Als ich nach einem erholsamen Schlaf meine Augen öffne lächle ich. Es war schon etwas länger her, seit dem ich meinen Tag mit einem Lächeln begonnen habe und es fühlt sich so gut an. Ich muss diesen Moment auskosten und das Gefühl genießen. Während ich mich unter der Decke ausstrecke, sinke ich noch einmal in meinen Polster. Aber die Tatsache, dass ich aufstehen muss, hilft da nicht.

Endlich stehe ich auf und gehe ins Badezimmer. Frisurtechnisch mache ich heute eine Mischung aus einem Zopf und einem unordentlichen Knoten und trage dazu nur ein bisschen Lipgloss auf. Als ich wieder zurück in meinem Schlafzimmer bin, wähle ich ein graues Shirt, Jeans, einen grünen Kapuzenpulli und graue Ballerinas aus, weil ich mich heute wohl fühle. Ich gehe hinunter um das Frühstück zuzubereiten und bekomme fast einen Herzinfarkt, als ich durch das Wohnzimmer laufe. Wie konnte ich Christian nur vergessen? Ich atme tief ein um meine Fassung wiederzuerlangen und betrachte ihn. Besser gesagt: Betrachte sie, denn Andy liegt auf seiner Brust und schnarcht. Christian hat einen festen Griff um ihn und schläft mit einem Arm über seinen Augen. Ich mache ein Foto mit meinem Handy, dreh mich dann um und gehe in die Küche, um mit dem Zubereiten des Frühstück zu beginnen. Ich gehe davon aus, dass Christian ein Kaffeemensch ist, also mache ich Kaffee für ihn, Kakao für die Kinder und Tee für mich. Nach ein paar Minuten kommt Christian in die Küche und gähnt.

„Guten Morgen, Christian. Wie hört sich Kaffee für dich an?" frage ich ihn ein bisschen gestresst.

„Ich würde für einen Kaffee sterben", gibt er zu.

Ich gluckse, weil ich Recht hatte. Manchmal scheint er so durchschaubar zu sein. „Wie hast du geschlafen?"

„Die Couch ist etwas zu kurz für mich. Ich fühle jeden einzelnen Muskel in meinem Körper schmerzen. Ich habe irgendwie nur drei Stunden geschlafen und ich denke, ich bin dazu bereit, wieder in unserem Bett zu schlafen", sagt er vorsichtig und schaut verzweifelt aus.

Ich seufze. Ich weiß nicht, ob ich dafür schon bereit bin. „Wir werden sehn. Was willst du essen?" frage ich, seine Bitte ignorierend.

„Ein Omlette, bitte", antwortet er.

„Bin schon dabei. Könntest du bitte Tommy und Andy aufwecken und den Tisch decken?" trage ich ihm auf.

"Yeah", sagt er und verlässt den Raum. Ich nehme die Marmelade und die Erdnussbutter und mache Sandwiches. Bald kommen auch schon die Burschen zu mir gerannt und geben mir Küsse. Ich sag ihnen, dass sie Christian helfen sollen, den Tisch zu decken und flüstere ihnen ins Ohr, dass sie nicht vergessen sollen, ihn für vier zu decken. Motiviert schleifen sie Christian auch schon umher. Nachdem ich das Frühstück serviert habe, setze ich mich hin. Plötzlich habe ich den Drang, Christian etwas zu ärgern und sage: "Christian, hast du etwas dagegen, das Gebet für uns zu sprechen?" Er schaut verzweifelt und ich muss mir auf die Lippe beißen, um das Lachen zu unterdrücken. „Biiiiiiiitte?" Ich lächle süß. "Ok, ich versuchs", sagt er und faltet seine Hände. Ich schaue hinunter um mein Lachen weiterhin zu unterdrücken und genieße die Show .

„Wir bitten dich, Vater im Himmel, segne diese Speisen die du uns so reichlich geschenkt hast … ähm … und ah und wenn ich auch wandere im finsteren Tal, wo nichts zu essen wächst, so füchte ich äh keinen Hunger … ähm … unser täglich Brot gib uns heute und ah zum Wohle des Volkes erkläre ich, kraft meines mir verliehenen Amtes, diese Mahlzeit äh für eröffnet. Amen."

