CPOV
„Was ist mit dir los? Was hat sie nur mit dir angestellt?", fragt sie zornig.
„Lass sie aus dem Spiel, Elena, das braucht dich gar nicht zu interessieren. Ich will nichts mehr von ihr hören, weil ich das Kapitel hinter mir lassen will. Nun bin ich wieder da und es ist wieder alles in Ordnung" blaffe ich sie an.
„Heißt das, du willst sie damit durchkommen lassen? Du willst nicht zur Polizei gehen?", fragt sie ungläubig.
„Ja genau das heißt es. Es ist doch kein Schaden entstanden und ich will mich nicht mehr mit der ganzen Sache beschäftigen", erkläre ich genervt.
„Du hast dich doch hoffentlich nicht in sie verliebt?! Wie oft soll ich dir noch klar machen, dass Liebe nur etwas für Narren ist? Das hat keine Zukunft, schon gar nicht mit kleinen Kindern. Du würdest ihnen nur einen großen Schaden zufügen, so wie dir deine leibliche Mutter und ihr Zuhälter geschadet haben. Willst du, dass ihnen so etwas passiert?", fragt sie. Elena versucht mir offensichtlich ein schlechtes Gewissen zu machen und sie schafft das auch. Ich will weder Ana noch die Kinder in irgendeiner Weise verletzen, aber so wie ich mich kenne, würde ich unabsichtlich genau das tun. Ich seufze.
„Ich weiß, was ich tue, ok? Meine ganze Energie wird in der nächsten Zeit in meine Firma fließen, damit sich meine Abwesenheit in keinster Weise auf meine Angestellten auswirkt, die auf meinen Erfolg angewiesen sind. Nur weil ich fast zwei Wochen lang weg war heißt das noch nicht, dass ich meinen Lebensstil und meine Überzeugungen einfach so über Bord werfe!", zische ich und gehe zu meiner Bar, wo ich mir ein Glas Bourbon genehmige. Die Frau nervt einfach nur. Nicht nur das, ich muss die Zügel wieder etwas enger nehmen, sonst glaubt sie noch, dass sie sich als Chefin aufspielen kann. Ich wende mich von ihr ab und gehe zum Fenster. Nach einem Schluck, der sich langsam meinen Hals herunterbrennt, flüstere ich:
„Lass mich jetzt bitte alleine!" Wortlos steht sie auf und verlässt den Raum.
Ich spiele mein Gespräch mit Elena noch einmal in meinem Kopf durch und muss entsetzt feststellen, dass genau das passiert ist, was sie mir vorgeworfen hat. Ana hat es in knapp zwei Wochen geschafft, mein Weltbild auf den Kopf zu stellen und mich nach Liebe und Familie sehnen zu lassen. Scheiße! Ich denke, wenn man nie solche Gefühle hatte, ist es leicht, ohne zu leben, aber jetzt, da ich Blut geleckt habe, bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich so weiterleben kann wie bisher. Ob ich Elena heiraten und mir dadurch die Chance auf echtes Glück verbauen kann.
Mein Kopf fühlt sich an, als ob er gleich platzen würde und mein Brustkorb schnallt sich gefährlich fest um meine Lungen. Meine Hände umklammern mein Glas immer fester, bis meine Fingerknöchel ganz weiß sind. Ich fange an, immer schneller zu atmen und mache die ersten zwei Knöpfe meines Hemdes auf. Um mich zu beruhigen schließe ich meine Augen und versuche, mich an etwas Schönes zu erinnern. Ich muss an Tommy und Andy denken, wie sie heute im Park ihre Runden gedreht haben. Wie ihre Gesichter vor Freude geleuchtet haben. Wie Ana in meinen Armen gelegen ist. Ihre blauen Augen. Als ich die Augen wieder öffne, bin ich ganz ruhig und fokussiert.
