CPOV

Ich sitze auf meinem Balkon mit einer Flasche Bourbon und trinke gleich aus der Flasche. Ich bin auch schon ziemlich besoffen aber das ist mir jetzt auch egal. Der kühle Nachtwind tut gut und seit langem ist es das erste Mal, dass ich mich frei fühle, da ich mir nun 100%ig sicher bin, dass ich mit Elena nicht nur Schluss machen werde, sondern auch nichts mehr mit ihr zu tun haben will - und das ist großartig.

Nach einiger Zeit höre ich, wie die Balkontüre geöffnet wird und sich jemand neben mich setzt. Durch den Alkohol ist meine Reaktionszeit schon mächtig beeinträchtigt, also dauert es einige Zeit bis ich bemerke, wer sich neben mich gesetzt hat.

„Habe ich dir je erzählt, wie ich zu BDSM gekommen bin?", fragt Elena und schaut nachdenklich in die Ferne. Ich schüttle meinen Kopf und nehme noch einen großen Schluck aus meiner Flasche.

„Ich war schon etwas älter - 22 - und gerade zwei Jahre verheiratet. Linc war ständig auf Reisen, hatte in jeder Stadt ein Mädchen und wenn er mal da war, dann hatte er nie Zeit für mich. Ich war nur die Frau an seiner Seite, wenn er zu öffentlichen Anlässen erscheinen musste. Das war frustrierend und ich hatte diese unbändige Wut auf Linc, auf seine Arbeit und mein Leben. Irgendwann begann ich, mir unbewusst meine Arme und Beine aufzukratzen. Eine Freundin von mir hat sich Sorgen um mich gemacht und erst als sie mir meine Arme und Beine gezeigt hat, ist es mir aufgefallen. Natürlich bin ich zu einem Psychiater gegangen, aber richtig helfen konnte er mir nicht. Ich war dann in einer Phase, in der ich dann bewusst mitbekommen habe, dass ich mich selbst verletze, aber ich konnte nicht mehr aufhören damit. Ich war dann etwas verzweifelt, weil es wie eine Sucht war, doch dann hat mir eine Freundin von ihrer Affäre erzählt, der BDSM praktizierte und naja, der Rest ist Geschichte", erzählt sie ganz ruhig, bevor sie zu meiner Flasche greift und auch einen großzügigen Schluck trinkt.

„Christian, du musst mir glauben, dass ich dich nie verletzen wollte. Ich sah mich in dir und da BDSM mir das Leben so viel einfacher gemacht hat dachte ich, dass es dir auch helfen könnte. Mir war nie bewusst, wie sehr du noch Kind warst, da du mit 15 schon sehr reif ausgesehen hast. Und durch deine Kindheit warst du auch seelisch schon viel reifer. Doch das rechtfertigt natürlich nicht meine Taten", sagt sie.

„Weißt du, es ist ja nicht so, als ob es mir damals nicht gefallen hätte. Aber du warst die Erwachsene, du warst nicht verblendet von den vielen Hormonen. Du hättest mir wirklich so viel Gutes tun können, doch stattdessen hast du mich noch mehr zerstört. Du hast mir nicht geholfen, ein besseres Verhältnis zu meiner Familie, zu deiner besten Freundin, aufzubauen, sondern durch die viele Zeit, die du beansprucht hast, wurde die Familienbande sogar noch schlechter als zuvor", beklage ich mich und nehme noch einen Schluck aus der Flasche. „Ich möchte dich aus meinem Leben haben!", sage ich ganz ruhig.

„Christian bitte! Bitte tu' das nicht!", sagt Elena flehend. Doch ich habe kein Mitleid mit ihr, so wie sie jahrelang kein Mitleid mit mir hatte.

„Und ich möchte, dass du auch den Kontakt zu meiner Familie abbrichst!", sage ich mit meiner Dom-Stimme. Ich sehe aus den Augenwinkeln, wie Elena mich geschockt anstarrt. „Deine dämlichen Salons kannst du behalten, die werden sowieso demnächst pleite gehen! Und jetzt verschwinde! Deine Sachen werden dir morgen geliefert", sage ich, bevor ich die Flasche leer trinke. Elena sammelt sich ziemlich schnell und steht auf, patscht mir noch einmal entschuldigend auf die Schulter und geht.

