CPOV
Die Stimmung während der Autofahrt ist ein Horror, aber zum Glück kann ich ja auch am Handy E-Mails bearbeiten. Zumindest tue ich so als ob, schreibe aber mit Ana SMS und muss mich bemühen, dass ich nicht lächle.
Jetzt mal im Ernst: Ab wie vielen Paparazzis vor meiner Tür bekomme ich einen zweiten Sicherheitsmann? -A
Wie viele sind es denn? -C
Mit Kamera? Keiner. Aber ich schwöre, dass immer wieder sehr verdächtige Personen an meinem Haus vorbeikommen. Gemischt mit der Tatsache, dass ich bald meine Fassade renovieren muss und Ray Hilfe gebrauchen kann, wäre ein weiterer muskelbepackter Sicherheitsmann sehr hilfreich! -A
Ich sehe zu, was ich für dich tun kann! -C
Dann schreibe ich Taylor eine SMS, dass er Ana einen Trupp Handwerker schicken soll, die das Haus gleich generalsanieren.
Als wir in Bellevue ankommen, setzt Elena ihr künstliches, strahlendes Gesicht auf und geht mit mir zur Eingangstür. Heute macht uns Gretchen auf und verkündet, dass sich alle anderen im Wohnzimmer befinden, weshalb wir natürlich dort hin gehen.
Wir betreten den Raum und sehen, wie alle vor dem Fernseher hängen und gebannt auf den Bildschirm starren. Sie reagieren kaum auf unsere Begrüßung, also gehen wir neugierig zum Fernseher. Es rennt gerade irgendein Klatschmagazin, aber ich werde hellhörig, als ich meinen Namen höre. Oh nein, die Neuigkeiten haben wohl die Runde gemacht. Gebannt schaue nun auch ich auf den Fernseher und vernehme mit Horror, dass sie Anas Identität geknackt haben.
„Soviel zu ‚Es ist alles erledigt'!", zischt mir Elena zu und verschränkt die Arme vor der Brust. Aber zu meiner Verwunderung haben sie nicht nur das herausgefunden. Jetzt berichten sie gerade, dass Ana mich aus dem Krankenhaus geholt hat, nachdem Elena auch dort war und zeigen ein Video, wie Elena gerade das Spital verlässt und mit der Hand winkt, um zu zeigen, dass sie kein Interview geben möchte.
„WAS?", brülle ich und sehe sofort grimmig zu ihr, während sie entsetzt auf die Flimmerkiste schaut. Den Anderen sind stumm vor Entsetzen. Nachdem der Bericht zu Ende ist, in dem natürlich wild über die Beziehung zwischen mir und Ana spekuliert wurde, ist es mucksmäuschenstill im Raum. Alle sehen zu Elena, die ganz bleich geworden ist und beschämt zum Fernseher schaut.
Aber da auf Elliot immer schon Verlass war, ist es auch diesmal er, der die Stille bricht.
„Und eine Zeit lang dachten wir alle, dass du schwul bist, aber du hast ja anscheinend in jedem Hafen eine Braut!"
„Geh zum Teufel, Lelliot" ist meine einzige Antwort darauf.
„Christian, du warst im Krankenhaus? Warum wissen wir nichts davon? Was ist passiert?", fragt mich Grace. Aber ich bin gerade so stinkwütend, dass ich nur ein „Frag doch Elena, sie war doch auch im Spital!", herauspresse. Nun sehen alle zu Elena, die angespannt von einem Fuß auf den anderen tritt.
„Nun ja, wir haben ja eine Reise auf der Grace gemacht, als Christian über Bord ging. Ich habe es nicht bemerkt, da ich schon schlafen gegangen war und er noch etwas arbeiten wollte. Am nächsten Morgen …", fängt sie an zu erklären, aber als sie den Unfall erwähnt, fällt mir auf ein Mal alles wieder ein und ich rufe ein sehr ärgerliches „Schwachsinn!" aus. Elena reißt die Augen auf und macht ein paar Schritte rückwärts, bis sie in einen Fauteuil fällt. Sie sieht mich so geschockt an, dass meine Erinnerungen bestätigt werden. Ich schüttle den Kopf und komme mir so blöd vor. Diese hinterhältige Schlange hat mir das Leben in den letzten drei Wochen zur Hölle gemacht. Nein, in den letzten 15 Jahren!
