der Zaubertrank seine Wirkung entfaltet" instruierte Madame Pomfrey.
Ginny konnte nur zustimmend nicken, denn der Tonfall der Matrone ließ keine Diskussion zu. Madame Pomfrey verschwand und Ginny blieb mit ihren Eltern und ihrem Bruder zurück. Ron sah am Fußende des Bettes etwas unbehaglich aus, während ihre Mutter weiter mit einer Hand durch Ginnys Haar fuhr. Die Hand ihres Vaters blieb beruhigend auf ihrer Schulter liegen.
„Äh - vielleicht sollte ich die anderen anflohen," sagte Ron plötzlich „um sie wissen zu lassen ..." Er verstummte.
„Das ist eine exzellente Idee, Ron", meinte sein Vater. „Wieso fragst du nicht Madame Pomfrey, ob du ihren Kamin benutzen darfst?"
Ron nickte und ging in das Büro der Matrone. Als Ginny ihm hinterherschaute, wanderten ihre Gedanken zu Harry, der allein in Dumbledores Büro war. Sie hatte ein komisches Gefühl in der Magengrube und wusste, dass die Dinge im Moment nicht gut für ihn liefen. Sie hasste das; in einer Weise war es ihre Schuld, dass er in dieser Position war. Sie wusste, dass es unlogisch war, sich selbst die Schuld zu geben, aber sie tat es dennoch. Sie wünschte, sie könnte zumindest neben ihm
stehen und ihm ihre Unterstützung zeigen. Stattdessen saß sie in einem Bett und wurde von allen umsorgt.
Sie schüttelte die Gedanken von sich, als sie aus dem Augenwinkel sah, wie das Feuer sich grün färbte und Rons Kopf in den Flammen verschwand. Sie würde bald genug erfahren, was sich zwischen Harry und dem Schulleiter abgespielt hatte.
Wie auf Kommando öffneten sich die Türen zum Krankenflügel und Harry trat ein. Sie konnte an seinen steifen Bewegungen erkennen, dass er aufgebracht war, aber sobald sie seinen Blick fand, tauchte ein Lächeln auf seinem Gesicht auf. Er ging zu ihr und stellte sich an die Bettseite gegenüber von ihren Eltern hin. Er nahm ihre Hand in seine und fragte: „Und wie lange musst du hierbleiben?"
„Eine Stunde", erwiderte Ginny.
„Ist das alles?" witzelte Harry. „Ich glaube nicht, dass ich jemals nur so kurz hier gewesen bin."
„So ist es", stimmte Madame Pomfrey zu, als sie an das Bett trat. „Anders als du scheint Miss Weasley genug Verstand zu haben, ihrem Körper nicht zu viel Schaden zuzufügen." Ginny drückte Harrys Hand, als er als Antwort mit den Schultern zuckte. „Und wie geht es dir, Miss Weasley?"
„Gut", erwiderte sie.
Pomfrey schnalzte als Antwort wieder mit der Zunge und musterte sie genau, als erwarte sie, das eine neue Wunde auf ihrem Körper auftauchen würde. Anscheinend zufrieden, dass so etwas nicht geschehen würde, nickte sie und ging wieder. Zu diesem Zeitpunkt war Ron vom Kamin aufgestanden und stand am Fußende ihres Bettes. „Fred und George sind auf dem Weg hierher. Bill kann im Moment nicht, aber er sagte, er würde später vorbeikommen. Und Charlie konnte ich nicht erreichen."
Niemand sagte etwas über den Namen, den er nicht erwähnt hatte. Ginny schluckte die plötzlich aufkommende Traurigkeit und den Zorn hinunter, welchen sie für ihren auf Abwege geratenen Bruder fühlte. Es war in Zeiten wie diesen, dass sie
seine Abwesenheit am stärksten fühlte. Sie war Percy nie besonders nahe gestanden, aber er war ihr Bruder. So wie er sich jedoch verhielt, könnte er genauso gut ein beliebiger Fremder sein.
Die Stille hielt an, aber sie wusste nicht, was sie sagen könnte, um sie zu brechen. Es war Ron, der schließlich sprach: „Also, was ist passiert?"
Ginny beäugte ihren Bruder besorgt. Sie hatte sich vor dem Moment gefürchtet, wenn einer von ihnen diese Frage stellen würde. Sie wagte es nicht einmal, ihre Eltern anzuschauen, von denen sie wusste, dass sie genauso ungeduldig darauf warteten, es zu erfahren. Sie schaute kurz zu Harry und fand dort ihre eigenen Gefühle wieder, auch wenn er versuchte es zu verstecken. Sie schaute wieder zu ihrem Bruder und sagte: „Ich würde im Moment lieber nicht darüber reden."
Ron sah aus, als wolle er protestieren, schien es sich dann aber anders zu überlegen und nickte. Sie wusste, dass ihr das nur einen kurzen Aufschub auf ihre Fragen geben würde, aber sie nahm gerne jede Zeit, die sie zu geben bereit waren.
Eine unangenehme Stille fiel über die kleine Gruppe. Ginny legte ihren Kopf zurück, um zu ihren Eltern hochzuschauen, bevor ihr Blick zu Harry wanderte. Sie wollte ihn fragen, wie es mit Dumbledore gelaufen war, aber sie wagte nicht, es überhaupt in Anwesenheit ihrer Familie anzusprechen. Als ob er ihre Gedanken lesen könnte, schüttelte Harry beinahe unmerklich den Kopf und formte lautlos das Wort: „Später." Sie erwiderte seinen Blick einen Moment lang, bevor sie ihren Kopf zu dem plötzlichem grünen Aufflammen, dass sie aus dem Augenwinkel sah, drehte. Ein Lächeln wollte sich auf ihre Lippen legen, als sie zusah, wie erst Fred und dann George aus dem Kamin trat. „Na schau, mein lieber Bruder", begann George in dem Moment, als er hinaustrat.
„Unsere verlorene Schwester", fuhr Fred fort.
„Und ihr persönlicher Retter", beendete George den Satz.
„Ich muss mir auch so einen besorgen", meinte Fred.
„Ziemlich praktisch mit dem alten Voldie auf freiem Fuß", sagte George.
„Gut gesagt, Fred", lobte Fred.
„Danke, George", erwiderte George.
Ginny gluckste, als sie erwiderte: „Ihr werdet euren eigenen finden müssen. Dieser hier gehört ganz allein mir und ich werde nicht teilen." Sie drückte bei ihren Worten Harrys Hand und ein kurzer Blick zu ihm zeigte, wie seine Augen vor Vergnügen leuchteten.
„Ihr müsst entschuldigen, meine Herren", fügte Harry hinzu. „Ihr habt die Dame gehört."
Die Zwillinge seufzten simultan auf und legten im perfekten unisono ihre Handrücken an ihre Stirn. „Ich kann nicht anders als mich zu fragen, ...", begann Fred einen Moment später.
„Was denn, mein Lieblingsbruder?", fragte George.
„Dein Lieblingsbruder, wirklich?" Fred fiel beinahe in Ohnmacht. „Du schmeichelst mir. Ich wollte die anderen nicht eifersüchtig machen, aber du bist auch mein Lieblingsbruder."
Ginny verdrehte die Augen und sah, dass Ron dasselbe tat.
„Natürlich, so gutaussehend wie ich bin, wie könnte ich das nicht sein", verkündete George hochmütig. „Aber zurück zu dir, Bruder."
„Ah ja, ich kann nicht anders als mich zu fragen, wie merkwürdig die ganze Situation zu sein scheint."
„Merkwürdig, George?" fragte George nach.
„So ist es, Fred", fuhr Fred fort. „Weißt du, es heißt, dass unsere liebe Schwester hier gekidnappt wurde."
„Die Neuigkeiten haben beinahe mein Herz gebrochen."
„Mir ging es genauso, mein Bruder, aber was mir auffällt, ist, dass der einzige mit Wissen über dieses angebliche Kidnapping ihr lieber Harry hier ist."
Ginny schaute zwischen den beiden hin und her, als sie ihren „Duolog" führten und versuchte, herauszufinden, worauf die beiden hinaus wollten.
George nickte ernst. „Ja, er ist ein wahrer Held. Er stürzte sich in die Gefahr, um unsere geliebte Schwester zu retten."
„So scheint es", stimmte Fred zu. „So wie es sich anhört ging er los und war sofort mit seiner Jungfer in Nöten auf den Arm wieder draußen, dennoch hören wir - ihre arme Familie - erst jetzt von den beiden."
Ginny runzelte die Stirn. Von allen ihren Brüdern hatte sie am wenigsten erwartet, sich von Fred und George deswegen etwas anhören zu müssen. Sie öffnete den Mund, doch es fiel ihr nichts ein, das sie sagen könnte, um die beiden zum Schweigen zu bringen. Wahrscheinlich würde alles, was sie sagen würde, die beiden nur anspornen. Daher klappte sie ihren Mund wieder zu und beobachtete die beiden misstrauisch.
„Woran denkst du, mein Bruder", wollte George wissen.
„Was, wenn das Kidnapping nur eine Täuschung war?", fragte Fred.
George schnappte dramatisch nach Luft: „Wieso würden sie so etwas tun?"
Fred schüttelte den Kopf, als er fortfuhr: „Du weißt, wie schwer es sein kann, einen guten Ort zum Knutschen in diesem staubigen, alten Schloss zu finden."
Ginnys Mund klappte auf.
„Und wie ich das weiß", stimmte George zu.
„Wenn also zwei junge Turteltäubchen ..."
„Das ist genug!", kreischte ihre Mum. „ Eure Schwester hat etwas furchtbares durchlebt. Und ihr habt die Nerven- zu - zu -, - so etwas anzudeuten. Entschuldigt euch sofort bei eurer Schwester und bei Harry."
Ginny konnte ein Lächeln nicht unterdrücken, als ihre Brüder ihr gleichzeitig zuzwinkerten. Nur Fred und George würden so etwas tun.
„Bitte entschuldigt", sagten sie ernst, doch der Tonfall stand im Widerspruch mit dem Lächeln auf ihren Gesichtern.
Ginny kam einer weiteren Tirade ihrer Mum zuvor, indem sie ansprach, dass sie einen neuen Zauberstab benötigte. Ihre Eltern versprachen, dass sie mit den Professoren reden würden, um eine Erlaubnis zu bekommen, sie am nächsten Tag zu Ollivander zu bringen. Da sie sahen, dass die Wut ihrer Mum nachgelassen hatte, nahmen Fred und George ihre Neckereien wieder auf. Sie waren immer dafür gut, eine Unterhaltung am Laufen zu halten, selbst wenn die beiden nur über verschiedene Nichtigkeiten sprachen.
Es dauerte nicht lange, bis Madame Pomfrey zurückkehrte und Ginny noch einmal untersuchte. „Nun, du scheinst es ganz gut überstanden zu haben", verkündete sie schließlich. „Ich erwarte von dir, dass du die nächsten Tage ruhig angehen lässt. Vermeide jegliche anstrengende Tätigkeit, und du darfst eine Woche lang nicht fliegen. Patienten leiden manchmal an verzögerten Nebenwirkungen vom Cruciatusfluch, die plötzliche Schmerzimpulse oder kurzzeitige Gefühllosigkeit in den Extremitäten beinhalten können. Wenn du irgendwelche merkwürdigen Symptome bemerkst, erwarte ich, dass du hierher zurückkehrst, um behandelt zu werden. Verstanden?"
Ginny nickte ernst, bevor sie sich wieder ihrer Familie zuwandte. Mit einem Lächeln auf ihrem Gesicht schwang sie ihre Füße vom Bett, als die Türen zum Krankenflügel sich wieder öffneten und Professor Dumbledore und McGonagall eintraten. Sie fühlte, wie sich Harry an ihrer Seite beim Erscheinen von Dumbledore versteifte.
„Ah, ich sehe, Madame Pomfrey hat dich für gesund erklärt, Miss Weasley", sagte Dumbledore. „Eine Tatsache, die uns alle erleichtert."
Sie zwang ein Lächeln auf ihr Gesicht und nickte als Antwort, während ihre Hauslehrerin hinzufügte: „Es freut mich, Sie sicher und gesund wiederzusehen, Miss Weasley." Ihr Blick huschte kurz zu Harry, als sie dies sagte und sie lächelte ein wenig. „Dasselbe gilt für Sie, Mr. Potter." Sie nickte Harry zu und sagte: „Könnte ich kurz mit ihnen reden?"
„Natürlich, Professor", erwiderte Harry und ließ sich nichts anmerken. Ginny drückte seine Hand, bevor sie sie losließ und er drehte sich zu ihr um, um sie anzulächeln, bevor er mit Professor McGonagall hinausging. Dumbledore sah zu, wie die beiden gingen, bevor er sich wieder der Menschenansammlung um Ginnys Bett zuwandte.
„Messrs. Frederick und George, es ist gut, euch wieder in diesem alten Schloss zu sehen", sagte Dumbledore und nickte beiden Zwillingen zu - immer dem richtigen, als er den Namen sagte. „Ihr seid willkommen, heute bis vor Zapfenstreich zu bleiben. Ich wage zu behaupten, dass die Hauselfen genug Essen für euch bereiten können und auch welches Chaos ihr auch zurücklassen werdet, sauber machen können." Seine Augen funkelten wie verrückt, während ihre Mutter schnaubte. „Wenn ihr das Flohnetz benutzen müsst, fühlt euch frei, in mein Büro zu kommen."
„Molly, Arthur", sagte er an ihre Eltern gewandt. „Darf ich um einen Moment eurer Zeit bitten?"
„Natürlich, Albus", erwiderte ihre Mum, während ihr Vater zustimmend nickte.
Ihre Eltern umarmten sie zum Abschied, bevor sie zusammen mit dem Schulleiter gingen. Ginny wandte sich ihren Brüdern zu, als sie aus dem Augenwinkel eine Gestalt in den Raum eilen sah: „Ginny!"
Es entkam ihr ein überraschtes „Uff,", als jemand mit ihr zusammenstieß. Sie fand sich mit buschigem Haar in ihrem Gesicht und die Arme einer schweratmenden Hermine um sie gelegt wieder.
Nachdem Ginny ihr Gleichgewicht wiedergefunden hatte, erwiderte sie die Umarmung. Hermine löste sich von ihr, noch immer etwas schwerer atmend als sonst und japste: „Ich habe gerade erst die Gerüchte gehört und musste es für mich selbst sehen. Ich bin so froh, dass du okay bist."
„Danke", erwiderte Ginny.
Hermine drehte verwirrt ihren Kopf hin und her. „Wo ist Harry? Er ist nicht ..."
„Ihm geht es gut", unterbrach Ginny. „Professor McGonagall hat ihn nur für ein kurzes Gespräch zur Seite genommen."
