APOV
Ich stehe nun direkt vor ihnen, als Andy etwas zwar leise, aber noch hörbar sagt: „Daddy!"
Warte, WAS? Ich drehe mich um und sehe, dass am Eingang niemand anderer als Christian steht, der gerade mit der Dame von der Anmeldung spricht, die seinen Reizen total erlegen scheint. Mir fällt die Kinnlade herunter, als er ihre Hand schüttelt und beladen mit einer Sporttasche in unsere Richtung kommt. Als er den halben Weg zurückgelegt hat, stürzen meine Kinder in seine Richtung und als er sie entdeckt, kniet er nieder und breitet seine Arme aus. Sie umarmen sich und man sieht, wie sehr sie noch immer an ihm hängen. Aber auch Christian scheint die Jungs vermisst zu haben und sieht aus, als ob eine zentnerschwere Last von seinen Schultern gefallen wäre. Ich schaue verzweifelt zu Ray, aber er lächelt mich bestärkend an, was meine Panik aber nicht im geringsten lindert. Christian, Tommy und Andy kommen nun zu uns herüber und Tommy rennt voraus.
„Mama, Mama, er ist da! Er ist da! Er hat gesagt, dass er 100%ig kommt und nun ist er da! Ich habe genau gewusst, dass er kommt!", ruft er mir zu und strahlt übers ganze Gesicht. Ich bin etwas überwältigt, da mich die ganze Situation einfach nur überfordert und als Christian Ray begrüßt, stürze ich mit einer knappen Entschuldigung Richtung Toilette.
Ich sitze in einer Kabine und versuche, mich zu sammeln, nachdem mich mein schlechtes Gewissen fast um den Verstand bringt. Ich dachte nicht, dass ich ihm je wieder von Angesicht zu Angesicht gegenübertreten müsste, aber nun ist er hier, sieht verdammt gut aus, riecht so gut, dass ich ihn von oben bis unten ablecken könnte und bringt meinen Hormonhaushalt einfach so durcheinander. Ich würde ihn definitiv nicht von meiner Bettkante stoßen, wenn er mich fragen würde. ‚Er wird dich sicher nicht fragen! Er ist zu seiner Verlobten zurück gegangen! Und du solltest jetzt auch zurück gehen, da du dich sicher nicht die ganze Zeit auf der Toilette verstecken kannst' denke ich mir. Scheiße. Ich stehe auf und gehe zum Waschbecken, wo ich mir etwas kaltes Wasser ins Gesicht spritze. Ich schaue in mein Spiegelbild und sage in einem herrischen Ton: „Reiß dich zusammen, Annie. Geh da jetzt raus und benimm dich wie ein erwachsener Mensch!"
Als ich wieder auf dem Rückweg bin, hat der Wettkampf auch schon begonnen und Tommy feuert Christian an, der gerade an der Reihe ist. Ray filmt die ganze Sache im Hintergrund während Andy lauthals jubelt. Christian wirft gerade seine Bowlingkugel, als ich zu dem kleinen Tisch gehe, um mir mein Getränk zu holen. Christian beobachtet die Kugel auf ihrem Weg zu den Pins, als er ein paar Schritte nach hinten macht und genau mit mir zusammenstößt. Obwohl der Zusammenstoß nicht heftig war, verliere ich natürlich wie immer mein Gleichgewicht und als ich auf meinem Hintern lande, verteilt sich mein Getränk dabei quer über mein Oberteil. Christian entschuldigt sich natürlich gleich, doch ich winke es nur ab.
„Schon gut, schon gut! Du kennst mich, das passiert mir doch andauernd!", beschwichtige ich ihn und bin so froh, schon wieder einen Grund dafür zu haben, mich von ihm zu entfernen. Ich gehe also zu meinem Auto, wo ich immer eine komplette Garnitur Reservekleidung für mich und die Kinder aufbewahre, und ziehe mich dort kurzerhand um. Wie gesagt passiert mir so etwas öfters.
