CPOV

Es ist Freitagabend und wir sind auf dem Weg nach Bellevue, da meine Mutter die alljährliche Wohltätigkeitsveranstaltung für Coping Together abhält. Es ist der erste öffentliche Auftritt seit meinem Unfall und die Paparazzi spielen wie gewohnt verrückt. Wir posieren für ein paar Bilder und ich drücke Elena einen Kuss auf den Mund. Dann gesellen wir uns zu den anderen Gästen, die schon im Garten stehen und sich über den neuesten Klatsch in der High Society unterhalten. Mia kommt auf mich zugerannt und umarmt mich stürmisch.

„Christian! Wie schön, dass du da bist!", quiekt sie und lässt mich dann wieder los. „Hallo Elena. Wie geht es dir?", fragt sie weniger enthusiastisch, aber noch immer sehr höflich.

„Danke, es geht mir gut. Ich habe gehört, dass du deiner Mutter bei der Dekoration geholfen hast und ich muss sagen, da ist dir wirklich ein Meisterwerk gelungen!", schnurrt sie in Mias Richtung. Das ist der Grund, warum Elena und ich so ein gutes Team sind – wir gleichen unsere Schwächen gegenseitig aus. Sie ist einfach gut darin, den sozialen Teil der Geschäfte zu übernehmen, während ich für die harten Fakten zuständig bin.

Ich frage Mia, wo unsere Eltern sind und entschuldige mich bei den beiden, um sie zu suchen. Als ich so durch die Menge streife, fällt mir auf einmal jemand ins Auge. Ich bleibe stehen und versuche zu erkennen, ob ich mich geirrt habe, als mich auf einmal jemand an der Schulter berührt und ich mich umdrehe.

„Mutter!", sage ich erfreut und küsse sie auf die Wange.

„Christian! Es ist so schön, dass du es geschafft hast. Sieh dich nur einmal um, es werden von Jahr zu Jahr immer mehr Menschen und immer mehr Spenden. Wenn ich daran danke, welche Fortschritte wir schon gemacht haben, seit dem ich diese Organisation gegründet habe, geht mir das Herz über!", berichtet sie voller Energie. Es ist schön, sie so lebhaft zu sehen. „Oh, und wen haben wir denn hier?", fragt sie und ich drehe mich wieder um.

„Mom, das ist Katherine Kavanagh, ihrem Vater gehört Kavanagh Media. Kate, das ist Dr. Grace Trevelyan-Grey, meine Mutter." Da habe ich mich wohl doch nicht geirrt. Ich sehe zu, wie sich die beiden die Hände schütteln und nehme zwei Weingläser von einem Kellner, der gerade an mir vorbeikommt.

„Wollt ihr einen Wein trinken?", frage ich höflich in die Runde. Kate nimmt dankbar ein Glas während meine Mutter ablehnt und sich mit einem Augenzwinkern entschuldigt. Als sie weg gegangen ist, sieht mich Kate an.

„Irgendwie komisch, oder? Das wir uns hier über den Weg laufen", sagt sie und nimmt einen Schluck.

„Naja, da gibt es aber wirklich schlimmeres denke ich. Wie geht's dir so, Kate?", frage ich interessiert und hoffe, dass sie den kleinen Hinweis versteht und mir auch von Ana und den Kindern erzählt.

„Ach, da gibt es nichts neues. Arbeit ist wie immer sehr hektisch und ich muss jedem auf die Nerven gehen, um an Interviews zu kommen. Privat hat sich auch noch nichts neues ergeben, ich suche noch immer meinen Märchenprinzen. Ich habe mich für die Versteigerung des ersten Tanzes gemeldet, wer weiß, vielleicht hab ich ja Glück!", sagt sie und kichert. Ich lächle sie an und warte, ob sie noch etwas erzählt. Ich glaube, sie versteht mein Anliegen, weil ihr Blick ernst wird.

„Sie ist ziemlich fertig. Die Kinder sind etwas neben der Spur und das zehrt an ihrer Kraft. Ray und ich helfen, wo wir können", sagt sie und nimmt noch einen Schluck Wein.

„Kate, pass bitte auf die drei auf und sag mir Bescheid, wenn sie etwas braucht!", sage ich ernst und plötzlich werde ich in die Seite geboxt. Genervt nehme ich meinen Bruder wahr, der sich nicht einmal auf solchen Anlässen richtig benehmen kann.

„Was geht, Bruderherz?", fragt er mich und checkt Kate offensichtlich ohne Scham aus.

„Geh zum Teufel, Lelliot!", kontere ich und ignoriere die Tatsache, dass Elliot Kate flachlegen will.

„Wo bleiben deine Manieren? Stell mich dieser reizenden jungen Dame vor!", befiehlt mir Elliot.

Genervt sage ich: „Elliot, Kate Kavanagh. Kate, Elliot Grey. Christian, Toilette. Toilette, Christian", und gehe in Richtung Tisch.