Hermine nickte, als würde sie ihre Zustimmung dazu geben, das ihre Hauslehrerin Harry für ein Gespräch zur Seite nahm. Was Ginny am meisten überraschte, war, das Ron und Hermine keine Anstalten machten, dem anderen nahe zu sein. Sie hatte die Verbindung vorher nicht hergestellt, aber es war merkwürdig, dass Ron an diesem Morgen allein gewesen war. Als sie zwischen den beiden hin- und herschaute, bemerkte sie, dass die beiden versuchten, dem Blick des anderen auszuweichen. Ginny fragte sich, was zwischen den beiden vorgefallen war, aber hielt es für das Beste, ihre Fragen und Beobachtungen für den Moment für sich zu behalten.
Sie sah, wie Fred und George den zweien ebenfalls neugierige Blicke zuwarfen und hoffte, dass sie es nicht ansprechen würden. Sie liebten es, bewusst Schwachstellen auszureizen, und während sie normalerweise wussten, wo sie eine Grenze ziehen mussten, bevor die Angelegenheit verletzend wurde, wusste man nie, was die zwei tun oder sagen würden.
Die Stille begann sich hinzuziehen, bis Fred und George zu Ginny gingen. „Es ist nun schon so lange her, seitdem wir diese Hallen mit unserer Anwesenheit beehrten", sagte George in einem wehmütigen Tonfall.
„So ist es, mein lieber Bruder. Viel zu lang", stimmte Fred zu.
„Ich fürchte, wir werden Hilfe brauchen, uns mit dem Aufbau wieder vertraut zu machen", fuhr George fort. Sie stellten sich jeweils an eine Seite von ihr und schlangen einen Arm um ihre Schultern.
Fred meinte: „Daran besteht kein Zweifel, George. Ein Zeichen vom fortschreitenden Alter, weißt du? Das Gedächtnis ist das erste, das verschwindet."
George nickte traurig und Ginny verdrehte die Augen, als sie sagte: „Als ob ihr beide euch je daran erinnert habt. Ihr habt eine Karte benötigt, um euch zurechtzufinden."
„Du verletzt uns, liebe Schwester", verkündete George dramatisch und hielt sich eine Hand ans Herz.
„Sicher", erwiderte Ginny. „Na, dann kommt. Es sollte bald Mittagessen geben. Lasst uns sehen, ob wir die Große Halle finden."
OoOoOoOoOoOoOoO
Harry lief stumm neben seiner Hauslehrerin her, als diese ihn zu ihrem Büro führte. Ein Teil von ihm war verärgert, dass sie dem Schulleiter seine Geheimnisse verraten hatte, aber seine rationale Seite wusste, dass er sie nicht für ihre Taten anklagen konnte. Er hatte schließlich versprochen, dass er nichts Unbesonnenes und Närrisches machen würde, da sie sonst keine andere Wahl haben würde, als seine Geheimnisse zu offenbaren. Natürlich hatte er nicht vorhergesehen, dass Ginny vor seinen Augen verschwinden würde.
So oder so: Er wusste, dass es nichts bringen würde, sich aufzuregen. Was geschehen ist, ist geschehen. Er schaute aus dem Augenwinkel zu Professor McGonagall und versuchte ihre Gedanken zu erraten, aber ihr Gesichtsausdruck war so stoisch wie immer. Er konnte nichts aus ihrem Verhalten herauslesen. Doch er hatte das Gefühl, dass sie im Moment nicht besonders glücklich mit ihm war.
Als sie ihr Büro betraten, bedeutete sie ihm, sich zu setzen, während sie die Tür zumachte und um ihren Tisch herumging, um sich selbst zu setzen, ihre Haltung immer ganz gerade. „Bevor du beginnst", sagte Harry. „Wollte ich mich entschuldigen. Ich weiß, dass ich versprochen habe, nichts Dummes oder Unbesonnenes zu unternehmen und ich weiß, dass ich dich in eine furchtbare Lage gebracht habe. Das tut mir leid. Ich bereue meine Taten jedoch nicht. Sie mögen töricht und unbesonnen gewesen sein, aber wenn ich es nicht getan hätte, wäre Ginny ... sie wäre noch immer bei ihnen."
Sie nickte langsam als Antwort und sie schien über seine Worte nachzudenken, bevor sie ihm antwortete: „Ich freue mich, dass du Miss Weasley vor Schaden bewahren konntest. Wirklich, ich spreche für viele andere, wenn ich dir dafür danke, dass du sie gefunden und zurückgebracht hast." Sie hielt inne und Harry nickte. Er schwieg, da er das Gefühl hatte, als hätte sie noch mehr zu sagen. „Ich bin allerdings sehr enttäuscht über die Art, wie du es angefasst hast. Ich hatte gehofft, dass du - wenn ich dir vertraue - du dasselbe tun würdest und mir zumindest die Höflichkeit erweisen würdest, mich zu informieren, bevor du verschwindest."
Harry nickte, während er über ihre Worte nachdachte. Ihre Erwartung war vernünftig. Er schuldete es ihr auf eine Weise für ihre Zustimmung, sein Geheimnis überhaupt für sich zu behalten und wenn er etwas nachgedacht hätte - oder wenn er etwas Zeit gehabt hätte -, hätte er es wahrscheinlich gemacht. „Es tut mir leid. Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich weiß, was ich getan habe war dumm, aber ich habe zu dem Zeitpunkt nicht klar gedacht. Ginny war gerade direkt vor meinen Augen verschwunden und ich habe mir nicht wirklich die Zeit genommen, um nachzudenken. Ich bin einfach ... ich musste sie zurückholen."
„Du hast einen wachen Kopf auf den Schultern, Harry", sagte sie „wenn du dich dazu entschließt, ihn zu benutzen. Ich kann dich für deine Taten nicht verurteilen. Ich kann nicht sagen, wie ich an deiner Stelle gehandelt hätte. Es wäre jedoch ebenso falsch von mir, deine Taten gutzuheißen. Du hast gebeten, als Erwachsener behandelt zu werden und als Erwachsener musst du bereit sein, die volle Verantwortung für dein Handeln zu tragen - was bedeutet, dass du lernen musst, die möglichen Auswirkungen zu bedenken, bevor du handelst."
Harry nickte und dachte über ihre Worte nach, als sie schließlich fortfuhr: „Es mag sein, dass du nicht anders gehandelt hättest - wobei ich hoffen würde, dass du mehr tun würdest als nur Mr. Weasley zuzurufen, das seine Schwester entführt worden ist, bevor du sofort aus dem Schloss verschwindest. Es hätte dir zumindest jemand helfen oder jemand über die Situation Bescheid wissen können. So, wie die Dinge lagen, war ich in der sehr schwierigen und unbequemen Position, dem Schulleiter erklären zu müssen, was ich von deinen Ausflügen außerhalb der Ländereien wusste und warum ich es für angebracht hielt, diese Information für mich zu behalten." Sie schaute ihn böse an: „Ich habe es nicht geschätzt, in solch eine unvertretbare Situation gebracht zu werden. Was du lernen musst zu verstehen, ist, dass - obwohl du die Reife besitzen magst, deine eigenen Entscheidungen zu treffen - die Schule und ihre Professoren noch immer für dich verantwortlich sind, solange du hier bist. Wenn dir etwas passiert wäre, wäre es auf uns zurückgefallen - insbesondere auf mich."
Harry senkte beschämt seinen Kopf in dem Wissen, dass Sie Recht hatte. Er fühlte sich furchtbar für die Art, wie seine Handlungen sich auf sie ausgewirkt hatten, aber er würde seine Taten niemals bereuen. Er stimmte ihr zu, dass er versuchen
hätte sollen, sie zu alarmieren, bevor er losrannte, insbesondere angesichts des Vertrauens, das sie in ihn gesetzt hatte, aber Ginnys Gefangennahme war die Ausnahme, die die Regel bestätigt. Er hatte nicht die Zeit gehabt, sie zu suchen. Er war so schon beinahe zu spät gewesen. Er konnte ihr das jedoch nicht sagen, ohne möglicherweise mehr zu verraten als er wollte.
„Ich verstehe und es tut mir leid, dich in diese Position gebracht zu haben", sagte Harry.
„Aber du bereust deine Taten nicht", schloss sie für ihn. „Und das verlange ich auch nicht von dir." Sie hielt einen Moment inne, bevor sie hinzufügte: „Um die Wahrheit zu sagen bedauere ich dein Handeln nicht völlig. Das Wichtige ist, dass du und Miss Weasley nun in Sicherheit seid. Das gesagt erwarte ich von dir in Zukunft jedoch besseres."
Harry nickte verstehend. Er konnte und würde nichts garantieren, aber er würde versuchen, sie in Zukunft zu alarmieren, sollte er sich in einer ähnlichen Situation befinden.
„Ich habe seit letzter Nacht nicht mehr mit dem Schulleiter gesprochen", sagte sie schließlich nach einer kurzen Stille. „Ich wage zu behaupten, dass er mit keinem von uns beiden im Moment glücklich ist."
Harry nickte. „Er hat mich in seinem Büro zurückgehalten, während die Weasleys zum Krankenflügel gegangen sind." Er zog eine Grimasse, als er sich an dieses Zusammentreffen erinnerte. „Es war nicht schön. Er versuchte mir das Versprechen abzuzwingen, dass ich mich nicht noch einmal in solche Gefahr begeben würde. Ich weiß nicht, was er vorhat, aber ich habe das Gefühl, dass er mich von nun an noch mehr im Auge behalten wird."
„Das ist die Untertreibung des Jahrhunderts", meinte McGonagall. „Albus hat immer die unheimliche Fähigkeit gehabt, alles zu wissen, was im Schloss vor sich geht. Ich bin überrascht, dass du so lange agieren konntest, ohne seine Aufmerksamkeit zu erregen."
Harry dachte kurz darüber nach, bevor er antwortete: „Ich denke, er wusste von dem Training, dass ich in diesem Jahr absolviert habe. Er hat vorhin darauf angespielt. Ich denke, er wollte das letzte Jahr wiedergutmachen, indem er mir die Freiheit und den Freiraum gegeben hat, den ich brauchte."
Sie nickte: „Du hast wahrscheinlich Recht, aber er wird höchstwahrscheinlich beginnen, bei diesem Freiraum und dieser Freiheit einzugreifen." Harry nickte; das hatte er angenommen. Worüber er im Moment am neugierigsten war, war, wo sie nun bei all dem stand.
Vor Ginnys Verschwinden hatte sie ihm zögernd ihr Wort gegeben, ihm zu erlauben, weiterzumachen - unter der Bedingung, dass alle Ausflüge, um gegen Todesser zu kämpfen, in irgendeiner Form mit dem Orden zusammen gemacht werden sollten. Nun, da er seinen Teil der Abmachung in diesem Punkt gebrochen hatte, wusste er nicht, was er von ihr zu erwarten hatte und er traute sich nicht, zu fragen.
Eine Stille legte sich über die beiden. Harry musterte sie stumm und sie folgte seinem Beispiel. Schließlich lehnte sie sich vor und legte ihre Hände mit offenen Handflächen auf den Tisch. „Ich habe lange über dich nachgedacht, Mr. Potter. Seit ich von deinem Geheimnis erfahren habe, habe ich nachgedacht. In deinen ersten fünf Jahren hier hast du - was die Schule angeht - nicht viel Fleiß gezeigt noch viel Reife in deinen Taten sehen lassen. Du warst ein Kind, wie du es auch sein solltest."
„Dieses Kind kam nie für sein sechstes Schuljahr zurück", fuhr sie fort, als sie sich in ihrem Stuhl zurücklehnte. „Ich konnte den Unterschied sofort sehen. Es war nicht nur die Tatsache, dass du zum Assistenzprofessor ernannt wurdest, die mich dich als einen Kollegen behandeln ließ. Wäre der Harry Potter der letzten fünf Jahre aufgetaucht, hätte ich nie die Linie zwischen Schüler und Professor verwischt. Wenn meine Schüler ihr siebtes Schuljahr hier beenden, bestehe ich darauf, bei späteren Zusammentreffen Minerva genannt zu werden. Ich bin der Meinung, dass es wichtig ist, dass die ehemaligen Schüler erkennen, dass ich nicht länger Autorität über sie habe - das wir gleichgestellt sind. Du bist der erste Schüler, dem ich dieses Angebot gemacht habe, während er noch immer Hogwarts besucht. Es ist nicht nur aufgrund deiner Position hier, wie ich bereits sagte, sondern weil ich auch gefühlt habe, dass du diese Reife bereits erlangt hast. Auch wenn ich deinem Handeln nicht zustimmen kann, bleibt meine Meinung unverändert. Du bist ein sehr entschlossener junger Mann, Harry. Egal was andere oder ich sagen: Du wirst deinem eigenen Weg folgen. Aber mir wäre es lieber, wenn du dies mit einem Erwachsenen machst, dem du genug vertraust, um Ratschläge oder Hilfe zu suchen, wenn du sie brauchst."
Harrys Augenbrauen trafen auf seinen Haaransatz. „Danke, Minerva", sagte er, sich noch immer von seiner Überraschung erholend. „Das bedeutet mir viel." Sie nickte, während er fieberhaft nachdachte. Er wusste, dass dies ein entscheidender Moment für die zukünftige Beziehung war, die er mit seiner Hauslehrerin und potentiell mit dem ganzen Orden - den Schulleiter miteingeschlossen - haben würde. Wenn er Minerva McGonagall auf seine Seite ziehen konnte, würde es sehr helfen, um die Kluft zwischen Harry und den Erwachsenen, die momentan den Krieg gegen Voldemort ausfochten, zu schließen. Aber er wusste, dass er ihre volle Unterstützung erst erhalten würde, wenn er ehrlich und offen mit ihr war und das
Bedeutete, ihr zumindest eines seiner größten Geheimnisse zu verraten. Es war ein wenig riskant, aber angesichts ihrer Aussage gerade war er zuversichtlich, dass er ihr vertrauen konnte.
„Es gibt da etwas, von dem du glaube ich wissen solltest", sagte er. Er räusperte sich, während sie eine Augenbraue fragend hochzog. „Ich - äh- ich habe nicht vor, diesen Sommer bei meinen Verwandten zu verbringen."
Minerva nickte nachdenklich und erwiderte: „Das ist nicht ganz unerwartet. Darf ich fragen, wo du vorhast, die Ferien zu verbringen?"
Harry runzelte die Stirn und schaute hinunter auf ihren Schreibtisch. Es widerstrebte ihm, sie in den Fidelius mit einzubeziehen, also hoffte er, dass sie seinem Wort vertrauen würde, dass der Platz angemessen geschützt war. „Das möchte ich im Moment nicht sagen", erklärte er. „Aber du kannst dir sicher sein, dass es ein vollkommen sicherer Ort ist."
