CPOV

Ich versuche so gut wie möglich, mein Pokerface beizubehalten und setze mich an unseren Tisch. Am liebsten würde ich sofort zu Ana fahren und das Wochenende mit ihr und den Kindern verbringen, aber das geht nicht. Um mich etwas abzulenken, zücke ich mein Handy und lese einige E-Mails. Elena kommt zu mir und kreischt schon wieder.

„Christian! Kannst du bitte aufhören, mit deinem Handy zu spielen und mit mir mitkommen, ich muss dir einige Leute vorstellen, komm!", sagt sie und nimmt mir mein Handy weg. Ich protestiere, aber Elena hört mir nicht zu und lässt mein Handy in ihrer Tasche verschwinden. Wir mischen uns unter die Leute und fangen mit dem Netzwerken an, Elenas Spezialität. Sie kann sich jedes kleinste Detail von den Leuten merken, die mich so überhaupt nicht interessieren.

Bald darauf wird zu Tisch gebeten und das Essen serviert. Ich seufze erleichtert und unterhalte mich mit Elliot, der neben mir sitzt, und es ist wie damals, als wir noch kleine Kinder waren. Er macht blöde Witze, über die ich herzlich lachen muss und ich genieße es, dass er für mich den Clown macht. Ich weiß nicht warum ich es als Kind und Jugendlicher nicht so genießen konnte wie jetzt gerade. Langsam hab ich das Gefühl, dass ich etwas wichtiges in meinem Leben verpasst habe und das pisst mich an.

Nach einiger Zeit spielen wir sogar unser Spiel, das wir früher bei solchen Veranstaltungen immer gespielt haben: Wir suchen uns irgendwo zwei Leute, die miteinander reden und versuchen, die Konversation zu synchronisieren. Mit Elliot ist das immer ein Erlebnis und ich frage mich ernsthaft, was in seinem Leben schief gelaufen ist, da er immer mit den absurdesten Sätzen aufwarten kann.

Nach dem Essen beginnt die Versteigerung des ersten Tanzes und wie angekündigt ist Kate mit dabei. Als sie von dem Conférencier vorgestellt wird, bietet Elliot natürlich gleich mit. Nach einiger Zeit ist das Gebot schon bei 20.000 Dollar und Elliot ist dabei zu gewinnen, doch ich kann nicht anders, als ihn zu nerven.

„30.000 Dollar!", rufe ich und grinse. Elliot sieht mich mit weit aufgerissenen Augen an und erhöht sogleich auf 40.000 Dollar, während Elena entsetzt nach Luft schnappt.

„Es ist doch für einen guten Zweck!", sage ich zu Elliot. „50.000 Dollar!", rufe ich wieder und kichere. Elena legt ihre Hand auf die meine und zischt mir ein „Christian, Schatz, das macht kein gutes Bild in der Öffentlichkeit!", zu. Elliot boxt mich in die Seite und zischt: „Christian, was machst du da?" während er auf 60.000 Dollar erhöht.

„Ich stricke mir einen Pullover!", flüstere ich ihm zu bevor ich „70.000 Dollar" rufe. Elena tritt mir gegen mein Schienbein. Ich finde es nur amüsant und ein breiter Grinser breitet sich auf meinem Gesicht aus.

„150.000 Dollar" ruft Elliot und im ganzen Saal wird es sofort leise. Ich sehe zu ihm und er starrt mich finster an.

„Ok, ok, ich sag' schon nichts mehr!", beschwichtige ich mit erhobenen Händen.

„150.000 Dollar zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten. Verkauft an Mr. Elliot Grey!", ruft der Conférencier und Kate strahlt über das ganze Gesicht. Ich beglückwünsche Elliot und bestehe darauf, den Tanz für ihn zu bezahlen, um meine Intervention wiedergutzumachen.