"Amen!" rufen die Kinder und beißen in ihre Sandwiches. Ich lächle. Ich weiß nicht warum, aber ich fühle mich so sorglos und glücklich wie schon lange nicht mehr. Christian betrachtet mich und ein kleines Lächeln breitet sich auf seinem Gesicht aus. Er isst sein Omelette und nachdem er fertig ist, fragt er mich:

„Also was ist der Plan für heute?"

„Ich habe mir heute frei genommen, also wird dein Vater die Kinder abholen und den Tag mit ihnen verbringen. Und wir könnten etwas, du weißt schon, ins Schwitzen kommen", sage ich in einer verführerischen Stimme.

Seine Kinnlade fällt herunter. Ich kichere. „Nur die Ruhe, Tiger, ich meine die Gartenarbeit. Ich werde dir alles zeigen und du kannst beginnen. Währenddessen kommt Kate vorbei und wir werden einen Schönheitstag einlegen, weißt du, meinen Körper instand setzen und ihn so behandeln wie er es verdient … vielleicht ein gutes Buch lesen." Ich lächle als ich an meinen Schönheitstag denke, den ich absolut verdiene.

„Das ist fair!" sagt er ohne auch nur zu versuchen, seinen Sarkasmus zu kaschieren. „Aber du könntest mir wenigstens eine deiner leckeren Mahlzeiten zum Mittagessen machen."

„Abgemacht!" sage ich und wir schütteln die Hände.

Nach dem Frühstück räumen die Buben den Tisch ab, Christian macht den Abwasch und ich wische den Tisch ab. Danach sitze ich auf dem Sofa und trinke eine Tasse Tee. Yeah, so habe ich mir das vorgestellt: Die Männer arbeiten und ich tue nichts. Das sollte mein Leben sein! Nach einer Weile klopft jemand an der Tür. Ich stehe auf und mache auf. Es ist Ray, der die Kinder abholt. Sie springen in seine Arme, umarmen und küssen ihn. Christian kommt langsam aus der Küche und schaut gespannt. Also stelle ich die beiden vor. Ray weiß alles über unser kleines dreckiges Geheimnis und spielt mit. Er nickt und sagt: "Sohn!" Eine unangenehme Stille beginnt, aber dann scheuchen die Kinder Ray auch schon aus dem Haus. Sie steigen in Rays Auto und fahren davon. Ich winke noch zum Abschied und schließe die Tür. Zwei Männer weg, einer noch da. Ich drehe mich um und stehe vor Christian, der mich beäugt. Ich lege meine Hände auf seine Arme und drücke sie ein wenig. "Hhhhmmmm, mal sehen, ob du stark genug bist für die Arbeit, die ich für dich im Sinn habe!" sage ich und lächle. Er spannt die Muskeln an und mein Mund wird trocken. Ich schlucke und er lacht leise. „Weniger lachen, mehr arbeiten, Mister!" Ich versuche streng zu klingen.

Ich nehme seine Hand und ziehe ihn hinter mir her, bis wir vor der Hintertüre stehen und ich sie öffne. Er schnappt nach Luft. „Ja, ich weiß. Kein Wunder, dass es so billig war. Aber mit ein bisschen Fleiß wird es ein Garten Eden." versuche ich ihn zu motivieren.

"Yeah. Sowas Ähnliches hast du schon beim Haus gesagt", sagt er skeptisch.

„Du hattest immer Probleme mit deiner Vorstellungskraft, aber mach dir nichts draus! Das ist auch ein Grund, aus dem du mich geheiratet hast", sage ich stolz.

„Das und was noch?" sagt er sogar noch skeptischer.

Arsch! „Meine Kochkünste zum Beispiel", sage ich schnell und ohne nachzudenken.

"Yeah? Ich habe um deine Hand angehalten, nachdem du Pizza für mich gemacht hast?" spottet er.

„Eigentlich war es ein Schokoladenkuchen. Dreifach Schokolade. Ein Hauch von Haselnuss. Mit Schlagobers. Na? Jetzt bist du sprachlos, nicht?" kichere ich.

„Ja, allerdings. War ich Drogenabhängig oder so?" fragt er verständnislos.

„Naja, du warst und bist noch immer abhängig von mir, Süßer" Ich liebkose seine Wange.

„Dann solltest du mir aber Nachschub garantieren, um mich bei der Stange zu halten, Schatz. Zum Beispiel könntest du mich in deinem Bett schlafen lassen", sagt er in einer ernsten Stimme.

