CPOV
„Wie bitte?", sage ich verständnislos. Bei John ist es manchmal schwer, seine Gedankengänge nachzuvollziehen.
„Ich war vorhin beim Zahnarzt und er hat mich mit Lachgas betäubt, aber ich muss nicht lachen. Das ist doch interessant", sagt er und streicht mit seinem Finger über sein Kinn.
„Wenn Sie das sagen.", sage ich geduldig und warte, bis John sich thematisch wieder in unser Gespräch einklinkt. Er schüttelt verständnislos den Kopf, holt ein Megafon hinter seinem Sessel hervor und richtet es direkt auf mich.
„NEIN IST ES NICHT!", brüllt er hindurch. Dann legt er es wieder auf den Boden und fährt mit normaler Stimme fort: „Genauso wenig wie Ihr Gesülze. Wie war der Sex?" Ich zucke zusammen.
„Wie bitte?", frage ich schockiert.
„Ich bitte Sie, zwei Wochen mit einer Frau, die genau Ihr Typ und perfekt ist? Wie war der Sex?", fragt er noch einmal. Ich überlege.
„Phänomenal."
Er seufzt. „Und jetzt sind Sie wieder bei der alten Pädo-Hexe, was für eine Verbesserung. NICHT!", sagt er, das letzte Wort wieder durch das Megafon.
„Sie ist keine Pädo-Hexe!", verteidige ich sie wieder einmal.
„Ja, und den Weihnachtsmann gibt es wirklich. Nichtsdestotrotz: Und jetzt? fragt er und trifft damit den Nagel genau auf den Kopf. Er mag ein sehr unkonventioneller Psychodoc sein, aber er weiß genau, was er tut.
„Das ist genau das Problem denke ich. Ich habe permanent das Gefühl, dass etwas fehlt und ich nicht hierher gehöre. Ich war heute in meiner Firma und ja, es war am Anfang etwas schwierig, sich wieder an das Tempo zu gewöhnen, aber ab Mittag war es fast wieder wie früher. Aber im Privatleben hab ich die Befürchtung, dass es entweder sehr lange dauern wird, bis es wieder wie früher ist oder aber dass es nie wieder wie früher wird. Ich verstehe das einfach nicht. Ich war doch nur zwei Wochen bei einer ganz normalen Familie", sage ich und starre in die Luft.
„Ok Christian. Wir können das jetzt auf die kurze oder auf die lange Tour machen", sagt er und holt etwas hervor. Es ist eine Handpuppe, die er sich über eine Hand streift. Dann setzt er sich neben mich und hält mir den Puppenkopf ans Ohr. „Hallo Christian, hier spricht dein Gewissen! Heirate die Brünette und schick' die Pädo-Hexe in die Wüste!", flüstert er. Dann steht er wieder auf und setzt sich in seinen Sessel gegenüber von mir. Ich starre ihn an. Das kann er doch nicht ernst meinen, oder? Ich bin mir nicht ganz sicher, ob er meinen Monolog von vorhin vernommen hat.
„Das kann ich nicht machen!", sage ich entsetzt.
Dr. Flynn seufzt und zieht die Puppe von seiner Hand. Dann steht er auf und nimmt ein Zertifikat von seiner Wand und stellt es auf seine Schoß.
„Ach mein teurer Freund, warum macht keiner das, was der sagt, der den Scheiß studiert hat?", fragt er sein gerahmtes Zertifikat. Dann sieht er mich an. „Dann eben der lange Weg. Ich möchte ehrlich zu Ihnen sein: Titten und Ärsche in einer Stunde im Fernsehen, also werde ich es jetzt kurz machen. Ich möchte, dass Sie versuchen, nur einen Tag lang nicht an Ana oder die Kinder zu denken. Wenn Sie das geschafft haben, dürfen Sie wieder kommen. Und wenn Sie es nicht schaffen, was ich persönlich für wahrscheinlicher halte, dann kommen Sie in zwei Wochen wieder. Mahlzeit!", sagt er und steht auf. Ich stehe ebenfalls auf, schüttle seine Hand und gehe hinaus zum Auto. Ich bin verzweifelt und fürchte, mein kontrolliertes Leben wie ich es kannte zu verlieren. Und John scheint damit vollkommen einverstanden zu sein. Ich bin verwirrt.