„Wie sicher genau?", fragte sie nach.
„So sicher wie Grimmauldplatz", war seine Antwort und schaute ihr in die Augen.
Ihre Augen wurden bei dieser Antwort größer. „Du bist dir sicher?"
Er nickte.
„Und wer hält dein Geheimnis?"
„Jemand, dem ich bedingungslos vertraue", erwiderte er vage.
Sie musterte ihn einen Moment lang kritisch, bevor sie antwortete: „Ich glaube, dass du dein Vertrauen nicht mehr so einfach gibst, Harry, und das lässt nur eine Möglichkeit zu."
Er lächelte als Antwort.
„Du bist dir sicher, dass der Zauber korrekt ausgeführt wurde?", fragte sie.
„Er wurde getestet, ja", antwortete er.
„Wer weiß sonst noch Bescheid?"
Harry rutschte in seinem Stuhl hin und her, als er darüber nachdachte, wie er antworten sollte. Er zögerte, Namen zu nennen. Ihre Verwicklung in seine Aktivitäten waren nicht nur an ihm zu enthüllen; wenn Minerva jedoch eine Verbündete werden sollte, würde sie wissen müssen, wem sie mit seinen Geheimnissen vertrauen konnte. Außerdem hatte er vor, Ginny und Remus von diesen Entwicklungen mit seiner Hauslehrerin zu berichten. Es war also nur fair, dass er ihr dieselbe Höflichkeit erwies. Schließlich hatte sie unter Umständen am meisten zu verlieren, wenn sie sich hier involvierte. „Es gibt nur zwei andere: Ginny und Remus."
„Remus Lupin", fragte sie überrascht. Harry nickte und sie fragte: „Wie lange weiß er schon Bescheid?"
Harry verzog sein Gesicht ein wenig und machte eine „so-so"-Geste mit seiner Hand. „Kommt darauf an, wie man es definiert. Er weiß seit dem Sommer von meinem Animagustraining. Ich habe die Vollmonde mit ihm in der Heulenden Hütte verbracht." Sie zog bei diesem Geständnis beide Augenbrauen hoch und Harry fügte schnell hinzu: „Das war das wenigste, was ich tun konnte. Da Sirius nicht länger da ist, habe ich es gehasst, dass Remus das wieder allein durchstehen musste."
Sie nickte und sagte: „Wie der Vater, so der Sohn. Ich habe nie die Gelegenheit gehabt, es ihnen zu sagen, aber ich war nie stolzer auf deinen Vater oder Sirius, als ich erfuhr, was sie alles getan hatten, um ihrem Freund zu helfen. Es war töricht, gefährlich und unbesonnen", fügte sie schnell in einem strikten Tonfall hinzu, „aber es hat viel über ihren Charakter gesagt."
Harry lächelte ein wenig, als er an seinen Vater und seinen Paten dachte: „Ich habe Remus nie gesagt, dass ich Jim bin. Er hat mich während des Kampfes in St. Mungos darauf angesprochen. Er war nicht glücklich mit mir, aber ich konnte ihn davon überzeugen, meine Geheimnisse für sich zu behalten und mir zu helfen."
„Und Miss Weasley", fragte Minerva.
„Oh, sie hat es sofort herausgefunden", sagte Harry mit einem Lächeln voller Zuneigung. „Ich war ein wenig nachlässig. Als ich sie im Sommer in der Winkelgasse rettete, verwendete ich meine Jim-verkleidung, aber mein Haar hatte dieselbe Länge und denselben Stil wie als ich zum ersten Schultag erschien. Sie stellte die Verbindung im Zug her."
„Und hat Miss Weasley dich auf deinen Abenteuern begleitet?", wollte sie wissen.
Harry schüttelte den Kopf. „Nein, noch nicht zumindest." Als er ihren fragenden Blick sah, fuhr er fort: „Sie trainiert inzwischen einige Monate mit mir. Sie hat zauberstablose Magie nicht ganz so schnell erlernt wie ich und da sie noch immer minderjährig ist, kann sie ihren Zauberstab nicht einfach überall verwenden."
„So so", erwiderte sie. Harrys Magen knurrte plötzlich und Minerva schaute auf ihre Armbanduhr. „Oh, schon so spät. Wir haben den Beginn des Mittagessens verpasst, wir sollten uns also besser beeilen, wenn wir etwas zu essen möchten."
Harry lächelte und nickte zustimmend. Als sie zur Tür gingen, stoppte Harry sie und sagte: „Danke. Ich weiß, dass du nicht ganz gutheißt, was ich getan habe, aber es bedeutet mir viel, dass du gewillt bist, die Entscheidung in meinen Händen zu lassen."
„Es gibt keine fähigeren Hände, Harry."
Damit gingen die beiden zur Großen Halle.
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Harry lächelte, als er Fred und George bemerkte, die am Gryffindortisch saßen. Er war froh, dass sie dageblieben waren, denn er hatte keine Gelegenheit gehabt, vorher mit ihnen zu reden. Eine große Gruppe war um sie versammelt und die Zwillinge schienen ganz in ihrem Element zu sein, als sie wild gestikulierten und wahrscheinlich gerade eine wilde Geschichte nach der anderen erzählten. Als er sich ihnen näherte, entdeckten sie ihn und sie standen gleichzeitig auf. „Da ist er, der
Mann der Stunde", sagte einer von ihnen laut.
„Er hat im Alleingang unsere liebe Schwester verfolgt und aufgespürt", fuhr der andere fort.
„Seine Freundin, wisst ihr", mischte der erste sich ein.
„Er hat sich den Weg an den Todessern vorbeigebahnt."
„hat sich direkt durch ihre Truppen hindurchgekämpft."
„und ist siegreich und mit unserer Schwester hervorgegangen, ohne einen Kratzer an ihm."
„Einen großen Applaus für ..."
Zusammen sagten sie: „... Harry Potter!"
Die Menge, die sich um die Zwillinge versammelt hatte - und nicht wenige Schüler an den benachbarten Hufflepuff- und Ravenclawtischen - brachen in tobenden Applaus aus.
Harry schüttelte den Kopf über ihr Schauspiel, war aber mehr amüsiert als verärgert über die Aufmerksamkeit. Er fand Ginnys Blick in der Menge und bemerkte, wie ihre Augen humorvoll funkelten. Er winkte ihr zu und zog dann eine große Show ab, als er dramatisch seinen Kopf schüttelte und seine Hände hochhielt, um die Menge verstummen zu lassen. „Nein, nein, ihr erzählt es ganz falsch. Ich weiß nicht, woher ihr eure Fakten herbekommt, ehrlich."
Er grinste als er merkte, wie die gesamte Halle bei seinen Worten still wurde. Wenn er schon in das Rampenlicht gedrängt wurde, würde er wenigstens dafür sorgen, dass es richtig gemacht wurde. „Zuerst musste ich den Ort finden, was schon keine kleine Leistung war. Dann musste ich mich durch ein Labyrinth kämpfen - nein, ein ..." er hielt inne und suchte das richtige Wort.
„Einen Irrgarten", warf Ginny hilfreich ein.
„Ja, einen Irrgarten", stimmte Harry zu, der in die Rolle des Erzählers hineinkam. „Gefüllt mit mehr gefährlichen Hindernissen als ihr euch vorstellen könnt. Es ließ den Irrgarten beim Trimagischen Turnier wie einen Spaziergang durch Hogsmeade aussehen. Dann kämpfte ich gegen eine Legion von Todessern, Trollen, Riesen und Vampiren, die den Eingang zu den Kerkern bewachten, in welche meine holde Maid gefangen gehalten wurde."
„Ich zögere überhaupt von den Schrecken zu erzählen, die in den Schatten dieses Ortes lauern. Dementoren könnten nicht solche Angst in einem wecken." Er schauderte theatralisch. „Kreaturen, die schlimmer sind als die meisten Albträume -
Monster - verfolgten mich, als ich verzweifelt suchte. Ich fand sie schließlich, ein Kreis von Menschenleichen und toten Kreaturen umgab sie, während sie einen mir unbekannten Zauberstab schwang. Hier wartete keine Jungfrau in Nöten auf Rettung. Oh nein. Diese Maid spuckte Feuer und gemeinsam kämpften wir ohne realistische Erfolgschancen, um diesem höllischen Ort zu entfliehen, der selbst die Insassen von Askaban sich vor Angst verstecken lassen würde."
Er grinste sein gefesseltes Publikum an, als er sich zu seiner vollen Größe aufrichtete und endete: „und all das ohne einen Kratzer."
Fred und George sprangen beide von ihren Plätzen auf und begannen laut zu klatschen und zu rufen: „Bravo!" Die Menge um sie herum nahmen das als Signal, um sich ihnen anzuschließen und schon bald applaudierten alle, einige laute Pfiffe noch obendrein.
Harry verbeugte sich und hielt Ginny seine Hand hin, so dass sie ihm Gesellschaft leisten konnte. Sie machte einen Knicks für die Menge, während Harry sich noch einmal verbeugte. Schließlich verebbte der Applaus und Harry führte Ginny wieder zu ihrem Platz am Tisch. Sie mussten sich etwas hineinquetschen, aber sie schafften es, sich gegenüber ihren Zwillingsbrüdern hinzusetzen.
Harry verschränkte seine Finger mit ihren und beugte sich dann hinunter, um ihr einen kurzen Kuss auf die Wange zu geben. Sie lächelte ihn an, bevor sie sich ihren Brüdern zuwandte und Harry begann mit seiner freien Hand seinen Teller zu füllen. Als er begann, seinen Magen zu füllen, konnte er nicht anders als für die Gesellschaft der Zwillinge dankbar zu sein. Während sie Harry und Ginny nur noch weiter in das Rampenlicht hineinschubsten, vor allem mit ihrer Begrüßung von Harry, taten sie dies mit einer Unbeschwertheit, die es einfacher machte, es zu ertragen. Außerdem waren sie ziemlich gut darin, die Aufmerksamkeit der anderen auf sich zu ziehen und dort zu behalten.
Harry schaute den Tisch hoch und runter und bemerkte plötzlich, dass Ron und Hermine nicht da waren. Als er Ginny fragte, schüttelte sie den Kopf und sagte nur: „Später."
Seine Neugier war geweckt, aber er nickte und widmete sich wieder seinem Essen. Als er fertig war, erwischte er sich dabei, wie sein Blick den Slytherintisch absuchte. Er konnte nicht beweisen, dass Malfoy in Ginnys Verschwinden involviert gewesen war, aber er würde ein kleines Vermögen darauf verwetten. Der Zorn in seiner Magengrube, der sich in Erleichterung gewandelt Hatte, entzündete sich wieder, als sein Blick den Tisch absuchte, um seinen Gegner zu finden. Er war frustriert, als das verräterische blonde Haar verschwunden blieb. Als Ginny ihm einen fragenden Blick zuwarf, schüttelte er den Kopf und benutzte seine Okklumentik, um seine Gefühle zu unterdrücken und fokussierte seine Aufmerksamkeit wieder auf seinen eigenen Haustisch.
Nachdem das Essen verschwunden war, gingen er und Ginny Händchen haltend und von den Zwillingen begleitet zum Gryffindorturm. Nachdem sie die Treppen zum dritten Stockwerk hochgestiegen waren, zogen Ginnys Zwillingsbrüder sie plötzlich in ein verlassenes Klassenzimmer.
„Harry, Kumpel", fing einer an - Fred, dachte er - sobald die Tür hinter ihnen zufiel.
„Es scheint, als hättest du einige Geheimnisse für dich behalten."
Harry hielt eine Hand hoch, um sie zu stoppen. „Wartet eine Sekunde." Er verzichtete absichtlich auf seinen Zauberstab und machte mit der Hand eine beiläufige Geste Richtung Tür, um ihre Privatsphäre zu gewährleisten. Sobald er fertig war nickte er dem Paar mit einem Grinsen zu und sagte: „Fahr fort."
Die Zwillinge schauten einander einen langen Moment lang an, bevor sie sich wieder zu Harry und Ginny drehten. Sie hatte sich auf einen der Stühle gesetzt und Harry saß auf dem Tisch hinter ihr, seine Hände auf ihre Schultern gelegt.
„Okay, das beantwortet eine Frage", meinte Fred.
Harry zog eine Augenbraue hoch: „Ihr wusstet es nicht?"
„Wie konnten wir?", fragte George.
„Hat Dumbledore es nicht dem Orden erzählt?", wollte Harry wissen.
„Verdammt sollen wir sein, wenn wir das wissen."
„Es ist ja nicht so, als dürften wir an den verdammten Ordenstreffen teilnehmen."
„Selbst wenn unsere Schwester betroffen ist", murmelte George bitter.
Harry runzelte die Stirn. „Ihr meint, sie lassen euch noch immer nicht mitmachen?" Ginny schaute zu ihm hoch und sie tauschten einen kurzen Blick aus. „Wir nahmen an, da sie eure Produkte verwenden, das ihr Mitglieder seid."
„Nein", spuckte Fred voller Abscheu aus.
„Oh, sie sind glücklich, unsere Produkte zu verwenden", erklärte George.
„Aber wir sind noch immer zu jung und unerfahren, um Ordensmitglieder zu werden."
„"Ich werde euch über alle Angelegenheiten informiert halten, die euch oder eure Familie betreffen", hat Dumbledore uns gesagt."
„Und Mum ist natürlich gleicher Meinung", fügte Fred aufgebracht hinzu.
„Sobald das Thema angesprochen wird, beginnt sie praktisch Feuer zu spucken."
„Sie will kein Wort davon hören."
„Und Dumbledore ist nur zu glücklich, ihr den Willen zu lassen."
„Wir wurden erst letzte Nacht informiert, dass Ginny entführt wurde."
„Und das Harry vermisst wird."
„Das ist allerdings nicht alles, was wir gehört haben", meinte George verschmitzt.
„Mum und Dad waren letzte Nacht ziemlich aufgewühlt."
„Sie waren nicht so vorsichtig wie sie es sonst sind."
„Und die Gerüchte besagen, dass du auf eigene Faust handelst, Harrykins."
Sie hielten inne und schauten ihn erwartungsvoll an. Harry fühlte, wie Ginny seine Hand drückte und er drückte ihre Schulter als Antwort. „Ich schätze, das könnte man so sagen."
„Wir haben gehört, dass McGonagall auf deiner Seite ist."
Harry beäugte die beiden und versuchte, herauszufinden, worauf sie hinauswollten. „Sie hat es vor einer Woche herausgefunden und zugestimmt, mein Geheimnis für sich zu behalten - solange ich nichts Unbesonnenes unternehme."
„Wie im Alleingang Ginny zu retten", beendete George den Satz für ihn und nickte ernst.
„So etwas in der Art", stimmte Harry zu.