„J..NEIN!" lächle ich. „Erst arbeitest du hart und dann verhandeln wir. Aber sag nicht Schatz zu mir, ich bin kein Schatz."

„Liebling?" fragt er.

„Nein. Das auch nicht. Niemals." Ich schüttle meinen Kopf.

„Nun, wir sind verheiratet, darf ich dich anders nennen als Ana?" überlegt er.

„Zuckerschnecke. Oder Honigkuchen, Pfläumchen, alles Essbare. Du kannst mich nach Essen benennen", erkläre ich.

Er seufzt, legt seine Hände auf mein Gesicht, gibt mir einen sanften Kuss auf meine Lippen und sagt: „Ich liebe dich so sehr, Schweinerippchen!"

Was. Zum. Teufel. War. Das? Hat er gerade gesagt, dass er mich liebt, als ob er es wirklich meinen würde? Schmetterlinge fangen an in meinem Bauch zu fliegen, nur um gleich danach wieder zu sterben, weil mir bewusst wird, dass er natürlich glaubt, dass er mich liebt, weil er ja glaubt, dass wir verheiratet sind. Ich lächle ihn an, weil es ja nicht seine Schuld ist. Ich drehe mich zum Garten und beginne ihm zu erklären, was ich mir vorgestellt habe:

„Schau, dort ist ein Geräteschuppen. Ich schlage vor, am Anfang schaust du, welches Werkzeug du hast und was du brauchen könntet. Dann könntest du dich um die Pflanzen kümmern, weißt du, sie zurückschneiden und so. Dann kannst du den Sperrmüll sortieren in recyclebar und unbrauchbar. Letztendlich will ich einen Spielplatz für die Jungs haben, einen kleinen Kräutergarten, einen kleinen Gemüsegarten. Der Geräteschuppen kann bleiben."

„Das ist alles was du willst?" fragt er erwartungsvoll.

„Ja", sage ich und lächle. Wenn er das schafft, dann ist er wirklich gut.

„Ich meine, wir könnten auch ein Elefantengehege, eine Rennbahn oder eine Raketenabschussrampe bauen", schlägt er vor.

„Oh das wäre super." Ich klatsche aufgeregt in die Hände.

Er kichert und schüttelt seinen Kopf.

„Nun gut, wer rastet der rostet. Mach was und ich mach jetzt mal nichts außer gut auszusehen, mit einem guten Buch und einer Kanne voll Tee. Mmmmmhhh." sage ich und drehe mich um. Ich gehe in das Haus und singe vor mich hin: "Zippedy Doo-Dah. Zippedy Yo. Mach es wie ich, sei wieder mal froh …" Ich mache mir eine Kanne voll Tee und warte auf Kate.

Dreißig Minuten später klopft Kate an die Tür. Ich öffne sie mit einem fetten Grinser.

"Ana Bandana, bist du bereit für eine Rundumerneuerung?" fragt sie voller Elan.

„Wow, danke Kate! Sehe ich so furchtbar aus?" kichere ich. In letzter Zeit hatte ich wirklich nicht viel Gelegenheit, um meinen Körper zu pflegen, also bin ich froh über diesen Vormittag.

„Nein, aber ich denke, es ist Zeit um etwas für dich zu tun, Schätzchen", sagt sie während sie mir den Arm um meine Schultern legt. Wir gehen in die Küche, wo ich einen Kaffee für Kate mache. Plötzlich schreit sie: „Heilige Scheiße, was ist das? Ist das überhaupt legal?" Sie zeigt in Christians Richtung, der sich gerade vorne über beugt und uns seinen geilen Arsch zeigt.

"Yeah, ich muss mich konzentrieren, dass ich nicht den ganzen Tag sabbere", kichere ich.

"Annie, und ich dachte, dass du ein schwerer Fall wärst. Gut für dich. Es scheint, als ob das die Zeit deines Lebens wird", sagt sie und stubst mich in die Seite.

"Kate, bitte, sei nicht lächerlich. Ja, ich hoffe, dass er mit dem Garten fertig wird, sodass ich es nicht alleine machen muss, aber abgesehen davon ist da nichts", sage ich, um den Gedanken zu verwerfen.

„Richtig. Dann lass uns mit dem Schönheitstag beginnen!" kreischt sie freudig.