Ich seufze, da mein Alkohol leer ist und mache mich auf den Weg in mein Büro, um Nachschub zu besorgen. Dort angekommen, suche ich erst einmal mein Handy, um Ana eine SMS zu schreiben. Sie wird es sicher schaffen, meine Stimmung zu heben.

Ich habe 20 Kugelschreiber und kein einziger schreibt noch. Warum schmeißt die niemand weg? -C

Weil es blöd aussehen würde, wenn der Stiftebecher leer ist. -A

Warum keine neuen kaufen? -C

Man vergisst schnell, dass man neue Stifte braucht, wenn der Stiftebecher voll ist. -A

Das macht Sinn. Das ist also das unlösbare Büroartikel-Problem. -C

Nein, das unlösbare Problem ist mein kaputter Drucker! -A

Du hast einen Drucker? -C

Ja, aber er ist kaputt! Wie viel würdest du für einen neuen Drucker ausgeben? -A

Hat überhaupt noch jemand einen Drucker? -C

Ja. Falls man einmal was ausdrucken möchte. Wo könnte ich wohl so etwas kaufen? -A

Kann man überhaupt noch Drucker kaufen?! Bin ich in ein Koma gefallen und in der Vergangenheit aufgewacht?! Ist das ein Science Fiction Retro Plot?! -C

Wie ich bereits sagte: Ana schafft es immer wieder, meine Stimmung zu heben!

Deine Versuche lustig zu sein ermüden mich und ich brauche meinen Schönheitsschlaf für meine New York-Reise. Gute Nacht! -A

Warte, WAS?


Montag Morgen hat Ros soweit alles in die Wege geleitet, damit wir MIP übernehmen können. Dazu gibt es heute ein Meeting mit den Leuten des Verlages. Andrea hat automatisch einen Konferenzraum und Erfrischungen hergerichtet und ist einfach unersetzbar.

Um 17:00 Uhr ist es dann soweit und als Andrea mir mitteilt, dass sich mein nächster Termin im Konferenzraum befindet, stehe ich auf, knöpfe mein Jackett zu und setze mein CEO-Gesicht auf. Showtime!

Ich betrete den Raum und erblicke fünf Leute. Lächerlich! Wenn eine Firma mit so vielen Leuten aufkreuzt, wollen sie normalerweise Macht und Überlegenheit suggerieren, aber leider spiele ich schon lange nicht mehr in dieser Kinderliga. Ich gebe ihnen eine Stunde, bevor sie mich anbetteln, ihre Firma zu übernehmen. Ros und ich nehmen am anderen Ende des Tisches platz und ziehen unsere Show ab, die wir in den letzten Jahren perfektioniert haben. Und tatsächlich knallen nach einer dreiviertel Stunde die Champagnerkorken und wir stoßen auf den gelungenen Deal an. Ich komme mit Mr. Roach ins Gespräch und versuche, ihn so unauffällig wie möglich über Ana auszuquetschen.

„Mrs. Steele? Ja natürlich weiß ich, wer das ist. Wenn sie private Probleme hat, ist sie kaum zu gebrauchen, aber wenn es bei ihr läuft, ist sie mit Abstand die Beste, die Sie bekommen können. Ich möchte sie um keinen Preis verlieren!", gibt er mir seine ehrliche Meinung. „Derzeit ist sie mit Mr. Hyde in New York und nimmt an einem Belletristik-Symposium teil." Ich werde hellhörig und präge mir diesen Namen genau ein. Sie hatte ihn mir gegenüber nie erwähnt.

Als ich wieder in meinem Büro sitze und die Akte für den Kauf von MIP mit den neuesten Informationen aktualisiere, kann ich nicht widerstehen und suche nach dem Backgroundcheck von Ana. Er sieht soweit ganz gut aus, nur ihr Kontostand macht mir Sorgen. Ich verfasse eine Aktennotiz, allen Mitarbeitern einen großzügigen Bonus zu zahlen um zu vertuschen, dass ich ihr finanziell unter die Arme greife. Danach sehe ich mir Hydes Backgroundcheck an und stöhne bei seinen Informationen auf. Es sieht so aus als ob er ein richtiger Weiberheld wäre und es gefällt mir ganz und gar nicht, dass Ana nun mit ihm alleine in New York ist. Also zücke ich mein Handy und tippe eine Nachricht.