„Fred und ich sind es müde, darauf zu warten, dass der Orden es sich anders überlegt", sagte der eine, von dem Harry dachte, dass es Fred ist.
„Aber wir haben nicht die Ressourcen oder die Informationen, um auf uns allein gestellt etwas zu unternehmen."
Harry nickte, als es ihm dämmerte. Die Zwillinge waren es Leid, nicht involviert zu werden - so wie er. „Ihr möchtet mit mir zusammenarbeiten", unterbrach Harry sie.
„Genau", sagten sie gemeinsam.
Harry zog seine Augenbrauen in Konzentration zusammen, als er über den Vorschlag nachdachte. Er war sich nicht sicher, wie er darüber fühlte, sie in den Kampf zu involvieren. Sie waren volljährig und fähig, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen, aber Harry würde sie nicht mitnehmen, solange er nicht darauf vertrauen konnte, dass sie sich behaupten konnten, ohne unnötige Risiken einzugehen: „Habt ihr seit letztem Jahr überhaupt einmal geübt?"
Sie schauten kurz einander an, bevor sie sich wieder zu ihm drehten.
„Nicht wirklich", gab Fred zu.
„Wir waren mit dem Laden beschäftigt."
„Und dann mit den Dingen für den Orden."
Harry runzelte die Stirn. „Fertigt ihr beide noch immer euer gesamtes Sortiment für den Laden selber an?"
Sie nickten.
„Jetzt nicht mehr", meinte Harry. „Stellt ein paar Leute an, die es für euch fertigen - ihr hättet das eh schon machen sollen. Ihr werdet den Sommer über mit mir trainieren und ihr werdet diese Zeit brauchen", sagte er. Ihre Gesichter leuchteten auf, aber Harry redete weiter, bevor einer von ihnen ihn unterbrechen konnte: „Ihr werdet nicht mit mir zusammen kämpfen, bis ich sage, dass ihr soweit seid und ihr hört auf meine Befehle. Wenn ich Rückzug sage, werdet ihr das ohne Wiederrede machen. Ich muss wissen, dass ich darauf vertrauen kann, dass ihr beide das macht, was euch gesagt wird und euch nicht unnötig in Gefahr begebt. Ansonsten seid ihr nur im Weg."
„Aye, Aye, Kapitän", salutierten sie.
Harry nickte, auch wenn er sich Sorgen machte, dass sie zu schnell nachgegeben hatten. Er hoffte nur, dass die Schwere der Situation ausreichte, um ihre Neigung, Autoritätspersonen zu ignorieren, auszugleichen. „Wir sollten gehen, bevor sich jemand fragt, wohin wir verschwunden sind." Er winkte mit seiner Hand Richtung Tür und entfernte damit die Zauber und Schutzzauber, die er errichtet hatte. Er wartete, bis Ginny aufgestanden war, bevor er es ihr gleich tat und verschränkte seine Hand mit ihrer, während Fred und George sie zum Gryffindorturm führten.
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Fred und George blieben nur noch eine kleine Weile, bevor sie Hogwarts verließen. Sie sagten, sie hätten einige Dinge in ihrem Laden zu erledigen, doch was das genau bedeutete wusste niemand. Im Gemeinschaftsraum war Harry allerlei Fragen und Kommentaren von seinen Hauskameraden ausgeliefert. Viele drängten ihn, ihnen die Geschichte seines Verschwindens aus dem Schloss und den darauffolgenden Abenteuern zu erzählen. Sie fragten Ginny taktloserweise ebenfalls nach ihren Erfahrungen. Es ist nicht nötig zu erwähnen, dass solche Fragen abgewiesen und die Frager ignoriert wurden.
Er sah nicht viel von seinen engsten Freunden. Er sprach kurz mit Neville, der ihn und Ginny freundlich willkommen geheißen und gesagt hatte, wie froh er war, dass sie beide in Sicherheit waren, bevor er in der Menge, die um ihre Aufmerksamkeit buhlte, verschwand. Ron tauchte schließlich auf, kurz nachdem Fred und George gegangen waren, aber er sagte wenig. Es war klar, dass Ron so sehr wie die anderen wissen wollte, was geschehen war, aber er hielt sich davon ab, zu fragen, wofür Harry dankbar war. Hermines Abwesenheit war bemerkenswert. Harry hatte sie seit seiner Rückkehr nicht mehr gesehen.
Als er Ron fragte, schüttelte sein rothaariger Freund nur den Kopf und murmelte: „Ich weiß es nicht." Anhand seiner Körpersprache war deutlich zu sehen, dass er nicht über Hermine reden wollte. Zwischen den beiden war anscheinend etwas vorgefallen. Obwohl die beiden die ganze Zeit miteinander stritten, waren ihre Auseinandersetzungen selten ernst zu nehmen. Er schaute fragend zu Ginny, die als Antwort auf seine ungestellte Frage bedeutsam nickte und ihn damit wissen ließ, dass sie dasselbe bemerkt hatte. Harry runzelte die Stirn und fragte sich, was zwischen seinen zwei ältesten Freunden vorgefallen war.
Harry wollte sich ablenken und schlug daher eine Runde Schach vor. Ron stimmte eifrig zu. Während die beiden ihr Spiel vorbereiteten, ging Ginny kurz, um einige ihrer Bücher zu holen. Sie hatten in der kommenden Woche noch immer einige Prüfungen.
Bevor er wusste, wie ihm geschah, hatte Harry spektakulär zwei von drei Spielen verloren. Die andere Runde hatte er irgendwie gewonnen, sehr zu Rons Bestürzung. Als Harry recht erstaunt Schachmatt erklärte - er war ehrlich darüber gestolpert - machte Harry eine Siegerfaust und jauchzte vor Freude. Es war nicht das erste Mal, dass er Ron geschlagen hatte, aber es geschah so selten, dass es ein klein wenig Feiern verdiente.
Ginny lächelte nachsichtig und tätschelte ihm den Kopf, während sie „Gut gemacht, Harry" sagte. Er streckte ihr die Zunge heraus und sie widmete sich wieder ihren Büchern.
Nach dem dritten Spiel war es Zeit für das Abendessen und die drei packten zusammen, um zur Großen Halle hinunterzugehen. Als sie die Eingangshalle betraten rief Ginny: „Bill!" und ließ Harrys Hand los, als sie losrannte.
Harry ließ seinen Blick durch die Halle schweifen und entdeckte schnell Ginnys ältesten Bruder, der sich ihnen von einem anderen Korridor her näherte. Er sah zu, wie Ginny in Bills Arme sprang, als dieser die Eingangshalle betrat. Harry und Ron gingen zu den beiden und Bill ließ Ginny wieder auf dem Boden zu stehen kommen. Bill hielt Ron seine Hand hin, aber wurde von Ginnys Japsen aufgehalten: „Bill! Was ist mit deinem Gesicht passiert?"
Bill drehte seinen Kopf und Harry sah die übel aussehende Narbe, die Ginnys Aufmerksamkeit erregt hatte. Er lächelte halb, als er antwortete: „Oh, nur ein kleines Souvenir. Glaub mir, ich bin sehr zufrieden, dass ich so davongekommen bin", meinte er mit einem schnellen bedeutungsvollen Blick zu Harry. „Außerdem mag ich es irgendwie. Lässt mich verwegen aussehen, meinst du nicht?"
Er zwinkerte ihr zu und ohne auf eine Antwort zu warten hielt er Ron wieder seine Hand hin: „Schön, dich zu sehen, Ron." Er streckte seine Hand dann Harry hin, der sie fest schüttelte, als Bill sagte: „Danke, Harry. Für uns beide." Harry erwiderte seinen Blick und nickte bestätigend.
Ein Moment der Stille folgte, der aber gebrochen wurde, als Ginny verkündete, das Bill fürs Abendessen bleiben würde und ihn dann an der Hand in die Große Halle führte. Ron und Harry folgten hinter ihnen. Harry wusste, dass Ginny ein besonderes Band mit ihrem Bruder Bill verband. Er war ihr nahe gestanden, bis er nach Ägypten gegangen war und er war derjenige gewesen, der ihr mit den Albträumen nach ihrem ersten Schuljahr geholfen hatte. Das Lächeln auf ihrem Gesicht allein zeigte die Zuneigung, welche sie für ihren Bruder fühlte.
Harry war damit zufrieden, zu beobachten, wie sie mit Bill und etwas weniger mit Ron interagierte. Bill redete ein wenig über seinen Job und wie anders es war, bei Gringotts zu arbeiten statt in den Gräbern in Ägypten. Harry konnte an seinem Tonfall erkennen, dass er seine vorige Arbeitsstelle vermisste, aber er wusste besser als jeder andere, dass die Umstände einen manchmal in weniger ideale Situationen zwang.
Als das Mahl zu Ende ging, umarmte Bill seine Schwester noch einmal und verabschiedete sich von Harry und Ron. Sie gingen zum Gemeinschaftsraum zurück, wo Ron Harry und ein paar andere überredete, ein paar Runden Zauberschnippschnapp zu spielen. Nach dem vierten oder fünften Spiel - Harry hatte den Überblick verloren - stand er auf, um in sein Büro zu gehen. Er wollte Ginny fragen, ob sie ihn begleiten wollte, aber sie lernte mit ein paar Freunden und er wollte sie nicht stören. Harry kletterte aus dem Porträtloch und ging den Korridor entlang. Als er die erste Ecke erreichte, traf er auf Hermine.
„Harry!", rief sie aus und schlang ihre Arme um ihn. Harry erwiderte die Umarmung steif, als sie flüsterte: „Ich bin so froh, dass du in Sicherheit bist." Sie bemerkte seine steife Haltung und ließ ihn los. Hermine trat einen Schritt zurück und fragte: „Was ist los?"
„Ich weiß, was du getan hast", sagte Harry nur.
Hermine runzelte verwirrt die Stirn.
„Du bist hinter meinem Rücken zu Dumbledore gegangen", erklärte Harry kurz angebunden.
„Ich bin mit meinen Sorgen zum Schulleiter gegangen, ja", gab sie reuelos zu.
„Mit deinem Verdacht, meinst du?", erwiderte Harry.
„Wenn du es so formulieren möchtest, dann ja, mit meinem Verdacht über dich." Sie seufzte und streckte eine Hand zu ihm aus, bevor sie es sich scheinbar anders überlegte und ihre Hand wieder an ihre Seite fallen ließ. „Ich habe mir Sorgen um dich gemacht. Das mache ich mir noch immer."
Harry schnaubte abschätzig. „Über was? Das ich im Geheimen trainiere? Das du nicht jede Kleinigkeit von dem weißt, was ich tue? Das du mich in meinem Büro oder im Raum der Wünsche nicht ausspionieren konntest?"
Hermines Mund klappte auf und Harry blickte finster: „Hast du geglaubt, ich hätte es nicht bemerkt? Wie dumm glaubst du bin ich?"
„Ich bin um dein Wohlergehen besorgt", antwortete sie, nachdem sie ihre Stimme wiedergefunden hatte. „Ich habe mir Sorgen darüber gemacht, warum du den Drang verspürst, etwas vor deinen besten Freunden geheim zu halten. Ich habe mir Sorgen gemacht, dass du die Verantwortung für den gesamten verdammten Krieg auf deine Schultern legst!"
„Natürlich, der arme Harry kann nicht auf sich selbst aufpassen", spottete er.
„Musst du alles, was ich sage, als Anlass zu einer Diskussion nehmen?", schnappte Hermine frustriert. „Ich versuche keinen Streit mit dir anzufangen, Harry. Ich möchte nur helfen. Das ist es, was Freunde tun, sie helfen einander."
„Wir haben unterschiedliche Ideen davon, was genau Hilfe ist", erwiderte Harry. „Statt mir bei dem zu helfen, was ich tue, möchtest du mich davon abbringen und als das nicht funktionierte bist du für mein eigenes Wohl zu den Professoren gerannt. Ich denke, ich bin vollkommen fähig zu entscheiden was gut für mich ist, danke."
„Und wenn du mich dabei sehen würdest, wie ich etwas tue, dem du nicht zustimmst, was würdest du tun?", wollte Hermine wissen. „Mich ermutigen und mir eine helfende Hand anbieten? Oder würdest du versuchen, mich von deinem Standpunkt zu überzeugen? Würdest du versuchen, mich aufzuhalten?"
Harry öffnete den Mund, um zu antworten, aber er überlegte es sich anders und hielt inne, um zu versuchen, sich solch ein Szenario vorzustellen. „Das würde davon abhängen", gab er zu. „Wenn du etwas tun würdest, dass dir oder anderen schadet, dann ja. Ich würde versuchen, dich davon zu überzeugen, aufzuhören. Wenn das nicht funktionieren würde, würde ich vielleicht versuchen, dich selber aufzuhalten."
„Wie ist das also anders als diese Situation?", fragte Hermine. „Was gibt dir das Recht, dich einzumischen, aber niemanden sonst?"
„Ich versuche niemanden zu schaden", erklärte Harry frustriert. „Ich kann nicht fassen, dass du denken könntest, dass ich das würde."
„Natürlich glaube ich das nicht, aber nach allem was ich weiß, hatte das, was du tust, das Potential, dich zu verletzen. Angesichts deiner Handlungen letzte Nacht -wegzurennen und auf dich allein gestellt gegen Todesser zu kämpfen - kann ich nicht sagen, dass mein Verdacht unbegründet war", erwiderte Hermine triumphierend.
Harry zog seine Augen zusammen. „Es ist nicht so als würde ich hinausgehen und Streit suchen. Falls du es nicht bemerkt hast, wir sind im Krieg. Nur dass er nicht auf Schlachtfeldern, sondern in Heimen und Schulen ausgefochten wird. Wäre es dir lieber, wenn ich Ginny bei Voldemort gelassen hätte? Würdest du wirklich wollen, dass ich zuschauen muss, wie Voldemort sie immer und immer wieder foltert in dem Wissen, dass ich etwas dagegen hätte tun können?"
„Versteh mich nicht falsch. Ich bin froh, dass du Ginny retten konntest, aber siehst du denn nicht, wie gefährlich es war? Wir sind noch immer Schüler", protestierte sie. „Du hättest direkt zu Professor Dumbledore gehen und ihn und den Orden die Dinge regeln lassen sollen. Du hättest zumindest nicht alleine gehen sollen. Was, wenn dir etwas passiert wäre? Dann wären du und Ginny verloren gewesen und wir hätten keine Ahnung gehabt, wo wir überhaupt beginnen sollten, nach euch zu schauen."
„Und was hätte der Orden gemacht?", wollte Harry wissen. „Ein Treffen organisiert? Bis sie überhaupt entschieden hätten, was sie machen sollen, wäre es zu spät gewesen."
„Du hättest zu mir oder Ron kommen können", meinte sie. „Wir sind dir immer beigestanden. Wieso lässt du uns jetzt nicht dasselbe tun?"