Später will ich mit dem Kochen des Mittagessens beginnen, also gehe ich in die Küche während Kate eine Gesichtsmaske einwirken lässt. Als ich das Gemüse wasche, schaue ich beiläufig aus dem Fenster und erstarre. Christian hackt Holz. Mit freiem Oberkörper. Schwitzend. Ich sabbere. Was für ein schöner … ANA! Wehe, du denkst den Gedanken zu Ende. Er ist der Feind, vergiss das nicht. Er hat dich gefeuert, obwohl deine Arbeit gut war. Hmmmm, richtig, ich zwinge mich, mich umzudrehen und wegzugehen von dieser Ansicht. Ohne groß nachzudenken, nehme ich ein Glas, fülle es mit Limonade und gehe durch die Hintertür. Bevor ich wieder denken kann, stehe ich vor diesem Adonis. Oh Scheiße, neben ihm fühle ich mich wie eine 13-Jährige, die ihren Schwarm um eine Verabredung bittet. Ich komme wieder zu mir und strecke meinen Arm aus, um ihn das Glas zu reichen. Er nimmt es, starrt mich an, leert er das Glas in einem Zug und gibt mir das leere Glas, ohne dass er einmal den Augenkontakt bricht. Plötzlich bricht er das Schweigen und sagt zu mir: „Lächle doch mal! Es ist das Zweitbeste, was du mit deinen Lippen tun kannst!" Ich erröte etwas, nehme das Glas und gehe zurück in die Küche. Ich stehe schon wieder am Fenster und beobachte diesen griechischen Gott. Christian fährt mit seiner Arbeit fort und ich habe noch immer das Glas in meiner Hand. Ich schaue auf das Glas, bringe es zu meinem Mund und lecke es ab. Iiiiiiiiieeeeeehhhhhhh! Ana, du bist ekelhaft. Aber es ist gleichzeitig auch so heiß. Du unanständige, unartige Annie. Ich denke, ich muss das mit dem Sexsklaven noch einmal überdenken. Ich mache ein Foto mit meinem Handy, nur für den Fall.

Am Nachmittag bringt Ray die Buben zurück. Ich entscheide, dass wir alle zum Supermarkt gehen sollten, weil ich ein paar Lebensmittel für das Abendessen brauche. Tommy und Andy haben schlechte Laune, also versuche ich es, so kurz wie möglich zu halten. Christian und ich trennen uns und jeder von uns nimmt ein Kind, um die Sache zu beschleunigen. Nach ein paar Minuten will Andy, dass ich ihm Schokolade kaufe, aber ich verbiete es. Er ist so eine Naschkatze und isst kaum eine richtige Mahlzeit. Plötzlich hat er einen Wutanfall und weint, schreit und lässt sich auf den Boden fallen, während er mit den Armen und Beinen rudert. Ich fühle mich hilflos und verlegen, weil einige Leute schon schauen. Ich versuche, ihn zu beruhigen, aber es klappt nicht. Eine ältere Dame kommt zu mir und schnauzt mich an: „Sie und Ihr Balg sollten schleunigst das Geschäft verlassen, keiner will sich das mitansehen müssen!"

Mir kommen die Tränen und ich schaue nach unten, um mich vor all den Blicken zu verstecken. Ich weiß nicht, was ich anderes tun soll als Andy zu umarmen um ihn zu beruhigen. Das nächste, was ich mitbekomme, ist eine strenge Stimme:

„Und Sie sind erwachsen auf die Welt gekommen? Wow, das muss ja ein Spektakel gewesen sein. Ihre arme Mutter!" sagt Christian und kniet neben mich. Er hat Tommy an seiner Seite und streichelt mir den Rücken.

„Wissen Sie was? Ich bete für Ihre verlorene Seele! Unglaublich!" antwortet die Dame.

Christian baut sich zu seiner vollen Größe auf und macht einen Schritt vorwärts. „Wenn Sie schon meinen Namen murmeln, sollten Sie es zumindest während der Selbstbefriedigung tun. So hat zumindest einer etwas davon", blafft er und die Dame schnappt nach Luft. Als er sich zu mir umdreht, fährt er fort: „Komm schon, lass uns gehen, dieser Ort stinkt nach Unverständnis!"

