CPOV
Als ich nach einem furchtbar langen und emotional schlauchenden Tag ins Escala komme, sitzt Elena im Wohnzimmer und telefoniert - wahrscheinlich mit einer ihrer Freundinnen über den neuesten Klatsch und Tratsch. Ich beobachte sie von Weitem und Ekel breitet sich in mir aus. Wie konnte ich dieses Etwas nur je als Freundin bezeichnen? Ohne sie zu begrüßen oder sonst wie mit ihr zu interagieren verschwinde ich gleich wieder in meinem Arbeitszimmer. Mir bleibt noch eine Stunde, bevor wir aufbrechen müssen, also tue ich am Besten noch etwas Produktives.
Nach einiger Zeit klopft es an meiner Tür.
„Herein!", sage ich beiläufig, während ich die Zahlen einer Firma durchgehe, die wir wohl als nächstes kaufen werden. Taylor betritt den Raum mit einer angespannten Körperhaltung und einem Gesichtsausdruck, der nichts Gutes verheißt. Ich schließe vorsorglich die Akte vor mir und lehne mich in meinem Sessel zurück.
„Raus mit der Sprache, was ist los Taylor?", frage ich gefasst.
„Seattle Nooz!", ist das einzige, was Taylor sagt und schon öffne ich meinen Laptop und browse die Webseite. Ich muss gar nicht lange suchen, denn wir sind auf der Startseite.
Geht Seattles begehrtester Junggeselle fremd?
Christian Grey wurde gestern in Montesano mit einer brünetten Schönheit gesichtet - sowie zwei Kindern. Gerade wollte er noch heiraten, schon hat er seine Familie. Nur was wird seine Verlobte dazu sagen? Für wen wird Christian Grey sich entscheiden? Und welches Spiel spielt er hier? Bleibt dran wenn wir die geheimen Informationen enthüllen!
Scheiße! Man sieht ein Foto, wie ich mit den Kindern an der Hand gerade das Hotel verlasse und eins, in dem ich Ana vor ihrem Haus küsse. Das gefällt mir ganz und gar nicht. Ich sehe zu Taylor und klappe meinen Laptop wieder zu.
„Taylor, Sie wissen, was zu tun ist. Ich möchte, dass diese Bilder in der nächsten Stunde verschwunden sind. Mrs. Steele bekommt eine 24-Stunden-Überwachung und geben sie in der PR-Abteilung Bescheid, dass wir keinen Kommentar zu dieser Sache abgeben werden", rattere ich meine Anweisungen herunter. Taylor ist ein Profi und ich vertraue ihm, dass er das mit links erledigt. Als er mein Büro verlässt, klappe ich den Laptop wieder auf, gehe noch einmal auf die Webseite und lade mir die Fotos herunter.
Danach greife ich zu meinem Handy, wo inzwischen schon eine Nachricht von Ana wartet. Mist!
Ich wusste, dass der Kuss keine gute Idee war! -A
Es tut mir so leid, ich hätte vorsichtiger sein sollen. Ein Mitarbeiter von meiner Security-Abteilung wird bald bei dir sein und auf euch aufpassen. -C
Du machst mir Angst! Bist du sicher, dass das nötig ist? -A
Ich bin mir sicher, dass es NICHT nötig ist, aber sicherheitshalber tu mir bitte den Gefallen und akzeptiere meine Security. -C
Na gut. Ich hoffe, es ist wenigstens ein hübscher, großer, dunkelhaariger Adonis, mit einem spanischen Akzent, und einem unglaublichen Lächeln, der jetzt länger in meiner Nähe ist ;) -A
Als ich auf die Uhr sehe, merke ich, dass ich mich fertig machen sollte und gehe in Richtung meines Schlafzimmers. Auf dem Weg klopfe ich am Sicherheitsraum an und sage Taylor Bescheid, dass er Sawyer zu Ana schicken soll. Auf gar keinen Fall bekommt sie einen dunkelhaarigen Adonis vor die Tür gesetzt. Wenig später stürmt Elena ohne zu klopfen in mein Schlafzimmer herein.
„CHRISTIAN! WAS ZUM TEUFEL FÄLLT DIR EIN?", kreischt sie und ich schwöre, irgendwann werde ich ihr das Maul zu tackern!
„Jetzt hör auf zu kreischen, es ist schon alles erledigt!", beschwichtige ich sie, während ich die letzten Knöpfe meines frischen Hemdes zuknöpfe.
„Ich glaube, du hast nun deinen Verstand komplett verloren! Von wegen es ist alles erledigt, ich habe bereits zwei Anrufe von Geschäftspartnern bekommen! Hast du überhaupt eine Ahnung, was du getan hast? Seit wann bist du so unvorsichtig geworden?", plappert sie weiter und ich verdrehe die Augen.
„Elena, ich kenne deine ‚Geschäftspartner'!", sage ich und mache theatralische Gänsefüßchen mit den Fingern. „Lass uns später darüber reden, jetzt sollten wir uns für Bellevue fertig machen und ich will nicht in einer gereizten Stimmung dort erscheinen", sage ich. Sie verdreht nun ihrerseits die Augen und rennt aus dem Zimmer.
Ich sehe noch einmal auf mein Handy.
Bist du dir sicher, dass das ein Sicherheitsmann ist? Er sieht eher wie eine lebende Einkaufstasche aus. Und sein Auto schafft sicher meinen ganzen Wochenendeinkauf! -A
Du darfst ihn gerne zweckentfremden. Allerdings schuldest du mir dann was! -C
Keine Sorge: Eine Steele begleicht stets ihre Schuld! Der Kuchen ist bereits im Ofen. -A
Als ich mit dem Aufzug voraus zum Auto fahre, genieße ich die Stille, bevor mir ein ganzer Abend mit Elena bevorsteht. Ein ‚Ping' unterbricht diese.
Luke ist fantastisch! Eine Frage: Wenn ich dich noch einmal vor den Paparazzi küsse, bekomme ich dann noch einen „Sicherheitsmann"? -A
Du darfst mich jederzeit küssen, allerdings nicht gerade vor den Paparazzi. Sicherheitspersonal ist teuer! -C
Ich muss schmunzeln, sage aber dennoch Taylor Bescheid, dass er Sawyer noch einmal auf die Finger klopft. Das letzte, was ich brauche, ist Konkurrenz!