„Glaubst du, ihr seid bereit, euch Todessern entgegenzustellen?", schnappte Harry. „Könnt ihr gegen drei, vier oder fünf gleichzeitig standhalten? Könnt ihr auch nur einen in einem Duell besiegen? Ja, ihr wart letztes Jahr mit mir im Ministerium und wir waren alle heillos überfordert. Wenn diese Todesser uns ernst genommen hätten, wären wir alle tot. Nur dank ihrer Arroganz und jeder Menge Glück sind wir am Leben."
„Ist das nicht der Grund, warum du uns alle trainiert hast?", fragte sie. „Für was sonst ist die HA, als um uns beizubringen, wie wir gegen Todesser kämpfen und überleben?"
„Die HA ist dazu da, euch eine Überlebenschance zu geben - um euch und euren Familien die Chance zu geben, einem Angriff zu entkommen", war Harrys sofortige Antwort. „Glaubst du wirklich, dass ein paar Stunden in der Woche genug sind, um sich darauf vorzubereiten, in diesem Krieg zu kämpfen? Sei nicht naiv, Hermine."
„Aber du bist bereit?", fragte sie. „Du bist ein Schüler wie wir anderen auch. Was macht dich so besonders?"
Harry hielt die Antwort, die er ihr gerne geben wollte, zurück. Es kam alles auf die dumme Prophezeiung zurück, aber er war nicht bereit, das mit ihr zu teilen. Sie mochte einige gute Argumente haben, aber die Tatsache blieb bestehen, dass sie sich entschieden hatte, hinter seinem Rücken zu Dumbledore zu gehen und sie würde es ohne zu zögern wieder tun. Er würde ihr nicht sein Vertrauen schenken, wenn sie so offensichtlich sein Urteilsvermögen in Frage stellte und ihm nicht zutraute, gute eigene Entscheidungen zu treffen.
„Was mich so besonders macht ist eine Menge harte Arbeit. Was mich so besonders macht sind die Reflexe, die ich durch ein hartes Leben erworben habe. Was mich so besonders macht ist die Tatsache, dass ich nicht damit zufrieden bin, nur herumzusitzen und so zu tun, als sei alles in Ordnung. Es ist Krieg und wir verlieren. Das Ministerium ist ein Witz. Der Orden reagiert nur. Sie tun nichts, um Voldemort oder die Todesser aufzuhalten, sondern versuchen nur den Schaden einzudämmen. Das ist nicht gut genug für mich."
„Und du nennst mich naiv", war Hermines Antwort. „Glaubst du, deine Beteiligung macht einen Unterschied in diesem Krieg, Harry? Ein Krieg wird nicht von einem Mann ausgefochten. Du kannst das nicht alleine machen. Hör auf, uns wegzustoßen. Lass uns dir helfen. Lass mich dir helfen. Wir gehen zu Dumbledore und bereden alles."
Harry lachte barsch: „Was glaubst du wird Dumbledore tun? Es ist bereits klar, dass er nicht vor hat, uns auf den Krieg vorzubereiten. Er will uns unsere Zeit mit kindischen Spielen verschwenden lassen, während das Land um uns herum zerfällt. Wir würden Hogwarts völlig unvorbereitet auf das, was auf uns zukommt, verlassen. Wir würden vielleicht ein paar Angriffe überleben, aber das ist alles - von einem Angriff auf den nächsten zu überleben. Ich respektiere den Mann für das, was er erreicht hat, aber er hat den Blick dafür verloren, was wichtig ist. Gezwungen, sich zwischen der Möglichkeit, uns die Mittel zu geben, zu überleben oder unsere Unschuld zu erhalten, zu entscheiden, hat er sich für den Weg entschieden, der uns zu unserem Tod führen wird. Er würde uns lieber ein paar weitere Jahre als Kinder schenken, als die wenige Zeit, die uns bleibt, zu verwenden, um uns zu helfen, uns auf diesen Krieg vorzubereiten und du und so viele andere würden ihm blind folgen."
Hermine schüttelte nachdenklich ihren Kopf. „Nein, du liegst falsch", bestand sie auf ihrem Standpunkt. „Das ist nicht irgendjemand, über den du redest. Was lässt dich glauben, dass du es besser weißt als der Mann, der als der weiseste
Zauberer in der britischen Zaubererwelt angesehen wird?"
„Dumbledore ist ein weiser Mann", gab Harry zu. „Ich wäre närrisch, was er zu sagen hat nicht zu berücksichtigen, aber das bedeutet nicht, dass ich blind folgen sollte, was er sagt. Du bist auf deine Intelligenz stolz; es wird Zeit, dass du diese Intelligenz für mehr nutzt als nur die Schule. Du hast nur noch ein weiteres Jahr auf Hogwarts, und was dann? Wie wirst du den Krieg überleben? Hast du dir Gedanken darüber gemacht, wie du den Sommer überstehen wirst? Oder vertraust du auf Dumbledore und dem Orden, um deine Sicherheit zu gewährleisten? Dann wiederum haben sie ja eine so tolle Arbeit geleistet, uns in der Vergangenheit vor lebensbedrohlichen Situationen zu beschützen."
„Das ist es dann also?", fragte Hermine. „Dumbledore und der Orden machen ein paar Fehler und du lässt sie fallen? Sie mögen nicht perfekt sein, aber sie haben uns so lange am Leben erhalten oder nicht?"
„Ich lasse niemanden fallen", sagte Harry und schüttelte den Kopf. „Das einzige, was der Orden gemacht hat, um uns alle am Leben zu erhalten, war, als sie letztes Jahr in der Mysteriumsabteilung aufgetaucht sind. Sie haben die letzten zwei Sommer den Ligusterweg bewacht, den angeblich sichersten Ort für mich. Warum? Wenn Dumbledores großartiger Blutschutz versagt, was wird ein einzelnes Ordensmitglied tun können, um mich zu beschützen? Sie bewachen den Ligusterweg nicht, um Todesser fernzuhalten, sondern um mich dort zu behalten. Statt mir die Situation zu erklären und mich zu bitten, zu bleiben, postieren sie einen Bewacher, um es sicherzustellen. Sie behandeln mich wie ein Kind, dass gegen Autorität aufbegehrt." Im Stillen fügte Harry hinzu: „Sie behandeln mich wie eine Waffe."
„Und um zu beweisen, dass du kein Kind bist, das gegen sie aufbegehrt, begehrst du gegen sie auf?", fragte Hermine mit offensichtlicher Missbilligung.
„Denk von meinem Handeln was du willst", sagte Harry mit einem Seufzen. „Ich muss dir nicht antworten, Hermine, wenn mein Handeln keine Auswirkungen auf dich hat."
„Aber sie haben Auswirkungen auf mich", beharrte Hermine flehend. Sie packte ihn am Arm, als er Anstalten machte, an ihr vorbeizugehen. „Kannst du das nicht sehen, Harry? Ich liebe dich wie einen Bruder und ich könnte es nicht ertragen, dich zu verlieren. Bitte, du musst auf mich hören."
„Seit ich in die Zaubererwelt gekommen bin, warst du wie eine Schwester für mich.", stimmte Harry zu. „Und während ich anerkenne, dass alles, was mir wiederfährt, dich treffen könnte, kann ich diese Angst nicht mein Leben bestimmen lassen. Wenn ich sterben sollte, werde ich wenigstens in dem Wissen sterben, dass ich alles getan habe, was ich tun konnte. Ich kann sterben, ohne etwas zu bereuen. Das ist besser als mein Vertrauen in den Orden zu legen, der mich in Sicherheit wissen will - und mir dann Vorwürfe zu machen wenn ich sterbe, dass ich nicht aus dem Schatten des Ordens getreten bin und die Verantwortung für mein eigenes Leben übernommen habe."
Er schaute ihr direkt in die Augen und legte eine Hand direkt über ihre, die noch immer an seinem Arm lag. „Es tut mir leid, Hermine, aber ich habe mich entschieden. Ich würde dich bitten, diese Entscheidung zu respektieren, aber ich weiß, dass du das tun wirst, von dem du glaubst, das es richtig ist, so wie ich das tue. Behalte jedoch im Hinterkopf, dass es mein Leben ist, nicht deins." Damit löste er ihre Hand von seinem Arm und ging weiter zu seinem Büro.
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Die Unterhaltung mit Hermine spielte sich vor seinem inneren Auge noch einmal ab, auch wenn er versuchte, sich auf das Buch vor sich zu konzentrieren. Er hasste es, wie sich ihre Freundschaft im Laufe des Jahres entwickelt hatte, aber er wusste, dass er nichts dagegen tun konnte. Er konnte nicht so wie früher weiter machen und er wusste, dass sie ihn nicht als denjenigen akzeptieren würde, der er jetzt war - zumindest nicht im Moment. Er fragte sich, ob sie noch immer hoffte, den alten Harry wiederzubekommen - der, der faul und unmotiviert war und ständig zu ihr kam, damit sie seine Aufsätze überprüfte, der, der sie immer mit Ron die Nacht vor einem Test bat, ihre Notizen ausleihen zu dürfen.
Er schüttelte den Kopf und benutzte Okklumentik, um diese Gedanken wegzuschieben und kehrte zu seiner Lektüre zurück. Es war sinnlos, sich im Moment um Hermine Sorgen zu machen. Es gab nichts, das er tun konnte. Entweder würde sie sich anders entscheiden und die Entscheidungen, die er getroffen hatte, akzeptieren oder sie würde es nicht. Es war kein angenehmer Gedanke, aber er würde sich nicht vor dieser schlichten Realität verstecken.
Er verließ schließlich sein Büro und kehrte zum Zapfenstreich in den Gemeinschaftsraum zurück. Sein Blick suchte sofort Ginny und fand sie an genau demselben Platz wieder, an dem er sie zurückgelassen hatte. Er seufzte leise, ging zu ihr hinüber und trat hinter sie. Er legte seine Hände auf ihre Schultern und massierte sanft ihre angespannten Muskeln.
„Merlin, das fühlt sich wunderbar an", schnurrte Ginny praktisch, als sie sich von ihrem Buch löste und sich im Stuhl zurücklehnte.
„Nun, wie wäre es, wenn du eine Pause machst und wir machen am Feuer weiter?", schlug Harry mit rauer Stimme vor.
Ginny klappte ihr Buch zu und führte ihn an der Hand zu einem Sessel am Feuer. Sie wartete, bis er sich gesetzt hatte, bevor sie sich direkt vor ihm auf den Stuhl setzte. Sie langte nach hinten und legte ihr Haar über ihre Schulter und gab Harry damit ungehinderten Zugang zu ihren Schultern und ihrem Rücken.
„Begierig, mhmm?", neckte Harry sie.
„Ich erinnere mich daran, was diese Finger können", antwortete sie ernst. „Ich glaube nicht, dass ich je nein zu einer Massage von dir sagen werde."
Harry grinste und sagte: „Das muss ich mir merken."
„Tu das", erwiderte Ginny ächzend, als er mit seinem Daumen einen Knoten löste. „Genau da", ermunterte sie ihn.
Harry lächelte,bearbeitete die Stelle weiter und konzentrierte sich darauf, die Verspannung zu lösen. Er schaute hinunter und hielt inne, als er auf seine Finger schaute. Das war sonderbar.
„Harry?", fragte Ginny verwirrt.
„Hmm?", erwiderte Harry. „Oh, tut mir leid. Ich war kurz in Gedanken versunken", sagte er und fuhr mit der Massage fort, wobei er auf das sanfte blaue Glühen an seinen Fingerspitzen starrte. Als er sich konzentrierte, konnte er den dünnen Magiefaden fühlen, der durch jeden Finger floß, während er ihren Rücken und ihre Schultern weiter massierte. Er konnte sich ehrlich nicht daran erinnern, seine Magie gerufen zu haben, aber er musste es unbewusst getan haben. Es war merkwürdig. Als er sich darauf konzentrierte, fühlte er, dass die Magie sich wie Heilmagie anfühlte, auch wenn sie etwas anders war als alle Heilzauber die er kannte. Wenn er Ginnys Ächzen - und die nachlassende Verspannungen in ihren Muskeln - richtig deutete, würde er sagen, dass die Magie auf jeden Fall half. Merkwürdig. Er würde in Zukunft genauer auf seine Magie achten müssen. Er fragte sich, ob es andere Gelegenheiten gab, in denen er Magie angewandt hatte, ohne es zu wissen.
Nach kurzer Zeit seufzte Ginny und lehnte sich an seine Brust zurück. Harry legte seine Hände um ihren Bauch und schaute zu ihr herunter, als sie sagte: „So sehr ich auch wünschte, dass wir weitermachen könnten, muss ich wirklich weiterlernen." Harry nickte mit einem halben Lächeln. „Danke, Harry."
„Jederzeit", flüsterte er.
„Ich nehm' dich beim Wort." Damit packte sie seine Hände und löste sie sanft voneinander, so dass sie aufstehen konnte. Er folgte ihr schnell.
„Ich denke, ich werde ins Bett gehen", sagte er ihr.
„Schlaf gut, Harry", erwiderte sie und streckte sich, um ihm einen Kuss zu geben. Harry legte eine Hand an ihre Wange und fuhr mit ihr dann durch ihr Haar, während er mit der anderen ihre Hand suchte und ihre Finger miteinander verschränkte. Viel zu schnell für Harrys Geschmack löste Ginny den Kuss und lehnte ihre Stirn gegen seine. „Gute Nacht."
„Gute Nacht, Ginny", murmelte Harry seine Antwort. Er stahl einen letzten Kuss, bevor er seine Hand aus ihren Haaren löste und einen Schritt zurücktrat. Er gab ihre Hand erst frei, als sie zu ihrer Lerngruppe zurückging und ihre Finger blieben so lange wie möglich miteinander verbunden, bis die Distanz sie voneinander löste. Harry seufzte schwer und drehte sich zu den Treppen um, konnte sich jedoch einen flüchtigen Blick über seine Schulter, um sie noch einmal zu sehen, bevor er zu seinem Schlafsaal hochging, nicht verkneifen. Nachdem er sich schnell fürs Bett fertiggemacht hatte, kroch er in sein Himmelbett und zog die Vorhänge zu. Er absolvierte seine Okklumentikübungen und sortierte seine Gedanken der letzten Tage.