Ich nicke, nehme Andys Hand und wir verlassen das Geschäft ohne etwas zu kaufen. Ich bin etwas erschüttert und atme tief ein, um mich zu beruhigen. Diese Szenen gehen mir jedes Mal an die Nieren. Christian legt seinen Arm um meine Taille um mich zu stützen und sagt: „Wie wärs, wenn wir uns eine Pizza liefern lassen und einen Familienfilmabend machen?" Tommy und Andy klatschen mit den Händen, hüpfen und schreien voller Zustimmung. Ich lächle, unfähig etwas zu sagen, und bin froh. Niemand hat mich seit Brads Tod in der Öffentlichkeit verteidigt. Das ist ein gutes Gefühl.

Zuhause bestellen wir Pizza und die Kinder suchen sich einen Film aus. Monster AG ist ihre Wahl. Christian zahlt für die Pizza und ich bringe zusätzliche Polster und Decken. Wir machen es uns gemütlich und essen. Tommy beginnt ein Gespräch.

„Also Dad, in vier Wochen gibts eine Vater-Sohn-Bowling Veranstaltung, die von unserer Schule organisiert wird und ich habe mich gefragt, ob du da mit mir hingehst?" fragt er unsicher.

Ich schlucke. Ich hab das total vergessen. Tommy hat mir das erzählt und ich habe versucht, es ihm auszureden. Es scheint, als ob ich es nicht geschafft hätte.

„Natürlich, warum sollte ich nicht?" fragt Christian verwirrt.

Tommy sieht ihn zweifelhaft an. „Du warst nie mit mir auf so einer Veranstaltung."

Er ist eigentlich wirklich gut.

„In Ordnung. Du kannst auf mich zählen, ich werde 100%ig da sein." versichert Christian ihm.

„Super Dad!" sagt er, lächelt und beißt in sein Stück Pizza.

Ich hoffe wirklich, Christian hat sich bis dahin nicht schon wieder an alles erinnert. Ich schiebe diese Möglichkeit gedanklich zur Seite und esse weiter.

Nach dem Abendessen relaxe ich auf dem Sofa und kuschle mit meinen Kindern. Christian sitzt am anderen Ende des Sofas, also lege ich meine Füße auf seine Schoß. Er schreit gleich: "Oh mein Gott, Ana, willst du mich umbringen? Deine Füße sind eiskalt!" „Aber du weißt schon, dass du der Mann bist? Es ist deine evolutionäre Aufgabe, heiß zu sein und meinen Körper zu wärmen!" sage ich. Er lächelt und beginnt damit, meine Füße zu massieren. Oh Ich bin im Himmel! Meine Kinder links und rechts und mein heißer Sklave bei meinen Füßen. Nach ein paar Minuten schlafe ich ein.

Ich wache auf als Christian Andy nach oben ins Kinderzimmer trägt, während Tommy offensichtlich schon dort ist. Ich reibe meine Augen und gähne. Oh nein, jetzt bin ich wach. Christian setzt sich zu mir auf die Couch.

„Jetzt, da ich wach bin, kann ich nicht mehr schlafen", sage ich in einer schläfrigen Stimme.

„Ok, also könnten wir einen anderen Film anschauen", schlägt er vor.

„Super. Du machst Popcorn, ich such den Film aus", weise ich an.

Während er in die Küche geht, schau ich durch die DVDs und wähle ‚Es'. Ich habe ihn noch nie gesehen obwohl es ein Klassiker ist. Brad und ich haben kaum ferngesehen. Wir waren beide Bücherwürmer und haben abends eher gelesen. Jetzt gibts nur wenige Abende, an denen die Kinder schlafen und ich wach bin - und nicht weine. Christian kommt zurück mit einer Schüssel Popcorn und zwei Biere während ich das Licht abdrehe und Play drücke. Als ich mich auf die Couch setze, sage ich: „Lass uns knuddeln, dann kann ich deine Körperwärme stehlen!" und er folgt, legt seinen Arm um mich und zieht mich zu ihm. Jap, that's the way uh huh uh huh I like it uh huh uh huh. Obwohl es ein älterer Film mit schlechten Spezialeffekten ist, erschrecke ich einige Male. Christian lacht mich immer aus wenn ich zusammenzucke und ich gebe ihm einen Klaps auf den Bauch. Einmal halte ich mir wegen einer gruseligen Szene meine Augen zu und bitte ihn, mir Bescheid zu sagen, wenn sie vorbei ist. Als ich „Vorbei!" höre, schaue ich auf den Bildschirm und sehe den ganzen Jump Scare und schreie Zeter und Mordio. Er lacht sich einen Ast ab. Ich werfe einen Polster auf ihn und schreie:

„Das ist nicht lustig, Mister! Heute Nacht schläfst du auf dem Sofa!"

