APOV

Als ich auf meinem Rückweg beim Buffett vorbei komme, bekomme ich sofort Heißhunger auf etwas Süßes, also lade ich mir ein paar Stücke von der Wassermelone auf meinen Teller, bevor ich mich zu unserer Bowlingbahn begebe und eine mir so bekannte Stimme vernehme.

„Mrs. Steele! Wie schön zu sehen, dass sie sich die Zeit für ihr Kind genommen haben, das wird ihm sicher gut tun!", säuselt Mrs. Burbridge süß. Ach wie ich diese Schnepfe und ihre passiv-aggressive Art hasse.

„Mrs. Burbridge! Ich muss wirklich sagen, Sie haben sich mit der Organisation dieser Veranstaltung selbst übertroffen!", sage ich pflichtbewusst, um nicht noch mehr Minuspunkte zu sammeln.

„Ja, die Kinder liegen mir sehr am Herzen! Ich verstehe nicht, wie einige Mütter ihre Kinder so vernachlässigen können", sagt sie und ich muss gegen den Drang ankämpfen, ihr an die Gurgel zu gehen.

„Hey Vanillepudding, was machst du da?", fragt mich Christian und ohne zu warten drückt er mir einen Kuss auf den Mund, während er einen Arm um mich legt. Unverzüglich fühle ich mich sicher und geborgen.

„Ich habe eine Wassermelone getragen!", sage ich und halte ihm den Teller voll Wassermelone vor die Nase.

„Großartig!", erwidert er und und nimmt sich ein Stück.

‚Ich habe eine Wassermelone getragen?' Ich frage mich, ob ich das wirklich gesagt habe und schüttle innerlich meinen Kopf.

„Mrs. Burbridge! Welch' Freude, Sie wiederzusehen!", sagt er kühl und streckt ihr seine Hand entgegen.

„Mr. Steele, ich habe Sie vermisst letzte Woche!", sagt sie und schüttelt seine Hand.

„Oh das habe ich dir noch gar nicht erzählt", sage ich zu Christian gewandt. "Mrs. Burbridge und ich hatten letzte Woche ein Gespräch mit einem anderen Elternpaar, weil Tommy sich mit deren Jungen geprügelt hat, nachdem dieser ihn verspottet hatte, weil er keinen richtigen Daddy mehr hat", sage ich und beobachte genüsslich, wie Mrs. Burbridges Gesichtszüge entgleisen. Christian versteift sich auf ein Mal merklich und setzt sein CEO-Gesicht auf.

„Wie bitte?", fragt er mit einem so herrischen Ton, dass Mrs. Burbridge zusammenzuckt.

„Nunja, so ein Verhalten kann und werde ich an meiner Schule nicht akzeptieren!", versucht sie dem Blick von Christian stand zu halten. Allein der Versuch ist lächerlich.

„Aber jemanden zu verspotten, der vor einem Jahr seinen Vater verloren hat ist ok?", fragt Christian fast fuchsteufelswild.

„Offensichtlich, da es bei diesem Gespräch mit keinem Wort erwähnt wurde", streue ich noch Salz in die Wunde. Mrs. Burbridge wird kreidebleich und stammelt vor sich hin.

„Da haben wir uns wohl missverstanden!", blabbelt sie vor sich hin und versucht, zurückzurudern.

„Das glaub ich nicht! Mrs. Burbridge, offensichtlich haben Sie keine Ahnung, mit wem Sie es zu tun haben, deshalb lassen Sie mich Ihnen folgenden Rat geben: Sie lassen mich und meine Familie in Zukunft in Ruhe oder sie werden nicht wissen, was sie getroffen hat", sagt er in so einem ruhigen Ton, dass es sich sehr bedrohlich anhört. „Auf Wiedersehen!", sagt er noch und zieht mich hinter sich her. Ich kann mir ein Lächeln nicht verkneifen und wünschte mir, er wäre immer bei mir, wenn ich auf Mrs. Burbridge treffe.

Während dem Wettbewerb schaffen es Christian und Tommy bis ins Semifinale, scheiden da aber aus. Sie nehmen es sportlich und schütteln dem anderen Team die Hände, bevor sie wieder zu uns kommen. Ich umarme Tommy und lobe ihn für seine gute Leistung, bevor ich ihm sein Lego in die Hand drücke. Wir bleiben alle noch für die Siegerehrung hier und ich komme mit der Rothaarigen von vorhin länger ins Gespräch, bei dem ich erfahre, dass sie Stephanie heißt, fünfunddreißig Jahre alt und geschieden ist. Ihr Ex-Mann ist nicht zu dem Spiel gekommen, weil er sich nicht um seine zwei Kinder kümmert, dafür ist ihr Bruder als Onkel eingesprungen. Sie ist mir auf Anhieb sehr sympathisch und ich wünschte mir, dass da mit Ray noch was draus werden würde, da es auch gut für ihn wäre, denn er war schon viel zu lange alleine. Er sieht auch die ganze Zeit zu uns herüber und ihm quellen fast die Augen aus dem Kopf.

Als die Veranstaltung zu Ende ist, gehen wir in Richtung unserer Autos, wo Ray mich zur Seite nimmt und etwas verzwickt aussieht.

„Annie, Schatz, kann ich mir die Kids ausborgen? Stephanie hat vorgeschlagen, mit den Kindern noch zu McDonald's zu gehen", sagt er hoffnungsvoll.

„Klar doch, Ray! Viel Spaß!", kichere ich und verabschiede mich von meinen Männern. Als ich ihnen hinterher sehe kommt Christian zu mir. VERDAMMT!