Diese Aufgabe hinter sich gebracht drehte Harry sich auf die Seite, schloss seine Augen und wartete darauf, einzuschlafen. Er wartete lange, denn sein Körper weigerte sich. Irgendwann in der Nacht, lange nachdem seine Zimmerkameraden zu Bett gegangen waren und das Geräusch ihres Schnarchens die Luft erfüllte, gab Harry sein fruchtloses Hin- und Herwerfen auf. Er legte sich auf den Rücken und schaute müde an die Decke seines Bettes. Schlafen, das konnte er nun sehen, würde er heute nicht mehr. Seufzend setzte er sich auf, warf eine Robe über und zog seine Schuhe an, bevor er leise aus dem Schlafsaal und hinunter in den Gemeinschaftsraum tapste. Er dachte über seine Möglichkeiten nach und entschied sich dazu, in sein Büro zu gehen. Es würde nicht mehr lange dauern, bis das Schuljahr zu Ende war und er wollte sein Portschlüsselprojekt für die HA so schnell wie möglich zu Ende bringen.
Nachdem Harry das Büro betreten hatte, kam Harry ein argwöhnischer Gedanke und er verwendete seine magischen Sinne, um den Raum gründlich abzusuchen. Es war alles umsonst. Harry war sich sicher, dass der Schulleiter etwas versucht hatte, aber den Fall ausgenommen, dass er einen Weg gefunden hatte seine magische Präsenz vollständig zu verbergen, war das Büro ohne jegliche Überwachungszauber oder -geräte.
Harry setzte sich an seinen Schreibtisch und widmete sich seiner Arbeit mit den Portschlüsseln. Er entschied, dass er an einem Punkt angelangt war, an dem er beginnen konnte, sie alle für seine Schüler zu produzieren. Er konnte nicht ausprobieren, ob die Portschlüssel einige halten würden, aber er hatte Vertrauen in seine Fähigkeiten und wusste, dass er seinen Instinkten vertrauen musste. Er beschwor einen recht einfachen Anhänger an einem schwarzen Band ohne irgendwelche augenscheinliche Merkmale herauf. Es war klein und - so hoffte er - unauffällig. Die Schüler konnten es problemlos bei sich tragen, entweder indem sie es als Halskette trugen oder einfach indem sie es in ihrer Tasche behielten. Zufrieden begann Harry damit, den ersten von vielen Portschlüsseln herzustellen.
Er war überrascht, als er nach relativ kurzer Zeit die Magiebelastung zu spüren begann. Er runzelte die Stirn und machte weiter. Portschlüssel waren fortgeschrittene Magie jenseits von allem, was in Hogwarts gelehrt wurde, aber nach einem Jahr, in dem er sich bis zu seinen Grenzen getrieben hatte und diese erweitert hatte, sollten sie ihn nicht so erschöpfen. Als er darüber nachdachte, begann er sich zu fragen, wieviel seiner Magie die Flammenreise verbraucht haben musste. Er konnte keine andere Erklärung finden. Vielleicht brauchte er nur ein paar Tage Ruhe, um seine Kraft wiederzubekommen, aber seine Unfähigkeit zu schlafen würde das Problem zweifellos verstärken.
Er schüttelte den Kopf, um ihn wieder frei zu bekommen und sich wieder seiner Arbeit zuzuwenden, als sein Blick auf das Porträt des Gryffindorgemeinschaftsraumes fiel und er inne hielt. Gedanken über die Zauber, die er über die verfeinerte Karte der Rumtreiber gelegt hatte, schossen ihm durch den Kopf und Harry hatte einen plötzlichen Geistesblitz. Er holte seinen Koffer hervor und grub seine Notizen heraus, die er für die Karte gemacht hatte und schob dann die Portschlüssel, an denen er gearbeitet hatte, gedankenverloren beiseite.
Einige Zeit später war er überrascht, als er die Uhrzeit bemerkte. Er hatte nicht realisiert, wie lange er gearbeitet hatte. Er stand auf und streckte sich in dem Versuch, die Verspannungen in seinem Nacken und Rücken zu lösen. Harry sammelte seine alten und neuen Notizen zusammen und schwor sich, sich ihnen bald wieder zu widmen. Er hatte eine Idee, aber es brauchte noch etwas Arbeit, wenn er rechtzeitig fertig werden wollte. Sobald alles aufgeräumt und sicher verstaut war, verließ er das Büro und ging wieder zum Gryffindorturm hoch. Er war ein paar Minuten zu früh, daher setzte er sich auf einen der Stühle um zu warten. Kurze Zeit später hörte er leise Fußschritte von der Treppe der Mädchen und drehte sich um, als Ginny am Fußende der Treppe erschien.
Er stand auf, trat zu ihr und zog sie in eine feste Umarmung. Er fühlte, wie eine Anspannung, von der er nicht einmal gewusst hatte, dass er sie in sich hatte, bei dem Kontakt verschwand und er seufzte zufrieden auf.
„Guten Morgen, Harry", grüßte Ginny leicht amüsiert.
„Morgen", flüsterte Harry als Antwort.
Als sie einen Moment später die Umarmung lösten, beäugte Ginny ihn kritisch und sagte: „Du siehst furchtbar aus."
Er schnaubte: „Danke."
„Hast du überhaupt geschlafen?", fragte sie.
Harry zuckte mit den Schultern. „Ich konnte meine Gedanken nicht zur Ruhe bringen, schätze ich", murmelte er.
„Möchtest du das Training heute ausfallen lassen?", fragte sie. „Ich kann bei dir sitzen, während du dich hinlegst."
Harry war wirklich versucht, ihr Angebot anzunehmen, aber er schüttelte den Kopf. „Wir sollten wirklich unseren normalen Tagesablauf wieder aufnehmen. Ich kann mich später ausruhen."
„Wann?", wollte sie wissen. „Du hast vor und nach dem Mittagessen HA-unterricht. Wenn du das Extratraining möchtest, dann lass alle versuchen, dich während des Unterrichts zu verhexen. Jetzt gehen wir in dein Büro und du legst dich für ein Nickerchen hin."
Harry lächelte müde über ihren Tonfall, der keine Gegenargumente zuließ. Er nickte und sagte: „Ja, Schatz."
Sie schaute ihn finster an: „Gut. Ich renne schnell hoch, um ein paar Bücher zu holen."
Einen kurzen Spaziergang später machten es sich die zwei auf dem Sofa in seinem Büro bequem. Sie verwandelte die Sofalehne in die Tischoberfläche, die sie brauchte, um ihre Bücher darauf zu legen, während sich Harry mit dem Kopf in ihren Schoß hinlegte. Er war in dem Moment, als er seine Augen schloss, praktisch schon eingeschlafen.
Als Ginny ihn aufweckte, waren sie zu spät fürs Frühstück, aber ein kleiner Umweg zur Küche löste das Problem. Dobby und die anderen Hauselfen waren nur zu erfreut, ein bescheidenes Festessen für sie beide vorzubereiten. Danach ging Harry zum Raum der Wünsche, während Ginny sich auf den Weg hinaus auf die Ländereien machte, wo sie in Kürze ihre Eltern treffen würde.
Während er ihrem Rat nicht buchstabengetreu folgte, wählte Harry an diesem Tag einen sehr aktiven Ansatz für seinen Unterricht. Wie versprochen brachte er keine neuen Zaubersprüche in seinen Unterricht ein, stattdessen wiederholte er einige Zaubersprüche, die sie in diesem Jahr gelernt hatten. Sie verbrachten den Großteil des Unterrichts mit unterschiedlichen Duellierübungen, Harry immer mittendrin. Er verbrachte viel Zeit mit Ausweichen, aber er ließ seine Schüler auch Strategien ausarbeiten, wie sie um scheinbar undurchdringbare Schutzschilde herumkommen könnten. Er fühlte sich während der Übungen körperlich völlig normal, aber erkannte, dass er seine Schutzschilde nicht ganz so lange aufrecht erhalten konnte, wie er es gewohnt war. Er versuchte es nicht allzu ernst zu nehmen, wissend, dass er seine volle Stärke schnell genug wieder erreichen würde. Er würde nichts anderes akzeptieren.
Ginny in der Zwischenzeit gestand ihm genau das Gegenteil, auch wenn Harry der Meinung war, dass es mehr mit ihrem neuen Zauberstab zusammenhing als alles andere. Ihren alten Zauberstab hatte sie geerbt und er war nicht auf ihre Magie abgestimmt gewesen, daher war es keine Überraschung, dass ihr neuer Zauberstab so viel besser für sie war, und er konnte sehen, dass dies der Fall war, selbst ohne es von Ginny zu hören. Ihre Zauber während der HA waren deutlich stärker als sonst.
Harry und Ginny erhielten beide beim Abendessen eine kurze Nachricht, die ihre Präsenz nach dem Essen im Büro des Schulleiters verlangte. Harry hegte wenig Zweifel, um was das kommende Treffen sich handeln würde. Er war etwas überrascht, dass es so lange gedauert hatte. Dumbledore und der Orden würden zweifellos wissen wollen, was geschehen war. Um ehrlich zu sein war Harry gespannt auf Ginnys Erlebnisse. Sie hatte ihm nicht viel von ihrer Zeit in Gefangenschaft anvertraut und er fürchtete sich beinahe davor, nach Details zu fragen, wissend, dass er sie wahrscheinlich nicht hören wollen würde.
Kurz nachdem sie gesehen hatten, wie Dumbledore und McGonagall die Große Halle verließen, folgten Harry und Ginny in stillschweigender Übereinkunft ihrem Beispiel. Hand in Hand gingen sie zum Büro des Schulleiters. Ein Gang, der nach Harrys Auffassung verdächtig kurz dauerte. Er murmelte das Passwort zu dem Wasserspeier, der sofort zur Seite sprang, um den Blick auf die Wendeltreppe freizugeben. Oben auf der Treppe angelangt rief Dumbledore sofort und ohne Aufforderung: „Herein". Nicht überrascht öffnete Harry die Tür und folgte Ginny in den Raum.
Drei Personen waren bereits da, zwei lächelnde Gesichter und eins mit einem finsteren Blick. Harry runzelte die Stirn, denn er hatte Snapes Anwesenheit bei diesem Treffen nicht erwartet. Er schaute sich im Zimmer um und war leicht überrascht zu sehen, das Mr. und Mrs. Weasley nicht anwesend waren. Er hatte erwartet, dass zumindest Mrs. Weasley darauf bestand, für dieses Treffen anwesend zu sein - wenn ihr überhaupt davon erzählt worden war, natürlich.
„Guten Abend, Mr. Potter. Miss Weasley", grüßte der Schulleiter.
Harry und Ginny erwiderten die Begrüßung und Dumbledore deutete mit seiner Hand zu zwei Stühlen, während er sagte: „Bitte, setzt euch."
Vier Stühle waren vor den Schreibtisch des Schulleiters aufgestellt. Harry saß neben Minerva mit Ginny auf seiner anderen Seite. Der vierte Platz war leer, denn Snape stand in der Ecke des Raumes und funkelte ihn an. Harry ignorierte den
Mann und erwiderte Minervas freundliches Lächeln, bevor er seine Aufmerksamkeit dem Schulleiter zuwandte.
„Ich nehme an, dass ihr beide euch von euren Strapazen erholt habt und vollständig genesen seid?", fragte Dumbledore sie.
Harry sah, wie Ginny nickte und er erwiderte: „Ja, Sir."
„Wunderbar", antwortete er. „Ich verstehe, dass das, was ich von euch verlange, euch schwer fallen könnte, aber es ist notwendig, das wir genau wissen, was in der vorletzten Nacht aus eurer jeweiligen Perspektive geschehen ist. Vielleicht solltest du damit beginnen, Miss Weasley, wie und wo du verschwunden bist?"
Ginny nickte und holte tief Luft, um sich die Zeit zu geben, sich zu sammeln. Harry streckte seine Hand aus und nahm ihre, welche auf der Armlehne ruhte, in seine. Sie lächelte ihm kurz zu, bevor sie sich wieder Dumbledore zuwandte und ihre Geschichte begann. Harry strahlte vor Stolz, als sie ihr kurzes Duell mit Malfoy beschrieb. Aber das Lächeln verschwand schnell, als sie weitererzählte. Auf Dumbledores Aufforderung hin beschrieb sie den Grundriss des Gebäudes, soweit sie sich noch von ihrem verzweifelten Versuch, zu Entkommen, erinnerte. Wie sie besprochen hatten vermied sie bestimmte Details. Voldemorts Legilimentikangriffe waren aus ihrer Erzählung verschwunden. Stattdessen hatte er den Cruciatusfluch verwendet, um Ginny zu brechen und sie zu zwingen, ihre Geheimnisse zu offenbaren. Ihre zauberstablose Magie in der Zelle war geschickt in einen unkontrollierten Ausbruch spontaner Magie verändert worden. Als sie zu Harrys Eintreffen kam, stoppte Dumbledore sie und dankte ihr, bevor er sich Harry zuwandte und ihn bat, seine Sicht der Ereignisse zu schildern.
Harry hatte einen ausdruckslosen Gesichtsausdruck, als er seine Erzählung begann. Er erzählte den Professoren, wie er seinen Feuerblitz zu sich gerufen hatte und die Eulerei hochgerannt war, um Hedwigs Hilfe im Aufspüren von Ginny zu holen. Er folgte seiner Eule zu dem Herrenhaus und schlich sich hinein. Harry bat sie dann, jemanden vom Orden zu finden und ihn herzubringen. Nachdem er Malfoy überrumpelt und Legilimentik verwendet hatte, um Ginnys Aufenthaltsort herauszufinden, fiel er auf Malfoys Täuschung hinein und löste den Alarm aus, während er in die Kerker einbrach.
Nachdem er Ginny gefunden hatte, errichtete er zwei Illusionen, die wie Ginny und er aussahen, bevor sie unter dem Tarnumhang hinausschlichen und auf seinem Besen zu einem der Anwesen, die Harry im Sommer geerbt hatte flogen. Er
erklärte, wie erschöpft sie beide gewesen waren und in keiner Verfassung, um zum Schloss zurückzukehren. Daher blieben sie die Nacht und kehrten gleich am nächsten Morgen nach Hogwarts zurück.
Harry war mit ihrer Geschichte ziemlich zufrieden. Sie war nicht perfekt und würde genauerem Nachhaken wahrscheinlich nicht standhalten, aber bis Dumbledore und der Orden etwas finden würden, um die Geschichte zu widerlegen, hoffte Harry bereits für den Sommer in seinem Zuhause zu sein. Dumbledore hatte einige klärende Fragen, aber keine von ihnen stellte ein Problem für ihre Dichtkunst dar. Die anderen beiden Professoren blieben während der gesamten Angelegenheit größtenteils stumm - Snape mit einem permanenten finsteren Blick.
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Als sie durch die Korridore liefen, die zurück zum Gryffindorturm führten, drehte Harry seinen Kopf, um zu Ginny zu schauen und lächelte ihr zu.
„Ich denke, das verlief so gut wie man erwarten konnte", sagte sie leise.
„Ja, lass uns nur hoffen, dass die Geschichte bis zum Schuljahresende standhält", erwiderte er. Er zögerte, als er überlegte, ob er seine nächste Frage stellen sollte oder nicht, bis er sich einen Ruck gab: „Bist du okay? Ich weiß, dass es schwer gewesen sein muss ..."