„Komm schon, Ana, meine kleine Zuckerstange, wird es irgendwann einmal eine Zeit geben, in der ich wieder in dein Bett darf?" fragt er verzweifelt.

„Nicht mit diesem Benehmen! Oh ich bin grad so sauer auf dich!" Ich schmolle und beiße auf meine Lippe. Um ehrlich zu sein: Wenn ich sage, dass ich auf ihn sauer bin, würde ich am liebsten von ihm gegen die nächste Wand gedrückt und geküsst werden, bis der Notarzt kommt. Es ist interessant, dass Ärger und Erregung Gefühle sind, die ich oft in rascher Abfolge erlebe, zumindest mit ihm.

Nachdem der Film zu Ende ist, machen wir uns auf den Weg ins Badezimmer und putzen unsere Zähne. Wir sehen beide in den Spiegel über dem Waschbecken und ich gebe ihm den bösen Blick. Er kichert. Nachdem er fertig ist, klapst er mir auf den Hintern, beugt sich zu mir und reibt ihn danach während er in mein Ohr flüstert: „Ich werde definitiv in dein Bett steigen. Bald. Gute Nacht, Mrs. Steele!" Dann geht her hinaus und lässt mich zurück. Was war das? Ich denke nicht, dass ich jemals von irgendwem versohlt worden bin. Ich starre auf mein Spiegelbild und verstehe meine Gefühle nicht. Ich hab die kleine Haue gemocht, verdammt nochmal. Ich gehe in mein Schlafzimmer und ziehe mich um. Im Bett wälze ich mich hin und her und falle in einen seltsamen Traum. Es geht um perverse Züchtigungen und graue Augen.

Mitten in der Nacht bekomme ich Durst, also gehe ich in die Küche. Als ich durch das Wohnzimmer streife, sehe ich Christian am Tisch sitzen, wo er eingeschlafen ist, mit seinen Händen noch immer am Laptop. Ich seufze, trinke mein Glas Wasser und gehe zu ihm rüber. Ich gucke auf den Bildschirm. Was machst du mitten in der Nacht? Es sind ein paar Tabs offen mit Webseiten, auf denen er offensichtlich nach Ideen für den Garten sucht. Ich kann es kaum erwarten, bis ich es in Echt sehe. Dann sind da ein paar Tabs darüber, wie man mit Kleinkindern und Schulkindern umgeht - er hatte bis jetzt offensichtlich keinen Kontakt zu Kindern. Süß. Aber dann erstarre ich. Auf der letzten Webseite erscheint ein Blogeintrag mit der Überschrift ‚Leben in einer lieblosen Ehe: Wird meine Ehe jemals besser werden?'. Oh Scheiße. Bin ich so unerträglich? Ich fühle mich unsicher. Ich dachte, ich wär eine liebenswerte Person, sogar wenn ich etwas kühler bin als sonst. Ich schließe den Laptop und umarme ihn von hinten, küsse ihn auf seinen Kopf und flüstere in sein Ohr: "Christian?" Er bewegt sich und plötzlich schnellt sein Kopf in die Höhe. "Christian, du bist am Tisch eingeschlafen. Komm, leg dich auf das Sofa", sage ich. „Natürlich", murmelt er und gähnt. Er streckt sich und steht auf, sieht mich an und blinzelt mit seinen Augen. Ohne nachzudenken wickeln sich meine Hände um seine Mitte und ich umarme ihn ganz fest. Ich will kein Hausdrache sein, also zeige ich ihm ein bisschen Zuneigung. Er drückt mich zu sich und hält mich fest. Und dann passiert etwas: Als ich ihn loslassen will, umarmt er mich noch fester. Oooooooohhhhh, ist das nicht romantisch? Er will mich nicht gehn lassen. Ich genieße es für ein, zwei Minuten und flüstere dann: „Bald" und gebe ihm einen Kuss auf seine Lippen. Und noch einen. Und einen zum Mitnehmen. Ich drehe mich um und gehe zu meinem Bett. Scheiße. Nicht, dass ich die ganze Zeit rollig bin, er ist nur immer so total sexy. Selbstbefriedigung ist mehr als nur eine Vor-Liebe. Oh ja, du weißt es, ich weiß es, wen woll'n wir verarschen? Also ist es an der Zeit, die Klitarre zu spielen.