„Mir geht es gut", sagte sie etwas zu schnell und ihre Lippen formten ein Lächeln, das ihre Augen nicht wiederspiegelten. „Wieso sollte das nicht so sein?"
Harry runzelte die Stirn und legte eine Hand auf ihre Schulter, um sie zum Anhalten zu bewegen. Als sie sich zu ihm umdrehte und er sie in Ruhe mustern konnte, wurden seine Vermutungen bestätigt. „Komm her", flüsterte er sanft und zog sie in eine Umarmung.
Sie trat nach nur kurzem Zögern näher. Sie legte ihre Arme um ihn und ihren Kopf an seine Schulter. Er fuhr mit seiner Hand in kreisenden Bewegungen über ihren Rücken, während er sie mit der anderen fest an sich gedrückt hielt. „Es ist okay", sagte er sanft, als sie gegen ihre Emotionen ankämpfte. „Alles ist in Ordnung."
Sie blieben einige Zeit so stehen, bevor sie schließlich einen Schritt zurücktrat, ihre Augen ein wenig gerötet. Sie öffnete ihren Mund, um etwas zu sagen, zögerte aber und Harry sprach: „Es ist okay. Du musst nichts sagen. Ich bin immer für dich da, wenn du mich brauchst, immer."
„Danke, Harry", murmelte sie und legte eine Hand an seine Wange. „Ich liebe dich."
Er lächelte und erwiderte: „Ich liebe dich auch." Er lehnte sich vor und gab ihr einen kurzen Kuss, bevor er ihre Hand in seine nahm und ihren Weg fortsetzte.
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Harry fand es in dieser Nacht fast unmöglich, Schlaf zu finden, eine Entwicklung, die sich unglücklicherweise die restliche Woche lang fortsetzte. Er war gezwungen, mit Nickerchen in seinem Büro und mit Ginny in der Nähe auszukommen, um überhaupt etwas Schlaf zu bekommen. Ginny hatte von Montag bis Mittwoch Examen, die viel ihrer Zeit in Anspruch nahmen und auch wenn Harry versuchte, zu schlafen, während sie ihre Examen ablegte, bewies sich das als praktisch sinnlos. Er überstand die Zeit bis Mittwoch mit nur wenigen Stunden Schlaf pro Tag und akzeptierte sofort Ginnys Angebot nach ihrem letzten Examen, ihren Schoß als Kissen zu missbrauchen.
Er war etwas erstaunt, als er am Ende der Woche erkannte, dass er Malfoy seit seiner Rückkehr ins Schloss nicht einmal gesehen hatte. Nachdem er ihn am Tag seiner Rückkehr nicht in der Großen Halle gefunden hatte, war der Slytherin nicht mehr in Harrys Kopf präsent gewesen, aber nun, da er darüber nachdachte, war er sich sicher, dass der Blondschopf bei allen folgenden Mahlzeiten gefehlt hatte. Wurde er von der Schule verwiesen? Bedeutete das, dass er tatsächlich für Ginnys Verschwinden verantwortlich gewesen war? Als er Professor McGonagall danach fragte, war sie nicht besonders hilfreich. Sie bestätigte, dass Malfoy nicht länger im Schloss war, wusste aber entweder nicht mehr oder konnte es ihm nicht sagen und Harry konnte angesichts der Situation zwischen ihm und dem Schulleiter nicht fragen - nicht, dass er erwartet hätte, eine direkte Antwort zu bekommen.
Da war etwas anderes, das Harry überraschte, wenn er darüber nachdachte - die scheinbare Nichtreaktion des Schulleiters. Er hatte erwartet, dass der Mann beginnen würde, jede seiner Bewegungen zu verfolgen und ihm alle seine Privilegien nehmen würde, aber soweit Harry das sehen konnte, hatte Dumbledore absolut nichts getan, um ihn unter Beobachtung zu halten. Vielleicht hatte er seine Meinung geändert? Harry machte sich keine allzu großen Hoffnungen und wartete stattdessen darauf, dass das Unheil begann.
Harry war so tief in Gedanken über Malfoy, Dumbledore und sein Portschlüsselprojekt verloren, dass er beinahe das letzte Quidditchspiel des Jahres vergaß, welches für Samstag anberaumt war. Es war nur Rons Drängen, dass sie ein paar zusätzliche Trainingseinheiten absolvieren sollten, die Harry retteten. Er brachte Ron schnell von dieser Idee ab und das Team übte in dieser Woche nur zweimal. Sie spielten gegen Hufflepuff und angesichts des derzeitigen Wettbewerbstandes müssten sie mit großem Abstand verlieren, um den Quidditchpokal zu verlieren, daher machte Harry sich keine Sorgen.
Das Spiel und das darauffolgende Fest zum Schuljahresende boten Harry etwas, was er nur als ein antiklimatisches, normales Ende zu einem der unnormalsten Schuljahre seines Lebens beschreiben konnte- und das hieß etwas. Gryffindor gewann das Spiel, sicherte sich damit den Quidditchpokal und brachte sie damit in Führung für den Hauspokal. Es war nur Snapes außergewöhnlicher Anstrengungen zu verdanken, das Slytherin sie kurz vor dem Jahresabschlussfest überholte. Harry erwartete nicht, das Dumbledore sich großzügig genug fühlte, um Gryffindor die nötigen Punkte zu verleihen, um den Pokal zurückzugewinnen.
Harry beraumte nach dem Fest ein außerplanmäßiges gemeinsames Treffen mit seinen beiden HA-gruppen an. Er war beim Essen ganz zappelig vor lauter nervöser Anspannung, denn was er tun würde war riskant und illegal. Es war einfach, die Entscheidung zu treffen, Portschlüssel für seine Schüler herzustellen und sie zu verteilen, aber nun, da es gleich soweit war, konnte er nicht anders als sich Sorgen darüber zu machen, ob ihm das in Zukunft schaden würde. Dennoch: Egal, welches Nachspiel dies haben könnte, wusste er, dass er seine Entscheidung nicht bereuen würde. Die Chancen standen gut, dass zumindest Dumbledore und vielleicht sogar das Ministerium ihn erwischen würde und er wusste, dass keiner von ihnen seine Missachtung des Gesetzes gutheißen würde. Er nahm an, dass Dumbledore ihm einfach eine Gardinenpredigt halten würde, aber es war nicht abschätzbar, was Fudge versuchen würde, damit Anklage gegen Harry erhoben wurde.
Da er den Großteil seiner freien Zeit seit der ersten Nacht damit verbracht hatte, verschiedene Zauber herauszusuchen, die er zu den Portschlüsseln hinzufügen wollte, hatte Harry erst in der vorigen Nacht die Massenproduktion fertiggestellt. Als er die Portschlüssel auf einem Tisch ausbreitete, dachte er an seine Inspiration für seine Zusätze. Die Rumtreiber waren wirklich Genies gewesen, aber es gab so viele weitere Wege, wie ihre Fähigkeiten verwendet hätten werden können. Es war
beinahe eine Schande, das ihr Talent an Streichen verschwendet worden war. Nicht, dass Harry den Wert eines guten Lachers nicht verstand, aber selbst Fred und George konzentrierten ihr kreatives Genie nun auf kriegsverwandte Projekte. Dennoch: Selbst wenn sie ihr besonderes Talent nie auf den Krieg verwandt hatten, bewiesen sich die Ideen der Rumtreiber als ein unbezahlbares Hilfsmittel für seinen Kampf gegen Voldemort und die Todesser.
Die Schüler kamen in einer großen Gruppe an, da sie wohl alle direkt von der Großen Halle kamen. Harry schloss die Tür und benutzte den Vertrag, um sicherzustellen, dass niemand anwesend war, der es nicht sein sollte. Als er zufriedengestellt war, drehte sich Harry zu dem Tisch hinter sich um und nahm einen der vielen identischen Anhänger in die Hand. „Jeder einzelne von euch ist in Gefahr", begann er sachlich. „Ihr wisst das inzwischen. Im Verlauf des Jahres habe ich getan, was ich konnte, um euch die Werkzeuge zu geben, um zu überleben. Bitte versteht, dass das Training nicht genug ist, um gegen die Todesser standzuhalten. Auroren, die Jahre des intensiven Trainings hinter sich haben, unterliegen ihnen regelmäßig. Ich habe euch diese Mittel gegeben, damit ihr lange genug überleben könnt, um zu entkommen."
Er hielt inne, um seinen Schülern die Zeit zu geben, zu verstehen, was er sagte. „Aus diesem Grund habe ich für jeden von euch etwas." Er hielt den Anhänger hoch. „Das ist ein Portschlüssel", erklärte er. „Sollte es zu einem Todesserangriff kommen, möchte ich, dass ihr eure Familie nehmt und ihn benützt um zu entkommen. Versucht nicht den Helden zu spielen. Todesser kämpfen nicht fair und sie arbeiten nicht alleine. Sie greifen immer in einer Anzahl an, die ihren Erfolg so gut wie garantiert.
Um den Portschlüssel zu aktivieren, stellt ihr einfach nur sicher, dass jedes Familienmitglied entweder euch oder den Portschlüssel berührt und sagt das Passwort." Er legte den Portschlüssel zurück auf den Tisch und fuhr fort: „Das Passwort ist „Zuflucht" und der Portschlüssel wird euch zu den Toren von Hogwarts transportieren. Von dort aus gebe ich euch den Rat, eure Familie auf die Ländereien zu bringen und Hilfe vom Schulleiter oder von welchem Professor auch immer ihr zuerst trefft zu erbitten.
Ich hoffe, ihr nehmt meine Warnungen ernst", beschwor Harry sie. „Ich möchte nicht eines Morgens den Tagespropheten lesen und einen eurer Namen auf der Liste der Opfer dieses Krieges wiederfinden. Verwendet, was ich euch beigebracht habe, um zu überleben und um so lange zu kämpfen, bis ihr euch und euren Familien die Zeit verschafft habt, zu entkommen."
Er rief die Schüler zu sich und jeder nahm einen Portschlüssel an sich. Viele kamen zu ihm, um ihm die Hand zu schütteln und ihm für alles zu danken, dass er ihnen beigebracht hatte, aber da die allgemeine Stimmung ernst war, hoffte Harry, dass dies bedeutete, dass seine Schüler sich seine Worte zu Herzen genommen hatten. Natürlich gingen nicht alle Schüler, nachdem sie ihren Portschlüssel geholt hatten.
Als alle bis auf seine fünf Freunde, die ihm zu der Mysteriumsabteilung vor einem Jahr begleitet hatten, gegangen waren, wandte Hermine sich ihm zu: „Wo hast du so viele Portschlüssel her?"
Harry zuckte mit den Schultern, als er ruhig antwortete: „Ich soll nicht darüber reden." Es war technisch gesehen keine Lüge. Er hatte nicht die Absicht, sie darüber zu informieren, dass diese Verordnung selbstauferlegt war. „Portschlüssel werden durch das Ministerium reguliert" fuhr Hermine fort. „Du könntest dir durch das zur Verfügung stellen unsanktionierter Portschlüssel eine Menge Ärger einhandeln."
„Ich kenne die Gesetze über Portschlüsselherstellung und -verteilung", erwiderte Harry.
„Dann ist dir klar, dass du wahrscheinlich einige Zeit in Askaban verbringen werden musst zusätzlich zu der hohen Geldbuße, die erhoben werden wird?", fragte Hermine bissig.
„Wie ich bereits sagte, kenne ich die Gesetze", wiederholte Harry.
„Schön", meinte Hermine und ging ohne ein weiteres Wort zu einem von ihnen.
Stille legte sich nach ihrem plötzlichen Abgang über die Gruppe.
„Danke für den Portschlüssel, Harry", sagte Luna in die Stille hinein. Harry lächelte und das blonde Mädchen fuhr fort: „Sie sollten sehr nützlich sein." Harry nickte zustimmend, als sie hinzufügte: „Die verzagenden Blognites, die Daddy und ich über die Ferien erforschen, werden von der Magie in Portschlüsseln angezogen. Daddy hat versucht, einen vom Ministerium zu bekommen, aber sie haben sich geweigert. Er wird so glücklich sein."
„Äh - gern geschehen, Luna", erwiderte Harry. „Ich freue mich, dass ich helfen konnte."
Luna trat plötzlich zu ihm und zog ihn in eine Umarmung: „Danke, dass du mein Freund bist, Harry. Es hat Spaß gemacht. Sehe ich dich im nächsten Schuljahr?"
Harry erwiderte die Umarmung einen Moment lang, bevor er sich von dem Mädchen löste und die Stirn runzelte: „Du siehst mich morgen im Zug, Luna und auch nächstes Jahr."
„Ach, werde ich das?", fragte sie und schaute ihm direkt in die Augen. Harry nickte. „Also gut. Ich sehe auch dann alle morgen." Sie lächelte ihnen zu, bevor sie ging.
Als sie durch die Tür trat, konnte man Ron murmeln hören: „Absolut verrückt." Angesichts der Tatsache, wie viel er darüber nachgedacht hatte, die Zugfahrt ausfallen zu lassen, konnte Harry ihm nicht zustimmen - nicht, das er es laut sagte. Ron schüttelte abrupt den Kopf, bevor er zu Harry schaute. „Ich werde nicht fragen", meinte er. „ob du nicht darüber reden kannst oder einfach nicht darüber reden willst, das ist alles okay. Einfach danke."
Harry stand starr vor Schock da, als er Ron anstarrte. „Dasselbe gilt für mich", meinte Neville und gab Harry einen Klaps auf die Schulter. „Etwas sagt mir, dass du gerade deinen Hals für uns alle riskiert hast und ich zumindest werde deswegen nicht mit dir schimpfen. Danke Harry."
Harry nickte und lächelte, während er seine Haltung wiedererlangte. „Danke, ich weiß das zu schätzen." Er schaute an Neville vorbei und zu Ginny, die so wie er ein Lächeln auf den Lippen hatte. Sie zwinkerte ihm zu und Harrys Lächeln wurde noch breiter.
„Passt auf", sagte Harry einen Moment später. „Ich komm in den Gemeinschaftsraum nach. Ich muss zuerst noch ein paar Dinge erledigen."
Sie nahmen das als ihr Signal zum Aufbruch und ließen Harry alleine. Sobald sie gegangen waren, hob er den Desillusionierungszauber und Dauerklebezauber, die er über das Pergament auf dem Tisch gelegt hatte, auf. Er holte seinen Koffer hervor und vergrößerte ihn. Dann rollte er das Pergament zusammen, legte es hinein und steckte dann seinen wieder verkleinerten Koffer zurück in seine Hosentasche, bevor er in sein Büro ging. Er packte schnell seine Dinge zusammen- vor allem seine verfeinerte Karte der Rumtreiber. Er schaute sich zufrieden im Zimmer um, als er im Türrahmen stand und hoffte, dass er es im nächsten Jahr wiederhaben würde.
Er schloss die Tür und ging wieder hinunter in das siebte Stockwerk. Auf der Treppe traf er auf Hermine und sie schien nicht begeistert zu sein, ihn zu sehen.
„Wieso kann ich nicht über die Portschlüssel reden, die du uns gegeben hast?", wollte sie wissen.
„Hast du versucht, sie mit jemanden außerhalb der HA zu besprechen?", fragte er.
„Ich habe versucht, mit Professor McGonagall über sie zu reden", sagte sie bissig. „Ich weiß nicht, wo du sie alle her hast, aber eine Autoritätsperson muss davon wissen, bevor du in zu viel Schwierigkeiten gerätst. Als ich allerdings versuchte, über sie zu reden, habe ich etwas ganz anderes gesagt."
Harry musste ein Grinsen unterdrücken. „Oh. Der Vertrag, den du unterzeichnet hast, verhindert, dass du darüber mit Nichtmitglieder redest. Ich muss vergessen haben, die Lehrer davon auszuschließen."
„Spar dir das", spuckte sie. „Ich weiß, dass du nur versuchst, alle zu beschützen, aber du könntest deswegen in echte Schwierigkeiten geraten. Die Professoren müssen darüber Bescheid wissen und wenn ich einen Weg um den Vertrag herumfinden muss, dann werde ich das."
Harry runzelte die Stirn über seine langjährige Freundin. „Sei vorsichtig, Hermine", sagte er sowohl besorgt wie auch als Warnung. „Die Strafen für Vertragsbruch waren für meine Feinde gedacht, nicht für meine Freunde."
„Ist das eine Drohung?", fragte sie mit leiser Stimme.
„Nein", antwortete er und schüttelte den Kopf. „ Ich möchte nur nicht, dass du dir weh tust."
„Dann befreie mich von dem Vertrag", forderte sie.
Harry schüttelte wieder den Kopf. „Das kann ich nicht machen."
„Dann tu nicht so als wärst du über mein Wohlergehen besorgt." Sie stampfte verärgert davon und ließ Harry auf den Treppen stehen und sich fragen, wie ihre Freundschaft so außer Kontrolle geraten konnte, zurück.
Als er den Gemeinschaftsraum erreichte, war Hermine nirgends zu sehen - sie war wohl schon in ihrem Schlafsaal. Da er noch immer nachts mit dem Einschlafen kämpfte, beschloss Harry, seine übliche frühe Schlafenszeit außer Acht zu lassen und verbrachte den Abend mit Ron und Neville Zauberschnippschnapp spielend. Ginny schloss sich ihnen ein paar Runden lang an, aber den Großteil des Abends war sie bei ihren Freunden. Schließlich - die meisten waren schon Schlafen gegangen - gingen Harry und seine Freunde ebenfalls nach oben in ihre Betten.
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Am nächsten Morgen - nach einer Nacht, in der er sich hin- und hergewälzt und nur unruhig geschlafen hatte - joggte Harry das letzte Mal vor den Ferien um den See, [und] genoss die Ruhe des Sees und der Ländereien. Im Laufe des Jahres hatte er nicht viele Konstante gehabt, abgesehen von diesem ausgetretenen Pfad und der Hexe, die neben ihm lief und er verabscheute die Idee auch nur einen von ihnen einige Monate nicht mehr zu sehen. Nachdem sie sich gedehnt hatten, gingen Ginny und er zurück zum Schloss. Als sie die Treppen hinaufstiegen, öffneten sich die Türen und machte den Blick auf den Schulleiter frei, der dort in blumigen, lilafarbenen Roben stand. „Ah, Mr. Potter, Miss Weasley. Ich dachte mir, dass ich euch hier finde."
Harry zog eine Augenbraue hoch und Ginny grüßte: „Guten Morgen, Schulleiter." Harry wiederholte die Begrüßung.
„Euch ebenfalls einen guten Morgen", sagte Dumbledore. „Ich wollte eure morgendlichen Übungen nicht unterbrechen, aber ich habe mich gefragt, ob ich mir Mr. Potter für einen Moment ausleihen darf. Es gibt ein paar Dinge, die wir vor seiner Abreise besprechen müssen."
Harry wechselte einen Blick mit Ginny, bevor er sich wieder dem Schulleiter zuwandte und nickte. „Also gut." Er drehte sich kurz zu Ginny, gab ihr einen kurzen Kuss und sagte: „Ich seh' dich dann später."
Ginny streckte ihre Hand aus und drückte seine, bevor sie dem Schulleiter zunickte und vor ihnen die Eingangshalle betrat.
„Sollen wir, Mr. Potter?" Harry ging still mit dem Mann hinauf in dessen Büro. Als Harry Dumbledore in das Zimmer folgte, fühlte er, wie sein Magen schwer wurde. Er hatte darauf gewartet, dass der Schulleiter seinen nächsten Zug machte und er hatte das starke Gefühl, dass dies bei weitem kein freundschaftliches Treffen war.
Doch wenigstens eine ihm wohlgesonnene Persönlichkeit war im Büro. „Hallo, Fawkes", rief Harry, als er zu dessen Vogelstange ging. Der Phönix lehnte sich in seine Berührung und trillerte zufrieden, als Harry über das Federkleid in seinem Nacken strich. Er kraulte Fawkes noch einmal, dann wandte Harry sich zum Schulleiter. „Worüber wollten Sie mit mir reden? "
„Direkt zur Sache, ich sehe schon", kommentierte Dumbledore. „Setz dich doch, wenn du möchtest."
Harry stellte sich hinter den angebotenen Stuhl und schüttelte den Kopf. „Nein, danke. Ich mag es nicht, stillzusitzen, nachdem ich gelaufen bin. Meine Beine werden dann steif", schwindelte er.
Der Schulleiter lächelte: „Ah, die Probleme der Jugend. Du wirst sehen wenn du älter wirst, dass deine Beine steif bleiben, egal was du machst."
Harry zuckte mit den Schultern.
„Ich habe mich gefragt, ob du dir weitere Gedanken über unsere unbeendete Unterhaltung von dem Morgen, als du und Miss Weasley zurückgekehrt seid, gemacht hast", fragte Dumbledore im Plauderton.
Harry runzelte die Stirn. „Um ehrlich zu sein, ja."
„Und?"
„Ich bleibe bei meiner Meinung", erwiderte Harry direkt. „Ich verstehe Ihre Sorgen um meine Sicherheit als Schüler wie auch als Subjekt der Prophezeiung, aber ich werde in einem Monat siebzehn sein und das macht einen ihrer Punkte gegenstandslos. Was den anderen Punkt angeht, möchte ich wiederholen, dass ich die Erfahrung brauchen werde, wenn ich jemals eine Chance gegen Voldemort haben möchte. So viele Fortschritte ich im vergangenen Jahr auch gemacht habe, weiß ich, dass ich noch immer chancenlos bin."
„Hast du dir Gedanken darüber gemacht, dass die Macht, die er nicht kennt, es vielleicht nicht erfordert, dass du dich mit Tom duellierst?", konterte Dumbledore.
Harry dachte einen Moment darüber nach. „Ich schätze, es ist eine Möglichkeit, aber wie viele Leben sind Sie bereit, darauf zu verwetten?"
Der Schulleiter seufzte tief. „Ich glaube nicht, dass die Prophezeiung verlangt, dass du derjenige sein musst, der Tom tödlich verwundet", sagte er. Er strich sich über seinen langen Bart und fügte dann hinzu: „Tom hat viele Schritte auf dem Weg zur Unsterblichkeit getan, wie seine Wiederauferstehung vor zwei Jahren beweist. Ich glaube, dass dein Part in diesem Krieg sein wird, Tom wieder sterblich zu machen."
Auch wenn er den Worten nicht voll zustimmte, wusste er, dass der Schulleiter das Wissen eines ganzen Jahrhunderts hatte. Seine Worte von der Hand zu weisen wäre närrisch. „Angenommen das wäre so, glauben Sie nicht, dass ich auf dem Kriegsschauplatz sein muss, um dieses Ziel zu erreichen?"
„Vielleicht", stimmte Dumbledore zu. „Aber in diesem Fall wärst du nicht alleine. Es gibt viele, die gewillt sind, ihr Leben zu lassen, um Voldemort zu Fall zu bringen."
„Und ich bin einer von ihnen", meinte Harry und tat sein bestes, seine Stimme ruhig zu halten.
„Das ist genau das, was mir am meisten Sorgen bereitet", antwortete der Schulleiter sanft. „Du bist ein tapferer und selbstloser junger Mann und ich zweifele nicht daran, dass du dein Leben lassen würdest, so dass andere überleben. Du musst jedoch verstehen, dass du nicht jedes Leben retten kannst. Du kannst nicht jeden Kampf gewinnen. Du bist für diesen Krieg zu wichtig als zu riskieren, dass du dein Leben verlierst, bevor du deine Aufgabe erfüllt hast. Dies ist die Realität, die keiner in deinem Alter erkennen sollte, aber dieser Krieg wird dich dazu zwingen, viel zu schnell erwachsen zu werden. Ich flehe dich an, Mr. Potter - Harry -, auf meine Worte zu hören. Ich weiß, du möchtest nur helfen - etwas tun, um zu helfen - Voldemort zu Fall zu bringen, aber deine Zeit wird kommen. Bis dahin, bitte, erlaube mir deine Sicherheit zu gewährleisten, während wir an Wegen arbeiten, Tom von seiner Unsterblichkeit zu befreien."
Harry senkte seinen Kopf. Die Stimme des Schulleiters war voller Emotionen und Harry wusste tief in sich drin, dass der Mann es ehrlich meinte. Er wusste, dass Dumbledore sich Sorgen um ihn machte, doch Harry konnte nicht anders als zu fühlen, dass Dumbledores Gefühle seine Entscheidungsfähigkeit beeinträchtigten. Wenn der Schulleiter vor einem Jahr so offen mit Harry gewesen wäre, hätte er den Mann wahrscheinlich beim Wort genommen und wäre was auch immer er für das Beste hielt gefolgt. Im vergangenen Jahr hatte Harry jedoch zu viel gesehen und erlebt, um der Interpretation des Schulleiters von der Prophezeiung sowie seiner Handlungsweise blind zu vertrauen.
Umso mehr er darüber nachdachte, umso mehr glaubte er an seinen eigenen eingeschlagenen Weg. Hätte Voldemort die Prophezeiung nie gehört, hätte er Harry nie angegriffen und hätte daher nie den Teil der Prophezeiung erfüllt, der Harry als seinen „Ebenbürtigen" kennzeichnete. Wenn Harry letztes Jahr nach dem Tod seines Patens nicht die Prophezeiung gehört hätte, hätte er nicht die Hälfte der Dinge gemacht, die er im Verlauf des vergangenen Jahres gemacht hatte. Die Prophezeiung war ein Auslöser, der seine Subjekte dazu antrieb, sie zu erfüllen. Harry wusste nicht, woher die Idee kam; aber sobald er sie im Kopf hatte, wusste er, dass es stimmte.
„Es tut mir leid, Direktor", sagte Harry nach einiger Zeit des Nachdenkens. Er überraschte sich selbst mit den Gefühlen, die in seiner Stimme lagen. „Ich wünschte, ich könnte Ihre Vision teilen, aber das kann ich nicht. Ich weiß, Sie mögen mein Handeln als unbesonnen und töricht ansehen, aber ich könnte nicht damit leben, etwas anderes zu tun als das, von dem ich weiß, dass es richtig ist und ich weiß, dass ich das Richtige getan habe."
Stille breitete sich über die beiden aus und der Schulleiter ließ seinen Kopf hängen. Dumbledore seufzte, schaute dann zu Harry hoch und sagte: „Dann ist es wie ich fürchtete. Bist du sicher, dass du nicht von diesem Weg abgebracht werden kannst?"
Harry nickte mit gerunzelter Stirn und rätselte, wie der Schulleiter antworten würde.
„Ich hatte gehofft, dass es nicht dazu kommen würde."
Das war die einzige Warnung, die er bekam, bevor der Schulleiter seinen Zauberstab auf ihn richtete und einen Zauberspruch warf. Einer der wenigen Vorteile, bei den Dursleys aufzuwachsen, war, dass er sein ganzes Leben damit verbracht hatte, Überraschungsangriffen auszuweichen, was Harry unglaubliche Reflexe gab. Er duckte sich und rollte sich zur Seite, wobei er einen Schutzzauber gegen die nächste Welle von Zaubern errichtete, die der sonst so ruhige und freundliche Mann warf. Er hörte entfernt eine Tür zugehen und fühlte, wie eine Magiewelle durch den Raum rauschte. Er erkannte unter anderem Anti-Portschlüsselschutzzauber. Dumbledore ging kein Risiko ein.
Der Schulleiter legte nun mehr Macht in seine Zauber und zwang Harry damit, mehr Macht in seinen Schutzschild zu legen, während er seine Optionen durchging. Er musste schnell von hier verschwinden. Seine Magie hatte sich noch nicht ganz erholt; Harry würde den Schulleiter nicht lange aufhalten können. Er hielt den Schutzzauber mit einer Hand vor sich aufrecht, während weitere Zauber an ihm abprallten und stand langsam auf, wobei er direkt in die Augen des Schulleiters schaute.
Fawkes trillerte traurig und Dumbledore hielt inne, als sein Blick zu dem Phönix und wieder zu Harry flackerte. Harry nutzte diesen Moment der Ablenkung, um eine Hand auf das Fenster zu richten. Ein Schockzauber zerschmetterte das Glas und einen Moment später sprang Harry durch die Öffnung.
Er vollführte einen Hechtsprung, wobei er stumm "Arresto Momentum" warf, um seinen Fall zu bremsen. Er verwandelte sich in seine Panthergestalt und in dem Moment, als seine Pfoten den Boden berührten, sprintete er davon. Dann führte er einige Ausweichmanöver durch, als er spürte, wie Zauber in seine Richtung geworfen wurden. Als er fühlte, wie ein Aufrufezauber versuchte, ihn zurück zum Schloss zu ziehen, ließ er eine Magiewelle losbrechen, um den Zauber aufzulösen.
Er erreichte schnell die Tore am Rande der Schutzzauber. Nachdem er sie durchquert hatte, verwandelte er sich zurück in seine menschliche Gestalt und drehte sich um. Er konnte die Silhouette des Schulleiters gerade noch sehen. Er stand am Fenster seines Büros, als Harry mit kaum einem Flüstern disapparierte.
ENDE Taking Control
AN: am 15. gehts mit dem Sequel "Free Life" weiter
